Thomas von Aquin: Auslegung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses

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Des heiligen Thomas von Aquin

Auslegung des Apostolischen Glaubensbekenntnisses
übersetzt von Michael Denis
Luzern, bei Joh. Mart. Anich. 1801

Der Text wurde bei der Digitalisierung behutsam an die heutige Sprache und Rechtschreibung angepasst. Die biblischen Abkürzungen folgen den Abkürzungen der Einheitsübersetzung (Liste der biblischen Bücher)

Inhaltsverzeichnis

I. Artikel, Ich glaube an einen Gott Vater, allmächtigen Schöpfer Himmels und der Erde

1. Ich glaube

Das erste, was ein Christ nötig hat, ist der Glaube, ohne welchen niemand ein Christgläubiger heißt. Der Glaube bringt aber vier Vorteile. Der erste ist, dass die Seele durch den Glauben mit Gott verbunden wird; denn die Christenseele wird Gott durch den Glauben gleichsam angetraut: Ich werde dich Mir im Glauben vermählen (Hos. 2, 20.) Daher bekennt der Mensch, wann er getauft wird, auf die Frage: Glaubest du an Gott? zuerst den Glauben, weil die Taufe das erste Geheimnis des Glaubens ist. Daher sagt auch der Herr: Wer geglaubt haben, und getauft sein wird, der wird selig werden (Mk. 16, 16.). Denn die Taufe ohne Glauben nützt nichts, und daher merke man, dass niemand ohne Glauben Gott angenehm ist. Ohne Glauben ist es unmöglich Gott zu gefallenen (Hebr. 11, 6.). So schreibt Augustinus über jenes an die Römer, 14, 23. Alles, was nicht aus dem Glauben ist, ist Sünde: Wo keine Erkenntnis der ewigen und unwandelbaren Wahrheit ist, dort ist auch bei den besten Sitten nur Scheintugend.

Der zweite Vorteil ist, durch den Glauben das ewige Leben in uns anfängt; denn das ewige Leben ist nichts anders, als die Erkenntnis Gottes. So spricht der Herr: Dies ist das ewige Leben, dass sie dich als den einzigen wahren Gott erkennen (Joh. 17, 3). Diese Erkenntnis Gottes aber fängt hier durch den Glauben an, und wird im künftigen Leben vollkommen, wo wir ihn erkennen werden, wie er in sich selbst ist (Joh. 3, 2.). Darum steht geschrieben: Der Glaube ist der Grund aller zu hoffenden Dinge (Hebr. 11, 1.).Niemand kann also zur Seligkeit, welche die wahre Erkenntnis Gottes ist, gelangen, der ihn nicht zuerst durch den Glauben erkennt. Selig sind, die nicht gesehen, und doch geglaubt haben (Joh. 20, 29.).

Der dritte Vorteil ist, dass der Glaube das gegenwärtige Leben leitet. Denn um gut zu leben muss der Mensch wissen, was gut zu leben erfordert wird; und wenn er alles dazu notwendige durch Untersuchung lernen sollte, dann würde er niemals, oder doch spät zum Ziele kommen. Dagegen lehrt der Glaube alles was zu einem guten Leben notwendig ist. Er lehrt nämlich, dass ein Gott ist, der die Guten belohnet, und die Bösen bestraft, dass noch ein anderes Leben bevorsteht, und dergleichen Dinge, die uns hinlänglich zum Guten reizen, und vom Bösen abwenden. Mein Gerechter lebt aus dem Glauben. (Hab. 2, 4.) Und dieses erhellet auch daraus, dass kein Weiser vor Christi Ankunft mit allem Bestreben so viel von Gott, und den Erfordernissen zum ewigen Leben erreichen konnte, als nun nach dieser Ankunft durch den Glauben auch ein Weiblein weiß. Deshalb steht geschrieben: Die Erde ist mit Kenntnis der Herrn erfüllt worden (Is. 11, 9.).

Der vierte Vorteil endlich ist, dass wir durch den Glauben die Versuchungen überwinden. Die Heiligen haben durch den Glauben die Mächte besiegt (Hebr. 11, 33). Dies ist offenbar, weil alle Versuchungen entweder vom Teufel, oder von der Welt oder vom Fleische kommen. Der Teufel versucht nämlich, dass du Gott nicht Gehorsamen, dich ihm nicht unterwerfen sollst. Dagegen steht Glaube; denn durch den Glauben erkennen wir, dass er der Herr aller ist, und daher mit Recht Gehorsam fordert. Euer Widersacher der Teufel sucht herum, wen er verschlinge. Setzt euch ihm tapfer im Glauben entgegen (1. Petr. 5, 8.9.). Die Welt versucht, da sie entweder mit Glück reizt, oder mit Widerwärtigkeit schrecket. Dies überwinden wir durch den Glauben, der uns eines andern besseren Lebens versichert. Deshalb verachten wir den Wohlstand dieser Welt, und scheuen ihr Ungemach nicht. Der Sieg über die Welt ist unser Glaube (Joh. 5, 4.); der uns noch auch größerer anderer Übel versichert, nämlich jener der Hölle. Endlich versucht das Fleisch, da es uns zu augenblicklichen Wohllüsten des gegenwärtigen Lebens anlockt. Allein der Glaube zeigt uns, dass wir die ewigen Freuden verlieren, wenn wir jenen unerlaubt nachhangen. Ergreift den Schild des Glaubens in jeder Gelegenheit (Eph. 6, 16). Hieraus sieht man also, wie nützlich der Glaube sei.

Nun aber sagt jemand: Ist es nicht töricht, etwas zu glauben, das man nicht sieht? Ich antworte erstens, dass diesen Einwurf die Unvollkommenheit unseres Verstandes aufhebt. Könnte der Mensch durch sich selbst alles Sichtbare und Unsichtbare erkennen: dann würde töricht sein zu glauben, was man nicht sieht. Allein unsere Erkenntnis ist so schwach, dass kein Weiser jemals die Natur einer Fliege vollkommen ergründen könnte. Und man liest, dass einer ihrer 30 Jahre in Einsamkeit über das Wesen der Biene hingebracht habe (So was erzählt Cicero von einem Aristomachus, und der heilige Augustin von einem Aristodemus). Ist nun unsere Begreifungskraft so beschränkt, so ist es ja vielmehr töricht, von Gott nur das glauben wollen, was der Mensch durch sich selbst erkennen kann. Dahin zielt die Schrift: Sieh, Gott ist groß, er übersteigt unser Wissen (Joh. 39, 26.)!

Zweitens kann man antworten: Wenn ein Gelehrter etwas in seiner Wissenschaft behauptet, und ein Bauer sagt, es wäre nicht so, weil er es nicht begreife, würde dieser Bauer nicht für einen wahren Toren gehalten werden? Nun aber übersteigt der Verstand eines Engels den Verstand des größten Gelehrten mehr, als der Verstand des größten Gelehrten den Verstand eines Bauers. Der Gelehrte wäre also ein Tor, wenn er nicht glauben wollte, was ihm Engel sagten, und er ist es noch mehr, wenn nicht glauben will, was Gott sagt. Gegen solche zeugt die Schrift: Sehr vieles ist dir gezeigt worden über den Begriff der Menschen (Sir. 3, 25.).

Die dritte Antwort kann sein: Der Mensch könnte in dieser Welt nicht leben, wenn er nichts glauben wollte, als was er einsieht. Wie könnte er auch leben, wenn er niemanden glaubte? Er würde auch nicht glauben, dass dieser, oder jener sein Vater sei. Der Mensch muss also von Dingen, die er durch sich selbst nicht vollkommen wissen kann, jemand anderem glauben, niemanden aber so, wie Gott. Daher sind jene, die seinen Aussprüchen keinen Glauben beimessen, nicht Weise, sondern hochmütige Toren, wie der Apostel schreibt: Ein solcher ist stolzer Unwissender (1. Tim. 6, 4.). Daher steht auch geschrieben: Ich weiß wem ich geglaubt habe und bin sicher (2. Tim.1, 12.). Und wiederum: Ihr die ihr Gott fürchtet, glaubt ihm (Sir. 2, 8.)!

Viertens, kann man auch sagen: Gott beweist, dass das wahr ist, was der Glaube lehrt. Wenn ein König Briefe unter seinem Siegel ergehen ließe: wer würde zu behaupten wagen, diese Briefe wären nicht mit des Königs Willen ergangen? Nun ist es gewiss, dass alles, was die Heiligen vom Glauben Christi gelehrt und uns überliefert haben, mit dem Siegel Gottes bezeichnet, das ist, mit Handlungen begleitet ist, die kein pures Geschöpf ausüben kann. Dies sind die Wunderwerke, mit welchen Christus die Lehren der Apostel und Heiligen bestätigt hat. Sagt man mir, dass kein Augenzeuge von Wunderwerken da sei, so versetze ich: Sicher ist und selbst die Geschichten der Heiden erzählen es, dass die ganze Welt Götzen ehrte, und den Glauben Christi verfolgte. Nun aber haben sich auf den Vortrag Einfältiger und Armer und weniger, die Christus predigten, alle die Weisen und Edeln und Reichen und Mächtigen und Großen zu Christus bekehrt. Ist daran etwas Wunderbares, oder nichts? Ist etwas: so habe ich meinen Satz behauptet: ist nichts: so behaupte ich weiter, dass kein größeres Wunder geschehen konnte, als dass die ganze Welt ohne Wunderwerke bekehret worden ist und suche weiter kein anderes. Und so soll niemand an dem Glauben zweifeln, sondern fester über dem halten, was der Glaube lehrt, als über dem, was er sieht, da das menschliche Auge getäuscht werden, Gottes Weisheit aber niemals irren kann.

2. Ich glaube an einen Gott.

Unter allen Wahrheiten, die der Glaube den Christen vorhält, ist die erste Pflicht, zu glauben, dass ein Gott sei. Man muss aber betrachten, was dieser Ausdruck bezeichne. Er bezeichnet nichts anderes, als einen Beherrscher und Besorger aller Dinge. Jener glaubt also Gottes Dasein, welcher glaubt, dass alles auf dieser Welt von ihm verwaltet und besorget wird. Jener hingegen glaubt es nicht, der dafür hält, dass alles von ungefähr geschehe. Es findet sich demnach kein solcher Tor, der nicht glaubte, dass die natürlichen Dinge verwaltet, besorgt, und geleitet werden, da sie in einer gewissen Ordnung, und nach bestimmten Zeiten fortgehen. Denn wir sehen Sonne, Mond, Gestirne und alle Naturerscheinungen eine geordnete Bahn halten, was nicht geschehen würde, wenn sie vom Zufalle abhingen. Wenn daher jemand wäre, welcher keinen Gott glaubte, der würde ein Tor sein. Der Tor sprach in seinem Herzen: Es ist kein Gott (Ps. 13, 1.).

Es sind aber einige, die Gott zwar die Verwaltung und Anordnung der natürlichen Dinge nicht absprechen; aber dennoch nicht glauben, dass er auch die menschliche Handlungen besorge und lenke. Die Ursache ist, weil sie auf dieser Welt die Guten gekränkt und die Bösen beglückt sehen, welches keine göttliche Vorsehung in Bezug auf den Menschen anzuzeigen scheint. Daher sagen sie in der Schrift: Er bewandelt den Umkreis des Himmels, und sieht nicht auf unser Tun (Joh. 20, 14.). Allein dies ist sehr sinnlos. Es ergeht ihnen wie einem Unkundigen der Arzneikunst, der einen Arzt nach der Vorschrift seiner Kunst dem einen Kranken Wasser, dem andern Wein reichen sähe, und glaubte, dieses geschähe von ungefähr, weil er die Arzneikunst nicht versteht, die aus gutem Grunde diesem Wein, jenem aber Wasser vorschreibt. So verhält es sich mit Gott. Er fügt aus gerechter Ursache und nach seiner Vorsicht das, was dem Menschen notwendig ist, und so schicket er einigen Guten Leiden, und einige Böse lässt er im Wohlstand. Glaubt nun jemand, dieses sei ein bloßer Zufall, so ist et ein Tor und wird für einen gehalten, weil er nicht so glauben würde, wenn ihm die Geheimnisse und Ursachen der göttlichen Verfügung bekannt wären. Möchte er dir das Verborgene der Weisheit, und die Manchfaltigkeit seiner Anordnungen zeigen (Job. 11, 6.)! Deshalb ist fest zu glauben, dass Gott nicht allein die natürlichen Dinge, sondern auch die menschlichen Handlungen leitet und ordnet. Sie sagen: Der Herr wird es nicht sehen, der Gott Jakobs wird es nicht erfahren. O ihr Unweisen im Volk, lernet und ihr Toren, werdet einmal klug! Wird der nicht hören der das Ohr gebildet, und der nicht beobachten, der das Aug gemacht hat? Der Herr weiß die Gedanken der Menschen (Ps. 93, 7-11).

Also sieht er Alles, auch die Gedanken, auch die geheimen Entschlüsse. Und daher liegt auf den Menschen die vorzügliche Pflicht, gut zu handeln, weil alles, was sie denken und tun, vor Gottes Angesicht geschieht. Alles ist enthüllet und offen vor seinen Augen (Hebr. 4, 13.).

Es ist aber auch zu glauben, dass jener Gott, der Alles ordnet und leitet, nur Ein Gott ist, und die Ursache ist, weil nämlich jene Anordnung menschlicher Dinge die beste ist, vermöge welcher die Menge von Einem gelenkt und beherrschet wird. Denn die Mehrheit der Vorsteher stiftet oft Uneinigkeit unter den Gehorchenden; da also die göttliche Herrschaft vollkommener ist, als die menschliche, so erhellt, dass die Welt nicht von mehreren, sondern von einem Gott beherrscht wird. Es sind aber vier Veranlassungen, welche die Menschen auf die Mehrheit der Götter geführt haben.

Die erst ist die Schwäche des menschlichen Verstandes. Kurzsichtige Menschen, die sich über das Körperliche nicht schwingen konnten, glaubten, es gäbe nichts über das Wesen sinnlicher Körper, und setzten daher aus jenen Körpern diese zu Vorstehern und Lenkern der Welt, die sie für die schöneren und vornehmeren hielten, schrieben ihnen auch und wandten ihnen göttliche Verehrung zu. Dergleichen waren die Himmelskörper, Sonne, Mond und Sterne. Allein diesen erging es, wie jemanden der um den König zu sehen nach Hof ginge, und jeden wohlgekleideten für den König selbst hielte. Von ihnen sagt die Schrift: Sonne, Mond und Gestirne haben sie für weltbeherrschende Gottheiten angesehen (Weish. 13, 2.), und: Blicket empor! Die Himmel werden wie Rauch zerstieben (Is. 51, 6.).

Die zweite Veranlassung ist Schmeichelei der Menschen. Denn in dieser Absicht haben Einige durch Folgeleistung und Unterwerfung die Gott schuldige Ehre ihren Gebietern und Königen erwiesen, ja sie nach dem Tode zu Göttern gemacht, oder wohl noch im Leben Götter genannt. Alle Völker sollen wissen dass Nabuchodonosor allein, und sonst niemand Gott der Erde ist (Jud. 5, 29.).

Die dritte Veranlassung ist fleischliche Neigung zu Kindern und Verwandten. Denn einige errichteten aus übermäßiger Liebe den Ihrigen nach dem Tode Standbilder und so fügte sich es nach und nach, dass man diesen Standbildern göttliche Verehrung bezeigte. Dahin zielte die Weisheit: Ihren Leidenschaften der Gebietern zugefallen haben die Menschen den Steinen und dem Holze einen Namen beigelegt, der keinem Geschöpfe gegeben werden kann (Is. 14, 13.14.).

Die vierte Veranlassung ist die Bosheit des Teufels. Denn er wollte schon von Anbeginn Gott gleich sein. Deswegen sagt er: Ich werde zum Himmel aufsteigen, meinen Sitz über Gottes Gestirne erheben und dem Höchsten gleich sein (Esai. 14, 13.14). Und diesen Willen hat er noch nicht aufgegeben, und sein ganzes Bemühen geht dahin, dass ihn die Menschen anbeten und ihm Opfer bringen sollten. Nicht als gefiele er sich in dem Opfer etwa eines Hundes oder einer Katze, sondern darin gefiel er sich, wenn ihm die Menschen gleiche Ehre, wie Gott brächten. Daher sprach er zu Christus: Alles dieses werde ich dir geben wenn du mich kniefällig anbetest (Mt. 4, 9.) Daher ist es, dass die bösen Geister aus den Götzenbildern Antwort gaben, um als Gottheiten verehrt zu werden. Alle Heidengötter sind Teufel (Ps. 95, 5) Was die Heiden opfern, opfern sie den Teufeln, nicht Gott (1. Kor. 10, 20) So schrecklich dieses ist: gibt es dennoch viele, die sich in diese vier Veranlassungen oft verirren, und wo nicht mit dem Munde, oder Herzen, gleichwohl mit der Tat zu erkennen geben, dass sie an mehr, als einen Gott, glauben. Denn die glauben, dass die Himmelskörper auf den Willen des Menschen Einfluss haben und zu ihren Handlungen gewisse Zeiten wählen, machen die Himmelskörper zu gebieten den Gottheiten. Fürchtet euch nicht vor den Himmelszeichen vor welchen die Heiden Furcht haben. Denn die Vorschriften der Heiden sind eitel (Jer. 10, 2.3.). So machen auch jene aus ihren Fürsten Gottheiten, welche ihnen mehr als Gott oder gar gegen Gott gehorsam sind. Man muss Gott mehr gehorchen, als den Menschen (Apg. 5, 20.). So zeigen auch jene mit ihren Taten auf Vielgötterei, die ihre Kinder, oder Blutsfreunde mehr lieben, als Gott, oder auch jene, die ihm den Fraß vorziehen oder wie der Apostel sagt: Derer Gott der Bauch ist (Phil. 3, 19.). So halten jene die Teufel für Gottheiten, die der Zauberei und Alchimie nachhangen, und der Beweis ist, weil sie von den Teufeln das verlangen, was Gott allein gewähren kann, nämlich Offenbarung verborgener, und Gewissheit zukünftiger Dinge. Die erste Glaubenspflicht ist also, dass nur ein Gott ist.

