Tra i vari mezza (Wortlaut)

Aus Kathpedia
Wechseln zu: Navigation, Suche
Instruktion
Tra i vari mezza

der Kongregation für das katholische Bildungswesen
unseres Heiligen Vaters
Johannes Paul II.
Normen für die Vorbereitung der Seminarerzieher.
4. November 1993

(Quellle: Libreria Editrice Vaticana, Vatikanstadt 1993)
Allgemeiner Hinweis: Was bei der Lektüre von Wortlautartikeln der Lehramtstexte zu beachten ist


Inhaltsverzeichnis

EINFÜHRUNG

1 Unter den verschiedenen Mitteln, die Papst Johannes Paul II. in seinem Apostolischen Schreiben »Pastores dabo vobis« zur Förderung des pädagogischen Vorgehens in den Seminaren aufzählt, steht an erster Stelle die besondere Vorbereitung der Erzieher. Diese haben hierin nämlich eine Schlüsselstellung und bestimmen damit den Geist und die gesamte Wirksamkeit der Ausbildung. Daher müssen sich die Bischöfe als Erstverantwortliche für das Arbeiten der Seminare »ihrer großen Verantwortung um die Ausbildung derer bewusst sein, die mit der Erziehung der künftigen Priester beauftragt werden sollen« (PDV 66).

Angesichts der besonderen Anforderungen dieser Aufgabe und ihrer Wichtigkeit in den heutigen Verhältnissen hielt es die Kongregation für das Katholische Bildungswesen für angebracht, die verantwortlichen kirchlichen Autoritäten zum Nachdenken über die hier vorgelegten »Richtlinien« einzuladen und den örtlichen Bedürfnissen entsprechende Entscheidungen zu treffen.

2 Das Problem, das ihrer Aufmerksamkeit empfohlen werden soll, ist gewiss nicht völlig neu. Es wurde bereits auf dem II. Vatikanischen Konzil erkannt und wird in der ganzen Kirche lebhaft empfunden. Das Dekret »Optatam totius« fordert für die Erzieher in den Seminaren eine Vorbereitung, »die gediegene Studien, entsprechende pastorale Erfahrung und eine besondere geistliche und pädagogische Ausbildung« einschließt. Es empfiehlt: »Zu diesem Zweck müssen geeignete Institute oder wenigstens gut geplante Kurse eingerichtet und regelmäßige Konferenzen der Seminaroberen abgehalten werden« (N. 5).

3 Die Weisungen des Konzils wurden weiter durch einige Empfehlungen der außerordentlichen Synode der Bischöfe 1967 unterstrichen und dann in Nr. 30 der »Ratio fundamentalis institutionis sacerdotalis« folgendermaßen zusammengefasst: »Da die Aufgabe der Seminaroberen die Kunst aller Künste ist, die kein improvisiertes und fallweises Vorgehen gestattet, müssen sie über die natürlichen und übernatürlichen Gaben hinaus notwendig, je nach der Aufgabe des Einzelnen, die gebührende geistliche, pädagogische und technische Vorbereitung besitzen, die vor allem in spezialisierten, für diesen Zweck errichteten oder zu errichtenden Instituten im eigenen Land oder in anderen Ländern angeboten wird». Für die Durchführung solcher Initiativen werden die Bischöfe eingeladen, sich der Mitarbeit der Kongregationen oder der Priestergemeinschaften, die in der Leitung von Seminaren spezialisiert sind, wie auch »technischer Kommissionen« von Fachleuten zu bedienen, die in den einzelnen Nationen eingesetzt werden sollen.

4 Heute, über 25 Jahre nach dem II. Vatikanischen Konzil und den ersten nachkonziliaren Verfügungen, spricht »Pastores dabo vobis« vom Thema im Licht der in verschiedenen Teilen der Welt gemachten Erfahrungen, die in zahlreichen Beiträgen der Synodenväter auch formuliert wurden. Von der lebendigen Sorge um die Verstärkung der pädagogischen Wirksamkeit der Seminare getrieben, betonten sie die erwähnten Weisungen des Konzils und setzten einen starken Akzent auf das kollegiale, kirchliche und geistliche Format der Erzieher: »Die Aufgabe der Ausbildung der Priesteramtskandidaten erfordert gewiss nicht nur eine bestimmte besondere Vorbereitung seitens der Ausbilder, die wirklich technisch, pädagogisch, geistlich, menschlich und theologisch sein soll, sondern auch Gemeinschaftssinn und den Geist einmütiger Zusammenarbeit bei der Entfaltung des Ausbildungsprogramms, so dass die Einheit im pastoralen Wirken des Seminars unter der Leitung des Rektors stets gewahrt bleibt. Die Gruppe der Ausbilder soll Zeugnis eines wirklichen Lebens nach dem Evangelium und totaler Hingabe an den Herrn sein. Es ist zweckmäßig, dass sie eine gewisse Dauerhaftigkeit aufweist und dass ihr gewöhnlicher Aufenthaltsort in der Seminargemeinschaft sei. Sie soll innigst verbunden sein mit dem Bischof als dem Erstverantwortlichen in der Priesterausbildung« (PDV 66).

5 Die Kongregation für das Katholische Bildungswesen bietet in der Absicht, die verschiedenen Erfahrungen und Verfügungen der Vergangenheit zu bekräftigen und sie nach den Empfehlungen von »Pastores dabo vobis« auf den neuesten Stand bringen, mit dem vorliegenden Dokument den Bischöfen und ihren Mitarbeitern in der Priesterausbildung einige Hinweise an, die als Kriterien für die Überprüfung der ergriffenen Initiativen und derer, die schon am Laufen sind, dienen können, und sie möchten ferner als operative Weisungen für die Planung der unmittelbaren Zukunft dienen.

Zu diesem Zweck wirft das Dokument zunächst einen Blick auf einige Besonderheiten der heutigen Situation der Erzieher des Klerus und deren Ausbildung (1), um dann die hauptsächlichen Verantwortlichkeiten auf diesem Gebiet zu prüfen (II). Dann schlägt es einige Kriterien für die Auswahl der Erzieher vor (III) und gibt Hinweise für ihre Ausbildung (IV). Abschließend werden einige konkrete Hinweise geboten, die die Sorge der Kirche für diesen besonderen Dienst operativ und wirksam machen können (V).

ASPEKTE DER HEUTIGEN SITUATION

Um sich über die wirklichen Bedürfnisse auf diesem Gebiet Rechenschaft zu geben, müssen wir bei der heutigen Situation verweilen, die vom Mangel an Erziehern gekennzeichnet ist, aber auch von den höheren Ansprüchen an das erzieherische Wirken und von einigen Initiativen und Erfahrungen, die in verschiedenen Ländern in den letzten Jahrzehnten gemacht wurden.

DIE GERINGE ZAHL DER ERZIEHER

6 An erster Stelle wird ein großes Missverhältnis zwischen der Verfügbarkeit von leitendem und lehrendem Personal und den wirklichen Bedürfnissen der Seminare sichtbar.

Es fehlt nicht an zufriedenstellenden und positiven Situationen, vor allem in den Diözesen und Nationen, die dank ihrer gesunden geistlichen Traditionen und einer klugen Erneuerung im Sinn des Konzils in der Lage waren, aktive christliche Gemeinschaften zu schaffen und beizubehalten, in denen missionarischer Geist lebt und das Ideal des Priesterberufes hochgehalten wird. Sie sorgen für ihre eigenen Bedürfnisse und sind oft auch noch in der Lage, dort, wo es am notwendigsten scheint, Hilfe zu leisten. Doch solche Verhältnisse müssen wohl im Rahmen der Gesamtsituation als Ausnahmen gelten.

7 Die geringe Zahl der Erzieher zeigt sich auch in vielen Ländern mit alter christlicher Tradition. Infolge der Krise der vergangenen Jahre haben sich die Reihen des diözesanen Klerus und des Ordensklerus gelichtet, und das durchschnittliche Alter liegt weit höher, während die Kompliziertheit der neuen pastoralen Aufgaben eine Vermehrung der Seelsorger erfordert hätte. Eine ziemlich schwierige Situation zeichnet sich zumal in den Ländern des ehemaligen kommunistischen Blocks in Mittel- und Osteuropa ab, wo es aus vielen Gründen nicht leicht ist, geeignete Priester für den Dienst in den Seminaren zu finden; und wenn sich einige finden, dann können sie nicht immer von ihren Dienstaufgaben freigestellt werden, weil sie dort für unersetzlich gelten.

8 In einer heiklen Situation befinden sich auch die Diözesen - zumal in Missionsländern und in Lateinamerika -, die eine spürbare Zunahme der Priesteramtskandidaten verzeichnen. Sie möchten ihre eigenen Seminare aufbauen, doch findet sich dafür nicht leicht eine genügende Zahl von entsprechend vorbereiteten Ausbildern. Improvisationen und Behelfslösungen, auf die man gelegentlich zurückgreift, erweisen sich als problematisch und ungenügend; sie können kein gutes geistliches, intellektuelles und pastorales Niveau des künftigen Klerus sicherstellen.

9 Um solche Schwierigkeiten zu überwinden, erhielten einige Diözesen und erhalten in verschiedenen Fällen auch weiter eine hochherzige Hilfe von seiten der Ordensinstitute. Diese Zusammenarbeit geht aber heute zurück infolge der Schwierigkeiten, die die Institute selber mit neuen Berufungen haben. In nicht wenigen Fällen mussten die Ordensleute nämlich ihren Dienst in den Seminaren vermindern oder auch aufgeben, weil ihnen das für eine solche Ausbildungsaufgabe vorbereitete Personal fehlte.

ERFORDERNISSE DER PÄDAGOGISCHEN ERNEUERUNG

10 Mit der ausführlichen Analyse der geistigen Bedingungen der Welt und Kirche von heute, die das 1. Kapitel von »Pastores dabo vobis« vornimmt, wird die Kompliziertheit der Situation deutlich, in der sich die Seminare befinden. Ihre Ausbildungsaufgaben sind schwieriger geworden, und damit wurden auch die Kriterien für die Auswahl der Erzieher noch anspruchsvoller. Die Notwendigkeit, eine mehr dynamische, aktive und für die Realitäten des Lebens offenere Pädagogik aufzubauen, die auch Entwicklungsvorgänge der Person, die immer differenzierter und komplizierter werden, berücksichtigt, erfordert die Gabe erprobter Gediegenheit in einem in vergangenen Zeiten fast unbekannten Ausmaß. Ferner wird heute von den Erziehern ein ständiges Bemühen, sich auf den neuesten Stand zu bringen, verlangt, zumal auf ihrem spezifischen Fachgebiet, verbunden mit der Fähigkeit, den ganzen Ausbildungsprozess mit einer beständigen und für die geistigen Bedürfnisse der Gemeinschaft sowie einer jeden Einzelperson aufmerksamen Präsenz zu begleiten. Dies verlangt ein ständiges und aufreibendes persönliches Bemühen, welches entsprechende psychologische und physische Veranlagungen bei den für diese Erziehungsaufgabe vorgesehenen Kandidaten erfordert.

11 Ein weiteres Anliegen, auf welches das Apostolische Schreiben aufmerksam macht, und das zuweilen die Auswahl geeigneter Erzieher noch erschwert, ist die Notwendigkeit, über Priester verfügen zu können, die vom Geist der Gemeinschaft und der Zusammenarbeit beseelt sind und die »Kenntnisse über die Formen von Gruppenarbeit« besitzen (Ebd.). Es erweist sich daher die Auswahl und Ausbildung einzelner Erzieher als ungenügend, auch wenn sie reiche persönliche Gaben besitzen, wenn sie nicht in der Lage sind, wirkliche »Erzieherteams« zu bilden, die gut eingespielt sind und brüderlich zusammenarbeiten. Es gilt daher Kandidaten auszuwählen, die von den echten priesterlichen Idealen ergriffen sind und die richtige Spiritualität und die rechte Lehre besitzen und die sich ferner für ein gemeinsames Erziehungsziel engagieren können. Die Erfahrungen zeigen nämlich, dass ohne eine echte Zusammenarbeit (Teamwork) ein gutes Funktionieren des Seminars nicht möglich ist. Dies also bildet auf der einen Seite die Voraussetzung für einen echten Fortschritt des Bildungsbemühens, vermehrt freilich andererseits die Schwierigkeiten bei der Suche nach für diese Tätigkeit geeigneten Priestern.

NACHKONZILIARE INITIATIVEN UND ERFAHRUNGEN

12 Was die vorhergehende oder anfanghafte Vorbereitung der Erzieher angeht, so wurde sie nur in jenen Diözesen und Nationen erprobt, wo eine bestimmte Verfügbarkeit von Berufungen und Priestern eine gute Einplanung des Erzieherpersonals im Verhältnis zu den Bedürfnissen der jeweiligen Seminare gestattet.

Doch auch in diesen Fällen und erst recht in allen anderen Situationen legt man mehr Wert auf das »Charisma« und die persönlichen Gaben der Kandidaten als auf die Notwendigkeit einer spezifischen Ausbildung und spezieller Studien. Man begnügt sich im allgemeinen mit einer gediegenen theologischen und spirituellen Ausbildung sowie mit einem guten psychologischen Gleichgewicht und vertraut auf die Weiterbildung aufgrund der pädagogischen Praxis und durch den Besuch von Kongressen und Tagungen.

