Kongregation für die Glaubenslehre

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Glaubenskongregation
Wappen des gegenwärtigen Papstes

Kongregation für die Glaubenslehre (Congregatio pro doctrina fidei, Glaubenskongregation) nennt sich das oberste Organ an der Römischen Kurie. Der ursprüngliche Name lautete Congregatio Romanae et universalis Inquisitionis. Im öffentlichen Sprachgebrauch setzte sich die Bezeichnung "Inquisition" durch.

Der Präfekt der Glaubenskongregation ist von Amts wegen auch Präsident der Päpstlichen Bibelkommission und der Internationalen Theologenkommission, deren Sekretariat und Sitz bei dem Dikasterium ist.

Der heilige Papst Pius V. ist der Patron der Glaubenskongregation.[1]

Inhaltsverzeichnis

Aufgaben

Papst Johannes Paul II. hat 1988 in der Apostolischen Konstitution über die Römische Kurie Pastor bonus festgelegt, dass die Glaubenskongregation die Aufgabe hat, "die Glaubens- und Sittenlehre in der ganze katholischen Kirche zu fördern und schützen."

Die Aufgaben sind in drei Bereiche eingeteilt:

  • Lehrabteilung: behandelt Fragen, die mit der Förderung und dem Schutz der Glaubens- und Sittenlehre in Zusammenhang stehen.
  • Disziplinarabteilung: befasst sich mit Straftaten gegen den Glauben sowie mit schwerwiegenderen Straftaten (delicta graviora), die gegen die Sitten und bei der Feier der Sakramente begangen wurden, und sie behandelt auch weitere Glaubensprobleme disziplinärer Natur.
  • Eheabteilung: behandelt die sich mit Angelegenheiten bezüglich des privilegium fidei befasst. Die Abteilung behandelt Fälle der Eheauflösung in favorem fidei und untersucht folglich Zweifel im Hinblick auf die Gültigkeit der Taufe. In enger Zusammenarbeit mit der Lehrabteilung kümmert sich die Eheabteilung um vielfältige Aspekte des Ehebandes.

Geschichte

Die Heilige Inquisition (mit Sitz in der Via di Ripetta) war eine jahrhundertelang eingesetzte Organisation, um die Kirche von Häresien und Irrglauben zu reinigen. Sie wurde 1231 von Papst Gregor IX. offiziell gegründet und, nach wechselvollem Geschick in den unterschiedlichen Ländern Europas, durch Papst Paul III. mit der Konstitution Licet ab initio vom 21. Juli 1542 in der Neuzeit als erste Kongregation neu strukturiert (Kommission von sechs Kardinälen). Paul IV. erweiterte ab 1555 erheblich ihren Wirkungskreis, indem er ihr die Vollmacht erteilte, über sittliche Fragen verschiedener Art zu urteilen. Als solche wurde sie in der Kurienreform Sixtus V. 1588 bestätigt.

Im Jahr 1566 stellte der Dominikaner Michele Ghislieri – Kardinal-Großinquisitor und später Papst mit dem Namen Pius V. – der Kurienbehörde einen neuen Sitz anstelle des ursprünglichen Gebäudes zur Verfügung. Der Pontifex erwarb ein Gebäude in der Nähe der damals im Bau befindlichen vatikanischen Basilika und ließ es restaurieren. Dafür wurden sogar die Arbeiten an der Basilika unterbrochen, um die Renovierung des neuen Palastes an der heutigen Piazza del Sant’Uffizio zu beschleunigen, wo sich bis zum heutigen Tag die Büros der Kongregation befinden. Es war Pius V. persönlich, der 1571 zusätzlich zur Inquisition die »Kongregation für die Reform des Verzeichnisses der verbotenen Bücher« schuf. Diese hatte die spezifische Aufgabe, verdächtige Schriften zu untersuchen, jene Werke zu korrigieren, die nach entsprechender Zensur weiter verbreitet werden durften, und das Verzeichnis der verbotenen Bücher regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen.

Papst Pius X. hat mit der zwecks Kurienreform veröffentlichten Apostolischen Konstitution Sapienti consilio vom 29. Juni 1908 Kongregation in "Sacra Congregatio Sancti Officii" (»Heilige Kongregation vom Heiligen Offizium«) umbenannt. Infolge einer umfassenden Kurienreform erhielt sie später auch den Titel »Suprema« (Oberste), der sich vor allem aus der Tatsache ableitet, dass ihr der Papst persönlich vorstand. Papst Benedikt XV. übertrug ihr die Befugnisse der von ihm aufgelösten Indexkongregation.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil hat Papst Paul VI. mit dem Motu Proprio Integrae servandae vom 7. Dezember 1965 die Kompetenzen und die Struktur der Kongregation wiederum neu geordnet und dabei den Index verbotener Bücher als rechtlich wirksames Instrument abgeschafft. Er änderte den Namen in »Heilige Kongregation für die Glaubenslehre« und aktualisierte die Methoden bei der Lehrüberprüfung: Statt des »strafenden« Charakters der Verurteilung sollte nunmehr die »positive« Aufgabe überwiegen, Irrtümer zu berichtigen sowie den Glauben zu schützen, zu bewahren und zu fördern. Im Rahmen dieser Neuordnung wurde auch der »Index der Verbotenen Bücher« abgeschafft. Erster Präfekt wurde der vorherige Sekretär des Hl. Offiziums, der überaus kompetente Kirchenrechtler, aus der Schule von Pietro Gasparri, Kardinal Alfredo Ottaviani (Präfekt des Hl. Offiziums war zuvor der Papst selber), der bis 1969 im Amt blieb. Sein Nachfolger war der kroatische Kurienkardinal Franjo Seper, diesem folgte 1982 Kardinal Joseph Ratzinger (bis 2005).

