Recurrens mensis october (Wortlaut)

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Apostolisches Mahnschreiben
Recurrens mensis october

von Papst
Paul VI.
an die Bischöfe, den Klerus und die Gläubigem der Katholischen Kirche.
Einladung zum Rosenkranzgebet im Monat Oktober
15. September 1966

(Offizieller lateinischer Text: AAS LXI [1969] 649-654)

(Quelle: Kirchliches Amtsblatt für die Erzdiözese Paderborn, Herausgegeben von erzbischöflichen Generalvikariat, 112. Jahrgang, 22.10.1969, S. 152-154, Nr. 259; auch in: Rudolf Graber/Anton Ziegenaus: Die marianischen Weltrundschreiben der Päpste von Pius IX. bis Johannes Paul II., Einführung von Prof. Dr. Leo Scheffczyk; Herausgabe im Auftrag des Institutum Marianum e.V.; Schnell & Steiner Verlag Regensburg 1997; 3. erweiterte und überarbeitete Auflage, Seiten 311-316)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Rosenkranz als Herz.jpg
Ehrwürdige Brüder,
Gruß und Apostolischen Segen

Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Die Wiederkehr des Monats Oktober bietet Uns Gelegenheit, das ganze christliche Volk erneut zu einer Gebetsweise einzuladen, die mit Recht der katholischen Frömmigkeit teuer ist und gegenüber den Schwierigkeiten der gegenwärtigen Stunde nichts an Aktualität verloren hat. Wir wollen vom Rosenkranzgebet zu Ehren der Allerseligsten Jungfrau Maria sprechen.

2 Die Gebetsmeinung, die Wir in diesem Jahre allen Unseren Söhnen und Töchtern empfehlen möchten, ist der Friede unter den Menschen und unter den Völkern, denn diese Meinung scheint Uns dringender und schwerwiegender als je zu sein. Trotz gewisser Fortschritte und berechtigter Hoffnungen ziehen sich mörderische Konflikte in die Länge, neue „heiße Punkte" zeigen sich, und man sieht sogar Christen im Konflikt, die sich auf das gleiche Evangelium der Liebe berufen. Selbst im Schoße der Kirche muss man mangelndes Verstehen unter Brüdern feststellen, die sich gegenseitig anklagen und verurteilen. So ist es also dringender denn je, für den Frieden zu arbeiten und zu beten.

3 Ein Jahrestag lädt uns dazu mit noch größerem Vertrauen ein, nämlich die Vierhundertjahrfeier der Veröffentlichung der Bulle „Consueverunt Romani Pontifices“[1], durch die der heilige Pius V. die immer aktuelle Form des Rosenkranzgebetes festlegte, und zwar in einer für die Kirche und für die Welt aufgewühlten Zeit. Treu diesem so heiligen Erbe, aus dem das christliche Volk immer wieder aufs neue Kraft und Mut schöpfte, rufen Wir Klerus und Gläubige auf, inständig Gott durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau Mariens um den Frieden und die Eintracht unter den Menschen und Völkern zu bitten.

==Warum die Gottesmutter um den Frieden bitten?

4 Der Friede ist sicher die Tat der Menschen, gemeinsames Gut aller, muss der Friede die beständige Sorge aller sein, vor allem jener, die die Verantwortung für die Staaten und für die Gemeinschaft der Völker tragen. Aber wer trägt nicht seinen Anteil an Verantwortung für das Leben und den Frieden einer Familie, eines Unternehmens, einer Vereinigung? Trotz allem guten Willen von seiten vieler Menschen stoßen so viele Interessen hart aufeinander, offenbaren sich so viele selbstsüchtige Bestrebungen, stehen erbittert so viele gegensätzliche Auffassungen einander gegenüber, bekämpfen sich so viele Menschen im gegenseitigen Wettbewerb. Wer sieht nicht, dass jeder einzelne und alle sich unablässig dafür einsetzen müssen, dass die Liebe über die Zwietracht triumphiert und dass der Friede sich in der Gemeinschaft der Menschen erneuere?

5 Der Friede ist aber auch das Werk Gottes. Denn er hat in unsere Herzen das brennende Verlangen nach Frieden gelegt. Er drängt uns, dass ein jeder für seinen Teil seinen Beitrag hierzu leistet, und er stärkt dazu unsere schwachen Kräfte und unseren schwankenden Willen. Er, Gott allein, kann uns eine friedliche Seele geben und unser Ringen um den Frieden tief und stark werden lassen.

6 Das Gebet, durch das wir das Geschenk des Friedens erflehen, ist also ein unersetzbarer Beitrag für die Wiederherstellung des Friedens. Denn durch Christus, durch den uns jede Gnade gegeben wird [2], bereiten wir unsere Herzen, die Gabe des Friedens zu empfangen. Und wie sollten wir uns in unseren Gebeten nicht gern auf die Fürsprache Mariens stützen, die Mutter Christi, von der das Evangelium uns offenbart, dass „sie Gnade bei Gott gefunden hat"[3] ?

