Heiligmachende Gnade

Aus Kathpedia
(Weitergeleitet von Gnadenleben)
Wechseln zu: Navigation, Suche
"Ich (Christus) bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt, und in wem ich bleibe, der bringt reiche Frucht; denn getrennt von mir könnt ihr nichts vollbringen." (Joh 15,5 EU) "... Gib, dass ich in deinem Leib, dem auserwählten Weinstock bleib, ein Zweig in frischem Triebe... "[1]

Heiligmachende Gnade [gratia sanctificans], Rechtfertigende Gnade [gratia iustificans], Gnadenstand oder Gnadenleben) ist das von Gott bei der Rechtfertigung in der Seele hervorgebrachte übernatürlich göttliche Leben der Seele, das in der Taufe als zweite Gottebenbildlichkeit,[2] geschenkt wird und durch die schwere Sünde (=Todsünde [Stand der Ungnade]) verlorengeht, bis es durch die vollkommene Reue oder durch eine gute Beichte wiedererlangt wird. Durch sie haben die Menschen an der göttlichen Natur Anteil (Divinae consortes naturae, 2 Petr 1,4 EU)[3], wodurch die Gotteskindschaft begründet wird.[4] Die übernatürliche Würde, die sie dem Menschen verleiht, ist das wichtigste Erfordernis, um durch gute Werke im eigentlichen Sinne bei Gott (Verdienste) erwerben zu können.[5] In der Offenbarung des Johannes wird sie ein aus den guten Werken der Heiligen gewobenes Gewand aus Linnen von blendender Weiße bezeichnet (vgl. Offb 19,8 EU).[6]

Inhaltsverzeichnis

Erklärung

Wie das Licht durch sein bloßes Vorhandensein ohne weiteres die Finsternis verscheucht und Helligkeit verbreitet, so vertreibt die heiligmachende Gnade (als Formalursache der Rechtfertigung) den Zustand der Todsünde aus der Seele, erneuert dieselbe und macht sie gerecht und wohlgefällig vor Gott.[7] Die heiligmachende Gnade ist einer unbegrenzten Steigerung fähig. Der Grad, den sie am Ende der Zeit des Verdienens, also am Lebensende, erreicht hat, ist der Maßstab für die wesentliche Seligkeit des Himmels. [8]

Die lässliche Sünde entzieht nicht die heiligmachende Gnade, die Freundschaft mit Gott, die Liebe und so auch nicht die ewige Seligkeit, während ein solcher Entzug gerade die Folge der Todsünde ist.[9]

Die heiligmachende Gnade im Katechismus der Katholischen Kirche

Gnade-Sünde.jpg

„Die Gnade Christi besteht darin, dass uns Gott ungeschuldet sein Leben schenkt. Er gießt es durch den Heiligen Geist in unsere Seele ein, um sie von der Sünde zu heilen und sie zu heiligen. Das ist die heiligmachende oder vergöttlichende Gnade, die wir in der Taufe erhalten haben. Sie ist in uns der Ursprung des „Heiligungswerkes" (Vgl. Joh 4,14 EU; Joh 7,38-39 EU). „Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt" hat (2 Kor 5,17-18 EU). Die heiligmachende Gnade ist ein bleibendes Geschenk, eine übernatürliche feste Neigung. Sie vervollkommnet die Seele, um sie zu befähigen, mit Gott zu leben und aus seiner Liebe zu handeln. Man unterscheidet die sogenannte habituelle Gnade, das heißt eine bleibende Neigung, entsprechend dem göttlichen Ruf zu leben und zu handeln, von den sogenannten helfenden Gnaden, das heißt dem göttlichen Eingreifen zu Beginn der Bekehrung oder im Verlauf des Heiligungswerkes. Charismen sind auf die heiligmachende Gnade hingeordnet und haben das Gemeinwohl der Kirche zum Ziel. Sie stehen im Dienst der Liebe, welche die Kirche aufbaut (Vgl. 1 Kor 12 EU. - Vgl. Konzil von Trient: DS 1533-1534: KKK Nr. 1999-2000+2003).“

