Komm-Mit-Kalender

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Der Komm-Mit-Kalender war ein katholischer Jugend-Taschenkalender, ein „Jahrbuch für die Jugend“ – so der Untertitel – , der von 1949 bis 2001 erschienen ist und von Günter Stiff herausgegeben wurde. Äußerlich charakteristisch war der rote Plastikeinband des Kalenders.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

1946 gründete Günter Stiff die Jugendbuchhandlung Universum in Münster (Westfalen), die die erste Jungendbuchhandlung in Deutschland war, und brachte im selben Jahr die Omnibus-Jugendhefteomnibus ist Latein und heißt „für alle“ - heraus. 1947 verfasste er das Buch „1000 Jugendspiele“ und verlegte die Jugendbuchreihe „Tip und seine Bande“ von Klaus Brüne sowie den Film-Dienst. Nach der Währungsreform 1948 brachte Günter Stiff auf Initiative einer Gruppe tatendurstiger Jungen aus Duisburg den ersten deutschen Jugend-Taschenkalender heraus. Stiff hatte nämlich durch seine Jugendbuchhandlung viele Kontakte zu lesehungrigen Jugendlichen, zumal es in der Nachkriegszeit nicht viel Lesestoff für Jugendliche gab wie heute. Der „Deutsche Jungenkalender 1948/49“ – wegen des damaligen Schuljahresbeginns zu Ostern betraf er zwei Jahre – wurde dann in „Komm-Mit-Kalender“ umbenannt. Ebenfalls 1948 kam das Fahrtenbuch „Frohes Jugenleben“ hinzu, das auch weite Verbreitung fand. Für seine verlegerischen Aktivitäten gründete er den Dt.-Jugend-Verlag, der später in Komm-Mit-Verlag umbenannt wurde.

Konzept

Vom inhaltlichen Konzept her wollte Stiff von Anfang an mehrere Elemente jugendgerecht verknüpfen: Zum einen sollte es ein Jugendkalender mit Fahrten-, Lagerromantik sowie Waldläuferwissen sein, zum anderen sollte der Kalender weltanschaulich katholisch ausgerichtet sein und speziell eine apostolarische Grundhaltung haben sowie die Leser dazu bringen, ihren Glauben im Alltag zu leben, also die Welt im Geist des Glaubenes mitzugestalten („ora et labora“). Wegen letzterem Aspekt gehörten auch Artikel zu politischen Themen in den Kalender. Diese Themen wurden immer wichtiger, als die Unionsparteien ihre Aufgaben nicht mehr wahrnahmen und z. B. das Lebensrecht der Ungeborenen vernachlässigten. Aufgelockert wurden die Artikel durch Gebete, Gedichte - meist aus der Romantik -, Sinnsprüche, Symbolgeschichten sowie Leserbriefe.
Von der Zielgruppe her handelte es sich um einen Kalender für Ministranten, Pfadfinder und „Jugendbewegte“ sowie für tatsächlich christdemokratisch orientierte Jugendliche. Bezüglich der letztgenannten Zielgruppen konnte man den Kalender bis Mitte der 1980er Jahre als den Unionsparteien nahestehend bezeichnen.
Komm-Mit berichtete auch immer wieder über die deutsche Frage, speziell über Menschenrechtsverletzungen in der sog. DDR, und stand dem Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nahe. Im Kalender und der Zeitschrift wurden auch die Menschenrechtsverletzungen in den kommunistischen Regimen sowie die Christenverfolgung thematisiert.
Meist unter dem Stichwort „Erst informieren – dann diskutieren“ wurde in jedem Kalender eine Liste von glaubenstreuen katholischen, politisch konservativen Gruppen, Vereinen, Organisationen sowie Verlagen abgedruckt und die Leser aufgefordert, sich dort Informationsmaterial anzufordern, um über diese Themen sprechen zu können. Diese Adressenliste war in den letzten Ausgaben in die Bereiche Lebensrecht, Menschenrechte, kath. Infos, evang. Infos, Jugend-Infos, Jugend-Gruppen, Jugend-Seminare, Infos über Deutschland, Politik-Infos, Verlage sowie Soziales, Ethik und Sonstiges gegliedert.

