Fastenzeit

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche

Fastenzeit bezeichnet die römisch-katholische Kirche die vierzigtägige Vorbereitungszeit auf das heilige Osterfest und die Osterzeit. Diese beginnt am Aschermittwoch und endigt am Karsamstag. Sie umschließt ein vierzigtägiges gebotenes Fasten. Davom stammt der alte deutsche Name Fastenzeit.

In der Heiligen Schrift begegnen uns die Hinweise zur bedeutsamen Zahl 40 an der Fastenzeit. Vierzig Tage und Vierzig Nächte strömte der Regen der strafenden und sühnenden Sintflut. Vierzig Jahre mußte das Volk Israel vor dem Einzug in das Gelobte Land in der Wüste ausharren und wandern. Vierzig Tage fastete Moses, ehe er von Gott auf dem Berg Sinai die zehn Gebote für sein Volk empfing. Unter viezigtägigem Fasten pilgerte der Prophet Elias zum Berge Horeb durch die Wüste und hatte dann seine Gotteserfahrung. Vierzig Tage und Nächte fastete Jesus Christus selbst nach seiner Taufe in der Wüste vor seinem öffentlichen Auftreten und Lehren, vor der Verkündigung der Frohbotschaft und des Gesetzes des Neuen Bundes.

Tatsächlich sind es 46 Tage, die hier zusammengefaßt werden, aber weil an den Sonntagen nicht gefastet wird, kommt man somit auf die 40 Tage Fastenzeit. Die römisch-katholische Kirche begeht die Fastenzeit mit Buße, Opfern und mit besonders eifrigen Gebet. Zum Zeichen der beginnenden Bußzeit wird am Aschermittwoch Asche geweiht und den Gläubigen auf das Haupt gestreut mit den Worten: "Gedenke, o Mensch, daß du Staub bist und wieder zu Staub wirst !". Die Asche gilt als Symbol der Vergänglichkeit menschlichen Lebens.

"Wenn ihr fastet, macht kein finsteres Gesicht !", heißt es in der Bibel (Mtth. 6,16). Fasten bedeutet, sich nur einmal am Tag satt zu essen und das Abstinenzgebot verlangt einen Verzicht auf Fleischspeisen. Deshalb bedeutet Fasten im biblischen Sinne, mit den Gaben Gottes und seiner Schöpfung verantwortungsvoll umzugehen und diese maßvoll zu gebrauchen.

Die Fastenzeit soll eine stille und ernste Zeit der Besinnung sein. Ein Mittel, um die Früchte der Fastenzeit zu sichern, ist der Geist der Zurückgezogenheit. Der Christ soll daher gerade an diesen Tagen die eitlen Vergnügungen und weltlichen Unterhaltungen meiden. Wenn der Heiland leidet, sollen wir uns nicht vergnügen. Die Freitage der Fastenzeit sind Abstinenztage. Der Priester trägt das violette Meßgewand. Die Orgel schweigt, die Blumen und der Schmuck der Kirche fehlen. Das Gloria fällt aus. Mit dem Palmsonntag beginnt die Karwoche. Die Karwoche heißt Leidenswoche oder Klagewoche. Am Gründonnerstag wird die Einsetzung des allerheiligsten Altarsakramentes gefeiert. Nachher wird das Allerheiligste vom Hochaltar weggetragen. Die Glocken verstummen. Der Bischof weiht die heiligen Öle. Am Karfreitag ist keine heilige Messe. Der Gottesdienst hat fünf Teile: Lesungen aus dem Alten Testament, Leidensgeschichte des Heilandes, Fürbitten für alle Menschen, Kreuzenthüllung und Kreuzverehrung, "Messe" der vorgeheiligten Gaben. Nachher verehren die Gläubigen das heilige Kreuz. Am Karsamstag werden Feuer, Osterkerze und Taufwasser geweiht. Die Kirche begeht die Auferstehungsfeier. Im Hochamt wird feierlich der Osterruf, das Alleluja, angestimmt.

Geschichte

Jesus Christus selbst hatte im Hinblick auf sein Leiden und seine Getreuen vorausgesagt: "Es werden Tage kommen, da ihnen der Bräutigam entrissen wird und dann werden sie fasten" (Matth. 9,15). In diesen Worten liegt der der Keim der heiligen Fastenzeit. Im Anschluß an die apostolische Zeit bestand im 2. Jahrhundert die Übung, vom feierlichen Gedächtnistage des Opfertodes Jesus Christus bis zum Auferstehungsfeste aufs strengste zu fasten. Viele genossen damals am Karfreitag und Karsamstag keinerlei Speis und Trank. Dieses Fasten war ein tatsächliches Mitleiden mit dem Herrn und eine heiligende Vorbereitung auf Ostern. Es war Leidens- und Osterfasten. Im 3. Jahrhundert hatte es sich auf die Werktage der ganzen Karwoche ausgedehnt, aber mit unterschiedlicher Strenge. Kaum hundert Jahre später, am Ende der Märtyrerzeit nach dem Frieden der Kirche unter Konstantin des Großen († 337), finden wir das Osterfasten auf 36 Tage angewachsen. Wohl zuerst in der Mutterkirche von Rom wurde nach Gregor des Großen († 604) die Zahl auf 40 erhöht und mit dem Aschermittwoch begonnen. So wurde das Osterfasten eine lebendige Erinnerung an das 40tägige Wüstenfasten des Heilandes. Der uralte lateinische Name Quadragesima für diesen Zeitraum des Kirchenjahres besagt zunächst nur: "Vierzig Tage", nämlich vor Ostern, der einst den Anfang des Osterfastens bestimmte. Mittelbar bezeichnet das Wort auch die ganze Fastenzeit. Im 6. bzw. 7. Jahrhundert setzte sich durch, dass der Sonntag ein Festtag ist, der nicht zur Fastenzeit gehört.

Bis zur Liturgiereform (1969) und im außerordentlichen Ritus gibt es eine Vorfastenzeit. Es ist die Zeit der Vorbereitung auf die Fastenzeit, diese umfaßt den 1. Sonntag der Vorfastenzeit namens Septuagesima (lateinisch: "der siebzigste") , der 2. Sonntag der Vorfastenzeit wird Sexagesima (lateinisch: "der sechzigste" Tag) und der letzte Sonntag der Vorfastenzeit wird Quinquagesima (lateinisch: "der fünfzigste") genannt.

Literatur

Siehe auch: Triduum sacrum

Weblinks

Botschaften zur Fastenzeit von Papst: Franziskus Benedikt XVI. Johannes Paul II. Paul VI.

Partnerprojekte
Andere Sprachen