Gertrud von Helfta: Exercitia spiritualia

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Frontispiz des Bändchens
Exercitia spiritualia

Geistliche Übungen

Gertrud von Helfta (1256-1302) - Erste Druckausgabe 1536.

Quelle: Die Geistlichen Übungen der heiligen Gertrud der Großen, nach dem lateinischen Urtext übersetzt und mit einer Einführung versehen von Maurus Wolter OSB, Butzon & Bercker G.m.b.H. 1925 (10. Auflage, neu bearbeitet von P. Hildebrand Bihlmeyer OSB), S. 55-330 (DIN A 7, 336 Seiten, Imprimatur Monasterii, die 31. Martii 1925 Meis Vicarius Eppi. Gnlis, No. 1684, Frakturschrift). Bei der Digitalisierung leicht bearbeitet durch Benutzer:Oswald.

Bischof Leo Nowak schreibt zum Geleit der EOS-Ausgabe (siehe Literatur): Ein Rückgriff auf die "Exercitia spiritualia" der hl. Gertrud ist geradezu gefordert. Die hl. Gertrud ist eine kompetente Frau. Ihr Herz ist erfüllt von einer ganz starken Gottesliebe. Deshalb redet sie und schweigt nicht. Wenn sie auch in der Sprache und in Bildern ihrer Zeit spricht - wie kann das auch anders sein -, so können wir uns kaum der überzeugenden Kraft ihrer Gottesliebe entziehen. Es ist eine Liebe, die den Nächsten nicht nur nicht ausschließt, sondern geradezu zum "Testfall" der Gottesliebe macht. Eine tiefe Gottesliebe treibt den Menschen immer auch zum Handeln.

Erste Übung: Erneuerung der Taufgnade

Für den geistigen Geburts- oder Tauftag

Damit du am Ende deines Lebens dem Herrn das Gewand der Unschuld unbefleckt, wie du es in der Taufe empfangen hast und das Siegel des christlichen Glaubens unversehrt darbieten könnest, sei darauf bedacht, zu gewisser Zeit im Jahr, zumal an Ostern und Pfingsten, das Andenken an deine Taufe zu feiern. Erwecke deshalb in dir das Verlangen, durch die Heiligkeit eines neuen Lebens in Gott wieder geboren und in die neue Kindheit zurückversetzt zu werden und bete:

Gott erbarme sich meiner und segne mich; er lasse sein Angesicht über mir leuchten und erbarme sich meiner (Ps 76, 2). Es preise ihn mein Herz in aller Aufrichtigkeit und Wahrheit. Vor des Herrn Antlitz erbebe die Erde meines Herzens (Ps 114, 7), durch den Hauch seines Mundes werde neu geschaffen mein Geist (Ps 104, 30), damit sein guter Geist mich in das rechte Land einführe (Ps 143,10).

Bete nun das Apostolische Glaubensbekenntnis: "Ich glaube an Gott, den allmächtigen Vater." Flehe zum Herrn, damit du dem Teufel vollkommen widersagen und im rechten, lebendigen und unverletzten Glauben beharren mögest bis zum Ende deines Lebens.

Gebet

Herr und Gott, Gütiger und Wahrhaftiger, mein Schöpfer und Erlöser! Du hast mich gezeichnet mit dem heiligen Licht deines Angesichtes (Ps 4, 7), erkauft um den kostbaren Preis des Blutes (1 Petr 1,19) deines Eingeborenen und durch die Taufe wiedergeboren in der Kraft deines Geistes zur Hoffnung des Lebens (1 Petr 1, 3.5). Lass mich dem Teufel und all seinem Prunk und Blendwerk kräftig widersagen mit aufrichtigem, ganzen und ungeteiltem Herzen. An dich dagegen lass mich treulich glauben mit einem rechten, eifrigen und in lebendigen Werken blühenden Glauben. Lass mich glauben an dich, meinen Gott un Schöpfer, durch Jesus Christus, deinen Sohn, der ist der Weg, die Wahrheit und dasLeben (Joh 14, 6) und durch die Wirksamkeit des Heiligen Geistes. Lass mich dir anhängen und unerschütterlich bis ans Ende bei dir ausharren. Amen.

Zur Erinnerung an das heilige Zeichen deines Glaubens, das man dir aufdrückt, sprich:

Heilige Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist ! Deine göttliche Allmacht lenke und stärke meinen Glauben; deine göttliche Weisheit lehre und erleuchte ihn; deine göttliche Gütigkeit stütze und vollende ihn, auf dass ich ihn in der Stunde meines Todes vor sein Angesicht bringe, makellos und unversehrt mit dem reichen Fruchtzins aller Tugenden.

In Vereinigung mit der Beschwörung (Exorzismus), die über dich gemacht worden, bitte den Herrn, er möge dich durch die Kraft seines Namens mit Klugheit alle Anschläge Satans entdecken und überwinden lassen, damit der Feind sich niemals deiner Niederlage rühme, vielmehr bei jeglicher Versuchung besiegt werde, ja beim ersten Angriff gleich beschämt zurückweiche.

Gebet

Herr Jesus Christus, großer Hoherpriester, der du durch deinen kostbaren Tod mich belebt hast, hauche mich an mit der Kraft meines Geistes und verscheuche durch die Wirksamkeit deiner Gegenwart von mir alle Nachstellungen des bösen Feindes. Zerreiße in mir alle Stricke des Teufels und in deiner Erbarmung halte fern von mir jegliche Verblendung des Herzens. Deine vollkommene Liebe, o Christus, helfe mir in aller Anfechtung mannhaft triumphieren. Deine heilige Demut lehre mich alle Fallstricke des Feindes klüglich meiden. Deine lichte Wahrheit geleite mich und lasse mich in Aufrichtigkeit des Herzens vollkommen vor dir wandeln. Und der Segen deiner nachsichtsvollen Barmherzigkeit komme mir zuvor, folge mir nach und behüte mich bis an das Ende meines Lebens. Amen.

Bezeichne dich nun mit dem heiligen Kreuz auf der Stirn und Brust und sprich dabei:

Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Von dir, meine gekreuzigte Liebe, milder Jesus, nehme ich das Zeichen deines heiligen Kreuzes auf Stirn † und Herz †, um in Ewigkeit unter deinem Schutz zu leben. Gib mir lebendigen Glauben an die himmlischen Gebote, dass ich erweiterten Herzens den Weg deiner Satzungen laufe (Ps 119, 32). Lass meinen Wandel so sein, dass ich verdiene, ein Tempel Gottes und eine Wohnstätte des Heiligen Geistes zu werden. Amen.

Begehre nun, dass er selbst, der höchste Priester und Herr Jesus, dir seine Hand auflege, damit du auf ewig, unter der Obhut des Allerhöchsten wohnst und weilst unter dem Schutz des Himmelsgottes (Ps 91, 1).

Unter dem Schatten deiner Hand, herzlieber Jesus, schirme mich und mit deiner Rechten erhebe mich. öffne mir die Pforte deines Mitleids, auf dass ich, mit dem Zeichen der Weisheit geschmückt, alle irdische Gebühr in Wahrheit ablege, im lieblichen Duft deiner Gebote freudig in deiner heiligen Kirchedir diene und Tag für Tag fortschreite von Tugend zu Tugend (Ps 84, 8). Amen.

Damit der Herr dir den Engel gebe, der dich geleite auf deiner Lebensreise, bete:

Eja Jesus, Fürst des Friedens, Engel des großen Rates (Jes 9, 6) ! Sei du selbst mir stets zur Rechten als Führer und Hort meiner Pilgerfahrt, damit ich nicht wanke noch abirre von dir. Ach ! Sende in Gnaden deinen heiligen Engel vom Himmel, (aus dem Kirchengebet am Schluss des sonntäglichen "Asperges me") auf dass er unter deiner väterlichen Obhut für mich Sorge trage, in deinem Wohlgefallen mich lenke und auf deinem Wege vollends zu dir heimführe. Amen.

Sei gegrüßt, heiliger Gottesengel, Wächter meiner Seele und meines Leibes ! Durch das süßeste Herz Jesu Christi, des Sohnes Gottes und bei der Liebe dessen, der dich und mich erschaffen und mich dir in der heiligen Taufe übergeben hat, bitte ich, nimm mich unter den Schutz deiner getreuen Vaterschaft, damit ich, von dir getragen, unbenetzten Fußes über den Strom dieses Lebens gelange, bis ich einst mit dir frohlockend schaue, was du schaust, das holdselige Antlitz und die entzückende Schöne der erhabenen (Wörtlich "kaiserlichen") Gottheit, die aller Lieblichkeit Süße überbietet.

Hier bete, dass dein Mund mit dem Salz der Weisheit erfüllt werde, um durch den Heiligen Geist den Wohlgeschmack des Glaubens verkosten zu können:

Lass mich von dir, milder Jesus, das Salz der Weisheit und den Geist des Verständnisses empfangen als Gnadengabe fürs ewige Leben. Amen. - Lass mich die Süßigkeit deines Geistes kosten; lass mich hungern nach deinem Willen; tu mir kund, was dir wohlgefällig ist, auf dass mein Dienst dir immerdar genehm sei. Amen.

Bezeichne Ohren und Nase mit dem heiligen Kreuz und bitte den Herrn, das er das Ohr seines Herzens seinem Gesetz öffne und dein ganzes Innere mit dem Wohlgeruch seiner Erkenntnis erfülle:

Eja Jesus, mein herzlieber Hirte, lass mich dein unwürdiges Schäflein, deiner bekannten Stimme stets gehorchen und folgen (Joh 10, 27), lass mich, angezogen von dem lieblichen Geruch des lebendigen Glaubens, auf die Weiden des ewigen Lebens eilen, wo ich auf immer, mein Herr, ausruhen und schauen könne die Wunder deiner Lieblichkeit (Ps 45,11 u, 33, 9).

Nimm dann das Heil spendende Kreuz wie eine Siegesfahne in deine Rechte. Damit du in den Kämpfen mit dem Feind den Sieg erringst, sprich:

Lieber vertrauter Jesus, leg in meine rechte Hand die Fahne deines heiligen Kreuzes, auf dass ich, von deiner Hilfe wie von einem Wall umgeben, stets mit diesem Zeichen bewaffnet gegen alle Arglist des bösen Feindes anzugehen vermöge. Amen.

Es segne mich die Allmacht Gottes des Vaters. Es segne mich die Weisheit des Sohnes. Es segne mich die erbarmungsvolle Liebe des Heiligen Geistes und bewahre mich zum ewigen Leben. Amen.

Nun wende dich an die jungfräuliche Mutter, dass sie dir vollständig Lebenserneuerung erbitte. Sie, die ehrwürdige Rose, möge dir bei diesem Gnadenakt Mutter und Patin sein, damit du durch reine Sitte wahrhaft ihr Kind werdest. Sie, die Perle der Lauterkeit, möge deine Seele in den Mantel ihrer Keuschheit hüllen und sie in ihrer liebevollen Hut ihrem Sohn, dem König und Herrn, fleckenlos bewahren. Begehre von ihr, sie möge erwirken, dass dein Name eingeschrieben werde unter die Auserwählten Israels und dein Erbe sei mit denen, die in Herzensunschuld wandeln vor dem Angesicht des Herrn auf allen ihren Wegen (Ps 101, 2).

Sei gegrüßt, Maria, Königin der Güte, Ölbaum der Barmherzigkeit, durch die und die Arznei des Lebens zugekommen ! Sei gegrüßt, jungfräuliche Mutter des göttlichen Sprößlings, durch die wir Kinder des himmlischen Lichtes geworden sind und ein Wohlgeruch in Israel ! Gleichwie du durch deinen Sohn wie wahre Mutter aller Menschen geworden, deren Bruder dein einziger Sohn zu werden nicht verschmäht hat, eja, so nimm um seiner Liebe willen nun auch mich Unwürdige(n) unter die Obsorge deiner Mütterlichkeit auf. Unterstütze, erhalte, unterweise meinen Glauben und werde jetzt so die Taufmutter meiner Erneuerung und Treue, dass du in Ewigkeit meine einzige und herzliebe Mutter seist. Trage in diesem Leben stets zärtliche Sorge um mich und nimm mich in der Stunde des Todes voll und ganz unter deinen mütterlichen Schutz. Amen.

An den Namen denkend, den man dir beigelegt, bete:

Lieber Jesus, schreibe meinen Namen unter deinen honigfließenden Namen in das Buch des Lebens ein. Sprich zu meiner Seele: "Mein bist du; ich, dein Heil, habe dich wiedererkannt; nicht mehr wirst du eine Verlassene künftig heißen, dein Name wird sein: Mein Wille in ihr" (Jes 62, 4), "damit mein Anteil mit dir im Land der Lebendigen ewiglich sei (Ps 141, 6).

Vergegenwärtige dir die Eintauchung in den Taufbrunnen unter den Worten: "Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes":

Eja Jesus, Quelle des Lebens, gib mir lebendiges Wasser zu trinken (Joh 4,10), das dir entströmt, damit ich, nachdem ich dich gekostet, ewiglich nach dir dürste. Tauche mich ganz in die Tiefe deiner Barmherzigkeit. Taufe mich in der Unbeflecktheit deines kostbaren Todes (Röm 6, 3). Erneure dich in meinem Blut, womit du mich erkauft hast. In dem Wasser deiner heiligen Seite wasche ab alle Makel, wodurch ich meine Taufunschuld jemals befleckt habe. Erfülle mich mit deinem Geist und besitze mich ganz in Reinheit des Leibes und der Seele. Amen.

In Erinnerung an die Salbung mit dem heiligen Chrisam bitte den Herrn, dass dich die Salbung seines Geistes in allem unterweise (Joh 2, 27).

Heiliger Vater, der du mich durch deinen Sohn, unsern Herrn Jesus Christus, wieder geboren hast aus dem Wasser und dem Heiligen Geist, schenke mir heute volle Verzeihung all meiner Sünden und salbe mich in Huld mit dem Chrisam deines Geistes fürs ewige Leben. Amen. Dein Friede sei mit mir in Ewigkeit. Amen.

Im Andenken an die Salbung mit heiligem Öl mache das Zeichen des heiligen Kreuzes auf Brust und Schultern und sprich:

Lass mich aus Liebe zu deiner Liebe, o Jesus, immerdar das süße Joch und die leichte Bürde (Mt 11, 30) deiner Gebote auf meinen Schultern tragen und das Geheimnis des heiligen Glaubens wie ein Myrrhenbüschlein (Hld 1,12) auf ewig an meiner Brust bergen, damit du, für mich ans Kreuz geheftet, allzeit in meinem Herzen haftest. Amen.

Gedenke des weißen Kleides, das man dir angelegt und sprich:

Eja Jesus, Sonne der Gerechtigkeit, bekleide mich mit dir (Röm 13,14), damit ich dir gemäß leben könne. Lass mich, von dir geführt, hinfort das Kleid der Taufunschuld weiß, heilig und makellos bewahren und es einst unverletzt vor deinem Richterstuhl vorweisen, um es zu besitzen für das ewige Leben. Amen.

Empfange im Geist die brennende Kerze und bitte um innerliche Erleuchtung:

Eja Jesus, unauslöschliches Licht, zünde unverlöschlich in mir deine brennende Liebeslampe an und lehre mich meine Taufe tadellos bewahren, damit ich, zu deinem Hochzeitsfest gerufen (Offb 19, 7), wohlbereitet erscheine und würdig sei, in die Freuden des ewigen Lebens einzugehen. Lass mich dort dich, das wahre Licht, schauen und das süß entzückende Antlitz deiner Gottheit. Amen.

Im Andenken an den Empfang der heiligen Kommunion, des lebendigmachenden Leibes und Blutes des unbefleckten Lammes Jesu Christi, flehe:

Dein verehrungswürdiger Leib und dein kostbares Blut, mein Herr Jesus Christus, bewahre meinen Leib und meine Seele zum ewigen Leben. Amen. Dein Friede sei mit dir. Möchte ich in dir, o Jesus, du wahrer Friede, ewiglich Frieden über Frieden haben, um durch dich zu jenem Fri eden zu gelangen, der allen Begriff übersteigt (Phil 4, 7), wo ich, selig in dir, dich schaue in Ewigkeit. Amen.

Bei dieser Kommunion wünsche, dass dein ganzes Leben mit Christus in Gott verborgen sei (Kol 3, 3) und dass du in deiner Todesstunde vollendet erfunden werdest:

Vertrauter Gast meiner Seele, mein herzlieber Jesus ! Deine glückselige Einverleibung gereiche mir heute zum Nachlass all meiner Sünden, zur Ergänzung all meiner Säumnisse, zur Erstattung meines ganzen verlorenen Lebens. Sie sei mir ewiges Heil, Belebung der Seele und des Leibes, entflammen der Liebe, Kräftigung der Tugend und ewiger Abschluss meines Lebens in dir. Sie sei mir Freiheit des Geistes, Gesundheit des Lebens, Ehrbarkeit des Wandels; sie sei mir Schild der Geduld, Siegeszeichen der Demut, Stab des Vertrauens, Trost in Betrübnis, Stütze der Beharrlichkeit. Sie sei mir Rüstung des Glaubens, Stärke der Hoffnung, Vollkommenheit der Liebe, Erfüllung deiner Gebote, Erneuerung des Geistes, Heiligung in der Wahrheit (Joh 17,17) und Vollendung meines ganzen gottinnigen Lebens.

Ja, diese selige Einverleibung sei mir Anfang der Tugenden, Ende der Laster, Wachstum aller Guten und ewiger Bund deiner Liebe, damit ich, nur dem Körper nach auf dieser Wanderschaft, mit des Geistes Sehnsucht immerdar dort wohne, wo du, mein bester Anteil, bist: und damit ich an der Marktscheide meines Lebens, wann ich die bittere Schale dieses Leibes abgeworfen, zu jenem süßen Kern gelange, wo ich im neuen Gestirn deiner verklärten Menschheit das hochherrliche Licht deiner erhabenen Gottheit schaue; wo mich die entzückenden Rose deines holdseligen Angesichtes mit ihrer majestätischen Schönheit erquicke; wo ich, den Beschwernissen dieses Lebens enthoben, frohlockend beim ewigen Festmahl aufjuble im Schoß deiner Liebesschätze, wie sich die Braut erfreut an den Hochgenüssen ihres königlichen Bräutigams. Amen.

Erneuere nun in dir die Gnade der heiligen Firmung.

O Jesus, siegreicher König, erhabener Hoherpriester, stärke du mich mit deiner allmächtigen Kraft, umgürte du, Gewaltiger (Ps 44, 4), mich mit dem Schwert des Geistes, dass ich, die tausendfältigen Listen Satans allzeit überwindend, siege in dir.

Schliee die Übung so:

Herr, mein Gott, der du mein Schöpfer und Wiederhersteller bist. ! Eja, erneuere heute in meinem Innern deinen Heiligen Geist und schreibe mich als Neugeborenen ein in das Volk deiner Kindschaft, dass ich mit den Kindern der Verheißung mich beglückt fühle, durch die Gnade zu besitzen, was ich von Natur nicht habe.

Mache mich stark an Glauben, froh in Hoffnung, geduldig in Drangsal, fröhlich in deinem Lob, eifrig im Geist, dass ich dir, meinem Herrn und Gott und wahren König, getreulich diene und bis zum Ende meines Lebens wachsam bei dir ausharre, um, was ich jetzt in Hoffnung glaube, selig dann in Wirklichkeit mit meinen Augen zu schauen - zu schauen dich, so wie du bist (1 Joh 5, 2), zu schauen dich von Angesicht zu Angesicht (1 Kor 15,12). An dieser Stelle, lieber Jesus, wirst du mich aus dir gestalten, an diesem Ort mir im Genuss deines holdseligen Antlitzes ewig Ruhe geben. Amen. Amen. Amen.

Der getreue Gott, das wahrhaftige Amen, das keinen Abbruch leidet, lasse mich brennenden Durst empfinden nach dem teren Amen, womit er alles an sich zieht, lasse mich kosten das süße Amen, womit er alles erwuickt, lasse selig mich enden in jenem heilkräftigen Amen (Offb 7,12), womit er alles vollendet, damit ich wirksam verdiene, auf immer das ewige und genüssliche Amen zu erfahren (Offb 19, 4), wodurch ich nach dieser Verbannung zuversichtlich zu schauen glaube jenes wahrhaftige Amen, Jesus selbst, den Gottessohn, der dem liebenden einzig genügt und mit dem Vater und dem Heiligen Geist alles Gute spendet und nichts verschmäht, so er erschaffen hat. Amen. Amen. Amen.

Mit diesem letzten Gebet empfiehl Gott deinen Glauben und deine Taufunschuld.

Mein lieber vertrauter Jesus, bewahre mir im Kämmerlein deines allgütigen Herzens die nun makellose Unschuld und die Urkunde meines Glaubens, auf dass ich unter deiner treuen Hut sie dir in meiner Todesstunde unversehrt vorweisen könne. Eja, drücke das Siegel deines Herzens meinem Herzen auf, damit ich dir wohlgefällig leben und nach dieser irdischen Verbannung froh und frei zu dir gelangen möge. Amen.

Zweite Übung: Geistliche Bekehrung

Für den Jahrestag der Einkleidung

So oft du mit erneutem gutem Vorsatz das Gedächtnis deiner ersten Bekehrung, wodurch du der Welt entsagst, feiern und dein Herz mit all seinen Fähigkeiten zu Gott hinwenden willst, bediene dich nachstehender Übung. Bitte den Herrn, dass er aus dir sich gleichsam ein Kloster seiner Liebe und aller Tugenden erbaue.

O Jesus, du mein Herzensvertrauter ! Wahr ist's, dass keine geistliche Frucht gedeihen kann, sie werde denn von dem Tau deines Geistes erfrischt und von der Glut deiner Liebe gezeitigt. Darum schließe mich barmherzig in deine Liebesarme und erwärme mich ganz mit deinem Geiste. Sieh hier meinen Leib und meine Seele. Ich übergebe sie dir, damit du sie besitzest.

Ach, mein Geliebter, mein Geliebter, gib mir deinen Segen. Öffne mir und lass mich eingehen in die Fülle deiner Lieblichkeit; denn es verlangt mich nach dir von Herzen und aus ganzer Seele. Ich bitte dich, nimm du allein mich in Besitz. Eja, ich dein, du mein ! Dass ich doch in deiner lebendigen Liebe mit stets neuem Eifer des Geistes wachsen und durch deine Gnade blühen möge, wie die Lilien des Tales an Wasserbächen !

Hier flehe zur jungfräulichen Mutter um ihre Fürbitte:

Eja, weißschimmernde Lilie, liebe vertraute Maria, nächst Gott meine höchste Hoffnung ! Rede für mich bei deinem geliebten Sohn, sprich für mich ein wirksam Wort. Führe getreulich meine Angelegenheit. Erlangen mir gnädiglich Gewährung meiner Wünsche; denn auf dich vertraue ich, auf dich, meine einzige Hoffnung nach Christus.

Zeige dich mir als gütige Mutter. Mache, dass ich von dem Herrn aufgenommen werde in das Kloster seiner Liebe, in die Lehrschule des Heiligen Geistes; denn du vor allen vermagst dies von deinem geliebten Sohn mir zu erwirken. Getreue Mutter, trage zärtlich Sorge für sein Kind, damit ich eine Frucht stets lebendiger Liebe werde und betraut vom Himmel, in aller Heiligkeit wachse und gedeihe.

Rufe die Gnade des Heiligen Geistes an, dass er dich fördere im geistlichen Leben:

Komme, Heiliger Geist. Komm, Gott der Liebe und erfülle mein Herz, das an allem Guten, ach so leer ist. Entzünde mich, dich zu lieben. Erleuchte mich, dich zu erkennen. Zieh mich an, damit ich mich an dir ergötze. Befähige mich, dich selig zu genießen.

Hier verlass Geistigerweise die Welt alles, was nicht Jesus, deine süße Liebe, ist:

O minnewerter Jesus ! Wer gibt mir Flügel der Taube gleich (Ps 55, 7), dass ich in der Sehsucht Glut fliege und ruhe in dir ?

Verbirg sich sodann in Christus Jesus: Eja, eja, teurer Jesus ! Ich bitte dich bei jener Liebe, in der du, Mensch gewordener Gott, gekommen bist zu suchen und selig zu machen, was verloren war (Lk 19,10), zieh nun, mein Vielgeliebter, ein in mich und lass mich hinwieder eingehen in dich. Birg mich in dem starken Felsen deines väterlichen Schutzes (Hld 2,14). Lege mich in die Spalte deines gütigen Herzens, geschieden von jeglichem, was du nicht bist, o aller teuren Teuerster ! Schenke mir ein Erbe im Volk Israel, auf dass mein Anteil mit dir sei unter den Töchtern Jerusalems. Amen.

Hier wirf dich Jesus zu Füßen;

Segne mich, minniglicher Jesus, segne mich und erbarme dich meiner nach der Güte deines mildesten Herzens. Eja, dass meine Seele außer dir nichts zu wissen trachte ! Dass sie in deiner Liebesschule, unter der Zucht deiner Gnade, durch geistliche Salbung interwiesen, gute, schnelle, eifrige Fortschritte mache !

Im Augenblick, da du Geistigerweise des heilige Ordensgewand anlegst:

Eja, heiliger Vater, in jener Liebe, aus der du mich mit dem Licht deines Angesichtes gezeichnet hast (Ps 4, 7), verleihe mir die Gnade, in aller Heiligkeit und Tugend in dir zu wachsen.

O Christe Jesu ! In jener Liebe, aus der du mich mit deinem eigenen Blut erlöst hast, bekleide mich mit der Reinheit deines schuldlosen Lebens.

Allmächtiger, heiliger Tröster! In jener Liebe, aus der du mich durch einen geistlichen Namen dir verbunden hast, gib, dass ich von ganzem Herzen dich liebe, mit ganzer Seele (Lk 10,27) dir anhange, all meine Kräfte deiner Lebe und deinem Dienst weihe, dass ich nach deinem Herzen lebe und in meiner Sterbestunde, durch dich vorbereitet, unbefleckt zum göttlichen Hochzeitsmahl eingehe.

Bitte die jungfräuliche Mutter, sie möge selber die Führerin sein im Ordensstand oder in deinem anderweitigen Beruf:

O Maria, Mutter Gottes und auch meine Herzensmutter ! Umkleide mich mit Jesus, dem aus dir gebildeten Vlies des Lammes, damit durch dich die höchste Liebe mich aufnehme, nähre, besitze, leite und vollkommen mache. Amen.

Hier bringe deinem himmlischen Bräutigam das Gelübde der Keuschheit dar:

Eja, herzliebster Jesus ! Dich allein habe ich erkoren als treuen Liebhaber meiner Seele, als besten Gefährten meines Lebens. Um dich seufzt und schmachtet meine Seele. Dir opfere ich meines Herzens Liebe und erwähle dich zum Begleiter und Führer. Deinem Dienste opfere ich Leib und Seele, weil ich, ja ich dein eigen bin und du ganz mein.

Eja, wahre Liebe, verschmelze mich mit dir. Dir opfere ich auf meine Keuschheit, denn du bist ganz süß und lieblich, ein genussvoller Bräutigam. Dir gelobe ich Gehorsam, denn mich lockt seine väterliche Liebe, mich zieht an deine Milde und Anmut. Dir verpflichte ich mich, allzeit deinen Willen zu erfüllen, denn dir anhängen ist die größte Freude, dich lieben über die Maßen süß und wünschenswert.

Dir o Einziger meines Herzens, bringe ich mich zum Opfer dar, um in Zukunft nur dir zu leben; den süßer habe ich nichts gefunden, vorteilhafter nichts erachtet, als mit dir, o mein Geliebter, aufs innigste vereint zu werden.

Eja, so bilde denn mein Herz nach deinem Herzen, dass ich ganz zu wandeln verdiene nach deinem Wohlgefallen,

Responsorium: Das Reich der Welt und allen Erdenschmuck hab' ich verschmäht aus Liebe zu meinem Herrn Jesus Christus, den ich gesehen, den ich geliebt, an den ich geglaubt, den ich geliebt und erwählt habe.

Vers: Mein Herz wallt auf von guter Rede, ich sag': "Mein Werk dem König" (Ps 45, 2), den ich geliebt, an den ich geglaubt, den ich geliebt und erwählt habe (Aus dem Pontificale Romanum).

Responsorium: O wahrer Urheber und Schirmer der Jungfräulichkeit, der du, geboren von der Jungfrau, alle zur heiligen Liebe der Keuschheit angetrieben; o Christus, der Jungfrauen Vorbild, Hoffnung und Krone; durch die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau und Mutter Maria bewahre mich keusch an Geist und Körper.

Vers: Du Quelle des Lebens und Ursprung des ewigen Lichtes, seligster Urheber alles Guten: durch die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau und Mutter Maria bewahre mich keusch an Geist und Leib.

Allmächtiger, ewiger Gott, sieh gnädig auf unsere Bitten und schenk uns, deinen Dienern, die wir zu Ehren deines Namens im Bund gleicher Liebe geeint sind, rechten Glauben, wahre Demut, heilige Andacht, vollkommene Liebe, Emsigkeit, Beständigkeit und Ausdauer in guten Werken. Und durch die Verdienste und Fürbitten aller Heiligen gib, dass in unseren Herzen einfältige Liebe wohne, starkmütige Geduld, reine und makellose Frömmigkeit (Jak 1, 27), williger Gehorsam, beständiger Friede, lauterer Sinn, heiliges Gewissen, geistliche Zerknirschung, wahre Seelenkraft, unbeflecktes Leben und tadellose Vollendung, auf dass wir verdienen, mannhaften Laufes glücklich dereinst in dein Reich einzugehen. Amen.

Dritte Übung: Geistliche Verlobung und Weihe

Für den Jahrestag der Gelübdeablegung

Auf folgende Weise feiere die geistliche Vermählung, die Verlobung deiner keuschen Seele und ihre Verbindung mit Jesus, dem himmlischen Bräutigam, durch das unauflösliche Band der Liebe:

Stimme Christi an die Seele

Blicke mich an, wer ich bin, meine Taube (Hld 2,10). Ich bin Jesus, dein vertrauter Freund. Öffne mir das Brautgemach deines Herzens, denn ich bin aus dem Land der Engel, schön von Gestalt (Ps 45, 3). Ich bin selbst der Abglanz der göttlichen Sonne (vgl. Hebr 1, 3). Ich bin der hellstrahlende Frühlingstag, dessen Klarheit immer leuchtet und der keinen Abend kennt. Die unbegreifliche Majestät meiner Glorie, die mein Wesen ist, erfüllt Himmel und Erde und nur die Ewigkeit ist das Maß für ihre Ausdehnung. Ich allein trage auf meinem Haupt das erhabene Diadem meiner glorreichen Gottheit. Meine Stirn umkränzen die Purpurrosen meines für dich vergossenen Blutes. Keiner ist mir gleich weder über noch unter der Sonne.

Auf den Wink meiner Hand gehen die Lilienscharen der Jungfrauen hervor, und ich ziehe ihnen voran im Reigen des ewigen Lebens, in den Glückseligkeiten meiner Gottheit. Ich erquicke sie durch den lieblichen Genuss ewig blühender Fröhlichkeit. Und doch verschmähe ich nicht, meine Augen zum Erdental hinabzuwenden und Veilchen zu pflücken, die dort makellos blühen.

Wenn darum eine Seele mich nur lieben will, dann will ich mich ihr verloben, will sie umfangen und ganz herzlich lieben. Ich will sie das Loblied der Jungfrauen lehren. Es erklingt so süß aus meinem Mund, dass es sie zwingt, sich mit mir zu vereinen in glückseligem Liebesbund. Was ich durch mein Wesen bin, das soll sie durch die Gnade werden. Ich will sie umfangen mit den Armen der Liebe und innig an mein göttliches Herz ziehen, dass sie in der Kraft meiner brennenden Liebe zerfließe wie Wachs vor des Feuers Glut (Hld 5, 6). So du mein Eigen sein willst, meine geliebte Taube, musst du mich zärtlich und sinnig und starkmütig lieben. Dann wirst du dies alles an dir selber gar mit Freude erfahren.

Aufmunterung der Liebe an die Seele

Eja, Seele, wach auf ! Wie lange willst du schlafen? Vernimm das Wort, das ich dir kund tue. Über dem Himmel ist ein König, der nach dir Verlangen trägt. aus ganzem Herzen sehnt er sich nach dir und liebt dich über die Maßen. So herzlich liebt er dich, so treulich liebt er dich, dass er in Demut sein Reich für dich verließ. Da er dich suchte, duldete er es, dem Die gleich erfasst zu werden. Er liebt dich mit solcher Herzlichkeit, mit solcher Inbrunst, Eifersucht, Zärtlichkeit und Kraft, dass er seinen blütenreinen Leib deinetwillen freudig in den Tod gab.

Er ist's, der dich mit seinem Blut gewaschen, in seinem Tod erlöst hat. Wie lange soll er harren, bis du ihn wiederliebst ? Hat er nicht allzu teuer dich und deine Liebe erkauft ? Er hat dich mehr als seine Ehre geliebt, mehr geliebt als seinen Edelleib, den er deinetwegen nie schonte. So süße Liebe, so holde Zärtlichkeit des treuen Liebhabers fordert gewiss von dir Gegenliebe. Willst du nun schleunig ihn aufnehmen, so ist er bereit, dein Bräutigam zu werden. Zögere denn nicht mehr, eile ihm zu melden, was du erwählt hast.

