Ex quo (Wortlaut)

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Enzyklika
Ex quo, nono

von Papst
Pius X.
an die Ehrwürdigen Brüder, die Erzbischöfe und Apostolischen Delegaten,
welche in Byzanz, in Griechenland, in Ägypten, in Mesopotanien, in Persien, Syrien und Ostindien ihren Sitz haben
Lehramtliche Verurteilung einiger falscher Ansichten über die vorgebliche "Wiedervereinigung der Kirchen"
26. Dezember 1910

(Offizieller lateinischer Text AAS III [1911] 117-121)

(Quelle: Hl. Papst Pius X., Apostolisches Rundschreiben EX QUO, NONO vom 26. Dezember 1910. Freude an der Wahrheit Nr. 70. Autorisierter deutscher Text)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Ehrwürdige Brüder,
Gruß und Apostolischen Segen !

Seitdem im 9. Jahrhundert die Völker des Orients begannen, sich von der Einheit der Katholischen Kirche zu trennen, ist von heiligen Männern fast unbeschreiblich viel für die Zurückführung der getrennten Brüder zum Schoß derselben getan worden. Allen voran haben die Päpste, Unsere Vorgänger, um den Glauben und die kirchliche Einheit, wie es ihres Amtes ist, zu schützen nichts unterlassen und durch väterliche Ermahnungen, öffentliche Gesandtschaften und feierliche Kirchenversammlungen die unheilvolle Spaltung zu beseitigen gesucht, welche dem Abendland Trauer, dem Morgenland aber schweren Schaden gebracht hat. Zeugen dieser Fürsorge sind, um nur wenige zu nennen, Gregor IX., Innozenz IV., Clemens IV., Gregor X., Eugen IV., Gregor XIll. und Benedikt XIV.[1] Mit welchem Eifer aber in neuester Zeit Unser Vorgänger rühmlichen Angedenkens Leo XIII. die Völker des Orientes zur Wiedervereinigung mit der Römischen Kirche eingeladen hat, ist allgemein bekannt. Wir freuen Uns gewiss, so sagt er,[2] über den uralten Ruhm des Orients und über den Ruf seiner Verdienste für alle Geschlechter der Menschen, wenn Wir daran denken. Dort steht die Wiege des Heiles für das Menschengeschlecht, von dort leuchtet das Morgenrot der christlichen Weisheit, von dort ist alle Wohltat, welche wir zugleich mit dem Evangelium empfangen haben, wie ein reicher Strom dem Abendland zugeflutet. Und indem Wir dieses überlegen, wünschen Wir nichts so sehr, als dafür zu wirken, dass im ganzen Orient die Tugend und Größe der Vorzeit wieder auflebe. Umso mehr, als die Entwicklung der menschlichen Verhältnisse dort selbst Anzeichen gezeitigt hat, welche die Hoffnung erwecken, dass die Völker des Orients nach so langer Trennung vom Schoß der Römischen Kirche mit Gottes Antrieb dereinst wieder mit ihr zur Versöhnung gelangen werden.

Kein geringeres Verlangen beseelt Uns, wie Ihr wohl wisst Ehrwürdige Brüder, als dass doch bald der Tag erscheine, den so viele heilige Männer tiefbesorgt herbeiflehten und wünschten: der Tag, wo die Scheidewand zwischen den beiden Völkern von Grund aus niedergerissen würde und die einträchtige Vereinigung dieser beiden in Glaube und Liebe endlich einmal den Frühling des erbetenen Friedens wieder bringe und eine Herde und ein Hirte[3] sei.

Während Wir diese Wünsche in der Seele hegten, hat Uns neulich eine Abhandlung in der neugegründeten Zeitschrift Roma e lÓriente (=Rom und der Orient), welche den Titel führt: Pes´ees Sur La question de I´union des Églises (= Gedanken über die Frage der Vereinigung der Kirchen), Anlass zu großer Betrübnis gegeben. Denn jene Schrift enthält so viele schwerwiegende Irrtümer nicht nur theologischer, sondern auch historischer Natur, dass man auf so wenig Seiten kaum mehr hätte aufhäufen können.

