Walter Kasper

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(Ökumene: Zukunft der Kirche)
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Kardinal Walter Kasper sagte am 14. Oktober 2014 in einem Interview bei der [[Bischofssynode]] mit der Nachrichtenagentur [[Zenit]] über die afrikanischen Bischöfe: „Sie sollen uns nicht zu sehr erklären, was wir zu tun haben“. „Ich denke, dass wir am Ende eine gemeinsame Linie in der Kirche brauchen, allgemeine Kriterien, aber die Fragen in [[Afrika]] können wir nicht lösen. Zwar muss auch Raum sein, dass lokale Bischofskonferenzen ihre Probleme lösen können, doch möchte ich sagen, dass [für uns Problemlösung] in Afrika unmöglich ist.“ „Je nach Kontinent und Kultur stellen sich verschiedene Probleme“, hatte Kasper gemäß „Zenit“ zuvor erläutert. „Afrika ist völlig anders als der Westen. Ebenso Asien und muslimische Länder, besonders in Bezug auf [[Homosexualität|Homosexuelle]]. Darüber kann man mit Afrikanern und mit Menschen aus muslimischen Ländern nicht sprechen. Es ist unmöglich. Es ist ein Tabu. Wir für uns sagen, wir sollten nicht diskriminieren, in mancherlei Hinsicht wollen wir nicht diskriminieren.“  „Zenit“ fragte, ob in diesem Themenbereich den afrikanischen Synodenvätern zugehört werde. „Nein“, stellte Kasper fest, der Mehrheit unter ihnen werde nicht zugehört. „Man hört ihnen nicht zu?“ [[Zenit]] fragte nochmals erstaunt nach. Kasper entgegnete: „In Afrika“, wo die [[Homosexualität]] tabuisiert sei, werde ihnen „natürlich“ zugehört, doch „uns“ „sollen sie nicht zu sehr erklären, was wir zu tun haben“.<ref>[http://kath.net/news/47943 Kardinal Kasper und afrikanische Bischöfe!] [[Kath.net]] am 16. Oktober 2014, 11:44 Uhr</ref> Auf Anfragen von [[Kath.net]] dementierte Kapser am 16. Oktober 2014 die Aussagen über afrikanische Bischöfe. Wörtlich sagt er: "Ich bin schockiert. So habe ich nie über Afrikaner geredet und würde ich auch nie reden. Ich stelle fest: Von Zenit hat sich mir in diesen Tagen und Wochen nie jemand vorgestellt und mich nie jemand um ein Interview gebeten. Niemand von Zenit hat von mir ein Interview erhalten." Kasper kündigte auch an, dass er die Zenit-Agentur zur Rede stellen werde.<ref>[http://www.kath.net/news/47956 Kasper dementiert, Journalist veröffentlicht Tonbandmitschnitt!] [[Kath.net]] am 16. Oktober 2014, 20 Uhr</ref> Daraufhin veröffentlichte [[Edward Pentin]] den Tonband-Mitschnitt, der das Gegenteil bewies.<ref>[http://edwardpentin.co.uk/statement-on-cardinal-kasper-interview/ Statement on Cardinal Kasper Interview] edwardpentin.co.uk; auch hörbar [http://www.erzbistube.de/kasper.m4a hier] bei www.erzbistube.de</ref>
 
