Selbstbefriedigung

Aus Kathpedia
(Weitergeleitet von Masturbation)
Wechseln zu: Navigation, Suche

Selbstbefriedigung (Masturbation[1], Selbstbefleckung, Ipsation, Autoerotik, fälschlich Onanie) ist die absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane bis zum Orgasmus (mit entsprechenden Ausscheidungen), die ein Mensch an sich selbst vornimmt mit dem Ziel, geschlechtliche Lust hervorzurufen.[2]

Der um ihrer selbst willen gesuchten geschlechtlichen Lust fehlt „die von der sittlichen Ordnung geforderte geschlechtliche Beziehung, jene nämlich, die den vollen Sinn gegenseitiger Hingabe als auch den einer wirklich humanen Zeugung in wirklicher Liebe realisiert“ (CDF, Erkl. „Persona humana“ 9).

Der einzelne Akt der Selbstbefriedigung mag noch nicht großes Unheil anrichten, doch disponiert er zur Wiederholung (die Erfüllung, die der einzelne Akt nicht bieten kann, wird in der Häufung gesucht) und damit zur süchtigen Fixierung auf einen unreifen Sexualgenuss, der der Persönlichkeitsreifung im Weg steht.[3]

Inhaltsverzeichnis

Sittlich objektive Bewertung

Das kirchliche Lehramt in seiner langen und stets gleichbleibenden Überlieferung als auch das sittliche Empfinden der Gläubigen haben niemals gezögert, die Selbstbefriedigung als eine in sich schwere ordnungswidrige Handlung und Verstoß gegen die Keuschheit, zu brandmarken, weil „der frei gewollte Gebrauch der Geschlechtskraft, aus welchem Motiv er auch immer geschieht, außerhalb der normalen ehelichen Beziehungen seiner Zielsetzung wesentlich widerspricht“ (vgl. KKK 2352). Schon Thomas von Aquin zählte die Selbstbefriedigung zu den Lastern gegen die Natur.[4] Die frei gewollte "Selbstbefrieidgung" ist in 1 Kor 6,9 EU (Lustknaben) unter den Sünden, die vom Reiche Gottes ausschließen,[5] ebenso schließt sich der Mensch, bis zur aufrichtigen Beichte, von der sakramentalen Kommunion aus.[6]

Außerhalb des sittlichen Bereiches liegt der Orgasmus im Schlaf (beim Mann: Pollutio nocturna).[7]

Sittlich subjektive Verantwortung

Ein Beichtvater muss, um ein ausgewogenes Urteil über die sittliche Verantwortung jener, die sich hierin verfehlen, zu bilden und um die Seelsorge danach auszurichten, affektive Unreife, die Macht eingefleischter Gewohnheiten, Angstzustände und weitere psychische oder gesellschaftliche Faktoren berücksichtigen, welche die moralische Schuld vermindern oder sogar auf ein Minimum einschränken können (KKK 2352). Nicht immer liegt eine schwere Schuld vor.[8] Im allgemeinen darf jedoch nicht von vornherein das Fehlen einer schweren Verantwortung angenommen werden. Dies hieße nämlich, die sittliche Urteilsfähigkeit der Menschen zu verkennen.[9][10] Wenn ein Mensch von der Selbstbefriedigung nicht loskommt, wird der Beichtvater den Menschen dennoch in der Beichte lossprechen. Ja, er wird sogar zum Betreffenden sagen, er brauche nicht immer gleich zur Beichte gehen, wenn es wieder einmal schiefgegangen ist, sondern könne – Reue vorausgesetzt – die Sakramentale Kommunion empfangen.[11]

Ursachen und deren Überwindung

Eine der für das Phänomen der Selbstbefriedigung verantwortlichen Ursachen ist das Fehlen der Ausgeglichenheit und des Gleichgewichts im sexuellen Bereich. Andere Ursachen oder Anlässe sind nur sekundärer Natur, auch wenn sie ihr Auftreten erleichtern oder zu ihrer Fortsetzung beitragen. Das pädagogische Bemühen muss sich mehr auf diese Ursachen richten als auf die direkte Bekämpfung oder Unterdrückung dieses Phänomens. Nur so kann man beim Jugendlichen die Entwicklung des Triebes wirksam unterstützen, nämlich jenes innere Heranreifen, das ihn zu einer fortschreitenden Beherrschung seiner Triebwelt führt, einem Fortschritt, den gerade die eben erwähnten Ursachen mehr oder weniger zu verhindern suchen. Furcht, Drohungen oder Einschüchterungen physischer oder geistiger Art helfen hier nicht weiter. Sie begünstigen vielmehr Zwangszustände, die das sexuelle Gleichgewicht in Gefahr bringen und den jungen Menschen auf sich selbst fixieren, statt ihn für die Mitmenschen aufzuschließen. Der Erfolg wird hier, wie auch in anderen Fällen, davon abhängen, wie weit man sich der wirklichen Ursache der Störung bewusst wird. In dieser Richtung sollte sich die erzieherische Bemühung bewegen.[12]

