Ante vestrum

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Apostolischer Brief
Ante vestrum

von Papst
Leo XIII.
an Kardinal Franz de Paula Graf von Schönborn, Erzbischof von Prag
Die katholische Erziehung in den öffentlichen Schulen
1. Mai 1894

(Offizieller lateinischer Text: AL XIV [1895] 144-147)

(Quelle: Die katholische Sozialdoktrin in ihrer geschichtlichen Entfaltung, Hsgr. Arthur Fridolin Utz + Birgitta Gräfin von Galen, lateinischer und deutscher Text, Band II, IX 24-27, S. 1394-1399, Scientia humana Institut Aachen 1976, Imprimatur Friburgi Helv., die 2. decembris 1975 Th. Perroud, V.G.; in Fraktur in: Leo XIII., Lumen de coelo VI, 43-46, Bezeugt in seinen Allocutionen, Rundschreiben, Constitutionen, öffentlichen Briefen und Akten, Buch und Verlag Rudolf Brzezowsky & Söhne Wien 1903)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Einleitung: Dank des Papstes für die Treue der Bischöfe zum Hl. Stuhl

1. Vor Eurer Abreise von Eurer letzten Zusammenkunft in Wien habt Ihr, geliebter Sohn, mit den übrigen Bischöfen Österreichs beschlossen, Uns ein gemeinsames Schreiben zu senden, um Eure tiefempfundene Liebe und vor allem die vollständige Ergebenheit zu bekunden, die einen jeden von Euch mit dem Stuhl des hl. Petrus verbinden. Ihr könnt es selbst ermessen, wie sehr es Uns erfreute. Denn Eure lebhafte Zustimmung zu allen Enzykliken, die Wir im Verlauf Unseres Pontifikats veröffentlicht haben, und vor allem zu Unserer letzten über die Interpretation der Heiligen Schrift gemäß den Instruktionen der Kirche, hat Eure Bereitschaft bewiesen, das Wort desjenigen zu hören, dem Christus das Amt übertragen hat, seine Lämmer und Schafe zu weiden. Wir können nicht umhin, Euch hierfür besonders zu danken. Je enger nämlich die Oberhirten dem obersten Bischof verbunden sind, einen umso reicheren Strom jener lebenspendenden Kraft, die ihren Ursprung gemäß göttlichem Ratschluss in Petrus hat, können sie dem ihnen anvertrauten Volke zuleiten.

Die Sorge des Papstes um die Kirche

2. In liebenswürdiger Weise gabt Ihr Eurer Freude Ausdruck, dass Wir trotz Unseres hohen Alters Unsere Kräfte voll bewahrten; Wir danken dafür Gott, dem Spender aller guten Gaben, dem Herrn über Leben und Tod, der Uns in den bitteren Prüfungen dieser Zeiten aufgerichtet und getröstet hat. Es ist Unsere höchste Sorge, dass der christliche Name nirgendwo Schaden leide, dass er im Gegenteil immer mehr sich ausbreite und erstarke, denn das ist es, geliebter Sohn, was das höchste Apostolat, das Wir durch Gottes Fügung innehaben, mit vollem Recht von Uns fordert. Denn die Kirche ist die Säule und Grundfeste der Wahrheit; daher ist es ihre unabdingbare Aufgabe, das Dunkel unermüdlich zu erhellen, die Irrtümer niederzuschlagen, dem menschlichen Geiste ein immer helleres Licht zu bringen. All dies zu tun, ist nun vor allem auch Unsere Pflicht, dem durch Gottes Zulassung das höchste Amt in der Kirche anvertraut und dem im hl. Apostel Petrus gesagt worden ist: "Stärke deine Brüder (Lk 22, 31). Im festen Vertrauen auf Gottes Fügung übten Wir dieses Amt aus und werden es weiter ausüben, solange Uns der gütige und allmächtige Gott noch am Leben erhält. Um nicht in der Hoffnung auf reiche Früchte Unserer Rundschreiben und Unserer Ermahnungen enttäuscht zu werden, möchten Wir euch daran erinnern, dass die Bischöfe mit Uns zusammenarbeiten müssen, damit alle Gläubigen die Stimme des Papstes deutlich vernehmen können und das, was er anordnet, erfahren und sich kraftvoll bemühen, es in die Tat umzusetzen. Das erflehen Wir in inständigem Gebet, die Augen zum Himmel erhoben; was Ihr bisher dafür getan habt, loben Wir, wie es sich gebührt, und mahnen eindringlich, dass Ihr es auch in Zukunft tun möget.