Kardinal Walter Kasper sagte am 14. Oktober 2014 in einem Interview bei der [[Bischofssynode]] mit der Nachrichtenagentur [[Zenit]] über die afrikanischen Bischöfe: „Sie sollen uns nicht zu sehr erklären, was wir zu tun haben“. „Ich denke, dass wir am Ende eine gemeinsame Linie in der Kirche brauchen, allgemeine Kriterien, aber die Fragen in [[Afrika]] können wir nicht lösen. Zwar muss auch Raum sein, dass lokale Bischofskonferenzen ihre Probleme lösen können, doch möchte ich sagen, dass [für uns Problemlösung] in Afrika unmöglich ist.“ „Je nach Kontinent und Kultur stellen sich verschiedene Probleme“, hatte Kasper gemäß „Zenit“ zuvor erläutert. „Afrika ist völlig anders als der Westen. Ebenso Asien und muslimische Länder, besonders in Bezug auf [[Homosexualität|Homosexuelle]]. Darüber kann man mit Afrikanern und mit Menschen aus muslimischen Ländern nicht sprechen. Es ist unmöglich. Es ist ein Tabu. Wir für uns sagen, wir sollten nicht diskriminieren, in mancherlei Hinsicht wollen wir nicht diskriminieren.“  „Zenit“ fragte, ob in diesem Themenbereich den afrikanischen Synodenvätern zugehört werde. „Nein“, stellte Kasper fest, der Mehrheit unter ihnen werde nicht zugehört. „Man hört ihnen nicht zu?“ [[Zenit]] fragte nochmals erstaunt nach. Kasper entgegnete: „In Afrika“, wo die [[Homosexualität]] tabuisiert sei, werde ihnen „natürlich“ zugehört, doch „uns“ „sollen sie nicht zu sehr erklären, was wir zu tun haben“.<ref>[http://kath.net/news/47943 Kardinal Kasper und afrikanische Bischöfe!] [[Kath.net]] am 16. Oktober 2014, 11:44 Uhr</ref> Auf Anfragen von [[Kath.net]] dementierte Kapser am 16. Oktober 2014 die Aussagen über afrikanische Bischöfe. Wörtlich sagt er: "Ich bin schockiert. So habe ich nie über Afrikaner geredet und würde ich auch nie reden. Ich stelle fest: Von Zenit hat sich mir in diesen Tagen und Wochen nie jemand vorgestellt und mich nie jemand um ein Interview gebeten. Niemand von Zenit hat von mir ein Interview erhalten." Kasper kündigte auch an, dass er die Zenit-Agentur zur Rede stellen werde.<ref>[http://www.kath.net/news/47956 Kasper dementiert, Journalist veröffentlicht Tonbandmitschnitt!] [[Kath.net]] am 16. Oktober 2014, 20 Uhr</ref> Daraufhin veröffentlichte [[Edward Pentin]] den Tonband-Mitschnitt, der das Gegenteil bewies.<ref>[http://edwardpentin.co.uk/statement-on-cardinal-kasper-interview/ Statement on Cardinal Kasper Interview] edwardpentin.co.uk; auch hörbar [http://www.erzbistube.de/kasper.m4a hier] bei www.erzbistube.de</ref>
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=== Zu einer "Priester- oder Bischofsweihe" von Frauen ===
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Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper hält Anfang Juni 2019 die [[Priesterweihe]] von [[Frau]]en in der katholischen Kirche für ausgeschlossen. Papst Johannes Paul II. habe "endgültig festgehalten", dass die Kirche keine Vollmacht zur Priesterweihe von Frauen habe.<ref>[https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/kasper-priesterweihe-von-frauen-nicht-moglich-kritik-an-maria-20 Kasper: Priesterweihe von Frauen nicht möglich – Kritik an "Maria 2.0"] [[Katholisch.de]] am 4. Juni 2019</ref>
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Eine [[Bischofsweihe]] von [[Frau]]en könne es vielleicht in ein "paar Jahrhunderten" geben, sagte Kasper am 12. Juni 2019 in Frankfurt. "Aber das ist im Augenblick keine konkrete Perspektive", fügte er hinzu. Alle, die etwas anderes erwarteten, müsse er "enttäuschen". Auf die Frage, ob er die Bischofsweihe von Frauen in der katholischen Kirche theologisch für möglich halte, sagte Kasper, er sei kein Prophet. "Ich traue dem Heiligen Geist zwar viel zu, bin aber nicht an seiner Stelle", so Kasper. In den vergangenen 30 Jahren, seit er selbst zum Bischof geweiht worden sei, sei er "Realist geworden, der schaut, was hier und heute in einer bestimmten Richtung möglich ist". Er wolle nicht "in Utopien" leben.<ref>https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/kasper-bischofinnen-vielleicht-in-ein-paar-jahrhunderten Kasper: Bischöfinnen vielleicht in ein "paar Jahrhunderten"] [[Katholisch.de]] am 13. Juni 2019</ref>
  
 
==Vortrag vor dem Konsistorium, 20. Februar 2014==
 
==Vortrag vor dem Konsistorium, 20. Februar 2014==

Version vom 13. Juni 2019, 16:17 Uhr

Walter Kardinal Kasper (Prof. Dr. theol., * 5. März 1933 in Heidenheim) ist ein deutscher Kardinal. Er war zehnter Bischof von Bistum Rottenburg-Stuttgart, dann Mitglied der römischen Kurie und Präsident des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Walter Kasper wurde in Heidenheim an der Brenz als Sohn eines Oberlehrers geboren. Nach dem Besuch der Volksschule in Wäschenbeuren, der Oberrealschule in Göppingen und des Gymnasiums in Wangen im Allgäu machte er 1952 sein Abitur am Gymnasium von Ehingen. Von 1952 bis 1956 studierte er Theologie und Philosophie an den Universitäten Tübingen und München. 1954 schrieb er eine Arbeit über "Die Lehre von der menschlichen Erkenntnis in den Quaestiones disputatae de veritate des Thomas von Aquin".

