Evangelii nuntiandi (Wortlaut)

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Apostolisches Schreiben
Evangelii nuntiandi

unseres Heiligen Vaters
Paul VI.
an den Episkopat, den Klerus und alle Gläubigen der Katholischen Kirche
über die Evangelisierung in der Welt von heute
8. Dezember 1975

(Offizieller lateinischer Text: AAS LXVIII [1976] 5-76)

(Quelle: Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, Verlautbarungen des Apostolischen Stuhls Nr. 2. (auch in: Nako 57) Die Nummerierung entspricht der englischen Fassung [1]).

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Ehrwürdige Brüder,
geliebte Söhne und Töchter !
Gruß und Apostolischen Segen !

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

Besonderer Einsatz für die Evangelisierung

1 Die Verkündigung des Evangeliums an die Menschen unserer Zeit, die von Hoffnung erfüllt, aber gleichzeitig oft von Furcht und Angst niedergedrückt sind, ist ohne Zweifel ein Dienst, der nicht nur der Gemeinschaft der Christen, sondern der ganzen Menschheit erwiesen wird. Darum erscheint Uns die Pflicht, die Brüder zu bestärken – diese haben Wir vom Herrn empfangen mit dem Amt des Nachfolgers Petri[1], und sie ist für Uns eine „tägliche Sorge“[2], ein Lebens- und Arbeitsprogramm sowie eine grundlegende Verpflichtung Unseres Pontifikates –, darum erscheint Uns also diese Pflicht noch vornehmer und dringlicher, wenn es sich darum handelt, unsere Brüder zu bestärken, die mit der Evangelisierung beauftragt sind, damit sie in diesen Zeiten der Unsicherheit und der Verwirrung ihre Sendung mit immer mehr Liebe, Eifer und Freude erfüllen.

Aus dreifachem Anlass

2 Das gerade wollen Wir hier tun zum Abschluss des Heiligen Jahres, in dessen Verlauf die Kirche, „die mit ihrer ganzen Kraft bemüht ist, das Evangelium allen Menschen zu verkünden“[3], nichts anderes gewollt hat, als ihr Amt als Botin der Frohbotschaft Jesu Christi zu erfüllen, die mit den beiden grundlegenden Leitworten angekündigt wurde: „Ziehet den neuen Menschen an“[4] und „Lasst euch mit Gott versöhnen“[5].

Wir wollen dies tun anlässlich des zehnten Jahrestages des Abschlusses des Zweiten Vatikanischen Konzils, dessen Anliegen sich letztlich in einem Wort zusammenfassen lassen: die Kirche des 20. Jahrhunderts besser zu befähigen, das Evangelium der Menschheit des 20. Jahrhunderts zu verkünden. Wir wollen dieses ein Jahr nach der dritten Generalversammlung der Bischofssynode, die bekanntlich der Evangelisierung gewidmet war, um so lieber tun, da die Synodalväter selber Uns darum gebeten haben. In der Tat haben sie am Ende der denkwürdigen Versammlung beschlossen, dem Hirten der universalen Kirche mit großem, demütigem Vertrauen die Frucht ihrer ganzen Arbeit zu übergeben, und erklärten dabei, dass sie vom Papst einen neuen Anstoß erwarten, der imstande ist, neue Zeiten der Evangelisierung heraufzuführen innerhalb einer Kirche, die noch tiefer verwurzelt ist in der unvergänglichen Kraft und Macht des Pfingstgeheimnisses[6].

Oft betontes Thema während Unseres Pontifikates

3 Wir haben wiederholt die Bedeutung des Themas der Evangelisierung hervorgehoben, lange vor den Tagen der Synode. „Die Verhältnisse der Gesellschaft“, sagten Wir vor dem Kardinalskollegium am 22. Juni 1973, „legen uns allen die Verpflichtung auf, die Methoden zu überprüfen und mit allen Mitteln uns zu bemühen herauszufinden, wie man dem modernen Menschen die christliche Botschaft nahe bringen kann, in der allein er die Antwort auf seine Fragen zu finden vermag und die Kraft für seinen Einsatz zu menschlicher Solidarität“[7]. Wir fügten hinzu, dass es, um auf die vom Konzil an Uns gerichteten Forderungen eine gültige Antwort zu geben, unbedingt notwendig ist, Uns das überlieferte Glaubensgut vor Augen zu stellen, das die Kirche in seiner unantastbaren Reinheit bewahren, aber auch den Menschen unserer Zeit in einer möglichst verständlichen und überzeugenden Weise darbieten muss.

In der Linie der Synode von 1974

4 Diese Treue gegenüber einer Botschaft, deren Diener Wir sind, und gegenüber den Menschen, denen Wir sie unversehrt und lebendig übermitteln müssen, ist der Kernpunkt der Evangelisierung. Sie stellt drei brennende Fragen, die die Synode von 1974 beständig vor Augen hatte:

– Was ist in unseren Tagen aus dieser verborgenen Kraftquelle der Frohbotschaft geworden, die fähig ist, das Gewissen des Menschen tief aufzurütteln?

– Bis zu welchem Grad und wie ist diese Kraft des Evangeliums imstande, den Menschen unseres Jahrhunderts umzugestalten?

– Welchen Methoden muss man bei der Verkündigung des Evangeliums folgen, damit es seine Kraft entfalte?

Diese Fragen erklären letztlich das grundlegende Problem, das sich die Kirche heute stellt und das man so formulieren könnte: Ist die Kirche – ja oder nein – nach dem Konzil und dank des Konzils, das für sie in dieser geschichtlichen Wende eine Stunde Gottes gewesen ist, fähiger geworden, das Evangelium zu verkünden und es überzeugend, im Geiste der Freiheit und wirksam in das Herz des Menschen einzusenken?

Einladung zur Besinnung

5 Wir alle sehen die Dringlichkeit, auf diese Frage eine loyale, ehrliche und mutige Antwort zu geben und konsequent zu handeln. In Unserer „Sorge für alle Kirchen“[8] möchten Wir Unseren Brüdern, Söhnen und Töchtern helfen, auf diese Fragen eine Antwort zu geben. Mögen Unsere Worte, die, ausgehend von den reichen Erfahrungen der Synode, eine Besinnung über die Evangelisierung sein wollen, das ganze Gottesvolk, das in der Kirche vereint ist, zur gleichen Gesinnung anregen und allen ein neuer Anstoß sein, vor allem jenen, „die sich in Wort und Lehre abmühen“[9], damit ein jeder von ihnen „ein treuer Verwalter des Wortes der Wahrheit“ [10] sei, die Aufgabe als Verkünder der Heilsbotschaft verwirkliche und vollkommen sein Amt erfülle.

Eine solche mahnende Ermutigung ist Uns als sehr wichtig erschienen, denn die Verkündigung des Evangeliums ist für die Kirche nicht etwa ein Werk, das in ihrem Belieben stünde. Es ist ihre Pflicht, die ihr durch den Auftrag des Herrn Jesus Christus obliegt, damit die Menschen glauben und gerettet werden können. In der Tat, diese Botschaft ist notwendig. Sie ist einzigartig. Sie kann nicht ersetzt werden. Sie erlaubt weder Gleichgültigkeit noch Vermischungen mit anderen Lehren oder falsche Anpassungen. Es geht hierbei nämlich um das Heil des Menschen. Sie stellt die Schönheit der Offenbarung dar. Sie bietet eine Weisheit, die nicht von dieser Welt ist. Sie ist imstande, durch sich selbst den Glauben zu wecken, einen Glauben, der auf der Macht Gottes gründet[11]. Sie ist die Wahrheit. Sie verdient es, dass der Glaubensbote ihr seine ganze Zeit und alle seine Kräfte widmet und, falls notwendig, für sie auch sein eigenes Leben opfert.

I. Von Christus, dem Urheber der Evangelisierung, zu einer evangelisierenden Kirche Zeugnis und Sendung Jesu

6 Das Zeugnis, das der Herr von sich selbst gibt und das der hl. Lukas in seinem Evangelium niedergelegt hat: „Ich muss die Frohbotschaft vom Reiche Gottes verkünden“[12], hat ohne Zweifel eine große Bedeutung, denn es erklärt mit einem Wort die ganze Sendung Jesu: „Dazu bin ich gesandt worden“[13]. Diese Worte erhalten ihren vollen Sinn, wenn man sie mit den vorhergehenden Versen zusammen sieht, wo eben Christus auf sich selbst das Wort des Propheten Jesaja anwendet: „Der Geist des Herrn ruht auf mir, denn er hat mich gesalbt. Er hat mich gesandt, den Armen die Frohbotschaft zu bringen“[14].

Von Stadt zu Stadt, vor allem den ärmsten, zur Aufnahme oft bereitesten Menschen die Frohbotschaft von der Erfüllung der Verheißungen und des Bundes zu bringen, der von Gott angeboten wird, das ist die Aufgabe, für die Jesus nach seinen eigenen Worten vom Vater gesandt worden ist. Alle Gesichtspunkte seines Mysteriums – die Menschwerdung selbst, die Wunder, die Unterweisungen, die Sammlung von Jüngern, die Aussendung der Zwölf, das Kreuz und die Auferstehung, das Verbleiben seiner Gegenwart inmitten der Seinigen – zielen auf diese vorrangige Tätigkeit: die Verkündigung der Frohbotschaft.

Jesus, der Urheber der Evangelisierung

7 Die Bischöfe haben im Verlauf der Synode sehr oft diese Wahrheit hervorgehoben: Jesus selbst, Frohbotschaft Gottes[15], ist der allererste und größte Künder des Evangeliums gewesen. Er ist es bis zum Äußersten gewesen: bis zur Vollkommenheit und zur Hingabe seines irdischen Lebens. Evangelisieren: Welche Bedeutung hatte dieser Imperativ für Christus? Es ist bestimmt nicht leicht, in einer vollständigen Synthese den Sinn, den Inhalt und die Wege einer solchen Evangelisierung wiederzugeben, wie sie Christus aufgefasst und ins Werk gesetzt hat. Eine solche Synthese wird übrigens niemals ganz vollkommen sein können. Es möge Uns hier somit genügen, auf einige wesentliche Gesichtspunkte hinzuweisen.

Die Verkündigung des Reiches Gottes

8 Christus, der Künder der Frohbotschaft, verkündet an erster Stelle ein Reich, das Reich Gottes, das von solcher Bedeutung ist, dass im Vergleich zu ihm alles „der Rest“ wird, der „hinzugegeben wird“[16]. Nur das Reich also ist ein absoluter Wert und relativiert alles andere. Der Herr liebt es, unter vielen verschiedenen Formen das Glück zu beschreiben, diesem Reich anzugehören; ein widersprüchlich erscheinendes Glück, das aus Dingen erwächst, die die Welt verschmäht[17]; die Forderungen des Reiches und seine „Magna Charta“[18], die Herolde des Reiches [19], seine Geheimnisse[20], seine Kinder[21], die Wachsamkeit und die Treue, die von jedem gefordert werden, der seine endgültige Ankunft erwartet [22].

Die Verkündigung des befreienden Heiles

9 Als Kernstück und Mittelpunkt seiner Frohbotschaft verkündet Christus das Heil, dieses große Gottesgeschenk, das in der Befreiung von der Sünde und vom Bösen, in der Freude, Gott zu erkennen und von ihm erkannt zu werden, ihn zu schauen und ihm anzugehören. Dies alles beginnt bereits während des Lebens Christi und wird durch seinen Tod und seine Auferstehung endgültig erworben; es muss aber mit Geduld im Verlauf der Geschichte fortgeführt werden, um dann voll verwirklicht zu werden am Tage der endgültigen Ankunft Christi, von dem niemand weiß, wann er sein wird, außer dem Vater[23].

Um den Preis eines opferbereiten Einsatzes

10 Dieses Reich und dieses Heil, Grundbegriffe der Evangelisierung Jesu Christi, kann jeder Mensch erhalten als Gnade und Erbarmung, und dennoch muss sie ein jeder mit Gewalt an sich reißen – sie gehören den Gewalttätigen, sagt der Herr[24] –, durch Anstrengung und Leiden, durch ein Leben nach dem Evangelium, durch Verzicht und Kreuz, durch den Geist der Seligpreisungen. Vor allem aber reißt sie ein jeder an sich durch eine totale innere Umkehr, die das Evangelium mit dem Namen „metanoia“ bezeichnet, durch eine radikale Bekehrung, durch eine tiefe Umwandlung in der Gesinnung und im Herzen[25].

Unermüdliche Predigt

11 Diese Verkündigung des Reiches Gottes vollzog Christus durch unermüdliches Predigen, in Worten, von denen man sagen muss, dass sie ihresgleichen nicht haben: „Seht, eine neue Lehre, mit Vollmacht vorgetragen!“ [26]; „und alle gaben ihm Beifall und waren voll Staunen über die Anmut seiner Worte, die aus seinem Munde kamen“[27]; „so wie dieser hat noch nie ein Mensch gesprochen“[28]. Seine Worte enthüllen das Geheimnis Gottes, seinen Plan und seine Verheißung, und verwandeln deshalb das Herz des Menschen und sein Schicksal.

Verkündigung durch Zeichen

12 Gleichermaßen verwirklicht aber Christus diese Verkündigung durch ungezählte Zeichen, die das Staunen der Volksmenge erregen und sie gleichzeitig zu ihm hinziehen, um ihn zu sehen, ihn zu hören und sich von ihm umformen zu lassen: Heilung von Kranken, Verwandlung des Wassers in Wein, Brotvermehrung, Auferweckung von Toten. Ferner auch vor allem durch jenes Zeichen, dem er große Bedeutung beimisst: den Einfachen, den Armen wird das Evangelium verkündet, sie werden seine Jünger, sie vereinigen sich „in seinem Namen“ in der großen Gemeinschaft jener, die an ihn glauben. Denn dieser Jesus, der erklärte: „Ich muss die Frohbotschaft vom Reiche Gottes verkünden“[29], ist der gleiche Jesus, von dem Johannes der Evangelist sagte, dass er gekommen ist und sterben musste, „um die zerstreuten Kinder Gottes zu einer einzigen Gemeinschaft zusammenzuführen“[30]. So vollendet er seine Offenbarung, indem er sie ergänzt und bekräftigt durch jede Bezeugung, die er von sich selbst gibt, durch Worte und Werke, durch Zeichen und Wunder und ganz besonders durch seinen Tod, durch seine Auferstehung und durch die Sendung des Geistes der Wahrheit[31].

Für eine evangelisierte und evangelisierende Gemeinschaft

13 Jene, die aufrichtig die Frohbotschaft annehmen, vereinigen sich also kraft dieser Annahme und des gemeinsamen Glaubens im Namen Jesu, um gemeinsam das Reich zu suchen, es aufzubauen, es zu leben. Sie bilden eine Gemeinschaft, die ihrerseits evangelisiert. Der Auftrag, der den Zwölf gegeben wurde – „Gehet hin, verkündet die Frohbotschaft“ –, gilt auch, wenngleich in anderer Art, für alle Christen. Dies ist auch der Grund, warum Petrus diese letzteren nannte „ein zu eigen erworbenes Volk, um die Großtaten Gottes zu verkünden“ [32], jene Großtaten, die ein jeder in seiner eigenen Sprache hören konnte [33]. Im übrigen gilt die Frohbotschaft vom Reich, das kommt und das angefangen hat, für alle Menschen aller Zeiten. Jene, die sie empfangen haben, jene, die sie zu einer Gemeinschaft des Heils versammelt, können und müssen sie mitteilen und ausbreiten.

Evangelisierung, die eigentliche Aufgabe der Kirche

14 Die Kirche weiß um diese ihre Aufgabe. Sie hat ein lebendiges Bewusstsein, dass das Wort des Heilands – „Ich muss die Frohbotschaft vom Reich Gottes verkünden“[34] – voll und ganz auch von ihr gilt. Mit dem hl. Paulus fügt sie gern hinzu: „Von der Verkündigung des Evangeliums bleibt mir kein Ruhm. Es ist meine Pflicht. Wehe mir, wenn ich das Evangelium nicht verkündigte!“[35]. Am Ende der großen Versammlung im Oktober hörten Wir zu Unserer Freude und Unserem Trost das klare Wort: „Wir wollen erneut bekräftigen, dass die Aufgabe, allen Menschen die Frohbotschaft zu verkündigen, die wesentliche Sendung der Kirche ist“[36], eine Aufgabe und Sendung, die die umfassenden und tiefgreifenden Veränderungen der augenblicklichen Gesellschaft nur noch dringender machen. Evangelisieren ist in der Tat die Gnade und eigentliche Berufung der Kirche, ihre tiefste Identität. Sie ist da, um zu evangelisieren, d. h. um zu predigen und zu unterweisen, Mittlerin des Geschenkes der Gnade zu sein, die Sünder mit Gott zu versöhnen, das Opfer Christi in der heiligen Messe immer gegenwärtig zu setzen, welche die Gedächtnisfeier seines Todes und seiner glorreichen Auferstehung ist.

Wechselseitige Beziehungen zwischen Kirche und Evangelisierung

15 Wer immer im Neuen Testament die Ursprünge der Kirche nachliest, folgt Schritt auf Schritt ihrer Geschichte, beobachtet, wie sie lebt und handelt, und sieht, dass sie ihrem innersten Wesen nach zur Evangelisierung verpflichtet ist:

– Die Kirche entsteht aus der Evangelisierung durch Jesus und die Zwölf. Sie ist deren normales, gewolltes, ganz unmittelbares und sichtbares Ergebnis: „So geht denn hin und macht alle Völker zu Jüngern“[37]. Oder, „die nun sein Wort annahmen, wurden getauft, und gegen dreitausend schlossen sich ihnen an . . . Und der Herr führte ihnen täglich jene zu, die das Heil erlangen sollten“[38].

– Geboren folglich aus der Sendung, ist die Kirche ihrerseits durch Christus gesandt. Die Kirche bleibt in der Welt, da der Herr der Glorie zum Vater heimkehrt. Sie bleibt als ein Zeichen, das gleichzeitig dunkel und leuchtend ist für seinen Hingang und sein Verbleiben. Sie führt seine Gegenwart ununterbrochen fort. Es ist vor allem seine Sendung und sein Dienst der Evangelisierung, zu deren Fortsetzung sie berufen ist[39]. Denn die Gemeinschaft der Christen ist niemals in sich selbst abgeschlossen. In ihr hat das eigentliche Leben – Leben des Gebetes, Hören auf das Wort und die Unterweisung der Apostel, gelebte brüderliche Liebe, Austeilen des Brotes[40] – nur seinen vollen Sinn, wenn es zum Zeugnis wird, die Aufmerksamkeit auf sich zieht und zur Umkehr führt, zur Predigt wird und die Frohbotschaft verkündet. So ist es die ganze Kirche, die die Sendung zur Evangelisierung empfängt, und die Mitwirkung jedes einzelnen ist für das Ganze von Wichtigkeit.

– Die Kirche, Trägerin der Evangelisierung, beginnt damit, sich selbst zu evangelisieren. Als Gemeinschaft von Gläubigen, als Gemeinschaft gelebter und gepredigter Hoffnung, als Gemeinschaft brüderlicher Liebe muss die Kirche unablässig selbst vernehmen, was sie glauben muss, welches die Gründe ihrer Hoffnung sind und was das neue Gebot der Liebe ist. Als Volk Gottes, das mitten in dieser Welt lebt und oft durch deren Idole versucht wird, muss die Kirche immer wieder die Verkündigung der Großtaten Gottes[41] hören, die sie zum Herrn bekehrt haben, von neuem von ihm gerufen und geeint werden, wenn sie ihre Lebendigkeit, ihren Schwung und ihre Stärke bewahren will, um das Evangelium zu verkünden. Das Zweite Vatikanische Konzil hat daran erinnert[42], und auch die Synode von 1974 hat dieses Thema von der Kirche, die sich durch eine beständige Bekehrung und Erneuerung selbst evangelisiert, um die Welt glaubwürdig zu evangelisieren, mit Nachdruck aufgegriffen.

