Verstocktheit

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Verstocktheit (lat.: obstinatio) oder Verstockung[1] ist das willentliche Verharren in der Sünde, der Lüge, der Unwahrheit. Sie ist „Mangel an gutem Willen, Mangel an Bereitschaft zur Bekehrung und zur Buße, die hartnäckige Verstockung“ (Dives in misericordia, Nr. 13). Sie tritt endgültig erst in der Hölle ein, in der vollkommenen (perfecta) Verstocktheit der Verdammten. Für sie ist die Zeit der Barmherzigkeit Gottes abgelaufen.[2] Dauerdes sündigen des Menschen stumpft das Gewissen ab, macht gegen die Gnade lau (vgl. Offb 3,16 EU) - selbst widerspenstig (vgl. Apg 19,9 EU) - und führt zum Versiegen der Gnade.[3]

Als Sünde gegen den Heiligen Geist besagt die Verstocktheit die bewusste Ablehnung aller auf eine Willensänderung gerichteten Einflüsse.[4]

Inhaltsverzeichnis

Erklärung

Gott will, dass alle Menschen selig werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Er gewährt allen Menschen hinreichende Gnade, damit sie gerettet werden können. Wer dieses Angebot ausschlägt und sich der helfenden Gnade verweigert, versündigt sich und endet unter Umständen in jener Verstocktheit des Herzens (vgl. Mk 6,52 EU), welche die völlige Entfremdung von Gott bedeutet.“[5]

Hienieden kann Gott auch dem verstocktesten Sünder so viel Gnaden geben, dass er schließlich mitwirkt und sich bekehrt. Diese Gnaden können andere durch Gebet erflehen und durch Werkeverdienen“. Aber nichts kann Gott zwingen, einem Menschen gerade die Gnaden zu geben, mit denen er sich bekehren würde (vgl. Röm 9,18 EU), weil Gott dann vom Willen des Menschen abhängig wäre. Für den allgemeinen Heilswillen Gottes genügt es, dass er dem Sünder die entfernt hinreichenden Gnaden gibt, d. h. solche, mit deren Hilfe er sich, wenn er mitwirken würde, weitere erwerben könnte, die ihm schließlich die Bekehrung möglich machen würden.[6]

Urheber der Verstocktheit

A) Letztlich ist der Teufel der Urheber, der zur Verstocktheit gegenüber der Wahrheit veranlasst.[7]

B) Hauptsächlich ist jedoch der Urheber die freie Person, die in der schwerwiegenden Sünde bleiben möchte und nicht auf Gottes Wegen gehen und hören will (vgl. Ps 81,12-14 EU; Mt 23,37 EU). Sie ist also eine Reaktion des Menschen auf Gottes Forderungen.

C) Gott kann Urheber der Verstocktheit genannt werden, sofern
1) er dem betreffenden Menschen über die hinreichenden Gnaden hinaus nicht solche gibt, mit denen er sich schließlich bekehren würde.[8]
2) er den Sünder seinem verstockten Herzen und seinen eigenen Plänen überlässt (permissiv= zulassend) (vgl. Ps 81,12-14 EU; Ex 4,21 EU; Mt 23,37-38 EU).
3) sie eine strafende und gerechte Reaktion Gottes für den Unglauben ist (vgl. Joh 12,37-40 EU: Röm 11,20 EU; Spe salvi, Nr. 44+47).[9]

Heilung durch das barmherzige Gericht der Beichte

Gott und die Kirche begegnet der schweren Sünde im barmherzigen «Gericht der Beichte» sowie in der «Mahnung, nicht in den Abgrund des "Zuspät" zu fallen», (vgl. Mt 27,3-5 EU) welches stets eine ernsthafte Möglichkeit ist, wenn der Mensch sich so entscheidet. «Die Entscheidung des Menschen, nicht in der Lüge zu verharren, ist die einzig notwendige Bedingung, um von Gottes Barmherzigkeit umarmt zu werden.»[10] Sr. Faustyna Kowalska sagt von der Inanspruchnahme des Sakramentes der Beichte: "Ihr Armseligen, die das Wunder der Barmherzigkeit Gottes für euch nicht in Anspruch nehmt, ihr werdet vergeblich rufen, weil es dann zu spät sein wird" (Tagebuch 1448).

siehe: Pius XII.: Enzyklika Mystici corporis Christi 1943, Nr. 24; Mysterium iniquitatis.

Weblinks

  • Verstockung bei der Deutschen Bibelgesellschaft Stuttgart von Walter Dietrich

Anmerkungen

  1. Verhärtung, Starrsinn, in hohem Grade uneinsichtig: Im Duden.
  2. vgl. Bernhard Brinkmann: Katholisches Handlexikon, Butzon & Bercker Verlag Kevelaer 1960, S. 61, Verstockheit (2. Auflage; Imprimatur N. 4-18/60 Monasterii, die 2. Februarii 1960, Böggering Vicarius Eppi Generalis); L. Zeller in: LThK 1. Auflage, Band 10, Sp. 580-581.
  3. Laurentius Zeller in: LThK 1. Auflage, Band 10, Sp. 580.
  4. Thomas von Aquin, Summa theologica II/II 14, 2: aus: Laurentius Zeller in: LThK 1. Auflage, Band 10, Sp. 580-581.
  5. Im Stand der heiligmachenden Gnade Kath.net am 5 März 2003 von Erzbischof Wolfgang Haas.
  6. vgl. Katholisches Handlexikon, S. 61.
  7. Papst Franziskus vgl. EB 326; aus: Mama Kirche Kath.net am 16 Januar 2014.
  8. vgl. Katholisches Handlexikon, S. 61.
  9. Darf man heute noch vom 'Gericht Gottes' predigen? Kath.net am 2. Februar 2012 von Andreas Laun.
  10. vgl. aus: Päpstlicher Rat zur Förderung der Neuevangelisierung: Heilige und die Barmherzigkeit. Jubiläum der Barmherzigkeit 2015-2016. Schwabenverlag 2015, S. 11 (94 Seiten; ISBN 978-3-7966-1685-3).
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