Ewiges Gesetz

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"Das ewige Gesetz (lex aeterna) ist der Plan (Anordnung) der göttlichen Weisheit und Liebe, sofern es die Tätigkeiten und Bewegungen der Geschöpfe auf ihr Ziel hin ordnet, leitet und regiert.[1] Für Augustinus von Hippo ist "das Ewige Gesetz die göttliche Vernunft oder der Wille Gottes, die natürliche Ordnung zu bewahren und verbietet, sie zu stören“.[2]

Durch die Antriebe, die das Schöpferwort ins Innerste der Seinswirklichkeiten geschrieben hat, richtet er sie auf ihre volle Erfüllung aus. Diese dynamische Ausrichtung ist nichts anderes als die göttliche Regierung, die in der Zeit den Plan der Vorsehung verwirklicht, d.h. das ewige Gesetz.[3]

Dieses Gesetz hat für die freien Handlungen der vernunftbegabten Geschöpfe den Charakter einer Sittennorm.[4]

Inhaltsverzeichnis

Begründung der Existenz des Ewigen Gesetzes

In jedem lenkenden und leitenden Geiste, der die Tätigkeit anderer Wesen auf ein Ziel hinführt, muss eine vom Verstand und Willen festgesetzte Anordnung bestehen, welche die Tätigkeiten auf das Ziel hinführt und darum den Charakter eines Gesetzes hat. Nun ist Gott der Schöpfer und Lenker aller Geschöpfe, der durch seine Weisheit und seinen Willen die Tätigkeiten und Bewegungen aller Wesen auf das ihrer Natur entsprechende Ziel hinleitet. Folglich muss es im Geiste Gottes eine von seinem Verstand und Willen festgelegte Ordnung geben, nach der die Tätigkeiten der Geschöpfe zu regeln sind. Da Gott ewig und unveränderlich ist, hat auch dieses Gesetz im Geiste Gottes ewigen, unveränderlichen Bestand. Somit gibt es ein ewiges Gesetz.[5]

Das ewige Gesetz ist formell im Denken und Wollen Gottes, hat aber seinen Grund in der Wesenheit Gottes. Das ewige Gesetz ist darum nicht reiner Willkürwille, wie der theonome Moralpositivismus meint, sondern Vernunftwille Gottes.[6]

Die letzte Begründung des ewigen Gesetzes ist darin zu suchen, das Gott, das höchste Gut, sich den Geschöpfen mitteilen will („Bonum est diffusivum sui“).[7]

Erkennbarkeit des Ewigen Gesetzes[8]

Das ewige Gesetz, sofern es im Geiste Gottes existiert, kann von uns nicht unmittelbar erkannt, sondern nur geschlossen werden, weil wir Gott nicht in seinem Wesen schauen. Doch wird es mittelbar erkannt durch die Kundgabe und Ausprägung in der Schöpfung (Naturgesetze, natürliches Sittengesetz, Ablauf des Weltgeschehens usw.).

Die Kongregation für die Glaubenslehre: erkläärt: Grundprinzipien, die die Vernunft erkennen kann, sind enthalten im »ewigen, objektiven und universalen göttlichen Gesetz, durch das Gott nach dem Ratschluss seiner Weisheit und Liebe die ganze Welt und die Wege der Menschengemeinschaft ordnet, leitet und regiert. Gott macht den Menschen seines Gesetzes teilhaftig, so dass der Mensch unter der sanften Führung der göttlichen Vorsehung die unveränderliche Wahrheit mehr und mehr zu erkennen vermag«.[9]

Merkmale dieser höchsten und letzten Norm

Das ewige Gesetz besitzt die Merkmale der höchsten und letzten Norm (vgl. Einteilung sittliches Gesetz). Es ist von der höchsten Autorität aufgestellt; es ist von keiner höheren Norm mehr abhängig; es trägt den Grund der Geltung in sich und ist maßgebend für alle andern Gesetze; es hat allgemeinverbindlichen Charakter und ist für das Wohl des gesamten Universums, insbesondere für das Wohl (Glück) aller vernunftbegabten Geschöpfe aufgestellt.[10]

