Tugend

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Version vom 25. November 2020, 15:27 Uhr

Tugend ist die erworbene natürliche Tüchtigkeit und Fertigkeit etwas zu tun. Sie ist eine durch Übung erlangte kraftvolle Gewohnheit. So ist z.B. das erlernte Skifahren, das in „Fleisch und Blut übergegangen“ ist, eine Tugend.

Was wir jedoch im strengen Sinne als Tugend bezeichnen, ist eine natürliche Fertigkeit des sittlichen Lebens, die der Mensch durch Betätigung und Übung seiner natürlichen Veranlagung erwerben kann. "Die Tugend ist eine Fertigkeit im Guten, die man dadurch gewinnt und erobert, dass man das Gute wiederholt tut." [1] Die Tugend hat bezug auf das Verhalten zu Gott, zu sich selbst, den Mitmenschen oder anderen Geschöpfen.

Inhaltsverzeichnis

Einteilung der Natürlichen Tugenden

  • Intellektuelle oder Verstandestugenden (Tugenden im weiten Sinne)

z. B. Einsicht. So wichtig sie für das Kulturleben auch sind, haben sie an sich nicht die Kraft, den Menschen sittlich gut zu machen.

  • Sittliche oder Willenstugenden

Die Willenstugenden (Tugenden im strengen Sinne) teilt man seit ältesten Zeiten ein in die vier Kardinal- oder Grundtugenden: Klugheit, Gerechtigkeit, Starkmut oder Tapferkeit und Mäßigung. Alle anderen Tugenden sind „Untertugenden“ derselben.

Die sittlichen Tugenden werden durch menschliches Bemühen erworben. Sie sind Früchte und zugleich Keime sittlich guter Taten; sie ordnen alle Kräfte des Menschen darauf hin, mit der göttlichen Liebe vereint zu leben. Sie verleihen dem Menschen Leichtigkeit, Sicherheit und Freude zur Führung eines sittlich guten Lebens. Der tugendhafte Mensch tut freiwillig das Gute

Aufforderung zur sittlichen Tugend

„Was immer wahrhaft, edel, recht, was lauter, liebenswert, ansprechend ist, was Tugend heißt und lobenswert ist, darauf seid bedacht!“ (Phil 4,8).

Tugend ist die reife Frucht vielfältiger Bemühungen. Auch im Sittlichen ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Bei Vernunftwesen kann äußere Abrichtung nicht in Frage kommen. Mit der Willensübung muss die Einsicht in den Wert und die Schönheit der Tugend Hand in Hand gehen. Drill allein hält in den Stürme der wachsenden Leidenschaften nicht stand. Der edle und feste Charakter erwächst nur aus der Selbsterziehung, die angefeuert wird durch das Vorbild der Erzieher, der Heiligen und besonders Christi selbst. Die Kraft des Tugendlebens hängt auch von seinem inneren Zusammenhang ab. Wenn auch in etwa eine Tugend ohne die andern erworben werden kann, so hängen sie doch aufs innigste zusammen. Wie leicht kann z. B. der Tapfere durch unklugen Eifer daneben greifen oder der Kluge es an der Tapferkeit fehlen lassen. Je höher man im Tugendstreben steigt, umso weniger darf man der Einseitigkeit huldigen. Auf dem Gipfel. d. h. beim heroischen (heldischen) Tugendgrade ist eine Teilung nicht mehr möglich.

Wert der Tugend

Der Wert der Tugend liegt in der größeren Leichtigkeit, in der ermöglichten Stetigkeit, in der stärkeren Kraft zum sittlich guten Tun. Dadurch unterstützen die Tugend die guten Charakteranlagen und lassen dem Menschen das Gute und Edle zur zweiten Natur werden, so dass er für sein Leben nicht mehr der äußeren Anleitung noch weniger der zwingenden Gewalt der Gesetze bedarf. Tugend besagt also nichts Schwächliches oder Verächtliches, sondern Kraft und Charakter. Der Tugendhafte ist das nützlichste Glied der Gemeinschaft, das Bild und Gleichnis des Schöpfers. Nach der Lehre der Kirche kann auch der durch die Erbsünde geschwächte Mensch mit seinen natürlichen Kräften, ohne die Hilfe der Gnade, natürlich gute Handlungen vollbringen. Dagegen vermag er nicht ohne die Hilfe der Gnade das ganze natürlichen Sittengesetz auf längere Zeit zu beobachten. Dies kann nur das Gotteskind, dem besonders Gnaden zur Verfügung stehen.