7 Denn die demütige Jungfrau von Nazareth wurde Mutter des „Friedensfürsten"[4], jenes, der im Zeichen des Friedens geboren wurde[5], und der Welt die Botschaft kündete: „Selig sind die Friedensstifter, denn sie werden Kinder Gottes genannt werden.“[6]

8 Das Evangelium lehrt uns. Die Gottesmutter fühlt mit den Nöten der Menschen. In Kanaa zögert sie nicht, für die Freude der eingeladenen Hochzeitsgäste ihre Fürsprache ein zu legen [7]. Wie sollte sie jetzt nicht eintreten für den Frieden, dieses so kostbare Gut, wenn wir es verstehen, sie aufrichtiger Herzens darum zu bitten?

9 Das Konzil hat uns in Erinnerung gerufen: Die Allerseligste Jungfrau setzt bei ihrem Sohne ihre Fürsprache für ihre Kinder auf dieser Erde fort[8]. Auf ihren ganz schlichten Hinweis, „sie haben keinen Wein mehr", hat Christus in großzügiger Weise geantwortet. Wie sollte er nicht die gleiche Freigebigkeit auf eine andere Bitte offenbaren: „Sie haben keinen Frieden"'?

Unser Gebet für den Frieden

10 Wenn es jeder verstehen muss, „nach dem Maße seiner Kräfte und seiner Fähigkeiten"[9] für die Gerechtigkeit und den Frieden in der Welt tätig zu sein, wird es jedem Christen ein Herzensanliegen sein, Maria zu bitten, mit uns und für uns zu flehen, dass uns jener Friede gewährt wird, den uns allein der Herr geben kann[10]. Noch mehr, wenn wir die Geheimnisse des Rosenkranzes betrachten, werden wir nach dem Beispiel Mariens im liebenden, steten Umgang mit Jesus und den Geheimnissen seines Erlöserlebens lernen, friedliebende Menschen zu werden.

Alle Kinder Gottes sollen beten:

Alle

11 - die Kinder und die Jugendlichen, deren Zukunft bei den Umwälzungen, die die Welt erschüttern, auf dem Spiele steht. Eltern und Erziehern wie allen Priestern soll es ein Anliegen sein, aus ihnen betende Menschen zu machen;

- die kranken und die alten Menschen, die bisweilen so mutlos sind, weil sie scheinbar unnütz sind. Mögen sie die mächtige Kraft des Gebetes wiederentdecken. So werden sie liebende Menschen werden, die in friedlicher Weise andere auf die Quellen des Friedens hinlenken;

- die Erwachsenen, die sich den ganzen langen Tag mühevoll abplagen. Ihre Mühen werden mehr Frucht bringen, wenn sie von einem Leben des Gebetes getragen werden[11]. Wenn sie Umgang mit der Gottesmutter pflegen, werden sie Jesus besser kennen lernen und lieben. So viele unserer Väter haben im Glauben hieran ihre beglückende Erfahrung gemacht;

- die geweihten Seelen, deren Leben so eng mit dem Leben Christi verbunden sein müsste wie ein Widerschein seiner Botschaft der Liebe und des Friedens;

- die Bischöfe und die Priester, ihre Mitarbeiter. Ihnen obliegt die besondere Mission, „im Namen der Kirche für das ganze ihnen anvertraute Gottesvolk wie für die gesamte Welt zu beten"[12]. Wie könnten sie sich nicht im tiefsten Grund ihres Betens mit dem Flehen Mariens vereinigen?

In diesem brennenden Verlangen nach dem Frieden, der „die Frucht des Geistes ist"[13], sind wir alle vereint, wie die Apostel im Abendmahlssaal, „im Gebet mit Maria, der Mutter Jesu" [14].

Für alle

12 Wir beten für all jene, die sich für das Werk des Friedens in der Welt einsetzen, vom einfachsten Dorf her bis hinauf zu den größten internationalen Organisationen. Wir ermutigen sie und sprechen ihnen Unsere Anerkennung aus. Sie haben das Anrecht auf unser Gebet. „Wie lieblich sind auf den Bergen die Füße des Freudenboten, der den Frieden verkündigt, der Glück verheißt, der Heil ausruft"[15].

13 Wir müssen beten, dass überall berufene Werkleute des Friedens, der Eintracht, der Versöhnung unter den Menschen und Völkern erstehen. Wir müssen beten, dass aus allen Herzen, beginnend bei uns selbst, Spaltungen und Rassendünkel, Hass und Bosheit voll beseitigt werden, die die immer neu auflebenden Quellen von Kriegen und Teilungen sind. Denn wenn das Böse mächtig ist, die Gnade ist es noch mehr.

