O-Antiphonen

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Die Antiphonen O sapientia, O Adonai und O radix Jesse im Antiphonale von Poissy

Die O-Antiphonen sind Gesänge der katholischen Liturgie an den letzten Tagen im Advent. Sie werden vom 17. bis 23. Dezember als Antiphonen zum Magnificat in der Vesper des Stundengebetes gesungen, seit 1970 auch als Ruf vor dem Evangelium in der Heiligen Messe des jeweiligen Tages.[1]

Die Anrufungen beginnen mit „O“ und greifen sieben verschiedene Hoffnungsvorstellungen aus dem Alten Testament auf, mit denen die Juden ihre Erwartung der Wiederkunft des Messias zum Ausdruck bringen. Die Christen sehen diese Hoffnung in Jesus erfüllt; die O-Antiphonen drücken die Erwartung der Geburt Christi an Weihnachten und die Sehnsucht auf endgültige Erlösung am "Jüngsten Tag" ergreifend aus.

Inhaltsverzeichnis

Die O-Antiphonen im Einzelnen mit Weblinks

17. Dezember: O Sapiéntia (Spr 8,1 EU, Spr 24,3 EU)

O Weisheit, hervorgegangen aus dem Munde des Höchsten - die Welt umspannst du von einem Ende zum andern, in Kraft und Milde ordnest der alles: o komm und offenbare uns den Weg der Weisheit und Einsicht !

O Sapiéntia, quae ex ore Altíssimi prodísti, attíngens a fine usque ad finem, fórtiter suavitérque dispónens ómnia: veni ad docéndum nos viam prudéntiae. (Audio auf kathtube)

18. Dezember: O Adonai (Ex 6,2 EU, Ex 6,6 EU)

O Adonai, Herr und Führer des Hauses Israel - im flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben: o komm und befreie uns mit deinem starken Arm !

O Adonái et Dux domus Israel, qui Móysi in igne flammae rubi apparuisti, et ei in Sina legem dedísti: veni ad rediméndum nos in brácchio exténto. (Audio auf kathtube)

19. Dezember: O radix Jesse (Jes 11,10 EU; vgl. Röm 15,12 EU)

O Spross aus Isais Wurzel, gesetzt zum Zeichen für die Völker - vor dir verstummen die Herrscher der Erde, dich flehen an die Völker: o komm und errette uns, erhebe dich, säume nicht länger.

O radix Jesse, qui stas in signum populórum, super quem continébunt reges os suum, quem gentes deprecabúntur; veni ad liberándum nos, iam noli tardáre. (Audio auf kathtube), Kunstkarte - Die Wurzel Jesse

20. Dezember: O clavis David (Jes 22,22 EU; vgl. Offb 3,7 EU)

O Schlüssel Davids, Zepter des Hauses Israel - du öffnest, und niemand kann schließen, du schließest, und keine Macht vermag zu öffnen: o komm und öffne den Kerker der Finsternis und die Fessel des Todes !

O clavis David et sceptrum domus Israel; qui áperis, et nemo claudit; claudis, et nemo áperit; veni et educ vinctum de domo cárceris, sedéntem in ténebris et umbra mortis. (Audio auf kathtube)

21. Dezember: O Oriens (Mal 3,20 EU; vgl. Lk 1,78 EU)

O Morgenstern, Glanz des unversehrten Lichtes, der Gerechtigkeit strahlende Sonne: o komm und erleuchte jene, die da sitzen in Finsternis und Schatten Todes.

O Oriens, splendor lucis aetérnae, et sol justitiae: veni et illúmina sedéntes in ténebris, et umbra mortis. (Audio auf kathtube)

22. Dezember: O Rex gentium (Hag 2,8 EU; Jes 33,22 EU)

O König der Völker, ihre Erwartung und Sehnsucht; Schlussstein, der den Bau zusammenhält: o komm und rette den Menschen, den du aus Erde gebildet !

O Rex entium et desiderátus arum, lapísque anguláris, qui facis útraque unum: veni et salva hóminem, quem de limo formásti. (Audio auf kathtube)

23. Dezember: O Immanuel (Jes 7,14 EU)

O Immanuel, unser König und Lehrer, Du Hoffnung und Heiland der Völker: o komm, eile und schaffe uns Hilfe, du unser Herr und unser Gott !

O Emmánuel, rex et légifer noster, exspectátio gentium, et salvátor eárum: veni ad salvándum nos, Dómine, Deus noster. (Audio auf kathtube)

Paraphrasen der O-Antiphonen

Verschiedene Kirchenlieder entstanden als Paraphrasen der O-Antiphonen, so das Lied "O komm, o komm, Immanel" in mehreren Regionalteilen des Gotteslob oder "Herr, sende, den du senden willst". Das Gotteslob bietet im Stammteil unter Nr. 222 "Herr, send herab uns deinen Sohn" in einer Textfassung, die auf David Gregor Corner zurückgeht und von Heinrich Bone bearbeitet wurde; den sieben Antiphonen-Motiven sind die Strophen 2 bis 8 gewidmet, sie werden von einer Eröffnungs- und einer Schlussstrophe eingerahmt. Im Gotteslob von 1975 war auch eine "Andacht im Advent" enthalten (Nr. 772), die sich textlich an den O-Antiphonen und ihnen zugeordneten Bibel-Perikopen ausrichtete.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Die O-Antiphonen vom 17. Dezember bis 23. Dezember in lateinisch und deutsch im Stundenbuch (2012), Erster Band, Advent und Weihnachtszeit, S. 144-164.
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