Ultimis temporibus (Wortlaut)

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Dokument der Zweiten Vollversammlung der Bischofssynode
Ultimis temporibus

unter unserem Heiligen Vater
Paul VI.
über das Amtspriestertum
30. September bis 6. November 1971

(Offizieller lateinischer Text: AAS LXIII [1971] 898-922)

(Quelle: Römische Bischofssynode 1971, Der priesterliche Dienst, Gerechtigkeit in der Welt, Herausgegeben von der Deutschen Bischofskonferenz, Paulinus Verlag Trier 1972, S. 41-70, Mit kirchlicher Druckerlaubnis ISBN 3-7902-4230-6)

Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1 Seit einiger Zeit, vor allem aber seit dem Zweiten Vatikanischen Konzil, erlebt die Kirche eine tiefe Erneuerungsbewegung. Alle Christen sind gehalten, freudig und in Treue gegenüber der Frohbotschaft dabei mitzuwirken. Denn der Heilige Geist ist am Werk, uns Klarheit in dieser Aufgabe zu schenken und uns zu stärken, damit wir sie bis zum Ende durchführen können.

Jede Erneuerung, die diesen Namen verdient, ist für die Kirche unbestreitbar wertvoll und segensreich. So ist uns durchaus bewusst, dass das letzte Konzil die Priester mit neuem Eifer erfüllt und ihr stetes Bemühen viel zu dieser Reform beigetragen hat. Wir denken an so viele tapfere Mitbrüder, die in den Missionen und dort, wo die Kirche unterdrückt wird, treu zu ihrem Amt stehen und, innerlich zufrieden, ihr Leben ganz in den Dienst Gottes stellen. Freilich bringt diese Erneuerung manche Schwierigkeiten mit sich, die sich besonders im Priesterrat, bei Bischöfen sowohl wie bei einfachen Priestern, fühlbar machen.

In dieser Periode des Umbruchs sind wir alle gehalten, die Zeichen der Zeit genau zu erforschen und sie im Licht des Evangeliums zu deuten (GS 4). Gemeinsam müssen wir suchen, die Geister zu unterscheiden, ob sie wirklich aus Gott sind. Weder darf die Einheit der kirchlichen Sendung durch Ungereimtes und Zweideutiges verdunkelt, noch sollen die nötigen Anpassungen durch übertriebene Gleichmacherei gehemmt werden. Wenn wir so alles erproben und das Gute behalten, wird auch die heutige Krise ein Anlass zur Vertiefung des Glaubens werden.

Ihrer Tragweite wegen hat der Heilige Vater der diesjährigen Synode das Thema des priesterlichen Dienstamtes zur Beratung vorgelegt. Viele Bischofskonferenzen haben es schon vor der Synode zusammen mit Priestern und öfter auch mit Laien durchgesprochen. Zur Synode wurden auch einige Priester als Hörer berufen, um den Bischöfen bei den so wichtigen Fragen beratend zur Seite zu stehen.

Mit der evangelischen Einfachheit, wie sie Hirten im Dienst der Kirche ansteht, wollen wir unsern Auftrag erfüllen. Unserer Verantwortung für die brüderliche Gemeinschaft der Kirche bewusst, möchten wir den Glauben unserer Brüder im Priesterdienst sowie den aller Christen stärken, ihre Hoffnung aufrichten, ihre Liebe anfachen. Mögen unsere Worte dem Gottesvolk und den in seinem Dienst stehenden Priestern Tröstung und Freude bringen!

Beschreibung der Lage

2 Wie weit der Auftrag der Kirche reicht, hat das Zweite Vatikanische Konzil ausführlich dargelegt, zumal der innere Zusammenhang zwischen Kirche und Welt der Hauptgegenstand der Pastoralkonstitution „Gaudium et Spes“ war. Das tiefere Bedenken dieses Verhältnisses hat viel Fruchtbares gezeigt. Man sieht jetzt deutlicher, dass mit Heil keine weltlose und irgendwie ungeschichtliche oder zeitlose Wirklichkeit gemeint ist, sondern dass es von Gott ausgehend den ganzen Menschen und seine Geschichte durchdringen und die gesamte Menschheit in Freiheit zum Reich Gottes führen soll, damit schließlich Gott alles in allem sei (1 Kor 15,28).

Niemand wird sich wundern, dass es dabei auch zu Schwierigkeiten kam. Manche Priester haben das Empfinden, neben den Strömungen, von denen ganze Teile der Menschheit erfasst werden, wie Fremde zu stehen. Sie fühlen sich unfähig, die Fragen zu beantworten, die die Leute am meisten beschäftigen. Oft stammen ihre Probleme und Ratlosigkeiten daher, dass sie in ihrem pastoralen und missionarischen Wirken der heutigen Mentalität mit vielleicht veralteten Methoden begegnen müssen.

Daraus erwachsen objektive, in der Ausübung des priesterlichen Dienstes erfahrene Schwierigkeiten. Nicht primär Verbitterung und Kontestationsgeist oder rein persönliche, egoistische Gründe - die ja gewiss auch zuweilen mitspielen - sind der Anlass, sich eine Reihe von ernsten Fragen zu stellen: Kann man überhaupt das Volk wie von außen her anpredigen? Ist die Kirche manchen Gesellschaftsschichten hinreichend präsent, wenn der Priester sich dort nicht wirksam vergegenwärtigen kann? Falls aber der Status des Priesters ihn vom weltlichen Leben absondert: sind dann die Laien nicht besser daran? Was ist (daher) unter den heutigen Umständen vom Priesterzölibat der lateinischen Kirche zu halten, und wie soll der Priester, der mitten in dieser Welt steht, ein persönliches geistliches Leben führen (und durchhalten) können?

3 Nicht wenige Priester spüren in sich die durch die Säkularisierung der Welt aufgebrochenen Interessen und Bestrebungen; sie möchten am liebsten durch direktes Dabeisein die weltliche Berufsarbeit von innen her heiligen und so den Sauerteig des Evangeliums mitten in den Alltag hineintragen. Entsprechend wächst auch der Wunsch, am gemeinsamen Bemühen der Menschheit um den Aufbau einer gerechteren und brüderlicheren Gesellschaftsordnung mitzuarbeiten. Und in einer Welt, wo der politische Aspekt aller Fragen so deutlich wird, halten manche die Teilnahme am politischen Leben, ja am revolutionären Umsturz der Verhältnisse für unbedingt nötig.

4 Das Konzil gab den Vorrang der Verkündigung des Evangeliums, die dann durch den Glauben zur sakramentalen Feier als Erfüllung (des Wortes) führen soll. Aber die heutigen Ansichten über das Phänomen des Religiösen nähren bei vielen den Zweifel, ob ein sakramentaler und kultischer Gottesdienst überhaupt noch Sinn hat. Anderseits sehen sich zahlreiche Priester, die keinerlei Identitätskrise verspüren, vor eine andere Frage gestellt: Was sollen wir tun, damit das sakramentale Praktizieren der Gläubigen zu einem echten Ausdruck des Glaubens werde, der das ganze persönliche und soziale Dasein (der Gläubigen) durchformt, so dass der christliche Kult nicht zu einem nutzlosen äußerlichen Ritualismus absinkt?

5 Da die Priester ein feines Gespür dafür haben, welches Erscheinungsbild die Kirche der Welt darbietet, da sie sich gleichzeitig tief der Würde der menschlichen Person bewusst sind, erstreben sie innerhalb der Kirche einen Wandel der interpersonalen Beziehungen: zwischen Person und Institution sowie in den Autoritätsstrukturen selbst.

Die Beziehungen zwischen Bischöfen und Priestern, ja der Priester untereinander werden außerdem um so schwieriger, je mehr sich der priesterliche Dienst spezialisiert. Die moderne Gesellschaft splittert sich in viele Einzelgruppen auf, deren jede ihre besondere Berufsform hat, was (von den Priestern) verschiedenste Kompetenzen und Formen apostolischen Wirkens fordert. Daraus ergeben sich Probleme der Brüderlichkeit, der geistigen Zusammenarbeit und seelischen Verbundenheit im priesterlichen Dienst.