Stimme der sich Gott opfernden Seele

Ich bin eine mutterlose Waise; dürftig bin ich und arm (Ps 86,1). AußerJesus hab' ich keinen Trost. Er allein kann den Durst meiner Seele stillen. Er allein ist der erwählte Freund, der einzige meines Herzens. Er ist der König der Könige, der Herr aller Herren (Offb 19,16). Wenn nun er, der höchste Kaiser, mir elendem, armseligen Ding seine Huld bezeigen, wenn er mit mir nach seiner Barmherzigkeit, nach seiner unendlichen Güte handeln will, so hängt das einzig und allein von seiner Gnade und Geneigtheit ab. Ich aber bin ganz sein eigen; mein Leib und meine Seele ruhen in seiner Hand. Er tue mit mir, wie es seinem väterlichen Wohlgefallen beliebt.

Wer gibt mir, dass ich nach seinem Herzen werde, dass er in mir finde, was er in seiner huldvollen Gnadenwahl begehrt? Dies allein nur möchte mir Freude und Trost gewähren.

Eja, Jesus, einzige Liebe meines Herzens, holder Liebhaber, geliebt, geliebt, über alles geliebt, was je geliebt worden ist ! Nach dir, ewig blühender Frühlingstag, seufzt und schmachtet die Liebessehnsucht meines Herzens. O wahrhaftige Sonne, dass es mir vergönnt wäre, dir so eng geeint zu sein, dass aus dir meines geistlichen Fortschritts -blüten und Früchte sprossen ! Sehnschtsvoll erwarte ich dich (P 40,1).

Komm denn zu mir, wie das Turteltäubchen zu seiner Gefährtin. Bis in die Herzenstiefen hast du mich verwundet (Hld 4, 9) durch deine Anmut und Schönheit (Ps 45, 5). Mein Vielgeliebter, mein Vielgeliebter werd' ich mit dir nicht verbunden, ach, in Ewigkeit könnte ich nicht froh sein ! Eja, mein Freund, mein Freund, mein Freund erfülle endlich dein und mein Verlangen durch die Tat !

Stimme Christi

In meinem Heiligen Geist will ich dich verloben, will mich an dich ketten durch ein unauflöslich Band. Du wirst mir Herberge geben und ich will dich zur Gefangenen meiner lebenskräftigen Liebe machen. Kleiden will ich dich in Edelpurpur meines kostbaren Blutes, dich krönen mit dem erlesenen Gold meines bitteren Todes. Mit mir selbst will ich dein Verlangen stillen und so dich beseligen für alle Ewigkeit.

Hier beginnt die Opferweihe, wodurch die Christus treue Seele gänzlich darbringt, ihm, ihrem einzig erkorenen, sich verlobt, fest entschlossen, ihre Jungfrauschaft Christus treu zu bewahren (2 Kor 11, 2), diesem ihrem himmlischen Bräutigam unverbrüchlich anzuhangen durch Bewahrung der Jungfräulichkeit oder Keuschheit mit reinem Herzen, keuschem Leib in inniger Liebesvereinigung, die keine Zuneigung zu irgend einem Geschöpf jemals entweihen soll. Heb denn an, die Vorzüge deines Seelenbräutigams zu preisen:

Wer ist wie du, mein Herr Jesus Christus, meine süße Liebe, erhaben und unermesslich, der du das niedrige in Gnaden ansiehst (Ps 113, 6) ? - Wer ist dir gleich, o Herr, unter den Gewaltigen, der du das Schwache in der Welt erwählst (1 Kor 1, 27) ? Wer ist so wie du, der Himmel und Erde gründet, dem die Thronen und Herrschaften dienen und dessen Lust es dennoch ist, unter den Menschenkindern zu sein (Spr 8, 31) ?

Wie groß bist du, König der Könige und Herrscher der Herrschenden (1 Tim 6,15), der du den Sternen gebietest und zugleich dem Menschen dein Herz zuwendest (Job 7,17) ! Wer bist du ? In deiner Rechten sind Reichtum und Ehre. Du bist überreich an Glückseligkeiten: und doch nimmst du dir eine Braut auf Erden ? O Liebe, bis wohin erniedrigst du deine Majestät !

Eja, Liebe, bis wohin lenkst du den Quellstrom deiner Weisheit ! Wahrhaftig, bis in die tiefe des Elends. Du allein, du allein, o Liebe, bist jener köstliche, überfließende Wein, der mein Herz besiegt und berauscht.

Stimme der Liebe

Ja, es ist wahrhaftig unser Gott, der uns geliebt mit unbesieglicher Liebe, mit unermesslicher barmherziger Liebe, mit unvergänglicher Zärtlichkeit. Um Bräutigam zu sein, und eine Braut sich erwerben zu können, nahm er von unserer Erde die Natur des Leibes an. Aus seinem ganzen Wesen hat er uns geliebt und ihn lieben heißt ihm sich vermählen.

"Kommt ! Kommt ! Kommt ! "

Ja, ich komme, ich komme zu dir, mein geliebtester Jesus, den ich geliebt, den ich gesucht, den ich ersehnt. Um deiner Süßigkeit, Güte und Liebe willen liebe ich dich aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und aller meiner Kraft und folge freudig deinem Ruf. Lass meine Hoffnung mir nicht zur Schande werden, sondern handle mit mir nach deiner Mildherzigkeit und nach der Menge einer Erbarmungen (Dan 3, 42).

Mit nachstehender Litanei rufe den Beistand aller Heiligen an.

O Urquell des ewigen Lichtes (vgl. Jak 1, 17), heilige Dreifaltigkeit, durch deine göttliche Allmacht befestige mich, durch deine göttliche Weisheit regiere mich, durch deine göttliche Güte gestalte mich nach deinem Herzen.

Vater vom Himmel, König der Könige, - eja, würdige mich der Vermählung mit deinem königlichen Sohn.

Jesus Christus, Sohn des lebendigen Gottes, - eja, dir vermähle sich meine Liebe, denn du selbst bist mein König und mein gott (Ps 5, 3).

Heiliger Geist, Trostspender, - eja, wie du in Liebeseinheit den Vater und den Sohn einst, also eine auch mein Herz mit Jesus auf immer.

Heilige Maria, Mutter des Königs, des Lammes, des Bräutigams der Jungfrauen, - eja, führe mich reinen Herzens und Leibes ein in das Brautgemach deines Sohnes Jesus.

Alle heiligen Engel und Erzengel, - eja, erlangt mir, dass ich mit englischer Reinheit eingehe in das hochzeitliche Gemach meines Bräutigams Jesus.

Alle Patriarchen und Prophetn, - eja, erlangt mir eine so starke und innige Liebe, wie sie Jesus, mein Bräutigam, von mir begehrt.

Alle heiligen Apostel, - eja, bittet, dass ich zum geheimnisvollen Kuss jenes honigfließenden Mundes (Hld 1,1) des lebendigen Wortes Gottes gelange, den ihr berührt habt (1 Joh 1,1).

Alle heiligen Märtyrer,- eja, erlangt mir so große Gewalt der Sehnsucht, dass ich mit der Palme des Martyriums dem entgegen zu eilen würdig werde, der mit Rosen und Lilien bekränzt ist.

Alle heiligen Bekenner, - eja, erlangt mir, dass ich aller Vollkommenheit und Heiligkeit den Wandel meines Bräutigams Jesus nachahme.

Alle heiligen Jungfrauen, - eja, bittet für mich, dass ich in keuscher Liebe fähig werde, gleich der Turteltaube mein Nestlein zu bauen in der Liebeswunde meines Bräutigams Jesus.

Alle Heiligen, - eja, erlangt mir, dass ich so wohlbereitet zum Hochzeitsmahl des Lammes eingehe, wie ein jeder von euch eingegangen ist, zu schauen Gottes Angesicht.

Sei mir gnädig - und wandle mich um, Herr, nach deinem Herzen.

Sei mir gnädig - und von allem, was mich von dir scheidet, Herr, befreie mich.

Durch deine Menschwerdung - lass mich dich mit Zärtlichkeit, Weisheit und Starkmut von ganzem Herzen lieben.

Durch dein Leiden und Sterben - lass mich mir selbst ersterben und dir alleine nur leben.

Durch deine glorreiche Auferstehung und wunderbare Himmelfahrt - lass mich Tag für Tag von Tugend zu Tugend fortschreiten.

In der Stunde des Todes - steh mir bei, Herr, mit all deinem herzinnigen Erbarmen und lass mich frohlocken im Anblick deines entzückenden Antlitzes (Ps 21, 7).

Am Tag des Gerichtes - lass meine Seele kein schlimmes Urteil fürchten; lass mich vielmehr den glorreichen Ruf deiner Stimme vernehmen: "Kommt, ihr Gesegneten meines Vaters (Mt 25, 34).

Durch deine Gebärerin - lass mich als wahre Braut der Verlobung keuscher Liebe teilhaftig werden.

Wir arme Sünder, wir bitten dich, erhöre uns.

Dass du in mir den Vorsatz der Keuschheit, den ich dir opfere, unversehrt und unbefleckt wie deinen Augapfel für dich bewahren (vgl. Ps 17, 8) wollest: wir bitten dich, erhöre uns.

Dass du mich in bräutlicher Liebe und hochzeitlicher Umarmung erkennen lassest , wer du bist und wie erhaben deine Größe: wir bitten dich, erhöre uns.

Dass du mir das Verlobungspfand deines Geistes und die Morgengabe reinster Liebe gewähren wollest: wir bitten sich, erhöre uns.

Dass du mich in der Stunde meines Todes im hochzeitlichen Kleid, mit brennender Lampe, unter den klugen Jungfrauen als Braut dir, meinem Bräutigam, entgegen eilen lassest: wir bitten dich, erhöre uns.

Dass du mich durch den Kuss deines honigsüßen Mundes als dein Eigen in den Brautsaal deiner festesfrohen Liebe einführen wollest: wir bitten dich, erhöre uns.

Dass du uns alle, die wir dir an dieser heiligen Stätte dienen, von ganzem Herzen dich lieben, unzertrennlich dir anhängen und durch beständige Reinheit des Geistes und Leibes dir lieb sein lassest: wir bitten dich, erhöre uns.

Dass du uns allzeit das erflehen lassest, was zu gewähren dir eine Freude ist: wir bitten dich, erhöre uns.

Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes (Mt 16,16), - erhöre uns in der Wirksamkeit deiner göttlichen Liebe.

O du Lamm Gottes, das du hinweg nimmst die Sünden der Welt, - tilge alle meine Sünden nach der Menge deiner Barmherzigkeit (Ps 51, 3).

O du Lamm Gottes, das du hinweg nimmst die Sünden der Welt, - leiste Ersatz für alle meine Versäumnisse durch deine unauslöschbare Liebe.

O du Lamm Gottes, das du hinweg nimmst die Sünden der Welt, - lass mich in der Todesstunde so in Frieden scheiden (Lk 2, 29), dass ich dich von Angesicht zu Angesicht schauen darf (1 Kor 13,12).

Herr, erbarme dich meiner.
Christus, erbarme dich meiner.
Herr, erbarme dich meiner.

Gebet

Eja Jesus, Blütenbräutigam, wie der Tod die Seele dem Leib entrückt entrückt, so lass deine Liebe mein Herz in dich entrücken, damit ich dir angehöre in unlösbarer Einigung.

Nimm mich auf, mein Jesus, in den Abgrund deiner Barmherzigkeit und wasche mich von jeder Makel in den Tiefen seiner göttlichen Milde. - Nimm mich auf, mein Jesus, in die Umarmung deiner Gnadenhilfe, auf dass ich nicht unwert sei, durch das Band vollkommener Einigung mit dir vermählt zu werden. - Nimm mich auf, mein Jesus, in das beseligende Brautgemach deiner Liebe und lass mich dort kosten den Kuss deines holdseligen Mundes (Hld 1,1).

Gebet um vollkommene Keuschheit des Seele und des Leibes

O Gott, gnädiger Einwohner keuscher Leiber und reiner Seelen, in deinem göttlichen Wort, durch das alles gemacht ist (Joh 1, 3), erneuerst du dergestalt die in den Stammeltern durch teuflischen Trug verderbte menschliche Natur, dass sie nicht nur die ursprüngliche Unschuld, sondern auch, und zwar schon hienieden, Güter und Gunstbezeigungen erlangt, die dem Jenseits aufbehalten schienen; denn Geschöpfe, die noch das Los der Sterblichkeit tragen, erhebst du hier schon zur Ähnlichkeit der Engel. Sieh denn huldvoll herab auf mich unwürdige Dienerin, die jetzt in deine Hand das Versprechen der Enthaltsamkeit niederlegt.

Dir, o Herr, weihe ich meine Hingebung, von dem ich ja die Gnade empfangen, das Gelöbnis der Keuschheit darzubringen. Denn ach, wie vermöchte eine Seele, in sterbliches Fleisch gehüllt, das Gesetz der Natur, den Reiz der Freiheit, die Macht der Gewohnheit und die Lockungen des jugendlichen Alters zu besiegen, wenn du nicht in freier Gnadenwahl jene Liebe zur Keuschheit entflammtest, das Verlangen darnach in ihrem Herzen nährtest und ihr die nötige Kraft verliehest ? Deine über alle Völker ausgegossene Gnade hat sich huldvoll aus allen unter der Sonne wohnenden Völkern Erben des Neuen Bundes erwählt, unzählbar wie die Sterne am Himmelszelt. Und unter den Tugenden, die du deinen nicht aus dem Blut, noch aus dem Willen des Fleisches, sondern aus deinem Geiste erzeugten Kindern (Joh 1,13) eingesenkt hast, hat deine überströmende Freigebigkeit in einzelne Seelen eine Gabe wundersamer Art eingegossen. Denn ohne durch ein Verbot die Ehre zu schmälern, mit der du die Ehe geadelt hast, vielmehr den Segen bewahrend, den du von Anbeginn dieser heiligen Verbindung verliehen, hast du erhabenere Seelen erkoren, die die Verbindung zwischen Mann und Frau von sich weisend, das Geheimnis zu verwirklichen begehren, das durch die Ehe dargestellt wird, - Seelen, die die irdische Vermählung verschmähend, mit ganzer Liebe die göttliche Vereinigung erstreben, die durch den Ehebund versinnbildet ist.

Die selige Jungfräulichkeit hat ihren Urheber erkannt und eifersüchtig auf die Reinheit der Engel, sich ganz dem Ehebund und Brautgemach dessen geschenkt, der, ein Sohn beständiger Jungfräulichkeit, auch Bräutigam jungfräulicher Seelen sein will. So gib mir denn, o Herr, die ich um deinen Beistand flehe, die ich mich durch das Sakrament deines Segens gestärkt sehen möchte, gib mir Hilfe und schützendes Geleit, damit nicht der alte Feind (der herrlichen Bestrebungen mit feinerer Arglist zu vereiteln trachtet) bei eventueller Fahrlässigkeit meines Geistes sich einschleiche, um mir die Palme vollständiger Enthaltsamkeit anzutasten und es wage, in der Jungfrau jene Festigkeit der Keuschheit zu erschüttern, zu der selbst die Witwe verpflichtet ist.

Begründe in mir durch die Gabe deines Geistes, o Herr, Bescheidenheit, gehütet durch Klugheit, Menschenfreundlichkeit, geleitet durch Weisheit, Sanftmut, gepaart mit Ernst und Freiheit in aller Zucht. Möge meine Liebe glühend sein, einzig dir nur zugewendet, möge ich lobwürdig leben, ohne je nach Lob zu streben. Möge ich dich in Heiligkeit des Leibes und in Reinheit der Seele ohne Ende verherrlichen. Möge in Liebe dich umfangen, dir in Liebe dienen. Sei du mein Ruhm, meine Freude und Glück, in Traurigkeit mein Trost, im Zweifel mein Rat. Sei du in ungerechter Behandlung meine Verteidigung, in Drangsal meine Geduld, in Armut mein Überfluss, in Fasten meine Speise, in Nachtwachen meine ruh, in Siechtum mein Heiltrunk. Möge ich alles in dir haben, den ich über alles zu lieben begehre. Was ich gelobt hab, das lass mich auch halten. Du, der die Herzen erforscht (vgl. Ps 7,10) und dem ich nicht dem Leib, sondern dem Geist nach gefallen soll, lass mich in die Zahl der weisen Jungfrauen übergehen. Unter ihnen will ich mit brennender Lampe und mit dem Öl der Bereitschaft den himmlischen Bräutigam erwarten und durch die unvorhergesehene (vgl. Mt 25, 6) Ankunft des Königs nicht erschreckt, voll Zuversicht in Chor der mir voraneilenden Jungfrauen freudig dir mit der Leuchte zum ewigen Hochzeitsmahl entgegengehen. Dann werde ich nicht ausgeschlossen werden mit den törichten Jungfrauen, sondern kühn mit den klugen den Königssaal eintreten und in der Gefolgschaft des Lammes in ewiger Keuschheit beharren (Pontificale Romanum, Jungfrauenweihe).

Im Andenken an die Übergabe des Ordensschleiers empfange diesen im Geist wieder und sprich:

Responsorium: Der Herr hat mich umkleidet mit dem Gewand des Heils und mich umhüllt mit dem Schleier der Freude und gleich einer Braut mich geschmückt mit einer Krone.

Vers: Der Herr hat mir einen goldenen Halschmuck umgetan und mich geziert mit reichem Gedenkschmuck und gleich einer Braut hat er mich geschmückt mit einer Krone.

Gebet

Eja, o mein Geliebter, aus Tausenden erkoren ! Lass mich ruhen unter dem Schatten deiner Liebe und umhülle mich mit dem Vlies deiner unbefleckten Reinheit. Deine Hand reiche mir den Schleier der Lauterkeit. Regiere mich, führe mich (Aus dem Kirchengebet am 3. Sonntag nach Pfingsten), auf dass ich ihn ohne Flecken mit der hundertfältigen Frucht keuscher Unschuld vor den Richterstuhl deiner Glorie bringe.

Gedenke der Krone, die auf dein Haupt gesetzt wurde und sprich:

Antiphon: Er hat ein Zeichen meinem Antlitz eingeprägt, damit ich keinen anderen Liebhaber außer ihm erkennen soll.

Responsorium: Christus liebe ich, in dessen Brautgemach ich eingegangen bin, dessen Mutter eine Jungfrau ist, dessen Vater keine Frau erkannt, dessen süße Himmelsakkorde bereits an mein Ohr klingen. Wenn ich ihn liebe, bin ich keusch; wenn ich ihn berühre, bin ich rein, wenn ich ihn empfange, bin ich Jungfrau.

Vers: Honig und Milch hab' ich empfangen aus seinem Mund und sein Blut hat meine Wange gerötet. Wenn ich ihn liebe, bin ich keusch; wenn ich ihn berühre, bin ich rein, wenn ich ihn empfange, bin ich Jungfrau.

Gebet

Eja, o Jesus, mein Bruder (Hld 8,1) und Bräutigam, großer König, Gott und Lamm, drücke, o drücke in das Antlitz meiner Seele so tief sein Malzeichen ein, dass ich unter der Sonne nichts erwähle, nichts wolle, nichts liebe denn dich. Ach, würdige dich, aller Lieben Liebster, durch den Bund geistlicher Vermählung dich so eng mit mir zu vereinigen, dass ich in unlösbarer Liebe, die stärker ist, als der Tod (Hld 8, 6), deine wahre Braut und Vermählte werde.

Zur Erinnerung an den Ring, den man dir angesteckt hat, bete:

Antiphon: Seinen Ring hat mir der zum Pfand gegeben, der an Adel und würde alle Menschen überstrahlt.

Responsorium: Schon ist sein Leib meinem Leib verbunden und sein Blut hat meine Wangen gerötet, - dessen Mutter eine Jungfrau ist, dessen Vater keine Frau erkennt.

Vers: Ihm bin ich verlobt, dem die Engel dienen, dessen Schönheit Sonne und Mond anstaunen.

Gebet

Eja, mein Jesus, du Blüte und Frucht jungfräulicher Keuschheit, mein bestes Erbteil, meine königliche Aussteuer, der du mich mit dir mit dem Ring der Treue, mit dem Siegel deines Geistes vermählt hast, mache mich deiner würdig, du meine lebendige Lilie, meine liebreichste Blume. Lass mich deiner brennenden Liebe so untrennbar geeint werden, dass ich vor Liebe und Sehnsucht, bei dir zu sein, nach dem Tod dürfte. Lass den Bund, den du mit mir geschlossen, dergestalt mein Herz mir rauben, dass es in Zukunft nicht mehr in mir sei, sondern in unteilbarer Liebesvereinigung bei dir wohne.

Responsorium: Das Reich der Welt und allen Erdenschmuck hab' ich verschmäht aus Liebe zu meinem Herrn Jesus Christus: den ich gesehen, den ich geliebt, an den ich geglaubt und erkoren habe.

Vers: Heftig bewegt ist mein Herz von guter Rede; ich sag': "mein Werk dem König" (Ps 45, 1), den ich gesehen, den ich geliebt, an den ich geglaubt und erkoren habe.

Gebet

Verleihe, allmächtiger Gott, ich bitte dich, dass ich, deine unwürdige Dienerin, die ich mich in der Hoffnung ewiger Vergeltung dir, o Herr, zu weihen verlange, in diesem heiligen Vorhaben mit gläubig-treuem und beständigem Herzen beharre. Allmächtiger Vater, heilige mich in Gnaden, segne mich, weihe mich dir auf immer. Gib mir Demut, Keuschheit, Gehorsam, Liebe und reiche Fülle aller guten Werke. Gewähre mir, o Herr, für meine armseligen Werke die verheißene Glorie, für mein gesittetes Leben Ehrbarkeit, für meine keusche Behutsamkeit die Gnade der Heiligkeit, damit ich mit deinen heiligen Engeln einst ewiglich preisen darf deine glorreiche Majestät. Amen.

Gedenke des bischöflichen Segens und erflehe dir dafür den Segen der ganzen erhabenen Dreifaltigkeit:

Es segne mich und wirke mit mir die milde Vaterschaft Gottes des Vaters und die Gottheit seiner Majestät.

Es segne mich und vollende ,eine Einigung die süße Verwandtschaft meines Gottes Jesu Christi und das Band seiner menschlichen Bruderschaft.

Es segne mich und mache mich fruchtbar die süße Zärtlichkeit des Heiligen Geistes und seine feurige Liebe.

Es segne, festige und stärke mich die ganze erhabene Dreifaltigkeit.

Es segne mich auch und verbinde mich mit sich die glorwürdige Menschheit meines Gottes Jesus Christus, der in seiner Huld von der Welt mich auserwählt, durch seinen Tod mir das Übermaß seiner Liebe bewiesen und zur Ehre seiner Vermählung mich berufen hat. Ach, dass diese heilbringende, belebende und teure Segnung mir die Vollkommenheit aller Tugenden gewinne und mich in der unversehrten und unentweihten Keuschheit behüte, die ich gelobt habe. Dass sie mich stärke, meinen Vorsatz zu halten, die Demut zu üben, die Keuschheit zu lieben, die Geduld zu bewahren und in aller Heiligkeit bis ans Ende zu verharren. Dass sie mich würdig mache, nach diesem Leben die Krone der Keuschheit zu empfangen und in weißen Gewand unter den Lilienscharen der Jungfrauen dir, dem makellosen Lamm, dem Sohn der Jungfrau Maria, der Blume der Jungfräulichkeit, zu folgen, wohin du gehst (Offb 14, 4). Amen.

Bitte nun den erbarmungsvollen Herrn, dich den Händen seiner lilienreinen Mutter, der Jungfrau Maria, zur Hut zu übergeben, wie der Bischof die Nonne der äbtissin übergibt.

O Jesus, du mein allerteuerster Freund, du meines Herzens Vertraulichster. Vertrau und befiehl mich nun deiner Mutter der jungfräulichen Königsrose, die mir um deiner Liebe willen fort und fort Führerin und Hort meiner Junfräulichkeit sein soll. Übergib mich jenen zarten Händen, die dich, den Sohn Gott des Vaters, genährt und groß gezogen haben, dass sie meinen Vorsatz, keusch zu sein, schützen und fördern und mich auf dem Weg jungfräulicher Reinheit und lauterer Enthaltsamkeit ohne Makel führen und bewahren. Eja, eja, sprich zu jener jungfräulichen Rose: "Nimm diese auf in die Obhut deiner Mütterlichkeit, ich empfehle sie dir mit aller Kraft meiner göttlichen Liebe. Sieh, Mutter, dass du sie mir einst makellos wieder vorstellst und ganz nach meinem Herzen erzogen zurückgibst." Amen.

Als Danksagung bete jetzt das Te Deum: Dich, Gott loben wir; dich, Herr preisen wir.

Dich, den ewigen Vater, verehrt der ganze Erdkreis.

Dir lobsingen alle Engel; dir alle Himmel und alle Kräfte.

Dir rufen alle Cherubim und Seraphim mit nimmermüder Stimme zu:

Heilig, heilig, heilig bist du, Herr Gott Sabaoth.

Himmel und Erde sind voll von der Herrlichkeit deines Ruhmes.

Dich lobt der glorreiche Chor der Apostel !

Dich preist die ruhmvolle Schar der Propheten.

Dir jubelt zu der Blutzeugen schimmernd Heer.

Dich bekennt die heilige Kirche durch die ganze weite Welt.

Dich, den Vater voll unermesslicher Herrlichkeit.

Deinen wahren, einzigen, anbetungswürdigen Sohn.

Den Heiligen Geist auch, den Tröster.

Christus, König der Herrlichkeit.

Du bist der ewige Sohn des Vaters.

Du hast, den Menschen zu erlösen, den Schoß der Jungfrau nicht gescheut.

Du hast des Todes Stachel überwunden und den gläubigen die Reiche der Himmel erschlossen.

Du sitzest zur Rechten Gottes in der Herrlichkeit des Vaters.

Du wirst als Richter wiederkommen, wie uns der Glaube lehrt.

Dich bitten wir daher: komm deinen Dienern zu Hilfe, die du mit deinem kostbaren Blut erlöst hast.

Lass unsere Namen einst mit deinen Heiligen im Land der ewigen Glorie genannt werden.

Hilf Herr deinem Volk, und segne dein Erbe.

Und leite sie und erhöhe sie ewiglich.

Alle Tage wollen wir dich preisen,

Deinem Namen wollen wir loben ewig, ja, immer und ewig.

Erhalt uns heute, Herr, von Sünde frei.

Erbarme dich unser, Herr, erbarme dich unser.

Deine Barmherzigkeit, Her, sei über uns, gleichwie wir auf dich hoffen.

Auf dich, Herr, vertraue ich: lass zuschanden werden mich nimmer auf ewig.

Dankgebet

Heilige Dreifaltigkeit, aus der der Gottheit leben, Liebe und Weisheit strahlt ! Vater, Urquell aller Kraft, dessen Weisheit gleichwesentlich, dessen Süßigkeit überströmend, dessen Liebesglut entzündend, dessen Heiligkeit über alle Wesen ausgegossen ist, dessen Güte alles erfüllt: dir sei meines Herzens Lob, Ehre und Ruhm geweiht, dir sei Dank und Macht und Klarheit.

Ewiges Wort ! Hochragende Zeder des Libanon, die du weit über die Cherubim mit königlicher Majestät die Zweige deiner Gottheit breitest: bis in die Tiefen dieses Jammertals bist du gern herabgestiegen, ein armes Ysoppflänzlein aufzusuchen, es hochzeitlich zu umfangen und bräutlich zu lieben.

Und du, o Gott, du Liebe, einigendes Band der heiligen Dreifaltigkeit ! Du suchst deine Ruhe und Freude unter den Menschenkindern, bei heiliger Keuschheit, die hinieden durch die Kraft deiner Liebesfülle in Himmelslust erglüht, wie die Rose, die man unter Dornen bricht.

O Liebe, o Liebe ! Welcher Weg führt mich zu diesem herrlichen Land ? Wo ist der Pfad zu den Weiden des Geistes ? Wo, ach wo ist dieser Weg des Lebens, der zu den gottbetauten Auen führt, die die um Leben und zur Wahrheit führen. In dir vollendet sich das wundervolle Bündnis der heiligen Dreifaltigkeit. Du spendest kostbarere Geistesgaben (1 Kor 12, 31). Du streust den Samen aus, der die reichsten Lebensfrüchte hervorbringt. Aus dir träufelt der süße Honig der Freude Gottes. Dir entquellen gleich fruchtbarem Regenschauer (Ps 72, 6) die Segnungen des Herrn der Heerscharen, die teuren Pfandgüter des Geistes, die auf unserer armen Erde, ach so selten sind !

O Liebe, Liebe ! Bereite mir zu dir den Pfad der schönen Liebe (Sir 24, 24). In keuscher Liebe, im Liebesbund heiliger Vermählung, will ich dir immerdar folgen, wohin du gehst, bis zu den Höhen, wo du waltend und herrschend in vollkommener Majestät deiner Gottheit, in freudiger Einigung deiner lebendigen Liebe und in der belebenden Freundschaft deiner feurigen Gottheit die jubelnden Chöre mit dir durch den Himmel führst, jene tausendmal Tausende strahlender Jungfrauen, die, geschmückt wie du, mit schneeweißem Gewand, frohlockend süße Lieder ewiger Vermählung singen. Inzwischen, eja ! Jesus, meine Liebe, schirme mich in diesem Elend unter dem Schatten deiner Liebe, auf dass ich nach dieser Verbannung von dir geleitet, unbefleckt eintrete in dein Heiligtum. Dort gib mir Platz unter den jungfräulichen Scharen. Dort labe mich mit der Quelle deiner göttlichen Freundschaft. Dort sättige mich im Genuss deiner freudensüßen Liebe. Amen. Amen. Ja, alles sage: Amen.

Vierte Übung: Erneuerung der Ordensprofess

Für den Tag der Gelübdeerneurung

-wenn du deine Prfofess oder dein Gelübde erneuern und dic dadurch zu neuem, geistlichen Eifer anspornen willst, so opfere dich Gott als ein lieblich duftendes Brand- und Schlachtopfer auf durch folgende sehnsuchtsvolle Flammengebete:

Allmächtiger, barmherziger, gütiger, milder und huldvoller Vater, der du bereit bist, die Missetat zu verzeihen, um der dir ureigenen Mildherzigkeit willen, um der Liebe gegen deine überaus teure Mutter, die Jungfrau Maria, unsere ruhmreiche Schützerin und durch die Fürsprache unseres heiligen Vaters Benedikt, unseres ehrwürdigen Gesetzgebers, flehe ich zu deiner überschwänglichen Barmherzigkeit, du wollest heute mich armes dürres Reislein (das seit seiner Übertragung und Einpflanzung in das Erdreich dieses heiligen Ordens die Frist nicht benützt, sondern, ach die ganze Zeit seines Lebens in vieler Fruchtlosigkeit verbracht hat) mit deinem erbarmenden und liebewarmen Blick gnädiglich ansehen. Ach, lass mich in dir ganz erstarken, wieder grünen und geheiligt in der Wahrheit (Joh 17,19) von neuem aufblühen, um eine wahre Pflegern der Beschaulichkeit, eine treue Beobachterin des geistlichen Lebens zu werden, um dir, meinem Liebhaber, Früchte jeglicher Tugend und Heiligkeit zu bringen und dereinst zur Zeit der Weinlese, das ist am Tag meines Heimgangs, ganz vollkommen geworden im Ordensleben, völlig ausgereift und vollendet vor dir erfunden zu werden. Amen.

Verlange zuerst den Segen:

Mein Gott, meine süße Liebe ! Segne mich durch deine göttliche Allmacht, Weisheit und Güte und bewirke, dass ich mit bereitwilligem Gehorsam dir folge, mich selbst wahrhaft verleugne (Mt 16, 24) und mit eifrigem Herzen, mit Geist und Seele aufs vollkommenste dir nachfolge. Amen.

Flehe hier um die Gnade des Heiligen Geistes.

O meine Freude, meine Liebe ! O Gott, meine Barmherzigkeit ! Eja, sende von den Höhen deinen Heiligen Geist hernieder (Ps 14, 30) und schaff in mir ein neues Herz und einen neuen Geist (Ez 11,19). Deine heilige Salbung belehre mich über alles (1 Joh 2, 27): den dich habe ich auserlesen unter Tausenden (Hld 5,10), dich liebe ich über alle andere Liebe, ja, inniger als meine Seele. Lass die Tugendkraft meiner Seele in jenem Schmuck der Liebe und jener heiligen Schönheit erglänzen, die du begehrst. Nach dir geht meines heißes Verlangen: o, so lass mich wohl geziert vor deinem Angesicht erscheinen. Amen.

Vernimm nun aufs neue den Einladungsruf des Bischof "Venite!" "Kommet!", und antworte auch heute:

Ja, sieh, ich komme zu dir, - zu dir, den ich geliebt, an den ich geglaubt, den ich geliebt und erkoren habe.

Gebet

Du bist die Lust meines Geistes, du, mein Jesus, meines Herzens und Mundes Lobgesang, ich will dir folgen, wohin du gehst (Offb 14, 4). Wenn du mein Herz dir erkoren hast und es zu eigen besitzest, so kannst du mir in Ewigkeit nicht entrissen werden.

Bei der zweiten Aufforderung des Bischofs: "Venite !" "Kommet!", sprich:

Ja, sieh, ich komme zu dir, - zu dir, den ich geliebt, an den ich geglaubt, den ich geliebt und erkoren habe.

Gebet

Ja unzertrennlicher Liebesumarmung drücke ich dich, mein Jesus, mein Vielgeliebter, an mein Herz. Sieh mit der ganzen Liebe meines Herzens halte ich dich umschlungen und wenn du auch tausendmal zum Abschied mich segnest, nimmermehr will ich dich lassen (Gen 32, 26).

