Der Dialog

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S. Catharina, doctor ecclesiae

Der Dialog. Gespräch mit Gott über seine Vorsehung ist der Titel des Hauptwerkes von Caterina von Siena, das im Spätherbst 1377 bis im Oktober 1378 in Italien verfasst wurde und die entscheidende Grundlage für ihre Erhebung zur Kirchenlehrerin im Jahre 1970 bildete.

Caterina hat ihrem Werk keinen Titel gegeben, sondern immer nur von ihrem "Buch" gesprochen. Später nannte man es auch "Buch über die göttliche Lehre" oder "Dialog über die göttliche Vorsehung". Obwohl das Gespräch über die Vorsehung nur einen Teil des gesamten Buches ausmacht (Kap. 135-153), hat sich dieser Titel seit fünf Jahrhunderten bis heute allgemein durchgesetzt. Das Buch gehört zu den am frühesten gedruckten Büchern überhaupt (Bologna 1472-1474).

Inhaltsverzeichnis

Ursprung des Textes

Obwohl Caterina offenbar in späteren Jahren Lesen und im Herbst 1377 (mit Hilfe des Himmels) auch Schreiben lernte, hatte sie ihre Briefe und ebenso den Dialog vorzugsweise ihren Sekretären diktiert. Dieses Diktieren aber geschah im Fall des Dialogs - und damit einer besonderen Eigenart ihres Buches - ausschließlich im Zustand der Ekstase. Dabei handelte es sich allerdings nicht um ein göttliches Diktat. Denn Caterina war kein "Medium", das wie ein Lautsprecher die Mitteilungen Gottes hörbar werden ließ. Es war aber auch nicht ihre eigene menschliche Weisheit, die sie in Form einer "Gottesrede" weitergab. Das heißt, alles, was zur Wahrheit der Offenbarung und somit zur katholischen Lehre gehört, hat Caterina direkt von Gott selbst erfahren - ohne vermittelnde Personen dazwischen, und zwar entweder durch innere Erleuchtung oder in wahrnehmbaren Visionen. Neben diesem charismatischen Eingreifen Gottes besaß ihr Geist aber auch eine natürliche Offenheit und vor allem die Fähigkeit, das Gehörte und Wahrgenommene eigenständig zu verarbeiten. Ihre Kontakte mit der Welt des Geistes erfuhr sie in Gegenwart ihrer geistlichen Familie, der sowohl Kleriker als auch Weltchristen aus den verschiedensten Bildungsschichten angehörten. [1]

Inhalt

1. Prolog (1-2): In dem einleitenden Teil geht es um den inneren Zusammenhang von Wahrheit und Liebe und um die Schönheit und Würde des Menschen, dessen Vollkommenheit in der Einheit mit Gott besteht. Caterina richtet vier Bitten an Gott:
1. für sich selbst (später noch erweitert um die Bitte, dass es ihr erlaubt sein möge zu leiden zur Sühne für die Sünden);
2. für die Reform der Kirche;
3. für die ganze Welt und besonders um Frieden unter den rebellierenden Christen;
4. für die göttliche Vorsehung in allen Dingen, besonders im Hinblick auf einen gewissen Fall, der sich ereignet hat.

2. Weg der Vollkommenheit (3-12): Gott antwortet auf ihre Bitte und unterrichtet sie über die Notwendigkeit des Verlangens, das heißt der auf Gott gerichteten Sehnsucht, die unendlich ist im Vergleich zu den endlichen Handlungen des Menschen. Der Abschnitt handelt weiter über die Rolle des Nächsten im Geschehen der Liebe, über die Tugenden und über die Gabe der Unterscheidung als das Licht und die Würze aller anderen Tugenden.

3. Dialog (13-25): Caterina formuliert drei Bitten:

1) Die Bitte um Erbarmen für das Volk Gottes und den "mystischen Leib" der Kirche, worauf Gott antwortet, indem er auf das Geschenk des erlösenden Blutes Christi verweist und auf die Veranwortung, die mit diesem Geschenk verbunden ist.

2) Die Bitte um Erbarmen für die Welt, worauf als Antwort die Erörterung über die Eigenliebe folgt, die das Gift der Welt ist, sowie über Gottes Herrschaft über Gute und Böse.

