Unzucht

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Unzucht (biblisch, griech.: porneia) im weiten Sinn, bedeutet "ohne Zucht" und wird (umgangssprachlich) für jeden freiwilligen[1][2] Geschlechtsverkehr verwendet, der nicht dem heterosexuellem Umgang innerhalb der Ehe von Mann und Frau entspricht. [3]Unzucht ist eine schwere Sünde und schließt von der Kommunion und vom Himmelreich aus[4]. "Jede andere Sünde, die der Mensch tut, bleibt außerhalb des Leibes. Wer aber Unzucht treibt, versündigt sich gegen den eigenen Leib,[5] und ist Sklave des Fleischlichen. Unzucht ist ein Ausdruck des Lasters der Unkeuschheit. [6]

Inhaltsverzeichnis

"Einfache" Unzucht: Mann x Frau

Im engen Sinne, ist die Unzucht, der Verkehr eines Ledigen mit einer Ledigen (fornicatio).[7] Wenn ein Mann mit einem Mädchen geschlafen hat, und er ertappt wurde, musste er diese im Alten Testament heiraten (vgl. Dtn 22,28-9 EU).

Die geschlechtliche Vereinigung außerhalb der Ehe ist im Neuen Testament ausdrücklich verurteilt.[8]

Ist eine Person beim Geschlechtsverkehr verheiratet (z. B. "Wiederverheiratet Geschiedene"), (biblisch, griech.: moicheia), begehen beide Ehebruch, sofern jeder um die eingegangene Ehe wusste (vgl. Lk 16,18 EU). Weiß nur der Verheiratete von der Ehe, hat der Unverheiratete fornicatio zu verantworten. Auch mit Zustimmung zum Geschlechtsverkehr des Ehepartners mit einer anderen Person, begeht jene/r Ehebruch (vgl. DH 2150). Aufgrund von Ehebruch ist eine Trennung des Bettes erlaubt, jedoch nicht eine andere Ehe zu schließen, da das Eheband immerwährend (bis zum Tode) anhält (vgl. DH 1327).

Erfolgt die Unzucht mit einer Dirne, die ein Entgelt für den Geschlechtsverkehr verlangt, nennt man dies Gewerbsunzucht (Prostitution).

Sakrilegische Unzucht ist die unzüchtige Beziehung zwischen Personen, von denen wenigstens eine durch ein Keuschheitsgelübde oder durch den Zölibat verpflichtet ist. Die Sakrilegische Unzucht ist nicht nur eine Schwere Sünde, sondern zusätzlich der Bruch des Gelübdeschwures ehelos zu bleiben und sich der Ehe vorbehaltenen Akte zu enthalten. Die Schwere Sünde gegen die Gottesverehrung begeht auch der Nichteingeweihte, wenn er um das Gottgeweihtsein des Mitschuldigen weiß.[9]

Ehe ohne Trauschein - Wilde Ehe - Konkubinat - freie Liebe

Für Katholiken gibt es keine Ehe ohne eine kirchliche Trauung (Youcat 425).[10] Der Priester oder Diakon, der bei der Trauung assistiert, nimmt im Namen der Kirche den Konsens der Brautleute entgegen und erteilt den Segen der Kirche. Die Gegenwart des Amtsträgers der Kirche und der Trauzeugen bringt sichtbar zum Ausdruck, dass die Ehe eine kirchliche Lebensform ist (KKK 1630).

Manche, die zu heiraten beabsichtigen, beanspruchen heute eine Art "Versuchsrecht". Wenn auch der Wille zur Heirat fest ist, besteht doch die Tatsache, dass verfrühte geschlechtliche Beziehungen „keineswegs die Aufrichtigkeit und die Treue der zwischenmenschlichen Beziehungen von Mann und Frau zu gewährleisten noch sie vor allem gegen Laune und Begierlichkeit zu schützen vermögen“ (CDF, Erkl. „Persona humanaNr. 7). Die leibliche Vereinigung ist nur dann moralisch zu rechtfertigen, wenn zwischen dem Mann und der Frau eine endgültige Lebensgemeinschaft gegründet worden ist. Die menschliche Liebe lässt den bloßen „Versuch“ nicht zu. Sie verlangt eine endgültige und ganze gegenseitige Hingabe der beiden Partner (KKK 2391).

