Weiße Rose

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Briefmarke BRD 1983

Die Weiße Rose war eine christliche Widerstandsgruppe gegen den Nationalsozialismus in München. Im Juni 1942 wurde die Gruppe gegründet und bestand bis zum Februar 1943.

Inhaltsverzeichnis

Mitglieder und Aktivitäten

Zum Kern der Gruppe gehörten - neben zahlreichen Unterstützern und Sympathisanten - die Geschwister Hans und Sophie Scholl sowie deren Mitstudenten Christoph Probst, Willi Graf und Alexander Schmorell. Beteiligt war außerdem der Universitätsprofessor Kurt Huber. Hans Scholl, Alexander Schmorell und Willi Graf waren von Juli bis Oktober 1942 als Sanitäter an der Ostfront eingesetzt, wo sie von Massenermordungen in Polen erfuhren und das Elend im Warschauer Ghetto beobachten konnten, was sie nach ihrer Rückkehr nach Deutschland zusätzlich zum Widerstand bewegte.

Die Mitglieder der Weißen Rose verfassten und druckten unter Lebensgefahr insgesamt sechs Flugschriften in mehreren Auflagen von bis zu 9000 Stück, in denen zum Widerstand gegen den Nationalsozialismus aufgerufen wurde. Sie verteilten sie über geheime Kontakte vor allem in Süddeutschland und Österreich. Nach dem Ende der Schlacht von Stalingrad Anfang 1943 bemalten ihre Mitglieder in nächtlichen Aktionen zusätzlich auch öffentliche Fassaden in München mit Parolen gegen Hitler und die NS-Herrschaft.

Sie beriefen sich wesentlich auf christliche und humanistische Werte aus der Tradition der bündischen Jugend. Mehrere Personen gehörten der katholischen Jugendbewegung wie dem Bund Neudeutschland oder dem Grauen Orden an. Die Gruppe gilt als bekanntestes Beispiel für den Widerstand gegen das NS-Regime im studentisch-bürgerlichen Milieu in Deutschland und ist zum Symbol für moralische Lauterkeit, Mut und Opferbereitschaft im Einsatz für humanistisch-demokratische Ideale vor dem Hintergrund einer totalitären Diktatur geworden.

Der Name Weiße Rose

Die Herkunft des Namens Weiße Rose - die ersten vier Flugblättern der Gruppe trugen dieses Symbol - ist letztendlich unklar. Nach seiner Verhaftung am 18. Februar 1943 gab Hans Scholl an, den Namen willkürlich gewählt zu haben:

„Zurückkommend auf meine Schrift ,Die Weiße Rose‘ möchte ich […] folgendes erklären: Der Name ,Die Weiße Rose‘ ist willkürlich gewählt. […] Es kann sein, daß ich gefühlsmäßig diesen Namen gewählt habe, weil ich damals unmittelbar unter dem Eindruck der spanischen Romanzen von Brentano ,Rosa Blanca‘ gestanden habe. Zu der ,Weißen Rose‘ der englischen Geschichte bestehen keine Beziehungen.“

In einem Brief vom 27. Juni 1938 an seine Schwester Inge hatte Hans Scholl geschrieben:

„In meiner Brusttasche trage ich die Knospe einer Rose. Ich brauche diese kleine Pflanze, weil das die andere Seite ist, weit entfernt von allem Soldatentum und doch kein Widerspruch zu dieser Haltung.“

Verfolgung und Verurteilung

Die Geheime Staatspolizei (Gestapo) leitete schon im Sommer 1942 Untersuchungen zu den Flugblättern der Weißen Rose ein, die als staatsfeindliche Bestrebungen gewertet wurden. Die Nachforschungen blieben zunächst erfolglos und wurden bald eingestellt. Ende Januar 1943 setzte die Gestapo wegen der erneut verteilten Flugblätter eine Sonderkommission in München ein. Bei der Verteilung des sechsten Flugblattes wurden die Gruppe schließlich gestellt und verhaftet.

Hans und Sophie Scholl wurden nach ihrer Festnahme zunächst in die Münchener Gestapo-Zentrale transportiert und dort bis zum 21. Februar vernommen. Hans Scholl hatte bei seiner Festnahme einen Flugblattentwurf von Christoph Probst bei sich, sodass auch dieser festgenommen und angeklagt wurde. Die Geschwister Scholl und Christoph Probst wurden von Roland Freisler, Blutricher am Volksgerichtshof, zum Tode durch das Fallbeil verurteilt. Das Urteil wurde am 22. Februar 1943 vollstreckt. Kurz vor der Vollstreckung sahen die Geschwister Scholl ihre Eltern ein letztes Mal. Christoph Probst, Vater von drei Kindern, ließ sich kurz vor seiner Hinrichtung vom katholischen Gefängnisgeistlichen taufen.[1]

Willi Graf wurde am 19. April 1943 wegen Hochverrats, Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Die Gestapo versuchte noch monatelang, Namen aus ihm herauszupressen. Graf wurde am 12. Oktober 1943 im Gefängnis Stadelheim mit dem Fallbeil enthauptet und auf dem Friedhof am Perlacher Forst bestattet.

Alexander Schmorell versuchte zunächst, in die Schweiz zu fliehen, was aber nicht gelang. So kehrte er nach München zurück und wurde am 24. Februar 1943, dem Tag der Beerdigung seiner Freunde, in einem Luftschutzkeller am Habsburgerplatz in München erkannt, denunziert und verhaftet. Schmorell wurde am 19. April 1943 im zweiten Prozess gegen die Weiße Rose vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt. Im Alter von 25 Jahren wurde er am 13. Juli 1943 zusammen mit dem Psychologie-Professor Kurt Huber im Gefängnis München-Stadelheim durch das Fallbeil hingerichtet. Er war russisch-orthodox getauft und wird seit 2012 von der russisch-orthodoxen Kirche im Ausland als Heiliger verehrt.

Literatur

Text der Flugblätter

Anmerkungen

  1. Christoph Probst Biographie
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