Stundengebet

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Das aufgeschlagene Stundenbuch

Das Stundengebet (lat.: Liturgia horarum), auch "Officium divinum" (lat., "Göttlicher Dienst") genannt, ist das ständige Gebet der Kirche durch und mit Jesus Christus im Heiligen Geist zu Gott Vater. Mit dem Stundengebet erfüllt die Kirche den Auftrag des Herrn: "Ihr sollt allezeit beten und darin nicht nachlassen" (Lk 18,1).

Inhaltsverzeichnis

Stundengebet als Teil der Liturgie

Englisches Stundenbuch mit einem Hymnus, dessen Melodie ins neue GL aufgenommen wurde

Stundengebet und Eucharistie sowie die Feier und Spendung der Sakramente und gewisser Sakramentalien bilden die Liturgie der Kirche. Dabei durchdringen sich die Liturgie der Eucharistiefeier als eigentliche Mitte der Kirche (vgl. Enz. Ecclesia de eucharistia, 2003) und die Liturgie des Stundengebetes gegenseitig, indem das Stundengebet "den Tisch des Wortes" reichhaltiger deckt und auf die Eucharistiefeier hinführt. Letztlich geht das Stundengebet auf die alte jüdische Tradition der Tempelopfer (insbesondere Morgen- und Abendopfer) mit Gesang ausgewählter Psalmen zurück. So betrachtet steht es als lebendiges Gebet in einer jahrtausendealten Tradition.

Im Stundengebet wird die Zeit geheiligt: Jeder Augenblick des Tages soll Gott gehören und wird ihm als Lobopfer dargebracht. Dabei vollzieht die Liturgie des Stundengebetes die Rhythmen der Schöpfung und der Heilsgeschichte. Wird in den Laudes die Schöpfung und Neuschöpfung in der Auferstehung des Herrn vergegenwärtigt, so gedenkt die Kirche in der Vesper an das Opfer Jesu Christi am Kreuz. Darüber hinaus werden der besondere Rhythmus der Siebentagewoche und einzelner Wochentage (insbesondere Donnerstag bis Sonntag) im Licht der Heilsgeschichte geheiligt.

Wer das Stundengebet betet, vollzieht öffentliche Liturgie und tut dies in Stellvertretung für die ganze Kirche.

Kraft ihres Standes zum Stundengebet verpflichtet sind Bischöfe, Priester, Diakone und die meisten der Ordensleute. Als eingeladene Beter sollen sich aber auch die getauften und gefirmten Laien in der Welt kraft ihres "allgemeinen Priestertums" am Stundengebet beteiligen (vgl. Sacrosanctum Concilium, 100). Das hat auch historische Gründe und Vorbilder: Zur Zeit der frühen Kirche war die Stundenliturgie eine Gemeindeliturgie. Daraus ergibt sich, dass jeder diese Liturgie feiern und eine solche Feier in der Öffentlichkeit leiten kann. So sollen die gläubigen Laien und alle Menschen guten Willens wissen, dass sie stets hineingenommen sind ins Gebet der ganzen Kirche. Da das Stundengebet auch in den protestantischen (insbesondere in den evangelischen Orden) kirchlichen Gemeinschaften verwurzelt ist, kann es ein Weg wahren ökumenischen Betens sein.

Die Teile des Stundengebets

Das römische Stundengebet umfasst nach der Reform durch das Zweite Vatikanisches Konzil[1] die folgenden Horen:

Durch das Stundengebet wird der Tag ungefähr in einen 3-Stunden-Rhythmus strukturiert. Die erste Hore des Tages wird eröffnet durch das Invitatorium. Die früher nächtliche Matutin wurde zur Lesehore, die zu jeder beliebigen Stunde des Tages gebetet werden kann; sie enthält jetzt weniger Psalmen und mehr Lesungen. Laudes und Vesper (die Horae praecipuae) sind die "wichtigsten Horen" als Morgen- und Abendgebet und "doppelter Angelpunkt des kirchlichen Stundengebets". Die Prim ist entfallen. Terz, Sext und Non stellen die sogenannten "Kleinen Horen" dar, von denen für Priester nur eine verpflichtend ist, die nach der Tageszeit passend ausgewählt werden soll. Die Komplet ist die Hore zum Tagesabschluss.

Der Aufbau der Horen nach dem römischen Ritus

Das Stundengebet im Römischen Brevier ist folgendermaßen strukturiert:

In der Lesehore wird nach den Psalmen ein Vers gebetet, und danach folgen zwei größere Lesungen aus der Heiligen Schrift, Biographien von Heiligen (sog. hagiographische Lesung) oder Kommentare aus Texten der Kirchenväter. Abgeschlossen werden die Lesungen mit je einem Responsorium. Vor Sonntagen, Festen oder Hochfesten wird nach dem letzten Responsorium das Te Deum gesungen. Wird die Lesehore zur Vigil erweitert, folgen dem Responsorium der zweiten Lesung drei Cantica, das Evangelium und das Te Deum.

In der Komplet kann nach der Eröffnung eine Gewissenserforschung, das Schuldbekenntnis und eine Vergebungsbitte eingefügt werden. Die Komplet schließt mit der Marianischen Antiphon, je nach Zeit im Kirchenjahr. Ist die Vesper die letzte gemeinsame Hore, wird sie mit der gemeinsam gesungenen oder gebeteten Marianischen Antiphon beschlossen.

In den monastischen Orden wird meist nach eigener Ordnung gebetet oder gesungen, die sich in manchen Teilen von der des römischen Breviers unterscheidet. Vor allem werden hier mehr Psalmen gebetet oder gesungen.

Vollkommener Ablass

Ein vollkommener Ablass wird unter den gewöhnlichen Bedingungen demjenigen Christgläubigen gewährt, der ein approbiertes kleines Offizium in frommer Gesinnung verrichtet (z. B. vom Leiden des Herrn, vom Herzen Jesu, von der seligen Jungfrau Maria, von der Unbefleckten Empfängnis, vom heiligen Josef) (vgl. Enchiridion indulgentiarum 1999).

Päpstliche Schreiben

Pius X.

Paul VI.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. Sacrosanctum concilium Nr. 89