Scholastik

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Als Scholastik (von altgriech. σχολαστικός scholastikós „müßig“, „seine Muße den Wissenschaften widmend“; lat. scholasticos "schulisch, zum Studium gehörend", von schola "Schule") wird eine Denkweise und wissenschaftliche Methode in Philosophie und Theologie bezeichnet, welche im Mittelalter eine zusammenschauende "Verwissenschaftlichung aller relevanten Weisen des Wissens" bewirkte. Die Vertreter der Scholastik zeichneten sich durch eine ganzheitliche Schau aller Disziplinen aus.<ref>Ludger Honnefelder/Hannes Möhle: Art. Scholastik. I. Begriffliche Abgrenzung in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Aufl., Bd. 9, Sp. 199, unter Verweis auf Wolfgang Kluxen und Josef Koch.</ref> In der Scholastik wurde versucht, die Philosophie der Antike und die biblische Botschaft in Übereinstimmung zu bringen und mit der Lehre der Kirchenväter zu vermitteln (vgl. Mystici corporis Nr. 35). Der Ausdruck des Boethius: "Den Glauben verknüpfe mit der Vernunft, wenn du es vermagst!" (Fidem si poteris rationemque coniunge!) kann dabei als typisch angesehen werden. Die scholastische Methode wurde als die Vorgehensweise wissenschaftlichen Denkens schlechthin betrachtet. Für die Theologie am bedeutsamsten sind die theologischen Forschungen und Werke der Scholastiker.

Die Scholastiker waren hauptsächlich Ordensleute. In den Klosterschulen erfuhren sie ihre Ausbildung, und die Orden bildeten Netzwerke, die für den wissenschaftlichen Disput notwendig waren. Auch die Schreibstuben der Klöster leisteten ihren Beitrag. Wichtige Vertreter der Strömung sind die Dominikaner Thomas von Aquin und Albertus Magnus, Petrus Lombardus und Petrus Abaelardus sowie die Franziskaner Bonaventura, Johannes Duns Scotus und Wilhelm von Ockham.

Das Programm "Credo, ut intelligam - Ich glaube, um zu erkennen"" ist grundlegend für die Scholastik geworden.<ref>Das vollständige Zitat aus dem Prosologion des heiligen Anselm von Canterbury lautet: "Neque enim quaero intelligere ut credam, sed credo ut intelligam - Denn ich suche nicht zu erkennen, damit ich glauben, sondern ich glaube, damit ich erkennen kann." Dieser Satz wiederum lehnt sich an einen Ausspruch des heiligen Augustinus an: "Credimus, ut cognoscamus - wir glauben, um zu erkennen." : Dr. Martin Grabmann (1875-1949) - "der größte kath. Wissenschaftler seiner Zeit" Lebenslauf bei www.robl.de</ref>

Allgemeine Charakteristik

Die scholastische Methode

Die scholastische Methode will durch Anwendung der Vernunft, der Philosophie auf die Offenbarungswahrheiten möglichst Einsicht in den Glaubensinhalt gewinnen, um so die übernatürlichen Wahrheit dem denkenden Menschengeist inhaltlich näherzubringen, eine systematische, organisch zusammenfassende Gesamtdarstellung der Heilswahrheit zu ermöglichen und die gegen den Offenbarungsinhalt vom Vernunftstandpunkt aus erhobenen Einwände lösen zu können.<ref> Martin Grabmann in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, Band IX 1937, Sp. 296.</ref> Für das Läutern wird die Analogie, eine ungeheure Denkleistung, entscheidend; als "analogia entis" wahrt sie die trotz alles Widerleuchtens in der Schöpfung unendliche Transzendenz Gottes; als "analogia fidei" bringt sie in der Übereinstimmung mit den natürlichen Gegebenheiten die unaufhebbare Einzigartigkeit der übernatürlichen Glaubensgeheimnisse zur Geltung. Im einzelnen weist das Denken der Scholastik besonders drei Weisen des methodischen Vorangehens auf. Die "Iectio" gründet in der Glaubenszustimmung zum Gotteswort in der Heiligen Schrift und legt diese aus, auch mit Hilfe der Vernunft und der Philosophie; sie nähert sich der heutigen "Biblischen Theologie"; ähnlich geht die lectio über andere Texte, etwa über Aristoteles, voran. Die "quaestio" tritt mit einer selbst gewählten Frage dem Gotteswort gegenüber und sucht in ausdrücklicher Thematik Dunkles zu klären, Tieferes zu erschließen und verborgene Zusammenhänge zu verstehen. Die "disputatio" (quaestio disputata) erreicht noch mehr Eigenständigkeit, indem sie die quaestio durch die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Lehrmeinungen erweitert. Das alles findet in dem Aufbau der scholastischen "Quaestio" seinen Niederschlag; sie beginnt mit den Gegenmeinungen, die meist an Hand von auctoritates oder von namhaften Zitaten entwickelt werden; dagegen werden ein oder mehrere Aussprüche in der Richtung der geplanten Lösung gestellt; dann wird diese Lösung selbst systematisch, oft auf geschichtlichem Hintergrund, entfaltet; schließlich erhalten die Gegengründe kraft der gegebenen Lösung ihre Antwort. Aus diesen Methoden erwachsen die theologischen Summen als offene Systeme, in denen nicht fertige Thesen aneinander gereiht, sondern Fragen aus der zugehörigen Problematik entwickelt werden. So bieten die Summen eine großangelegte, organisch gegliederte Gesamtdarstellung der Heilswahrheit; sie zeugen von einem reichen geistigen Leben, in dem sich mit der Treue zur Überlieferung eine selbständige Kritik an den Quellen und der schöpferische Durchbruch großer Persönlichkeiten verbinden, in dem die Vielheit der Richtungen einen befruchtenden Austausch in Gang bringt, in dem durch die rationale Strenge die Glut des Herzens dringt, in dem der Zusammenhang mit der Gesamtkultur lebendig bleibt.<ref> Johannes Baptist Lotz in: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage, Band IX 1964, Sp. 446-447.</ref>

