Lateinische Sprache

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Inschrift auf dem Lapis Niger, einer der ältesten überl. lateinischen Texte aus dem 6.-5. Jh. v. Chr.

Latein oder die lateinische Sprache (lat.: lingua latina) ist eine indogermanische Sprache, die ursprünglich von den Bewohnern von Latium mit Rom als ihrem Zentrum, gesprochen wurde. Sie ist eine Amtssprache der katholischen Kirche.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Die frühesten Zeugnisse der lateinischen Sprache reichen zurück bis ins 6. vorchristliche Jahrhundert, ab dem 3. vorchristlichen Jahrhundert liegen längere Texte vor, ihre volle Ausformung in der Gestalt des heute vor allem bekannten und gelehrten klassischen Lateins erreichte die Sprache im ersten vorchristlichen Jahrhundert.

Latein war die Amtssprache des Römischen Reichs und wurde, ähnlich der englischen Sprache heute, zur bekannten Verkehrssprache im Mittelmeerraum. Nach dem Untergang des weströmischen Reiches hat die Kirche Roms nicht nur weiterhin die lateinische Sprache verwendet, sondern ist gewissermaßen zu ihrer Hüterin und Förderin geworden, sowohl im theologischen und im liturgischen Bereich als auch bei der Ausbildung und der Weitergabe des Wissens.

Während sich aus der gesprochenen Umgangssprache, dem sogenannten Vulgärlatein, die romanischen Sprachen als Dialekt (italienisch) entwickelten, blieb das Latein der Literatur auch als nicht mehr lebendige Sprache bis in die heutige Zeit Sprache der Literatur, Wissenschaft, Politik und Kirche. Gelehrte wie Thomas von Aquin, Francesco Petrarca, Erasmus von Rotterdam, René Descartes oder Isaac Newton haben Werke in Latein verfasst. Bis in das 19. Jahrhundert, und im Vatikan bis ins 20. Jahrhundert, wurden die Vorlesungen an den Universitäten in ganz Europa auf Latein gehalten. Im Heiligen Römischen Reich deutscher Nation war Latein bis zu seinem Ende Amtssprache. In zahlreichen Lehn-, Fremdwörtern und Redewendungen ist Latein heute auch in nichtromanischen Sprachen vorhanden.

Puer natus est
Lateinischer Introitus, Graduale Kiedrich um 1300

Wegen seiner Bedeutung für die sprachliche und kulturelle Entwicklung Europas wird Latein an vielen Schulen und Universitäten weiterhin gelehrt. Für manche Studiengänge sind Lateinkenntnisse (ein sogenanntes Latinum) erforderlich.

Latein ist die Sprache der Theologie, Liturgie, Patristik und Kirchenrecht der lateinischen Kirche. Zudem sind – um den universalen Charakter der Kirche hervorzuheben – die normativen Ausgaben der liturgischen Bücher des Römischen Ritus, der wichtigsten Dokumente des Päpstlichen Lehramtes und der feierlichen offiziellen Verlautbarungen der römischen Päpste in dieser Sprache verfasst.[1]

Siehe auch: Liturgiesprache

Zeichen der Einheit und Unveränderlichkeit der Kirche

Der Gebrauch der lateinischen Sprache, wie er in einem großen Teil der Kirche Geltung hat, ist ein allen erkennbares und schönes Zeichen der Einheit und eine mächtige Schutzwehr gegen jegliche Verderbnis der wahren Lehre. Papst Pius XII. schreibt dies in der Enzyklika Mediator Dei über die Liturgische Sprache, Nr. 60 vom 20. November 1947.

Papst Johannes XXIII. sagte, dass die Kirche nicht nur eine universale, sondern auch eine unveränderliche Sprache gebrauchen muss. Wenn nämlich die Wahrheit der Kirche durch einige oder viele veränderliche moderne Sprachen überliefert würde, von denen keine den anderen an Ansehen überlegen wäre, so würde das natürlich zur Folge haben, dass, da sie eben verschieden sind, die Bedeutung der Wahrheit nicht deutlich und nicht genau genug von allen verstanden würde. So gäbe es keine gemeinsame und dauerhafte Norm, nach der sich der Sinn der übrigen Sprachen auszurichten hätte. Die lateinische Sprache muss, da sie gegen Veränderungen, die der tägliche Gebrauch in die Bedeutung der Worte einzuführen pflegt, längst geschützt ist, als eindeutig und unveränderlich angesehen werden, während die neuere Bedeutung einiger lateinischer Worte, die durch die Entfaltung des christlichen Lehrguts, dessen Darlegung und Verteidigung notwendig geworden ist, seit langem feststeht und anerkannt ist.[2]

Zweites Vatikanisches Konzil

Bei der Neugestaltung der Priesterausbildung beim Zweiten Vatikanischen Konzil wird in Optatam totius Nr. 13 auch auf die Sprache Latein Wert gelegt: Sie sollen zudem so viel Latein lernen, dass sie die zahlreichen wissenschaftlichen Quellen und die kirchlichen Dokumente verstehen und benützen können (Vgl. Summi dei verbum 993). Das Studium der dem eigenen Ritus entsprechenden liturgischen Sprache muss als notwendig verlangt werden; die angemessene Kenntnis der Sprachen der Heiligen Schrift und der Tradition soll sehr gefördert werden.