– Die Kirche ist Hüterin der Frohbotschaft, die es zu verkündigen gilt. Die Verheißungen des Neuen Bundes in Jesus Christus, die Predigt des Herrn und der Apostel, das Wort des Lebens, die Quellen der Gnade und der Güte Gottes, der Weg des Heiles: all dies ist der Kirche anvertraut worden. Das ist der Inhalt des Evangeliums und folglich der Evangelisierung, den die Kirche als lebendigen und kostbaren Schatz hütet, nicht um ihn verborgen zu halten, sondern um ihn mitzuteilen. – Selber gesandt und für das Evangelium gewonnen, entsendet die Kirche Glaubensboten. Sie legt in ihren Mund das Wort, das rettet, sie erklärt ihnen die Botschaft, deren Hüterin sie selber ist, sie erteilt ihnen den Auftrag, den sie selber empfangen hat, und schickt sie aus zum Predigen. Sie sollen nicht ihre eigene Person oder ihre persönlichen Ideen[43] predigen, sondern ein Evangelium, dessen absoluter Herr und Besitzer weder jene noch sie selbst sind, um darüber nach ihrem eigenen Gutdünken zu verfügen, wohl aber sind sie dessen Diener, um es in vollkommener Treue weiterzugeben.

Untrennbare Verbindung zwischen der Kirche und Christus

16 Es besteht daher eine enge Verbindung zwischen Christus, der Kirche und der Evangelisierung. Während dieser Zeit der Kirche hat die Kirche die Aufgabe zu evangelisieren. Diese Aufgabe wird nicht ohne sie, noch weniger im Gegensatz zu ihr, durchgeführt.

Es ist sicher nützlich, dies alles in Erinnerung zu rufen in einem Augenblick, wo wir zu unserem Schmerz von manchen hören können, denen wir eine gute Absicht nicht absprechen wollen, die aber geistig sicherlich falsch orientiert sind, die nachdrücklich beteuern, Christus zu lieben, aber ohne die Kirche; auf Christus zu hören, aber nicht auf die Kirche; mit Christus zu sein, aber außerhalb der Kirche. Wie absurd dieses Auseinanderreißen ist, wird deutlich aus dem Wort des Evangeliums: „Wer euch verwirft, verwirft mich“ [44].

Und wie will man Christus lieben, ohne die Kirche zu lieben, wenn das schönste Zeugnis, das man Christus ausstellen kann, jenes des hl. Paulus ist: „Er hat die Kirche geliebt und sich selbst für sie dahingegeben“[45].

II. Was besagt Evangelisieren? Vielschichtigkeit der evangelisierenden Tätigkeit

17 In der evangelisierenden Tätigkeit der Kirche gibt es sicher Elemente und Aspekte, die es stets zu erhalten gilt. Einige sind so bedeutend, dass man dazu neigt, sie einfach mit der Evangelisierung gleichzusetzen. Man hat so die Evangelisierung als Verkündigung Christi an diejenigen, die ihn noch nicht kennen, als Predigt, als Katechese, als Spendung der Taufe und anderer Sakramente zu definieren vermocht. Keine partielle und fragmentarische Definition entspricht jedoch der reichen, vielschichtigen und dynamischen Wirklichkeit, die die Evangelisierung darstellt; es besteht immer die Gefahr, sie zu verarmen und sogar zu verstümmeln. Es ist unmöglich, sie zu erfassen, wenn man sich nicht darum bemüht, alle ihre wesentlichen Elemente in die Betrachtung mit einzubeziehen. Diese Elemente, die im Verlauf der obengenannten Synode mit Nachdruck unterstrichen worden sind, werden heute unter dem Einfluss der Arbeiten derselben Synode oft noch vertieft. Wir freuen Uns darüber, dass sie sich im Grunde in jene Grundlinien einordnen, die uns das Zweite Vatikanische Konzil aufgezeigt hat, so vor allem in den Konstitutionen L u m e n g e n t i u m , G a u d i u m e t s p e s und im Dekret Ad g e n t e s .

Erneuerung der Menschheit

18 Evangelisieren besagt für die Kirche, die Frohbotschaft in alle Bereiche der Menschheit zu tragen und sie durch deren Einfluss von innen her umzuwandeln und die Menschheit selbst zu erneuern: „Seht, ich mache alles neu!“[46]. Es gibt aber keine neue Menschheit, wenn es nicht zuerst neue Menschen gibt durch die Erneuerung aus der Taufe[47] und ein Leben nach dem Evangelium[48]. Das Ziel der Evangelisierung ist also die innere Umwandlung. Wenn man es mit einem Wort ausdrücken müsste, so wäre es wohl am richtigsten zu sagen: die Kirche evangelisiert, wenn sie sich bemüht, durch die göttliche Kraft der Botschaft, die sie verkündet[49], zugleich das persönliche und kollektive Bewusstsein der Menschen, die Tätigkeit, in der sie sich engagieren, ihr konkretes Leben und jeweiliges Milieu umzuwandeln.

Bereiche der Menschheit

19 Bereiche der Menschheit, die umgewandelt werden sollen: Für die Kirche geht es nicht nur darum, immer weitere Landstriche oder immer größere Volksgruppen durch die Predigt des Evangeliums zu erfassen, sondern zu erreichen, dass durch die Kraft des Evangeliums die Urteilskriterien, die bestimmenden Werte, die Interessenpunkte, die Denkgewohnheiten, die Quellen der Inspiration und die Lebensmodelle der Menschheit, die zum Wort Gottes und zum Heilsplan im Gegensatz stehen, umgewandelt werden.

Evangelisierung der Kulturen

20 Vielleicht können wir dies zusammenfassend auf folgende Weise ausdrücken: Es gilt – und zwar nicht nur dekorativ wie durch einen oberflächlichen Anstrich, sondern mit vitaler Kraft in der Tiefe und bis zu ihren Wurzeln – die Kultur und die Kulturen des Menschen im vollen und umfassenden Sinn, den diese Begriffe in Gaudium et spes[50] haben, zu evangelisieren, wobei man immer von der Person ausgeht und dann stets zu den Beziehungen der Personen untereinander und mit Gott fortschreitet. Das Evangelium und somit die Evangelisierung identifizieren sich natürlich nicht mit der Kultur und sind unabhängig gegenüber allen Kulturen. Dennoch wird das Reich, das das Evangelium verkündet, von Menschen gelebt, die zutiefst an eine Kultur gebunden sind, und kann die Errichtung des Gottesreiches nicht darauf verzichten, sich gewisser Elemente der menschlichen Kultur und Kulturen zu bedienen. Unabhängig zwar gegenüber den Kulturen, sind Evangelium und Evangelisierung jedoch nicht notwendig unvereinbar mit ihnen, sondern fähig, sie alle zu durchdringen, ohne sich einer von ihnen zu unterwerfen.

Der Bruch zwischen Evangelium und Kultur ist ohne Zweifel das Drama unserer Zeitepoche, wie es auch das anderer Epochen gewesen ist. Man muss somit alle Anstrengungen machen, um die Kultur, genauer die Kulturen, auf mutige Weise zu evangelisieren. Sie müssen durch die Begegnung mit der Frohbotschaft von innen her erneuert werden. Diese Begegnung findet aber nicht statt, wenn die Frohbotschaft nicht verkündet wird.

Vorrangige Bedeutung des gelebten Zeugnisses

21 Die Verkündigung muss vor allem durch ein Zeugnis erfolgen. Das geschieht z. B., wenn ein einzelner Christ oder eine Gruppe von Christen inmitten der menschlichen Gemeinschaft, in der sie leben, ihre Verständnis- und Annahmebereitschaft, ihre Lebens- und Schicksalsgemeinschaft mit den anderen, ihre Solidarität in den Anstrengungen aller für alles, was edel und gut ist, zum Ausdruck bringen. Ferner auch dadurch, dass sie auf ganz einfache und spontane Weise ihren Glauben in Werte bekunden, die über den allgemeingängigen Werten stehen, und ihre Hoffnung in etwas, das man nicht sieht und von dem man nicht einmal zu träumen wagt. Durch dieses Zeugnis ohne Worte wecken diese Christen in den Herzen derer, die ihr Leben sehen, unwiderstehliche Fragen: Warum sind jene so? Warum leben sie auf diese Weise? Was – oder wer – ist es, das sie beseelt? Warum sind sie mit uns? In der Tat, ein solches Zeugnis ist bereits stille, aber sehr kraftvolle und wirksame Verkündigung der Frohbotschaft. Es handelt sich hier um eine Anfangsstufe der Evangelisierung. Die Fragen nämlich, die vielleicht die ersten sind, die sich viele Nichtchristen stellen, seien es Menschen, denen Christus niemals verkündet worden ist, Getaufte, die nicht praktizieren, Menschen, die zwar in christlichen Ländern, aber keineswegs nach christlichen Grundsätzen leben, oder auch solche, die leidvoll etwas oder jemanden suchen, den sie erahnen, ohne ihn mit einem Namen benennen zu können. Andere Fragen werden sich noch erheben, die tiefer und anspruchsvoller sind. Sie werden durch dieses Zeugnis geweckt, das Zugegensein, Anteilnahme und Solidarität besagt und ein wesentliches Element, im allgemeinen das erste, in der Evangelisierung ist[51].

Zu diesem Zeugnis sind alle Christen aufgerufen; unter diesem Gesichtspunkt können sie alle wirkliche Träger der Evangelisierung sein. Wir denken insbesondere an die Verantwortung, die die Auswanderer in ihren Gastländern tragen.

Notwendigkeit einer ausdrücklichen Verkündigung

22 Doch ist dieses Zeugnis niemals ausreichend, denn auch das schönste Zeugnis erweist sich auf die Dauer als unwirksam, wenn es nicht erklärt, begründet – das, was Petrus „Rechenschaft gegenüber seine Hoffnung“[52] nennt – und durch eine klare und eindeutige Verkündigung des Herrn Jesus Christus entfaltet wird. Die Frohbotschaft, die durch das Zeugnis des Lebens verkündet wird, wird also früher oder später durch das Wort des Lebens verkündet werden müssen. Es gibt keine wirkliche Evangelisierung, wenn nicht der Name, die Lehre, das Leben, die Verheißungen, das Reich, das Geheimnis von Jesus von Nazaret, des Sohnes Gottes, verkündet werden.

Die Geschichte der Kirche wird seit der Rede des Petrus am Pfingstmorgen weithin mit der Geschichte dieser Verkündigung eins. In jeder neuen Periode der menschlichen Geschichte hat die Kirche, die beständig vom Wunsch nach Evangelisierung beseelt ist, nur die eine Sorge: Wen senden, um das Geheimnis Jesu Christi zu verkünden? In welcher Sprache dieses Geheimnis verkünden? Wie es anstellen, damit es vernehmbar wird und all diejenigen erreicht, die es hören sollen? Diese Verkündigung – Kerygma, Predigt oder Katechese – nimmt in der Evangelisierung einen solchen Platz ein, dass sie oft mit ihr gleichbedeutend geworden ist, während sie tatsächlich nur einer ihrer Aspekte ist.

Für eine lebendige, gemeinschaftliche Zustimmung

23 Die Verkündigung erhält in der Tat ihre volle Dimension nur, wenn sie gehört, aufgenommen und angeeignet wird und in dem, der sie so annimmt, die Zustimmung des Herzens bewirkt. Zustimmung zu den Wahrheiten, die der Herr aus Barmherzigkeit geoffenbart hat, gewiss. Aber mehr noch, Zustimmung zu dem Lebensprogramm – dem eines nunmehr verwandelten Lebens –, das er vorlegt. Mit einem Wort, Zustimmung zu dem Reich, d. h. zur „neuen Welt“, zum neuen Zustand der Dinge, zur neuen Weise des Seins, des Lebens, des Zusammenlebens, die das Evangelium eröffnet. Eine solche Zustimmung, die nicht abstrakt und körperlos bleiben kann, offenbart sich konkret durch einen sichtbaren Eintritt in eine Gemeinschaft von Gläubigen. So treten also jene, deren Leben umgewandelt ist, in eine Gemeinschaft ein, die selbst ein Zeichen der Umwandlung, ein Zeichen des neuen Lebens ist: es ist die Kirche, das sichtbare Sakrament des Heiles[53]. Seinerseits wiederum kommt der Eintritt in die kirchliche Gemeinschaft durch viele andere Zeichen zum Ausdruck, die das Zeichen der Kirche ausweiten und entfalten. In der Dynamik der Evangelisierung bringt derjenige, der das Evangelium als das errettende Wort[54] annimmt, diesen Schritt gewöhnlich in folgenden sakramentalen Gesten zum Ausdruck: Zustimmung zur Kirche, Empfang der Sakramente, die diese Zustimmung durch die Gnade, die sie vermitteln, bezeugen und bekräftigen.

Anstoß zu neuem Apostolat

24 Schließlich wird derjenige, der evangelisiert worden ist, auch seinerseits wieder evangelisieren. Dies ist der Wahrheitstest, die Probe der Echtheit der Evangelisierung: Es ist undenkbar, dass ein Mensch das Wort Gottes annimmt und in das Reich eintritt, ohne auch von sich aus Zeugnis zu geben und dieses Wort zu verkünden.

Am Schluss dieser Erwägungen über den Sinn der Evangelisierung muss noch eine letzte Bemerkung gemacht werden, die Wir für die nachfolgenden Überlegungen als klärend erachten.

Die Evangelisierung ist, wie Wir gesagt haben, ein vielschichtiges Geschehen mit verschiedenen Elementen: Erneuerung der Menschheit, Zeugnis, ausführliche Verkündigung, Zustimmung des Herzens, Eintritt in die Gemeinschaft, Empfang der Zeichen und Einsatz im Apostolat. Diese Elemente können als gegensätzlich, ja sogar als einander ausschließend erscheinen. In Wirklichkeit ergänzen und bereichern sie sich jedoch gegenseitig. Man muss jedes einzelne von ihnen stets in seiner integrierenden Funktion zu den anderen sehen. Der Wert der Synode besteht vor allem darin, dass sie uns wiederholt dazu aufgefordert hat, diese Elemente, anstatt sie zueinander in Gegensatz zu stellen, miteinander zu verbinden, um so zu einem vollen Verständnis der Evangelisierung der Kirche zu gelangen. Es ist diese ganzheitliche Sicht, die Wir hier darstellen möchten, indem Wir den Inhalt der Evangelisierung und die hierbei einzusetzenden Mittel untersuchen und genauer bestimmen, an wen sich die Verkündigung des Evangeliums richtet und wer heute damit beauftragt ist.

III. Der Inhalt der Evangelisierung. Sekundäre Elemente und wesentlicher Inhalt

25 In der Botschaft, die die Kirche verkündet, gibt es natürlich eine Reihe sekundärer Elemente. Ihre Darstellung hängt stark von den sich wandelnden Umständen ab. Auch ändern sie sich selbst. Doch gibt es ebenso den wesentlichen Inhalt, die lebendige Substanz, die man nicht verändern noch mit Schweigen übergehen kann, ohne die Evangelisierung selbst schwer zu entstellen.

Zeugnis für die Liebe des Vaters

26 Es ist nützlich, daran zu erinnern: Evangelisieren besagt, zuallererst, auf einfache und direkte Weise Zeugnis zu geben von Gott, der sich durch Jesus Christus geoffenbart hat im Heiligen Geist. Zeugnis davon zu geben, dass er in seinem Sohn die Welt geliebt hat; dass er in seinem menschgewordenen Wort allen Dingen das Dasein gegeben und die Menschen zum ewigen Leben berufen hat. Dieses Zeugnis von Gott wird vielleicht für viele den unbekannten Gott[55] mitbezeichnen, den sie anbeten, ohne ihm einen Namen zu geben, oder den sie auf Grund eines verborgenen Antriebs ihres Herzens suchen, wenn sie erfahren, wie hohl alle Idole sind. Es wird aber erst zur wirklichen Evangelisierung, wenn aufgezeigt wird, dass der Schöpfer für den Menschen keine anonyme und ferne Macht ist: er ist der Vater: „Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es“[56]. Also sind wir untereinander Brüder in Gott.

Mittelpunkt der Botschaft: das Heil in Jesus Christus

27 Die Evangelisierung wird auch immer – als Grundlage, Zentrum und zugleich Höhepunkt ihrer Dynamik – klar verkünden müssen, dass in Jesus Christus, dem menschgewordenen, gestorbenen und auferstandenen Sohne Gottes, das Heil einem jeden Menschen angeboren ist als ein Geschenk der Gnade und des Erbarmens Gottes selbst[57]. Dabei geht es nicht etwa um ein diesseitiges Heil nach dem Maß der materiellen Bedürfnisse oder auch der geistigen, die sich im Rahmen der zeitlichen Existenz erschöpfen und sich mit den zeitlichen Wünschen, Hoffnungen, Geschäften und Kämpfen gänzlich decken, sondern um ein Heil, das alle Grenzen übersteigt, um sich dann in einer Gemeinschaft mit dem einen Absoluten, mit Gott, zu vollenden: ein transzendentes, eschatologisches Heil, das seinen Anfang gewiss schon in diesem Leben hat, aber sich erst in der Ewigkeit vollendet.

Unter dem Zeichen der Hoffnung

28 Die Evangelisierung muss folglich die prophetische Verkündigung eines Jenseits enthalten, das eine tiefe, endgültige Berufung des Menschen ist, die zugleich eine Fortsetzung und ein völliges Übersteigen des jetzigen Zustandes darstellt: jenseits der Zeit und der Geschichte, jenseits der Wirklichkeit dieser Welt, deren Gestalt vergeht, und der Dinge dieser Welt, deren verborgene Dimension eines Tages offenbar werden wird; jenseits des Menschen selbst, dessen wahres Geschick sich nicht in seiner zeitlichen Gestalt erschöpft, sondern erst offenbar werden wird im ewigen Leben[58]. Die Evangelisierung enthält somit auch die Verkündigung einer Hoffnung auf die Verheißungen, die von Gott im Neuen Bund in Jesus Christus gegeben worden sind; die Verkündigung der Liebe Gottes zu uns und unsere Liebe zu Gott; die Verkündigung der Bruderliebe zu allen Menschen – der Fähigkeit zur Hingabe und zum Verzeihen, zum Verzicht und zur Hilfe des Bruders –, die aus der Liebe Gottes entspringt und den Kern des Evangeliums bildet; die Verkündigung des Geheimnisses des Bösen und des Strebens nach dem Guten. Gleichermaßen – und das ist stets vordringlich die Verkündigung von der Suche nach Gott selbst durch das Gebet, vor allem durch Anbetung und Danksagung, aber auch durch die Gemeinschaft mit jenem sichtbaren Zeichen der Begegnung mit Gott, das die Kirche Jesu Christi ist. Diese Gemeinschaft findet dann ihrerseits ihren Ausdruck im Vollzug der anderen Zeichen des in der Kirche lebenden und wirkenden Christus, nämlich der Sakramente. Die Sakramente so zu leben, dass in ihrer Feier ihre ganze Fülle zum Ausdruck kommt, bedeutet nicht, wie einige behaupten, ein Hindernis aufzurichten oder einen Irrweg der Evangelisierung hinzunehmen, sondern ihr ihre ganzheitliche Vollendung zu geben. Denn die Evangelisierung besteht in ihrer Gesamtheit über die Verkündigung einer Botschaft hinaus darin, die Kirche einzupflanzen, die es aber ohne dieses sakramentale Leben nicht gibt, welches seinen Höhepunkt in der Eucharistie hat[59].

Botschaft, die das ganze Leben erfasst

29 Doch wäre die Evangelisierung nicht vollkommen, würde sie nicht dem Umstand Rechnung tragen, dass Evangelium und konkretes Leben des Menschen als Einzelperson und als Mitglied einer Gemeinschaft einander ständig beeinflussen. Darum fordert die Evangelisierung eine klar formulierte Botschaft, die den verschiedenen Situationen jeweils angepasst und stets aktuell ist, und zwar über die Rechte und Pflichten jeder menschlichen Person, über das Familienleben, ohne das kaum eine persönliche Entfaltung möglich ist[60], über das Zusammenleben in der Gesellschaft, über das internationale Leben, den Frieden, die Gerechtigkeit, die Entwicklung; eine Botschaft über die Befreiung, die in unseren Tagen besonders eindringlich ist.