3. Allmächtigen Schöpfer des Himmels und der Erde

Nach der erst gedachten Pflicht ist nun die zweite, zu glauben, dass dieser Gott der Schöpfer und Urheber des Himmels und der Erde, alles Sichtbaren und Unsichtbaren ist. Und damit in Gegenwart alle tiefsinnigeren Gründe befertigt bleiben, lässt sich mit einem sehr fasslichen Beispiel dartun, dass Alles von Gott erschaffen, und gemacht worden ist. Denn sicher ist es, daß jemand, der beim Eintritt in ein Haus eine Wärme empfände, die immer zunähme, je weiter er in das Haus hineinkäme ohne das Feuer, welches diese Wärme verursachte, zu sehen, schließen würde, dass in dem Hause ein Feuer sei. Eben dieses ereignet sich nun mit jenem, der die Wesen dieser Welt betrachtet. Er findet, dass alle Dinge nach verschiedenen Stufen der Schönheit und Vortrefflichkeit gereiht sind und je mehr er sich Gott nähert, desto mehr Schönheit und Vortrefflichkeit entdecket er. Daher sind die Himmelskörper schöner und edler als die irdischen und die Unsichtbaren schöner und edler als die Sichtbaren, und daher muss man glauben, dass sie alle von einem Gott sind, der jeglichem sein Dasein und seine Vorzüge gibt. Allein alle Menschen, in welchen keine Erkenntnis Gottes ist sind eitel und konnten aus dem sichtbaren Guten auf den nicht kommen, der da ist; schlossen auch aus der Betrachtung der Werke nicht auf den Werkmeister. Und weiter: Dennoch lässt sich aus dem herrlichen Ansehen der Schöpfung der Schöpfer augenscheinlich entdecken (Weish. 13, 1.5.). Und so muss uns ungezweifelt einleuchten, dass Alles was in der Welt ist, von Gott ist.

Allein hier ist ein dreifacher Irrtum zu vermeiden. Der erste ist jener der Manichäer (Von dieser alten Ketzerei fanden sich noch in des heiligen Lehrers Zeiten einige Überbleibsel in Italien. Sein Ordensgenosse Petrus der Blutzeuge hatte selbst manichäische Eltern), welche behaupten, alle sichtbaren Dinge wären vom bösen Geiste erschaffen und Gott allein die Schöpfung der unsichtbaren Dinge zuschreiben. Der Grund ihres Irrtumes ist, dass sie sagen, weil Gott, wie angemessen, das höchste Gut ist, so müsse alles was vom Guten kommt, auch gut sein. Sie wissen nämlich den genauen Unterschied des Bösen und Guten nicht und halten daher alles für vollkommen böse, was nur in gewisser Hinsicht böse ist. So heißt ihnen das Feuer vollkommen böse, weil es brennt, das Wasser, weil es ersäuft usf. Weil daher keines der sinnlichen Dinge vollkommen gut, sondern jedes in gewisser Hinsicht böse und mangelhaft ist, so machen sie zum Schöpfer alles Sichtbaren nicht den guten, sondern einen bösen Gott. Gegen sie hat schon Augustinus folgendes Gleichnis gebraucht: Wenn jemand in das Haus eines Künstlers ginge, sich dort an einem vorgefundenen Werkzeuge stieße und verletzte, und darüber den Künstler, der solches Werkzeug hätte, für böse halten wollte, der wäre ein Tor, weil der Künstler dieses Werkzeug zu seiner Arbeit vonnöten hat: eben so töricht wäre es, die Geschöpfe böse zu schelten, weil sie einesteils schädlich sind, da das, was dem einen schadet, dem andern nützt. Dieser Irrtum streitet gegen den Glauben der Kirche und um ihn zu entfernen, heißt es im Glaubensbekenntnisse: Schöpfer der sichtbaren und unsichtbaren Dinge und: Im Anfange schuf Gott Himmel und Erde (Gen. 1, 1.) Alles ist durch ihn gemacht worden (Joh. 1, 3.)

Der zweite Irrtum ist jener, die behaupten die Welt sei von Ewigkeit. Petrus führet sie redend ein: Seit dem Hinscheiden unsrer Urväter bleibt alles so, wie es vom Anfange der Schöpfung war (2. Petr. 3, 4.). Sie verfielen auf diesen Satz, weil sie keinen rechten Begriff vom Ursprung der Welt hatten. Daher erging es ihnen, wie Rabbi Moyses sagt (Der Sohn Maimons, ein Spanier, einer der gelehrtesten Juden, gestorben 1205) gleich einem Knaben, der gleich nach der Geburt nach einer Insel gebracht würde und erst, wenn er schon erwachsen wäre, hörte, wie der Mensch empfangen, und geboren werde und es dann dem, der es ihm sagte, nicht glaubte, weil es ihm unmöglich schiene. So glauben die, welche den gegenwärtigen Stand der Welt betrachten, nicht, dass sie jemals angefangen habe. Allein auch dieses ist gegen die Lehre der Kirche, und um es zu widerlegen, wird gesagt: Schöpfer des Himmels und der Erde. Denn sind sie geschaffen worden: so ist es klar, dass sie nicht immer waren. Deswegen steht im Psalm: Er sprach, und sie wurden (Ps. 148, 5).

Der dritte Irrtum ist derjenigen, welche annehmen, Gott habe die Welt aus einem vorrätigen Stoffe geschaffen. Darauf gerieten sie, weil sie das Vermögen Gottes nach dem unsrigen messen wollten und glaubten, weil nun der Mensch nichts machen kann, wenn er keinen Stoff vorhanden hat, es war eben somit Gott und er müsse daher bei der Hervorbringung der Dinge schon einen Stoff vor sich gehabt haben. Allein dies ist falsch; denn der Mensch kann deshalb nichts machen ohne vorrätigen Stoff, weil er ein beschränkter Hervorbringer ist, der nur einem bestimmten Stoffe, vorausgesetzt, dass ihn ein anderer liefert, eine bestimmte Gestalt geben kann und die Ursache hiervon ist, weil sein Vermögen nur auf die bestimmte Gestalt geht, so dass er nur die Ursache dieser Gestalt sein kann. Hingegen Gott ist die unbeschränkte Ursache aller Dinge und erschaffet nicht allein die Gestalt, sondern auch den Stoff. Daher hat er auch Alles aus Nichts hervorgebracht und es heißt um diesen Irrtum fern zu halten: Schöpfer des Himmels und der Erde. Denn der Unterschied zwischen Erschaffen und Machen ist dieser, dass Erschaffen Etwas aus Nichts hervorbringen heißt. Machen aber ein Ding aus einem anderen Dinge gestalten. Hat nun Gott Alles aus Nichts hervorgebracht: so muss man glauben, dass er auch alles Vernichtete wieder herstellen könne. Daher kann er ein Erblindeten das Licht, dem Verstorbenen das Leben geben, und so jedes Wunderwerk ausüben. Du hast das Vermögen, o Gott, wenn du willst (Weish. 18, 12).

Aus dieser Betrachtung wird nun der Mensch zu fünf Dingen angeleitet. Das erste Ding ist Erkenntnis der Herrlichkeit Gottes. Denn der Urheber ist über sein Werk. Da also Gott der Urheber aller Dinge ist, so übertrifft er auch unleugbar alle Dinge. Haben die Menschen einige Dinge ihrer Ansehnlichkeit halber für Gottheiten gehalten, so sollen sie begreifen, um wie viel ansehnlicher ihr Beherrscher ist. Haben sie ihre Kraft und ihre Wirkungen bewundert, so sollen sie daraus abnehmen, um wie viel vermögender der ist, der sie erschaffen hat (Weish. 13, 3.4). Daraus folgt, dass Alles, was sich begreifen, oder denken lässt, geringer ist als Gott. Siehe, Gott ist groß, weit über unser Wissen (Job. 36, 26.).

Das zweite Ding führt zur Dankbarkeit. Denn da Gott der Schöpfer aller Dinge ist, so kommt ungezweifelt von ihm alles was wir sind und haben. Was hast du, was dir nicht gegeben wäre (1. Kor. 4, 7)? Des Herrn ist die Erde, und ihre Fülle (Ps. 23, 1.). Darum sind wir zur Erkenntlichkeit verpflichtet. Was werde ich dem Herrn erwiedern für Alles, was er mir verliehen hat (Ps 115, 12.)?

Das dritte Ding bewegt zur Geduld in Widerwärtigkeiten. Denn obschon jedes Geschöpf von Gott und seiner Natur nach gut ist, wenn es uns dennoch einigen Schaden und Schmerzen zufügt, müssen wir glauben, dass dieses Ungemach aber nicht die Schuld von Gott ist, weil kein Übel von Gott ist, das nicht zum Guten zweckt. Wenn nun also jede Strafe von Gott ist, die über den Menschen verhängt wird, so muss er sie geduldig ertragen. Denn Strafen reinigen von Sünden, demütigen die Schuldigen, fordern die Unschuldigen zur Liebe Gottes auf, wenn wir das Gute von der Hand Gottes genommen haben, warum sollten wir nicht auch das Üble nehmen (Job. 2, 10.)?

Das vierte lehret den rechten Gebrauch der Geschöpfe. Denn die Geschöpfe müssen wir dazu brauchen wozu sie von Gott geordnet sind. Sie haben aber einen zweifachen Zweck, nämlich die Verherrlichung Gottes, weil der Herr, wie es in den Sprichwörtern heißt (16, 4.), Alles seiner selbst wegen, das ist zu seiner Ehre gemacht hat und unseren Nutzen, wie wieder die Schrift sagt: was der Herr dein Gott zum Dienst der Völker gemacht hat (Deut. 4, 29.). Wir müssen also die Geschöpfe brauchen zur Ehre Gottes, damit wir ihm nämlich dadurch gefallen, und zu unserem Nutzen, damit wir in diesem Gebrauche nicht sündigen. Alles ist dein, und wir haben dir gegeben was wir von deiner Hand empfangen hatten (1. Chr. 29, 1.). Was wir also immer haben, es mag Wissenschaft, Klugheit, Wohlgestalt sein, müssen wir auf Gott zurückführen, und zu seiner Ehre verwenden.

Das fünfte Ding endlich gibt uns die Würde des Menschen zu erkennen. Denn Gott hat alles wegen des Menschen gemacht, wie der Psalm spricht: Alles hast du seinen Füßen unterworfen (Ps 8, 8.), und der Mensch ist nach den Engeln Gott der ähnlichste unter den Geschöpfen. So bezeugt es die Schrift: lasset uns den Menschen nach unserer Bildung und Ähnlichkeit machen (Gen, 1, 26.) So sprach Gott nicht von dem Himmel, nicht von den Sternen, sondern von dem Menschen, und wieder nicht in Hinsicht auf den Leib, sondern auf die Seele, die freien Willen hat, und unzerstörbar, also dadurch Gott ähnlicher ist, als die übrigen Geschöpfe. Wir müssen daher den Menschen als den würdigsten aller Geschöpfe nach den Engeln betrachten, und unsre Würde keineswegs verkleinern durch Sünden, unordentliches Streben nach körperlichen Dingen, die geringer, als wir, und zu unserem Dienste gemacht sind, sondern uns so betragen, wie uns Gott sein wollte. Er hat den Menschen geschaffen, dass er Allem, was auf Erden ist, vorstünde, und ihm gehorchte. Unsre Pflicht ist also den Geschöpfen gebieten und vorstehen, Gott aber unterworfen sein, gehorsam und dienen, und so gelangen wir zu seinem Genuß.

II. Artikel: Und an Jesum Christum, seinen eingeborenen Sohn unsern Herrn

Die Pflicht der Christen fordert, nicht allein an einen Gott, welcher Schöpfer des Himmels, der Erde und aller Dinge ist, zu glauben, sondern auch zu glauben, dass dieser Gott ein Vater, und Christus der wahre Sohn Gottes ist. Dieses ist, wie der heilige Petrus in seinem Sendschreiben sagt, nicht erdichtet, sondern gewiss und durch Gottes Zeugnis auf dem Berge bewiesen. So sagt er: wir verkünden euch die Kraft und Gegenwart unsere Herrn Jesu Christi nicht etwa aus Leichtgläubigkeit an ein ausgesonnenes Mährlein, sondern als Augenzeugen seiner Würde. Gott der Vater ließ ihn zu ehren und zu verherrlichen aus einem himmlischen Glanze folgende Stimme an ihn ergehen: Der ist mein geliebter Sohn, in dem ich mir Wohlgefallen habe. Diese vom Himmel gekommene Stimme haben wir vernommen, da wir mit ihm auf dem heiligen Berge waren (2. Petr. 1, 17. 18. Der Hergang aber wird erzählt Mt. 17. Nach dem heiligen Hieronymus wars der Berg Tabor). So nennt auch Jesus Christus selbst mehrmals Gott seinen Vater, und sich einen Sohn Gottes und die Apostel und heiligen Väter haben unter die Glaubensartikel gesetzt, dass Christus Gottes Sohn ist: Und in Jesum Christum seinen Sohn.

Allein einige Ketzer haben dieses falsch gedeutet. Photinus sagte, Christus sei auf keine andere Weise Gottes Sohn, als jeder tugendhafte Mann, der durch einen guten Wandel und die Erfüllung des göttlichen Willens verdient von Gott an Kindestatt aufgenommen zu werden und so habe Christus, der fromm lebte und Gottes Willen tat, verdienet Gottes Sohn zu heißen. Er sei auch vor der seligsten Jungfrau nicht gewesen, sondern habe angefangen zu sein, als er von ihr empfangen ward. Und so beging er zwei Irrtümer: Den ersten, dass er ihn für keinen wahren natürlichen Sohn Gottes erkannte. Den zweiten, dass er vorgab, er habe nach seinem ganzen Wesen erst in der Zeit angefangen, da doch unser Glaube behauptet, dass er Gottes Sohn nach der Natur und von Ewigkeit ist. Wir haben auch dafür ausdrückliche Sätze gegen ihn in der Heiligen Schrift. Gegen das erste zwar, dass nicht allein Sohn, sondern auch der Eingeborene ist: Der Eingeborene welcher in dem Schoße des Vaters ist (Joh. 1, 18.); gegen das zweite: Ich war schon ehe Abraham war (Joh. 8, 58.). Nun weiß man wohl, dass Abraham vor der seligen Jungfrau war, und daher haben die heiligen Väter in einem andern Glaubensbekenntnisse (in jenem, welches die Kirchenversammlung zu Konstantinopel im Jahre 381 abgefasst hat, und der Priester in der Messe spricht) gegen das erste hinzugesetzt: Den eingeborenen Sohn Gottes, und gegen das zweite: vom Vater erzeuget vor allen Zeiten. Sabellius, obwohl er eingestand, dass Christus vor der seligsten Jungfrau war, ließ doch keinen Unterschied der Personen des Vaters und Sohnes zu, sondern behauptete, der Vater selbst sei Fleisch geworden, und habe also eben dieselbe Person mit dem Sohn. Allein auch dieses ist irrig, denn es nimmt die Dreiheit der Personen weg, und widerspricht dem Satz: Ich bin nicht allein, sondern ich und der Vater, der mich gesandt hat (Joh. 8, 16); denn offenbar sendet niemand sich selbst. Daher sagt Sabellius falsch, und die Väter habe ins Glaubensbekenntnis gesetzt: Gott von Gott, Licht von Licht, das heißt: Gott Sohn von Gott Vater, den Sohn, der Licht ist, vom Vater, der Licht ist, müssen wir glauben. Arius (Dieser und Photinus verbreiteten ihre Irrlehren im vierten, Sabellius im dritten Jahrhundert der Kirche) endlich lehrte zwar, Christus sei vor der seligen Jungfrau gewesen, und habe eine andere Person, als die des Vaters; allein er behauptete von ihm erstens, dass der Sohn Gottes ein Geschöpf war; zweitens, dass ihn Gott nicht von Ewigkeit, sondern in der Zeit zum edelsten Geschöpfe gemacht hat; drittens, dass Gott der Sohn nicht einer Natur mit Gott dem Vater und folglich nicht wahrer Gott ist. Dieses ist nicht weniger falsch, und gegen die Aussprüche der Heiligen Schrift. Es steht geschrieben: Ich und der Vater sind eins (Joh. 10, 30.), nämlich nach der Natur, und daher wie der Vater immer war, so auch der Sohn, wie der Vater wahrer Gott ist, so auch der Sohn. Wenn also Arius sagt, Christus sei ein Geschöpf, sagen die Väter im Glaubensbekenntnisse entgegen: wahren Gott vom wahren Gott; wenn er sagt, Christus sei nicht von Ewigkeit, sondern aus der Zeit, sagen sie eben daselbst: erzeugt, nicht erschaffen; wenn er sagt, sein Wesen sei vom Vater verschieden, setzen sie hinzu: Eines Wesens mit dem Vater.