Der Verlust der Heiligmachenden Gnade

Ist die Heiligmachende Gnade durch die Schwere Sünde verloren gegangen, wohnt Gott nicht mehr im Herzen dieses Menschen.[10] Dieser hat durch seine Todsünde die Liebe und heiligmachende Gnade verloren und ist deswegen unfähig geworden zu übernatürlichem Verdienst. Er verliert jedoch das übernatürliche Leben nicht ganz, denn wenn er den Glauben (Habitus[11]) und die christliche Hoffnung bewahrt und durch himmlisches Licht erleuchtet, durch die Einsprechungen und inneren Antriebe des Heiligen Geistes, kann er zu heilsamer Furcht gebracht werden, kann zum Gebet und zur Reue über den Fall angespornt werden.[12] Der Glaube allein, genügt zur Erlangung der ewigen Seligkeit jedoch nicht (vgl. 1 Kor 13,13 EU). Der Verlust der Heiligmachenden Gnade ist ein Verlust der "Liebe" und der "ewigen Seligkeit".[13]

Christliche Eltern können, so sehr sie selbst im Gnadenstande sein mögen, die heiligmachende Gnade nicht an ihre Kinder weitergeben. Sie werden mit der Erbschuld geboren. "Ihre Aufgabe ist es, ihr eigenes Kind der Kirche darzubringen, damit es von dieser überaus fruchtbaren Mutter der Kinder Gottes durch das Bad der Taufe zur übernatürlichen Gerechtigkeit wiedergeboren" und ein lebendiges Glied am mystischen Leibe Christi sind.[14]

Weitere theologische Erklärungen

Wird die heiligmachende Gnade durch eine neue Rechtfertigung (in der Beichte) wiedergewonnen, so leben nach der wahrscheinlicheren Ansicht die früher erworbenen Verdienste voll wieder auf. Demgemäß wird auch anzunehmen sein, dass in diesem Falle die heiligmachende Gnade in einem der früheren Verdiensten entsprechende Gnade zugegeben wird.[15]

Gleichwie die Seele die natürliche Wesensform ist, die den Menschen zum Menschen macht und als dessen Lebensprinzip vermittelst ihrer Fähigkeiten und deren angeborenen oder erworbenen Fertigkeiten alle Lebenstätigkeit hervorbringt, so ähnlich ist die heiligmachende Gnade die Form des höheren, übernatürlichen Seins und Lebens der begnadeten Seele.[16]

"Das Blut Christi", das er während seines Leidens vergossen hat und das wir in der Eucharistie empfangen, vermittelt "jene Teilhabe am göttlichen Leben, die wir 'heiligmachende Gnade' nennen und die uns wahrhaft zu Kindern Gottes macht (1 Joh 3,1-2 EU)".[17]

Grundentscheidung und Heiligmachende Gnade[18]

Tabellarischer Überblick zur Heilung des Einzelmenschen

Wertung Zustand der Leibessäfte Ausdünstender
leiblicher -
Geruch
materielles
Universalheilmittel
Leibliche
natürliche Folge
Wille Zustand der Seele Ausstrahlender seelischer -
Geruch
geistliches Universal- heilmittel seelische
übernatürliche Folge
👍
Positiv
gute
Freude
Duft (wie
Weihrauch)
Tägl. Brot +
Wein - (getragenes Leid)
Gesundheit 😍
Gedeihen
Gottes
Freude
Heiligmachende Gnade - GdH
Tugend
Vergebung
Liebe
Tägl. BROT + Gebet - aufgeopfertes Leid
Gottnähe
Ewiges Leben
😇
Negativ
👎
schlechte (üble)
Traurigkeit
Gestank (wie Schwefel)
II Zimt - Muskat-Kekse - Zimtwein II
Krankheit 🤒
(Schwarzgalle)
Tod
des Teufels -
Eigenwille
Traurigkeit
Todsünde bis Verstocktheit
Laster
Unversöhnlichkeit
Hass
II Reue - Taufe -
Beichte
II
Gottferne
Ewiger Tod
☠️
Gebet: Komm herab, o Heil'ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. Vater aller Armen Du, Aller Herzen Licht und Ruh, Komm mit Deiner Gaben Zahl ! Tröster in Verlassenheit, Labsal voll der Lieblichkeit, Komm, Du süßer Seelenfreund! In Ermüdung schenke Ruh, In der Glut hauch Kühlung zu, tröste den, der Tränen weint. O Du Licht der Seligkeit, mach Dir unser Herz bereit, dring in unsre Seelen ein! Ohne Dein lebendig Wehn, kann im Menschen nichts bestehn. Wasche, was beflecket ist; heile, was verwundet ist; tränke, was da dürre steht; beuge, was verhärtet ist; wärme, was erkaltet ist; lenke, was den Weg verfehlt ! Heil'ger Geist, wir bitten Dich: Gib den gläubig Schauenden, Den auf dich vertrauenden, Deiner sieben Gaben Kraft ! Gib den Lohn der Tugend ganz, Gib' des Heiles vollen Glanz, und dereinst die Seligkeit. Amen. Halleluja (Pfingstsequenz).


