Etsi nos (Wortlaut)

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Enzyklika
Etsi nos

von Papst
Leo XIII.
an alle Ordinarien von Italien
über die Verhältnisse in Italien und gegen die Freimaurerei

15. Februar 1882

(Quelle: Leo XIII., Lumen de coelo - Bezeugt in seinen Allocutionen, Rundschreiben, Constitutionen, öffentlichen Briefen und Akten, Buch II (Buch I-III in einem Band), S. 62-73, Wien, Verlag Rudolf Brzezowsky & Söhne 1889; in Fraktur abgedruckt; Die Überschriften wurde bei der Digitalisierung erstellt)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Die besondere Sorge für Italien

Obwohl Wir, wie dies die Erhabenheit und der Umfang des apostolischen Amtes erheischt, sowohl die gesamte christliche Welt als auch ihre einzelnen Teile mit aller Sorgsamkeit und Liebe umfassen, deren Wir fähig sind, so zieht gegenwärtig doch in besonderem Maße Italien Unsere Aufmerksamkeit auf sich und erregt Unsere Besorgnis. - Diese Aufmerksamkeit und Besorgnis richtet sich jedoch auf etwas Höheres und Heiligeres als die menschlichen Dinge; bange Kümmernis erfüllt Unser Herz ob des ewigen Seelenheils, womit all Unsere Sorgen umso mehr sich beschäftigen und befassen müssen, je größeren Gefahren Wir dasselbe ausgesetzt sehen. - Wenn die Gefahren dieser Art jemals in Italien groß gewesen sind, so ist dies gewiss in hohem Grade gegenwärtig der Fall, wo selbst die Lage der öffentlichen Dinge der Sicherheit der Religion gar sehr gefährlich wird. Wir fühlen Uns aber umso mehr ergriffen aus dem Grunde, weil besonders innige Bande zwischen Uns und Italien bestehen, wo Gott den Sitz Seines Statthalters, den Lehrstuhl der Wahrheit und den Mittelpunkt der katholischen Einheit begründet hat. - Wir haben zwar anderweitig schon das Volk ermahnt, auf der Hut zu sein und der Pflichten sich bewusst zu werden, welche bei so mächtigen Anlässen zum Ärgernis eines jeden obliegen. Trotzdem wünschen Wir, Ehrwürdige Brüder, da das Übel immer mehr um sich greift, dass Ihr auf diese Pflichten mit erhöhtem Eifer aufmerksam macht und klar die immer schlimmer sich gestaltende Lage überschauend, mit noch schärferer Wachsamkeit die Herzen der Völker wappnet und mit jeglicher Schutzwehr umgebet, damit der köstlichste von allen Schätzen, nämlich der katholische Glaube, nicht verloren gehe.

