Begräbnis

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Begräbnis oder Bestattung ist die Beerdigung des toten Leichnams. Es ist ein leibliches Werk der Barmherzigkeit. Die Beerdigung ist die angemessenste Form, um den Glauben und die Hoffnung auf die leibliche Auferstehung zum Ausdruck zu bringen.[1]

"Nachdrücklich empfiehlt die Kirche, dass die fromme Gewohnheit beibehalten wird, den Leichnam Verstorbener zu beerdigen; sie verbietet indessen die Feuerbestattung nicht, es sei denn, sie ist aus Gründen gewählt worden, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen." (Kirchenrecht can. 1176 § 3).

Die Förderung der Leichenverbrennung im 20. und 21. Jahrhundert, ist in der christlichen Kultur, ein gewohntes und deshalb im Empfindungshorizont nicht mehr wahrgenommenes Anti-Zeichen zum Auferstehungsglauben, der im 19. Jahrhundert offen bekämpft wurde. Am Anfang des 21. Jahrhunderts, wird um Allerheiligen herum in Zeitungen für die Feuerbestattung massiv geworben. Finanzielle oder praktische Gründe für die Leichenverbrennung sind in der Praxis oft ausschlaggebend. Gebräuche, wie Friedwälder und Aschenverstreuung auf Bergen oder der See ab dem 20. Jahrhundert sind neuheidnischen Ursprungs. Psychologisch ist es für die Trauernden wichtig, den Bestattungsort des Verstorbenen zu kennen.

Grab mit Blumenschmuck nach einer Beerdigung

Inhaltsverzeichnis

Allgemeiner geschichtlicher Rückblick

Die Toten würdig zu bestatten gehört zu den Urbedürfnissen des Menschen. In der Art und Weise der Bestattung unterscheiden sich allerdings Kulturen und Religionen. Grundsätzlich und vereinfachend kann in der Geschichte zwischen Feuer- und Erdbestattung unterschieden werden. Für beide Formen gibt es frühgeschichtliche Zeugnisse, wobei die Erdbestattung wohl die ursprünglichere war. Feuer- und Erdbestattung wechselten sich in einzelnen Epochen ab und überlagerten sich zeitweise. Die Festlegung auf eine bestimmte Bestattungsform wurde motiviert durch religiöse Anschauungen, aber auch durch praktische Gründe. Im außereuropäischen Raum sind Indien und der vom Hinduismus geprägte Kulturkreis die klassische Region der Leichenverbrennung.

Jüdischer Bestattungskult

Das Gottesvolk des Alten Bundes pflegte die Erdbestattung und betrachtete Leichenverbrennung als eine strafwürdige Schändung. In diesem Sinne droht der Prophet Amos den Moabitern göttlichen Zorn an, "weil sie die Gebeines des Königs von Edom zu Staub verbrannt haben" (Am 2,1). Selbst ein hingerichteter Verbrecher soll ein Grab in der Erde finden (Dtn 21,23), und im Falle seines großen Dieners Moses übernimmt sogar Gott selbst, anstatt den Leichnam mit himmlischem Feuer zu verbrennen, die Beerdigung: "Er begrub ihn in einem Tal im Lande Moab gegenÜber von Phogor, aber niemand kennt sein Grab bis auf den heutigen Tag." (Dtn 34,6).[2]

Christlicher Bestattungskult

Über den Totenkult in frühchristlicher Zeit geben uns vor allem die Katakomben detaillierten Aufschluss; solche gab es in größerem Ausmaß in Rom, wir finden sie aber auch in Neapel, Syrakus, Malta und Tunesien. Eindrucksvoll bezeugen diese unterirdischen Grabanlagen das Bedürfnis, den Leichnam der Verstorbenen in die Erde zu legen, auch wenn der zur Verfügung stehende Raum sehr beengt war. Die Kraftanstrengung, weitläufige Begräbnisstätten unter der Erde zu errichten, um dadurch dem christlichen Glauben Ausdruck zu verleihen, überzeugt umso mehr, als der Trend rund um die Zeitenwende im Römerreich die Feuerbestattung war. Im abendländischen Raum setzte sich in Folge der Christianisierung die Erdbestattung flächendeckend durch und blieb durch alle Jahrhunderte bestehen.