3) Die Bitte um Gnade, besonders für Raimund von Capua, damit er der Wahrheit folgt. Gott antwortet und spricht: über den Weg der Wahrheit, über die Christus-Brücke und über den zweifachen Weingarten (jenen der eigenen Seele und den der Kirche), der von allen gepflegt werden muss, die Ihm dienen wollen. Lobpreis auf die göttliche Liebe und Wunsch, über die Christus-Brücke noch mehr zu erfahren.

4. Die Brücke (26-87): Der einzige Lebensweg des Menschen ist Christus.

1) Christus, das fleischgewordene Wort, hat sich zur Brücke gemacht zwischen Himmel und Erde. Beschreibung der Christus-Brücke mit den drei Stufen (die drei Zustände der Seele bzw. Grade der Liebe) als Zugang. Diesem Weg der Wahrheit steht der Weg der Lüge gegenüber, der zum Strom des Todes wird.

2) Es werden jene beschrieben, die unter der Brücke den Strom des Todes überqueren wollen. Verurteilung der Sünder und Belohnung der Guten; die Auferstehung, Wert der Prüfungen.

3) Der Weg über die Christusbrücke vollzieht sich für den einzelnen in verschiedenen Vollkommenheitsstufen (auf dem gewöhnlichen Weg der Liebe oder in vollkommener Liebe).

Zusammenfassung und Bitte um Unterweisung über die Tränen.

5. Tränen (88-97): Es gibt fünf Arten von Tränen, die mit den Zuständen der Seele zusammenhängen. Dieser kurze Abschnitt endet mit einem Lobpreis Gottes für das Geschenk der Liebe und einer dreifachen Bitte um Erleuchtung: Im Urteil, im Rat und in der Unterscheidung dessen, was von Gott kommt und was vom Teufel kommt.

6. Wahrheit (98-109): Es gibt drei Lichter, wodurch wir sehen: das unvollkommene, das vollkommene und das vollkommenste Licht; und drei Dinge, die notwendig sind, um nicht getäuscht zu werden:

1) Kein Urteilen über die Fehler anderer.

2) Kein Urteilen über den Grad der Vollkommenheit anderer.

3) Kein Versuchen, andere in derselben Form, die wir für uns gewählt haben, auf den Weg der Wahrheit einzugrenzen.

Caterina preist Gott und bittet um Treue zur Wahrheit und um Erkenntnis der Sünden des Klerus, um dadurch ihre Sorgen und ihr Verlangen nach Erbarmen zu intensivieren.

Gott fordert sie auf zu beten.

7. Der mystische Leib der heiligen Kirche (110-134): Dieser Abschnitt beginnt mit einem wunderbaren Lobpreis auf das Priestertum und auf das Geheimnis der Eucharistie. Dann werden die Sünden der üblen Kleriker und Ordensleute behandelt. Zusammenfassung und Lobpreis Gottes. Caterina erneuert ihre Bitte um Erbarmen für die Welt und die Kirche.

8. Göttliche Vorsehung (135-153): Gott spricht zuerst über Seine allgemeine Vorsehung in Schöpfung und Erlösung, in den Sakramenten, im Geschenk der Hoffnung, in den Geboten und dann über seine besondere Vorsehung in den Ereignissen des Lebens und in einem "gewissen Fall". Zusammenfassung, Lobpreis auf die göttliche Liebe und Bitte um Unterweisung über den Gehorsam - eine Erweiterung des Themas der Vorsehung.

9. Gehorsam (154-165): Der Gehorsam ist die Antwort des Menschen auf die göttliche Vorsehung. Gott spricht über den Gehorsam der Welt als Heilmittel für die Sünde Adams, über den gewöhnlichen Gehorsam und über den Gehorsam der Ordensleute, um dann einen Lobgesang auf diese Tugend zu singen, welche die Seele in Liebe an ihn angleicht nach dem Beispiel Christi.