Es wird darin nämlich ebenso unbesonnen als unrichtig die Meinung zugelassen, dass die Glaubenslehre vom Ausgang des Heiligen Geistes vom Sohne sich nicht aus den Worten des Evangeliums ergebe, noch dass sie durch das Zeugnis der alten Väter erhärtet werde; ähnlich wird höchst unverständig in Zweifel gezogen, ob die kirchliche Glaubenslehre vom Fegefeuer und von der Unbefleckten Empfängnis der Allerseligsten Jungfrau Maria von den heiligen Männern früherer Jahrhunderte anerkannt worden sei; wo aber der Schriftsteller auf die Verfassung der Kirche zu sprechen kommt, da wiederholt er zunächst den schon von Unserem Vorgänger Innozenz. X. [4] längst verworfenen Irrtum, der heilige Paulus werde wie ein Bruder den heiligen Petrus für durchaus gleich gehalten. Darauf wird nicht weniger falsch die Überzeugung ausgesprochen, die Katholische Kirche sei in den ersten Jahrhunderten nicht unter die Oberleitung eines einzigen, das heißt eine Monarchie gewesen, oder der Primat der Römischen Kirche stütze sich auf keine beweiskräftigen Argumente. Ja auch die katholische Lehre vom Allerheiligsten Sakrament des Altars wird dort die durch die schroffe Behauptung angetastet, man könne die Meinung annehmen, dass bei den Griechen die Konsekrationsworte ihre Wirkung nur gewinnen, wenn zuvor jenes Gebet gesprochen worden ist, welches sie Epiklese nennen, während doch feststeht, dass die Kirche kein Recht hat, in Hinsicht auf das Wesen der Sakramente Neuerungen einzuführen. In gleich großem Widerspruch hierzu steht, dass das Sakrament der Firmung für gültig zu halten sei, auch wenn es von einem beliebigen Priester gespendet werde.[5]

Schon aus dieser Zusammenstellung der Irrtümer, mit denen jene Abhandlung erfüllt ist, erkennt Ihr leicht, Ehrwürdige Brüder, dass damit allen, die sie lasen ein überaus großer Anstoß gegeben ist; und Wir selbst waren sehr erstaunt, dass man sich herausnahm, die katholische Glaubenslehre in offenen Worten so zu entstellen und in mehreren Punkten bei der Darstellung der Geschichte über die Ursachen der Orientalischen Kirchenspaltung in dreister Welse die Wahrheit gar sehr zu verdrehen. Zunächst werden fälschlicherweise die heiligen Päpste Nikolaus I. und Leo IX. beschuldigt: der erstere durch seinen Stolz und seinen Ehrgeiz, der letztere durch seine zu scharfen Rügen, zum großen Teil für die Spaltung verantwortlich zu sein - gleich als wäre der apostolische Ernst des ersteren zum Schutz der kirchlichen Rechte aus dem Stolz herzuleiten und als sollte der Eifer des anderen für die Abwehr der gottlosen Grausamkeit genannt werden. Die geschichtliche Wahrheit wird auch mit Füßen getreten, wenn man jene heiligen Unternehmen, die Kreuzzüge genannt werden, wie Raubzüge behandelt, oder wenn man was noch schlimmer ist, die Römischen Päpste beschuldigt, als wäre der Eifer, mit welchem sie versucht haben, die Völker des Orientes zur Vereinigung mit der Römischen Kirche zu rufen, der Herrschsucht zuzuschreiben, nicht aber der apostolischen Hirtensorge für die Herde Christi.

Großes Erstaunen erregte die gleiche Schrift noch durch die Behauptung, dass die Griechen (beim Konzil) zu Florenz von den Lateinern gezwungen worden seien, die Vereinigung zu unterschreiben; oder dass sie durch falsche Beweisgründe veranlasst worden seien, den Glaubenssatz vom Ausgang des Heiligen Geistes auch vom Sohne anzunehmen. Ja sie treibt es so weit, dass sie alle geschichtliche Wahrheit missachtet und in Zweifel zieht, ob die Allgemeinen Konzilien, welche nach der Trennung der Griechen gehalten worden sind, das heißt die Konzilien vom achten bis zum Vatikanischen (1870) wirklich als ökumenische gelten dürften. Und auf dieser Grundlage wird eine Art einseitigen Einigungsvorschlages gemacht, dass künftighin in beiden Kirchen das allein als verbindlich zu gelten hätte, was gemeinsames Erbe aus der Zeit vor der Trennung ist, alles übrige solle als überflüssige oder gar unechte Zutat ganz mit Schweigen übergangen werden.

