Thomas von Aquin

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Heiliger Thomas von Aquin

Der heilige Thomas von Aquin (* 1224, † 7. März 1274 in Fossanova) war Dominikaner und der herausragendste Philosoph und Theologe des Mittelalters. Er ist auch als Doctor angelicus (engelgleicher Lehrer) oder der Aquinate bekannt. Sein liturgischer Gedenktag ist am 28. Januar (Übertragung der Gebeine). Thomas ist unter allen Heiligen der Gelehrteste und unter allen Gelehrten der Heiligste (Kardinal Bessarion († 1472).

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Geburt, Kindheit und Jugend

Heiliger Thomas von Aquin

Bereits neun Monate vor der Geburt des Thomas soll, so berichtet Tocco in seiner Hagiographie, ein als heiligmäßig geltender Einsiedler zu Thomas' Mutter Theodora gesagt haben: Freue dich, Herrin, da du schwanger bist; du wirst einen Sohn gebären, den du Thomas nennen wirst. Er wird in seinem Wissen von solcher Berühmtheit und in seinem Leben von solcher Heiligkeit werden, dass man auf der Welt zu seiner Zeit niemanden wird finden können, der ihm ähnlich wäre.

Thomas wurde im Winter 1224/1225 auf der Burg von Roccasecca (Latium) geboren. Seine Eltern Landulf von Aquino und Donna Theodora stammten aus dem einfachen Landadel. Thomas hatte noch acht Geschwister, drei Brüder und fünf Schwestern.

Von ca. 1230 bis 1239 war er Oblate in der Benediktinerabtei Montecassino. 1239 begann er das Studium der freien Künste an der Universität von Neapel. 1244 trat er zum Entsetzen seiner Familie dem Dominikanerorden bei. 1244-1245 wurde Thomas von seiner Familie entführt und in Roaccasecca gefangengehalten; 1245 erfolgte aber die Freilassung, und Thomas kehrte im Herbst in seinen Orden zurück.

Studienbeginn, Priesterweihe und Parisaufenthalt

Er ging nach Paris und studierte Philosophie. Dort gehörte Albertus Magnus zu seinen Lehrern. 1248-1252 studierte er in Köln und wurde Assistent bei Albert dem Großen. Die Priesterweihe erfolgte 1252.

1252-1256 verfasste er die Schriften De ente et essentia und De principiis naturae. Zwischen 1256 und 1259 absolvierte er in Paris den Magister in Theologie und verfasst die Schriften De veritate, Quodlibet VII-XI und einen Kommentar zu Boethius' Werk De Trinitate.

Rückkehr nach Italien

1259 kehrte er nach Italien zurück. Zwischen 1259 und 1261 begann er die Arbeit an der Summa contra gentiles. Im Zeitraum von 1261 bis 1265 wurde er Lektor in Orvieto und stellte die Summa contra Gentiles fertig. Außerdem begann er mit der Catena aurea. Im Zeitraum zwischen 1265 und 1268 begann er mit der Arbeit an der berühmten Summa theologiae und an den Werken De potentia, De anima und dem → Compendium theologiae.

Weiterer Aufenthalt in Paris und Rückkehr nach Neapel

1268-1272 erfolgte der zweite Lehraufenthalt in Paris. Dort setzte er seine Arbeiten an der Summa theologiae fort und verfasst Kommentare zu Aristoteles sowie dem Matthäus- und Johannesevangelium. Außerdem entstanden die Schriften De malo, De unitate intellectus, De aeternitate mundi und Quodlibet I-IV. 1272 kehrte er nach Neapel zurück und schrieb weiter an der Summa theologiae. Außerdem verfasste er Kommentare zu den Psalmen und zum Römerbrief.