Johannes Paul II. verfügte mit der Apostolischen Konstitution Pastor bonus (28. Juni 1988) eine weitere Neustrukturierung der gesamten Kurie. Dabei wurden auch die Ziele, Aufgaben und Vorgehensweisen der Kongregation für die Glaubenslehre genau festgelegt: sie erhielt den Auftrag, »die Glaubens- und Sittenlehre in der ganzen katholischen Kirche zu fördern und zu schützen« (Art. 48). Im März 2021 besteht das Dikasterium aus einem Kollegium von »Mitgliedern« – Kardinälen und Bischöfen –, an dessen Spitze der Präfekt steht, der es leitet und repräsentiert. Dem Kardinal zur Seite stehen der Sekretär, zwei beigeordnete Sekretäre, ein Untersekretär, sowie ein Kirchenanwalt (Promotor Iustitiae). Sie werden unterstützt von einem Stab entsprechend ausgebildeter Mitarbeiter (Büroleiter, Büromitarbeiter, Sekretariatsmitarbeiter, technische Mitarbeiter und Schreibkräfte), die sich auf die verschiedenen Büros verteilen, in die das Dikasterium untergliedert ist. Einschließlich der sechs leitenden Geistlichen arbeiten in der Kongregation 65 Personen aus verschiedenen Ländern und Kontinenten. Die Arbeit des Dikasteriums wird außerdem durch 30 vom Papst ernannte Konsultoren unterstützt. Darüber hinaus können, wenn es die Materie erfordert, Sachverständige, insbesondere Hochschulprofessoren, hinzugezogen werden, die auch zur Teilnahme an den Sitzungen der »Consulta« eingeladen werden können.

Im Januar 1998 ordnete der damalige Präfekt Kardinal Joseph Ratzinger die Öffnung der historischen Archive für die Gelehrten an.[2]

Seit 19. Januar 2019 übernimmt die Glaubenskongregation die Aufgaben der Kommission Ecclesia Dei. Die Kongregation hat sich ab dieser Zeit direkt um die Wiedereingliederung traditionalistischer Gruppen in die römisch-katholische Kirche zu bemühen, da die von der Kommission behandelten Ziele und Fragen vorwiegend lehrmäßiger Natur seien.[3] Papst Franziskus ernannte im April 2019 Mons. Patrick Descourtieux (einen früheren Mitarbeiter der Päpstlichen Kommission „Ecclesia Dei“) zum Leiter der Abteilung in der Glaubenskongregation, die für die Verbindung mit den traditionsorientierten Gemeinschaften, die in voller Gemeinschaft mit Rom sind, als auch mit jenen, die außerhalb stehen.[4]

Zur Geschichte der Heiligen Inquisition

In der Darstellung ihrer Geschichte überwogen in den letzten 200 Jahren die negativen Aspekte, die heute die allgemeine Wahrnehmung der Öffentlichkeit noch bestimmen. Die wildromantische Vorstellung, als hätten das ganze Mittelalter hindurch fast in jedem Landstrich permanent nur Scheiterhaufen gebrannt und als sei es die Hauptbetätigung der Inquisition gewesen, möglichst viele Ketzer hinzurichten, ist aber eine grobe Verzerrung. Die Gesamtzahl der Opfer entspricht seit Gründung der Römischen Inquisition 1542 ungefähr der Zahl, die allein Mao tse-Tung während seiner Diktatur in China in 40 Minuten (!) vernichtete (so: Manfred Lütz) und diese wurde selbst vom Terrorjahr 1793 der frz. Revolution massiv übertroffen. Trotzdem ist die Zahl der Opfer aus heutiger Sicht unentschuldbar und nicht "aufrechenbar", da das Evangelium von der Liebe Gottes nur ohne Gewalt (und ohne "helfende" Inanspruchnahme der Staatsgewalt) glaubhaft zu verkündigen ist.