Merkmal der Tugend

Der heilige Augustinus beschreibt in seinen Bekenntnissen (4. Buch, Kapitel 15) sehr deutlich die Frucht der Tugend, wenn er sagt: „Da ich aber in der Tugend den Frieden liebte, im Laster aber den Zwiespalt hasste, so gab ich für jene die Einheit, für dieses den Zwiespalt als charakteristisches Merkmal an.“

Kardinal Jules-Géraud Saliège sagt über die Tugend: " Die echte Tugend erkennt man daran, dass sie unser Wollen dem Wollen Gottes angleicht, besonders wenn der Wille Gottes unseren Neigungen widerspricht. Eingebildete Tugenden erkennt man daran, dass sie in rührseligen Träumen schwelgen. Der sicherste Weg zu Gott besteht darin, seinen Willen zu tun."

Mutter aller Tugenden

Der heilige Benedikt sagt in seiner Regel über den Abt (Kapitel 64), dass er die maßvolle Unterscheidung (Discretio), die die Mutter aller Tugenden sei, haben muss.

Gregor der Große bezeichnet in seiner "Regula pastoralis" die Liebe als die Mutter und Hüterin, die Klugheit, die Pflegemutter aller Tugenden.

Für Christen sind die Göttliche Tugenden (eingegossene Tugenden): (Glaube, Liebe, Hoffnung) wichtig, die auf Paulus zurückgehen.

Lehramtliches

Klemens VIII.

Pius XII.

Johannes XXIII.

Literatur

  • Romano Guardini: Tugenden. Meditationen über Gestalten sittlichen Lebens (1963), 4. Aufl. Mainz und Paderborn 1992 (219 S., ISBN 3-7867-1309-X und ISBN 3-506-74524-7)
  • Willibald Kammermeier: Nach dem Vorbild des Meisters, Christliche Tugenden heute (125 Seiten; erhältlich beim Fe-Medienverlag). [1]
  • Werk der Heiligen Liebe (Hrsg.): Die Stufen der Heiligkeit, Belehrungen über die Tugenden an Maureen Sweeney-Kyle Parvis-Verlag 2009 (128 Seiten; ISBN 9782880228231).
  • Dominikus Mettenleiter: Des heiligen Thomas von Aquin Himmelsleiter, oder Uebung der vorzüglichsten Tugenden., Bearbeitet und herausgegeben von D. Mettenleiter, in der Reihe: Kleine religiöse Bibliothek in Miniaturausgaben, Georg Joseph Manz Verlag Regensburg 1854 (202 Seiten).
  • Der Weg der kleinen Schritte. Salesianisches Tugend-ABC Franz Sales Verlag (280 Seiten; ISBN 978-3-7721-0301-8).
  • Anton Kner: Was uns im Leben trägt. Die Tugenden des Christen im Alltag. Ausgewählt und herausgegeben von Reinhard Abeln. Kanisius Verlag Freiburg/Schweiz; Konstanz, Kanisiuswerk Konstanz 1994 (96 Seiten).

siehe auch: Der Tugendreichste, Die Tugendreichste.