Wir sehen daher, dass uns auferleget ist, zu glauben, dass Christus der eingeborene und wahre Sohn Gottes ist, dass er immer mit dem Vater war, dass seine Person von der des Vaters verschieden, seine Natur aber mit der des Vaters eben dieselbe ist. Und dieses halten wir hier durch den Glauben, werden es aber im ewigen Leben durch vollkommenes Anschauen erkennen. Ich will mich daher zu unserem Troste noch etwas mehr darüber erklären.

Es ist nämlich zu wissen, dass die Zeugungsart bei Verschiedenen verschieden ist. Anders zeugt Gott, anders zeugen andere Wesen. Darum können wir uns der Zeugung Gottes nur durch die Zeugung desjenigen Wesens nähern, welches sich unter den Geschöpfen der Ähnlichkeit Gottes am meisten nähert. Nichts ist aber Gott ähnlicher als die Seele des Menschen, wie ich schon gesagt habe. Nun ist die Zeugungsart der Seele so beschaffen: Der Mensch denkt etwas durch seine Seele, und dieses wird ein Begriff des Verstandes genannt. Ein solcher Begriff kommt von der Seele, wie von einem Vater, und heißt das Wort des Verstandes, oder des Menschen. Die Seele erzeugt also durch Denken ihr Wort, und eben so ist der Sohn Gottes nichts anders, als das Wort Gottes, nicht wie ein äusserlich vorgebrachtes Wort; denn dieses geht vorüber, sondern wie ein innerlich Gedachtes, und deshalb ist das Wort Gottes selbst einer Natur mit Gott, und Gott gleich. Deshalb vernichtet auch der heilige Johannes drei Ketzereien, da er vom Worte Gottes spricht: zuerst die des Photinus, da er sagt: Im Anfange war das Wort; dann die des Sabellius, da er sagt: Und das Wort war bei Gott; endlich die des Arius: da er sagt: Und Gott war das Wort (Joh. 1, 1.). Allein anders ist das Wort in uns, und anders ist es in Gott. Denn in uns ist unser Wort zufällig; in Gott hingegen ist sein Wort das, was Gott selbst ist, da in Gott nichts ist, was nicht sein Wesen ausmacht. Niemand aber kann sagen, dass Gott ohne Wort sei; denn so wäre er ohne Verstand, und daher, wie Gott immer war, so war auch sein Wort immer. Wie nun ein Künstler Alles hervorbringt durch sein Wort, das ist, durch das Bild, welches er vorher in seiner Seele entwarf; so macht Gott der höchste Künstler alles durch sein Wort. Alles ist durch das Wort gemacht worden (Joh. 1, 1.), und ist das Wort Gottes der Sohn Gottes, und haben alle Worte Gottes eine gewisse Ähnlichkeit mit diesem Wort: so müssen wir erstens Gottes Worte gerne anhören. Denn die geneigte Anhörung seiner Worte ist ein Zeichen, dass wir ihn lieben.

Wir müssen zweitens seinen Worten glauben. Denn dadurch wohnt das Wort Gottes, das ist Christus, der das Wort Gottes ist, in uns. So wünscht der Apostel: dass Christus durch den Glauben in euren Herzen wohne (Eph. 3, 17.), und er selbst sagt: weil ihr dem nicht glaubet, den der Vater gesandt hat, bleibet sein Wort nicht in euch (Joh. 5, 38.).

Wir müssen drittens das in uns bleibende Wort Gottes unablässig erwägen; denn um es fruchtbar zu machen ist nicht allein von Nöten zu glauben, sondern auch zu betrachten, und diese Betrachtung ist sehr wirksam gegen die Sünde. Ich habe deine Aussprüche in meinem Herzen verwahrt um dir nicht zu sündigen (Ps. 118, 12.). Und von dem Gerechten heißt es: Tag und Nacht wird er dem Gesetz des Herrn nachdenken (Ps. 1, 2.). Daher steht auch von der seligen Jungfrau angemerkt: Sie bewahrte und überlegte alle Worte in ihrem Herzen (Lk. 2, 19.).

Viertens muss der Mensch das Wort Gottes mitteilen durch Ermahnung, Erklärung, Aneiferung. Keine böse Rede komme aus eurem Munde, sondern was ihr gutes wisst zur Erbauung (Eph. 4, 29.). Das Wort Christi soll in euch so reichlich wohnen, dass ihr euch in aller Weisheit einander belehren und vermahnen könnt (Kol. 3, 16.). Verkünde das Wort angelegentlich Geneigten und Ungeeigneten (2. Tim. 4, 2.).

Endlich muss das Wort Gottes in Ausübung gebracht werden. Seid Befolger des Wortes, und nicht lediglich euch selbst täuschende Anhörer (Jak. 1, 22.). Alle diese fünf Stücke hat die heilige Maria, da sie das Wort Gottes aus sich gebar, der Ordnung nach beobachtet. Erstens hat sie gehört: Der heilige Geist wird über dich kommen (Lk. 1, 35). zweitens hat sie durch den Glauben eingewilligt. Sieh ich bin eine Magd des Herrn (1, 38). Drittens hat sie empfangen und im Leib getragen. Viertens hat sie zur Welt geboren. Fünftens hat sie ernährt und gesäugt, wie die Kirche singt: Den König aller Engel selbst hat diese Jungfrau nur gesäugt, mit ihrer Brust vom Himmel voll (In den Tagzeiten an dem Beschneidungsfest zur Metten).

III. Artikel: Der empfangen ist von dem Heiligen Geiste, geboren aus Maria der Jungfrau

Der Christ ist nicht allein gebunden an den Sohn Gottes zu glauben, wie wir dargetan haben, sondern er muss eben so dessen Menschwerdung glauben. Daher führt uns der heilige Johannes, nachdem er viele geheimnisvolle und hohe Dinge gesagt hatte, in der Folge auf diese Menschwerdung, indem er spricht: Und das Wort ist Fleisch geworden (Joh. 1, 14.). Von diesem nun einigen Begriff zu geben will ich mich eines zweifachen Gleichnisses bedienen.

Offenbar ist dem Sohne Gottes nichts vergleichbarer, als ein in unserm Herzen gedachtes, aber nicht ausgesprochenes Wort. So lange dieses Wort in dem Herzen des Menschen ist, erkennt es niemand, als der es denkt. Es wird nur erst erkannt, wenn es ausgesprochen wird. So ward das Wort Gottes von niemanden erkannt, als von dem Vater, so lange es in dem Herzen des Vaters blieb. Nur dann, als es in Fleisch, wie das Wort in die Stimme, gekleidet ward, gelangte es zu allgemeiner Kenntnis. Nachher ließ es sich auf Erde sehen, und ging mit den Menschen um (Bar. 3, 38).

Das zweite Gleichnis. Obschon das ausgesprochene Wort durch das Gehör erkannt wird, lässt es sich doch weder sehen noch berühren. Schreibet man es aber auf Papier, dann wird es sichtbar und fühlbar. So ward das Wort Gottes sichtbar und fühlbar, als in unser Fleisch gleichsam niedergeschrieben ward, und so wie ein Papier, auf welchem das Wort eines Königs steht, das Wort des Königs heißt: so heißt der Mensch mit dem das Wort Gottes in einer Person vereiniget ist, der Sohn Gottes. Dahin deutet der Prophet: Nimm dir ein großes Buch, und schreib in dasselbe mit dem Griffel nach Menschenart (Is. 8, 1.). Deswegen haben auch die heiligen Apostel ausgesprochen: Empfangen von dem Heiligen Geiste, geboren aus Maria der Jungfrau, und weil viele es irrig verstanden, setzten die Kirchenväter in dem anderen Bekenntnisse der nizäischen Versammlung manches hinzu, um in Zukunft allen Irrtümern vorzubeugen. Denn Origenes hatte gesagt: Christus sei auch zur Rettung der Teufel geboren worden, und in die Welt gekommen, und daher würden auch sie am Ende der Welt selig werden, welches gegen Gottes Wort ist; denn es steht geschrieben: Geht von mir ihr Verfluchten ins ewige Feuer, welches dem Teufel und seinen Engeln bereitet ist (Mt. 25, 43) ! Darum ist der widerlegende Zusatz: Der für uns Menschen, nicht für Teufel, und für unser Heil, gemacht worden, welcher die Liebe Gottes zu uns mehr in das Licht setzt. Photinus ließ zwar die Geburt Christi von der seligen Jungfrau zu, fügte aber bei, er sei nichts, als ein Mensch, der durch frommen Wandel und Befolgung des göttlichen Willens verdient habe, ein Sohn Gottes so, wie andere Heilige, zu werden. Dagegen steht geschrieben: Ich stieg vom Himmel, nicht meinen, sondern den Willen dessen zu tun, der mich gesandt hat (Joh. 6, 36). Nun wäre er nicht herabgestiegen, wenn er nicht oben gewesen wäre, und er wäre nicht im Himmel gewesen, wenn er nichts, als ein Mensch wäre. Daher wird gegen diese Irrlehre hinzugesetzt: Er stieg vom Himmel.

Manes sagte, der Sohn Gottes sei zwar immer gewesen, und vom Himmel gestiegen; er habe aber kein wahres, sondern nur ein scheinbares Fleisch angenommen. Auch dieses ist falsch. Denn wie sollte der Lehrer der Wahrheit einen Betrug an sich haben? Wie er wahres Fleisch zeigte, so hatte er es auch. Fühlt und seht, sprach er, ob ein Geist Fleisch und Gebeine habe, wie ihr es an mir findet (Lk. 24, 39). Dieses zu widerlegen haben die Väter hinzugesetzt: Und er hat Fleisch angenommen. Ebion, von Geschlechte ein Jude, gab vor, Christus sei zwar von der seligen Jungfrau geboren worden, aber aus männlicher Beiwohnung; allein irrig; denn der Engel sagte: Was in ihr erzeugt ward, ist vom Heiligen Geiste (Mt. 1, 20.). Darum fügten die Väter bei: Vom Heiligen Geiste.

Valentinus gestand, dass Christus vom heiligen Geiste empfangen ward; behauptete hingegen, der heilige Geist habe einen himmlischen Körper in die selige Jungfrau hernieder gebracht; dies sei der Leib Christi, Maria habe nichts anders dabei getan, als dass sie ihn aufnahm, daher schloß er, dieser Leib sei durch sie nur so durchgegangen wie durch einen Rinnsal. Die Falschheit erhellet aus den Worten des Engels: was aus dir heiliges geboren werden wird, wird Gottes Sohn heißen (Lk. 1, 35.), und aus dem Apostel: Als die Fülle der Zeit ankam, sandte Gott seinen Sohn, der aus einer Frau gemacht war (Gal. 4, 4.). Daher der Beisatz: Geboren aus Maria der Jungfrau.

Arius und Apollinaris lehrten, dass Christus zwar das Wort Gottes, und aus Maria der Jungfrau geboren sei, aber keine Seele, sondern an ihrer statt die Gottheit gehabt habe. Auch dieses ist gegen die Schrift; denn Christus sagte: Meine Seele ist zerstört (Joh. 12, 27) und wieder: Meine Seele ist betrübt bis in den Tod (Mt. 26, 36.). Diesen Irrtum zu entfernen haben die heiligen Väter hinzugefügt: Und er ist Mensch geworden. Denn der Mensch besteht aus Seele und Leib, und daher hat Christus, die Sünde ausgenommen, in Wahrheit alles gehabt, was man zu einem Menschen fordern kann. Dadurch aber dass gesagt wird: Er ist Mensch geworden, werden all bisher angeführten, und noch erdenklichen Irrtümer vernichtet, und besonders jener des Eutyches, welcher sagte, es sei durch eine Mischung der göttlichen und menschlichen Natur eine Natur Christi entstanden, nach welcher er weder ganz Gott, noch ganz Mensch sei. Denn so wäre er kein wahrer Mensch gegen den ausdrücklichen Satz: Er ist Mensch geworden, welches falsch ist. So fällt auch der Irrtum des Nestorius weg (Von den bisher genannten Irrtümern schwärmte Ebion im ersten, Valentinus im zweiten, Manes und Origines im dritten, Apollinaris im vierten, Eutyches und Nestorius im fünften Jahrhunderte der Kirche), welcher lehrte, der Sohn Gottes sei mit dem Menschen nur durch Einwohnung vereiniget. Der Ungrund erhellet, weil er auf solche Weise nicht Mensch, sondern nur in dem Menschen wäre. dass er aber Mensch sei, sagt der Apostel: Er ist Menschen gleich, und in Menschengestalt befunden worden (Phil. 2, 7), und er selbst: Ihr sucht mich zu töten, einen Menschen, der euch die Wahrheit gesagt hat (Joh. 8, 40.).

Aus dem bisher Gesagten lassen sich nun verschiedene Nutzanwendungen machen.

Erstens wird unser Glaube befestigt. Der etwas erzählt von einem fernen Lande, wo er nicht selbst war, überzeugt nicht so, wie jener, der selbst dort war. Patriarchen, Propheten, Johannes der Täufer hatten vieles von Gott gesagt, ehe Christus in die Welt kam; aber die Menschen glaubten ihnen nicht so, wie Christus, der mit Gott, ja Eines mit ihm war. Daher ist unser Glaube an die von ihm vorgetragene Lehre stärker. Niemand hat Gott gesehen. Der Eingeborene Sohn der im Schoße des Vaters ist, hat uns von ihm berichtet (Joh. 1, 18). Daher kommt es, dass uns viele Glaubensgeheimnisse nun nach der Ankunft Christi bekannt sind, die vorher verborgen waren.

Zweitens erschwingt sich dadurch unsere Hoffnung. Denn wir sind überzeugt, dass Christus nicht geringer Dinge wegen zu uns kam, und unser Fleisch annahm, sondern zu unserem großen Nutzen. Er hat nämlich ein Art von Vertrag mit uns errichtet, da er sich würdigte, Leib und Seele anzunehmen, und von der Jungfrau geboren zu werden, um uns dafür seine Gottheit zu geben, und ist so Mensch geworden, dass er den Menschen zur Gottheit erhob. Wir haben durch ihn und durch den Glauben den Zugang zu dieser Gnade, und rühmen uns in der Hoffnung der Herrlichkeit der Söhne Gottes (Röm. 5, 2.).

Drittens wird dadurch die Liebe angeflammt. Denn es ist kein augenscheinlicherer Beweis der göttlichen Liebe, als dass Gott der Schöpfer aller Dinge ein Geschöpf, unser Herr, unser Bruder, der Sohn Gottes ein Sohn des Menschen geworden ist. So hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingebornen Sohn gab (Joh. 3, 16). Diese Betrachtung muss unsre Gegenliebe anfachen, und in Flammen zu Gott setzen.

Viertens leitet uns dieses zur Erhaltung der Reinheit unserer Seele. Denn durch die Verbindung mit Gott ist unsere Natur so geadelt und erhöhet worden, dass sie zur Mitgenossin einer göttlichen Person ward. Daher nahm der Engel nach der Menschwerdung Christi die tiefe Verehrung des heiligen Johannes nicht mehr an, die er vorher auch von den größten Patriarchen angenommen hatte (Offb. 19, 10; 22, 9. Gen. 18, 2; Jos. 5, 15.). In Hinsicht also auf diese Erhöhung muss sich der Mensch zu groß dünken, sich und seine Natur durch die Sünde herabzuwürdigen. Deshalb spricht auch der heilige Petrus: Durch ihn hat uns Gott die größten und teuersten Verheißungen erfüllt, dass wir nämlich Mitgenoßen der göttlichen Natur würden und flöhen die verderbliche Begierlichkeit die in der Welt ist (2. Petr. 1, 4.).

Fünftens entbrennt dadurch unser Verlangen zu Christus zu kommen. Hätte jemand einen König zum Bruder, und wäre er von ihm entfernt; wie seht wünschte er, zu seinem königlichen Bruder zu kommen, bei ihm zu sein und zu bleiben? Nun ist Christus unser Bruder; wir müssen also verlangen, ihn zu erreichen und mit ihm vereinigt zu werden. Wo immer ein Körper sein wird, dort werden sich die Adler versammeln (Mt. 24, 28.), und der Apostel begehrte aufgelöst zu werden und mit Christus zu sein (Phil. 1, 23.). Dieses Begehren wächst in uns durch die Betrachtung seiner Menschwerdung.