Bei der dritten Aufforderung des Bischofs: "Venite, filiae!" "Kommet, ihr Töchter!", bete:

Ja, sieh, ich komme zu dir, - zu dir, den ich geliebt, an den ich geglaubt, den ich geliebt und erkoren habe.

Gebet

Für mich, Sohn Gottes, lobe dich all die Wirksamkeit und Kraftfülle deiner Gottheit, für mich leiste Genugtuung all die Herzlichkeit und Liebe deiner heiligen Menschheit; für mich rühme, preise und verherrliche dich in dir selbst all die Erhabenheit und Majestät der erhabenen Dreifaltigkeit mit jenem höchsten Lob, worin du dir einzig selber genügt und aller Geschöpfe Mangel vollkommen aus dir selber ergänzest.

Bei der dritten Einladung des Bischofs: "höret mich, die Furcht des Herrn will ich euch lehren", bete:

Eja, Jesus, guter Hirte, lass mich deine Stimme hören und erkennen (Joh 10,11 ff). Nimm mich auf deinen Arm (Jes 40,11). Lass mich, dein aus deinem Geiste geborenes und genährtes Schäflein, in deinem Schoße ruhen (2 Sam 12, 3). Dort unterweise mich, dich zu fürchten. Dort lehre mich, dich zu lieben. Dort unterrichte mich, dir nachzufolgen. Amen.

Antiphon: Tretet hin zu ihm, lasst euch erleuchten und euer Angesicht wird nicht beschämt werden (Ps 34, 6).

Gebet

Sieh, ich trete hin zu dir, verzehrendes Feuer (Dtn 4, 24; Hebr 12, 29), o mein Gott. Eja, in der Feuerlohe deiner Liebe verschlinge, verzehre mich, lass mich ganz aufgehen in dir, mich armes Staubkörnlein. - Sieh, ich trete hin zu dir, mein süßes Licht. Eja, lass dein Antlitz über mir leuchten (Ps 119,135), dass meine Finsternis sich vor dir wandle in hohe Mittagshelle. - Sieh, ich trete hin zu dir, o glückselige Einigung. Eja, mache mich eins mit dir in der lebendig umschmelzenden Liebesglut.

Bete nun den Psalm: "Domini est terra".

Psalm 24

Des Herrn ist die Erde und ihre Fülle, der Erdkreis und alle, so ihn bewohnen.

Denn über Meere hat er ihn gegründet und über Ströme ihn gefügt.

Wer darf hinan zum Berg des Herrn steigen, wer stehen an seiner heiligen Stätte ?

Wer reine Hände hat und lauteren Herzens ist, wer nicht an Eitles seine Seele hängt und nicht falsch seinem Nächsten schwört;

Nur der wird Segen vom Herrn empfangen und Huld von seinem Gott und Heiland.

So das Geschlecht all derer, die ihn suchen, die suchen das Antlitz des Gottes Jakobs.

Erhöhet, Fürsten, eure Tore. Erhebt euch, ew'ge Pforten, dass Einzug halte der König der Glorie.

"Wer ist dieser Glorienkönig?" Der Herr ist es, der Starke, Mächtige, der Herr, der Mächtige im Krieg.

Erhöhet, Fürsten, eure Tore. Erhebt euch, ew'ge Pforten, dass Einzug halte der König der Glorie.

"Wer ist dieser Glorienkönig?" Der Herr der Heerscharen, er ist der König der Glorie.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, so jetzt und immer und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Antiphon: Dies ist das Geschlecht derer, die den Herrn suchen, derer, die suchen das Antlitz des Gottes Jakobs.

Gebet

Schreibe mich ein, o süßer Jesu und zähle mich zum Geschlecht derer, die dich kennen, o Gott Israels, - zum Geschlecht derer, die dein Antlitz suchen, o Gott Jakobs (Ps 24, 6), - zum Geschlecht derer, der dich lieben, o Gott Sabaoth. Eja, dass ich mit schuldlosen Händen und lauterem Herzen von dir, o Gott, meinem Heiland, Segen und Erbarmen empfange !

Hier bete den Psalm: "Miserere":

Psalm 51

Erbarme dich meiner, Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit und nach der Fülle deiner Barmherzigkeit tilge meine Missetat.

Ach, mehr und mehr wasche mich von meiner Schuld und reinige mich von meiner Sünde.

Denn ich erkenne meine Missetat, und meine Sünd' ist immerdar gen mich.

Dir allein hab' ich gesündigt und was bös vor dir, hab' ich getan, dass du gerecht in deinen Sprüchen und siegreich seist, wenn man sich richtet.

Denn sieh, in Ungerechtigkeit bin ich empfangen und mich empfing in Sünden meine Mutter.

Sieh doch, du liebst die Wahrheit, hast die Geheimnisse und Tiefen deiner Weisheit mir geoffenbart.

Bespreng mit Ysop mich, so wer' ich rein; wasche mich, so werd' ich weißer denn der Schnee.

Gib mir zu hören Freud' und Freude und es wird jauchzen mein zerschlagenes Gebein.

Wend ab dein Angesicht von meinen Sünden und tilge alle meine Missetaten.

Ein reines Herz erschaff in mir, o Gott und den rechten Geist erneu in meinem Innern.

Verstoß mich nicht von deinem Antlitz und deinen Heiligen Geist nimm nicht von mir.

Gib mir die Freude deines Heils zurück und in Fürstengeist befestige mich.

Die Sünder will ich deine Wege lehren und die Gottlosen werden sich zu dir bekehren.

Befrei von Blutschuld mich, o Gott, Gott meines Heils und meine Zunge soll preisen deine Gerechtigkeit.

Herr, öffne meine Lippen, so wird mein Mund dein Lob verkünden.

Denn hättest Opfer du gewollt, fürwahr, ich hätte sie gegeben; doch an Brandopfern hast du kein Wohlgefallen.

Opfer vor Gott ist ein zerknirschter Geist; ein zermalmtes und gedemütigtes Herz, o Gott, verschähst du nicht.

Üb Gnade, Herr, in deiner Huld an Sion, dass wieder erstehen Jerusalems Mauern.

Dann nimmst du das Opfer der Gerechtigkeit entgegen, Gaben und Ganzopfer; dann legt man Opfertiere auf deinen Altar.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, so jetzt und immer und in Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Antiphon: Ein reines Herz erschaff in mir, o Gott und den rechten Geist erneu in meinem Innern.

Gebet

Tauche mich ein und versenke mich tief in den Abgrund deiner Liebe. Eja, o Liebe, als unverdientes Huldgeschenk wasche mich von jeglichem Flecken im Bad deiner Gnade und erneuere mich ganz in dir, mein wahres Leben.

Bete jetzt den Psalm "Qui habitat":

Psalm 91

Wer in der Hilfe des Höchsten wohnt, der weilt im Schutz des Himmelsgottes.

Er spricht zum Herrn: "Du bist mein Hort und meine Zuflucht, mein Gott!" - auf ihn vertraue ich.

Denn er befreit mich aus der Jäger Schlinge und vom herben Wort.

Mit seinen Schwingen wird er dich umschatten und unter seinen Fittichen wirst du getrost sein.

Mit einem Schild umgibt dich seine Treue, du brauchst nicht zu zagen vor nächtigem Schrecken,

Nicht vor dem Pfeil, der bei Tag fliegt, nicht vor dem Unding, das im Finstern schleicht, nicht vor des Dämons Überfall am Mittag.

Mögen Tausend fallen an deiner Seite, Zehntausend dir zur Rechten, dir wird es sich nicht nahen.

Doch wirst du es mit deinen Augen schauen und sehen en Lohn der Frevler.

Fürwahr, du, Herr, bist meine Hoffnung!" Den Allerhöchsten hast du dir zur Zuflucht gesetzt.

Drum wird kein Missgeschick dich treffen und die Geißel deinem Zelt nicht nahen.

Denn seinen Engeln hat er deinetwegen befohlen, dich zu behüten auf allen deinen Wegen.

Auf Händen werden sie dich tragen, dass du an keinen Stein den Fuß dir stoßest.

Über Natter und Königsschlange wirst du schreiten, zertreten Löwen und Drachen.

"Weil er auf mich vertraut hat, rett' ich ihn; ich schirme ihn, weil er meinen Namen kennt.

Er ruft zu mir und ich erhöre ihn; ich bin bei ihm in der Bedrängnis, reiß' ihn heraus und bringe ihn zu ehren;

Mit langem Leben will ich ihn sättigen und schauen lassen ihn mein Heil."

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, so jetzt und immer und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Antiphon: Wer in der Hilfe des Höchsten wohnt, der wilt im Schutz des Himmelsgottes.

Gebet

O du Beschützer meiner Seele und mein Hort in schlimmen Tagen ! In jeglicher Versuchung umschatte mich mit den Fittichen deines Schutzes und umgib mich mit dem Schild deiner Treue. In jeglicher Bedrängnis sei du selber bei mir, du meine Hoffnung ! In jeglicher Gefahr Leibes und der Seele verteidige und beschütze mich alllezeit, und eja, nach diesem Elend zeige mir dich selbst, o du mein holdseliges Heil. Amen.

Litanei

Herr, erbarme dich meiner.

Christus, erbarme dich meiner.

Herr, erbarme dich meiner.

Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, gib dass mein Herz dich fürchte, dich liebe, dir folge: denn du bist meine wahre Liebe.

Heilige Maria, du Paradies der Heiligkeit, du Lilie der Reinheit, sei die Führerin und Hüterin meiner Keuschheit: denn in dir ist alle Gnade des Lebens und der Wahrheit (Sir 24, 25).

Alle heiligen Engel und Erzengel, erlangt mir, mit Leib und Seele jenem großen König wohlgefällig zu dienen, dem dienen herrschen ist (Schlussgebet der Friedensmesse), und vor dessen Angesicht ihr dienend steht, unverdrossen, mit unaussprechlichem Jubel.

Heiliger Täufer Johannes, erlange mir von jenem wahren Licht erleuchtet zu werden, von dem du Zeugnis u geben gekommen bist (Joh 1, 8).

O mein Vater Abraham, erlange mir jenen Glauben und jenen Gehorsam, der dich zur Freundschaft des lebendigen Gottes erhoben hat.

O gottgeliebter Moses, erlange mir jenen Geist der Sanftmut, des Friedens und der Liebe, der dich würdig gemacht hat, mit dem Herrn der Majestät zu reden von Angesicht zu Angesicht.

O König David, du erlauchter Prophet, erlange mir die Unversehrtheit der Treue, der Bereitwilligkeit und Demut, die dich zum Mann nach dem Herzen Gottes gemacht hat, so dass du dem göttlichen König in Wahrheit lieb und wert gewesen bist.

Ihr heiligen Erzväter und Propheten allzumal, erlangt mir den Geist des Verständnisses und der Weisheit.

Heiliger Petrus, du Fürst der Apostel, kraft deiner Vollgewalt (Mt 16,19) löse mich von den Banden all meiner Sünden.

Heiliger Paulus, du Gefäß der Auserwählung (Apg 15), erlange mir die Gnadengabe wahrer Liebe.

Heiliger Johannes, meinem Herzen so teuer, Jünger, den Jesus lieb hatte (Joh 21, 7), erlange mir jene Frömmigkeit, Unschuld und Heiligkeit des Geistes, wie sie von mir jener Lilie Blüte und Sohn begehrt, deren zärtlicher Wächter du warst.

Alle heiligen Apostel, ihr Brüder und Freunde meines Bräutigams Jesus Christus, erlanget mir, dass ich ihm in unauflöslicher Liebe geeinigt werde.

Heiliger Stephan, du erlesener Erzmärtyrer, um der Liebe Christi willen erlange mir, dass ich nach dem Martyrium dürste, damit mir zu Hilfe eile, der dir im Tod seinen Trost verlieh.

Heiliger Laurentius, du unbesiegter Streiter, erlange mir jene Liebe, die stärker ist als der Tod, durch die du die Flammenglut und den Peiniger überwunden.

Heiliger Georg, du Blume der Blutzeugen, erlange mir unbesiegbaren Mut im Dienst Gottes.

Alle heiligen Märtyrer, erlangt mir sanfte Geduld, damit ich aus Liebe zu Jesus bereit bin, Leib und Leben einzusetzen.

Heiliger Gregor, du apostolischer Hirte, erlange mir, dass ich in dem von mir erwählten heiligen Ordensstand bis an mein Lebensende mit Ausdaer wachsam sei.

Heiliger Augustin, du Spiegel der Kirche, erlange mir die Gnade, ganz Gott und der Kirche zu leben.

O hochedler Grundpfeiler des ganzen Ordensstandes, mein heiliger Vater Benedikt, du Gottgeliebter, erlange mir in der Strenge des geistlichen Lebens solche Standhaftigkeit, dass ich den Ehrenpreis des ewigen Lebens mit dir erhalte.

Alle heiligen Bekenner, erlangt mir die Gnade, umkleidet zu werden mit Bekenntnis und Schönheit (vgl. Ps 96, 6), auf dass mein ganzes Leben und Handeln Gott bekenne, wie er erbarmungsreich ist in jeglichem Werk.

Heilige Katharina, von göttlicher Liebe verwundet, erlange mir, dass ich alles Irdische verschmähend, Jesus allein begehren möge.

Heilige Agnes, du zartes Lämmlein, das dem Lamm folgt, erlange mir, dass ich meinem Bräutigam Jesus liebe mit glühender Liebe, ihn, von dessen Liebe gefangen, du dich rühmtest, ein Unterpfand seiner Treue erhalten zu haben und eingetreten zu sein in sein Brautgemach.

Heilige Maria Magdalena, du glühendste Liebhaberin Jesu Christi, erlange mir, dass ich alle Pflichten des heiligen Ordensstandes aufs sorgsamste erfülle.

Alle heiligen Jungfrauen und Witwen, erlangt mir die Gnade, in aller Heiligkeit des geistlichen Lebens so fortzuschreiten, dass ich hundertfältige Frucht bringen möge (Lk 8, 8).

Alle Heiligen und Auserwählten Gottes, erlangt mir eine so vollständige Treue in Beobachtung der heiligen Ordensregel, dass ich mit euch in das Heimatland des ewigen Lebens einziehe, das nur Freude kennt und wo Gott alles in allem ist (1 Kor 15, 28).

Sei gnädig, o Herr, meinen Sünden und Säumnissen und ergänze in Gnaden alles Trümmerhafte in meinem verlorenen Lebenswandel durch deinen vollkommenen Wandel.

Von Verzagtheit und stürmischer Aufregung des Geistes (Ps 55, 9), von aller Verderbtheit und Sinnenlust des Herzens, von aller Verblendung und Fruchtlosigkeit der Seele, von aller Fahrlässigkeit und Bosheit der Sitten, - erlöse mich, o Herr.

Durch dein tiefinnerstes väterliches Mitleid gib mir Einsicht (Ps 119, 54) und unterweise du selbst mich in dem Geist des heiligen Ordenstandes, den ich zur Stunde vor deinem Angesicht gelobe; denn ohne dich bekenne ich, nichts zu sein, nichts zu wissen, nichts zu vermögen.

Durch Maria, deine Gebärerin, führe mich auf fleckenlosem Weg (Ps 101, 6), dass ich dir wohlgefällig werde an Leib und Seele.

Ich, deine unwürdige und verlorene Tochter, die ich, ach durch meine Sünden des Namens einer Tochter verlustig geworden, ich setze mein Vertrauen in deine väterliche Huld und bitte dich: blicke auf mich nach der Menge deiner Erbarmungen und tilge gnädig alle meine Missetaten, - erhöre mich.

Dass du mir im heiligen Ordensstand einen unbesiegbaren Geist, ein zerknirschtes Herz, ein williges Gemüt und einen der Seele gefügigen Leib verleihen wollest: - wir bitten dich, erhöre uns.

Dass du mir die Gnade, den Geschmack und die Freudigkeit zum geistlichen Leben eingießen wollest: - wir bitten dich, erhöre uns.

Das ich, durch deine Gnade völlig der Welt entsagend, mich rückhaltlos und mit ganzer Inbrunst dir ergeben möge: - wir bitten dich, erhöre uns.

Dass du mir helfen wollest, diesen heiligen Ordensberuf getreu auszuüben und in diesem Vorsatz zu beharren: - wir bitten dich, erhöre uns.

Dass du uns allen, dir dir an dieser Stätte dienen, Eintracht des Geistes durch das Band der Liebe und des Friedens (Eph 4, 3) schenken und uns nach diesem Leben zu dem verheißenen Lohn deiner Glorie führen wollest: - wir bitten dich, erhöre uns.

Dass du mich in der Vollmacht deiner Gottheit von allen Sünden lossprechen, im heiligen Vorsatz kräftigen und mit der ganzen Liebe deiner Menschheit dich mir gnädig erweisen und endlich all diese Bitten vollständig gewähren wollest: - wir bitten dich, erhöre uns.

Jesus, Sohn des lebendigen Gottes (Mt 16,16), dir allein ist ganz der Grund meiner Sehnsucht bekannt: lass mich nach deinem Herzen werden: - wir bitten dich, erhöre uns.

O du Lamm Gottes, auf dem Weg, den ich wandle, erfasse meine Rechte, damit ich nicht ermatte.

O du Lamm Gottes, was ich in deinem Namen begonnen, lass es mich mit deiner Gnade getreulich vollführen.

O du Lamm Gottes, verleihe, dass ich durch meine Sünden nicht gehemmt, vielmehr durch dein Erbarmen in all diesen Anliegen gefördert werde.

Christus, höre mich und in der Stunde des Todes erfreue mich in deinem Heil.

Herr, erbarme dich meiner.

Christus, erbarme dich meiner.

Herr, erbarme dich meiner.

Gebet

O Gott, aller Tugenden kunstreichster Pflanzer und Pfleger, lass mich, so unwürdig ich bin, als winziges Samenkörnlein deiner guten Saatfrucht mächtig erstarken im Vorsatz des heiligen Ordenslebens, zu tausendfältiger Frucht der Vollkommenheit gedeihen und in deinem heiligen Dienst bis an mein Ende treu und mutvoll ausharren.

Rufe die göttliche Weisheit um ihren Beistand an durch folgenden Gebetsspruch:

Responsorium: Sende herab, o Herr, vom Thron deiner Hoheit die Weisheit, auf dass sie bei mir sei und mit dir wirke, damit ich wisse, was allzeit vor dir wohlgefällig ist (Weish 9,10).

Vers: Gib mir, Herr, die Weisheit, die in deinem ewigen Rat sitzt (Weish 9, 4), damit ich wisse, was allzeit vor dir wohlgefällig ist.

Hier überreiche dem Herrn die Urkunde, die du bei deiner Profess unterzeichnet hast und sprich:

Mein heißgeliebter Jesus, mit dir wünsche ich die Regel der Liebe anzunehmen, um in dir mein Leben erneuern und hinbringen zu können. Eja, stelle mein Leben unter die Hut deines Heiligen Geistes, damit ich stets zur Erfüllung deiner Gebote eifrig und bereit erfunden werde. Mache meinen Charakter dem deinigen ähnlich und gründe mich fest in deiner Liebe und in deinem Frieden. Lege die Liebe wie einen Lichtring um meine Sinne. Lehre, leite und unterweise du allein mich im Innersten meines Herzenskämmerleins. Meinen Geist ziehe so mächtig, so tief in deinen Geist hinein, dass ich in Wahrheit völlig in dir begraben sei und in der Vereinigung mit dir gänzlich in dir aufgehe, und dass um mein Begräbnis niemand wisse, als deine Liebe allein. Diese Liebe möge mich mit ihrem Siegel schließen und dir überweisen zu untrennbarer Gemeinschaft. Amen.

Wende dich zum Herrn und sinne nach, welchen Akt des Gehorsams seine Liebe dir zunächst auferlegt:

Mein Geliebter ruft mir zu: "Setze mich wie ein Siegel auf dein Herz und auf deinem Arm, denn stark wie der Tod ist die Liebe" (Hld 8, 6).

Rüste dich in aller Bereitwilligkeit, mit dem Herrn den Weg der schönen Liebe anzutreten:

Responsorium: Ich will dich lieben, Herr, meine Stärke: der Herr ist meine Feste, meine Zuflucht und mein Erretter (Ps 18, 2).

Vers: Lobpreisend will ich den Herrn anrufen und ich werde vor meinen Feinden sicher sein (Ps 18, 4): der Herr ist meine Feste, meine Zuflucht und mein Erretter.

Nimm das Joch der Regel wieder auf dich:

Nimm mich auf (Ps 119,116), heiliger Vater, in deine huldvolle Vaterschaft, lass mich in der Rennbahn (1 Kor 9, 24) dieses heiligen Berufes, in der ich dir zulieb zu laufen begonnen, dich selbst zum Preis und ewigen Erbteil erlangen. - Nimm mich auf, lieber Jesus, in deine zärtliche Bruderschaft, trage mit mir die ganze Tageslast und -hitze (Mt 20,12), sei mir in all meiner Arbeit Trost, auf meiner Wanderung Begleiter, Führer und Genosse. - Nimm mich auf, Gott der Liebe, Heiliger Geist, in deine zärtliche Erbarmung und Liebe, sei mir Lehrmeisterin in meinem ganzen Leben und vertrauter Liebhaber meines Herzens.

Hier wirf dich vor dem Herrn nieder und bete:

Herr, erbarme dich meiner.

Christus, erbarme dich meiner.

Herr, erbarme dich meiner.

Bete jetzt das "Miserere" (Ps 51), wie oben.

Gebet

Sieh mich zu deinen Füßen, liebreicher Vater. Sieh, meine Sünden haben eine Scheidewand errichtet zwischen dir und mir. Eja, erbarme dich meiner nach der Fülle deiner Barmherzigkeit und zerbrich die Mauer meines alten Wandels, die mich von dir trennt (Jes 5, 5). Zieh mich mit solcher Gewalt an dich, dass ich in der Süßigkeit deiner unauslöschlichen Liebe dich freudig umfange und dir nachfolge.

Gebet

Eja, mildherziger Jesus ! Das Wollen liegt mir zwar nahe, doch das Vollbringen find' ich nicht (Röm 7,18) in meiner menschlichen Gebrechlichkeit. So gib mir denn mitwirkende Gnade. Bekehre durch das makellose Gesetz deiner Liebe mein Herz zu dir, dass ich, den Weg deiner Gebote unermüdlich laufend (Ps 119, 32), dir unzertrennlich anhange. Sei immerdar mit mir, o Herr, meine Hilfe und Kraft in dem Werke, das ich deiner Liebe zulieb auf mich genommen habe.

Empfange nun im Geiste das heilige Gewand und sprich:

Ich bin nur ein elendes Schilfrohr, das dein blütenfrischer Anblick in eine Lilie verwandelt, das deine göttlich-erhabene Rechte tief unten im Tal heiliger Demut gepflanzt hat, an den Uferrand deines überfließenden Liebesstromes, wo die Wasser deiner wunderbaren Nachsicht und Vatergüte quellen. O, so komm, hochedle Liebe, liebliche Morgensonne, komm und lass durch den befruchtenden Hauch deines Geistes mich dürres Gräslein deiner Pflanzung (die ich ganz und gar nur ein eitles Nichts bin) aufs neue wieder grünen und in dir aufblühen. Lass mich den alten Menschen ausziehen (Kol 3, 9) mit seinen Werken, um den neuen anzuziehen, der nach Gott geschaffen ist in Gerechtigkeit und wahrer Heiligkeit (Eph 4, 24). Amen.

Responsorium: Das Reich der Welt und allen Erdenschmuck hab' ich verschmäht aus Liebe zu meinem Herrn Jesus Christus: - den ich gesehen, den ich geliebt, an den ich geglaubt, den ich geliebt und erkoren habe.

Vers: Mein Herz wallt auf von guter Rede, ich sag': "mein Werk dem König!" den ich gesehen, den ich geliebt, an den ich geglaubt, den ich geliebt und erkoren habe.

Was geht die Welt mich in Zukunft an, mein teurer Jesus ? Sieh, selbst im Himmel will ich nichts, als dich allein (Ps 72, 25): ich liebe nur dich, verlange, erwähle, ersehne nur dich allein, dürfte einzig nur nach dir. Beim Gedanken an dich vergehe ich, mein Vielgeliebter. Eja, trage mich hinein in die Flammenglut deiner Liebe und lass mich zeitlebens so innig mit dir verschmolzen werden, dass ich beim Scheiden aus diesem sterblichen Leib in dir meine ewige Glückseligkeit finde. Denn meine Seele umschlingt dich, mein Herz, mein Herz begehrt dich, alle meine Kraft liebt dich, mein ganzes Leben, sich selber entrückt, richtet sich nach dir. O Jesus, mein Herzensvertrauter unter allen, die geliebt werden ! Zu dir spricht mein Herz: "Du bist mein teuerstes Kleinod, meine einzig wahre und bleibende Freude, mein bester Anteil, dem allein meine Seele liebt."

Empfange im Geist die heilige Kommunion und gib dich ganz und gar Gott hin, um nur ihm allein zu leben:

Was bin ich, mein Gott, du Leben meiner Seele ? Ach, ach! Welch eine Kluft zwischen mir und dir ! Sieh, ein unbedeutend Stäublein bin ich, so der Wind von der Erde aufweht (Ps 1, 4). Eja, eja, in der Kraft deiner Liebe sende über mich den Glutwind deiner allmächtigen Liebe und im gewaltig brausenden Sturm deines Geistes erfasse mich und schwinge mich in den Vaterschoß deiner liebenden Vorsehung. Dort werde ich in Wahrheit mir abzusterben beginnen und nur in dir, meine süße Liebe, leben. Dort, dort werde ich mich so rückhaltlos verlassen und verlieren in dir, dass in mir keine Spur von mir selber zurückbleibt, gleichwie das Staubkörnlein, das verweht, spurlos verschwindet. Eja, eja ! Gestalte mich so gänzlich in deine Liebesglut um, dass alle meine Unvollkommenheit schwinde und ich nur in dir atme. Ach ! Möchte ich so gründlich mich verlieren in dir, dass ich mich in alle Ewigkeit nirgends finde, als in dir. Amen.

Nun wünsche, im Herrn zu sterben:

Was bin ich, mein Gott, du Liebe meines Herzens ! Ach, ach ! Welche Unähnlichkeit zwischen mir und dir ! Sieh, ich bin nur ein unscheinbares Tröpflein deiner Güte und du bist ein volles Meer unaussprechlicher Süßigkeit. Eja, Liebe, Liebe ! Öffne, eine Weile nur öffne mir die Schatzkammern deiner Mildherzigkeit. Gieß auf mich herab alle Gnadenbäche deines väterlichen Wohlwollens. lass über mich hereinbrechen alle Quellen des weiten Abgrundes deiner unendlichen Barmherzigkeit. Versenke mich in die Tiefe deiner Liebe. Tauche mich unter in den Ozean deines erbarmungsreichen Mitgefühls und lass mich zerfließen in der Flut deiner lebendigen Liebe, gleichwie der Wassertropfen verschwindet in der tiefen Meereswoge. Sterben, ach ! Sterben lass mich im Erguss deiner grenzenlosen Barmherzigkeit, wie der Feuerfunken stirbt in der Brandung des Stromes. Deine Liebe ist wie ein Regenguss (Ps 68, 10): gib, dass er mich überflute. Deine Liebe ist ein berauschender Trank: gib, dass er mich dem Leben entrücke. Über mir walte die geheime Anordnung deiner weisheitsvollen Liebe und bringe mir den glorreichen Tod, - den Tod aus Liebe, die ewiges Leben ist. Dort, dort möcht' ich mein Leben in dir verlieren, - dort, wo du ewig lebst, du meine Liebe, Gott meines Lebens ! Amen.

Sprich dann das Verlangen aus, im lebendigen Gott begraben zu werden:

Was bin ich, mein Gott, mein heiliges Entzücken ? Ach, ach ! Ich bin der Auswurf all deiner Kreaturen (1 Kor 4, 13): du aber bist meine unbegrenzte Zuversicht: denn in dir ist mir hinterlegt der unendliche Schatz, aus dem alle meine Verluste überreichlich ersetzt werden. Eja, Liebe ! - Liebe ! . Liebe ! Sammle über mir den Reichtum deiner unermesslichen Güte und Nachsicht; bedecke mich mit dem Übermaß deiner unendlichen Verzeihung und Milde; lass mich ausatmen in dem süßen Hauch deines Geistes. Lass mich entschlafen im Schatten deiner wie ein Schleier mich umhüllenden Liebe. Ach ! Dass ich im Genuss deiner Holdseligkeit, meine süße Anmut, lebe und in ihrem Schoß meinen Geist aufgebe ! Dass ich aus mir selbst ausziehend sanft und ich dich einginge ! Dass ich in deine Umarmung eilte und im Kuss deiner holdseligen Liebe meine wahre Grabstätte fände !

Ja hülle mich in das Grabtuch deiner teuren Erlösung; salbe mich mit den Gewürzen deines kostbaren Todes; lege mich in das Marmorgrab deines durchstochenen Herzens und wie ein Felsstein jenes heilige Grab geschützt hat, so decke und birg mich mit dem holden Blick deines beseligenden Angesichtes und gedenke meiner in Ewigkeit. Dort, dort, mein Geliebter, will ich im süßerquickenden Schatten deiner väterlichen Liebe begraben sein. Lass mich ruhen - ruhen - ruhen im ewigen Angedenken an deine teure, lebendige Freundschaft. Eja, eja, in dir, o Liebe, die meine Stärke ist, ersterbe mein Fleisch. In dir, o Liebe, die lauteres Leben ist, verhauche mein Leben. In dir, o Liebe, die eine so freudige Glut ist, verglühe zu Asche mein ganzes Wesen. Und in jenem entzückenden Licht, das aus deinem Antlitz strahlt, ruhe meine Seele für alle Ewigkeit. Amen.

Magnificat (Lk 1, 46-55)

Hoch preiset meine Seele den Herrn.

Und mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland.

Denn er hat angesehen die Niedrigkeit seiner Magd: sieh, von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter.

Denn Großes hat er an mir getan, der mächtig und dessen Name heilig ist.

Er ist barmherzig von Geschlecht zu Geschlecht denen, die ihn fürchten.

Er übt Macht mit seinem Arm, zerstreut, die hoffärtig sind in ihres Herzens Sinne.

Die Gewaltigen stürzt er vom Thron und erhöht die Niedrigen.

Die Hungrigen erfüllt er mit Gütern, die Reichen lässt er leer ausgehen.

Er nimmt sich Israels an, seines Knechtes, eingedenk seiner Barmherzigkeit.

Wie er zu unseren Vätern gesprochen hat, zu Abraham und seinen Nachkommen ewiglich.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.

Wie war im Anfang, so jetzt und immer und von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Dann füge folgendes Gebet an:

O Gott, Urquell meines Seins und Lebensgrund meiner Seele ! Dir, meinem vertrauten Liebhaber, meinem Vater, Bräutigam und Fürsorger, biete ich den ganzen Schatz meiner Lieb an und schütte ihn aus in den Glutherd deines Heiligen Geistes, in den Schmelzofen deiner flammenden Liebe. Für dich, aller Teuren Teuerster, ja für dich erwähle ich zur Stunde die harten Wege (Ps 17, 4): denn ich weiß, dass dein Erbarmen besser ist als das Leben (Ps 63, 4).

Eja, mein Geliebter ! Du hast eines Gottes Kraft und ich stütze mich auf deine Güte: so gürte mich zum Kampf mit der Waffe deines Geistes (Ps 18, 40). Hilf mir alle Nachstellungen meiner Feinde zunichte machen. Durch die Glut deiner nie erlöschenden Liebe verzehre in mir bis auf die Wurzel alles, was nicht ausschließlich dir allein lebt. Ach, dass ich mit der Hilfe deiner lebendigen Liebe von deiner entzückenden Zärtlichkeit gelockt und gestärkt, dich endlich lieben möchte ! Ja, lieben lass mich dich, meine Süßigkeit und Kraft. Lass mich an deiner Hand das sanfte Joch und die leichte Bürde deiner Liebe (Mt 11, 30) fröhlich tragen, dass mir die langwierigen Mühen des Dienstes, den ich dir, mein Geliebter, geweiht, aus lauter Liebe zur dir wie wenige Tage dahingleiten.

Das lieblich-sanfte Wehen deines Geistes verkürze und erleichtere mir des Tages Last und Hitze (Mt 20,12). Das Wirken deiner lebenskräftigen Liebe durchdringe in Huld den ganzen Handel und Wandel meines Lebens, damit dich meine Seele in Ewigkeit lobpreise, dir unermüdlich diene zeitlebens und mein Geist frohlocke in dir, o Gott, meinem Heiland und dass all mein Denken und Tun dir zum Lob und Dank gereiche. Amen.

Zum Schluss empfiehl dich dem Herrn durch den Lobgesang des greisen Simeon, dem

Nunc Dimittis" (Lk 2, 29-32)

Nun entlässest du, Herr, nach deinem Wort deinen Diener in Frieden.

Denn meine Augen haben dein Heil gesehen,

Das du bereitet hast vor dem Angesicht aller Völker,

Als ein Licht zur Erleuchtung der Heiden und zur Verherrlichung deines Volkes Israel.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, so jetzt und immer und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Schließ endlich wie folgt:

Eja, Liebe, mein König und mein Gott, mein teurer Jesus, nimm mich nun huldreich in die Glut deines göttlichen Herzens auf. Dort, ja dort, verschmelze mich mit dir in Liebe, damit ich ganz und gar dir lebe.

Eja, nun entlasse mich in das weite Meer deiner abgründigen Barmherzigkeit. Dort, ja dort überweise mich deiner herzinnigen, überströmenden Vatermilde.