Das letzte Konzil hat zu Recht die überlieferte fruchtbare Lehre vom allgemeinen Priestertum der Gläubigen neu ins Licht gestellt (LG 10). Aber nun schlägt das Pendel nach der anderen Seite aus: es stellen sich Fragen, die scheinbar die Stellung des priesterlichen Dienstamtes in der Kirche verdunkeln und die Gemüter mancher Priester und Laien stark beirren. Viele Ämter, zum Beispiel die Katechese, die Gemeindeverwaltung, sogar liturgische Handlungen, die einst den Priestern vorbehalten waren, werden heute immer häufiger von Laien versehen, während sich anderseits aus schon erwähnten Gründen manche Priester in das Leben der Laien einfügen möchten. Damit stellt sich eine ganze Reihe von Fragen: Gibt es überhaupt eine unterscheidende Eigenart des priesterlichen Dienstes oder nicht? Ist dieser Dienst wirklich unentbehrlich? Ist man Priester auf Lebenszeit? Welchen Sinn hat es heute überhaupt noch Priester zu sein? Würde es nicht genügen, für den christlichen Gemeindedienst Vorsteher zu ernennen, die für das Wohl der Gemeinschaft Sorge trügen, auch ohne sakramentale Weihe, und die ihr Amt nur auf Zeit ausübten?

6 Aber noch schwerwiegendere Fragen stellen sich, zum Teil von der exegetischen und historischen Forschung her, und offenbaren deutlich die Vertrauenskrise gegenüber der Kirche. Ist die heutige Kirche nicht schon zu weit von ihren Ursprüngen abgerückt, um den Menschen unserer Zeit das vergraute Evangelium noch glaubwürdig verkünden zu können? Gibt es nach so viel kritischer Forschung überhaupt noch einen Zugang zum wirklichen Christus? Sind uns ferner die wesentlichen Strukturen der Urkirche so gut bekannt, dass wir sie als unveränderliches Modell für alle Jahrhunderte, auch für das unsere, beibehalten könnten und müssten?

7 Alle diese Fragen, die teils neu sind, teils aber schon von alters her bekannt waren und heute bloß unter neuen Mäntelchen auftauchen, müssen schließlich in den Gesamtzusammenhang der modernen Kultur hineingestellt werden, wenn ihre ganze Tragweite sichtbar werden soll. Aber eben diese Kultur ist über ihren eigenen Sinn und Wert voller Zweifel. Die technischen Errungenschaften erregen enthusiastische Hoffnungen und gleichzeitig tiefe Besorgnis. Man fragt sich zu Recht, ob der Mensch imstande sein wird, Herr seines eigenen Werkes zu bleiben und es auf den Fortschritt hin auszurichten.

Die einen, die Jüngeren zumal, werden am Sinn der Welt irre und suchen ihr Heil in rein beschaulichen Lebensformen, in künstlichen Paradiesen, die sich am Rand (der technischen Kultur) ansiedeln, und ziehen sich damit vom gemeinsamen Ringen der Menschheit zurück.

Andere sind von glühender utopischer Hoffnung erfüllt, aber haben keinen Blick mehr für Gott. Sie setzen sich restlos ein für einen heraufzuführenden Zustand vollkommener Befreiung und verlegen so den ganzen Sinn ihres persönlichen Lebens aus der Gegenwart in die Zukunft.

So werden Aktion und Kontemplation, Arbeit und Spiel, Kultur und Religion, Immanenz und Transzendenz des menschlichen Daseins auseinandergerissen.

Damit aber zeigt die Welt selbst auf dunkle Weise an, dass sie auf eine Lösung dieses Zerwürfnisses harrt, und bereitet damit den Weg, den die Kirche mit ihrer Frohbotschaft beschreiten kann. Das einzige, nichts ausschließende Heil, das den Menschen angeboten ist, ist eben Jesus Christus: Gottes Sohn und der Menschen Sohn, der sich durch die Kirche in allen Geschichtszeiten vergegenwärtigt. Er allein kann in sich bei des unzertrennlich zusammenschmelzen: die Liebe des Menschen zu Gott und die Liebe Gottes bis ans Ende zu den Menschen, die ihren Weg im Dunkeln ertasten, mit der Kraft der mitmenschlichen Liebe, womit einer sein Leben für die Freunde hingibt. In Christus und einzig in ihm wird dies alles eins, und erst in dieser Synthese leuchtet der Sinn des menschlichen Daseins auf, des individuellen sowie des sozialen.

Somit ist die Sendung der Kirche, die der Leib Christi ist, keineswegs überholt, vielmehr für das Heute und Morgen von höchster Aktualität. Denn die Kirche als ganze ist der Zeuge und das wirksame Zeichen dieser Einigung, und zwar ganz besonders durch ihr priesterliches Dienstamt. Ist es doch die unterscheidende Aufgabe des Priesters, in der Mitte der Kirche sowohl die Liebe Gottes in Christus zu uns durch Wort und Sakrament zu repräsentieren, wie die Liebesgemeinschaft der Menschen mit Gott und unter sich zu fördern und aufzubauen.

All dies verlangt freilich, dass jeder von uns, vor allem wer das heilige Amt verwaltet, bemüht ist, sich Tag für Tag nach dem Evangelium zu erneuern.

8 Wir wissen wohl, dass es Teile der Welt gibt, in denen der tiefe Kulturumbruch noch weniger merklich ist, dass ferner die erwähnten Fragen nicht überall, nicht von allen Priestern, und oft unter ungleichen Gesichtspunkten gestellt werden. Weil die Kommunikation unter den Menschen und Völkern heute dichter ist und mit Windeseile geschieht, scheint es uns sinnvoll und angebracht, auf diese Fragen im Licht des Glaubens einzugehen und in aller Demut und in der Kraft des Heiligen Geistes ein paar Grundsätze aufzustellen, aus denen dann die konkreteren Antworten sich ableiten lassen. Wenn das, was wir jetzt sagen wollen, auch je nach Lage der Länder verschieden angewandt werden muss, so wird es doch wohl auch für jene Gläubigen und Priester, die in ruhigeren Verhältnissen leben, die Zeugniskraft der Wahrheit besitzen.

Um dieses Glaubenszeugnis geht es uns vor allem; wir ermahnen deshalb alle Gläubigen brüderlich, Jesus Christus den Herrn, wie er in seiner Kirche fortlebt und auf eine besondere Weise in seinen amtlichen Dienern wirkt, aufmerksam zu betrachten, um zu verstehen, weshalb die Christengemeinschaft ihre Sendung ohne priesterliches Dienstamt nicht voll zu erfüllen vermag. Die Priester aber sollen wissen, dass die Bischöfe an ihren Nöten wirklich teilnehmen und noch mehr daran teilnehmen möchten.

Deshalb wollen die Väter dieser Synode im Geist des Evangeliums, in Weiterführung der Lehre des Zweiten Vatikanischen Konzils und unter Berücksichtigung der Dokumente und Ansprachen Papst Pauls VI., zunächst kurz einige heute besonders aktuelle kirchliche Lehrsätze über das Amtspriestertum darlegen, dann einige Richtlinien für die pastorale Praxis geben.

I. TEIL: LEHRSÄTZE

Christus Alpha und Omega

9 Jesus Christus, Gottes Sohn und Gottes Wort, den der Vater geheiligt und in die Welt gesandt hat (Joh 10,36), verkündigte, gesalbt mit der Fülle des Heiligen Geistes (vgl. Lk 4,1. 18-21; Apg 10,38) der Welt die Frohbotschaft der Versöhnung zwischen Gott und den Menschen. Seine prophetische Predigt, durch Machtzeichen bekräftigt, gipfelte im Ostergeheimnis, dem letztgültigen Wort der göttlichen Liebe, mit dem der Vater uns angesprochen hat.

Am Kreuz hat Jesus sich unüberbietbar als der gute Hirt erwiesen, der sein Leben für die Schafe hingibt, um sie zu jener Einheit zu sammeln, die in ihm selber ihren Grund und Bestand hat (vgl. Joh 10,15 ff.; 11,52). Indem er durch seine Selbstdarbringung ein höchstes und einmaliges Priesteramt ausübte, hat er alle rituellen Priestertümer und Opfer des Alten Bundes, ja auch der Heiden, erfüllt und überboten. In sein Opfer nahm er allen Jammer und alle Verzichte der Menschheit jeglicher Zeiten mit hinein, auch die Beschwerden derer, die um der Gerechtigkeit willen leiden oder durch ein unseliges Los dauernd bedrängt sind, auch das Ringen derer, die sich aus der Welt zurückzogen, um durch Askese und Kontemplation versuchsweise an Gott zu rühren, auch die Mühsale derer, die in lauterer Absicht ihr Leben für eine bessere Gesellschaftsordnung in Gegenwart und Zukunft einsetzen. Unser aller Sünden hat er am Kreuz getragen und, von den Toten erweckt und zum "Herrn" eingesetzt (vgl. Phil 2,9-11), uns mit Gott versöhnt und die Fundamente zum Volk des Neuen Bundes, das die Kirche ist, gelegt.

