Heiliger Rock

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Heiliger Rock

Heiliger Rock nennt man eine im Dom zu Trier verehrte Reliquie. Der Heilige Rock gilt gemäß alter Überlieferung als Leibrock Jesus Christus. Laut dem Johannesevangelium 19, 23-24 wurde der Heilige Rock (Tunika Christi) nach der Kreuzigung unter den Soldaten verlost. Durch die heilige Helena, die Mutter des Kaisers Konstantins des Großen, gelangte die Reliquie nach Trier. Sie ist dort seit 1107 bezeugt und somit seit dem 12. Jahrhundert. Weil ungeteilt und nahtlos, wurde und wird heute das Gewand theologisch zumeist als ein Symbol für die Einheit der Christenheit gedeutet. Gezeigt wird das Gewand nur bei Heilig-Rock-Wallfahrten seit dem Jahre 1512. Am 3. Mai 1512 wurde im Trierer Dom auf Drängen von Kaiser Maximilian I. der Heilige Rock aus dem Hochaltar erhoben.

Am 13. April 2012 wurde in Trier die erste Heilig-Rock-Wallfahrt in diesem Jahrtausend gestartet. Der Gastgeber und Trierer Diözesanbischof Stephan Ackermann öffnete den Schrein mit der heiligen Reliquie bei einer Eucharistiefeier im Dom. 1996 war die Reliquie zuletzt ausgestellt worden. Das Pilgertreffen stand unter dem Motto "und führe zusammen, was getrennt ist" und dauerte bis zum 13. Mai 2012.

In seiner Begrüßung sagte Bischof Stephan Ackerman, dass es eine Bewegung "von unten" gewesen war, die zur ersten Wallfahrt geführt hatte. Er zitierte den Kölner Kardinal Meisner: "Es geht sich gut nach Trier." Der Heiliger Rock sei schon seit den frühesten Zeiten ein Symbol für die Einheit der Christenheit gewesen, fügte Bischof Ackermann an. Die Reliquie gilt gemäß alter Überlieferung als das Untergewand, welches Jesus auf dem Weg zur Kreuzigung getragen haben soll. Die ansonsten im Trierer Dom verschlossen aufbewahrte Reliquie wird nur bei Heilig-Rock-Wallfahrten öffentlich gezeigt.

Hauptzelebrant und Prediger bei dem Gottesdienst war der päpstliche Delegat Kardinal Marc Ouellet. Unter den Gästen waren auch der apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Jean-Claude Périsset, Kardinal Reinhard Marx aus München-Freising, Kardinal Joachim Meisner aus Köln, die Erzbischöfe Jean-Claude Hollerich aus Luxemburg und Laurent Ulrich aus Lille sowie die Bischöfe Felix Genn aus Münster und Pierre Raffin aus Metz.[1]


Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Das früheste Schriftzeugnis über einen Leibrock Jesus Christus finden wir im Johannesevangelium. Johannes berichtet als einziger Evangelist im Zusammenhang der Kreuzigung Jesu ausführlich über die Verteilung seiner Kleider. Das nahtlose Gewand Jesu wird nur von ihm erwähnt. "Die Kriegsknechte nun nahmen, als sie Jesus Christus gekreuzigt hatten, seine Kleider, machten vier Teile, einem jeden Kriegsknecht einen Teil, und den Leibrock. Der Leibrock aber war ohne Naht, von oben an durchweg gewebt. Da sprachen sie zueinander: Laßt uns ihn nicht zerreißen, sondern um ihn losen, wessen er sein soll, auf daß die Schrift erfüllt würde, welche spricht: ´Sie haben meine Kleider unter sich verteilt, und über mein Gewand haben sie das Los geworfen´. Die Kriegsknechte nun haben dies getan" (Joh 19, 23-24).

Den ersten außerbiblischen Hinweis auf die Tunika des Herrn finden wir in einer Urkunde von Papst Silvester I., dem sogenannten Silvester Diplom. Dieses Schriftstück bezeugt, dass Papst Silvester I. auf Bitten der heiligen Kaiserin Helena († 330) der Trierer Kirche den Vorrang über alle Ortskirchen in Gallien und Germanien verliehen hat. Als Ausdruck seines besonderen Wohlwollens hat er einen Teil der Reliquien, die Helena bei ihrer Wallfahrt ins Heilige Land aufgefunden hatte, der Kirche von Trier zum Geschenk gemacht. Zu diesem wertvollen Reliquienschatz gehörten unter anderem die Tunika Christi und die Gebeine des heiligen Apostels Matthias. Die Übertragung der Reliquien erfolgte zur Zeit, als der heilige Agritius (314-329) den Trierer Bischofsstab führte.