Eja, nun übergib mich der verzehrenden Flamme deiner lebendigen Liebe. Dort, ja dort lass mich aufgehen in dir, bis meine Seele und mein Geist in dieser Liebeslohe wie zu Asche geworden ist.

Eja, und in der Stunde meines Hinscheidens empfiehl mich der zarten Sorge deiner väterlichen Liebe. Dann, ja dann, mein freudiges Heil, tröste mich mit dem Anblick deiner entzückenden Gegenwart; dann labe mich mit der süßen Frucht der teuren Erlösung, womit du mich erkauft hast; dann rufe mich zu dir mit der lebendigen Stimme deiner schönen Liebe und nimm mich in die Umarmung deiner huld- und nachsichtsvollen Versöhnung auf. Dann zieh mich an und versenke mich in dich mit dem sanften Atemzug deines freudenströmenden Geistes. Dann lass mich untertauchen im Kuss und Genuss vollkommener ewiger Einigung. Lass mich dann dich schauen, dich besitzen, auf immer, dich selig genießen, denn nach dir, liebster Jesus, schmachtet meine Seele. Amen.

Fünfte Übung: Zur Erweckung der Gottesliebe

So oft du dich der Übung der Gottesliebe hingeben willst, entziehe zunächst dein Herz allen ungeordneten Neigungen, entferne alle Hemmnisse und eitlen Vorstellungen und wähle dann Tag und Zeit, die dazu geeignet erscheinen, mindestens drei Stunden, die du zwischen Morgen, Mittag und Abend verteilen magst. Verwende diese Zeit, um Ersatz dafür zu leisten, das du den Herrn deinen Gott nicht aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und aus allen Kräften geliebt hast. In jenen Augenblicken halte dich mit Gott im Gebet mit aller dir möglichen Innigkeit, Andacht und Aufmerksamkeit vereint, wie du deinen Bräutigam Jesus, der in deiner Seele gegenwärtig ist, auch mit deinem leiblichen Augen sähest.

Am frühen Morgen

gehe Gott gleichsam entgegen, indem du mit folgendem Gebet beginnst und nachstehende drei Psalmverse vorausschickst:

Gott, mein Gott, zu dir erwach' ich mit dem Morgenrot.

Meine Seele dürstet nach dir und mein Fleisch, wie sehr schmachtet es nach dir.

Im wüsten und weglosen und wasserarmen Land ! So erscheine ich vor dir im Heiligtum, um deine Kraft und Herrlichkeit zu schauen (Ps 62, 1 ff).

Eja, Gott der Liebe ! Du allein bist meine ganze und wahrhaftige Liebe. Du bist mein liebliches Heil, du all meine Hoffnung und Freude, du mein höchstes und kostbares Gut. Vor dir, meinem Gott, meiner vertrauten Herzens Liebe, will ich in der Frühe mich hinstellen und dich betrachten (Ps 5, 5): denn du bist die wesenhafte und unversiegbare Anmut und Süßigkeit, du bist der Durst meines Herzens, du die Sättigung meines Geistes, und doch - je mehr ich dich koste, desto stärker hungert mich, je mehr ich dich trinke, desto heftiger dürstet mich.

Gott der Liebe ! Dein Anblick ist mir wie sonnenheller Tag, wie ferner einzige Tag, der in den Vorhöfen des Herrn besser ist als tausend andere (Ps 84,11), nach dem allein meine Seele seufzt, die du dir erkauft hast. Eja, wann wirst du mich sättigen mit der Freude deines entzückenden Angesichts ? Es sehnt sich und schmachtet meine Seele im Gedanken an die Fülle deiner Lieblichkeit. Sieh, ich hab' erwählt und allem vorgezogen, die letzte zu sein in deinem Haus, mein Gott (Ps 84,11), um desto zuversichtlicher den erquickenden Genuss deines freudsamen Antlitzes zu erhoffen.

O Liebe ! Dich schauen, ist geistig in Gott verzückt werden; dir anhängen, ist bräutlich mit Gott vermählt werden. O strahlendes, heiteres Licht meiner Seele ! O hellleuchtender Morgen ! Eja, werde Tag in mir und gehe mir in solcher Klarheit auf, dass ich in deinem Licht das Licht erschaue (Ps 36,10) und meine Nacht durch dich sich in den Tag verwandle. Mein lieblicher Morgen, lass mich alles, was du nicht bist, aus Liebe zu dir für nichts und eitel achten. Eja, suche mich heim in dieser Morgenfrühe (Ijob 7,18), damit ich baldigst ganz in dich umgeschaffen werde.

O Liebe, du Licht- und Gottbringerin ! Komm denn zu mir mit deinem Reichtum, dass ich selig in dir vergehe. Lass mich, in mir selbst vernichtet, ganz in dich zerfließen, damit ich mich nimmer in dieser Zeitlichkeit finde, sondern mich dir innig für alle Ewigkeit verbinde.

O Liebe, du bist jenes schönste aller Wesen, jene herrlichste Zier, die sich in diesem Leben nur schauen lässt durch den Flügelschleier der Seraphim. Wann wird mich entzücken so unbeschreibliche Schönheit ? O erhabener Morgenstern (Offb 22,16), der du mit göttlicher Klarheit strahlst ! Wann wird mich deine Gegenwart erleuchten ?

O wunderliebliche Schönheit ! Wann werde ich mich ganz an dir sättigen dürfen ? Ach, dass ich in diesem Erdendunkel nur einige schwache Strahlen deiner Holdseligkeit auffinge: ich hätte doch in etwa einen Vorgeschmack deiner Süßigkeit, einen lieblichen Vorgenuss von dir, mein bestes Erbteil. Eja, Blume der Blumen, neige nun ein wenig dein Antlitz zu mir, dass mein Auge dich betrachten kann.

Du bist der hellstrahlende Spiegel der heiligen Dreifaltigkeit, den man drüben von Angesicht zu Angesicht schaut, hier jedoch nur in Rätsel (1 Kor 13, 12) mit dem Auge eines reinen Herzens (Mt 5, 8). Eja, besprenge mich mit deiner Reinheit und ich werde gereinigt sein, berühre meines Herzens Grund mit deiner Lauterkeit und ich werde weißer als Schnee (Ps 51, 9). Ach ! Lass die Größe deiner Liebe über alles siegen, lass das Vollmaß deiner Verdienste und deiner Heiligkeit mich ganz umhüllen, auf dass die entstellte Schönheit meiner Seele mich nicht fernhalte von dir.

Wirf einen Blick auf mich und sieh (Ps 79, 15) und lehre mich dich recht erkennen. Du hast mich zuerst geliebt; du hast mich, nicht ich dich erwählt (Joh 15,16). Du eilst jedem, der nach dir dürstet, auf freiem Antrieb entgegen. Der Glanz des ewigen Lichtes strahlt auf deiner Stirne.

Eja, zeige mir dein Antlitz und lass mich deine Schönheit betrachten. Sieh, wie ist so lieblich und schön dein Angesicht, glühend im prächtigsten Morgenrot der göttlichen Sonne. Auf deinen Purpurwangen leuchtet wunderbar jenes Alpha und Omega (Offb 1, 8), und in deinen Flammenaugen funkelt unverlöschlich die ewige Herrlichkeit. In dir strahlt mir das göttliche Heil wie eine Himmelslampe entgegen, in dir ist anmutvolle Liebe, wie eine fröhliche Gespielin, der lichtvollen Wahrheit beigesellt. Duft des Lebens weht mir aus dir entgegen und aus deinem Munde träufelt mir Milch und Honig zu (Hld 4, 11).

Wie bist du so so schön, göttliche Liebe, wie anziehend, wie wunderbar, wie voll Entzücken, wie liebend in deinen Freuden ! Als Königin nimmst du den ersten Sitz auf dem göttlichen Thron ein und prangst im reichsten Schmuck der allherrschenden Dreifaltigkeit. Als Braut und Genossin ergötzt du dich immerdar im Zelt des Allerhöchsten und bist in untrennbarer Liebe geeint mit Gottes Sohn.

O Liebe, wenn sich mein Leben einst zum Abend neigt, dann geh mir als holdes, erstes Frühlicht auf. Siehst du mich scheiden aus dieser Pilgerstätte, dann lass mich aus dir ewiges Leben schöpfen. Wenn ich am Ziel dieser irdischen Verbannung stehe, lass mich dann unbehindert zur Hochzeit des Lammes eingehen (Offb 19, 7.9). Möge ich dort an deiner Hand meinen wahren Bräutigam und Freund finden und in deinen Liebesarmen ihm so liebend vermählt werden, dass ich mich in Ewigkeit nicht mehr seinen göttlichen Umarmungen zu entziehen vermag.

O Liebe, Schlüssel Davids (Offb 3, 7), erschließe mir dann das Allerheiligste und lass mich, von dir eingeführt, ohne Säumen in Sion froh den Gott der Götter schauen (Ps 84, 8), ihn, nach dessen freudig seligem Antlitz mein Herz verlangt und gar sehnsuchtsvoll schmachtet.

Um die Mittagsstunde

sollst du zu deinem von Liebe zu dir entflammten Bräutigam hinzutreten und ihn anflehen, dass er, die Sonne der Gerechtigkeit (Mal 4, 2), in Gnaden deine Lauheit durch die Inbrunst seiner Liebe erwärme, damit auf dem Altar deines Herzens die Glut göttlicher Liebe niemals erlösche. Beginne dein Gebet mit folgenden Psalmversen:

""Dass ich dich liebte, Herr meine Stärke ! Mein Gott, mein Helfer !

Mein Beschirmer und Hort meines Heiles (Ps 18, 2 f) !"

Eja, Liebe, meiner Liebe Erstlingsblume ! Mein kostbarster Brautschatz, meine teuerste Hochzeitsgabe ! Sieh, deinethalben hab' ich die Welt verschmäht, deinethalben alle Erdenluft wie Staub unter den Füßen geachtet, weil ich so sehnlich verlange, mit dir vermählt zu werden.

Eja, gib mir Einlass in die Heimlichkeit deiner Liebe ! Sieh, es brennt mein Herz nach deinem Liebeskuss (Hld 1, 6): Öffne mir das traute Brautgemach deiner schönen Liebe. Sieh, es dürstet meine Seele nach deiner innigen, unauflöslichen Umarmung.

Eja, bereite mir jetzt das Festmahl deiner überreichen Erbarmung; lade mich zum Tisch deiner Freuden und setzte mir die köstliche Speise deiner ewigen Versöhnung vor, die allein meinen Geist zu kräftigen vermag.

Eja, mein trautliebes, höchstes Gut, lass uns gemeinsam frohes Gastmahl halten ! Du bist in dir selber an allen Gütern überschwänglich reich und teilst dich deinem Geschöpf wundersam mit.

Eja, labe mich reichlich mit dir selber. Wie auch könnte der Funke außer seiner Herde glühen, wie der Wassertropfen bestehe fern von seinem Quell ?

Eja, deine heiße Flammenlohe verzehre und verschlinge meinen Geist und meine Seele allzumal so, wie es die Allgewalt deiner freigebigen Huld dem winzigen Stäublein gegenüber vermag. O Liebe, süße Mittagsglut ! Deine Ruhestunden, so voll heiligen Friedens, erfreuen mich über alles. Deine Sabbatfeier ist verklärt durch Gottes Gegenwart und schimmert übergossen von der holdseligen Gestalt der erlauchten Braut.

Eja, mein Geliebter, erkoren und auserlesen vor jeglicher Kreatur, sag, zeige mir jetzt in dir, wo du weidest, wo du ausruhst zur Mittagszeit (Hld 1, 6). Sieh, es glüht, es wallt auf ein Geist beim Gedanken an deine süße Rast.

O Liebe ! Hier im Schatten deiner trauten Liebe zu ruhen, dahin geht all mein hoffen, all meine Zuversicht. Vertrauensvoll wohnt Israel im Schoß deines Friedens (Jer 23, 6). Nach der Feier dieser friedlichen Sabbatruhe sehnt sich inbrünstig meine Seele.

O Liebe ! Dich genießen ist die gunstreichste Einigung des ewigen Wortes mit der Seele, ist die vollkommene Verschmelzung mit Gott. Mit dir verkehren ist eingehen in Gott. Sich deiner erfreuen ist eins werden mit Gott. Du bist jener Friede, der alle Begriffe übersteigt (Phil 4, 7) und das ist der Weg, der zum himmlischen Brautgemach führt.

Ach, möchte es mir Armen nur auf einen Augenblick gestattet sein, unter deinem so lieblichen Liebeszelt zu ruhen: du würdest durch einen einzigen Trostspruch deines lebendigen Wortes mein Herz bestärken. Aus deinem Mund vernähme meine Seele das gute und freudige Wort: "Ich bin dein Heil" (Ps 35, 3): siehe, dir steht die Brautkammer meines Herzens offen."

O erbarmungsreiche Liebe ! Warum hättest du ein so häßliches, ungestaltetes Geschöpf gelebt, wenn nicht, um es in dir schön zu machen ? O zarte Blume, entsprossen der Jungfrau Maria, mich zieht, mich lockt deine mildherzige Liebe.

Lass meine Hoffnung nicht zuschanden werden (Ps 119, 116), sondern lass meine Seele in dir Ruhe finden. Ich habe nichts Erwünschteres gefunden, nichts Liebenswerteres gekannt, nichts Lieblicherisches erstrebt, als mich umschlungen zu sehen, o Liebe, von deinen Umarmungen, als unter den Fittichen meines Jesus zu ruhen und zu wohnen unter den Zelten der göttlichen Liebe.

O Liebe! Schöner Mittag ! Tausendmal möchte ich sterben, um zu ruhen in dir. Ach ! Dass du es mir doch zuneigen wolltest, Trautliebste, das unsäglich anmutige Antlitz deiner schönen Liebe !

Wäre es mir doch vergönnt, dir so nahe zu kommen, dass ich mich nicht bloß neben dir, nein, dass ich mich in dir befände! Durch deine Kraft, Sonne der Gerechtigkeit (Mal 4, 2), würde in mir, die ich Staub und Asche bin, aller Tugenden Blüten keimen. Durch die Vermählung mit dir, mein Herr und Bräutigam, würde meine Seele solche Fruchtbarkeit erlangen, dass herrliche Sprossen aller Vollkommenheit aus mir hervorgingen. Entrückt dann diesem Tal des Elends und zugelassen zur Anschauung deines heißersehnten Antlitz würde ich in Ewigkeit rühmen, dass du, o Spiegel ohne Makel (Weish 7, 26), dich nicht weigertest, mit mir großen und armen Sünderin dich wahrhaft zu vereinigen.

Eja, Liebe ! In meiner Todesstunde labe mich mit deinem Zuspruch, der köstlicher ist als Wein (Hld 1,1), tröste mich mit deinen Lippen, die süßer sind denn Honig und Honigwabe (Hld 4,11). Sei du selber mir Weg, dass ich dann nicht durch weglose Steppen umherirre. Von dir geleitet, o Liebe, meine Königin, lass mich ungehindert zu den lieblichen und fetten Auen der göttlichen Einsamkeit gelangen, wo ich verdienen möge, mich ewig frohlockend der selig süßen Gegenwart meines göttlichen Bräutigams und Lammes zu erfreuen. Alles sage: Amen.

Am Abend

eile, einem emsigen Bienlein gleich, ganz verschmelzend und verschmachtend, in Erwartung der ewigen Anschauung des honigsüßen Antlitzes des göttlichen Lammes, in die Umarmung deines lieben Bräutigams Jesus. Ganz an sein liebebrennendes Herz dich schmiegend, erflehe von ihm den himmlischen Kuss, damit du in dessen Kraft dir jetzt selbst absterbest und bei deinem Tod in Gott übergehend und ein Geist mit ihm werdest (1 Kor 6,17). Darum ruf in deinem geistigen Durst:

"Gleichwie der Hirsch verlangt nach Wasserquellen, so verlangt meine Seele nach dir o Gott.

Meine Seele dürstet nach Gott, dem starken, lebendigen: wann werd' ich kommen und erscheinen vor dem Angesicht Gottes ?

Meine Tränen sind mir Speise Tag und Nacht, da man dir täglich sagt: wo ist dein Gott" (Ps 42, 2-4) ?

Eja, Liebe, dein Kuss ist so süß ! Du bist die Quelle, nach der mich dürstet. Sieh, wie mein Herz mit Ungestüm nach dir verlangt. Ach ! Ach ! Was zögerst du, mich, den kleinen Regentropfen, aufzunehmen in das volle Meer deiner Unermesslichkeit ? Du bist meiner Seele lebendiger, überseliger Eingang: o dass ich von mir loskäme und zu dir meinen Ausgang nähme !

Eja, öffne mir als rettenden Eingang dein liebendes Herz. Sieh mein Herz, ich hab' es nicht mehr; du mein lieber Schatz, verwahrst es unter sicherem Verschluss schon in dir. Du bist meines armen Herzens einzige, ganze und liebwerteste Wesenheit. Dir allein hängt meine armselige Seele mit Inbrunst an.

Wie unaussprechlich ist deine Gesellschaft ! Wahrhaftig, weit besser ist deine Vertraulichkeit als jedes Lebenslos (Ps 63, 4). Wie entzückend ist dein Wohlgeruch, gleich dem Balsam duftend von Gottesfrieden und Versöhnung ! Du bist des göttlichen Trostes überreiche und gefüllte Schatzkammer. Ach ! Führe mich doch ein, du liebe Königin, in deinen geheimnisvollen Weinkeller (Hld 1, 3) und gib mir die süßen Weine zu kosten, die du dort verborgen hältst. Sieh, all deine Gefäße sind gotterfüllt und überwallend vom Heiligen Geist.

Wenn ich doch auf dieser Welt schon erlangte, wonach ich begehre. Wenn mir zuteil würde, was ich ersehne und du dich in Wahrheit zu mir kehren und mich erquicken wolltest mit dem freudigen Kuss deiner Versöhnung ! Ach ! mein teuerstes Gut, lass dich im innersten deines Wesens umfassen und küssen, damit ich dir, wahrhaft geeint, untrennbar anhänge.

O Liebe, Heiliger Geist ! Du bist der freudigvolle Kuss der Heiligsten Dreifaltigkeit, der Vater und Sohn machtvoll eint. Du bist auch der heilbringende Kuss, den die erhabene Gottheit unserer schwachen Menschennatur durch den Sohn aufgedrückt hat. O Kuss voll Süßigkeit ! Möge mich Stäublein meine Niedrigkeit von der Verbindung mit dir nicht ausschließen. Mögest du mit deinen heiligen Liebkosungen nicht sparsam mit mir umgehen, bis ich ein Geist mit Gott geworden bin (1 Kor 6,17). Lass mich in Wirklichkeit erfahren, welche Lust es ist, dich, den lebendigen Gott, meine freudigsüße Liebe in dir selbst zu umfangen und mit dir vereint zu werden.

O Liebe meines Gottes! Du bist mein kostbares Besitztum: ohne dich mag ich im Himmel und auf Erden (Ps 73, 25) nichts hoffen, nichts wünschen, nichts begehren. Du bist meine wahre Erbschaft und meine ganze Erwartung, das Ziel und Ende all meines Strebens.

Eja, Liebe ! Deine Vollendung in mir sei auch meines Lebens Endziel und Vollendung ! Zeige mir, wenn es Abend wird, den mystischen Ehevertrag, den mein Herz jetzt mit dir abschließt. Du, o Liebe, erglänzest in den Strahlenzügen meines vielgeliebten Gottes gleich dem Abendstern. Werde mir in Gnaden zur Zeit meines Todes sichtbar, mein teurer und herrlicher Abend, damit ich, heimkehrend von der Erdenwallfahrt, bei dir den vielersehnten Abend haltem sanft einschlummernd und ruhend (Ps 4, 9) an deiner allbeseligenden Brust.

O Gott der Liebe ! Bei meiner irdischen Auflösung umkleide meine Seele mit dir, damit ich in dieser Gotteshülle, wie in königlichem Schmuck und hochzeitlichem Gewand, mit der Brautgabe würdig vor dem unsterblichen Bräutigam erscheine.

Eja, Liebe ! Besiegle die Stunde meines Hinscheidens mit dem Siegel deiner liebenden Zärtlichkeit und drück ihr das Mal ewiger Versöhnung auf, damit das Übermaß seiner Segensfülle mich ohne Aufschub einführe zur ewigen Aufnahme in dir, zu deinem immerwährenden Genuss und nie endenden Besitz.

O Liebe, mein angenehmer Abend ! Lass mich in meiner Todesstunde dich heiter und frohgemut erschauen. Lass jene heilige Flamme, die mit feuriger Gotteskraft ewig in dir brennt, alle Flecken meiner Seele wahrhaft tilgen.

O Liebe, mein süß-trauter Abend ! Bricht dieses Lebens Abend für mich an, dann lass mich sanft in dir entschlummern und jene Ruhe finden, die deinen Lieben in dir bereitet ist. Lass dann den Blick deiner schönen Liebe, den so friedvollen und gnadenspendenden, mir in Gunst mein Hochzeitsfest bereiten. Ja, dann decke meine Dürftigkeit mit den Reichtümern deiner Güte und verhülle die Blößen meines armen, ungearteten Lebens. Meine Seele lass dann frohgemut in den Freuden deiner Liebe geborgen sein.

O Liebe, sei du mir dann ein so schöner Abend, dass meine Seele wegen dir voll Jubel und Entzücken dem Leib lebewohl sage. Dass dann mein Geist zum Herrn wiederkehrend, der ihn gegeben, unter deinem Schatten in seligem Frieden ruhe. Sprich dann zu mir mit dieser hellen, süßen Stimme gleich Tönen der Zither: Sieh, der Bräutigam kommt ! Auf ! Ihm entgegen" (Mt 25, 6) ! Tritt ganz nahe zu ihm hin, damit er dich erfreue durch die Glorie seines Angesichts.

Glücklich, ja selig der, dessen Pilgerschaft in dir, o Liebe, endigt ! Weh mir, weh mir ! Wie lange wird sie für mich noch währen (Ps 120, 5) ? Welche Seligkeit dann, wenn ich jenes überaus liebliche und entzückende: "Nun Komm" vernehmen werde ! Dann, ja dann wird mir kund und offenbar in nie endendem Genuss und immerdauernder Seligkeit die Glorie meines Gottes, Königs und Bräutigams. Dann wird es mir in Wahrheit vergönnt, zu schauen und zu betrachten jenes langersehnte, jenes heißverlangte, jenes liebreiche Antlitz meines Jesus, nach dessen Schönheit meine Seele so lange dürstend schmachtete. Dann werde ich mich laben und sättigen an dem Strom jener Freude (Ps 36, 9), die mir inzwischen, ach so lange noch in den Schatzkammern deiner Gottheit verschlossen bleibt. Ja dann werde ich ihn sehen und betrachten Gott, meine liebliche Liebe, in dessen Erwartung jetzt Geist und Herz mir schwinden (Ps 73, 26).

Wann, o wann wirst du dich mir zeigen, dass ich dich schaue und mir Antrieb aus dir schöpfe. göttliche Lebensquelle (Jes 12, 3) ? Dann will ich trinken und mich berauschen an jenen freudensprudelnden, lebendigen Quell, der seinen Ursprung hat in der Seligkeit jenes anmutigen Antlitzes, nach dem meine Seele verlangt.

O bezauberndes Antlitz ! Wann werde ich in dir meine Sehnsucht stillen dürfen ? Dann werde ich eingehen in dein wunderbares Zelt, wo ich Gott schauen werde, in das Zelt, vor dessen Eingang ich jetzt noch harre unter den Seufzern meines Herzens ob der Dauer der Verbannung. Ach ! Wann wirst du denn mein Glück (Ps 15,11) durch den Anblick deines seligen Antlitzes vollmachen ? Dann werde ich meinen Jesus schauen und küssen, den wahren Bräutigam meiner Seele, dem mein dürstend Herz anhängen und in den es ganz verloren war.

Wer wird mich befreien aus dem Elend dieser Pilgerschaft, wer mich erlösen aus der Schlinge dieser Welt ? Wann werde ich diesen elenden Leib verlassen, um dich, Gott der Liebe, Gestirn aller Gestirne, unmittelbar zu schauen ? Nur in dir, traute Liebe, werde ich den Anfechtungen dieser Sterblichkeit entrinnen. Nur in dir, mein göttlicher Liebhaber, werde ich gefahrlos und frohlockend die Scheidemauer meines Leibes überspringen (Ps 18,30) und dorthin gelangen, wo ich dich in Wahrheit, nicht mehr im Rätsel, sondern von Angesicht von Angesicht (1 Kor 13,12) erblicke.

Eja, Quell des ewigen Lichtes ! Nimm mich zurück in dich, den abgrundtiefen Ozean, von dem ich bei meiner Erschaffung ausgegangen bin. Dort werde ich erkennen, so wie ich erkannt (1 Kor 13, 12), lieben, wie ich geliebt bin. Dort werde ich dich, mein Gott sehen, wie du bist, und in deiner ewig beseligenden Anschauung dich genießen und dich besitzen. Amen.

An diesem der Übung göttlicher Liebe gewidmeten Tag wirst du siebenmal deine Seele dem Herrn aufopfern, um die Liebe zu seinem göttlichen Herzen in dir wieder zu beleben. Und zunächst bitte

zur Mette

den Herrn, deinen höchsten Meister, er möge durch die Salbung seines Geistes dich die Kunst der Liebe lehren und als seine Schülerin annehmen, damit du dich unter seiner Anleitung unermüdet in dieser Liebestugend üben könnest. Sprich daher:

Herr Jesus Christus, ich flüchte mich zu dir, lehre mich, nach deinem Wohlgefallen handeln, denn du bist mein Gott (Ps 143,10).

Gebet

O Liebe, mein Lehrer und Herr, höher als die Himmel, tiefer als die Abgründe! Deine wunderbare Weisheit beseligt alle Geschöpfe mit einem einzigen Blick. Auf die Cherubim sowohl wie auf das Niedrigste (Ps 113, 6) in diesem Tal der Tränen schaust du, unendliche Liebe, und sammelst die Kleinen zur heilsamen Belehrung um dich. Eja, schließe mich Unwürdigste, die ich nur Schmutz bin, von deiner Unterweisung nicht aus, sondern erquicke mich mit deiner belebenden Lehre. Heil mir, tausendmal Heil mir, nimmst du mich als dein Kind an, um als dein Eigentum mich zu besitzen! Eja, o Liebe ! So beginne denn an mir dein Lehramt auszuüben. Löse mich von mir selbst zum Dienst deiner eifervollen Liebe. Besitze, heilige und erfülle, o Liebe, meinen Geist ganz und gar. Amen.

Zur Prim

bitte den Herrn, dich in die Schule der Liebe einzuführen, um dort Jesus kennen und lieben zu lernen. Bete deshalb so:

"Deine Magd bin ich, lieber Jesus: gib mir Einsicht, deine Gebote zu erlernen (Ps 119, 2).

Gebet

Gott, meine Liebe ! Wie gut, wie sorglich hegst und pflest du deine Küken im Liebesschoß ! Öffne mir, tausendmal bitt' ich dich, öffne mir die Schule, wo du die keusche Liebe lehrst, damit ich deine liebenswürdige Zucht an mir erfahre und eine Seele erlange, die nicht nur gut, sondern heilig und vollkommen in der Wahrheit sei.

Eja, Liebe ! Tauche meinen Sinn in das Mark deiner Liebe, damit ich durch dich ein einsichtsvolles Kind werde (Weish 8,19). Sei mein Vater, mein Lehrer und Meister in der Wahrheit, und unter deiner väterlichen Segnung reinige und läutere meinen Geist von jeglicher Sündenschlacke durch und durch, dass er fähig und tauglich werde, deine feurigen Aussprüche zu fassen und dass sein heiliger, gerader und fürstlicher Geist (Ps 51,12 ff) vollkommen Wohnung in mir nehme. Amen.

Zur Terz

bitte den Herrn, er möge mit der lebendigen Schrift seines Geistes das Feuergesetz seiner göttlichen Liebe in dein Herz eingraben, damit du ihm zu jeder Stunde unauflöslich vereint bleibest. Sprich daher:

"Möchten doch alle meine Gedanken, Worte und Werke, lieber Jesus, auf die Erfüllung und stete Beobachtung deiner heiligen Gebote gerichtet sein (Ps 119, 5) !

Gebet

Gott, meine Liebe ! Wie nahe bist du denen, die dich suchen, wie süß, wie liebenswürdig denen, die dich finden ! Dass du mir doch jetzt dein wunderbares Alphabet auflöstest, damit mein Herz die gleiche Wissenschaft wie du betriebe ! Lehre mich zunächst durch lebendige Erfahrung, was das Alpha, dieser glorreiche und erste Buchstabe deiner schönen Liebe, sei. Auch verheimliche mir das lebensquellende Beta der erhabenen Weisheit nicht, das die Reihen der Geschöpfe ins Dasein geführt hat. Zeige mir mit dem Finger deines Geistes genau und einzeln alle Buchstaben deiner Liebe, damit das Auge meines durch die Wahrheit geläuterten Herzens eindringe bis zum Mark deines freudenvollen Vorgenusses und ich ergründe, erlerne, vollkommen wisse und verstehe (insoweit dies in dieser Welt vergönnt ist) die Buchstaben dieses himmlischen Alphabetes. Unter der Mitwirkung deines Geistes lehre mich das Tau höchster Vollkommenheit und führe mich bis zu dem Omega allseitiger Vollendung. Lass mich in diesem Leben deine Handschrift voll Liebe und Zärtlichkeiten vollständig erlernen, das an der vollkommenen Liebe in mir auch nicht ein Jota fehle, um dessentwillen ich Aufschub leiden müsste, wann du, Gott der Liebe, du meine süße Liebe, mich zu dir berufst, um dich in dir selbst ewig zu betrachten. Amen.

Zur Sext

bitte den Herrn, er möge dich in der Kunst seiner Liebe solche Fortschritte machen lassen, dass du in seiner göttlichen Liebeshand gleichsam ein gefügiges Werkzeug seiest, um seinen heiligen Willen stets zu vollbringen und damit du dem Herzen Gottes ganz gleichförmig werdest. Sprich darum:

"Gieß aus über mich deine gar süße Segnung, mein herzlieber Jesus, mein wahrhafter Gesetzgeber dass ich von Tugend zu Tugend schreite und dich schaue in Sion, Gott der Götter" (Ps 84, 8) !

Gebet

Wer dich nicht liebt, Gott Liebe, der gleicht einem Kind, dem noch die Sprache fehlt und nur der entwickelt sich, der sich dir ganz anschmiegt, dir einzig auf immer seine Liebe schenkt. Eja, überlass mich deiner Liebesschule nicht ganz mir selber, gleich einem zarten Küken, das noch im Ei gefangen liegt, sondern lass mich, mein Vielgeliebter, in dir, durch dich, ja mit dir von Tag zu Tag, von Tugend zu Tugend fortschreiten, so dass ich alle Tage auf stets höherer Stufe deiner Liebe Frucht bringe. Will es mir doch keineswegs genügen, dich bloß buchstabieren zu können: meine Sehnsucht, mein tausendfältiges Verlangen geht vielmehr darauf, dich von Grund aus in vollkommener Beschauung zu kennen, dich starkmütig zu lieben, dich nicht allein mit zärtlicher, sondern auch mit erleuchteter Liebe zu umfassen und mich dir so untrennbar anzuschließen, dass ich endlich einmal beginne, nicht in Zukunft in mir, sondern in dir und für dich allein zu leben. Nun denn, o Liebe, gib dich mir in Wahrheit zu erkennen und errichte dir in meiner Seele den Lehrstuhl jeglicher Heiligkeit. Amen.

Zur Non

bitte den Herrn, Er, der König der Könige (Offb 19,16) wolle dich in den Kriegsdienst der Liebe eintreten lassen und dich anleiten, das süße Joch und die leichte Bürde auf dich zu nehmen (Mt 11, 30), so dass du dein Kreuz deinem Herrn nachträgst und ihm, deinem Gott, anhängst mit ungeteilter Liebe. Bete deshalb:

"Du, Herr, bist meine Hoffnung, mein Hort und meine Zuflucht. Du bist bei mir in meiner Trübsal (Ps 91, 2 ff).

Gebet

Gott, meine Liebe ! Wer sich im Werk deiner Liebe schnell und tapfer erweist, wird sicher einst immer vor deinem königlichen Angesicht stehen. Eja, Liebe, du Königin der Königinnen, lass mich zu deiner Ehre den Fahneneid im neuen Kriegsdienst der Liebe zu schwören. Stähle meine Hand zu Heldentaten (Spr 31,19), um in dir und durch dich schnell und unermüdlich die Waffentaten edler Liebestreue zu unternehmen und glücklich auszuführen. Umgürte, o Gewaltiger, meine Lenden mit dem Schwert deines Geistes (Eph 6,17) und rüste mich mit männlichem Mut, um im Tugendstreit tapfer und mannhaft zu stehen und festgegründet in dir, mit unbesiegbarem Geist an deiner Seite auszuharren.

Alle meine Kräfte mögen dir zu eigen sein, mein ganzes Sinnenleben sei ganz in dir begründet und befestigt, damit ich, ungeachtet der Schwäche meines Geschlechts, mit Herzhaftigkeit und männlichem Starkmut jenen Grad der Liebe erkämpfe, der mir den Zutritt eröffnet zum Gemach der innigsten bräutlichen Liebesvereinigung mit dir. Von dieser Stunde an, o Liebe, nimm und besitze mich als ganz dein eigen, denn ich habe fortan weder Geist noch Herz, außer in dir. Amen.