Nr. Vitium Laster 👎 Virtus Tugend 👍 Bereich am Leib des Menschen
1. Amor saeculi Weltliebe Amor caelestis Liebe zum Himmlischen/Himmelsliebe oberhalb der Schultern ↓
2. Petulantia Ausgelassenheit/Frechheit Disciplina Zucht/Disziplin
3. Joculatrix Vergnügungssucht/Spaßmacherei Verecundia Schamhaftigkeit/Ehrfurcht
4. Obduratio Herzenshärte/Verhärtung Misericordia Barmherzigkeit
5. Ignavia Feigheit Divina victoria Gottes Sieg
6. Ira Zorn Patientia Geduld
7. Inepta laetitia Ausschweifung/Törichte Freude Gemitus ad Deum Sehnsucht nach Gott/Seufzen vor Gott
8. Ingluvies ventri Schlemmerei/Völlerei Abstinentia Enthaltsamkeit Brust- und Rückenbereich ↓
9. Acerbitas Engherzigkeit/Bitterkeit Largitas Freigebigkeit
10. Impietas Gottlosigkeit Pietas Frömmigkeit
11. Fallacitas Lüge/Falschheit Veritas Wahrheit
12. Contentio Streitsucht/Streit Pax Friede
13. Infelicitas Schwermut/Unglückseligkeit Beatitudo Seligkeit
14. Immoderatio Maßlosigkeit Discretio Maß/Unterscheidung
15. Perditio animarum Verstocktheit/Verdammnis der Seelen Salvatio animarum Seelenheil/Erlösung der Seelen
16. Superbia Hochmut Humilitas Demut von den Schenkeln bis zu den Knien ↓
17. Invidia Missgunst/Neid Charitas Liebe
18. Inanis gloria Ruhmsucht/Eitle Ruhmsucht Timor Domini Gottesfurcht
19. Inobedientia Ungehorsam Obedientia Gehorsam
20. Infidelitas Unglaube Fides Glaube
21. Desperatio Verzweiflung Spes Hoffnung
22. Luxuria Wollust/Lüsternheit Castitas Keuschheit
23. Injustitia Ungerechtigkeit Justitia Gerechtigkeit Waden- und Fußbereich ↓
24. Torpor Stumpfsinn Fortitudo Tapferkeit
25. Oblivio Dei Gottvergessenheit Sanctitas Heiligkeit
26. Inconstantia Unbeständigkeit Constantia Beständigkeit
27. Cura terrenorum Sorge für das Irdische/Weltsorge Caeleste desiderium Sehnsucht nach Himmlischem/Himmelsverlangen
28. Obstinatio Verschlossenheit/Hartnäckigkeit Compunctio cordis Zerknirschung/Herzenszerknirschung
29. Cupiditas Habsucht/Begierde Contemptus mundi Weltverachtung
30. Discordia Zwietracht Concordia Eintracht
31. Scurrilitas Spottsucht/Albernheit Reverentia Ehrfurcht/Ehrerbietung unter den Fußsohlen ↓
32. Vagatio Umherschweifen/Unstetigkeit Stabilitas Stetigkeit/Beständigkeit
33. Maleficium Magische Kunst/Zauberei Cultus Dei Gottesdienst
34. Avaritia Geiz/Habsucht Sufficientia Genügsamkeit/Zufriedenheit
35. Tristitia saeculi Weltschmerz/Welttrauer Coeleste gaudium Himmlische Freude/Himmelsfreude


