Maximum illud (Wortlaut)

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Apostolisches Schreiben
Maximum illud

von Papst
Benedikt XV.
an alle Ehrwürdigen Brüder, die Patriarchen, Primaten, Erzbischöfe, Bischöfe
und andere Ordinarien, welche in Gnade und Gemeinschaft mit dem Apostolischen Stuhl stehen
über die Ausbreitung des katholischen Glaubens auf dem Erdkreis
30. November 1919

(Offizieller lateinischer Text: AAS XI [1919] 440-455)

(Quelle: Päpstliche Rundschreiben über die Mission von Leo XIII. bis Johannes XXIII., Missionswissenschaftliches Seminar der Universität Würzburg, Herausgegeben von Josef Glazik MSC, Vier-Türme-Verlag 1961 Abtei Münsterschwarzach, S. 18-41, Ausgabe A: Latein und Deutsch. Die kirchliche Druckerlaubnis erteilte: Würzburg, 4.5.1981 Dr. Fuchs, Generalvikar)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Ehrwürdige Brüder,
Gruß und Apostolischen Segen!

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Jenes große und heilige Amt, welches unser Herr Jesus Christus ganz kurz vor seiner Rückkehr zum Vater den Jüngern übertragen hat, indem er sprach: Gehet in alle Welt hinaus und verkündiget das Evangelium der ganzen Schöpfung,[1] sollte mit dem Tode der Apostel nicht aufhören, sondern bei deren Nachfolgern fortdauern bis ans Ende der Zeit, so lange es nämlich Menschen auf Erden geben wird, welche die Wahrheit freimachen soll.[2] Daher ist die Kirche, von dem Augenblick an, als jene aufbrachen und überall das Wort Gottes verkündigten,[3] so dass in alle Länder ihr Schall hinausdrang und bis an die Grenzen des Erdkreises ihre Worte,[4] des göttlichen Auftrags eingedenk gewesen und hat im Verlauf der Jahrhunderte nie aufgehört, die Boten und Diener der von Gott überlieferten Lehre und des dem Menschengeschlecht durch Christus bereiteten ewigen Heiles in alle Weltteile zu entsenden. Selbst in jenem dreihundert jährigen Zeitraum, während dessen zur Unterdrückung der neu entstandenen Kirche eine Verfolgung nach der andern, von der Hölle geschürt, wütete und alles vom Blute der Christen triefte, ist doch die Stimme der Herolde des Evangeliums weit in die Gebiete des römischen Reiches hinaus gedrungen. Nachdem aber der Kirche öffentlich Friede und Freiheit gegeben war, machte sie auf der ganzen Erde viel größere Fortschritte in der apostolischen Wirksamkeit. Vortreffliche Männer heiligen Lebens haben auf diesem Gebiete segensreich gewirkt. Unter diesen hat Gregor der Erleuchter Armenien mit dem christlichen Namen verbunden, Viktorinus Steiermark, Frumentius Äthiopien; Patrik zeugte die Irländer für Christus, Augustinus die Angelsachsen, Kolumba und Palladius die Schotten; dann ergoss Klemens Willibrord das Licht des Evangeliums über Holland, jener erste Bischof von Utrecht; die Völker Deutschlands führten Bonifatius und Ansgar, die slawischen Völker Cyrillus und Methodius zum katholischen Glauben. Von da an öffnete sich den apostolischen Sendboten noch ein viel weiteres Feld, indem Wilhelm von Ruysbroek die Fackel des Glaubens zu den Mongolen trug und der selige Papst Gregor X. die ersten Glaubensboten nach China entsandte. Diesen folgten nachmals die Schüler des heiligen Franz von Assisi und begründeten dort die erhebliche Gemeinde von Gläubigen, welche nicht lange nachher der Ausbruch eines Verfolgungssturmes zerstreute. Als Amerika entdeckt war, nahm sich eine Schar apostolischer Männer, unter denen Bartholomäus de las Casas, diese Zierde und Leuchte des Dominikanerordens, mit Vorzug zu erwähnen ist, der armen Eingeborenen an, sowohl um sie vor ungerechter Unterjochung der Menschen zu schützen, als auch um sie aus der harten Sklaverei der bösen Geister zu befreien. Inzwischen starb Franz Xaver, würdig, geradezu mit den Aposteln verglichen zu werden, an der Schwelle des chinesischen Reiches, dem er zustrebte, nach bewundernswerten Anstrengungen für den Ruhm Christi und das Heil der Seelen in Ostindien und in Japan: es war, als würde er durch seinen Tod für eine neue Verkündigung des Evangeliums in jenen unermesslichen Gebieten das Tor öffnen, in welchen in der Zukunft so viele ruhmbedeckte Mitglieder der religiösen Orden und Missionsgesellschaften, der Verbreitung des Glaubens eifrig hingegeben, im großen Wandel der Verhältnisse und Zeiten dem apostolischen Dienste sich widmen sollten. Zuletzt empfingen das jüngst entdeckte Festland Australien, ebenso die inneren Länderstrecken Afrikas, durch den Mut und die Ausdauer der neueren Entdecker erforscht, die Sendboten des christlichen Glaubens. Und es ist im weiten Stillen Ozean fast keine, wenn auch noch so entfernte Insel, wohin nicht unsere Missionare mit ihrer Tüchtigkeit tatkräftig vorgedrungen wären. Viele sind unter ihnen, die, während sie das Heil ihrer Brüder suchten, nach dem Vorbild der Apostel selbst zur Höhe der Heiligkeit gelangt sind, und nicht wenige, die das Apostelamt mit dem Ruhm des Martyriums krönten und ihren Glauben durch das Vergießen ihres Blutes bekräftigten.