10. Epilog (166-167): Gott fasst den Inhalt des ganzen Buches zusammen, und Caterina antwortet mit einem Dankgebet und einem Lobgesang auf die Trinität. Abschließendes Gebet und Caterinas Bitte, Gott möge sie mit der Wahrheit bekleiden.[2]

Ursprünglich war der Dialog, wie ihn uns Caterina überließ, mit ziemlicher Sicherheit ein einziger fortlaufender Erzählfluss. Caterinas Schüler jedoch unterteilten den Text sehr früh in einzelne Kapiteln. Spätere Übersetzer (ab Ende des 16. Jahrhunderts) haben damit begonnen, den Dialog in vier Abschnitte zu unterteilen in Anlehnung an die vier Bitten, die Caterina zu Beginn an Gott richtet. Damit wurde das Werk allerdings in ein Schema gepreßt, das in sich inhaltlich nicht schlüssig war. Erst vierhundert Jahre später "entdeckte" Giuliana Cavallini in den drei Elementen von Bitte, Antwort, Dank - und deren Übereinstimmung mit den großen Initialen der frühesten Handschriften - das authentische Schema des Gesamttextes und seine zehnteilige Gliederung. Diese Einteilung entspricht auch eher dem Inhalt, wobei die Unterteilung in die 167 Kapitel gleich geblieben ist.[3]

Würdigung durch der Kirche

Papst Pius II. (1458-1464): "Ihre Gelehrsamkeit war eine eingegebene, nicht erworbene. Sie war mehr Lehrerin als Schülerin." (Misericordias Domini, Heiligsprechungsbulle vom 29. Juni 1461, in: Il Processo Castellano (Fontes Vitae S. Catharinae Senensis Historici 9, 528).

Papst Paul VI. (1963-1978): "... was am meisten an der Heiligen auffällt, ist die eingegossene Weisheit, die leuchtende, tiefe, ja berauschende Assimilierung der göttlichen Wahrheiten und Glaubensgeheimnisse, wie sie in den Büchern des Alten und Neuen Testamentes enthalten sind ... " (Predigt am 4. Oktober 1970 in St. Peter in Rom anlässlich der Erhebung der heiligen Caterina von Siena zur Würde einer Kirchenlehrerin, vgl. AAS LXII [1970] 329-335).

In dem mit der Erhebung zur Kirchenlehrerin verbundenen Apostolischen Schreiben Mirabilis in ecclesia Deus wird darauf verwiesen, dass Caterina, "die in der Tat keinen menschlichen Lehrer hatte", dank der "überreichen Gabe der Weisheit und des Wissens" (1 Kor 12,8) "zur hervorragendsten Lehrerin der Wahrheit wurde." Und dann heißt es weiter über den Dialog:

"Gegen Ende ihres kurzen Lebens diktierte Caterina in ekstatischem Zustand ein Buch - im Volksmund ,Dialog der Göttlichen Vorsehung' genannt -, dessen ganzer Aufbau darin gelegen ist, dass ihre Seele Gott fragt und Gott der Fragenden Antwort gibt. So geschieht es, dass der ewige Vater des Himmels vieles von dem, was sich auf das ewige Leben bezieht - sei es den einzelnen oder die ganze Kirche betreffend - Caterina erklärt. Bei der Zusammenstellung dieses Themas gereicht es ihr in besonderer Weise zum Lob, dass sie immer das herausfordert, was den inneren Menschen berührt, bzw. Göttliches in den Mittelpunkt stellt." (Mirabilis in ecclesia Deus, Apostolisches Schreiben von Papst Paul VI. zum immerwährenden Gedenken an die Erhebung der hl. Caterina von Siena zur Kirchenlehrerin, vgl. AAS LXIII (1971) 674--682. ).

Papst Johannes Paul II. (1978-2005): "Die heilige Caterina diktierte in den Jahren 1377 und 1378 in verschiedenen Zeitabständen ein Buch, das gewöhnlich als Dialog der göttlichen Vorsehung oder der göttlichen Lehre betitelt wird, in dem ihre Seele in verzücktem Gespräch mit dem Herrn das berichtet, was ihr die ewige Wahrheit sagt als Antwort auf ihre Fragen bezüglich des Wohles der Kirche und ihrer Kinder und der ganzen Welt. Das Buch ist charakterisiert durch prophetischen Geist, Ausgewogenheit des Denkens und Klarheit des Ausdrucks. Es behandelt die erhabensten Geheimnisse unserer Religion und die schwierigsten Probleme der Aszetik und Mystik. Wachsam und flehentlich richtet sie sich an die Brüder in der Welt, die sie verlorengehen sieht auf den Pfaden der Sünde und die sie aufzurütteln versucht aus der tödlichen Abgestumpftheit: Mit feiner psychologischer Intuition wirft sie Lichtbündel auf den Weg der Vollkommenheit, indem sie die Erhebung des Menschen preist, der in der Nachfolge des gehorsamen Christus den sicheren Weg zur heiligsten Dreifaltigkeit findet ... " (Amantissima providentia, Apostolisches Schreiben von Papst Johannes Paul II. am 29. April 1980 zum 600. Jahrestag des Heimgangs der hl. Caterina von Siena, vgl. AAS LXXII (1980) 569-581).

