Volksfrömmigkeit

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Volksfrömmigkeit ("privater Kult") nennt man den außerliturgischen Gottesdienst (pia exercitia 'fromme Übungen'). Dazu werden verschiedene Andachtsformen bzw. Andachtsinhalte der Verehrung Gottes und der Heiligen gerechnet.

Die Volksfrömmigkeit ist nach Papst Benedikt XVI. eine „Fleischwerdung des Glaubens“. Sie ist ein mit dem Herzen gelebter Glaube, in dem das Übernatürliche natürlich und das Natürliche vom Übernatürlichen erleuchtet wird.[1]

Lange Zeit wurden sie für minderwertig gehalten, doch werden sie nach dem II. Vatikanum vielenorts neu entdeckt. "Die Volksfrömmigkeit, so kann man sagen, hat gewiss ihre Grenzen. Oft ist sie dem Eindringen von so manchen religiösen Fehlformen ausgesetzt, auch dem Aberglauben. Häufig bleibt sie auf der Ebene kultischer Handlungen, ohne zu einem echten Akt des Glaubens zu führen. Ist sie aber in der rechten Weise ausgerichtet, vor allem durch hinführende und begleitende Evangelisierung, dann birgt sie wertvolle Reichtümer in sich. In ihr kommt ein Hunger nach Gott zum Ausdruck, wie ihn nur die Einfachen und Armen kennen. Sie befähigt zur Großmut und zum Opfer, ja zum Heroismus, wenn es gilt, den Glauben zu bekunden. In ihr zeigt sich ein feines Gespür für tiefe Eigenschaften Gottes: seine Vaterschaft, seine Vorsehung, seine ständige, liebende Gegenwart. Sie führt zu inneren Haltungen, die man sonst kaum in diesem Maße findet: Geduld, das Wissen um die Notwendigkeit, das Kreuz im täglichen Leben zu tragen, Entsagung, Wohlwollen für andere, Respekt" (Evangelii nuntiandi, Nr. 48). Um negative Einwirkungen des Protestantismus einzudämmen, ist die Volksfrömmigkeit das wirksame Mittel (Nr. 42).

Inhaltsverzeichnis

Vorrang der Liturgie

Gegenüber der Volksfrömmigkeit, hat die öffentliche Liturgie der Kirche eine eindeutige Vorrangstellung. Das 2. Vatikanische Konzil (Sacrosanctum Concilium Nr. 7) definierte, dass kein anderes Tun der Kirche die liturgische Feier als Werk Christi an Wirksamkeit erreicht. Die Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung ordnete 2001 an: "Die Vorrangstellung der Liturgie im Vergleich zu jeder anderen möglichen und legitimen Form des christlichen Betens muss im Bewusstsein der Gläubigen verankert werden: Während die sakramentalen Handlungen für das Leben in Christus notwendig sind, gehören die Formen der Volksfrömmigkeit dagegen in den fakultativen (möglichen und freiwilligen) Bereich." (Nr. 11)

Ordnung der Frömmigkeitsformen

„Es ist Aufgabe der Bischöfe und ihrer unmittelbaren Mitarbeiter, insbesondere der Wallfahrtsrektoren, Normen zu erlassen und praktische Hinweise zu geben, wobei sie den örtlichen Überlieferungen und den besonderen Ausdrucksformen der Volksfrömmigkeit Rechnung tragen sollen“.[2] Sie sollen die Frömmigkeitsübungen ordnen, sie in ihrer unterstützenden Rolle für Leben und Glauben der Christen zu fördern und sie notfalls zu reinigen, denn sie müssen der Botschaft des Evangeliums angepasst werden.[3] Er soll auch darauf achten, dass sie nicht liturgische Feiern ersetzen oder sich mit ihnen vermischen.[4] Auch die Andachten und Frömmigkeitsformen der heiligsten Jungfrau Maria und den anderen Heiligen sollen gefördert und geordnet werden, "dass sie in Übereinstimmung stehen mit der heiligen Liturgie, aus der sie Anregung empfangen und zu der sie hinführen.[5]

Insbesondere soll der Bischof[6]:

a) Mit der größten Sorgfalt die Anbetung Christi, des Herrn, der wirklich in der Eucharistie gegenwärtig ist, auch außerhalb der Messe fördern. Um die Verehrung durch die Gläubigen zu erleichtern, soll er dafür sorgen, dass die Kirchen entsprechend den örtlichen Gebräuchen und Möglichkeiten geöffnet bleiben, wobei auch für die Sicherheit des Ortes gesorgt werden muss. Der Bischof soll dafür Sorge tragen, dass in den Pfarreien seiner Diözese jährliche Initiativen zur eucharistischen Anbetung entwickelt werden, wie die so genannten „vierzigstündigen Gebete“, und dass das Fronleichnamsfest mit höchster Feierlichkeit begangen wird. In regelmäßigen Zeitabständen kann er einen diözesanen eucharistischen Kongress fördern als passende Gelegenheit, um die heiligste Eucharistie öffentlich zu verehren und den Gläubigen die Lehre und die zentrale Bedeutung der Eucharistie für das christliche und kirchliche Leben in Erinnerung zu rufen.

