Wichtigkeit des Römischen Katechismus (Wortlaut)

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Enzyklika

von Papst
Klemens XIII.
seinen ehrwürdigen Brüdern, den Patriarchen, Primasen, Erzbischöfe und Bischöfe
über die Wichtigkeit des Römischen Katechismus

14. Juni 1761

(Quelle: Das Religionsbuch der Kirche (Catechismus Romanus) Hsgr. Dr. Michael Gatterer SJ, Zwei Bände – I Bändchen, Felizian Rauch Verlag Innsbruck-Leipzig 19382 , S. 15-22; Imprimatur Nr. 2120 Apostolische Administratur Innsbruck, den 11. Mai 1938 Urb. Draxl, Prov.)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Ehrwürdige Brüder,
Gruß und apostolischen Segen !

Inhaltsverzeichnis

I. Die Hirtenpflicht des Papstes verlangt Wachsamkeit

1 Im Acker des Herrn, dessen Bebauung nach Ratschluss der göttlichen Vorsehung Wir zu leiten haben, erfordert nichts solch wache Sorge, solch beharrlichen Fleiß, wie die Hut des ausgestreuten Samens, das heißt der katholischen Lehre, die von Christus Jesus und den Aposteln hinterlassen und Uns anvertraut ist. Es möchte sonst, wenn die Saat aus träger Saumseligkeit und tatenlosem Müßiggang vernachlässigt würde, der Feind des Menschengeschlechts Unkraut dazwischen säen, während die Arbeiter schlafen (Mt 13, 25) Die Folge wäre, dass am Tag der Ernte sich Früchte fänden weniger zur Bergung in den Scheunen als zur Verbrennung in den Flammen. Das einmal den Heiligen übergebene Glaubensgut (Jud 3) zu schützen, fordert Uns der hl. Paulus eindringlich auf, wenn er an Timotheus schreibt, er solle das ihm anvertraute köstliche Gut bewahren (2 Tim 1, 14); denn es ständen schwere Zeiten bevor (Ebd 3,13) Zeiten, da in der Kirche Gottes schlechte Menschen und Betrüger auftreten, deren Dienste der arglistige Versucher benütze, um womöglich den nichts Böses Ahnenden Irrlehren einzuflößen, die der Wahrheit des Evangeliums entgegen sind.

II. Die Hirtenpflicht des Papstes verlangt Klugheit

2 Wenn aber, wie schon so manchesmal, in der Kirche Gottes sich verwerfliche Anschauungen erhoben, die, so sehr sie sich anderweitig widerstreiten, doch das eine Ziel gemeinsam haben, die Reinheit des katholischen Glaubens gleichviel auf welche Weise zu untergraben, dann ist es sehr schwer zwischen den feindlichen Fronten das Wort so vorsichtig abzuwägen, dass jeder sieht, Wir haben keinem das Feld geräumt, sondern Uns von beiden Widersachern Christi gleichweit entfernt gehalten und beide verurteilt. Ja manchmal liegt die Sache so, dass das Blendwerk des bösen Feindes sich gar mit einem Schein von Wahrheit unter schillernden Lügen verbirgt, während der Sinn der Lehrsätze durch einen ganz kurzen Beisatz oder sonst durch ganz geringe Veränderungen entstellt wird, und das Bekenntnis, das das Heil wirken sollte, gar manchmal in unmerklicher Wendung den Weg zum Tode einschlägt.

III. Zweck des Römischen Katechismus

3 Von diesen schlüpfrigen, engen Pfaden, auf denen man ohne Gefahr zu fallen kaum stehen und gehen kann, müssen daher die Gläubigen, vor allem die geistig nicht so durchgebildeten einfachern unter ihnen ferngehalten werden. Nicht auf unwegsamen Steigen darf man die Schafe zur Weide führen. Nicht gewisse Einzelmeinungen - auch katholischer Lehrer - sind den Gläubigen vorzulegen; es muss ihnen vor allem das sicherste Kennzeichen katholischer Wahrheit vermittelt werden: die völkerumspannende Einheit, das hohe Alter, die allgemeine Übereinstimmung der Lehre.