IV. Artikel: Hat gelitten unter Pontius Pilatus, ist gekreuzigt worden, ist gestorben, ist begraben worden

So notwendig es dem Christen ist, die Menschwerdung des Sohns Gottes zu glauben; eben so notwendig ist ihm der Glaube an sein Leiden und an seinen Tod. Denn, wie Gregorius sagt, die Geburt würde nichts genützt haben, wenn die Erlösung nicht genützt hätte. Dies aber, dass Christus für uns gestorben ist, ist so erhaben, dass es unser Verstand kaum begreift, ja, dass es allen unseren Verstand übersteigt. Das ist, was der Apostel spricht: Ich tue eine Tat in euren Tagen, eine Tat, die ihr nicht glauben werdet, wenn sie euch jemand erzählet (Apg. 13, 41), und was der Prophet vor ihm gesagt hat: Eine Tat ist in euren Tagen geschehen, die niemand glauben wird, der sie anhört (Hab. 1, 5.). So huld- und liebvoll ist nämlich Gott gegen uns, dass er mehr für uns getan hat als wir wohl fassen mögen.

Dennoch lehrt der Glaube nicht, dass durch Christi Tod auch die Gottheit, sondern nur, dass die menschliche Natur in ihm gestorben ist. Er starb nur nach seiner Menschheit, nicht nach seiner Gottheit. Dies erklären drei Gleichnisse. Die eine ist von uns selbst genommen. Wenn durch den Tod des Menschen die Seele von dem Leib getrennt wird, stirbt sicher die Seele nicht, sondern nur der Leib, oder das Fleisch; ebenso starb in Christi Tod nicht die Gottheit, sondern nur die menschliche Natur. Aber so scheinen ja die Juden, weil sie die Gottheit nicht töteten, nicht mehr gesündigt zu haben, als wenn sie jeden andern Menschen umgebracht hätten? Keineswegs. Ein Mensch, welcher das Kleid am Leib eines Königs beschmutze, wäre so strafwürdig als hätte er den König selbst beschmutzt. Daher sind die Juden, die Gott nicht töten konnten, aber doch die von Christus angenommene menschliche Natur getötet haben, so gestraft worden, als wenn sie die Gottheit selbst getötet hätten. Ferner habe ich schon gesagt: Der Sohn Gottes ist das Wort Gottes, und das Wort Gottes im Fleische ist, wie das geschriebene Wort eines Königs. Wer nun die Schrift eines Königs zerrisse, dem würde es so angerechnet werden, als hatte er das Wort des Königs zerrissen. Auf eben die Art wird das Vergehen der Juden so gehalten, als wenn sie das Wort Gottes umgebracht hätten.

Allein war es dann eine Notwendigkeit, dass Gottes Wort für uns litt? Allerdings, und es kann eine zweifache Ursache angegeben werden. Um eine um ein Mittel gegen die Sünde, die andere, um ein Vorbild des Wandels zu haben. Ein Mittel, denn dies finden wir in dem Leiden Christi gegen alle Übel, in die wir durch die Sünde verfallen. Dieser Übel sind fünferlei.

Das erste ist Verunreinigung; den der Mensch entstellt seine Seele, wenn er sündigt, und die Sünde ist ihre Unzierde, so wie die Tugend ihre Schönheit ist. Was tust du, Israel, im Lande deine Feinde? Du hast dich mit Toten besudelt (Bar. 3, 10.11). Davor stellt das Leiden Christi sicher. Denn er hat von seinem Blute ein Bad bereitet, die Sünder zu reinigen. Er hat uns von unseren Sünden in seinem Blute gewaschen (Offb. 1, 5.). Es wird aber die Seele in diesem Blute gewaschen durch die Taufe, welche eine wiedergebärende Kraft von diesem Blute hat. Wenn sich daher jemand durch Sünden beschmutzt, fügt er Christus ein Unrecht zu, und vergeht sich ärger als zuvor. Wer das Gesetz Moses übertritt, ist auf die Aussage zweier oder drei Zeugen ohne Nachsicht des Todes. Erwäget nun, welche strengere Strafe jener verdiene, der den Sohn Gottes unter die Füsse tritt, und das Blut des Bundes für unheilig hält (Hebr. 10, 28.29.).

Das zweite Übel ist Beleidigung Gottes. Denn wie der Fleischliche die fleischliche Schönheit liebt: so liebt Gott die geistliche, das ist, die Schönheit der Seele. Wird also die Seele durch eine Sünde verunreiniget, dann wird Gott beleidigt und gegen den Sünder aufgebracht. Gott hasst den Bösen und seine Bosheit (Weish. 14, 9). Diesem hilft nun das Leiden Christi ab, der Gott seinem Vater für die Sünde, für welche der Mensch selbst nicht genug tun konnte, genug getan hat, dessen Liebe und Gehorsam größer war, als die Sünde und Übertretung des ersten Menschen. Da wir Gottes Feinde waren, wurden wir durch den Tod seines Sohnes mit ihm wieder ausgesöhnt (Röm. 5, 10).

Das dritte Übel ist unser Unvermögen. Der Mensch glaubt, wenn er auch einmal sündigt, sich nachher vom Sündigen enthalten zu können. Allein es geschieht das Gegenteil; denn durch die erste Sünde wird er geschwächt, und zum Falle geneigter, die Sünde bekommt über ihn mehr Gewalt, und er setzt sich, so viel an ihm liegt, gleich dem, der sich in einen Brunnen gestürzt hat, in einen solchen Stand, dass er ohne göttliche Kraft nicht wieder erstehen kann. Daher ist unsere Natur, nachdem der Mensch gesündigt hat, geschwächt und verderbt und die Neigung zur Sünde stärker geworden. Allein Christus hat diese Unvermögenheit und schwäche zwar nicht ganz weggenommen, aber doch so vermindert, dass der Mensch durch sein Leiden kräftiger, die Sünde hingegen kraftloser geworden ist, dass sie ihn nicht mehr beherrschet, er aber mit dem Beistande der Gnade Gottes, die ihn durch die Sakramente, die vom Leiden Christi ihre Wirksamkeit haben, mitgeteilt wird, sich bestreben kann, sie zu vermeiden. Unser alter Mensch ist mit ihm gekreuzigt worden, damit der Leib der Sünde zerstört würde (Röm. 6, 6.). Denn vor Christi Leiden fanden sich wenige, die ohne schwere Sünde lebten, aber nachher lebten und leben viele ohne dieselbe.

Das vierte Übel ist die Strafbarkeit. Die Gerechtigkeit Gottes fordert, dass jeder, der sündigt, gestraft werde, und die Strafe wird nach der Schuld abgemessen. Da also die Schuld einer schweren Übertretung in Bezug auf das unendliche Gut, nämlich Gott, dessen Gebot der Sünder verachtet, unendlich ist, ist die verdiente Strafe einer solchen Übertretung auch unendlich. Allein Christus hat durch sein Leid diese Strafe von uns genommen, und sich aufgeladen. Er hat unsere Sünden, das ist die Strafen derselben, an seinen Leibe erduldet (1. Petr. 2, 24). Das Leiden Christi war nämlich von solcher Kraft, dass es hinreicht, alle Sünden der ganzen Welt, wären sie auch vielmal hunderttausend, zu tilgen. Und daher ist es, dass die Getauften von allen Sünden abgewaschen werden, daher, dass der Priester die Sünden vergibt, daher auch, dass jener, der sich dem Leiden Christi mehr gleichförmiger macht, reichere Verzeihung erhält, und größere Gnade verdienet.

Das fünfte Übel ist die Ausschließung vom Reiche. Denn, wer Könige beleidigt, wird des Reiches verwiesen, und so der Mensch der Sünde wegen des Paradieses. So ward Adam gleich nach der Sünde daraus gestossen, und der Eingang dazu gesperrt (Gen. 3). Allein Christus hat durch sein Leiden diesen Eingang wieder geöffnet, und die Verwiesenen ins Reich zurückrufen. Durch die Öffnung seiner Seite wurde das Tor des Paradieses eröffnet, durch das herausquellende Blut die Unreinigkeit abgespült, Gott versöhnt, das Unvermögen weggenommen, die Strafe getilgt, die verstossenen ins Reich eingelassen. Darum hörte der Mörder sogleich: Heute wirst du mit mir im Paradiese sein (Lk. 23, 43). So klang es nicht ehemal. Dies hörte niemand, nicht Adam, nicht Abraham, nicht David, sondern heute, nämlich da das Tor eröffnet wurde, flehte und fand der Mörder Vergebung. Habet Vertrauen auf den Eingang der Heiligen im Blute Christi (Hebr. 10, 19). Und hieraus erhellt, wie nützlich das Leiden des Herrn ist, wenn es als Heilmittel betrachtet wird.

Allein der Nutzen ist nicht geringer, wenn man es als Beispiel betrachtet. Nach dem heiligen Augustinus reicht es hin, unser ganzes Leben zu bilden. Denn wer vollkommen leben will, darf nur verachten, was Christus am Kreuze verachtet hat, und suchen was Christus gesucht hat. Alle Tugendbeispiele finden sich am Kreuze. Will man ein Beispiet der Liebe? Niemand hat größere Liebe, als der seine Seele für seine Freunde hingibt (Joh. 15, 13). Dieses hat Christus am Kreuze getan und darum, wenn er seine Seele für uns gegeben hat, muss es uns nicht schwer fallen, was immer für ein Ungemach seiner wegen zu erdulden. Was werde ich dem Herrn erwiedern für alles was er für mich getan hat (Ps. 115, 12)! Will man ein Beispiel der Geduld? Das vortrefflichste findet sich am Kreuze. Denn große Geduld zeigt sich in zwei Fällen: entweder, wenn jemand ein schweres Übel geduldig leidet, oder wenn er etwas leidet, das er vermeiden könnte und es nicht tut. Nun hat Christus am Kreuze ein schweres Übel erlitten. O ihr alle, die ihr den Weg vorüber wandelt, erwäget und seht, ob ein Schmerz dem meinigen gleiche (Klgl. 1, 12)! Und mit Geduld. Da er litt, drohte er nicht (1. Petr. 2, 23). Wie ein Lamm wird er zum Schlachten geführt werden und verstummen, wie ein Schaf vor dem der es schert (Is. 53, 7.). Und er konnte es vermeiden; und tat es nicht. Meinst du, wenn ich meinen Vater bäte, er würde mir nicht zur Stunde mehr als zwölf Legionen Engel senden (Mt. 26, 53)? Groß ist also Christi Geduld am Kreuze. Lasset uns durch Geduld zu dem uns bevorstehenden Kampfe eilen und die Augen auf Jesus den Urheber und Vollender des Glaubens heften, der mit Verachtung der Schmach den Kreuztod freudig ausgestanden hat (Hebr. 12, 2). Will man ein Beispiel der Demut? Sieh da den Gekreuzigten. Gott wollte unter Pontius Pilatus gerichtet werden, und sterben. Dein Handel ist abgetan worden, wie der eines Übeltäters (Job. 36, 17.). Gewiss wie eines Übeltäters, denn: wir wollen ihn zu dem schimpflichsten Tode verdammen (Phil. 2, 8.). Der Herr beschloss für den Knecht, und das Leben der Engel für den Menschen zu sterben. Will man ein Beispiel des Gehorsames? Man folge dem, der gehorsam ward bis zum Tode (Weish. 2, 20.). Wie durch den Ungehorsam eines Menschen viele Sünder geworden sind, so werden durch den Gehorsam eines Einzigen viele gerechtfertigt werden (Röm. 5, 19.). Will man ein Beispiel der Verachtung des Irdischen? Man folge dem, der König der Könige, Herr der Herrscher ist (Offb. 19, 16.), indem alle Schätze der Weisheit sind (Kol. 2, 3.), der aber am Kreuze nackt, verspottet, verspieen, geschlagen, mit Dornen gekrönt, mit Galle und Essig getränkt den Geist aufgab. Hefte dein Herz, o Mensch! nicht an Pracht und Reichtum; denn sie haben meine Kleider unter sich geteilet (Ps. 21, 19). Nicht an Ehren; denn ich habe Verhöhnung und Streiche ertragen (Hebr. 11, 36.). Nicht an Würden, denn sie flochten eine Krone von Dornen und setzten sie auf mein Haupt (Mt. 27, 29). Nicht an Wohllüste; denn sie haben mich in meinem Durste mit Essig getränkt (Ps. 68, 22). Alle irdische Güter, spricht Augustinus, hat der Mensch Jesus Christus verachtet, um zu zeigen, was man verachten müsse.

V. Artikel: Ist abgestiegen zu der Hölle. Am dritten Tage von den Toten auferstanden

1. Ist abgestiegen zu der Hölle

Der Tod Christi ist, wie schon gesagt ward, bewirkt worden nach andrer Menschen Art, durch die Trennung der Seele von dem Leib. Allein die Gottheit war mit dem Menschen Christus so unauflöslich verbunden, dass sie unerachtet Leib und Seele geschieden waren, dennoch auf die vollkommenste Weise sowohl mit Seele, als mit dem Leib war, und der Sohn Gottes also mit dem Leib in dem Grabe ruhte, mit der Seele zur Hölle niederstieg. Es lassen sich aber vier Ursachen dieses Niedersteigens angeben.

Erstens: damit er so die ganze Strafe der Sünde trüge, um die ganze Schuld zu tilgen. Es bestand nämlich die Sündenstrafe des Menschen nicht in dem einzigen leiblichen Tode; es war auch die Seele, von der die Sünde vorzüglich herrührte, strafmäßig und wurde durch die Beraubung der Anschauung Gottes gestraft, für deren Aufhebung noch keine Genugtuung geleistet war, so dass vor Christi Ankunft auch die heiligen Väter nach dem Tod zur Hölle (Es ist hier immer von der Vorhölle die Rede) hinunterstiegen. Damit also Christus die ganze Strafe, welche die Sünder verdienet hatten, duldete, wollte er nicht allein sterben, sondern auch der Seele nach zur Hölle hinuntersteigen. Daher steht geschrieben: Ich bin denen beigezählt worden, die zur Tiefe niedersteigen, bin geworden wie ein hilfloser Mensch, dennoch frei unter den Toten (Ps. 78, 5.6). Die anderen befanden sich nämlich dort, als Knechte, Christus, als frei.

Zweitens damit er allen seinen Freunden vollkommen zu Hilfe käme. Denn er hat seine Freunde nicht allein auf der Welt, sondern auch in der Hölle. In so ferne ist nämlich jemand Freund Christi, als er Gott liebt. Nun waren viele in der Hölle, die in Liebe und Glauben an den, der da kommen sollte, gestorben waren, wie Abraham, Isaak, Jakob, Moses, David und andere Gerechte und vollkommene Männer. Wie demnach Christus die Seinigen auf der Welt besucht und durch seinen Tod gerettet hat, so wollte er auch die Seinigen in der Hölle besuchen und durch seine Hinabkunft aufrichten. Ich werde die unteren Teile der Erde durchdringen, alle Schlafenden besehen, und alle die auf den Herrn hoffen, erleuchten (Sir. 34, 45).

Die dritte Ursache ist: damit er über den Teufel vollkommen siegte. Damals siegte einer vollkommen über den andern, wenn er ihn nicht allein aus dem Felde schlägt, sondern ihm auch bis in sein Gebiet dringt und seinen Reichssitz und Pallast einnimmt. Nun hatte Christus über den Teufel gesiegt und ihn am Kreuze überwunden. Darum sagte er: Jetzt ist das Gericht der Welt, jetzt wird ihr Fürst, der Teufel nämlich hinausgeworfen werden (Joh. 12, 31). Damit er ihn also vollkommen bezwänge, wollte er ihm seinen Reichssitz wegnehmen und ihn in seinem eigenen Hause, welches die Hölle ist, fesseln. Deshalb fuhr er hinab, verheerte ihm sein Gebiet, band ihn, und kehrte mit seiner Beute zurück. Siegprangend durch sich selbst führte er die beraubten Fürstentümer und Mächte mutig zur öffentlichen Schau (Kol. 2, 15) Er wollte auch so Besitz von der Hölle nehmen, wie er über Himmel und Erde Herrschaft und Besitz erhalten hatte (Mt. 28, 18), damit nach dem Zeugnis des Apostels bei dem Namen Jesu alle Himmlischen, Irdischen und Unterirdischen die Knie beugen (Phil. 2, 10)

Die vierte und letzte Ursache ist, damit er durch die Erleidung des Todes die Heiligen, die in der Hölle waren, befreite. Denn so wie er den Tod leiden wollte, um die Lebenden vom Tode zu erretten, wollte er auch zur Hölle hinabfahren, um die zu erretten, welche dort waren. Auch deine Gefangenen hast du indem Blute deines Bundes von der Tiefe, die kein Wasser hält, losgelassen (Sach. 9, 11). Ich werde dich töten, o Tod, und dir, o Hölle, einen Biss versetzen (Hos.13, 14). Er hat nämlich den Tod gänzlich vernichtet, nicht aber die Hölle, die er nur verletzet hat, weil er nicht alle, sondern nur jene, die ohne Todsünde waren, davon befreite, so, wie auch jene, die für sich sich selbst von der Erbsünde durch die Beschneidung und vor der Beschneidung die Unmündigen, welche durch den Glauben ihrer frommen Eltern, und die Erwachsenen, welche durch Opfer und Glauben an die Zukunft des Heilandes gereinigt worden waren, aber wegen der erblichen Sünde Adams dort aufgehalten wurden, von welcher sie, was ihre Natur betraf, niemand, als Christus, frei machen konnte. Deswegen sagte er nur: Ich werde dir einen Biss versetzen, o Hölle! weil er jene, die in einer schweren Sünde hinabgestiegen waren, und die unbeschnittenen Kinder daselbst gelassen hat (dass sie zum Anschauen Gottes nicht gelangen, ist gewiss, und mehr beweisen auch viele Aussprüche der Kirchenväter nicht. Hieronymus in einem Briefe an Läta will: man soll sie dem Ratschluss Gottes heimstellen). Und so wäre die Höllenfahrt Christi samt ihren Ursachen erklärt, und wir können für uns die nachstehenden vier Lehrstücke daraus ziehen.