14 Wir wollen zu ihm beten, der für unsere Sünden gestorben ist, „die zerstreuten Kinder Gottes zu einer Gemeinschaft zu vereinen"[16]. Wir wollen beten, dass unter allen Kindern der Kirche eine Atmosphäre gegenseitiger Achtung und des Vertrauens sich erneuere, der wechselseitigen Aussprache und des Wohlwollens. Wir wollen beten, dass wir alle, die wir auch um unsere Verschiedenheit wissen, uns doch gegenseitig ergänzen in der Wahrheit und Liebe Christi entsprechend dem Gebot des großen Apostels Paulus „Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden ... Hören wir also auf uns gegenseitig zu richten ... Das Reich Gottes ist Gerechtigkeit, Friede und Freude im Heiligen Geist. Suchen wir also das, was den Frieden und die gegenseitige Erbauung fördert.“[17]

Segen

15 Wir selber, Ehrwürdige Brüder, geliebte Söhne und Töchter, Wir wollen nicht aufhören, für den Frieden zu arbeiten und zu beten als Vertreter „dessen, der unser Friede ist, der in seiner Person den Hass vernichtet hat, der gekommen ist, den Frieden zu verkünden"[18]. Mit dem Apostel Paulus, in dessen Namen Wir Unsere Bitte vortragen wollen, „ermahnen Wir euch, ein Leben zu führen würdig der Berufung, die euch zuteil geworden ist, in aller Demut, Sanftmut und Geduld. Ertraget einander in Liebe. Bestrebt euch, die Einheit im Geiste durch das Band des Friedens zu bewahren"[19].

16 Möge die häufige Betrachtung der Geheimnisse unseres Heiles aus euch Werkleute des Friedens machen, nach dem Vorbild Christi, nach dem Beispiel Mariens. Möge das Rosenkranzgebet in jener Form, die wir vom heiligen Pius V. übernommen, wie auch in seinen neueren Formen, die von der kirchlichen Autorität gutgeheißen wurden und es den heutigen Verhältnissen anpassen, in Wahrheit nach dem Wunsch Unseres verewigten Vorgängers Johannes XXIII. „ein großes öffentliches Gebet aller sein im Hinblick auf die bekannten und außergewöhnlichen Anliegen der heiligen Kirche, der Völker und der ganzen Welt"[20]. Dieses Rosenkranzgebet, das „wie eine Zusammenfassung des Evangeliums ist"[21], ist "nunmehr eine Andachtsübung der Kirche"[22].

17 Durch dieses Gebet zu Maria, der heiligen Gottesmutter und unserer Mutter, helfen wir mit, dass sich der Wunsch des Konzils erfülle: „Alle Gläubigen mögen an die Muttergottes und unsere Mutter inständige Gebete richten, dass sie, nachdem sie der jungen wachsenden Kirche durch ihre Gebete beigestanden hat, auch jetzt noch, nach ihrer Aufnahme in den Himmel über alle Heiligen und Engel, fortfahre in der Gemeinschaft aller Heiligen bei ihrem Sohne Fürbitterin zu sein, auf dass alle Völker, seien sie nun schon Christen oder noch in Unkenntnis ihres Erlösers, endlich im Frieden und in der Eintracht eines einzigen Gottesvolkes sich zusammenfinden zum Ruhme der heiligsten und ungeteilten Dreifaltigkeit"[23].

18 In dieser Meinung, Ehrwürdige Brüder, geliebte Söhne und Töchter, laden Wir euch ein, während des Monats Oktober mit Eifer den heiligen Rosenkranz zu beten. Dazu erteilen Wir allen von Herzen Unseren Apostolischen Segen.

Gegeben zu Rom beim heiligen Petrus, am 7. Oktober 1969,
im siebten Jahre Unseres Pontifikates
Paul VI. PP.

Anmerkungen

  1. Bull. Ord. Praed., Bd. V, 223, 17.9.1569.
  2. Vgl. Röm 8,32 EU
  3. Lk 1,30 EU
  4. Jes 9,5 EU
  5. Vgl. Lk 2,14 EU
  6. Mt 5,9 EU
  7. Vgl. Joh 2,15 EU
  8. Vgl. Dogm. Konstitution über die Kirche, „Lumen gentium", Art. 62: AAS 57 (1965) 63.
  9. Vgl. EnzyklikaPopulorum progressio", Nr. 75: AAS 59 (1967) 294.
  10. Vgl. Gebet der Friedensmesse.
  11. Vgl. Dogm. Konstitution über die Kirche, „Lumen gentium", Art. 34: AAS 57 (1965) 39 f.
  12. Vgl. Dekret über Dienst und Leben der Priester, „Presbyterorum ordinis", Art. 5: AAS 58 (1966) 998.
  13. Gal 5,22 EU
  14. Apg 1,14 EU
  15. Jes 52,7 EU
  16. Vgl. Joh 11,52 EU
  17. Röm 12,18 EU und 14,13.17.19.
  18. Eph 2,14f EU
  19. Eph 4,1-3 EU
  20. Apost. Schreiben „Il religioso convegno" vom 29.9.1961: AAS 53 (1961)
  21. Kard. Jules Saliège, Voila ta Mère, pages mariales recueillies et présentees par Mgr. Gabriel Garrone. Toulouse 1958, 40.
  22. Paul VI., Ansprache vom 23. 7.1963 an die, die zum drittenmal am Dominikanischen Konvent über den Rosenkranz teilnahmen: Insegnamenti di Paolo VI, I, 1963,464.
  23. Vgl. Dogm. Konstitution über die Kirche, „Lumen gentium", Art. 69: AAS 57 (1965) 66 f.

Weblinks

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