Das Konkubinat ist eine länger dauernde außereheliche Geschlechtsgemeinschaft.

Der Ausdruck „freie Liebe“ ist trügerisch: Was kann ein Liebesverhältnis bedeuten, bei dem die beiden Partner keine gegenseitigen Verpflichtungen eingehen? (KKK 2390)!.

Widernatürliche Unzucht: Gleichgeschlechtlicher Verkehr

Wenn Männer mit Männern in Unzucht verkehren (Vgl. Röm 1,27 EU), spricht man von Homosexualität oder von der Ausübung der homosexuellen Neigung. Verkehren zwei weibliche Personen miteinander, spricht man von lesbischem Verkehr (Vgl. Röm 1,26 EU).[11] Knabenliebe (Päderastie) ist ebenso pervers (contra naturam; vgl. DH 2149).

Inzest - Blutschande

Der Inzest (von latein. incestus „unkeusch“) oder auch Blutschande genannt, bezeichnet den Geschlechtsverkehr zwischen eng verwandten Menschen.[12] Inzest in seiner stärksten Ausprägung ist die Paarung eines Elternteils mit seinem leiblichen Kind.

Vermeidung der Gefahr der Unzucht

Wer von sexuellem Verlangen gedrängt wird, soll es nicht außerhalb der Ehe befriedigen, sondern heiraten: "Haben sie jedoch nicht die Kraft zur Enthaltsamkeit, so sollen sie heiraten. Es ist nämlich besser zu heiraten als (vor Begierde) zu brennen" (1 Kor 7,9 EU). "Um aber Unzuchtsünden zu vermeiden, soll jeder seine eigene Ehefrau und jede Frau ihren Mann haben" (1 Kor 7,2 EU). Entzieht euch einander nicht, außer im gegenseitigen Einverständnis und nur eine Zeit lang, um für das Gebet frei zu sein. Dann kommt wieder zusammen, damit euch der Satan nicht in Versuchung führt, wenn ihr euch nicht enthalten könnt (1 Kor 7,5 EU).

Paulus spricht an anderer Stelle: "Das ist es, was Gott will: eure Heiligung. Das bedeutet, dass ihr die Unzucht meidet, dass jeder von euch lernt, mit seiner Frau in heiliger und achtungsvoller Weise zu verkehren, nicht in leidenschaftlicher Begierde wie die Heiden, die Gott nicht kennen, ... denn all das rächt der Herr, wie wir euch schon früher gesagt und bezeugt haben. Denn Gott hat uns nicht dazu berufen, unrein zu leben, sondern heilig zu sein." (1 Thess 4,3-7 EU). "Darum tötet, was irdisch an euch ist: die Unzucht, die Schamlosigkeit, die Leidenschaft, die bösen Begierden und die Habsucht, die ein Götzendienst ist" (Kol 3,5 EU).

Unzucht und der Mystische Leib Christi

Da der Christ durch die Taufe ein Glied am Leibe Christi ist, bedeutet Unzucht, den Leib der Dirne mit dem Leib Christi zu verbinden (vgl. 1 Kor ,15–17 EU)[13] Der Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes, der in uns wohnt und den wir von Gott haben." Wir gehören nicht uns selbst, denn um einen teuren Preis sind wir losgekauft worden.[14] Die Ehe ist nach den Worten des Apostels Paulus, das Zeichen der Verbindung von Christus und der Kirche, dem Geheimnisvollen Leibe Christi.[15] Der Geschlechtsverkehr ist ausschliessliches Recht der Ehe. Außerhalb der Ehe ist dieses Recht nicht gegeben. [16]

In früheren Versionen der Allerheiligenlitanei gab es eine Bitte, dass der Herr uns vom Geist der Unzucht befreie (A spiritu fornicationis libera nos, Domine).[17]

(Weiteres) Lehramtliches

  • Das Apostelkonzil von Jerusalem verpflichtet "die Brüder aus dem Heidentum in Antiochia, in Syrien und Zilizien, dass sie ... Unzucht meiden" (vgl. Apg 15,29 EU).

Pius IV.

Johannes Paul II.

Siehe auch: Sexualität, Ehebruch.