Den ersten eindeutigen Hinweis auf den Heiligen Rock finden wir im 12. Jahrhundert. In einem Buch aus dem Trierer Kloster St. Eucharius/St. Matthias wird für das Jahr 1196 der Heilige Rock zum ersten Mal konkret genannt. Hierin wird berichtet, daß der Trierer Erzbischof Johann I. am 1. Mai den Hochaltar des neu gebauten Ostchores einweihte. Zu diesem Anlaß soll er den Heiligen Rock in den zuvor geweihten Altar hineingelegt haben. Es ist anzunehmen, daß der Heilige Rock bereits vorher im Trierer Dom gewesen und verehrt worden war. Die spärliche Quellenlage erlaubt es jedoch nicht, den Weg des Heiligen Rockes vor 1196 zweifelsfrei zurück zu verfolgen.

Im Jahr 1512, während eines Reichstages, bestand Kaiser Maximilian I. darauf, das nahtlose Gewand Christi zu sehen, das schon damals in einem Reliquiar verschlossen war. Am 14. April wurde der große Kasten, in dem sich die Reliquie befand, aufgemacht, um diese in privatem Rahmen zu zeigen. Wenige Tage danach, am 22. April 1512, wurde der Reliquienschrein über dem Hochaltar geöffnet und für den 2. Mai eine dreitägige öffentliche Anbetung anberaumt. Damals fand die erste Ausstellung des Heiligen Rockes vor 500 Jahren statt.

Der in Trier aufbewahrte Heilige Rock ist in seiner derzeitigen Form nicht das Gewand, das Jesus als Leibrock vor fast 2000 Jahren getragen hat. Textilarchäologische Untersuchungen haben bestätigt, daß der Trierer Heilige Rock in seinem Rückenteil eine Reliquie enthält, die dessen ältesten Teil bildet. Dieses wollene Gewebe ist schon sehr alt und könnte von einem Gewand ohne Naht stammen. Mit Sorgfalt wurde dieses wollene Kerngewebe tradiert, in schützenden Stoffhüllen aufbewahrt und im 16. Jahrhundert in die Gewandform eingearbeitet. Diese ist vermutlich infolge der ersten öffentlichen Ausstellung angefertigt worden, bei der die Gläubigen darauf drängten, den Heiligen Rock ausgebreitet zu sehen.

Der Heilige Rock bildet als "Trägerkleid" den Aufbewahrungsort für die eigentliche Reliquie, den ältesten wollenen Tuchrest, der sich in dessen Rückenteil befindet. Bei dieser Tuchreliquie könnte es sich um einen Teil eines nahtlosen Leibrockes handeln, sie könnte aber auch ein Stück Stoff sein, das die Geburts- oder Todesstätte Jesu berührt hat. Die Verehrung dieser Reliquie wurde seit jeher mit dem Leibrock Jesu in Verbindung gebracht. Wie alle Reliquiare möchte auch der Heilige Rock das, was er als Teilstück beherbergt, wirkungsvoll veranschaulichen. Er ist insofern ein redendes Reliquiar, ein geschichtlich gewobenes Bild des Leibrockes Jesu. Bereits viele Jahre bevor es zur Verehrung des Heiligen Rockes kam, fragten sich die Theologen der frühen Kirche, was uns die Bibel eigentlich mit der Beschreibung des Leibrockes Jesu sagen will. Dieser wird im Johannesevangelium als "von oben her ganz durchwebt und ohne Naht" beschrieben. Die völlige Nahtlosigkeit des Gewandes Jesu war für die frühen Kirchenväter so bemerkenswert, daß sie den Leibrock Jesu als ein Zeichen sahen, das vor allem für die Einheit, Geschlossenheit und Unteilbarkeit steht. Dieses Sinnbild haben die Theologen auf die Vorstellung von Jesus Christus, der römisch-katholischen Kirche, die Heiligen Schrift und die Eucharistie übertragen.

In der Trierer Tradition ist der Heilige Rock ein Sinnbild der Einheit, das wesentliche Glaubensinhalte verkündet. Diese Glaubensinhalte beziehen sich vor allem auf Jesus Christus und das Wesen der römisch-katholischen Kirche. Im Bild des Heiligen Rockes wird uns ein bestimmtes Bild von der römisch-katholischen Kirche vermittelt, daß Bild einer Kirche als Einheit aller Christen, die jede Form von Trennung überwinden soll. So wenig wie das biblisch beschriebene Gewand Jesu Nahtstellen hatte und auch nach seiner Kreuzigung nicht zerteilt wurde, so wenig soll auch die Kirche als das Volk Gottes zerteilt und zerrissen werden. Somit sollen wir durch die Verehrung des Heilige Rockes an ein hoffnungsvolles Leitbild für die Kirche erinnert werden.