Die antichristliche Sekte der Freimaurer

Eine in hohem Maße verderbliche Sekte, deren Begründer und Führer ihre Ziele gar nicht verbergen oder ableugnen, hat schon lange in Italien sich niedergelassen. Sie hat Jesu Christo Hass und Feindschaft geschworen und geht darauf aus, dem Volke die christlichen Einrichtungen vollständig zu rauben. Wie weit ihre Frechheit schon fortgeschritten ist, brauchen Wir hier nicht zu erwähnen, da Ihr, Ehrwürdige Brüder, mit eigenen Augen die Verluste und Irrtümer schauet, die sie auf religiösem und sittlichem Gebiete bereits aufgehäuft hat. - Inmitten der italienischen Stämme, welche stets in der Religion ihrer Väter standhaft und getreulich beharrten, ist gegenwärtig die Freiheit der Kirche auf Schritt und Tritt verringert und mit täglich wachsender Leidenschaft dringt man darauf, dass alle öffentlichen Institutionen des Gepräges und des christlichen Charakters entblösst werden, welcher stets mit Recht das italienische Volk ausgezeichnet hat. Die religiösen Genossenschaften sind aufgehoben, die kirchlichen Güter verschleudert, eheliche Verbindungen werden als gültig angesehen, die nicht nach katholischem Ritus geschlossen sind und an der Erziehung der Jugend hat die kirchliche Behörde keinen Anteil mehr. - Weder Ziel noch Maß kennt der erbitterte und unglückselige Kampf gegen den Apostolischen Stuhl, in Folge dessen die Kirche so unglaublich viel duldet und der Bischof von Rom den größten Bedrängnissen ausgesetzt ist. Der weltlichen Herrschaft beraubt, ist er fremder Botmässigkeit und Gewalt unterworfen worden. - Rom, die erhabenste aller christlichen Städte, steht allen Feinden der Kirche vollständig offen und wird durch verwerfliche Neuerungen befleckt, allenthalben werden häretische Schulen und Tempel errichtet. Nun soll sogar die Stadt im Laufe dieses Jahres die Abgesandten und Häupter der gegen alles Katholische am meisten feindlich gesinnten Verbindung aufnehmen, welche hier zu einer Beratung und Versammlung zusammentreten wollen. Weshalb man gerade diese Stadt hierzu ausersehen hat, ist zur Genüge klar: man will dem Hasse gegen die Kirche durch freche Beschimpfung Ausdruck geben, das Papsttum an seinem eigenen Sitze verhöhnen und gegen dasselbe aus nächster Nähe die unglückselige Kriegsfackel schleudern. Freilich unterliegt es keinem Zweifel, dass die Kirche schließlich das gottlose Unterfangen der Menschen siegreich überwinden wird. Es ist aber klar und sicher, dass jene Bestrebungen darauf abzielen, zugleich mit dem Oberhaupte die gesamte Kirche zu treffen und wenn es möglich wäre, die Religion zu vernichten.

Anschuldigungen gegen die Kirche

Man sollte es nicht für möglich halten, dass jene die mit ihrer Liebe zu Italien sich brüsten, darauf ausgehen, denn dem italienischen Volke würde notwendigerweise mit dem Untergange des katholischen Glaubens zugleich die Quelle des reichlichen Segens abgeschnitten werden. Denn wenn das Christentum für alle Völker die beste Grundlage ihrer Wohlfahrt ist, dem Rechte seine Weihe und der Rechtspflege Schutz verleiht. Wenn das Christentum die blinden und zügellosen Leidenschaften der Menschen bändigt und alles Edle, Lobenswerte und Erhabene unterstützt und fördert, wenn das Christentum die verschiedenen Gesellschaftsklassen und die einzelnen Glieder des Staates überall zu vollkommenen und konstantem Zusammenwirken anhält, so hat wahrlich diese Fülle von Segen in reichlicherem Maße als die übrigen Völker, Italien erfahren. Freilich behaupten sehr viele zu eigenem Schimpf und Schande, die Kirche stehe der Wohlfahrt und der Entwicklung des Staates hinderlich im Wege und meinen, das Papsttum sei ein Feind des Glückes und der Größe Italiens; allein die Anschuldigungen und absurden Verleumdungen dieser Leute werden feierlich durch alle Beweismittel der Vergangenheit widerlegt. Tatsächlich verdankt es ja Italien vornehmlich der Kirche und den Päpsten, dass es bei allen Völkern berühmt geworden, dass es den wiederholten Einfällen der Barbaren nicht unterlegen ist, dass es siegreich die gewaltigen Angriffe der Türken zurückgewiesen, dass es in vielen Beziehungen lange einer billigen und gesetzlich geregelten Freiheit sich erfreut und seine Städte mit zahlreichen und unsterblichen Denkmälern der schönen Künste geschmückt hat. - Ferner ist es nicht das letzte Verdienst der Päpste, dass sie die italienischen Stämme, welche in Bezug auf Geistesrichtung und Sitten so ungleich sind, durch das Band des religiösen Glaubens stets zusammengehalten und vor dem traurigsten Zwiespalte, den es gibt, bewahrt haben. Gerade in den schlimmsten und unglückseligsten Zeitläufen wären die öffentlichen Dinge wiederholt dem kläglichsten Verfall entgegengegangen, wenn nicht das Papsttum Rettung gebracht haben würde. Und auch fernerhin wird das Papsttum nicht minder segensreich wirken, wenn seine Kraft durch den bösen Willen der Menschen nicht lahmgelegt und seine Freiheit nicht behindert wird. Denn jene segensreiche, den Institutionen des Katholizismus innewohnende Kraft ist unwandelbar und beständig dauernd, wie sie direkt seinem Wesen selbst entspringt. Wie in Bezug auf das Seelenheil die katholische Religion alle Orte und Zeiten umfasst, so entfaltet sie auch in weltlichen Dingen überall und immer eine der Wohlfahrt der Menschen zugute kommende Wirksamkeit.

