Tod

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Die letzen Dinge

des einzelnen Menschen
der gesamten Schöpfung

Der Tod ist das Ende des irdischen Lebens, des Pilgerstandes. Im Unterschied zur allgemeinen Vergänglichkeit in der Schöpfung erfährt die Menschheit seit Anbeginn ihre Sterblichkeit bewusst. Nach jüdischer und christlicher Tradition kam mit der Sünde Adams der Tod in die (menschliche) Welt (Gen 2,17 EU, 3,19 EU).

Inhaltsverzeichnis

Ursprung des physischen Todes[1]

Der Tod ist in der gegenwärtigen Heilsordnung eine Straffolge der Sünde. Paulus von Tarsus weist in seinen Briefen durchgängig darauf hin, dass der Tod eine Folge der Sünde Adams ist: Röm 5,12 EU: "Durch einen Menschen ist die Sünde in die Welt gekommen und durch die Sünde der Tod, und so ist der Tod auf alle Menschen übergegangen, weil alle gesündigt haben." (Vgl. Röm 5,15 EU; Röm 8,10 EU; 1 Kor 15,21f EU.)

Der heilige Augustinus von Hippo verteidigte diese klare Offenbarungslehre gegen die Pelagianer, die die "Urstandsgaben" - die Wesensmerkmale des Menschen aufgrund der biblischen Urgeschichte (Gen 1-11) - leugneten und darum den Tod ausschließlich aus der natürlichen Beschaffenheit des Menschen ableiteten. Das Konzil von Trient lehrte im Erbsündedekret, dass sich Adam durch die Übertretung des göttlichen Gebotes den Tod zuzog, den ihm Gott vorher angedroht hatte, und dass er den Tod auf das ganze Menschengeschlecht weitergab (D 788 f.; vgl. D 101, 175).

Der Mensch war nach dem Zeugnis der Offenbarung im Paradies zunächst mit der präternaturalen Gabe der leiblichen Unsterblichkeit ausgestattet. Zur Strafe für die Übertretung des göttlichen Gebotes wurde über ihn der vorher angedrohte Tod verhängt (Gen 2,17 EU: "An dem Tag, da du davon isst, wirst du des Todes sterben" = dem Tod verfallen sein). Gen 3,19 EU: "Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du zur Erde zurückkehrst, von der du genommen bist; denn Staub bist du und zum Staub sollst du wieder zurückkehren.")

Allgemeinheit des Todes [2]

Alle erbsündigen Menschen sind dem Gesetz des Todes unterworfen (De fide. D 789).

Paulus begründet aus der Allgemeinheit der Erbsünde die Allgemeinheit des Todesloses (Röm 5,12 EU). Vgl. Hebr 9,27 EU: "Es ist den Menschen gesetzt, einmal zu sterben."

Auf Grund eines besonderen Privilegs können jedoch einzelne Menschen vor dem Tode bewahrt bleiben. Die Heilige Schrift berichtet von Henoch, dass er entrückt wurde, ohne den Tod zu schauen (Hebr 11,5 EU; vgl. Gen 5,24 EU; Sir 44,16 EU), und von Elias, dass er im Sturmwind zum Himmel auffuhr (2 Kön 2,11 EU; 1 Makk 2,58 EU). Zahlreime Väter und Theologen seit Tertullian (De anima 50) nehmen im Hinblick auf Offb 11,3 ff EU an, dass sie vor dem WeItende wiederkommen, für Christus Zeugnis ablegen und den Tod erleiden werden. Diese Deutung ist jedoch unsicher. Die neuere Exegese versteht unter den zwei Zeugen Moses und Elias oder Männer, die ihnen gleichen.

Paulus lehrt, dass die bei der Wiederkunft Christi lebenden Gerechten nicht „entschlafen“ (= sterben) werden, sondern sogleich verwandelt werden. 1 Kor 15,51 EU: "Alle werden wir nicht entschlafen, alle aber werden wir verwandelt werden.“ (Die Lesart der Vulgata ist sekundär, Vgl. 1 Thess 4,15 ff EU). Exegetisch kaum haltbar ist die auch von Thomas von Aquin (S. th. 1 II 81, 3 ad 1) vertretene Erklärung, der Apostel wollte nicht den Tod überhaupt, sondern nur einen längeren Todesschlaf in Abrede stellen.

Bedeutung des Todes [3]

Mit dem Eintritt des Todes hört die Zeit des Verdienens und des Missverdienens und die Möglichkeit der Bekehrung auf (Sent. Certa).

