Griechische Sprache

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NT griechisch, Mt 1-12.

Die griechische Sprache (ἑλληνικὴ γλῶσσα) ist eine der indogermanischen Sprachfamilie angehörende Sprache. Die in der Antike verwendete und heute an den Schulen gelehrte Altgriechische Sprache und das im Griechenland der Neuzeit gesprochene Neugriechische sind zwei verschiedene Stufen der griechischen Sprache.

Griechisch hat eine Schrifttradition von über 3400 Jahren. Die abendländische Kultur ist maßgeblich durch die Sprache und Kultur der griechischen Antike geprägt. Mit der griechischen Sprache beginnt die europäische Literatur, Philosophie und Wissenschaft. Bedeutende Werke der Weltliteratur wie die Epen Homers, die großen Dramen von Aischylos, Sophokles und Euripides, die philosophischen Schriften von Platon und Aristoteles oder das Neue Testament sind auf griechisch verfasst worden. In zahlreichen Lehn- und Fremdwörtern ist Griechisch in vielen modernen Sprachen lebendig.

Geschichte

Die Abspaltung des Griechischen vom Indogermanischen wird für das 3. Jahrtausend vor Christus angenommen. Vorgänger der griechischen Stämme drangen, möglicherweise in mehreren Wellen, um 2000 v. Chr. nach Griechenland ein. Dort trafen sie auf eine kulturell hochstehende Urbevölkerung, Pelasger genannt. Die Sprache der Pelasger ist unbekannt, aber sie kann als Beimischung im Griechischen nachgewiesen werden.

Die ältesten schriftlichen Zeugnisse der Sprache sind in Linearschrift B geschrieben. Sie erscheinen ab dem 14. Jahrhundert vor Christus in der mykenischen Kultur als eher kurze Texte auf Transportamphoren. Längere Texte auf zahlreichen Tontäfelchen, ebenfalls rein praktischer Natur, wurden in den Archiven einiger mykenischer Paläste gefunden. Sie stammen aus der Zeit des beginnenden 12. Jahrhunderts vor Christus. Nach Zerstörung der meisten bisher bekannten mykenischen Paläste im 12. Jh. v. Chr. ging die Kenntnis der Linearschrift B verloren. Die strukturell ähnliche kyprische Silbenschrift auf Zypern blieb jedoch bis ins 3. Jahrhundert vor Christus gebräuchlich.

Vermutlich um 800 vor Christus wurde in Griechenland das phönizische Schriftsystem, das durch die Einfügung von Vokalzeichen abgewandelt wurde, eingeführt. Im klassischen Altertum ist eine Vielzahl von griechischen Dialekten feststellbar. Zu den wichtigsten zählen das (noch heute in Schulen als Altgriechisch gelehrte) Attische, das Ionische, das Dorisch-Nordwestgriechische, das Äolische und das Arkadisch-Kyprische. Die am Anfang der schriftlichen Überlieferung stehenden homerischen Epen, die Ilias und die Odyssee, wurden in einer künstlerischen Sprachform verfasst, die Wörter aus verschiedenen Dialekten benutzte, oft nach den Anforderungen des Sprachmetrums.

Die politische, wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung Athens im 5. Jahrhundert vor Christus machte den dort gesprochenen attischen Dialekt zur Grundlage einer überregional verwendeten Sprache, die durch die Eroberungen Alexanders des Großen im 4. Jahrhundert vor Christus zur damaligen Weltsprache (lingua franca) aufstieg. In dieser Sprache wurde auch das Neue Testament verfasst.

Im Römischen Reich blieb Griechisch neben dem Lateinischen die Amtssprache der östlichen Provinzen und wurde auch im Westen bei gebildeten Ständen vorausgesetzt. In der Osthälfte des Reiches war Griechisch bereits seit dem Hellenismus die dominierende Sprache.

Nach der Eroberung Ostroms durch die Araber war das Osmanische Reich gegenüber der griechischen Sprache im Allgemeinen tolerant: Schulunterricht in griechischer Sprache wurde nicht verboten, viele Griechen schafften es wegen ihrer Sprachkenntnisse bis in den Staatsdienst. Die erste Zeitung in Konstantinopel wurde auf Griechisch geschrieben. Zudem war das Griechische Kirchensprache. Der Verlust des Status als Amtssprache führte aber dazu, dass das Griechische in Folge erneut einem Wandel unterworfen wurde, vor allem geprägt von der Tendenz zur Vereinfachung der klassischen, komplexen grammatischen Struktur.

Nach der Gründung des modernen griechischen Staates 1829/30 wurde die Katharévousa, die "Reine Sprache", offizielle Unterrichts- und Amtssprache, eine künstlich geschaffene Hochsprache, die zunächst als Mittelweg zwischen stark antikisierenden und vulgaristischen Modellen für die neue Staatssprache konzipiert war, sich jedoch ab den 1830er-Jahren hinsichtlich des Wortschatzes und der Grammatik zunehmend am klassischen Attisch orientierte. Das Nebeneinander dieser Hochsprache und der Volkssprache zog große Probleme im Bildungsbereich nach sich. Nach zahlreichen Initiativen im Laufe des 20. Jahrhunderts wurde 1976 die Volkssprache endgültig zur Sprache der staatlichen Verwaltung und der Wissenschaft. Die orthodoxe Kirche hält für den schriftlichen Gebrauch jedoch weiterhin an der Katharévousa fest.

Obwohl sich die Aussprache des Griechischen im Verlauf der Jahrtausende vielfach änderte, blieb die Schrift weitgehend konstant. Durch einen Erlass im Jahr 1982 wurden die Hauchzeichen abgeschafft und die Akzente durch ein einziges Zeichen (Tonos), das die betonte Silbe anzeigt, ersetzt.

Sowohl die griechische Sprache als auch die Schrift hatten auf die Entwicklung Europas großen Einfluss. Das lateinische und das kyrillische Alphabet wurden auf der Basis des griechischen Alphabets entwickelt. Das Neue Testament wurde erstmals von Erasmus von Rotterdam in griechischer Sprache gedruckt.

Literatur

  • Francisco Rodríguez Adrados, Geschichte der griechischen Sprache. Von den Anfängen bis heute. A. Francke Verlag, Tübingen/Basel 2002, ISBN 3-8252-2317-5.
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