Karwoche

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Karwoche (althochdt.: kara 'Kummer, Sorge'[1]) ist die Woche vor Ostern, die letzte Woche der Österlichen Bußzeit. Sie wird so bezeichnet, weil sie in Liturgie, Volksfrömmigkeit und betrachtendem Gebet des einzelnen das Leiden und Sterben Christi mitvollzieht. Die liturgische Bezeichnung ist "Heilige Woche" (lat. hebdomada sancta), die den Ostersonntag einbezieht.

Inhaltsverzeichnis

Karwoche - Heilige Woche

Traditionell war mit "Karwoche" die Zeit vom Palmsonntag bis zum Karsamstag gemeint. Seit der Reform der Karwochenliturgie durch Papst Pius XII. zwischen 1951 und 1956 ist der Sprachgebrauch geändert. Die kirchliche Liturgie spricht seit dem Ordo Hebdomadae Sanctae instauratus (Ordnung der erneuerten Heiligen Woche), der zum Palmsonntag 1956 in Kraft trat, von der Zeit zwischen Palmsonntag bis einschließlich des Ostersonntags als "Heiliger Woche". Mit "Karwoche" ist jetzt die Zeit von Palmsonntag bis zur Non des Gründonnerstags gemeint. Daran schließt sich das "Triduum Sacrum" an, das von der abendlichen Messfeier am Gründonnerstag bis zur Vesper des Ostersonntags dauert. Die Zeit von Ostersonntag bis Pfingstsonntag wird als "Osterzeit" bezeichnet.

Die Entwicklung von der "Karwoche" zur "Heiligen Woche" unter Einbeziehung von Ostern trägt der zentralen Bedeutung des Pascha-Mysteriums, der Einheit von Tod und Auferstehung Christi, Rechnung. Der Tod Jesu ist für die christliche Gemeinde das wahre Pascha-Opfer; das im Pascha geopferte Lamm wird zum Symbol der erlösenden Hingabe Jesu (1 Kor 5,7 EU, Joh 19,36 EU). Dieser theologische Gedanke wurde von dem Maria Laacher Benediktiner Odo Casel wiederentdeckt und vom Zweiten Vatikanischen Konzil in seiner Konstitution Sacrosanctum Concilium (Nr. 102-106) zu einer erneuerten Oster-Theologie entfaltet. Aus Ostern, dem Pascha-Ereignis, erwächst die Kirche. In der Eucharistie wird es vergegenwärtigt, bevorzugt am "Herrentag", dem Sonntag als "Wochen-Ostern".[2]

„Dieses Werk der Erlösung der Menschen und der vollendeten Verherrlichung Gottes, dessen Vorspiel die göttlichen Machterweise am Volk des Alten Bundes waren, hat Christus, der Herr, erfüllt, besonders durch das Pascha-Mysterium: sein seliges Leiden, seine Auferstehung von den Toten und seine glorreiche Himmelfahrt. In diesem Mysterium "hat er durch sein Sterben unseren Tod vernichtet und durch sein Auferstehen das Leben neugeschaffen"[3]. Denn aus der Seite des am Kreuz entschlafenen Christus ist das wunderbare Geheimnis der ganzen Kirche hervorgegangen.“

Sacrosanctum concilium 5

„Aus apostolischer Überlieferung, die ihren Ursprung auf den Auferstehungstag Christi zurückführt, feiert die Kirche Christi das Pascha-Mysterium jeweils am achten Tage, der deshalb mit Recht Tag des Herrn oder Herrentag genannt wird. An diesem Tag müssen die Christgläubigen zusammenkommen, um das Wort Gottes zu hören, an der Eucharistiefeier teilzunehmen und so des Leidens, der Auferstehung und der Herrlichkeit des Herrn Jesus zu gedenken und Gott dankzusagen, der sie "wiedergeboren hat zu lebendiger Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten" (1 Petr 1,3 EU). Deshalb ist der Herrentag der Ur-Feiertag, den man der Frömmigkeit der Gläubigen eindringlich vor Augen stellen soll, auf dass er auch ein Tag der Freude und der Muße werde.“

Sacrosanctum concilium 106

Aufbau der Heiligen Woche

Karwoche

"Die Karwoche dient dem Gedächtnis des Leidens Christi, das mit seinem messianischen Einzug in Jerusalem beginnt." (GOKJ 31[4])