b) Er soll die Ausdrucksformen der Frömmigkeit fördern, die im christlichen Volk verwurzelt sind, indem er sie, sofern erforderlich, von eventuellen Übertreibungen reinigt, die mit der Wahrheit oder dem katholischen Empfinden weniger übereinstimmen, und er soll klugerweise die Möglichkeit offen halten, neue Formen der Volksfrömmigkeit zu entwickeln. Eine hervorragende Frömmigkeitsform, die es zu bewahren und zu fördern gilt, sind die Verehrung des heiligsten Herzens Jesu und die Verehrung der Gottesmutter.

c) Er muss die Gebete und die Gesänge, die veröffentlicht werden sollen, prüfen und ihnen eine entsprechende Approbation erteilen.[7] Der Bischof soll über ihre biblische und liturgische Inspiration sowie über ihre lehrmäßige Richtigkeit wachen, so dass die Texte zur Katechese der Gläubigen und zu einer tieferen Frömmigkeit beitragen können. Er soll auch darüber wachen, dass nicht Gebete oder musikalische Kompositionen eingeführt werden, die im Widerspruch zur unverfälschten christlichen Inspiration stehen oder die weltliche Gesichtspunkte oder Bedeutungen widerspiegeln. Sofern es sich darum handelt, Gebete in die eigene Sprache zu übersetzen und jene alten Gebete anzupassen, ist es gut, den Rat von Hirten, Theologen und Literaten heranzuziehen.

d) Er soll darum besorgt sein, dass die Wallfahrtsorte, von denen viele der heiligen Mutter Gottes gewidmet sind, einen wirksamen Beitrag zum geistlichen Leben der Diözese leisten. Daher soll er über die Würde der liturgischen Feiern ebenso wachen wie über die Verkündigung des Wortes Gottes und er soll dafür Sorge tragen, dass aus ihrer Nähe alles entfernt werde, was für die Frömmigkeit der Gläubigen ein Hindernis darstellen oder den Eindruck eines vorwiegenden geschäftlichen Interesses erwecken könnte.

Förderung einiger Frömmigkeitsformen[8]

Einige Frömmigkeitsformen, welche die Hirten der Kirche stets empfohlen haben, müssen sorgfältig als wertvolles geistliches Erbe bewahrt werden:

a) unter diesen ragt der heilige Rosenkranz hervor als eine Art Kompendium des Evangeliums und daher als eine im tiefsten christliche Form der Frömmigkeit,[9] die uns mit den Augen der Jungfrau Maria die Geheimnisse des Lebens Jesu Christi betrachten lässt;

b) die fromme Betrachtung des Leidens des Herrn oder der „Kreuzweg“ sollen ebenso bewahrt und gefördert werden wie das Gebet des Angelus, das die gewöhnlichen Beschäftigungen des Christen unterbricht mit einer kurzen Betrachtung der Menschwerdung des Wortes Gottes;

c) auch die Novenen verdienen es, gefördert zu werden, insbesondere jene, die den liturgischen Hochfesten vorausgehen (z. B. Pfingsten, Weihnachten usw.), ebenso wie die Vigilfeiern zur Vorbereitung auf die Hochfeste.

d) Das religiöse Empfinden des christlichen Volkes hat im Lauf der Jahrhunderte darüber hinaus vielfältige andere Formen der Frömmigkeit entwickelt, die zum sakramentalen Leben der Kirche hinzutreten, wie die Reliquienverehrung, die Prozessionen, der Gebrauch von Skapulieren und Medaillen und andere, die Ausdruck einer authentischen und tief verwurzelten Inkulturation des christlichen Glaubens sind. Die Sorge um das Wachsen des geistlichen Lebens der Gläubigen soll dazu beitragen, solche Frömmigkeitsübungen zu fördern und zu verbreiten, insbesondere, wenn sie sich an der heiligen Schrift und an der Liturgie orientieren, oder wenn sie dem Herzen von Heiligen entsprungen sind oder bereits durch eine lange Tradition des Glaubens und der Frömmigkeit bezeugt werden.[10]

Andachtsformen bzw. Andachtsinhalte

Verehrung Gottes

(cultus latriae)

Verehrung Mariens

(cultus hyperduliae)

Verehrung Heiliger

(cultus duliae)

Ausdrucksformen der Volksfrömmmigkeit im Kirchenjahr

Es gibt in der Kirche aus dem kirchlichen Festjahr herausgewachsene Gebräuche.

Verschiedene Formen

Literatur

Päpstliche Schreiben

Johannes Paul II.

Franziskus

Weblinks

Anmerkungen

  1. vgl. Benedikt XVI. im Juni 2011 bei seiner Kroatienreise
  2. Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Direktorium über die Volksfrömmigkeit und die Liturgie, 288.
  3. Vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Vicesimus quintus annus, 4. Dezember 1988, Nr. 18: AAS 81 (1989) 914.
  4. Vgl. ebd.
  5. vgl. Johannes Paul II., Nachsynodales Apostolisches Schreiben Pastores gregis, 40.
  6. Kongregation für die Bischöfe: Direktorium Apostolorum successores für den Hirtendienst der Bischöfe vom 22. Februar 2004, Nr. 152
  7. Vgl. c. 826 § 3 CIC; Kongregation für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Instruktion Liturgiam authenticam, 108.
  8. Apostolorum successores, Nr. 153
  9. Vgl. Johannes Paul II., Apostolisches Schreiben Rosarium virginis mariae.
  10. Vgl. Katechismus der Katholischen Kirche, 1674.
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