Im Gegensatz zur Lehre der Kirche steht die Apokatastasislehre des Origenes, wonach die verdammten Engel und Menschen sich bekehren und schließlich zu Gott gelangen, sowie die im Altertum (Pythagoras, Plato, Gnostiker und Manichäer) und auch in der Gegenwart (Theosophen) weit verbreitete Lehre von der Seelenwanderung (Metempsychose, Reinkarnation), wonach die Seele nach dem Verlassen ihres bisherigen Leibes in einen anderen Leib eingeht, bis sie vollkommen geläutert ist, um zur Seligkeit zu gelangen.

Eine Synode von Konstantinopel im Jahre 543 verwarf die Apokatastasislehre (D 211). Auf dem Ersten Vatikanischen Konzil war die Definition der Lehre von der Unmöglichkeit der Rechtfertigung nach dem Tode in Aussicht genommen (ColI. Lac. VII 567).

Es ist eine Grundlehre der Heiligen Schrift, dass sich die jenseitige Vergeltung nach dem Verdienst oder Mißverdienst des Erdenlebens richtet. Nach Mt 25,34ff EU macht der Weltrichter sein Urteil von der Verrichtung oder Unterlassung guter Werke auf Erden abhängig. Der reiche Prasser und der arme Lazarus sind im Jenseits durch eine unüberwindliche Kluft voneinander getrennt (Lk 16,26 EU). Die Zeit des Erdenlebens ist der "Tag", die Zeit der Arbeit, die Zeit nach dem Tode ist "die Nacht, da niemand wirken kann" (Joh 9,4 EU). Paulus lehrt: "Jeder wird empfangen, was er durch den Leib (= auf Erden) verdient hat, je nachdem er gehandelt hat, sei es gut oder bös" (2 Kor 5,10 EU). Er mahnt darum, Gutes zu tun, "solange wir Zeit haben" (Gal 6,10 EU. Vgl. Offb 2,10 EU).

Die Kirchenväter lehren bis auf einzelne Anhänger des Origenes (Gregor von Nyssa, Didymus), dass die Zeit der Buße und Bekehrung auf das Erdenleben beschränkt ist. Cyprian erklärt: "Ist man von hinnen geschieden, so ist keine Möglichkeit mehr für die Buße, ohne Wirkung ist die Genugtuung. Hienieden wird das Leben entweder verloren oder gewonnen“ (Ad Demetrianum 25). Vgl. Ps.-Klemens, 2 Kor 8,2f EU; Aphrates, Demonstr. 20,12; Hieronymus, In ep. Ad Gal. III 6, 10; Fulgentius, De fide ad Petrum 3, 36.

Die Einschränkung der Verdienstmöglichkeit auf die Zeit des Erdenlebens beruht auf einer freien Anordnung Gottes. Es ist jedoch sehr angemessen, dass die Zeit über das ewige Schicksal des Menschen entscheidet, da Leib und Seele miteinander vereinigt sind, weil sich auch die ewige Vergeltung auf beide erstrecken wird. Für den Menschen ergibt sich daraus die Forderung, die Zeit des Erdenlebens auszunützen für die Gewinnung des ewigen Lebens.

Der Tod ist die Trennung von Leib und Seele

Ausgehend von der griechischen Philosophie, wird der Tod in der christlichen Tradition verstanden als "Trennung der Seele vom Leib". Die Lehre fand seit Augustinus Eingang in den christlichen Glauben und die christlichen Endzeithoffnung; Augustinus drückte den christlichen Glauben in der Vorstellungswelt und Terminologie der griechischen Philosophie aus, die seit Platon von der „Unsterblichkeit der Seele“ geprägt ist.

Das Konzil von Vienne (1311-1312) Vienne lehrte, dass die "Substanz der vernunft- bzw. verstandesbegabte Seele, wahrhaftig und durch sich Form des menschlichen Leibes ist" (Materie und Form). Jeder der künftig behauptet oder hartnäckig festhält, dass die Seele nicht

"wesenhaft die Form des menschlichen Leibes" (forma corporis humana per se et essentialiter) sei, ist als Häretiker anzusehen (DH 902).