Eine Botschaft der Befreiung

30 Es ist bekannt, mit welchen Worten auf der letzten Synode zahlreiche Bischöfe aus allen Kontinenten, vor allem die Bischöfe der Dritten Welt, mit einem pastoralen Akzent gerade über die Botschaft der Befreiung gesprochen haben, wobei die Stimme von Millionen von Söhnen und Töchtern der Kirche, die jene Völker bilden, miterklungen ist. Völker, wie Wir wissen, die sich mit all ihren Kräften dafür einsetzen und kämpfen, dass all das überwunden wird, was sie dazu verurteilt, am Rande des Lebens zu bleiben: Hunger, chronische Krankheiten, Analphabetismus, Armut, Ungerechtigkeiten in den internationalen Beziehungen und besonders im Handel, Situationen eines wirtschaftlichen und kulturellen Neokolonialismus, der mitunter ebenso grausam ist wie der alte politische Kolonialismus. Die Kirche hat, wie die Bischöfe erneut bekräftigt haben, die Pflicht, die Befreiung von Millionen Menschen zu verkünden, von denen viele ihr selbst angehören; die Pflicht zu helfen, dass diese Befreiung Wirklichkeit wird, für sie Zeugnis zu geben und mitzuwirken, damit sie ganzheitlich erfolgt. Dies steht durchaus im Einklang mit der Evangelisierung.

In notwendiger Verbindung mit der Entfaltung des Menschen

31 Zwischen Evangelisierung und menschlicher Entfaltung – Entwicklung und Befreiung – bestehen in der Tat enge Verbindungen: Verbindungen anthropologischer Natur, denn der Mensch, dem die Evangelisierung gilt, ist kein abstraktes Wesen, sondern sozialen und wirtschaftlichen Problemen unterworfen; Verbindungen theologischer Natur, da man ja den Schöpfungsplan nicht vom Erlösungsplan trennen kann, der hineinreicht bis in die ganz konkreten Situationen des Unrechts, das es zu bekämpfen, und der Gerechtigkeit, die es wiederherzustellen gilt. Verbindungen schließlich jener ausgesprochen biblischen Ordnung, nämlich der der Liebe: Wie könnte man in der Tat das neue Gebot verkünden, ohne in der Gerechtigkeit und im wahren Frieden das echte Wachstum des Menschen zu fördern? Wir haben es für nützlich erachtet, das selbst hervorzuheben, indem Wir daran erinnert haben, dass es unmöglich hinzunehmen ist, „dass das Werk der Evangelisierung die äußerst schwierigen und heute so stark erörterten Fragen vernachlässigen kann und darf, die die Gerechtigkeit, die Befreiung, die Entwicklung und den Frieden in der Welt betreffen. Wenn das eintreten würde, so hieße das, die Lehre des Evangeliums von der Liebe zum leidenden und bedürftigen Nächsten vergessen“[61].

Dieselben Stimmen, die während der genannten Synode mit Eifer, Klugheit und Mut dieses brennende Thema berührt haben, haben zu unserer großen Freude auch die klärenden Prinzipien aufgezeigt, um die Bedeutung und den tiefen Sinn der Befreiung richtig zu verstehen, so wie sie Jesus von Nazaret verkündet und verwirklicht hat und sie die Kirche lehrt.

Weder Einschränkung noch Zweideutigkeit

32 Wir dürfen uns in der Tat nicht verheimlichen, dass viele hochherzige Christen, die für die dramatischen Fragen aufgeschlossen sind, die sich mit dem Problem der Befreiung stellen, in der Absicht, die Kirche am Einsatz für die Befreiung zu beteiligen, oft versucht sind, ihre Sendung auf die Dimensionen eines rein diesseitigen Programms zu beschränken: ihre Ziele auf eine anthropozentrische Betrachtungsweise; das Heil, dessen Bote und Sakrament sie ist, auf einen materiellen Wohlstand; ihre Tätigkeit, unter Vernachlässigung ihrer ganzen geistlichen und religiösen Sorge, auf Initiativen im politischen und sozialen Bereich. Wenn es aber so wäre, würde die Kirche ihre grundlegende Bedeutung verlieren. Ihre Botschaft der Befreiung hätte keine Originalität mehr und würde leicht von ideologischen Systemen und politischen Parteien in Beschlag genommen und manipuliert. Sie hätte keine Autorität mehr, gleichsam von Gott her die Befreiung zu verkünden. Darum haben Wir in derselben Ansprache zur Eröffnung der dritten Generalversammlung der Synode unterstreichen wollen, „dass es notwendig ist, die spezifisch religiöse Zielsetzung der Evangelisierung erneut klar herauszustellen. Diese würde ihre Existenzberechtigung verlieren, wenn sie sich von der religiösen Zielsetzung entfernen würde, die sie bestimmt: das Reich Gottes vor allen anderen Dingen in seinem vollen theologischen Sinn“[62]

Die Befreiung durch das Evangelium

33 Von der Befreiung, die die Evangelisierung verkündet und zu verwirklichen sucht, muss vielmehr folgendes gesagt werden:

– Sie kann sich nicht einfach auf die begrenzte wirtschaftliche, politische, soziale oder kulturelle Dimension beschränken, sondern muss den ganzen Menschen in allen seinen Dimensionen sehen, einschließlich seiner Öffnung auf das Absolute, das Gott ist.

Sie ist deshalb an ein bestimmtes Menschenbild gebunden, an eine Lehre vom Menschen, die sie niemals den Erfordernissen irgend einer Strategie, einer Praxis oder eines kurzfristigen Erfolges wegen opfern kann.

Ausrichtung auf das Reich Gottes

34 Das ist der Grund, warum in der Verkündigung der Befreiung und in der Solidarität mit denen, die sich für sie einsetzen und für sie leiden, die Kirche es nicht hinnimmt, dass ihre Sendung nur auf den Bereich des Religiösen beschränkt wird, indem sie sich für die zeitlichen Probleme des Menschen nicht interessiert; sie bekräftigt jedoch den Vorrang ihrer geistlichen Sendung; sie weigert sich, die Verkündigung des Reiches Gottes durch die Verkündigung der menschlichen Befreiungen zu ersetzen, und behauptet, dass auch ihr Beitrag zur Befreiung unvollkommen wäre, wenn sie es vernachlässigte, das Heil in Jesus Christus zu verkünden.

Nach einer biblischen Sicht des Menschen

35 Die Kirche verbindet die menschliche Befreiung und das Heil in Jesus Christus eng miteinander, ohne sie jedoch jemals gleichzusetzen, denn sie weiß aufgrund der Offenbarung, der geschichtlichen Erfahrung und durch theologische Reflexion, dass nicht jeder Begriff von Befreiung zwingend schlüssig und vereinbar ist mit einer biblischen Sicht des Menschen, der Dinge und Ereignisse; dass es für die Ankunft des Reiches Gottes nicht genügt, die Befreiung herbeizuführen sowie Wohlstand und Fortschritt zu verwirklichen. Die Kirche ist vielmehr der festen Überzeugung, dass jede zeitliche Befreiung, jede politische Befreiung – selbst wenn sie sich bemüht, ihre Rechtfertigung auf dieser oder jener Seite des Alten oder Neuen Testamentes zu finden; selbst wenn sie sich für ihre ideologischen Forderungen und ihre Verhaltensregeln auf die Autorität theologischer Gegebenheiten und Schlussfolgerungen beruft; selbst wenn sie beansprucht, die Theologie für heute zu sein – den Keim ihrer eigenen Negation und des Verfalls des von ihr vorgestellten Ideals bereits in sich selbst trägt, sofern ihre tieferen Beweggründe nicht die der Gerechtigkeit in der Liebe sind, der Elan, der sie beseelt, keine wirklich geistige Dimension besitzt und ihr Endziel nicht das Heil und die Glückseligkeit in Gott ist.

Notwendigkeit einer Bekehrung

36 Die Kirche erachtet es gewiss als bedeutend und dringlich, Strukturen zu schaffen, die menschlicher und gerechter sind, die Rechte der Person mehr achten, weniger beengend und unterdrückend sind; sie ist sich aber dessen bewusst, dass die besten Strukturen, die idealsten Systeme schnell unmenschlich werden, wenn nicht die unmenschlichen Neigungen im Herzen des Menschen geläutert werden, wenn nicht bei jenen, die in diesen Strukturen leben oder sie bestimmen, eine Bekehrung des Herzens und des Geistes erfolgt.

Ausschluss von Gewalttätigkeit

37 Die Kirche kann nicht die Gewalttätigkeit, vor allem nicht die Waffengewalt – die unkontrollierbar ist, wenn sie entfesselt wird –, und auch nicht den Tod von irgend jemandem als Weg zur Befreiung akzeptieren, denn sie weiß, dass die Gewalttätigkeit immer Gewalt hervorruft und unwiderstehlich neue Formen der Unterdrückung und der Sklaverei erzeugt, die oft noch drückender sind als jene, von denen sie zu befreien vorgibt. Wir sagten es bereits deutlich während Unserer Reise nach Kolumbien: „Wir ermahnen euch, euer Vertrauen weder auf die Gewalttätigkeit noch auf die Revolution zu setzen; eine solche Haltung widerspricht dem christlichen Geist und kann den sozialen Fortschritt, nach dem ihr euch berechtigterweise sehnt, auch eher verzögern als fördern“[63] „Wir müssen feststellen und erneut bekräftigen, dass die Gewalttätigkeit nicht christlich ist noch dem Geist des Evangeliums entspricht, dass die plötzlichen oder gewaltsamen Veränderungen der Strukturen eine Täuschung und in sich unwirksam wären und ganz gewiss nicht mit der Würde des Volkes in Einklang stünden“[64].

Spezifischer Beitrag der Kirche

38 Nach diesen Überlegungen geben Wir Unserer Freude darüber Ausdruck, dass die Kirche ein immer lebendigeres Bewusstsein von ihrer eigenen, grundlegend biblischen Weise erwirbt, in der sie zur Befreiung der Menschen beitragen kann.

Und was tut sie? Sie sucht immer mehr Christen heranzubilden, die sich für die Befreiung der anderen einsetzen. Sie gibt diesen Christen, die als „Befreier“ tätig werden, eine vom Glauben geprägte Einstellung, eine Motivation zur Bruderliebe und eine Soziallehre, die ein echter Christ nicht außer acht lassen kann, sondern die er als Grundlage für seine Überlegungen und seine Erfahrung nehmen muss, um sie in die Tat umzusetzen im eigenen Handeln, im Zusammenwirken mit anderen und dadurch, dass man dafür eintritt. Das alles muss, ohne dass es mit taktischem Verhalten noch mit Unterordnung unter ein politisches System verwechselt werden darf, den Eifer des engagierten Christen kennzeichnen. Die Kirche bemüht sich, den christlichen Einsatz für die Befreiung stets in den umfassenden Heilsplan einzuordnen, den sie selbst verkündet.

Was Wir hier in Erinnerung gebracht haben, ist in den Beratungen der Synode des öfteren zur Sprache gekommen. Darüber hinaus wünschten Wir schon in der Ansprache, die Wir am Ende der Versammlung an die Väter gerichtet haben, diesem Thema einige klärende Worte zu widmen[65]. Alle diese Überlegungen sollen, wie man hoffen darf, helfen, die Missverständnisse zu vermeiden, denen das Wort „Befreiung“ sehr oft in den Ideologien, Systemen oder politischen Gruppen ausgesetzt ist. Die Befreiung, die die Evangelisierung verkündet und vorbereitet, ist jene, die Christus selbst dem Menschen durch sein Opfer verkündet und geschenkt hat.

Die Religionsfreiheit

39 In dieser echten Befreiung, die mit der Evangelisierung verbunden ist und sich um die Verwirklichung von Strukturen bemüht, die die menschliche Freiheit schützen, muss die Gewährleistung aller Grundrechte des Menschen mit eingeschlossen sein, unter denen der Religionsfreiheit eine erstrangige Bedeutung zukommt. Wir haben erst kürzlich von der Aktualität dieser Frage gesprochen, als Wir darauf hingewiesen haben, „wie viele Christen noch heute, nur weil sie Christen, weil sie Katholiken sind, mit Gewalt systematisch unterdrückt werden! Das Drama der Treue zu Christus und der Freiheit der Religion setzt sich noch weiter fort, wenn es auch oft durch allgemeine Erklärungen zugunsten der menschlichen Person und Gesellschaft verschleiert wird“[66].

IV. Die Wege der Evangelisierung. Auf der Suche nach geeigneten Wegen

40 Die offenkundige Bedeutung des Inhalts der Evangelisierung darf jedoch nicht die Bedeutung ihrer Wege und Mittel verdecken. Auch diese Frage bleibt stets aktuell, denn die Weisen der Evangelisierung sind verschieden, je nach den unterschiedlichen Umständen der Zeit, des Ortes und der Kultur. Diese Unterschiede sind eine ganz bestimmte Herausforderung an unsere Entdeckungs- und Anpassungsfähigkeit.

Insbesondere uns, den Hirten in der Kirche, ist die Sorge aufgetragen, kühn und umsichtig und zugleich in unbedingter Treue zum Inhalt die geeignetsten und wirksamsten Weisen zur Mitteilung der Botschaft des Evangeliums an die Menschen unserer Zeit neu zu entdecken und in die Tat umzusetzen.

Bei diesen Überlegungen hier soll es uns genügen, auf einige Wege aufmerksam zu machen, die aus dem einen oder anderen Grund von entscheidender Bedeutung sind.

Das Zeugnis des Lebens

41 Ohne alles zu wiederholen, was Wir schon vorher gesagt haben, ist es doch gut, folgendes hervorzuheben. Für die Kirche ist das Zeugnis eines echt christlichen Lebens mit seiner Hingabe an Gott in einer Gemeinschaft, die durch nichts zerstört werden darf, und gleichzeitig mit einer Hingabe an den Nächsten in grenzenloser Einsatzbereitschaft der erste Weg der Evangelisierung, „Der heutige Mensch“, so sagten wir kürzlich zu einer Gruppe von Laien, „hört lieber auf Zeugen als auf Gelehrte, und wenn er auf Gelehrte hört, dann deshalb, weil sie Zeugen sind“ [67]. Als der hl. Petrus das Bild eines reinen und ehrbaren Lebens zeichnete, brachte er das deutlich zum Ausdruck: „Ohne zu reden, gewannen sie diejenigen, welche sich weigerten, an das Wort zu glauben“[68]. Die Evangelisierung der Welt geschieht also vor allem durch das Verhalten, durch das Leben der Kirche, das heißt durch das gelebte Zeugnis der Treue zu Jesus, dem Herrn, durch das gelebte Zeugnis der Armut und inneren Loslösung und der Freiheit gegenüber den Mächten dieser Welt, kurz, der Heiligkeit.

Eine lebendige Predigt

42 Sodann ist es nicht überflüssig, auf die Bedeutung und Notwendigkeit der Verkündigung hinzuweisen. „Wie sollen sie an den glauben, von dem sie nichts gehört haben? Wie sollen sie hören, wenn niemand verkündet?. . . So gründet der Glaube in der Botschaft, die Botschaft im Wort Christi“[69]. Dieses Gesetz, einst vom Apostel Paulus aufgestellt, behält auch heute noch seine ganze Kraft.

Ja, die Verkündigung, diese mündliche Proklamation einer Botschaft, ist nach wie vor unverzichtbar. Wir wissen sehr wohl, dass der Mensch angesichts der Wortflut in unserer Zeit oft des Hörens müde wird und, schlimmer noch, dem Wort gegenüber abstumpft. Wir kennen auch die Gedanken zahlreicher Psychologen und Soziologen, die behaupten, der moderne Mensch habe die Zivilisation des Wortes, die nun unwirksam und „überflüssig“ geworden sei, hinter sich gelassen und lebe nun in einer Zivilisation des Bildes. Das müsste uns gewiss anspornen, die von dieser Zivilisation hervorgebrachten modernen Mittel für die Vermittlung der Botschaft des Evangeliums einzusetzen. Übrigens sind in dieser Richtung schon beachtliche Anstrengungen unternommen worden. Wir können das nur loben und dazu ermutigen, diese Bemühungen noch weiter zu verstärken und zu entfalten. Die Müdigkeit, die sich heute angesichts einer solchen Flutleerer Worte und der Aktualität ganz anderer Kommunikationsformen einstellt, darf indes die bleibende Kraft des Wortes nicht schwächen oder das Vertrauen zum Wort verloren gehen lassen. Das Wort bleibt immer aktuell, zumal wenn es die Macht Gottes in sich trägt[70]. Darum bleibt auch heute der Grundsatz des hl. Paulus gültig: „Der Glaube gründet in der Botschaft“ [71] . Es ist also das vernommene Wort, das zum Glauben führt.

Wortliturgie

43 Diese Verkündigung, die Evangelisierung ist, nimmt, vom Eifer angetrieben, fast unbegrenzt vielfältige Formen an. In der Tat: unzählbar sind die Ereignisse des Lebens und die menschlichen Situationen, die Gelegenheit bieten, still und doch sehr wirksam vernehmbar zu machen, was der Herr uns in der jeweiligen konkreten Situation zu sagen hat. Es genügt echte innere Wachsamkeit, um die Botschaft Gottes aus den Ereignissen herauszulesen. Da die vom Konzil erneuerte Liturgie großen Wert auf die „Liturgie des Wortes“ legt, wäre es ein Irrtum, die Homilie nicht mehr als ein gültiges und durchaus geeignetes Mittel zur Evangelisierung zu betrachten. Die Bedingungen und Möglichkeiten der Homilie muss man gut kennen und tief ausschöpfen, damit sie ihre ganze pastorale Wirksamkeit erlangen. Von allem muss man jedoch von ihrer Bedeutung überzeugt sein und sich ihr mit Liebe widmen. Diese Verkündigung, die in besonderer Weise in die eucharistische Feier eingefügt ist – von der sie selbst verstärkte Macht und Kraft erhält –, nimmt in der Evangelisierung ganz sicher einen vorrangigen Platz ein, und zwar insoweit als sie den tiefen Glauben des Priesters selbst zum Ausdruck bringt und von Liebe durchdrungen ist. Damit die versammelte Gemeinde der Gläubigen eine österliche Kirche sei, welche das Fest des mitten unter ihnen anwesenden Herrn feiert, erwartet und empfängt sie sehr viel von dieser Predigt: sie soll einfach sein, klar, direkt, auf die Menschen bezogen, tief in den Lehren des Evangeliums verwurzelt und treu dem Lehramt der Kirche, beseelt von einem gesunden apostolischen Eifer, der aus ihrem besonderen Charakter erwächst, voller Hoffnung, den Glauben stärkend, Frieden und Einheit stiftend. Viele pfarrlichen und andere Gemeinschaften leben und festigen sich dank der Predigt an jedem Sonntag, weil sie diese Eigenschaft aufweist. Fügen wir noch hinzu, dass dank der liturgischen Erneuerung die Feier der Eucharistie nicht der einzige geeignete Ort für die Homilie ist. Sie gehört auch – und das sollte nicht vernachlässigt werden in die Feier aller Sakramente, ferner in die Wortgottesdienste, zu denen sich die Gläubigen versammeln. Immer wird die Homilie eine bevorzugte Gelegenheit sein, das Wort des Herrn anderen mitzuteilen.