Die Idee besonderer Institute für die Erzieher des Klerus ist daher bislang noch nicht in genügendem Umfang verwirklicht worden, so dass auch ein kritisches Überdenken der im Gang befindlichen Versuche möglich wäre.

13 Reichlicher und verbreiteter ist das Angebot an Kongressen und periodischen Fortbildungskursen von kürzerer oder jedenfalls nicht zu langer Dauer. Sie erweisen sich allgemein als sehr nützlich, vor allem wenn sie in einem intensiven und gelösten geistlichen Klima stattfinden und unter Leitung der Bischöfe und nach anspruchsvollen und organischen Programmen gestaltet sind. Eine besondere Bewertung ist dagegen bei Initiativen gefordert, die von vor allem auf psychologischem Gebiet stark »spezialisierten« Personen oder Instituten angeboten werden. Sie sind in dem Maße wertvoll, wie sie eine pädagogische Linie verfolgen, die in den Werten des Evangeliums und den Weisungen der Kirche für Priesteramtskandidaten verwurzelt ist, während sie sich als weniger fruchtbar erweisen oder gar zur Quelle falscher Orientierung werden, wenn sie nicht voll dieser Bedingung entsprechen und einseitige und fragwürdige Inhalte und Methoden vermitteln. Hier ist zu bemerken, dass das Päpstliche Lehramt, die Dokumente des Heiligen Stuhles und die »Rationes institutionis sacerdotalis« der nationalen Bischofskonferenzen, die von den zuständigen römischen Dikasterien gebilligt sind, unerlässlicher Bezugspunkt und Kriterium der Inspiration bleiben.

14 In verschiedenen Fällen wird die Hilfe der »technischen Kommissionen« in Anspruch genommen und gebührend geschätzt, die je nach den örtlichen Verhältnissen und Gepflogenheiten Form und konkrete Gestalt annehmen, zumal dort, wo sie ausgewogen zusammengesetzt sind und die Gefahr vermeiden, auf die Führung der Seminare und die Auswahl der Berufungen ungebührlichen Einfluss zu nehmen.

Solche Kommissionen ließen sich nicht in Nationen mit einer nur kleinen Anzahl von Diözesen bilden, wo die organisatorischen Ansprüche in diesem Punkt geringer sind. Als wertvoll hat sich der Beitrag der Ordensgemeinschaften und der Priestergemeinschaften erwiesen, die institutionell mit der Heranbildung des Klerus befasst sind. Sie zeigen auf diesem Gebiet eine lobenswerte Verfügbarkeit und Initiativgeist.

15 Die wissenschaftliche und zum Teil auch didaktische Fortbildung der Lehrkräfte wird oft mit einem gewissen Eifer im Rahmen von Verbänden gefördert, die sich nach den verschiedenen theologischen und philosophischen Fächern ausrichten. Ihre jährlichen Kongresse und die Studienwochen, die inzwischen zumal in den großen Nationen zur Gewohnheit geworden sind, werden normalerweise von den Dozenten der großen kirchlichen Fakultäten getragen und ausgerichtet, und zwar in Zusammenarbeit mit den bischöflichen Kommissionen für die Priesterausbildung oder für die Glaubenslehre. Aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre wird die Notwendigkeit einer solchen Zusammenarbeit und Abstimmung immer mehr als Garantie für eine sichere Ausrichtung empfunden, die den wirklichen geistlichen und pastoralen Bedürfnissen der Priesterausbildung entspricht.

In neuerer Zeit bekommen die Lehrkräfte der Seminare eine wertvolle didaktische Hilfe durch die Abfassung von Lehrbüchern und bibliographischen Hilfen, die einige Fakultäten mit lobenswertem Eifer fördern, um so auf den ausdrücklichen Wunsch vieler Bischöfe und der Alumnen der Seminare einzugehen. Solche Hilfen verdienen daher aufrichtigen Dank, und sie sind zu ermuntern.

16 Die hier kurz aufgeführten Initiativen haben zwar nicht die von den amtlichen Verfügungen der Kirche gesetzten Ziele erreicht, sind aber doch sehr wirksam. Sie können als ein wichtiger Abschnitt in der Erneuerung der Seminare gelten. Wo sie in geistiger Offenheit und konstruktiv durchgeführt wurden, wurde das Leben der Seminare gestärkt. Der Austausch von Ideen und praktischen Erfahrungen, die Informationen über den Einsatz der pädagogischen Wissenschaften, die Mitteilung der Ergebnisse wissenschaftlicher Studien waren und sind für die Erzieher von unschätzbarem Wert, wie es im übrigen auch von zahlreichen anderen Beiträgen gilt: lehrmäßige, geistliche und pastorale Vertiefung des Dienstes und des Lebens der Priester, Kommentare zu den entsprechenden päpstlichen Dokumenten und den Verlautbarungen des Heiligen Stuhles, persönliche Begegnung auf breiter Ebene mit Kollegen und Fachleuten und nicht zuletzt engere Verbindungen mit den Bischöfen, von denen sich die Erzieher besser unterstützt und verstanden wissen.

DIE ERZIEHER UND DIE FÜR IHRE AUSBILDUNG VERANTWORTLICHEN

17 Wie sich aus den Evangelien klar ergibt, war die Ausbildung der Apostel eine Aufgabe, die Jesus sich persönlich vorbehalten hat, denn er schrieb ihr grundlegende Bedeutung für die künftigen Geschicke der Kirche zu. Er übertrug dann diese Aufgabe den Aposteln, damit sie unter besonderem Beistand des Heiligen Geistes sein Werk fortsetzten und ihrerseits Erzieher ihrer Jünger und Mitarbeiter wurden. Man kann daher sagen, dass der göttliche Meister der erste Anreger und das Vorbild für jeden Erzieher ist und daher »kein eigentliches Werk der Ausbildung zum Priestertum geschieht ohne den Einfluss des Geistes Christi« (PDV 65).

Die ununterbrochene Tradition der Kirche bezeugt, dass die Bischöfe, die Nachfolger der Apostel, diese Sendung als Erzieher der Diener Christi im Dienst am Volke des neuen Bundes ausgeübt haben, auch wenn sie dieser ihrer unveräußerlichen Verantwortung je nach den Verhältnissen ihrer Umwelt und der Geschichte in verschiedener Weise nachkamen und verschiedene Formen der Vermittlung und der Zusammenarbeit benutzten. Zu dieser ihrer Aufgabe gehörte ja gewöhnlich auch die, geeignete Erzieher des künftigen Klerus auszuwählen und vorzubereiten.

18 »Erster Repräsentant Christi in der Priesterausbildung ist der Bischof« (Ebd.): mit diesen Worten bekräftigt das nachsynodale Apostolische Schreiben die Verantwortung des Bischofs für die Grundausbildung und Weiterbildung seiner Priesterschaft.

Die eigentliche und ausschließliche Pflicht und Berechtigung der Kirche in der Heranbildung jener, die zum heiligen Dienst bestimmt sind (Can. 232 CIC), wird wahrgenommen, wenn der Bischof die Kandidaten, die er für geeignet hält, auswählt, beruft, ausbildet und zur Priesterweihe zulässt. Aus dieser seiner Verantwortung für die Ausbildung der Priesteramtskandidaten ergibt sich die Notwendigkeit, »dass der Bischof sie häufig besuchen und auf bestimmte Weise bei ihnen "sein" sollte« (PDV 65).

Er kann freilich normalerweise diesen Dienst nicht allein ausüben. Die Auswahl der Berufungen und die Bildungsaufgaben sind derart komplex und schwierig, dass sie die Möglichkeiten einer einzigen Person übersteigen. Der Bischof ruft daher andere Personen zur Übernahme eines guten Teiles seiner Verantwortung auf diesem Gebiet: er muss besonders geeignete Mitarbeiter auswählen und aufmerksam und mit ganz besonderer Sorgfalt für ihre Ausbildung sorgen. Er braucht »Priester mit vorbildlichem Leben« und »nach allgemein menschlichem Maßstab und nach dem des Evangeliums reife und starke Persönlichkeiten« (PDV 66).

Die für den Dienst in den Seminaren bestellten Verantwortlichen und Lehrbeauftragten sind also die unmittelbarsten Mitarbeiter des Bischofs bei seiner Aufgabe, den Klerus für seine Diözese heranzubilden. Sie sind sich pflichtgemäß bewusst, diese Aufgabe vom Bischof bekommen zu haben, und müssen sie in enger Verbindung mit ihm entsprechend seinen Weisungen ausüben. Es handelt sich nämlich nicht um eine private, sondern um eine öffentliche Tätigkeit, die zur Struktur der Kirche gehört: »Das Seminar ist an sich eine Ur-Erfahrung des Lebens der Kirche: in ihm ist der Bischof gegenwärtig durch das Amt des Rektors und den von ihm beseelten Dienst der Mitverantwortung und Gemeinschaft mit den anderen Erziehern« (PDV 60) . Es ist also ein eminent kirchlicher Dienst, der von Beziehungen der Brüderlichkeit und Zusammenarbeit mit den Kollegen gekennzeichnet ist, ferner durch die hierarchische Abhängigkeit vom Ortsbischof, in Gemeinschaft mit dem Papst sowie in aufgeschlossenem Hören auf seine Weisungen für die ganze Kirche.

Die Erfüllung der Leitungsaufgaben im Seminar erfordert freilich auch eine berechtigte Autonomie im Wirken des Rektors, die vom Codex des kanonischen Rechtes (vgl. cann. 238,260,261) sowie vom Statut und der Lebensordnung des Seminars umschrieben wird.

19 Ähnliches gilt in entsprechender Abwandlung und unter Maßgabe des can. 659 § 3 CIC für die Rechte und Pflichten, die den höheren Oberen der Ordensgemeinschaften und der Gemeinschaften des apostolischen Lebens, die kanonisch errichtet sind, obliegen, um ihren Gemeinschaften die Priester zu geben, die sie zur Erfüllung ihrer spezifischen Sendung brauchen. Zu diesen Pflichten und Rechten gehört nämlich auch für sie die Aufgabe, in Übereinstimmung mit Nr. 31 der »Weisungen zur Ausbildung in den Ordensinstituten«, für die Vorbereitung der Erzieher für die Ausbildungsgemeinschaften zu sorgen, in denen die Mitglieder dieser Familien des gottgeweihten Lebens sich auf das Priestertum vorbereiten.

20 Hält man sich die Hinweise des Apostolischen Schreibens »Christifideles laici« sowie des Apostolischen Briefes »Mulieris dignitatem« vor Augen, auf die auch »Pastores dabo vobis« eingeht, kann es angebracht sein, »in klugem und den verschiedenen kulturellen Kontexten angepasstem Maß auch die Mitarbeit von Laien - Männern und Frauen - « in die Ausbildungstätigkeit des Seminars einzubeziehen. »Diese sind auszuwählen gemäß ihren besonderen Begabungen sowie ihren nachgewiesenen Fähigkeiten« (PDV 66). Orte für eine fruchtbare Zusammenarbeit können auch für die ständigen Diakone gefunden werden. Die Tätigkeit dieser Personen, »die zweckmäßigerweise auf die vorrangige erzieherische Verantwortung hingeordnet und ihr eingegliedert ist« (Ebd.), soll die Ausbildung vor allem auf jenen Gebieten bereichern, auf denen die Laien und die Diakone normalerweise besonders fachkundig sind, wie in der Spiritualität der Familie, der Pastoralmedizin, bei politischen, wirtschaftlichen und sozialen Problemen, bei Grenzfragen der Wissenschaften, der Bioethik, der Ökologie, der Kunstgeschichte, der sozialen Kommunikationsmittel sowie den klassischen und modernen Sprachen.

21 Nützliche Bildungsbeiträge für die Erzieher des Seminars können auch von den Priestern in der Seelsorge herkommen, von im Apostolat sowie in den kirchlichen Verbänden und Bewegungen engagierten Laien. Die Erzieher können sich die Erfahrung mit den Problemen zunutze machen, die das tägliche Leben dem Glauben und der Pastoral stellt (PDV 59, 66). Ein ständiges und lebendiges Verhältnis der Dienstbereitschaft und der gegenseitigen Wertschätzung zwischen Seminar, Priesterschaft und diözesaner Gemeinschaft ist unerlässliche Voraussetzung dafür, dass diese Beiträge zur Ausbildung der Erzieher sich in ihrer vollen Fruchtbarkeit entfalten können.

Diese Verwurzelung in der Gemeinschaft des Klerus und der Gläubigen erweist sich als besonders günstig in den Diözesen, die reich sind an langen und gesunden Traditionen bei der Priesterausbildung. Sie prägen den Geist des Seminars und der Erzieher. Sie sind daher bei der Vorbereitung von Kandidaten für Erziehungsaufgaben zu schätzen und auszunützen, wobei man sie nicht nur bewahren, sondern sie auch, noch zusätzlich bereichert, den künftigen Generationen weitergeben soll.