Das Schweigen des Thomas

Ab 6. Dezember 1273 begann das "Schweigen des Thomas". Bartholomäus von Capua berichtet darüber: "Als Bruder Thomas die heilige Messe in der Kapelle des hl. Nikolaus feierte, ergriff ihn eine erstaunliche Veränderung. Nach seiner Messe hat er nicht mehr geschrieben, noch irgendetwas diktiert, vielmehr das Schreibgerät bei der Tertia seiner Theologischen Summe, beim Traktat über die Buße, weggelegt." Auf die Frage eines Bruders, warum er nichts mehr schreiben wolle, meinte Thomas: "Ich kann nicht mehr, denn alles, was ich geschrieben habe, scheint mir wie Stroh zu sein im Vergleich mit dem, was ich gesehen habe und was mir offenbart worden ist." Umstritten ist in der Sekundärliteratur nach wie vor, ob es sich bei dem überlieferten Ereignis mehr um eine Krankheit oder um ein mystisches Erlebnis handelt. Freilich wissen wir seit etwa 100 Jahren sicher, dass Thomas nach dem 6. Dezember 1273 sein Schweigen noch einmal gebrochen hat, um an den Abt von Montecassino einen Brief zu verfassen.

Der Tod eines großen Heiligen

Am 4. oder 5. März 1274 spürte Thomas, dass es zu Ende ging, und verlangte die Sterbesakramente. Er empfing die Krankensalbung, und nach dem Empfang der Sterbekommunion betete Thomas: "Ich empfange dich als Wegzehrung für meine Pilgerfahrt; aus Liebe zu dir habe ich studiert, gewacht und mich gemüht. Dich habe ich gepredigt und gelehrt. Gegen dich habe ich niemals etwas gesagt; sollte ich aber etwas gesagt haben, so habe ich es unwissend gesagt, und ich beharre nicht hartnäckig auf meiner Meinung, sondern wenn ich über dieses Sakrament oder über anderes schlecht geredet habe, so überlasse ich es ganz der Verbesserung durch die heilige römische Kirche, in deren Gehorsam ich nun aus diesem Leben scheide."

Auf der Reise zum Konzil in Lyon starbt Thomas am Morgen des 7. März 1274 in den Armen seines Gefährten Reginald in der Zisterzienserabtei Fossanova. Seine Gebeine wurden am 28. Januar 1369 in die Dominikanerkirche Les Jacobins in Toulouse übertragen. Dort werden sie seit 1974 wieder verehrt, nachdem sie ab 1792 in St. Sernin geruht hatten. Der 28. Januar ist wegen der Übertragung der Gebeine auch das Fest des Hl. Thomas im Römisc hen Generalkalender von 1970.

Heiligsprechung

Am 18. Juli 1323 sprach ihn Johannes XXII. heilig, und Pius V. ernannte ihn am 25. April 1567 zum Kirchenlehrer.

Die Philosophie des Thomas

Heiliger Thomas von Aquin

Er gilt als entscheidender Denker der Scholastik; 1879 wurde seine Philosophie von Papst Leo XIII. in der Enzyklika Aeterni Patris Unigenitus[1] zur "offiziellen Philosophie" der katholischen Kirche erklärt. Das Lehramt der Kirche hat seither immer wieder die einzigartige Autorität des Aquinaten unterstrichen. So zuletzt das Zweite Vatikanische Konzil, das als erstes Konzil Thomas ausdrücklich nennt und seine Lehre empfiehlt, dann wiederum Paul VI. (in Lumen ecclesiae) und Johannes Paul II. in Fides et ratio.[2]

Seine Philosophie orientiert sich stark an seinem antiken Vorgänger Aristoteles, geht aber weit über diesen hinaus, indem sie ihn mit wichtigen Einsichten des Plato (Partizipationslehre) zur Synthese führt. So entsteht eine ganz neue Philosophie, die zwar aus dem reichen Schatz der philosophia perennis (lat. "immerwährende Philosophie" oder "ewiggültige Philosophie") schöpft, aber doch mit einem neuen Seinsbegriff (als actualitas omnium actuum sowie perfectio omnium perfectionum, Zitat: "esse est actualitas omnium actuum, et propter hoc est perfectio omnium perfectionum", also "Das Sein ist die Wirklichkeit von allem Wirken und deshalb die Vollkommenheit aller Vollkommenheiten",[3] einen völlig neuen Denkansatz schafft, der aufs höchste mit der Offenbarung korreliert. Neben dem neuen Seinsbegriff, der für die geschaffene Wirklichkeit eine reale Unterscheidung von Sein und Wesenheit, von Seinswirklichkeit (Akt) und Seinsmöglichkeit (Potenz), postuliert, ist eine seiner Haupterkenntnisse die sogenannte Analogia entis (lat. "Ähnlichkeit des Seienden"). Diese besagt, dass das Sein unterschiedliche Bedeutungen hat, je nachdem auf welches Ding es sich bezieht.