Die Kongregation für die Glaubenslehre brachte die lehramtliche Formulierung in ihrer Erklärung Iura bona zu einigen Fragen der Eschatologie 1979 wie folgt zum Ausdruck:

„Die Kirche hält an der Fortdauer und Subsistenz eines geistigen Elementes nach dem Tode fest, das mit Bewusstsein und Willen ausgestattet ist, so dass das "Ich des Menschen" weiterbesteht, wobei es freilich in der Zwischenzeit seiner vollen Körperlichkeit entbehrt. Um dieses Element zu bezeichnen, verwendet die Kirche den Ausdruck ‚Seele‘.“

Die Trennung der Seele vom Leib ist bis heute gültige Lehre der Kirche und in den Katechismen der katholischen Kirche stets bezeugt (vgl. KKK 1992 Nr. 997+1016, KKKK 2005 Nr. 205 und Youcat 2010 Nr. 154; Catechismus Romanus: Das Sterben Christi sei die Trennung der Seele vom Leib).[4] Die "Leib-Seele-Einheit" des Menschen stellt die Kongregation für das Katholische Bildungswesen im Pontifikat Benedikt XVI. im Dekret Ad operam zur Reform der kirchlichen Studien der Philosophie 2011 heraus, wobei es auf die Enzyklika Veritatis splendor (Nr. 48) verweist und diese die Seele als "per se et essentialiter Form des Leibes" bezeichnet.

Die Glaubenskongregation lehrte in der Instruktion Ad resurgendum cum Christo 2016 über die Beerdigung der Verstorbenen und die Aufbewahrung der Asche im Fall der Feuerbestattung, Nr. 2 in den Worten:

"Durch den Tod wird die Seele vom Leib getrennt; in der Auferstehung aber wird Gott unserem verwandelten Leib das unvergängliche Leben geben, indem er ihn wieder mit unserer Seele vereint."

Der Christ und der Tod

Für Christus und Maria war der Tod wegen ihrer Freiheit von der Erbsünde weder Sündenstrafe noch bloße Sündenfolge. Mit Rücksicht auf die Eigenart der menschlichen Natur war der Tod für sie jedoch natürlich (Vgl. Thomas von Aquin: S. th. III 64,1; III 14,2.).[5]

Für den durch Christi Erlösungstod und den Empfang der Taufe und der Sakramente Gerechtfertigten verliert der Tod den Strafcharakter und wird zur bloßen Sündenfolge (poenalitas). Der leibliche Tod erhält für den Christen einen neuen Sinn. Er ist nicht mehr bloß ein unausweichliches Schicksal, in das man sich ergibt, eine Verfügung Gottes, der man sich beugt, eine Straferkenntnis, die die Menschen in Auswirkung der Sünde getroffen hat. Der Christ "stirbt für den Herrn", wie er für ihn gelebt hat (Röm 14,7 EU; vgl. Phil 20 EU). Und wenn er als Martyrer Christi stirbt und sein Blut zum Zeugnis für Christus vergießt, so ist sein Tod eine Selbsthingabe, die in den Augen Gottes den Wert eines Opfers besitzt (Phil 2,17 EU; 1 Tim 4,6 EU). Dieser Tod, durch den er "Gott verherrlicht" (Joh 21,19 EU), verschafft ihm die Krone des Lebens (Offb 2,10 EU; Offb 12,11 EU). Auf diese Weise ist er aus einer furchteinflößenden Notwendigkeit zum Gegenstand einer Seligpreisung geworden: "Selig die Toten, die im Herrn sterben, sie sollen ausruhen von ihren Mühen" (Offb 14,13 EU). Der Tod der Gerechten ist ein Eingehen in den Frieden (Weish 3,3 EU), in die ewige Ruhe, in das Licht, das kein Ende kennt (Requiem aeternam dona eis, Domine, et lux perpetua luceat eis).[6]

Die Hoffnung auf Unsterblichkeit und Auferstehung, die im Alten Testament bereits zum Durchbruch gekommen ist, hat nun im Geheimnis Jesu Christi ihre feste Grundlage gefunden. Denn die Einbeziehung in seinen Tod verleiht dem Christ nicht nur gegenwärtig ein neues Leben, sondern gibt ihm auch die Zuversicht, dass "derjenige, der Christus Jesus von den Toten auferweckt hat, auch unsere sterblichen Leiber zum Leben auferwecken wird" (Röm 8,11 EU). Dann aber werden wir durch die Auferstehung in eine neue Welt eingehen, wo es "keinen Tod mehr geben wird" (Offb 21,4 EU).[7]

Der Christ betet im Gemeinsamen Priestertum für die Verstorbenen, denn es ist "ein heiliger und frommer Gedanke" für die Toten zu beten, da jene die in Frömmigkeit (der Heiligmachenden Gnade) sterben, auferstehen werden. Man entsühnt die Toten, damit sie von ihren Sünden befreit werden (vgl. 2 Makk 12,43-45 EU) z. B. durch Fürbitte oder Messstipendien.