  • Palmsonntag, liturgisch "Zweiter Sonntag in der Passionszeit", Gedächtnis des Einzugs Jesu in Jerusalem
    Der Hauptgottesdienst besteht im ersten Teil aus der Segnung der Zweige mit Evangelium und Prozession zur Kirche, den zweiten Teil bildet die Eucharistiefeier, in der die Leidensgeschichte Jesu entsprechend dem jeweiligen Lesejahr vorgetragen wird.
  • Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag
    Die Kartage sind in Messfeier und Stundengebet geprägt vom bevorstehenden Verrat und Tod Jesu. Am Dienstag und Mittwoch wird seit der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils als Evangelium nicht mehr die Passion gelesen. Am Vormittag des Gründonnerstags findet in den Kathedralkirchen die Missa chrismatis, die Messfeier mit Weihe der Heiligen Öle, als Konzelebration des Bischofs mit den Priestern seiner Diözese statt; in mehreren Bischofskirchen wird diese Feier inzwischen auf einen früheren Tag in der Karwoche vorgezogen. Vor der Abendmahlsmesse am Donnerstag endet die Fastenzeit, es schließt sich bis zum Beginn der Osternacht das strengere Osterfasten an.

Triduum Sacrum - die drei österlichen Tage

Das Triduum Sacrum bilden Karfreitag, Karsamstag und Ostersonntag. Seit der Reform der Heiligen Woche durch Pius XII. ist für die einzelnen Gottesdienste wieder die hora competens, die dem Anlass entsprechende Uhrzeit, vorgeschrieben.

  • Gründonnerstag, Gedenken an das letzte Abendmahl Jesu und die Einsetzung der Eucharistie, auch "Hoher Donnerstag"
    Das Triduum Sacrum beginnt mit der Abendmahlsmesse am Donnerstagabend, in der in der Regel mit Fußwaschung. Die heilige Messe muss zwischen 16 und 21 Uhr stattfinden und soll als Konzelebration der Priester der Gemeinde gefeiert werden. Neben der Abendmahlsmesse sind aus pastoralen Gründen bis zu zwei weiteren Messfeiern erlaubt, missae sine populo (Privatmessen) sind verboten.
    Wenn am Karfreitag ein Gottesdienst stattfindet, werden die Hostien hierfür am Gründonnerstag konsekriert und am Ende der Eucharistiefeier in einen geeigneten und würdigen Raum außerhalb der Kirche übertragen. Dort soll mindestens bis Mitternacht eucharistische Anbetung gehalten werden. Ist am Karfreitag kein Gottesdienst, darf das Allerheiligste nicht aufbewahrt werden.[5]
    Nach dem Abendmahlsgottesdienst werden Kerzen, Blumen und Tücher von den Altären entfernt, die Kirche ist bis zur Osternacht schmucklos. Die Entblößung der Altäre ist jedoch nicht mehr Teil der Liturgie.
  • Karfreitag, Gedenken an das Leiden und Sterben Christi
    Am Karfreitag findet keine Eucharistiefeier statt. Die liturgische "Feier vom Leiden und Sterben Christi" ist idealerweise um 15 Uhr, der Sterbestunde Jesu. Sie darf nicht vor 12 Uhr beginnen und nicht nach 21 Uhr enden. Die Feier besteht aus dem Wortgottesdienst mit Verlesung der Leidensgeschichte nach Johannes und den "großen Fürbitten", der Kreuzverehrung und der Kommunion mit den am Gründonnerstag konsekrierten Hostien.
  • Karsamstag, Tag der Grabesruhe Christi
    Auch am Karsamstag gibt es keine Eucharistiefeier und keine Wort-Gottes-Feier. Im Stundengebet wird Leiden und Tod Jesu betrachtet.
  • Osternacht und Ostersonntag, Feier der Auferstung Christi
    Die Stunde der Osternachtfeier ist Mitternacht, keinesfalls darf die Feier vor Einbruch der Dunkelheit beginnen. Sie besteht aus Lichtfeier, Wortgottesdienst, Tauffeier (Taufwasserweihe, evtl. Taufe, Erneuerung des Taufversprechens) sowie Herrenmahl.
    Am Ostersonntag finden weitere Eucharistiefeiern statt. Bis zur Reform der Karwochenliturgie ab 1951 war seit der Reform von 1570 das Hochamt an diesem Sonntag die liturgische Hauptfeier von Ostern.[6]