In seiner Ethik verbindet Thomas von Aquin die Werte Aristoteles und des Kirchenvaters Augustinus. Tugend definiert er dementsprechend als ein rechtes Maß bzw. dem Ausgleich zu vernunftswidrigen Taten. Ethisches Verhalten entspricht also dem vernünftigen Verhalten und damit dem Einhalten des göttlichen Gesetzes. Dennoch ist seine Ethik keine rein natürliche Ethik (wenn sich eine solche auch aus seinem theologischen Werk erschließen lässt). Vielmehr vertritt Thomas - auch darin für seine Zeit originell - die These, dass nicht nur die drei göttlichen Tugenden, sondern auch die Kardinaltugenden "eingegossene Tugenden" sind, d.h. wir empfangen sie geschenkweise, aus Gnade von Gott selbst. Denn: "Keiner wäre besser, würde er nicht mehr von Gott geliebt."

Die Theologie des Thomas

Mittelalterliche Manuskriptseite aus der "Summa Theologica"

siehe auch: Natürliche Theologie

Werke

Werke des tiefgründigen Denkers

→ Gesamtwerke: Editio Leonina, Corpus thomisticum

  • SANCTI THOMAE AQUINATIS DOCTORIS ANGELICI, QUAESTIONES DISPUTATAE, ACCEDIT LIBER DE ENTE ET ESSENTIA, Tomus I-IV Cum commentariis R.D.P. Thomae de Vio Cajetani Cardinalis, Apud Bloud et Barral Bibliopolas Verlag Paris 1883 (editio novissima, 4 Bände: 724/784/701/574 Seiten Halbleder; Sprache sei Deutsch - lässt der Titel jedoch nicht vermuten).

Hauptwerke

Werke über die Bibel

  • Hiob-Kommentar
  • Kommentar über die Psalmen (Psalm 1–51)
  • Kommentar über das Buch Jeremia
  • Kommentar über Jesaja
  • Kommentar über die Klageliedern Jeremias
  • Kommentar zu den vier Evangelien (Catena aurea)
  • Vorlesungen zu Matthäus und Johannes
  • Vorlesungen zu den Briefen des Apostels Paulus
    • Römerbrief: Des heiligen Thomas von Aquin Kommentar zum Römerbrief. Aus dem Lateinischen zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt und hrsg. von Helmut Fahsel, Herder & Co. Verlagsbuchhandlung Freiburg 1927 (511 Seiten).

Philosophie

  • Sentenzenkommentar
  • Quaestiones quodlibetales
  • Quaestiones disputatae
  • De veritate (Über die Wahrheit) Untersuchungen über die Wahrheit, (Quaestiones disputatae de Veritate). In deutscher Übertragung von Edith Stein 1. Band; Quaestio 1 - 13, 1931 (388 Seiten), 2. Band: Quaestio 14 - 29, 1932 (512 Seiten); Sonderausg. d. Wiss. Buchgem. Tübingen bzw. Darmstadt; Edith Steins Werke, Bde. 3 u. 4), Nauwelaerts/Herder Verlag Unveränd. 1952/55 (2 Bde. Gr.-8°. XIV, 347; XI, 518 S. Ln, Hardcover).

