Diego de Covarruvias y Leyva

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Diego de Coverruvias y Leyva (Didacus Covarruvias) (* 25. Juli 1512 in Toledo; † 27. September 1577 in Madrid) war ein spanischer Rechtsgelehrter.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Diego de Covarruvias y Leyva stammte aus einer angesehenen Familie, sein jüngerer Bruder Antonio war Mitglied des Rates von Kastilien und Rechtsprofessor in Salamanca. Dort studierte Coverruvias y Leyva kanonisches Recht und Theologie als Schüler von Martin de Azpilcueta, Diego de Álava Esquivel, Francisco de Vitoria und Domingo de Soto. Bereits 1533 lehrte Coverruvias y Leyva an seiner Universität, um dann 1538 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Colegio Mayor von Oviedo zu werden, ehe er als Professor für kanonisches Recht nach Salamanca zurückkehrt, wo er an der Reorganisation der Universität beteiligt war und die Geschichte der berühmten Schule von Salamanca fortschrieb. Von 1548 bis 1559 war Coverruvias y Leyva oberster Richter in Granada. Neben seiner akademischen und juridischen Karriere hatte Coverruvias y Leyva hohe Kirchenämter inne. Nachdem er der Ernennung zum Erzbischof von Santo Domingo (Hispaniola) nicht gefolgt war, begann er 1560 seine klerikale Laufbahn als Bischof von Ciudad Rodrigo. In diesem Amt war Coverruvias y Leyva Teilnehmer an der Dritten Periode des Konzils von Trient (1562/1563), wo er zusammen mit Kardinal Buoncompagno (nachmals Papst Gregor XIII.) mit der Erarbeitung der Dekrete zur Reformation beauftragt war. 1565 wurde Coverruvias y Leyva Bischof von Segovia, ehe er 1572 als Mitglied des Obersten Rates von Kastilien, den er ab 1574 leitete, politischer Berater des Königs wurde. Philipp II. ernannte ihn 1577 zum Bischof von Cuenca, ein Amt, das Coverruvias y Leyva nicht mehr antreten konnte; er starb am 27. September diesen Jahres.

Denken

Prämissen

Coverruvias y Leyvas Beitrag zur katholischen Rechts- und Herrschaftstheorie basiert auf zwei Grundgedanken: 1. Herrschaft widerspricht grundsätzlich der natürlichen Freiheit des Menschen und ist nur mit dem Sündenfall Adams zu rechtfertigten; 2. Auslegungsnorm ist die gesamte Überlieferung (neben der Bibel auch die philosophisch-theologische Tradition des aristotelisch-thomistischen Denkens) sowie das tradierte Recht (römisches Recht, Corpus Iuris Civilis und kanonisches Recht, Corpus Iuris Canonicus).

Natur- und Staatsrecht

Mit seinem nicht mehr spekulativ-theologischen, sondern historisch-moralphilosophischen Nachweis der Geltung des Naturrechts und dessen konsequente Anwendung auf die Staatsrechtslehre widerlegte Coverruvias y Leyva als einer der Wegbereiter des modernen Gedankens der Volkssouveränität die Doktrin fürstlich-absolutistischer Herrschaft (Bellarmin, Bodin, Hobbes) und bewegt sich damit auf der Linie der spanischen Barockscholastiker (Vitoria, Las Casas, Suárez).

Legitimationsdisput

Im Disput um die Legitimation der Conquista vertritt Coverruvias y Leyva gegen die höfisch-kolonistische (Sepúlveda, Fernández de Oviedo) und die missionarisch-empathische Richtung (Las Casas) mit Vitoria und anderen Vertretern der Schule von Salamanca eine akademisch-etatistische Position, der es um die Stärkung der spanischen Zentralmacht ging, bei gleichzeitiger Schwächung des politischen Einflusses von Papst und Kaiser, um so zu einer hispanistischen Grundlegung der Kolonialisierung Amerikas zu gelangen, die sich nicht mehr an dem päpstlichen Auftrag zur Christianisierung festhielt, und dabei die Idee des christlichen Naturrechts säkular-pluralistisch auf internationale und interkulturelle Beziehungen übertrug.

Rechtswissenschaft

An der Systematisierung der Rechtswissenschaft seiner Zeit hatte Coverruvias y Leyva maßgeblichen Anteil. Das Erb- und Eherecht beeinflußte er nachhaltig; im Strafrecht hat Coverruvias y Leyva neben der Entwicklung der Rechtsfigur bedingter Vorsatz (dolus indirectus) insbesondere zu einer Subjektivierung des Strafbegriffs beigetragen, indem er die theologische Schuld- mit der weltlichen Straflehre vermittelte und so für eine Kopplung von persönlicher Strafe an individuelle Schuld im Rechtssystem die Grundlage legte.