Er ist der einzige Mittler zwischen Gott und den Menschen, er, der Mensch Jesus Christus (1 Tim 2,5), in ihm hat alles seinen Ursprung (Kol1, 16; Joh 1,3 ff.) und wird alles als dem Haupte zusammengefasst (Eph 1, 10). Da er das Ebenbild des Vaters und das In-Erscheinung- Treten des unsichtbaren Gottes ist (Kol 1,15), hat er uns durch seine Erniedrigung und Erhöhung in die Gemeinschaft des Heiligen Geistes eingeführt, in der er selbst mit dem Vater lebt.

Wenn wir also vom Priestertum Christi sprechen, müssen wir stets diese einzigartige, unvergleichliche Wirklichkeit des menschgewordenen Wortes Gottes im Auge haben, die das prophetische und königliche Amt in sich einschließt.

So bedeutet und offenbart Jesus Christus auf vielfältige Art die Gegenwart und Wirksamkeit der zuvorkommenden Liebe Gottes. Und als der Herr, der immerfort durch seinen Geist in seine Kirche hineinwirkt, erweckt und entfaltet er auch die Antworten all derer, die sich dieser unverdienten Liebe bereitwillig öffnen.

Der Zugang zu Christus in der Kirche

10 Der Zugang zur Person und zum Mysterium Christi steht uns immer im Heiligen Geist durch die biblischen Schriften offen, die in der lebendigen Tradition der Kirche ausgelegt werden. Alle Schriften, vorab die des Neuen Testamentes, sind als durch ein und dieselbe Inspiration innig untereinander verbunden und aufeinander hingeordnet zu interpretieren. Auch sind die neutestamentlichen Bücher ihrem Gewicht nach nicht so voneinander verschieden, dass einige als spätere Erfindungen bezeichnet werden könnten. Die personale, unmittelbare Beziehung zu Christus in der Kirche muss auch für einen heutigen Glaubenden das Bestimmende seines ganzen geistlichen Lebens sein.

Die Kirche von Christus durch die Apostel

11 Christus hat verheißen, er werde seine Kirche auf Petrus aufbauen, und er hat sie auf die Apostel gegründet (LG 18). In diesen wird bereits ihr doppelter Aspekt sichtbar: Im Kreis der Zwölf west in der Tat schon bei des an: die Gemeinschaft im Geist und der Ursprung des hierarchischen Amtes (AG 5). Deshalb reden die Schriften des Neuen Bundes von der auf den Aposteln auferbauten Kirche (Offb 21, 14; Mt 16,18), was die uralte Tradition kurz so ausdrückt: "Die Kirchen von den Aposteln, die Apostel von Christus, Christus von Gott (Tertullian, De praescr. haer. XXI, 4; vgl. 1. Klemensbrief XLII, 1-4; Ignatius von Antiochien, Ad Magn. VI f; Irenäus, Adv. Haer. 4,21,3, Origenes, De Princ. IV, 2,1; Serapion, Ep. Antioch. bei Eusebius, Hist. Eccl. VI, 12)."

Auf die Apostel gegründet und in die Welt gesandt, in der sie unterwegs ist, ist die Kirche dazu bestimmt, das wirksame Zeichen (Sakrament) des Heils zu sein, das von Gott in Christus zu uns gekommen ist. In ihr ist Christus der Welt als Erlöser gegenwärtig und so in ihr tätig, dass die Liebe, die Gott den Menschen anbietet, und die Liebe, mit der sie ihm antworten, einander begegnen. Der Heilige Geist ruft in der Kirche und durch sie freie und großmütige Initiativen auf, in denen der Mensch Teilnehmer wird am Schöpfungs- und Erlösungswerk.

Ursprung, Sinn und Gestalt des hierarchischen Amtes

12 Die Kirche, durch die Gaben des Geistes als ein organisches Gefüge verfasst, nimmt auf verschiedene Weise an den Ämtern Christi des Priesters, Propheten und Königs Anteil, um als priesterliches Volk (LG 10) in seinem Namen und in seiner Kraft den Heilsauftrag auszuführen.

Aus den neutestamentlichen Schriften geht deutlich hervor, dass zur ursprünglichen, unveräußerlichen Struktur der Kirche (das Gegenüber von) Apostel und Gemeinde der Gläubigen gehört, die beide unter Christus dem Haupt und im Wirken seines Geistes einander zugeordnet sind. Denn als die Apostel ihren Auftrag und ihre Ämter ausübten, "hatten sie nicht bloß verschiedene Helfer im Dienstamt (Apg 6,2-6; 11,30; 13,1; 14,23; 20,17; 1 Thess 5,12-13; Phil, 1; Kol 4,11 usf.), sondern übertrugen, damit die ihnen anvertraute Sendung nach ihrem Tod weitergehe, nach Art eines Testamentes ihren unmittelbaren Mitarbeitern die Aufgabe, das von ihnen begonnene Werk zu vollenden und zu kräftigen (Apg 20,25-27; 2 Tim 4,6; Kol 1,1; 1 Tim 5,22; 2 Tim 2,2; Tit 1,5; Klemens von Rom, Ad Cor 44,3). Sie legten ihnen ans Herz, Achtzuhaben auf die ganze Herde, in welcher der Heilige Geist sie eingesetzt habe, um die Kirche Gottes zu weiden (vgl. Apg 20,28). Deshalb bestellten sie solche Männer und gaben ihnen Anordnung, dass nach ihrem Hingang andere bewährte Männer ihr Dienstamt übernähmen (vgl. Klemens von Rom, Ad Cor 44,2)" (LG 20).

Die Briefe des Paulus zeigen, dass er sich bewusst ist, in Sendung und Auftrag Christi zu handeln (2 Kor 5, 18 ff.). Die dem Apostel zugunsten der Kirche anvertrauten Vollmachten wurden, soweit sie übertragbar waren, anderen Männern anvertraut (2 Tim 1,6), die sie wiederum anderen weitergeben sollten (Tit 1,5).

Diese kirchliche Grundstruktur, zu der die Gemeinde und die eigens für sie bestellten Hirten gehören (1 Petr 5, 1-4), war und bleibt, nach der kirchlichen Tradition selbst, immer normativ. Und zwar wird durch diese Struktur erwirkt, dass die Kirche nie in sich selber geschlossen bleiben kann, vielmehr für immer Christus als ihrem Ursprung und Haupt untersteht.

Unter den verschiedenartigen Charismen und Ämtern (ragt) das eine priesterliche Dienstamt des Neuen Bundes (hervor); es ist vom allgemeinen Priestertum aller Gläubigen wesenhaft und nicht nur gradmäßig verschieden (LG 10), und es lässt das entscheidende Werk der Apostel immer fortdauern: Durch die wirksame Proklamation des Evangeliums, durch Sammlung und Leitung der Gemeinde, durch die Sündenvergebung und vorab durch die Feier der Eucharistie setzt das Amt Christus als das Haupt der Gemeinschaft in der Ausübung seines Werkes der Menschheitserlösung und vollkommenen Gottverherrlichung gegenwärtig.

Denn die Bischöfe und in untergeordnetem Grad die Priester erhalten durch das Weihesakrament, das die Salbung des Heiligen Geistes verleiht und sie Christus gleichgestaltet (PO 2), Anteil an seinem Priester-, Lehr- und Hirtenamt, dessen Ausübung durch die hierarchische Gemeinschaft näherhin bestimmt wird (LG 24,27-28).

Das priesterliche Dienstamt erreicht seine größte Intensität bei der Feier der heiligen Eucharistie, dem Quell- und Mittelpunkt der kirchlichen Einheit. Einzig der Priester kann in der Person Christi handeln, wenn es darum geht, dem Opfermahl, bei dem das Gottesvolk sich mit dem Opfer Christi vereinigt, vorzustehen und es gültig zu vollziehen (LG 28).