22 Die ganze Gemeinschaft der Christen muss das Problem der Auswahl und Ausbildung der Erzieher des Seminars als ihr eigenes empfinden. Dieser Aspekt darf freilich nicht vom Leben und von der Verantwortung der Gemeinschaft der Diözese isoliert werden. Die Erfahrung zeigt uns, dass dort, wo der Glaube lebendig ist, die von Gott geweckten Charismen fruchtbar wirken können, da sie sich auf das Gebet, auf die Unterstützung und die Solidarität vieler verlassen können.

Dennoch liegt die direkte Verantwortung für die Ausbildung der Erzieher in den Seminaren und in den Ordenshäusern bei den Bischöfen und den höheren Oberen. Sie müssen sich darum kümmern, dass den Mitarbeitern, die sie sich ausgesucht haben, eine angemessene spezifische Ausbildung garantiert wird. Sie müssen das sowohl durch persönlichen Kontakt tun, als auch durch geeignete Institute und angemessene Mittel.

KRITERIEN FÜR DIE AUSWAHL DER ERZIEHER

VORBEMERKUNG

23 Was die Kriterien der Auswahl für die Erzieher angeht, zeigt sich die Kirche sehr anspruchsvoll. Nach dem Dekret »Optatam totius« »sollen Seminarobere und Professoren aus den besten Kräften ausgewählt werden« (N. 5). In diesem Punkt greift das Konzil die Enzyklika Pius' XI. »Ad catholici Sacerdotii« wieder auf, die an die Bischöfe folgende Mahnung richtet: »Sorgfältig sollen vor allem die Oberen und Lehrer ausgewählt werden... Gebt euren Kollegen die besten Priester; es soll euch nicht reuen, sie ihren Aufgaben zu entziehen, auch wenn diese dem Anschein nach wichtiger sind, aber sie können doch nicht mit dieser wesentlichen und unersetzlichen Aufgabe verglichen werden« (AAS 28 [1936], S. 37-53).

Diese genaue Aufgabenstellung ist im Sinn einer dringenden Aufforderung zu verstehen, das Problem der Erzieher als eine der wichtigsten pastoralen Prioritäten zu betrachten. Nichts darf in den Diözesen unversucht bleiben, den Seminaren das Leitungs- und Lehrpersonal zu verschaffen, das sie brauchen.

24 Die geforderten wesentlichen Qualitäten, auf die die erwähnten Dokumente anspielen, sind in »Pastores dabo vobis« (N. 66), in der »Ratio fundamentalis« (N. 39) und in den nationalen »rationes« noch klarer entfaltet und verdeutlicht. Dort wird unter anderem die Notwendigkeit erwähnt, Glaubensstärke zu besitzen, ein lebendiges priesterliches und pastorales Bewusstsein, Festigkeit in der eigenen Berufung, eine deutliche kirchliche Gesinnung, Fähigkeit zu menschlichen Kontakten, Führungsqualitäten, ein reifes psychologisches und affektives Gleichgewicht, mit Klugheit und Weisheit verbundene Intelligenz, eine echte Kultur des Geistes und des Herzens, die Fähigkeit zur Zusammenarbeit, eine tiefe Kenntnis der jugendlichen Mentalität und Gemeinschaftsgeist.

25 Zur Berufung des Erziehers gehört auf der einen Seite ein gewisses Charisma, das in den Gaben der Natur und der Gnade zum Ausdruck kommt, auf der anderen Seite muss er weitere Fähigkeiten und Haltungen sich aneignen. Bei jedem Gespräch über seine Persönlichkeit muss immer dieser doppelte Aspekt beachtet werden: jede der bei einem Seminarerzieher wünschenswerten Eigenschaften enthält sozusagen angeborene Elemente und andere, die nach und nach durch Studium und Erfahrung heranreifen müssen.

Die Festlegung der Kriterien für die Auswahl der Erzieher setzt immer ein Ideal voraus, das die verschiedenen oben aufgezählten Qualitäten zusammen mit vielen anderen widerspiegelt, die sich aus dem Gesamt der Ausbildungsziele ableiten lassen, wie sie in »Pastores dabo vobis« angegeben sind. Im folgenden soll versucht werden, eine reiche Auswahl von ihnen vorzulegen, ohne freilich zu beanspruchen, dass alle diese Gaben und Eigenschaften sich in den einzelnen Personen vollkommen verwirklicht finden. Es sollte nur ein Bezugspunkt für das Suchen und die Auswahl der Erzieher geboten werden, der gleichermaßen als Kriterium für die Planung ihrer Ausbildung und für die Überprüfung ihres Dienstes dienen kann. Selbst wenn wir uns die Grenzen der wirklichen Verhältnisse und die menschlichen Möglichkeiten vor Augen halten, schien es nicht unnütz, das Ideal etwas höher als diese voraussehbaren Grenzen anzusetzen, damit es einen ständigen Anruf und Antrieb zu ihrer Überwindung bilde.

Gemeinsame Merkmale für alle Erzieher an Seminaren

GLAUBENSGEIST

26 Aufgabe und Ziel der Erziehertätigkeit im Seminar können nur im Licht des Glaubens verstanden werden. Aus diesem Grund muss der Erzieher ein Mann sicheren Glaubens sein, der gut motiviert und überzeugt ist und so tief gelebt wird, dass er in all seinen Worten und Taten durchscheint. Beseelt von der Liebe lässt der Glaube im Leben die Freude und Hoffnung einer Ganzhingabe an Christus und seine Kirche aufscheinen. Er zeigt sich in den Entscheidungen für ein Leben nach dem Evangelium und in der aufrichtigen Anhänglichkeit an die moralischen und geistlichen Werte des Priestertums, die er ebenso zurückhaltend wie überzeugt mitzuteilen sucht. Bei den unterschiedlichen Meinungen auf den Gebieten der Dogmatik, der Moral und der Pädagogik hält sich der Erzieher an die vom Glauben angebotenen Kriterien, wobei er in herzlicher und intelligenter Gelehrigkeit den Weisungen des Lehramtes folgt. Auf diese Weise fühlt er sich als »Erzieher im Glauben« (PO 6, 13) für seine Alumnen, und er lässt sie dessen Schönheit und Lebenswerte entdecken; er zeigt sich aufgeschlossen und aufmerksam für ihren Glaubensweg und hilft ihnen bei der Überwindung ihrer Schwierigkeiten.

27 Ein Erzieher, der aus dem Glauben lebt, erzieht mehr durch das, was er ist, als durch das, was er sagt. Sein Glaube wird zu einem konsequenten Zeugnis; für ein priesterliches Leben, in dem apostolischer Eifer herrscht und ein lebendiger missionarischer Geist. »Die Oberen und Professoren sollen immer daran denken, wie sehr der Bildungserfolg bei den Alumnen von der Art und Weise ihres Denkens und Handelns abhängt« (OT 5) . Sie zeigen in einfacher und entsprechender Form die Schönheit und die geistlichen Reichtümer wie auch die Fruchtbarkeit guter Werke auf, die aus einem Glauben erwachsen, der in der Form des priesterlichen Dienstes und Lebens gelebt wird. Wer im Horizont des Glaubens den Sinn des Lebens im eigenen Priestertum gefunden hat, ist auch fähig, die Freude an der eigenen Berufung auszustrahlen und sie anderen mitzuteilen.

Der Geist des Glaubens muss begleitet und getragen werden von der Liebe zur Liturgie und zum Gebet. Die Seminaristen brauchen heute mehr denn je die Hinführung »zum tief menschlichen Verständnis und zum religiösen Wert der Stille« (PDV 47) als Vorbedingung für das Kennenlernen und die Erfahrung des echten Sinnes für das Gebet, die Liturgie, das eucharistische Leben sowie eine echte marianische Frömmigkeit. Die Lehrer des Glaubens müssen daher echte Lehrer des Gebets und musterhafte Zelebranten für ihre Alumnen werden.

PASTORALER SINN

28 »Die gesamte Ausbildung der Priesteramtskandidaten ist dazu bestimmt, sie in besonderer Weise darauf vorzubereiten, die Kommunikation mit der Liebe Christi, des Guten Hirten, zu verwirklichen. Diese Ausbildung muss daher in ihren verschiedenen Aspekten einen im wesentlichen pastoralen Charakter haben« (PDV 57, Vgl. auch OT 4). Alle Erzieher müssen darum bemüht sein, jeden Aspekt der Ausbildung auf dieses Hauptziel des Seminars hin auszuwerten. Zumal sollen die Professoren, unbeschadet der geschuldeten Wissenschaftlichkeit ihrer Aufgabe, deren pastorale Bedeutung herausstellen, um »den Alumnen immer tiefer das Mysterium Christi zu erschließen..., so dass sie den Sinn, den Aufbau und das pastorale Ziel der kirchlichen Studien klar sehen« (OT 14).

Die Erzieher werden diese Aufgeschlossenheit durch ihre eigene Teilhabe an der pastoralen Liebe Christi erreichen, die sie in ihrem Dienst vor ihrer Ernennung erfahren haben, und die sie auch während ihres Dienstes hochherzig weiter pflegen, wenn auch innerhalb der Grenzen, die ihnen der Einsatz als Erzieher im Seminar auferlegt. Bei den verschiedenen erzieherischen Bemühungen werden sie versuchen, die Seminaristen immer mehr für die »heute stark vernehmbare Forderung nach der Evangelisierung der Kulturen und nach der Inkulturation der Glaubensbotschaft« (PDV 55) zu öffnen, so dass sie »die missionarische Grunddimension der Kirche und ihrer verschiedenen pastoralen Tätigkeiten lieben und aus ihr leben« (PDV 59).

GEMEINSCHAFTSGEIST

29 Die Erzieher sollen »eine enge Gemeinschaft in Gesinnung und Tat eingehen. Sie sollen untereinander und mit den Alumnen eine Familie bilden, die dem Gebet des Herrn "auf dass sie eins seien" (vgl. J oh. 17, 11) entspricht und in den Alumnen die Freude am eigenen Beruf nährt« (OT 5).

Diese vom Konzil nachdrücklich geforderte »Communio« betrifft näherhin die Natur des Dienstpriestertums und die Ausübung dieses Dienstes. »Pastores dabo vobis« sagt dazu folgendes: »Außerdem soll der Priester, eben weil er innerhalb des Lebens der Kirche der Mann der Gemeinschaft ist, in der Beziehung zu allen Menschen der Mann der Sendung und des Dialogs sein« (PDV 18). Man kann sagen, dass der Erzieher nur in dem Maße in seinem Dienst echt ist und den Erfordernissen seines Priesterideals entspricht, wie er sich für die Einheit einzusetzen und aufzuopfern weiß, d.h., wenn er in seinem Denken, in seinen Haltungen und in seinem Gebet die Sorge für die Einheit und den Zusammenhalt der ihm anvertrauten Gemeinschaft ausprägt. Dieser Aspekt des erzieherischen Wirkens erfordert natürliche Gaben und solche der Gnade, und er wird durch eine besondere Gelehrigkeit gegenüber dem Heiligen Geist gepflegt, der das Band der Einheit innerhalb des göttlichen Lebens und im Leben der Kirche ist.

Wenn sie sich von einer echten »Communio-Ekklesiologie« (PDV 12) leiten lassen, werden die Erzieher in der Lage sein, die Seminargemeinschaft »zu Beziehungen der Brüderlichkeit, des Dienstes, der gemeinsamen Wahrheitssuche, der Förderung von Gerechtigkeit und Frieden« hinzuführen, »an erster Stelle zu den Brüdern und Schwestern der anderen christlichen Kirchen und Konfessionen, aber auch zu den Gläubigen der anderen Religionen; zu den Menschen guten Willens« (PDV 18).

30 Wie wir schon angedeutet haben, wirkt sich dieser Grundsatz der »Communio« in der bereitwilligen und brüderlichen Fähigkeit zur Zusammenarbeit aus.

Um den Rektor herum, der in der Leitung des Seminars die wichtigste und schwerste Verantwortung trägt, müssen die Erzieher fähig sein zur Geschlossenheit, vor allem wenn es sich um die Festigung oder Wahrung der Einheitlichkeit des erzieherischen Vorgehens handelt. In der Ausarbeitung der Lebensordnung, des Studienprogramms, der geistlichen, pastoralen und liturgischen Ausbildung ist ein gegenseitig abgestimmtes Wirken gefordert und die Bereitschaft notwendig, die gemeinsamen Ziele und die von der Kirche bzw. vom Bischof aufgestellten Kriterien der Auswahl als maßgebend zu betrachten, die gegenüber persönlichen Anschauungen den Vorrang haben.

Der Geist der Zusammenarbeit und des Übereinkommens ist von grundlegender Bedeutung zumal bei der Anwendung der Kriterien für die Auswahl der Berufungen im Hinblick auf die Zulassung der Kandidaten zum Seminar und zu den heiligen Weihen. Unter Wahrung der verschiedenen und unterschiedlichen Verantwortungen müssen sich alle Mitglieder der Seminarleitung mitverantwortlich fühlen und die Fähigkeit zeigen, ihre Beurteilungen sicher und gemäß den Normen der Kirche abzugeben. Doch auch bei anderen Gelegenheiten muss man sich immer vor Augen halten, dass für den Erfolg der Ausbildung nicht nur der Rektor oder der Spiritual verantwortlich sind, sondern alle Mitglieder des Erzieherteams.