Tabellarischer Überblick zur Heilung des Einzelmenschen

Wertung Zustand der Leibessäfte Ausdünstender
leiblicher -
Geruch
materielles
Universalheilmittel[2]
Leibliche
natürliche Folge
Wille Zustand der Seele Ausstrahlender seelischer -
Geruch
geistliches Universal- heilmittel[3] seelische
übernatürliche Folge
👍
Positiv
gute
Freude
Duft (wie
Weihrauch)
Tägl. Brot [4]+
Wein
Gesundheit 😍
Gedeihen
Gottes
Freude
Heiligmachende Gnade - GdH
Tugend
Vergebung
Liebe
Tägl. BROT[5] + Gebet - Leid
Gottnähe
Ewiges Leben
😇
Negativ
👎
schlechte (üble)
Traurigkeit
Gestank (wie Schwefel)
II Ausleitung II
Krankheit 🤒
(Schwarzgalle)
Tod
des Teufels -
Eigenwille
Traurigkeit
Todsünde bis Verstocktheit
Laster
Unversöhnlichkeit
Hass
II Reue - Taufe -
Beichte
II
Gottferne
Ewiger Tod
☠️
Gebet: Komm herab, o Heil'ger Geist, der die finstre Nacht zerreißt, strahle Licht in diese Welt. Vater aller Armen Du, Aller Herzen Licht und Ruh, Komm mit Deiner Gaben Zahl ! Tröster in Verlassenheit, Labsal voll der Lieblichkeit, Komm, Du süßer Seelenfreund! In Ermüdung schenke Ruh, In der Glut hauch Kühlung zu, tröste den, der Tränen weint. O Du Licht der Seligkeit, mach Dir unser Herz bereit, dring in unsre Seelen ein! Ohne Dein lebendig Wehn, kann im Menschen nichts bestehn. Wasche, was beflecket ist; heile, was verwundet ist; tränke, was da dürre steht; beuge, was verhärtet ist; wärme, was erkaltet ist; lenke, was den Weg verfehlt ! Heil'ger Geist, wir bitten Dich: Gib den gläubig Schauenden, Den auf dich vertrauenden, Deiner sieben Gaben Kraft ! Gib den Lohn der Tugend ganz, Gib' des Heiles vollen Glanz, und dereinst die Seligkeit. Amen. Halleluja (Pfingstsequenz).


Weblinks

Anmerkungen

  1. Pius XII., Ansprache Quanto è gradita vom 8. Juli 1942 an Neuvermählte, S. 201.
  2. Gib uns heute unser tägliches Brot. Gib uns alles, was wir nötig haben für den Leib: Nahrung, Kleidung, Wohnung. - Basler Katholischer Katechismus (1947)#Die wichtigsten Gebete.
  3. Gib uns heute unser tägliches Brot. Gib uns alles, was wir nötig haben für die Seele: Wahrheit, Gnade, heilige Kommunion. - Basler Katholischer Katechismus (1947)#Die wichtigsten Gebete.
  4. Mit gutem Grund erbittet man (im Vater unser) das Brot, das das Leben erhält, nachdem man die Gnade erbeten hat, die das Leben selbst ist. Denn das erste, wonach jemand verlangt, der zu leben beginnt, ist nichts anderes als die Speise, mit der man sich am Leben erhält. Ihr müsst aber wissen, dass man in diesem Gebet hauptsächlich das geistliche Brot erbittet, das die Speise für die Seele ist, und erst in zweiter Linie das materielle Brot, das die Speise für den Leib ist. Unter geistlichem Brot versteht man aber das allerheiligste Altarsakrament, das göttliche Brot des Himmels, das auf wunderbare Weise das Leben der Seele nährt. … Unter leiblichem Brot versteht man all das, was nötig ist, um das Leben des Leibes zu erhalten, der für die Seele das Werkzeug ist, mit dem sie ihre guten Werke verrichtet. … Es heißt täglich, d. h. Brot für jeden Tag, damit wir keine übertriebenen oder außergewöhnlichen Dinge wünschen, sondern nur das, was als einfache tägliche Nahrung ausreicht, und zwar für die Seele ebenso wie für den Leib, vor allem weil wir ja wissen, dass wir in diesem Leben Pilger und Fremde sind.- aus: Robert Bellarmin: Großer Katechismus#Erklärung des zwölften Artikels.
  5. griech.: "τον αρτον ημων τον επιουσιον δος ημιν σημερον", lat.: "Panem nostrum supersubstantialem da nobis hodie" (Mt 5, 11); Die Kirche ladet uns ein, täglich zum Tisch des Herrn zu gehen. - Catechismus Romanus II. Teil, Nr. 58; Konzilskongregation 1905, Dekret Sacra tridentina synodus über die tägliche Kommunion; Codex Iuris Canonici 1917 can. 863; II. Vatikanum: OE 15; KKK 1389.
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