4 Und da das gewöhnliche Volk nicht den Berg besteigen kann (Ex 19, 12) auf dem die Herrlichkeit des Herrn sich niederließ, und das neugierige Überschreiten der Schranken mit dem Tod bezahlen würde, müssen ihm von seinen Lehrern ringsum Grenzen abgesteckt werden, so zwar, dass sich der Lehrvortrag nicht über die heilsnotwendigen und praktisch vor allem wichtigen Punkte hinausbewegt, und die Gläubigen in dieser Weise dem Apostelwort gehorchen, »nicht höher zu sinnen als recht ist zu sinnen, sondern zu sinnen mit Besonnenheit.« (Röm 12, 3).

IV. Der Katechismus enthält die sicheren und praktisch wichtigen Lehren

5 Dies alles haben Unsre Vorgänger, die römischen Päpste, wohl erkannt und sich mit aller Kraft bemüht, nicht nur die giftigen Triebe aufkeimender Irrlehren mit dem Schwert des Bannes noch im Entstehen auszurotten, sondern gewisse allmählich auftretende Ansichten zu unterdrücken, die durch ihr Überwuchern reichere Glaubensfrucht im christlichen Volk hinderten, oder durch ihre nahe Verwandtschaft mit dem Irrtum den Gläubigen schaden konnten. Nun hat das Konzil von Trient allerdings die Irrlehren, die damals das Licht der Kirche umdunkeln wollten, verurteilt; es hat die Wolken von Irrtümern zerstreut und die katholische Wahrheit in noch helleres Licht gerückt; aber jene hl. Versammlung der Gesamtkirche hat sich dabei in weiser Mäßigung jeder Verwerfung von Anschauungen enthalten, die sich auf die Autorität kirchlicher Lehrer stützen konnten.

6 In Würdigung dieses Umstandes wünschten daher Unsre Vorgänger ganz im Sinn des hl. Konzils die Schaffung eines Werkes, das den gesamten, zur Unterweisung der Gläubigen nötigen Lehrstoff enthalten und dabei zugleich von allem Irrtum weit entfernt sein sollte. So haben sie denn dieses Buch unter dem Titel »Römischer Katechismus« drucken lassen und herausgegeben.

7 Das Lob, das sie sich damit verdienten, ist ein zweifaches. Einmal haben sie in diesem Katechismus die in der Kirche allgemein anerkannte und von aller Gefahr des Irrtums weit entfernte Lehre niedergelegt. Und dann bestimmten sie eben diese Lehre ausdrücklich zur öffentlichen Unterweisung des Volkes - im Gehorsam gegen den Auftrag Christi des Herrn an seine Apostel, »im Licht zu künden, was er selbst im Dunkeln gesagt, und was ihnen ins Ohr geflüstert worden, von den Dächern zu rufen« (Mt 10, 27) – in Hingabe auch gegen seine Braut, die Kirche, die da spricht: »Zeige mir, wo du am Mittag ruhst !« (Hld 1, 6) Wo nicht Mittag ist und folglich helles Licht, das die Wahrheit klar erkennen lässt, da gelangt statt ihrer leicht das Falsche zur Aufnahme wegen des Scheins der Wahrheit, der sich im Dunkeln nur schwer vom tatsächlich Wahren unterscheiden lässt. Die Hirten der Kirche wussten eben, dass es schon Leute gab und auch in Zukunft geben werde, die die weidende Herde an sich lockten und ihr ergiebigere Auen der Weisheit und Wissenschaft in Aussicht stellten; und dass viele ihnen zulaufen würden, weil »gestohlenes Wasser süßer und heimliches Brot besser schmeckt« (Spr 9,17) Damit also die Kirche nicht auf Irrwege geführt werde und »aufs Geratewohl den Herden anderer nachgehe« (Hld 1, 6) die, selbst unstet und ohne den Halt sicherer Wahrheit, »immerfort nur lernen wollen und doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen,« (2 Tim 3,7) darum haben die Päpste die zum Heil notwendigen und vor allem praktisch wichtigen Punkte, und nur diese klar und lichtvoll im Römischen Katechismus auseinandersetzen und dem christlichen Volk zur Unterweisung vorlegen lassen.