31 Eine eigene Überlegung verdient der Geist der Zusammenarbeit, der zwischen den Lehrkräften der verschiedenen Fächer herrschen muss. Sie müssen sich bewusst sein, einen einzigen Lehrkörper zu bilden, und sich um die gegenseitigen Beziehungen zwischen den verschiedenen Lehraufträgen und ihre Einheit kümmern (Ratio fundamentalis 90; vgl. 63). Diese Aufgabe erweist sich schwierig in Zeiten eines weit verbreiteten theologischen Pluralismus und der Zersplitterung der Lehrkörper, die oft gezwungen sind, auf die gelegentliche Mitarbeit auswärtiger Professoren zurückzugreifen. Doch die Schwierigkeit erfordert die Fähigkeit zu noch intensiverer Zusammenarbeit.

32 Ein besonderes Problem stellt die Notwendigkeit dar, eine gute Harmonie zwischen der theologischen Lehre und der erzieherischen Linie des Seminars mit seiner Sicht des Priestertums und der verschiedenen Fragen zum Leben der Kirche herzustellen. Dieser Geist der gegenseitigen Abstimmung, der stets in den Instituten zu verstärken ist, die über ein eigenes internes theologisches Lehrangebot verfügen, wird umso wichtiger in jenen Fällen, wo die Studien an theologischen Fakultäten oder in anderen theologischen Instituten erfolgen. Hier muss »der Theologiedozent - wie jeder andere Erzieher auch - in Gemeinschaft mit all den anderen Personen bleiben, die an der Ausbildung der künftigen Priester beteiligt sind, und herzlich mit ihnen zusammenarbeiten und so mit wissenschaftlicher Genauigkeit, Großherzigkeit, Demut und Eifer seinen ihm eigenen qualifizierten Beitrag leisten« (PDV 62).

Angesichts der heute fließenden und komplexen Probleme in der Theologie, Pastoral und Pädagogik muss man sich bewusst sein, dass die gewünschte Einheit des Geistes und Handelns für die Erzieher ein Ideal bleibt, das man Tag für Tag anzustreben sucht, aber nicht ein für allemal erreichen kann. Ihre Fähigkeit zur Zusammenarbeit und ihr Sinn für Gemeinschaft müssen notwendig ständig überprüft werden und erfordern daher besondere harmonische Persönlichkeiten, die in diesem Sinne begabt sind.

MENSCHLICHE REIFE UND PSYCHISCHES GLEICHGEWICHT

33 Es geht hier um einen Aspekt der Persönlichkeit, den man nur schwer abstrakt definieren kann, der aber konkret der Fähigkeit entspricht, ein gelöstes Klima zu schaffen und aufrechtzuerhalten, in freundschaftlichen Beziehungen zu leben, die Verständnis und Zutrauen ausdrücken, und eine ständige Selbstkontrolle zu besitzen. Weit vom Rückzug auf sich selbst entfernt, gewinnt der Erzieher Interesse an seiner Arbeit und den Personen, die ihn umgeben, aber auch für die Probleme, die er täglich zu meistern hat. Wenn er irgendwie das vorgestellte Ideal verkörpert, wird er zum nachahmenswerten Vorbild und fähig zu einer echten Führerschaft und folglich auch dazu, den zu Erziehenden in sein eigenes Bildungsziel einzubeziehen.

Die Wichtigkeit dieses grundlegenden Persönlichkeitsmerkmals muss man immer vor Augen haben, auch um pädagogische Fehler zu vermeiden, die sich bei Erziehern ergeben können, die unzufrieden, verbittert und ängstlich sind. Sie übertragen dann ihre Schwierigkeiten auf die Alumnen, entmutigen sie und behindern ihre normale menschliche und geistliche Entwicklung.

34 Zuinnerst mit der Reife ist die Weisheit verbunden, verstanden als rechtes Selbstbewusstsein, Bewusstsein vom eigenen Wert und den eigenen Grenzen, die man ehrlich anerkennt und ernsthaft annimmt. Ein reifer Erzieher besitzt einen guten kritischen Abstand zu sich selbst, er ist offen für das Dazulernen und weiß Kritiken und Bemerkungen anzunehmen; er ist ferner bereit, sich zu korrigieren. Nur so kann er mit Recht auch den anderen gegenüber anspruchsvoll sein, wenn er die Mühe und die Grenzen nicht vergisst, denen die menschlichen Möglichkeiten ausgesetzt sind. Eine gute und ständige Bereitschaft zu weisen, zu ausgewogenen Bewertungen und zur Geduld stellt sicher, dass das Pflichtbewusstsein nie mit einem entmutigenden Rigorismus verwechselt wird, und verständnisvolle Liebe nicht zu nachgiebiger Schwäche führt.

UNVERFÄLSCHTE UND REIFE FÄHIGKEIT ZU LIEBEN

35 Als integralen Teil der umfassenden Reife, von der oben die Rede war, und zugleich als ihre wesentliche Folge ist es wichtig, bei den Erziehern eine gute affektive Reife vorzufinden. Unter diesem Ausdruck versteht man den freien und dauerhaften Besitz der eigenen affektiven Welt: die Fähigkeit, intensiv zu lieben und Wohlwollen in richtiger und gereinigter Weise entgegenzunehmen. Wer sie besitzt, ist normalerweise zu hingebender Aufmerksamkeit für den anderen geneigt, zum inneren Verständnis seiner Probleme und zur klaren Erkenntnis dessen, was für ihn wirklich gut ist. Er lehnt auch die Dankbarkeit, die Hochachtung und die Zuneigung der anderen nicht ab, wobei er freilich damit keine Ansprüche verbindet und die eigene Verfügbarkeit zum Dienen nie davon abhängig macht. Wer affektiv reif ist, bindet die anderen nie an sich selber; er ist vielmehr in der Lage, in ihnen eine ebenfalls hingebungsvolle Affektivität auszubilden, die auf die von Gott in Jesus Christus empfangene Liebe zentriert und in ihr begründet ist und sich letztlich immer auf ihn bezieht.

Das nachsynodale Schreiben betont mehrfach die Wichtigkeit dieses Aspektes bei der Heranbildung der künftigen Priester: es wird nicht möglich sein, ihnen das notwendige Wachstum auf den gelösten und befreienden Besitz dieser reifen Affektivität hin zu garantieren, wenn nicht die Erzieher als erste dafür Beispiel und Vorbild sind (PDV 44).

36 Die Erzieher müssen daher einen echten pädagogischen Sinn besitzen, das heißt jene Haltung geistlicher Vaterschaft, die in einer mitfühlenden Begleitung zum Ausdruck kommt, die zugleich aber achtungsvoll und diskret das Wachstum der Person verfolgt mit einer guten Fähigkeit zur Einfühlung, und die in einem Klima gegenseitigen Vertrauens und der Wertschätzung gelebt wird. Der pädagogische Sinn ist in einem gewissem Maß angeboren und kann nicht theoretisch erlernt werden; man kann ihn auch nicht durch rein äußerliche Haltungen ersetzen; doch zugleich können die aufmerksame und selbstkritische Ausübung des Erzieherdienstes und eine gute Kenntnis der Grundsätze einer gesunden Psycho-Pädagogik ihn entfalten und vervollkommnen.

FÄHIGKEIT ZUM HINHÖREN, ZUM DIALOG UND ZUR KOMMUNIKATION

37 Von diesen drei Fähigkeiten hängt großenteils das Gelingen des Erziehungsverhältnisses ab. Auf der einen Seite steht der Erzieher mit seiner Rolle als Berater und Wegweiser, auf der anderen Seite der Alumne als Gesprächspartner, von dem man erwartet, dass er Haltungen freier Initiative annimmt. In dieser Beziehung hängt viel von Maßnahmen des Erziehers ab, die psychologisch klug überlegt und gut dosiert sind. Zu vermeiden ist auf der einen Seite ein allzu passives Verhalten, das den Dialog nicht fördert, und auf der anderen Seite ein übertriebenes Drängen, das ihn blockieren kann. Die Fähigkeit zu wirklicher und tiefer Kommunikation ermöglicht es, den innersten Kern der Person des Alumnen zu erreichen; sie begnügt sich nicht mit einem äußerlichen Erfassen der Werte, die mitgeteilt werden, was im Grunde gefährlich illusorisch wäre; sie erweckt vielmehr die lebendige Dynamik der Beziehungsfähigkeit, die die echtesten und tiefgründigsten Beweggründe der Person ins Spiel bringt, welche sich angenommen, angeregt und geschätzt weiß. Solche Gesprächsmöglichkeiten müssen häufig sein, um den Weg zu überprüfen, Ziele zu setzen, dabei die erzieherischen Anweisungen der Schrittlänge eines jeden anzupassen und es so zu schaffen, jenen Bereich zu erfassen, in dem sich die wahren Probleme und die wirklichen Schwierigkeiten einer jeden Person abspielen.

38 Um dazu fähig zu sein, müssen die Erzieher nicht nur über einen normalen Scharfblick verfügen, sondern auch die Grundkenntnisse der Humanwissenschaften über die interpersonale Kommunikation sowie die Dynamik der menschlichen Entscheidungsfindung besitzen. Die jungen Menschen von heute sind im allgemeinen hochherzig, aber zerbrechlich; sie spüren ein starkes, zuweilen übertriebenes Bedürfnis nach Sicherheit und Verständnis, und sie weisen die Spuren einer nicht immer gesunden familiären und sozialen Umgebung auf, die mit großem pädagogischen und geistlichen Taktgefühl zu heilen und zu integrieren sind.

39 Will der Erzieher seine Aufgabe wirksam erfüllen, muss er ein guter Vermittler sein und fähig, die Werte und Vorstellungen, die das Ziel der Ausbildung ausmachen, klar und der Aufnahmefähigkeit der Alumnen angepasst vorzutragen. Daher muss das Seminar gerade wegen seiner pädagogischen Ausrichtung eine Schule der Kommunikation werden, die seine wahre Lebenskraft anregt und zugleich die künftigen Priester auf die diffizilen Aufgaben der Evangelisierung vorbereitet.

In einem vor nicht allzu langer Zeit veröffentlichten Dokument spricht die Kongregation für das Katholische Bildungswesen von der Notwendigkeit, zwischen den Alumnen und den Erziehern ein Klima der Kommunikation zu schaffen, das sie in einen häufigen zwischenmenschlichen Dialog und in den der Gruppe einübt, wobei sie die Eigenart der Sprache, die Klarheit des Ausdrucks sowie die sachgerechte und wirksame Argumentation beachten, um die vorwiegend einbahnige Kommunikation auszugleichen, wie sie für eine Zivilisation des vorgefertigten Bildes typisch ist, wo der Einfluss der Massenmedien vorherrscht (Leitlinien für die Ausbildung der künftigen Priester in den Medien der sozialen Kommunikation (19. März 1986), N. 24.).

Auch die Dozenten müssen, soweit es sie angeht, für größtmögliche Kommunikation und Verständlichkeit sorgen, indem sie ihre Redeweise heutigen Gegebenheiten anpassen und die Erfordernisse einer berechtigten lnkulturation der Glaubenswahrheiten berücksichtigen: »Alle sind unterschiedslos in der Einheit des Willens und der Herzen aufgefordert, jene Gemeinschaft anzustreben, die nach dem christlichen Glauben das erste und letzte Ziel aller Kommunikation ist (Ebd.).

40 Eine Aufgabe der Erzieher besteht auch darin, die Erziehungsgemeinschaft lebendig zu erhalten, sie auszurichten und anzuregen, damit sie ihre Ziele erreicht. Dies ist eine Tätigkeit, die Vorausschauen können, das Ingangsetzen und das Lenken von Prozessen erfordert, in denen Haltungen verantwortlicher Beteiligung und Verfügbarkeit für einen hochherzigen und aktiven Einsatz innerhalb der Gemeinschaft reifen können. Hierbei ist gefordert, dass man es versteht, die Ausdrucksformen und unterschiedlichen Rollen der Erziehergemeinschaft und die Untergliederungen der umfangreicheren Gemeinschaft des Seminars entsprechend zu lenken, wobei man weise die geeigneten Mittel auswählt und alle Energien auf das gesteckte Ziel hin koordiniert, motiviert und lenkt.

Abgesehen von einigen natürlichen Gaben wird sich der Erzieher eine Kenntnis der methodischen Grundsätze verschaffen, die die Organisation und die gute Beherrschung eines komplizierten Geflechts von Beziehungen und Verantwortlichkeiten regeln.

Die Aufmerksamkeit, die diesem Anliegen gelten muss und zum Beispiel in der Gruppendynamik oder in aktiven Lehrmethoden zum Ausdruck kommt, hat kein anderes Ziel als ein größeres und tieferes Mitwirken der Alumnen am Bildungsprozess zu erreichen, an dem sich alle beteiligen müssen, statt ihn lediglich über sich ergehen zu lassen. Jeder Kandidat muss »sich als notwendige und unvertretbare Hauptperson der eigenen Ausbildung sehen« (PDV 69.).