Der erste und der zweite Tod

"Tod" bedeutet im Sprachgebrauch der Heiligen Schrift auch den Verlust der Nähe zu Gott (vgl. Gen 3,8 EU, Kol 2,13 EU; Offb 3,1 EU), welcher schon hier im irdischen Leben als Verlust der Heiligmachenden Gnade geschehen kann (darum "Todsünde"; vgl. 1 Joh 5,16 EU).[8] Der Mensch wird dadurch der ewigen Seligkeit verlustig.[9] Ist der Mensch in der Todsünde gestorben, wird er beim Einzelgericht verworfen, aber auch beim Gericht über alle Toten den endgültigen "zweiten Tod" (Offb 20,6-14 EU; vgl. Offb 2,11 EU; Offb 21,8 EU) erleiden. Er wird für immer vom wahren Leben in der Anschauung Gottes, der ewigen Seligkeit, getrennt. Dieser zweite Tod, der Feuersee, ist den Verworfenen, dem Teufel, dem Tode und der Unterwelt vorbehalten (vgl. Offb 20,10.14 EU). [10] Umgekehrt: für die mit Christus in den Sakramenten der Taufe und der Beichte (= Erste Auferstehung im Heiligen Geist) wiedergeborenen Auserwählten, wird es keinen "zweiten Tod", sondern eine Ewige Auferstehung (=Zweite Auferstehung) geben (Offb 20,6 EU; vgl. Offb 2,11 EU).

Sterbeliturgie und weitere Vorbereitung auf den Tod

Weiter Päpstliches

Johannes Paul II.

Franziskus

Literatur

siehe: Abtreibung, Transplantation, Suizid

Weblinks

Anmerkungen

  1. Ludwig Ott: Grundriss der katholischen Dogmatik Herder Verlag 1981, S. 563-564 (10. Auflage; Imprimatur Freiburg im Breisgau, den 2. Dezember 1969 Der Generalvikar Dr. Schlund.
  2. Ludwig Ott: Grundriss der katholischen Dogmatik Herder Verlag 1981, S. 564.
  3. Ludwig Ott: Grundriss der katholischen Dogmatik Herder Verlag 1981, S. 564-565.
  4. vgl. weitere Nachweise: Paul VI.: "Sofort nach dem friedvollen Hingang (Marias von Nazareth) wurde sie in wunderbarer Einheit von Leib und Seele wieder zusammengefügt, im Stande der Fülle und Beglückung aufgenommen in jenes Reich der Herrlichkeit, das wir Paradies nennen (Ansprache im Mailänder Dom zum Fest der Himmelfahrt Marias (15. August 1955).RDM 1955, S. 308 ff.: Aus dem Buch: "Christus und der Mensch von heute". S. 303 Download; Pius XII.: Ansprache vom 24. November 1957, Le Dr. Bruno Haid: über moralische Probleme der Wiederbelebung; L. Walk in: LThK 1. Auflage, 1938, Band 10, Sp. 187; Joseph Braun: Handlexikon der katholischen Dogmatik, Herder & Co. G.m.b.H. Verlagsbuchhandlung, Freiburg im Breisgau 1926, S. 288-Tod (356 Seiten; Imprimatur Friburgi, die 17. Iulii 1926 Dr. Sester, Vic. Gen.).
  5. Ludwig Ott: Grundriss der katholischen Dogmatik Herder Verlag 1981, S. 564.
  6. vgl. Pierre Grelot in: Wörterbuch zur biblischen Botschaft, S. 666: Tod.
  7. vgl. Pierre Grelot in: Wörterbuch zur biblischen Botschaft, S. 666-667: Tod.
  8. vgl. Pierre Grelot in: Wörterbuch zur biblischen Botschaft, S. 666: Tod.
  9. vgl. Johannes Paul II., Veritatis splendor, vom 6. August 1993 über einige grundlegende Fragen der kirchlichen Morallehre, Nr. 68.
  10. vgl. Pierre Grelot in: Wörterbuch zur biblischen Botschaft, S. 667: Tod.
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