Josephinismus

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Josephinismus (abgeleitet von Kaiser Joseph II. (1741-1790)) bezeichnet die konsequente Unterordnung gesellschaftlicher Angelegenheiten unter die staatliche österreichische Verwaltung nach den Prinzipien des aufgeklärten Absolutismus. Die Religion wird nach dem Maß ihrer ersichtlichen sozialen und gesellschaftlichen Nützlichkeit bewertet. [1]

Auch in Fragen der Religion galten die Prinzipien

"Alles für das Volk, nichts durch das Volk." Sogar für päpstliche Rechtsetzung galt das "Plazet" des Kaisers für konstitutiv. Papst Pius VI. konnte, als peregrinus apostolicus 1782 nach Wien gereist, den Kaiser nicht von seinen Vorstellungen abbringen. Religiöse Vereine und Veranstaltungen, auch Orden, wurden staatlichen Nützlichkeitserwägungen unterworfen, das Joseph II. die Kirche als Teil der hoheitlichen Daseinsvorsorge ansah. Für nichtkatholische Religionen wurde "Toleranz" bewilligt.

Maßnahmen

Im Toleranzpatent (1781) wurde die Alleinstellung der katholischen Kirche gebrochen – Protestanten und Juden durften ihren Glauben ausüben, allerdings nur unter Duldung; ein gewisser Vorrang der Katholischen Kirche blieb aufrechterhalten.

Alle Orden, die im wirtschaftlich Sinne "unproduktiv" waren, also keine Krankenpflege, Schulen oder andere soziale Aktivitäten betrieben, wurden aufgehoben, ihr Besitz verstaatlicht. Dies führte dazu, dass viele kontemplative Klöster geschlossen wurden. Aus dem Erlös der Aufhebungen wurde der bis ins 20. Jahrhundert bestehende Religionsfonds gegründet, der die Besoldung der Priester übernahm, die auf diese Weise zu Staatsbeamten wurden.

Auch viele Feiertage und Kirchenfeste (sowie Wallfahrten, Prozessionen u. a.) wurden abgeschafft – hauptsächlich um die Arbeitsproduktivität zu erhöhen. Andererseits wurde auf Initiative des Kaisers die Verwaltungsstruktur der katholischen Kirche in Österreich rationalisiert. Pfarrsprengel wurden verkleinert, neue Diözesen wurden gegründet und bestehende mit den Grenzen der Kronländer in Deckung gebracht. Auswirkungen des Josephinismus sind bis heute darin zu bemerken, dass die Kirche in Österreich, über alle Systemwechsel hinweg, eher "staatsnah" agiert und wenig Aufmerksamkeit für die kontemplative Seite der Religion entwickelt. Aus Österreich stammen in der Neuzeit nur wenige bedeutende Theologen oder gar Heilige.

Anmerkungen

  1. vgl. Kardinal Christoph Schönborn bei der Fronleichnamspredigt 2011
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