Am 6. April 1957 wurde Walter Kasper in Rottenburg zum Priester geweiht. Anschließend ging er als Vikar in der Herz-Jesu-Pfarrei in Stuttgart, von 1958-1961 war er Repetent für Dogmatik am Bischöflichen Theologenkonvikt Wilhelmsstift in Tübingen. 1961 promovierte er mit einer Arbeit über "Die Lehre von der Tradition in der Römischen Schule" an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und wurde Doktor der Theologie.

Wissenschaftliche Laufbahn und Tätigkeitsschwerpunkte

Von 1961 bis 1964 war Kasper am Katholisch-Theologischen Seminar der Universität Tübingen Wissenschaftlicher Assistent bei Leo Scheffczyk und Hans Küng. Dort habilitierte er sich 1964 mit einer Arbeit über "Philosophie und Theologie der Geschichte in der Spätphilosophie Schellings" im Fach Dogmatik.

Noch im selben Jahr 1964 wurde er im Alter von 31 Jahren Dogmatikprofessor am Lehrstuhl für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Münster. Von 1969 bis 1970 war er Dekan dieser Fakultät. 1970 übersiedelte er nach Tübingen und übernahm den Lehrstuhl für Dogmatik an die Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Tübingen, wo er 1970-1971 auch Dekan der Fakultät war. Kasper war auch Mitarbeiter bei der Würzburger Synode und von 1975 bis 1979 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft deutschsprachiger katholische Dogmatiker und Fundamentaltheologen.

1979 wurde er Konsultor des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und Vertreter der Katholischen Kirche in der Kommission für Glaube und Kirchenverfassung des Weltrates der Kirchen (ÖRK). Vom August 1980 bis Frühjahr 1991 war er Mitglied der [Internationalen Theologischen Kommission. Außerdem war er als Berater und Mitglied der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz der Hauptautor des ersten Bandes des Katholischen Erwachsenenkatechismus, der 1985 erschienen ist. Von 1983 bis 1984 war Kasper für ein Semester an der Catholic University of America in Washington D.C. tätig. Es folgte weitere Gastaufenthalte in Rom, Jerusalem und Louvain-la-neuve. 1985 wurde Walter Kasper zum Mitglied der Heidelberger Akademie der Wissenschaften ernannt. Es folgten die Ernennung zum Sondersekretär der außerordentlichen Römischen Bischofssynode.

Bereits als Bischof übernahm Walter Kasper als Herausgeber die Verantwortung für die dritte Auflage des Lexikons für Theologie und Kirche, die von 1993 bis 2001 erschien. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Christologie, Ekklesiologie und Ökumene. 2005 wurde ein Institut an der Philosophisch-Theologischen Hochschule Vallendar gegründet, dessen Namensgeber Kardinal Kasper ist. Das Kardinal Walter Kasper Institut arbeitet unter dem Gründungsdirektor George Augustin zu aktuellen Fragen der Ökumene, Theologie und Spiritualität und hat es sich zur Aufgabe gemacht, das theologische Wirken Kardinal Kaspers engagiert zu unterstützen und fortzuführen.

Bischof

Am 4. April 1989 wurde er durch durch das Domkapitel zum Heiligen Martinus in Rottenburg zum Nachfolger des am 9. Mai 1988 verstorbenen Bischofs Dr. Georg Moser gewählt. Am 17. April 1989 erfolgte durch Papst Johannes Paul II. die Ernennung zum Bischof der Bistum Rottenburg-Stuttgart. Die Bischofsweihe war am 17. Juni 1989.

Ab 1991 war Bischof Kasper Vorsitzender der Kommission für Weltkirchliche Aufgaben der Deutschen Bischofskonferenz und stellvertretender Vorsitzender der Glaubenskommission der Deutschen Bischofskonferenz. 1994 wurde er zum Kopräsidenten der Gemeinsamen römisch-katholischen/evangelisch-lutherischen Kommission des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen und 1998 zum Konsultor der römischen Kongregation für die Glaubenslehre sowie des Päpstlichen Kulturrates ernannt.[1]

Kurienkardinal

Am 16. März 1999 wurde Bischof Walter Kasper durch Papst Johannes Paul II. zum Sekretär des Päpstlichen Rates für die Förderung der Einheit der Christen ("Einheitsrat") ernannt; das Amt trat er am 1. Juni 1999 an. Am 21. Februar 2001 erfolgte die Ernennung zum Kardinal. Kasper wurde dann am 3. März 2001 zum Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen ernannt und übte das Amt bis zum 1. Juli 2010 aus. Sein Nachfolger wurde Bischof Kurt Koch. Seinen Lebensabend verbringt er in Rom.

