Jon Sobrino

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Jon Sobrino (*1938) ist ein wichtiger, eher gemäßigter Befreiungstheologe. Aber am 15. März 2007 (Publikationsdatum) ist Jon Sobrino als erster Theologe (und bisher einziger) unter Papst Benedikt XVI. wegen zweier Bücher abgemahnt worden. In einer Notifikation wirft ihm die Kongregation für die Glaubenslehre vor, die »normativen Aussagen des Neuen Testaments und die Konzilien der frühen Kirche zu entwerten, wie zum Beispiel die Göttlichkeit Jesu Christ« Sobrino mache nicht den Glauben der Kirche zum Ausgangspunkt der theologischen Reflexion, sondern die »Kirche der Armen«. Eine fatale Verirrung in der Christologie, wie inzwischen auch Clodovis Boff einräumt.

Den »römischen Blitz« (so die Neue Zürcher Zeitung; eher ein "Blitzlicht") auf Sobrino "schleuderte" zwar der jetzige Präfekt der Glaubenskongregation, der nordamerikanische Kardinal William Levada. Doch dessen Arm führte nur aus, was sein Amtsvorgänger Joseph Ratzinger bereits im Oktober 2001 mit einem Verfahren gegen Sobrino eingeleitet hatte. Fünf Jahre später, am 13. Oktober 2006, approbierte dieser als Papst Benedikt XVI. die Notifikation und ordnete ihre Veröffentlichung an.

Die Zurechtweisung des heute vielleicht tatsächlich bedeutendsten Theologen Lateinamerikas (dessen persönliche Integrität der Vatikan mehrfach beteuerte), löste die üblichen, "spontanen" Proteste aus. Gut organisierte und meist auch wohlhabende Ordensgemeinschaften wie die Franziskaner und die Steyler Missionarinnen warfen einmal mehr die "Frage" auf, ob es dem Vatikan wirklich um den Glauben oder um "Machtpositionen" gehe. Auch diverse Fakultäten ergingen sich in heftigen Beileidsbekundungen. So steht es um eine Kirche, in der es keine "verbotenen Bücher" mehr gibt, wenn einmal amtlicher Widerspruch gegen theologische Thesen formuliert wird. Die "Christologie von unten" (Piet Schoonenberg) zündet noch, aber sie ist keine. Sondern sie hängt genauso von Interessenvertretern und sogar Finanziers ab (z.B. die "Protest" einlegenden, staatsnahen Fakultäten), wie der Lärm der Gewerkschaft am 1. Mai oder die Tobsucht eines beliebigen Despoten gegen unliebsame Kritik "auswärtiger Mächte". "Ganz unten" hat man kein Verständnis für solche Spektakel.