Universität Coimbra

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Die Universität von Coimbra, Portugal (2011)

Die Universität von Coimbra (Universidade de Coimbra) war bis 1911 die einzige Universität des Landes im Norden Portugals. Sie hat heute acht Fakultäten, lehrt Philosophie und dozierte früher auch Theologie.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Bischof Paterno initierte im Jahre 1086 eine Domschule in Coimbra. 1131 wurde das für den Aufstieg der Stadt wichtige Regularkanonikerstift vom Heiligen Kreuz (Augustiner-Chorherren) gegründet.[1] Der heilige Antonius von Padua, der zuerst in den Kreuzorden (Cruzios) eintrat, studierte in Coimbra.[2] Eine 1288 von König Dionysius in Lissabon gestiftete, offiziell am 1. März 1290 gegründete Universität wurde von Papst Nikolaus IV. am 9. August 1290 bestätigt. Die Theologie jedoch blieb den Konventen und Ordensstudien der Dominikaner und Franziskaner vorbehalten.[3] Die Universität wurde 1308 in den alten Königspalast[4] nach Coimbra transferiert. Nach mehrmaliger Verlegung, 1339 nach Lissabon, 1354 nach Coimbra, 1377 wieder nach Lissabon, wurde sie 1537 von König Johann III. endgültig nach Coimbra verlegt.[5] Sie erlebte in wissenschaftlicher Hinsicht eine große Blüte, die bis ins 16. und 17. Jahrhundert dauerte.[6] Sie pflegte vor allem die aristotelischen Studien.[7] 1772 führte Pombal eine Reform zugunsten der Naturwissenschaft durch und brach damit den Einfluss der Jesuiten. Im 19. Jahrhundert, zum Ende der Kolonialzeit, erwies sich die Universität als "Hochburg von Lusitanien" (Portugal und seiner Provinz Brasilien) durch ihren Einfluss auch auf brasilianische Universitätsgründungen.[8] 1911 wurde eine Philosophische Fakultät gegründet, welche die Einrichtungen der ausgestorbenen Fakultät der Theologie zugewiesen bekam, während die Fakultät der Philosophie, welche in der "Pombalinischen Reform" im 18. Jahrhundert gegründet wurde, in eine Fakultät für Naturwissenschaften umgewandelt wurde. Sie hatte im Jahre 2009 1648 Dozenten und 24815 Studenten.[9]

Die Regularkanoniker vom heiligen Kreuz, welche 1979 als Orden wiederbelebt wurden, führen seit 1983 in der Hochschule Institutum Sapientiae in Brasilien, sowohl die Tradition der theologischen als auch der philosophisch-neuscholastischen Priesterausbildung fort.

Coimbrizenser

Die Coimbrizenser bezeichnen die scholatischen Jesuiten Emmanuel Goës, Cosmas Magalhaens, Balthasar Alvarez, Sebastian Couto, welche die im Jesuitenkolleg zu Coimbra aus Vorlesungsdiktaten erwachsenen Aristoteleskommentare (Commentarii Colegii Conimbrizensis SJ) im Auftrage des Ordensgenerals Claudio Aquaviva herausgaben. Den Anstoß gab Pedro de Fonseca, der 1577 den ersten Band seines großen Metaphysikkommentars veröffentlichte. Goës (1560-97) verfasste und edierte den Kommentar zu 1) Physik, 2) De coelo, 3) Libri Meteorum, 4) Parva Naturalia (1592), 5) Eth. Nicom. (1594), 6) De Generatione et Corruptione (1597). Magalhaens (1553-1624) edierte den Kommentar des Goës zu De anima, dem des Alvarez (1561-1630) Tractatus de anima separata hinzugefügt wurde. 1606 gab Couto (ca. 1567-1639) den von Fonseca diktierten Logikkommentar heraus. Als die besten Ausgaben gelten die von Lissabon, Köln und Lyon. Der Wert des großen Werkes liegt in der Verarbeitung der älteren Aristotelesliteratur und der sei beständigen Behandlung der Probleme.[10]

Bedeutende Vertreter aus der Gesellschaft Jesu

  • Pedro de Fonseca (1528-1599) lehrte 1555 bis 1561 als Philosophieprofessor in Coimbra.
  • Luis de Molina (1535–1600) lehrte 1563-67 Philosophie in Coimbra.
  • Francisco Suárez (1548–1617) lehrte ab 1597 zwei Jahrzehnte als Professor für Theologie an der Universität Coimbra.

Weitere

Papst Johannes Paul II. besucht die Universität von Coimbra

Weblinks

siehe: Universität Salamanca in Spanien

Anmerkungen

  1. Carlos Moreira Azevedo in: Lexikon für Theologie und Kirche, 3. Auflage, Band II, Artikel Coimbra, Sp. 1252.
  2. Kreuzorden.de am 30. Mai 2018.
  3. Wilhelm Neuß in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, Band 2, Sp. 1004; Die Universität von Coimbra in der portugiesischen Wikipedia, abgerufen am 30. Mai 2018
  4. Ernst Gerhard Jacob in: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage, Band 2, Artikel Coimbra, Sp. 1251.
  5. Wilhelm Neuß in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, Band 2, Sp. 1004; Die Universität von Coimbra in der portugisischen Wikipedia, abgerufen am 30. Mai 2018
  6. Kreuzorden.de am 30. Mai 2018.
  7. Wilhelm Neuß in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, Band II, Artikel Coimbra, Sp. 1004.
  8. Ernst Gerhard Jacob in: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage, Band 2, Artikel Coimbra, Sp. 1251.
  9. Die Universität von Coimbra in der portugisischen Wikipedia, abgerufen am 30. Mai 2018
  10. Joseph Koch in: Lexikon für Theologie und Kirche, 1. Auflage, Band 2, Artikel: Coimbrizenser, Sp. 1004; Friedrich Stegmüller in: Lexikon für Theologie und Kirche, 2. Auflage, Band 2, Artikel Coimbrizenser, Sp. 1251+1252.
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