Folgen des Verlustes des Glaubens

Auf den Verlust so vieler und so grosser Güter folgen die höchsten Übel. Denn die Verächter der christlichen Weisheit, mögen sie noch so viel sagen, dass sie dagegen arbeiten, ziehen den Staat an den Rand des Verderbens. Nichts ist eben mehr als die Lehren dieser Leute geeignet, die Gemüter wild zu entflammen und die verderblichsten Leidenschaften aufzuregen. Sie verschmähen nämlich auf den Gebieten, welche der menschlichen Erkenntnis und Weisheit zugänglich sind, das göttliche Licht des Glaubens. Wenn dieses ausgelöscht ist, dann wird der menschliche Geist wieder und wieder in Irrtümer hineingerissen, er vermag die Wahrheit nicht mehr zu unterscheiden und sinkt schließlich zu den niedrigen und elenden Materialismus herab. Man verschmäht das ewige und unabänderliche Sittengesetz und den höchsten Urheber und Verteidiger des Gesetzes, Gott selbst, verachtet man. Wenn diese Grundlage hinweggenommen ist, dann gibt es keine genügende Autorität des Rechtes mehr und die Konsequenz ist, dass jede Lebensnorm von dem Willen und Belieben der Menschen allein abhängig gemacht wird. In dem bürgerlichen Gemeinwesen aber entspringt aus der maßlosen Freiheit, welche diese Leute predigen und wollen, die Willkür, auf die Willkür folgt die Störung der Ordnung, die größte und verhängnisvollste Gefahr für den Staat. Wahrlich, es hat keine hässlichere und traurigere Staatsverwaltung gegeben, als diejenige, in welcher solche Doktrinen und solche Menschen zur Macht gelangen konnten. Und wenn nicht die Erfahrung der neuesten Zeit es uns lehrte, so würde man es für unglaublich halten, dass Menschen in der Raserei ihrer Laster und ihrer Verwegenheit zu solchen Exzessen sich hinreissen lassen und unter dem Missbrauch des Namens der Freiheit, für ihre Ausgelassenheit an Mord und Brand sich ergötzen. Wenn Italien von so großen Schrecknissen noch nicht betroffen worden ist, so verdanken Wir das zunächst der besonderen Wohltat Gottes, dann aber müssen Wir es auch dem Umstande zuschreiben, dass die Italiener in ihrer überwiegenden Mehrzahl in der katholischen Religion treu verharrt sind und deshalb diese verderblichen Lehren, welche Wir erwähnt haben, nicht zur vollen Herrschaft gelangen konnten. Wenn aber die Schutzwehren der Religion durchbrochen werden, dann werden auch der Reihe nach über Italien jene Schicksale hereinbrechen, welche einst die größten und blühendsten Nationen verheert haben. Es ist Naturgesetz, dass ähnliche Ursachen ähnliche Wirkungen erzeugen und der Same derselben Sünde muss stets dieselbe Frucht zeitigen. Ja, Italien würde sogar eine schwerere Strafte für den Abfall von der Religion zu tragen haben, weil es zu dem Treubruch und der Gottlosigkeit noch die Schuld des Undankes häufen würde. Denn nicht einem Zufall und nicht einem menschlichen Willensentschluss verdankt Italien den Vorzug, dass es von Anfang an des Heiles, welches uns Jesus Christus gebracht hat, teilhaftig geworden ist und in seiner Mitte den Stuhl des heiligen Petrus besitzt und Jahrhunderte der größten und heiligsten Wohltaten, welche der katholischen Religion entflossen, im vollen Maße teilhaftig geworden ist. Deshalb würde auch für das abtrünnige Italien die Drohung gelten, welche der Apostel Paulus gegen die undankbaren Völker gerichtet hat: "Das Land, welches den oft darauf fallenden Regen einsaugt und dienliche Gewächse für diejenigen trägt, die es bauen, empfängt Segen von Gott. Wenn es aber Dornen und Disteln trägt,so ist es verwerflich und der Fluch ist nahe; sein Ende ist die Verbrennung" (Hebr 5, 7-8).