Kommentare

  • Über die Schriften des Aristoteles:
    • zur MetaphysikKommentar zu Aristoteles' Metaphysik; Kommentar zur Metaphysik des Aristoteles LateinischDeutsch. Eine Auswahl mit einem Anhang (Von den getrennten Substanzen, Kapitel 14). Übersetzt von Ruedi Imbach, (Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters 3. Serie, Band 50), Herder Verlag 2021 (424 Seiten, ISBN 978-3-451-38850-7, Gebundene Ausgabe).
    • zur Logik
    • zur Ethik - Sententia libri Ethicorum I et X. Kommentar zur Nikomachischen Ethik, Buch I und X, Lateinisch - Deutsch (Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters, Band 33) Herder Verlag 2014 (Hardcover, 511 Seiten, ISBN 978-3451340482).
    • zur Politik - Kommentar zur Politik des Aristoteles, Buch 1. Sententia libri Politicorum I, Lateinisch - Deutsch. Übersetzt und eingeleitet von Anselm Spindler, (Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters, Serie 2 Band 34) Herder Verlag Freiburg 2015 (280 Seiten, ISBN 978-3-451-34049-9, Gebundene Ausgabe).
    • zur Physik
    • zu De caelo et mundi
    • zu De generatione et corruptione
    • zu Meteora
    • zu De anima - Die Seele, Erklärungen zu den 3 Büchern des Aristoteles "Über die Seele"; Übertragen und eingeleitet von Alois Mager OSB, Thomas-Verlag J. Hegner 1937 (453 Seiten, gebunden).
    • zu De sensu et sensato
    • Liber de causis - Expositio super Librum de causis. Kommentar zum Buch von den Ursachen, LateinischDeutsch. Übersetzt, eingeleitet und mit Anmerkungen versehen von Jakob Georg Heller, (Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters 3. Serie, Band 39), Herder Verlag 2017 (280 Seiten, ISBN 978-3-451-37601-6).
    • Expositio super librum Boethii De trinitate I. Kommentar zum Trinitätstraktat des Boethius I, Lateinisch - Deutsch, Übersetzt und eingeleitet von Peter Hoffmann in Verbindung mit Hermann Schrödter, (Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters, Serie 1) Herder Verlag Freiburg Band 3/I: 2006 (248 Seiten, ISBN 978-3-451-28504-2, Gebundene Ausgabe); Band 3/II: 2007 (224 Seiten, ISBN 978-3-451-28684-1, Gebundene Ausgabe)
    • Expositio in libri Boetii De Hebdomadibus. Kommentar zur Hebdomaden-Schrift des Boethius, LateinischDeutsch, Übersetzt und eingeleitet von Paul Rederm, (Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters, Serie 1 Band 18) Herder Verlag Freiburg 2009 (152 Seiten, ISBN 978-3-451-30298-5, Kartonierte Ausgabe).

Diverse Schriften

  • Über das Böse - Thomas von Aquin: Quaestiones disputatae de malo Untersuchungen über das Böse auf der Grundlage der Leonina, übersetzt und eingeleitet von Claudia & Peter Barthold, Carthusianus Verlag Mülheim/Mosel 2009 (575 Seiten, ISBN 978-3-941862-00-5); Vom Übel - De malo. Teilband 1 und 2. Übersetzt von Stefan Schick,: Meiner Verlag Hamburg (Auflage: Quaestiones Disputatae, Band 11 und 12.) 2009, 2010 (IX, 505; VIII, 405 Seiten, Halbleinen).
  • Über Lüge und Irrtum
  • Über die Vollkommenheit des geistlichen Lebens
  • Über die Einheit des Intellekts gegen die Averoisten
  • Compendium theologiae - Friedrich Abert: Sancti Thomae Aquinatis Compendium Theologiae. Text mit Übersetzung und Anmerkungen. (Bibliotheca Thomistica), Andreas Göbels Verlagsbuchhandlung Würzburg 1886 (515 Seiten).
  • Vom Gewissen, Lateinisch - Deutsch. Übersetzt und bearbeitet von Hanns-Gregor Nissing (Herders Bibliothek der Philosophie des Mittelalters 3. Serie), Band 51, Herder Verlag 2021 (224 Seiten, ISBN 978-3-451-38851-4; Gebundene Ausgabe).
  • Thomas von Aquin: Die menschliche Willensfreiheit, Texte zur thomistischen Freiheitslehre ausgewählt und mit einer Einleitung versehen von Gustav Siewerth, Übersetzung von P. Placisus Wehbrink, L. Schwann Verlag Düsseldorf 1954 (296 Seiten, 1. Auflage).