Die Katechese

44 Ein Weg, der bei der Evangelisierung nicht vernachlässigt werden darf, ist der der katechetischen Unterweisung. Der menschliche Verstand, vor allem der der Kinder und Jugendlichen, muss durch eine systematische religiöse Unterweisung die fundamentalen Gegebenheiten und den lebensspendenden Inhalt der Wahrheit zu erfassen lernen, die Gott uns hat überliefern lassen und die die Kirche im Laufe ihrer langen Geschichte auf immer vielfältigere Art auszudrücken suchte. Dass diese Unterweisung dazu dienen soll, christliche Lebensgewohnheiten zu formen und nicht nur Sache des Verstandes zu bleiben, ist unbestritten. Sicherlich wird die Bemühung um die Evangelisierung großen Nutzen bringen im Bereich der der Kirche anvertrauten katechetischen Unterweisung, und zwar in den Schulen, wo dies möglich ist, und auf jeden Fall in den christlichen Familien, wenn die Katecheten über geeignetes Lehrmaterial verfügen, das mit Sachverstand und unter der verantwortlichen Leitung der Bischöfe den heutigen Erfordernissen angepasst ist. Die Unterrichtsmethoden müssen dem Alter, der Kulturstufe und der Aufbaufähigkeit der einzelnen entsprechen, um stets die wesentlichen Wahrheiten dem Gedächtnis dem Verstand und dem Herzen einzuprägen versuchen, die unser ganzes Leben durchformen sollen. Es ist notwendig, gute Katecheten – Pfarrkatecheten, Lehrer und Eltern – heranzubilden, die sich um eine Vervollkommnung in dieser hohen und unerlässlich notwendigen Kunst der religiösen Unterweisung bemühen. Andererseits stellt man fest, dass unter den gegenwärtigen Umständen die katechetische Unterweisung in der Form eines Katechumenats immer dringlicher wird; denn zahlreiche Jugendliche und Erwachsene entdecken nach und nach, von der Gnade berührt, das Antlitz Christi und empfinden das Bedürfnis, sich ihm zu schenken. Dabei soll jedoch die religiöse Erziehung der Kinder nicht vernachlässigt werden.

Benützung der Massenmedien

45 Wie Wir bereits gesagt haben, kann in unserer Zeit, die von den Massenmedien oder sozialen Kommunikationsmitteln geprägt ist, bei der ersten Bekanntmachung mit dem Glauben, bei der katechetischen Unterweisung und bei der weiteren Vertiefung des Glaubens auf diese Mittel nicht verzichtet werden.

In den Dienst des Evangeliums gestellt, vermögen diese Mittel den Bereich der Vernehmbarkeit des Wortes Gottes fast unbegrenzt auszuweiten; sie bringen die Frohbotschaft zu Millionen von Menschen. Die Kirche würde vor ihrem Herrn schuldig, wenn sie nicht diese machtvollen Mittel nützte, die der menschliche Verstand immer noch weiter vervollkommnet. Dank dieser Mittel verkündet die Kirche die ihr anvertraute Botschaft „von den Dächern“[72]. In ihnen findet sie eine moderne, wirksame Form der Kanzel. Durch sie vermag sie zur Masse des Volkes zu sprechen.

Indes stellt die Nutzung der sozialen Kommunikationsmittel für die Evangelisierung heute eine Herausforderung dar. Die Botschaft des Evangeliums müsste über sie zu vielen gelangen, aber doch so, dass sie immer den einzelnen innerlich zu treffen vermag, sich in das Herz eines jeden einsenkt, als wäre er allein, in seiner ganzen persönlichen Einsamkeit, und ganz persönliche Zustimmung und Einsatzbereitschaft weckt.

Unerlässlicher persönlicher Kontakt

46 Darum bleibt neben dieser Verkündigung des Evangeliums in umfassendster Weise die andere Form seiner Vermittlung, nämlich von Person zu Person, weiterhin gültig und bedeutsam. Der Herr hat sich ihrer oft bedient – seine Gespräche mit Nikodemus, Zachäus, der Samariterin, Simon dem Pharisäer und anderen bezeugen es. Dasselbe sehen wir bei den Aposteln. Wird es im Grund je eine andere Form der Mitteilung des Evangeliums geben als die, in der man einem anderen seine eigene Glaubenserfahrung mitteilt? Die Dringlichkeit, die Frohbotschaft den vielen zu verkünden, darf nicht jene Form des Mitteilens übersehen lassen, in welcher das ganz persönliche Innere des Menschen angesprochen wird, berührt von einem ganz besonderen Wort, das er von einem anderen empfängt. Wir können nicht genug jene Priester loben, die sich im Sakrament der Buße oder im pastoralen Gespräch als Führer der Menschen auf den Wegen des Evangeliums erweisen, sie in ihrem Bemühen stärken, sie aufrichten, wenn sie gefallen sind, und ihnen immer mit Klugheit und steter Verfügbarkeit beistehen.

Die Rolle der Sakramente

47 Man wird nicht nachdrücklich genug darauf hinweisen können, dass sich die Evangelisierung nicht in der Verkündigung und der Erklärung einer Lehre erschöpft. Denn die Evangelisierung muss das Leben erreichen – das natürliche Leben, dem sie vom Horizont des Evangeliums her, der sich in ihr eröffnet, einen neuen Sinn verleiht, und dann das übernatürliche Leben, welches nicht die Verneinung, sondern die Läuterung und Erhöhung des natürlichen Lebens ist.

Dieses übernatürliche Leben kommt lebendig zum Ausdruck in den sieben Sakramenten und der ihnen eigenen wunderbaren Ausstrahlung der Gnade und Heiligkeit. Die Evangelisierung kommt zu ihrer ganzen Fülle, wenn in ihr die innige Verbindung oder besser noch, eine ununterbrochene Wechselwirkung zwischen Wort und Sakramenten hergestellt wird. In einem bestimmten Sinn ist es irreführend, Verkündigung und Sakramente als Gegensätze zu sehen, wie es manchmal geschieht. Doch ist es durchaus wahr, dass ein Sakrament einen großen Teil seiner Wirkung verliert, wenn seiner Spendung nicht eine gründliche Unterweisung über die Sakramente und eine umfassende Katechese vorausgeht. Die Aufgabe der Evangelisierung besteht eben darin, den Glauben so zu lehren, dass jeder Christ dahin geführt wird, die Sakramente – statt sie passiv zu empfangen oder über sich ergehen zu lassen – als wahrhafte Gnadenmittel des Glaubens zu leben.

Die Volksfrömmigkeit

48 Damit rühren wir auch an einen Gesichtspunkt in der Evangelisierung, den man nicht unbeachtet lassen kann. Wir möchten etwas sagen zu jener Wirklichkeit, die man heute oft als Volksfrömmigkeit bezeichnet. Sowohl in jenen Gebieten, in denen die Kirche seit Jahrhunderten eingewurzelt ist, als auch dort, wo sie im Begriff ist, Wurzel zu fassen, findet man beim Volk besondere Ausdrucksformen des Glaubens und der Suche nach Gott.

Lange Zeit wurden sie für minderwertig gehalten und abfällig beurteilt, doch werden sie heute vielenorts neu entdeckt. Bei der letzten Synode haben die Bischöfe mit pastoralem Realismus und bemerkenswerter Eindringlichkeit deren tieferen Sinn deutlich gemacht.

Die Volksfrömmigkeit, so kann man sagen, hat gewiss ihre Grenzen. Oft ist sie dem Eindringen von so manchen religiösen Fehlformen ausgesetzt, auch dem Aberglauben. Häufig bleibt sie auf der Ebene kultischer Handlungen, ohne zu einem echten Akt des Glaubens zu führen.

Ist sie aber in der rechten Weise ausgerichtet, vor allem durch hinführende und begleitende Evangelisierung, dann birgt sie wertvolle Reichtümer in sich. In ihr kommt ein Hunger nach Gott zum Ausdruck, wie ihn nur die Einfachen und Armen kennen. Sie befähigt zur Großmut und zum Opfer, ja zum Heroismus, wenn es gilt, den Glauben zu bekunden. In ihr zeigt sich ein feines Gespür für tiefe Eigenschaften Gottes: seine Vaterschaft, seine Vorsehung, seine ständige, liebende Gegenwart. Sie führt zu inneren Haltungen, die man sonst kaum in diesem Maße findet: Geduld, das Wissen um die Notwendigkeit, das Kreuz im täglichen Leben zu tragen, Entsagung, Wohlwollen für andere, Respekt. Darum nennen Wir sie gern Volksfrömmigkeit, das heißt Religion des Volkes, anstatt Religiosität. Allen, welche der Herr zu Leitern kirchlicher Gemeinschaft bestellt hat, muss die pastorale Liebe die Normen des Verhaltens gegenüber dieser Wirklichkeit eingeben, die reich und gefährdet zugleich ist. Vor allem muss man einfühlsam genug sein, ihre innere Vielfalt und ihre unleugbaren Werte erkennen zu können, und bereit sein, dabei zu helfen, dass drohendes Abweichen vom Weg vermieden wird. Gut ausgerichtet, kann die Volksfrömmigkeit mehr und mehr für die vielen im Volk zu einer echten Begegnung mit Gott in Jesus Christus werden.

V. Die Adressaten der Evangelisierung. Eine weltweite Bestimmung

49 Die letzten Worte Jesu im Evangelium nach Markus geben der Evangelisierung, mit der der Herr die Apostel beauftragt, eine grenzenlose Universalität: „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet der gesamten Schöpfung das Evangelium“[73].

Die Zwölf und die erste Generation der Christen haben den Sinn dieser und ähnlicher Worte gut verstanden; sie machten sie zu einem Programm für ihr Handeln. Selbst die Verfolgung, durch welche die Apostel in die verschiedensten Richtungen zerstreut wurden, hat dazu beigetragen, das Wort Gottes auszusäen und die Kirche in immer entfernteren Gebieten einzupflanzen. Dass Paulus mit seinem Charisma, den nichtjüdischen Heiden die Ankunft Jesu Christi zu verkünden, in den Kreis der Apostel aufgenommen wurde, unterstreicht noch einmal mehr diesen Universalismus.

Trotz aller Hindernisse

50 Im Laufe einer zweitausendjährigen Geschichte sahen sich die christlichen Generationen in einzelnen Epochen mit den verschiedensten Hindernissen gegen diese universale Mission konfrontiert. Auf der Seite der Träger der Evangelisierung gab es die Versuchung, unter den verschiedensten Vorwänden den Bereich des missionarischen Einsatzes einzuengen. Auf der Seite derer, an die sich die Evangelisierung richtete, gab es oft menschlich unüberwindbare Widerstände. Im übrigen müssen wir zu unserem Schmerz feststellen, dass das Bemühen der Kirche um Evangelisierung stark behindert, wenn nicht gar unmöglich gemacht wird durch öffentliche Mächte. Selbst heute noch kommt es vor, dass die Verkünder des Wortes ihrer Rechte beraubt sind, verfolgt, bedroht und ausgestoßen nur deswegen, weil sie Jesus Christus und sein Evangelium predigen. Aber wir haben Vertrauen, dass trotz dieser schmerzlichen Prüfungen das Wirken dieser Glaubensboten schließlich in keinem Gebiet der Welt fehlen wird. Trotz dieser Hindernisse folgt die Kirche stets aufs neue ihrem tiefsten Antrieb, der unmittelbar von ihrem Meister stammt: in die ganze Welt . . . der ganzen Schöpfung . . . bis an die Grenzen der Erde. Bei der Synode hat sich die Kirche erneut dazu bekannt, dass man der Verkündigung des Evangeliums keine Fesseln anlegen und sie nicht einengen darf auf einen bestimmen Bereich der Menschheit, auf bestimmte Bevölkerungsschichten oder auf nur eine Kulturform. Einige Beispiele können das beleuchten.

Erste Verkündigung an die Fernstehenden

51 Jesus Christus und sein Evangelium denen zu verkünden, die ihn noch nicht kennen, ist seit dem ersten Pfingsttag das grundlegende Programm, welches die Kirche, als von ihrem Gründer empfangen, sich zu eigen gemacht hat. Das ganze Neue Testament, vor allem die Apostelgeschichte, bezeugt für jene besondere Zeit und irgendwie exemplarisch diese missionarische Anstrengung, die dann die ganze Geschichte der Kirche prägen sollte.

Diese erste Verkündigung Jesu Christi geschieht in vielfältiger und unterschiedlicher Weise, die man gelegentlich Prä-Evangelisierung nennt. Dabei handelt es sich indes schon um wirkliche Evangelisierung, wenn auch noch anfanghaft und sehr unvollkommen. Eine fast unbegrenzte Fülle von Mitteln, gewiss die direkte Predigt, aber auch die Kunst, die Wissenschaft, die philosophische Forschung und das berechtigte Ansprechen menschlicher Gefühle und Sehnsüchte können diesem Ziel dienlich sein.

Erneute Verkündigung an die entchristlichte Welt

52 Wenn sich diese erste Verkündigung auch vornehmlich an jene richtet, die von der Frohbotschaft Jesu noch nichts gehört haben, oder an Kinder, so erweist sie sich in gleicher Weise immer notwendiger angesichts der heute häufig zu beobachtenden Entchristlichung, und zwar für sehr viele, die zwar getauft sind, aber gänzlich außerhalb eines christlichen Lebensraumes stehen, dann für einfache Menschen, die zwar einen gewissen Glauben haben, seine Grundlagen aber kaum kennen, ferner für Intellektuelle, die das Bedürfnis spüren, Jesus Christus in einem anderen Licht kennen zu lernen als bei der Unterweisung in ihrer Kinderzeit, und schließlich für viele andere.

Die nichtchristlichen Religionen

53 Diese erste Verkündigung wendet sich an die unübersehbar große Zahl der Menschen, die nichtchristlichen Religionen angehören. Die Kirche respektiert und schätzt die nichtchristlichen Religionen. Sie sind ja lebendiger Ausdruck der Seele breitester Gruppen. In ihnen wird die Gottsuche von Millionen deutlich, ein unvollkommenes Suchen, aber oft gelebt mit großer Aufrichtigkeit und Lauterkeit des Herzens. Sie besitzen einen eindrucksvollen Schatz tief religiöser Schriften. Zahllose Generationen von Menschen haben sie beten gelehrt. In ihnen finden sich unzählbar viele „Samenkörner des Wortes Gottes“[74]. Sie sind, um ein treffendes Wort des Zweiten Vatikanischen Konzils aufzugreifen, das von Eusebius von Caesarea stammt, eine echte „Vorbereitung auf das Evangelium“[75]. Eine solche Situation wirft sicherlich vielschichtige und schwierige Fragen auf, die es im Lichte der christlichen Tradition und des kirchlichen Lehramtes zu prüfen gilt, um den Missionaren von heute und morgen neue Horizonte für ihre Kontakte mit den nichtchristlichen Religionen zu geben. Wir wollen besonders heute hervorheben, dass weder die Achtung und Wertschätzung noch die Vielschichtigkeit der aufgeworfenen Fragen für die Kirche eine Aufforderung darstellen können, eher zu schweigen als Jesus Christus vor den Nichtchristen zu verkünden. Im Gegenteil, die Kirche ist der Auffassung, dass diese vielen Menschen das Recht haben, den Reichtum des Geheimnisses Christi[76] kennen zu lernen, worin, nach unserem Glauben, die Menschheit in unerschöpflicher Fülle alles das finden kann, was sie suchend und tastend über Gott, über den Menschen und seine Bestimmung, über Leben und Tod und über die Wahrheit in Erfahrung zu bringen sucht. Auch im Hinblick auf jene Äußerungen der Naturreligionen, die höchste Wertschätzung verdienen, stützt die Kirche sich auf die Tatsache, dass die Religion Jesu Christi, die sie durch die Evangelisierung vermittelt, den Menschen, im objektiven Sinn, in die Verbindung mit dem Heilsplan Gottes, mit seiner lebendigen Gegenwart, mit seiner Tätigkeit bringe. Die Kirche lässt ihn so dem Geheimnis der göttlichen Vaterschaft begegnen, die sich der Menschheit zuneigt. Mit anderen Worten: Unsere Religion stellt tatsächlich eine echte und lebendige Verbindung mit Gott her, was den übrigen Religionen nicht gelingt, auch wenn sie sozusagen ihre Arme zum Himmel ausstrecken.

Darum ist die Kirche darauf bedacht, ihren missionarischen Elan lebendig zu erhalten, ja ihn im geschichtlichen Augenblick unserer heutigen Zeit noch zu verstärken. Sie spürt ihre Verantwortung angesichts ganzer Völker. Sie kann nicht eher ruhen, als bis sie alles getan hat, um die Frohbotschaft vom Erlöser Jesus Christus zu verkünden. Stets bildet sie neue Generationen von Glaubensboten heran. Das stellen Wir mit Freude fest gerade in einem Augenblick, da es nicht an solchen fehlt, die denken oder sogar sagen, der apostolische Eifer und Elan seien erloschen und die Entsendung von Missionaren gehöre nun der Vergangenheit an. Die letzte Synode hat darauf die Antwort gegeben, dass die missionarische Verkündigung nicht aufhören werde und die Kirche stets auf die Erfüllung dieses Auftrags bedacht bleibe.

Glaubenshilfe für die Gläubigen

54 Indes lässt die Kirche auch nicht nach in der unermüdlichen Sorge für jene, welche den Glauben bereits empfangen haben und oft schon seit Generationen Verbindung mit dem Evangelium haben. Da sucht sie den Glauben derer, die man schon Gläubige nennt, zu vertiefen, zu festigen, zu stärken und immer noch reifer zu machen, damit sie noch lebendiger glauben.

Dieser Glaube ist heute fast immer mit der Säkularisierung, ja sogar mit dem militanten Atheismus konfrontiert: es ist ein Glaube, der Prüfungen und Gefahren ausgesetzt ist; mehr noch, ein Glaube, der angegriffen und bekämpft wird. Er droht erstickt oder ausgezehrt zu werden, wenn er nicht täglich genährt und gestützt wird. Die Evangelisierung muss sehr häufig darin bestehen, dem Glauben der Gläubigen diese notwendige Nahrung und Stärkung zuteil werden zu lassen, insbesondere durch eine katechetische Unterweisung, die ganz erfüllt ist vom echten Geist des Evangeliums und in ihrer Sprache der Zeit und den Menschen angepasst ist.

Die katholische Kirche schaut gleichermaßen mit lebhafter Sorge auf jene Christen, die nicht in voller Gemeinschaft mit ihr leben: Obwohl sie mit ihnen für die von Christus gewollte Einheit arbeitet, um, klar gesagt, die Einheit in der Wahrheit zu verwirklichen, ist sie sich bewusst, dass sie in schwerwiegender Weise ihre Pflicht vernachlässigen würde, gäbe sie nicht bei ihnen Zeugnis von der Fülle der Offenbarung deren Glaubensschatz sie hütet.

Die Nichtglaubenden

55 Bezeichnend ist auch die Besorgnis, die auf der genannten Synode spürbar wurde, im Hinblick auf zwei Bereiche, die zwar untereinander sehr verschieden sind, sich aber gleichen angesichts der Herausforderung, die beide je auf ihre Weise für die Evangelisierung bilden.

Der erste Bereich ist das, was man das Anwachsen des Unglaubens in der modernen Welt nennen kann. Die Synode hat sich darum bemüht, diese moderne Welt zu beschreiben. Was verbirgt sich nicht alles hinter dieser allgemeinen Bezeichnung: welche geistigen Strömungen, Werte und Unwerte, verborgene Sehnsüchte oder Keime von Zerstörung, alte Überzeugungen, die verschwinden, und neue Überzeugungen, die sich aufdrängen. Aus geistlicher Sicht gesehen, scheint die moderne Welt stets verstrickt zu sein in das, was ein Autor unserer Zeit „das Drama des atheistischen Humanismus“[77] genannt hat.

Auf der einen Seite muss man inmitten dieser modernen Welt eine Erscheinung feststellen, durch die sie beinahe am treffendsten charakterisiert ist: die Säkularisierung. Wir meinen damit nicht das Weltlicher-Werden der Welt, ein in sich richtiges, berechtigtes und niemals im Widerspruch zum Glauben und zur Religion stehendes Bestreben, in der Schöpfung, in jedem Ding und Ereignis des Universums jene Gesetze zu entdecken, von denen sie in einer bestimmten Autonomie beherrscht werden, und zwar aus der inneren Überzeugung heraus, dass diese Gesetze vom Schöpfer in die Dinge hineingelegt sind. In diesem Sinn hat das letzte Konzil die berechtigte Autonomie der Kultur und insbesondere der Wissenschaften bekräftigt[78]. Hier geht es uns jedoch um die eigentliche Säkularisierung, nämlich jene Auffassung von der Welt, derzufolge sie sich ganz aus sich selbst erklärt, ohne dass es eines Rückgriffs auf Gott bedürfte; Gott wird überflüssig, zu einem Störfaktor. Um der Macht des Menschen zur Anerkennung zu verhelfen, endet die Säkularisierung damit, sich über Gott hinwegzusetzen und ihn schließlich vollends zu leugnen.