Außerdem war Kardinal Kasper Mitglied der Kongregation für die Glaubenslehre, der Kongregation für die Orientalischen Kirchen, des Obersten Gerichtshofes der Apostolischen Signatur, des Päpstlichen Rates für die Kultur und des Päpstlichen Rates für die Interpretation von Gesetzestexten. Papst Benedikt XVI. beförderte ihn am 21. Februar 2011 vom Kardinaldiakon zum Kardinalpriester.[2]

St. Gallen-Gruppe

Walter Kasper war als Bischof von Rottenburg-Stuttgart 1996 der erste Gastgeber der St. Gallen-Gruppe im ehemaligen Zisterzienserkloster Heiligkreuztal.[3] Die St. Gallen-Gruppe war ein Freundeskreis einiger Bischöfe bzw. Kardinäle, die sich jährlich in St. Gallen mit dem Ziel trafen, eine "drastische Reform der Kirche, die viel moderner und näher am Zeitgeist" ist, zu bewirken.[4] Kasper war es, den Papst Franziskus bei seiner allerersten Ansprache beim Angelusgebet am 17. März 2013 mehrmals zitierte, besonders aus dessen erschienenem Buch mit dem Titel „Barmherzigkeit“. Franziskus übernahm diesen Begriff als zentrales Element seines Pontifikats. Franziskus hat ebenfalls Kasper eingeladen, den Leitvortrag vor dem Kardinalkonsistorium (Kardinal-Erhebungs-Zeremonie am 20. Februar 2014) zu halten, der sich als Leitfaden der folgenden Bischofssynoden über Ehe und Familie herausstellen würde (siehe unten). Kasper setzte sich für die „Lockerung“ der allgemeinen Sexualmoral ein und argumentitierte gegen eine „fundamentalistische Haltung“ gegenüber der Homosexualität innerhalb der Kirche.[5]

Positionen

Thesen Kaspers als Theologieprofessor

  • "Dogmen können durchaus einseitig, oberflächlich, rechthaberisch, dumm und voreilig sein" (Einführung in den Glauben,, Matthias-Grünewald-Verlag 1974, 7. Auflage 1983, Kapitel 9.4, S. 148).[6]
  • „Literarkritisch lässt sich die Tendenz feststellen, die Wunder zu steigern, zu vergrößern und zu vervielfältigen. […] Damit verringert sich der Stoff an Wunderberichten sehr wesentlich.“ (Jesus der Christus, Matthias-Grünewald-Verlag, 7. Auflage 1978, II. Teil: Geschichte und Geschick Jesu Christi, Kapitel III, S. 105-106).
  • „Der Gott, der als unveränderliches Wesen über der Welt und der Geschichte thront, stellt eine Herausforderung an den Menschen dar. Man muss ihn leugnen um des Menschen willen, weil er die Würde und Ehre, die an sich dem Menschen gebühren, für sich beansprucht. […] Gegen diesen Gott muss man sich aber nicht nur um des Menschen willen, sondern auch um Gottes willen wehren. Er ist gar nicht der wahre Gott, sondern ein kümmerlicher Götze. Denn ein Gott, der nur neben und über der Geschichte ist, der nicht selbst Geschichte ist, der ist ein endlicher Gott. Wenn man ein solches Wesen als Gott bezeichnet, dann muss man um des Absoluten willen A-theist werden. Ein solcher Gott entspricht einem starren Weltbild; er ist der Garant des Bestehenden und der Feind des Neuen.“ (Gott in der Geschichte, Aufsatz von Walter Kasper, erschienen in Gott heute, 15 Beiträge zur Gottesfrage von Norbert Kutschki, Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz, 1967).
  • Sodann sind für ihn die Wunderberichte ein „Übertragen außerchristlicher Motive auf Jesus, um seine Größe und Vollmacht zu unterstreichen“. […] „Manche Wunderberichte erweisen sich formgeschichtlich als Rückprojektionen von Ostererfahrungen in das irdische Leben Jesu bzw. als vorweggenommene Darstellungen des erhöhten Christus.“ (Jesus der Christus, Matthias-Grünewald-Verlag, 7. Auflage 1978, II. Teil: Geschichte und Geschick Jesu Christi, Kapitel III, S. 105-106).
  • So insbesondere die Geschichte von der Totenerweckung der Jairus-Tochter, des Jünglings von Naim und des Lazarus. […] „So erweisen sich gerade die Naturwunder als sekundärer Zuwachs zur ursprünglichen Tradition.“ (ibd, S. S. 106).
  • Die historisch-kritische Exegese hat teilweise mit Recht dazu geführt "dass wir viele Wundergeschichten der Evangelien als legendarisch bezeichnen müssen".[7]
  • Zum ältesten Evangelienbericht über die Auferstehung Christi (Mk 16,1-8 EU) meint er, „dass es sich hier nicht um historische Züge, sondern um Stilmittel handelt, die Aufmerksamkeit wecken und Spannung erzeugen sollen.“ (ibd, S. 149-150).
  • „Nach den synoptischen Evangelien bezeichnet sich Jesus selbst nie als Sohn Gottes. Damit ist die Gottessohn-Aussage eindeutig als Glaubensbekenntnis der Kirche ausgewiesen.“ (ibd., S. 129).
  • „Er hat sich also vermutlich weder als Messias noch als Gottesknecht oder als Gottessohn und wohl auch nicht als Menschensohn bezeichnet.“ (Jesus und der Glaube, in: Walter Kasper, Jürgen Moltmann, Jesus ja – Kirche nein? /theologische Meditationen 32), Zürich, Einsiedeln, Köln 1973, S. 20).
  • Das Dogma, dass Jesus „ganz Mensch und Gott ist“, sei „überholbar“ (Einführung in den Glauben, S. 55).
  • "Sogenannte Naturwunder braucht man dagegen mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht als historisch anzusehen". (Jesus der Christus)[8][9]