Innerhalb der Trierer Tradition wird der Heilige Rock vor allem verehrt, weil er an Jesus Christus erinnert. Er ist ein konkret wahrnehmbares Erinnerungszeichen an Jesus Christus, auch wenn Jesus zu seinen Lebzeiten dieses konkrete Gewand nicht getragen hat. Für Christen hält der Heilige Rock in symbolischer Form den Glauben an Jesus Christus wach, in dem nach unserem Glaubensbekenntnis wahrer Gott und wahrer Mensch vereint sind. Der verehrende Blick auf den Heiligen Rock gilt demnach Jesus Christus selbst, der sich durch die Menschwerdung mit uns Menschen solidarisiert hat und der durch seine Auferweckung zu einem unüberbietbaren Hoffnungsträger geworden ist.

Wallfahrten

Seit der ersten Ausstellung des Heiligen Rockes 1512 fanden zunächst jedes Jahr Wallfahrten zum Trierer Dom statt, später dann alle sieben Jahre. Dabei wurden den Pilgern zunächst auch andere Reliquien der Domkirche gezeigt, als Höhepunkt am Ende dann der Heilige Rock. Der Abstand der Wallfahrten wurde schon im 16. Jahrhundert größer und blieb bis in die heutige Zeit unregelmäßig.

16. Jahrhundert : 1512 erste Wallfahrt anlässlich des Reichstags in Trier unter Richard von Greiffenklau, Grundstein der Wallfahrtstradition.

17. Jahrhundert : 1655 unter Carl Caspar von der Leyen , mehrere 10.000 Pilger täglich

19. Jahrhundert : 1810 unter Charles Mannay, französische Zeit, etwa 230.000 Pilger insgesamt 1844 unter Wilhelm Arnoldi, preußische Zeit, löst eine große Kontroverse aus, etwa eine 1/2 Million Pilger, man spricht von einer Völkerwanderung zum Heiligen Rock. 1891 unter Michael Felix Korum, preußische Zeit, über 1 Million Pilger, international

20. Jahrhundert : 1933 Franz Rudolf Bornewasser, nationalsozialistische Zeit, fast 2,2 Millionen Pilger an 50 Wallfahrtstagen, absoluter Rekord. 1959 Matthias Wehr, erstmals christologisches Motto, etwa 1,8 Millionen Pilger an 64 Wallfahrtstagen 1996 Hermann Josef Spital , vor 800 Jahren kam der Heiliger Rock in den geweihten Hochaltar des Ostchores und wurde erstmals schriftlich erwähnt, 700.000 Pilger an 28 Wallfahrtstagen

21. Jahrhundert: 13. April bis 13. Mai 2012 unter Diözesanbischof Stephan Ackermann, Wallfahrt anlässlich des 500-jährigen Jubiläums der ersten Ausstellung zum Heiligen Rock, etwa 550 000 Pilger an 31 Wallfahrtstagen.

Heilig-Rock-Tage

Die Heilig-Rock-Tage sind das zentrale Bistumsfest der Diözese Trier. Jedes Jahr finden die Tage zwischen dem Freitag vor dem Weißen Sonntag bis zum dritten Sonntag nach Ostern statt.

Trierer Heilig Rock-Gebet

Seit der vorletzten großen Wallfahrt im Jahr 1959 wird folgendes Gebet gebetet:

Jesus Christus, Heiland und Erlöser,

Erbarme dich über uns

Und über die ganze Welt.

Gedenke deiner Christenheit

und führe zusammen, was getrennt ist.

Literatur

  • Joseph Görres, Die Wallfahrt nach Trier, Regensburg 1845; Vorlesungen und Briefe.
  • Ursula Bartmann: Ein "Reiseführer" zum Heiligen Rock Paulinus Verlag
  • Bätzing, Georg: Jesus Christus, Heiland und Erlöser, Impulse auf dem Weg der Erlösung, Trier 2011
  • Schneider, Bernhard: Wachendorf, Hubert; Nicolay, Markus: Der Hl. Rock im Dom zu Trier, Trier 2009
  • Aretz, Erich u.a (Hrsg.): Der Heilige Rock zu Trier. Studien zur Geschichte und Verehrung der Tunika Christi, Trier 1995
  • Heinz, Stefan; Tacke, Andreas; Weiner, Andreas: Trier 1512, Heiliger Rock, Reisewege durch das historische Trier, Petersberg 2011

Weblinks

Anmerkungen

  1. Vgl. "Heilig-Rock-Wallfahrt war schon immer Symbol der Einheit" Radio Vatikan, Artikel von 13/04/2012.
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