Daraus scheinen neue Formen des Atheismus hervorzugehen – ein allein um den Menschen kreisender Atheismus, nicht mehr abstrakt und metaphysisch, sondern pragmatisch, programmatisch und militant. Im Zusammenhang mit dieser atheistischen Säkularisierung empfiehlt man uns täglich in den verschiedensten Formen eine Zivilisation des Konsums, den sinnenhaften Genuss als den höchsten Wert, den Willen nach Macht und Beherrschung und Diskriminierungen jeglicher Art. Wie viel unmenschliche Bestrebungen stecken in diesem sogenannten Humanismus.

Andererseits lässt sich paradoxerweise nicht leugnen, dass es in derselben modernen Welt christliche Anknüpfungspunkte gibt, echte Werte des Evangeliums, wenigstens in der Form eines Gefühls der Leere oder eines sehnsüchtigen Suchens. Es ist wohl nicht übertrieben, von einem mächtigen und zugleich tragischen Ruf nach Evangelisierung zu sprechen.

Die Nichtpraktizierenden

56 Ein zweiter Bereich: das sind die Nichtpraktizierenden, eine heute große Zahl von Getauften, die vielfach ihre Taufe nicht ausdrücklich verleugnen, sie aber als Nebensache betrachten und nicht leben. Dass es Nichtpraktizierende gibt, ist eine sehr alte Erscheinung in der Geschichte des Christentums; das gehört zu einer natürlichen Schwäche, zu dem tiefen Widerstreit, der leider unser Innerstes durchzieht. Aber sie nimmt heute neue Formen an. Die Gründe dafür liegen häufig in einer für unsere Zeit typischen Entwurzelung. Ein weiterer Grund liegt darin, dass die Christen heute Seite an Seite mit den Nichtglaubenden leben und ständig die Rückwirkungen des Unglaubens zu spüren bekommen. Mehr als früher suchen Nichtpraktizierende ihre Position dadurch zu erklären und zu rechtfertigen, dass sie sich auf ein religiöses Inneres, auf die Eigenverantwortung oder auf persönliche Echtheit berufen. Atheisten und Ungläubige auf der einen Seite und Nichtpraktizierende auf der anderen bilden für die Evangelisierung Hindernisse, die sich nicht übersehen lassen. Bei den ersteren ist es das Hindernis einer bestimmten Verweigerung, die Unfähigkeit, die neue Ordnung der Dinge, den neuen Sinn der Welt, des Lebens und der Geschichte wahrzunehmen, was hingegen nur möglich ist, wenn man vom Absoluten, von Gott ausgeht. Bei den anderen ist es das Hindernis der Trägheit, die irgendwie feindselige Haltung von jemandem, der sich im eigenen Hause sicher fühlt, der behauptet, alles zu kennen, alles genossen zu haben und an nichts mehr zu glauben.

Atheistische Säkularisierung und das Fehlen religiöser Praxis finden sich bei Erwachsenen und Jugendlichen, bei der Elite und im breiten Volk, in allen kulturellen Schichten sowie in den alten und jungen Kirchen. Das evangelisierende Wirken der Kirche kann diese beiden Welten nicht unbeachtet lassen oder vor ihnen haltmachen; sie muss beständig nach den geeigneten Mitteln und der entsprechenden Sprache suchen, um die Offenbarung Gottes und den Glauben an Jesus Christus auch dorthin zu tragen oder erneut zu verkünden.

Verkündigung an alle Menschen

57 Wie Christus zur Zeit seiner Verkündigung und die Zwölf am ersten Pfingsttag, so sieht sich auch die Kirche einer unzählbaren Menge von Menschen gegenüber, die des Evangeliums bedürfen, ja ein Recht darauf haben; denn Gott „will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen“[79].

Im Bewusstsein ihrer Pflicht, allen das Heil zu verkünden, und im Wissen darum, dass die Botschaft des Evangeliums nicht einer kleinen Gruppe von Eingeweihten, Privilegierten oder Auserwählten vorbehalten, sondern für alle bestimmt ist, macht sich die Kirche die teilnehmende Sorge des Herrn um die umherirrenden und entkräfteten Volksmengen, die „wie Schafe ohne Hirten“ sind, zu eigen und greift immer wieder sein Wort auf: „Diese Menschen tun mir leid“ [80]. Die Kirche weiß aber auch, dass sie, um das Evangelium wirksam zu verkünden, ihre Botschaft an Gemeinschaften von Gläubigen mitten im breiten Volk richten muss, deren Einsatz dann wieder andere erreichen kann und muss.

Kirchliche Basisgemeinschaften

58 Die letzte Synode hat sich sehr mit den kleinen Gemeinschaften oder „Basisgemeinschaften“ befasst, denn in der Kirche von heute ist häufig von ihnen die Rede. Was sind sie und warum sollten sie in besonderer Weise Adressaten der Evangelisierung und zugleich auch deren Träger sein? Den verschiedenen Äußerungen bei der Synode zufolge entstehen sie heute fast überall in der Kirche. Doch bestehen zwischen den einzelnen Gemeinschaften große Unterschiede nicht nur von Region zu Region, sondern sogar innerhalb ein und derselben Region. In manchen Gebieten entstehen und entfalten sie sich ausnahmslos innerhalb der Kirche, eng an ihrem Leben teilnehmend, gestärkt durch ihre Unterweisung und ihren Hirten verbunden. In diesen Fällen entstehen sie aus dem Bedürfnis heraus, das Leben der Kirche noch intensiver zu leben, oder aus dem Wunsch und dem Suchen nach einer persönlicheren Atmosphäre, die die großen Gemeinden nur schwer bieten können, zumal in den heutigen Großstädten mit ihrer steigenden Tendenz zu einem anonymen Leben in der Masse. Ansetzend bei einer kleinen soziologischen Gemeinschaft, einem Dorf oder etwas anderem, können sie je nach ihrer Art ganz einfach weiterbauen auf der geistigen und religiösen Ebene – Liturgie, Vertiefung des Glaubens, brüderliche Liebe, Gebet, Verbindung mit den Seelsorgern. Oder sie wollen, um das Wort Gottes zu hören und zu meditieren, die Sakramente zu empfangen oder die Agape zu feiern, Gruppen versammeln, die nach Alter, Bildung, Stand oder sozialer Lage in sich einheitlich sind, etwa Ehepaare, Jugendliche, bestimmte Berufsgruppen usw., oder Menschen, die im Leben ohnehin schon einander verbunden sind im Kampf für die Gerechtigkeit, in der brüderlichen Hilfe für die Armen, in der Förderung des Menschen. Oder sie versammeln die Gläubigen dort, wo der Mangel an Priestern ein normales Gemeindeleben nicht zulässt. Alles dies gilt für die kleinen Gemeinschaften innerhalb der Kirche, vor allem der Ortskirchen und Pfarreien.

In anderen Gebieten hingegen bilden sich Basisgemeinschaften in einem Geist scharfer Kritik an der Kirche, die sie gern als „institutionell“ brandmarken; im Gegensatz zu ihr wollen sie charismatische Gemeinschaften sein, frei von Strukturen und nur vom Evangelium her lebend. Bezeichnend für sie ist also eine offenkundige Haltung der Kritik und Ablehnung gegenüber kirchlichen Formen, ihrer Hierarchie und ihrer Zeichen. Sie stellen diese Kirche radikal in Frage. In diesem Zusammenhang wird das sie tragende Gedankengut sehr schnell zu einer Ideologie, und es ist höchst selten, dass sie nicht schon bald Opfer einer politischen Richtung, einer bestimmten Strömung, eines Systems oder gar einer Partei werden, mit dem ganzen damit verbundenen Risiko, deren Instrument zu werden. Der Unterschied ist schon deutlich. Die Gemeinschaften, die sich durch ihren Geist der Kontestation von der Kirche trennen und deren Einheit verletzen, können sich wohl als „Basisgemeinschaften“ bezeichnen, aber nur in einem ausschließlich soziologischen Sinne. Ohne die Sprache zu missbrauchen, können sie sich aber nicht als kirchliche Basisgemeinschaften bezeichnen, selbst wenn sie behaupten, trotz ihrer Gegnerschaft zur Hierarchie in der Einheit der Kirche bleiben zu wollen. Der Name „kirchliche Basisgemeinschaften“ kommt nur jenen zu, die sich innerhalb der Kirche bilden, um in der Einheit der Kirche zu stehen und zum Wachstum der Kirche beizutragen.

Diese letzteren Gemeinschaften sind ein Ort der Evangelisierung zum Wohl größerer Gemeinschaften, insbesondere der Ortskirchen. Und sie sind, wie Wir am Schluss der genannten Synode sagten, eine Hoffnung für die universale Kirche in dem Maße, als sie: – vom Wort Gottes her zu leben suchen und nicht einer politischen Polarisierung oder modischen Ideologien erliegen, wobei ihr großes menschliches Potential missbraucht würde,

– die stets drohende Versuchung zu systematischer Kontestation und überzogener Kritik, die unter dem Vorwand der Echtheit und des Geistes der Zusammenarbeit erfolgen, klar meiden,

– fest verbunden bleiben mit der Ortskirche, in die sie sich eingliedern, und mit der universalen Kirche, damit sie nicht der allzu bedrohlichen Gefahr erliegen, sich in sich selbst abzukapseln, dann sich selbst für die einzige echte Kirche Christi zu halten und schließlich die anderen kirchlichen Gemeinschaften zu verurteilen,

– den Hirten, die der Herr seiner Kirche gibt, und dem Lehramt, das der Geist Christi diesen verliehen hat, aufrichtig verbunden zu bleiben;

– sich niemals für den einzigen Adressaten oder Träger der Evangelisierung oder gar für den einzigen Hüter des Evangeliums halten, sondern im Wissen darum, dass die Kirche sehr viel weiter und vielfältig ist, innerlich annehmen, dass Kirche auch anders als durch sie Wirklichkeit wird;

– täglich im missionarischen Geist und Eifer, in missionarischer Einsatzbereitschaft und Ausstrahlungskraft wachsen;

– sich in allem dem Ganzen verpflichtet fühlen und niemals sektiererisch werden.

Sind diese Bedingungen, die gewiss Anforderungen stellen, aber doch auch Hilfe bieten, erfüllt, dann werden die kirchlichen Basisgemeinschaften ihrer eigentlich grundlegenden Berufung gerecht: als Hörer des ihnen verkündeten Evangeliums und als bevorzugte Adressaten der Evangelisierung werden sie dann ihrerseits unverzüglich zu Verkündern des Evangeliums.

VI. Die Träger der Evangelisierung. Die ganze Kirche missionarisch ausgerichtet

59 Wenn Menschen in der Welt das Evangelium des Heiles verkünden, so geschieht dies im Auftrag, im Namen und mit der Gnade Christi, des Erlösers. „Wie soll jemand verkündigen, wenn er nicht gesandt ist?“[81], so schrieb derjenige, der zweifellos einer der größten Glaubensboten war. Niemand kann also den Glauben verkünden, ohne gesandt zu sein. Aber wer ist nun mit der Evangelisierung beauftragt?

Das Zweite Vatikanische Konzil hat klar geantwortet: „Die Kirche hat kraft göttlicher Sendung die Pflicht, in die ganze Welt zu gehen, um das Evangelium allen Geschöpfen zu verkündigen“[82]. In einem anderen Dokument heißt es: „Die ganze Kirche ist missionarisch, und das Werk der Evangelisierung ist eine Grundpflicht des Gottesvolkes“[83].

Wir haben auf diese innige Verbindung zwischen Kirche und Evangelisierung schon hingewiesen. Da die Kirche das Reich Gottes verkündet und aufbaut, pflanzt sie sich selber inmitten der Welt ein als Zeichen und Werkzeug dieses Reiches, das zugleich da ist und kommt. Das Konzil hat ein sehr bezeichnendes Wort angeführt, das der hl. Augustinus über die Missionstätigkeit der Zwölf gesagt hat: „Sie verkünden das Wort der Wahrheit und riefen Kirchen ins Leben“[84].

Ein zutiefst kirchliches Tun

60 Sendung und Auftrag der Kirche zur Evangelisierung der Welt müssten in uns eine doppelte Überzeugung begründen.

Zunächst: Evangelisieren ist niemals das individuelle und isolierte Tun eines einzelnen, es ist vielmehr ein zutiefst kirchliches Tun. Auch der einfachste Prediger, Katechist oder Seelsorger, der im entferntesten Winkel der Erde das Evangelium verkündet, seine kleine Gemeinde um sich sammelt oder ein Sakrament spendet, vollzieht, selbst wenn er ganz allein ist, einen Akt der Kirche. Sein Tun ist durch institutionelle Beziehungen, aber auch durch unsichtbare Bande und die verborgenen Wurzeln der Gnadenordnung eng verbunden mit der Glaubensverkündigung der ganzen Kirche. Dies setzt voraus, dass er nicht auf Grund einer Sendung, die er sich selber zuschreibt, oder auf Grund einer persönlichen Anregung tätig ist, sondern in Verbindung mit der Sendung der Kirche und in ihrem Namen. Von da aus ergibt sich die zweite Überzeugung: wenn jeder das Evangelium im Namen der Kirche verkündet, die es ihrerseits im Auftrag des Herrn tut, dann ist kein Verkünder des Evangeliums absoluter Herr seiner Glaubensverkündigung so dass er darüber selbst nach seinen persönlichen Maßstäben und Ansichten entscheiden könnte. Er muss es vielmehr tun in Gemeinschaft mit der Kirche und ihren Hirten.

Die ganze Kirche ist Träger der Evangelisierung, wie Wir sagten. Das bedeutet, dass die Kirche sich für die ganze Welt und jeden Teil der Welt, wo sie sich befindet, an den Auftrag gebunden fühlt, das Evangelium zu verbreiten.

Die Perspektive der Gesamtkirche

61 An diesem Punkt unserer Überlegungen möchten Wir nun mit euch, liebe Brüder, Söhne und Töchter, bei einer Frage verweilen, die in unseren Tagen besonders wichtig geworden ist.

Die ersten Christen gaben bei ihrer Liturgiefeier, in ihrem Zeugnis vor den Richtern und Henkern und in ihren apologetischen Schriften gern ihrem tiefen Glauben an die Kirche dadurch Ausdruck, dass sie diese als im ganzen Universum ausgebreitet hinstellten. Sie waren sich voll bewusst, einer großen Gemeinschaft anzugehören, der weder Raum noch Zeit Grenzen setzen konnten: „vom gerechten Abel bis zum letzten Auserwählten“ [85], „bis an die Enden der Erde[86], bis ans Ende der Zeiten“[87]. So hat der Herr seine Kirche gewollt: universal, als großen Baum, in dessen Zweigen die Vögel des Himmels wohnen[88], als Netz, das alle Arten von Fischen fängt[89] oder das Petrus ans Land zieht, voll mit 153 großen Fischen [90], als Herde, die ein einziger Hirte auf die Weide führt [91]. Die universale Kirche ist ohne Schranken und Grenzen, außer denen, die Herz und Geist des sündigen Menschen leider setzen.

Die Perspektive der Teilkirche

62 Dennoch nimmt diese universale Kirche in den Teilkirchen konkrete Gestalt an, die ihrerseits aus einer bestimmten Menschengruppe bestehen, die eine bestimmte Sprache sprechen, einem kulturellen Erbe verbunden sind, einer Weltanschauung, einer geschichtlichen Vergangenheit und einer bestimmten Ausformung des Menschlichen. Offenheit für die Reichtümer der Teilkirche trifft beim Menschen unserer Zeit auf besondere Empfänglichkeit.

Aber hüten wir uns wohl davor, die universale Kirche aufzufassen als die Summe oder gleichsam einen mehr oder weniger lockeren Zusammenschluss von wesentlich verschiedenen Teilkirchen. Im Denken des Herrn ist es die nach Berufung und Sendung universale Kirche, die in verschiedenen Kulturräumen, sozialen und menschlichen Ordnungen Wurzeln schlägt und dabei in jedem Teil der Welt verschiedene Erscheinungsweisen und äußere Ausdrucksformen annimmt.

Daher würde jede Teilkirche, die sich freiwillig von der universalen Kirche trennen würde, ihre Beziehung zum Heilsplan Gottes verlieren; sie würde in ihrer kirchlichen Dimension verarmen. Andererseits würde eine auf dem ganzen Erdkreis verbreitete Kirche zur Abstraktion, wenn sie nicht eben durch die Teilkirchen Gestalt und Leben gewinnt. Nur die ständige Beachtung beider Aspekte der Kirche wird uns den Reichtum dieser Beziehung zwischen universaler Kirche und Teilkirchen erfassen lassen.

Anpassung und Treue in der Sprache

63 Die wahrhaft eingewurzelten Teilkirchen, die sich sozusagen verschmolzen haben mit den Menschen, aber auch mit den Wünschen, Reichtümern und Grenzen, mit der Art zu beten, zu lieben, Leben und Welt zu betrachten, wie sie für eine bestimmte Menschengruppe charakteristisch sind, haben die Aufgabe, das Wesentliche der Botschaft des Evangeliums sich tief zu eigen zu machen und es ohne den geringsten Verrat an seiner wesentlichen Wahrheit in eine Sprache zu übersetzen, die diese Menschen verstehen, um es dann in dieser Sprache zu verkünden. Diese Übertragung muss mit Unterscheidungskraft, Ernst, Respekt und Fachkenntnis geschehen, wie die Sache es verlangt, im Bereich der liturgischen Ausdrucksformen[92]; es gilt aber auch für die Katechese, die theologische Formulierung, die untergeordneten kirchlichen Strukturen und die Dienstaufgaben. „Sprache“ aber darf hier weniger im semantischen oder literarischen Sinn aufgefasst werden, sondern vielmehr anthropologisch und kulturell.

Die Frage ist zweifellos schwierig. Die Evangelisierung verliert viel von ihrer Kraft und Wirksamkeit, wenn sie das konkrete Volk, an das sie sich wendet, nicht berücksichtigt und nicht seine Sprache, seine Zeichen und Symbole verwendet, nicht auf seine besonderen Fragen antwortet und sein konkretes Leben nicht einbezieht. Aber andererseits kann die Evangelisierung auch ihre Seele verlieren und innerlich leer werden, wenn man unter dem Vorwand, sie zu übersetzen, sie aushöhlt oder verfälscht; wenn man, um eine universale Wirklichkeit an Ortsverhältnisse anzupassen, diese Wirklichkeit selber opfert und die Einheit zerstört, ohne die es keine Universalität mehr gibt. Tatsächlich vermag nur eine Kirche, die sich ihrer Universalität bewusst ist, eine Botschaft anzubieten, die über die regionalen Grenzen hinweg von allen gehört werden kann.

Die rechtmäßige Berücksichtigung der Teilkirchen kann für die Kirche nur Reichtum bedeuten. Sie ist daher unerlässlich und dringlich. Sie entspricht den tiefsten Wünschen der Völker und menschlichen Gemeinschaften, die immer mehr ihre Eigengestalt finden möchten.

Öffnung zur Gesamtkirche

64 Diese Bereicherung setzt aber voraus, dass die Teilkirchen ihr tiefes Offensein für die universale Kirche beachten. Es ist im übrigen bemerkenswert, dass gerade die einfachsten, am meisten dem Evangelium verbundenen Christen, die zugleich den wahren Sinn für die Kirche gewonnen haben, ganz spontan auf diese universale Dimension der Kirche ansprechen. Sie empfinden instinktiv und sehr stark deren Notwendigkeit und erkennen sich darin leicht wieder. Sie zittern mit der Kirche und leiden in ihrem tiefsten Inneren, wenn man sie im Namen von Theorien, die sie nicht verstehen, nötigen möchte, sich auf eine Kirche ohne diese Universalität einzustellen, auf eine lediglich regionale Kirche ohne Horizont. Wie die Geschichte ferner aufweist, sind Teilkirchen jedes Mal, wenn sie sich von der universalen Kirche und ihrem lebendigen und sichtbaren Zentrum losgelöst haben – zuweilen mit den besten Absichten, mit guten theologischen, soziologischen, politischen oder seelsorglichen Gründen oder auch im Verlangen nach einer gewissen Bewegungs- oder Aktionsfreiheit –, wenn überhaupt, dann nur sehr schwer zwei Gefahren entgangen, die beide gleichermaßen bedrohlich sind: Einerseits besteht für sie die Gefahr der Isolierung, die zum Austrocknen und bald zur Auflösung führt, wobei sich dann die einzelnen Zellen ebenso voneinander trennen, wie sie sich vom zentralen Kern getrennt haben. Auf der anderen Seite steht die Gefahr, die Freiheit zu verlieren; denn getrennt vom Zentrum und den anderen Kirchen, die ihr Kraft und Schwung gaben, findet eine Teilkirche sich, alleingelassen, den verschiedensten Mächten ausgeliefert, die sie sich dienstbar machen und sie ausbeuten möchten.

