Joachim Meisner

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Joachim Kardinal Meisner (ca. 2006)
Joachim Meisner-Unterschrift.jpg

Joachim Kardinal Meisner (Dr. theol.; * 25. Dezember 1933 in Breslau-Lissa; † 5. Juli 2017 in Bad Füssing (Niederbayern)) war von 1980 bis 1989 Bischof von Berlin und von 1989 bis 2014 Erzbischof von Köln.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Joachim Kardinal Meisner studierte von 1959 bis 1962 in Erfurt, wo er am 22. Dezember 1962 die Priesterweihe erhielt. Von 1963 bis 1975 war er Kaplan in Heiligenstadt und Erfurt und auch Rektor im Caritasverband. 1969 erfolgte die Promotion zum Dr. theol. an der Gregoriana in Rom.

Bischof

Wappen von Joachim Kardinal Meisner

Am 17. Mai 1975 wurde Meisner zum Titularbischof von Vina und Weihbischof in Erfurt/Meinungen ernannt. Genau fünf Jahre später, 1980, folgte die Ernennung zum Bischof von Berlin. Papst Johannes Paul II. ernannte ihn am 5. Januar 1983 zum Kardinalpriester und wies ihm S. Pudenziana als Titelkirche zu. Am 20. Dezember 1988 folgte seine Ernennung zum Erzbischof von Köln, wo er am 12. Februar 1989 eingeführt wurde.

Laut preußischem Konkordat ist die Bischofsernennung für die Erzdiözese Köln folgendermaßen geregelt: Das Domkapitel schickt bei Vakanz des Bischofssitzes eine Liste mit zehn Vorschlägen an den Heiligen Stuhl, der daraufhin eine Liste mit drei Namen an das Domkapitel zurückschickt, welches einen dieser drei mit absoluter Mehrheit zu wählen hat.

Im Falle der vorliegenden Bischofsernennung war Meisners Name nicht auf der Vorschlagsliste des Domkapitels enthalten. Entgegen den zumeist bisher üblichen Gepflogenheiten setzte Papst Johannes Paul II. ihn auf die Dreierliste. Damit war klar, dass der Papst Meisner als Erzbischof favorisierte. Nur nach langen Diskussionen konnte sich das Domkapitel dazu durchringen, Meisner als Erzbischof zu wählen, und zwar mit einfacher Stimmenmehrheit (d.h. Meisner hatte mehr Stimmen als die anderen Kandidaten), aber ohne absolute Mehrheit. Zu diesem Zweck hatte Papst während des laufenden Verfahrens eine Bestimmung im Statut des Domkapitels abgeändert, das in der Fassung von 1986 vorsah, die Wahlgänge seien zu wiederholen, bis die absolute Mehrheit erreicht sei. Kirchenrechtler sahen darin eine verdeckte "Ermüdungsstrategie" gegenüber in Köln weniger populären Kandidaten, weshalb die päpstliche Rechtsänderung von dort als Akt der Durchsetzung (nicht nur hierarchisch, auch sachlich) höherrangiger Rechtsprinzipien bewertet wurde.

Die Aktion des Papstes löste Proteste von deutschen Politikern und Kirchenangehörigen aus, auch wenn die Vorgehensweise nicht dem genannten Konkordat widersprach und auch durch kirchliches Recht gedeckt war (vgl. u.a. CIC Can. 377 § 1).

Meisner sagte zu den Vorgängen im Dezember 1988: „Ihr habt mich nicht gewollt, und ich wollte auch nicht zu euch. Wir haben also eine gemeinsame Basis“, fügte aber bei seiner Amtseinführung am 12. Februar 1989 hinzu: „Ich strecke allen meine Hand entgegen, für die ich Verantwortung trage, und bitte sie, diese zu ergreifen.“[1]

Vom 16. bis 21. August 2005 war Joachim Kardinal Meisner Gastgeber des 20. Weltjugendtages in Köln. Anfang März 2006 wurde er von Papst Benedikt XVI. in die Leitung der Päpstlichen Missionswerke berufen. Meisner war außerdem Mitglied mehrerer römischer Kongregationen und verschiedener Kommissionen in der der Deutschen Bischofskonferenz, so langjähriger Vorsitzender der Liturgiekommission.

Ende November 2008 wurde bekannt, dass der Papst das Rücktrittsansuchen von Kardinal Meisner abgelehnt hatte. Meisner blieb daher bis auf weiteres Erzbischof in Köln. Er wurde am 28. Februar 2014 emeritiert, sein Nachfolger wurde am 20. September 2014 Rainer Maria Kardinal Woelki. Er starb am 5. Juli 2017 während eines Ferienaufenthaltes im bayerischen Bad Füssing und wurde am 15. Juli in der Krypta des Kölner Doms beigesetzt.

Positionen

Kardinal Meisner war für seine klaren Positionen bekannt. In namhaften deutschen Medien wurde er dafür oft kritisiert. Aufsehen erregte seine Dreikönigspredigt 2005[2], eine Parallele zog zwischen dem Kindesmord von Bethlehem, den Massenmorden Hitlers und Stalins und den Abtreibungspraktiken der heutigen Zeit, die eine Ähnlichkeit in der Verachtung der Menschenwürde besäßen. In der späteren Dokumentation wurde der Verweis auf Hitler gestrichen.

Insbesondere seine zum Thema Homosexualität geäußerten Ansichten stießen wiederholt auf Kritik. Im Vorfeld der Bundestagswahlen 2006 erregte ein Interview Meisners mit der Westdeutschen Zeitung Aufsehen, in dem er von der CDU/CSU verlangte, dass für "christlich" stehende C im Namen abzulegen, da ihre Politik sich damit nicht vereinbaren ließe; diese Position erläuterte der Kardinal abermals in einem Artikel für die Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 17. November 2008.