Der Priester ist das Zeichen des von Gott ausgehenden Heilsplans, der je heute in der Kirche proklamiert wird und wirksam ist. Er setzt Christus als den Erlöser des ganzen Menschen auf sakramentale Weise unter den Brüdern gegenwärtig, sowohl in ihrem persönlichen wie in ihrem sozialen Leben. Er bürgt für die erste Evangeliumsverkündigung, um eine Kirche zu sammeln, wie für die stete Erneuerung der bereits gesammelten Kirche. Ohne die Anwesenheit und Tätigkeit des Amtes, das durch Handauflegung unter Gebet empfangen wird, kann die Kirche keine volle Gewissheit haben, dass sie in der Treue und in der geschichtlich sichtbaren Kontinuität (mit ihrem Ursprung) verharrt.

Der bleibende Charakter des Priestertums

13 Durch die Handauflegung wird die unverlierbare Gabe des Heiligen Geistes mitgeteilt (2 Tim 1,6). Kraft dieser Gnadenwirklichkeit wird der Ordinierte Christus angestaltet und ihm geweiht (PO 2). Sie macht ihn der Sendung Christi unter zweifachem Aspekt teilhaftig: dem der Autorität und dem des Dienstes. Die Autorität gehört dem amtlichen Diener nicht zu eigen: in ihr wird die Vollmacht (exousia) des Herrn sichtbar, in dessen Auftrag der Priester im endzeitlichen Versöhnungswerk als Abgesandter amtet (2 Kor 5, 18-20). Er leistet seinen Dienst auch in der Bemühung, die freien Menschen zu Gott hinzuführen, um aus ihnen die Christengemeinschaft aufzubauen.

Dass diese prägende Wirklichkeit lebenslänglich bleibt, ist Glaubenswahrheit und wird von der kirchlichen Überlieferung: als der priesterliche "Charakter" bezeichnet. Sie bringt zum Ausdruck, dass Christus sich die Kirche zum Heil der Welt auf unwiderrufliche Weise zugesellt hat, und dass die Kirche ihrerseits sich endgültig Christus überantwortet, um sein Heilswerk mitzuvollenden. Der Priester, dessen Existenz durch die im Weihesakrament empfangene Gabe besiegelt wurde, ruft der Kirche in Erinnerung, dass Gottes Selbsthingabe endgültig ist. In der Mitte der Christengemeinschaft, die aus dem Geist lebt, ist er trotz seinen Schwachheiten das Unterpfand der Heilsgegenwart Christi.

Diese besondere Teilnahme am Priestertum Christi geht niemals verloren, auch dann nicht, wenn der Priester aus kirchlichen oder persönlichen Gründen von der Ausübung seines Amtes entbunden oder daraus entlassen wird.

Im Dienst an der Gemeinschaft

14 Gewiss übt der Priester sein Amt (zumeist) in einer bestimmten Gemeinschaft aus; trotzdem darf seine Absicht und sein Interesse sich nicht auf einen beschränkten Kreis von Gläubigen einengen. Denn sein Dienst ist immer auf die Einheit der Gesamtkirche ausgerichtet und darauf, alle Menschen in ihr zu sammeln. Jede Einzelgemeinschaft von Gläubigen bedarf der Verbindung mit ihrem Bischof und der Gesamtkirche. So ist auch das Priesteramt wesentlich gemeinschaftsbestimmt: es ist Glied des Presbyteriums und steht in Verbindung mit dem Bischof, der seinerseits, die Gemeinschaft mit dem Nachfolger Petri wahrend, in das Bischofskollegium eingegliedert ist.

Das gilt auch von Priestern, die nicht unmittelbar im Dienst einer bestimmten Gemeinschaft stehen, oder von solchen, die fernab in entlegenen Gegenden arbeiten. Die Ordenspriester ihrerseits sind im Rahmen des besonderen Zieles und der Eigenart ihres Instituts unlösbar der kirchlich geordneten Gesamtsendung eingegliedert.

Leben und Wirken des Priesters soll ganz vom Geist der Katholizität geprägt sein, das heißt vom Bewusstsein der universalen Sendung der Kirche, so dass er alle Gaben des Geistes bereitwillig anerkennt, ihnen Raum zu ihrer Entfaltung gewährt und sie auf das Wohl aller hinlenkt.

Nach dem Beispiel Christi sollen die Priester den Geist der Brüderlichkeit dem Bischof gegenüber und untereinander pflegen, so wie er in der Weihe und in der Einheit der Sendung grundgelegt ist: dadurch wird das priesterliche Zeugnis an Glaubhaftigkeit gewinnen.

Der Priester und die zeitlichen Werte

15 Jedes wahrhaft christliche Beginnen ist auf das Heil der Menschen gerichtet; dieses aber umfasst, trotz oder gerade wegen seines endzeitlichen Charakters, auch die zeitlichen Werte. Denn alle Wirklichkeit dieser Welt soll der Herrschaft Christi unterworfen werden. Das besagt gewiss nicht, dass die Kirche fachliche Zuständigkeit in weltlichen Belangen beansprucht, indem sie deren Autonomie außer acht ließe.

Die besondere von Christus ihm anvertraute Sendung des Priesters, wie die der Kirche im ganzen, bezieht sich nicht auf das Politische, das Wirtschaftliche oder Soziale, sondern ist religiösen Gehalts (GS 42). Doch kann der Priester dem Sinn seines Amtes entsprechend viel zu einer gerechteren weltlichen Ordnung beitragen, dort vor allem, wo schwere Ungerechtigkeit und Unterdrückung das menschliche Dasein besonders fragwürdig machen. Dabei soll er jedoch stets Kontakt mit der kirchlichen Gemeinschaft wahren und keine Gewalt anwenden, weder in Worten noch in Taten, denn dies stünde mit dem Geist des Evangeliums nicht in Einklang.

Soll doch das Wort der Frohbotschaft im Namen Christi und der Kirche verkündet werden, und die wirksame Gnade des sakramentalen Lebens, die der Priester verwaltet, den einzelnen von seinen persönlichen und sozialen Egoismen befreien und gerechte Verhältnisse unter den Menschen herbeiführen helfen, die das Zeichen dafür sein sollen, dass Christus mit seiner Liebe unter uns gegenwärtig ist (GS 58, gegen Schluss).

II. TEIL: RICHTLINIEN FÜR LEBEN UND WIRKEN DES PRIESTERS

16 Die Väter dieser Synode haben in Gemeinschaft mit dem Papst die Sendung des Priesters im Licht des Mysteriums Christi und der kirchlichen Gemeinschaft betrachtet. Sie haben es im Bewusstsein getan, was für innere Nöte Bischöfe und Priester aufgrund der erfahrenen Schwierigkeiten in ihrer gemeinsamen Amtsausübung erfahren. Nun legen sie folgende Richtlinien vor, um einige der anstehenden Fragen zu klären und die Priester in ihrem Einsatz zu bestärken.

A. DIE PRIESTER IN DER SENDUNG CHRISTI UND DER KIRCHE

Sendung als Wortverkündigung und Sakramentenverwaltung

17 "Die Priester des Neuen Bundes werden zwar aufgrund ihrer Berufung und Weihe innerhalb des Gottesvolkes in bestimmter Hinsicht ausgesondert, aber nicht um von diesem oder sonst von den Menschen getrennt zu werden, vielmehr zwecks einer restlosen Hinweihung an das Werk, zu dem der Herr sie erwählt hat" (PO 3). Somit finden die Priester ihr Selbstverständnis dann, wenn sie voll die Sendung der Kirche leben und sie in Kommunion mit dem ganzen Gottesvolk vielfältig ausüben. Das sollen sie tun als Hirten und Diener des Herrn im Geist, um so das Heilswerk in der Geschichte durchführen zu helfen. "Da aber die Priester aufgrund ihres eigenen Amtes - das zuhöchst in der Feier der die Kirche vollendenden Eucharistie besteht - mit Christus, dem Haupt, kommunizieren und die andern zu dieser Kommunion hinführen, kann ihnen das Gespür dafür unmöglich abgehen, wie viel noch an der Vollgestalt des Leibes (Christi) fehlt, was für ein Einsatz deshalb noch zu leisten bleibt, damit er weiterhin wachse" (AG 39).