POSITIVE UND KRITISCHE AUFMERKSAMKEIT FÜR DIE MODERNE KULTUR

41 Angeregt vom kulturellen Reichtum des Christentums, der in den biblischen, liturgischen und patristischen Quellen begründet ist, kommt der Erzieher künftiger Priester nicht ohne eine umfangreiche Kenntnis der zeitgenössischen Kultur aus. Das Erziehungsverhältnis und seine Wirksamkeit erhalten nämlich viel Unterstützung durch die Kenntnis alles dessen, was zur Prägung der Mentalität und der Lebensstile in der heutigen Gesellschaft beiträgt. Dies gilt von der industrialisierten Welt des Westens, von den einheimischen Kulturen der Missionsgebiete, wie auch von den besonderen Gruppen des Arbeiterstandes, der lateinamerikanischen Landbevölkerung, usw. Dieses intellektuelle Rüstzeug hilft dem Erzieher zu einem besseren Verständnis der Alumnen und bei der Entwicklung einer angemessenen Pädagogik für sie, indem er diese in den kulturellen Kontext unserer Zeiten einbettet. Man denke zum Beispiel an die Vielfalt der Denkströmungen, an die beschleunigte Veränderlichkeit der politischen und sozialen Verhältnisse, an die literarischen, musikalischen und künstlerischen Schöpfungen, die im allgemeinen von den Massenmedien sehr rasch verbreitet werden, an die technischen und wissenschaftlichen Errungenschaften mit ihren Auswirkungen auf das Leben. Eine tiefe und zugleich positive und kritische Kenntnis dieser Phänomene trägt erheblich zu einer organischen und bewertenden Vermittlung der zeitgenössischen Kultur bei und erleichtert den Alumnen eine innere Synthese im Licht des Glaubens. Diese Synthese sollte der Erzieher für sich selber erreicht haben, und er muss sie ständig weiterentwickeln dank einer umfangreichen wissenschaftlichen, aber auch philosophischen und theologischen Information, ohne die es keine wirkliche Integration des menschlichen Wissens gibt (JOHANNES PAUL II., Apost. Konst. »Ex corde Ecclesiae«, N. 16).

42 Diese Gabe setzt beim Erzieher eine gesunde Offenheit des Geistes voraus. Weit davon entfernt, sich abzuschließen und sich nur mit sich selber zu beschäftigen, muss der Erzieher für die Probleme der Personen, der sozialen Gruppen und der Kirche als Ganzes aufgeschlossen sein. Er muss ein »weitherziger« Mensch sein, das heißt ein Mann großer Weitsicht, die ihm das Verstehen der Ereignisse mit ihren Ursachen, ihrer Kompliziertheit und ihren sozialen und religiösen Auswirkungen ermöglicht, wobei er gegenüber oberflächlich gefühlsbetonten Haltungen, die mit dem Kurzlebigen und Augenblicklichen verbunden sind, entsprechenden Abstand hält.

Qualifikationsmerkmale für die wichtigeren Ämter

43 Über die allen gemeinsamen Qualitäten hinaus gewinnt das konkrete Bild des Erziehers je nach den verschiedenen Aufgaben, die ihm anvertraut werden, weitere Einzelzüge. Es wird nützlich sein, hier einige kurz zu nennen.

Will man sich besser mit den Qualitäten vertraut machen, die den Rektor des Seminars auszeichnen müssen, muss man die verschiedenen Aufgaben und Verantwortlichkeiten bedenken, die sein Amt mit sich bringt. Er vertritt den Bischof; er ist der für das Leben des Seminars Erstverantwortliche, zugleich sein Vertreter gegenüber Kirche und Staat (Cann. 238 § 2, 260 CIC). Er verfolgt und fördert die Erziehung der Alumnen unter all ihren Aspekten und sorgt für deren harmonischen Ausgleich und die gegenseitige Integration. Er nimmt den Rat und die Hilfe seiner Mitarbeiter an, trägt aber selbst die Verantwortung für das zusammenfassende Urteil, das er dem Bischof über die Tauglichkeit für die Zulassung zum Seminar, über die verschiedenen Abschnitte des Bildungsweges und die Zulassung zu den heiligen Weihen unterbreitet. Wenn das Erziehungsbemühen vor allem Planung und ebenso schöpferische wie kluge Gestaltung der Beziehungen und Erfahrungen ist, so steht der Rektor hier wiederum als Handelnder und Koordinator an erster Stelle. Ihm steht es zu, die Einheit der Ausrichtung der Erziehung und deren Übereinstimmung mit den Entscheidungen des Bischofs und der Kirche sicherzustellen, wobei er eine Verwirklichung mit Hilfe breitester Zusammenarbeit aller fördert.

Man kann sich leicht vorstellen, wie viel an Autorität und Erfahrung durch diesen Komplex von nicht leichten Leitungs- und Erziehungsaufgaben gefordert wird. Es braucht hier nämlich viel Klugheit, Weisheit und Ausgewogenheit.

44 Sehr anspruchsvoll ist auch die Rolle des geistlichen Direktors oder Spirituals, der für den geistlichen Weg der Seminaristen im Gewissensbereich sowie für die Durchführung und Koordinierung der verschiedenen Übungen der Frömmigkeit und des liturgischen Lebens im Seminar verantwortlich ist. Er ist ferner der Koordinator der übrigen Priester, die vom Bischof mit der Seelenführung der Alumnen betraut sind, wie auch der Beichtväter, um die Einheitlichkeit der Unterscheidungskriterien von Berufungen sicherzustellen. Über die Gaben der Weisheit, der affektiven Reife und des pädagogischen Geschicks hinaus muss er über solide Grundlagen der theologischen, geistigen und pädagogischen Ausbildung verfügen, in Verbindung mit einer besonderen Aufgeschlossenheit für die Abläufe des inneren Lebens der Alumnen.

45 Gewöhnlich steht, vor allem in den großen Seminaren, dem Rektor ein Vizerektor zur Seite, der ihm in den ihm zugewiesenen Bereichen des Seminarlebens hilft und im Fall der Abwesenheit ihn vertritt. Er muss besondere pädagogische Gaben, frohe Liebe zu seinem Dienst und den Geist der Zusammenarbeit besitzen. Ähnliche Haltungen werden auch von den übrigen Mitarbeitern gefordert: dem Ökonomen, dem Koordinator der pastoralen Tätigkeiten, dem Studienpräfekten, dem Bibliothekar und den Animatoren, die auf unterschiedliche Weise auf verschiedenen Ebenen die erzieherische Verantwortung teilen.

46 Nach den Weisungen der Kirche müssen sich die Professoren als echte Erzieher betrachten, auch wenn die Institution für die Hochschulstudien von der des Seminars verschieden sein sollte. Sie spielen bei der Erziehung der künftigen Priester eine äußerst wichtige und delikate Rolle: Ihre Lehre muss eine gediegene Gesinnung des Glaubens nähren, welche die Alumnen befähigt, Diener des Evangeliums und Lehrer des Volkes Gottes zu werden. Zu dieser ihrer erzieherischen Verantwortung sagt »Pastores dabo vobis«, dass sie »oft kaum weniger entscheidend für die Entfaltung der priesterlichen Persönlichkeit ist als die der anderen Erzieher« (N. 67).

Gefordert ist daher, dass die Professoren besonders aufgeschlossen für die Vermittlung einer vollständigen und sicheren Lehre sind, auch wenn sie es nicht an geeigneter Vertiefung und eventuell kritischen Ausführungen fehlen lassen müssen. Sie haben die Aufgabe, das umfassende Wachsen einer entsprechenden Fachkenntnis in den humanistischen, philosophischen und theologischen Fächern zu garantieren, das zu einer tiefreichenden, vollständigen und auf den pastoralen Dienst ausgerichteten Aneignung des christlichen Glaubensgutes führt.

Notwendig muss der Lehrer zeigen, dass sein eigenes Wissen, zumal wenn es ein theologisches ist, für ihn selber ein geistliches Erbe und ein Wert geworden ist, den er sich innerlich zu eigen gemacht hat, und der sein Leben erhellt und umgewandelt hat. In diesem Sinn muss der Lehrvorgang zu einem Handeln werden, das ein glaubender und betender Mensch vollzieht, und in dem das Verständnis des Geheimnisses und die gelebte Vertrautheit mit ihm zusammenfallen. Eine der grundlegenden Gaben des Seminarprofessors muss über seine wissenschaftliche und didaktische Fachkenntnis hinaus daher die Eignung sein, als überzeugter Zeuge des Glaubens zu wirken.

47 Die lange und ins Einzelne gehende Aufzählung der von den Erziehern in den Seminaren geforderten Qualitäten darf nicht vergessen lassen, dass die Eignung einer Person sich nicht aus der NebeneinandersteIlung dieser Kennzeichen ergibt. Eine echte Reife und Fülle der Gaben ergibt sich aus dem harmonischen und integrierten Ganzen der in ihrer ganzen Tiefe besessenen Elemente. Man muss daher die Persönlichkeit eines Kandidaten für diesen Dienst entsprechend seinen Haltungen und tiefsten Überzeugungen und als Gesamtbild betrachten. In diesen Rahmen lassen sich dann die Bewertungen der einzelnen Aspekte seiner geistigen Gestalt passend einfügen.

DIE AUSBILDUNG DER ERZIEHER

48 Nachdem nun die Identität des Erziehers mit ihren verschiedenen Erfordernissen als Voraussetzung für eine gute Auswahl der Kandidaten verdeutlicht ist, stellt sich das Problem einer gediegenen Vorbereitung auf seine Aufgaben. In »Pastores dabo vobis« wird die Notwendigkeit einer »bestimmten besonderen Vorbereitung betont, die wirklich technisch, pädagogisch, geistlich, menschlich und theologisch sein soll« (N. 66). Zu ihr gehören eine anfängliche Zeitspanne möglichst vor der Beauftragung und eine folgende Phase periodischer Verheutigung, d.h. der Weiterbildung.

Die anfängliche Phase

VERSCHIEDENE WEGE=

49 Die künftigen Erzieher stellen im allgemeinen je nach den gemachten Studien und den vor ihrer Beauftragung ausgeübten Tätigkeiten verschiedene Ausbildungsanforderungen, auch entsprechend den mannigfaltigen Aufgaben, zu denen sie berufen werden.

Am besten stehen hier die künftigen Lehrer da, wenn sie möglichst nach einer angemessenen Zeit direkter pastoraler Erfahrung sich den speziellen Studien für ihre Fachgebiete widmen können. Für die anderen Erzieher - Rektoren, Spirituale und Mitarbeiter - verläuft der Weg anders. Die Möglichkeiten, sich eine spezielle Vorbereitung vor der Beauftragung an einem Ausbildungsinstitut für Erzieher des Klerus zu verschaffen, sind nicht groß, einmal weil diese Institute bisher nur sehr wenige sind, dann weil ihnen die Umstände ihrer Dienstverpflichtung, in der sie sich befinden, es gewöhnlich nicht gestatten, sich solchen vorbereitenden Studien voll und für einen ausreichenden Zeitraum zu widmen. Die Empfehlungen des Konzils und der Synoden treffen bei ihrer konkreten Anwendung auf nicht wenige Hindernisse. Es ist daher eine große Flexibilität verbunden mit dem Sinn für die Wirklichkeit nötig, um für die anfängliche Phase der Ausbildung ein nützliches und gehaltvolles Programm zu finden.

50 Wenn auch das Ziel einer Spezialausbildung über die allen Priestern gemeinsame hinaus bestehen bleibt, muss man doch bei aller Verschiedenheit der Mittel und Situationen die für das Erreichen des Zieles geeignetsten Hilfsmittel auswählen. Wo das vorhandene Personal und die Mittel es gestatten, müssen die künftigen Erzieher eine solide vorherige Vorbereitung bekommen. In anderen Fällen wird die Phase der Vorbereitung notwendig mit anderen gewöhnlichen Beschäftigungen und auch mit dem vorgezogenen Beginn der Arbeit im Seminar verbunden werden müssen.

51 Es fehlt. nicht an Diözesen, welche, um prekären und behelfsmäßigen Situationen vorzubeugen, die Auswahl und Vorbereitung der Erzieher schrittweise und langfristig planen. Wenn man darauf achtet, nicht eine aus dem Rahmen fallende Verantwortung schon in unangemessener und wenig pädagogischer Weise vorwegzunehmen, lassen sich bereits während ihrer Seminarzeit Persönlichkeiten herausfinden, die mit erzieherischen Fähigkeiten begabt sind, und man kann ihnen bereits den einen oder anderen ersten Auftrag der Beteiligung und des Dienstes für die Gemeinschaft übertragen. Nach der Priesterweihe können sie für pastorale Dienste vorgesehen werden, die ihrer Natur nach ein Wachsen und eine Prüfung solcher Fähigkeiten gestatten. Endlich bleibt es möglich, ihre direkte Einbeziehung in die Erziehungsgemeinschaft des Seminars mit Aufträgen der Zusammenarbeit, wie etwa als Assistent oder Vizerektor, zu beginnen, wobei sie von den älteren und erfahreneren Mitbrüdern begleitet und unterstützt werden. Ein ähnlicher Weg kann in Verbindung mit dem Besuch von Tagungen und Kursen für Spiritualität, Pädagogik und Psychologie, wie sie heute von den verschiedenen akademischen Zentren in einer gewissen Fülle angeboten werden, einen Priester darauf vorbereiten, Rektor oder Spiritual zu werden, ein Weg, der es zugleich dem Bischof gestattet, seine Fähigkeit und seine gesamte Reife zu prüfen.