Papst Benedikt XVI. (2005-2013): "Die Lehre Katharinas ... ist im ,Dialog der göttlichen Vorsehung' oder ,Buch der göttlichen Lehre', einem Meisterwerk der geistlichen Literatur, in ihren Briefen und in der Sammlung ihrer Gebete enthalten. Ihre Lehre ist mit einem solchen Reichtum ausgestattet, dass der Diener Gottes Paul VI. sie 1970 zur Kirchenlehrerin erklärte." (Generalaudienz am 24. November 2010 in Rom).[4]

Deutschsprachige Übersetzungen des Dialogs (bisher nur in Auswahl)

1761 erschien in Bamberg von P. H. Preissig OP eine Auswahl einzelner Texte.

1808 erschien in Aschendorff: "Ein kleines Gespräch der heiligen Katharina von Siena ueber hoechste Vollkommenheit (aus dem vierzehnten Jahrhundert)" durch einen anonymen Übersetzer und Herausgeber.

1818 erschien in Münster von Friedrich Leopold Graf zu Stolberg ein Konvolut mit dem Titel: Leben des heiligen Vincentius von Paulus und ein aus dem Italienischen übersetztes Gespräch der heiligen Katharina von Siena. Auf den Seiten 433-448 ist dabei die Übersetzung der ersten Kapitel des Dialogs eingebunden.

1951 gab P. Sigisbert Oberholzer in Luzern unter dem Titel: Katharina von Siena, Dialog über die Vorsehung die Übersetzung einiger ausgewählter Texte heraus, erschienen in der Reihe "Verpflichtendes Erbe", Bd. 25/26.

1964 (3. Auflage) Die bisher umfangreichste Teil-Übertragung (etwa 50% des Gesamttextes) wurde 1947 von Ellen Sommer-von Seckendorff und Cornelia Capol nach der italienischen Ausgabe von P. Innozenzo Taurisano OP erstellt und ist unter dem Titel Gespräch von Gottes Vorsehung bereits in mehreren Auflagen im Johannes Verlag Einsiedeln, erschienen (Lectio Spiritualis 8). Die Unterteilung und Gliederung des Textes (Titel, Zwischentitel) orientiert sich dabei nach der Taurisano-Edition an dem Schema der vier Bitten.

Seit der Ernennung Caterinas zur Patronin Europas im Jahre 1999 gibt es auch Übersetzungen auf Polnisch (2001); Italienisch (2000, 2001, 2006, 2007); Spanisch (Lima 2002); Französisch (2002, 2004); Ungarisch (2003); Vietnamesisch (2003); Tschechisch (2004); Kroatisch (2006); Niederländisch (2014).[5]

2017 Quelle: Werner Schmid (Hsgr.): Caterina von Siena: Der Dialog. Gespräch mit Gott über seine Vorsehung, Vollständige Übersetzung von Claudia Reimüller, Der Übersetzung liegt als Text die Ausgabe von Guiliana Cavallini zugrunde: S. Caterina de Siena IL DIALOGO della Divina Providenzaovverp libro della Divina Dottrina [Testi Cateriniani I] Siena 1995, Verlag St. Josef 2017 (mit Register, 550 Seiten, ISBN 978-3-901853-35-7).

Anmerkungen

  1. In der Quelle, S. 14*
  2. In der Quelle, S. 24*-26*
  3. In der Quelle, S. 25*
  4. In der Quelle, S. 21*-23*
  5. In der Quelle, S. 495
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