Ubi primum 1849

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Maria, die Mutter Jesu
Enzyklika
Ubi primum

von Papst
Pius IX.
zur Vorbereitung der Dogmatisierung der Unbefleckten Empfängnis Mariens

2. Februar 1849

(Quelle: Rudolf Graber: Die marianischen Weltrundschreiben der Päpste in den letzten hundert Jahren, Echter Verlag Würzburg 1954 [2. Auflage], S. 9-12; Mit kirchlicher Druckerlaubnis).

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Der Wunsch der Kirche

Schon gleich nachdem Wir - sicherlich nicht auf Unser Verdienst hin, sondern durch den geheimnisvollen Ratschluss der göttlichen Vorsehung - auf den erhabenen Stuhl Petri berufen die Leitung der ganzen Kirche übernommen hatten, erfüllte Uns eine Tatsache mit großem Trost. Schon unter dem Pontifikat Unseres Vorgängers Gregors XVI. seligen Angedenkens bemerkten Wir, wie in der katholischen Welt in geradezu wunderbarer Weise das Verlangen sich immer mehr steigerte, es möchte doch endlich einmal vom Apostolischen Stuhl in einer feierlichen Lehrentscheidung verkündigt werden, dass die heiligste Gottesgebärerin, unser aller geliebte Mutter, die reinste Jungfrau Maria, frei von aller Makel der Erbsünde empfangen worden sei. Dieses fromme Verlangen bezeugen und beweisen klar und eindeutig die Bittschriften, die schon an Unseren Vorgänger und dann fortlaufend an Uns selber gerichtet wurden; Bischöfe von Rang und Ansehen, bedeutende Kanonikatskapitel, religiöse Orden, unter ihnen vor allem der rühmlich bekannte Dominikanerorden, baten in heiligem Wetteifer um die Erlaubnis, in der heiligen Liturgie und besonders in der Präfation der Messe von Maria Empfängnis das Wort "unversehrt" (immaculatam) öffentlich hinzufügen und aussprechen zu dürfen. Diesem Begehren wurde von Unserem Vorgänger und auch von Uns selbst mit großer Bereitwilligkeit stattgegeben. Sehr viele aus euren Reihen, ehrwürdige Brüder, bestürmten sodann obendrein Unseren Vorgänger und Uns mit wiederholten Bittschriften und verdoppeltem Bemühen, als Lehre der katholischen Kirche zu definieren, die Empfängnis der seligsten Jungfrau Maria sei vollkommen unversehrt erfolgt und sie sei von aller Makel der Erbsünde ganz unberührt. Es fehlte in unserer Zeit auch nicht an Männern, gleich ausgezeichnet durch Scharfsinn und Charakter, Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, die in tiefgründigen wissenschaftlichen Abhandlungen dieses Thema und diese fromme Lehre lichtvoll darstellten; viele äußerten deshalb geradezu ihr Befremden darüber, dass die Kirche und der Apostolische Stuhl der heiligsten Jungfrau diese Ehrung noch nicht zuerkannt haben, eine Ehrung, die der allgemeine Frömmigkeitssinn der Gläubigen der seligsten Jungfrau selber nunmehr auf Grund eines feierlichen Urteils der Kirche und der Autorität des Apostolischen Stuhles zuerkannt wissen will.

Die Marienverehrung des Papstes

Diese Wünsche bedeuteten eine außerordentliche Freude für Uns. Schon ganz früh und noch Kind war Unser Sinnen nur darauf gerichtet, wie Wir die seligste Jungfrau besonders fromm und innig verehren und wie Wir in Hingabe an sie nur das vollführen könnten, was zu ihrer größeren Ehre und Verherrlichung Uns dienlich erschien und was ihre Verehrung fördern könnte. Deshalb haben Wir Uns schon vom Beginn Unseres Pontifikates an allen Ernstes, aber mit großer Freude in Unseren Gedanken und Plänen mit dieser bedeutungsvollen Angelegenheit beschäftigt. Wir haben auch nicht versäumt, Gott in seiner Güte und Größe mit demutsvollen Bitten zu bestürmen, er möge mit dem Licht seiner himmlischen Gnade Uns erleuchten, auf dass Wir erkennen, was in dieser Sache von Uns aus zu geschehen habe. Ganz fest aber bauen Wir Unsere Hoffnung auf die seligste Jungfrau selber. Hat sie doch durch die Fülle ihrer Verdienste die Chöre der Engel unter sich gelassen und sich zum Throne der Gottheit erhoben; sie hat das Haupt der alten Schlange mit kraftvollem Fuße zertreten; zwischen Christus und die Kirche gesetzt, ganz erfüllt von barmherziger Güte, hat sie die Christenheit den schlimmsten Verhängnissen, dem Ansturm und den listigen Tücken aller Feinde immer entrissen, ja sogar vor dem Untergang bewahrt. So möge sie denn auch Uns ganz nahe sein in den betrüblichen und leiderfüllten Schicksalsschlägen, in all den bitteren Nöten und kummervollen Bedrängnissen; möge sie Uns mit ihrem mütterlichen Herzen ganz umfangen, bei Gott mit ihrer machtvollen Fürbitte für Uns eintreten und die Geißeln seines göttlichen Zornes, die uns wegen unserer Sünden heimsuchen, von uns abwenden! Möge sie die in wilden Aufruhr geratenen Wogen des Unheils, von denen die Kirche überall zu Unserem unsagbaren Schmerz hin und her geworfen wird, besänftigen und glätten und Unsere Trauer in Freude verwandeln. Ihr wisst es ja am besten, ehrwürdige Brüder, dass Wir den Grund Unseres ganzen Vertrauens auf die seligste Jungfrau gesetzt haben, weil Gott selber die Fülle alles Guten in Maria hineingelegt hat. Was also an Hoffnung, an Gnade und Heil sich in uns findet, das strömt uns, wie wir wissen, von Maria zu; so ist es der Wille dessen, der nun einmal bestimmt hat, dass wir alles durch Maria haben sollen (totum nos habere voluit per Mariam).