52 Für welchen Weg der Ausbildung man sich auch immer entscheiden mag, es darf in keinem Fall ein ernsthaftes, in allen Einzelheiten des Zeitaufwands, der Methoden und Inhalte überlegtes Programm fehlen. Wichtig ist die Unterscheidung zwischen den Grunderfordernissen, die für eine Grundausbildung notwendig sind, welche von Anfang an zu fordern ist, und den verschiedenen Fähigkeiten und Kenntnissen, die man in einem zweiten Zeitabschnitt erwerben und pflegen kann.

DIE GRUNDLINIEN DER AUSBILDUNG

Lehrmäßige Vorbereitung

53 Nicht nur für die Professoren, sondern für alle Erzieher ist eine umfassende und gründliche lehrmäßige Vorbereitung unerlässlich, und zwar vor jeglichem Einsatz als Erzieher. Einen möglichen Hinweis dafür bildet ein guter Erfolg in den philosophisch-theologischen Studien, die vor der Weihe gemacht wurden, und wünschenswerterweise die Erlangung eines akademischen Grades in einer kirchlichen Wissenschaft.

Notwendig ist die Prüfung, ob diese in den Erziehern vorhandene theologische Bildung einige wichtige Eigenschaften aufweist:

- die klare Erfassung der allgemeinen Lehre der Kirche gemäß den Weisungen des Lehramtes und die daraus folgende Erkenntnis der Grenzen des theologischen Pluralismus;

- tiefe und motivierte Überzeugungen von der Wichtigkeit einer gesunden philosophischen und theologischen Bildung gegenüber Tendenzen eines oberflächlichen Pragmatismus und einer bloßen Ausrichtung auf die Zwecke der Pastoral;

- eine theologische Kultur, die im Kontakt mit dem Leben zutiefst angeeignet wurde und fähig macht, im Dialog mit den Alumnen ihr lehrmäßiges Wissen zu vertiefen und sie auf ihre künftigen pastoralen Aufgaben vorzubereiten;

- eine entsprechende Weiterbildung in den heiligen Disziplinen, um einen fruchtbaren Dialog mit den Professoren und den Gedankenaustausch über die Bildungsprobleme der Alumnen führen zu können;

- eine lebendige kirchliche Gesinnung in Verbindung mit der Kenntnis des Wesens und der Sendung der verschiedenen Stände in der Kirche;

- eine besondere missionarische und ökumenische Aufgeschlossenheit für die Probleme des Lebens der Kirche, für die Aufgaben der Evangelisierung und die rechten Wege einer lnkulturation des Glaubens.

54 Hinsichtlich des theologischen Grundbesitzes des Erziehers gewinnt besondere Bedeutung die Klarheit seiner Vorstellungen über das Priestertum, den priesterlichen Dienst und die Lebensführung, die es erfordert. Notwendig ist ein gutes Informiertsein über die geschichtliche, pastorale und theologische Problematik, die ihn befähigt, den Alumnen sichere Weisung zu geben und in entsprechender und überzeugter Weise auf die Schwierigkeiten zu antworten, die sie aufwerfen. Beim Umfang des zu behandelnden Themas hebt »Pastores dabo vobis« hervor: »Die Bedeutung und die Schwierigkeit der Hinführung zur priesterlichen Ehelosigkeit, insbesondere unter den heutigen sozialen und kulturellen Gegebenheiten« machen es erforderlich, dass die für die Priesterausbildung Verantwortlichen »Grundsätze festlegen, Kriterien und Hilfen anbieten für den Unterscheidungsprozess auf diesem Gebiet« (N. 50). Dies setzt eine gute Kenntnis der entsprechenden Hinweise des päpstlichen Lehramts, der Weisungen und Praxis der römischen Dikasterien, der gesicherten wissenschaftlichen Daten wie auch die Heranziehung von Erfahrungen und den Gedankenaustausch mit bewährten Erziehern voraus.

Nicht zu vergessen ist insbesondere die Notwendigkeit, genau die verschiedenen rechtlichen Verfügungen über die Zulassung von Kandidaten ins Seminar und zu den Weihen zu kennen (KONGREGATION FÜR DAS KATHOLISCHE BILDUNGSWESEN, Rundschreiben vom 27. Juli 1992.), wie auch die Normen für die Führung des Seminars in ihren verschiedenen Aspekten.

Geistliche Vorbereitung

55 Was die spezifische geistliche Vorbereitung im engeren Sinn angeht, muss über die allen guten Priestern gemeinsamen Gaben hinaus bei den Seminarerziehern die Ausformung einiger für die Erziehung sehr wichtiger Haltungen garantiert sein:

- eine echte Freiheit des Geistes, die den Erzieher für die Anregungen der Gnade aufgeschlossen und aufmerksam macht, damit er die Zeichen des göttlichen Willens im Leben der seiner Führung anvertrauten Kandidaten zu erkennen vermag;

- eine von allem übertriebenen Subjektivismus freie Spiritualität, die in der Tradition der Kirche verwurzelt ist und den Erzieher aufmerksam dafür macht, dass er nicht subjektive Vorlieben und Kriterien mit den wesentlichen Anforderungen des Planes Gottes verwechselt;

- eine rechte Sorge um die Vertiefung der diözesanen Spiritualität und die Einheit der Priesterschaft, bei gleichzeitiger Aufgeschlossenheit für die Besonderheit der verschiedenen Charismen des gottgeweihten Lebens;

- eine gesunde Offenheit des Geistes, die fähig ist, die klassischen Formen priesterlicher Spiritualität mit den neuen Erfordernissen und den neuen Akzenten geistiger Strömungen unserer Zeit in Einklang zu bringen;

- eine gediegene Kenntnis der spirituellen Theologie, der Gesetze der Entwicklung des inneren christlichen Lebens, der Regeln der Unterscheidung und der Dynamik einer personalen geistlichen Beziehung, wobei man auf die Klassiker der westlichen und östlichen Tradition zurückgreift, eine angemessene Aufmerksamkeit aber auch den modernen und zeitgenössischen Autoren schenkt;

- eine echte Liebe zur Liturgie und das Verständnis für ihre erzieherische Bedeutung;

- die eifrige und meditierende Lektüre der Enzykliken, der Dokumente des Heiligen Stuhles und der Ortskirchen über das Priestertum und den Priesterberuf.

Diese Gesamtheit von Haltungen und Kenntnissen ist notwendig, damit der Erzieher dem Kandidaten eine systematische geistliche Anleitung garantieren kann, die zugleich in der Lage ist, ihren Fortschritt auf den einzelnen Abschnitten des Weges zu fördern und zu prüfen. Über eine solche Vorbereitung müssen auch die Beichtväter verfügen.

Pastorale Vorbereitung

56 Unerlässlich sind für den Seminarerzieher auch bedeutsame pastorale Erfahrungen, damit er seine Erziehertätigkeit und die Unterscheidung der Geister mit den wirklichen Bedürfnissen der Gläubigen und des Dienstamtes in Übereinstimmung bringen kann. Die amtlichen Dokumente der Kirche sprechen nicht von der Dauer und Qualität dieser Erfahrungen. In jedem Fall müssen sie so sein, dass der Erzieher fachkundig die Haltungen der Alumnen im Hinblick auf die verschiedenen pastoralen Bedürfnisse und die Angemessenheit der Vorbereitung, die sie dazu erhalten, bewerten kann.

Unter den Fähigkeiten der Erzieher auf diesem Gebiet sind zu nennen:

- die Planung der pastoralen Einsätze der Alumnen, ihre Überwachung und Auswertung;

- die Harmonisierung der intellektuellen Ausbildung der Alumnen mit den pastoralen Anforderungen des Dienstamtes;

- die Fähigkeit, die theoretischen und praktischen Erfordernisse der verschiedenen Aufgabenbereiche des pastoralen Lebens in Übereinstimmung und im Dialog mit dem Lehrkörper, zumal mit den Lehrern für pastorale Fächer, darzustellen;

- die wirksame Sorge um die Heranbildung einer rechten Ausgewogenheit zwischen der Evangelisierung und der menschlichen und sozialen Förderung, wobei die großen pastoralen Linien der Diözese und der Weltkirche zu berücksichtigen sind;

- die Integrierung der Offenheit für die missionarische Dimension des kirchlichen Lebens in die lebendige pastorale Tradition der Einzelkirche (PDV 58).

Pädagogische Vorbereitung

57 Pastores dabo vobis betont die Notwendigkeit einer guten Vorbereitung in der Pädagogik und in den Humanwissenschaften (N. 66). Der gleiche Nachdruck fand sich bereits in »Optatam totius« (N. 20). Es geht um eine unerlässliche anfängliche Vorbereitung für alle Erzieher, die dann immer wieder aufgegriffen und das ganze Leben hindurch weitergeführt werden soll. Zu fördern ist die Reifung der notwendigen Fachkenntnis, damit man die systematische Beobachtung des Alumnen durchführen und dabei die Haltungen und zu fördernden Neigungen, aber auch die zu korrigierenden, endlich die bezeichnendsten Züge seiner Persönlichkeit zu erkennen vermag.

Der Erzieher muss in der Lage sein, sich und anderen keine Illusionen über die vermutete Festigkeit und Reife des Alumnen zu machen. Dazu genügt kein »gesunder Menschenverstand« allein, nötig ist vielmehr ein aufmerksamer und scharfer Blick, den eine gute Kenntnis der Humanwissenschaften vermittelt, um über den bloßen Anschein und das Oberflächliche der Motivierungen und Verhaltensweisen hinwegzukommen und dem Alumnen zu helfen, sich ganz tief zu erkennen, sich unbeschwert anzunehmen, sich zu korrigieren und zu reifen, und zwar ausgehend vom »Herzen«, d.h. von den wirklichen und nicht illusorischen Wurzeln seiner Person.

58 Dabei darf man nicht vergessen, dass vorrangig und normgebend die Grundsätze der christlichen Pädagogik bleiben, die den Beitrag der Humanwissenschaften weder unterbewertet, noch verabsolutiert. Sie befreit sie im Gegenteil von ideologischen Festlegungen, die oft ihre Funktion verfälschen (OT 11: »Die Grundsätze christlicher Erziehung sollen hochgehalten und durch die neueren Erkenntnisse einer gesunden Psychologie und Pädagogik ergänzt werden«). Die Pädagogik des Seminars kann nie neutral sein, wenn es überhaupt eine solche Pädagogik geben kann. Sie ist ganz von den Werten des Evangeliums durchdrungen und auf die Heranbildung von echten Jüngern Christi hingeordnet, die bereit sind, das süße Joch seiner Hirtenliebe auf sich zu nehmen. Die formalen Grundsätze der Pädagogik, Soziologie und Psychologie als Humanwissenschaften gewinnen für den Seminarerzieher eine ganz spezifische Bedeutung, insoweit sie in den Dienst einer immer besseren Verwirklichung »christlicher Erziehung« (Ebd.) gestellt werden, die in ein beispielhaftes liturgisches und sakramentales Leben, in eine systematische individuell und gemeinschaftliche Seelenführung und in die für die Kandidaten notwendigen disziplinarischen Normen eingefügt ist. Die Disziplin ist nämlich unentbehrlich »zur Gewinnung von Selbstbeherrschung, zur Entfaltung einer reifen Persönlichkeit und zur Heranbildung aller jener geistigen Haltungen, die zu einem disziplinierten und fruchtbaren Wirken der Kirche in hohem Maße beitragen« (Ebd.). Es geht also um eine wünschenswerte Synthese zwischen der erzieherischen Erfahrung der Kirche, die im Licht des Glaubens wie auch an anderen Erfahrungen der Vergangenheit, den Beispielen der Heiligen und den gut ausgewerteten Ergebnissen der Wissenschaften über den Menschen gereift ist.

59 Die Kirche lädt dazu ein, diesen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen gegenüber eine Haltung des Vertrauens einzunehmen, und ermuntert dazu, gegenüber ihnen ein Klima gegenseitigen Verständnisses und des Dialogs beizubehalten (Paul VI., Apost. Brief »Octogesima adveniens« [14. Mai 1971], N. 40). Doch zugleich lässt sie es nicht an Hinweisen auf ihre Grenzen fehlen, weil »gewiss jede wissenschaftliche Disziplin nur einen begrenzten Aspekt des Menschen in seiner Besonderheit erfassen kann« (Ebd.). Es bestehen wirklich konkrete Gefahren ungebührlicher Verallgemeinerungen von Einzelergebnissen und Risiken der ideologischen Festlegung solcher Forschungen, die nicht ignoriert werden dürfen.

Es ist daher notwendig

- ein ständiger Bezug auf die vollständige und umfassende Sicht des Menschen, wie sie uns von einer gesunden theologischen Anthropologie geboten wird; (Vgl. JOHANNES PAUL 11., Ansprache »Esta hora« an die ill. Generalversammlung der CELAM, 28. Januar 1979 in Puebla: AAS 71 (1979), S. 195 f).

