Weiheakt an die Gottesmutter Maria 1984

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Maria, die Mutter Jesu
Weiheakt

unseres Heiligen Vaters
Johannes Paul II.
an die Gottesmutter Maria
vollzogen in Rom vor dem Angelusgebet
130 Jahre nach der Verkündigung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis

25. März 1984

(Quelle: Der Apostolische Stuhl 1984, 61-64; auch in: Rudolf Graber/Anton Ziegenaus: Die marianischen Weltrundschreiben der Päpste von Pius IX. bis Johannes Paul II., Einführung von Prof. Dr. Leo Scheffczyk; Herausgabe im Auftrag des Institutum Marianum e.V.; Schnell & Steiner Verlag Regensburg 1997; 3. erweiterte und überarbeitete Auflage, Seiten 466-468)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Weihe

Die Familie ist das Herz der Kirche. Aus diesem Herzen erhebe sich heute ein besonderer Akt der Hingabe und des Vertrauens an das Herz der Gottesmutter. Im Heiligen Jahr der Erlösung wollen wir bekennen, dass die Liebe stärker ist als die Sünde und alles Böse, das den Menschen und die Welt bedroht. Voll Demut rufen wir diese Liebe an:   1 „Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter!“ Mit diesen Worten, die die Kirche Christi seit Jahrhunderten betet, wenden wir uns heute im Jubiläumsjahr unserer Erlösung an dich, unsere Mutter.

Dabei wissen wir uns mit allen Oberhirten der Kirche durch jenes besondere Band vereint, durch das wir eine Körperschaft und ein Kollegium bilden, so wie nach dem Willen Christi die Apostel mit Petrus eine Körperschaft und ein Kollegium gebildet haben.

In solcher Einheit verbunden, sprechen wir die Worte dieses Weiheaktes, in den wir erneut die Hoffnungen und Ängste der Kirche für die Welt von heute einschließen wollen. Vor vierzig Jahren und zehn Jahre danach hat dein Diener, Papst Pius XII., angesichts der schmerzlichen Erfahrungen der Menschheitsfamilie die ganze Welt und vor allem jene Völker, denen wegen ihrer Situation deine besondere Liebe und Sorge gilt, deinem unbefleckten Herzen anvertraut und geweiht.

Diese Welt der Menschen und Völker haben auch wir heute vor Augen: die Welt des zweiten Jahrtausends, das sich seinem Ende zuneigt, die Welt unserer Zeit, unsere Welt. Der Worte des Herrn eingedenk: „Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern ... Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt“ (Mt 28,19-20) ist sich die Kirche auf dem Zweiten Vatikanischen Konzil ihrer Sendung in dieser Welt neu bewusst geworden.

Darum, o Mutter der Menschen und Völker, die du alle ihre Leiden und Hoffnungen kennst und mit mütterlichem Herzen an allen Kämpfen zwischen Gut und Böse, zwischen Licht und Finsternis Anteil nimmst, die unsere heutige Welt erschüttern, höre unser Rufen, das wir unter dem Antrieb des Heiligen Geistes direkt an dein Herz richten; umfange mit deiner Liebe als Mutter und Magd des Herrn diese unsere Welt, die wir dir anvertrauen und weihen, erfüllt von Sorge um das irdische und ewige Heil der Menschen und Völker.

In besonderer Weise überantworten und weihen wir dir jene Menschen und Nationen, die dieser Überantwortung und Weihe besonders bedürfen.

„Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesmutter!“ Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten!   2 Vor dir, o Mutter Christi, vor deinem unbefleckten Herzen, möchten wir uns heute zusammen mit der ganzen Kirche mit jener Weihe vereinen, durch die dein Sohn aus Liebe zu uns sich selber dem Vater geweiht hat, indem er sprach: „Für sie weihe ich mich, damit auch sie in Wahrheit' geweiht seien“ (Joh 17,19). Wir wollen uns in dieser Weihe für die Welt und für die Menschen mit unserem Erlöser verbinden; in seinem göttlichen Herzen findet eine solche Weihe die Kraft, Verzeihung zu erlangen und Sühne zu leisten.

Die Kraft dieser Weihe dauert durch alle Zeiten und umfängt alle Menschen, Völker, Nationen; sie überwindet alles Böse, welches der Fürst der Finsternis im Herzen des Menschen und in seiner Geschichte zu wecken vermag und in unseren Zeiten auch tatsächlich geweckt hat. Wie tief empfinden wir das Bedürfnis nach dieser Weihe für die Menschheit und für die Welt, für unsere heutige Welt: der Weihe, die wir in Einheit mit Christus vollziehen. Das Erlösungswerk Christi muss ja durch die Kirche an die Welt vermittelt werden.

Das zeigt das gegenwärtige Jahr der Erlösung, das außerordentliche Jubiläum der ganzen Kirche.

Sei in diesem Heiligen Jahr gepriesen über alle Geschöpfe, du Magd des Herrn, die du dem göttlichen Ruf in vollkommenster Weise folgst.

Sei gegrüßt, die du mit der erlösenden Weihe deines Sohnes auf das engste verbunden bist! Mutter der Kirche! Erleuchte das Volk Gottes auf den Wegen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe! Erleuchte besonders die Völker deren Weihe und Überantwortung du von uns erwartest. Hilf uns, die Weihe Christi für die gesamte Menschheitsfamilie der heutigen Welt in ganzer Wahrheit zu leben!   3 Wenn wir dir, Mutter, die Welt, alle Menschen und Völker anvertrauen, so vertrauen wir dir dabei auch diese Weihe der Welt an und legen sie in dein mütterliches Herz.