Zur Vesper

geh in der Rüstung der Liebe mit Jesus, deinem Liebhaber, festen Schrittes jeder Versuchung entgegen, damit du an der Seite dessen, der dir durch sein Erbarmen fortwährend Hilfe und Trost gewährt, wider Fleisch, Welt und Teufel streiten und über jede Anfechtung rühmlich siegen könnest. Erfleh dies mit folgendem Vers und Gebet:

Mein lieber Jesus ! Lass meinen Fuß nicht wanken, denn du schlummerst nicht und schläft nicht, du Wächter meiner Seele (Ps 121, 4).

Gebet

Gott der Liebe, du bist meine Mauer und mein Wall (Jes 26,1). Sieh, die in dieser Welt Drangsal dulden, die wissen es, welch schirmendes Obdach ihnen in deinem Frieden wider Hitze und Regen (Jes 4, 6) offen steht. Eja, blicke nun auf mich, nimm wahr mein Streiten und unterweise zum Krieg (Ps 144,1) selber meinen Arm. Sollten mich auch feindliche Heere umlagern: mein Herz wird nicht zagen (Ps 27, 3), weil du, meine treue Schutzwehr und mein starker Turm, innerlich und äußerlich bei mir bist.

Wo ist mein Widersacher, wenn du mir beistehst ? Er möge zu mir herankommen, da du für mich einstehst ! Du deckst auf und enthüllst mir mit einem Blick Satans Gedanken und wehst sie von mir mit einem Wort weg. Gelänge es meinem Feind auch tausendmal, mich zu stürzen: ich werde auf deine teure Rechte fallen, sie umfassen und mit heißen Küssen bedecken und weil du mein Vorkämpfer und Verteidiger bist, tapfer und ungefährdet stehen.

Tritt du in mir Satan unter die Füße (Röm 16, 20), schlag in die Flucht und vernichte das ganze Gezücht meiner Untugenden ! Vor deinem Blick sollen tausend an meiner Seite fallen und tausendmal tausend zu meiner Rechten. Mir aber soll kein Unheil nahen, da du bei mir bist (Ps 91, 7), mein höchstes, wahres und teures Gut ! Doch auch du führst scharfe Pfeile (Ps 45, 6). Tausendmal bitt' ich dich: richte sie auf mich. Durchbohre mein Herz mit der Lanze deiner Liebe. Dann werde ich vertrauensvoll mitten in dir wohnen (Jer 32, 6) ! Lass mich endlich, o Liebe, hier auf dieser Welt so deine Beute werden, dass ich deinen Händen in Ewigkeit nimmer entkomme (Jer 32, 37).

Zur Komplet

erweck in dir den heißen Wunsch, vom Wein der Liebe, den dir dein Vielgeliebter reicht, berauscht zu werden, gottvereint der Welt zu entschlafen, die selbst in den Armen des göttlichen Bräutigams abzusterben und von allem Irdischen entkleidet, an Jesu Brust selig zu schlummern. Verlang in der Liebe dir täglich ersterbend, einzig für Gott zu leben und in der Stunde des Heimganges dem Tod zuversichtlich entgegen zu schreiten. Begrüß in ihm das Ende deiner Verbannung und die Eingangspforte zum Himmelreich. Tu dies im Folgenden:

"Birg mich, liebreicher Jesus, in der Heimlichkeit deines Angesichtes vor allen, die mir nachstellen und lass meine Seele nicht zuschanden werden, wenn sie mit ihren Feinden vor deinem Gericht (Ps 127, 5) rechten muss: sondern erfülle sie mit Entzücken durch dein anmutiges Gesicht.

Gebet

Gott der Liebe ! Du bist das Ziel und die Vollendung alles Guten. Du liebst bis zum Ende die, welche du dir erwählst. Was immer dir in die Hand gegeben wird, du wirst es nicht von dir (Joh 6, 37), sondern bist zärtlich besorgt, es für dich zu bewahren. Eja, eigne dir gnädiglich mich und mein Ende ganz zu und bediene dich meiner mit dem Recht unaufhörllchen Besitzes. Schone meiner in Zukunft nicht, sondern verwunde mein Herz, bis in das Mark des Geistes, damit du in mir auch nicht ein Fünklein eigenen Lebens zurücklassest. Ja nimm es ganz mit dir, dies mein Leben weg und behalte dir nur meine Seele in dir selber zurück.

Wer, o Liebe, wird mir geben, in dir vollendet, durch deinen Tod aus dem Kerker des Leibes erlöst und aus diesem Verbannungsort befreit zu werden ? Welch eine Seligkeit, o Liebe, dich zu schauen, dich zu eigen zu haben, dich ewig zu besitzen !Am Tag meines Verscheidens sei du mir nahe mit deinem mächtigen Trost und segne mich in der schönen Morgenröte deiner unverschleierten Anschauung. Nun, o Liebe, überlasse und befehle ich dir mein Leben wie meine Seele: lass, ja lass mich in Frieden in dir ruhen und entschlafen (Ps 4, 9). Amen,

Im Lauf dieses ganz der Liebesübung geweihten Tages mach häufig folgende Anmutungen, um dein Herz am Feuer der wahrhaftigen Sonne, die Gott selbst ist, zu entzünden, damit dein Eifer nie erkalte, sondern deine Liebe von Tag zu Tag sich mehre:

Selig die Augen, die dich schauen, Gott der Liebe ! Ach wann, wann wer' ich dorthin kommen, wo du bist, wahres Licht, Gott und Lamm (vgl. Offb 21, 22 ff) ? Ich weiß, dass ich eines Tages dich, Jesus, mein Gott und Heiland, mit meinen Augen schauen werde.

Selig die Ohren, die dich hören, Gott der Liebe, Wort des Lebens ! Ach wann, wann wird deine Stimme voll honigsüßer Lieblichkeit mich trösten und einladen zu dir ? Eja, lass mich nicht erschrecken vor böser Kunde (Ps 112, 7), sondern alsbald deine Stimme voll Herrlichkeit und Majestät vernehmen. Amen.

Selig der Geruch, der dich aufnimmt, Gott der Liebe, köstliches Lebensgewürz ! Wann, ach wann wird mich der Wohlduft deiner unaussprechlich süßen Gottheit anwehen ? Eja, möcht' ich bald auf die fruchtbaren und anmutigen Auen deiner ewigen Beschauung gelangen ! Amen.

Selig der Mund, Gott der Liebe, der seine Trostworte verkostet, die süßer sind als Honig und Honigwabe (Ps 19,11). Wann, ach wann wird meine Seele genährt werden mit der Fülle deiner Gottheit, wann berauscht werden im Übermaß deiner Seligkeit ? Eja, möcht' ich hier in dieser Welt verkosten, wie süß du bist, mein Herr (Ps 34, 9), um dich, den Gott meines Lebens, glücklich einst genießen in Ewigkeit zu können ! Amen.

Selig die Seele, die dir anhängt in unzertrennlicher Liebesumarmung, und selig das Herz, das den Kuss deines Herzens empfindet als Pfand deiner unauflöslichen Freundschaft, Gott der Liebe. Wann, ach wann werd' ich mich von deinen beseligenden Armen umschlossen fühlen, wann unmittelbar dich schauen, Gott meines Herzens ? Eja, schnell, schnell entreiß mich diesem Elend ud lass mich dein freudenvolles Antlitz schaeunen in Herzensjubel. Amen.

Endlich, um diese Übung abzuschließen, überlass dich unbedingt der Allgewalt göttlicher Liebe. Stelle dich Gott, deinem Liebhaber, ganz anheim, damit Er dich wie ein Werkzeug zu allem verwende, was seinem göttlichen Herzen genehm ist, und dein Herz in dem seinigen wie sein Herz in dem deinen für sich zum ewigen Leben bewahre. Bete deshalb so:

In Liebe halte ich dich fest, liebenswürdiger Jesus, und ich werde dich nicht lassen (Gen 32 26 und Hld 3, 4), denn dein Segen genügt mir keineswegs, wenn ich nicht dich selbst festhalte und besitze, der du mein bester Anteil, all meine Hoffnung und Erwartung bist.

O Liebe, lebensspendendes Leben, Wort des lebendigen Gottes, gib mir in dir das Leben. Ersetze mir jede Lücke und jeden Schaden, so ich in der Gottesliebe erlitten habe.

Gott der Liebe, der du mich erschaffen hast, schaffe mich neu in deiner Liebe.

O Liebe, die du mich erlöst hast, ergänze und erkaufe dir, was ich an Liebe zu dir eingebüßt habe.

Göttliche Liebe, die du mich im Blut deines Gesalbten mir erkauft hast, heilige mich in deiner Wahrheit (Joh 17,17).

Göttliche Liebe, die du mich als Tochter angenommen hast, nähre, ja nähre mich nach deinem Herzen. anhängen O Liebe, die du mich dir und keinem anderen erkoren hast, lass mich ganz dir anhängen.

Göttliche Liebe, die du mich ohne Entgelt geliebt hast, gib mir, dich aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele und zu lieben aus allen Kräften (Mk 29, 30).

O Liebe, allmächtiger Gott, in deiner Liebe befestige mich. O Liebe, höchste Weisheit, gib, dass ich dich im Geist der Weisheit liebe. O Liebe, Quelle aller Süßigkeit, gib, dass ich deine Freude verkoste. O Liebe, liebetrautes Kleinod, gib, dass ich dir allein nur lebe. O Liebe, getreuer Hort, tröste und stütze mich in jeglicher Trübsal. O Liebe, traute Lebensgefährtin, wirk in mir all meine Werke (Jes 26,12). O Liebe, siegreiche Überwinderin, gib dass ich bis ans Ende in dir ausharre.

O Liebe, allerinnigste Herzensliebe, die du mich niemals verlassen hast: dir befehl' ich meinen Geist (Ps 31, 6). Nimm mich in der Sterbestunde auf zu dir, rufe mich mit eigenem Mund zu dir und sprich: "Heute noch wirst du bei mir sein (Lk 23, 43), verlass das Land der Verbannung und komm zum festlichen Morgen, zur unverwelklichen Ewigkeit. Dort wirst du mich finden, mich, Jesus, das wahrhaftige Heute der göttlichen Klarheit, Anfang und Endziel aller Schöpfung. Dort wirst du nicht mehr das Morgen der irdischen Wandelbarkeit kennen, wirst vielmehr in mir, dem wahrhaftigem Heute, die ewige Gegenwart besitzen, auf dass wie ich lebe, so auch du lebst in mir, deinem Jesus, deinem Gott, deinem treuen Liebhaber, im Entzücken endloser Freude und Seligkeit."

Alle Kräfte meines Wesens, alle Empfindungen und Regungen Leibes und der Seele sollen Amen sagen.

Sechste Übung: Lob und Danksagung

Bestimme dir bisweilen einen Tag, an dem du ungestört dem göttlichen Lob obliegen kannst, zum Ersatz für alle jene Lob- und Danksagungen, die du deinem Gott für seine vielen Wohltaten an jedem deiner Lebenstage zu entrichten versäumtest. Es soll dies ein Tag des Jubels und der Freude sein, gleichsam eine Vorfeier jenes unausspechlich schönen Lobes, das dein Mund zum Preis des Herrn in Ewigkeit anstimmen wird, wenn du durch Gottes Gegenwart gesättigt und deine Seele von seiner Glorie überflutet werden wird. Es werden deshalb dieser Übung einige fromme Seufzer der Seele, die Gottes Angesicht zu schauen verlangt, beigefügt. Es sind darunter aber einige von solch göttlich erhabener Art, dass man meinen könnte, sie geziemen sich mehr für die Seligen in der Himmelsheimat, als für uns Erdenpilger.

Stelle dich zuvorderst im Geiste der Demut in die Gegenwart deines Gottes. Bitt ihn, dir die Seligkeit seines Angesichtes zu enthüllen und bete:

Reden will ich zu meinem Herrn, ob ich gleich Staub und Asche bin (Gen 19, 27). Mein Gott, der du, die höchste Majestät und Erhabenheit mit Wohlwollen auch auf das Niedrige im Staub herabblickst: mein Geist und meine Seele verstummen in Erwägung deiner unzählbaren Wohltaten. Erschließe mir die Schatzkammer deines allgütigen Herzens, wo für mich die Summe all meiner Wünsche niedergelegt ist. Entschleiere mir die Anmut deines freudigen Angesichtes, dass ich meine Seele vor dir ausgieße (Ps 142, 3). Lass mich Zugang finden zur seligen Friedensvereinigung , die mein Herz froh mache und meine Zunge zu deinem Lob löse.

Eja, Liebe, tritt für mich hin vor das Angesicht des großen Gottes und lass dort meinen Sehnsuchtsruf laut werden. Denn vor Durst nach meinem Gott ist alle meine Kraft verdorrt. Eja, zieh und hebe meinen Geist zu dir empor, denn mein Fleisch und mein Herz vergehen vor Sehnsucht nach Gott, meinem Heiland (Ps 73, 26). Eja, stelle mich meinem Gebieter und König vor, denn meine Seele zerschmilzt (Hld 5, 6) in Liebe und Erwartung meines Bräutigams. O Liebe, rasch, rasch erfülle nun mein sehnsüchtiges Verlangen: zögerst du, so sterb' ich, vor Liebe verschmachtend.

Nun heb an, den Herrn zu loben:

Erhebe dich, meine Seele, schüttle ab den Staub (Jes 52,1), steh auf und tritt hin vor das Antlitz des Herrn deines Gottes, ihm alle seine Erbarmungen und Gunsterweise zu bekennen. Aber was soll ich dem Herrn sagen, wie ihm antworten nur eines auf tausend (Ijob 9, 3). O Liebe, ich leide Gewalt: antworte du für mich (Jes 39,14). Weiß ich doch nicht, was ich dem Gott meines Lebens sagen soll. Sprachlos bin ich vor Staunen über die Glorie seines Angesichtes und weder Stimme hab' ich zur Stunde noch Bewusstsein mehr: im Glanz seiner Majestät ist mir Herz und Kraft vergangen. O Liebe, erwidere statt meiner in Gott meinem Jesus, dem Wort es Lebens, Rühre zu meinen Gunsten dies göttliche Herz, in dem deine Allmacht mit solcher Glanzfülle erstrahlt.

O Liebe, ich gewinne wieder Kraft und wage durch dich dem Gott meines Heils zu sagen: "Du bist, der meine Seele vom Boden aufhebt (Ps 54, 6). Du bist das Leben meines Geistes, du der Gott meines Herzens" (Ps 73, 26).

O Liebe, stimme die über alles melodische Leier und lass mich den süßen Wohlklang der Stimme meines Bräutigams Jesus vernehmen, damit er selbst, der Gott meines Lebens, statt meiner das Loblied anhebe und mein Leben und meine Seele eintauche in die Freude seines Lobes. Eja, Liebe, tu eilig, was du zu tun gedenkst (Joh 13, 27). denn ertragen kann ich sie nimmer die schmerzvolle Wunde, so du mir geschlagen hast.

Ermuntere nun deine Seele, sich in Gott zu freuen.

Erheb meine Seele, deine Augen schau und betrachte die Macht deines Königs, die Anmut deines Gottes die Liebe deines Heilands, dem du nun so nahe bist. Ruhe, koste und sieh (Ps 46, 11), wie süß und zart der Bräutigam ist, den du unter Tausenden erwählt hast (Hld 5,10). Sieh, wie wunderbar und unermesslich die Herrlichkeit ist, für die du die Welt verachtet hast. Sieh, wie vollkommen das Gut ist, das du erwartet hast. Sieh, wie selig die Heimat ist, nach der du seufzend dich sehntest. Sieh, wie herrlich der Kaufpreis ist, um den du mühsam gerungen hast. Sieh Wesen, Beschaffenheit und Größe deines Gottes, den du geliebt, den du angebetet, den du beständig gewünscht hast.

Gott meines Lebens, wie könnte ich dir würdig Lob darbringen ? Ach, ich weiß es nicht. Oder was könnte ich dir erstatten, mein Vielgeliebter, für alles Gute, so du mir erwiesen hast (Ps 115, 3) ? So will ich denn, mein teurer Jesus, dich in mir und mich in dir als Brandopfer zu deiner Verherrlichung darbringen: mehr hab' ich nicht. Alles, was ich in dir bin, mein ganzes Leben in dir, geb' ich dir hin.

Du bist mein Leben, du mein Genüge, du mein Ruhm, du die hellleuchtende Barmherzigkeit, die in meiner Seele widerstrahlt. Dir sei Dank und Preis ohne Ende ! Wann wird es mir vergönnt sein, das Mark meiner Seele auf deinem Altar sich zu verzehren zu lassen und in jenem heiligen Feuer, das dort unverlöschlich lodert, mein Herz, mein ganzes Wesen dir zum Lobopfer darzubringen ? Eja, Gott du heilige Freude meiner Seele, erweitere mein Herz in dir und mache groß meine Seele, um mein ganzes Innere zu erfüllen mit deiner Glorie. Wann wird man zu meiner Seele sagen: "Wende mich zu deiner Ruhe, denn der Herr hat Gutes an dir getan" (Ps 115, 7) ? Wann werde ich jene trautliebe Stimme vernehmen: "Komm, geh ein ins Brautgemach deines himmlischen Bräutigams ?" Wann, o Jesus, mein süßer Friede, werde ich ruhen und entschlafen in dir, um deine Herrlichkeit zu schauen ?

Doch du, Leben meines Geistes, hast die Macht, mir meine Hinterlage zu bewahren (2 Tim 1,12) und meine Seele zu dir heimzuführen, der mich erschaffen. O Liebe, Liebe, wann wirst du meine Seele aus dem Kerker befreien (Ps 142, 8) ? Wann sie, meine einzige, lösen von der Fessel des Körpers ? Wann, ja wann, mich einführen in das Gemach meines Bräutigams, um in ewiger Freude unauflöslich mit ihm verbunden zu sein ? Eja, Liebe ! Beschleunige mein Hochzeitsfest. Tausendmal möcht' ich sterben, um solch Entzücken zu empfinden. Doch nicht zu eigenem Nutz und Vorteil, sondern ausschließlich, um dir zu gefallen.

Aufgelöst in tiefer Bewunderung der Herrlichkeit deines Gottes, stelle dich nun vor sein Antlitz hin, in das die Engel zu schauen gelüstet (1 Petr 1,12), und bete mit Herz und Mund und Lobgesang: Benedic, anima mea, Domino.

Psalm 102

Lobpreise meine Seele, den Herrn, und alles in mir seinen heiligen Namen.

Lobpreise, meine Seele, den Herrn und vergiss nicht all seine Gaben.

Er ist's, der deine Missetaten all verzeiht, der deine Schwächen heilt.

Der von dem Untergang dein Leben rettet, der dich mit Gnade und Erbarmen krönt.

Der stillt mit Gütern dein Verlangen, dass, wie des Adlers, deine Jugend sich erneut.

Erbarmen schafft der Herr, Recht allen, die Unrecht leiden.

Kundgab er des Moses seine Wege, den Kindern Israels seinen Willen.

Barmherzig ist der Herr und gnädig, langmütig und voll Huld.

Er zürnt nicht ewiglich, doch droht er auf immer.

Nicht tut er uns nach unseren Sünden und vergilt uns nicht nach unsern Missetaten,

Denn wie des Himmels Höhe ob der Erde, so hat er sein Erbarmen über die gekräftigt, so ihn fürchten.

So weit der Aufgang fern ist von dem Niedergang, so weit hat unsre Frevel er von uns entfernt.

Wie sich erbarmt ein Vater seiner Kinder, erbarmt der Herr sich derer, die ihn fürchten.

Er kennt uns ja, das schwach Gebilde, gedenkt, dass Staub wir sind.

Der Mensch - wie Gras sind seine Tage. Gleichwie des Feldes Blume, so verblüht er.

Denn sieh, ein Hauch fährt drüber, und er ist nicht mehr, und nimmer kennt man seine Stätte.

Die Huld des Herrn dagegen ist von Ewigkeit und bis in Ewigkeit gegen solche, die ihn fürchten.

Und die Gerechtigkeit des Herrn bis auf die Kindeskinder bei denen, die seinem Bund getreu.

Und eingedenk sind seiner Satzungen, sie zu erfüllen.

Es hat der Herr im Himmel seinen Thron gegründet und seine Königsherrschaft waltet über alles.

Lobpreist den Herrn, alle seine Engel, ihr Machtgewaltigen, die ihr sein Wort vollzieht, auf seiner Reden Laut.

Lobpreist den Herrn, alle seine (Sternen.) Heere, die ihr, ihm dienstbar, seinen Willen tut.

Lobpreist den Herrn,alle seine Werke, an jedem Ort seiner Herrschaft. Lobpreise, meine Seele, den Herrn.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, so jetzt und immer und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Dann grüße das glorreiche Antlitz deines Gottes mit folgenden Worten:

Gepriesen bist du, Adonai, am Firmament des Himmels. Dich preise das Mark und die ganze Kraft meines Geistes. Dich preise das ganze Wesen meiner Seele und meines Leibes. Alles, was in mir ist, verherrliche dich. Dir juble all mein Verlangen zu, denn du allein bist lobenswürdig und ruhmreich in Ewigkeit. Schon ist mir Herz und Kraft geschwunden, das Lebenswerk meines Geistes, den du für dich geschaffen, ist schier entwichen, dir nach, seinem göttlichen Liebhaber. Und meine Seele, die du erlöst hast, folgt dir sinnend und seufzend ob der langwährenden Pilgerschaft ins Heiligtum, wo du, mein König und mein Gott, immerdar weilst im Fleisch, das gleich dem meinen ist.

Wie selig, die wohnen in seinem Haus (Ps 84, 5), wie überselig, die stehen vor deinem freudigem Antlitz ! Ja, fürwahr, in alle Ewigkeit werden sie dich lobpreisen ob deiner unermesslichen Herrlichkeit. Wann, ja wann, wird meine Seele eingehen in die Stätte deines wunderbaren Zeltes (Ps 42, 5), auf dass mit diesen seligen Scharen mein Mund dir lobsinge: "Heilig ! Heilig ! Heilig !" und voll Entzücken in Ewigkeit aufjuble vor deinem seligen Angesicht ?

Wie glorreich bist du, mein Gott, wie liebenswürdig, wie lobenswert auf dem heiligen Thron deiner Gottheit ! Wie ist so entzückend den Augen dein Licht, wie beseligend, zu schauen dich, die wahrhaftige Sonne ! Wie wunderschön, wie lieblich, wie anmutsvoll ist dein Lobpreis, wo dich tausendmal Tausende im Chore umstehen ! Dort verliere ich mich und schwinge ich mit Herz und Seele frohlockend auf zu dir, meinem lebendigen Gott. Wie groß und namenlos, mein Gott, meine heilige Lust, ist deine Glorie vor seinem heiligen Thron deiner Herrschaft, wo dich alle deine Engel und Auserwählten preisen !

Sieh, es verschmachtet und vergeht meine Seele vor Überdruss an diesem Leben. Aus ganzem Herzen verlange ich, aufgelöst und bei dir zu sein, damit auch ich, der Auswurf all deiner Geschöpfe (1 Kor 4,13), mit jenen seligen Scharen, die über den Himmeln jubelnd dein Lob singen, dir des Jubels edelstes Brandopfer darbringen möge. Dort will ich dir auf dem Goldaltar deines göttlichen Herzens den lieblich duftenden Weihrauch meines Geistes und meiner Seele anzünden und die köstliche Salbung deiner großen und reichen Süßigkeit weihen, wodurch du selbst, mein Vater und Herr, mich getröstet hast in all meiner Erdenangst und Trübsal.

Hier erhebe laut die Stimme des Lobes:

Dich sollen loben, dich preisen und verherrlichen für mich all deine wunderbaren Werke und die großmütigen Gaben zumal, die ich, Gott meines Lebens, von dir empfangen habe. Dich sollen preisen die vielen und großen Erweise deiner Gunst und Erbarmung und das Übermaß der Wohltaten, womit du, Gott meines Herzens, meine Seele beschenkt hast. Dich soll loben mein ganzes Innere (Ps 103,1), all mein Wesen und meine Kraft, denn du bist der Gott meines Heiles und der Hort meiner Seele (Ps 54, 6).

Juble nunmehr dem Herrn zu vor dem Thron Gottes und des Lammes (Offb 22,1) um all seiner Wohltaten willen:

Dir juble all meines Herzens Wünschen und Begehren, und dich rühme die Fülle deiner Gnadengaben. Dir juble das Sehnen und Seufzen meiner wehmutsvollen Pilgerschaft, und dich preise mein Warten, mein Dulden und Harren, das du mein Gott, mir selber bist. Dir juble das Hoffen und Vertrauen, so auf dich setze, dass du mich einst aus dem Staub zu dir, mein Gott, du Leben der Glückseligkeit, emporheben werdest.

Dir juble das Siegel des Glaubens, mit den du mich als dein eigen bezeichnet hast und durch das ich glaube, dereinst dich, mein teurer Erlöser, in meinem Fleisch zu schauen (Joh 19, 26). Dir juble das Verlangen, das ich nach dir trage, und das schmerzliche Dürsten, so ich nach dir empfinde: dass ich nach diesem Leben, mein Gott, du meine wahre Heimat, endlich zu dir gelangen möge. Dir juble über alles auch die göttliche Liebe, die, meiner Liebe zuvorkommend, mich drängt, dich unablässig zu lieben, denn du, mein Gott, meine süße Liebe, bist allein Gott, hochgepriesen in Ewigkeit !

Sinke hier anbetend nieder vor dem Angesicht des Herrn deines Gottes, und mit Herz und Mund fleh ich in Andacht zu Jesus, Er wolle gnädiglich den Mangel deiner Huldigung ergänzen:

Ach ! Wann, wann, mein trautlieber Jesus, werde ich eingehen in dein Haus, um dir Brandopfer zu weihen (Ps 66,15), um dir die Opfergabe meines lauten Lobpreises zu bringen und die Gelübde zu lösen, die meine Lippen zur Zeit der Trübsal dargebracht haben (Ps 27, 6) ? Wann, ja wann, werde ich kommen und erscheinen vor deinem heiligen Thron, um dein freudiges Antlitz zu schauen, dessen göttliches Licht die Sehnsucht aller Heiligen stillt, und ihren Herzen und Stimmen und Lippen gar süßen Jubelton entlockt ?

Eja, Geliebter meiner Wünsche, merk auf meinen Ruf, achte auf mein Gebet und erhöre mich, denn dich, mein König und mein Gott (Ps 5, 2 f), ruft, dich begehrt, dich sucht meines Herzens Seufzen und meiner Seele innig Sehnen. Nach dir späht tränenvoll mein Auge. Nach dir zielt mein Blick. Du bist mein Gott, meine Freude und Liebe, meine Hoffnung von Jugend an (Ps 71, 5): Du bist der Inhalt all meines Wollens, Hoffens und Begehrens.

Und nun, mein Vielgeliebter, um jener überschwänglichen Liebe willen, aus der du, in menschlicher Gestalt thronend zu Rechten des Vaters mich in deine Hände (Jes 49,16) und Füße und in dein süßestes Herz eingeschrieben trägst, um meiner Seele, der so teuer dir erkauften, ewig nicht zu vergessen, - bringe mein erbarmungsreicher Gott, bringe du selbst dir für alle Guttaten, so du mir erwiesen hast, noch jetzt erweisest und erweisen wirst, ein ewiges, unendliches und unwandelbares Lob dar, so wie du es dir selbst darbringen kannst und wie du weißt, dass es deiner ehrfurchtsgebietenden Glorie und deiner erhabenen Majestät geziemt. Erhebe du, mein trauter Jesus, die Stimme so inniger und kräftiger Danksagung, wie sie dir, meinem gar großen und wunderbaren Herrn, gebührt. Lobe du dich in dir und in mir statt meiner mit der Allgewalt deiner Gottheit, mit der ganzen Innigkeit deiner Menschheit, im Namen und in der Meinung des ganzen Weltalls, bis du mich winziges Atom deiner gesamten Schöpfung durch dich, der du der Weg (Joh 14, 6) bist, leitest, zu dir, der du die Wahrheit bist hinführest und in dich, der du das Leben bist, eingehen lassest und bergest, auf dass sein seliges, gnadenvolles Angesicht mein Anteil sei in Ewigkeit.

Von seliger Bewunderung erfasst und entzückt bei dem Gedanken an die Glorie, die die göttliche Majestät umstrahlt, grüße deinen göttlichen Liebhaber mit nachstehenden himmlischen Psalm:

Psalm 144

Ich will dich erheben, mein Gott und König, und preisen deinen Namen ewig, ja immer und ewig.

Tag für Tag will ich dich preisen, und deinen Namen loben ewig, ja immer und ewig.

Groß ist der Herr und überaus lobwürdig, und seiner Größe ist kein Ende.

Ein Geschlecht nach dem andern wird rühmen deine Werke und deine Macht verkünden.

Sie werden reden von dem erhabenen Glanz deiner Heiligkeit und deine Wundertaten erzählen.

Sie werden singen von der Allgewalt deiner Schreckenstaten und deine Größe schildern.

Sie werden kundtun das Gedächtnis deiner übergroßen Milde und ob deiner Gerechtigkeit frohlocken.

Allgnädig und barmherzig ist der Herr, langmütig und reich an Erbarmung.

Liebreich ist der Herr, und sein Erbarmen geht über alle seine Werke.

Lobpreisen sollen sich doch, Herr, alle deine Werke, und deine Heiligen dich rühmen.

Verkünden sollen sie deines Reiches Herrlichkeit und deine Stärke besingen.

Um kund zu tun den Menschenkindern deine Macht, um deines Reiches Ruhm und Herrlichkeit.

(Denn) dein Reich, ein Reich ist's aller Zeiten, und deine Herrschaft über die Geschlechter all.

Treu ist der Herr in allen seinen Worten und heilig in allen seinen Werken.

Der Herr stützt alle, die fallen, und richtet die gebeugten all empor.

Aller Augen warten auf dich, o Herr, und du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit.

Du öffnest deine Hand und sättigst alles Lebende mit Segnung.

Gerecht in allen seinen Wegen ist der Herr, und heilig ist er in allen seinen Werken.

Nahe ist der Herr allen, die ihn gerufen, die ihn in Wahrheit ihn anrufen.

Er tut den Willen derer, die ihn fürchten, und ihr Gebet erhört er und errettet sie.

Der Herr behütet alle, die ihn lieben, und alle Sünden tilgt er.

Das Lob des Herrn soll verkünden mein Mund, und alles Fleisch soll ewig preisen seinen heiligen Namen, ja immer und ewig.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Wie es war im Anfang, so jetzt und immer und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Mein König und mein Gott, meine Liebe und Glückseligkeit ! Dir jubelt meine Seele und mein Herz. Dich, du Leben meiner Seele, du, mein Gott, mein lebendiger und wahrhaftiger Gott, dich, die Quelle ewigen Lichtes, das seinem erbarmungsreichen Antlitz entströmend über mir Unwürdigem leuchtet, dich verlangt mein Herz zu grüßen, zu loben, zu verherrlichen und zu preisen. Das Mark meiner Kräfte und Sinne weihe ich dir, mein Gott, als Brandopfer neuen Lobes und inniger Danksagung.

Und was, mein Herr, könnt' ich dir vergelten für alles Gute, so du mir erwiesen hast (Ps 116, 3) ? Sieh, ich erkenne es: du hast mich mehr denn deine Ehre geliebt, hast seiner selbst meinetwillen nicht geschont. Du hast mich dazu für dich erschaffen, dazu dir erkauft und erkoren, dass du mich zu dir hinführtest und mir die Gnade verliehest, in dir selig zu leben und im höchsten Glück mich deiner ewiglich zu freuen. Und nun nach alle dem, was gäbe es im Himmel fern von dir (Ps 73, 25), oder was könnte ich von all deinen Gütern noch wünschen, wollen und verlangen außer dir ?

Du, mein Herr, bist meine Hoffnung, mein Ruhm, meine Seligkeit. Du bist der Quell, danach mein Geist dürstet. Du das Leben meiner Seele. Du, meines Herzens Jubel. Wohin, mein Gott, wird mich meine Bewunderung gegen sich entrücken ? Du bist alles Guten Anfang und Vollendung, und das Wohnen in dir ist wie allvereinende Festesfreude. Du bist das Lob meines Herzens und Mundes. Du prangest wundersam in der Frühlingsanmut deiner festlichen Liebe. Dich lobpreise und verherrliche deine über alles hehre Gottheit, denn du bist der Urgrund des ewigen Lichtes, der Urquell des Lebens. Keine Kreatur vermag dich würdig zu loben. Du allein genügst dir, du, dem niemals in sich etwas abgeht. Dein holdseliges Antlitz nährt freudiger als Honig und Honigwabe (Ps 18, 11) die Seelen der Heiligen.

Preise hier Gott den Herrn, deinen großen König, für all seine Erbarmungen:

Es preise dich, mein Gott, statt meiner dein glorreiches und wunderbares Licht, und dich lobe die Zier deiner erhabenen Majestät. Es preise dich die würdevolle Pracht deiner unermesslichen Glorie, und lobe die überherrliche Kraft deiner unbeschränkten Herrschergewalt. Es preise dich der Urglanz deiner ewigen Klarheit, und dich lobe deines Strahlenschmuckes hellschimmernde Anmut.

Es preise dich der Abgrund deiner gerechten Gerichte, und dich lobe der unerfassliche Kreislauf deiner ewigen Weisheit. Es preise dich die unermessliche Zahl deiner vielen Erbarmungen, und dich lobe das maßlose Gewicht all deiner Gnadenerweise.

Nun bring dem Herrn ein Jubelopfer dar und sprich andächtig:

Dir juble all das innige Mitleid und das Übermaß deiner unendlichen Güte. Dir juble seine übergroße und überfließende Menschenfreundlichkeit und die unbegrenzte Freigebigkeit deiner gütigsten Liebe. Dir juble die Siegeskraft deiner überwallenden Süßigkeit und das Vollmaß all jener Himmelsluft, die in dir deiner Auserwählten harrt.

