Lectio divina

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Die Lectio divina ist eine Methode der meditierenden und betenden Lesung der Bibel. Bereits die Wüstenväter übten diese Art des Schriftsgebets, bei der ein Vers aus Bibel immer wieder wiederholt wird. Eine systematische Darstellung der Methode der lectio divina gibt der Kartäusermönch Guigo II. († 1193) in seiner Schrift Scala claustralium (vor 1150). Er bezeichnet die lectio divina als „Leiter der Mönche zu Gott“ und unterscheidet vier Stufen:

  1. Lesung (lectio)
  2. Meditation (meditatio)
  3. Gebet (oratio)
  4. Kontemplation (contemplatio)

Die Lesung sucht nach der Freude des ewigen Lebens, die Meditation entdeckt sie, das Gebet erfleht sie und die Kontemplation verkostet sie. [1]

Inhaltsverzeichnis

Lesung (lectio)

Nach Guido wird auf der ersten Stufe, der "lectio" (Lesung) das Wort Gottes langsam und aufmerksam gelesen, so daß es in uns eindringt. [2]

Die alten Mönche raten, dass man beim Lesen der Heiligen Schrift so vorgehen sollte, als lese man den Text zum ersten Mal und warte förmlich darauf, von Gott angesprochen zu werden. [3]

Meditation (meditatio)

Die zweite Stufe ist die meditatio (Besinnung), wobei wir über den Text, den wir gewählt haben, nachdenken und ihn „wiederkäuen", so daß wir von ihm das mitnehmen, was Gott uns geben möchte. [4]

In der frühen Kirche wiederholten (murmelten) die Mönche oft einfach Worte der Schrift und zwar so lange, bis diese Worte in ihr Herz vorgedrungen waren. So wollten sie das bei der Lesung empfangene Wort aufgreifen und mit in den Alltag und seinen Beschäftigungen nehmen. [5]

Gebet (oratio)

Die dritte Stufe ist die oratio (Gebet), wobei wir unser eigenes Denken beiseite lassen und unsere Herzen ganz einfach zu Gott sprechen lassen. Die Antwort ist von unserem Nachdenken über Gottes Wort erfüllt. [6]

Kontemplation (contemplatio)

Die letzte Stufe ist das Gebet der Ruhe, die „Beschauung“ (Kontemplation), das Eintreten in den Tempel der eigenen Seele. Der Beter schweigt, indem er seine Aufmerksamkeit einfach auf Gottes Gegenwart richtet. Contemplatio ist also ein „Dasein“ vor Gott. [7]


Bis in die jüngste Zeit hinein wurde die lectio divina im katholischen Bereich fast ausschließlich in den Klöstern geübt. Nicht zuletzt durch das Zweite Vatikanische Konzil, das die Bedeutung des Wortes Gottes im geistlichen Leben der Gläubigen betonte, entdeckten viele Christen auch außerhalb der Klöster die lectio divina für sich. Papst Benedikt XVI. empfielt die lectio divina und hofft, dass sie einen neuen geistlichen Frühling in der Kirche bewirkt (vgl. Benedikt XVI. empfiehlt 'Lectio Divina'. In: kath.net vom 20.09.2005).

Literatur

Quellen

Sekundärliteratur

  • Michael Casey OCSO: Lectio divina. Die Kunst der geistlichen Lesung. St. Ottilien: EOS-Verlag, 2009. ISBN 978-3-8306-7335-4
  • Steele Hartmann OCSO: Gott finden in der Bibel. Eine Hinführung zur Lectio divina. Übersetzt von Daniel Tibi OSB. Traugott Bautz, Nordhausen 2010. ISBN 978-3-88309-587-5

Weblinks

Anmerkungen

  1. [Quelle: Guigo der Kartäuser, Scala claustralium, Aus dem Lateinischen übersetzt von P. Daniel Tibi OSB, http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d9/Guigo_scala-claustralium_de_ebook_2011-07-17.pdf]
  2. [Quelle: Karmeliterkloster Marienthal, Die Spiritualität des Ordens: Lectio Divina, http://karmel-marienthal.de/karmel0302.html]
  3. [Quelle: m a r t y r i a - christliches lebenszeugnis, „lectio divina“ (PDF), http://karmel-marienthal.de/karmel0302.html]
  4. [Quelle: Karmeliterkloster Marienthal, Die Spiritualität des Ordens: Lectio Divina, http://karmel-marienthal.de/karmel0302.html]
  5. [Quelle: m a r t y r i a - christliches lebenszeugnis, „lectio divina“ (PDF), http://karmel-marienthal.de/karmel0302.html]
  6. [Quelle: Karmeliterkloster Marienthal, Die Spiritualität des Ordens: Lectio Divina, http://karmel-marienthal.de/karmel0302.html]
  7. [Quelle: m a r t y r i a - christliches lebenszeugnis, „lectio divina“ (PDF), http://karmel-marienthal.de/karmel0302.html]
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