- eine rechte philosophische Vermittlung im Hinblick auf die Auseinandersetzung mit verschiedenen psycho-pädagogischen und sozialen Theorien auf der Ebene der Vernunft;

- eine besondere Aufmerksamkeit für die Äußerungen des Lehramtes über die spezifischen moralischen Probleme (Zum Beispiel: Kongregation für die Glaubenslehre, Erklärung zu einigen Fragen der Sexualethik »Persona humana« [29. Dezember 1975]; Brief an die Bischöfe der katholischen Kirche über die pastorale Betreuung homosexueller Personen [1. Oktober 1986]; Rundschreiben zu einigen Aspekten der christlichen Meditation »Orationis formas« [15. Oktober 1989[) und vor allem die Forderung nach Achtung vor dem intimen und unverletzlichen Charakter des menschlichen Gewissens (Past. Konst. »Gaudium et spes«, N. 16; Kongregation für die Glaubenslehre, Monitum »Cum compertum« über psychoanalytische Untersuchungen [1961]; Vgl. auch can. 220 CIC).

DIE SPEZIFISCHE VORBEREITUNG FÜR DIE VERSCHIEDENEN AUFGABENGEBIETE

60 Was über die Grundausbildung dargelegt wurde, die für alle Erzieher gefordert wird, muss noch einige weitere Akzente bekommen für die Erfüllung besonderer Aufgaben, die dem Rektor, dem Spiritual, den Lehrkräften, dem Koordinator der pastoralen Tätigkeiten und den übrigen Mitarbeitern vorbehalten sind.

Die vielfältigen Aufgaben des Rektors sind, wie wir gesehen haben, durch seine Beziehungen zum Bischof, zu den übrigen Erziehern, den Alumnen, der Priesterschaft und der ganzen diözesanen Gemeinschaft gekennzeichnet. Er muss daher ein Mann sein, der gediegene menschliche Beziehungen auf allen Ebenen aufbauen kann, vor allem ein Mann mit Gemeinschaftssinn, der in der Lage ist, einerseits sämtliche Beiträge und Fähigkeiten der anderen zu verwerten, andererseits aber auch mit fester Hand und Entschiedenheit den Weg der Einzelnen und der Gemeinschaft zu bestimmen, indem er die letztere bei verschiedenen Gelegenheiten würdig vertritt. Von ihm wird besonders ein ausgeprägter Sinn für das Seminar als kirchliche Institution erwartet, um so seine besonderen Zielsetzungen zu wahren sowie seine einheitliche Ausrichtung und Programmierung zu überwachen. Daher ist »eine einheitliche Leitung in der Person des Rektors und seiner Mitarbeiter« eine notwendige Voraussetzung, »dass das Seminar eine gewissenhafte Planung hat«, und damit diese »durch ihre Geschlossenheit und Einheitlichkeit dem einzigen Ziel dient, das die Existenz des Seminars rechtfertigt: nämlich der Ausbildung der künftigen Priester, der Hirten der Kirche« (PDV 61). Es handelt sich um Fähigkeiten und Überzeugungen, die bei jedem Rektor vorausgesetzt werden, die aber immer weiter vervollkommnet werden können und müssen.

61 Der Spiritual ist beauftragt, der Gemeinschaft und den Einzelnen im Vertrauensverhältnis der Seelenführung eine sichere Begleitung beim Suchen nach dem Willen Gottes und bei der Klärung seiner Berufung anzubieten. Er muss seine Fähigkeiten des Annehmens, des Hörens, des Dialogs und des Verständnisses verfeinern, und zwar auf der Basis einer guten Kenntnis der spirituellen Theologie, der übrigen theologischen Fächer, sowie der pädagogischen und humanen Wissenschaften. Es sollen keine Mittel gespart werden, ihm die Möglichkeit zum Besuch eines Institutes oder wenigstens eines Intensivkurses in Spiritualität zu bieten.

Die Vorbereitung des Spirituals für seine vielfältigen Aufgaben und zumal für die Betreuung der Gewissensbildung der Alumnen gründet sich auf gründliche Studien und eine umfangreiche Praxis als Seelenführer, die, wenn sie gute Ergebnisse bringen soll, ständig und über längere Zeit hin erfolgen muss. Man halte sich vor Augen, dass

- die Seelenführung etwas ist, was wesentlich mit Theologie und Kirche zu tun hat, im Unterschied zur psychischen Hilfe und Therapie; der Betreute muss sie als Werkzeug und Anregung für den eigenen Glaubensweg und den Gehorsam gegen den Willen Gottes erfahren;

- der Spiritual von daher ein Zeuge des Glaubens ist, Fachmann für die fortschreitende und demütige Entdeckung des Planes Gottes für das Leben seiner Kinder;

- die verschiedenen gemeinschaftlichen Formen geistlicher Weisung, des Erfahrungsaustausches und der Überprüfung des Lebens die Seelenführung ergänzen können, sie aber nie ersetzen dürfen;

- der Spiritual also der erste Hüter der eigenen Identität und der eigenen unverzichtbaren und unersetzlichen Aufgaben ist, die nicht verwechselt werden dürfen mit den Aufgaben anderer Pädagogen, noch unangemessener Weise ersetzt werden dürfen durch andere Formen des erzieherischen Eingreifens.

62 Über die wissenschaftliche Vorbereitung in ihren jeweiligen Fächern hinaus müssen sich die Lehrkräfte ein gutes didaktisches und pädagogisches Können aneignen und die Fähigkeit, die Gruppenarbeit anzuregen und eine aktive Beteiligung der Alumnen zu fördern. Eine entsprechende Vervollkommnung ihrer didaktischen Fähigkeiten erfordert die Sorge um eine klare und genaue Vermittlung, um eine angemessene Erneuerung der theologischen Sprache (Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Die theologische Ausbildung der künftigen Priester [22. Februar 1976], N. 77) und das beständige Bemühen darum, die innere und harmonische Einheit der gesamten Glaubenslehre hervorzuheben, wobei sie einen besonderen Akzent auf den heilsgeschichtlichen Aspekt legen. Ihre Lehrtätigkeit wird größere Lebenskraft gewinnen, wenn sie es lernen, zwischen ihren Vorlesungen auf der einen Seite und dem Leben sowie den pastoralen Problemen auf der anderen einen Bezug zu schaffen. Sie müssen sich ferner mit den wissenschaftlichen Methoden der theologischen Arbeit vertraut machen, deren Fortschritte verfolgen und auch die Alumnen durch ein begleitetes privates Studium darin einführen. Um eine integrale und nicht nur wissenschaftliche Ausbildung zu fördern, müssen die Dozenten versuchen, sich immer besser in die Seminargemeinschaft durch ihre Zusammenarbeit und den erzieherischen Dialog einzufügen. »Pastores dabo vobis« empfiehlt in der Tat den Ausbildern, »dass ihr gewöhnlicher Aufenthaltsort in der Seminargemeinschaft sei« (N.66).

63 Die pastoralen Einsätze der Seminaristen, die von den Normen der Kirche (OT 21; Ratio fundamentalis 97-99.) empfohlen werden, müssen, wenn sie wirklich fruchtbar sein und ihre Bildungsziele erreichen sollen, von einem erfahrenen Priester geleitet und koordiniert werden, der für diesen Dienst eigens bestellt ist. Er muss sich mit einigen Prinzipien der wirksamen Überwachung und Auswertung solcher Tätigkeiten vertraut machen und sich von echten Grundsätzen des heiligen Dienstes, die den Normen der kirchlichen Autorität entsprechen, leiten lassen. Der Beauftragte, der Direktor oder Koordinator der pastoralen Tätigkeiten genannt werden kann, muss die disziplinäre Ordnung des Seminars achten und in enger Zusammenarbeit mit dem Rektor, mit den übrigen Erziehern und Dozenten und zumal mit dem Professor für Pastoraltheologie vorgehen.

64 Was die übrigen Mitarbeiter angeht - abgesehen von dem Vizerektor und den Assistenten, die wenigstens über eine gediegene Grundausbildung verfügen müssen -, so wird eine »technische« Ausbildung für einige besondere Ämter wie das des Bibliothekars und des Ökonomen verlangt. Für diese und andere ähnliche Aufgaben empfiehlt sich eine angemessene berufliche Befähigung durch den Besuch von speziellen Schulen oder Kursen. Die Bedeutung der Bibliothek für die Ernsthaftigkeit und das gute Niveau der Studien wie auch die Kompliziertheit und Schwierigkeit der Verwaltungsprobleme erfordern für diese Aufgaben die Mitarbeit von wirklichen Fachleuten.

Die ständige Weiterbildung der Erzieher

65 Die ständige Weiterbildung der Erzieher entspricht den vom II. Vatikanischen Konzil und in der »Ratio fundamentalis« (OT 5; Ratio fundamentalis 31 und 36.) ausgesprochenen Wünschen. Sie kann entweder als Ergänzung und fortschreitende Verbesserung der anfänglichen Ausbildung betrachtet werden, die eine Überwindung von Haltungen des bloßen Wiederholens und der zunehmend geringeren Fachkundigkeit gestattet, oder als ein Faktor tiefer Erneuerung, wo die Methoden und Stile der Erziehung einem Prozess radikalerer Überprüfung unterworfen werden müssen. In jedem Fall deckt sich die ständige Weiterbildung in den verschiedenen Formen, in denen sie bereits durchgeführt wird, und in den anderen Formen, die man für die Zukunft planen mag, mit der anfänglichen Ausbildung, wie sie in den vorherigen Nummern beschrieben wurde. Sie verfolgt das gleiche Ziel, bezieht sich auf den gleichen Gegenstand und verwendet die gleichen Methoden. Was sie aber kennzeichnet, ist die Auswertung der Erfahrungen und die Fähigkeit, Räume und Mittel zu finden, sie einer Überprüfung zu unterziehen und unter kritischer Kontrolle zu halten.

STÄNDIGE VERHEUTIGUNG

66 Die Erfahrung der Erzieher selber ist eine bevorzugte Quelle für ihre ständige Weiterbildung. Der Erzieher lernt und vervollkommnet sich auch durch die konkrete Ausübung seines Dienstes, wenn er diese nur ständig brüderlich überprüfen lässt im Dialog mit den übrigen Erziehern, wobei er verschiedene pädagogische Vorgehensweisen vergleicht und schrittweise die kluge Erprobung von Plänen, Vorschlägen und Initiativen ausweitet.

Die methodische Analyse konkreter Fälle, die oft bei Kursen für ständige Weiterbildung erfolgt, erweist sich bisweilen erhellender als die abstrakte Erklärung von Grundsätzen. Der Erzieher darf sich nie auf den eingegrenzten Kreis seiner eigenen persönlichen Erfahrung beschränken, er muss vielmehr für die Prüfung und Revision auch aufgrund des Beitrags der Erfahrungen anderer offen bleiben.

Die Notwendigkeit einer andauernden Verheutigung mittels des gegenseitigen Gedankenaustausches mit Mitbrüdern und Fachleuten wird besonders in einigen Bereichen des kirchlichen und sozialen Lebens verspürt, die größeren Wandlungen unterliegen: die geistige Verfassung der Jugendlichen, die Umstände priesterlichen Lebens und Dienstes, die tiefreichenden und raschen Wandlungen der philosophisch-theologischen und kulturellen Strömungen im aIlgemeinen.

67 Die Kenntnis der Welt der Jugendlichen ist ihrer Natur nach immer für neue Entwicklungen offen. Die Forschungen und Studien zu diesem Thema vervielfältigen sich laufend, was die Beschreibung, Analyse und Reflexion angeht, und sie werden mit immer neuem Interesse zur Kenntnis genommen und studiert. Das postsynodale Schreiben macht auf den Einfluss dieser Wandlungen aufmerksam: »Es besteht eine starke Diskrepanz zwischen dem Lebensstil und der elementaren Formung der Kinder, Heranwachsenden und Jugendlichen einerseits, auch wenn diese Christen mitunter engagiert im Leben der Kirche sind, und dem ganz anderen Lebensstil des Seminars und seiner erzieherischen Erfordernisse andererseits« (PDV 62). Über diese Wandlungen, die immer stattfinden und je nach Orten und Umständen immer neue Aspekte annehmen, muss der Erzieher gut informiert sein, wenn er den Kontakt mit der Wirklichkeit beibehalten will, der großenteils seine erzieherische Tätigkeit bestimmt.

68 Über die auf heutigen Stand gebrachte Kenntnis der Welt der Jugendlichen als Ausgangspunkt des erzieherischen Prozesses hinaus, muss man aufmerksam auch die Umstände priesterlichen Lebens und Dienstes betrachten, die die Zielsetzung dieses Prozesses bestimmen. Angesichts des Wandels und der Unbeständigkeit der pastoralen Situationen muss man sich ständig fragen, welche Forderungen an die Ausbildung für die künftigen Priester sich daraus ergeben. Die gründliche Analyse im ersten Kapitel des Apostolischen Schreibens unterstreicht geradezu die Wichtigkeit dieses Aspektes der ständigen Weiterbildung der Erzieher, die aufgefordert werden, sich immer die grundlegende Frage zu stellen: » Wie sind Priester auszubilden, die wirklich auf der Höhe dieser Zeit stehen und imstande sein sollen, die Welt von heute zu evangelisieren?«. (PDV 10).