V. Grund neuerlicher Herausgabe

8 Nun ist aber dieses Buch - seinerzeit mit so großer Mühe zusammengestellt, allgemein begrüßt und mit höchster Anerkennung aufgenommen - in unsern Tagen leider fast völlig aus der Hand der Seelsorger verschwunden, ein Opfer der Neuerungssucht, die immer neue Schriften hochzubringen sucht, Werke oft, die mit dem Römischen Katechismus einen Vergleich in keiner Weise aushalten.

9 Aus diesem Vorgehen ergaben sich zwei Übelstände: einmal wurde so jene wertvolle Einheitlichkeit in der Lehrweise beinahe ganz aufgehoben und damit den Schwachen geradezu ein Ärgernis gegeben, da sie den Eindruck bekommen mussten, als lebten sie nicht mehr »im Land Einer Zunge und Einer Sprache« (Gen 11, 1). Und der zweite Übelstand: Aus den verschiedenen abweichenden Darbietungsweisen der katholischen Wahrheit entstanden Streitigkeiten, und aus der Rivalität, in der sich »der eine einen Anhänger des Apollo, der andere des Kephas, ein dritter des Paulus« (1 Kor 1, 12) nannte, ergaben sich Uneinigkeit und beträchtliche Zerwürfnisse - Dinge, die wohl das Verhängnisvollste darstellen für Gottes Ehre und das Verderblichste für die Früchte, die den Gläubigen aus dem christlichen Unterricht erwachsen sollten.

VI. Zweck neuerlicher Herausgabe

10 Um nun diesen doppelten Übelstand aus der Kirche zu bannen, betrachteten Wir es als Gebot der Notwendigkeit, zu jener Quelle zurückzukehren, von der der eine aus Unklugheit, mancher auch aus Überhebung - um sich in der Kirche als besonders weise brüsten zu können - das gläubige Volk schon seit geraumer Zeit abgeführt hatte. Wir hielten es für eine Pflicht, den Seelenhirten eben den Römischen Katechismus wiederum in die Hand zu geben. Auf diese Weise wurde einst der katholische Glaube neu gefestigt und die Herzen der Gläubigen neu gestärkt in der Lehre der Kirche, die da ist die »Säule der Wahrheit« (1 Tim 3, 15) - in derselben Weise sollen sie auch jetzt von neuen Lehrmeinungen, die weder allgemeine Übereinstimmung noch hohes Alter für sich haben, soweit als möglich fern gehalten werden.

11 Damit das Buch leichter zu beschaffen und frei von Fehlern sei, die durch Versehen der Hersteller eingedrungen waren, haben Wir dessen Neudruck in der ewigen Stadt mit aller Sorgfalt nach jenem Exemplar herstellen lassen, das Unser Vorgänger, der hl. Pius V., auf Grund des Trienter Konzilsbeschlusses veröffentlicht hat. Die auf Veranlassung desselben hl. Pius angefertigte Ausgabe in der Landessprache wird ebenfalls auf Unsern Befehl demnächst in einem Neudruck erscheinen.

VII. Mahnung an die Bischöfe

12 Wir bieten damit in einer für die christliche Kirche so drangvollen Zeitlage voll sorglichen Eifers das beste Hilfsmittel zur Beseitigung trügerischer, verderblicher Anschauungen, und zur Verbreitung wie zur Befestigung wahrer gesunder Lehre. An Euch ist es nun, ehrwürdige Brüder, dafür zu sorgen, dass das Werk bei den Gläubigen auch Aufnahme findet. Wir möchten daher dieses Buch, das die römischen Päpste gleichsam als die Norm katholische Glaubens und christlichen Leben den Seelsorgern zur Wahrung der allgemeine Einheitlichkeit auch in der Lehrart vorgelegt wünschten, Euch, ehrwürdige Brüder, nun mit allem Nachdruck empfehlen und Euch inständig im Herrn mahnen, diesen Katechismus allen Seelsorgern zum Unterricht des Volkes in der katholischen Wahrheit vorzuschreiben, damit auf diese Weise die Einheitlichkeit im Unterricht ebenso, wie die Liebe und Eintracht der Herzen gewahrt bleibe. Eure Sache ist es, für Ruhe und Frieden aller zu sorgen. Das gehört zur Amtspflicht des Bischofs. Und darum muss er sein Augenmerk darauf richten, dass niemand um der eigenen Ehre willen aus Überhebung das Band der Einheit zerstört und Spaltungen heraufbeschwört.