Die Zusammenarbeit von Kirche und Staat im Hinblick auf das Gemeinwohl, insbesondere auf die Erziehung

3. Wir nehmen an, geliebter Sohn, dass unter den Gegenständen Eurer eingehenden Diskussionen bei Eurer letzten Zusammenkunft die Frage der katholischen Erziehung der Jugendlichen an öffentlichen Schulen nicht ganz gefehlt und auch nicht den letzten Platz eingenommen hat. Ihr wißt, mit welcher Liebe Wir dieses Lebensalter umgeben, wie sehr es Uns mit Schmerz erfüllt, dass es fortwährend von Nachstellungen bedroht wird, und wie sehr Wir wünschen, dass es aus allen diesen Anschlägen unversehrt hervorgehen möge.: In dieser Beziehung empfanden Wir große Freude über die Verordnungen, die, wie Wir erfuhren, kürzlich durch den Unterrichtsminister für die cisleithanische Bevölkerung erlassen wurden. Nichts ist übler und schädlicher für den Staat als die Meinung, zwischen der staatlichen Autorität und der Kirche müsse notwendigerweise Uneinigkeit bestehen. Beiden ist ein Ziel gesetzt, das zu vernachlässigen frevelhaft ist; der einen die irdische, vergängliche Glückseligkeit, der anderen die unvergängliche Glückseligkeit der Seelen. Aber da in dieser Zeitlichkeit die Wohlfahrt vor allem auf der Gerechtigkeit und der Ehrbarkeit der Sitten gründet, muß die staatliche Gewalt durch die Religion gestützt werden, denn deren Aufgabe ist es, die Gemüter zu besänftigen und alle Tugenden in ihnen zu pflegen; umgekehrt bedarf die Religion der wohlwollenden Unterstützung durch die staatliche Gewalt, denn sie herrscht nicht einzig über den Geist, sondern über Menschen, die untereinander gesellschaftliche Bindungen eingehen. Daher ist es falsch, Staat und Kirche trennen zu wollen; es ist vielmehr unerläßlich, beide fest aneinander zu binden. Wenn dies für alles übrige gilt, dann in höchstem Maße für die Jugenderziehung; wenn darum die weltliche Gewalt in Hinblick auf das Gemeinwohl der Jugend höchstes Wissen zu vermitteln sich bemüht, dann muß sie auch wünschen, dass die Jugend in der rechten Sittenlehre und in der Religion gebildet werde, und zwar durch das kirchliche Lehramt und unter Leitung und Aufsicht der Kirche. Wir hegen die begründete Hoffnung, der neue Minister für das öffentliche Schulwesen werde bewirken, dass an den höheren Schulen Österreichs den Geistlichen der ihnen gebührende Platz eingeräumt werde und dass nichts geschehe, was in den jungen Seelen Feindschaft gegen die katholische Religion aufkommen läßt. Wir sind gewiß, geliebter Sohn, dass Ihr alle es in dieser Sache nicht an Eifer fehlen lassen werdet.

Schlusswort

4. Als Unterpfand himmlischer Gaben und Beweis Unseres Wohlwollens erteilen Wir Dir, geliebter Sohn, und den übrigen Bischöfen Österreichs, Eurem Klerus und den Eurer Wachsamkeit anvertrauten Gläubigen voll Liebe den Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom bei St. Peter am 1. Mai 1894,

im siebzehnten Jahr
Unseres Ponitifikats.

Leo XIII. Papst
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