Der Apostolische Stuhl und die Wohlfahrt Italiens

Möge Gott ein so grausiges Urteil abwenden und mögen alle ernsthaft die Gefahren in´s Auge fassen, welche teils schon vorhanden sind, teils noch bevorstehen von Seiten derer, die nicht dem Gemeinwohl, sondern, dem nackten Vorteil der Sekten dienend, einen verderblichen Kampf gegen die Kirche führen wollen. Wenn diese Leute von Vernunft und wahrer Vaterlandsliebe sich leiten ließen, dann würden sie wahrlich von dem Misstrauen gegen die Kirche abstehen und sich nicht durch freventlichen Argwohn verleiten lassen, der ihr gebührenden Freiheit Abbruch zu tun. Sie würden im Gegenteile, statt sie zu bekämpfen, ihr schützend und helfend zur Seite treten und vor allem dafür sorgen, dass das Oberhaupt der Kirche wieder zu seinem Rechte gelange. Denn je mehr der Streit mit dem Apostolischen Stuhle der Kirche schadet, umso schlechter ist für die Wohlfahrt Italiens gesorgt. Über diesen Punkt haben Wir schon an anderer Stelle Uns dahin ausgesprochen, dass das italienische Gemeinwesen weder Wohlfahrt noch dauernden Frieden genießen könne, wenn nicht für die Würde des römischen Stuhles und für die Freiheit des Papstes, so wie das Recht es fordert, gesorgt sei.

Da Wir nun nichts so sehnlich wünschen, als das Wohl der Christenheit und über die gegenwärtige Notlage der italienischen Völkerschaften bekümmert sind, so ermahnen Wir Euch, Ehrwürdige Brüder, auf´s Dringlichste, dass Ihr Euren Eifer in der Abwehr dieser großen Übel mit Uns vereinigt und vor allem belehrt zunächst auf´s sorgfältigste das Volk, welch großen Schatz es im katholischen Glauben besitzt und wie notwendig es sei, denselben zu pflegen und zu beschützen. Da die Feinde des katholischen Namens, um die Schwachen leichter zu betören, sich in vielen Dingen der Heuchelei und Verstellung bedienen, so kommt es sehr viel darauf an, ihre geheimen Pläne zu entlarven und an´s Licht zu ziehen, damit durch die Erkenntnis ihrer wahren Absichten und Beweggründe in den Gemütern der Katholiken ein heiliger Eifer entflammt werde und sie männlich und furchtlos die Verteidigung übernehmen für die Kirche und den Papst, das heisst für ihr eigenes Heil.

