Verlautbarung der deutschen Bischöfe zur Mischehe 1966

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Verlautbarung

der deutschen Bischöfe
über die Mischehen

31. März 1966

(Quelle: Georg May: Das neue Mischehenrecht. Kreuzring Bücherei, Johann Josef Zimmer Verlag GmbH Trier 1966, S. 215-217 (1. Auflage; 292 Seiten; Imprimatur: Treveris, die 14 m. Maii 1966; Alb. München und Freising 1966 Z. 138; auch in: Nachkonziliare Dokumentation, Nr. 28)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Es ist die vom Evangelium grundgelegte Glaubensüberzeugung der Kirche, dass die Ehe von Gott dem Schöpfer her eine und dass sie unauflöslich ist. Durch Christus den Erlöser ist sie als Zeichen seiner Einheit mit der Kirche ein Sakrament. Diese sakramentale Ehe zwischen den Getauften ist Stätte der gegenseitigen personalen Liebe. In ihr muss der ganze Reichtum der christlichen Berufung von denen entfaltet werden, die an Christus glauben und auf seinen Namen getauft sind. In ihr wird der Glaube der Kirche weitergegeben an ein neues Geschlecht. Das ist der hohe Auftrag der christlichen Ehe. Auch Ehepartner, die beide in der Katholischen Kirche getauft sind, können ihn nur aus bewusstem Glauben und gelebter Treue zum sakramentalen Leben der Kirche erfüllen. Schwerer ist der Auftrag in der einen Ehe und Familie zu erfüllen, wenn getaufte Ehepartner über Würde und Auftrag der Ehe verschiedener Meinung sind. Es kann nicht übersehen werden, dass auch die verschiedenen christlichen Kirchen und Gemeinschaften nicht übereinstimmen im Glauben an die Unauflöslichkeit und die Sakramentalität der Ehe, wie er von jeher in der Kirche lebendig war. Die Kirche muss aber ihren Glauben nicht nur ihren Gliedern verkünden, sie muss auch zu jeder Zeit über seine Unversehrtheit wachen. Darum gehört es zum pflichtgemäßen Auftrag der Kirche, vor einer Ehe zu warnen, in der die volle Gemeinschaft des Glaubens nicht gemeinsame Basis der Ehegatten ist.

Dieser Aufgabe kommt die Kirche in der Instructio über die konfessionell gemischte Ehe, die die Kongregation für die Glaubenslehre am 18. März 1966 erlassen hat, nach und warnt ausdrücklich vor der Mischehe. Sie tritt damit einem Missverständnis entgegen, als sei die Mischehe ein Weg zur beschleunigten Annäherung der Kirchen. Die Katholische Kirche ist mit anderen christlichen Kirchen und Gemeinschaften darin einig, dass das, wenn auch heute weit verbreitet, ein Missverständnis ist.

Die Verlautbarung des Apostolischen Stuhles weiß sich aber zugleich allen jenen verbunden, die trotz mancher Verschiedenheit in der Glaubensüberzeugung durch den Glauben an den einen Herrn Jesus Christus geeint sind. Die Kirche kann nicht über das Wesen der Ehe verfügen. Sie kann nur die rechtlichen Regelungen den veränderten Lebensverhältnissen anpassen. Dabei ist es ihr besonderes Anliegen, die schuldige Ehrfurcht vor den Nichtkatholiken zu wahren, die ihrer Glaubensüberzeugung treu sind. Diesen Geist der Treue zur Wahrheit und der brüderlichen Liebe zu allen an Christus Glaubenden stellt die Instructio in ihren Einzelanweisungen heraus.

Der katholische Christ ist in seinem Gewissen schwer verpflichtet, den eigenen Glauben nicht zu gefährden und für die katholische Erziehung seiner Kinder zu sorgen. Darum verlangt die Neuregelung von ihm ein ausdrückliches Versprechen, alle Kinder katholisch taufen zu lassen und sie katholisch zu erziehen. Der nichtkatholische Partner aber hat nicht, wie bisher, ein solch positives Versprechen zu geben. Ihm muss vielmehr "die schwere Verpflichtung des katholischen Ehegatten vergegenwärtigt" werden, wie es in der Instructio heißt. Sodann wird er aufgefordert, schriftlich oder mündlich zu versprechen, den katholischen Ehepartner nicht an der Erfüllung seiner Pflicht zu hindern.

An der Eheschließungsform hat die Instructio aus ernsten Gründen nichts geändert. Zur Gültigkeit der Mischehe ist es erforderlich, dass sie vor dem katholischen Geistlichen geschlossen wird. In der liturgischen Feier unterscheidet sie sich nicht mehr von der Trauung nur katholischer Brautpaare. So ist die Brautmesse mit Brautsegen, die bisher verboten war, gestattet, wenn die Brautleute sie wünschen. (Nicht möglich ist natürlich die Teilnahme des evangelischen Christen an der Kommunion. Denn zwischen den Kirchen, ja sogar unter den verschiedenen reformatorischen Gemeinschaften selbst, bestehen schwerwiegende Unterschiede des Eucharistieverständnisses.)

So genannte "ökumenische" Trauungen sind weiterhin nicht gestattet. Sie werden auch von den nichtkatholischen Kirchen und Gemeinschaften nicht gewünscht. Es bedeutet ein Bemühen um ökumenischen Geist, wenn auf Wunsch der Brautleute der Bischof erlauben kann, dass ein nichtkatholischer Geistlicher zum Abschluss der Trauung einen Segenswunsch über die Brautleute spricht und die versammelte Gemeinde zusammen betet.

Die in den Pressestimmen besonders betonte Aufhebung der Exkommunikation für diejenigen, "die die Ehe vor dem nichtkatholischen Geistlichen schließen", will eindeutig etwas beseitigen, durch das sich "die getrennten Brüder nicht selten verletzt" fühlten. Freilich bedeutet die Aufhebung der Kirchenstrafe der Exkommunikation noch nicht die Berechtigung zur Teilnahme an den Sakramenten der Kirche, solange die Ehe selbst nicht gültig ist. Doch dazu gibt es in gewissen Fällen Möglichkeiten von seiten des Bischofs oder des Heiligen Stuhles.

Ausdrücklich erklärt die Instructio, die Neuregelung sei von dem Wunsch geleitet, "den gegenwärtigen Bedürfnissen der Gläubigen Rechnung zu tragen" und der Verbesserung des Verhältnisses zwischen Katholiken und Nichtkatholiken zu dienen.

Die deutschen Bischöfe sind der festen Hoffnung, dass der lebendige Glaube von konfessionsverschiedenen Ehegatten manche Schwierigkeiten zu tragen und zu überwinden fähig ist.

Freising, 31. März 1966
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