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

  1. nicht freiwillig wäre die Vergewaltigung (Notzucht, suprum); Vgl. auch Mk 7,21-22 EU: Denn von innen, aus dem Herzen der Menschen, kommen die bösen Gedanken, Unzucht, Diebstahl, Mord, Ehebruch, Habgier, Bosheit, Hinterlist, Ausschweifung, Neid, Verleumdung, Hochmut und Unvernunft.
  2. "Die Gebote, insbesondere die negativen sittlichen Vorschriften, sind der Anfang und die erste notwendige Etappe des Weges zur Freiheit: »Die erste Freiheit — schreibt der hl. Augustinus — besteht im Freisein von Verbrechen..., als da sind Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, Betrug, Gotteslästerung usw. Wenn einer mit diesen Vergehen nichts zu tun hat (und kein Christ darf mit ihnen zu tun haben), beginnt er sein Haupt zur Freiheit zu erheben, aber das ist erst der Anfang der Freiheit, nicht die vollkommene Freiheit«." so Johannes Paul II. in der Enzyklika Evangelium vitae vom 25. März 1995.
  3. Sie ist ein schwerer Verstoß gegen die Würde dieser Menschen und der menschlichen Geschlechtlichkeit selbst, die von Natur aus auf das Wohl der Ehegatten sowie auf die Zeugung und Erziehung von Kindern hingeordnet ist. Zudem ist sie ein schweres Ärgernis, wenn dadurch junge Menschen sittlich verdorben werden (KKK Nr. 2353)
  4. Vgl. Offb 22,15 EU: "Draußen bleiben die «Hunde» und die Zauberer, die Unzüchtigen und die Mörder, die Götzendiener und jeder, der die Lüge liebt und tut." und: 1 Kor 6,9 EU; Gal 5,20 EU; Eph 5,5 EU; Jud 1,7 EU
  5. Der Apostel Paulus: vgl. 1 Kor 6,18 EU
  6. “Von Unzucht aber und Schamlosigkeit jeder Art oder von Habgier soll bei euch, wie es sich für Heilige gehört, nicht einmal die Rede sein.” (Eph 5,3 EU).
  7. vgl. Unehelicher Geschlechtsverkehr im Lexikon der christlichen Moral von Karl Hörmann
  8. 1 Kor 5,1 EU; 1 Kor 6,9 EU; 1 Kor 7,2 EU; 1 Kor 10,8 EU; Eph 5,5 EU; 1 Tim 1,10 EU; Hebr 13,4 EU; und mit ausdrücklicher Begründung: 1 Kor 6,12-20 EU.
  9. Bernhard Häring: Das Gesetz Christi. Moraltheologie. Dargestellt für Priester und Laien. Erich Wewel Verlag, Freiburg i. Br. 1959, 5. verbesserte Auflage, S. 1144 (in einem Band; Mit kirchlicher Druckerlaubnis München 17. Juni 1958 GVNr. 5454 Dr. Johannes Fuchs, Generalvikar)
  10. vgl. auch: Enzyklika Humanum genus vom 20. April 1884 über die Freimaurerei. Nr. 21; Johannes Paul II., 22. November 1981 Nachsynodales Apostolisches Schreiben Familiaris consortio, Katholiken, die nur zivil getraut sind, Nr. 82.
  11. vgl. zu widernatürlicher Unzucht: Sodomie.
  12. (vgl. Lev 18,6 -18 EU; Lev 19,19-21 EU; Lev 20,11-12.14.17 EU)
  13. 11. Mai 2008 Päpstliche Bibelkommission: Schreiben Bibel und Moral Biblische Wurzeln des christlichen Handelns, Nr. 56.
  14. Der Apostel Paulus: vgl. 1 Kor 6,19-20 EU
  15. vgl. Eph 5,32 EU: "Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche."
  16. Vgl. Pius XI. Enzyklika Casti connubii über die christliche Ehe vom 31. Dezember 1930, Nr. 18
  17. Im Katholischen Gebet- und Gesangbuch "Gotteslob" 1975 (Nr. 762) übersetzt "Von Unzucht"; Gebet- und Gesangbuch für das Erzbistum Köln (1949), Nr. L 54 übersetzt "Von dem Geist der Unlauterkeit verschone uns, o Herr."
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