Die christlichen Söhne des Lichtes - Vereine

Die Kraft vieler, die Großes hätte erreichen können, ist bis auf den heutigen Tag lässig und unbenutzt geblieben, sei es, weil man mit dem Gegenstand zu wenig vertraut ist, sei es, weil man die Größe der Gefahren nicht ausreichend durchschaute. Jetzt aber, nachdem die Erfahrung uns über die Lage aufgeklärt hat, wäre nichts verderblicher, als trägen Sinnes die andauernde Bosheit der Gottlosen zu ertragen und ihnen die günstige Position zu beliebiger weiterer Verfolgung der christlichen Kirche gutwillig zu überlassen. Klüger als die Söhne des Lichtes haben jene ja schon vieles gewagt: geringer an Zahl, aber an Schlauheit und Mitteln überlegen, haben sie bei uns in kurzer Zeit verheerende Übel heraufbeschworen. Alle, welche der katholischen Sache zugetan sind, sollten es daher begreifen, dass es hoch an der Zeit sei, sich aufzuraffen und nicht länger lässig und müssig zuschauen, da derjenige am schnellsten unterjocht wird, der trägen Herzens der Ruhe frönt. Sie mögen sich ein Beispiel nehmen an jener edlen und werktätigen Kraft der Altvordern, die vor nichts zurückscheute und deren Arbeit und Blut die Katholische Kirche großgezogen hat. Ihr aber, Ehrwürdige Brüder, wecket die Schlafenden auf, spornt an die Zögernden: durch Euer Beispiel und Euer Ansehen bestärket alle in der unermüdlichen und unerschrockenen Erfüllung der Pflichten, welche die Betätigung der christlichen Gesinnung auferlegt. Um diese in Rede stehende Kraft zu nähren und zu stärken, ist es nötig, dass "Vereine", deren Hauptaufgabe darin besteht, den christlichen Glauben und die christlichen Tugenden zu betätigen und anzuspornen, zahlreich entstehen, viel Anklang und Unterstützung finden, zur Blüte kommen und sich weit ausbreiten. Solcher Art sind die Jugend- und Handwerkervereine, deren Zweck es ist, zu bestimmten Zeiten Versammlungen katholischer Männer zu veranstalten oder der Not der Armen zu steuern oder die Sonn- und Festtagsfeier zu wahren oder arme Kinder zu unterrichten oder anderes dem ähnliches zu tun. - Und da es für die Katholische Kirche von der größten Bedeutung ist, dass der Papst beim Regieren der Kirche von jeder Gefahr, Belästigung und Schwierigkeit frei sei und frei erscheine, so sollen sie, soweit das Gesetz es ihnen gestattet, durch handeln, Bitten, Bestürmen die Freiheit des Papstes nach Kräften fördern und durchzusetzen suchen. Und sie mögen nicht eher ruhen, als bis Uns und zwar tatsächlich und nicht nur zum Scheine, die Freiheit wiedergeben wird, mit der nicht nur das Heil der Kirche, sondern auch das Wohl Italiens und die Ruhe der christlichen Völker verknüpft ist.

