Laizismus

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Mit Laizismus (von griech. laos, das Volk) wird im allgemeinen das moderne Phänomen bezeichnet, dass die öffentliche Ordnung des Zusammenlebens der Menschen frei von jeder religiösen Orientierung, insbesondere der Rechtsordnung, gestaltet werden soll (so genannte "Trennung" von Kirche und Staat). Der Gebrauch des Wortes ist in seiner Bedeutung jedoch oft unbestimmt.

Inhaltsverzeichnis

Staatslehre

Einem notwendigen, in heutiger Zeit nicht mehr aufhebbaren Laizismus der Staatsordnung steht noch immer ein radikal ideologischer Laizismus gegenüber, der die Religionsfreiheit auf ein Minimum persönlicher Frömmigkeit herabsetzt (in dem vom dann allein zuständigen Staat gesetzten Rechtsrahmen, unter Missachtung des Kirchenrechts), eigentlich aber die Verwirklichung nur negativer Religionsfreiheit im öffentlichen Leben fordert: Religion dürfe keine Bedeutung für Staat und Gesellschaft haben.

Die deutlichste Negation religiöser Gehalte im öffentlichen Leben Westeuropas findet sich auch heute noch in der französischen Staatsordnung, die seit der Trennungsgesetzgebung von 1905 insbesondere die katholische Kirche, aber auch alle anderen Konfessionen und Religionen, auf den Charakter rein privatrechtlicher Gesellschaften (zur Ausübung persönlicher Überzeugungen) beschränkte. Diese Trennung ist in mehreren Phasen zwar aufgelockert worden (u.a. Wiederanknüpfung diplomatischer Beziehungen zwischen dem Papsttum und der frz. Republik 1920 unter Papst Benedikt XV.). Jedoch stellt sich das Problem einer zweifelhaften Legitimation der strikt laizistischen Staatsverfassung, vor dem Hintergrund der europäischen Identität, heute neu; wie auch von Präsident Nicolas Sarkozy andeutungsweise anlässlich seiner Papstaudienz am 20. Dezember 2007 eingeräumt wurde. Auch in Frankreich stimmen wachsende Teile der Öffentlichkeit der Einsicht zu, dass es zur Gleichheit der Religionsausübung im öffentlichen Leben auch gehört, "Ungleiches ungleich" zu behandeln (suum cuique tribue), eine teilweise Höherachtung der christlichen und jüdischen Bekenntnisse gegenüber anderen Religionen also akzeptabel erscheinen kann.

"positive Laizität"

Die jüngere Entwicklung zieht Konsequenzen aus der Selbstkorrektur der katholischen Gesellschaftslehre (vgl. Quas primas), wie sie in Dokumenten des II. Vatikanums zum Ausdruck kam. Demnach besteht für den einzelnen Menschen zwar kein moralischer Anspruch auf "jedwede Religiosität" (vgl. Indifferentismus), aber das Zusammenleben im Staat muss von solchen Privilegien öffentlich-rechtlicher Natur zugunsten der Kirche freibleiben, die das persönliche, frei gewählte Glaubensleben eher beschweren als ermöglichen.

In diesem gesellschaftspolitischen Sinn unterstützt der Katholizismus heute eine Laizität des öffentlichen Lebens und billigt dem Volk der Gläubigen (und jedem einzelnen Christen) in weltlichen Sachbereichen eine relative Autonomie seiner Zuständigkeit zu. Der gottgegebene Gehorsamsanspruch der Kirche gegenüber der Öffentlichkeit nimmt heute mithin weder die Ideale klösterlicher Ordung (des Mittelalters) zum Vorbild noch staatskirchliche Konzepte des neuzeitlichen Ancien régime, sondern vertraut auf die Überzeugungskraft der Wahrheit selber (vgl. Dignitatis humanae). Andererseits kann die Kirche mithin auch nicht mehr zugunsten des Staates als "Abteilung der Polizei" (so der österreichische Kaiser Joseph II. im so gen. Josephinismus) oder auch bloß des Erziehungswesens oder tradierter Sozialmodelle benutzt werden.

Grenzen dieser Autonomie ergeben sich aber weiterhin aus dem Vorrang des kirchlichen Absolutheitsanspruchs, hergeleitet aus der Wahrheit des Evangeliums, vorrangig vor Staat, Politik und Gesellschaft. In diesem Sinne nimmt der Katholizismus die doppelte Funktion wahr, a.) mittels seiner Glaubensverkündigung in Wort und Sakrament die Menschen zu Gott zu führen; b.) mit Hilfe seiner Soziallehre (zu Gerechtigkeit und Caritas) aber der Öffentlichkeit ein Angebot für die Lösung der Probleme der zeitlichen Ordnung zu unterbreiten. Dieses Angebot, das keinen dogmatischen Anspruch erhebt, will die Kirche aber nicht unter Benutzung der Staatsgewalt durchsetzen noch könnte sie es.