Weitere Aussagen von Georg May zusammengestellt:

  • "Der Glaube bedeutet nicht ein Fürwahrhalten von wunderbaren Tatsachen und von autoritativ vorgelegten Glaubenssätzen".
  • Die Auferweckung Jesu ist ihm "kein objektiv und neutral feststellbares historisches Faktum".
  • Die Aussagen über die immanente Trinität oder über die Präexistenz Christi sind nach Kasper "nicht unmittelbare Glaubensaussagen, sondern theolog. Reflexionsaussagen".
  • Auch Kasper spricht von der "Auferweckung des einzelnen im Tod". Daher ist "auch die Rede von einem Weiterleben oder Fortleben nach dem Tod irreführend". Ferner ist die Rede von Himmel, Hölle und Fegfeuer "eine sehr unangemessene, ja irreführende Redeweise".
  • Mit dem "nicht ganz glücklichen Ausdruck" Unfehlbarkeit der Kirche sei gemeint, "dass die Kirche ... nicht mehr definitiv auf den Stand der Synagoge zurückfallen und Christus nicht definitiv verleugnen kann".
  • Auch das für ökumenische Gespräche höchst wichtige, in die Worte 'extra ecclesiam nulla salus' gekleidete Dogma von der universalen Heilsmittlerschaft der Kirche nannte er einen "höchst missverständlichen Satz".[10]
  • zur amtlichen Beauftragung des Priesters: „Ob man dies ein Sakrament nennt, ist vor allem eine Frage der Sprachregelung “ (Gesammelte Schriften Bd 12II, 204).[11]

Wiederverheiratete Geschiedene[12]

Umstritten war der Hirtenbrief zur „Pastoral mit Geschiedenen und Wiederverheirateten Geschiedenen“, den Kasper 1993 als Bischof von Rottenburg-Stuttgart zusammen mit den Bischöfen der Oberrheinischen Kirchenprovinz, Bischof Karl Lehmann von Mainz und Erzischof Oskar Saier von Freiburg veröffentlichte, in dem Rom um eine seelsorgerliche Praxis im Umgang mit wieder verheiratete geschiedenen Katholiken ersucht wurde. Es solle nicht länger kategorisch ausgeschlossen sein, daß diese "nach ernster Gewissensprüfung" die heilige Eucharistie empfangen können. Dieser Hirtenbrief wurde vom Vatikan und der Glaubenskongregation unter Kardinal Ratzinger mit Verweis auf die kirchliche Lehre in dieser Frage zurückgewiesen.

Die Kongregation für die Glaubenslehre wies das Gemeinsames Hirtenschreiben mit dem Schreiben Annus internationalis familiae zurück (Fortgang der Diskussion siehe Diskussion um das päpstliche Schreiben "Amoris laetitia").