Die Priester sind zu allen Menschen gesandt, somit muss ihre Sendung bei der Verkündigung des Wortes Gottes anheben. "Die erste Aufgabe der Priester ... ist es, allen das Evangelium zu künden... Durch das Wort des Heils wird ja in den Herzen der Nichtgläubigen ... der Glaube geweckt, und in den Herzen der Gläubigen wird er genährt" (PO 4). Die Verkündigung zielt dahin, "dass alle, durch Glaube und Taufe zu Kindern Gottes geworden, sich zur Einheit sammeln, inmitten der Kirche Gott preisen, am Opfer teilnehmen und das Mahl des Herrn genießen" (SC 10). Der rechtverstandene Dienst am Wort führt zu den Sakramenten und zum christlichen Leben, wie es in der sichtbaren Kirchengemeinschaft und in der Welt konkreten Ausdruck gewinnt.

Die Sakramente werden nämlich in Verbindung mit der Verkündigung des Gotteswortes gefeiert, und so fördern sie den Glauben, indem sie ihn gleichzeitig durch (ihre sakramentale) Gnade stärken. Deshalb dürfen sie nicht geringgeschätzt werden, denn durch sie gelangt das Wort zu seiner volleren Wirkung, nämlich zur Kommunion mit dem Mysterium Christi. Ja die Priester sollen ihren Dienst so versehen, dass die Gläubigen oft und mit Hingabe "jene Sakramente empfangen, die eingesetzt sind, um das christliche Leben zu nähren" (SC 59).

Beharrliche Verkündigung und geregeltes sakramentales Leben fordern aber ihrerseits wesentlich den Demutsdienst der Autorität: als Dienst an der Einheit und als Vorsitz bei der Liebesgemeinschaft. So erhellt in der Sendung der Kirche die wechselseitige Beziehung zwischen Wortverkündigung und Sakramentenverwaltung. Beides trennen, hieße die Kirche in ihrer Herzmitte spalten und den Glauben selbst gefährden. Ein Priester, der sich dem Dienst an der Einheit in der Gemeinschaft entzöge, würde sein Amt gröblich verletzen.

Auf die Einheit von Verkündigung und sakramentalem Leben, die stets das Priesteramt kennzeichnet, muss jeder Priester sorgsam bedacht sein. Die Anwendung dieses Prinzips in Leben und Dienst der einzelnen fordert freilich Klugheit und Maß. Denn praktisch wird die Art, das Priesteramt zu versehen, vielfach variieren müssen, um den besonderen oder neu sich ergebenden Situationen, in denen das Evangelium verkündigt werden soll, zu entsprechen.

Die Glaubenserziehung verlangt zwar, dass der Mensch stufenweise in das christliche Leben eingeführt werde, aber die Kirche muss das Evangelium der Welt doch immer in seiner Gesamtheit verkünden. Jeder Priester hat teil an dieser besonderen Last und Verantwortung, das Gotteswort unverkürzt zu verkünden und es gemäß dem Glauben der Kirche auszulegen.

Die Proklamation des Wortes Gottes als Verkündigung in Geisteskraft seiner Großtaten, und die Berufung der Menschen zur Teilnahme am Paschamysterium, das in die konkrete Menschheitsgeschichte eingesenkt werden soll, sind ein Handeln Gottes, der in der Kraft des Heiligen Geistes die Kirche innerlich und äußerlich zur Gemeinschaft versammelt. Der Diener des Wortes bereitet durch Verkündigung mit viel Glaubensgeduld die Wege des Herrn, indem er sich den verschiedenen Lebensbedingungen der einzelnen und der Völker, die sich schneller oder langsamer entwickeln, anpasst.

Weil die Kirche immer die persönlichen oder sozialen Auswirkungen der evangelischen Botschaft bedenken muss, um darin eine Antwort auf die elementaren Fragen der Menschen zu erteilen (CD 13), muss sie nicht nur auf die Bekehrung der einzelnen zu Gott dringen, sondern, soweit sie kann, sich zu einer Art Gewissen der Gesellschaft machen, sie als solche anreden und ihr gegenüber ihres Prophetenamtes walten - dabei stets auf die eigene Erneuerung bedacht.

Lebenserfahrung dagegen, die der Menschen überhaupt, oder die der Priester, ist zwar stets zu berücksichtigen und im Licht des Evangeliums zu deuten; für sich allein aber kann sie weder die einzige noch die wichtigste Norm der Verkündigung sein.

Das von den Sakramenten gewirkte Heil stammt nicht aus uns, sondern von oben aus Gott. Daraus erhellt der Primat des Handelns Christi als des einzigen Priesters und Mittlers in seinem Leib, der Kirche.

Da die Sakramente in Wahrheit solche des Glaubens sind (SC 59), fordern sie von jedem vernunftbegabten Christen bewusstes und freies Mittun. Daher sind Vorbereitung und Glaubensbereitschaft im Sakramentenempfänger von größter Bedeutung. Dies wiederum zeigt, wie sehr der Spender der Sakramente ein existentielles Glaubenszeugnis ablegen muss, auch und gerade in der Art, wie er die Sakramente einschätzt und verwaltet.

Den Bischöfen und - in den rechtlich festgelegten Fällen - den Bischofskonferenzen obliegt es, Seelsorge und Liturgie nach den vom Heiligen Stuhl erlassenen Richtlinien verbindlich zu fördern, sie den Bedürfnissen der einzelnen Länder anzupassen und die Grundsätze für die Zulassung zu den Sakramenten festzulegen. Diese Grundsätze sollen von den Priestern befolgt, aber auch den Glaubenden so erklärt werden, dass, wer ein Sakrament zu empfangen wünscht, stets auch seiner eigenen Verantwortung hinreichend bewusst sei.

Sind die Priester von ihrer Aufgabe durchdrungen, alle Menschen in der Liebe Christi versöhnen und der Gefahr von Spaltungen wachsam begegnen zu sollen, so werden sie mit Klugheit und Hirtenliebe apostolisch eifrige Gemeinschaften zu bilden suchen, die den missionarischen Geist der Kirche um sich her offenbaren. Kleine Gemeinschaften, die nicht im Widerspruch zur pfarrei- und Diözesanstruktur stehen, sollen in die Pfarreien und Diözesen so eingegliedert werden, dass sie darin als Sauerteig missionarischen Geistes wirken. Da es gilt, geeignete Formen zu finden, um allen Menschen in ihren verschiedensten Lebensbedingungen erfolgreich die Frohbotschaft zu künden, bietet sich vielfältig Gelegenheit zur Bestätigung von Diensten, die dem Priesteramt untergeordnet sind.

Profane und politische Tätigkeit

18 Der Priesterberuf ist auch im Vergleich mit andern Berufen als eine vollgewichtige menschliche Tätigkeit zu werten. Ja er ist sogar allen andern Berufen überlegen, auch wenn sein überragender Wert nur im licht des Glaubens ganz erkannt werden kann. Normalerweise soll er deshalb eine Vollzeitbeschäftigung sein. Auf keinen Fall kann eine weltliche Tätigkeit als eigentliche Aufgabe angesehen werden. Sie wäre auch nicht Ausdruck der eigentlichen priesterlichen Verantwortung. Die Priester sind nicht von dieser Welt und sollen sie auch nicht zum Idealbild erwählen. Trotzdem müssen sie in der Welt leben (Joh 17,14-16; PO 3,17) als Zeugen und Vermittler eines anderen Lebens (PO 3).

Um festzustellen, wie weit im Konkreten profane Tätigkeiten mit dem Priesteramt vereinbar seien, überlege man, ob und wieweit solche Tätigkeiten und Berufe sinnvoll sind für den Sendungsauftrag der Kirche, für die von der Verkündigung noch nicht erreichten Menschen, schließlich für die Christengemeinschaft. Darüber soll der Ortsbischof mit seinem Priesterrat urteilen und gegebenenfalls die Bischofskonferenz befragen.

Falls aber eine Berufstätigkeit, die für gewöhnlich von Laien ausgeübt wird, gerade durch den Missionsauftrag des Priesters gefordert erscheint, muss sie mit den andern priesterlichen Verpflichtungen in Einklang gebracht werden, da sie dann als notwendige, wohl begründete Ausdrucksform des eigentlichen Priesterdienstes betrachtet werden kann (PO 8).

Die Priester sind mit der ganzen Kirche verpflichtet, aus allen verfügbaren Kräften eine klare Linie zu verfolgen, wo es um die Verteidigung der elementaren Menschenrechte, den Einsatz für die Würde der Person, die Verwirklichung von Friede und Gerechtigkeit geht, wobei die eingeschlagenen Wege und Mittel stets dem Evangelium gemäß sein müssen. Das alles gilt sowohl für den persönlichen wie für den sozialen Bereich; hierin sollen die Priester den Laien behilflich sein, sich um eine rechte Gewissensbildung zu bemühen.

