Pelagianismus

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Der Pelagianismus ist eine Irrlehre, welche das Christentum als eine Summe hoher und höchster moralischer Forderungen versteht, die jeder Christ in steter Askese verwirklichen soll. Diese sittlichen Gebote, das Gesetz Gottes, findet er in der Heiligen Schrift, die er kennen und ständig meditieren muss.

Der Brite Pelagius verließ um 390 seine Heimat um in Rom als christlicher Asket zu leben, ohne sich jedoch einer Mönchsgemeinschaft anzuschließen. Er gelangte zu hohem Ansehen und konnte eine Schar Gleichgesinnter um sich sammeln. Zu ihnen gehörte auch der ehemalige Rechtsanwalt Caelestius, der ein eifriger Verkünder des Pelagianismus wurde.

Lehre

Die Lehre des Pelagius zeichnet sich aus durch eine kompromisslose Ernsthaftigkeit und durch einen starken Optimismus in der Bewertung der Menschennatur und ihrer Fähigkeiten. Sie appelliert vor allem an den menschlichen Leistungswillen, denn nach Ansicht der Pelagianer kann ein Christ das Heil erlangen, wenn er aus all seinen Kräften die Gebote Gottes erfüllt. Die pelagianische Verkündigung ist dominiert vom Hinweis auf das Beispiel Christi für ein moralisches Leben und auf den himmlischen Lohn, der die Christen nach einem vollkommenen Leben erwarte sowie von Apellen an Gefühle des Stolzes und des Ruhmes. Weder Gebote von grösserem und geringerem Gewicht werden unterschieden noch schwere und leichtere Sünden. Die Pelagianer vertreten einen sittlichen Puritanismus. Die evangelischen Räte sieht Pelagius als Ideale für alle Christen. Er will eine makellose Kirche verwirklichen.

Der Pelagianismus ist nicht in erster Linie ein theologisches Lehrsystem, setzt aber einige theologische Auffassungen voraus, die sich im Laufe der Zeit immer mehr akzentuierten:

  • Die Sünde Adams war demgemäss nur seine persönliche Schuld und konnte nur als Beispiel des Ungehorsams gegen Gottes Gebot negativ auf die Menschheit wirken. Der freie Wille des Menschen blieb unversehrt, und jeder Mensch kann auch nach dem Sündenfall aus eigener Kraft und freiem Willen die Sünde meiden.
  • Die Gnade, die Gott durch Christus schenkt, wird hauptsächlich verstanden als positives Beispiel eines christlichen Lebens, das die Christen eindringlich zu seiner Nachfolge in der Erfüllung der Gebote Gottes anspornt.
  • Die Taufe tilgt nur persönliche Schuld. Daher wird die Kindertaufe nicht als heilsnotwendig angesehen.
  • Die Sakramente und die Notwendigkeit des Gebetes werden abgewertet zugunsten einer sittlichen Leistung aus eigener Kraft.

Die Pelagianer sahen sich als echte Vollchristen im Gegensatz zu den zahlreichen Durchschnitts- und Halbchristen des 4. Jh. in den grossen Christengemeinden, v.a. Roms, die der Meinung waren, der blosse Empfang der Taufe sei eine Heilsgarantie, oder ein sündenfreies, vollkommenes Christenleben sei nicht möglich.

Pelagius verfasste zahlreiche Schriften, von denen nur drei erhalten sind, deren Echtheit unbestritten ist: ein knapper Kommentar zu 13 Paulusbriefen, eine asketische Abhandlung an die aus dem Haus der Anicier stammende Römerin Demetrias und sein Glaubensbekenntnis für Papst Innozenz I. Gemäss neueren Forschungen stammen jedoch weitere vier Kurzschriften mit hoher Wahrscheinlichkeit von ihm und von seinem Schülerkreis ist eine Anzahl Texte, meist Briefe, erhalten.

Erhaltene antipelagianische Schriften stammen von Augustinus, Hieronymus, Orosius und Marius Mercator. Erwähnenswert ist davon besonders der Bericht De gestis Pelagii von Augustinus.


Verbreitung

Pelagius organisierte seine Anhänger nicht. Jeder soll innerhalb der Kirche durch sein Leben für das Programm eines authentischen Christentums wirken und werben.

Die Reformbewegung des Pelagius fand starke Beachtung. Viele Bischöfe standen ihr positiv gegenüber und auch Augustinus erwähnt stets anerkennend das asketische Ansehen, das Pelagius geniesse. Die Ideen des Pelagius wurden von Caelestius stark gefördert und es entstand ein ganzes Netz pelagianischer Gruppen, welche untereinander einen regen Briefwechsel pflegten. Besonders erfolgreich war die Bewegung in Sizilien, griff auch nach Nordafrika über, erreichte Spanien, Gallien und Irland und im Osten über Rhodos auch das Heilige Land und die Städte Ephesus und Konstantinopel.

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