O unbeflecktes Herz, hilf uns, die Gefahr des Bösen zu überwinden, das so leicht in den Herzen der heutigen Menschen Wurzel fasst und dessen unermessliche Auswirkungen über dem heutigen Leben lasten und den Weg in die Zukunft zu versperren scheinen. Von Hunger und Krieg: befreie uns!

Von Atomkrieg, unkontrollierbarer Selbstzerstörung und jeder Art des Krieges: befreie uns! Von den Sünden gegen das Leben des Menschen von seinen Anfängen an: befreie uns! Vom Hass und von der Missachtung der Würde der Kinder Gottes: befreie uns!

Von jeder Ungerechtigkeit im sozialen, nationalen und internationalen Leben: befreie uns! Von leichtfertiger Übertretung der Gebote Gottes: befreie uns!

Vom Versuch, in den Herzen der Menschen sogar die Wahrheit von Gott zu ersticken: befreie uns!

Von den Sünden gegen den Heiligen Geist: befreie uns, befreie uns! Höre, Mutter Christi, diesen Hilfeschrei, in welchem das Leid aller Menschen zu Dir ruft, das Leid ganzer Völker! Hilf uns mit der Kraft des Heiligen Geistes, alle Sünde zu besiegen: die Sünde des Menschen und die „Sünde der Welt“ – die Sünde in jeglicher Form.

Noch einmal zeige sich in der Geschichte der Welt die unendliche Heilskraft der Erlösung: die Macht der erbarmenden Liebe! Dass sie dem Bösen Einhalt gebiete! Dass sie die Gewissen wandle! In Deinem unbefleckten Herzen offenbare sich allen das Licht der Hoffnung!

Hintergrund

vgl. den Hintergrund des Weiheaktes an die Gottesmutter Maria 1982.

"Also bereitete Papst Johannes Paul II. jetzt diesen Weiheakt vor. Am 8. Dezember 1983 schickte er Briefe an alle Bischöfe der Weltkirche, einschließlich jene der orthodoxen Kirchen, in denen er sie dazu einlud, mit ihm gemeinsam am Festtag Mariä Verkündigung, dem 25. März 1984, eine Weihe der Welt an das Unbefleckte Herz Mariens zu vollziehen. Zu diesem Zweck ließ er eigens das Gnadenbild von Fatima nach Rom einfliegen, wo es die Nacht in seiner Privatkapelle verbrachte. Am nächsten Morgen wurde die Statue vor dem Petersdom aufgestellt, wo Johannes Paul II. zum Abschluss eines fast zweistündigen Pontifikalamtes die Weiheformel sprach. Zeitgleich vollzogen Hunderte Bischöfe in aller Welt mit ihren Gemeinden denselben Ritus. ... „Ist Russland jetzt geweiht?“, ließ er über seinen Apostolischen Nuntius bei Schwester Lúcia dos Santos nachfragen. Sie bejahte. „Jetzt warten wir auf das Wunder“, meinte der Nuntius. „Gott wird sein Wort halten“, versprach sie."[1]

Kardinal Paul Josef Cordes war päpstlicher Sondergesandter von Papst Franziskus zum Marianischen Kongress anlässlich des 100. Jahrestag der ersten Marienerscheinung in Fatima in Karaganda/Kasachstan am 13. Mai 2017 in der katholischen Kathedrale „Unsere Liebe Frau von Fatima“. Er erzählt über Papst Johannes Paul II.. Dieser „berichtete im kleinen Kreis, wie er in sich den Drang gespürt habe, bei dieser Weihe auch Russland zu benennen, dass er dann aber seinen Beratern nachgegeben habe. Und er erzählte uns darauf mit strahlendem Gesicht: Was er sich versagt hätte, sei aber dennoch vollzogen worden. Auf befreundetem Weg war ihm etwas Wichtiges und für ihn sehr Tröstliches zu Ohren gekommen: Orthodoxe russische Bischöfe hätten seine Weihe der Welt an die Gottesmutter zum Anlass genommen, Maria in besonderer Weise Russland zu weihen. Als er diese Geschichte berichtete, konnte ich ihm seine Freude ansehen – gewiss darüber, dass sei sein dringendes Sehnen erfüllt hatten; aber auch darüber, dass er in seiner eigenen Intuition den Willen Gottes geahnt hatte.“[2]

Folge der Weihe

Am 11. März 1985, wurde Michail Gorbatschow neuer Generalsekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Er kündigte an, dass fortan ein neuer Wind in Rußland wehen würde, sprach von „Glasnost“, Offenheit, und „Perestroika“, Umgestaltung. Es fand in Genf später acht Gipfeltreffen statt, auf denen eine breit angelegte nukleare und konventionelle Abrüstung beschlossen wurde. Es folgte daraufhin das Gesetz der Religionsfreiheit in Russland. Der Kommunismus in Polen und im im östlichen Europa zerbrach. Die Folge war auch, dass die Mauer zwischen Ost- und Westdeutschland fiel, die bislang nicht nur die beiden deutschen Staaten, sondern ganz Europa geteilt hatte.[3] Vgl. dazu den Weiheakt an die Gottesmutter Maria 1991.

Weblinks

Anmerkungen

  1. vgl. Fatima - Das größte Wunder unserer Zeit Kath.net am 13. Oktober 2013 von Michael Hesemann
  2. 'Es ist etwas Wunderbares um unsern katholischen Glauben' Kath.net am 15. Mai 2017
  3. vgl. Fatima - Das größte Wunder unserer Zeit Kath.net am 13. Oktober 2013 von Michael Hesemann
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