Bete dann Gott deinen Herrn an, bitte ihn, dich einzuführen in sein heiliges Zelt und sich selbst an deiner Statt zu loben. Sprich:

O überseliges Leben, mein Gott, nach dem allein mein Auge sehnend schaut. Wann, ja wann wird sein Lebensstrahl im Glanz der Heiligen (Ps 110, 3) mich kleines Fünklein an sich und in sich ziehen, damit auch von meiner Zunge dein Lob und Jubellied erschalle vor deinem Thron, dort, wo dir, Gott dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist, in süßer Harmonie gleiche Danksagung und gleicher Lobpreis sei von allen Geschöpfen ? Wann wird meine Sehnsucht wie eine melodische Saite zusammenklingen mit den Harfen der Seraphim, die ohne Unterlass das unaussprechliche "Heilig" singen ? Wann der Jubel meines entzückten Herzens einstimmen in den lobpreisenden Chor dieser seligen Geister ?

Ach ! Wann wird meine, dem Fallstrick der Jäger entrissene Seele (Ps 128, 7) das schneeweiße Vließ deiner Unbeflecktheit umhüllen, damit ich dich, der du an Schönheit der Engel Antlitz überstrahlt, schaue, wie du einher schreitest vor den Chören der Jungfrauen und Heiligen, und das neue Lied der ewigen Hochzeit vernehme, das du, ihr König und Bräutigam, ihnen unter so lieblichem Zitherspiel vorsingt, - jenes Lied, in dem deine herrliche, hellklingende Stimme alle Zyimbeln des Himmels übertönt, so dass vor dem höchstwürdigen Lobgesang deiner selbst jede Zunge und Stimme verstummt ?

O wie gewaltig und süß ist der Jubel, wo dem Einen und dreifaltigen Herrn von der Einen und dreifaltigen Gottheit in vollkommenen Einklang die höchste und ewige Stimme des Lobes und der Danksagung ertönt wo die entzückende Schönheit der ganzen Tonkunst des Himmels verstummt, wo die gesamte Schar der Seraphim staunend ihre Flügel senkt. Eja, Gott meines Herzens, Gelebter meiner Sehnsucht, dort, dort in jenem Überfluss, den du aus der Überfülle deiner selbst besitzest, flechte jetzt in dieser Stunde in den Jubel deines göttlichen Herzens eine neue Weise des Lobes und des Dankes ein. Und so leiste dir statt meiner dieses deines Herzens jubelvolles Orgelspiel Ersatz für all das Gute, so du mir durch meine Erschaffung, Erlösung und Erwählung aus der Welt erwiesen.

Eja, und in jene Lobesstimme schließe dann meine Liebe zu dir ein, mit so unlösbarem Liebesband, dass dir das Mark meines Herzens unablässig zujuble und ich trotz dem Elend meiner Verbannung in heiliger Geduld immer nach deinem Lob dürste. Dann will ich danach verlangen, zu dir, meinem Schöpfer zurückzukehren, bis ich endlich die Bürde des Körpers abstreife und vor dir im Heiligtum erscheinen darf, wo sich in der Anschauung deines göttlichen Antlitzes mein Herz mit Freude, meine Zunge mit Jubelpreis erfüllt, wo ich in Ewigkeit über deine Güte frohlocke und mich rühme des unvergänglichen Genusses deiner liebend süßen Wesenheit. Amen.

Hier möge deine Seele, staunend über die unermesslichen Reichtümer und Freuden der Glorie ihres Gottes, entzückt über die unaussprechliche Schönheit seines Lobpreises, außer sich über die Herrlichkeit der Scharen, die ihn umstehen und über den genussreichen Zauber seines lichtstrahlenden und glorreichen Antlitzes fast aufgelöst, laut alle Kreaturen einladen zum Gotteslob durch den Preisesang "Benedicite" (Dan 3, 57 ff):

Preiset den Herrn, ihr alle Werke des Herrn, lobet und erhebet ihn über alle Ewigkeit.

Preiset den Herrn, ihr Engel des Herrn, preiset ihr Himmel, den Herrn.

Preiset, ihr Wasser all über dem Himmel, den Herrn.

Preiset den Herrn, ihr Kräfte all des Herrn.

Sonne und Mond, preiset den Herrn.

Sterne des Himmels, preiset den Herrn.

Regen und Tau, preiset alle den Herrn.

Alle Winde Gottes, preiset den Herrn.

Feuer und Hitze, preiset den Herrn.

Kälte und Hitze, preiset den Herrn.

Tau und Reif, preiset den Herrn.

Frost und Kälte, preiset den Herrn.

Eis und Schnee, preiset den Herrn.

Nacht und Tag, preiset den Herrn.

Licht und Finsternis, preiset den Herrn.

Blitz und Wolken, preiset den Herrn.

Die Erde lobe den Herrn, sie lobe und erhebe ihn über alle Ewigkeit.

Berg und Hügel, preiset den Herrn.

Alles was grünt auf Erden, preiset den Herrn.

Ihr Brunnen, preiset den Herrn.

Meere und Flüsse, preiset den Herrn.

Ihr Walfische und alles, was sich in den Wassern regt, preiset den Herrn.

All ihr Vögel des Himmels, preiset den Herrn.

All ihr wilden und zahmen Tiere, preiset den Herrn.

Ihr Menschenkinder, preiset den Herrn. Israel, preise den Herrn, lobet und erhebet ihn über alles in Ewigkeit.

Ihr Priester des Herrn, preiset den Herrn.

Ihr Diener des Herrn, preiset den Herrn.

Ihr Geister und Seelen der Gerechten, preiset den Herrn.

Ihr Heiligen und von Herzen Demütigen, preiset den Herrn.

Ananias, Azarias, Misael, preiset den Herrn, lobet und erhebet ihn über alles in Ewigkeit.

Lasset uns preisen den Vater und den Sohn und den Heiligen Geist. Lasset uns ihn loben und hoch erheben in Ewigkeit.

Gepriesen bist du, Herr, am Firmament des Himmels, der du lobwürdig, hochherrlich und hochpreiswürdig bist in Ewigkeit.

Mein Herz und mein Fleisch frohlocken in dir (Ps 84, 3), dem lebendigen Gott und es freut sich meine Seele in dir, meinem wahren Heil. Wie bewunderungswürdig ist dein Tempel, Herr, du König der Heerscharen ! Wie glorreich die Stätte deiner Wohnung, wo du, der allerhöchste Gott, thronend über alles herrschest in deiner Majestät ! Es sehnt sich und schmachtet die Kraft meiner Seele nach dem Einzug in deine Herrlichkeit.

Gott ! Mein Gott ! Du Liebe und Jubellust meines Herzens, meine Zuflucht und Stärke, mein Ruhm und mein Lob ! O Gott ! Wann wird meine Seele dich preisen in der Versammlung der Heiligen (Ps 110, 1) ? Wann werden meine Augen dich schauen, meinen Gott, den Gott der Götter ? Gott meines Herzens, wann wirst du mich beseligen durch den Anblick deines Angesichts ? Wann wirst du meines Herzens Sehnen durch die Enthüllung deiner Glorie stillen ? Mein Gott, mein auserlesener Anteil, meine Stärke und mein Ruhm ! Wann werd' ich eingehen in dein allgewaltiges Reich (Ps 71,16), um deine Macht und Herrlichkeit zu schauen (Ps 63, 3) ? Wann wirst du statt des Geistes der Trauer mit dem Kleid der Lobpreisung mich umhüllen, damit all meine Glieder im Verein mit den Engeln dir das Opfer lauter Danksagung darbringen ?

Gott meines Lebens, wann wer' ich in dein Ehrenzelt eingehen, damit auch ich dir das helle, hochfestliche Alleluja singe und mein Herz und meine Seele dir vor allen Heiligen bekennen, welche Wunder der Erbarmung bekennen, welche Wunder der Erbarmung du an mir geübt hast ? Mein Gott, mein herrliches Erbe, wann wird die Fessel dieser Sterblichkeit gesprengt und meine Seele, meine einzige, ohne Vermittlung dich schauen und lobpreisen ? Wann werd' ich in alle Ewigkeit wohnen in deinem Zelt, um für und für deinen Namen zu loben, deiner Hoheit ein neues Loblied zu singen ob der Fülle deiner Barmherzigkeit ?

Dir, mein Herr, ist keiner gleich unter den Göttern (Ps 86, 8) und die Tiefe der Reichtümer deiner wunderbaren Glorie (Röm 11, 33) ist unvergleichlich. Wer wird erforschen den Abgrund deiner Weisheit, und wer wird aufzählen die unbegrenzten Schätze deines überreichlichen Erbarmens ? Wahrlich, niemand ist so unendlich an Größe, niemand so unbeschränkt an Güte, wie du, o Gott, mein unsterblicher König. Wer wird die Glorie deiner Majestät schildern ? Wer an dem Glanz deiner Klarheit sich sättigen können ? Wie wird das Auge genug schauen, das Ohr genügend hören können von Verwunderung über die Herrlichkeit deines Antlitzes ?

Gott ! Mein Gott ! Du allein bist wunderbar und glorreich, du allein groß und preiswürdig, allein süß und liebenswürdig, allein schön und anmutreich, allein selig und freudenvoll. Du allein bist so groß und unübertrefflich, dass in der ganzen Herrlichkeit Himmels und der Erde nichts dir gleich erfunden wird. Dein Licht ist wunderbar und über allen Ruhm meinem Herzen lieb und wert. Dein Licht allein vermag meinen Geist zu erfreuen und dieses Lebens Überdruss umzuwandeln in freudiges frohlocken.

Wann wirst du die Lampe meiner Seele aufs neue in dir zu unverlöschlicher Flamme entzünden, damit ich in dir, gleichwie ich erkannt bin, so auch mich selber erkenne (1 Kor 13, 12) ? Wie glücklich, wie selig, wer schon in der Glorie deines Angesichts verborgen gehütet wird ! Ach ! Wann wird jener entzückende Strahl auch mich Unwürdige ganz in sich aufnehmen, dass ich Eine Liebe und Ein Geist mit dir werde ? All mein Inneres sage dir: "Herr, wer ist dir ähnlich (Ps 35, 10) ? Wahrlich, du hast keinen, der an Ruhm dir gliche, denn du allein bist der ruhmreiche Gott, hochpreiswürdig in Ewigkeit (Dan 3, 52) ! Wann wirst du mich Arme aus dem Staub erheben, damit ich vor deinem königlichen Antlitz erscheine ? Wann statt der Asche mir der ewigen Freude Krone geben, auf dass meine Seele dir in nie verklingendem Jubelruf lobsinge für all die Güter, so du mir in unverdienter Huld beschert ?

Schon wallt auf zu dir in Inbrunst meine Seele und mein Herz, du meines Herzens Gott und mein Teil, Gott in Ewigkeit (Ps 73, 26). In dir frohlockt mein Geist, in Gott, meinem Heiland (Lk 1, 47). Hätte ich Macht über jegliche Kreatur, sie alle und all die Prachtwerke deiner Hände vereinigte ich zum Lob deines Ruhmes. Beim Andenken an dein Lob beginnt mir Geist und Seele zu schmelzen. Hätte ich aller Engel und aller Menschen Kräfte, wie gern würde ich zu deinem Lob sie verwenden, damit mir vergönnt würde, wahrzunehmen, welcher Art die Preislieder und Festfreuden sind vor deinem heiligen Thron, wo du in seliger Ruhe den ewigen Sabbat feierst nebst der Arche deiner Heiligung (Ps 131, 8), wo dich Tausende und abertausendmal Tausend umstehen, die unaufhörlich, Tag und Nacht, dir heilig, heilig, heilig singen (Offb 4, 8).

Dort, in das goldene Rauchfass deines göttlichen Herzens, in dem immerwährend zu deinem Lob der süße Weihrauch ewiger Liebe brennt, dort werfe auch ich mein Herz, dies kleine Weihrauchkörnlein hinein, voll Sehnsucht und Verlangen, dass diese meine geringe und unwürdige Gabe, durch den Hauch deines Geistes zu gewaltiger Glut entzündet, in die eine Opferflamme deines Lobes übergehe. Möchten jene bangen Seufzer, die ich aus den Tiefen der Erde zu dir aufwärts sende um meiner schmerzlich langen Erwartung willen, dir zu unvergänglichen Preis und Ruhm gereichen. Amen.

Entflammt sodann zum Verlangen, aus innerster Seele Gottes Lob zu verkünden, und unfähig Worte zu finden, die seiner Würde angemessen wären, bitte Jesus, deinen Herrn und Liebhaber, er möge selbst statt deiner sich mit so unendlichen und erhabenen Lob preisen, wie es ihm sowohl geziemend als gefällig ist, und wie er am meisten gelobt zu werden sich freut. So sprich denn mit gottinnigem Herzen und Mund:

Es lobpreise dich, mein Gott, meine Freude, deiner Gottheit heilige Glorie, womit du neun Monde lang in Gnaden den keuschen Schoß der Jungfrau Maria erfüllt und bewohnt hast. Es lobpreise dich deiner Gottheit allerhöchste Kraft, die sich geneigt hat zur Niedrigkeit des jungfräulichen Tales. Es lobpreise dich deine über alles kunstreiche Allmacht, höchster Gott, womit du der jungfräulichen Rose eine solche Tugend, Schönheit und Zierde verliehen hast, dass du selber liebend nach ihr verlangen konntest.

Es lobpreise dich deine wunderbare Weisheit, deren reicher Gnadenerguss bewirkt hat, dass das ganze Leben Mariens dem Leib wie der Seele nach, deiner Würde angemessen war. Es lobpreise dich die starke, weise und freudige Liebe, die bewirkt hat, dass du, Blüte und Bräutigam der Jungfräulichkeit, der Jungfrau Sohn geworden bist. Es lobpreise dich die Selbstentäußerung deiner Majestät, die mir die Schätze der ewigen Erbschaft erworben. Es lobpreise dich die Annahme unserer menschlichen Natur, die mich zur Gemeinschaft deiner Gottheit berufen hat Es lobpreise dich die Verbannung, so du durch dreiunddreißig Jahre meinetwegen erduldet hast, um meine Seele, die verloren war, zur Quelle des ewigen Lebens zurückzuführen.

Es lobpreise dich all die Mühsal, all jener Schmerz und Schweiß deiner Menschheit, wodurch du all meine Angst, Not und Ermattung geheiligt hast. Es lobpreise dich die eigene Erfahrung meines Elends, wodurch du mir ein Vater vieler Erbarmung und ein Gott unendlicher Milde geworden bist. Es lobpreise dich deine überschwängliche Liebe, wodurch du selber meiner Seele kostbare Erlösung geworden bist. Es lobpreise dich die Tropfen deines kostbaren Blutes, alle zusammen und jeder einzeln, wodurch du meine Seele belebt und mich so teuer wieder erkauft hast.

Es lobpreise dich die Bitterkeit deines kostbaren Todes, die dir seine starke Liebe zu mir gebracht hat. Auf sie gestützt, scheue ich mich nicht, mir von dem Deinigen anzueignen, was meinen Verdiensten abgeht. Mit aller Zuversicht bin ich gewiss, dass du wahrhaft für mich besorgt bist, da du nach dem ewigen Recht des Eigentumerwerbs mein und ich dein bin. Es lobpreise dich statt meiner deine triumphreiche Herrlichkeit, durch die du in meinem Fleisch als Gottmensch zur Rechten des Vaters thronst, Gott, hochgepriesen in Ewigkeit. Es lobpreise dich deine eigene Klarheit, Ehre und Kraft, wodurch alle himmlischen Heerscharen wunderbar sättigt und erquickt werden.

Jetzt schließe dich ganz deinem göttlichen Liebhaber an und bitte den Herrn, er möge mit seiner innig geliebten Gebärerin, der Jungfrau Maria, und mit allen himmlischen Heerscharen sich selbst das Opfer des Jubellobes darbringen in der festlich frohen Stimmung seiner höchst entzückenden Liebe. Er, der selige Harfenspieler, wolle zu den Orgelklängen seiner Gottheit und der Zither seiner Menschheit vorspielen und vorsingen. So bete denn mit Herz und Mund:

Es lobsinge dir statt meiner, Gott meines Lebens, die Gottheit deiner erhabenen Dreifaltigkeit, ihre wesenhafte Einheit, ihre persönliche Eigentümlichkeit, ihre freudige Gemeinschaft und ihre wechselseitige Vertraulichkeit. Es lobsinge dir die Erhabenheit deiner unfassbaren Würde, ihre unwandelbare Ewigkeit, ihre unbefleckbare Reinheit, ihre uranfängliche Heiligkeit, ihre ruhmwürdige und vollkommene Glückseligkeit.

Es lobsinge dir das reinste Fleisch deiner heiligen Menschheit, worin du mich gereinigt hast, indem du Bein von meinem Bein und Fleisch von meinem Fleisch geworden (Gen 2, 23). Es lobsinge dir deine hellstrahlende Seele, dies überaus kostbare Pfand, womit meine Seele wieder eingelöst wurde. Es lobsinge dir dein vergöttlichtes, honigfließendes Herz, das die Liebe für mich im Tod gebrochen hat. Es lobsinge dir dein allgütiges und getreues Herz, zu dem die Lanze mir den Weg gebahnt hat, damit mein Herz dort eingehen und Ruhe finden möge. Es lobsinge dir dies liebetraute Herz, meine einzige Zuflucht während der irdischen Verbannung, das so mitleidsvoll stets um mich bekümmert ist, und, wie dürstend nach mir, nicht ruht noch rastet, bis es für immer in sich mich aufnimmt.

Es lobsinge dir statt meiner das überaus würdige Herz und die Seele der glorreichen Jungfrau und Mutter Maria, die du wegen meiner Heilsbedürftigkeit zur Mutter dir erkoren hast, auf dass mir ihre mütterliche Milde immer offen stehe. Es lobsinge dir deine treue Fürsorge, so du mir erweisest, indem du mit einer so mächtigen und erhabnen Fürsprecherin und Schutzfrau mich beglückt hast, durch die es mir leicht wird, bei dir Gnade zu finden, und in der ich deine ewige Barmherzigkeit zu bewahren zuversichtlich glaube. Es lobsinge dir dies wunderbare Zelt deiner Glorie, das allein dir zur heiligen Wohnstätte würdig gedient hat, und durch das du dir am Besten ergänzen kannst die Weise des Lobes und der Verherrlichung, so ich dir schuldig bin.

Es lobsinge dir statt meiner die sieben ruhmreichen Geister (Offb 3,1), die dienend vor seinem Thron stehen. Es lobsinge dir die unzählbare Schlachtreihe heiliger Engel, die du zum Dienst von dir auserwählten Geschlechtes entsendest (Hebr 1, 14). Es lobsingen dir die vierundzwanzig Ältesten mit allen Erzvätern und Propheten, die ihre Kronen niederlegend vor seinem Thron auf ihr Angesicht fallen und dir auf Harfen endloses Lob und Danksagung darbringen. Es lobsingen dir jene geheimnisvollen vier heiligen beflügelten Tiere (Off 4, 6), deren ganzes Innere Tag und Nacht dein Lob erschallen lässt.

Es lobsinge dir die apostolische Würde deiner trauten Freunde und Brüder, durch deren Fürbitten du wunderbar die heilige Kirche stützest. Es lobsinge dir die siegreiche Schar der Märtyrer, deren Gewänder purpurgefärbt sind in deinem kostbaren Blut (Offb 22,14). Es lobsinge dir das vollkommene Heer heiliger Bekenner, deren Geist du in dein wundersames Licht versetzt hast (1 Petr 2, 9). Es lobsinge dir die gesamte heilige und makellose Jungfrauschaft, die vereint mit dir der gleiche Glanz schneeweißer Reinheit schmückt. Es lobsinge dir statt meiner jenes neue Lied (Offb 5, 9), das in der Jungfrauen Mund ertönt, wenn sie dir folgen, wohin du immer gehst, guter Jesus, König und Bräutigam der Jungfrauen. Es lobsinge dir für mich das Innerste deiner Gottheit und die Fülle deiner Süßigkeit, woran sich labt und sättigt das himmlische Jerusalem im Lichtglanz deines göttlichen Angesichtes. Es lobsinge dir die ganze Heerschar deiner Auserwählten, dein Erbteil und dein eigentümlich Volk, weil sie mit dir und du ihr Gott mit ihnen bist in alle Ewigkeit (Offb 21, 3).

Es lobsingen dir des Himmels Gestirne allzumal, die so fröhlich dir leuchten und in deine Herrschaft berufen, dir immerdar zu Diensten sind (Röm 11, 36). Es lobsingen dir all deine Wunderwerke, die so mannigfaltig der ganze Kreis des Himmels, der Erde, des Abgrunds umschließt. Sie sollen dir jenes immerwährende Lob verkünden, das dir entströmend, zu dir, seinem Ursprung, zurück sich ergießt. Es lobsinge dir mein Herz und meine Seele, die ganze Wesenheit meines Fleisches und Geistes, mit der wirksamen Kraft des ganzen Weltalls. Dir also, aus dem alles ist, durch den alles ist, in dem alles ist, - dir allein sei Ehre und Ruhm in Ewigkeit. Amen (Bar 3, 55 f).

Durch das Lob deines Gottes und Königs, der im Heiligtum wohnt, gleichsam einigermaßen erquickt, erhebe dich nun mit erweitertem Herzens, um in Gott, deinem Liebhaber, dich zu freuen. Wirf all deine Herzensliebe auf ihn, damit er dich Hier auf der Erde mit den Segnungen seiner Süßigkeit (Ps 21, 4) nähre und dort oben zu den Segnungen seines vollen, ewigen Genusses führe. Sprich demnach:

Gott, mein Gott ! Weil du mein eigen bist, mangelt mir nichts. Und weil ich dein eigen bin, will ich in dir, meinem Gott und Heiland ewig mich rühmen. Du bereitest mir in all meiner Traurigkeit in dir selber ein erwünschtes Festmahl. Wo wäre auch meiner Seele wohl, außer in dir, Gott meines Lebens ? Ist schon so süß in diesem Elend das Gedächtnis deines Lobes, was erst, mein Gott, wann sich mir im Glanz deiner Gottheit wird deine Glorie offenbaren (Ps 17,15) ? Laben schon so erquickend die Tropfen deiner vorgekosteten Seligkeit, wie dann,, o heilige Freude, wann mir deren Vollmaß zuteil werden wird ? Erfüllt schon hier auf der Erde dein Trost mit Gütern und Verlangen (Ps 103, 5), wie dann, Gott meines Heiles, wann du meinen Geist ganz und gar in dich versenken wirst ?

Wie unendlich, wie unaussprechlich werd' ich an deinem seligen Antlitz mich weiden, das schon hier, ach, nur in seltener Stunde und in kurz gemessener Frist, meine Seele, auf die Weide deiner Süßigkeit gelagert, so ganz zerschmilzt und in dich übergeht ! Wie erquickend wird die Gegenwart deines göttlichen Angesichts sein, da schon hier, an den Wassern deiner innerlichen Tröstung, so süß, so köstlich das Mark meiner Seele und meines Geistes genährt wird ! Gott, mein Gott ! Wenn du meine Seele zu dir wendest, dann lässest du mich nichts mehr denken noch empfinden außer dir, dann nimmst du mich mir und gibst mich dir, so dass ich keine Sorge mehr um mich habe, weil du ja mein Selbst mir entziehst, um es in dir zu verbergen.

Und welch eine Luft, welch ein Frohlocken und Jubeln wird es sein, wenn du mir einst die Reize deiner Gottheit enthüllt, und meine Seele dich schaut von Angesicht zu Angesicht (1 Kor 13,12) ! Gewiss, dann wird mir in Zukunft nichts gefallen, als zu ruhen, o Gott, und deine Glorie zu betrachten, den Altar meiner Versöhnung zu umkreisen und dir meiner Versöhnung zu umkreisen und dir meiner Seele Mark in Jubel und Lob zu opfern.

Dann, meine Seele, wirst du sehen und überfließen, und dein Herz wird staunen und weit werden (Jes 60, 5), wann das weite Meer der ganzen, ewig anbetungswürdigen Dreifaltigkeit sich zu dir hinwendet (Jes 60, 5) mit der Fülle seines Reichtums und seiner Freuden und mit den Schatzkammern seiner Glorie. - Wann dir die Heereskraft der Völker entgegen wogt, die sich der König der Könige, der Herr der Herren (Offb 19, 16) mit starkem Arm aus der Hand der Feinde erobert. - Wann dich im seligen Glück ewiger Kindschaft überströmt die Flut der Erbarmung und Liebe, der göttlichen Allmacht, Weisheit und Güte. - Wann ewige Gotteskindschaft dein Anteil wird: dann wird der Kelch der Anschauung dir zu teil und du wirst trunken werden von ihm, dem berauschenden, vortrefflichen Glorienkelch des göttlichen Angesichts und getränkt werden aus dem Strom der göttlichen Freude (Ps 35, 9), wenn er selbst, der Urquell des Lichtes, dich ewig labt mit der Fülle seiner Freuden. Dann wirst du schauen die Himmelswohnungen voll der Herrlichkeit Gottes und jenes jungfräuliche Gestirn, das nächst Gott mit der Klarheit seines reinsten Lichtes den ganzen Himmel erleuchtet. Du wirst schauen die Wunderwerke der Finger Gottes und die Morgensterne (Joh 38, 7), die immerdar so lieblich vor Gottes Angesicht stehen, ihm zu dienen.

Gott meines Herzens und mein auserkorener Anteil ! Ach, ach ! Wie lange, wie lange bleibt meine Seele der Gegenwart deines anmutigen Antlitzes beraubt ! Dir allen ist hinlänglich bekannt die ganze Gebrechlichkeit dieser mir im Erdenelend dienenden Körperwohnung, dir allein bewusst die Not der Verbannung, in der ich seufze.

Eja, Geliebter meiner Sehnsucht, nach dir dürstet gar heftig mein Herz. Eja, lass mich eilig o Gott, zu dir, der Quelle des Lebens gelangen, um immerdar in dir ewiges Leben zu schöpfen. Eja, lass eilig dein Antlitz über mir leuchten, damit ich dich frohlockend schaue von Angesicht zu Angesicht. Ja, schnell, schnell, zeige dich selbst mir, damit ich mich selig deiner erfreue in Ewigkeit.

Eja, eja, Leben meines Geistes, trag hinauf zu dir den Schrei meiner Sehnsucht und veschmelz ihn zu einem Ton mit der festlichen Jubelharfe deiner Liebe. Mache dir mein Leben so ganz zu eigen und vermähle meine Seele so innig deiner Liebe, dass all mein Leben und Wirken dir auf zehnsaitiger Harfe lobsinge (Ps 92, 4) und all mein Sinnen und Trachten dir vereint, in dir, wahrhaftiges Leben meiner Seele, beginne, fortschreite und sich vollende.

Eja, und wieder eja, meines Herzens wahre Liebe, bring du selbst zu dieser Stunde statt meiner eine so feierliche, so herrliche Huldigung des Lobes und Dankes, in die ganze Hierarchie des Himmels einstimme, dir dar, eine Huldigung für jenes unvergleichlich große und süße Gut, das du mir selber bist, mein Gott, sowie für die Gnade, dass du von mir, dem Abschaum (1 Kor 4,13) aller Kreaturen, gekannt, geliebt und gelobt sein willst, als mein Gott und Heiland, als die einzige Ursache meines Heils, als das Leben meiner Seele.

Eja, und bei dieser Lobeshuldigung soll meine Seele das geringe Maß ihrer Geisteskraft in dich ausgießen und sich in der Liebe deines Lobes gänzlich auflösen, bis dereinst mein Geist glückselig zu dir, o Gott, heimkehrt. Eja, und in diesem Erdenleben lass an der Erinnerung deines Lobes mich ergötzen, dass in der Stunde meines Todes die starke Liebe und das dürstende Verlangen, dich zu sehen, dich zu loben und mit dir vereint zu sein, die Macht des Todes in mir überwältige. Sei du in jener Stunde der Angst mir selber Pforte und Heimatland, bis du mich zu den Freuden des Himmelslebens führst, auf dass endlich mein Geist und meine Seele in dir frohlocken (Lk 1, 47) in alle Ewigkeit. Amen.

Wie die einsame Turteltaube senke nun vor Begierde, das anmutige Antlitz des göttlichen Geliebten zu schauen, von Lebensmüdigkeit niedergebeugt, gleich jenen geheimnisvollen heiligen Tieren vor Gottes Thron, die Flügel deiner Sehnsucht nieder. Mache dem Herrn, deinem Gott, das Geständnis, dass dein Herz ganz und gar da sei, wer selbst, sein so ersehnter Schatz (Mt 6, 21), ist, und fleh zu ihm um eine gnädige und glückselige Sterbestunde.

Mein Herz haftet dort, wo Jesus, mein Leben, es will. Eja, geliebter, vor allen geliebter Jesus! Du bist das getreue Leben meiner Seele. Nach dir allein schmachtet meine Seele, nach dir allein dürstet innig mein Herz. Deine freudenreiche Seligkeit, deine wundervolle Schönheit, deine wehrwürdige Gestalt, deine angenehme Anmut haben mir eine gar süße Wunde geschlagen. Es fällt mir schwer, in Zukunft noch irdisches Licht schauen zu müssen.

Ich bin mir selber zuwider. Wie lange, mein Geliebter, wie lange hab' ich noch zu harren, bis ich dich genießen und dein seliges Antlitz schauen darf ? Du bist meiner Seele Labetrunk. Himmel und Erde und alles, was dein ist, kommen mir ohne dich vor wie eisstarre Winteröde. Nur dein liebliches Bild ist mir Frühlingstrost und Linderung.

Eja, o Liebe, Liebe ! Wann wird mir von dir die Gabe zuteil, dass mein Leib durch dich ausgelöst zum Staub wiederkehre, und meine Seele zu dir, o Gott, ihrem Lebensquell, zurückfließe ? Die unaussprechlich reinen Lichtströme deiner Gottheit, die in unendlichem Strahlenglanz so bezaubernd vom allerhöchsten Thron ausgehen, erfassten mächtig meinen Geist. Ach ! Was soll das arme Blättlein ferner noch am Baum warten, mitten im tosenden Sturm dieser Welt ?

Eja, o Liebe, Liebe ! Halte mich mit seiner gewaltigen Rechten, dass meine Seele im Sturm nicht untergehe. Das sanfte Rauschen des lebendigen Wassers, das seinem eigenen Urquell entsprudelt, hat unwiderstehlich mein Herz ergriffen. Ach ! Keine Leier ist jemals so süß erklungen. Deswegen ist mir dies Leben wertlos wie ein Traum geworden. Wie lange, ach, wie lange, werde ich noch seinen Trug ertragen müssen !

Eja, o Liebe, Liebe ? Dass du mich ja niemals von deiner Fessel lösest, bis du dem einzig Geliebten meines Herzens in seinem freudenvollen Schoß mich vorstellt ! Der köstliche Wohlgeruch der Lebensfrucht, die du selber bist, mein Trautgeliebter, hat meinen Geist mir entführt, so dass der modervolle Leib mir wie übelriechender Unrat vorkommt. Deshalb will mein Seufzen nach dir gar kein Ende nehmen.

Eja, o Liebe, Liebe ! Wann gedenkst du mich denn von diesem Leib zu lösen, auf dass ich mich des unvermittelten Genusses meines Herzgeliebten freue und bei ihm bleibe ohne Ende ?

Ein einziger Strahl deiner Gottheit, der durch den Schleier deiner Menschheit mich trifft, entzückt so wundersam meinen Geist, dass ich um ihn tausend Leiber, wofern ich sie hätte, unverzüglich preisgäbe. Welche Freuden enthüllen sich mir dann im Vollgenuss deiner strahlenden Klarheit ! Tausendmal würde ich den Tod für nichts achtem, wäre es mir vergönnt, die Lieblichkeit deiner Wahrheit zu schauen.

Eja, o Liebe, Liebe ! Handle doch mit mir erbarmungsvoll und entführe mich schnell zu jener hehren Festlichkeit, wo ich die Glorie meines getreuen Erlösers, meines Bräutigams erblicken darf. Die Fülle deiner Gottheit allein vermag meine Seele zu sättigen, die du in deiner Huld für dich geschaffen. Ein einziger Tropfen deiner Süßigkeit verzückt so gewaltig meinen Geist, dass mein Leben lang der Tod mir als Freude erscheint, um nur dein Angesicht beständiglich zu schauen.

Eja, o Liebe, Liebe ! Wann wirst du meine Seele vom Körper derart scheiden, dass mein Geist in dir, Trautgeliebter, dauernd wohne ? Deine liebreiche Umarmung ist so anmutig entzückend, dass, wenn ich tausend Herzen besäße, alle gleich zerfließen müssten. Dein lebensfrisches Liebkosen taucht mein Leben in dich unter und fesselt mit Allgewalt mein Gemüt an dich. Wie gern, ach wie gern, wär' ich schon entseelt, um mich vollkommen in den Strom deiner Gottheit zu versenken !

Eja, o Liebe, Liebe ! Möchtest du doch endlich in mir deine festliche Hochzeit bereiten, dass meine Seele dem Jammertal entrückt, in ihrem Ursprung, wie der Tropfen im Meer, zerrinne ! Eja, guter Jesus, meines Herzens Vielgeliebter über alles, was je geliebt werden kann, du mir einzig Erkorener ! Sei du mein Führer in diesem Elend, damit ich meine Tage in deinem Lob vollende und in deiner Gnade und Freundschaft mein Leben wohl beschließe.