In der Theologie herrschen metaphysisch-dogmatische Erörterungen vor. In der Philosophie spielt stets die Logik als Begriffs- und Disputierkunst eine Rolle. Die Philosophie der Hoch-Scholastik ist vornehmlich Metaphysik. Auch Psychologie und Ethik haben vorwiegend metaphysisches Gepräge. Erkenntniskritik empirische Psychologie und historische Denkweise kommen weniger zur Geltung: Glaube und Wissen, Philosophie und Theologie sind so zusammengeordnet, dass das philosophische Denken zur Beleuchtung und Begründung der Glaubenswahrheit dient und in Fragen, die den bei den Gebieten gemeinsam sind, an der Theologie sich orientiert (philosophia ancilla theologiae). Überspannung der Dialektik erzeugte in der Früh-Scholastik eine scharfe Reaktion (Walter von St.Viktor); ebenso standen im 13. Jahrhundert in der Bewertung und Verwertung der aristotelisch-arabischen Philosophie die ablehnende Haltung des besonders im Franziskanerorden vertretenen Augustinismus und die von Glaube und Theologie mehr oder minder absehende, einseitige Betonung der weltlichen Wissenschaft seitens des lateinischen Averroismus als Extreme gegenüber. Scholastik und Mystik sind nicht Gegensätze, sondern Korrelate. Die Mystik will Verinnerlichung und Erleben der von der Seholastik begründeten Lehre von der Gottesgemeinschaft.<ref> Martin Grabmann in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, Band IX 1937, Sp. 296-297.</ref>

Der Werdegang der Scholastik

Der Kirchenlehrer Albertus Magnus († 1280) (von Fra Angelico)

Der Werdegang der Scholastik ist mit der Entwicklung des Unterrichtswesens aus Dom- und Klosterschulen zu den Universitäten als Wissenszentren (Paris, Bologna, Oxford usw.) verknüpft. Außerdem ist der methodische und inhaltliche Fortschritt der Scholastik durch gesteigerte Stoffzufuhr bedingt. Plato war durch seinen Timäus (Übersetzung des Chalcidius) - die im 12. Jahrhundert hergestellten Übersetzungen des Phädon und Menon wurden wenig benutzt -, aus Apulejus, Macrobius und anderen bekannt. Neuplatonische Quellen flossen im Schrifttum des Dionysius Areopagita, im Liber de causis und seit dem 13. Jahrhundert in einzelnen Übersetzungen des Proklus. Die boethianische Aristoteles-Überlieferung (lsagoge des Porphyrius, Kategorien, Πεpi Έpµηviaς und kleinere logische Traktate des Boethius -logica vetus) wurde durch Jakobs von Venetia Übertragung (1128) der Topik, der bei den Analytiken und der Sophistik (mit Gilberts de la Porree Liber sex principiorum die logica nova) ergänzt. Die andern Werke des Aristoteles wurden im weitesten Umfang teils in arabisch-lateinischen, teils in griechisch-lateinischen Übersetzungen der lateinischen Scholastik erschlossen. Im 12. Jahrhundert wurden in der Übersetzerschule zu Toledo aristotelische Werke zugleich mit Werken der arabisch-jüdischen Philosophie und Naturwissenschaft Farabi, Gazäli, Avicenna, Avicebron usw., durch Dominikus Gundissalinus, Johannes Hispanus und Gerhard von Cremona aus dem Arabischen ins Lateinische übertragen. Im 13. Jahrhundert hat Michael Scottus aristotelische Werke mit Kommentaren des Averroes und Hermannus Alemannus Kommentare des Averroes zur aristoteischen Ethik, Rhetorik und Poetik gleichfalls aus dem Arabischen ins Lateinische übersetzt. Aus dem Griechischen wurden im 12. Jahrhundert in Italien vor allem naturphilosophische Werke des Aristoteles übertragen und Teilübersetzungen der Metaphysik und Ethik hergestellt. Die ganze Nikomachische Ethik nebst den Kommentaren des Eustratius von Nicäa, Michael von Ephesus, Aspasius usw. wurde vor 1250 von Robert Grosseteste übersetzt. Bartholomäus von Messina hat 1258--66 die Magna Moralia und pseudo-aristotelische naturphilosophische Schriften übersetzt. Die umfassendste Übersetzungstätigkeit entfaltete der dem heiligen Thornas von Aquin nahestehende Wilhelm von Moerbeke OP, der ältere griechisch-lateinische Übersetzungen revidierte und die Tiergeschichte, Metaphysik, Politik, Rhetorik und Poetik des Aristoteles sowie Aristoteleskommentare des Alexander von Aphrodisias, Ammonius Hermiae, Johannes Grammaticus und Simplicius neu übertrug. Seine Übersetzungen der , der Kommentare zum Timäus und Parmenides und kleinerer Schriften des Proklus verstärkten die neuplatonische Strömung der Hoch-Scholastik. Der "neue Aristoteles" fand zuerst Aufnahme und Anklang bei Ärzten und Naturforschern (Daniel von Modey, Urso von Lodi usw.), während die Theologen auch an der Pariser Universität zurückhaltend und ablehnend sich verhielten. Im Zusammenhang mit den Irrtümern des Amalrich von Bena und David von Dinant wurden durch eine Pariser Provinzialsynode von 1210 und durch den päpstliche Delegaten Kardinal Robert de Courson im Jahr 1215 Verbote hinsichtlich der libri naturales und der Metaphysik des Aristoteles erlassen. Gregor IX. ordnete 1231 an, dass diese Aristoteleswerke an der Pariser Universität nicht gebraucht werden dürften, bis sie durch eine päpstliche Kommission durchgeprüft seien. Die Schöpfung eines christlichen Aristotelismus durch Albertus Magnus und Thomas von Aquin setzten von selbst diese Aristotelesverbote außer Wirksamkeit. 1366 verlangten die Legaten Urbans V. für das Lizentiat in der Pariser Artistenfakultät weitestgehende Aristoteleskenntnis. Von der Patristik stand die lateinische, in erster Linie Augustinus, in weitem Umfang der Scholastik zur Verfügung. Von der griechischen Väterliteratur übten vor allem Johannes Chrysostomus, Cyrillus von Jerusalem und besonders Johannes von Damaskus, dessen Hauptwerk De tide orthodoxa durch Burgundio von Pisa und Robert Grosseteste übersetzt wurde, einen Einfluss auf die scholastische Theologie aus. Die kanonistischen Sammlungen vermittelten die Kenntnis der altchristlichen und frühmittelalterlichen Konzilsentscheidungen und bereicherten die Sakramentenlehre und die praktische Theologie.<ref> Martin Grabmann in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, Band IX 1937, Sp. 297-298.</ref>