Erstens: festes Vertrauen auf Gott. Der Mensch, mag er auch noch so bedrängt sein, muss immer Gottes Beistand hoffen und auf ihn bauen. Gewiss ist nichts so schwer, als in der Hölle zu sein. Hat nun Christus diejenigen, die dort waren, befreit, welche Zuversicht muss jeder Freund Gottes schöpfen, von ihm aus was immer für einer Trübsal gerettet zu werden. Die Weisheit Gottes hat den verkauften Gerechten verlassen, ist mit ihm in den tiefen Kerker hinabgestiegen und in den Banden bei ihm geblieben (Weish. 10, 13.14). Und weil Gott besonders seinen Dienern beisteht, so kommt jenem das größte Vertrauen zu, der Gott dient. Wer Gott fürchtet, wird nicht zittern, noch zagen; denn seine Hoffnung ist Er. (Sir. 34, 16)

Zweitens sollen wir Furcht schöpfen und der Sicherheit entsagen. Denn obschon Christus für die Sünder litt, befreite er dennoch nicht alle, sondern nur jene, die ohne schwere Sünde waren. Jene hingegen, die in schweren Sünden da hingefahren waren, ließ er, wie schon gesagt worden ist, zurück. Daher darf auch niemand, der in einer schweren Sünde dahin fährt, Erlösung hoffen, sondern wird so lange in der Hölle bleiben, als die Heiligen Gottes im Himmel, das ist, ewig. Diese werden zur ewigen Strafe und jene zum ewigen Leben gehen (Mt. 35, 46).

Drittens: sollen wir Sorgfalt lernen. Christus stieg für unser Heil hinunter zur Hölle. Auch wir müssen geflissen sein, oft hinunter zu steigen durch die Betrachtung jener Strafen, wie es jener fromme Hiskija tat. In Mitte meiner Tage sagte ich Ich werde gehen zu den Toren der Hölle (Is. 38, 10). Denn wer im Leben mit den Gedanken hinuntersteigt, wird nicht leicht hinunter steigen im Tode, weil diese Gedanken vom Sündigen zurückhalten. Wir sehen, dass Weltmenschen sich der zeitlichen Strafe wegen von Übeltaten enthalten. Wie sehr sollen sie sich also hüten der Höllenstrafe wegen, die schwerer ist, man mag nun auf die Dauer oder auf die Manchfaltigkeit sehen. Erinnere dich deiner letzten Dinge, und du wirst in Ewigkeit nicht sündigen (Sir. 7, 40).

Viertens: sollen wir daraus ein Beispiel der Liebe nehmen. Christus stieg nämlich hinab zur Hölle, die Seinigen zu befreien. So sollen wir hinabsteigen, den Unsrigen beizuspringen. Die im Fegfeuer sich befinden, vermögen aus sich selbst nichts; daher ist's unsre Pflicht ihnen zu Hilfe zu kommen. Zu hart wäre der, welcher hier auf Erde seinem eingekerkerten Freunde nicht helfen wollte. Um wie viel härter ist also jener, der seinen im Reinigungsorte aufgehaltenen Freund verlässt, da zwischen dem, was er leidet und den Qualen dieser Welt kein Vergleich ist. Erbarmt euch meiner, erbarmt euch meiner, wenigstens ihr, meine Freunde; denn Gottes Hand hat mich getroffen (Job. 19, 21). Es ist ein frommer und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu bitten, damit sie ihrer Sünden entbunden werden (Makk. 12, 46). Man leistet aber ihnen vorzüglich Hilfe durch drei Dinge, wie Augustinus sagt: durch Messopfer, Gebete und Almosen, wozu noch Gregorius das vierte setzt, nämlich Fasten. Und dies ist um so weniger befremdend, da auch auf dieser Welt ein Freund für den andern Genugtuung leisten kann, nur dass man es von denjenigen verstehe, die sich in dem Reinigungsorte befinden.

2. Am dritten Tage von den Toten auferstanden

Von zwei Dingen muss der Mensch Kenntnis haben: von der Herrlichkeit Gottes, und der Höllenpein. Von der Herrlichkeit angezogen, und von der Pein abgeschreckt hütet er sich, und meidet die Sünden. Allein zu dieser zweifachen Kenntnis zu gelangen ist für ihn sehr schwer. Von der Herrlichkeit heißt es: wer hat ergründet was im Himmel ist (Weish. 9, 16)? Dies ist nun für den irdischen Menschen besonders schwer, wie geschrieben ist: Wer von der Erde ist redet irdisch (Joh. 3, 31); aber nicht so schwer für den Geistesmenschen, denn wie dort weiter folgt: Der vom Himmel kam, ist über alle. Deswegen kam nämlich Gott vom Himmel und nahm Fleisch an, damit er uns von den himmlischen Dingen unterrichtete. Es war aber auch schwer die Höllenpein zu erkennen, weil, wie die Gottlosen sagten, man niemanden kennt der von der Hölle zurück gekommen wäre (Weish. 2, 1). Aber auch dieses kann nun nicht mehr vorgegeben werden; denn eben der, welcher vom Himmel kam, uns vom Himmel zu unterrichten, stand auch von der Hölle wieder auf, um uns über die Hölle zu belehren. Wir müssen demnach nicht nur glauben, dass Mensch geworden und gestorben, sondern auch, dass er von den Tobten wieder erstanden ist. Darum heißt es: Am dritten Tage von den Toten auferstanden. Nun finden wir zwar viele Auferstandenen, wie Lazarus, den Sohn der Witwe, die Tochter des Schulvorstehers (Joh. 11.; Lk. 7.; Mk. 5.); allein die Auferstehung Christi unterscheidet sich von ihrer und anderer Auferstehung in vierfacher Hinsicht.

Erstens in Hinsicht auf die wirkende Ursache. Denn andere, die auferstanden sind, sind es nicht aus eigener Kraft, sondern aus Kraft Christi oder auf Fürbitte irgend eines Heiligen. Christus aber ist aus eigenem Vermögen erstanden, weil er nicht allein Mensch, sondern auch Gott war und die Gottheit des Wortes sich niemals weder von der Seele, noch von dem Leib getrennt hatte, daher auch die Seele den Leib und der Leib die Seele wieder annahm, sobald sie wollten. Ich habe die Macht, meine Seele aufzugeben, und habe die Macht, sie wieder anzunehmen (Joh. 10, 18). Und obschon Christus starb, starb er doch nicht an Entkräftung, nicht aus Not, sondern aus Tugend und freiem Entschluss, welches auch aus dem erhellt, dass er im Geistaufgeben mit starker Stimme rief (Mt. 27, 50), welches andere Hinscheidenden nicht im Stande sind, weil sie aus Entkräftung sterben. Daher sagte der Hauptmann: Wahrhaftig war diese Gottes Sohn (Mt. 27, 54)! und daher nahm er aus Eigenmacht seine Seele wieder an, wie er sie aus Eigenmacht aufgegeben hatte. Daher heißt es auch, er sei erstanden, und nicht er sei gleichsam von jemand anderen wieder erwecket worden. Ich entschlief und stand auf (Ps. 3, 6). Es ist auch kein Widerspruch, wenn es anderswo heißt: Diesen Jesus hat Gott wieder erweckt (Apg. 2, 32); denn es hat ihn der Vater erweckt und der Sohn, weil Vater und Sohn nur eine Macht haben.

Der zweite Unterschied ist in Hinsicht auf das Leben, zu welchem Christus wieder auferstand, denn das war auferstand war ein herrliches und unzerstörliches Leben. Christus ist wiedererstanden von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters (Röm. 6, 4). Andere kehrten zu dem Leben, das sie vorher hatten, wie Lazarus und ähnliche.

Der dritte Unterschied ist in Hinsicht auf Nutzen und Wirksamkeit. Denn in Kraft der Auferstehung Christi stehen alle auf. Viele Leichname der Heiligen die entschlafen waren, standen auf (Mt. 27, 52). Christus der Erstling der Schlafenden erstand von den Toten (1. Kor. 15.20). Aber man bemerke, dass er durch Leiden zur Herrlichkeit kam. Musste Christus nicht so leiden und so in seine Herrlichkeit eingehen (Lk. 24, 26), damit er uns zu derselben den Weg vorzeichnete, weil auch wir durch viele Drangsale in das Reich Gottes eingehen müssen(Apg. 14, 21) ?

Der vierte Unterschied endlich ist in Hinsicht auf die Zeit. Denn der anderen Auferstehung bleibt bis zum Ende Welt verschoben, wenn nicht jemanden Ausnahme gegönnt wird, wie der seligen Jungfrau und, nach einer frommen Meinung, dem seligen Evangelisten Johannes. Aber Christus erstand am dritten Tage, weil seine Auferstehung, wie sein Tod und seine Geburt, unser Heil zum Zwecke hatte und er sie also halten wollte, wenn dieses Heil vollbracht sein würde. Wäre er nun gleich erstanden, hätte man nicht geglaubt, dass er wirklich gestorben war und hätte er lange gezögert, dann hätten seine Jünger den Glauben verloren, und sein Leiden würde unfruchtbar geblieben sein: was nützt mein Blut wenn ich zur Verwesung hinuntersteige (Ps. 29, 10). Um also von seinem Tode zu überzeugen und die Jünger im Glauben zu erhalten, ist er am dritten Tage wieder auferstanden.

Aus diesem können wir nun vier Lehrstücke ziehen.

Erstens, dass wir uns bemühen, vom Tode der Seele, den wir uns durch die Sünde verursacht haben, zum Leben der Gerechtigkeit, welche durch Buße erlanget wird, geistlicher Weise wieder aufzustehen. Steh auf der du schläfst, erhebe dich von den Toten und Christus wird dich erleuchten (Eph. 5, 14). Dies ist die erste Auferstehung. Selig der an der ersten Auferstehung Anteil hat (Apg. 20, 6).

Zweitens dass wir diese Auferstehung nicht verschieben bis zum Tode, sondern eilen, denn Christus erstand schon am dritten Tage. Säume nicht, dich zum Herrn zu wenden und zögere nicht von einem Tage zum andern (Sir. 5, 8), weil du von Krankheit beschweret nicht vermögen wirst, deinem Heile nachzudenken. Daher verlierst du deinen Anteil an allem Guten, das in der Kirche geschieht, und setzest dich durch die Beharrlichkeit in der Sünde vielem Übel aus, denn der Teufel, sagt Beda so viel schwerer jemanden entgehen, je länger er ihn besessen hat.

Drittens, dass wir zu einem beständigen Leben, ohne wieder zu sterben, auferstehen, das ist, mit dem Vorsatz, nicht mehr zu sündigen. Der von den Toten erstehende Christus stirbt nicht mehr. So haltet auch ihr euch der Sünde abgestorben, dafür aber Gott in Christus Jesus lebend. Lasset die Sünde nicht mehr so in eurem sterblichen Körper herrschen, dass ihr ihren Reizen gehorchet, bietet ihr auch eure Glieder nicht mehr, als Werkzeuge zum Bösen dar, sondern widmet euch Gott, wie vom Tode Auflebende (Röm 6, 9. -13).

Viertens, dass wir zu einem neuen und herrlichen Leben auferstehen, das ist, dass wir in Zukunft alles vermeiden, was Gelegenheit und Ursache zu Tod und Sünde war. Wie Christus von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters erstand, so sollen wir in einem neuen Leben wandeln. (Röm 4) Und dieses neue Leben ist das Leben der Gerechtigkeit, welche die Seele erneuert und ins leben der Herrlichkeit einführt.

VI. Artikel: Ist aufgefahren zu dem Himmel, sitzt zu der rechten Gottes, des allmächtigen Vaters

Nach der Auferstehung Christi muss man seine Auffahrt glauben, mittels welcher er am vierzigsten Tage zum Himmel gestiegen ist. Dies sagen die angeführten Worte. Nun bemerke man, dass diese Auffahrt erhaben, billig und nützlich war. Sie war erhaben, denn sie war zum Himmel und zwar in dreifacher Betrachtung: Erstens schwang sich Christus über alle körperlichen Himmel. Er stieg über alle Himmel (Eph. 4, 10). Und hierin war er der erste, denn vorher war irdischen Körpern nur die Erde angewiesen, so dass auch Adam nur im irdischen Paradiese war. Zweitens schwang er sich über alle unkörperlichen Himmel, das ist, über alle geistigen Naturen. Gott hat Jesus zu seiner Rechten im Himmel über alle Fürstentümer, Mächte, Kräfte und Herrschaften und über alle Benennung, die in dieser oder jener Welt gegeben werden mag, gesetzt und alles seinen Füßen unterworfen (Eph. 1, 20-22). Drittens schwang er sich bis zum Sitze des Vaters. Er kam wie der Sohn eines Menschen, in den Wolken der Himmel und gelangte bis zu dem, der vor der Zeit war (Dan. 7, 13). Nachdem der Herr Jesus zu ihnen gesprochen hatte, ward er zum Himmel aufgenommen und sitzt zur Rechten Gottes (Mk. 16, 19). Und hier wird die Rechte Gottes nicht in körperlichem Verstande genommen, sondern in feierlicher Bedeutung; er sitzt nämlich als Gott, weil er dem Vater gleich ist, als Mensch weil er die größten Vorzüge genießet. Dahin strebte auch Satan. Ich werde den Himmel besteigen, meinen Sitz über Gottes Gestirne erhöhen. Ich werde gegen Mitternacht auf dem Berge des Bundes sitzen, über die Wolken fahren und dem Höchsten gleich sein (Is. 14, 13.14). Aber nur Christus kam dahin. Darum heißt es: Ist aufgefahren zu dem Himmel und sitzt zu der Rechten Gottes. Der Herr sprach so zu meinem Herrn: Setze dich zu meiner Rechten (Ps. 109, 1).

Zweitens war die Auffahrt Christi billig; denn sie war zum Himmel und dieses wieder in dreifacher Betrachtung: Erstens hatte er das Recht dazu aus seiner Natur, weil in der Natur gegründet ist, dass jedes Ding dorthin kehre, woher es entsprungen ist. Der Ursprung Christi aber ist von Gott, der über Alles ist. Ich bin vom Vater ausgegangen und auf die Welt gekommen und nun verlasse ich sie wieder und gehe zum Vater (Joh. 16, 28). Niemand steigt auf zum Himmel, als der herabstieg, der Sohn des Menschen nämlich, der im Himmel ist (Joh. 3, 13.). Und obschon auch die Heiligen zum Himmel aufsteigen, ist doch die Weise verschieden, denn er tat es aus eigener Kraft, die Heiligen hingegen werden von ihm angezogen. Zieh mich nach dir (Hld. 1, 3)! Oder man sage: Niemand steigt auf zum Himmel, als Christus, weil die Heiligen nur dahin kommen als Glieder Christi, der das Haupt der Kirche ist. Wo ein Leib sein wird, dahin werden sich auch die Adler sammeln (Mt. 24, 28). Zweitens hatte Christus das Recht durch seinen Sieg. Denn er ward in die Welt gesandt, gegen den Teufel zu streiten. Er überwand ihn und verdiente dadurch, über Alles erhöht zu werden. Ich habe gesiegt und mich zu meinem Vater auf seinen Thron gesetzt (Offb. 3, 21). Drittens gab ihm seine Demut das Recht. Denn mit seiner Demut ist keine zu vergleichen. Da er Gott war, wollte er Mensch werden; da er Herr war, wollte er die Gestalt eines Knechtes annehmen, ward gehorsam, wie geschrieben steht, bis zum Tode (Phil. 2, 8) und stieg hinunter bis zur Hölle. Daher verdiente er wohl bis zum Himmel, bis zum Sitz Gottes erhoben zu werden, denn die Erniedrigung ist der Weg zur Erhöhung. Wer sich erniedrigt, wird erhöhet werden (Lk. 14, 11). Wer hinabsteigt der ist es, der auch über alle Himmel hinaufsteigt. (Lk. 4, 10)

Drittens war die Auffahrt Christi fruchtbar, und dieses gleichfalls in dreifacher Beziehung. Erstens auf unsere Leitung. Wie er auferstand, um uns zu erwecken, so fuhr er auf, um uns zu führen, denn wir wussten den Weg nicht. Er wies uns darauf. Er stieg auf und bahnte den Weg vor ihnen (Mich 2, 13). Er verständigte uns von der Nachkunft. Ich gehe euch eine Stelle zu bereiten (Joh. 14, 2). Zweitens auf unsere Sicherheit. Er stieg auf, um für uns zu bitten. Er tritt durch sich selbst vor Gott und lebt, immer für uns einzutreten (Hebr. 7, 25). Wir haben Jesus Christus zu unserm Vertreter bei dem Vater (1. Joh. 2, 1) Drittens in Beziehung auf unsere Herzerhebung und Verachtung des Zeitlichen. Wo dein Schatz ist, dort ist auch dein Herz (Mt. 6, 21). Seid ihr mit Christus auferstanden, so sucht, was oben ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt; findet Geschmack an dem, was oben, nicht an dem, was auf Erde ist (Kol. 3, 1.2).