Durch das ewige Gesetz erhält die Schöpfung die Würde, ein Widerschein des Unendlichen und Ewigen Gottes zu sein. Es wirkt durch die allen Dingen innewohnende Wesensordnung, durch den inneren Zusammenhang und die Harmonie, von denen der Kosmos widerhallt.[11]

Ewiges Gesetz bei vernunftlosen und vernunftbegabten Wesen

Dem ewigen Gesetze, das im Geiste Gottes existiert, sind alle Dinge unterworfen. Die vernunftlosen Dinge erfüllen es durch ihre naturnotwendig ablaufende Tätigkeit. Die vernunftbegabten Wesen können auf Grund ihrer Erkenntnis und freien Willensentscheidung ihm entsprechen oder nicht. Erfüllen sie es, so werden sie dadurch zu ihrer naturgemäßen Vollendung, zum Endziel oder Ewigen Seligkeit gelangen. Die es nicht erfüllen, werden dem ewigen Gesetze der Strafe unterworfen.[12]

Papst Benedikt XVI. schreibt: „Nicht die Elemente des Kosmos, die Gesetze der Materie, herrschen letztlich über die Welt und über den Menschen, sondern ein persönlicher Gott herrscht über die Sterne, das heißt über das All; nicht die Gesetze der Materie und der Evolution sind die letzte Instanz, sondern Verstand, Wille, Liebe – eine Person”.[13]

Gott ist zugleich oberste Norm für das menschliche Handeln und Endziel für das Streben des Menschen, aber unter verschiedenem Gesichtspunkt. Gott ist oberste Norm auf Grund seines alle menschlichen Handlungen aufs Ziel hinordnenden Vernunftwillens. Er ist Endziel des Menschen kraft seiner unendlichen Vollkommenheit, in deren Besitz (durch Erkennen und Lieben) der Mensch seine letzte Erfüllung (Glück) findet.[14]

Weblinks

Anmerkungen

  1. vgl. Lex aeterna nihil aliud est quam ratio divinae sapientiae, secundum quod est directiva omnium actuum et motionum. Thomas von Aquin: Summa theologiae,I. II. 93. a. l. in: Bernard Kälin: Lehrbuch der Philosophie II, Ethik, umgearbeitet von Raphael Fäh OSB, Selbstverlag Benediktinerkolleg Sarnen 1954, S. 60 (2. Auflage; Imprimatur Curiae, die 8, Juni 1954 † Christianus Caminada Episcopus).
  2. vgl. Augustinus, Contra Faustum, XXII, c. 27: „Lex vero aeterna est ratio divina vel voluntas Dei, ordinem naturalem conservari iubens, perturbare vetans“ in: ein neuer Blick auf das natürliche Sittengesetz, Nr. 26.
  3. Ein neuer Blick auf das natürliche Sittengesetz, Nr. 69.
  4. Kälin: Lehrbuch, S. 61.
  5. Kälin: Lehrbuch, S. 60.
  6. Kälin: Lehrbuch, S. 61.
  7. Ewiges Gesetz im Lexikon der christlichen Moral von Karl Hörmann.
  8. Kälin: Lehrbuch, S. 61.
  9. Erklärung Persona humana, Nr. 3; II. Vat. Konzil, Erklärung Dignitatis humanae, Nr. 3: AAS 58 (1966), S. 931.
  10. Kälin: Lehrbuch, S. 61.
  11. Pius XII.: Weihnachtsansprache Leva ierusalem über Christus und die Harmonie des Kosmos vom 22. Dezember 1957.
  12. Kälin: Lehrbuch, S. 61.
  13. Benedikt XVI., Enzyklika Spe salvi, Nr. 5.
  14. Kälin: Lehrbuch, S. 61.
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