Wirtschaftswissenschaft

Für die Ökonomie entwickelte Coverruvias y Leyva als Erster die subjektivische Werttheorie der freien Marktwirtschaft, indem er zeigte, daß der Wert einer Sache nicht von den objektiven Gegebenheiten der Sache selbst, sondern von der subjektiven Wertzuschreibung der Menschen abhängt, die sich auf die Zahlungsbereitschaft der einzelnen Marktteilnehmer auswirkt und gesamtwirtschaftlich die wert- bzw. preisbildende Nachfrage konstituiert.

Werk

Die wirkungsgeschichtliche Bedeutung der vielfältigen Arbeit Coverruvias y Leyvas zeigt sich bereits darin, dass noch zu seinen Lebzeiten eine Sammlung der kanonistischen Werke erschien (Opera omnia, 1573). Als Hauptwerke Coverruvias y Leyvas gelten Variarum resolutionum (1552) und Practicarum quaestionum (1556).

Traktate

  • Variarum resolutionum ex jure pontificio, regio et cæsareo, 4 Bde. (Bd. 1-3: 1552, Bd. 4: 1570)
  • Practicarum quaestionum earumque resolutionum amplissimarum (1556)
  • Veterum numismatum collatio de re monetaria cum his quæ modo expenduntur (1556)
  • Tractatus de frigidis et maleficiatis (1573)

Kommentare

  • De sponsalibus ac matrimoniis (1545)
  • De testamentis (1547)
  • De pactis (1553)
  • De regulis iuris: Possessor malae fidei (1553)
  • De regulis juris: Regulae peccatum (1554)
  • De sententia excommunicationis (1554)
  • De homicidio (1554)

Gesamtausgaben

  • Opera omnia. 2 Bde. Frankfurt a. M. 1573 (Nachdruck: 1583, 1592)
  • Opera omnia. 2 Bde. Venedig 1614
  • Opera omnia. 5 Bde. Antwerpen 1638 (Nachdruck: 1762)

Literatur

  • A. S. Brett, Liberty, Right and Nature: Individual Rights in later Scholastic Thought. Cambridge 1997
  • M. Kaufmann / R. Schnepf (Hg.), Politische Metaphysik. Die Entstehung moderner Rechtskonzeptionen in der spanischen Scholastik. Frankfurt am Main 2007
  • K. E. v. Liere, Humanism and the law faculties in sixteenth-century Spain: Diego de Coverruvias y Leyva (1512-1577) and the university of Salamanca. Ann Arbor 1995
  • H. Maihold, Strafe für fremde Schuld? Die Systematisierung des Strafbegriffs in der Spanischen Spätscholastik und Naturrechtslehre. Köln 2005
  • F. Merzbacher, Azpilcueta und Coverruvias, in: G. Köbler et al. (Hg.): Recht, Staat, Kirche. Ausgewählte Aufsätze. Wien 1989
  • A. P. Monahan, From Personal Duties Towards Personal Rights: Late Medieval and Early Modern Political Thought, 1300-1600. Montreal 1994
  • J. Pereda, Coverruvias penalista. Barcelona 1959
  • L. Pereña Vicente, Diego de Coverruvias y Leyva: maestro de derecho internacional, Madrid 1957
  • V. Peressa, Diego de Coverruvias y Leyva, o.O. 1957
  • M. Quintanilla, Don Diego de Coverruvias, obispo de Segovia, in: Estudios Segovianos (1954), 514-517
  • F. Schaffstein, Die Europäische Strafrechtswissenschaft im Zeitalter des Humanismus. Göttingen 1954
  • K. Seelmann, Coverruvias, in: M. Stolleis (Hg.): Juristen. München 1995, 142-143
  • K. Seelmann, Theologie und Jurisprudenz an der Schwelle zur Moderne. Die Geburt des neuzeitlichen Naturrechts in der iberischen Spätscholastik. Baden-Baden 1997
  • B. Tierney, The Idea of Natural Rights: Studies on Natural Rights, Natural Law, and Curch Law 1150-1625. Cambridge 1997
  • J. Vales Failde, Diego de Coverruvias y Leyva, in: Jurisconsultos españoles (1921), 43-50

Weblinks

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