Aufgebahrter Sarg in einer Kapelle.jpg

Der Neue Bund hebt die jüdischen Weisungen nicht auf, sondern erfüllt (vgl. Mt 5,17), ja verstärkt sie. Weil die Christen den leiblich begrabenen und leiblich auferstandenen Erlöser vor Augen hatten; weil sie den Körper eines aus Wasser und Geist in der Taufe wiedergeborenen Menschen (Joh 3,15) als Tempel des Heiligen Geistes betrachteten (vgl. 1 Kor 6,19 EU)[3]; weil sie die beglückende Verheißung im Herzen trugen, dass das in Verweslichkeit, Unansehnlichkeit und Schwachheit Gesäte in Unverweslichkeit, Herrlichkeit und Kraft auferstehen wird und der sinnenhafte Leib als ein geistiger Leib (1 Kor 15,42-44) gesehen wird. Deshalb betteten sie - anders als viele der Heidenvölker - die Leichname ehrenvoll in die Erde, aus der sie einst "in einem Augenblick, beim Schall der letzten Posaune ... als Unverwesliche auferweckt werden" (1 Kor 15,52).[4] Deshalb ist die Erdbestattung, eine entsprechende sinnfällige Form dieses Auferstehungsglaubens, der in einer schönen Sargbestattung (mit Kreuz und Rosenkranz um die Hände; bei einer Jungfrau: mit weißem Röschenkranz um das Haupt) Ehrerbietung findet. Sie ist eine kirchliche Verkündigungsform des Auferstehungsglaubens.

Bestattungskult seit der Französischen Revolution

Erstmalig in der französischen Revolution wurde der massivere Versuch unternommen, die Erdbestattung in Frage zu stellen. Die Einführung einer obligatorischen Feuerbestattung für Freidenker war gedacht als bewusste Provokation des christlichen Auferstehungsglaubens. Freidenkerische Kreise des 19. Jahrhunderts forcierten - teils durch Gründung eigener Vereine - die Feuerbestattung als ausdrückliches Zeichen, um sich von der katholischen Tradition abzusetzen. Zeitgleich setzte ein Werben von medizinischer Seite mit hygienischen Gründen ein. 1876 in Mailand und 1878 in Gotha wurden erstmals Krematorien in Betrieb genommen. Für Katholiken blieb die Feuerbestattung weiterhin durch das Kirchenrecht verboten. Erst als die kämpferische Förderung der Leichenbestattung als ein Anti-Zeichen zum Auferstehungsglauben an Bedeutung verlor und vorwiegend hygienische, ästhetische und finanzielle Gründe für die Leichenverbrennung angeführt wurden, hob die Katholische Kirche ihr ausdrückliches Verbot in all den Fällen auf, wo nicht ein Abfall vom Glauben ausschlaggebend für die Wahl ist. Als es 1963 zu dieser Lockerung kam, wurde argumentiert, dass immer mehr Christen in Kulturkreisen leben, wo eine Erdbestattung nur unter großer Mühe durchzuführen oder gar unmöglich ist.

Die Feier des Begräbnisses (Ordo exsequiarum)

Hauptartikel: Kirchliche Begräbnisfeier

Begräbnis durch einen Bischof auf dem Friedhof (2015)

Das christliche Begräbnis ist eine liturgische Feier der Kirche (Vgl. SC 81–82). Der Dienst der Kirche will einerseits die wirkkräftige Gemeinschaft mit dem Verstorbenen zum Ausdruck bringen; andererseits will er auch die zur Bestattung versammelte Gemeinde an dieser Feier teilnehmen lassen und ihr das ewige Leben verkünden. (vgl. KKK 1684-1690, KKKK 354-356). Es gibt drei Formen der Bestattungsfeier, die den drei Stätten entsprechen, an denen sie stattfindet – dem Haus, der Kirche und dem Friedhof (KKK 1686). Der Begräbnisfeier steht ein Priester oder Diakon vor (vgl. auch KKK 1570).