Eja, Jesus, süße Liebe ! Sei du die Zufluchtsstätte deiner armen Braut, die außer dir nichts eigenes hat, noch irgend ein Gut. Sei ihr Fährmann auf dem hohe Wellen schlagendem Meer dieser Welt und ihr Trost in den bangen Stürmen des Todes. Reiche mir deine treue, gütige Vaterhand und sei du selbst der Stab meiner Stärke, worauf ich so fest mich stütze, trauter Befreier meiner Seele, dass vor deiner Macht zu nichte werden alle Listen und Anmaßungen meiner Feinde.

Eja, Jesus, mein treuer Freund ! Die abgründliche Tiefe deiner reich strömenden Barmherzigkeit sei mein sicherer Hafen, in dem ich dem entsetzlichen Anstürmen all meiner Widersacher entrinne. Alsdann sei du selbst meine Schutzburg. Lass mich frohgemut dorthin flüchten und dem mich umringendem Übel entweichen.

Eja, Jesus, meine süße Hoffnung ! Dein göttliches Herz, aus Liebe zu mir gebrochen und allen Sündern ohne Unterlass geöffnet, sei meiner Seele beim Scheiden aus ihrer Leiblichkeit der erste Zufluchtsort. Dort soll kraft deiner grenzenlos abgrundtiefen Liebe in einem Augenblick meine ganze Sündenschuld verschlungen werden, auf dass ich ungehindert mit dir, mein Herzgeliebter, eintrete in den himmlischen Brautreigen.

Eja, Jesus, meine einzige Rettung, mein Heiland und mein Gott ! Sende mir in meinen letzten Nöten die getreue Helferin Maria, deine liebenswerte Mutter, den vielgerühmten Meerestern, damit ich im Rosenschein des schimmernden Morgenrots ihres glorreichen Angesichts erkenne, dass du, die Sonne der Gerechtigkeit, meiner Seele dich näherst mit der Klarheit deines Lichtes. Eja, allertreuester Gebieter ! Du kennst meines Herzens Sehnen, denn du allein bist es, nach dem meine Seele seufzt. Eja, so komm denn eilig, damit ich bei deinem lieblichen Anblick meines Herzens Weh ganz vergesse.

Eja, o Liebe, Liebe ! Merk auf die Stunde meines Auszuges und drück ihr dein Siegel auf, damit unter deiner treuen Obhut, um deiner maßlosen Güte willen, auf die allein ich mich stütze, nichts meiner Seele zu schaden vermöge. So wirksam bekunde bei meinem Hingang deine freudige Weisheit und stärke meine arme Seele, dass in ihr auf ewig dein unbegrenztes Erbarmen widerstrahle, so du, mein ruhmwürdiger König, im Leben wie im Sterben an mir betätigt hast. Verzehr dann all meine Kräfte in deiner Kraft und versenke mich erbarmungsvoll in den Abgrund der Gottheit, wo mich in deiner Glorie das anmutige Antlitz meines herzgeliebten Jesus sättige, erquicke und vollauf befriedige. Amen.

Befiehl Gott neuerdings deinen Hingang und das Ende deines Lebens, damit er in allem dein Helfer und Mitwirker sei und deines Lebens Beschluss nach seiner Barmherzigkeit ordne und füge. Bete demnach:

Mein Gott und mein Herr, mein süßer Schöpfer und Erlöser, auf den allein mein Herz gehofft, an den ich geglaubt und den ich bekannt habe ! Frühlingsblume der Gottheit, benetze mich mit dem Gnadentau deiner blütenreichen Menschheit, damit sich meine Seele an dem Träufeln deiner heiligen Liebe und Süßigkeit labe. Lass mich das Leid dieser Verbannung vergessen, an jeglicher Tugendvollendung in dir, edelstes Kleinod und Blüte aller Tugenden, zunehmen und dir geeint, die Pilgerschaft dieses Elends gelassen ertragen, voll Geduld ausharrend in aller Trübsal und Not.

Mein Gott und mein König, der du im Heiligtum wohnst, in dem mein Leben mit meinem Jesus verborgen (Kol 3, 3) ist ! Sieh, deine keusche Liebesfreude hat mich überflutet. Schon bin ich in dir mir selbst erstorben, bin lebend in dir untergegangen. Und nun, wohin soll ich von dir weg mich wenden ? Weder im Himmel, noch auf Erden, kenne ich etwas außer dir. Mein Gott, du Ruhm Israels, der du deine Wohnstätte im Heiligtum hast (Ps 22, 4), du, in dem ich bin, lebe und mich bewege (Apg 17, 28), auf dich vertraue ich allein. Erweitert ist in dir mein Herz, denn du bist meine ganze und alleinige Freude und all meine Sehnsucht. Dein Lichtstrahl hat meinen schlummernden Geist geweckt.

Wann wird meine Seele von dem Lebensstrom deines göttlichen und ewig währenden Genusses verschlungen ? . Wann wird die brandende Woge deiner Liebe meinen Geist mit sich forttragen und mich dir zurückgeben zur Anschauung deines anmutigen Antlitzes ? Bist du doch der Gott meines Lebens, der Urheber meines Heiles und meiner Seele treuer Helfer, ohne den ich nichts bin, nichts weiß, nichts kann, noch vermag, auf den ich einzig baue, zu dem hinzukommen ich mich sehne, dessen freudenerregendes, Leben ausströmendes Angesicht zu schauen und dem ewiglich und unzertrennlich anzuhangen, mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und aller Kraft (Mk 12, 30) ich begehre.

Eja, weihe all mein Sein und mein Leben gänzlich deinem Preis und Ruhm, so dass meiner Seele Mark, meine ganz Körperschaft und Wesenheit in voller Lieb' und Herzlichkeit dich in allen Gedanken, Worten, Werken und Anmutungen immerdar lobe und verherrliche. Die Erwägung, dass meine Seele in den Kerkerbanden dieses Leibes schmachtet, heiß verlangend, seufzend und sehnend nach dir, dem starken und lebendigen Gott (Ps 42, 3), und dass sie so armselig in dieser Verbannung nicht kennt die Zeit ihres Eingangs und Auszugs (Ps 121, 8), die einzige Erwägung ferner, dass du, Vater der Erbarmungen (2 Kor 1, 3), deiner Hände Werk nicht verschmäht (Ps 137, 8), noch verlässt, - sie rühre die Abgrundtiefe deiner Barmherzigkeit. Schau darum auf mich armen Erdenpilger mit eben jenem innigen Mitleid herab, das du mir bewiesen hast, als du 33 Jahre lang diese Verbannung gnädig selbst erduldetest, und wie du dich meiner erbarmtest, als dein liebendes Herz, mich zu gewinnen, am Kreuz vor Liebe brach.

Eja, meiner Seele seligstes Leben, sei du in allen Anfechtungen mein Triumph und Sieg, in allen Krankheiten meine Geduld, in aller Trübsal mein Trost, in jedem Gedanken, Wort und Werk meine ganze Willensmeinung, mein Anfang, mein Ziel und meine Vollendung. Sei in meinem ganzen Leben meine Heiligung und in der langen Wartezeit bis zum Ende des Kampfes meine Beharrlichkeit.

Eja, du mein herrliches Erbe, du bester Teil (Lk 10, 42) meiner Seele, auf den allein mein Warten und Hoffen zielt ! Füge und ordne nach deiner Herzensgüte und Milde all meine Angelegenheiten in der Stunde meines Hinganges, auf dass das Banner deines kostbaren Kreuzes mir alsdann gegen alle Arglist Satans festen Schutz gewähre. Deines siegreichen Leidens herrliche Waffen, die Nägel samt der Lanze, seien mir gegen seine tausendfältige Tücke sichere Wehr. So von deinem siegreichen Liebestod umschirmt und mit dem Lösepreis deines kostbaren Blutes bezeichnet, will ich, während du mir Führer und Wegzehrung bist, wohl behütet durch die enge Kluft des Todes hindurchschreiten.

Dann verlass mich nicht, mein Heil, sondern erscheine mir in deiner Liebe, Vaterhuld und Barmherzigkeit, damit ich von Angesicht zu Angesicht (1 Kor 13,12) dich schaue, meinen Gott, der du mich liebst und für dich erschaffen hast. Dort, herzlieber Jesus, Stütze meiner Seele, zeige mir im Spiegel deiner unverhüllten Anschauung die Glorie deiner Gottheit, damit mein Geist und meine Seele voll werde deines freudigen und herrlichen Lobes, und mein Herz sich auf ewig erfreue in dir, mein trautlieber Heiland.

Und meine von dir erlöste Seele, genährt mit dem überreichen, freudigen Eindruck deines anmutigen Angesichtes, frohlocke in den Gütern deines Hauses, und freue sich hochentzückt, den unzählbaren Nachstellungen und Schlingen des Teufels, der Welt und des Fleisches, sowie den Todesängsten entronnen zu sein, dich aber, mein süßester Anteil und mein freudiges Leben, nun zu besitzen. Dort werden wir in ewig unteilbarer Liebeseinheit, du in mir und ich in dir, einander angehören. Dort werde ich ob all der mir erwiesenen Wohltaten unablässig seinen Namen loben, weil du der Gott meines Lebens, der Erlöser und Liebhaber meiner Seele bist.

Hier begehre vom Herrn den Segen und die Befolgung in seiner Liebe, bis du zu seiner Anschauung gelangst:

O einigende Liebe, Gott meines Herzens, Liebe, Preis und Frohlocken meines Geistes ! Mein König und mein Gott ! Mein Geliebter, erkoren aus Tausenden ! Trautliebster Bräutigam meiner Seele ! Herr, König der Heerscharen, den mein Herz allein liebt, sucht und ersehnt ! Eja, Gott der Liebe, sei unterdessen meine Morgengabe voll des Segens göttlicher Süßigkeit. Dir vermähle sich mein Geist zu einem Geist, zu einem Odem, zu einem Willen, zu einer Liebe, bis er einst auf ewig mit dir ein Geist werde. Sei du selbst, feurige Liebe, mir eine wirksame, Leben spendende und süß anfachende Segnung auf dieser meiner Pilgerfahrt, damit meine Seele samt all meiner Kraft und Wesenheit unverlöschlich entbrenne gleich einem wahren Feuerfunken in der Flammenglut deiner Liebe.

Sei du selbst, lebendige Liebe, mir vollbringende und vollendende Segnung, die dir meine Seele als würdige Braut zuführe, damit mein ganzes Leben in deiner Liebe geordnet und mein Sterben durch die Lebendigkeit meines Glaubens, meiner Hoffnung und Liebe, durch alle Heilmittel der Kirche würdig vorbereitet, in dir, mein allerseligstes Leben glücklich vollendet werde. Lass meine Seele dann, nachdem sie all ihre Kräfte in deinem Dienst verbraucht, alles Mark des Herzens in deiner Liebe verzehrt hat, dieses Leibes Bürde abwerfen und frohgemut, sorglos und frei dir, mein Heißgeliebter, folgen bis hinein in die freudenvollen und entzückenden Tiefen der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Dort werden von deiner Vatergüte alle meine Sünden verziehen, von deiner unaussprechlichen Liebe all meine Missetaten bedeckt und alle Trümmer meines zerfallenen Lebens von dir, reiche Liebe, durch den vollkommenen Wandel mit meinem Jesus wieder hergestellt sein. Dort soll meine Seele, die hier im Überdruss dieses Erdenlebens verkümmert und dahinsiecht, verjüngt in dir, lebenskräftige Liebe, und dem Adler gleich erneut, jubelnd frohlocken und aufjauchzen in der Seligkeit deines freudiglichen Antlitzes, denn gefunden hat sie nun und ergriffen und fest gehalten, die unendlichen Freuden des ewigen Lebens, um sie in dir, Gott der Liebe, zu besitzen in Ewigkeit. Amen.

Siebte Übung: Genugtuung für die Sünden und Vorbereitung auf den Tod

Wenn du einen Tag der Genugtuung begehen willst, so sammle dich zu jeder Zeit der sieben kirchlichen Tagzeiten ganz in dir, um mit der Liebe ein Zwiegespräch zu halten. Entsende sie für dich zum Vater der Erbarmungen (2 Kor 1, 3), damit sie ihn versöhne und bestimme, dir aus dem Leidensschatz seines Sohnes die Gesamtschuld bis aufs letzte Pünktlein der Versäumnis erlassen zu wollen. So magst du an deinem Ende der beruhigenden Zuversicht sein, dass dir alle Sünden vollständig verziehen sind. Vorerst lies

zur Mette

die erste Strophe des Lobgesanges

"Amorem sensus" (ein mittelalterlicher Brevierhymnus).
O Gnadenspender, wende du
dir selbst der Liebe Sehnsucht zu;
Lass gnädig fleckenlos und rein
die dir geweihten Herzen sein.

Lass dich durch deine Güte bewegen, unsere Sünden in Gnaden zu tilgen (Aus dem Vesperhymnus von Christi Himmelfahrt) und mich Unwürdige nach des Herzens Verlangen ohne Säumen in der Todesstunde mit deinem freudenvollen Antlitz zu sättigen (Aus dem Vesperhymnus von Christi Himmelfahrt), damit ich in dir die ewige Ruhe finde.

Besänftige nun den Vater mit Hilfe der Barmherzigkeit und Liebe und sprich mit Herz und Mund:

Süße Barmherzigkeit Gottes, voll Güte und Milde, sieh, in meines Herzens Leid und Not nehme ich Elende meine Zuflucht zu deinen milden Ratschlägen, denn du bist all meine Hoffnung und Zuversicht. Nie hast du einem Elenden verschmäht. Nie hast du einen Sünder, auch nicht den, der am meisten Abscheu erregt, von dir gewiesen. Keinen, der sich zu dir flüchtete, hast du jemals verstoßen, noch irgend einen, der in bedrängter Lage war, unbarmherzig übergangen. Gleich einer Mutter, bist du vielmehr jedem Notleidenden zu Hilfe gekommen und hast allen, so deinem Namen angerufen, huldvoll beigestanden.

Eja, verwirf auch mich Unwürdige meiner Sünden halber nicht, verbanne mich meines unnützen Wandels wegen nicht von dir. Verschmähe mich nicht, noch sage von mir: "Wozu nimmt diese noch auf Erden ihren Platz ein (Lk 13, 7) ?" Trage vielmehr der dir eigenen Vatergüte gemäß herzlich Sorge für mich. Sieh, da ich völlig entblößt bin von allen Verdiensten, so ich eile, um nicht obdachlos in der Einöde meines unfruchtbaren Lebens vor Kälte und Regen zugrunde zu gehen, hin zu den in dir selbst errichteten liebreichen Armenherbergen. Ich hoffe, dass mir von deiner freigebigen Hand jenes Almosen gereicht werde, das mein verlorenes Leben wieder gut macht. Dort erwärme mit den Vließen deiner vielfältigen Erbarmung die durch meine Nacktheit erstarrten Glieder, bedecke mit deiner Liebe alle meine Sünden, ergänze alle meine Nachlässigkeiten. Eja, erschließe mir eine sicheren Wohnstätten, damit ich dort durch deine Gnade gerettet werde. Durch dich komme mir Gottes gütige Liebe zu Hilfe, die allein Geist und Seele ganz gesund machen kann.

Eja, o Liebe, Liebe ! Schau an meinen Jesus, deinen königlichen Gefangenen, geschmückt mit dem Diadem der Barmherzigkeit, ihn, den du zu dieser nächtlichen Stunde mit solcher Gewalt gefangen genommen hast, dass du mit ihm all seine Güter an dich rissest, um mit dieser edelsten Beute Himmel und Erde zu bereichern und aus dem Überfluss deines so glorreichen Gefangenen alles mit Gütern zu erfüllen. Eja, mit diesem kostbaren Raubgut, mit diesem tausendfach herzlieben Gefangenen, lös mir mein verlorenes Leben wieder ein und leiste für meinen nutzlosen Wandel nicht etwa sieben-, sondern hundertfachen Erlass. Denn hätt' ich auch aller Menschen und aller Engel Leben, so wär' ich doch keineswegs an Wert mit deinem liebetrauten Gefangenen vergleichbar, um wie viel weniger denn nun, da ich ein armseliger Mensch und nur Staub und Asche bin (Gen 18, 27) !

O, würde mir doch das Los beschieden, dass du auch mich armseliges Dinglein zugleich mit dem herzliebsten Jesus gefangen nähmest, bändest und zu deinem Erbeigentum achtest, damit ich, im Verkehr und Gespräch mit diesem göttlichen Gefangenen, aus einer Sünderin eine Heilige, aus einer Nichtswürdigen ein wahrhaft geistlicher Mensch, aus einer Feindin Gottes seine wahre Freundin, aus einer lauen eine inbrünstig nach Gott verlangende, aus einer dürren und unfruchtbaren eine in aller Tugend vollkommene, an Heiligkeit des (Ordens-) Berufes reich sprossende Seele würde. Dann, mein trautlieber Jesus, würde der Schoß deiner Barmherzigkeit mein süßes Gefängnis. Dann würde dein göttliches Herz mir Fessel und Kerker, so dass ich in der Gewalt der lebendigen Liebe stets deine Gefangene wäre, unlösbar an dich gekettet, ganz dir lebend und geeint und unfähig, je in Ewigkeit von dir getrennt zu werden. Amen.

Zur Prim

halte ein Zwiegespräch mit der göttlichen Liebe und Wahrheit, um durch ihre Fürsprache in der Todesstunde voll Zuversicht zum Gericht zu kommen, wenn du ihn selbst, Jesus, deinen Richter, zum gütigen Sachwalter hast. Sprich daher die zweite Strophe:

Allgütiger Herr, vor dir, fürwahr !
Des Menschen Fall ist offenbar.
Das Fleisch ist schwach und allezeit
ist unser Wandel Eitelkeit.

Lass dich durch deine Güte bewegen, unsere Sünden in Gnaden zu tilgen und mich Unwürdige nach des Herzens Verlangen ohne Säumen in der Todesstunde mit deinem freudenvollen Antlitz zu sättigen, damit ich in dir die ewige Ruhe finde.

Beginne nun Gott so zu besänftigen:

Teure Wahrheit, allzeit dir gleichbleibende Gerechtigkeit Gottes ! Wie darf ich es wagen, vor deinem Angesicht zu erscheinen, beschwert mit meiner Ungerechtigkeit, mit der Schuldenlast meines verlorenen Lebens, mit der Bürde meiner überaus großen Nachlässigkeit. Ach ! Den Schatz des christlichen Glaubens und des geistlichen Lebens hab' ich nicht auf der Wechselbank der Liebe angelegt, so dass ihn samt Zinseszinsen jeglicher Vollkommenheit nach Wunsch einfordern könntest. Das mir anvertraute Talent der Zeit hab' ich nicht nur fruchtlos vergeudet, sondern verloren, verdorben und ganz zugrunde gerichtet. Wohin soll ich nun gehen ? Wohin mich wenden ? Wohin flüchten vor deinem Angesicht (Ps 138, 7) ?

O Wahrheit, unzertrennlich hast du zu Beisitzenden die Gerechtigkeit und die Billigkeit. Du richtest alles nach Zahl, Gewicht und Maß (Sir 11, 21). Was immer du ergreifst, wägst du auf höchst gerechter Waage. Weh mir, tausendmal weh, wenn ich dir überantwortet würde ohne Anwalt, der für mich Rede stünde ! O Liebe, tritt du ein für mich. Rede du statt meiner. Erwirke du mir Vergebung. Nimm du meiner Sache dich an, auf dass ich deinetwegen am Leben bleibe (Gen 12, 18).

Ich weiß, was ich tue (Lk 16, 4). Den Kelch des Heils will ich ergreifen. Den Kelch Jesu will ich in die leere Waagschale der Wahrheit legen. So, ja so, werde ich alles, was mir mangelt, ersetzen, so all meine Sünden decken. Mit jenem Kelch werde ich all meine Schulden tilgen. Mit jenem Kelch meine ganze Unvollkommenheit überreichlich ausgleichen. Eja, Liebe, jenen königlichen Gefangenen, meinen Jesus, ihn, der gerührt durch dein herzliches Erbarmen bis ins innerste Mark schwach geworden. Ihn, den zu zu dieser Stunde so gewaltsam vor Gericht gezogen, um ihm die Sünden aller Welt aufzubürden, da er doch keine Makel an sich trug, es wäre denn seine Liebe zu mir und meine Todesschuld, so du von ihm einforderst, - eja, ihn, diesen Unschuldigsten, Trautliebsten, aus Liebe zu mir Verurteilten und für mich dem Tod Überantworteten. Ja, ihn lass mich heute von dir, süßeste Liebe, zum Vorsitzenden bei meinem Gericht empfangen. Gib ihn mir zum Bürgen, dass er den Vorsitz führe in meiner ganzen Rechtssache.

Teure Wahrheit ! Ohne meinen Jesus zu dir zu kommen, wäre mir unerträglich. Doch mit meinem Jesus vor dir zu erscheinen, ist mir gar lieb und angenehm. Besteige nun, o Wahrheit, deinen Richterstuhl. Tritt ein in den Richtsaal und bringe wider mich vor, was immer dir gut dünkt. Ich werde kein Übel fürchten (Ps 22, 4). Bin ich doch gewiss, durchaus gewiss, dass ich vor deinem Angesicht keineswegs zuschanden werde, da meine große Hoffnung, meine ganze Zuversicht bei mir ist. Ich möchte wissen, welch Urteil du nun über mich sprechen dürstest, wo ich meinen Jesus bei mir habe, ihn, den herzliebsten, treuesten Freund, der mein Elend eduldet hat, um mir bei dir große Barmherzigkeit zu erlangen.

Mein trautlieber Jesus, geliebtes Pfand meiner Erlösung, so komm du mit mir vor Gericht. Eja, lass uns zusammenstehen ! Sei du mein Richter und Rechtsanwalt zugleich. Zähl auf, was du für mich geworden, wie gütig du meiner gedacht, wie teuer du mich erkauft hast, damit ich durch dich gerechtfertigt werde. Du lebtest für mich, auf dass ich nicht zugrunde gehe. Du trugst die Last meiner Sünden. Du starbst für mich, damit ich in Ewigkeit nicht sterbe. Du gabst mir alles, was dein war, damit ich durch dich reich an Verdienst werde. Eja, so richte mich in der Todesstunde nach jener Unschuld, nach jener Makellosigkeit, die du mir verliehen hast, da du, für mich verurteilt und verdammt, meine ganze Schuld zahltest, damit ich, von mir aus arm und unbemittelt (Ps 86,1), durch dich an allen Gütern Überfluss hätte.

Zur Terz

suche den Frieden und die Liebe auf, um deiner Sinne Kraft und Mark auf ewig dem Herrn zu weihen, damit du dadurch in der Todesstunde vollständig mit Gott versöhnt erfunden werdest. So bete denn die dritte Strophe:

Die Schuld, sie sei vor dir genannt,
ist ihr doch aller Herz bekannt.
Nimm von uns weg, was dir missfällt,
den Traum der trügerischen Welt.

Lass dich durch deine Güte bewegen, unsere Sünden in Gnaden zu tilgen und mich Unwürdige nach des Herzens Verlangen ohne Säumen in der Todesstunde mit deinem freudenvollen Antlitz zu sättigen, damit ich in dir die ewige Ruhe finde.

Friede Gottes, der jeden Begriff übersteigt (Phil 4, 7), du bist sanft und liebenswürdig, süß und unvergleichlich. Wo immer du hinkommst, herrscht ungestörte Ruhe und Sicherheit. Du allein vermagst den Zorn des höchsten Gebieters zu zügeln. Du schmückst mit Milde des Königs Thron. Du verherrlichst durch Güte und Erbarmung das Reich der erhabenen Majestät Gottes. Eja, führe denn meine Sache, die Sache des Schuldigen und Armen. Eja, nimm mich auf unter deine schützenden Fittiche, damit ich dort vor jenen drohenden Übeln geschirmt sei (Ps 17, 8), vor denen mir bangt wegen meiner vielfältigen, gar großen Versäumnisse.

Sieh, schon steht der Gläubiger vor der Türe und fordert das hinterlegte Pfand meines Lebens von mir. Der Gerichtsdiener verlangt den Zins meiner Zeit, und ich wage nicht, mit ihm zu sprechen, da ich nicht habe, womit ich die Schuld bezahle. Süßester Jesus, mein Friede, wie lange schweigst du ? Wie lange verstellst du dich und redest nicht ? Eja, sprich doch nun für mich und verkünde das Liebeswort: "Ich will sie erlösen" (Hos 13,14) ! Du bist ja die Zuflucht aller Elenden. Du lässt ja niemand ungegrüßt an dir vorübergehen. Du hast ja noch keinen, der zu dir geeilt, unversöhnt entlassen. Eja, so geh doch auch an mir Elenden und Verzweifelnden nicht teilnahmslos vorüber. Besänftige den mir zürnenden Vater. Nimm mich auf in deinen Liebesschoß. Reiche mir den frischen Wassertrunk heiliger Hoffnung, auf dass ich lebe. O Liebe, kühle du meine lechzende Zunge. Erquicke meine Seele, die fast verschmachtet und kaum mehr zu atmen vermag.

Eja, o Liebe ! Liebe ! Gib mir doch meinen Jesus, der zu dieser Stunde für mich gegeißelt und mit Dornen gekrönt wurde, den von mitleidsvoller Liebe berauschten Jesus, meinen wahren König, außer dem ich keinen anderen kenne, ihn, den du zum Spott der Menschen gemacht hast, verschmäht und verachtet gleich einem Aussätzigen, damit das Judenland ihn als den Seinigen verleugnete, ich aber durch deine Güte zum Eigentum ihn erhielte. Ihn, diesen Schuldlosesten, diesen Herzliebsten, der, was er nicht geraubt, so vollständig für mich zurückerstattete (Ps 68, 5), meinen Jesus leg in die Arme meiner Seele, lass mich ihn an mein Herz drücken und durch die Bitterkeit seiner Schmerzen und Leiden meinen Geist wieder beleben. Ach ! Dass die gar herbe Buße, so du um meines Friedens (Jes 53, 5) willen ihm aufgelegt, all meine Schulden und Säumnisse tilgte !

O Friede, sei du mir das herrliche, ewig verknüpfende Band mit Jesus. Sei du meiner Stärke teure und unerschütterliche Säule, damit ich, in unzertrennbarer Freundschaft an dich gebunden, ein Herz und eine Seele (Apg 4, 32) mit Jesus werde. In dir freudenvoller Friede, will ich freudig der Liebe Geißelstreiche, der Liebe tiefste Herzenswunden empfangen und auf immerdar durch dich mit meinem Jesus verschmolzen sein.

O Friede, noch ein Wörtlein gestattete mir. Öffne mir jenes kostbare, bei dir hinterlegte Liebesgefäß von Alabaster, damit sein belebender Wohlgeruch meinen matten, schläfrigen Geist erquicke. Berühre und salbe meine Sinne mit dem Blut jenes glorreichen Hauptes, mit dem Schmerz jener ehrwürdigen Sinne und Glieder, damit ihr balsamischer Duft meines Geistes Trägheit und Erstarrung gänzlich umwandle, gleichwie die Unfruchtbarkeit der Erde sich zur Frühlingszeit in neuen Blütenflor umwandelt.

Eja, mein süßester Jesus, lass die Pein deiner allerheiligsten Sinne mir völlige Schuldendeckung und Ersatz sein für all meine Fahrlässigkeit, so dass ich, was mir in mir selbst gebricht, vollkommen in dir besitze, der du dich ganz für mich hingegeben hast. Amen.

Zur Sext

lass dich mit der göttlichen Weisheit und Liebe in ein Gespräch ein, um Erneuerung deines ganzen Wesens zu erwirken und in der Sterbestunde kraft des kostbaren Kreuzes Christi vor jeder Versuchung und Tücke des Feindes geschützt zu sein. Bete die vierte Strophe:

Als Pilger weilen wir allhier
und seufzen als verbannt zu dir:
Der Hafen, unser Vaterland, bist du,
führ uns des Lebens Hallen zu.

Lass dich durch deine Güte bewegen, unsere Sünden in Gnaden zu tilgen und mich Unwürdige nach des Herzens Verlangen ohne Säumen in der Todesstunde mit deinem freudenvollen Antlitz zu sättigen, damit in dir die ewige Ruhe finde.

Bewunderungswürdige Weisheit Gottes, wie gewaltig, wie klangvoll ist deine Stimme ! Ausnahmslos rufst du alle zu dir, die sich nach dir sehnen. Du wohnst in den Demütigen. Du liebst, die dich lieben (Spr 8, 17). Du richtest die Sache des Armen (Jer 22, 16). Du erbarmst dich liebevoll aller und hassest nichts von dem, so du erschaffen. Du siehst die Sünden der Menschen nach (Weih 11, 24 f) und harrst voll Erbarmen ihrer Bekehrung. Eja, öffne auch mir die Ader des Lebens. Reiche mir den Becher der Verzeihung, damit ich wisse, was allzeit vor dir genehm ist (Weish 9,10).

O Weisheit. du trägst in deiner Rechten das heilige Zeichen der Ewigkeit. Dir gelingt alles. Du vermagst einzig und allein alles. Du verbleibst in dir selber und erneuerst alle Dinge. Eja, erneuere und heilige denn auch mich in dir, um auch in meiner Seele Wohnung nehmen zu können. Du erwählst die Freunde Gottes. Eja, erwirb auch mir Gottes Freundschaft. Lass mich am Morgen aufwachen zu dir (Jes 26, 9), damit ich dich in Wahrheit finde. Nimm zuerst von mir Besitz, damit ich in Wahrheit nach dir verlange.

Wie weise ordnend wandelst du umher ! Wie fürsorglich richtest du alles ein ! Unter dem Vorwand, den Menschen zu retten, bestürmtest und umkreistest du mit klugem Rat den König der Glorie, hieltest ihm, ohne die fürstliche Majestät zu schmälern, den Gedanken des Friedens und die Erfüllung der Liebe vor und legtest das Werkzeug der Liebe auf seine Schulter, damit er am Holz die Missetat des Volkes trage (1 Petr 2, 24). Eja, hellstrahlende Weisheit Gottes, keine teuflische Bosheit vermochte deine herrlichen Werke zu hintertreiben. Keine Wahnwitz menschlicher Verkehrtheit war imstande, deine liebevollen Ratschlüsse umzustoßen. Kein Übermaß von Verbrechen war fähig, den Reichtum deiner Erbarmung, die Größe deiner Liebe, die Fülle deiner Güte auszulöschen und zu bewirken, dass dein hehrer königlicher Plan vereitelt würde. Denn alle Dinge fügtest du mit Milde und wartetest mit Kraft von einem Ende bis zum anderen (Weish 8,1).

O Weisheit, der göttlichen Majestät erhabenste Eigenschaft ! Ach ! Dass doch deine Oberherrschaft auch in mir Unwürdigen siegte ! Dass ein Hauch deines Mundes alles deinem Willen und Wohlgefallen in mir Widerstrebende bei mir winzigem Geschöpfe tilgte und vernichtete ! Dass ich durch dich alle Versuchungen überwände, durch dich im Drang der Liebe mir sterbend lebte und in dir alle Hindernisse besiegte ! Unter deiner Führung würde ich glücklich dem Schiffbruch dieses Lebens entrinnen. Du würdest mich mit deiner Liebe wie mit einem Gewand, mit deiner Zärtlichkeit wie mit einem Mantel bedecken, und einen ewigen Bund herzlicher Freundschaft mit mir schließen.

O Weisheit, was für ein seltsames Spiel treibst du ? Was beginnst du, dass du meinen Jesus überlistest ? Du entblößt den König der Herrlichkeit und machst ihn zum Schauspiel des Spottes. Du schlägst an den Holzstamm den Lösepreis der ganzen Welt. Du allein wägst und prüfst den Wert dieses Geheimnisses um die Gesamtschuld abzutragen. Du hebst von der Erde an, das Kreuz das Leben aller empor, damit es durch seinen Tod alles an sich ziehe (Joh 12, 32) und lebendig mache.

O Liebe, wie weise bereitest du lindernde Arznei für die krankende Menschheit. Wie mitleidsvoll verbandest du ihre Wunden ! O Liebe, dein Rat kommt den Verlorenen zu Hilfe. Du verurteilst den Unschuldigen, um den elenden Schuldigen zu retten. Du vergießest schuldloses Blut, die zürnende Gerechtigkeit zu beschwichtigen, und dem Armen, dem Dürftigen einen besänftigten Vater zu gewinnen. O weisheitsvolle Liebe, unter deinen Anordnungen leben die Unglücklichen wieder auf. Du triffst ein für den Frieden. Du erhörst gnädig die fürsprechende Barmherzigkeit. Du hilfst der Not aller mit klugem Rat ab, durch das gütige Wohlwollen deiner Milde. Du setztest dem allgemeinen Jammer ein Ziel durch das ruhmreiche Werk deiner Erbarmung. O Liebe, deine Erfindsamkeit ist Ursache des Heiles allen, die verloren waren.

Sieh, o Weisheit, weit geöffnet ist nun die Schatzkammer deiner mitleidigen Liebe. Eja, wirf einen Blick auf mich Hilflose, die draussen an der Pforte deiner Liebe steht. Eja, fülle den Mantel meiner Armut mit dem Segen deiner Süßigkeiten (Ps 21, 4). Sieh, vor dir steht die leere Schale meiner Sehnsucht. Eja, so öffne sich der Riegel, der deine Reichtümer verschließt. Unterweise mein Herz in deinen keuschen Ratschlägen, in deinen lichtvollen Lehren, in deinen treuen Satzungen (Ps19, 8). Mache mich eingedenk deiner Gebote, damit ich sie erfülle (Ps 103, 18). Eja, mein Jesus, handle nicht mit mir nach meinen Sünden und vergilt mir nicht nach meinen Missetaten (Ps 103,10). Eja, wie du mir in deinem Blut wahrhaft ein Versöhner geworden, so erstatte mir kraft deines kostbaren Kreuzes die ganze Einbuße meines verlorenen Lebens.