Entwicklung

Nachdem sich der Kalender etablierte hatte, [1] kamen immer wieder Ferienhelfer nach Münster, wo Günter Stiff lebte. 1974 gründete er das Christoferuswerk (CHR) nach dem Vorbild der amerikanischen Christopher-Bewegung und schuf damit eine organisatorische Grundlage, um sein Jugendschriftenapostolat auszubauen. So konnte ab diesem Zeitpunkt zum einen Ferienhelfer über einen längeren Zeitraum bleiben und außerdem ein journalistisches Volontariat organisiert werden. Nachdem die ersten Volontärin Susanne einige Jahre in Münster war, kam im Jahre 1979 Felizitas Küble, die dann 1986 die Schriftleitung des Kalenders und der KM-Zeitschrift übernahm.
Aus dem Kalender entstanden nach und nach weitere Schriften, die ihn inhaltlich und optisch ergänzten:

  • Komm-Mit-Broschüren mit Schwerpunktartikeln aus den Jahreskalendern: Mit diesen Broschüren wurden einzelne Grundsatzartikel aus dem Kalender nachgedruckt und verbreitet, um in Jugendgruppen Diskussionen anzuregen. Die beiden Broschüren über Liebe und Sexualität fanden eine sehr große Verbreitung und wurden eigens für Österreich nachgedruckt. Ein katholischer Kurzkatechismus mit Symbolgeschichten und Zitaten war ebenfalls bei den Jugendlichen beliebt.
  • Komm-Mit-Zeitschrift: Sie erschien monatlich, dann quartalsweise. Von der KM-Z gab es Sonderausgaben mit bestimmten Schwerpunktthemen, etwa „Der Fels der Welt“ über den evangelischen Pfarrer Richard Baumann, der zum katholischen Glauben konvertierte, als er im Matthäusevangelium die Bedeutung des Papsttums erkannte, oder das Heft „Der Friede ist ein Werk der Gerechtigkeit“ über Papst Pius XII.
  • Foto-Wandkalender: Dieser Wandkalender erschien in verschiedenen Formaten und enthielt Fotos sowie Sinnsprüche.

Medienkampagne 1994

Der linksorientierte Journalist Thomas Leif startete 1994 eine Medienkampagne gegen den Komm-Mit-Kalender, nachdem sich die damalige Bundesfamilienministerin Claudia Nolte positiv über den Kalender geäußert hatte. [2] [3] Der Verlag erlitt große Verlust, obwohl sich viele mit ihm solidarisierten, auch Prominente wie etwa der damaligen Bischof von Fulda, Erzbischof Dyba, oder Prof. Michael Wolffsohn. [4]

Apostolatsaktionen

„Komm-Mit“ war mehr als nur ein Jugendkalender, es war eine Art Lebensstil. Bei glaubenstreuen Jugendlichen, etwa den Pfadfindern der KPE, hatte der Kalender Kultcharakter. Im Laufe der Zeit hat das KM-Team weitere Aktivitäten im Rahmen des Schriftenapostolats entfaltet, die weite Verbreitung fanden.

  • Aufkleberapostolat: Im Zusammenhang mit dem Kalender wurden Aufkleber verbreitet, um das Bekenntnis für den Glauben und christliche Grundwerte zu fördern. So wurde ein Aufkleber in Form eines Stoppschildes verbreitet, das den Schriftzug „Treue schützt vor Aids. Warten bis zur Ehe – Treue in der Ehe“ trug. Am bekanntesten war der Aufkleber mit einem Robbenbaby, das ein Plakat mit dem Schriftzug „Rettet die Menschenbabys! Stoppt Abtreibung!“ hochhielt.
  • Postkarten: Verbreitet wurden u.a. die rote Glaubenspostkarte mit einem Lebenslauf bzw. einer Bildergeschichte für Gott sowie eine Karte mit dem Marienbild von Hans Homoet [5] .
  • Der Ecclesia-Plakatdienst für Kirche und Welt brachte wöchentlich ein mehrfarbiges Plakat heraus, mit dem man Menschen zum Nachdenken anzuregen versuchte. Dieser Plakatdienst existiert heute (2011) noch.

Quellen

  • 40 Jahre Komm-Mit, in: Komm-Mit-Kalender 1988, Münster (Westfalen) 1987, S. 97-108.
  • Was ganz anderes, in: Komm-Mit-Kalender 1999, Münster (Westfalen) 1998, S. 404.
  • Liebe Leser (Editorial), in: Komm-Mit-Kalender 1999, Münster (Westfalen) 1998, S. 412-414.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Vgl. die Kurzcharakterisierung in: Günter Mayer: Geht nicht nach Berchidda, 2. Auflage, Norderstedt 2010, S. 92.
  2. Vgl. zum ganzen Vorfall Felizitas Küble: Konservative zeigen Flagge, JF 28/97 vom 04.07.1997.
  3. Vgl. Nolte-Brief an Kanther, Berliner Zeitung vom 15. Dezember 1994.
  4. Vgl. den Beitrag in: Der Fels 34 (2003), 1, S. 28. (Stand: 8. Oktober 2014)
  5. Vgl. unter http://www.catholicism-wow.de/material.htm das Bild als "Marienposter". (Stand: 8. Oktober 2014)
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