Je mehr eine Teilkirche durch solide Bande der Gemeinschaft mit der universalen Kirche verbunden ist – in Liebe und Loyalität, offen für das Lehramt des Petrus, in der Einheit im Gesetz des „Betens“, das zugleich das „Gesetz des Glaubens“ ist, im Bemühen um Einheit mit allen anderen Kirchen, die zur Gesamtheit gehören –, desto mehr wird diese Kirche fähig sein, den Schatz des Glaubens in die berechtigte Verschiedenheit von Ausdruck und Form des Glaubensbekenntnisses, von Gebet, Kult, Leben und christlichem Verhalten, der Ausstrahlungskraft, überhaupt des Volkes, in das sie sich einfügt, zu übertragen. Um so mehr wird sie auch wahrhaft im Dienst der Evangelisierung stehen, d. h. fähig sein, in das universale Erbe einzudringen, um dem eigenen Volk hieran Anteil zu geben wie auch der universalen Kirche Erfahrung und Leben dieses Volkes zum Wohl aller zu vermitteln.

Das unveränderliche Glaubensgut

65 Eben in diesem Sinn wollten Wir beim Abschluss der dritten Generalversammlung der Synode ein klares Wort voll väterlicher Zuneigung sprechen und die Rolle des Nachfolgers Petri als sichtbares, lebendiges und dynamisches Prinzip der Einheit zwischen den Kirchen und damit der Universalität der einen Kirche erneut betonen[93]. Wir hoben ebenfalls die schwere Verantwortung hervor, die Uns auferlegt ist, die Wir aber mit Unseren Brüdern im Bischofsamt teilen, den Inhalt des katholischen Glaubens, den der Herr den Aposteln anvertraut hat, unversehrt zu bewahren. Wenn dieser Inhalt in alle Sprachen übertragen wird, darf er dabei weder verändert noch verstümmelt werden. Wenn er mit den Symbolen, wie sie jedem Volk eigen sind, geschmückt wird, wenn man ihn in theologischen Ausdrucksformen darlegt, die auf die jeweiligen Kultur- und Sozialräume und auch auf die verschiedenen Rassenunterschiede Rücksicht nehmen, muss er doch Inhalt des katholischen Glaubens bleiben, so wie das kirchliche Lehramt ihn übernommen hat und weitergibt.

Verschiedene Aufgaben

66 Die ganze Kirche ist daher zur Evangelisierung aufgerufen, und daher finden sich in ihrem Innern verschiedene Aufgaben, die im Dienst der Glaubensverkündigung zu erfüllen sind. Die Verschiedenheit der Dienste innerhalb der Einheit der gleichen Sendung macht Reichtum und Schönheit der Evangelisierung aus. Wir wollen diese Dienstaufgaben hier und im folgenden nur kurz berühren.

Vor allem sei Uns zunächst der Hinweis darauf gestattet, mit welchem Nachdruck der Herr im Evangelium den Aposteln die Verkündigung des Wortes Gottes aufträgt. Er hat sie erwählt[94], sie mehrere Jahre in vertrautem Zusammensein gebildet[95], eingesetzt[96] und beauftragt[97] als Zeugen und bevollmächtigte Lehrer der Heilsbotschaft. Die Zwölf haben ihrerseits ihre Nachfolger ausgesandt, die in der apostolischen Nachfolge die Frohbotschaft bis heute verkünden.

Der Nachfolger Petri

67 Der Nachfolger des Petrus ist so nach dem Willen Christi in besonderer Weise mit dem Dienstamt beauftragt, die geoffenbarte Wahrheit zu lehren. Das Neue Testament zeigt uns Petrus oft „erfüllt vom Heiligen Geist“, wie er im Namen aller das Wort ergreift[98]. Eben deswegen spricht der hl. Leo der Große von ihm als demjenigen, der im Apostolat den ersten Platz verdient[99]. Ferner zeigt auch die Stimme der Kirche den Papst „auf der höchsten Stelle – in apice, in specula – des Apostolates“[100]. Das Zweite Vatikanische Konzil wollte dies bekräftigen, indem es erklärte, der „Auftrag Christi, aller Kreatur das Evangelium zu predigen (vgl. Mk 16, 15), gilt mit und unter Petrus zuerst und unmittelbar den Bischöfen“[101]. Die volle, höchste und universale Gewalt[102], die Christus seinem Stellvertreter zur pastoralen Leitung seiner Kirche anvertraut, meint daher vor allem den Auftrag des Papstes, sich aktiv zu bemühen, die Frohbotschaft vom Heil zu predigen und predigen zu lassen.

Bischöfe und Priester

68 Vereint mit dem Nachfolger des Petrus, empfangen die Bischöfe als Nachfolger der Apostel kraft ihrer Bischofsweihe die Vollmacht, innerhalb der Kirche die geoffenbarte Wahrheit zu lehren. Sie sind die Lehrer des Glaubens.

Den Bischöfen sind beim Dienst der Evangelisierung jene als in besonderer Weise Verantwortliche zugesellt, die durch die Priesterweihe in der Person Christi handeln[103], und das sowohl als Erzieher des Volkes Gottes im Glauben, als Prediger, wie besonders als Diener der Eucharistie und der übrigen Sakramente.

Daher sind wir, die Hirten, aufgefordert, uns mehr als jedes andere Glied der Kirche dieser Pflicht bewusst zu sein. Was die Einzigartigkeit unseres priesterlichen Dienstes ausmacht, was die tausend Aufgaben, die uns Tag für Tag und ein Leben lang bedrängen, im tiefsten eint, was unserem Wirken ein besonderes Gepräge gibt, das ist dieses Grundanliegen, das bei jedem uns vor Augen steht, nämlich „das Evangelium Gottes zu verkünden[104].

Hier kommt ein Wesensmerkmal zum Ausdruck, das durch keinen Zweifel beeinträchtigt und durch keinen Einwand in Frage gestellt werden dürfte. Als Hirten sind wir durch die Barmherzigkeit des obersten Hirten[105] trotz unseres Ungenügens erwählt, mit Vollmacht das Wort Gottes zu sammeln und es zu nähren mit den Zeichen des Handelns Christi, wie es die Sakramente sind, um es auf den Weg des Heiles zu führen, um es in dieser Einheit zu erhalten, deren aktive und lebendige Werkzeuge wir auf verschiedenen Ebenen sind, und um diese Gemeinschaft unablässig neu anzuregen, die ihrer innersten Berufung gemäß um Christus versammelt ist. Und da wir das alles nach dem Maß unserer menschlichen Grenzen und mit Gottes Gnade vollziehen, ist es wirklich ein Werk der Evangelisierung, das wir vollbringen, Wir als Hirt der universalen Kirche, Unsere Brüder im Bischofsamt an der Spitze der Teilkirchen, die Priester und Diakone, mit ihren Bischöfen, deren Mitarbeiter sie sind, durch eine Gemeinschaft verbunden, die im Weihesakrament und in der Liebe der Kirche ihre Wurzeln hat.

Ordensleute

69 Die Ordensleute finden ihrerseits in ihrem gottgeweihten Leben ein besonderes Mittel wirksamer Evangelisierung. Durch ihr tiefstes Wesen fügen sie sich in den Dynamismus der Kirche ein, ergriffen vom Absoluten, das Gott ist, und zur Heiligkeit aufgerufen. Von dieser Heiligkeit geben sie Zeugnis. Sie leben in konkreter Weise die Kirche, die danach trachtet, er Unbedingtheit der Seligpreisungen zu entsprechen. Sie sind durch ihr Leben ein Zeichen der gänzlichen Verfügbarkeit für Gott, die Kirche und ihre Brüder und Schwestern.

Darin kommt ihnen besondere Bedeutung zu beim Gesamtzeugnis der Kirche, das, wie Wir betont haben, vor allem in der Evangelisierung besteht. Dieses stille Zeugnis der Armut und Entäußerung, der Reinheit und Transparenz, der Hingabe im Gehorsam kann zugleich eine Herausforderung an Welt und Kirche selbst werden, eine beredte Predigt, die sogar den Nichtchristen guten Willens, die für gewisse Werte aufgeschlossen sind, nahe gehen kann.

In einer solchen Sicht kann man die Rolle ermessen, die bei der Evangelisierung Ordensmänner und Ordensfrauen haben, die sich dem Gebet, dem Schweigen, der Buße und dem Opfer geweiht haben. Eine sehr große Zahl von anderen Ordensleuten stellen sich ganz in den direkten Dienst der Verkündigung Christi. Ihre missionarische Tätigkeit ist natürlich von der Hierarchie abhängig und muss mit der seelsorglichen Tätigkeit koordiniert erden, die diese selbst entfaltet. Wer ist imstande, den gewaltigen Beitrag zu messen, den die Ordensleute für die Evangelisierung geleistet haben und immer noch leisten! Durch ihre Ganzhingabe im Ordensstand sind sie im Höchstmaß frei und willens, alles zu verlassen und hinzugehen, um das Evangelium zu verkünden bis an die Grenzen der Erde. Sie sind voll Unternehmungsgeist, und ihr Apostolat ist oft von einer Originalität, von einer Genialität gekennzeichnet, die Bewunderung abnötigen. Sie geben sich ganz an ihre Sendung hin: Man findet sie oft an der vordersten Missionsfront, und sie nehmen größte Risiken für Gesundheit und Leben auf ich. Ja, wahrhaftig, die Kirche schuldet diesen Ordensleuten viel.

Laien

70 Die Laien, die ihrer besonderen Berufung gemäß ihren Platz mitten in der Welt haben und die verschiedensten zeitlichen Aufgaben erfüllen, müssen darin eine besondere Form der Evangelisierung vollziehen. Ihre erste und unmittelbare Aufgabe ist nicht der Aufbau und die Entwicklung der kirchlichen Gemeinschaft – hier liegt die besondere Aufgabe der Hirten –, sondern sie sollen alle christlichen, vom Evangelium her gegebenen Möglichkeiten, die zwar verborgen, aber dennoch in den Dingen der Welt schon vorhanden sind und aktiv sich auswirken, verwirklichen. Das eigentliche Feld ihrer evangelisierenden Tätigkeit ist die weite und schwierige Welt der Politik, des Sozialen und der Wirtschaft, aber auch der Kultur, der Wissenschaften und Künste, des internationalen Lebens und der Massenmedien, ebenso gewisse Wirklichkeiten, die der Evangelisierung offen stehen, wie Liebe, Familie, Kinder- und Jugenderziehung, Berufsarbeit, Leiden usw. Je mehr vom Evangelium geprägte Laien da sind, die sich für diese Wirklichkeiten verantwortlich wissen und überzeugend in ihnen sich betätigen, sie mit Fachkenntnis voranbringen und sich bewusst bleiben, dass sie ihre gesamte christliche Substanz, die oft verschüttet und erstickt erscheint, einsetzen müssen, um so mehr werden diese Wirklichkeiten, ohne etwas von ihrer menschlichen Tragweite zu verlieren oder zu opfern, geradezu eine oft verkannte transzendente Dimension offenbaren, in den Dienst der Erbauung des Reiches Gottes treten und damit in den Dienst des Heiles in Jesus Christus.

Familie

71 Beim Apostolat der Laien muss unbedingt auch das evangelisierende Wirken der Familie genannt werden. Sie hat sich in den verschiedenen Abschnitten der Geschichte den schönen Namen einer „Hauskirche“[106] verdient, den das Zweite Vatikanische Konzil erneut bekräftigt hat. Das bedeutet, in jeder christlichen Familie müssten sich die verschiedenen Aspekte der Gesamtkirche wiederfinden. Außerdem muss die Familie wie die Kirche ein Raum sein, wo das Evangelium ins Leben übersetzt wird und wo daher dieses Evangelium aufleuchtet. Im Schoß einer Familie, die sich dieser Sendung bewusst ist, verkünden alle Familienmitglieder das Evangelium, und es wird ihnen verkündet. Die Eltern vermitteln nicht nur ihren Kindern das Evangelium, sie können dieses gleiche Evangelium auch von ihnen empfangen, und zwar als tief gelebtes Evangelium. Eine solche Familie wirkt auch verkündigend auf zahlreiche weitere Familien und das Milieu, zu dem sie gehört.

Auch die Familien, die aus einer Mischehe hervorgegangen sind, haben die Pflicht, ihren Kindern Christus zu verkünden mit allen aus der gemeinsamen Taufe sich ergebenden Konsequenzen. Ferner haben sie die nicht leichte Aufgabe, auf die Verwirklichung der Einheit hinzuwirken.

Jugend

72 Die Umstände legen uns an diesem Punkt eine besondere Aufmerksamkeit für die Jugendlichen nahe. Ihre große Zahl und ihre wachsende Präsenz in der Gesellschaft, die Probleme, mit denen sie ringen, sollten alle zu dem Bemühen aufrufen, sie begeistert und klug zugleich das Ideal des Evangeliums kennen und leben zu lehren. Im übrigen gilt natürlich, dass die Jugendlichen, selbst im Glauben und im Gebet fest begründet, immer mehr selber zu Aposteln für die Jugend werden müssen. Die Kirche zählt sehr auf diesen Beitrag, und auch wir selbst haben schon zu wiederholten Malen Unser großes Vertrauen in sie zum Ausdruck gebracht.

Verschiedene Dienstämter

73 Die aktive Präsenz der Laien innerhalb der irdischen Wirklichkeiten erhält somit ihre volle Bedeutung. Dennoch darf man nicht die andere Dimension vernachlässigen oder vergessen: die Laien können sich auch berufen fühlen oder berufen werden zur Mitarbeit mit ihren Hirten im Dienst der kirchlichen Gemeinschaft, für ihr Wachstum und ihr volles Leben. Sie können dabei sehr verschiedene Dienstaufgaben übernehmen, ja nach der Gnade und den Charismen, die der Herr ihnen jeweils schenkt.

Mit großer innerer Freude sehen Wir vor Uns die unübersehbare Zahl der Hirten, Ordensleute und Laien, die ihren Auftrag zur Evangelisierung begriffen haben und immer besser geeignete Wege suchen, das Evangelium wirksam zu verkündigen. Wir ermutigen die Öffnung, die die Kirche auf diesem Gebiet heute vorgenommen hat. Sie öffnet sich nicht nur neuen Einsichten, sondern auch neuen kirchlichen Diensten, die dazu beitragen können, die der Kirche eigene Dynamik in der Evangelisierung zu erneuern und zu stärken. Neben den Dienstämtern, die eine Weihe erfordern und durch die einige zu Hirten bestellt werden und sich in besonderer Weise dem Dienst an der Gemeinschaft widmen, erkennt die Kirche sicher auch die nicht an eine Weihe gebundenen Dienste an; diese müssen der Kirche freilich einen besonderen Nutzen gewährleisten.

Ein Blick auf die Ursprünge der Kirche macht vieles klar und erlaubt, eine alte Erfahrung bei den Dienstämtern aufzugreifen. Diese Erfahrung ist um so wertvoller, weil sie es der Kirche erlaubte, zu wachsen, sich zu festigen und auszubreiten. Dieses Hinschauen auf die Quellen muss freilich durch eine andere Sicht ergänzt werden. es braucht auch den Blick auf die heutigen Nöte der Menschheit und der Kirche. Aus diesen Quellen zu schöpfen, die immer Anregung vermitteln, nichts von diesen Werten zu opfern und es zu verstehen, sich den heutigen Bedürfnissen und Nöten anzupassen, diese Grundsätze führen dazu, dass man in kluger Einsicht diejenigen Dienste herausfindet und ins Licht rückt, die die Kirche braucht und die zugleich von vielen ihrer Mitglieder gern aufgenommen werden, damit die kirchliche Gemeinschaft möglichst große Lebendigkeit gewinnt.

Diese Dienstämter werden dann seelsorglich fruchtbar in dem Maße, wie sie in voller Achtung vor der Einheit entstehen und den Richtlinien der Hirten entsprechen, die für die Einheit der Kirche die verantwortlichen Garanten sind.

Solche Ämter, die zwar neu in ihrer Erscheinungsform, aber doch sehr mit den Erfahrungen zusammenhängen, die die Kirche im Laufe ihrer Geschichte gemacht hat – z. B. das Amt des Katecheten, des Vorbeters, des Vorsängers, der Christen, die sich zum Dienst am Wort Gottes oder zur Hilfstätigkeit für den Bruder in Not bereitstellen, das Amt des Leiters kleiner Gemeinschaften, des Verantwortlichen apostolischer Bewegungen oder der übrigen verantwortlichen Leiter –, sind alle wertvoll für die Einpflanzung, das Leben und Wachsen der Kirche, für die ihr eigene Fähigkeit, in ihre Umgebung und bis hin zu den Fernstehenden auszustrahlen. Wir schulden besondere Wertschätzung auch alle den Laien, die es auf sich nehmen, einen Teil ihrer Zeit, ihrer Kraft und zuweilen ihr ganzes Leben für die Arbeit in den Missionen zur Verfügung zu stellen.

Für alle, die in der Evangelisierung arbeiten, ist eine gediegene Ausbildung unerlässlich. Sie ist noch notwendiger für jene, die sich in den Dienst der Wortverkündigung stellen. Getrieben von der sich stets vertiefenden Überzeugung von der Größe und dem Reichtum des Gotteswortes, müssen diejenigen, die die Sendung erhalten haben, es weiterzugeben, besondere Beachtung der Würde, dem Ausdruck und der Anpassung ihrer Sprechweise schenken. Jeder weiß, dass die Kunst des Redens heute von großer Bedeutung ist. Wie könnten dann Prediger und Katecheten sie vernachlässigen? Es ist Unser ausdrücklicher Wunsch, dass die Bischöfe in ihren Teilkirchen auf eine entsprechende Ausbildung all jener achten, die im Dienst des Wortes stehen. Eine gediegene Vorbereitung wird in ihnen das Gefühl der Sicherheit, aber auch die Begeisterung für die Verkündigung Jesu Christi in unserer Zeit stärken.

VII. Der Geist der Evangelisierung Dringender Aufruf

Dringender Aufruf

74 Dieses Gespräch mit euch, geliebte Mitbrüder, Söhne und Töchter, möchten Wir nicht ohne einen dringenden Hinweis auf die innere Haltung beschließen, die die Träger der Evangelisierung kennzeichnen muss. Im Namen Jesu Christi und im Namen der Apostelfürsten Petrus und Paulus ermahnen Wir alle diejenigen, die dank der Charismen des Heiligen Geistes und im Auftrag der Kirche echte Verkünder des Wortes Gottes sind, dieser Berufung würdig zu sein, sie auszuüben, ohne sich von Zweifel oder Furcht beeinträchtigen zu lassen, die Voraussetzungen nicht zu übersehen, welche die Evangelisierung nicht nur möglich, sondern auch wirksam und fruchtbar machen. Unter vielen anderen wollen Wir folgende grundlegende Voraussetzungen hervorheben.

In der Kraft des Heiligen Geistes

75 Ohne das Wirken des Heiligen Geistes wird die Evangelisierung niemals möglich sein. Auf Jesus von Nazaret kommt der Heilige Geist bei der Taufe herab, als die Stimme des Vaters mit den Worten „Du bist mein geliebter Sohn; an dir habe ich mein Wohlgefallen“[107] vernehmbar seine Auserwählung und Mission offenbart. „Vom Geiste geführt“, durchlebt er in der Wüste die entscheidende Auseinandersetzung und letzte Prüfung vor Beginn dieser Sendung[108]. „In der Kraft des Geistes kehrt er nach Galiläa zurück“[109] und setzt in Nazaret den Anfang seiner Predigt, indem er auf sich selbst die Jesaja-Stelle anwendet: „Der Geist des Herrn ruht auf mir“.„Heute“, so verkündet er, „hat sich dieses Schriftwort vor euren Ohren erfüllt“ [110]. Bei der Sendung der Jünger hauchte er sie an und sprach: „Empfanget den Heiligen Geist“[111].