Historische Forschung

Die Scholastik zeigt sich der auch das ungedruckte Material ausschöpfenden historischen Forschung als eine gewaltige Erscheinung. Sie ist keineswegs, wie oft behauptet, ein einförmiges, eintöniges Gebilde, sondern von großer Mannigfaltigkeit der Richtungen, von reicher geistiger Lebendigkeit im Austausch und Gegensatz der Meinungen. Den Vorwurf, sie wiederhole und kompiliere bloß frühere Gedanken, sei namentlich sklavisch von Aristoteles abhängig, widerlegt ihr hoher Grad von Selbständigkeit und auch Kritik in der Verwertung und Bewertung des Quellenmaterials, wie dies besonders in der Aristoteles-Überlieferung und -benützung zu Tage tritt. Mit Unrecht hat man ferner in der Scholastik etwas rein theologisch Bedingtes gesehen. Immer mehr enthüllt sich die Bedeutung der Philosophie der Artistenfakultät, die auf weiten Strecken im Widerstreit mit der scholastischen Theologie stand. Der Aquinate hat die Philosophie als selbständige Wissenschaft aufgefasst und sie in ein harmonisches Verhältnis zur Glaubenswissenschaft gebracht. Die Scholastik, die man früher irrig auf die Universalienlehre zurückdrängte, steht im Brennpunkt des mittelalterlichen Geisteslebens. Von ihr führen deutliche Verbindungslinien, wie dies besonders M. De Wulf nachweist, zur Gesamtkultur, auch zur Kunst, zur Dichtung und zu den politischen Theorien. Ohne Kenntnis der Scholastik lässt sich ein richtiges, vollständiges Bild der mittelalterlichen Weltanschauung nicht zeichnen. Die Katholische Kirche sieht in der Theologie der großen Scholastiker, vor allem des heiligen Thomas von Aquin, die vollendetste Synthese der spekulativen Glaubenswissenschaft, die in ihrer Lebendigkeit ein Prinzip des Fortschrittes der theologischen Erkenntnis bildet. Die von ihrer Zeitgebundenheit losgelösten Grundgedanken der scholastischen Philosophie, in denen der überzeitliche Wert des aristotelisch und platonisch-augustinischen Denkens sich offenbart, befruchten als philosophia perennis dauernd das katholische Geistesleben.<ref> Martin Grabmann in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, Band IX 1937, Sp. 298-299.</ref>

Geschichte

Vorscholastik (7. - 10. Jahrhundert)