Ökumene: Einheit in versöhnter Verschiedenheit und Zukunft der Kirche

Beim Neujahrsempfang der Erzdiözese Bamberg in Coburger Kongresshaus Rosengarten am 28. Januar 2017 meinte Kardinal Kasper, dass eine "Wiedervereinigung der Christen" in "absehbarer Zeit möglich" sei. Es werde aber keine Einheitskirche entstehen, "in der alles gleichgestaltet wird, sondern eine Einheit in versöhnter Verschiedenheit, in der auch die geschichtlich gewachsenen Formen respektiert werden müssen". Zur Frage der Kommunionzulassung konfessionsverbindender Familien sagte Kasper, die Lösung dieses pastoralen Problems sei gar nicht so schwierig. Die Einheit der Kirche verbiete die Teilnahme von Nichtkatholiken in den meisten Fällen; doch die Sorge um die Gnade empfehle sie in manchen Fällen. "Das ist sehr flexibel formuliert", unterstrich der Kurienkardinal. Es gebe Raum für pastorale Lösungen, die meisten Priester kämen damit gut zurecht.[13] Was Reformen in der Kirche betreffe, so gelte seit Papst Franziskus die Ausrede nicht mehr: „Wir in Deutschland möchten ja ganz gern, aber Rom blockiert.“ Rom ermutige die Bischofskonferenzen, aktiv zu werden und Vorschläge zu unterbreiten. Dem Heiligen Geist solle man auch mal Neues zutrauen, so der Kardinal.[14]

"Kirche hat, wenn sie eine Zukunft hat – und sie hat eine Zukunft –, nur ökumenisch eine Zukunft", sagte Walter Kasper anlässlich der Jubiläumsfeiern zum 100-jährigen Bestehen des katholischen Bundes Neudeutschland am 26. April 2019 vor Journalisten in Köln. Der ND habe sein Kirchenbild geprägt. Er habe auf diese Weise gelernt, Führung zu übernehmen und habe sich für liturgische Erneuerung eingesetzt.[15]

Homosexualität bzw. Afrikanische Bischöfe

Kardinal Walter Kasper sagte am 14. Oktober 2014 in einem Interview bei der Bischofssynode mit der Nachrichtenagentur Zenit über die afrikanischen Bischöfe: „Sie sollen uns nicht zu sehr erklären, was wir zu tun haben“. „Ich denke, dass wir am Ende eine gemeinsame Linie in der Kirche brauchen, allgemeine Kriterien, aber die Fragen in Afrika können wir nicht lösen. Zwar muss auch Raum sein, dass lokale Bischofskonferenzen ihre Probleme lösen können, doch möchte ich sagen, dass [für uns Problemlösung] in Afrika unmöglich ist.“ „Je nach Kontinent und Kultur stellen sich verschiedene Probleme“, hatte Kasper gemäß „Zenit“ zuvor erläutert. „Afrika ist völlig anders als der Westen. Ebenso Asien und muslimische Länder, besonders in Bezug auf Homosexuelle. Darüber kann man mit Afrikanern und mit Menschen aus muslimischen Ländern nicht sprechen. Es ist unmöglich. Es ist ein Tabu. Wir für uns sagen, wir sollten nicht diskriminieren, in mancherlei Hinsicht wollen wir nicht diskriminieren.“ „Zenit“ fragte, ob in diesem Themenbereich den afrikanischen Synodenvätern zugehört werde. „Nein“, stellte Kasper fest, der Mehrheit unter ihnen werde nicht zugehört. „Man hört ihnen nicht zu?“ Zenit fragte nochmals erstaunt nach. Kasper entgegnete: „In Afrika“, wo die Homosexualität tabuisiert sei, werde ihnen „natürlich“ zugehört, doch „uns“ „sollen sie nicht zu sehr erklären, was wir zu tun haben“.[16] Auf Anfragen von Kath.net dementierte Kapser am 16. Oktober 2014 die Aussagen über afrikanische Bischöfe. Wörtlich sagt er: "Ich bin schockiert. So habe ich nie über Afrikaner geredet und würde ich auch nie reden. Ich stelle fest: Von Zenit hat sich mir in diesen Tagen und Wochen nie jemand vorgestellt und mich nie jemand um ein Interview gebeten. Niemand von Zenit hat von mir ein Interview erhalten." Kasper kündigte auch an, dass er die Zenit-Agentur zur Rede stellen werde.[17] Daraufhin veröffentlichte Edward Pentin den Tonband-Mitschnitt, der das Gegenteil bewies.[18]