Erst nachdem der Heilige Geist am Pfingstfest auf sie herabgekommen war, brachen die Apostel zu den Grenzen der Erde auf, um mit dem großen Evangelisierungswerk der Kirche zu beginnen. Petrus deutet dieses Ereignis als die Verwirklichung der Weissagung des Joël: „Ich werde meinen Geist ausgießen“ [112]. Petrus ist vom Heiligen Geiste erfüllt, um vor dem Volk von Jesus, dem Sohne Gottes, zu sprechen[113]. Auch Paulus wird „vom Heiligen Geiste erfüllt“[114], ehe er sich dem Apostolischen Dienst hingibt; ebenso Stephanus, als er für das Diakonat erwählt wird und später zum Blutzeugnis[115]. Der Geist, der Petrus, Paulus oder die Zwölf sprechen lässt und ihnen die Worte eingibt, die sie verkünden sollen, kommt auch „auf die, die das Wort hören“[116], herab.

„Durch die Hilfe des Heiligen Geistes“ geschieht es, dass die Kirche „wächst“[117]. Der Heilige Geist ist die Seele der Kirche. Er ist es, der den Gläubigen den tiefen Sinn der Lehre Jesu und seines Geheimnisses erklärt. Er ist derjenige, der heute wie in den Anfängen der Kirche in all jenen am Werk ist, die das Evangelium verkünden und sich von ihm ergreifen und führen lassen; er legt ihnen Worte in den Mund, die sie allein niemals finden könnten, und bereitet zugleich die Seele des Hörers auf den Empfang der Frohbotschaft und der Verkündigung des Gottesreiches vor. Die Methoden der Evangelisierung sind sicher nützlich, doch können auch die am meisten vervollkommneten unter ihnen das verborgene Wirken des Heiligen Geistes nicht ersetzen. Ohne ihn richtet auch die geschickteste Vorbereitung des Verkündigers nichts aus. Die eingängigste Dialektik bleibt auf den Menschen wirkungslos ohne ihn. Ohne ihn erweisen sich auch die höchstentwickelten soziologischen und psychologischen Methoden als wert- und inhaltslos. Wir erleben in der Kirche einen Zeitabschnitt, der in besonderer Weise vom Geist gekennzeichnet ist. Überall sucht man ihn besser zu erkennen – so, wie ihn die Schrift offenbart. Freudig schließt man sich seiner Bewegung an. Man versammelt sich um ihn; man will sich von ihm führen lassen. Wenn nun aber der Geist Gottes einen hervorragenden Platz im gesamten Leben der Kirche einnimmt, so ist der Auftrag eben dieser Kirche, das Evangelium zu verkünden, der eigentliche Bereich seines Wirkens.

Nicht von ungefähr vollzog sich der großartige Aufbruch zur Evangelisierung am Pfingstmorgen unter dem Stürmen des Heiligen Geistes.

Man könnte sagen, der Heilige Geist ist der Erstbeweger der Evangelisierung: er ist es, der jeden antreibt, das Evangelium zu verkünden, und er ist es auch, der die Heilsbotschaft in den Tiefen des Bewusstseins annehmen und verstehen läßt[118]. Doch könnte man genauso gut sagen, er sei das Ziel der Evangelisierung: er allein bewirkt die Neuschöpfung, die neue Menschheit, zu der die Evangelisierung führen soll; Einheit in der Vielheit, welche die Evangelisierung in der christlichen Gemeinschaft verwirklichen will. Durch ihn dringt das Evangelium bis in das Innerste der Welt, denn er ist es, der die Zeichen der Zeit – Zeichen Gottes – erkennen lässt, welche die Evangelisierung entdeckt und innerhalb der Geschichte zur Geltung bringt.

Die Bischofssynode von 1974, die ja die Bedeutung des Heiligen Geistes in der Evangelisierung sehr hervorhob, hat auch dem Wunsch Ausdruck verliehen, dass die Hirten und Theologen – und Wir würden sagen, auch die durch die Taufe mit dem Siegel des Geistes bezeichneten Gläubigen – das Wesen und die Weise des Wirkens des Heiligen Geistes in der heutigen Evangelisierung noch besser erforschen sollten. Wir machen Uns diesen Wunsch zu eigen und ermahnen zugleich die Träger der Evangelisierung, wer immer sie auch seien, unablässig voller Glaube und Eifer den Heiligen Geist zu erbitten und sich von ihm führen zu lassen als dem entscheidenden Inspirator ihrer Pläne, ihrer Initiativen und ihrer Verkündigungstätigkeit.

Die Echtheit des Lebenszeugnisses

76 Betrachten wir nun die Person des Verkündigers selbst. Oft wird heute gesagt, unser Jahrhundert verlange geradezu nach Echtheit. Besonders von der Jugend sagt man, sie habe einen Abscheu vor allem Gekünstelten, Unechten und suche vor allem Wahrheit und Transparenz. Solche „Zeichen der Zeit“ sollten uns wachsam finden. Still oder in lautstarken Ausbrüchen, immer aber voller Eindringlichkeit, fragt man uns: Glaubt ihr wirklich an das, was ihr verkündet? Lebt ihr, was ihr glaubt? Predigt ihr wirklich, was ihr lebt? Mehr denn je ist das Zeugnis des Lebens eine wesentliche Bedingung für die Tiefenwirkung der Predigt geworden. Durch diese enge Verbindung sind wir bis zu einem gewissen Grade verantwortlich für den Erfolg des Evangeliums, das wir verkünden.

„Wie steht es mit der Kirche zehn Jahre nach dem Abschluss des Konzils?“ - so fragten Wir zu Beginn dieser Überlegungen. Ist sie im Herzen der Welt verankert und dennoch frei und unabhängig genug, die Welt in Frage zu stellen? Gibt sie Zeugnis von der Solidarität mit den Menschen und zugleich vom Absolutheitsanspruch Gottes? Ist sie eifriger in der Betrachtung und Anbetung, ist sie engagierter in der Mission, Caritas und Befreiung? Setzt sie sich noch entschiedener für die Verwirklichung der vollkommenen Einheit unter den Christen ein, die das gemeinsame Zeugnis immer wirksamer macht, „damit die Welt glaube“[119]? Wir alle sind verantwortlich für die Antworten, die man auf diese Fragen geben mag.

So mahnen Wir Unsere Mitbrüder im Bischofsamt, die vom Heiligen Geiste mit der Leitung der Kirche Gottes betraut worden sind[120]. Wir ermahnen die Priester und Diakone, Mitarbeiter der Bischöfe in der Aufgabe, das Volk Gottes zu sammeln und die Ortsgemeinden geistlich zu betreuen. Wir ermahnen die Ordensleute, Zeugen einer Kirche, die zur Heiligkeit berufen ist; sie selbst sind dadurch eingeladen zu einem Leben, das von den Seligpreisungen des Evangeliums Zeugnis ablegt. Wir ermahnen die Laien, die christlichen Familien, die Jungen und die Erwachsenen, die Berufstätigen, die Führungspersönlichkeiten; nicht zu vergessen die Armen, die oft reich im Glauben und in der Hoffnung sind; alle Laien, die sich ihrer Rolle als Träger der Evangelisierung im Dienst ihrer Kirche oder im Herzen der Gesellschaft und der Welt bewusst sind. Ihnen allen sagen Wir: Es ist unabdingbar, dass unser Verkündigungseifer aus einer echten Heiligkeit unseres Lebens kommt, die aus dem Gebet und vor allem aus der Eucharistie Kraft und Stärkung erhält, und dass – wie uns das Zweite Vatikanische Konzil ans Herz legt – die Predigt ihrerseits den Prediger zu größerer Heiligkeit führt[121].

Eine Welt, die – so paradox es klingt – trotz unzähliger Zeichen der Ablehnung Gottes ihn auf unerwarteten Wegen sucht und schmerzlich spürt, dass sie seiner bedarf; eine solche Welt fordert Verkünder, die von einem Gott sprechen, den sie kennen und der ihnen so vertraut ist, als sähen sie den Unsichtbaren[122]. Die Welt verlangt und erwartet von uns Einfachheit des Lebens, Sinn für das Gebet, Nächstenliebe gegenüber allen, besonders gegenüber den Armen und Schwachen, Gehorsam und Demut, Selbstlosigkeit und Verzicht. Ohne diese Zeichen der Heiligkeit gelangt unser Wort nur schwer in die Herzen der Menschen unserer Zeit. Es läuft Gefahr hohl und unfruchtbar zu sein.

Das Bemühen um Einheit

77 Die Kraft der Evangelisierung wird sehr geschwächt, wenn die Verkündiger des Evangeliums unter sich durch vielfältige Spaltungen entzweit sind. Ist das nicht eine der Hauptwurzeln des Unbehagens in der heutigen Evangelisierung? Wenn in der Tat das von uns verkündete Evangelium von Lehrstreitigkeiten, von ideologischen Gegensätzen oder von gegenseitigen Verurteilungen unter Christen zerrissen erscheint, weil sie unterschiedliche Auffassungen über Christus und die Kirche haben, ja und dies sogar wegen unterschiedlicher Auffassungen von der Gesellschaft und den vom Menschen geschaffenen Institutionen geschehen kann – wie sollen dann die Empfänger unserer Verkündigung nicht verwirrt und auf Irrwege geführt werden oder gar an dieser Verkündigung Ärgernis nehmen? Das geistliche Testament des Herrn sagt uns, dass die Einheit der Gläubigen nicht nur die Probe dafür ist, dass wir Christus angehören, sondern auch der Beweis, dass er vom Vater gesandt ist: also Test der Glaubwürdigkeit der Christen wie auch Christi selbst. Träger der Evangelisierung, dürfen wir den an Christus Glaubenden nicht das Bild von zerstrittenen und durch Fronten getrennten, keineswegs erbaulichen Menschen geben, sondern das Bild von Persönlichkeiten, die im Glauben gereift und fähig sind, einander jenseits aller konkreten Spannungen in der gemeinsamen, aufrichtigen und lauteren Wahrheitssuche zu begegnen. Wirklich, das Schicksal der Evangelisierung ist mit aller Bestimmtheit an das von der Kirche gebotene Zeugnis der Einheit gebunden. Daraus ergibt sich Verantwortung, aber auch Trost.

An dieser Stelle möchten Wir in einer besonderen Weise das Zeichen der Einheit unter allen Christen noch eigens als Weg und Mittel der Evangelisierung hervorheben. Die Spaltung der Christen ist ein so schwerwiegender Umstand, dass dadurch das Werk Christi selbst in Mitleidenschaft gezogen wird. Das Zweite Vatikanische Konzil stellt deutlich und nachdrücklich fest, dass die Spaltung „für alle ein ernstes Vorurteil für die heilige Sache der Verkündigung des Evangeliums darstellt und für viele den Zugang zum Glauben verschließt“[123].

Darum haben Wir es bei der Ankündigung des Heiligen Jahres für notwendig erachtet, allen Gläubigen der katholischen Welt in Erinnerung zu rufen, dass „die Versöhnung aller Menschen mit Gott, unserem Vater, von der Wiederherstellung der Gemeinschaft mit jenen abhängt, die schon im Glauben Jesus Christus als den Herrn der Barmherzigkeit erkannt und aufgenommen haben, der die Menschen befreit und sie im Geiste der Liebe und Wahrheit eint“[124]. Mit großer Hoffnung verfolgen Wir die Anstrengungen, die in der ganzen christlichen Welt für die Wiederherstellung der vollen, von Gott gewollten Einheit unternommen werden. Der hl. Paulus versichert uns diesbezüglich: „Die Hoffnung aber kann nicht trügen“[125].

Während Wir Uns noch darum bemühen, vom Herrn diese volle Einheit zu erlangen, ist es Unser Wunsch, dass um so inständiger gebetet werde. Ferner machen Wir Uns ein Anliegen der Väter der dritten Generalversammlung der Bischofssynode zu eigen, dass man mit noch größerer Entschlossenheit mit unseren Brüdern in Christus zusammenarbeitet, mit denen Wir noch nicht in einer vollkommenen Gemeinschaft verbunden sind, indem Wir Uns hierbei auf die Grundlage der Taufe und des Glaubensgutes stützen, das Uns gemeinsam ist. Auf diese Weise legen Wir schon jetzt vor der Welt im gleichen Werk der Evangelisierung ein noch umfassenderes gemeinsames Zeugnis für Christus ab. Dazu drängt Uns der Auftrag Christi, dies fordert von Uns die Pflicht, zu predigen und vom Evangelium Zeugnis zu geben.

Im Dienst der Wahrheit

78 Das Evangelium, mit dem Wir betraut sind, ist auch Wort der Wahrheit. Eine Wahrheit, die frei macht[126] und die allein den Frieden des Herzens vermittelt, das ist es, was die Menschen suchen, wenn Wir ihnen die Frohbotschaft verkünden: Wahrheit über Gott, Wahrheit über den Menschen und seine geheimnisvolle Bestimmung, Wahrheit über die Welt; eine schwierige Wahrheit, die wir im Worte Gottes suchen und von der, noch einmal gesagt, gilt, dass Wir weder ihre Meister noch ihre Besitzer sind, sondern nur die Verkünder, die Diener.

Von jedem Träger der Evangelisierung wird erwartet, dass er die Wahrheit verehrt, um so mehr als ja die Wahrheit, die er vertieft oder mitteilt, nichts anderes ist als die geoffenbarte Wahrheit und damit mehr als jede andere Teil jener Urwahrheit, welche Gott selber ist. Der Prediger des Evangeliums muss also jemand sein, der selbst um den Preis persönlichen Verzichtes und gar Leidens immer die Wahrheit sucht, die er den anderen übermitteln soll. Er wird die Wahrheit niemals verraten noch verbergen, um den Menschen zu gefallen, ihr Staunen zu erregen oder sie zu schockieren, weder durch Originalität noch im Drang nach Geltung. Er verweigert sich der Wahrheit nicht. Er verdunkelt die geoffenbarte Wahrheit nicht, weil er zu träge wäre, sie zu suchen, oder aus Bequemlichkeit oder auch aus Furcht. Er versäumt nicht, sie zu studieren. Er dient ihr großzügig, ohne sie zu vergewaltigen.

Die Hirten des Gottesvolkes, unser pastoraler Dienst drängt uns, die Wahrheit zu hüten, zu verteidigen und zu verkünden, ohne auf etwaige Opfer zu schauen. Wie viele hervorragende und heilige Hirten haben uns nicht ein in vielen Fällen sogar heroisches Beispiel dieser Wahrheitsliebe hinterlassen! Der Gott der Wahrheit erwartet von Uns, dass Wir ihm wachsame Verteidiger sind und ergebene Verkünder.

Lehrer, die ihr ja seid, Theologen, Exegeten und Historiker, das Werk der Evangelisierung bedarf eurer unermüdlichen Forschungsarbeit wie auch eurer Aufmerksamkeit und eures feinen Gespürs in der Übermittlung der Wahrheit, der eure Studien euch näher bringen, die aber immer größer ist als des Menschen Herz, denn sie ist die Wahrheit Gottes selbst.

Eltern und Erzieher, eure Aufgabe – die die vielfältigen gegenwärtigen Konflikte wahrhaftig nicht leicht machen – ist es, euren Kindern und Schülern bei der Entdeckung der Wahrheit zu helfen, einschließlich der religiösen und geistlichen Wahrheit.

Von Liebe beseelt

79 Das Werk der Evangelisierung setzt im Verkündiger eine stets wachsende brüderliche Liebe zu den Menschen voraus, denen er das Evangelium verkündet. Das Vorbild eines Trägers der Evangelisierung, der Apostel Paulus, schreibt an die Thessalonicher das folgende Wort, das für uns alle ein Programm darstellt: „Weil wir euch zugetan waren, wollten wir euch nicht nur am Evangelium Gottes teilhaben lassen, sondern auch an unserem eigenen Leben, denn ihr wart uns sehr lieb geworden“[127]. Was ist das für eine Liebe? Sehr viel mehr als die eines Erziehers, es ist die Liebe eines Vaters; ja, noch mehr: die Liebe einer Mutter [128]. Das ist die Liebe, die der Herr von jedem Verkündiger der Frohbotschaft erwartet, von jedem, der die Kirche aufbauen will. Ein Zeichen dieser Liebe wird sicher die Sorge sein, die Wahrheit mitzuteilen und in die Einheit einzuführen. Ein Zeichen der Liebe wird es ebenso sein, sich ohne Vorbehalt und Abkehr der Verkündigung Jesu Christi zu weihen. Führen Wir noch einige weitere Zeichen dieser Liebe an. Das erste wäre der Respekt vor der religiösen und geistlichen Lage der Menschen, die man evangelisiert. Respekt vor ihrem eigenen Lebensrhythmus, den man nicht über Gebühr belasten darf. Respekt vor ihrem Gewissen und ihren Überzeugungen, die man nicht brüskieren soll.

Ein weiteres Zeichen dieser Liebe ist die Sorge, den anderen, zumal wenn er in seinem Glauben schwach ist[129], nicht mit Aussagen zu verletzen, die für die Eingeweihten klar sein mögen, doch für die übrigen Gläubigen eher Anlass zu Verwirrung und Ärgernis werden können, zu einer Verwundung der Seele.

Ein Zeichen dieser Liebe wird auch das Bemühen sein, den Christen nicht Zweifel und Ungewissheiten zu vermitteln, die aus einer unzulänglichen Bildung entspringen, sondern ihnen Gewissheiten zu geben; Gewissheiten, die Bestand haben, weil sie im Worte Gottes verankert sind. Die Gläubigen haben diese Gewissheiten für ihr tägliches christliches Leben nötig; sie haben ein Recht darauf als Kinder Gottes, die sich in seinen Armen völlig den Forderungen der Liebe überlassen.

Mit dem Eifer der Heiligen

80 Unser Aufruf lässt sich hier nun vom Eifer der größten Prediger und Verkünder des Evangeliums inspirieren, die ihr Leben dem Apostolat gewidmet haben. Unter ihnen möchten Wir in besonderer Weise an jene erinnern, die Wir im Verlauf des Heiligen Jahres der Verehrung der Gläubigen vorgestellt haben. Sie haben es verstanden, nicht wenige Hindernisse der Evangelisierung zu überwinden.

Von diesen Hindernissen, die sich auch in unserer Zeit stellen, wollen Wir hier jedoch nur eines hervorheben, nämlich den Mangel an Eifer, der um so schwerwiegender ist, weil er aus dem Innern entspringt. Er zeigt sich in der Müdigkeit, in der Enttäuschung, der Bequemlichkeit und vor allem im Mangel an Freude und Hoffnung. Wir ermahnen deshalb alle diejenigen, die auf irgendeine Weise und auf welcher Ebene auch immer mit der Evangelisierung beauftragt sind, gerade den geistlichen Eifer zu fördern [130].

Der geistliche Eifer verlangt zunächst, dass wir alle Alibis beiseite zu schieben verstehen, welche sich der Evangelisierung in den Weg stellen möchten. Die vergänglichsten sind sicher diejenigen, für die man in dieser oder jener Aussage des Konzils eine Stütze zu finden vorgibt.

So hört man allzu oft in den verschiedensten Formen sagen: Eine Wahrheit auferlegen, und sei es die des Evangeliums, einen Weg aufdrängen, sei es der zum Heile, ist nichts anderes als eine Vergewaltigung der religiösen Freiheit. Im übrigen, so fügt man hinzu, wozu überhaupt das Evangelium verkünden, wo doch die Menschen durch die Rechtschaffenheit des Herzens zum Heil gelangen können. Außerdem weiß man doch, dass die Welt und die Geschichte erfüllt sind von „semina Verbi“: wäre es da nicht eine Illusion zu behaupten, das Evangelium dorthin zu bringen, wo es schon immer in diesen Samenkörnern anwesend ist, die der Herr selbst dort gesät hat? Wer sich einmal die Mühe macht, in den Konzilsdokumenten den Fragen auf den Grund zu gehen, welche diese „Alibis“ hier allzu oberflächlich verwerten, der findet dort eine völlig andere Sicht der Dinge.