Wo verschiedene politische oder soziale oder wirtschaftliche Entscheidungen legitim sind, haben die Priester wie jeder Bürger das Recht zur eigenen Stellungnahme. Da aber politische Entscheidungen wesensgemäß relativ sind und das Evangelium nie vollkommen adäquat und unabänderlich interpretieren, soll der Priester als der Zeuge der künftigen Welt eine gewisse Distanz zu jedem politischen Amt oder Einsatz wahren.

Um ein gültiges Zeichen der Einheit zu bleiben und das Evangelium abstrichlos verkünden zu können, kann der Priester in gewissen Fällen verpflichtet werden, auf die Ausübung seiner Rechte auf diesem Gebiet zu verzichten. Ferner hat er dafür zu sorgen, dass seine Stellungnahme den Christen nicht als die einzig legitime erscheine oder Anlass zu Zerwürfnissen zwischen ihnen werde. Die Priester sollen der Mündigkeit der Laien eingedenk sein, die zumal dort nicht unterschätzt werden darf, wo es sich um deren eigensten Lebensbereich handelt.

Die Übernahme einer Führerstellung oder der aktiv militante Einsatz in einer bestimmten politischen Partei soll jedem Priester untersagt sein, es sei denn in bestimmten außergewöhnlichen Fällen, wo das Wohl der Gemeinschaft so etwas wirklich verlangt. Auch dann ist die Zustimmung des Bischofs einzuholen, der sich mit dem Priesterrat und wenn nötig mit der Bischofskonferenz besprechen wird.

Vorrangig ist immer die eigentliche, das ganze Dasein des Priesters bestimmende Sendung, so dass er mit unentwegtem Vertrauen seine jeweils neu gewonnene Erfahrung der göttlichen Dinge den Menschen, die darauf warten, eindrücklich und freudig verkündigen kann.

Das geistliche Leben der Priester

19 Jeder Priester findet die tiefste Begründung für seine ganze Existenz, die er in der Einheit und Kraft des Geistes führen soll, einzig in seiner Berufung und in seinem Dienst. Er ist, wie die andern Getauften, dazu berufen, Christus gleichförmig zu werden (vgl. Röm 8,29); aber außerdem hat er, wie die Zwölf, eine besondere Nähe zu Christus und nimmt teil an seiner Sendung als höchster Hirte: „Er machte sie zu Zwölfen, damit sie mit ihm seien, und damit er sie zum Verkünden aussende" (Mk 3,14). Somit darf es im Leben des Priesters zu keiner Spaltung zwischen Christusliebe und apostolischem Eifer kommen.

Wie Christus, gesalbt mit dem Heiligen Geist, aus seiner innersten Liebe zum Vater gedrängt wurde, sein Leben für die Menschen hinzugeben, so überantwortet sich der Priester, vom gleichen Heiligen Geist geweiht und Christus in besonderer Weise zugestaltet, dem Werk des Vaters, das dieser durch den Sohn vollbracht hat. Darum lässt sich die ganze Regel priesterlicher Existenz in den Worten Jesu zusammenfassen: "Für sie weihe ich mich: damit auch sie geweiht seien in der Wahrheit" (Joh 17,19).

Nach dem Beispiel des Herrn, der immerfort im Gebet verharrte, und unter der Führung des Geistes, in dem wir Abba, Vater, rufen, sollen die Priester die Betrachtung des Wortes Gottes üben und sich täglich die Zeit nehmen, den Alltag im Licht des Evangeliums zu überdenken. So werden sie als treue und aufmerksame Hörer des Wortes auch zu dessen wahrhaften Verkündern; sie sollen das persönliche Gebet, die liturgischen Tageszeiten, den häufigen Empfang des Bußsakraments, vor allem die Verehrung des eucharistischen Geheimnisses pflegen. Die Feier der heiligen Eucharistie bleibt immer Mittelpunkt des kirchlichen Lebens und Herzmitte der priesterlichen Existenz, selbst wenn die Feier einmal ohne Teilnahme der Gläubigen erfolgen muss.

Als Glied der Gemeinschaft der Heiligen halte der Priester seinen Sinn auf das Himmlische gerichtet; oft schaue er auf Maria, die Mutter Gottes, die das Gotteswort in vollendetem Glauben empfing. Täglich erbitte er von ihr die Gnade der Gleichgestaltung mit ihrem Sohn.

Die Seelsorgsarbeit bietet ebenfalls eine unersetzliche Nahrung für das geistliche Leben der Priester: „Indem sie die Rolle des guten Hirten übernehmen, finden sie gerade in der Betätigung ihrer Hirtenliebe jenes Band priesterlicher Vollkommenheit, das ihr Leben mit ihrem Wirken zur Einheit zusammenschließt" (PO 14). Empfängt doch der Priester bei der Ausübung seines Amtes vom Tun der Gesamtkirche und vom Beispiel seiner Gläubigen Licht und Kraft. Und auch die Verzichte, die ihm die Seelsorgsarbeit auferlegt, führen ihn zu einer immer tieferen Teilnahme am Kreuz Christi und damit zu einer selbstloseren Liebe für die ihm Anvertrauten.

Die gleiche priesterliche Liebe wird ihn auch veranlassen, sein geistliches Leben den Formen und Arten der Heiligung anzupassen, die für die Menschen seiner Zeit und Kultur angemessener sind und sie mehr ansprechen. Vom Wunsch beseelt, allen alles zu werden, um auf jeden Fall einige zu retten (1 Kor 9,22) wird er aufmerksam sein auf das Wehen des Heiligen Geistes in unseren Tagen. So wird er nicht nur in rein menschlichem Bemühen Gottes Wort verkünden, sondern als ein brauchbares Werkzeug vom Wort selber ergriffen werden, dessen Rede „wirksam und schärfer ist als jedes zweischneidige Schwert" (Hebr 4, 12).

Der priesterliche Zölibat

Grundlagen

20 Der priesterliche Zölibat steht in vollem Einklang mit der Berufung zur apostolischen Nachfolge Christi und mit der vorbehaltlosen Antwort des Berufenen, der den apostolischen Dienst antritt. Durch den Zölibat folgt der Priester bereiter und verfügbarer seinem Herrn nach. Mit österlicher Freude ist er bereit, den Kreuzweg mitzugehen, und möchte sich gleichsam eucharistisch mitverteilen lassen.

Wenn der Zölibat im Geist des Evangeliums, mit Gebet und Wachsamkeit, in Armut und Freude, unter Geringschätzung äußerer Ehren und in brüderlicher Liebe gelebt wird, dann wird er zu einem Zeichen, das nicht lange verborgen bleiben kann, vielmehr auch den Menschen unserer Zeit wirkungsvoll Christus verkündet. Worte bedeuten heutzutage wenig, das Zeugnis des Lebens aber, das den Radikalismus des Evangeliums offenbart, hat mitreißende Kraft.

Angemessenheitsgründe

Schon als persönliche Entscheidung für ein hohes, auch rein natürliches Gut kann Ehelosigkeit einen Menschen zu seiner vollen Reife und Entfaltung bringen. Das gilt erst recht von der Ehelosigkeit, die um des Himmelreiches willen übernommen wird, wie das Leben so vieler Heiligen und Gläubigen beweist, die ehelos blieben und sich ganz für Gott und die Menschen verzehrten und so beitrugen zum Wohl der Menschheit und der Christenheit.

In der modernen Kultur, in der die geistigen Werte so verdunkelt sind, weist der ehelose Priester auf die Gegenwart des absoluten Gottes hin, der einlädt, uns nach seinem Bild zu erneuern. Wo die Sexualität derart überbetont wird, dass darüber die echte Liebe dem Vergessen anheimfällt, erinnert die Ehelosigkeit um des Himmelsreiches willen die Menschen an die Hochwerte liebender Treue und stellt ihnen den letzten Sinn des Lebens vor Augen.

Mit Recht wird ferner der Wert des Zölibats als eines eschatologischen Zeichens betont. Der ehelose Priester stellt alle vergänglichen menschlichen Werte hintan, um sich Christus als dem höchsten und unbedingten Gut ausdrücklich anzuschließen. So offenbart er im voraus die Freiheit der Kinder Gottes. Bei voller Anerkennung des Zeichen- und Heiligkeitswertes der christlichen Ehe lässt doch die Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen jene pneumatische Fruchtbarkeit oder Zeugungskraft des Neuen Bundes deutlicher werden, kraft derer der Apostel sich als Vater und Mutter seiner Gemeinden gewusst hat.