Zu einer "Priester- oder Bischofsweihe" von Frauen

Der emeritierte Kurienkardinal Walter Kasper hält Anfang Juni 2019 die Priesterweihe von Frauen in der katholischen Kirche für ausgeschlossen. Papst Johannes Paul II. habe "endgültig festgehalten", dass die Kirche keine Vollmacht zur Priesterweihe von Frauen habe.[19]

Eine Bischofsweihe von Frauen könne es vielleicht in ein "paar Jahrhunderten" geben, sagte Kasper am 12. Juni 2019 in Frankfurt. "Aber das ist im Augenblick keine konkrete Perspektive", fügte er hinzu. Alle, die etwas anderes erwarteten, müsse er "enttäuschen". Auf die Frage, ob er die Bischofsweihe von Frauen in der katholischen Kirche theologisch für möglich halte, sagte Kasper, er sei kein Prophet. "Ich traue dem Heiligen Geist zwar viel zu, bin aber nicht an seiner Stelle", so Kasper. In den vergangenen 30 Jahren, seit er selbst zum Bischof geweiht worden sei, sei er "Realist geworden, der schaut, was hier und heute in einer bestimmten Richtung möglich ist". Er wolle nicht "in Utopien" leben.[20]

Vortrag vor dem Konsistorium, 20. Februar 2014

Text

Reaktionen

Meinungen zu Walter Kasper

Papst Franziskus schätzt Kardinal Walter Kasper als theologischen Fachberater. Er bat ihn, am 20. Februar 2014 vor dem Kardinalskollegium einen zweistündigen Vortrag zum Thema "Die Berufung und Sendung der Familie in Kirche und Welt von heute" zu halten.

In einer Ansprache beim Außerordentlichen Konsistorium am 15. Februar 2015 würdigte der Papst Kardinal Kasper ausdrücklich als einen Theologen, der sich mit seinen Schriften international einen Namen gemacht habe. Er wies auf die theologische Tiefe und Glaubensstärke in Kaspers Werk hin und sagte: "Es ist angenehm, positive Theologie zu lesen. Und ich habe auch das gefunden, was der heilige Ignatius uns sagte, den sensus ecclesiae, das Gespür für die Kirche, nicht wahr? Die Liebe zur Mutter Kirche, nicht wahr? Das hat mir gut getan, und mir ist eine Idee gekommen – entschuldigen Sie, Eminenz, wenn ich Sie damit in Verlegenheit bringe: Das bedeutet, Theologie auf den Knien zu machen. Danke, danke!“[21]

Ettore Gotti Tedeschi nennt Kasper den strategischen „Inspirator“ (des Pontifikates von Papst Franziskus) wobei sein Buch „Jesus, der Christus“ als Schlüssel zur gesamten Theologie definiert werde. Die sei eine zweideutige und sogar „revolutionäre“ Hermeneutik (vgl. Hermeneutik der Diskontinuität und des Bruches), die dazu dient, sich in das Geheimnis Jesu Christi nach der historisch-kritischen Exegese und der Wiederentdeckung seiner Menschlichkeit durch die Theologie in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts hineinzubegeben.[22]

Auszeichnungen (Auswahl)

  • 1985: Aufnahme in die Heidelberger Akademie der Wissenschaften
  • 1991: Aufnahme in die Europäische Akademie der Wissenschaften und Künste
  • Ehrendoktorwürde der Catholic University of America, Washington D.C. (1990) und der St. Mary's Seminary and University, Baltimore (1991)
  • 1987: Bundesverdienstkreuz I. Klasse, 1998: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
  • 1999: "Bonifatiusmedaille" in Gold, höchste Auszeichnung der Deutschen Bischofskonferenz
  • 14. Februar 2014: Deutscher Kulturpreis für seine "außerordentlichen, herausragenden Leistungen für die Förderung der Einheit der Christen" in München[23]

Werke

  • Einführung in den Glauben. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1972
  • Jesus der Christus. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1974 (322 Seiten)
  • Zur Theologie der christlichen Ehe. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1977
  • Der Gott Jesu Christi. Matthias-Grünewald-Verlag, Mainz 1982
  • Theologie und Kirche. Matthias-Grünewald-Verlag, Band 1 Mainz 1987, Band 2 Mainz 1999
  • Sakrament der Einheit. Eucharistie und Kirche. Herder-Verlag, Freiburg im Breisgau/Basel/Wien 2004, ISBN 3-451-28568-1
  • Wege in die Einheit. Perspektiven für die Ökumene. Freiburg im Breisgau 2005
  • Wo das Herz des Glaubens schlägt. Die Erfahrung eines Lebens. Mit Daniel Deckers. Herder, Freiburg im Breisgau/Basel/Wien 2008, ISBN 978-3-451-29873-8.
  • Katholische Kirche: Wesen – Wirklichkeit – Sendung. Herder, Freiburg im Breisgau/Basel/Wien 2011, ISBN 978-3-451-30499-6 (580 Seiten)
  • Barmherzigkeit. 
Grundbegriff des Evangeliums - Schlüssel christlichen Lebens. Herder Verlag, 4. Auflage 2014, 
ISBN 978-3-451-30642-6 (gebundene Ausgabe, 252 Seiten)