Ein tiefblickender Erzieher und Ratgeber muss sich bemühen, die Ursachen dieser Verirrung festzustellen, um dem Heranwachsenden zu helfen, die Unreife zu überwinden, welche in dieser Gewohnheit liegt. Der Erzieher muss wissen, dass die Selbstbefriedigung und andere Formen der Selbsterotik Zeichen für viel tiefere Probleme sind. Diese führen zu einer geschlechtlichen Spannung, die der Betreffende durch das erwähnte Verhalten zu lösen sucht. Deshalb muss das erzieherische Bemühen mehr auf die Gründe als auf die direkte Unterdrückung solcher Verhaltensweise gerichtet sein.[13]

Um sich in der praktischen Seelsorge ein angemessenes Urteil in den einzelnen konkreten Fällen zu bilden, wird das gewohnheitsmäßige Verhalten der Menschen in seiner Gesamtheit in Betracht gezogen werden müssen; und zwar nicht allein was die Übung von Liebe und Gerechtigkeit angeht, sondern auch was die Sorge um die Beobachtung des besonderen Gebotes der Keuschheit betrifft. Man wird besonders darauf achten, ob man sich der notwendigen natürlichen (z.B. kein Schweinefleisch, Maßhalten im Essen) und übernatürlichen Mittel (Gebet und Sakramente) bedient, die die christliche Askese auf Grund ihrer langen Erfahrung empfiehlt, um die Leidenschaften zu beherrschen und der Tugend zum Fortschritt zu verhelfen.[14]

Um dem Jugendlichen zu helfen, sich in eine Gemeinschaft der Liebe aufgenommen und dem Eingeschlossensein in das eigene Ich entrissen zu fühlen, muss der Erzieher «die Tatsache der Selbstbefriedigung entdramatisieren und nicht nachlassen, dem Betreffenden seine Achtung und sein Wohlwollen zu bezeigen». Er muss ihm helfen, sich sozial einzuordnen, sich anderen gegenüber zu öffnen und sich für sie zu interessieren. So kann sich der Betroffene von dieser Form der Selbsterotik befreien und einer hingebenden Liebe zuwenden, die zu einem gereiften Gefühlsleben gehört.[15]

Beurteilung der Masturbation zur Samengewinnung

Päpstliche Schreiben

Pius XI.

  • 2. August 1929 Heiliges Offizium: Eine Samengewinnung durch direkt hervorgerufene Masturbation ist unerlaubt, was immer der Zweck der Untersuchung sei (AAS 21 [1929] 490)

Pius XII. (S. ob ihrer intrinseca malitia ist unvereinbar mit dem Sittengesetz)

Johannes XXIII.

Paul VI.

Johannes Paul II.

siehe: Unzucht, Pornografie

Weblinks

Anmerkungen

  1. von manu stupratio = mit der Hand schänden oder mas turbatio [K. Landauer]: Leonhard Weber in: LThK, 2. Auflage, Band 7, Sp. 1157, Onanismus: II. Selbstbefriedigung.
  2. KKK 2352; Selbstbefriedigung im Lexikon der christlichen Moral von Karl Hörmann.
  3. Selbstbefriedigung im Lexikon der christlichen Moral von Karl Hörmann.
  4. vitia contra naturam (S. th. 2 II q. 154 a. 11).
  5. K. Hilgenreiner in: LThK 1. Auflage, Band 2, Sp. 721 - Selbstbefriedigung unter Onanie. behandelt .
  6. angemerkt: 25. Juli 1986 Kongregation für die Glaubenslehre: Als Theologe nicht geeignet‚, wer vom Lehramt abweicht: "Die verschiedenen abweichenden Positionen, die die Kongregation nicht gelten lässt, nämlich betreffs des Rechtes auf öffentliche Abweichung vom Ordentlichen Lehramt, der Unauflöslichkeit der vollzogenen sakramentalen Ehe, Abtreibung, Euthanasie, Masturbation, künstlicher Empfängnisverhütung, vorehelichen Geschlechtsverkehrs und homosexueller Handlungen wurden sorgfältig genug in den oben angeführten Bemerkungen im Juli 1983 aufgelistet und sind seither veröffentlicht worden.
  7. Selbstbefriedigung im Lexikon der christlichen Moral von Karl Hörmann.
  8. Persona humana, Nr. 9; Menschliche Sexualität, Wahrheit und Bedeutung, Nr. 103.
  9. vgl. Persona humana, Nr. 9.
  10. Die Lehre Pius' XII in La famiglia è la culla über die konkrete Sündhaftigkeit der Selbstbefriedigung trifft nicht krankhafte Fälle, sondern jede laxististische Beurteilung (wiewohl z. B. ex imperfectione actus bes. in der Pubertät die Schuld weitgehend fehlen kann): Leonhard Weber in: LThK, 2. Auflage, Band 7, Sp. 1157, Onanismus: II. Selbstbefriedigung.
  11. 'Amoris laetitia' und die Lehre der Kirche kath.net am 28. November 2016 von Prof. Josef Spindelböck.
  12. Leitgedanken für die Erziehung zum priesterlichen Zölibat, Nr. 63.
  13. Orientierung zur Erziehung in der menschlichen Liebe, Nr. 99.
  14. Persona humana, Nr. 9.
  15. Orientierung zur Erziehung in der menschlichen Liebe, Nr. 100.
  16. Leonhard Weber in: LThK, 2. Auflage, Band 7, Sp. 1157, Onanismus: II. Selbstbefriedigung.
Meine Werkzeuge