Roger Peyrefitte

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Roger Peyrefitte (*17. August 1907 in Castres, Südfrankreich; † 5. November 2000) war ein französischer Romancier.

Biografie

Roger Peyrefitte wurde als Sohn einer wohlhabenden Familie geboren. Seine Schulbildung absolvierte er in verschiedenen katholischen Schulen der Lazaristen und Jesuiten im Languedoc. Nach einem Sprachen- und Literaturstudium in Toulouse wechselte er zur renommierten École libre des sciences politiques in Paris; 1930 konnte der ebenso begabte wie ehrgeizige Student dort als Jahrgangsbester abschließen, was ihm 1931 den Eintritt in den diplomatischen Dienst ermöglichte. Von 1933 bis 1938 war er als Sekretär der französischen Botschaft in Athen tätig; 1940 mußte er seinen Dienst für den Quai d'Orsay (wie das Außenministerium nach seiner Adresse genannt wird) aus nach wie vor nicht ganz geklärten Gründen bis 1943 einstellen und wurde schließlich 1945 wegen Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Deutschland aus dem diplomatischen Dienst entlassen.

Bereits ein Jahr zuvor war sein erster, teilweise autobiographischer Roman Les Amitiés particulières (dt.: Heimliche Freundschaften, Karlsruhe 1950) erschienen, der einen Skandal provozierte, ihn aber rasch berühmt machte und für den er bereits 1945 den Prix Renaudot erhielt. Der hier die Handlung leitmotivisch dauerende, tragische Konflikt zwischen der katholischen Religion mit der widernatürlichen gleichgeschlechtlichen Sexualität, zu der sich der Dichter offen bekannte, taucht in zahlreichen weiteren Werken erneut auf.

Auch der klassizistische Stil dieses Werkes, der zur provozierenden Thematik in einem auffälligen Kontrast steht, sollte in weiteren Romanen erhalten bleiben. So etwa in dem 1955 erschienenen Schlüsselroman Les clès de Saint Pierre (dt. Die Schlüssel von Sankt Peter, Karlsruhe 1956), der ein gleichermaßen beeindruckendes wie aufschlußreiches Bild der letzten Jahre der damaligen Epoche in der katholischen Kirche zeichnet. Der französische Schriftsteller François Mauriac drohte daraufhin der Pariser Zeitschrift "Express" mit seinem totalen Rückzug, sollte sie weiter Werbung für das Buch machen.

Im Jahr 1964 wurde der Erstlingsroman verfilmt und auf der Biennale in Venedig triumphal gefeiert. In den 70er Jahren erschienen u.a. seine Trilogie über das Leben Alexanders des Großen sowie seine Propos secrets (3 Bde.), in denen er anschaulich zu seinem Privatleben Auskunft erteilt; und dabei auch Zeitgenossen von Enthüllungen nicht verschont.

Unterstützung bekam er bei weiteren "outing"-Aktionen von einem hochrangigen Vertreter der Päpstlichen Nobelgarde und einigen weiteren Kirchenhistorikern. Viele seiner Werke wurden in andere Sprachen übersetzt, besonders ins Italienische, Deutsche, Englische sowie Griechische. - Persönliche Freunde, zu denen Salvador Dali, Jean Cocteau, Henry de Montherlant, Charles de Gaulle und Sir Peter Ustinov gehörten, schildern den Schriftsteller als liberalen und aufrichtigen Menschen. Kurz vor seinem Tod in Paris, am 5. November 2000, ließ er einen katholischen Priester zu sich kommen, um sich mit der Kirche und Gott auszusöhnen, indem er die Sterbesakramente empfing.

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