Schlechte Schriften durch gute widerlegen

Ferner ist es von großem Einflüsse, gute Schriften zu veröffentlichen und weit zu verbreiten. Jene, welche hasserfüllt die Kirche verfolgen, sind gewohnt, dieselbe durch Schriften zu bekämpfen und solche als die geeignetsten und empfindlichsten Waffen zu betrachten. Daher jene Flut abscheulicher Bücher, daher die skandalösen und schändlichen Zeitungen, deren Wutausbrüche weder das Gesetz, noch irgend eine Rücksicht zu zähmen vermag. Was in den letzten Jahren durch Aufruhr und Zusammenrottungen des Pöbels geschehen ist, das verteidigen sie als rechtlich geschehen. Schein und Lüge geben sie für Wahrheit aus: die Kirche und den Papst bewerfen sie täglich mit Verwünschungen und falschen Beschuldigungen und es gibt keine noch so absurden und giftigen Meinungen, die sie nicht immer zu verbreiten versuchen würden. Dieses Übel, das so groß ist und täglich zunimmt, muss also mit Fleiß eingedämmt werden. Man muss durch ernstes und nachdrückliches Handeln die Menge dazu bringen, dass sie die Gefahr begreift und einen vernünftigen Gebrauch von der Lektüre zu machen als ihre Pflicht erachtet. Außerdem sind Schriften durch Schriften zu widerlegen, auf dass jene Kunst, die viel Unheil anzustiften vermag, zum Nutzen und Wohle der Menschheit ausgebeutet werde und von dort wo die gifterzeugenden Übel aufgesucht werden die Heilmittel sich darbieten. Zu diesem Zwecke ist es wünschenswert, dass wenigstens in jeder Provinz eine Einrichtung getroffen werde, um öffentlich zu verkünden, welche und wie große Pflichten die einzelnen Christen gegen die Kirche haben und das wird am besten durch häufige, wo möglich täglich erscheinende Schriften zu erreichen sein. Vor allem muss man dabei die herrlichen Verdienste der Katholischen Kirche um alle Völker stets im Auge haben. Man belehre das Volk über den sehr heilsamen und nützlichen Einfluss, den die Kirche in privaten und öffentlichen Angelegenheiten ausübt und weise nach, wie vorteilhaft es wäre, der Kirche wieder jene erhabene Stellung im Staate einzuräumen, welche für sie sowohl ihre göttliche Stiftung als auch das öffentliche Wohl der Völker dringend erfordert. Aus diesem Grunde ist es nötig, dass diejenigen, die sich mit der Schriftstellerei befassen, daran festhalten. Sie sollen alle denselben Zweck verfolgen, was diesen am besten zu fördern vermag, das sollen sie durch ein sicheres Urteil feststellen und dann ins´s Werk setzten. Sie sollen nichts von dem außer acht lassen, was sie für nützlich und ihren Absichten dienlich erachten. Im Stiel sollen sie ernst und massvoll sein, Irrtümer und Fehler sollen sie widerlegen, doch so, dass die Zurechtweisung der Bitterkeit entbehre und die Person schone. Dann sollen sie eine offene und klare Sprache führen, die das Volk leicht verstehen kann. Alle übrigen aber, die wirklich und von Herzen wünschen, dass die kirchlichen und bürgerlichen Angelegenheiten mit Hilfe der Presse zur Blüte gelangen, mögen die geistige Arbeit der Schriftsteller ausgiebig unterstützen und je reicher jemand ist, um so reichlichere Mittel möge er ihr zukommen lassen. Denn die Schriftsteller sind durchaus auf allseitige Unterstützung angewiesen, da ohne diese ihre Arbeit entweder keine oder nur unsichere oder geringe Erfolge aufweisen wird. Wenn dieser Beruf mit irgend einer Unannehmlichkeit verknüpft, wenn ein Kampf auszufechten ist, so möge man denselben mutig wagen, da es für einen Christen kein erhabeneres Motiv zum Ertragen von Unannehmlichkeiten und Mühseligkeiten geben kann, als zu verhindern, dass die Religion von den Gottlosen geschmäht werde. Denn nicht dazu hat die Kirche Söhne gezeugt und sie großgezogen, dass, wenn die Zeit und die Not es erfordert, sie von ihnen keine Hilfe erwarten könne, sondern vielmehr dazu, dass sie alle einzeln das Heil der Seelen und die Sache des Christentums über ihre Privatinteressen setzen.