Stundengebet

  • Am Vormittag von Gründonnerstag, Karfreitag und Karsamstag werden in Kathedralen, Klosterkirchen und teilweise auch Pfarrkirchen die "Karmetten" oder "Trauermetten" gehalten. Es sind Matutin und Laudes in der üblichen Abfolge von Psalm, Lesung, Responsorium, gegenüber den früher üblichen drei Nokturnen jedoch verkürzt. Die Lesungen stammen aus den Klageliedern des Propheten Jeremia (Lamentationes). Als Responsorium folgt der Kurzlesung der Laudes die feierliche Antiphon Christus factus est („Christus war für uns gehorsam bis zum Tod“, Phil 2,8-9 EU), die am Donnerstag mit einer Textzeile beginnt und bis zum Karsamstag jeweils um eine weitere Zeile verlängert wird.
  • Am Gründonnerstag und Karsamstag entfällt die Vesper für alle, die an der Abendmahlsmesse und der Osternacht teilnehmen.
  • Mit der feierlichen Vesper am Ostersonntag endet das Ostertriduum. Sie kann als "Taufvesper" mit Prozession zum Taufbrunnen und Tauferneuerung gestaltet werden.[7]

Volksfrömmigkeit und Brauchtum

  • Die Kirchengeschichte kennt zahlreiche Formen von spielerischen und szenischen Ausgestaltungen des Passionsgeschehens: Prozessionen mit dem geschnitzten "Palmesel", besonders geschmückte Palmbuschen, Passionsprozessionen mit gestellten Bildern und Figuren, Passionsspiele, Verbrennung einer Judasfigur, "Rumpelmetten", aufwändige Installation eines "Heiligen Grabes".[8]
  • Am Karfreitag findet mancherorts am Vormittag eine „Andacht von den Sieben Worten (Jesu am Kreuz)“, eine Kreuzwegandacht oder eine Kreuzwegprozession statt, die bekanntesten in Jerusalem ("Via dolorosa") und mit dem Papst im Kolosseum in Rom. Nach der Liturgie ist in manchen Diözesen (besonders in Trier) eine „Feier der Grablegung“ üblich. Im Gedenken an die Abnahme des Leichnams Jesu vom Kreuz und seine Grablegung wird das Kreuz zu einem in der Kirche vorbereiteten "Heiligen Grab" geleitet und darin niedergelegt. Dort kann es bis zum Beginn der Osternacht von den Gläubigen zu Gebet und Betrachtung besucht werden.
  • Vom Gloria der Abendmahlsmesse bis zum Gloria der Osternacht schweigen die Kirchenglocken, die Altarschellen und die Orgel. Mancherorts ist es Brauch, dass Ministranten statt dessen hölzerne "Klappern" oder "Ratschen" im Gottesdienst verwenden oder sogar zur Zeit des Angelusläutens und vor den Gottesdiensten mit ihnen durch den Ort ziehen und zum Gebet einladen.
  • Es existieren zahlreiche zum Teil alte Volksbräuche um die Kar- und Ostertage, die regional sehr verschieden sein können, aber Ausdruck der herausragenden Bedeutung von Ostern waren. Ihr Ursprung ist teilweise christlich, teilweise entspringen die Bräuche dem Naturzyklus: Umgänge und Umritte, "Antlasssingen" oder "Leiden-Christi-Singen", Brotsegnungen am Gründonnerstag usw.[9]

Geschichte der Kar- und Osterfeier

Eine jährliche Osterfeier ist seit der Zeit der frühen Kirche bezeugt. Sie wurde von Anfang an nach dem Vorbild des jüdischen Paschafestes begangen, das Jesus auch mit seinen Jüngern feierte. Die Jerusalemer Urgemeinde hielt zunächst am Tempelkult fest und beging das Paschafest. Die synoptischen Abendmahlstexte im Neuen Testament stellten das Mahl Jesu mit seinen Jüngern als Paschamahl dar. Der Tod Jesu war für die christliche Gemeinde das wahre Pascha-Opfer (1 Kor 5,7 EU, Joh 19,36 EU), die Eucharistie vergegenwärtigt es. Die Typisierung Christi als Pascha-Lamm bewirkte im Christentum die Umgestaltung des Paschfestes zum Osterfest.[10]