Eucharistische Hymnen

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Anlässlich der Einführung des Hochfestes Fronleichnam durch Papst Urban IV. 1264 verfasste Thomas von Aquin fünf Hymnen für Messfeier und dem Stundengebet des Festes. Sie sind seit Pius V. (1570) Bestandteil des Missale Romanum. In der Heiligen Messe ist in konsekrierten Gaben von Brot und Wein Christus wahrhaft und dauerhaft gegenwärtig (Realpräsenz). In seinen Hymnen beschreibt der hl. Thomas, wie man sich diesem Mysterium geistig nähern kann. Dazu bestimmt sind auch zwei Kleinschriften:

Rezeption in der Musik:

  • Charles Gounod (1818–1893), Chorsatz
  • Alexandre Guilmant (1837–1911), Fuge für Orgel
  • Stanislaus Aenstood (1843–1903), Chorsatz
  • Heinrich Barthelmes (1909–1985), Chorsatz
  • Gaston Litaize (1909–1991), Chorsatz
  • Ludger Stühlmeyer (* 1961), Adoro te devote für Gesang-Solo, Flöte und Orgel

Gedanken von Thomas

Über die Tugend

Tugend besagt eine gewisse Vollkommenheit des Vermögens. Eines jeden Dinges Vollkommenheit wird nun hauptsächlich im Hinblick auf das Ziel gesehen. Ziel des Vermögens aber ist der Akt. Darum heißt ein Vermögen vollkommen, insofern es die Bestimmungen auf seinen Akt erhalten hat. Es gibt nun gewisse Vermögen, die aus sich selbst auf ihre Akte hin bestimmt sind, z. B. die naturgeleiteten wirkmächtigen Vermögen. Und darum heißen derartige naturgeleitete Vermögen schon aus sich Tugenden [virtutes, hier = Kräften]. - Die vernunfthaften Vermögen jedoch, die dem Menschen eigen sind, sind nicht auf eines festgelegt, sondern verhalten sich vielem gegenüber noch unbestimmt. Sie werden aber durch Gehaben (habitus) auf die Akte hinbestimmt. Darum sind die menschlichen Tugenden Gehaben (Summa Theologiae, I-II 55,1).

Kirche und Heiliger Geist

"Kirche" bedeutet "Versammlung". Die heilige Kirche ist also die Versammlung der Gläubigen. Und jeder Christ ist wie ein Glied dieser Kirche. Diese heilige Kirche aber erfüllt vier Bedingungen:

1.) Die Kirche ist eine. Diese Einheit der Kirche hat drei Ursachen. Zunächst die Einheit des Glaubens; denn alle Christen, die zum Leibe der Kirche gehören, glauben dasselbe. Zum zweiten die Einheit der Hoffnung; denn alle stehen fest in der einen Hoffnung, das ewige Leben zu erlangen. Endlich die Einheit der Liebe; denn alle sind in der einen Liebe zu Gott und in gegenseitiger Liebe zueinander verbunden. Wenn diese Liebe echt ist, dann zeigt sie sich darin, dass die Glieder für einander besorgt sind und das Leid gemeinsam tragen.

2.) Die Kirche ist heilig. Die dieser Versammlung der Kirche angehörenden Gläubigen werden aber aus drei Quellen geheiligt. Zunächst durch die Taufe; denn wie man einen Kirchenraum vor der Weihe äußerlich säubert, so werden auch die Gläubigen im Blute Christi gewaschen. Zum zweiten durch eine Salbung, wie ein Kirchenraum gesalbt wird, so auch die Gläubigen durch eine geistliche Salbung, durch die sie geheiligt werden. Andernfalls wären sie keine "Christen", denn "Christus" bedeutet "Gesalbter". Endlich durch die Einwohnung des dreifaltigen Gottes, denn der Ort, wo Gott wohnt, ist heilig.

3.) Die Kirche ist katholisch, d.h. allgemein. Zunächst räumlich, denn sie ist auf der ganzen Welt ausgebreitet. Zum zweiten im Hinblick auf die Stände der Menschen; denn keiner ist ausgeschlossen, weder Herr noch Sklave, weder Mann noch Frau. Drittens zeitlich, denn die Kirche nahm ihren Anfang zur Zeit Abels und wird bestehen bis zum Ende der Welt.