2 Wenn wir nun aber die vielen und großen Anstrengungen, die bei der Ausbreitung des Glaubens von den Unsrigen übernommen worden sind, den großen dafür eingesetzten Eifer, die vielen Beispiele unüberwindlichen Heldenmutes betrachten, dann dürfen wir uns sehr wundern, dass es trotzdem noch immer ungeheuer viele Menschen gibt, die in Finsternis und Todesschatten sitzen;[5] beträgt doch nach neulich angestellter Berechnung die Zahl der Heiden nahezu 1 000 Millionen.

3 Voll Erbarmen mit dem beweinenswerten Los einer so ungeheuren Menge von Seelen, haben Wir gemäß der Heiligkeit Unserer apostolischen Aufgabe nichts Angelegentlicheres zu tun, als dass Wir diesen die Wohltaten der göttlichen Erlösung zuwenden. Daher sehen Wir wahrlich mit Freude und Dankbarkeit, dass in der katholischen Welt sehr vielfach die vom Geiste Gottes angeregten Bestrebungen der Guten zur Förderung und Ausgestaltung der auswärtigen Missionen sich mehren. Diese Bestrebungen zu begünstigen und immerfort anzuregen, gehört zu Unserem Amte und zu Unseren heißesten Wünschen. Daher richten Wir, ehrwürdige Brüder, nach Anrufung der Erleuchtung und Hilfe des Herrn in vielen Gebeten, dieses Sendschreiben an Euch und rufen Euch, Euren Klerus und das Euch ergebene Volk damit auf, indem Wir angeben, wie Ihr euch für diese hochwichtige Sache nützlich machen könnt.

Pflichten der Missionsbischöfe und –oberen

4 Zuvörderst richtet sich Unser Wort an jene, welche als Bischöfe oder als apostolische Vikare oder Präfekten dem kirchlichen Missionswerk vorstehen; auf ihnen lastet die ganze Sorge für die Ausbreitung des Glaubens in erster Linie; auf sie insbesondere setzt die Kirche die Hoffnung auf Ausdehnung. Wir wissen freilich wohl, welcher apostolische Feuereifer sie durchglüht, und haben zuverlässige Kenntnis davon, welche großen Schwierigkeiten sie überwinden und welche Gefahren sie wagen mussten, zumeist in diesen jüngst verflossenen Jahren, nicht nur, um nicht ihr Gebiet und ihre Stationen zu verlassen, sondern auch um das Reich Gottes noch zu erweitern. Im Hinblick auf ihre Ergebenheit und Verehrung gegen diesen Apostolischen Stuhl eröffnen Wir ihnen wie ein Vater seinen Söhnen vertrauensvoll Unser Herz. Sie mögen daher vor allem bedenken, dass sie, wie man zu sagen pflegt, jeder gleichsam die Seele seiner Mission sein sollen. Deshalb sollen sie ihren Priestern und sonstigen Mithelfern in ihrem Amt mit Wort und Tat zum guten Beispiel dienen und sie mit Mut und Antrieb beseelen, stets nach dem Besseren zu streben. Alle nämlich, welche irgendwie in diesem Weinberg des Herrn arbeiten, müssen es erfahren und klar erkennen, dass der Mission ein Vater vorsteht, wachsam und fleißig, voll Nächstenliebe, der mit allen Personen und allen Angelegenheiten mit größter Teilnahme sich befasst, der sich über das Glück der ihm Anvertrauten freut, über ihr Unglück mittrauert, löbliche Versuche und Beginnen fördert und unterstützt, der endlich alles bei seinen Untergebenen wie sein eigen betrachtet. Zustand und Erfolg der Missionen ist überhaupt so verschieden, wie eine jede geleitet wird. Es kann ihnen daher sehr zum Verderben ausschlagen, wenn ein unfähiger oder weniger geeigneter Leiter an ihre Spitze gesetzt wird. Ein jeder, der sein Vaterland und seine teueren Angehörigen um der Verbreitung des christlichen Namens willen verlässt, vertraut sich zumeist einer langen, des öfteren gefährlichen Reise an, entschlossen und bereit, das Härteste auf sich zu nehmen, wenn er nur für Christus recht viele Seelen gewinne. Hat er nun einen sorgsamen Vorgesetzten, der ihm in allen Fällen mit Klugheit und Liebe zur Seite steht, dann wird ohne Zweifel sein Bemühen fruchtreich sein. Im andern Falle aber ist sehr zu fürchten, dass er nach und nach in Mühen und Widrigkeiten sich abmattet, zuletzt den Mut verliert und untätiger Verdrossenheit sich hingibt.

5 Außerdem muss, wer einer Mission vorsteht, in erster Linie dafür sorgen, dass er dieselbe stets vorwärts bringe und völlig entwickle. Denn da die ganze Gegend, die sein Missionsbezirk umfasst, soweit sie nach Länge und Breite sich ausdehnt, seiner Sorge anvertraut ist, so muss er wahrlich das ewige Heil aller insgesamt erstreben, die in demselben Gebiet wohnen. Daher steht es ihm nicht zu, wenn er aus der ungeheuren Menge einige tausend Heiden zum Glauben geführt hat, dabei ruhig einzuhalten. Gewiss, er soll für diejenigen, welche er Christus schon erzeugt hat, sorgen, sie schützen und fördern und nicht zulassen, dass jemand von ihnen auf Abwege komme und verloren ehe. Aber er soll nicht glauben, dass er handle, wie es seine Pflicht ist, wenn er nicht auch sich nach Kräften und ohne Unterbrechung bemüht, die übrigen, deren Zahl vielleicht nur allzu ehr überwiegt, der christlichen Wahrheit und des christlichen Lebens teilhaft zu machen. Daher wird es das Vordringen der Predigt des Evangeliums zum Ohre aller einzelnen beschleunigen und begünstigen, wenn in der Folge andere Stationen und Sitze der Missionare gegründet werden, die ebenso viele Zentren für neue Vikariate und Präfekturen werden sollen, in welche, wenn die Zeit gekommen ist, der Missionsbezirk geteilt werden kann. An dieser Stelle wollen Wir den apostolischen Vikaren das verdiente Lob spenden, so viele ihrer in der beschriebenen Art dem Reiche Gottes immer neuen Zuwachs verschaffen und zu diesem Zwecke Hilfskräfte aus andern Ordensfamilien oder Ordensgesellschaften aufs freudigste aufzunehmen pflegen, wenn sie keine Ergänzung von eigenen haben.