Aus dieser besonderen Nachfolge Christi schöpft der Priester mehr Kraft und Eignung zum Aufbau der Kirche. Diese Kraft kann freilich nur durch innige dauernde Verbundenheit mit dem Geist Christi gewahrt und vermehrt werden. Eben diese Verbundenheit mit Christus will das Gottesvolk in seinen Hirten wahrnehmen, und es ist auch durchaus imstande, sie zu erkennen.

Durch die Ehelosigkeit kann der Priester leichter ungeteilten Herzens Gott dienen und sich seiner Herde widmen, sich auch entschiedener für die Verkündigung und die kirchliche Einheit einsetzen. Eine geringere Zahl von Priestern, die dafür dieses leuchtende Lebenszeugnis geben, wird deshalb mit größerer apostolischer Fruchtbarkeit wirken (als eine größere Zahl anderer).

Der priesterliche Zölibat ist schließlich nicht das Zeugnis einer Einzelperson. Wegen der engen Gemeinschaft, die die Glieder des Presbyteriums untereinander verbindet, hat er auch seinen sozialen Aspekt: er ist ein Zeugnis des gesamten Priesterstandes, womit dieser das Volk Gottes bereichert.

Die Beibehaltung des Zölibats in der lateinischen Kirche

Die Traditionen der Ostkirchen, wie sie jetzt in den verschiedenen Ländern in Kraft sind, sollen unangetastet bleiben.

Die Kirche hat das Recht und die Pflicht, die konkrete Form des priesterlichen Dienstes festzulegen. Somit hat sie auch das Recht und die Pflicht, die geeigneten Kandidaten auszuwählen, die mit bestimmten menschlichen und übernatürlichen Eigenschaften begabt sind. Wenn die lateinische Kirche den Zölibat als unerlässliche Bedingung für das Priestertum fordert (PO 16), tut sie dies nicht in der Meinung, dieser Weg führe als einziger zur Heiligung. Sie tut es aufgrund einer sorgsamen Überlegung, welche konkrete Form der Amtsausübung in der Gemeinde zur Auferbauung der Kirche die beste sei.

Wegen des innersten und vielfältigen Zusammenhangs zwischen Seelsorge und ehelosem Leben bleibt das geltende Gesetz in Kraft. Wer nämlich aufgrund freier Entscheidung die volle Verfügbarkeit will, die das unterscheidende Merkmal dieses Amtes ist, der wird auch frei das ehelose Leben auf sich nehmen. Der angehende Priester soll diese Lebensform nicht als etwas von außen ihm Aufgezwungenes empfinden, sondern vielmehr als den Ausdruck seiner freien Selbsthingabe, die von der Kirche durch den Bischof angenommen und bestätigt wird. So wird das Gesetz zum Schutz und Schirm der Freiheit, mit der sich der Priester Christus überantwortet. Und es wird zu einem "milden Joch".

Günstige Voraussetzungen für den Zölibat

Natürlich drohen dem Zölibat heutzutage von allen Seiten große Schwierigkeiten. Die Priester haben übrigens solche im Lauf der Jahrhunderte schon mehrfach erfahren. Sie können sie überwinden, wenn sie geeignete Voraussetzungen dafür schaffen, nämlich: Wachstum des innern Lebens durch Gebet, Selbstverleugnung, tiefe Liebe zu Gott und zum Nächsten, andere Hilfen des geistlichen Lebens; auch ein natürliches seelisches Gleichgewicht durch organische Einordnung in ein Gefüge mitmenschlicher Beziehungen; brüderlicher Umgang und Gedankenaustausch mit den Mitbrüdern im Amt und mit dem Bischof. Dazu müssen freilich die pastoralen Strukturen verbessert werden und auch die Gemeinde muss mithelfen.

Der Zölibat, als ein Gottesgeschenk, lässt sich ferner nur halten, wenn die jungen Theologen entsprechend darauf vorbereitet werden. Von Anfang an müssen sie auf die positiven Gründe für die Entscheidung zum Zölibat achten. Sie sollen sich durch keine Einwände verwirren lassen, deren Häufung und dauerndes Trommelfeuer eher ein Zeichen dafür ist, dass hier ein erstrangiger Wert zur Entscheidung steht. Sie sollen auch bedenken, dass Gott mit seiner Kraft denen stets nahe ist, die sich anstrengen, ihm treu und in ungeteilter Hingabe zu dienen.

Priester, die ihr Amt aufgeben, sollen mit Billigkeit und Brüderlichkeit behandelt werden. Sie können im Dienst der Kirche tätig sein, dürfen aber nicht mehr zur Verrichtung priesterlicher Funktionen zugelassen werden.

Das Zölibatsgesetz

Das in der lateinischen Kirche geltende Gesetz des priesterlichen Zölibats soll uneingeschränkt beibehalten werden (Ausgang der Abstimmung: 168 Ja-, 10 Neinstimmen. Für Verbesserungen des Textes 21, Enthaltungen 3).

Die Weihe verheirateter Männer

Zwei Formen wurden den Vätern zur Abstimmung vorgelegt: Formel A: Unbeschadet der päpstlichen Rechte wird die Priesterweihe von verheirateten Männern nicht gestattet, auch nicht in Sonderfällen. Formel B: Dem Papst allein steht es zu, in Sonderfällen, aus Pastoralen Gründen, unter Berücksichtigung des Wohls der Gesamtkirche, die Priesterweihe verheirateter Männer zu gestatten, die jedoch in reifem Alter stehen und von unbescholtenem Lebenswandel sein sollen (Auf Anordnung der Präsidenten wurde nicht mit Placet (Ja) und Non placet (Nein) abgestimmt, sondern es wurden die beiden Formeln zur Wahl gestellt. Die erste Formel (A) erhielt 107 Jastimmen, die zweite (B) 87 Jastimmen. Enthaltungen: 2, ungültige Stimmen: 2) .

B. DIE PRIESTER IN DER GEMEINSCHAFT DER KIRCHE

Beziehungen zwischen den Priestern und dem Bischof

21 Die Priester werden um so treuer zu ihrer Sendung (missio) stehen, als sie sich der kirchlichen Gemeinschaft (communio) in Treue verbunden wissen und zeigen. Denn so wird dann auch der gesamte seelsorgliche Dienst der Bischöfe, Priester und Diakone zu einer klaren Repräsentation der gesamten kirchlichen Kommunion; haben jene doch den besonderen Auftrag übernommen, dieser Kommunion zu dienen.

Soll nun dieses Amt ein gültiges Zeichen der Kommunion sein, so ist den konkreten Bedingungen, unter denen es ausgeübt wird, hohe Bedeutung zuzumessen.

Das Leitprinzip wurde vom II. Vatikanischen Konzil im Dekret Presbyterorum Ordinis (Dienst und Leben der Priester) aufgestellt: Die Einheit der Weihe und der Sendung, heißt es dort, verlangt innerlich die hierarchische Kommunion mit dem Bischofsamt. Das Prinzip ist grundlegend für eine praktische Erneuerung oder Belebung des Vertrauensverhältnisses zwischen Bischof und Presbyterium, dem dieser vorsteht. Aufgabe des Bischofs vor allem ist es, diesen Grundsatz in die Praxis umzusetzen.

Der Dienst der Autorität einerseits, der Erweis eines nicht bloß passiven Gehorsams andererseits: beides muss sich in Glaubensgeist, gegenseitiger Liebe, kindlich-freundschaftlichem Vertrauen, dauerndem und geduldigem Dialog vollziehen. Nur so ist ein gemeinsames Wirken, eine verantwortliche Zusammenarbeit zwischen Priestern und Bischof in einer offenen, menschlichen und zugleich übernatürlichen Atmosphäre möglich.

Persönliche Freiheit, die der persönlichen Berufung und den von Gott empfangenen Charismen entspricht, und geordnete Solidarität aller (Geweihten) im Dienst der Gemeinschaft und zum Besten des Sendungsauftrags: das sind die beiden Voraussetzungen, die dem pastoralen Wirken der Kirche seine Eigenart verleihen (PO 7). Für beide steht der Bischof ein mit seiner im Geist des Dienens auszuübenden Autorität.