Ein Beispiel: die Opfer der Inquisition beziffert Arnold Angenendt mit 97 (1542-1761; nur römische Inquisition!) und um 6.000, sofern es um die gefürchtete spanische Inquisition geht. Natürlich ist jedes Opfer ein Opfer zuviel; aber es verblüfft doch schon, wenn man bedenkt, wie ohne Sinn und Verstand horrende Zahlen in die Welt gesetzt wurden, ohne dass etwas dahinter steckt und wieviele Leute (auch und gerade brave Katholiken) dies dann glauben.

Einschließlich der Opfer des Hexenwahns, der ja kein christliches oder gar katholisches Phänomen war, sondern ein Phänomen des Aberglaubens war, ist zu sagen: Angenendt beziffert die Zahl, wie andere seriöse Forscher auch, auf etwa 50.000, darunter rund ein Viertel Männer. (Die mitunter verbreitete, gewaltige Zahl von 6.- 9. Millionen Toten rührt zum einen von bewußter Hetze gegen die Kirche, als auch von Missverständnissen her. So wurden bereits im 18. Jh. Zahlen von rund 9 Millionen Toten genannt. Dies rührte daher, dass man alle Prozesse mit Todesurteilen gleichsetzte!) .

Jüngere Literatur bemüht sich um eine ausgewogenere Sicht, wenn auch z.B. bei Hans Conrad Zander bisweilen in einer eher ironisierenden Darstellungsweise. Demnach agierte die Inquisition in relativer Hinsicht sogar eher fortschrittlich, in rechtsförmlichen Verfahren, und war keineswegs typischerweise übereifrig. Auch der Neuseeländer Peter Godman hat die Geschichte der modernen Inquisition anhand gravierender Fälle (von Galilei bis Graham Greene) nachgezeichnet. In der Geschichte der spanischen Inquisition vermengen sich jedoch königlich- herrschaftliche und explizit kirchliche Interessen stärker als bei der römischen "Zentrale".

In Deutschland blieb die Inquisition weitgehend unbedeutend, abgesehen von unrühmlichen Exzessen in der Hexenverfolgung, die jedoch ein frühneuzeitliches Phänomen war, an dem sich auch nichtkatholische Kräfte massiv beteiligten.

Auf der Höhe der Zeit

Wie pedantisch oder schwer verständlich sie auch erscheinen mag, die Arbeit der Kongregation ist stets auf der Höhe der Zeit und misst sich kontinuierlich an den immer neuen Erkenntnissen des aktuellsten kulturellen und theologischen Diskurses. Die Bemühungen des Dikasteriums bestehen gerade darin, im Strom der Probleme und der aufkommenden Meinungen die Kerngedanken und wichtigsten Vorschläge aufzuzeigen. An diesem Punkt kommt die Rolle der Fachleute ins Spiel, die den Auftrag haben, Themen und Fragen zu untersuchen, sie in ihren tiefsten Wurzeln zu ergründen und Bewertungen und Richtlinien vorzuschlagen, die sich am Evangelium und an der katholischen Tradition orientieren. Die nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil veröffentlichten Dokumente, die maßgebliche Antworten auf neue Fragen bieten, die sich in Bereichen wie der Christologie, der Ekklesiologie, der Anthropologie, der Befreiungstheologie, der Berufung des Theologen, der Sakramenten- und Morallehre ergeben, wurden in dem Band Documenta inde a Concilio Vaticano secundo expleto edita (1966-2005) [Vatikanstadt, Libreria Editrice Vaticana, 2005] gesammelt und auf der Website des Vatikans veröffentlicht.[5]

Präfekten seit 1965

[zuvor führte der Papst selbst den Vorsitz]

Kontakt

Präfekt der Glaubenskongregation

Piazza del S. Uffizio, 11, 00193 Rom, Italien

phone: (011) 39-06-6988-3357

phone: (011) 39-06-6988-3413

Fax: (011) 39-06-6988-3409

E-mail: cdf@cfaith.va

Zitate

"Auch die Beschäftigung mit der Inquisition kann den Glauben an die göttliche Gründung der Kirche stärken. Denn eine Einrichtung, die soviel Böses in den eigenen Reihen verkraftet, sich innerlich erneuert und ändert und dabei nicht untergeht, die kann kaum reines Menschenwerk sein." (P. Eberhard von Gemmingen SJ)

Literatur

  • Kongregation für die Glaubenslehre: Dokumente seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, Erweiterte Ausgabe (1966-2013) Herder Verlag 2015 (720 Seiten, gebunden, ISBN 978-3-451-31253-3).

Weblinks

Anmerkungen

  1. Erzbischof Müller: Glaubenskongregation muss Glauben fördern Kath.net am 30. April 2013
  2. Osservatore Romano am 26. März 2021, S. 10 von Maurizio Fontana.
  3. Papst löst Kommission 'Ecclesia Dei' auf und regelt Dialog neu Kath.net am 19. Januar 2019
  4. Vatikan: Neuer Ansprechpartner für Traditionalisten Kath.net am 10. April 2019
  5. Osservatore Romano am 26. März 2021, S. 10 von Maurizio Fontana.
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