Und in der Liturgiekonstitution Sacrosanctum concilium heißt es in der Nr. 54: Es soll jedoch Vorsorge getroffen werden, dass die Christgläubigen die ihnen zukommenden Teile des Meß-Ordinariums auch lateinisch miteinander sprechen oder singen können.

In den ersten Jahren nach der Liturgiekonstitition (1964) verschwand das Kirchenlatein, mit der Ausnahme von Werken der Kirchenmusik, fast völlig aus der Liturgie. Dieser Zusammenbruch der Kultsprache der Kirche war so nicht vorhergesehen.[3] Anlässlich seiner Kommentierung des unschätzbaren Opfers, das die breite Zulassung der Volkssprachen für die römische Kirche bedeute, sprach Papst Paul VI.[4] aber zugleich schon von der Hoffnung, das Latein könne wieder entdeckt werden. Zu diesem Zweck hatte er die Stiftung Latinitas gegründet.

Päpstliche Akademie für die lateinische Sprache

Es erscheint dringend notwendig, den Einsatz für eine umfassendere Kenntnis und einen kompetenteren Gebrauch der lateinischen Sprache sowohl innerhalb der Kirche als auch in der übergreifenden Welt der Kultur zu fördern. Um einer solchen Anstrengung Gewicht und Widerhall zu verleihen, bedarf es um so dringender der Anwendung an die neuen Bedingungen angepaßter didaktischer Methoden und der Förderung eines Netzes von Beziehungen zwischen akademischen Einrichtungen und der Gelehrten untereinander, um das reiche und vielfältige Erbe der lateinischen Kultur in seinem Wert herauszustellen. Um zur Erreichung dieser Ziele beizutragen, errichte ich heute, indem ich den Spuren meiner verehrten Vorgänger folge, mit diesem Motu proprio die Päpstliche Akademie für die lateinische Sprache, die dem Päpstlichen Rat für die Kultur unterstellt ist.[5]

Sprachgestalt und Schreibweise

Das heutige Kirchenlatein, die Amtssprache für authentische Ausgaben päpstlicher und kurialer Verlautbarungen, ist eine aktualisierte Form des Mittellateinischen, die kontinuierlich um Neologismen ergänzt wird.

Die Schreibweise ist der moderner Sprachen angepasst: Satzanfänge und Eigennamen (Personen, Orte, Länder, Behörden) werden mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben.[6] Auch theologische Begriffe wie die Namen Gottes, Hoheitstitel und Wörter wie Mater Ecclesia, Sacramentum, Eucharistia, Missa, Sacra Scriptura werden mit großem Anfangsbuchstaben geschrieben.

Päpstliche Schreiben

Leo XIII.

  • 8. September 1899 Enzyklika Depuis le jour, 8. Sept. 1899 (Acta Leonis XIII. 19 [1899] 166).

Pius X.

Pius XI.

  • 1. August 1922 Apostolisches Schreiben "Officiorum omnium" über die Seminarien und das Studium der Kleriker. (Mit Weisungen bezüglich des Lateinunterrichtes (AAS, XIV [1922] 449-458).
  • 20. Oktober 1924 Motu proprio "Litterarum latinarum" DE PECULIARI LITTERARUM LATINARUM SCHOLA IN ATHENAEO GREGORIANO CONSTITUENDA (AAS 16 [1924] 417-420)

Johannes XXIII.

Paul VI.

Benedikt XVI.

Literatur

  • Benedikt Baur: Handbuch zur lateinischen Kirchensprache, Rottenburg 1928 (5. Auflage), nachgedruckt und überarbeitet von der Petrusbruderschaft. Online-Version als PDF
  • J.F. Niermeyer & C. van de Kieft: Mediae Latinitatis Lexicon Minus. Überarbeitet von J.W.J. Burgers, 2 Bände (A-L, M-Z), Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Weite, überarbeitete Auflage, Darmstadt 2002
  • Langenscheidts Taschenwörterbuch 1. Teil: Lateinisch-Deutsch, Bearbeitung von Erich Pertsch ISBN 3-468-10206-3; 2. Teil: Deutsch lateinisch von Prof Hermann Menge unter Berücksichtigung neulateinischer Ausdrücke ISBN 3-468-10206-4, Langenscheidt Berlin, München, Wien, Zürich.
  • Franz Binhack: Zusammenhängende deutsch-lateinische Übersetzungsstücke für den Schul- und Hilfsunterricht. Casuslehre. Josef Habbel Verlag Amberg 1877 (108 Seiten; 2. Auflage).

Weblinks

Anmerkungen

  1. vgl. Benedikt XVI.: Motu proprio, Latina lingua vom 10. November 2012.
  2. Papst Johannes XXIII. Veterum sapientia vom 22. Februar 1962.
  3. Papst Paul VI. an den Lateinkongress 1966
  4. Audienz vom 26. Nov. 1969 (ital.)
  5. vgl. Benedikt XVI.: Motu proprio Latina lingua vom 10. November 2012
  6. Handbuch zur lateinischen Kirchensprache, S. 29.