O-Antiphonen

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Die Antiphonen O sapientia, O Adonai und O radix Jesse im Antiphonale von Poissy

Die O-Antiphonen sind Gesänge der katholischen Liturgie an den letzten Tagen im Advent. Sie werden vom 17. bis 23. Dezember als Antiphonen zum Magnificat in der Vesper des Stundengebetes gesungen, seit 1970 auch als Ruf vor dem Evangelium in der Heiligen Messe des jeweiligen Tages.

Die Anrufungen beginnen mit „O“ und greifen sieben verschiedene Hoffnungsvorstellungen aus dem Alten Testament auf, mit denen die Juden ihre Erwartung der Wiederkunft des Messias zum Ausdruck bringen. Die Christen sehen diese Hoffnung in Jesus erfüllt; die O-Antiphonen drücken die Erwartung der Geburt Christi an Weihnachten und die Sehnsucht auf endgültige Erlösung am "Jüngsten Tag" ergreifend aus.

Die O-Antiphonen im Einzelnen

O Weisheit, Du bist aus dem Munde des Allerhöchsten hervorgegangen, umfassest alles von einem Ende zum andern und ordnest es machtvoll und sanft. Komm, uns den Weg der Klugheit zu lehren.

O Sapientia, quae ex ore Altissimi prodiisti, attingens a fine usque ad finem, fortiter suaviterque disponens omnia: veni ad docendum nos viam prudentiae. (Audio auf kathtube)

O Herr und Führer des Hauses Israel, Du bist dem Moses in den Flammen des brennenden Dornbusches erschienen und hast ihm auf Sinai das Gesetz gegeben. Komm, strecke Deinen Arm aus, uns zu erlösen.

O Adonai et Dux domus Israel, qui Moysi in igne flammae rubi apparuisti, et ei in Sina legem dedisti: veni ad redimendum nos in bracchio extento. (Audio auf kathtube)

O Wurzel Jesse, Du bist zum Zeichen gesetzt über die Völker, vor Dir werden Könige ihren Mund verschließen und Völker zu Dir beten. Komm, uns zu befreien, säume nicht länger.

O radix Jesse, qui stas in signum populorum, super quem continebunt reges os suum, quem gentes deprecabuntur; veni ad liberandum nos, iam noli tardare. (Audio auf kathtube)

O Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israel, was Du öffnest, kann niemand schließen; was Du verschließest, kann niemand öffnen. Komm und führe den Gefesselten aus der Enge des Kerkers, wo er in Finsternis und Todesschatten sitzt.

O clavis David et sceptrum domus Israel; qui aperis, et nemo claudit; claudis, et nemo aperit; veni et educ vinctum de domo carceris, sedentem in tenebris et umbra mortis. (Audio auf kathtube)

O Morgenstern, Glanz des ewigen Lichtes und Sonne der Gerechtigkeit. Komm und erleuchte jene, die in Finsternis und Todesschatten sitzen.

O Oriens, splendor lucis aeternae, et sol justitiae: veni et illumina sedentes in tenebris, et umbra mortis. (Audio auf kathtube)

O König und Ersehnter der Völker, Du Eckstein, der Du aus zweien eine Einheit schaffst. Komm und erlöse den Menschen, den Du aus Erde gebildet.

O Rex gentium et desideratus earum, lapisque angularis, qui facis utraque unum: veni et salva hominem, quem de limo formasti. (Audio auf kathtube)

O Emmanuel, unser König und Gesetzgeber, Du Erwartung und Heiland der Völker. Komm, uns zu erlösen, Herr, unser Gott.

O Immanuel, Rex et legifer noster, exspectatio gentium, et Salvator earum: veni ad salvandum nos, Domine, Deus noster. (Audio auf kathtube)

Paraphrasen der O-Antiphonen

Verschiedene Kirchenlieder entstanden als Paraphrasen der O-Antiphonen, so das Lied "O komm, o komm, Immanel" in mehreren Regionalteilen des Gotteslob oder "Herr, sende, den du senden willst". Das Gotteslob bietet im Stammteil unter Nr. 222 "Herr, send herab uns deinen Sohn" in einer Textfassung, die auf David Gregor Corner zurückgeht und von Heinrich Bone bearbeitet wurde; den sieben Antiphonen-Motiven sind die Strophen 2 bis 8 gewidmet, sie werden von einer Eröffnungs- und einer Schlussstrophe eingerahmt. Im Gotteslob von 1975 war auch eine "Andacht im Advent" enthalten (Nr. 772), die sich textlich an den O-Antiphonen und ihnen zugeordneten Bibel-Perikopen ausrichtete.

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