Konrad Adenauer

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Konrad Adenauer (* 5. Januar 1876 in Köln; † 19. April 1967 in Rhöndorf) war deutscher katholischer Jurist und erster Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland. Er ist einer der Gründungsväter der Europäischen Union.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Konrad Adenauer war seit 1906 in der Stadtverwaltung Köln tätig und 1917-33 dessen Oberbürgermeister. Von 1921-33 war er Präsident des Preußischen Staatsrats. Er war Zentrumspolitiker; 1933 von den Nationalsozialisten entlassen und verfemt. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 auf Hitler am 20. Juli 1944 wurde Adenauer im Rahmen der Aktion Gitter am 22. August verhaftet und in das Kölner Gestapo-Gefängnis EL-DE-Haus gebracht. Einen Tag später wurde er von dort mit anderen ehemaligen Reichstagsabgeordneten und Politikern demokratischer Parteien (u.a. mit Thomas Eßer, Josef Baumhoff, Peter Schlack, Otto Gerig und Joseph Roth) in das Arbeitserziehungslager in den Messehallen in Köln-Deutz überführt. Dort nahm ihn der Kölner Kommunist Eugen Zander, der als Kapo für die neuen Häftlinge zuständig war, unter seine Fittiche. Als dieser Adenauers Namen in der Gefangenenkartei mit dem Vermerk „Rückkehr unerwünscht“ entdeckt, empfiehlt er Adenauer, sich krank zu stellen. Adenauer erreichte mittels einer ärztlich bescheinigten perniziösen Anämie eine Überweisung ins Krankenhaus Köln-Hohenlind, von wo er floh.[1] Er wurde später wieder gefasst, am 26. November 1944 aber aus dem Gefängnis Brauweiler vorzeitig entlassen.

Von Mai bis 6. Oktober 1945 war er wieder Oberbürgermeister. 1946 wurde er Vorsitzender der CDU in der britischen Zone. Von 1946-50 war er Landtagsabgeordneter im Bundesland Nordrhein-Westfalen. 1948/49 diente er als Präsident des Parlamentarischen Rates und war maßgeblich am Zustandekommen des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland beteiligt. 1949 bis 1963 war er deutscher Bundeskanzler und von 1951-55 auch Außenminister. Von 1951 bis 1966 war der katholische Politiker, der sich schon während der Weimarer Republik (1919-1933) als ökumenisch offener Demokrat artikuliert hatte, auch Vorsitzender der CDU. Er griff den sogenannten Schuman-Plan zur Europäischen Einigung auf und setzte diese Idee in praktische Politik um. Er vertrat das überaus erfolgreiche Konzept einer Integration des deutschen Kernstaats (West) in Europa, das, auf das atlantische Bündnis mit den USA gestützt, die soziale Marktwirtschaft einschloss und so auf die internationale Bedrohung durch den Kommunismus mit einem supranationalen Programm des Weltgemeinwohls antwortete. 1950-66 war er Vorsitzender der Christlich-Demokratischen Union (CDU).

Mit Konrad Adenauer gelang die Aussöhnung mit Frankreich und Israel sowie die Integration der seit 1955 souveränen Bundesrepublik in das Atlantische Bündnis. Die Nichtanerkennung der DDR diente der späteren Wiedervereinigung.

Kriegsgefangenenbefreiung

Die Wurzeln von Adenauers Kraft lagen in seinem Glauben, den er selbstverständlich und unaufdringlich praktizierte. Er war Mitglied der Blauen Armee Mariens und erhielt am 30. Mai 1954 den ersten internationalen Friedenspreis der "Blauen Armee Mariens" im Palais Schaumburg in Bonn.

Zehn Jahre nach dem Zweiten Weltkrrieg waren noch über 10 000 Kriegsgefangene in Russland und über 20 000 Zivilpersonen in Straflagern in Sibirien. Konrad Adenauer entschloss sich nach Moskau vom 9. bis 13. September 1955 zu reisen mit dem wesentlichen Ziel der Befreiung von Gefangenen. Er betete den Rosenkranz auf dem Roten Platz in Moskau. Zunächst wollten die russischen Regierungsvertreter die Existenz in Russland verbliebener deutscher Kriegsgefangener nicht anerkennen. Erst während des abschließenden Festessens versprach Ministerpräsident Bulganin überraschend die Rückkehr aller deutschen Kriegsgefangenen, auch der Zivilpersonen. Er versprach: "Wir geben sie Ihnen alle" (so zitiert in Adenauers Memoiren). Die Gefangenen kamen zurück, ohne dass ihre Rückkehr verzögert wurde. Am 7. Oktober 1955, dem Rosenkranzfest, trafen die ersten Kriegsgefangenen im Grenzdurchgangslager Friedland in Hannover ein. Etwa innerhalb eines Jahres hat sich somit die Bitte in der Deutschlandsweihe an das Unbefleckte Herz Mariens erfüllt, welche der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, der Kölner Kardinal Josef Frings auf den 76. Katholikentag am 4. September 1954 vollzogen hatte. [2]

Wirkung des Politikers

Die Zustimmung der Wahlbevölkerung nahm in der Amtszeit Adenauers im Schnitt etwa jährlich um 1% zu, während die Zustimmung zu Helmut Kohl, der sich zwar als politischer Erbe Adenauers betrachtete (aber die Konzeption der CDU in nationalliberale Richtung verschob) umgekehrt etwa gleichstark abnahm, trotz der beachtlichen politischen Leistungen im Blick auf die Integration der DDR in die Bundesrepublik.

Literatur

  • Konrad Adenauer: Erinnerungen (1945-63). 4 Bände. Stuttgart 1965/1968.
  • Dorothea und Wolfgang Koch: Konrad Adenauer. Der Katholik und sein Europa. MM Verlag Aachen 2013 (ISBN-10: 394269817X; ISBN-13: 978-3-942698177); Fe-Medienverlag 2015 (Pb.; 296 Seiten; ISBN 978-3-86357-129-0).
  • R. Morsey, H. P. Schwarz (Hg.): Adenauer. Rhöndorfer Ausgabe, 10 Bände, Berlin 1983ff.
  • H.-P. Schwarz: Adenauer. 2 Bände. Stuttgart 1986/91.
  • Bundeskanzler Dr. Adenauer, Das Gute wollen. Martin Verlag Buxheim.
  • Bundeskanzler Dr. Adenauer, Glauben an den Sieg des Lichtes. Martin Verlag Buxheim.

Anmerkungen

  1. Hans-Peter Schwarz, Adenauer. Der Aufstieg: 1876–1952, 3. Auflage, Stuttgart 1986, S. 416f.
  2. Katholisches Schriften Apostat. Ökumene gegen Herz-Marienweihe. Eine kritische Auseinandersetzung. 2004, S. 19-21
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