6 Jedoch, wie sehr müsste man hingegen demjenigen die Billigung versagen, der den Teil vom Ackerfeld des Herrn, der ihm zur Bebauung zugewiesen wurde, wie seinen eigenen Besitz betrachtete, den er von fremden Händen gar nicht berühren lassen wollte. Welche Strenge des göttlichen Gerichts hätte dieser zu erwarten, zumal wenn - was, wie Wir erwähnt haben, öfters vorkommt - eine nicht gerade große Zahl von Christen umgeben ist von einer Menge Heiden, zu deren Unterricht er die Hilfe anderer nicht herbeirufen und gebrauchen wollte, obwohl er mit seinen eigenen Lehrkräften nicht ausreichte. Wahrlich, der Vorstand einer christlichen Mission, dem nichts anderes am Herzen liegt als Gottes Ehre und das Heil der Seelen, sucht zu seinem heiligen Amt von allen Seiten Helfer zusammen und legt keinen Wert darauf, wer sie seien, ob sie seinem Orden oder einem andern angehören, seiner oder fremder Nationalität sind ... wenn nur auf alle Weise Christus verkündigt wird.[6] Und nicht nur Helfer, sondern auch Helferinnen, nämlich Ordensschwestern, zieht er für die Schulen, die Waisenhäuser, die Spitäler, die Herbergen und die sonstigen Anstalten christlicher Liebestätigkeit herbei, welchen, wie er weiß, nach dem Willen der göttlichen Vorsehung eine unglaubliche Kraft innewohnt, den Glauben weiter auszubreiten.

7 Des weiteren schließt sich ein guter Missionspräfekt nicht innerhalb seines Gebietes ab, als ob er alles, was draußen geschieht, für wildfremd betrachtete, sondern er wird dem Zug der Liebe Christi folgen, indem er an allem großes Interesse nimmt, was für dessen Ehre irgend Bedeutung besitzt, und mit den Amtsgenossen der Nachbarschaft Freundschaft und Verkehr zu unterhalten suchen. Denn es gibt oft viele gemeinsame Geschäfte, die auf dieselbe Gegend Bezug haben und sich, wie es klar ist, nur gemeinsam erledigen lassen. Außerdem wird es der Religion großen Nutzen bringen, wenn möglichst viele Missionsvorsteher zu festgesetzten Zeiten sich gemeinsam versammeln, um ihre Absichten miteinander zu besprechen und sich durch gegenseitigen Zuspruch zu stärken.

8 Eine Hauptsorge endlich für alle Missionsleiter muss es sein, dass sie aus dem Volke selbst, unter dem sie weilen, Diener des Heiligtums erziehen und schulen. Darin liegt hauptsächlich die Zukunft neuer Kirchen. Denn der einheimische Priester, der durch seine Abstammung, seine Geistesanlage, sein Fühlen und Streben mit seinen Volksgenossen in Verbindung steht, besitzt eine wunderbare Kraft, ihrem Geiste den Glauben beizubringen. Er weiß ja besser als jeder andere, auf welche Weise sie von irgend etwas überzeugt werden können. So geschieht es oft, dass sie leicht dahin Zutritt erhalten, wohin der von auswärts gekommene Priester seinen Fuß nicht setzen darf.

9 Jedoch ist es notwendig, die einheimische Geistlichkeit gut auszubilden und einzuüben. Es genügt dazu keineswegs eine bloß stückweise und unentwickelte Schulung, etwa so, dass jemand gerade geeignet ist, den priesterlichen Dienst zu übernehmen, sondern die Ausbildung muss eine vollkommene und in allen Teilen abgeschlossene sein, so wie sie den Priestern bei den Kulturvölkern gegeben zu werden pflegt. Denn die einheimische Geistlichkeit ist nicht nur soweit auszurüsten, dass sie die von auswärts gekommenen Missionare durch Verrichtung einfacherer Dienstleistungen unterstützt, sondern so, dass sie selbst der Verwaltung des göttlichen Dienstes gewachsen ist und dereinst die Leitung ihres Volkes regelrecht übernehmen kann. Denn wie die Kirche Gottes eine allgemeine ist und bei keinem Volk oder Stamm etwas Fremdes, so gehört es sich, dass aus jedem Volke Diener des Heiligtums erstehen, welchen die Volksgenossen als Lehrern des göttlichen Gesetzes und Führern zum Heilswege sich anschließen. Wo daher einheimische Geistliche in genügender Zahl und von guter Ausbildung und ihres heiligen Berufes würdiger Haltung vorhanden sind, da kann man mit Recht das Werk des Missionars glücklich vollendet und die Kirche vortrefflich begründet nennen. Wenn dann vielleicht auch ein Verfolgungssturm ausbricht, um sie zu erschüttern, so braucht man nicht zu fürchten, dass sie mit diesem Fundamente und Wurzelwerk die feindlichen Angriffe nicht aushalten werde.