Studium und Gebet

Wir haben nun zu diesem Zwecke einige kirchliche Persönlichkeiten, die in der Frömmigkeit hervorragen und in den theologischen Fächern wohl bewandert sind, ausgewählt, dazu auch einige aus dem Kreis Unserer ehrwürdigen Brüder, der Kardinäle der heiligen römischen Kirche, die sich ebenfalls an Tugend und Frömmigkeit, an Umsicht, Klugheit und Kenntnis in den göttlichen Dingen auszeichnen. Wir haben ihnen den Auftrag erteilt, nach ihrem klugen Ermessen und ihrem theologischen Wissen diese schwerwiegende Frage nach allen Seiten hin mit größter Genauigkeit erforschen zu lassen und ihr Urteil Uns dann mit aller Gewissenhaftigkeit vorzulegen. Wenn wir diesen Weg beschreiten, so folgen Wir Unseres Erachtens nur den Fußstapfen Unserer Vorgänger und halten Uns an ihr Vorbild.

Deswegen also richten Wir an euch, ehrwürdige Brüder, dieses Schreiben und appellieren an eure hervorragende Frömmigkeit und an eure bischöfliche Hirtensorge. Wir wollen euch immer wieder einschärfen, dass jeder von euch nach seinem klugen Ermessen in seiner Diözese öffentliche Gebete verordnet und verrichten lässt. Der Vater der Lichter möge sich in seiner Güte herablassen, Uns mit dem himmlischen Lichte seines göttlichen Geistes erfüllen und mit seinem göttlichen Hauch berühren, auf dass Wir in dieser so wichtigen Sache jenen Entschluss fassen, der sowohl zur größeren Ehre seines göttlichen Namens, dann aber auch zum Lobe der seligsten Jungfrau und zum Segen für die ganze kämpfende Kirche dienlich sei. Außerdem ist es Unser ausdrücklicher Wunsch, dass ihr so bald wie möglich Uns davon Mitteilung macht, wie euer Klerus und eure Gläubigen über die Empfängnis der Unbefleckten Jungfrau denken und ob sie von dem frommen Wunsch und brennenden Verlangen erfüllt sind, die Sache vom Apostolischen Stuhl entschieden zu sehen; in erster Linie aber wünschen Wir am meisten darüber unterrichtet zu werden, was ihr selber, ehrwürdige Brüder, über diese ganze Angelegenheit auf Grund eurer eigenen weisen Einsicht denkt und welche Wünsche ihr in dieser Sache hegt.

Ein liturgisches Zugeständnis

Wir haben dem römischen Klerus bereits die Erlaubnis erteilt, die besonderen kanonischen Tagzeiten von der Empfängnis der seligsten Jungfrau, die erst jüngst zusammengestellt wurden und nun auch im Druck erschienen sind, an Stelle jener zu beten, die im allgemeinen Brevier enthalten sind. Mit diesem Schreiben geben Wir euch, ehrwürdige Brüder, die Erlaubnis, dass mit eurem Einverständnis der Klerus eurer Diözese die gleichen Tagzeiten von der Empfängnis der seligsten Jungfrau, wie sie nunmehr der römische Klerus betet, nach freiem Belieben erlaubterweise gebraucht, ohne dass hierzu noch eine eigene Genehmigung von Unserer Seite oder von Unserer Kongregation der heiligen Riten nötig wäre. Wir sind auch fest davon überzeugt, ehrwürdige Brüder, dass ihr bei eurer großen Liebe zur seligsten Jungfrau Maria diesen Unseren Wünschen gern und freudig und mit sorgfältigem Bemühen nachkommen werdet und dass ihr die entsprechende Antwort, die Wir von euch erbaten, Uns baldigst zugehen lasset. Inzwischen empfangt als Zeichen himmlischen Segens und als Unterpfand Unserer besonderen Zuneigung zu euch den Apostolischen Segen, den Wir von Herzen gern euch, ehrwürdige Brüder, und allen eurer Hirtensorge anvertrauten Gläubigen, dem Klerus und den Laien, in aller Liebe erteilen.

Gegeben zu Gaeta, am 2. Februar 1849,
im 3. Jahre Unseres Pontifikates
Pius IX. PP.
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