Sorge um die Heranbildung des Klerus

Eure hauptsächliche Sorge und Bemühung, Ehrwürdige Brüder, muss aber wachsam auf die gute Heranbildung tüchtiger Seelsorger gerichtet sein. Wenn es schon die Aufgabe der Bischöfe ist, die größte Sorgfalt und Anstrengung auf die Erziehung der ganzen Jugend zu verwenden, so sind sie verpflichtet, eine noch viel größere Sorgfalt den Klerikern zuzuwenden, auf denen die Hoffnung der Kirche beruht und welche einst an den heiligsten Ämtern Anteil haben und dieselben verwalten sollen. Wichtige und zu jeder Zeit anerkannte Gründe stellen sie an die Priester die Forderung vielfacher und großer Tugenden. Doch die Zeit in der wir leben, fordert noch mehrere und größere. In der Tat, die Verteidigung der katholischen Religion, die vor allen den Priestern obliegt und zu unserer Zeit in so hohem Grade notwendig ist, erfordert keine gewöhnliche oder mittelmäßige, sondern eine hervorragende und vielseitige Gelehrsamkeit, welche nicht nur die Theologie, sondern auch die Philosophie umfasst und auch das Gebiet der Naturwissenschaften und der Geschichte beherrscht. Denn es sind die mannigfaltigen Irrtümer jener gründlich zu widerlegen, welche die einzelnen Grundlagen der christlichen Weisheit zu untergraben trachten und sehr oft ist der Kampf mit Gegnern zu bestehen, die höchst geschickt und im Wortkampf hartnäckig sind und schlau dem verschiedenartigsten Wissenschaften ihre Hilfsmittel entlehnen. Da ferner heute die Sittenverderbtheit so groß ist und sich auf so viele erstreckt, so ist es notwendig, dass diePriester in der Tugend und Standhaftigkeit in besonderer Weise hervorragen. Den Umgang mit den Menschen können sie in keiner Weise meiden. Die Obliegenheiten ihres Amtes machen es ihnen im Gegenteil zur Pflicht, mit dem Volke eng in Berührung zu treten und zwar mitten in den Städten, wo fast jeglicher Leidenschaft bis zur Zügellosigkeit gefrönt wird. Darum muss die Tugend des Klerus heutzutage so stark sein, dass sie selbst unerschütterlich bleibt und über die verführerischen Begierden und der gefährlichen Beispiele unverletzt den Sieg zu erringen vermag. Außerdem haben die zum Nachteile der Kirche beschlossenen Gesetze allmählich die Zahl der Geistlichen verringert. Darum müssen diejenigen, die Gottes Gnade für die heiligen Weihen erwählt, ihre Anstrengungen verdoppeln und durch hervorragenden Fleiß, Eifer und Frömmigkeit für die geringe Anzahl einen Erlass bieten. Das aber vermögen sie nur dann, wenn die Charakterfestigkeit, Selbstentsagung, Sittenreinheit, glühende Nächstenliebe und eine bereitwillige und freudige Luft zur Arbeit an dem ewigen Seelenheile der Menschen besitzen. Zu solchen Aufgaben ist eine lang andauernde und fleißige Vorbereitung erforderlich. An so große Dinge gewöhnt man sich leicht und schnell. Sicherlich wird das Priesteramt unversehrt und heilig von jenen verwaltet werden, die sich einer solchen Lebensweise von Jugend auf befleißigen und in der christlichen Zucht solche Fortschritte gemacht haben, dass es den Anschein hat, als ob die erwähnten Tugenden bei ihnen nichts Anerzogenes, sondern etwas Angeborenes seien.