10 Der Apostolische Stuhl ist bei den Missionsleitern stets dafür eingetreten, dass sie diese wichtige Amtspflicht der sachlichen Bedeutung entsprechend achteten und sorgsam erfüllten. Zeugen für seine Bestrebung auf diesem Gebiete sind die alten und neuen Kollegien Roms für die Heranbildung von Geistlichen auswärtiger Völker, zumal des orientalischen Ritus. Nach diesem Eintreten der Päpste ist zu beklagen, dass es Länder gibt, in welche seit mehreren Jahrhunderten der katholische Glaube gedrungen ist und dennoch eine eingeborene Geistlichkeit außer solchen von geringerer Bedeutung nicht zu finden ist; ebenso dass es manche Völker gibt, die frühzeitig vom Licht des Evangeliums beschienen worden sind und aus der Barbarei auf eine solche Stufe der Gesittung sich erhoben haben, dass sie hervorragende Männer auf allen den mannigfachen Gebieten der bürgerlichen Berufe besitzen, aber trotz des vielhundertjährigen heilsamen Einflusses der Kraft des Evangeliums und der Kirche, doch bisher weder Bischöfe zu ihrer Leitung noch Priester zur Durchführung der Lebensordnung unter den Bürgern hervorbringen konnten. Es ist also klar, dass die bis heute an einigen Orten angewandte Erziehungsweise der für den Missionsdienst bestimmten Geistlichkeit unzulänglich und fehlerhaft. ist. Um diesen Nachteil zu beseitigen, geben wir dem Verwaltungsrat von der Ausbreitung des Glaubens den Auftrag, festzustellen, was für die verschiedenen Gegenden geeignet ist, und dafür zu sorgen, dass Seminarien, welche für einzelne Gegenden und für mehrere Diözesen zugleich dienlich sind, gegründet oder die bereits gegründeten recht geleitet werden, ganz besonders aber sollte man darauf bedacht sein, wie in den Vikariaten und den sonstigen Missionsstätten eine neue Geistlichkeit heranwachsen könne.

Ermunterung der Missionare

11 Nun wenden Wir uns an Euch, geliebteste Söhne, alle Bebauer des Weinberges des Herrn, in deren Hände zunächst mit der Ausbreitung der christlichen Weisheit das Heil so vieler Seelen gelegt ist. Immer soll euch die Erhabenheit und Größe des Amtes, dem Eure Mühe gewidmet ist, leitend vor Augen schweben. Euer Ziel ist ein göttliches, ganz und weit abliegend von der Armseligkeit menschlicher Rücksichten, nämlich denen, die in Todesschatten liegen,[7] Licht zu bringen und den Weg zum Himmel denen zu öffnen, die ins Verderben zu stürzen drohen. Wisset daher, dass einem jeden von Euch das Wort vom Herrn gesprochen ist: Vergiss dein Volk und das Haus deines Vaters;[8] erinnert Euch, dass Ihr nicht ein Menschenreich zu verbreiten habt, sondern das Christi, und nicht dem Vaterland, das hienieden ist, sondern dem Vaterland, das droben ist, Bürger zuzuführen. Es würde wirklich zu bedauern sein, wenn es Missionare gäbe, die ihrer Würde so uneingedenk schienen, dass sie mehr an das irdische Vaterland als an das himmlische dächten und mehr, als billig ist, danach strebten, des irdischen Vaterlandes Macht zu erweitern und seinen Ruhm vor allem auszudehnen. Das wäre eine gar hässliche Pest des Apostolates, die im Verkünder des Evangeliums alle Empfindungen der Liebe zu den Seelen zerstören würde und sein Ansehen im Volke selbst herabdrückte. Denn mögen Menschen noch so barbarisch und ungeschlacht sein, sie erkennen doch gut genug, was der Missionar für sich will, was er bei ihnen sucht, und mit sehr scharfer Witterung durchschauen sie es, wenn er etwas anderes als ihr geistiges Heil erstrebt. Lasst ihn aber in gewissem Maße weltlichen Plänen dienen und sich nicht als einen allseits apostolischen Mann zeigen, sondern als den Vorkämpfer für die Angelegenheiten seines Vaterlandes, sofort wird bei der Volksmenge all sein Wirken in Verdacht kommen. Dieser Verdacht kann die Menge leicht zu der Meinung führen, die christliche Religion sei die eigene Angelegenheit eines bestimmten auswärtigen Volkes, und den Schein erwecken, wer diese Religion annehme, unterwerfe sich dem Schutz und der Herrschaft des auswärtigen Staates und begebe sich des eigenen Bürgerrechtes.

12 Große Betrübnis haben Uns jene Nachrichten über die Missionsangelegenheiten bereitet, die man gerade in den letzten Jahren unter das Volk zu bringen angefangen hat, und in welchen nicht so sehr der Eifer für die Verbreitung des Reiches Gottes als der für die Vermehrung der Größe des eigenen Staates zutage tritt; und Wir wundern uns, dass man sich gar nicht darum kümmert, wie sehr dies die Seelen der Heiden von der heiligen Religion ab wendig macht. Nicht so macht es der katholische Missionar, der dieses Namens würdig ist, sondern er ist sich stets bewusst, dass er keineswegs für sein eigenes Heimatvolk, sondern für Christus seiner Sendung waltet,[9] und richtet sein Benehmen so ein, dass jeder ohne allen Zweifel erkennt, dass er ein Diener jener Religion ist, welche, da sie alle Menschen umfasst, die Gott im Geiste und in der Wahrheit anbeten, keinem Volke fremd ist und wo nicht Heide und Jude, Beschneidung oder Vorhaut, Barbar und Skythe, Knecht und Freier ist, sondern alles und in allem Christus.[10] Vor einem andern Fehler muss sich weiterhin der Missionar mit größter Sorgfalt hüten, nämlich dass er nicht andere Gewinne machen wolle als solche der Seelen. Doch darüber bedarf es nicht weiterer Worte. Denn wenn jemanden die Gewinnsucht beseelt, wie kann er einzig nach der göttlichen Ehre streben, wie er soll, und wie wird er, um sie zu fördern, in der Führung anderer zum Heile all das Seine, selbst sein Leben einzusetzen bereit sein? Dazu kommt, dass ihm deshalb viel an Ansehen bei den Ungläubigen verloren geht, am meisten dann, wenn, was sehr leicht eintritt, der Erwerbsgeist bereits zum Laster des Geizes hinabgesunken ist. Es gibt weder für die Menschen etwas Verächtlicheres noch etwas des Reiches Gottes Unwürdigeres als diesen Schmutz. Der gute Verbreiter des Evangeliums wird daher hierin eifrigst dem Völkerapostel nachfolgen, der nicht allein jene Ermahnung an Timotheus gab: Wenn wir die Nahrung haben und das, womit wir uns bedecken können, so wollen wir damit zufrieden sein,[11] da er ja das Lob der Genügsamkeit so hoch schätzte, dass er bei aller Inanspruchnahme durch die Sorgen seines mühereichen Amtes dennoch durch eigene mühevolle Handarbeit sich seinen Unterhalt verschaffte.