Weblinks


Vorgänger
Georg Moser
† Bischof von Rottenburg-Stuttgart
1989-1999
Nachfolger
Gebhard Fürst

Anmerkungen

  1. Biographische Angaben: Amt für Öffentlichkeitsarbeit der Diözese Rottenburg-Stuttgart: Kurzbiographie, zitiert nach Deutsche Bischofskonferenz, Presse
  2. Ordentliches öffentliches Konsistorium im Vatikan Kath.net am 21. Februar 2011
  3. Die Tafelrunde von St. Gallen, die Franziskus zum Papst machte tageswoche.ch am 2. Oktober 2015
  4. Papst Franziskus als radikaler Reformer: Wunschkandidat der »St. Gallen Mafia« www.freiewelt.net am 15. Dezember 2017
  5. Papst Franziskus als radikaler Reformer: Wunschkandidat der »St. Gallen Mafia« www.freiewelt.net am 15. Dezember 2017
  6. https://www.katholisches.info/2014/04/die-unbarmherzigkeit-von-kardinal-kasper-gegenueber-geschiedenen-wiederverheirateten/
  7. bei google books.
  8. Ein Mensch namens Jesus, Rudolf Augstein über die scheinheiligen Legenden im „Heiligen Jahr“.
  9. weitere unbelegte Aussagen in: Georg May: Gefahren, die der Kirche drohen. Hindernisse der Neuevangelisierung Mediatrix Verlag Andrä-Wördorn 1990, S. 27-44 (1. Auflage; ISBN 3-85406-126-X).
  10. Der ganze Abschnitt aus: Georg May: Gefahren, die der Kirche drohen. Hindernisse der Neuevangelisierung Mediatrix Verlag Andrä-Wördorn 1990, S. 27-44 (1. Auflage; ISBN 3-85406-126-X); Georg May befasste sich ausführlich mit den Werken des Theologieprofessors Kasper.
  11. Der Priester ist kein Auslaufmodell Kath.net am 10. April 2017 von Paul Kardinal Cordes
  12. Die Bischöfe der Oberrheinischen Kirchenprovinz: Zur seelsorglichen Begleitung von Menschen aus zerbrochenen Ehen, Geschiedenen und wiederverheirateten Geschiedenen: Hirtenwort. Freiburg/Br. u. a.: (10.07.) 1993.
  13. Kardinal hält Kircheneinheit für realistisch Katholisch.de am 28. Januar 2017
  14. Kardinal Kasper: Ökumene dient dem Frieden in der Welt Zenit am 28. Januar 2017
  15. Kasper: Zukunft der Kirche ist ökumenisch Katholisch.de am 27. April 2019
  16. Kardinal Kasper und afrikanische Bischöfe! Kath.net am 16. Oktober 2014, 11:44 Uhr
  17. Kasper dementiert, Journalist veröffentlicht Tonbandmitschnitt! Kath.net am 16. Oktober 2014, 20 Uhr
  18. Statement on Cardinal Kasper Interview edwardpentin.co.uk; auch hörbar hier bei www.erzbistube.de
  19. Kasper: Priesterweihe von Frauen nicht möglich – Kritik an "Maria 2.0" Katholisch.de am 4. Juni 2019
  20. https://www.katholisch.de/aktuelles/aktuelle-artikel/kasper-bischofinnen-vielleicht-in-ein-paar-jahrhunderten Kasper: Bischöfinnen vielleicht in ein "paar Jahrhunderten"] Katholisch.de am 13. Juni 2019
  21. Radio Vatikan, 21. Februar 2015.
  22. ‚Ich habe noch nie eine so starke Spaltung in der katholischen Welt gesehen wie heute’ von Armin Schwibach Kath.net am 13 Dezember 2018
  23. Amt für Öffentlichkeitsarbeit der Diözese Rottenburg-Stuttgart: Kurzbiographie, zitiert nach Deutsche Bischofskonferenz, Presse; Osservatore Romano vom 21. Februar 2014, S. 3.
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