4.) Die Kirche steht fest. Ein Haus steht fest, wenn es gute Fundamente hat: das Fundament der Kirche ist Christus; das abhängige Fundament aber sind die Apostel und ihre Lehre. Daher wird die Kirche apostolisch genannt.

Päpstliches zum Führer der Philosophie & der Theologie

Leo XIII.

Pius X.

Benedikt XV.

Pius XI.

  • 1923: "Wie einst in Ägypten zur Zeit der Hungersnot das Losungswort ausgegeben wurde: Gehet zu Joseph! (Gen 41,55 EU) er kann euch Brot geben, so, rufen Wir heute allen Wahrheitshungrigen zu: Gehet zu Thomas, suchet bei ihm die Kraftnahrung der gesunden Lehre, die er in reicher Fülle besitzt und die eure Seelen zu stärken vermag für das Leben! Er verfügt über einen reichen Vorrat an leicht zugänglicher Seelenspeise, wie es die eidlichen Aussagen des Heiligsprechungsprozesses bezeugen: „An der klaren und leichtfasslichen Lehre dieses Meisters haben sich eine ganze Reihe von glänzenden Magistern aus dem Welt- und Ordensklerus gebildet; dank seiner übersichtlichen, lichtvollen und geschickten Methode ... wünschen auch Laien und mittelmäßig Gebildete seine Schriften zu besitzen“ (vgl.)).
  • 24. Mai 1931 Apostolische Konstitution Deus scientiarum Dominus über die kirchlichen Universitäten und Fakultäten, Art. 29: In der philosophischen Fakultät soll die scholastische Philosophie gelehrt werden, und zwar so, dass die Hörer durch eine vollständige und zusammenhängende Synthese der Philosophie nach der Methode und den Grundsätzen des heiligen Thomas von Aquin ausgebildet werden. Nach dieser Lehre aber sollen die verschiedenen Systeme der Philosophen geprüft und beurteilt werden.
  • 20. Dezember 1935 Enzyklika Ad catholici sacerdotii über die Heiligkeit des Priesterlebens Die Lehre des heiligen Thomas, Nr. 68

Pius XII.

  • 24. Juni 1939 Ansprache Sollemnis conventus an die Kleriker und Alumnen von Rom, über das Studium und Gebet. Empfehlung des Heiligen Thomas zur Glaubensverbreitung: Der Eifer ... bei der Suche und Verbreitung der Wahrheit wird durch die Empfehlung der Lehre des heiligen Thomas nicht beeinträchtigt, sondern vielmehr angespornt und sicher geleitet.
  • 2. August 1950 Enzyklika Humani generis über einige falsche Ansichten, die die Grundlagen der katholischen Lehre zu untergraben drohen Die Lehre des heiligen Thomas von Aquin.

Paul VI.