Ausbildung der Missionare

13 Der Missionar muss natürlich, bevor er an das Apostolat herantritt, sich eine sorgfältige Ausbildung verschaffen, wiewohl vielleicht jemand sagen möchte, es sei das Wissen von so vielen Dingen für den nicht nötig, der bei Völkern, die aller Gesittung fern stehen, Christus verkündigen soll. Denn wenn es auch außer Frage steht, dass zur heilbringenden Bekehrung der Seelen die Ausrüstung mit Tugenden mehr vermag als die mit Wissenschaft, so wird doch derjenige, der nicht mit Wissenschaft als seinem Schutzgeleite versehen ist, oft finden, dass ihm viele Hilfe für die Fruchtbarkeit seines heiligen Dienstes abgeht. Denn oft wird er keinen Vorrat an Büchern haben und keinen Verkehr mit Gelehrten, die er befragen könnte, während er doch denjenigen, die Fragen an ihn stellen, antworten soll, was immer sie gegen den Glauben einwenden, und auch die schwierigsten Fragen lösen soll. Je mehr Bildung ferner er verrät, desto größer wird seine Achtung beim Volke werden, zumal wenn er unter einer Bevölkerung weilt, bei welchen die wissenschaftlichen Studien Ehre und Wertschätzung genießen. Es wäre eine allzu große Unehre, wenn die Boten der Wahrheit auf diesem Gebiete von den Dienern des Irrtums übertroffen würden. Wenn daher der geistliche Nachwuchs, welchen Gott beruft, für die apostolischen Unternehmungszüge ordnungsgemäß herangebildet wird, muss er in allen theologischen und weltwissenschaftlichen Fächern, welche für Missionare nötig sind, unterrichtet werden. Das soll, wie es billig ist, Unserem Willen entsprechend im Päpstlichen Urbanischen Kolleg von der Verbreitung des christlichen Namens (d. h. der Propaganda) geschehen. Wir verordnen, dass in demselben künftig ein besonderer Lehrstuhl für Missionswissenschaft errichtet werde.

14 Zu den Dingen, welche der Missionar verstehen und kennen muss, ist vorzüglich zu zählen, wie es klar ist, die Sprache des Volkes, dessen Heil er sich widmen wird. Denn er darf nicht mit einer oberflächlichen Kenntnis dieser Sprache sich begnügen, sondern erst mit einer solchen, dass er leicht und richtig sprechen kann. Denn allen, sowohl den Unwissenden als den Gelehrten, ist er gleichermaßen Schuldner, und er weiß wohl, wie leicht jemand durch gefällige Sprache die Gemüter der Menge zum Wohlwollen an sich ziehen kann. Auch soll der eifrige Missionar insbesondere die Auslegung der christlichen Lehre nicht den Katechisten überlassen, sondern dieses Gebiet als sein eigenes, ja sogar als einen vorzugswichtigen Teil seines Amtes für sich behalten. Denn er ist aus keinem andern Grunde von Gott gesendet, als um das Evangelium zu verkünden. Es wird bisweilen auch vorkommen, dass er als Bote und Sprecher der heiligen Religion den Angesehenen im Volke seine Aufwartung machen muss, oder dass er in die Versammlungen der Gelehrten eingeladen wird. Wie wird er bei solchen Anlässen seine Würde wahren, wenn er aus Mangel an Sprachkenntnis seinen Gedanken Ausdruck zu geben sich verhindert sieht? Wir haben das neulich selbst berücksichtigt, als Wir in der Sorge für die Vertiefung und die Verbreitung des katholischen Namens bei den Orientalen ein besonderes Studienheim in der Stadt Rom errichteten, wo diejenigen, welche dem Aposteldienst in jenen Gegenden sich widmen wollen, zu guten Kennern der Sprachen und Sitten des Orientes herangebildet und auch mit den sonstigen Hilfsmitteln wohl vertraut gemacht werden sollen. Da Uns diese Anstalt sehr zeitgemäß scheint, benützen Wir diese Gelegenheit, um alle Leiter religiöser Orden, denen orientalischen Missionen anvertraut sind, zu ermahnen, dass sie ihre für Missionen bestimmten Zöglinge auf diesem Gebiete mit aller Sorgfalt ausbilden lassen.

Doch wer sich für das apostolische Amt richtig vorbereitet, muss sich vor allem eines erschaffen, was von der größten Bedeutung ist, nämlich die schon oben erwähnte Heiligung des Lebens. Denn ein Gottesmann muss sein, wer Gott verkündet; die Sünde muss hassen, wer die Sünde zu hassen befiehlt. Besonders bei den Ungläubigen, die sich mehr vom Sinneseindruck als von Überlegungen leiten lassen, wird weit größeren Gewinn haben, wer den Glauben durch sein Beispiel predigt als (bloß) mit Worten. Deshalb mag der Missionar mit allen Vorzügen des Geistes und Herzens ausgestattet sein, in allen Wissenschaften gebildet, in allen Vorzügen menschlicher Gesittung gereift: wenn alles dies nicht mit Reinheit der Sitten verbunden ist, wird es zum Heil der Völker wenig oder gar nichts wirken, ja ihm und den andern den größten Schaden zufügen.