Die Scholastik hat nach Methode und Inhalt ihre Wurzeln im Erdreich der Patristik und der von den Vätern gewerteten und verwerteten griechischen Philosophie. Patristische Vorlagen und Grundlagen der Scholastik waren: der Scholastizismus der ausgehenden griechischen Patristik (Leontius von Byzanz, Johannes von Damaskus), Augustinus sowohl in methodischer Beziehung (Verwendung der Dialektik, Glauben und Wissen, Systematik, äußere Technik) wie auch inhaltlich als die theologische und bis in die Zeiten des hleiligen Thomas von Aquin auch als die philosophische Hauptquelle, in der nachaugustinischen Väterzeit die Sentenzenwerke des Isidor von Sevilla und Tajus, Boethius, der letzte Römer, war auch der 1. Scholastiker als Vermittler des Aristotelismus an das abendländische Mittelalter, als Fundort scholastischer Definitionen und Axiome, vor allem durch die scholastische Methode seiner Opuscula sacra. Aus der Einförmigkeit der patristischen Gedanken und Anregungen überliefernden Vorscholastik (bis gegen Ende des 11. Jahrhunderts) ragt im 9. Jahrhundert Johannes Scotus Eriugena empor. Er hat durch seine lateinische Übertragung des Pseudo-Areopagiten neuplatonische Gedanken vermittelt, durch seine Glossen zu den Opuscula sacra des Boethius die scholastische Methode weitergebildet und in seinem Werk "De divisione naturae" ein originelles idealistisches System geschaffen, dessen Nachwirkung wir noch im 12. Jahrhundert bei Honorius Augustodunensis, Garnerius von Rochefort, Isaak von Stella, Alanus ab Insulis, Simon von Tournai usw. wahrnehmen. Die bedeutendste Gelehrtengestalt des wissenschaftsarmen 10. Jahrhunderts ist Gerbert von Aurillac (Papst Silvester II.), ein anregender Lehrer und Schriftsteller auf dem Gebiet des Triviums und Quadriviums. Die Wissenschaft des 11. Jahrhunderts ist vom Gegensatz zwischen Dialektikern und Antidialektikern beherrscht. Die Prätentionen der Dialektiker auf profanem (Anseim Peripatetikus) und noch mehr auf dem Glaubensgebiet (Berengar von Tours) riefen eine teilweise dialektikfeindliche Reaktion der konservativen monastischen Kreise (Otloh von St. Emmeram, Manegold von Lautenbach, Petrus Damiani) hervor. Die Harmonie zwischen auctoritas und ratio suchte Lanfranc zu wahren. Bedeutsam für die Grundlegung der eigentlichen Scholastik war das Aufblühen kanonistischer Studien. Bei Bernold von Konstanz ist schon Abaelards Sic-et-non-Methode antizipiert, während die Schriften des Ivo von Chartres den Sinn für Systematik weckten und die theologische Literatur mit einer Fülle patristischer Materialien speisten.<ref> Martin Grabmann in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, Band IX 1937, Sp. 299.</ref>

Frühscholastik (11. - 12. Jahrhundert)

Mit der Devise "Fides quaerens intellectum" hat der heilige Anselm von Canterbury<ref> vgl. Pius X.: Enzyklika Communium rerum über den heiligen Anselm, Erzbischof von Canterbury zum 800jährigen Jubiläum seines Heimganges (Vorläufer der Scholastik) vom 21. April 1909.</ref> eine augustinusverwandte geniale Synthese von theologischer Spekulation, mystischer Kontemplation und praktischer Tatkraft, die eigentliche Scholastik, inauguriert. Er hat sich auf den Boden der auctoritas, der tieferfassten Kirchen-, Schrift- und Väter lehre (fidei certitudo) gestellt und von diesem Standort aus eine rationelle Einsicht in den Glaubensinhalt und Glaubenszusammenhang (fidei ratio - credo, ut intelligam) erstrebt. Mittel hierzu waren ihm spekulative Vertiefung in die Analogien des Übernatürlichen auf naturlichen Gebiet, ethische Reinheit, Ablehnung des Nominalismus und der Hyperdialektik (Roscelin), Anwendung der Dialektik und Metaphysik. Die Scholastik des 12. Jahrhunderts, deren Hauptthemata Trinitäts- und Inkarnationslehre und teilweise auch die Universalienfrage waren, gruppiert sich in einer Reihe von Schulen. Zunächst begegnet uns eine Zahl ungedruckter Sentenzen, die, aus den Schulen Wilhelms von Champeaux, Anselms und Radulfs von Laon, Alberichs von Reims hervorgegangen, namentlich die Erbsündelehre und die durch Anselms "Cur Deus homo" angeregten soteriologischen Probleme behandelten. In die Systematik der Dogmatik wurde auch die Sakramentenlehre einbezogen. An diese konservative Richtung knüpfte Hugo von St. Viktor an, der in seinem "Didascalion" eine Hochschulpädagogik schuf und in "De sacramentis christ. fidei" ein einflussreiches System der Dogmatik darbot. Die für Petrus Lombardus bedeutsame "Summa Sententiarum" ist, wenn auch nicht sein Werk, doch schon zur Zeit Hugos entstanden. Die mystische Richtung Hugos tritt noch stärker bei Richard von St.Viktor zu Tage. Der bedeutendste Mystiker der Früh-Scholastik war der heilige Bernhard von Clairvaux der Schöpfer der Christusmystik, die wohl einflussreichste religiöse Gestalt des 12. Jahrhunderts, von dessen Geist auch Wilhelm von St-Thierry und Guerricus von Igny erfüllt waren. Der Schule von St. Viktor gehören noch an: Walter von Mortagne, Achard, Gottfried und Walter von St. Viktor,Johannes von Cornwall. Mehr an die Eigenart Roscelins und der Dialektiker der früheren Zeit knüpft Petrus Abaelard an. Er hat trotz prinzipieller kirchlicher Korrektheit die Bedeutung der Dialektik und der antiken Philosophen in der Trinitätslehre überspannt. Der Prolog seiner Schrift "Sic et non" hat die Konkordanzmethode Bernolds von Konstanz mit starker dialektischer Nuance weitergebildet. Abaelards "Sic-et-non-Methode" wurde unter dem Einfluss der durch die aristotelischen Analytiken, Topik und Sophistik entfalteten Disputationsweise zu dem den scholastischen Schriften eigenen technischen Schema weiterentwickelt: Argument - Gegenargument - Hauptteil - Kritik der für die abgelehnte Meinung angeführten Argumente. Als Systematiker hat Abaelard in einer Reihe von Sentenzen (Abaelardls Schule: Das Epitomo des Magister Hermanus, Sentenzen von St. Florian, Sentenzen der Magister Rolandus Bandinelli [ Alexander II. ] und Onmebene, Sententiae Parisienses. Ysagoge in theologiam) nachgewirkt. Unter dem Einfluss der Viktorinerschule und Abaelards sowie des Robert Pulleyn zugleich steht Robert von Melun, dessen "Quaestiones de divina pagina" für die scholastische Quästionenmethode bedeutsam sind und dessen Sentenzen eine hervorragende Leistung der Systematik