Eja, weise Liebe, bedecke und verhülle du in mir jegliches Vergehen. Ergänze in mir jedes Versäumnis durch meinen Jesus, der sich aus freien Stücken ganz dir preisgegeben hat.

Zur Non

unterrede dich mit der göttlichen Liebe und Zärtlichkeit, um sie zu bestimmen, dir für deine Übel ihre Güter auszutauschen. Übergib deinen Tod dem Tode des Lammes, damit du unter solcher Hut sicher und ruhig hinüberscheidest. Sprich deshalb die fünfte Strophe:

O reicher Gott, gar arm und bleich,
hängst du am Kreuze liebereich.
Uns waschend aus der Seite dein,
mit Blut und Wasser fleckenrein.

Lass dich durch deine Güte bewegen, unsere Sünden in Gnaden zu tilgen und mich Unwürdige nach des Herzens Verlangen ohne Säumen in der Todesstunde mit deinem freudenvollen Antlitz zu sättigen, damit ich in dir die ewige Ruhe finde.

Schöne Liebe Gottes, eifernde Liebe, stärker als der Tod (Hld 8, 6) ! Du bist des Geschöpfes Wiederherstellung, der ganzen Welt Heil und Erlösung. Wie freudevoll ist ein Gespräch mit dir, wie süß deine Stärkung ! Dein Umgang kennt keinen Überdruss. Dein Verkehr ist endlos wahre Freude. Eja, tritt ein in mein dürftig Kämmerlein und ruhe bei mir aus. Lass mich deine Gespräche vernehmen, die voll des Heiligen Geistes sind, und all meine Angst und Trübsal bei dir vergessen. Sei du meine Gefährtin auf dem Weg, den ich gehe (Ps 142, 4), und alle Güter werden mir mit dir zugleich zukommen (Weish 7, 11).

Glorwürdige Liebe ! Sieh, ich armes Menschenkind, umhergejagt vom wilden Sturmwind meiner Fahrlässigkeiten und vom Donner meines Sündenbewusstseins aufgeschreckt, flüchte mich unter das Obdach deiner Mildherzigkeit. Denn ich fühle, dass mir, außer in dir, Ruhe nicht beschieden ist. Du nimmst mütterlich auf und hegst in deinem Schoß das verlorene Kind. Mit gar klugem, wohlersonnenen Anschlag hintergehst du bis zum Tod den Sohn des Allerhöchsten und schonst seiner nicht, um den Elenden und Hoffnungslosen beizuspringen.

O Liebe, o Zärtlichkeit ! Derart hast du den Sohn der Jungfrau für die Sünder behandelt, dass in dir alle Verzweifelten Hoffnung gewonnen haben. Mit der dir eigenen Güte zwingst du alle, in dir ihre Zuflucht zu suchen. Und damit keiner der Bedrängten Anlass zu Beschwerde gegen ich fände, bringst du die Heilssache aller in Sicherheit. O Liebe ! Sieh, ich bin ganz hilflos und ganz verlassen. Bereite du mir in dir eine Stätte es Rates, ein Nestlein der Zuflucht, wo ich meinen leidensmüden Geist zur Ruhe neige. Trage mit mir die Mühsal meiner Pilgerschaft. Richte meinen kleinmütigen Geist auf. Tröste mich in meiner Herzensangst und sprich: "Ich will dein nicht vergessen." - Eja, o Liebe, verpfände hierfür dein Wort und rufe mich wohlwollend zu deinem Gnadentermin. Denn gar heftig verlangt meine Seele nach einem Tauschhandel mit dir, um auf deiner liebreichen Marktstätte für meine Übel deine Güter einzuwechseln. Meinen Jesus, mein süßes Heil, hältst du mit solcher Gewalt an das Kreuz genagelt, dass er von der Liebe verzehrt unter deiner Hand seine Seele aushaucht.

O Liebe, was beginnst du ? Gegen wen wendest du dich ? Du schonst nicht, ruhst nicht, bis du den Unglücklichen Beistand geleistet hast. Du setzest der Liebe kein Maß. Der Quelle des Lebens peinigst du so sehr mit Durst, dass es ihm nicht genug dünkt, nur einmal zu sterben, sondern dass er sterbend noch der Liebe sich preisgibt und dürstend verlangt, vielfachen Tod für jeden einzelnen zu sterben, um mit noch teuerem Pfand die Verlorenen zu erlösen. O Liebe, dein Eifer hat so mächtig den Herzensnerv meines Jesus getroffen, dass er von dir verletzt, völlig verschmachtet ist. O Liebe, so lass es dir genügen, halt ein, denn mein Jesus hängt ja bereits tot vor deinen Augen am Kreuz. Tot, ja wirklich tot, damit ich reichlicher das Leben hätte (Joh 10, 10), tot, damit mich der Vater mit größerer Zärtlichkeit zum Kind annähme. Tot, damit ich um so glücklicher leben möchte.

O Tod Jesu, teuerster Tod, du bist mein seligstes Los. Eja, lass meine Seele in dir, o Tod, ihre Ruhestätte finden. O Tod, du bringst Früchte des ewigen Lebens hervor. Eja, lass deine Lebensfluten mich ganz umwogen. O Tod, du bist immerwährendes Leben. Lass mich allzeit hoffen unter deinen Fittichen. O heilbringender Tod, eja, lass meine Seele inmitten deiner vortrefflichen Güter wohnen. O kostbarer Tod, du bist mein herrlicher Gewinn. Eja, lass mein ganzes Leben in dich verschlungen und mein Tod in dich versenkt sein.

O wirksamster Tod, eja, unter deiner Hut lass den meinigen kummerlos und ruhig sein. O belebender Tod, eja, lass mich hinschmelzen unter dem Schirm deiner Flügel. O Tod, Herd des Lebens, eja, lass auf immer in mir deiner Belebung freudensame Glut auflodern. O glorreicher Tod ! O fruchtbarer Tod ! O Tod, Inbegriff meines ganzen Heils, lieblicher Bund meiner Erwerbung, unumstößlicher Vertrag meiner Versöhnung ! O triumpfreicher Tod, süß und lebensvoll, in dir strahlt mir so helle Liebe entgegen, dass ihr nichts gleich erfunden wird im Himmel und auf Erden.

O trautlieber Tod, du bist meines Herzens geistige Zuversicht. O liebreicher Tod, in dir sind alle meine Güter verborgen: lass mich deiner milden Sorge befohlen sein, damit ich, wenn ich scheide, sanft in deinem Schatten ruhe. O erbarmungsvoller Tod, du bist mein seliges Leben. Du bist mein bester Anteil. Du bist meine überreiche Erlösung. Du bist meine glänzende Erbschaft. Eja, hülle mich ganz in dich ein, birg all mein Leben in dich. Bewahre in dir meinen Tod.

O Tod, Quell der Freude, behüte du meinen Tod. Umringe mich in meinen Todesängsten. Lass mich durch dich einen sicheren Übergang finden, damit nicht böse Diebe meinem Ausgang Schlingen legen. Lass meinen Geist in deinem Schoß sicher ruhen. Bette meine Seele auf das Ruhelager deiner vollkommenen Liebe. Verschlinge mein Leben in dir, versenke mich ganz in dich. O lieber Tod. Bereite mir dann Ruhe in dir. Lass mich selig in dir aushauchen und sanft entschlummern. O herzlieber Tod bewahre mich dir von nun an nach deiner väterlichen Huld zu deinem ewigen Erwerb und Besitz.

O Liebe, du bist es, dir mir jenen heilbringenden Tod, jenes selige Los erworben hat. So Großes und Herrliches hast du für mich getan, dass ich auf ewig dir zu Dienst verpflichtet bin, Was soll ich dir vergelten für so viele, so unendlich große Wohltaten (Ps 115, 3) ? Welchen Lobpreis, welche Danksagung kann ich dir darbieten, ob ich mich dir auch tausendmal schenke ? Was bin ich armseliges Geschöpf, verglichen mit dir, meine überreiche Erlösung ? So will ich dir meine Seele, die du erkauft hast, gänzlich weihen, will dir die Liebe meines Herzens opfern. Eja, zieh du mein Leben an dich, verpflanze mich ganz und gar in dich und lass mich in dir verschlossen eins mit dir werden.

O Liebe, deine göttliche Glut hat mir das süße Herz meines Jesus erschlossen. O Herz, das von Süßigkeit quillt ! O Herz, das von der Güte überfließt ! O Herz, das überströmt von Liebe ! O Herz, das Freude träufelt ! O Herz voll Erbarmen ! Eja, lass mich sterben vor Liebe und Zärtlichkeit für dich. O teuerstes Herz, lass, ich bitte dich, mein ganzes Herz eingehen in dich. O überaus köstliche Perle meines Herzens, lade mich ein zu deinem belebenden Gastmahl. Reiche mir Unwürdigen den Wein deines Trostes, damit meines Geistes Verlust durch deine göttliche Liebe ausgeglichen und meines Gemütes Armut und Dürftigkeit von deinem Liebesüberfluss bereichert werde. O Liebe ! Ach ! Dass du doch in gegenwärtiger Stunde dies Herz, diese süße Würze, diesen lieblichen Weihrauchduft, dies würdige Opfer für mich auf dem goldenen Sühnealtar der Menschheit darbrächtest zur Genugtuung für all meine nutz- und fruchtlos verlebten Tage ! O Liebe, tauche meinen Geist in die Flut jenes honigsüßen Herzens und begrabe in die Tiefe der göttlichen Barmherzigkeit das ganze Gewicht meiner Missetat und Saumseligkeit. Gib mir in Jesus den hellblickenden Verstand und lauteren Sinn, damit ich durch dich ein Herz besitze, aller Fleischlichkeit ledig, fremd und frei, um es in der Stunde des Hinscheidens durch dich Gott unbefleckt zurückstellen zu können,

O allgeliebtes Herz ! Zu dir ruft jetzt mein Herz: sei meiner eingedenk, die Süße deiner Liebe labe, ich bitte dich, mein Herz. Eja, lass sich zum innigsten Erbarmen gegen mich rühren, da ich, ach der sträflichen Verdienste so viele, der guten gar keine besitze. Mein Jesus, das Verdienst deines kostbaren Todes, das allein die allgemeine Schuld zu zahlen vermochte, erlasse mir in dir, was ich Übles getan, und gestatte mir in dir alles, was ich an Gnadengütern verloren habe. Es bekehre mich so wirksam zu dir, dass ich, durch die Gewalt der göttlichen Liebe völlig in mir umgewandelt, Gnade in deinen Augen finde und jenes Erbarmen erlange, da du mir verdient hast, da du meiner Liebe zulieb am Kreuz sterbend verschmachtetest. Ja, lass mich, lieber Jesus, einzig dich in allem und über alles lieben, dir inbrünstig anhangen, auf dich hoffen mit unbegrenzter Hoffnung.

Gib, dass ich deinem Tod jederzeit würdige Huldigung darbringe, auf dass ich in der Stunde meines Hinganges ohne Verzug die süße Frucht meiner Erlösung und das überaus werte Verdienst deines Todes in solcher Wirksamkeit verkoste, wie du sie mir damals gewünscht hast, als du nach meinem Heil dürstend den Geist aufgabst und mich um den Edelpreis deines Blutes erkauftest.

O Liebe, gib mir in meiner Todesstunde den sanften Scheidegruß, damit ich im Frieden selig in dir ausruhe. Amen.

Zur Vesper

nimm, um Gott zu versöhnen, die göttliche Liebe und Mildherzigkeit zu Gefährten, damit sie am Ende deines Lebens dem Herrn für alle deine Schuld und Unvollkommenheit eintreten. Lies demnach die sechste Strophe:

O sel'ge Lieb' die nach dem Quell
des Lebens, nach der Wahrheit hell,
stets dürstet und mit Heilsbegier
die Augen, Herr, erhebt zu dir !

Lass dich durch deine Güte bewegen, unsere Sünden in Gnaden zu tilgen und mich Unwürdige nach des Herzens Verlangen ohne Säumen in der Todesstunde mit deinem freudenvollen Antlitz zu sättigen, damit ich in dir die ewige Ruhe finde.

Süße Milde Gottes, liebende Freigebigkeit Gottes ! Du öffnest allen deinen Schoß. Du bist die Zuflucht der Armen. O Milde, was rätst du mir ? Wohin soll ich fliehen vor der Winterkälte, deren Strenge ich nicht länger zu ertragen vermag ? Die Lauheit meiner Seele hat schon in Eis gefesselt alle Gefilde meines Herzens. Eja, beschatte mich mit deinen Flügeln und bedecke die Schmach meiner Nacktheit, damit ich unter deinem Gefieder erwärme und unter deinen Fittichen in Ewigkeit hoffe (Ps 57, 2).

Ach, o Milde, Milde ! Verlass mich Geängstigte nicht. Wende dein Antlitz nicht ab von meinem Schluchzen und Hilferuf. Lass deine Zärtlichkeit dir Gewalt antun, mich geduldig anzuhören. Eja, öffne deinen Schoß, damit ich eine Weile ruhe und mein Herz vor dir ausgieße, sicher vertrauend auf deine Güte und angestammte Mildherzigkeit, vermöge deren du keinen Trostlosen verschmäht, keinen Bedrängten verachtest. Wie verfährst du so angemessen mit den Notleidenden ! Wie ist so lieblich deiner Salben Duft denen, die kraftlos niedersinken !

Du richtest auf die Gebeugten. Du lösest die Gefesselten (Ps 146, 8). Du verachtest keinen in der Trübsal. Du blickst mütterlich und erbarmungsvoll auf die Nöten aller nieder. Zärtlich sorgst du für die Verzweifelten und unterstützest mildreich die Dürftigkeit aller. Eja, neige nun ach mir Dürftigen dein Ohr zu. Lass mich mit dir nach Herzenslust kostbares Zwiegespräch halten und liebteuern Rat von dir empfangen.

Sieh, ob meiner Vergehen fühle ich heftige Furcht, meine Unterlassungen bedecken mich gar sehr mit Schamröte (3. Responsorium in der Matutin des Totenoffiziums), die Vergeudung meines Lebens jagt mir großen Schrecken ein. Ich zittere vor jener Untersuchung, in der Christus, der fürstliche, reiche Herr im Evangelium (Lk 16, 2), mit mir Rechenschaft halten wird. Wollte er das mir anvertraute Pfand der Zeit und des Talentes meines Verstandes von mir fordern, ich fände durchaus keine Antwort, die seiner Liebe würdig wäre.

Was soll ich tun ? Wohin mich wenden ? Graben kann ich nicht, zu betteln schäme ich mich (Lk 16, 5). Milde, göttliche Milde ! Öffne nun deinen Mund. Dein süßer Rat, ich beschwöre dich, bringe meinen Geist wieder zu sich. Eja, antworte mir, was ich unter diesen Umständen wohl tun soll. Bist du doch deinem Namen nach wahrhaftig mildherzig und weißt am Besten, war mir hierin frommt. Eja, hab Nachsicht mit mir und sei mir behilflich. Behandle mich nicht wie eine Fremde in dieser Trübsal. Lass dich von meiner geistigen Armut rühren und, bewegt von herzlichem Erbarmen, sprich mildiglich zu mir: "Eine Börse sei mir und dir gemeinsam (Spr 1, 14)."

O Milde, göttliche Milde ! Du hast so große und so kostbare Reichtümer bei dir aufgehäuft, dass weder Himmel noch Erde sie zu fassen vermögen. Du bist es, die meinen Jesus drängte, für meine Seele die seine hinzugeben, für mein Leben das seine, auf dass du alles, was sein ist, mein machtest und so von deinem Überfluss das Vermögen des Armen mehrtest. Eja, rufe meine hungernde Seele zu deinen Vorräten, damit ich zeitlebens von deinem Wohlstand zehre und in der Schule des Herrn von dir erzogen und genährt nicht ermatte, bis ich unter deinem Geleite zu meinem Gott wiederkehre und meinen Geist dem zurückerstatte der ihn gegeben.

O Milde ! O Gütigkeit ! O süße Freigebigkeit Gottes ! Verborgen hast du in deiner Schatzkammer ein gewisses wunderbares Weihegeschenk, worüber der Himmel staunt und die Erde sich wundert und dessen Gleichen sich nicht findet von Ewigkeit zu Ewigkeit. Du bringst täglich für mich Gott dem Vater auf dem Altar ein Schlachtopfer, einen Brandopferduft dar, der allen Verdienst überschreitet und in Wahrheit ausreicht, all meine Schuld zu tilgen. Du stellst dem Vater den ihm wahrhaft wohlgefälligen Sohn vor, um ihn für mich zu besänftigen und vollkommen zu versöhnen.

Eja, durch dieses göttliche Geheimnis, das am Besten alle meine Unvollkommenheiten zu ersetzen und alle meine Fehler auszubessern vermag, erneuere mein Leben und erstatte mir hundertfältig meine Verluste, damit meine Seele in dir frohlocke, meine Jugend durch dich sich verjünge, wie die des Adlers (Ps 102, 5), mein Leben zu dir sich bekehre, alle meine Kraft dir dienstbar werde und dich verherrliche meine ganze Wesenheit.

O mein Jesus, durch deine Mildherzigkeit tilge alle meine Missetaten (Ps 51, 3), mit deiner Liebe bedecke und verhülle all meine Sünden, mit deiner Liebe leiste Ersatz für alle meine Säumnisse, durch deine innigste Zuneigung gib meinem Geiste jene Freiheit, die du mir um den Preis des eigenen Blutes erworben, als du, der Erbe ewiger Unschuld, für mich starbst. Mache mich deinem Willen gleichförmig, damit ich mein Leben in dich umgestalte. Mache mich ganz so, wie du auch mich haben willst, damit ich nach diesem Leben, wenn der Wolkenschleier des Körpers gefallen, frohlockend dein holdseliges Antlitz schaue.

Zur Komplet

knüpfe ein Gespräch an mit der göttlichen Liebe und der Beharrlichkeit, damit du deinen unnützen Wandel mit dem allerwürdigsten Leben des Herrn Jesus vertauschest und durch ihn in der Sterbestunde in jeglicher Heiligkeit und religiösen Vollkommenheit durchaus vollendet erfunden werdest. So bete denn die letzte Strophe:

Groß, Herr, ist deine Herrlichkeit.
Dein Lob auf Erden weit und breit.
Womit dich preiset für und für,
das Herz, so sich erschwingt zu dir.

Lass dich durch deine Güte bewegen, unsere Sünden in Gnaden zu tilgen und mich Unwürdige nach des Herzens Verlangen ohne Säumen in der Todesstunde mit deinem freudenvollen Antlitz zu sättigen, damit ich in dir die ewige Ruhe finde.

Beharrliche Liebe des Herrn Jesus, der uns geliebt hat bis zum Tod (Joh 3,16) ! Du allein trägst das Diadem der Herrschaft. Dir allein gebührt der Siegestriumph, der Ruhmestitel. Dein umsichtiger Fleiß, deine emsige Wachsamkeit bringen dem König der Könige solche Geschenke, dass der Himmel droben in Staunen gerät.

O beharrliche Liebe ! Deine Stimme ist wahrhaft süß und wohltönend, dein Angesicht lieblich und reizend (Hld 2,14). Aus der Einöde sammelst du so seltene Gaben, so vielerlei Tugenden und Wohlgerüche, dass der Gott des Himmels mit frohem Blick dein Antlitz grüßt und deine Schönheit und Zierde lobend begehrt (Ps 45,12). Dich erfreut Gott vor allem mit seinem wohlwollendem Blick, denn er ruht in deiner Mitte, wie der Bräutigam im Brautgemach, und weicht nicht (Ps 46, 6). Eja, hilf mir doch in der Morgenfrühe und bewahr in dir, wahre Mittagssonne, meine Seele vor jedem Zwielicht der Verblendung.

O beharrliche Liebe ! Du bist aller Tugenden Vollendung und des Geistes Wohlergehen. Du machst schwere Lasten leicht, machst durch Übung und vortreffliche Benützung alle Tugenden lieblich und angenehm. O vollkommene Gottesliebe ! In dir liegt alle Süßigkeit und Anmut. Du bist wahrer Friede und Sicherheit. In dir ist ungetrübte, friedvolle Ruhe. Du bist aller Güter Ziel und Vollendung. sowie die Erfüllung der göttlichen Gebote. Du bist der Sabbat der Sabbate, denn in dir feiert die Weisheit ihre Ruhe, in dir vollendet die Liebe ihre Arbeit.

O beharrliche Liebe ! Du hast in meinem Jesus das Werk vollbracht, das ihm die Liebe aufgetragen hat. Du hast vollführt das Werk unserer Erlösung, um die Verlorenen um Glück der Kindschaft zurückzurufen. Du lässest meinen Jesus (am Kreuz) in sanften Schlummer sinken, lässest ihn rasten von der Mühsal und unter deinem Schatten ruhen, lässest ihn dort süßen Sabbat halten und, unter deinem Siegel verschlossen und begraben, den Schlaf der Liebe schlafen.

O Liebe ! Unter deiner Hut, unter deinem wachsamen Auge bewahrst du (im heiligen Grab) den erlesenen Preis meiner Seele, den über Gold und Topas gebieten (Ps 119,127), der allein all meinen Mangel ersetzen, all meine Unvollkommenheit ausgleichen kann. Eja, birg und bewahre da, wo du meinen teuersten Schatz (Mt 6, 21) bei dir hinterlegt hast, auch mein Herz, damit mein Geist durch dich dort ganz wohne, wo mein liebster Geliebter weilt.

Lebensvolle Liebe, starke Beharrlichkeit des Herrn Jesus ! Zu dir steigt aus des Herzens Tiefe der Ruf meines Geistes empor. Eja, sei meine Botschafterin, rede gut für mich, auf dass mein Jesus, mein König und mein Gott, der in dir das Werk, da ihm der Vater in die Hand gelegt hat, vollende, auch mir armseligen Würmlein ein lauteres Herz, einen unbesiegbaren Geist verleihe, damit ich ihm mit emsigem und treuem Eifer diene das Liebesjoch seiner Gebote auf freudig dargebotener Schulter beharrlich trage. Dann wirst du, wirksame Liebe, wie im Leben, so im Tod mein wahrer, hundertfältiger Lohn (Mt 19, 29), mein eigentlicher Siegespreis sein, da du meine ganze und volle Freude hilft.

Lass mich in Liebesreue und demutvoller Buße stets wie ein Hündlein (Mk 7, 28) gleichsam an meinen Sünden und mangelhaften, unvollkommenen Werken nagen, um nach diesem Leben jenes süßeste Brosämlein (Mk 7, 28), nämlich den freudenvollen Genuss des honigfließenden Antlitzes meines Jesus, zu empfangen und durch dich mit ewiger Freude gesättigt zu werden, wenn die Glorie meines Jesus erscheint.

Standhafte, starke, und überwindliche Liebe ! Deine Strebsamkeit lehre mich, Jesus mit unbesieglicher Ausdauer zu lieben und ihm zu dienen mit unüberwindlicher Beharrlichkeit. Lass mich von dir ermuntert, von dir angeregt, allzeit bereit zu sein, wann mein Herr um die erste oder zweite Nachtwache kommen wird (Lk 12, 38). Lass mich, wenn um Mitternacht der Ruf erschallt (Mt 25, 6), nicht in trägem Schlafe liegen, sondern von dir gefördert und geführt, würdig mit dem Lamm zur Hochzeit eingehen. Eja, möge sich durch deine Vorsorge dann meine Lampe voll des Öles der Liebe zeigen (Mt 25, 4), voll der Glut der Zärtlichkeit, voll von Werken lebendigen Glaubens, und strahlend aufleuchten, damit ich dich in Besitz nehme die Freuden des ewigen Lebens.

Mein süßer Jesus, trautlieber Bräutigam, erwecke zur Stunde meinen trägen, schläfrigen Geist und stelle durch deinen Tod mein Leben so wieder her, dass es in Zukunft nur dir geweiht sei. Gib mir einen Wandel, der dem Preis deines Blutes würdig entspricht. Gib mir einen Geist, der an dir Wohlgeschmack finde, einen Sinn, der dich erfasse, eine Seele, die deinen Willen erkenne, ein Tugendstreben, das vollbringe, was dir genehm ist, Standhaftigkeit, die mit dir ausharrt. Eja, und in der Scheidestunde öffne mir ohne Verzug die Pforte deines gütigen Herzens, damit ich durch dich ungehemmt einzugehen verdiene in den Brautsaal deiner lebendigen Liebe, wo ich dich genieße und besitze, dich, meines Herzens wahre Freude. Amen.

Am Tag, den du für die angegebene Genugtuung deiner Sünden bestimmt hast, fleh

um die Mittagsstunde

zum Herrn, er möge dich in den Garten seines göttlichen Herzens führen, damit du dort gleichsam im Jordan der Verdienste seines Lebens und Leidens siebenmal gebadet werdest (2 Kön 5,10), um geläutert von jeglicher Makel am Tag deines Heimganges ganz schön (Hld 4, 7) zu sein und eingeführt zu werden in das Brautzelt seiner göttlichen Liebe:

Eja, Jesus, mein Leben und Heil, du Schöner und Herrlicher aus dem Land der Engel ! Ach, ach ! Meine Seele, dein geliebtes Geschöpf, weilt im Dunkel der Blindheit. Eja, sei du meine Erlösung und rechte Erleuchtung (Ps 27, 1). Mein Geliebter, durch die lauteren Tränen deiner klaren Augen wasche ab alle Sündenflecken meiner Augen, damit ich an meinem Lebensende unaufgehalten mit reinem Herzensauge im Spiegel der Heiligen Dreifaltigkeit dein anmutiges Antlitz schaue. Denn du allein bist es, nach dem ich von ganzem Herzen verlange. Eja, tauche mich baldigst ein in den Abgrund deiner Freuden.

Eja, liebenswürdiger Jesus, meine Hoffnung, getreuer und erbarmungsvoller Bräutigam, der du niemals die Seufzer der Unglücklichen verachtet: ach, ach ! Durch eigene Schuld ist mein Ohr taub geworden. Eja, Vater der Erbarmungen, sogleich beim Vernehmen deiner Stimme möge mein Leben dir gehorchen (Ps 17, 45). Mein Geliebter, durch die süße Mildigkeit deiner gesegneten Ohren reinige meine sündhaften Ohren von aller Ungerechtigkeit, auf dass ich in der Todesstunde keine böse Kunde fürchte (Ps 111, 7), dass meinem Gehör vielmehr Freude und Frohlocken (Ps 51,10) bereitet werde durch deine liebreiche Begrüßung. Denn du allein bist meine Erwartung. Eja, hole mich baldigst zu deiner Hochzeit ab.

Eja, Jesus, ewige Freude meiner Seele, einzig Geliebter meines Herzens, dessen Angesicht überstrahlt von jeglichem Liebreiz und dessen Herz voll ist aller Süßigkeit: ach, ach ! Mein Gedanke schweift fern von dir. Eja, Gott meines Herzens, sammle meinen zerstreuten Geist in dir. Mein Gelebter ! Durch die reine Absicht deiner heiligsten Gedanken und durch die glühende Liebe deines durchstochenen Herzens wasche alle Schuld meiner bösen Gedanken und meines verbrecherischen Herzens, damit mir im Tod dein bitteres Leiden ein Schirm und dein aus Liebe gebrochenes Herz ein immerwährendes Obdach sei. Denn du allein bist vor aller Kreatur mein Geliebter. Eja, dulde nicht, dass ich mich lange von dir entferne, einzig Geliebter meines Herzens !

Eja, Jesus, eingeborener des himmlischen Vaters, gütiger und barmherziger Herr, der du seine angenommenen Kinder niemals ohne Trost lässest ! Ach, ach ! Viel hab' ich gesündigt mit meiner Zunge (Ps 39, 2). Eja, mein Ruhm (Ps 3, 4), erfülle meinen Mund mit deinem Lob (Ps 70, 8). Mein Geliebter, durch die lebendige Macht der süßen Worte deines gesegneten Mundes tilge alle Beleidigungen meines unreinen Mundes, damit ich in deinem anmutig seligen Friedenskuss fröhlich aus dieser Welt scheide. Denn dein honigsüßer Mund ist es allein, der mein Herzensinnerstes zu trösten vermag (Hld 1,1).

Eja, schöne Liebe, bohre in mein Herz den Pfeil deiner lebendigen Liebe, damit ich entseelt in den Abgrund deines lebensprudelnden Ursprunges sinke.

Eja, Jesus, weiser Werkmeister, vortrefflicher Künstler, der du so lobwürdig deiner Hände Werk, das ich zerstört, wieder hergestellt hast ! Ach, ach ! Alle meine Werke sind unvollkommen und nicht nach deinem Gesetz (Ps 118, 85). Eja, meine Zuflucht und Stärke (Ps 46, 2) ! Durch die Mitwirkung deiner belebenden Liebe werde geheiligt in dir all mein Wirken. Mein Geliebter ! Durch die Vollkommenheit deiner Werke und die Kreuzigung deiner Hände wasch ab von meinen gottlosen Händen jede Missetat, damit ich ungehindert und unverweilt zur Stunde des Todes in deine süße Umarmung falle. Denn du bist mein rechtmäßiger Bräutigam, erkoren aus Tausenden (Hld 5, 10). Eja, in der letzten Stunde erkenne mich als dein Eigentum an, nicht um meiner Verdienste, sondern um deiner dir wesentlichen Güte willen.

Eja, Jesus, liebenswürdiger, trauter und ersehnter Bräutigam von ewiger Jugend, dessen Gesellschaft so edel und viel gesucht ist: ach, ach ! Ich bin abgewichen vom rechten Weg und habe deine Satzungen nicht beachtet. Eja, mein trauter Führer, lenke meine Schritte nach deinem Willen (Ps 119,133). Mein Geliebter ! Durch die schmerzhafte Ermüdung deiner gesegneten Füße und ihre göttliche Durchbohrung nimm weg von meinen sündhaften Füßen jegliche Befleckung, damit ich durch dich, treuer Hort meiner Pilgerfahrt, frohgemut eingehe zur Stätte des wunderbaren Zeltes des Hauses Gottes (Ps 42, 5). Denn du bist mein einziger Ehrenpreis, nach dem ich laufe. Eja, gib mir die Liebe, die mich antreibe, dass ich nicht matt und lässig werde, sondern unermüdlich dir nacheile.

Eja, Jesus, großer, süßer und gütiger Gott, der du nur Großes zu schenken weißt ! Eja, lebendiger Gott, der du durch die Liebesglut, so dir entströmt, alles in deinen Schoß zurückzieht, was je aus dir hervorgeflossen ist: ach, ach ! Verloren, verdorrt und erstorben ist all mein Leben. Eja, Gott meines Lebens, in dir grüne, erblühe wieder und gedeihe mein Leben zu würdigen Früchten. Mein Geliebter ! Durch die edle Unschuld und die lautere Heiligkeit deines Lebens reinige von allem Unrat mein verderbtes Leben, damit mein Leben nicht mehr in mir, sondern in deiner Liebe Feuerkraft ganz zu dir gezogen sei, und ich in der Stunde des Hinscheidens glücklich in dir, mein wahres Leben, mich wiederfinde. Denn du bist mein höchstes und allgeliebtes Gut und meiner Seele einzige Zuflucht. Eja, so gib, dass ich nach dir vor Liebe schmachte, vor Sehnsucht nach dir sterbe, dich mit Jubel preise und ewiglich in deinen Liebesflammen mich verzehre. Amen.

Am Abend

bitte, gleichsam Blumen pflückend mit den Geliebten, um seinen Segen und die folgenden Tugenden:

Es segne mich heute, liebender Jesus, ich flehe inständig darum, deine Seele. Es segne mich deine erhabene Gottheit. Es segne mich wirksam deine fruchtbare Menschheit. Deine königliche Freigebigkeit lasse in mir augenscheinliche Zeichen deines Segens zurück, dass ich, von mir losgelöst, ganz in dich umgestaltet, dir unzertrennlich anhange mit unbesiegbarer Liebe. Mache mich vollkommen in deiner Liebe. Mache mich dir wohlgefällig in der Demut des Geistes, in brüderlicher Liebe, in keuscher Einfalt, in bescheidener Züchtigkeit, in Reinheit des Herzens, in Bewahrung der Sinne, in Heiligkeit des Lebens, in frohbereitem Gehorsam, in süßer Geduld, in geistlicher Zucht, in freiwilliger Armut, in heiliger Sanftmut, in reiner Sitte, in geistlichem Frohsinn und jeglicher Wahrheit, in gutem Gewissen in standhaftem Glauben, in heiliger Beharrlichkeit, in starker Hoffnung, in vollkommener Liebe und endlich in seliger Vollendung der zärtlichen Hingabe an dich, damit sich der Dornbusch meines Herzens in ein Paradies aller Tugenden, in einem Garten aller Vollkommenheit verwandle und gleichsam ein Saatfeld werde voll Friede, Heiligkeit und Frömmigkeit, das der Herr gesegnet hat (Gen 27, 27).

Eja, herzliebster Jesus, sei allzeit bei mir, dass mein Herz bei dir bleibe und deine Liebe bei mir beharre, ohne je von mir zu scheiden. So segne denn meinen Heimgang, damit mein Geist, losgelöst von der Fessel des Fleisches, in dir ruhe immerdar. Amen.

Literatur