15 Daher sei er von vorbildlicher Demut, gehorsam, keusch, hervorragend fromm, frommem Gebet und ständiger Einigung mit Gott hingegeben, eifrig vor ihm die Sache der Seelen vertretend. Je inniger er mit Gott verbunden ist, desto mehr wird er göttlicher Gnade und Hilfe teilhaft werden. Er höre auf die Mahnung des Apostels: Ziehet an als Auserwählte Gottes, Heilige und Geliebte, innige Barmherzigkeit, Güte, Demut, Bescheidenheit, Geduld.[12] Mit Hilfe dieser Tugenden gewinnt die Wahrheit eine offene und breite Türe zu den Herzen der Menschen, und die Hindernisse aller Art weichen zurück. Denn es gibt keinen so hartnäckigen Willen, dass er diesen leimt widerstände. Es wird also der Missionar, der nach dem Vorbild Jesu, unseres Herrn, von Liebe glüht, da er auch die Verworfensten unter den Heiden zu den Kindern Gottes zählt, als solche, die um denselben Preis des göttlichen Blutes erkauft sind, weder über ihren Mangel an Gesittung sich erregen, noch durch ihre Sittenverderbnis sich abschrecken lassen, er verachtet sie nicht und verwirft sie nicht, er behandelt sie nicht herb und hart, vielmehr bemüht er sich, mit allen Erweisen christlicher Güte sie anzuziehen, um sie einst zur Gemeinschaft Christi, des guten Hirten, hinzuführen. Dabei wird er das Wort der Heiligen Schrift zu überdenken pflegen: O wie gut und süß, o Herr, ist dein Geist in allen Dingen! Daher strafst du diejenigen, die sich verirren, nach und nach und erinnerst sie an das, wodurch sie sich versündigen, und redest ihnen zu, damit sie von der Bosheit ablassen und an dich glauben, o Herr ... Du aber, allmächtiger Herrscher, du richtest doch mit Sanftmut und regierst uns mit großer Nachsicht.[13] Wo ist die Schwierigkeit, die Mühsal oder Gefahr, die einen solchen Gesandten Jesu Christi von seinem Beginnen zurückhielte? Nirgends fürwahr. Denn wer sich diesem erhabenen Berufe gewidmet hat, der wird voll Dank gegen Gott alle Widrigkeiten und Härten, die ihm aufgeladen werden, Mühen, Schmach, Not und Hunger, selbst den grausamsten Tod hochherzig hinnehmen, wenn er auch nur eine Seele aus dem Schlund der Hölle errettet.

16 So gestimmt und begeistert möge der Missionar nach dem Vorbild Christi und der Apostel an die Verwaltung seines Amtes vertrauensvoll herantreten. Den Grund seiner Zuversicht aber wird er ganz in Gott legen. Ganz Gotteswerk ist, wie Wir gesagt haben, die Verbreitung der christlichen Weisheit, da es Gottes Same allein ist, in die Herzen hineinzudringen, um den Geist mit dem Licht der Wahrheit zu erleuchten und den Willen mit den Funken der Tugenden zu entzünden und dem Menschen die geeigneten Kräfte zu geben, dass er das, was er als wahr und gut erkannt hat, befolge und übe. Wenn daher dem Diener bei seiner Bemühung Gott nicht beisteht, wird er umsonst sich anstrengen. Nichts desto weniger aber möge er fortfahren, für das Begonnene tatkräftig zu wirken, vertrauend allerdings auf die Gnade Gottes, die dem, der um sie betet, nie mangeln wird. - An dieser Stelle dürfen Wir nicht von den Frauen schweigen, welche schon seit den Erstlingszeiten des Christentums kostbare Arbeit und Teilnahme für die Herolde des Evangeliums beizusteuern pflegten. Mit vorzüglichem Lobe verdienen hier jene gottgeweihten Jungfrauen erwähnt zu werden, welche so zahlreich in den Missionsbezirken weilen und der Erziehung der Kinder und den mannigfaltigen Anstalten der Frömmigkeit und Wohltätigkeit sich widmen. Wir wünschen, dass dieses Lob ihrer Verdienste ihre Begeisterung und Freude zum guten Wirken für die heilige Kirche mehre. Dessen mögen sie aber sicher sein, dass ihre Mühen um so gesegneter sein werden, je mehr sie nach ihrer geistigen Vollkommenheit streben.

Missionspflicht aller Gläubigen

17 Nun möchten Wir das Wort an alle überall richten, welche durch die große Gnade des barmherzigen Gottes des wahren Glaubens teilhaft sind und die unzähligen Wohltaten, die daraus erfließen, empfangen. Zuvörderst müssen sie beachten, welch heilige Pflicht sie haben, die heilige Sache der Heidenmission zu unterstützen. Denn Gott hat einem jeden seinen Nächsten anempfohlen.[14] Dies Gebot verpflichtet um so schwerer, je größere Not den Nächsten drückt. Aber welche Klasse von Menschen wahrlich bedarf der brüderlichen Hilfe mehr als die der Ungläubigen, welche, ohne Kenntnis von Gott, von blinden, zügellosen Begierden gefesselt in der allerschlimmsten Sklaverei unter der Herrschaft des Teufels geknechtet sind? Daher erfüllen alle, welche zur Erleuchtung dieser nach ihren Kräften beisteuern, insbesondere durch Unterstützung des Missionswerkes, in einer höchst wichtigen Angelegenheit ihre Pflicht und bringen Gott in der wohlgefälligsten Weise für die Wohltat des Glaubens ihren Dank dar.