In Deutschland, der Schweiz und Österreich ergeben sich im Spannungsfeld zwischen Kirche und Politik jedoch etliche Probleme daraus, dass in vergangenen Epochen -- auf unterschiedliche Weise (vgl. Josephinismus, Staatskirchenverfassung) -- eine sehr große Nähe zwischen Kirche und Staat bestand, die von Vertretern insb. christdemokratischer Konzepte (z.B. Hans Maier, Karl Lehmann), unter bestimmten Aspekten, weiterhin für eine vorzügliche Synthese aus der Idee repräsentativer, parlamentarischer Demokratie und aufgeklärtem Christentum erachtet wird.

La Sapienza und die Folgen

Im Vorfeld des für den 17. Januar 2008 geplanten Besuchs von Papst Benedikt XVI. bei der römischen Universität La Sapienza kam es zu derart massiven Protesten intoleranter Laizisten, dass der Besuch abgesagt werden musste.

Kardinal Camillo Ruini, rief daraufhin (Domenica tutti a San Pietro) zur Teilnahme am Angelus am 20. Januar 2008 auf dem Petersplatz auf. Ohne zwar den Charakter einer politischen Demonstration anzunehmen, wurde das Treffen zehntausender Christen aber zu einer großen Kundgebung zugunsten der Meinungs- und Gedankenfreiheit, also positiver Laizität.

Bemerkenswert dazu auch die (ungehaltene) Sapienza-Rede des "schweigenden" Papstes, die publizistisch große Beachtung findet.

Ausblick

Unter dem Eindruck der Erstrezeption des II. Vatikanum treten jedoch neue Fragen in Erscheinung. Es scheint so, dass selbst von strukturell (teilweise) kirchennahen Organisationen (oder Parteien) dominierte Parlamente nicht den Idealzustand des Laizismus darstellen können.

Anstelle voreiliger Synthesen (im Wege des Kompromisses), muss in einer europaweit immer noch überwiegend religionslosen Zeit das unterscheidend Christliche mit hinreichender Deutlichkeit, und das inmitten sämtlicher Gesellschaftsordnungen, vertreten werden. Somit darf vermutet werden, dass eine erste Phase relativ euphorischer Zustimmung zur partiellen Laizität seitens der Kirche abklingt. Die Besinnung darauf, in welchen Erscheinungsformen diese (doch nur) einen Rückfall in einen inakzeptablen Laizismus verdeckt, hat wohl erst begonnen. Der Fall La sapienza (oben) scheint diese Wertung vorerst zu bestätigen.

Am Ende des 20. und Beginn des 21. Jahrhunderts wird der von den Freimaurern geschürte Laizismus scheinbar weniger betrieben, was sich jedoch als nur subtiler herausstellt. Die Religion wird ins Private gedrängt und die Erziehung in die öffentliche Hand. Den Frauen wird vorgetäuscht, sie seien nur ein brauchbare Bürger, wenn sie wie Männer (vgl. Genderismus) Geld nach Hause brächten. Wenn sie zur Arbeit gehen und nur geringe Zeit zur einer häuslichen (religiösen) Erziehung haben, müssen sie ihre Kinder in die Krippe geben, wobei die dortigen (öffentlichen) Pädagogen keine religiöse oder gar konfessionelle Erziehung geben dürfen. Damit wird die Religion von selbst versiegen.

Die Reise von Papst Benedikt XVI. nach Amerika (April 2008) hat nichtsdestoweniger bekräftigt, dass die Kirche an der wesentlich positiven Würdigung der relativen Autonomie weltlicher Sachbereiche (so das jüngste Konzil) festhält.

Die Feinde der Kirche setzten auch in den Jahren 2009 und 2010 ihre Rufmordkampagnen gegen den Heiligen Vater mit zunehmender Schärfe fort und unterstellen ihm einen antimodernen "Kreuzzug" im Bündnis mit antisemitischen Holocaustleugnern und homosexuellen Päderasten. (Wobei nicht auszuschließen ist, dass beides z.B. in der Priesterbruderschaft St. Pius vorkommt.) Noch nie seit 1789 waren die Argumente gegen das Papsttum allerdings mit so erlesener Niedertracht komponiert. Ursache: Man versteht, was der Papst zu sagen hat, vor allem im Volk.

Literatur

  • Hans Maier: Revolution und Kirche, Freiburg i. Br. 1988.

Päpstliche Schreiben

Pius XI.

  • 11. Dezember 1925 Enzyklika "Quas primas" zur Einsetzung des Christkönigfestes. Es soll den Irrtum des Laizismus bekämpfen. Das Datum erinnert an das 1. Ökumenische Konzil von Nicäa 325 (AAS XVII [1925] 593-610).

Zitat: (ebd. Nr. 29) Wenn wir nun anordnen, Christus solle von den ganzen katholischen Welt als König verehrt werden, so wollen Wir damit auch dem Bedürfnis unserer Zeit entgegenkommen und ein wirksames Heilmittel jener Pest entgegenstellen, welche die menschliche Gesellschaft befallen hat. Die Pest unserer Zeit ist der so genannte Laizismus mit seinen Irrtümern und gottlosen Absichten.

Weblinks

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