Weblinks

Anmerkungen

  1. vgl. Gotteslob 2013, Nr. 357, Lied "Wie schön leuchtet der Morgenstern", 3. Strophe.
  2. vgl. Johannes IV.: Brief »Dominus qui dixit« an Kaiser Konstantin III. im Frühjahr 641 - DH 496.
  3. »Die heiligmachende Gnade macht den Menschen der göttlichen Natur teilhaftig.«: Pius XII. am 23. Oktober 1940 (Ideal der christlichen Ehe, S. 104, Rex Verlag Luzern 1946 2. Auflage; Druckerlaubnis des bischöflichen Ordinariates Basel vom 17. September 1943 Dr. Lisibach, Generalvikar).
  4. Bernhard Brinkmann: Katholisches Handlexikon, Butzon & Bercker Verlag Kevelaer 1960, S. 111, Heiligmachende Gnade (2. Auflage; Imprimatur N. 4-18/60 Monasterii, die 2. Februarii 1960, Böggering Vicarius Eppi Generalis).
  5. Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, S. 128.
  6. Wörterbuch zur biblischen Botschaft, Herausgegeben von Xavier Lèon-Dufour, Herder Verlag Freiburg 1981, S. 76, Artikel: Brautschaft (827 Seiten; ISBN 3-451-1417-4; Imprimatur Freiburg im Breisgau, den 20. Juli 1964 Der Generalvikar Dr. Föhr).
  7. Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, S. 127.
  8. Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, S. 128.
  9. Johannes Paul II., Reconciliatio et paenitentia vom 2. Dezember 1984 über Versöhnung und Buße in der Sendung der Kirche heute, Nr. 17.
  10. vgl. Mystici corporis christi, Nr. 57.
  11. Benedikt XVI. Enzyklika Spe salvi Nr. 7; er zitiert Thomas von Aquin, Summa Theologiae II-IIae, q. 4, a. 1.
  12. Pius XII., Mystici corporis christi, vom 29. Juni 1943 über den Geheimnisvollen Leib Christi, Nr. 23.
  13. Johannes Paul II., Veritatis splendor, vom 6. August 1993 über einige grundlegende Fragen der kirchlichen Morallehre, Nr. 68.
  14. vgl. Pius XI., Casti connubii, vom 31. Dezember 1930 über die christliche Ehe, in Hinsicht auf die gegenwärtigen Verhältnisse, Bedrängnisse, Irrtümer und Verfehlungen in Familie und Gesellschaft, Nr. 14.
  15. Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, S. 127-128.
  16. Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, S. 128.
  17. Pius XII. in der Ansprache an die Teilnehmer des zehnten Nationalkongresses der «Vereinigung italienischer Blutspender» am 9. Oktober 1948: Soziale Summe Pius' XII., Band 1, S. 375ff; Nr. 774.776.
  18. Kongregation für die Glaubenslehre: Erklärung Persona humana zu einigen Fragen der Sexualethik vom 29. Dezember 1975, Nr. 10; Johannes Paul II., Veritatis splendor, Nr. 65-70.
Meine Werkzeuge