VII. Artikel: Von dannen er kommen wird, zu richten die Lebendigen und Toten

Das Richteramt gehört zu den Pflichten eines Königs und Herrn. Der König, welcher auf dem Richterstuhl sitzt, vertilget alles Unrecht mit seinem Blicke (Spr. 20, 8). Da also Christus zum Himmel auffuhr und zur Rechten Gottes, als ein Herr über alle sitzt, so steht ihm ungezweifelt richterliche Gewalt zu. Deshalb bekennen wir in der katholischen Glaubensvorschrift, dass er die Lebendigen und Toten zu richten kommen wird. So sagten es auch die Engel: Der Jesus, der von euch zum Himmel hingenommen ward, wird so wiederkehren, wie ihr ihn zum Himmel auffahren sahet (Apg. 1, 11).

Nun sind aber von diesem Gerichte drei Dinge zu erwägen: Das erste die Beschaffenheit dieses Gerichtes, das zweite die Furchtbarkeit desselben, das dritte unsere Vorbereitung dazu. Die Beschaffenheit des Gerichtes bestimmen der Richter, die gerichtet werden und worüber gerichtet wird. Der Richter ist Christus. Ihn hat Gott bestellt zum Richter der Lebendigen und Toten (Apg. 10, 42), man mag nun unter den Toten die Sünder, und unter den Lebenden die Gerechten, oder nach dem Buchstaben unter den Lebenden jene verstehen, die damals auf der Welt und unter den Toten jene, die damals verstorben sein werden. Er ist aber Richter nicht allein als Gott, sondern auch als Mensch und dieses aus dreifacher Ursache. Erstens weil die den Richter sehen müssen, die zu richten sind. Allein die Gottheit ist so reizvoll, dass sie niemand ohne Freude anzublicken vermag, daher auch ein Verdammter in ihrem Anblicke Freude fühlen müsste. Es ist also nötig, dass er in Menschengestalt erscheine, um allen den Anblick möglich zu machen. Er hat ihm die Macht zu richten gegeben, well er ein Menschensohn ist (Joh. 5, 27). Zweitens, weil er dieses Amt als Mensch verdienet hat. Denn als Mensch ist er ungerecht gerichtet worden; deswegen hat ihn Gott zum Richter aller Welt bestellt. Dein Urteil ist ausgefallen, wie das eines Verbrechers. Darum wirst du richten und urteilen (Joh. 36, 17). Drittens, damit die Menschen in Erwägung, dass sie von ihres gleichen gerichtet werden, nicht in Verzweiflung fallen. Denn sie würden vor Schrecken verzweifeln, wenn Gott allein richten sollte. Sie werden den Sohn des Menschen in Wolken kommen sehen (Lk. 21, 27). Dem Gerichte nun unterliegen alle, die da gelebt haben, leben, und leben werden. Wir alle müssen vor Christi Richterstuhl erforscht werden, damit jeder belohnt oder bestraft werde, je nachdem er in seinem Leibe gehandelt hat (2. Kor. 5, 10). Es ist aber wie Gregorius sagt, ein vierfacher Unterschied derer, die zu richten sind. Entweder sind sie Gute oder Böse. Einige Böse werden verdammt, aber nicht gerichtet werden, als die Ungläubigen, derer Handlungen nicht mehr untersucht werden, weil geschrieben steht: Der nicht glaubt ist schon gerichtet (Joh. 3, 13). Andere aber werden verdammt und gerichtet werden, als die Gläubigen, welche in einer Sünde dahin starben. Der Lohn der Sünde ist Tod (Röm. 6, 23). Denn der Glaube, den sie gehabt haben, schließt sie vom Gerichte nicht aus. So werden auch einige Gute selig und nicht gerichtet werden, als die Armen im Geiste wegen Gott. Vielmehr werden sie andere richten, Ihr die ihr mir gefolgt seid, werdet in der Erneuerung der Dinge, wenn der Sohn des Menschen den Sitz seiner Herrlichkeit einnehmen wird, auch auf zwölf Stühlen sitzen, und die zwölf Stämme Israels richten (Mt. 19, 28). Und dieses ist nicht allein von den Jüngern, sondern von allen Armen im Geiste zu verstehen, sonst wäre Paulus nicht in dieser Zahl, der doch mehr als andere gearbeitet hat (1. Kor. 15, 10). Es muss also von allen folgenden Aposteln und apostolischen Männern genommen werden. Wisst ihr nicht, dass wir auch Engel richten werden? (1. -6, 3) Der Herr wird mit den Ältesten und vornehmsten seines Volkes zu Gerichte kommen (Is. 3, 14). Andere werden selig und gerichtet werden, als jene, welche im Gnadenstande verschieden sind. Denn ob sie gleich in diesem Stande verschieden, haben sie doch in zeitlichen Beschäftigungen Fehltritte getan und deswegen werden sie gerichtet, aber selig werden. Gerichtet wird nun über alle guten und bösen Handlungen. Wandle nach den Wegen deines Herzens. Allein wisse, dass dich Gott über alles vor Gericht fordern wird (Koh. 11, 9). Über alles Tun, was auch verborgen ist, wird Gott Gericht halten, es mag gut oder bös sein (Koh. 12, 14). So auch über müßige Reden. Die Menschen werden von jedem müßige Worte, das sie hervorgebracht haben, Rechenschaft geben am Gerichtstage (Mt. 12, 36). So über Gedanken. Die Gedanken des Bösen werden erforschet werden (Weish. 1, 9). Aus diesem erhellt die Beschaffenheit des Gerichtes.

Ein solches Gericht flößt aus vier Gründen Furcht ein. Erstens wegen der Weisheit des Richters, denn er weiß alles, Gedanken, Worte und Werke. Vor seinen Augen ist alles bloß und offen (Hebr. 4, 13). Alle Menschenwege liegen vor seinen Augen da (Spr. 16, 2). Er weiß unsere Worte. Des Eiferers Ohr höret alles (Weish. 1, 10). Er weis unsere Gedanken. Verkehrt und unerforschlich ist jedes Herz, wer mag es ergründen? Ich der Herr, der Herzen durchforscht und Nieren prüft, der jedem nach seinem Wege vergilt und nach dem Erfolg seines Beginnens (Jer. 17, 9.10). Da wird auch ein untrüglicher Zeuge sein das eigene Gewissen des Menschen. Ihr Gewissen und die unter sich anklagenden oder auch rechtfertigenden Gedanken werden ihnen Zeugenschaft leisten am Tage, da Gott die Geheimnisse der Menschen beurteilen wird (Röm. 2, 15). Zweitens wegen der Macht des Richters, denn er vermag aus sich alles. Sieh, Gott der Herr wird in Kraft kommen (Is. 40, 10). Er vermag auch durch andere alles, denn jedes Geschöpf wird mit ihm sein. Der Erdkreis wird mit ihm streiten gegen den Sinnlosen (Weish. 5, 21). Darum sagte Job: Es ist niemand, der deiner Hand entreißen könnte (Joh. 10, 7). Steige ich hinauf zum Himmel, so bist du dort; steige ich hinab zur Hölle, so bist du zugegen (Ps. 138, 8). Drittens wegen der unbeweglichen Gerechtigkeit des Richters, denn nun ist die Zeit der Barmherzigkeit, dann wird nur die Zeit der Gerechtigkeit sein. Deshalb ist nun unsere Zeit, dann wird allein Gottes Zeit sein. Kommt meine Zeit, dann werde ich die Gerechtigkeit selbst richten (Ps. 74, 3). Sein Eifer und Grimm wird nicht schonen am Tage der Rache, wird sich durch keine Bitte besänftigen lassen, wird auch der Lösegaben Fülle nicht annehmen (Spr. 6, 34.35). Viertens wegen des Zornes des Richters, denn er wird anders, nämlich hold und erfreulich, den Gerechten erscheinen. Sie werden den König in seinem Schmucke sehen (Is. 33, 17). Anders, nämlich erzornt und grimmvoll den Bösen, so dass sie zu den Bergen rufen werden: Fallet über uns, und verbergt uns vor dem Zorn des Lammes (Offb. 6, 16). Dieser Zorn aber ist in Gott von keiner Leidenschaft zu verstehen, sondern von der Wirkung, die sonst der Zorn zuhaben pflegt, nämlich von der ewigen über die Sünder verhängten Bestrafung. O wie enge werden dann im Gerichte ihre Wege sein!

Wir Müssen uns also gegen dieses Besorgnis folgender Vorbeugungen bedienen. Die erste ist ein frommer Wandel. Willst du die Obergewalt nicht fürchten? Handle gut und du wirst von ihr Lob haben (Röm. 13, 3). Die zweite ist Beichte und Buße der begangenen Sünden, die in dreien besteht, nämlich in der Reue des Herzens, in der Aufrichtigkeit des Geständnisses und in der Strenge der Genugtuung, wodurch die ewige Strafe getilgt wird. Die dritte ist das reinigende Almosen. Macht euch Freunde von dem ungerechten Gute, damit sie euch nach euerm Hinscheiden in die ewigen Hütten aufnehmen (Lk. 11, 41). Die vierte ist die Liebe Gottes und des Nächsten, welche wie geschrieben steht, die Fülle der Sünden bedecket (Spr. 10, 12; I. Petr. 4, 8).

VIII. Artikel: Ich glaube an den heiligen Geist

Wir haben gesagt, dass das Wort Gottes, so der Sohn ist, wie das Wort des Menschen ein Begriff seines Verstandes ist. Zuweilen ist aber das Wort des Menschen tot, wenn er nämlich denkt, was er tun sollte und doch den Willen nicht hat, es zu tun, so wie sein Glaube tot genannt wird, wann er nur glaubt und nicht wirkt (Jak. 2, 17). Allein Gottes Wort ist lebendig (Hebr. 4, 12). Daher muss es in Gott mit Willen und Liebe vergesellschaftet sein und Augustinus sagt recht: Ein mit Liebe beigebrachtes Wort unterrichtet. Wie nun das Wort Gottes der Sohn Gottes ist, so ist die Liebe Gottes der heilige Geist, und daher rührt es, dass der Mensch dann den Heiligen Geist hat, wann er Gott liebt. Die Liebe Gottes ist in unseren Herzen durch den Heiligen Geist ausgegossen, der uns gegeben ward (Röm. 5, 5). Es waren aber Einige die vom Heiligen Geist falsche Begriffe hatten und ihn für einen Diener und Befehlsträger Gottes angaben. Um diesen Irrtum zu entfernen haben die Väter in dem zweiten Bekenntnisse (Welches die Priester in der Messe ablegen) folgende fünf Zusätze von dem Heiligen Geiste gemacht. Erstens: Den Herrn. Denn obgleich mehrere Geister sind, nämlich die Engel: so sind diese dennoch nur Diener Gottes und alle, wie der Apostel sagt, dienstbare Geister (Hebr. 1, 11). Aber der Heilige Geist ist der Herr. Ein Geist ist Gott (Joh. 4, 24) und der Herr ist ein Geist, und daher kommt, was folgt: Und wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit (2. Kor. 3, 17), weil er nämlich Gott lieben macht und die Liebe zur Welt hinnimmt, und Lebendigmacher. Denn das Leben der Seele besteht in der Vereinigung mit Gott, weil Gott das Leben der Seele ist, wie die Seele das Leben des Leibes. Nun aber vereiniget der Heilige Geist die Seele mit Gott durch die Liebe, weil er selbst die Liebe Gottes ist. Darum belebet er. Der Geist ist es, der lebendig macht (Joh. 6, 64). Drittens: Der vom Vater und Sohn ausgeht. Der heilige Geist ist mit Vater und Sohn eines Wesens. Denn wie der Sohn das Wort des Vaters ist, so ist er die Liebe des Vaters und Sohnes und deswegen geht er von beiden aus und ist als Liebe mit dem Vater und Sohn so einwesentlich, wie es der Sohn als Wort mit dem Vater ist. Daraus auch erhellt, dass er kein Geschöpf ist. Viertens: Der mit dem Vater und Sohn gleich angebetet wird. Die Verehrung aller dreien ist eben dieselbe. Die wahren Anbeter werden den Vater im Geiste und in der Wahrheit anbeten (Joh. 4, 23). Lehrt alle Völker und taufet sie im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes (Mt. 28, 19). Fünftens: Der durch die Propheten geredet hat. Ein Beweis seiner Gottheit ist, dass die heiligen Propheten aus Gott geredet haben. Wäre nun aber der Heilige Geist nicht Gott, so stünde nicht geschrieben, dass die Propheten durch ihn geredet haben. Allein es heißt: Die heiligen Gottesmenschen haben aus Eingebung des Heiligen Geistes geredet (2. Petr. 1, 21). Und: Gott der Herr und sein Geist haben mich gesandt (Is. 48, 16). Und dadurch wird ein zweifacher Irrtum widerlegt: jener der Manichäer, welche, da der Heilige Geist durch die Propheten geredet hat, fälschlich das Alte Testament verwarfen, als wenn es nicht von Gott wäre und jener der Priscilla und des Montanus (Montanus gab sich im zweiten Jahrhunderte nebst vielen anderen Irrtümern selbst für den Heiligen Geist aus. Priscilla zog mit ihm herum und machte eine Prophetin), welche vorgaben, die Propheten hatten nicht von dem Heiligen Geiste, sondern in einer Art von Tollsinn geredet. Vielfach sind nun die Früchte, die der Heilige Geist in uns schaffet. Erstens reiniget er von Sünden. Denn jenem, der das Dasein gibt, kommt auch die Wiederherstellung zu. Nun aber erhält die Seele ihr Dasein durch den Heiligen Geist, weil Gott durch ihn, das ist, durch die Liebe zu seiner Güte Alles macht, wie geschrieben steht: Du liebst Alles, was da ist, und hassest Nichts von dem, was du gemacht hast (Weish. 11, 25). Und Dionysius sagt: Die Liebe ließ Gott nicht ohne Hervorbringung (Erst nach den Zeiten des heiligen Thomas hat man entdeckt, dass das angeführte Werk einem späteren gottseligen Verfasser zugehöre). Es müssen also die durch die Sünde verderbten Menschenherzen von dem Heiligen Geiste wieder hergestellt werden. Du wirst deinen Geist senden, und alles wird geschaffen und das Antlitz der Erde erneuert werden (Ps. 103, 30). Es ist auch kein Wunder, dass der Geist reiniget, da alle Sünden durch die Liebe nachgelassen werden. Viele Sünden sind ihr vergeben worden, weil sie viel geliebt hat (Lk. 7, 47). Alle Sünden bedecket die Liebe (Spr. 10, 12; 1. Petr. 4, 8). Zweitens erleuchtet der Heilige Geist den Verstand, weil unser Wissen von ihm ist. Der Heilige Geist der Tröster, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch Alles lehren und an alles erinnern, was ich euch werde gesagt habe (Joh. 14, 26). Die Salbung des Herrn wird wird euch von Allem unterrichten (1. Joh. 2, 27). Drittens hilft er und hält gleichsam an zur Befolgung der Gebote. Denn niemand könnte Gottes Gebote beobachten, wenn er Gott nicht liebte. Wer mich liebt wird meinem Worte nachkommen (Joh. 14, 23). Also hilft der Heilige Geist, weil er die Liebe Gottes einflößt. Ein neues Herz werde ich euch geben und euch erfüllen mit einem neuen Geiste. Das steinerne Herz werde ich aus eurem Leibe nehmen, euch ein fleischernes geben und meinen Geist einpflanzen. Ich werde fügen, dass ihr nach meinen Geboten wandelt und meine Aussprüche bewahrt und bewirkt (Ez. 36, 26.27). Viertens bestärkt er die Hoffnung des ewigen Lebens, da er gleichsam ein Unterpfand jenes Erbteiles ist. So steht geschrieben: Ihr seid gezeichnet mit dem Heiligen Geiste der Verheißung, der das Pfand unserer Erbschaft ist (Eph. 1, 13.14). Er ist nämlich ein Pfand des ewigen Lebens, weil der Mensch auf das ewige Leben in soweit Anspruch hat, in wie weit et ein Kind Gottes wird, und dieses wird er dadurch, dass er Christus ähnlich wird. Nun gelanget er zu dieser Ähnlichkeit dadurch, dass er den Geist Christi hat und dieser ist der Heilige Geist: Ihr habt nicht wieder den Geist der Knechtschaft in Furcht, sondern ihr habt den Geist angenommener Söhne erhalten, in welchem wir rufen: Vater, Vater! Denn dieser Geist selbst gibt unserm Geiste Zeugnis, dass wir Kinder Gottes sind (Röm. 8, 15). Und weil ihr Kinder Gottes seid, hat Gott den Geist seines Sohnes in eure Herzen gesandt, welcher ruft: Vater, Vater! (Gal. 4, 6) Fünftens leitet er uns in Zweifeln, und lehrt uns, was der Willen Gottes sei. Wer Ohren hat zu hören, der höre, was der Geist den Kirchengemeinden sagt (Offb. 2, 7). Ich werde ihm horchen, wie einem Lehrmeister (Is. 50, 4).