Gutes Studium

Aus diesen Gründen, Ehrwürdige Brüder, gebührt den Klerikalseminarien mit Recht die meiste und größte Anstrengung Eurer Liebe, Eures Eifers und Eurer Wachsamkeit. Eure Weisheit ist nicht unbekannt, welche Vorschriften und Einrichtung in Bezug auf Tugend und Sitten für das jugendliche Alter der Kleriker in Anwendung kommen müssen. Für die höheren Wissenschaften hat Unsere Enzyklika "Aeterni patris" die beste Weise und Methode der Studien angegeben. Da aber bei dem Wettlauf so vieler talentvoller Männer zahlreiche scharfsinnige und nützliche Erfindungen gemacht worden sind, die man um so weniger außer Acht lassen kann, weil gottlose Menschen sich gewöhnlich aller Fortschritte, die jeder Tag bringt, bemächtigen und sie als Wurfspieße gegen die geoffenbarten Wahrheiten schleudern, so verwendet, Ehrwürdige Brüder, alle Sorge darauf, dass die geistliche Jugend nicht nur in den Naturwissenschaften besser als früher unterrichtet, sondern auch in jenen Lehrgegenständen besser unterwiesen werde welche auf die Erklärung und Autorität der Heiligen Schrift Bezug haben. Wir wissen sehr wohl, dass zur Vollkommenheit guter Studien viele Dinge erforderlich sind, welche leider den geistlichen Seminaren Italiens in Folge unglückseliger Gesetzte teilweise oder ganz abgehen. Aber auch in dieser Beziehung stellt die Zeitlage an unsere Gläubigen die Forderung, dass sie sich bemühen, durch freudige Freigebigkeit sich um die katholische Religion verdient zu machen. Die fromme und auf´s Wohltun gerichtete Gesinnung Unserer Vorfahren hatte für Bedürfnisse dieser Art in hervorragender Weise gesorgt. Die Kirche hatte es auch durch Klugheit und Sparsamkeit dahin gebracht, dass sie zum Schutz und zur Wahrung der heiligen Interessen der Liebe ihrer Kinder gar nicht zu empfehlen brauchte. Doch ihr ebenso legitimes wie unverletzliches Erbe, an dem sich selbst die Ungerechtigkeit früherer Jahrhunderte nicht vergriffen hatte, ist durch die Stürme unserer Zeit zerstreut worden. Darum erfordern es die Zeitumstände, dass diejenigen, welche dem katholischen Christentum mit Liebe anhängen, den Entschluss fassen, die Freigebigkeit der Vorfahren wieder zu erwecken. Die Franzosen, die Belgier und andere bieten in ähnlicher Beziehung hellleuchtende Beispiele von Freigebigkeit, welche der Bewunderung nicht nur der Zeitgenossen, sondern auch der Nachwelt wert sind. Wir zweifeln auch nicht daran, dass das italienische Volk, durchdrungen von der Erwägung gleicher Bedürfnisse nach Kräften bemüht sein wird, sich seiner Väter würdig zu beweisen und das Beispiel seiner Brüder nachzuahmen.

Schluss: Mit der Hilfe von oben

Auf den Werken, die Wir erwähnt, ruht in der Tat in hohem Grade die Hoffnung Unseres Trostes und Unseres Heiles. Aber mehr als bei irgend einem Beschlüsse ist es bei solchen, die sich auf das allgemeine Wohl beziehen, durchaus notwendig, dass zu den menschlichen Mitteln die Hilfe des allmächtigen Gottes hinzutritt, in dessen Gewalt ebenso der Wille der einzelnen Menschen ist, wie der Weg und das Schicksal der Staaten. Darum müssen Wir die dringendsten Bitten an Gott richten und ihn anflehen, dass er auf das mit so vielen seiner Wohltaten geschmückte und bereicherte Italien wieder seinen Blick richte und daselbst nach Verscheuchung jeder Aussicht auf drohende Gefahren, den katholischen Glauben, dies höchste aller Güter, für immer in seinen Schutz nehme. Aus demselben Grunde müssen Wir uns bittend an die unbefleckte Jungfrau Maria wenden, die mächtige Mutter Gottes, die Förderin und Unterstützen aller guten Entschlüsse, sowie an ihren heiligen Bräutigam, den heiligen Josef, den Beschützer und Patron der christlichen Völker. Mit demselben Eifer müssen Wir zu den beiden großen Aposteln Petrus und Paulus flehen, dass sie unter dem Volke Italiens die Frucht ihrer Arbeiten unversehrt behüten und den katholischen Namen, den unsere Vorfahren durch ihr Blut begründet haben, bis auf die späteste Nachwelt heilig und unverletzt bewahren.

Auf den himmlischen Schutz dieser aller vertrauend, erteilen Wir in dem Herrn Euch allen, Ehrwürdige Brüder und dem Eurer Sorgfalt anvertrautem Volke als Unterpfand der göttlichen Gnaden und als Beweis Unseres besonderen Wohlwollens von ganzem Herzen den Apostolischen Segen.

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