  • 4. November 1963 Apostolischer Brief Summi Dei Verbum über die tridentinischen Seminare und ihren bleibenden Wert und dass Theologie und Philosophie den Prinzipien und Methoden des Heiligen Thomas folgen sollen.
  • 12. März 1964 Ansprache an der Päpstlichen Universität Gregoriana (AAS 56 (1964) 365): (Die Professoren) ... sollen mit Ehrerbietung die Stimme der Kirchenlehrer hören, unter denen der göttliche Aquinate einen hervorragenden Platz innehat; die Geisteskraft des engelgleichen Lehrers ist nämlich so gewaltig, seine Liebe zur Wahrheit so aufrichtig und seine Weisheit bei den zu erforschenden, zu erklärenden und durch das Band der Einheit am passendsten zusammenzufassenden höchsten Wahrheiten so groß, dass seine Lehre das wirksamste Mittel ist nicht nur für die sicher zu erstellenden Glaubensfundamente, sondern auch für den nützlichen und sicheren Empfang der Früchte eines gesunden Fortschritts.
  • 28. Oktober 1965 Zweite Vatikanische Konzil, Dekret Optatam totius, Neugestaltung der kirchlichen Studien, Nr. 15: Die dogmatische Theologie soll so angeordnet werden, dass zuerst die biblischen Themen selbst vorgelegt werden; dann erschließe man den Alumnen, was die Väter der östlichen und westlichen Kirche zur treuen Überlieferung und zur Entfaltung der einzelnen Offenbarungswahrheiten beigetragen haben, ebenso die weitere Dogmengeschichte, unter Berücksichtigung ihrer Beziehungen zur allgemeinen Kirchengeschichte[35]; sodann sollen sie lernen, mit dem heiligen Thomas als Meister, die Heilsgeheimnisse in ihrer Ganzheit spekulativ tiefer zu durchdringen und ihren Zusammenhang zu verstehen, um sie, soweit möglich, zu erhellen.
  • 28. Oktober 1965 Zweite Vatikanische Konzil, Erklärung Gravissimum educationis über die christliche Erziehung, Nr. 10: Gleicherweise widmet die Kirche den Hochschulen, insbesondere den Universitäten und Fakultäten, ihre angelegentliche Sorge. In der Tat ist sie bei denen, die ihr unterstehen, naturgemäß bestrebt, dass die einzelnen Disziplinen mit den ihnen eigenen Prinzipien, mit ihrer eigenen Methode und mit einer der wissenschaftlichen Forschung eigenen Freiheit so gepflegt werden, dass sich in ihnen die Erkenntnisse mehr und mehr vertiefen, die neuen Fragen und Forschungsergebnisse der voranschreitenden Zeit sorgfältige Beachtung finden und so tiefer erfaßt wird, wie Glaube und Vernunft sich in der einen Wahrheit treffen. Dabei dienen die Kirchenlehrer, besonders der heilige Thomas von Aquin, als Vorbilder. So soll gleichsam der christliche Geist bei dem gesamten Bemühen um die Förderung einer höheren Kultur öffentlich, stets und universell präsent sein.

Benedikt XVI.

  • 28. Januar 2011 Kongregation für das Katholische Bildungswesen: zur Reform der kirchlichen Studien der Philosophie, Nr. 11-12: Forschung und Lehre der Philosophie an einer kirchlichen Fakultät für Philosophie müssen sich auf das „immer gültige philosophische Erbe” stützen, wie es sich im Laufe der Geschichte, insbesondere im Werk des heiligen Thomas von Aquin entwickelt hat. Gleichzeitig soll die an einer kirchlichen Fakultät gelehrte Philosophie offen sein für die Ergebnisse, die neuere Forschungen erbracht haben und weiterhin erbringen. Es ist dabei wichtig, die weisheitliche und metaphysische Dimension der Philosophie zu betonen.[5] Und weiter oben: Sowohl für den Erwerb der intellektuellen „Habitus“ als auch für die ausgereifte Aufnahme des philosophischen Erbes gebührt der Philosophie des heiligen Thomas von Aquin eine herausragende Stellung.
  • Benedikt XVI.: Ich hatte dagegen eher Schwierigkeiten, den Zugang zu Thomas von Aquin zu finden, dessen kristallene Logik mir gar zu fest in sich geschlossen, zu unpersönlich und zu fertig erschien. Das mag auch daran gelegen haben, dass der Philosoph unserer Hochschule, Arnold Wilmsen, uns einen rigiden neuscholastischen Thomismus vortrug.[6]

Franziskus

  • 8. Dezember 2017 Apostolische Konstitution Veritatis gaudium über die kirchlichen Universitäten und Fakultäten, Art. 64. § 1: Forschung und Lehre der Philosophie an einer kirchlichen Fakultät für Philosophie müssen sich auf das „immer gültige philosophische Erbe” (vgl. can. 251 CIC und II. Vatikanisches Konzil, Dekret Optatam totius) stützen, wie es sich im Laufe der Geschichte, insbesondere im Werk des heiligen Thomas von Aquin entwickelt hat.
Art. 81. § 1: Die kirchliche Philosophische Fakultät hat das Ziel, wissenschaftlich-methodisch die philosophischen Probleme zu erforschen und auf der Grundlage des bleibend gültigen philosophischen Erbes (vgl.: Optatam Totius, 15: AAS 58 [1966] 722) im Lichte der menschlichen Vernunft nach deren Lösungen zu suchen sowie ihren Zusammenhang mit dem christlichen Welt-, Menschen- und Gottesbild aufzuzeigen, wobei die Beziehungen der Philosophie mit der Theologie ins rechte Licht gerückt werden.