IX. Artikel: Eine heilige, allgemeine Kirche

Wie wir sehen, dass ein Mensch eine Seele und einen Leib, aber verschiedene Glieder hat, so ist die allgemeine Kirche ein Leib mit verschiedenen Gliedern. Die Seele aber, die diesen Leib belebet, ist der Heilige Geist. Daher werden wir nach dem Glauben an den Heiligen Geist geheißen, eine heilige allgemeine Kirche zu glauben, wie das Bekenntnis lehrt. Hier ist zu wissen, dass Kirche soviel bedeutet als eine Versammlung und eine heilige Kirche soviel, als eine Versammlung der Gläubigen, von welcher jeglicher Christ gleichsam ein Glied ist und von welcher geschrieben steht: Nähert euch zu mir, ihr Unwissenden und versammelt euch im Hause des Unterrichtes (Sir. 51, 31). Diese heilige Kirche hat nun vier Eigenschaften: sie ist einfach, ist heilig, ist katholisch, das ist, allgemein und ist stark und unerschütterlich. Was das erste betrifft, ist zu wissen, dass verschiedene Irrlehrer, die verschiedene Ketzereien erfunden haben, nicht zur Kirche gehören, weil sie geteilet sind, die Kirche aber einfach ist. Eine ist meine Taube, meine vollkommene (Hld. 6, 8). Diese Einigkeit hat drei Bestandteile. Erstens Einigkeit im Glauben: denn alle Christen, die zum Leib der Kirche gehören, glauben eben dasselbe. Ihr müsset eine Sprache führen und es sollen keine Spaltungen unter euch sein (1. Kor. 1, 10). Ein Gott, ein Glaube, eine Taufe (Eph. 4, 5). Zweitens Einigkeit in der Hoffnung, denn alle sind gegründet auf eine Hoffnung zum ewigen Leben zu gelangen. Deswegen sagt der Apostel: Ein Leib, ein Geist, so wie eine Hoffnung eines Rufes (Eph. 4). Drittens Einigkeit in der Liebe, denn alle verbindet die Liebe unter sich. Ich habe sie verklärt, wie du mich verklärt hast, damit sie Eines seien unter sich, sowie wir es sind (Joh. 17, 22). Diese Liebe aber, wenn sie wahr ist, äußert sich darin, dass die Glieder wechselweise für sich sorgen und gegen einander Nachsicht üben. Lasset uns immerfort an Liebe zunehmen in Christus, der das Haupt ist, unter welchem der ganze Leib zusammengesetzt und nach dem Maße der Wirksamkeit eines jeden Gliedes durch wechselseitige Unterstützung verbunden zu seiner Vollendung in Liebe aufwächst (Eph. 4, 14.16). Jeder muss nämlich nach der, ihm von Gott verliehenen Gnade, seinem Nächsten dienen und ja nicht für gering halten, oder zugeben, von dieser Gemeinschaft ausgestossen oder getrennt zu werden, da nur eine Kirche ist, in welcher die Menschen selig werden, so wie außer der Arche des Noe niemand gerettet werden konnte. Im Betreff des zweiten ist zu merken, dass auch die Bösen eine Versammlung haben. Ich hasse die Gemeinde der Bösen und werde niemals mit den Gottlosen sitzen (Ps. 25, 5). Aber die Kirche Christi ist heilig. Der Tempel Gottes ist heilig, und dieser seid ihr (1. Kor. 3, 17). Daher heißt die Kirche heilig und die ihr angehörenden Gläubigen werden in vierfacher Hinsicht geheiligt: Erstens, weil sie in dem Blute Christi gewaschen werden, wie eine Kirche in ihrer Weihung sinnlich abgewaschen wird. Er liebte uns, und wusch uns von unseren Sünden in seinem Blute (Offb. 1, 5). Jesus litt vor dem Tore, um das Volk durch sein Blut zu heiligen (Hebr. 13, 12). Zweitens, weil sie, gleich einer Kirche, zur Heiligung eine innerlich Salbung erhalten, da sie sonst keine Christen wären, weil Christus eben soviel bedeutet, als ein Gesalbter. Und diese Salbung ist die Gnade des Heiligen Geistes. Gott hat uns gesalbet (2. Kor. 1, 21). Ihr seid geheiligt in dem Namen unsers Herrn Jesu Christi (2. Kor. 6, 11). Drittens wegen der Einwohnung der Dreieinigkeit, denn der Ort, welchen Gott bewohnet, ist heilig. Daher heißt es: Wahrhaftig, der Herr ist an diesem Orte! Wie furchtbar ist dieser Ort, hier ist gewiss das Haus Gottes und die Pforte des Himmels (Gen. 28, 16.17). Heiligkeit gebührt, o Herr deinem Hause (Ps. 92, 5) !. Viertens wegen der Anrufung Gottes. Du bist in uns, o Herr und dein Name ist über uns angerufen (Jer. 14, 9) !. Es ist daher zu verhüten, dass wir nach einer solchen Heiligung unsere Seele, die Gottes Tempel ist, nicht durch Sünden beflecken. Der den Tempel Gottes schändet, den wird Gott vernichten (1. Kor. 3, 17). Was die dritte Eigenschaft belangt, ist zu merken, dass die Kirche katholisch, oder allgemein ist, erstens in Rücksicht auf den Ort, weil sie sich gegen die Behauptung der Donatisten (Donatus und sein Anhang schränkten im vierten Jahrhunderte die wahre Kirche Christi allein auf Afrika ein) durch die ganze Welt verbreitet. Euer Glaube wird in der ganzen Welt verkündet (Röm. 1, 3). Gehet hin in die ganze Welt, und prediget das Evangelium allen Geschöpfen (Mk. 16, 15). Daher war Gott vormals nur in Judäa geoffenbart (Ps. 75, 2), nun ist er es über dem ganzen Erdboden. Diese Kirche hat drei Teile: den einen also auf Erde, den andern im Himmel, und den dritten am Reinigungsorte. Und ist zweitens allgemein in Rücksicht auf die Gattung der Menschen, weil niemand abgewiesen wird, weder Herr, noch Knecht, weder männlich, noch weiblich Geschlecht, denn ihr alle seid Eines in Christus Jesus (Gal. 3, 28). Drittens ist sie allgemein in Rücksicht auf die Zeit, obschon einige vorgaben, dass sie nur eine beschränkte Dauer habe. Dieses ist irrig, weil die Kirche von der Zeit Abels begann, und sich bis an das Ende der Zeiten erstrecken wird. Seht ich bin immer mit euch bis zur Vollendung der Welt (Mt. 28, 20). Und nach dieser Vollendung wird ihr Sitz allein der Himmel sein. Im Betreff des vierten ist zu merken, dass die Kirche Gottes stark und unerschütterlich ist. Man nennt ein Haus stark, wenn es gute Grundfesten hat. Nun ist die Hauptgrundfeste der Kirche Christus. Niemand kann einen andern Grund legen, als der gelegt ist und der ist Christus Jesus (1. Kor. 3, 11). Aber ein darüber gelegter Grund sind die Apostel und ihre Lehre, der zur Stärke beiträgt. Daher hat die Stadt in der Offenbarung des Johannes zwölf Grundfesten, auf welchen die Namen der zwölf Apostel geschrieben standen (Offb. 21, 14). Daher rührt auch, dass die Kirche den Namen der apostolischen trägt und dass zur Bewährung ihrer Festigkeit der heilige Petrus ihr Gipfel genannt wird. Weiter erhellt die Stärke eines Hauses aus dem, dass es auch durch Anfälle nicht zerstört werden kann. Nun konnte die Kirche niemals durch Verfolgungen zerstört werden. Vielmehr ist sie unter Verfolgungen aufgewachsen und es unterlagen sowohl jene welche gegen sie standen, als jene, gegen welche sie stand. Wer auf diesen Stein fällt, wird sich zerschmettern. Auf wen aber dieser Stein fällt, der wird zermalmt werden (Mt. 21, 44). Nicht durch Irrtümer, vielmehr ist dir Wahrheit immer höher an den Tag gekommen, je häufiger die Irrtümer sich mehrten. Menschen verderbten Geistes. abtrünnig vom Glauben sind aufgestanden gegen die Wahrheit. Allein sie vermögen nichts weiter, denn ihre Torheit wird allen einleuchten (2. Tim. 3, 89). Auch nicht durch Versuche der bösen Geister. Denn die Kirche ist wie eine Feste, zu welcher alle ihre Zuflucht nehmen, die gegen den Teufel streiten. Ein starker Turm ist der Name des Herrn (Spr. 18, 10). Deswegen ist der Teufel vorzüglich bemüht, sie zu zerstören; aber vergebens, weil der Herr spricht: Die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen (Mt. 16, 18). Als wenn er sagte: Bestreiten werden sie dich, doch nicht bemeistern. Daher ist es, dass die Kirche Petri, zu welcher durch die, zum Predigamt versandten Jünger das ganze Italien gehört, allein immer auf dem Glauben fest bestand und noch auf demselben beharrt und von Irrtümern rein ist, indes andere Weltgegenden entweder des Glaubens ganz entbehren oder mitunter Irrtümer hegen. Dies ist auch kein Wunder; denn zu Petrus sprach der Herr: Ich habe für dich gebetet, dass dein Glaube nicht abnehme (Lk. 22, 32).

X. Artikel: Gemeinschaft der Heiligen, Ablass der Sünden

Wie in einem natürlichen Körper die Wirkung eines Gliedes zum Wohl des ganzen Körpers gereicht, so auch in dem geistigen Körper, das ist in der Kirche. Weil daher alle Gläubigen einen Körper ausmachen, hat einer an des andern Gut Anteil. Wir sind unser viele ein Leib in Christus und einer des andern Mitglied (Röm. 12, 5). Aus dieser Ursache haben wir unter anderen Glaubenslehren von den Aposteln übernommen, dass in der Kirche ein Gemeingenuss der Güter sei, und dies heißt Gemeinschaft der Heiligen. Unter andern Gliedern der Kirche ist nun Christus das vorzüglichste, weil er das Haupt ist. Ihn hat Gott zum Haupte der ganzen Kirche gesetzt, die sein Leib ist (Eph. 1, 22.23). Das Verdienst Christi wird also allen Christen mitgeteilt, wie die Kraft des Hauptes allen Gliedern und diese Mitteilung geschieht durch die Sakramente der Kirche, in welchen mittels Verleihung der Gnade die Kraft des Leidens Christi wirkt zum Ablass der Sünden. Dergleichen Sakramente sind aber sieben.

Das erste die Taufe, welche gleichsam eine geistliche Wiedergeburt ist. Denn gleichwie es kein leibliches Leben des Menschen gibt ohne leibliche Geburt, so kann es auch kein geistliches oder kein Leben der Gnade ohne geistliche Wiedergeburt des Menschen geben und diese Wiedergeburt geschieht durch die Taufe. Wer nicht wieder geboren wird aus dem Wasser und Heiligen Geiste kann in das Reich Gottes nicht eingehen (Joh. 3, 5). Und hier merke man, dass der Mensch nur ein mal geboren wird. Deshalb haben die Kirchenväter hinzugesetzt: Ich bekenne eine Taufe. Es besteht aber die Kraft der Taufe darin, dass sie sowohl von aller Schuld, als von aller Strafe der Sünden reinigt. Daher denn auch allen Täuflingen, sie mögen noch so viel gesündigt haben, keine Buße ausgelegt wird und sollten sie gleich nach der Taufe sterben, gehen sie unmittelbar zum ewigen Leben ein. Daher ist es auch, dass, ungeachtet der einzigen Priester Amt ist, zu taufen, dennoch im Notfall einem Jeden erlaubet ist, die Taufe zu verleihen, wenn er es nur mit den vorgeschriebenen Worten tut, welche sind: Ich taufe dich im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Dieses Sakrament erhält nun seine Kraft von dem Leiden Christi. Wir sind alle, die wir in Christus Jesus getauft sind, in seinem Tode getauft worden (Röm. 6, 3) und darum geschieht die dreimalige Tauchung in das Wasser (Wie es in einigen Kirchen bei erwachsenen Täuflingen anstatt des dreimalige Aufgießens üblich ist), um die dreitägige Ruhe Christi im Grabe anzuzeigen.

Das zweite Sakrament ist die Firmung. Denn wie jenen die leiblich geboren werden, Kräfte zum Handeln nötig sind, so ist auch geistlich Wiedergeborenen die Kraft des Heiligen Geistes unentbehrlich. Daher haben auch die Apostel um Stärke zu gewinnen, nach der Himmelfahrt Christi den Heiligen Geist erhalten. Haltet euch in der Stadt, bis ihr mit Kraft aus der Höhe ausgerüstet werdet (Lk. 24, 49). Diese Kraft wird nun in dem Sakramente der Firmung mitgeteilet. Daher sollten jene die Kinder zu besorgen haben sich die Firmung derselben sehr angelegen sein lassen, weil sie dadurch eine wichtige Gnade erlangen, so dass nachdem Maße dieser Gnade, der Gefirmte auf einen höheren Grad von Seligkeit nach seinem Ableben Anspruch hat, als der Ungefirmte.

Das dritte Sakrament ist der Fronleichnam unsers Herrn. Denn so wie im leiblichen Leben der Mensch, nachdem er geboren worden ist und Kräfte gewonnen hat, zu seiner Erhaltung und Fortdauer der Nahrung bedarf, ebenso ist ihm im geistlichen Leben, nach erlangten Kräften geistliche Speise notwendig und diese ist der Leib Christi. Wenn ihr das Fleisch des Menschensohnes nicht essen und sein Blut nicht trinken werdet, werdet ihr kein Leben in euch haben (Joh. 6, 54). Darum muss jeder Christ nach Anordnung der Kirche, jährlich einmal den Leib Christi empfangen, aber würdig und rein, weil jener wie geschrieben steht, welcher unwürdig isst und trinkt, das ist in einer wissentlichen ungebeichteten Todsünde oder ohne Vorsatz, sich derselben zu enthalten, sein eigen Gericht isst und trinkt (1. Kor. 11, 29).

Das vierte Sakrament ist die Buße. Es geschieht im leiblichen Leben, dass jemand erkrankt und wenn ihm keine Arznei gereicht wird dahinstirbt. So erkrankt im geistlichen Leben jemand durch die Sünde. Er bedarf also eines Heilmittels zur Genesung und dieses ist die Gnade welche in dem Sakrament der Buße erteilet wird. Der Herr ist es, der allen deinen Übeltaten vergibt, der alle deine Gebrechen heilt (Ps. 102, 3). Allein die Buße fordert drei Dinge: Zerknirschung, das ist Reue oder die Sünden mit dem Enthaltungsvorsatz, vollständiges Bekenntnis der Sünden und Genugtuung, welche durch gute Werke geleistet wird.

Das fünfte Sakrament ist die letzte Ölung. Es sind in diesem Leben der Hindernisse viele, wegen welcher der Mensch zu keiner vollkommenen Reinigung von den Sünden gelangen kann. Weil daher niemand, als ein vollkommen Gereinigter, zum ewigen Leben eingehen kann, war noch ein anderes Sakrament nötig, welches den Menschen reinigte, von der Schwachheit befreite und zum Eingang des Himmelreiches vorbereitete und dies ist das Sakrament der letzten Ölung. Nur heilt es nicht immer körperlich, weil vielleicht zum Heil der Seele ein längeres Leben nicht zuträglich ist. Erkrankt jemand unter euch, der rufe die Priester der Kirche, damit sie über ihn beten und ihn in dem Namen des Herrn mit Öl salben. Das gläubige Gebet wird den Kranken gesund machen, der Herr wird ihn erleichtern und sollte er Sünden haben, so werden sie ihm vergeben werden (Jak. 5, 14, 15). Und so erhellt, dass durch die aufgezählten fünf Sakramente die Vollkommenheit des Lebens erzielt wird.

Allein weil von Nöten ist, dass dergleichen Geheimnisse durch bestimmte Diener verwaltet werden, war das Sakrament des Priestertums erforderlich, durch dessen Hände sie ausgespendet würden und hier kommt das Leben der Ausspender, wenn es sich auch zuweilen zum Bösen lenken sollte, in keine Betrachtung, sondern die Kraft Christi, von welcher die Sakramente selbst ihre Wirksamkeit haben und nicht von ihren Ausspendern. Der Mensch betrachte uns nur als Diener Christi, und Ausspender der Geheimnisse Gottes (1. Kor. 4, 1) Und dieses ist das sechste Sakrament, nämlich des Priestertums.