Was die ohne Taufe verstorbenen Kinder betrifft, kann die Kirche sie nur der Barmherzigkeit Gottes anvertrauen, wie sie dies im entsprechenden Begräbnisritus tut. (KKK 1261). "Die Leichen menschlicher Embryonen und Föten, seien sie nun vorsätzlich abgetrieben oder nicht, müssen geachtet werden wie die sterblichen Überreste von anderen menschlichen Wesen."[5]

Falls sich der Verstorbene offenkundig aus Gründen, die der christlichen Glaubenslehre widersprechen, für die Feuerbestattung und das Ausstreuen der Asche in der Natur entschieden hat, ist das kirchliche Begräbnis zu verweigern.[6]

Die Aufbewahrung der Asche bei der Feuerbestattung[7]

Wenn aus legitimen Gründen die Wahl der Feuerbestattung getroffen wird, ist die Asche des Verstorbenen in der Regel an einem heiligen Ort[8] aufzubewahren, also auf einem Friedhof oder, wenn es angebracht ist, in einer Kirche oder an einem für diesen Zweck von der zuständigen kirchlichen Autorität bestimmten Ort. Bestattungen in einem sogenannten Friedwald lässt die Katholische Kirche nur zu, wenn diese nicht anonym erfolgen.[9]

Die Aufbewahrung im Wohnraum ist normalerweise nicht gestattet. Erlaubt es die Bischofskonferenz, darf sie jedoch nicht unter verschiedenen Familien aufgeteilt werden, und in jedem Fall müssen Ehrfurcht und angemessene Bedingungen der Aufbewahrung gewährleistet sein.

Um jegliche Zweideutigkeit pantheistischer, naturalistischer oder nihilistischer Färbung zu vermeiden, ist es nicht gestattet, die Asche in der Luft, auf dem Land oder im Wasser oder auf andere Weise auszustreuen oder sie in Erinnerungsgegenständen, Schmuckstücken oder anderen Objekten aufzubewahren. Denn für diese Vorgangsweisen können nicht die hygienischen, sozialen oder ökonomischen Gründe angeführt werden, die der Wahl der Feuerbestattung zugrunde liegen können.

Lehramtliche Schreiben

Benedikt XV.

  • 1917 Codex Iuris Canonici, can. 1203 § 1: "die Leiber der Verstorbenen müssen beerdigt werden, während ihre Verbrennung verweigert wird".

Paul VI.

Johannes Paul II.

Benedikt XVI.

Franziskus VI.

siehe auch: Requiem, Kirchliche Schreiben zur Leichenverbrennung, Communicatio in sacris

Weblinks

Anmerkungen

  1. Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 2300.
  2. Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus, November 2016
  3. vgl. Direktorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie 2001, Nr. 253.
  4. Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus, November 2016
  5. Kongregation für die Glaubenslehre, Instruktion Donum vitae vom 22. Februar 1987; DH 4796).
  6. CIC, can. 1184; CCEO, can. 876, § 3.
  7. Kongregation für die Glaubenslehre: Instruktion Ad resurgendum cum Christo zur Bestattung der Verstorbenen und Aufbewahrung der Asche nach der Kremation vom 15. August 2016.
  8. In der überlieferten Begräbnisliturgie wird das Grab mit folgenden Worten gesegnet: "Gott, durch dessen Erbarmen die Seelen der Gläubigen ruhen, segne dieses Grab und gib ihm Deinen heiligen Engel als Wächter. Befreie die Seele dessen, der hier begraben wird, von allen Fesseln der Sünde, damit sie sich immerdar in Dir mit allen Heiligen ohne Ende erfreue. " aus; Informationsblatt der Priesterbruderschaft St. Petrus, November 2016.
  9. Das sind die Regeln zur Feuerbestattung Katholisch.de am 25. Oktober 2016
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