18 Das Hilfswerk nun, welches man den Missionen leisten kann und um welches die Missionare selbst unaufhörlich bitten, ist dreifacher Art. Das erste kann jedermann leisten: es ist das Gebet zum gnädigen Gott. Wiederholt haben Wir es schon gesagt, dass die von den Missionaren übernommene Mühe eitel und vergeblich sein werde, wenn nicht Gottes Gnade sie befruchtet. Paulus bezeugt es mit den Worten: Ich habe gepflanzt, Apollo hat begossen, aber Gott gab das Wachstum.[15] Diese Gnade zu erlangen, gibt es nur einen Weg, den Weg demütigen Gebetes in Beharrlichkeit. Denn in jeder Angelegenheit, für welche immer sie beten werden, wird ihnen Erhörung von meinem Vater, spricht der Herr.[16] Wenn diese Gebete schon in andern Angelegenheiten ihre Wirkung nicht verfehlen können, dann erst recht nicht in dieser wichtigsten und Gott angenehmsten aller Angelegenheiten. Wie daher, als die Israeliten mit Amalek kämpften, Moses währenddessen auf hohem Bergesgipfel ihnen mit erhobenen Händen die göttliche Hilfe erflehte,[17] so müssen alle Christgläubigen den Verbreitern des Glaubens, die mühsam im Weinberg des Herrn sich abplagen, die Hilfe heiligen Gebetes zuwenden. Zur richtigen Erfüllung dieser Pflicht ist eigens das sog. Gebetsapostolat gegründet worden. Wir empfehlen dasselbe hiermit allen Guten und wünschen, dass niemand sich von der Beteiligung an ihm fernhalte und dass alle ohne Ausnahme am apostolischen Werk, wenn nicht durch die Tat, so doch durch ihren Eifer Anteil nehmen.

19 An zweiter Stelle muss dem Mangel an Missionaren abgeholfen werden. War dieser schon früher kein geringer, so ist er mit Abschluss des Krieges aufs höchste gestiegen, so dass viele Teile vom Ackerfeld des Herrn ohne Bebauer sind. Hierfür, ehrwürdige Brüder, wünschen Wir Eure Bemühung anzurufen. Ihr werdet ein Eurer Liebe zur Religion in erster Linie würdiges Werk vollführen, wenn Ihr bei Eurer Geistlichkeit und im Diözesanseminar die Samenkörner des Apostolates, welche vielleicht der eine oder andere in sich erkennen lässt, eifrig pflegt. Und es soll Euch nicht der Schein des Rechten täuschen oder irgendwelche menschliche Berechnung beeinflussen, als ob Ihr das, was Ihr den auswärtigen Missionen überlasset, dem Besten der eigenen Diözese entzöget. An Stelle des einen Priesters, den Ihr nach auswärts entlasset, wird Euch Gott in der Heimat mehrere tüchtige Priester erwecken. Die Vorsteher der Orden und religiösen Anstalten, welche die auswärtigen Missionen betreiben, bitten und beschwören Wir, dass sie für dieses Werk nur die auserlesensten ihrer Sodalen bestimmen, diejenigen nämlich, welche sowohl durch die Reinheit ihres Vorlebens als durch den glühenden Drang ihrer Frömmigkeit und durch Seeleneifer besonders hervorragen. Wenn sie dann erkennen, dass ihre Missionare bei einem Volke mit Glück geweilt haben, indem sie es von dem unreinen Aberglauben zur christlichen Weisheit herüberführten, und dass sie die Kirche dort fest genug begründet haben, dann sollen sie dieselben als auserwählte Streiter Christi zu einem andern Volke versetzen, um auch dieses der Macht des Teufels zu entreißen. Und was von ihnen schon für Christus gewonnen ist, das sollen sie gerne andern überlassen, damit diese es durch ihre Pflege weiter fördern. Auf diese Weise werden sie die reichste Seelenernte machen und zugleich ihren Genossenschaften die Segnungen der göttlichen Güte erwerben.

