Mysterii paschalis celebrationem

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Motu proprio
Mysterii paschalis celebrationem

von Papst
Paul VI.
zur Approbation der Grundordnung des Kirchenjahres und des Römischen Generalkalenders
14. März 1969

(Offizieller lateinischerText: AAS 61 [1969] 222-227)

(Quelle: Nachkonziliare Dokumentation – im Auftrag der Deutschen Bischofskonferenz, Band 20, Lateinisch-deutscher Text, gemäß Beschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils erneuert und von Papst Paul VI. eingeführt, Herausgegeben von den Liturgischen Instituten in Salzburg, Trier und Zürich 1969, Paulinus Verlag Trier 1969, S. 14-23, Mit kirchlicher Druckerlaubnis).

Allgemeiner Hinweis: Die in der Kathpedia veröffentlichen Lehramtstexte dürfen nicht als offizielle Übersetzungen betrachtet werden, selbst wenn die Quellangaben dies vermuten ließen. Nur die Texte auf der Vatikanseite können als offiziell angesehen werden (Schreiben der Libreria Editrice Vaticana vom 21. Januar 2008).


Die Feier des Pascha-Mysteriums und ihre Entfaltung in den Tagen, Wochen und im ganzen Jahreskreis ist nach der klaren Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils Mitte des christlichen Gottesdienstes. Daher soll auch bei der Neugestaltung des Kirchenjahres, für die das Konzil Anweisungen gab,[1] das Ostermysterium Christi stärker hervortreten; das gilt für die Neuordnung sowohl der Kirchenjahrzeiten und der Heiligenfeste wie auch des Römischen Kalenders.

Inhaltsverzeichnis

I.

In der Tat war es im Laufe der Zeit auf Grund der wachsenden Zahl von Vigilfeiern, Festen, Oktaven und der sich allmählich überschneidenden Teile des Kirchenjahres dazu gekommen, dass die Gläubigen nicht selten Sonderformen der Frömmigkeit pflegten, die den Eindruck erwecken konnten, als lägen die zentralen Geheimnisse der Erlösung außerhalb ihrer Aufmerksamkeit.

Doch hatten bekanntlich Unsere Vorgänger Pius X. und Johannes XXIII. manche Weisungen erlassen, um dem Sonntag seine ursprüngliche Würde zurückzugeben und ihn für alle zum ersten und vornehmsten Festtag[2] werden zu lassen. Auch die Liturgie der Fastenzeit war Reformen unterzogen worden. Gleichfalls ist auf das Dekret[3] Unseres Vorgängers Pius XII. zur Erneuerung der Osternachtfeier in der abendländischen Kirche hinzuweisen; in dieser Osternacht, in der die Sakramente der Aufnahme in die Kirche gefeiert werden, sollte das Volk Gottes seinen geistlichen Bund mit Christus, dem auferstandenen Herrn, erneuern.

In Übereinstimmung mit der Verkündigung der Väter und der beständigen Lehre der katholischen Kirche sahen die oben genannten Päpste im Jahreskreis der Liturgie mit Recht nicht ein bloßes Gedenken des heilbringenden Sterbens Jesu Christi oder eine bloße Erinnerung an vergangene Geschehnisse, deren erwägende Betrachtung die Gesinnung des Christen - auch des einfachsten - belehren und stärken könnte; vielmehr sprachen sie von einer besonderen sakramentalen Kraft und Wirksamkeit zur Stärkung des christlichen Lebens,[4] die der Feier des Kirchenjahres eigen ist. Dieser Auffassung schließen Wir Uns an.

Wenn wir daher das Sakrament der Geburt Christi[5] und sein Offenbarwerden in dieser Welt vollziehen, bitten wir zu Recht, dass wir durch ihn innerlich neugestaltet werden, den wir erkannt haben, in seiner äußeren Gestalt uns gleichförmig.[6] Und so erbitten wir auch von Gott, wenn wir von neuem Christi Pascha begehen, dass jene, die mit Christus wiedergeboren sind, das Sakrament in ihrem Leben bewahren, das sie glaubend empfangen haben.[7] Denn - um es mit den Worten des Zweiten Vatikanischen Konzils auszudrücken - indem die Kirche so die Mysterien der Erlösung feiert, erschließt sie die Reichtümer der Machterweise und Verdienste ihres Herrn, so dass sie jederzeit gewissermaßen gegenwärtig gemacht werden und die Gläubigen mit ihnen in Berührung kommen und mit der Gnade des Heiles erfüllt werden.[8]

In diesem Sinn haben die Reformen des Kirchenjahres und alle Bestimmungen zu seiner Neuordnung kein anderes Ziel, als die Gläubigen in Glaube, Hoffnung und Liebe enger am ganzen Mysterium Christi, das im Jahreskreis entfaltet wird,[9] teilnehmen zu lassen.

II.