Wir haben es für nötig erachtet, Ehrwürdige Brüder, Euch dieses zur Kenntnis zu bringen. Ihr sollt nicht nur wissen, dass die erwähnten Vorschläge und Meinungen als falsch, verwegen und mit dem katholischen Glauben als unvereinbar von Uns verworfen werden, sondern dass Ihr auch, soviel an Euch liegt, von dem Volk, das Eurer Hut anvertraut ist, eine solche verderbliche Einwirkung abwehrt und alle ermahnt, dass sie in der Lehre verharren, die sie empfangen haben, und keiner anderen jemals zustimmen, selbst wenn ein Engel vom Himmel sie verkündigen würde.[6] Zugleich bitten Wir auch nachdrücklich, dass Ihr alle überzeuget, es gebe für Uns kein ehrwürdigeres Anliegen, als dass alle Gutgesinnten ihre Kräfte unermüdlich einsetzen, damit die erstrebte Einigung rascher erreicht werde und im Bekenntnis des einen katholischen Glaubens unter einem obersten Hirten die Schafe vereinigt werden, welche die Zwietracht noch getrennt hält. Das wird am besten gelingen wenn das heiße Flehen zum Heiligen Geist, der nicht ein Gott der Zwietracht, sondern des Friedens ist,[7] verdoppelt wird. Es wird dazu führen, dass Christi Wunsch sich erfüllt, den Er vor seinem Leiden mit Seufzern ausgesprochen hat[8]: Dass alle eins seien, wie du, Vater, in mir und ich in dir, dass auch sie in uns eins seien.

Mögen endlich alle es beherzigen: in diesem Werk ist alle Arbeit umsonst, wenn nicht vor allem der katholische Glaube richtig und unversehrt festgehalten wird: so, wie die Heilige Schrift, die Überlieferung der Väter, der einmütige Glaube in der Kirche, die Allgemeinen Konzilien und die Dekrete der Päpste ihn überliefert und besiegelt haben. Alle, welche die Sache der Einheit zu vertreten sich bemühen, sollen darin fortfahren: sie sollen fortfahren angetan mit dem Panzer des Glaubens, festhaltend am Anker der Hoffnung und entzündet vom Feuer der Liebe in dieser göttlichen Angelegenheit voll Eifer zu wirken; und Gott, der Urheber und Freund des Friedens, in dessen Hand alle Zeiten liegen[9] wird den Tag beschleunigen, an welchem die Völker des Orients mit Freude zur katholischen Einheit zurückkehren, und verbunden mit diesem Apostolischen Stuhle, frei von Irrtum im Hafen des ewigen Heiles landen.

Sorgt dafür, Ehrwürdige Brüder, dass dieses Sendschreiben in getreuer Übersetzung in die Volkssprache der einem jeden von Euch anvertrauten Gegend verbreitet werde. Wir freuen Uns, Euch zugleich auch mitteilen zu können, dass der geliebte Verfasser jener Abhandlung, die er unvorsichtig, aber im guten Glauben niedergeschrieben hat, aufrichtig und mit vollem Herzen Sich in Unserer Gegenwart zu den Lehren bekannt hat, welche in diesem Sendschreiben dar gelegt worden sind und dass er bereit ist, alles, was der Heilige Apostolische Stuhl lehrt, verwirft und verurteilt, auch seihst mit Gottes Hilfe bis zum letzten Atemzuge zu lehren, zu verwerfen und zu verurteilen. Damit erteilen Wir euch als Unterpfand der göttlichen Gnade und zum Zeugnis Unseres Wohlwollens im Herrn voll Liebe den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom beim heiligen Petrus

am 26. Dezember 1910,
im achten Jahr Unseres Pontifikates.

Pius X. PP.

Anmerkungen

  1. Die Konstitution "Super ad nos" vom 16. März 1743 schrieb den Orientalen ein anderes Glaubensbekenntnis vor.
  2. Allocution "Si fit in re" vom 13. Dezember 1880 an die römischen Kardinäle im Vatikan, Acta XIII 198. Vgl. dazu das Apostolische Sendschreiben "Praeclara gratulationis" vom 20. Juni 1894, Acta XXVI 705.
  3. Joh 10,16 EU.
  4. Dekret der Kongregation der hl. Inquisition vom 24 Januar 1647 (Denzinger 1091).
  5. Vgl. Benedikt XIV.: Konstitution "Etsi pastoralis" für die Griechen in Italien vom 26. Mai 1742, wo er sagt, dass von jetzt ab die Firmung ungültig sei, welche von einem gewöhnlichen Priester der lateinischen Kirche mit einer bloßen bischöflichen Delegation (Beauftragung) gespendet werde.
  6. Gal 1,8 EU.
  7. 1 Kor 14,33 EU.
  8. Joh 17,21 EU.
  9. Apg 1,7 EU.

Weblinks

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