Der Priesterrat, der seiner Natur nach diözesan ist, ist eine institutionelle Form, die Brüderlichkeit der Priester, die auf der gemeinsam erhaltenen Weihe gründet, zu bekunden.

Die Tätigkeit dieses Rates ist gesetzlich nicht erschöpfend festzulegen; voll wirksam wird er nur dann, wenn man immer wieder versucht, die verschiedenen Meinungen anzuhören und so zu einer Übereinstimmung mit dem Bischof zu gelangen, dem die letzte Entscheidung zusteht.

Wenn dies mit möglichster Aufrichtigkeit und Demut geschieht und jede Parteilichkeit im Geist überstiegen wird, kann man leichter eine dem Gemeinwohl zuträgliche Lösung finden.

Der Priesterrat ist ein Gremium, an dem die Priester, deren Dienst immer spezialisierter wird, zur Einsicht gelangen, dass sie sich im identischen Sendungsauftrag der Kirche gegenseitig ergänzen müssen.

Ihm obliegt es unter anderem, klare und eindeutige Zielvorstellungen zu erarbeiten, Prioritäten vorzuschlagen, Pläne zu entwerfen, alles zu unterstützen, was der Heilige Geist durch einzelne oder Gruppen immer wieder ins leben ruft, und das geistliche leben zu fördern, damit man leichter zur notwendigen Einheit gelangt.

Für die hierarchische Kommunion zwischen Bischöfen und Priestern (PO 7) müssen neue Formen erdacht werden, die den Ortskirchen mehr gegenseitige Öffnung und Zusammenarbeit ermöglichen; ferner ist nach Wegen zu suchen, wie Priester und Bischöfe in überdiözesanen Organen und Unternehmungen gemeinsam vorgehen können.

Erfordert ist die helfende Zusammenarbeit der Ordenspriester mit dem Bischof im Presbyterium, auch dort, wo ihr Wirken sich (primär) auf die Gesamtkirche bezieht.

Das Verhältnis der Priester unter sich

22 Da die Priester durch innerste sakramentale Brüderlichkeit und gemeinsame Sendung miteinander verbunden sind und sich um das gleiche Werk bemühen, soll auch ein gewisses Gemeinschaftsleben oder doch ein bestimmter engerer Lebenskontakt - der viele, nicht nur institutionell bestehende Formen annehmen kann - gefördert und vom Kirchenrecht bedacht werden. Dazu sollen geeignete Normen vorgesehen und bestimmte Pastoralstrukturen entweder aufgefrischt oder neu erfunden werden.

Priestergemeinschaften sind ebenfalls zu unterstützen, wenn sie im Geist der kirchlichen Kommunion, von der zuständigen kirchlichen Autorität anerkannt, „durch geeignete und bewährte Lebensordnung sowie durch gegenseitige brüderliche Hilfe" (PO 8) die ihrem Dienstamt eigenen Ziele und „die Heiligung der Priester in ihrer Amtsausübung" (PO 8) fördern wollen.

Auch sollte man, obschon es immer schwieriger wird, nach Wegen suchen, um Priestergruppen, die den Klerus in Parteien aufspalten, zur kirchlichen Kommunion und Struktur zurückführen.

Zwischen Ordens- und Diözesanpriestern soll engerer Kontakt gepflegt werden, damit wahre priesterliche Brüderlichkeit unter ihnen herrsche und sie sich, vor allem in geistlichen Dingen, gegenseitigen Beistand leisten.

Das Verhältnis zwischen Priestern und Laien

23 Die Priester sollen bestrebt sein, "den Laien vertrauensvoll Ämter im Kirchendienst anzuvertrauen, ihnen Freiheit und Raum zum Handeln zu lassen, sie sogar aufzumuntern, spontan solche Aufgaben zu übernehmen" (PO 9). Ihrerseits „sollen die Laien an den Sorgen ihrer Priester Anteil nehmen und ihnen durch Gebet und Tat soweit als möglich helfen, Schwierigkeiten zu bewältigen und ihr Amt erfolgreicher zu verwalten"(PO 9).

Das Unterscheidende der kirchlichen Kommunion soll stets bedacht werden, damit beides: die persönliche Freiheit, die den anerkannten Ämtern und Charismen jedes einzelnen zusteht, und die Einheit des Lebens und Wirkens im Gottesvolk, in Einklang gebracht wird.

Der Pastoralrat, in dem Kleriker, Ordensleute und erwählte Laien ihren Sitz haben (CD 27), soll durch seine Ermittlungen und Beratungen die nötigen Unterlagen beschaffen, damit die Gemeinschaft der Diözese ihre pastorale Arbeit organisch vorausplanen und erfolgreich abwickeln kann.

Je mehr die gemeinsame Verantwortung im Zusammenwirken der Bischöfe und Priester wächst - vor allem aufgrund des Wirkens der Priesterräte -, um so wünschenswerter wird es, dass in allen Diözesen ein Pastoralrat eingesetzt wird.

Wirtschaftliche Fragen

24 Die wirtschaftlichen Probleme der Kirche sind auf die rechte Weise nur lösbar, wenn man auf Communio und Missio des Gottesvolkes achtet und sie dadurch ins rechte Licht rückt. Denn es ist die Pflicht aller Gläubigen, den Nöten und Bedürfnissen der Kirche beizustehen.

Bei Behandlung dieser Fragen darf man nicht nur auf die wahren Bedürfnisse der Ortskirche oder der Diözese oder der Ordensgemeinschaft, der man angehört, sehen, sondern muss darüber hinaus die Verhältnisse der Diözesen derselben Gegend oder Nation, ja der gesamten Welt berücksichtigen, vorab der Kirchen in den sogenannten Missionsgebieten und sonstigen armen Gegenden.

Die Besoldung der Priester, bei der gewiss der Geist evangelischer Armut ausschlaggebend, die aber nach Möglichkeit angemessen und ausreichend sein soll, ist eine Forderung der Gerechtigkeit und muss auch die sozialen Versicherungen einschließen. Allzu krasse Unterschiede, zumal zwischen Priestern des gleichen Diözesan- und Jurisdiktionsbezirks, sind auszugleichen, wobei auch die allgemeine wirtschaftliche Lage des betreffenden Landes mitzubeachten ist.

Sehr wünschenswert wäre es, dass das christliche Volk allmählich dazu erzogen wird, die Besoldung der Priester von ihren Amtshandlungen, insbesondere der Spendung der Sakramente, zu trennen.

Schluss

25 Den Priestern, die inmitten der Kommunion des gesamten Gottesvolkes den Dienst des Geistes (2 Kor 3,4-12) versehen, stehen neue Wege offen, um der Welt von heute ein gründlich erneuertes Glaubenszeugnis zu geben.

Sie mögen deshalb mit christlichem Vertrauen in die Zukunft blicken und den Heiligen Geist bitten, dass trotz der Gefahren, deren sich die Kirche mit rein menschlichen Mitteln nicht zu erwehren vermag, durch sein Geleit und seine Eingebung Türen für das Evangelium sich auftun.

Indem wir uns die Apostel, vor allem Petrus und Paulus, als Leitbilder für das zu erneuernde Priestertum vor Augen halten, wollen wir Gott danken, dass uns Gelegenheit geboten wird, gemeinsam mit größerer Glaubenstreue das Antlitz Christi zu offenbaren.

Schon sind echte Anzeichen da, dass neues geistliches Leben keimt, während die Menschen aller Erdteile in den Fährnissen dieser Zeit Ausschau halten, wo etwa ein erfülltes Leben sich anzeigen möchte. Solche Erneuerung wird freilich nie ohne tiefere Teilnahme am Kreuz des Herrn erfolgen, denn „der Knecht steht nicht über seinem Herrn" (Joh 13,16). Vergessen wir deshalb, was hinter uns liegt, und strecken wir uns nach dem Kommenden aus (Phil 3,13).

Mit Freimut soll die Welt von der Fülle des Geheimnisses, das von Urzeiten her in Gott verborgen war, zu hören bekommen, damit die Menschen daran Anteil gewinnen und den Eingang finden zur gesamten Fülle Gottes (Eph 3,19).

„Wir verkünden euch das ewige Leben, das beim Vater war und uns sichtbar erschienen ist: was wir also gesehen und gehört haben, das verkünden wir euch, damit auch ihr Gemeinschaft mit uns habt, und unsere Gemeinschaft sei mit dem Vater und mit seinem Sohn Jesus Christus" (1 Joh 1,2-3).

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