Sicherlich wäre es ein Irrtum, irgend etwas, was immer es auch sei, dem Gewissen unserer Brüder aufzunötigen. Diesem Gewissen jedoch die Wahrheit des Evangeliums und den Heilsweg in Jesus Christus in voller Klarheit und in absolutem Respekt vor den freien Entscheidungen, die das Gewissen trifft, vorzulegen – „ohne Zwang oder unehrenhafte oder ungehörige Überredung“[131] –, ist gerade eine Ehrung eben dieser Freiheit, der so die Wahl eines Weges angeboten wird, den selbst die Nichtglaubenden für ehrenvoll und erhebend halten. Ist es denn ein Vergehen gegen die Freiheit des anderen, voller Freude eine Frohbotschaft zu verkünden, die man selbst durch die Barmherzigkeit Gottes vernommen hat[132]? Und warum sollten bloß die Lüge und der Irrtum, die Entwürdigung des Menschen und die Pornographie das Recht haben, dargelegt und leider oft auch wegen der Duldsamkeit der Gesetzgebung, der Furcht der Guten und der Dreistigkeit der Bösen mit Hilfe einer zersetzenden Propaganda der Massenmedien den Menschen geradezu aufgedrängt zu werden? Die – wie Wir sagten – respektvolle Verkündigung der Botschaft Christi und seines Reiches ist nicht nur ein Recht des Glaubensboten – sie ist mehr: sie ist seine Pflicht. Und die Menschenbrüder dieses Glaubensboten haben auch ein Recht darauf, von ihm die Verkündigung der Frohbotschaft und des Heils zu empfangen.

Dieses Heil kann Gott, bei wem er will, auf außerordentlichen Wegen wirken, die nur er allein kennt[133]. Und doch ist sein Sohn gerade dazu gekommen, um uns durch sein Wort und sein Leben die ordentlichen Heilswege zu offenbaren. Uns hat er aufgetragen, diese Offenbarung mit seiner Autorität an die anderen weiterzugeben. Es wäre sicher nicht ohne Nutzen, wenn jeder Christ und jeder Verkündiger folgenden Gedankengang im Gebet vertiefte: Die Menschen können durch die Barmherzigkeit Gottes auf anderen Wegen gerettet werden, auch wenn wir ihnen das Evangelium nicht verkünden; wie aber können wir uns retten, wenn wir aus Nachlässigkeit, Angst, Scham – was der hl. Paulus „sich des Evangeliums schämen“ nennt[134] – oder infolge falscher Ideen es unterlassen, dieses zu verkünden?

Denn das heißt, Gottes Anruf zu verraten, der durch die Stimme der Diener des Evangeliums den Samen wachsen lassen will; es hängt von uns ab, ob dieser zu einem Baum heranwachsen und reiche Frucht bringen kann.

Bewahren Wir also das Feuer des Geistes. Hegen Wir die innige und tröstliche Freude der Verkündigung des Evangeliums, selbst wenn Wir unter Tränen säen sollten. Es sei für uns – wie für Johannes den Täufer, für Petrus und Paulus, für die anderen Apostel und die vielen, die sich in bewundernswerter Weise im Lauf der Kirchengeschichte für die Evangelisierung eingesetzt haben – ein innerer Antrieb, den niemand und nichts ersticken kann. Es sei die große Freude Unseres als Opfer dargebrachten Lebens. Die Welt von heute, die sowohl in Angst wie in Hoffnung auf der Suche ist, möge die Frohbotschaft nicht aus dem Munde trauriger und mutlos gemachter Verkünder hören, die keine Geduld haben und ängstlich sind, sondern von Dienern des Evangeliums, deren Leben voller Glut erstrahlt, die als erste die Freude Christi in sich aufgenommen haben und die entschlossen sind, ihr Leben einzusetzen, damit das Reich Gottes verkündet und die Kirche in das Herz der Welt eingepflanzt werde.

Die Ausstrahlung des Heiligen Jahres

81 Damit habt ihr, liebe Brüder, Söhne und Töchter, den Ruf vernommen, der aus der Tiefe Unseres Herzens kommt und ein Echo der Stimme jener Mitbrüder ist, die sich zur dritten Generalversammlung der Bischofssynode versammelt hatten. Es sind Überlegungen, die Wir zum Ende dieses Heiligen Jahres an euch richten wollten. Dieses hat Uns erlaubt, mehr denn je zuvor die Nöte und Anliegen einer sehr großen Zahl von Brüdern – Christen wie Nichtchristen – zu vernehmen; sie alle erwarten von der Kirche das Wort des Heils. Möge das Licht des Heiligen Jahres, das über den Einzelkirchen und über Rom für Millionen mit Gott versöhnter Menschen aufgeschienen ist, gleichermaßen auch nach dem Heiligen Jahr weiter erstrahlen in einem Seelsorgeprogramm für die kommenden Jahre, die den Vorabend eines neuen Jahrhunderts, ja sogar den Vorabend des dritten Jahrtausends des Christentums bedeuten. In diesem Programm möge die Verkündigung des Evangeliums den grundlegenden Gedanken darstellen.

Maria, Leitstern der Evangelisierung

82 Das ist der Wunsch, den Wir voller Freude den Händen und dem Herzen der allerseligsten Jungfrau Maria anvertrauen, der ohne Erbsünde Empfangenen, an diesem Tag, der ihr in besonderer Weise geweiht ist und der zugleich der 10. Jahrestag der Beendigung des Zweiten Vatikanischen Konzils ist. Am Pfingstmorgen hat sie den Beginn der Evangelisierung mit ihrem Gebet unter dem Wirken des Heiligen Geistes eingeleitet. Möge sie der Leitstern einer sich selber stets erneuernden Evangelisierung sein! Die Kirche muss diese getreu dem Auftrag des Herrn durchführen und vollenden – ganz besonders in dieser unserer zugleich schwierigen und hoffnungsvollen Zeit!

Im Namen Christi segnen Wir euch, eure Gemeinden, eure Familien, alle, die zu euch gehören, mit den Worten des hl. Paulus an die Philipper: „Ich danke meinem Gott jedes Mal, wenn ich an euch denke; immer, in jedem meiner Gebete, bitte ich mit Freude für euch alle; ich danke, weil ihr euch gemeinsam für das Evangelium eingesetzt habt. . . Ich habe euch ins Herz geschlossen, denn ihr habt alle Anteil an der Gnade, die mir gewährt ist durch . . . die Verteidigung und Bekräftigung des Evangeliums. Gott ist mein Zeuge, wie ich mich nach euch allen sehne mit der herzlichen Liebe, die Christus Jesus zu euch hat“[135].

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 8. Dezember,

dem Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria,

des Jahres1975, dem dreizehnten Unseres Pontifikates.
Paulus PP. VI.

Anmerkungen

  1. Vgl. Lk 22,32 EU
  2. 2 Kor 2111,28 EU
  3. II. Vatik. Ökum. Konzil, Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 1: AAS 58, 1966, S. 947
  4. Vgl. Eph 2,24 EU; Eph 2,15 EU ; Kol 3,10 EU; Gal 3,27 EU; Röm 13,14 EU ;2 Kor 5,17 EU
  5. 2 Kor 5,20 EU
  6. Vgl. Papst Paul VI., Ansprache zum Abschluss der dritten Generalversammlung der Bischofssynode am 26. Oktober 197: AAS 66, 197, S. 634–635; 637
  7. Papst Paul VI., Ansprache an das Kardinalskollegium am 22. Juni 1973: AAS 65, 1973, S. 383.
  8. 2 Kor 11,28 EU
  9. 2 Tim 5,17 EU
  10. 2 Tim 2,15 EU
  11. Vgl. 2 Kor 2,5 EU
  12. Lk 4,43 EU
  13. Lk 4,43 EU
  14. Lk 4,18 EU; vgl. Jes 61,1 EU
  15. Vgl. Mk 1,1 EU; Röm 1,1-3 EU
  16. Vgl. Mt 6,33 EU
  17. Vgl. Mt 5,3-12 EU
  18. Vgl. Mt 5-7.
  19. Vgl. Mt 10.
  20. Vgl. Mt 13.
  21. Vgl. Mt 18.
  22. Vgl. Mt 24-25
  23. Vgl. Mt 24,36 EU; Apg 1,7 EU; 1 Thess 5,1-2 EU
  24. Vgl. Mt 11,12 EU; Lk 16,16 EU
  25. Vgl. Mt 4,17 EU
  26. Mk 1,27 EU
  27. Lk 4,22 EU
  28. Joh 7,46 EU
  29. Lk 7,43 EU
  30. Joh 11,52 EU
  31. Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Dogm. Konst. über die göttliche Offenbarung Dei verbum, Nr. 4: AAS 58, 1966, S. 818–819.
  32. 1 Petr 2,9 EU
  33. Vgl. Apg 2,11 EU
  34. Lk 4,43 EU
  35. 1 Kor 9,16 EU
  36. Vgl. Erklärung der Synodalväter, Nr. 4: L’Osservatore Romano vom 27. Oktober 1974, S. 6.
  37. Mt 28,19 EU
  38. Apg 2,41.47 EU
  39. Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 8: AAS 57, 1965, S. 11; Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 5: AAS 58, 1966, S. 951–952.
  40. Vgl. Apg 2,42-46 EU; Apg 4,32-35 EU; Apg 5,12-16 EU
  41. Vgl. Apg 2,11 EU; 1 Petr 2,9 EU
  42. Vgl. Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 1, 11-12; AAS 58, 1966, S. 951–952, 959–961.
  43. Vgl. 2 Kor 4,5 EU; Augustinus, Sermo XLVI, De Pastoribus, CCL, XLI, S. 529–530.
  44. Lk 10,16 EU; vgl. Cyprian, De unitate Ecclesiae, 14: PL 4, 527; Augustinus, Enarrat. 88, Sermo, 2, 14: PL 37, 1140; Johannes Chrysostomus, Hom. de capto Eutropio, 6: PG 52, 402.
  45. Eph 5,25 EU
  46. Offb 21,5 EU; vgl. 2 Kor 5,17 EU; Gal 6,15 EU
  47. Vgl. Röm 6,4 EU
  48. Vgl. Eph 4,23-24 EU; Kol 3,9-10 EU
  49. Vgl. Röm 1,16 EU; 1 Kor 1,18 EU; 1 Kor 2,4 EU
  50. Vgl. Nr. 53: AAS 58, 1966, S. 1075.
  51. Vgl. Tertullian, Apologeticum, 39: CCL, I, S. 150–153; Minucius Felix, Octavius, 9 und 31: CSLP, Turin 1963 (2), S. 11–13, 47–48.
  52. 1 Petr 3, 15.
  53. Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 1, 9, 48: AAS 57, 1965, s. 5, 12–14, 53–54; Past. Konst. über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 42, 45: AAS 58, 1966, S. 1060–1061, 1065–1066; Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 1, 5: AAS 58, 1966, S. 947, 951–952.
  54. Vgl. Röm 1,16 EU; 1 Kor 1,18 EU
  55. Vgl. Apg 17,22-23 EU
  56. 1 Joh 3,1 EU; vgl. Röm 14,17 EU
  57. Vgl. Eph 2,8 EU; Röm 1,16 EU. Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Declaratio ad fidem tuendam in mysteria Incarnationis et SS. Trinitatis a quibusdam recentibus erroribus vom 21. Februar 1972: AAS 64, 1972, S. 237–241.
  58. Vgl. 1 Joh 3,2 EU; Röm 8,29 EU; Phil 3,20-21 EU . Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 48–51: AAS 57, 1965, S. 53–58.
  59. Vgl. Kongregation für die Glaubenslehre, Declaratio circa Catholicam Doctrinam de Ecclesia contra nonnullos errores hodiernos tuendam vom 24. Juni 1973: AAS 65, 1973, S. 396–408.
  60. Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Past. Konst. über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 47–52; AAS 58, 1966, S. 1067–1074; Papst Paul VI., Enzyklika Humanae vitae: AAS 60, 1968, S. 481–503.
  61. Papst Paul VI., Ansprache zur Eröffnung der dritten Generalversammlung der Bischofssynode am 27. September 1974: AAS 66, 1974, S. 562.
  62. Papst Paul VI., Ansprache zur Eröffnung der dritten Generalversammlung der Bischofssynode am 27. September 1974: AAS 66, S. 562.
  63. Papst Paul VI., Ansprache an die „Campesinos“ von Kolumbien am 23. August 1968: AAS 60, 1968, S. 623.
  64. Papst Paul VI., Ansprache zum „Tag der Entwicklung“ in Bogotá am 23. August 1968: AAS 60, 1968, S. 627; vgl. Augustinus, Epistola 229, 2: PL 33, 1020.
  65. Papst Paul VI., Ansprache zum Abschluss der dritten Generalversammlung der Bischofssynode am 26. Oktober 1974: AAS 66, 1974, S. 637.
  66. Papst Paul VI., Ansprache bei der Generalaudienz am 15. Oktober 1975: L’Osservatore Romano vom 17. Oktober 1975, S. 1.
  67. Papst Paul VI., Ansprache an die Mitglieder des Laienrates am 2. Oktober 1974: AAS 66, 1974, S. 568.
  68. Vgl. 1 Petr 3,1 EU
  69. Röm 10,14.17 EU
  70. Vgl.1 Kor 2,15 EU
  71. Röm 10,17 EU
  72. Vgl. Mk 10,27 EU; Lk 12,3 EU
  73. Mk 16,15 EU
  74. Vgl. Justinus, I Apologia, 46, 1-4; II Apologia, 7 (8), 1-4; 10, 1-3; 13, 3-4: Florilegium Patristicum II, Bonn 1911 (2), S. 81, 125, 127, 133; Clemens von Alexandrien, Stromata I, 19, 91. 94: S. Ch 30, S. 117–118; 119–120; II. Vat. Ökum. Konzil, Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 11: AAS 58, 1966, S. 960; Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 12: AAS 57, 1965, S. 21.
  75. Eusebius von Caesarea, Praeparatio Evangelica, I, 1: PG 21, 26-28; vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 16: AAS 57, 1965, S. 20.
  76. Vgl. Eph 3,8 EU
  77. Henri de Lubac, Le drame de l’humanisme athée, Ed. spes, Paris 1945.
  78. Vgl. Papst Konst. über die Kirche in der Welt von heute Gaudium et spes, Nr. 59: AAS 58, 1966, S. 1080.
  79. 1 Tim 2,4 EU
  80. Mt 9,36 EU; {[B|Mt|15|32}}
  81. Mt 10,15 EU
  82. Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanae, Nr. 13: AAS 58, 1966, S. 939; vgl. Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 5: AAS 57, 1965, S. 7–8; Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 1: AAS 58, 1966, S. 947.
  83. Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 35: AAS 58, 1966, S. 983.
  84. Augustinus, Enarrat. in Ps 44, 23: CCL XXXVIII, S. 510; vgl. Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 1: AAS 58, 1966, S. 947.
  85. Gregor der Große, Homil. in Evangelia, 19, 1: PL 76, 1154.
  86. Apg 1,8 EU; vgl. Didachè 9, 1: Funk, Patres Apostolici, 1, 22.
  87. Mt 28,20 EU
  88. Vgl. Mt 13,3 EU
  89. Vgl. Mt 13,47 EU
  90. Vgl. Joh 21,11 EU
  91. Vgl. Joh 10,1-16 EU
  92. Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Konst. über die hl. Liturgie Sacrosanctum Concilium, Nr. 37–38: AAS 56, 1964, S. 110; vgl. auch die liturgischen Bücher und andere Dokumente, die vom Hl. Stuhl zur Durchführung der vom selben Konzil gewollten Liturgiereform veröffentlicht worden sind.
  93. Papst Paul VI., Ansprache zum Abschluss der dritten Generalversammlung der Bischofssynode vom 26. Oktober 1974: AAS 66, 1974, S. 636.
  94. Vgl. Joh 15,16 EU; Mk 3,13-19 EU; Lk 6,13-19 EU
  95. Vgl. Apg 1,21-22 EU
  96. Vgl. Mk 3,14 EU
  97. Vgl. Mk 3,14-15 EU; Lk 9,2 EU
  98. Apg 4,8 EU; vgl.Apg 2,14 EU; Apg 3,12 EU
  99. Vgl. Leo der Große, Sermo 69, 3; Sermo 70, 1-3; Sermo 94, 3; Sermo 95, 2: S. Ch. 200, S. 50–52; 58–66; 258–260; 268.
  100. Vgl. I. Ökum. Konzil von Lyon, Konst. Ad apostolicae dignitatis: Conciliorum oecumenicorum Decreta, Ed. Istituto per le Scienze Religiose, Bologna (1973) (3), S. 278; Ökum. Konzil von Vienne, Konst. Ad providam Christi, ebd., S. 343; V. Ökum. Laterankonzil, Konst. In apostolici culminis, ebd., S. 608; Konst. Postquam ad universalis, ebd., S. 609; Konst. Supernae dispositionis, ebd., S. 614; Konst. Divina disponente clementia, ebd., S. 638.
  101. Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 28: AAS 58, 1966, S. 985.
  102. Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 22: AAS 53, 1965, S. 26.
  103. Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 10, 37: AAS 57, 1965, S. 14, 43; Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 39: AAS 58, 1966, S. 986; Dekret über Dienst und Leben der Priester [[Presbyterorum ordinis]], Nr. 2, 12, 13: AAS 58, S. 992, 1010, 1011.
  104. Vgl. 1 Thess 2,9 EU
  105. Vgl. 1 Petr 5,4 EU
  106. Dogm. Konst. über die Kirche Lumen gentium, Nr. 11: AAS 57, 1965, S. 16; Dekret über das Apostolat der Laien Apostolicam actuositatem, Nr. 11: AAS 58, 1966, S. 848; Johannes Chrysostomus, In Genesim Serm. VI. 2: VII,1l: PG 54, 607–608.
  107. Mt 3,17 EU
  108. Mt 4,1 EU.
  109. Lk 4,14 EU
  110. Lk 4,18-21 EU vgl. Jes 61,1 EU
  111. Joh 20,22 EU
  112. Apg 2,17 EU
  113. Vgl. Apg 4,8 EU
  114. Vgl.Apg 9,17 EU
  115. Vgl. Apg 6, 5. 10; 7, 55 EU
  116. Apg 10,44 EU
  117. Vgl. Apg 9,31 EU
  118. Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 4: AAS 58, 1966, S. 950–951.
  119. Vgl. Joh 17,21 EU
  120. Vgl. Apg 20,28 EU
  121. Vgl. Dekret über Dienst und Leben der Priester Presbyterorum ordinis, Nr. 13: AAS 58, 1966, S. 1011.
  122. Vgl. Hebr 11,27 EU
  123. Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes, Nr. 6 : AAS 58 (1966) S. 954-955; vgl. Dekret über den Ökumenismus Unitatis redintegratio , Nr,. 1: AAS 57 (1965) S. 90-91.
  124. Bulle Apostolorum limina, VII: AAS 66 M 1974, S. 305.
  125. Röm 5,5 EU
  126. Vgl, Joh 8,32 EU
  127. 1 Thess 2,8 EU vgl. Phil 1,8 EU
  128. Vgl. 1 Thess 2,7.11 EU; 1 Kor 4,15 EU;Gal 4,19 EU
  129. Vgl. 1 Kor 8,9-13 EU; Röm 14,15 EU
  130. Vgl. Röm 12,11 EU
  131. Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Erklärung über die Religionsfreiheit Dignitatis humanae; Nr. 4; AAS 58, 1966, S. 933.
  132. Vgl. Ebd., Nr. 9–14: a.a.O., S. 935–940.
  133. Vgl. II. Vat. Ökum. Konzil, Dekret über die Missionstätigkeit der Kirche Ad gentes; Nr. 3: AAS 58, 1966, S. 955.
  134. Vgl. Röm 1,16 EU
  135. Phil 1,3-5. 7-8 EU