und der theologischen Spekulation darstellen. Von ihm ist beeinflusst die Summma des Hubertus. Ein einflussreiches Schulhaupt war der zur Schule von Chartres gehörige Bischof Gilbert de la Porrée, gleich Abaelard ein hervorragender Dialektiker, dessen Kommentare zu den theologischen Schriften des Boethius der trinitarischen und christologischen Spekulation (Terminologie) neue Antriebe gaben. Gilbert wurde verteidigt und erklärt in großenteils ungedruckten Werken zahlreicher Schüler (Sententiae divinitatis, Radulf Ardens mit seinem Speculum universale, Nikolaus von Amiens, Kardinal Laborans, Liber de vera philosophia). Die Schule von Chartres (Bernhard und Theodor von Chartres, Bernhard Silvestris,,Wilhelm von Conches, auch Adelard von Bath gehört dieser Richtung an) zeigt humanistische und naturphilosophische Tendenzen. Der bedeutendste Vertreter dieser Schule, Johannes von Salisbury, Historiker, Logiker und Staatsphilosoph, verrät auch Verständnis für eine psychologische Betrachtungsweise. Der Humanismus dieser Schule beseelt auch Alanus ab Insulis, dessen aus Boethius bzw. Gilbert de la Porree herübergenommene mathematische Methode des Glaubenserweises später noch von Bradwardine nachgeahmt wurde.

Die Theologie der FrühScholastik zeitigte ca 1150 die Sentenzen des Petrus Lombardus, das unzählige mal (zuletzt von Wilhem Estius) kommentierte Schulbuch für den dogmatischen Unterricht bis zu Beginn des 16. Jahrhunderts. Der Lombarde ist hauptsächlich von Abaelard und Hugo von St. Viktor beeinflusst und berührt sich mit den Sentenzen des Magister Gandulf von Bologna. Um des Lombarden bedeutendsten Schüler Petrus von Poitiers, den Verfasser von Sentenzen, scharen sich ums Jahr 1200 Autoren ungedruckter Summen und Sentenzen, wie Simon von Tornai, Martin von Cremona, Petrus von Capua, Martin de Fugeriis, Präpositinus von Cremona. Ungefähr aus gleicher Zeit stammen die an Petrus Cantor anknüpfenden ungedruckten, mehr biblisch-moralischen Summen bzw. Quästionen eines Robert y. Courson, Wilhelm und Richard von Leicester, Guido von Orchelles. Stephan Langton und Petrus Comestor, der Verfasser der "Historia scololastica" (Biblische Geschichte), wurden auch für die Scholastik bahnbrechend.<ref> Martin Grabmann in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, Band IX 1937, Sp. 299-301.</ref>

Hochscholastik (13. Jahrhundert)

Der Kirchenlehrer Bonaventura († 1274)

Ein Um- und Aufschwung der Scholastik wurde in den ersten Dezennien des 13. Jahrhundert eingeleitet durch die neuen aristotelisch-arabisch-neuplatonisch Materialien, durch die Ausgestaltung der Pariser Universität und auch durch Aufblühen der Universität Oxford, ferner durch die Beteiligung des Dominikaner. und Franziskanerordens am wissenschaftlichen Leben. Der Übergangszeit des durch die Aristotclesverbote von 1210 und 1215 nur wenig verzögerten Eindringens des ganzen Aristoteles gehört die besomders für die Sakramentenlehre bedeutsame "Summa aurea" des Wilhelm von Auxerre an, von der die Summen des Johannes von Treviso, Ardingus von Pavia und Herbert von Auxerre Abkürzungen sind. Sehr beachtenswert besonders für die Tugend- und Sündenlehre ist die Summa des Gottfried von Poitiers. In Quästionensammlungen aus der Zeit um 1230 sind nur Texte der damaligen Pariser Theologen Guiardus von Laon, Odo de Castro Radulfi, Wilhelm de Durames usw. erhalten. Auch die Summa des Pariser Kanzlers Philipp (verschieden von Philipp von Grève), dessen Tugend- und Sündenlehre besonders die ältere Franziskanerschule beeinflusst hat, gehört diesem Übergangsstadium an. Eine selbstständige systematische Arbeit ist Wilhelms von Auvergne Traktat "De universo". Die eigenlivhe Hochscholastik repräsentiert sich zunächst in einer vorwiegend augustinischen Richtung. Alexander von Hales ist der erste große Repräsentant der Hoch-Scholastik. Der reichlich verwertete Aristoteles ist mehr Ornament als Bauglied seines augustinisch-philosophisch-theologischen Systems. Vorherrschaft des Augustinimus besonders in Psychologie und Erkenntnislehre (Erkennen in rationibus aeternis, göttlicher Exemplarismus, Mehrheit der substantialen Form, Zusammensetzung der geistigen Geschöpfe aus Materie und Form usw.) ist auch der von Alexander begründeten älteren Franziskanerschule (Johannes de Rupella, Odo Rigaldus, Richard Rufus, Thomas von York, Wlhelm von Melitona, Bonaventura) eigen. Bonaventuras wissenschaftliche Lebensarbeit ist vor allem durch geniale Konstruktionsgabe (Breviloquium), tiefsinnige Mystik und eindrucksvolle sprachliche Formgebung ausgezeichnet. Zur großen Bonaventura-Schule zählen Wilhelm de la Mare, John Pecham, Walter von Brügge, Wilhelm von Falgar, Eustachius von Arras und besonders der klare und tiefe Kardinal Matthäus von Acquasparta. Der jüngeren Generation der Bonaventura-Schule gehören an: Roger Marston, der in manchen Fragen sich Thomas von Aquin nähernde Richard von Mediavilla, Nikolaus Ockham, Petrus de Anglia usw. Zum franziskanischen Augustinismus bekennt sich ebenfalls der in die apokalyptische Strömungen der Zeit hineingeratene Petrus Johannes Olivi. Auch das vielgestaltige Schrifttum des Raimundus Lullus trägt das Gepräge dos franziskanischen Augustinismus. Am Augustinismus hielt auch die ältere Dominikanerschule, der Summist Roland von Cremona, die Sentenzenkommentatoren Richard Fishaere, Hugo a S. Caro, Bombolognus von Bologna, Petrus von Tarantaise (Innozenz V.) und Robert Kilwardby fest. Ans dem Sükularklerus zählen hierher Gerhard von Abbeville und Heinricb von Gent (Verfasser des monumentalsten Quodlibetalienwerkes der Scholastik), Adenulf von Anagni und a.