Im 3. Jahrhundert setzte sich der Sonntag als Ostertermin durch. Die Osterfeier bestand aus einem nächtlichen Gottesdienst in der Nacht vor dem Ostersonntag, der zwei Teile hatte: eine Nachtwache (Vollvigil) und ein Herrenmahl am frühen Morgen - im Gegensatz zum jüdischen Pessach, bei dem das Mahl um Mitternacht beendet sein muss. Als Vorbereitungszeit wurde ein bis zu sechstägiges Fasten gehalten. Etwa seit dem 4./5. Jahrhundert entfaltete sich die Osternacht nach vorn: das Triduum Sacrum - Freitag, Samstag und Sonntag - entstand. Nach Ostern entwickelte sich die "Pentekoste" bis Pfingsten, die den Ablauf der biblischen Geschnisse nach Ostern nachahmte. Im Hochmittelalter trat neben das Pascha-Triduum von Freitag bis Sonntag ein Ostertriduum von Montag bis Mittwoch nach Ostern. Mit dem Wegfall des Mittwochs nach Ostern als arbeitsfreiem Tag verschob sich bis zum 17. Jahrhundert das Auferstehungs-Triduum auf Ostersonntag bis Dienstag, das Leidenstriduum umfasste die Zeit von Donnerstag bis Samstag. Papst Pius XII. kehrte 1956 zum Triduum Sacrum von Donnerstag abend bis Ostersonntag zurück.

Auch die Tage vor dem Triduum sacrum waren allmählich vielfältig durch Fasten, Nachtwachen, Gottesdienste und Eucharistiefeiern geprägt. Hierbei machte sich - ausgehend von Jerusalem - ebenfalls ein Historisierungsprozess bemerkbar: Leiden, Sterben und Verherrlichung Jesu wurden chronologisch (und in Jerusalem selbst auch lokal) möglichst genau nachvollzogen und konnten so nacherlebt werden. Als Bezeichnungen kamen im Lauf der Liturgiegeschichte vor: "Große (oder Hohe) Woche" (μεγἀλη ἑβδομάς megálē hebdomás, lat. septimana maior), "Heilige Pascha-Woche" (ἅγια τοῦ πάσχα ἑβδομάς hágia tou páscha hebdomás), "Österliche Woche" (septimana paschalis) oder "Leidenswoche" (ἑβδομάς τοῦ πάθους hebdomás tou páthous).[11]

Päpstliche Schreiben

Pius XII.

Literatur

Anmerkungen

  1. Kluge: Etymologisches Wörterbuch der deutschen Sprache, 23. Aufl., Berlin/New York 1999, S. 427
  2. Hansjörg Auf der Maur: Feiern im Rhythmus der Zeit I. Herrenfeste in Woche und Jahr, Regensburg 1983, S. 129; Bertram Stubenrauch: Art. "Pascha-Mysterium" in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 7, Sp. 1410f.
  3. Osterpräfation
  4. Grundordnung des Kirchenjahres und des Neuen Römischen Generalkalenders
  5. Ritenkongregation: Instruktion zur Durchführung der neuen Ordnung der Heiligen Woche, ergänzt durch das Dekret vom 1. Februar 1957 "Ordinationes et Declarationes circa Ordinem hebdomadae sanctae instauratum", S. 306, Ergänzende Anordnungen zur Feier der Karwoche
  6. Martin Klöckener: Art. "Ostern. II. Liturgisch-theologisch" in Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl. Bd. 5, Sp. 1181
  7. Martin Klöckener: Art. "Ostern. II. Liturgisch-theologisch" in Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl. Bd. 5, Sp. 1181
  8. Walter Hartinger: Art. "Karwoche. II. Brauchtum" in Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl. Bd. 5, Sp. 1280f.
  9. Hansjörg Auf der Maur: Feiern im Rhythmus der Zeit I. Herrenfeste in Woche und Jahr, Regensburg 1983, S. 127
  10. Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl. Bd. 7, Sp. 1417 (Markus Reise: Passah II.2.c)
  11. Hansjörg Auf der Maur: Feiern im Rhythmus der Zeit I. Herrenfeste in Woche und Jahr, Regensburg 1983, S. 64-66.76-79.85
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