Den dargelegten Absichten entspricht durchaus auch, dass die Feste der seligen Jungfrau Maria die durch ein unzerreissbares Band mit dem Heilswerk ihres Sohnes verbunden ist[10] - und die Gedenktage der Heiligen, von denen mit Recht die Geburtstage (Anmerkung in der Nako: Ein alter christlicher Brauch bezeichnet den Todestag eines Heiligen als seinen Geburtstag) unserer Herrscher, der Bekenner und Sieger,[11] hervorgehoben werden, in hellem Licht erstrahlen; denn die Feste der Heiligen künden die Wundertaten Christi in seinen Knechten und bieten den Gläubigen zur Nachahmung willkommene Beispiele.[12] War es doch immer feste und sichere Überzeugung der Kirche, dass durch die Feste der Heiligen das österliche Geheimnis Christi verkündet und gegenwärtig werde.[13]

Da jedoch im Laufe der geschichtlichen Entwicklung eine zu große Zahl von Heiligenfesten eingeführt worden war, gab das Konzil die Anweisung: Die Feste der Heiligen sollen nicht das Übergewicht haben gegenüber den Festen, welche das eigentliche Heilsmysterium begehen. Eine beträchtliche Anzahl von ihnen möge der Feier in den einzelnen Teilkirchen, Nationen und Ordensgemeinschaften überlassen bleiben, und nur jene sollen auf die ganze Kirche ausgedehnt werden, die das Gedächtnis solcher Heiligen feiern, die wirklich von allgemeiner Bedeutung sind.[14]

In Ausführung dieses Beschlusses des Ökumenischen Konzils sind die Namen einiger Heiliger nicht mehr im Allgemeinen Kalender enthalten; die Gedenktage anderer Heiliger und ihre gottesdienstliche Verehrung können nach Tunlichkeit in den jeweiligen Regionen begangen werden. Da einige Namen von Heiligen, die nicht überall bekannt sind, aus dem Römischen Kalendarium gestrichen wurden, konnten dafür Märtyrer aus jenen Gegenden aufgenommen werden, zu denen das Evangelium erst später gelangte. Ebenbürtig finden sich so im neuen Kalendarium alle Völker durch Menschen vertreten, die für Christus ihr Blut vergossen oder sich durch ihr beispielhaftes Leben ausgezeichnet haben.

Wir sind der Auffassung, dass daher der neue Allgemeine Kalender der lateinischen Kirche besser den Erfordernissen und dem Empfinden der heutigen Frömmigkeit entspricht und auch deutlicher den universellen Charakter der Kirche zum Ausdruck bringt. Er enthält die Namen herausragender Menschen, die dem ganzen Volke Gottes das leuchtende Vorbild der Heiligkeit in mannigfaltiger Weise vor Augen stellen. Wer könnte den großen geistlichen Gewinn übersehen, der daraus dem ganzen christlichen Volk erwächst!

Nach gründlicher Erwägung der Angelegenheit vor Gott approbieren Wir kraft Unserer Apostolischen Autorität den neuen Allgemeinen Römischen Kalender, der vom "Rat zur Durchführung der Konstitution über die heilige Liturgie" erarbeitet worden ist, und gleichfalls die Grundordnung des Kirchenjahres. Beide sollen am 1. Januar 1970 in Kraft treten, gemäß den Übergangsdekreten, die von der Ritenkongregation in Verbindung mit dem erwähnten Rat und bis zur Herausgabe des neuen Missale und Breviers erlassen werden.

Die Verordnungen dieses Unseres Apostolischen Schreibens sollen gültig und rechtskräftig sein, unter Aufhebung aller eventuell entgegenstehenden Konstitutionen und Apostolischen Erlasse Unserer Vorgänger sowie aller übrigen Anweisungen, welcher Art sie auch seien.

<centerGegeben zu Rom, bei St. Peter, am 14. Februar 1969,
im sechsten Jahre Unseres Pontifikates.
PAULUS PP. VI

Anmerkungen

  1. Vgl. II. Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution Kapitel 5: AAS 56 (1964) 125-128.
  2. Vgl. ebd. Art. 106, S. 126.
  3. Vgl. Dekret der Ritenkongregation Dominicae resurrectionis, 9. Februar 1951: AAS 43 (1951) 128 f.
  4. Dekret der Ritenkongregation Maxima redemptionis nostrae mysteria, 16. November 1955: AAS 47 (1955) 839.
  5. Leo der Große, Predigt XXVII zu Weihnachten 7, 1: PL 54, 216.
  6. Vgl. Römisches Messbuch Oration am Fest der Taufe des Herrn.
  7. Vgl. ebd. Oration vom Osterdienstag.
  8. II. Vatikanisches Konzil, Liturgiekonstitution Art. 102: AAS 56 (1964) 125.
  9. Vgl. ebd.
  10. Ebd. Art. 103.
  11. Vgl. Syrisches Brevier (5. Jahrhundert) Ausgabe B. Mariani, Rom 1956, 27.
  12. Vgl. II. Vatikanisches Konzil Liturgiekonstitution Art. 111: AAS 56 (1964) 127.
  13. Vgl. ebd. Art. 104, S. 125 f.
  14. Ebd. Art. 111, S. 127.

Weblinks

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