Joachim Kardinal Meisner vertrat Ende Januar 2013 die Meinung: "Wenn nach einer Vergewaltigung ein Präparat (der so genannten "Pille danach"), dessen Wirkprinzip die Verhinderung einer Zeugung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Befruchtung zu verhindern, dann ist dies aus meiner Sicht vertretbar. Wenn ein Präparat, dessen Wirkprinzip die Nidationshemmung ist, mit der Absicht eingesetzt wird, die Einnistung der bereits befruchteten Eizelle zu verhindern, ist das nach wie vor nicht vertretbar." Problematisch erschien manchen die weitere Ansicht: "Darüber hinaus ist nichts dagegen einzuwenden, dass sie in diesem Fall (der Vergewaltigung) auch über Methoden, die nach katholischer Auffassung nicht vertretbar sind, und über deren Zugänglichkeit aufklären, wenn sie dabei, ohne irgendwelchen Druck auszuüben, auf angemessene Weise auch die katholische Position mit Argumenten erläutern."[3][4] Meisner erklärte am 12. Februar wörtlich: „Meine Erklärung war mit der Glaubenskongregation und der Päpstlichen Akademie für das Leben abgestimmt.‘“[5]

Zusammen mit den Kardinälen Carlo Caffarra, Walter Brandmüller und Raymond Leo Burke richtete Kardinal Meisner als Reaktion auf das Nachsynodale Apostolische Schreiben "Amoris laetitia" von Papst Franziskus über die Liebe in der Familie Mitte September 2016 ein Schreiben Klarheit suchen: eine Bitte, die Knoten in ‚Amoris Laetitia‘ zu lösen an Papst Franziskus und die Glaubenskongregation. Darin wurden fünf „Zweifel“ (dubia) und der Wunsch nach Klarstellungen zum Schreiben Amoris laetitia geäußert. Das erste dieser Dubia warf die Frage auf, ob es durch Amoris laetitia erlaubt sei, zivil Geschiedene zum Empfang der heiligen Kommunion zuzulassen, obwohl die Ehe in den Augen der Kirche noch fortbestehe. Die Kardinäle machten am 14. November 2016 den Brief öffentlich, da der Papst nicht geantwortet habe.[6] Daher erhob der Dekan der Römischen Rota, Pio Vito Pinto, Ende November 2016 Vorwürfe gegen Meisner und die anderen Kardinäle, das sie „einen schwerwiegenden Skandal erregt“ hätten.[7][8]

Auszeichnung und Ehrungen

  • 1990: Ritter vom Heiligen Grab
  • 1990: Ehrenritter des Deutschen Ordens
  • 1992: Goldenes Ehrenzeichen der Republik Österreich
  • 1996: Ehrendoktor der Universität Breslau
  • 1998: Orden des Weißen Löwen III. Klasse der Tschechischen Republik
  • 1998: Ehrenplakette des Bundes der Vertriebenen
  • 2000: Ehrenbürger von Trzebnica (Polen)
  • 2003: Großes Verdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland mit Stern und Schulterband
  • 2005: Ehrnedoktor der Katholische Universität Lublin
  • 2006: Ehrenbbürger von Levoča (Slowakei)
  • 2011: Ehrendoktor der Katholische Universität Ružomberok (Rosenberg)
  • 2014: Großkreuz des Verdienstordens der Republik Polen
  • Seit 2014 trägt ein Platz in der Gemeinde Hundeshagen im thüringischen Landkreis Eichsfeld den Namen „Kardinal-Meisner-Platz“.
  • 2016 Kardinal Meisner erhält den Augustin-Bia-Preis der Internationalen Stiftung Humanum am 2. April 2016 in Königswinter. Damit werden Meisners besondere Verdienste «um den Schutz des Lebens an dessen Anfang und Ende» gewürdigt. Ebenso habe sich Meisner um die katholische Soziallehre und die Verständigung mit Osteuropa verdient gemacht.[9]

Veröffentlichungen

Literatur

Weblinks


Vorgänger
Alfred Kardinal Bengsch
† Bischof von Berlin
1980-1989
Nachfolger
Georg Kardinal Sterzinsky
Vorgänger
Joseph Kardinal Höffner
‡ Erzbischof von Köln
1989-2014
Nachfolger
Rainer Maria Kardinal Woelki

Anmerkungen

  1. Quelle: [1] ©2017
  2. Dreikönigspredigt Kath.net vom 6. Januar 2005
  3. 'Pille danach', Vergewaltigung und 'verbrecherische Befruchtung' Kath.net 31. Januar 2013
  4. Die F.A.Z. weiß, wohin die Pferdchen Kardinals Meisner laufen: zurück nach Königstein Katholisches.info am 5. Februar 2013
  5. Im Artikel: Meisner nach Papstankündigung: 'Ich bin regelrecht schockiert' Kath.net am 12. Februar 2013 und Köln korrigiert: Papst wusste nichts über Vorstoß zur 'Pille danach'! am 12. Februar 2013
  6. http://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/amoris-laetitia-kardinale-bitten-papst-um-klarung
  7. domradio.de vom 14. November 2016; domradio.de vom 30. November 2016
  8. Die Tagespost, Ausgabe 1. Dezember 2016, S. 5.
  9. Kardinal Meisner erhält Augustin-Bea-Preis in Königswinter Kath.net am 5. März 2016
Meine Werkzeuge