VIII. Bedingungen zur fruchtbaren Benützung

13 Doch wird das Buch keinen oder sicher nur geringen Nutzen bringen, wenn die zur Erklärung und Behandlung seines Inhalts Verpflichteten für dieses Lehramt nicht recht tauglich reichen sind. Darum ist es außerordentlich wichtig, dass ihr für die Aufgabe der Unterweisung des Volkes in der christlichen Lehre Männer wählt, die nicht nur theologisches Wissen besitzen, sondern noch weit mehr Demut, Liebe und glühenden Seeleneifer. Das ganze christliche Leben besteht ja nicht in reicher Wortfülle, nicht in Redegewandtheit und nicht im Streben nach Lob und Ehre, sondern in aufrichtiger freigewollter Demut (Leo, serm. 37 in Epiph. c. 3 [Brev. Rom. 3. Oct. lect. 7]). Es gibt Männer, die zwar ein Mehr an Wissenschaft vor andern heraushebt, aber zugleich auch von deren Gemeinschaft trennt; und je mehr ihr Wissen steigt, um so mehr sinkt ihr Sinn für die Tugend der Eintracht. Ihnen gilt die Mahnung der göttlichen Weisheit selbst: »Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander !« (Mk 9. 49) Das Salz der Weisheit muss man in der Weise besitzen, dass dadurch die Liebe zum Nächsten bewahrt und die menschlichen Schwachheiten durch deren Würze erträglicher werden. Wer sich vom Streben nach Weisheit und von der Sorge für den Nächsten weg zur Zwietracht wendet, hat Salz ohne Frieden, hat Wissen nicht als Tugendgabe, sondern als Grund zur Verdammnis. Und je höher sein Wissen, um so schlimmer die Schuld. Des Apostels Jakobus Wort spricht über solche das Verwerfungsurteil: »Wenn ihr herbe Eifersucht und Rechthaberei in eurem Herzen hegt, so rühmt euch nicht lügnerisch wider die Wahrheit. Das ist nicht die Weisheit, die von oben kommt, sondern eine irdische, sinnliche, teuflische. Denn wo Eifersucht und Rechthaberei herrschen, da ist Unordnung und jegliche Verkehrtheit. Die Weisheit, die von oben kommt, ist vor allem lauter, dann friedfertig, milde, folgsam, dem Guten zugänglich, voll Erbarmen und guter Früchte, unparteiisch und ohne Heuchelei« (Jak 3. 14).

IX. Gebet und Segen des Papstes

14 Wir bitten also Gott in Demut des Herzens und aus bedrängter Seele, Er möge den Bemühungen Unseres sorglichen Eifers die Fülle seiner Huld und Erbarmung angedeihen lassen, auf dass keiner Zwietracht und Unruhe in das gläubige Volk trage und auf dass wir alle im Band des Friedens und in der Liebe des Geistes nur eines denken, und nur Einen loben und verherrlichen: unsern Gott und Herrn Jesus Christus Mit diesem Wunsch grüßen Wir Euch, ehrwürdige Brüder, in heiligem Kuss und erteilen Euch allen, sowie allen Gläubigen Eurer Kirchen aus ganzem Herzen den apostolischen Segen.

Gegeben auf Schloss Castel Gandolfo, 14. Juni 1761

im dritten Jahr Unsres Pontifikates

Klemens XIII. PP.
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