Dieser augustinischen, von Aristoteles inhaltlich nicht ausschlaggebend beeinflußten Richtung steht ein philosophischer Aristotelismus gegenüber. Unter Zurücksetzung der Lektüre der Klassiker wurden (im Gegensatz zur Schule von Orleans) in der Pariser Artistenfakultät, deren Methode auch auf die andern Fakultäten abfärbte, in der ersten Hälfte des 13. Jahrhundert vor allem die Logik (auch Sprachlogik) betrieben, teils durch Lehrbücher (Wilhelm von Shyreswood, Lambert von Auxerre, Petrus Hispanus), teils durch Kommentare zur aristotelischen Logik (Wilhelm von St.-Amour, Johannes Pagus,Nikolaus von Paris). Petrus Hispanus (der spätere Papst Johannes XXI.), der Verfasser der oft kommentierten "Summulae logicales", hat in seinem Werk "De anima" die erste systematische Darstellung der aristotlischen Psychologie geschaffen. In England hatten schon vorher Alfred von Sareshel und Adam von Bocfeld auch naturphilosophische Schriften des Aristoteles kommentiert. In Neapel waren Petrus von Hibernia und Martin (von Dacien ?). die Jugendlehrer des heiligen Thomas von Aquin, hervorragende Aristoteliker. Die Philosophie der Artistenfakultät geriet, unter Einfluss der arabischen Philosophie, in den Richtungen des lateinischen Avicennismus und besonders des lateinischen Averroismus des Siger von Brabant in vielfachen Gegensatz zur kirchlichen Glaubenslehre (vgl. die Verurteilungsdekrete des Pariser Bischofs Stephan Tempier von 1270 und 1277 und die Schrift "De erroribus philosophorum" des Ägidius Romanus). Indessen stand eine Reihe von Professoren der Artistenfakultät unter dem Einfluss Alberts des Großen und des heiligen Thomas von Aquin (Radulf Brito, Siger von Courtrai, Simon von Faversham, Petrus de Alvernia, Heinrich Bate von Mecheln). Harmonistisch, konkordistisch streben Albert der Große und Thomas von Aquin einen Ausgleich zwischen Augustin und Aristoteles an. Albertus Magnus, der Begründer des christlichen Aristotelismus, ist "Doctor universalis" durch den Umfang der von ihm verarbeiteten Literatur und die Ausdehnung seiner wissenschaftlichen (auch naturwissenschaftichen) Kenntnisse. Zu seinen deutschen Schülern zählen Ulrich von Straßburg, der Verfasser einer ungedruckten "Summa", Hugo von Straßburg, der das "Compendium theologicae veritatis" geschrieben,Dietrich von Freiberg, Johannes von Lichtenberg und a. Noch im 15. Jahrhundert bestand in Köln die "schola Albertistarum". Während bei Albert die Einheit von Augustinismus und Aristotelismus noch ziemlich unvermittelt erscheint, hat sein Schüler Thomas von Aquin, der Theologie der Ausgleichung und Vermittlung, besonders in seiner theologischen Summa eine abgeklärte und abgerundete Synthese der augustinischen Theologie, der in reicherem Maße gekannten griechischen Patristik und der aristotelischen Philosophie geschaffen. Aristoteles, dessen bester mittelalterliche Interpret Thomas gewesen ist, liefert inhaltliche Gesichtspunkte für den Auf- und Ausbau der theologischen Spekulation und ist in der Philosophie, besonders in Erkenntnislehre und Psychologie, der maßgebende Autor, dem hier die augustinische Tradition geschickt angeglichen wird. Der dauernde Wert der thomistischen Lehre gründet in der unvergleichlichen Klarheit der Darstellung, in der Geschlossenheit des metaphysischen Systems und in der tieforganisch Auf- und Zusammenfassung der theologischehn Fragen. Von den zahlreichen unmittelbaren und mittelbaren Schülern des heiligen Thomas aus dem Dominikanerorden seien genannt: die Italiener Rambert de' Primadizzi, Tholomeus von Lucca, Remigius de' Girolami, Johannes von Neapel, die Franzosen Bernhard von Trilia, Johannes Quidolt von Paris, Bernhard von Clermont, Wilhelm Petrus de Godino und besonders der Ordensgeneral Herveus Natalis, die Engländer Richard Knapwell, Robert de Colletorto, Thomas von Sutton, Nikolaus Trivetus, die Deutschen Johannes und Gerhard von Sterngassen, Johannes Picardi von Lichtenberg, Heinrich von Lübeck usw. Die Thomasschüler des Dominikanerordens setzten sich vor allem in Verteidigungsschriften gegen das "Correctorium" des Wilhelm de la Mare, gegen Heinrich von Gent, Scotus, auch gegen die eigenen Ordensgenossen Jakob von Metz und Durandus de S. Porciano für die thomistischen Eigenlehren ein (Einheit der Wesensform, Individuationsprinzip, realer Unterschied von Wesenheit und Dasein in den geschaffenen Dingen, Erkenntnispsychologie). Außerhalb des Dominikanerordens schlossen sich an die thomistische Lehre an: des Thomas bedeutendster Schüler, der Augustiner Ägidius Romanus , die Weltpriester Petrus de Alvernia und (in mehr eklektischer Form) Gottfried von Fontaines, dessen "Quodlibeta" zu den inhaltvollsten Werken der Hoch-Scholastik zählen. Auch Dante Alighieris göttliche Komödie ist in ihren theologischen Grundlehren thomistisch, dagegen seine Philosophie mehr von Albertus Magnus und dem (arabischen) Neuplatonismus abhängig.