69 Die Erziehertätigkeit der Seminare wird ferner tief beeinflusst durch alles, was auf theologischem Gebiet aufgrund von Gedankenströmungen und Lebenshaltungen, die sich daraus ergeben, geschieht. Die Verantwortung bei der Lehre der Philosophie und Theologie ist in dieser Hinsicht sehr groß. Nicht nur die Professoren, sondern auch der Rektor, der Spiritual und die übrigen Erzieher müssen sich ständig kritisch und genau auf den neuesten Stand in diesen Fragen bringen und sie gelehrig ins Licht der Weisungen des Lehramtes stellen (PDV 10 und 67).

DIE REVISION

70 Manchmal wird es in bestimmten Fällen und angesichts von entsprechend komplizierten Problemen nötig sein, sich für eine längere Zeit der Ausbildung zu entscheiden, wobei die erzieherischen Themen von Grund auf wieder aufgegriffen werden durch den Besuch spezialisierter Kurse oder Zeiten einer begleiteten Revision in einem Zentrum für spezialisierte Studien oder einem akademischen Institut. Das Ziel solcher Ausbildungszeiten ist die Förderung einer genauen Überprüfung der Persönlichkeit des Erziehers, seines dienstlichen Engagements und seiner Art, den eigenen erzieherischen Auftrag zu verstehen und zu leben.

71 Zeiten der Ausbildung solcher Art sollten gut ausgewählte und entsprechend geplante Kurse auf dem Gebiet der kirchlichen Wissenschaften wie auch auf dem der Humanwissenschaften umfassen, die mit praktischen Übungen unter Mithilfe eines Überwachers verbunden sind, welche mit ihm auch kritisch überprüft werden. Auf diese Weise kann der Erzieher sich klarer seiner eigenen Fähigkeiten und Haltungen bewusst werden, aufrichtiger die eigenen Grenzen annehmen und die Kriterien für sein Wirken verheutigen und verbessern.

In den Programmen für eine ständige Weiterbildung diese Umfangs müssen auch längere Zeiten geistlicher Erneuerung vorgesehen werden (ein »ignatianisches Monat«, Exerzitien oder Wüstenzeiten), um dem Erzieher eine Überprüfung der eigenen Sendung in ihren tieferen geistlichen und theologischen Zusammenhängen und Wurzeln zu ermöglichen.

PRAKTISCHE VERFÜGUNGEN

PROBLEME DER AUSBILDUNG

72 Wenn es erlaubt ist, in nicht wenigen geographischen und kirchlichen Gebieten von einem neuen Aufschwung der Seminare zu sprechen, dann muss man gleichzeitig das Gespräch über die dringende Notwendigkeit einer spezifischen anfänglichen Ausbildung und Weiterbildung der Erzieher aufnehmen. Nichts kann den vorteilhaften Einfluss einer erneuerten und motivierten Überzeugung in diesem Punkt bei den Bischöfen und den übrigen hierin Verantwortlichen ersetzen.

Einige Nationen und Ortskirchen haben bereits entsprechende Entscheidungen getroffen. Andere sollten ihrem Beispiel folgen. Um solchen Initiativen größeren Nachdruck zu geben, muss man auf einen gegenseitigen Erfahrungsaustausch hinarbeiten.

73 Auch wenn es nicht überall möglich ist, spezielle Institute für die Ausbildung der Erzieher zu schaffen, so bleibt es doch notwendig, zu einem Minimum an organischer Programmierung zu kommen, d.h. in jeder Nation Gruppen von Fachleuten verfügbar zu machen, auf deren Mitarbeit man immer bauen kann; ein gut umschriebenes Programm für die Dauer und zeitliche Abfolge wie auch für die Inhalte festzulegen, ein Programm, das den Bedürfnissen entspricht und einen guten organisatorischen Verlauf und die Beständigkeit der Ausbildung sichert. In den Zonen mit größerer geographischer Ausdehnung mit nur einer Sprache und gleicher Kultur könnte man sich ein »wanderndes« Institut vorstellen, das Intensivkurse im Dienst an den je verschiedenen Verhältnissen abhält.

74 Wo es möglich ist, bediene man sich zu Zwecken der ständigen Weiterbildung der Mitarbeit der kirchlichen Universitäten und anderer akademischer Institute sowie von Forschungs- und Studienzentren, vor allem, was das Studium der Humanwissenschaften angeht. In diesen Fällen wird es gut sein, vorherige Abmachungen mit den Bischofskonferenzen zu treffen, um die lehrmäßige Gediegenheit des Ausbildungsangebots zu sichern.

75 Obwohl die Räume und Mittel für eine wirkliche und tatsächlich vorausgehende Vorbereitung der Erzieher, wie wir gesehen haben, in der Praxis sehr beschränkt sind, bleibt es doch notwendig, eine angemessene Zeit der spezifisch geistlichen und pädagogischen Vorbereitung für die künftigen Rektoren und Spirituale vor ihrer Anstellung vorzusehen. Man kann diese eventuell mit der Ausübung anderer Dienste im Seminar verbinden. Eine ganz besondere Aufmerksamkeit muss der anfänglichen und weiteren ständigen Ausbildung der Spirituale gelten angesichts der vielfältigen Probleme, die heute mit einer solchen Aufgabe in den Seminaren verbunden sind.

76 Was die Vorbereitung der Professoren angeht, wird es notwendig sein, nicht nur die entsprechenden kanonisch anerkannten akademischen Titel zu verlangen (Ratio fundamentalis 34; Kongregation für das Katholische Bildungswesen, Die theologische Ausbildung der künftigen Priester [22. Februar 1976], N. 118; Can. 253 § 1 CIC), sondern auch das Rüstzeug einer angemessenen spirituellen, didaktischen und pädagogischen Ausbildung, damit ihr Wirken einen wirksamen Beitrag zur integralen Heranbildung der künftigen Priester leisten kann.

77 Wo für die Lehraufgaben Laien im Sinn des oben in Nr. 20 Gesagten eingesetzt werden, wird die Vorsorge für ihre angemessene religiöse und apostolische Ausbildung notwendig, damit ihr Wirken in allem den spezifischen Zielsetzungen der Heranbildung von Priestern entspricht.

78 Für die Vorbereitung der Erzieher müssen hauptsächlich die zahlreichen päpstlichen Universitäten und Erziehungsinstitute in Rom ausgenützt werden, wie es bereits in der »Ratio fundamentalis institutionis sacerdotalis« (N.85) entsprechend empfohlen wurde. Diesbezüglich können, vor allem was die pädagogische Vorbereitung der künftigen Erzieher angeht, speziell jene Nationen wertvolle Hilfe finden, die aus verschiedenen Gründen nicht in der Lage sind, eigene Institutionen ins Leben zu rufen.

79 Während der wertvolle Beitrag voll anerkannt wird, den die verschiedenen Kongregationen und vorhandenen priesterlichen Gemeinschaften für die Ausbildung der Erzieher leisten, wird man auch mit Sympathie und offenen Geistes einige neue Initiativen verfolgen, die die Gnade Gottes derzeit in der Kirche für die Heiligung des Klerus und die Priesterausbildung weckt, und sie mit Hilfen und der notwendigen Unterscheidung begleiten (Can. 605 CIC.).

RATIONELLERE PLANUNG UND VERTEILUNG DER SEMINARERZIEHER

80 Da die Wirksamkeit der Erziehergemeinschaften der Seminare großenteils von ihrer Beständigkeit abhängt, wird es notwendig, mit einem gewissen Vorausblick auf ihre Bedürfnisse nach Auswechslung zu schauen, um rechtzeitig geeigneten Ersatz zu planen.

Eine gute Planung vor allem des Lehrpersonals ist dort notwendig, wo das System der sogenannten Sabbatjahre oder -semester in Geltung ist, damit alle Fächer stets auch während der Abwesenheit der einzelnen Dozenten entsprechend vertreten sind.

81 Während man versuchen wird, dem derzeitigen Mangel an Erziehern mit ihrer besseren Vorbereitung zu begegnen, muss man auch an deren angemessenere Planung und Verteilung denken. Vor allem legt sich die Notwendigkeit nahe, die Vermehrung der Großen Seminare maßvoll zu regulieren oder die Aufspaltung der schon vorhandenen zu vermeiden. Angesichts des knapper werdenden Personals sollte man mehr die Aufforderungen zu einer vernünftigen Konzentration der materiellen Mittel und des Personals durch die Schaffung von nationalen, regionalen und auf die Kirchenprovinz bezogenen interdiözesanen Seminaren beachten (Can. 237 § 2 CIC; Ideal bleibt freilich immer das diözesane Seminar in Verhältnissen, die sein geziemendes und regelmäßiges Funktionieren gestatten, das heißt: »ubi id fieri potest atque expediat« [wo dies möglich und zweckmäßig ist], wie zu diesem Punkt der gleiche Canon 237 im ersten Paragraphen sagt)

82 Ferner erfordert es der notwendige »Austausch der Gaben« zwischen den Schwesterkirchen, den Johannes Paul ll. wiederholt betont hat, dass die an Erziehern des Klerus reicheren Diözesen zur Hilfe für die ärmeren bereit sind. Nach »Pastores dabo vobis« soll der Priesteramtskandidat auf einen Dienst vorbereitet werden, »der von einzelnen Kandidaten die konkrete Verfügbarkeit dem Heiligen Geist und dem Bischof gegenüber fordern kann, sich aussenden zu lassen, um das Evangelium jenseits der Grenzen seines Landes zu verkünden» (N. 59),sich also auch einem Seminar zur Verfügung zu stellen. In diesen Fällen müssen die Priester, »die in ein anderes Land gehen wollen, nicht nur die Sprache jenes Gebietes erlernen, sondern sich auch den psychologischen und sozialen Charakter des Volkes, dem sie dienen wollen, so vollkommen wie möglich aneignen« (PO 10).

Hier ist darauf hinzuweisen, dass der Heilige Stuhl eine Ständige Interdikasterielle Kommission für eine ausgeglichenere Verteilung der Priester in der Welt eingerichtet hat, deren Hauptziel gerade die Förderung des Austausches von Seminarerziehern und Berufswerbern ist.

SCHLUSSWORT

83 Das vorliegende Dokument, welches die Kongregation für das Katholische Bildungswesen der Aufmerksamkeit der Hochwürdigsten Herren Bischöfe und der Erzieher in den Seminarien widmet, wurde verfasst, um die getreue Umsetzung der im Jahre 1990 von der Bischofssynode gegebenen Empfehlungen zu erleichtern, jener Empfehlungen also, die dann in das Apostolische Mahnschreiben »Pastores dabo vobis« Papst Johannes Pauls ll. eingeflossen sind. In der Tat stellt die hinreichende Ausbildung der Erzieherteams, welche hiermit gefördert werden soll, eine unverzichtbare Voraussetzung dafür dar, dass die ureigenen Absichten jener Synodenversammlung verwirklicht werden können. Diese bestehen darin, in den Seminaren Bedingungen zu schaffen, die geeignet sind, der Kirche jene wahren Hirten der Seelen zu geben, die für die geistlichen Notwendigkeiten von heute sensibel sind. Es ist klar, dass nur gut ausgewählte Erzieher mit großer Erfahrung in der Pädagogik in der Lage sein werden, Priester auszubilden, welche jene spirituellen, intellektuellen und menschlichen Qualitäten besitzen, die allen so am Herzen liegen und die im Apostolischen Mahnschreiben »Pastores dabo vobis« so ausführlich und mit detaillierten Angaben näher spezifiziert worden sind.

Dies also ist der Grund, warum in dieser Hinsicht auf einige spezielle Anforderungen lehrmäßiger, pädagogischer und organisatorischer Art aufmerksam gemacht werden sollte, deren sich im übrigen die Hochwürdigsten Herren Bischöfe großenteils ohnedies bewusst sind und denen sie nachzukommen suchen, wobei es manchmal nicht geringe Schwierigkeiten zu überwinden gilt. Doch stellen sich unter den gegenwärtigen Umständen, welche die Synode beleuchtet hat, diese Aufgaben mit großer Dringlichkeit und verlangen, dass sie mit größerem Mut, entschlossenerer Willenskraft und mit geeigneteren Mitteln angegangen werden. Es besteht diesbezüglich die Erwartung, dass eventuell existierende Mängel verbessert werden, und alle Verantwortlichen sich anstrengen, Programme und Initiativen zu fördern, die zur Erzielung weiterer Fortschritte geeignet sind. Deshalb ist es unser gemeinsamer sehnlichster Wunsch, dass die positiven Erfahrungen, die es in verschiedenen Diözesen schon gibt, bekräftigt, ja verstärkt und auf die ganze Kirche ausgeweitet werden, im Geiste gegenseitiger Solidarität und Zusammenarbeit.

Rom, am Sitz der Kongregation, den 4. November 1993,
dem Fest des Heiligen Karl Borromäus, des Patrons der Seminare.
PIO Card. LAGHI
Präfekt
+ J OSÉ SARAIVA MARTINS
Titularerzbischof von Tuburnica
Sekretär
Meine Werkzeuge