Literatur

Literatur von Martin Grabmann

  • Das Seelenleben des heiligen Thomas von Aquin nach seinen Werken und den Heiligsprechungsakten dargestellt von Martin Grabmann., Theatiner Verlag München 1924 (118 Seiten); Paulus Verlag Freiburg/Schweiz 1949 (3. erweiterte Auflage, Imprimatur Friburgi Helv., die 9 novembris 1948 L. Waeber vic. gen.); Verlagsbuchhandlung Sabat 2020 (Hardcover, 160 Seiten, ISBN 978-3-943506-82-2).
  • Thomas von Aquin. Eine Einführung in seine Persönlichkeit und Gedankenwelt (in alle europäischen Kultursprachen und ins Japanische übersetzt wurde), Kösel Verlag 1912 (168 Seiten, Erstauflage), 1914 (168 Seiten), 1917 (168 Seiten), 1920 (168 Seiten, 4. Auflage), 1936 (231 Seiten, 6. vom Verfasser neubearbeitete und erweiterte Auflage), 1946 (217 Seiten, 7. völlig neu bearbeitete Auflage), 1949 (232 Seiten, 8. Auflage, mit kirchlicher Druckerlaubnis); Verlagsbuchhandlung Sabat 2020 (Hardcover, 224 Seiten, ISBN 978-3-943506-76-1).
  • Die echten Schriften des hl. Thomas von Aquin, 1920 (1. Auflage); Die Werke des Hl. Thomas von Aquin, Eine Literaturhistorische Untersuchung und Einführung, Aschendorff Verlag Münster 1931 (372 Seiten, Zweite völlig neugearbeitete und vermehrte Auflage), 1949 (3., stark erweiterte Auflage), 1967 (479 Seiten, Orig.-broschiert, Photomechanischer Nachdruck, Reihe: Beiträge zur Geschichte der Philosophie und Theologie des Mittelalters, Texte und Untersuchungen, Band XXII, Heft 1 - 2), Nachdruck 1967 mit Literaturergänzungen von R. Heinzmann.
  • Die Lehre des Hl. Thomas von Aquin von der Kirche als Gotteswerk. Ihre Stellung im Thomistischen System und in der Geschichte der Mittelalterlichen Theologie, G. J. Manz Verlag Regensburg 1903 (315 Seiten).
  • Grundsätzliches und Kritisches zu neuen Schriften über Thomas von Aquin; Sonder-Abdruck aus der Theol. Revue 16. Jg., Aschendorff Verlag Münster 1917 (55 Seiten; Heft).
  • Die Idee des Lebens in der Theologie des hl. Thomas von Aquin, Schöningh Verlag Paderborn 1922 (107 Seiten).
  • Die Kulturphilosophie des hl. Thomas von Aquin, Benno Filser Verlag Augsburg 1925/1928 (217 Seiten).
  • Martin Grabmann: Das Immerdauernde in der theologischen Methode des heiligen Thomas. Klerusblatt (Eichstätt) 1942, 374-377.

Thomismus#Päpstliche Schreiben

Weblinks

Anmerkungen

  1. Aeterni Patris Unigenitus
  2. Fides et ratio
  3. De Pot. q.7 a.2 ad 9
  4. Beide Kleinschriften sind enthalten in: Thomas von Aquin: Das hochheilige Altarssakrament, Aus dem Lateinischen von Joh. Nepomuk Dischinger, Veith/Schmid Verlag Donauwörth 1847 (216 Seiten, in Fraktur abgedruckt) ; In lateinisch Online lesen bei der Bayerischen Staatsbibliothek.
  5. Kongregation für das Katholische Bildungswesen: Dekret Ad operam zur Reform der kirchlichen Studien der Philosophie vom 28. Januar 2011, Art. 59.
  6. Joseph Ratzinger: Aus meinem Leben : Erinnerungen ; (1927 - 1977), Dt. Verl.-Anst. Stuttgart 1998 (190 Seiten, ISBN 978-3-421-05123-3 Pp.).
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