Das siebente ist das Sakrament der Ehe, in welcher züchtig lebende Menschen ihr Heil erlangen und schwere Sünden vermeiden können. Sie können aber selbst innerhalb der Schranken ihrer Verbindung durch ihre Begierlichkeit zu lässlichen Sünden verleitet werden und wofern diese Begierlichkeit über die Schranken geht, auch zu tödlichen. Durch diese sieben Sakramente erhalten wir nun Vergebung der Sünden. Darum folgt im Glaubensbekenntnis gleich nach: Ablass der Sünden und darum ward den Aposteln die Gewalt verliehen, Sünden zu vergeben und wir sind eben so verpflichtet zu glauben, dass die Diener der Kirche, auf welche diese Gewalt, so von den Aposteln, wie auf die Apostel von Christus, gekommen ist, bevollmächtiget sind, in der Kirche zu lösen und zu binden, dass also in der Kirche vollkommene Macht da ist, die Sünden nachzulassen, welche Stufenweise von dem sichtbaren Oberhaupte durch die anderen Vorsteher herunter geht. Man merke auch, dass uns nicht allein die Kraft des Leidens Christi mitgeteilt wird, sondern dass der Mensch im Stande der Gnade ebenfalls an dem Verdienste des Leidens Christi und an dem, was alle Heiligen immer Gutes gewirkt haben Anteil hat, weil alle Eines sind. Ich bin Mittgenosse aller derer, die dich fürchten (Ps. 118, 63). Daher rühret, dass jener, welcher im Stande der Gnade lebt, teilhaftig wird all des Guten, das in der ganzen Welt geschieht, vorzüglich dennoch jener für welchen das Ganze gemeint ist, weil einer für den andern Genugtuung leisten kann, wie es aus dem Beispiele frommer Gesellschaften erhellt, die einige zu dem Mitgenusse ihrer Verdienste zulassen. So erlangen wir demnach, durch die bisher erklärte Gemeinschaft zwei Dinge: erstens, dass uns das Verdienst Christi zugeteilt wird, und zweitens, dass auch wir untereinander, einer an des andern Gutem, Anteil haben. Und diesen Anteil an allem Guten das gewirkt wird, verliert jeder, der in dem Kirchenbanne ist, weil er außer der Gemeinschaft ist. Dies ist ein größerer Schaden, als was immer für ein Verlust eines zeitlichen Gutes. Dazu kommt auch noch Gefahr, denn es ist sicher, dass durch dergleichen wechselseitige Unterstützung die Anfechtungen des bösen Feindes gehindert werden. Wenn nun also jemand von dieser Unterstützung ausgeschlossen ist, dann wird er leichter von dem Teufel bemeistert. Wie denn auch in der ersten Kirchenzeit dergleichen Ausgeschlossene von dem bösen Geiste sogleich selbst körperlich gequält wurden (Anspielung auf 1. Kor. 5, 5).

XI. Artikel: Auferstehung des Fleisches

Der göttliche Geist heiligt die Kirche nicht allein in Rücksicht auf die Seelen, sondern auch unsere Leiber werden durch seine Kraft wieder auferstehen. Er hat Jesus Christus unser Herrn von den Toten erweckt (Röm. 4, 24), und so wie durch einen Menschen der Tod kam, kommt durch einen andern die Auferstehung der Toten (1. Kor. 15, 21). Daher hatten wir nach unserm Glauben, dass die Toten auferstehen werden. Hiebei lassen sich vier Dinge betrachten: Erstens der Nutzen, den der Glaube an die Auferstehung verschafft, zweitens die Beschaffenheit der Wiederauferstehenden insgemein genommen, drittens der Zustand der Guten und viertens der Zustand der Bösen insbesondere.

Im Bezug auf das Erste bringt uns der Glaube, und die Hoffnung einen vierfachen Nutzen: erstens benehmen sie uns bei Sterbefällen die Traurigkeit, denn es ist unmöglich, dass sich der Mensch bei dem Hintritte einer geliebten Person nicht kränken sollte. Allein dadurch, dass er ihre Wiedererstehung hofft, wird die Kränkung sehr gemildert. Lasset euch es gesagt sein, meine Brüder, von den Entschlafenen, dass ihr sie nicht so beklagt, wie jene tun, die keine Hoffnung haben (1. Thess. 4, 12). Zweitens benehmen sie die Furcht des Todes, denn wenn der Mensch nach dem Tod kein besseres Leben hoffte, wäre der Tod ungezweifelt sehr schreckbar und man müsste sich eher jedes Übel erlauben, als sich dem Tod ergeben. Allein weil uns der Glaube auf ein anderes glücklicheres Leben zeigt, zu welchem wir nachdem Tode gelangen werden, ist ja ausgemacht, dass niemand den Tod fürchten oder ihn zu vermeiden ein Übel begehen muss. Christus ward uns gleich, sagt der Apostel, damit er durch den Tod jenen, der durch den Tod herrschte, das ist den Teufel vernichtete, und die befreite, welche aus Furcht des Todes durch das ganze Leben in Knechtschaft lagen (Hebr. 2, 14.15). Drittens machen sie uns aufmerksam und geflissen, gut zu handeln, denn wenn das gegenwärtige das einzige menschliche Leben wäre, fühlten die Menschen keinen starken Antrieb, gut zu handeln, weil das was sie auch wirkten, unzureichend sein würde, da ihr Verlangen nicht nach einer, auf einen gewissen Zeitraum bestimmten, sondern nach einer immer währenden Glückseligkeit geht. Weil wir also glauben, dass wir für unsere gegenwärtigen Handlungen in der Wiedererstehung ewige Güter erlangen werden, bestreben wir uns diese Handlungen gut einzurichten, wenn wir nur für dieses Leben auf Christum hofften, wären wir übler daran, als alle Menschen (1. Kor. 15, 19). Viertens ziehen sie uns von dem Bösen zurück, denn so, wie die Hoffnung des Lohnes zu guten Taten reitzt, schrecket die Furcht der Strafe, die nach unserm Glauben den Bösen vorbehalten ist, vom Übel ab. Die Gutes gewirkt haben, werden zum Leben, die aber Böses gewirkt haben zum Gerichte auferstehn (Joh. 5, 29). Was das zweite oben betrifft, ist zu wissen, dass die Beschaffenheit der Wiederauferstehenden, insgemein genommen, in vierfache Betrachtung kommt. Erstens, dass ihre Leiber eben die selben sein werden in der Auferstehung, die sie nach Fleisch und Gebeinen nun sind, obschon einige vorgaben, dass nicht dieser Leib, der jetzt zerstört wird auferstehen werde. Dies widerspricht nicht nur dem Apostel, der sagt: Dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit anziehen (1. Kor. 15, 53), sondern auch anderen göttlichen Aussprüchen, dass aus Gottes Kraft eben derselbe Leib zum Leben erstehen werde. Ich werde mit meiner Haut wieder umgeben werden und in meinem Fleische Gott sehen (Joh. 19, 26). Zweitens, dass der Zustand der auferstehenden Leiber von dem gegenwärtigen verschieden sein wird, denn sowohl die Leiber der Seligen, als jene der Verdammten werden unzerstörbar sein, weil jene ewig in Herrlichkeit, diese in Pein fortdauern werden. Dieses Verwesliche muss Unverweslichkeit und dieses Sterbliche Unsterblichkeit anziehen (1. Kor. 15, 53). Da nun der Leib unverweslich und unsterblich ist, fällt auch der Gebrauch seiner Nahrung und Gelüste weg. In der Auferstehung ist keine Verbindung Mannes und Weibes, sondern sie werden sein wie die Engel Gottes (Mt. 22, 30). Und dieses streitet gegen die Juden und Sarazenen. Der Erstandene wird nicht wieder in sein Haus zurückkehren (Joh. 7, 10). Drittens, dass alle die Guten und Bösen mit allen den Leibesteilen, die einen vollkommenen Menschen bilden, auferstehen werden, so, dass sich da kein Blinder, Lahmer, oder sonst krüppeliger Mensch finden wird. Die Toten werden unversehrt auferstehen (2. Kor. 15, 52), das ist, frei aller ihrer ehemaligen Gebrechen. Viertens, dass alle in einem reifen Alter von zwei bis drei und dreißig Jahren auferstehen werden, denn jene, die dieses Alter nicht erreicht haben, sind noch nicht reif und die älter geworden sind, sind über die Reife. Es wird also den Knaben und Jünglingen das abgängige zugesetzt und den Greisen das Verlebte zurückgestellt werden. Bis wir uns alle in männlicher Vollkommenheit nach dem Maße der vollen Reife des Alters Christi zusammenfinden (Eph. 4, 14). Was das dritte oben berührte Ding belanget, merke man, dass der Zustand der Guten besonders herrlich sein wird, denn ihre Leiber werden folgende vier Verklärungseigenschaften haben: erstens den Glanz. Die Gerechten werden im Reiche ihres Vaters leuchten, wie die Sonne (Mt. 13, 43). Zweitens die Unverletzbarkeit. Der Leib wird gesät in Niedrigkeit und erhebt sich in Verherrlichung, gesät in Schwäche, und erhebt sich in Kraft (1. Kor. 15, 43). Gott wird jede Träne von ihren Augen trocknen. Da wird kein Tod, keine Klage, kein Jammer, kein Schmerz mehr sein. Denn das Erste ist vorbei (Offb. 21, 4) Drittens die Behendigkeit. Die Gerechten werden schimmern und sich so schnell, wie Funken im Schilfgeröhre bewegen (Weish. 3, 7). Viertens. Die Feinheit. Ein tierischer Leib wird gesät und ein geistiger erhebt sich (1. Kor. 15, 44), nicht dass er zu einem Geiste wird, sondern dass er dem Geiste gänzlich unterworfen ist. Was endlich das vierte der oben angezeigten Dinge betrifft, wisse man, dass der Zustand der Verdammten dem Zustande der Seligen entgegengesetzt sein wird. Ewige Strafe erwartet sie, die vier böse Eigenschaften einschließt. Ihre Leiber werden verdunkelt werden. Ihr Antlitz wird wie verbrannt aussehen (Is. 13, 8). Sie werden allem Leiden unterworfen sein, ohne zerstört zu werden, denn sie werden immer im Feuer brennen, aber nie verbrennen. Ihr Wurm wird nie absterben und ihr Feuer nie verlöschen (Is. 66, 24). Sie werden unbeweglich und ihre Seelen gleichsam angeschmiedet werden. Man wird ihre Könige in Fußeisen werfen (Ps. 149, 8). Sie werden der Seele und dem Leibe nach gleichsam tierisch werden. Das Lastvieh ist in seinem Unfall verfault (Joel. 1, 17)

XII. Artikel: Ein ewiges Leben. Amen

Schicklich werden die Sätze unsers Glaubensbekenntnisses mit dem Ende aller unsrer Wünsche, das ist, mit dem ewigen Leben beschlossen. Diesem widersprechen diejenigen, welche vorgeben, dass die Seele mit dem Leibe zerstört werde. Hätten sie Recht, dann wäre das Schicksal des Menschen und des Viehes einerlei. Allein von ihnen steht geschrieben: Da der Mensch in Ehren war, erkannte er es nicht, näherte sich den unvernünftigen Tieren und wurde ihnen ähnlich (Ps. 48, 13). Die Seele des Menschen ist in Rücksicht der Unsterblichkeit Gott ähnlich, den Tieren aber nur in Rücksicht der Sinnlichkeit. Der also glaubt, die Seele sterbe mit dem Leib, entfernet sich von der Ähnlichkeit Gottes und stellt sich ganz dem Vieh gleich. Auf solche ist jenes gemeint: Sie hofften keinen Lohn der Gerechtigkeit und misskannten die Erhabenheit geheiligter Seelen, da doch Gott den Menschen zur Unsterblichkeit geschaffen und zu seiner Ähnlichkeit gebildet hat (Weish. 2, 22.23).

Es ist aber bei diesem Glaubenssatz erstens zu erwägen, was das ewige Leben sei. Und hier merke man, dass in diesem Leben das vorzüglichste ist die Vereinigung des Menschen mit Gott. Gott selbst ist der Lohn und das Ziel aller unsrer Bemühungen. Ich bin dein Schützer und dein übergroßer Lohn (Gen. 15, 1). Diese Vereinigung besteht nun in dem klaren Anschauen. Jetzt sehen wir, wie in einem bildenden Spiegel, einst aber von Angesicht zu Angesicht (1. Kor. 13, 12). Sie besteht in unablässigem Lobpreisen, denn wir werden, wie Augustinus sagt, sehen, lieben, loben. Freude und Frohlocken, Dank und Preis wird in Sion gefunden werden (Is. 51, 3). Sie besteht in vollkommener Sättigung unsrer Begierden, denn der Besitz eines jeden Seligen wird dort über alle Wünsche und Hoffnung gehen. Im gegenwärtigen Leben kann niemand seine Wünsche erfüllen, weil auch kein Geschöpf sie zu stillen im Stande ist. Gott allein sättigt und reicht unendlich über die Sättigung hinaus. Sie stehen also nur in Gott still. Herr, sagt Augustinus, du hast uns für dich geschaffen, und unser Herz ist so lange rastlos, bis es in dir ruht. Da nun die Seligen in jenem Vaterlande Gott ganz besitzen werden, folgt von sich selbst, dass all ihr Verlangen bis zum Überfluss der Herrlichkeit gesättigt wird. Deswegen spricht der Herr: Geh ein in die Freude deine Herrn (Mt. 15, 21) und wieder Augustinus: Die ganze Freude wird nicht eingehen in die Freudigen, sondern die ganzen Freudigen in die Freude. Und weiter die Schrift: Wenn deine Herrlichkeit erscheint, werde ich gesättigt werden (Ps. 16, 15). Der Herr ist es, welcher deine Begierden mit Gütern erfüllt (Ps. 102, 5). Denn was immer vergnügliches ist, findet sich dort überfließend. Wünschet man Wohllust, dort ist die höchste und vollkommenste, weil sie Gott das höchste Gut zum Gegenstande hat. Dann wirst du dich an dem Allmächtigen überschwänglich freuen (Job. 22, 26). Ewige Ergötzungen werden mir aus deiner Rechten zufließen (Ps. 15, 11). Ein vorzügliches Augenmerk weltlicher Menschen, ist die königliche, geistliche die bischöfliche Würde. Dort ist beides. Du hast uns unserm Gott zu Königen und Priestern gemacht (Offb. 4, 10). Sieh, wie sie den Söhnen Gottes beigezählt worden sind (Weish. 5, 3). Wünscht man Weisheit? Dort ist die ausgebreiteste. Die Natur aller Dinge, jede Wahrheit, alles, was wir wollen, werden wir wissen und alles, was wir wollen, werden wir mit dem ewigen Leben zugleich haben. Alles Gutes ist mir mit ihm zugleich geworden (Weish. 7, 11). Der Gerechten Verlangen wird erfüllt werden (Spr. 10, 24). Sie besteht in vollkommener Sicherheit. Diese findet man nicht auf der Welt, wo mit den Gütern und Vorzügen auch die Besorgnisse und Kümmernisse wachsen, da hingegen im ewigen Leben keine Unlust, kein Bemühen, keine Furcht Statt hat. Überfluss wird man genießen und Furcht vor allen Übeln verbannet sein (Spr. 1, 33). Sie besteht endlich in der frohen Gesellschaft aller Seligen, welche unendlich ergötzlich sein wird, da jeder der Auserwählten mit jedem alles Gut gemeinschaftlich besitzen und weil jeder den anderen, wie sich selbst, liebt, sich des anderen Wohlstandes so freuen wird, wie seines eigenen. Du bist o Sion, der Aufenthalt aller Freudigen (Ps. 86, 7). Und dies bisher Gesagte und viel Unaussprechliches wird der Anteil der Seligen sein im Vaterland. Dagegen werden die Bösen im ewigen Tode keinen geringeren Anteil an Leiden und Strafen haben, als die Guten an Freuden und Herrlichkeit. Ihr Unglück wächst endlich durch die Trennung von Gott und allen Frommen und diese ist die Strafe des Verlustes, die auf ihre Abwendung von Gott gesetzt ist und die sinnliche Strafe übertrifft. Werfet den unnützen Knecht hinaus in die äußerste Finsternis (Mt. 25, 30). Im gegenwärtigen Leben befanden sich die Gottlosen in der innerlichen Finsternis der Sünde, zu diesem kommet nachher auch noch die äußerliche. Zweitens durch den Gewissensbiss. Ich werde dir Vorwürfe machen und dich dir selbst entgegenstellen (Ps. 49, 21). Reue und Geistesangst wird ihnen Seufzer auspressen (Weish. 5, 3). Allein dieses Seufzen wird vergeblich sein, weil es nicht aus Verabscheuung des Bösen, sondern aus Empfindung der Strafe entspringet. Drittens durch die Unermesslichkeit der sinnlichen Pein, nämlich des Höllenfeuers, welches Seele und Leib quälen wird und nach dem Ausspruch der Lehrer die schmerzlichste aller Peinen ist, so dass sie, wie immer sterbend, niemals gestorben sein und niemals sterben werden. Daher kommt der Namen des ewigen Todes, weil wie ein Sterbender, so die, welche in der Hölle sind, den höchsten Grad des Leidens ausstehen. Wie Schafe sind sie in der Hölle zusammengedrängt und der Tod wird an ihnen zehren (Ps. 48, 15). Viertens endlich wächst ihr Unglück durch die Verzweiflung an ihrem Heile, denn wenn sie hoffen könnten, von ihrer Pein befreit zu werden, würde dies gelindert, weil ihnen aber alle Hoffnung genommen ist, steigt sie bis zum Höchsten. Ihr Wurm wird nicht getött und ihr Feuer nickt ausgelöscht werden (Is. 66, 24). Und so erhellt der Unterschied zwischen guten und bösen Handlungen, da die guten zum Leben führen, die bösen zum Tode hinreißen. Daher sollten die Menschen sich dessen oft erinnern, um zum Guten gereitzt und dem Bösen abgehalten zu werden. Daher ist auch absichtlich, um es dem Gedächtnisse tiefer einzudrücken, am Ende aller Glaubensartikel gesetzt: Ein ewiges Leben, zu welchem uns Jesus Christus der in Ewigkeit hochgelobte Herr und Gott, führen möge. Amen!

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