20 Endlich bedarf es zur Erhaltung der Missionen nicht geringer Geldmittel, zumal da ihre Bedürfnisse infolge des Krieges ins Ungemessene gestiegen sind, indem so viele Schulen, Krankenhäuser, Unterkunftsanstalten, Gabenverteilungshallen aufgehoben und unterdrückt worden sind. Hier rufen Wir alle Gutgesinnten auf, dass sie nach Kräften sich freigebig zeigen. Denn wie kann in dem, der Reichtümer dieser Welt besitzt und seinen Bruder Not leiden sieht und das Herz vor ihm verschließt, die Liebe Gottes bleiben?[18] So der Apostel Johannes, indem er von jenen spricht, die an äußeren Gütern Mangel leiden. Um wie viel gewissenhafter muss das Gesetz der Liebe in dieser Angelegenheit beobachtet werden, wo es sich nicht nur darum handelt, dass dem Hunger und der Dürftigkeit und sonstigem Elend einer ungezählten Menge abgeholfen werde, sondern auch, und zwar in erster Linie, dass eine so ungeheure Zahl von Seelen der übermütigen Tyrannei des Satans entrissen und für die Freiheit der Kinder Gottes erobert werde? Daher wünschen wir besonders, dass die zum Nutzen der Missionen geschaffenen Anstalten durch die Freigebigkeit der Katholiken unterstützt werden. Da ist zuerst das Werk von der Ausbreitung des GIaubens, welches von Unsern Vorgängern schon mehrfach empfohlen wurde. Wir wünschen, dass für eine künftige größere Ergiebigkeit an besten Früchten desselben der Verwaltungsrat von der Ausbreitung des christlichen Namens recht eifrig bemüht sei. Denn von dort müssen zum größten Teil die Mittel kommen, aus denen die bereits begründeten Missionen und die noch zu begründenden unterhalten werden sollen. Wir sind des Vertrauens, dass der katholische Erdkreis es nicht zulassen wird, dass, während andere zur Verbreitung des Irrtums Geld in Hülle und Fülle aufbringen, die Verbreiter der Wahrheit auf unserer Seite mit der Not kämpfen müssen. Das zweite Werk, welches Wir auch nachdrücklich allen empfehlen, ist das Werk von der heiligen Kindheit (der Kindheit-Jesu-Verein), dessen Aufgabe es ist, zu wachen, dass den sterbenden Heidenkindern die heilige Taufe gespendet wird. Es ist um so mehr empfehlenswert, weil auch unsere Kinder daran teilnehmen können und so früh erkennen, wie viel die Gabe des Glaubens wert ist, und dazu beitragen lernen, dass er auch andern zuteil werde. Nicht unerwähnt aber wollen wir auch das sogenannte Werk des heiligen Petrus lassen, durch das für die Erziehung und den Unterricht einer eingeborenen Geistlichkeit in den Missionen gesorgt wird. Dabei möchten wir an die Beobachtung der Vorschrift Unseres Vorgängers seligen Angedenkens Leos XIII. erinnern, dass am Dreikönigsfest in allen Gotteshäusern des Erdkreises Almosen "für den Loskauf der Gefangenen aus Afrika" gesammelt werden mögen und das Ergebnis der Sammlung in Geld an den Rat von der Verbreitung des Glaubens eingeschickt werde.

21 Damit aber Unsere Wünsche sicherer und reichlicher in Erfüllung gehen, ehrwürdige Brüder, müsst Ihr im allgemeinen durch Belehrung den Sinn Eurer Geistlichkeit in besonderer Weise auf die Missionen hinlenken. Gewöhnlich neigen die Menschen stark dazu, den apostolischen Männern zu Hilfe zu kommen; benützet diese Hinneigung der Gemüter weise, dass sie den Missionen recht viel Nutzen bringe. Wisset daher, dass Wir wünschen, es möchte in allen Diözesen der katholischen Welt der sogenannte Missionsverein der Geistlichen begründet werden, der dem Rat von der Ausbreitung des Glaubens unterstellt sein soll. Wir haben diesem Rat bereits jede Vollmacht für die Angelegenheit gegeben. Der Verein ist neulich in Italien entstanden und hat sich in kurzer Zeit über andere Länder verbreitet. Da er durch Unsere Förderung aufblüht, wurde er auch von Uns mit der Vergünstigung päpstlicher Ablässe ausgezeichnet. Er verdiente das. Denn durch diese Organisation wird die Tätigkeit der Geistlichen sehr gut geordnet, sowohl um den Christen die Sorge für das Heil so vieler Heiden einzuflößen als auch um die mannigfachen Werke zu befördern, welche der Apostolische Stuhl zum Segen der Missionen schon gutgeheißen hat.

Schlusswort

22 Dies, ehrwürdige Brüder, haben Wir Euch über die Verbreitung des katholischen Glaubens auf dem ganzen Erdenrund zu schreiben gehabt. Nun hegen wir gute Hoffnung: wenn jeder seine Pflicht tut, wie es sein soll, die Missionare draußen, die Christgläubigen in der Heimat, dann werden die Missionen von den so schweren Wunden und Schädigungen des Krieges sich rasch erholen und wieder aufblühen. Wie fühlen Wir uns hier, gleich als ob Uns wie einstens den Petrus jenes Wort des Herrn ermunterte: Fahre hinaus auf die hohe See,[19] von der Glut väterlicher Liebe gedrängt, die zahllosen Menschen der Gegenwart zur Vereinigung mit ihm zu führen. Denn immer nährt sich und lebt die Kirche vom Geiste Gottes; und soviel er apostolischer Männer Bemühungen, die zu ihrer Ausbreitung gearbeitet haben und noch arbeiten, können nicht ohne Erfolg bleiben. Von ihrem Beispiel angeregt, werden auch künftig recht viele erstehen, welche unter der frommen und freigebigen Teilnahme der Gutgesinnten Christus eine frohe Schar von Seelen gewinnen.

23 Möge die große Gottesmutter, die Königin der Apostel, den gemeinsamen Bitten ihre Huld verleihen, indem sie den Herolden des Evangeliums die Eingießung des Heiligen Geistes vermittelt; als Unterpfand dafür und zur Bezeigung Unseres Wohlwollens erteilen Wir Euch, ehrwürdige Brüder, Eurer Geistlichkeit und Eurem Volke in aller Liebe den apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter, am 30. November 1919,
im sechsten Jahre Unseres Pontifikates
Benedikt XV. PP.

Anmerkungen

  1. Mk 16,15 EU.
  2. Joh 8,32 EU.
  3. Mk 16,20 EU.
  4. Ps 18,5 EU.
  5. Lk 1,19 EU.
  6. Phil 1,18 EU.
  7. Lk 1,79 EU.
  8. Ps 44,11 EU.
  9. 2 Kor 5,20 EU.
  10. Kol 3,11 EU.
  11. 1 Tim 6,8 EU.
  12. Kol 3,12 EU.
  13. Weish 12,1.2.18 EU.
  14. Sir 17,12 EU.
  15. [[Vorlage:1 Kor 3, 6 (Bibel)|1 Kor 3, 6]] {{{2}}} EU.
  16. Mt 18,19 EU.
  17. Ex 17,10 ff EU.
  18. [[Vorlage:1 Joh3 (Bibel)|1 Joh3]] 17 EU.
  19. Lk 5,4 EU.

Weblinks

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