Der selige Johannes Duns Scotus († 1308)

Außer dem Augustinismus und Aristotelismus kommen als wissenschaftliche Strömungen des 13. Jahrhunderts noch die naturwissenschaftliche Richtung des Roger Bacon und der mit der Naturphilosophie Hand in Hand gehende Neuplatonismus eines Witelo, Dietrich von Freiberg und a., der in der deutschen Mystik (Meister Eckhart) ein kräftiges Echo gefunden und am Ausgang des deutschen Mittelalters bei Nikolaus von Cues und Heimericus de Campo uns deutlich entgegentritt, in Betracht.

Im Franziskanerorden vollzog sich die durch Petrus de Trabibus, Wilhelm de Ware und a. angebahnte Gründung der jüngeren Franziskanerschule durch Johannes Duns Scotus. Er, der "Doctor subtilis"", die letzte große Denkergestalt der Hoch-Scholastik, hat, in seinem scharfsinnigen Kritizismus die Gedankengänge seiner Vorläufer, besonders des heiligen Thomas, überprüft, wobei er die kritische Stellungnahme der Bonaventura-Schule weiterführte. Wenn er auch keine Schriftkommentare noch große systematische Werke schrieb, hat er doch namentlich in der Soteriologie und in seiner Caritas-Lehre mächtige theologische Einheitsgedanken dargeboten und ist durch seine Lehre von der Unbefleckten Empfängnis "Doctor Marianus" geworden.<ref> Martin Grabmann in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, Band IX 1937, Sp. 301-303.</ref>

Spätes Mittelalter (14. Jahrhundert)

Die Scholastik des 14. Jahrhunderts erhielt durch die Vernachlässigung des Väterstudiums, durch Überhandnehmen der Dialektik und durch eine in Subtilitäten sich verlierende philosophische Behandlung des theologischen Stoffes ein neues Aussehen. Der erwachende Geist des Kritizismus und Skeptizisrmus fand vor allem im Nominalismus, der vor Franziskanertheologen Petrus Aureoli vorbereite und von der einflussreichen Denkerpersönlichkeit des Wilhelm von Ockham ausgebildet wurde, seinen Ausdruck. Bedeutende Vertreter dieser "via moderna" (Occamistae) waren Johannes Buridanus, der Dominikaner Robert Holkot, der Augustiner Gregor von Rimini, der Zisterzienser Johannes von Mirecourt, Nikolaus von Autrecourt (der "David Hurne des Mittelalters"), der Franziskaner Petrus von Candia (Gegenpapst Alexander V.), der auf den Gebieten der praktischen Theologie und Seelsorge einflussreiche Pariser Kanzler Johannes Gerson, die deutschscholastischen Denker Albert von Sachsen, Marsilius von Inghen, Heinrich Heinbuche von Langenstein und Gabriel Biel. Der Realismus der "via antiqua" wurde vor allem in den Ordensschulen vertreten: Scotistenschule (Franz von Mayron, Petrus von Aquila, Johannes von Reading, Tartaretus); Augustinerschule (von Ägidius Romanus begründet, Jakob von Viterbo, Augustinus Triumphus, Thomas von Straßburg, Alphonsus Vargas Toletanus); Karmelitenschule (Gerhard von Bologna, Guido Terrena von Perpignan, Johannes Bacon); Thomistenschule (Johannes Capreolus, Antoninus von Florenz).<ref> Martin Grabmann in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, Band IX 1937, Sp. 304.</ref>

Neuzeit (16. und beginnende 17. Jahrhundert)

Im 16. Jahrhundert setzte eine neue, haupsächlich von Spanien (Franz von Vitoria und die Schule von Salamanca) und Italien (Kardinal Cajetan) ausgehende Blütezeit der Scholastik ein. Diese Epoche der Scholastik trug zwar unter dem Einfluss des Tridentinums vornehmlich theologisches Gepräge (Kommentare zur Summa theologica, Cursus theologici). Doch kam auch die philosophische Gedankenwelt der Scholastik in den Aristoteleswerken eines Sylvester Maurus, der Complutenser und Coimbrizenser und in dem "Cursus philosophici" (z. T. des Johannes a S. Thoma) zur Geltung. Der hervorragendste Vertreter dieser nachtridentinischen Scholastik ist der Jesuitentheologe Francisco Suarez gewesen, der sich auch mit Fragen des Natur- und Völkerrechts befasste und dessen Metaphysik selbst auf protestantischen Universitäten Deutschlands Anklang fand. Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts hat auch in katholischen Kreisen die Scholastik, die von ihrer früheren Höhe abgeglitten war, in den Hintergrund gedrängt.<ref> Martin Grabmann in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, Band IX 1937, Sp. 296-304.</ref> Grund dafür ist die Erstarrung der Schulen und die Unfähigkeit, die moderne Naturwissenschaft, die nicht mehr nach dem Wesen der Dinge, sondern nach den Ursachen der Erzeugbarkeit von Erscheinungen fragt, philosophisch einzubauen.<ref>Erzbischof Wendelin Rauch (Hg.): Lexikon des katholischen Lebens, Herder Verlag Freiburg im Breisgau 1952, Sp. 1062 - Scholastik; Nach diesem Werk sind die geschichtlichen Epochen der Jahrhunderte angegeben..</ref>

siehe: Barockscholastik

19. Jahrhundert

Eine bedeutsame Wendung vollzog sich in der kirchlichen Wissenschaft um die Mitte des 19. Jahrhunderts durch die Wiedererneuerung der Scholastik, die durch die Aufklärung sehr in den Hintergrund gedrängt worden war. Als Bahnbrecher und Vorkämpfer dieser Neuscholastik waren in Italien vornehmlich tätig die Jesuiten Giovanni Perrone (1794–1876), Johannes Baptist Franzelin (1816-1886), Matteo Liberatore (1810–1892) und Palmieri, der Weltgeistliche Gaetano Sanseverino und der Dominikaner Thomas Maria Zigliara (1833-1893). In Deutschland waren es Franz Jakob Clemens (Bonn, Münster). Der in Rom lebende deutsche Jesuit Joseph Kleutgen verpflanzte die Bewegung über die Alpen.<ref>Karl Bihlmeyer-Hermann Tüchle: Kirchengeschichte, III. Band, Die Neuzeit und die neueste Zeit, Ferdinand Schönigh Verlag 1956, S. 452 (13./14. Auflage; Imprimatur Paderbornae, d. 23. m. Septembers 1955 ac. d. 38 m. Iunii 1956 Vicarius Generalis Dr. Tuschen); ergänzt durch: DETLEF PEITZ: Die Anfänge der Neuscholastik in Deutschland und Italien (1818-1870) Vorstellung des Buches beim Verlag nova & vetera.</ref> Die "neuscholastische" Forschungsrichtung wurde von mehreren Päpsten wirksam unterstützt.

Literatur

  • Martin Grabmann: Die Geschichte der scholastischen Methode, Akademische Druck- und Verlagsanstalt Graz 1957; Akademie-Verlag Berlin 1957; Wissenschaftliche Buchgesellschaft Darmstadt 1957, 1961, 1988 Nachdrucke der ersten Auflage (Gebundene Ausgabe).
    • Band 1: Die scholastische Methode von ihren ersten Anfängen in der Väterliteratur bis zum Beginn des 12. Jahrhunderts, Herder Verlag Freiburg 1909 (354 Seiten, 1. Auflage).
    • Band 2: Die scholastische Methode im 12. und beginnenden 13. Jahrhundert, Herder Verlag Freiburg 1911 (586 Seiten).
  • Martin Grabmann: Wert und Methode des Studiums der scholastischen Handschriften: Gedanken zum 70. Geburtstage von P. Franz Ehrle S.J., Sonderabdruck aus der Zeitschrift für kath. Theologie, Jg. 1915, Heft 4, Felizian Rauch Verlag Innsbruck 1915 (Seiten 699-740; Heft).
  • Martin Grabmann: Mittelalterliches Geistesleben. Abhandlungen zur Geschichte der Scholastik und Mystik, Max Hueber Verlag München, Band 1: 1926 (585 Seiten); Band 2: 1936 (649 Seiten); Band 3, Herausgegeben von Ludwig Ott: 1956 (479 Seiten); Georg Olms Hildesheim 1975, 1984 (Nachdruck, (ISBN-13 9783487056630).
  • Albert Stöckl: Geschichte der Philosophie im Mittelalter, Kirchheim Verlag Mainz:
  • Mathias Schneid: Aristoteles in der Scholastik. Ein Beitrag zur Geschichte der Philosophie im Mittelalter, Verlag der Krüllschen Buchhandlung [H. Hugendubel] Eichstätt 1875 (170 Seiten); Scientia-Verlag Aalen 1975 (170 Seiten, ISBN 978-3-511-00802-4 Werkstoff); Hansebooks GmbH Norderstedt 2016 (Nachdruck der Ausgabe von 1875 - ISBN 9783743390133, ISBN-10: 3743390132); Editiones Scholasticae 2015 (150 Seiten, Vollst. neu bearb. Aufl. der 1. Aufl. 1875, ISBN 978-3-86838-556-4 Pp.).
  • Josef Pieper: Scholastik. Gestalten und Probleme der mittelalterlichen Philosophie München 1998 (4. Auflage; ISBN 3466401305).
  • Ernst Commer: Die immerwährende Philosophie: Platon, Aristoteles, Augustinus, Thomas von Aquin, Ed. Scholasticae Band 37, Heusenstamm 2013 (128 S., ISBN 978-3-86838-542-7 kart.)

Philosophische Lehrbücher, Thomismus

Weblinks

Anmerkungen

<references />