Theresa von Avila: Das Buch der Klosterstiftungen

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Theresia von Jesus von Avila.JPG
Das Buch der Klosterstiftungen
Theresia von Avila, umfasst die Zeitspanne von 1567-1582

Quelle: Das Buch der Klosterstiftungen, Verlag Kösel-Pustet München 1933, Zweiter Band (418 Seiten, Imprimatur Monachii, die 29. Octobris 1935 F. Buchwieser Vic. Gen.); aus der Sammlung: Sämtliche Schriften der Heiligen Theresia von Jesus (in Fraktur). Neue deutsche Ausgabe übersetzt und bearbeitet nach der spanischen kritischen Ausgabe des P. Silverio de S. Teresa O.C.D. von P. Aloysius Alkhofer O. Carm. Disc.; Hier in der Kathpedia ohne Anmerkungen.

Gesamtwerk:


Inhaltsverzeichnis

Einführung in das »Buch der Klosterstiftungen« 

Inhaltlich ist das »Buch der Klosterstiftungen« die natürliche Fortsetzung des »Lebens«. Läßt uns die heilige Theresia in ihrem »Leben« einen Blick tun in ihr Vorleben in der Welt und in ihr reiches Innenleben im Menschwerdungskloster zu Ávila mit all den Prüfungen und gnadenvollen Heimsuchungen Gottes, um dann mit dem Bericht über die Gründung des ersten Reformklosters St. Joseph in Ávila (1562) abzuschließen, so gibt uns die große Reformatorin des Karmel in dem vorliegenden »Buch der Klosterstiftungen« (»Libro de las fundaciones«) ausführlichen Bericht über ihre fernere reformatorische Tätigkeit in Gründung von weiteren sechzehn Klöstern für den weiblichen Zweig der neuen Reform. Das Buch umfasst also die Zeitspanne von 1567-1582, von der Gründung des zweiten Reformklosters bis zum Tode der Heiligen.

Nachdem der Ordensgeneral P. Johannes Baptista Rubeo gelegentlich seiner Visitation der spanischen Karmelitenklöster auch das neugegründete Reformkloster zum hl. Joseph in Ávila besucht und darin das blühende Leben nach der ursprünglich ungemilderten Regel des Karmel bewundert hatte, gab er, erfreut ob dieses ersten sichtlichen Erfolgs der Möglichkeit einer Ordensreform im Sinne des Tridentinischen Konzils, Theresia kraft seines Amtes bereitwilligst die Vollmacht, noch weitere solcher Reformklöster im Bereiche des Königreichs Kastilien zu gründen. (Ávila 27. April 1567, bzw. Madrid 16. Mai 1567.)

Theresia, erfüllt von glühender Liebe zu ihrem göttlichen Bräutigam und zugleich von dem Verlangen, Seelen für ihn zu gewinnen, bzw. zu retten, ging sofort an die Ausführung dieses für die Kräfte einer Frau scheinbar unmöglichen Werkes. So gründet sie im Verlauf der fünfzehn Jahre, die ihr noch zu leben beschieden sind, noch weitere sechzehn Klöster für den weiblichen Zweig ihres Ordens, zumeist ohne jegliche finanzielle Mittel, vielfach trotz größter Schwierigkeiten seitens weltlicher und geistlicher Behörden. Ungeachtet ihrer durch die vielen Leiden der vorausgegangenen Jahre geschwächten Gesundheit und dauernder körperlicher Gebrechen, ungeachtet der vorgenannten Schwierigkeiten durcheilt Theresia den größten Teil Spaniens; bald dehnt sie ihre Reformtätigkeit auch auf andere Teile Spaniens aus, neue Klöster gründend, die bereits gegründeten besuchend, um nach dem Rechten zu sehen, eingreifend und, wo es nötig war, Übelstände abschaffend.

Und unter welchen Umständen mussten diese beschwerlichen Reisen landauf, landab gemacht werden! P. Hieronymus Gracián, der langjährige Begleiter der Heiligen auf solchen Reisen, ihr Beichtvater und zugleich ihr innigster Vertrauter und Berater, gibt uns einen interessanten Bericht, wie es bei solchen Reisen zuging. »In der Regel«, so erzählt er, »gingen drei von unseren Mitbrüdern und einige befreundete Laien auf ihren Reisen mit ihr. Die heilige Mutter befand sich auf einem zweiräderigen, von Ochsen oder Maultieren gezogenen Karren, der mit einer Segeltuch-Blahe bedeckt war, um die heilige Mutter und die sie begleitenden Schwestern nicht nur vor den neugierigen Blicken der Leute, sondern auch vor den Unbilden der Witterung zu schützen. Bevor wir eine Herberge erreichten, schickte die Heilige einen der Begleiter voraus, um für Unterkunft und Zimmer zu sorgen. Das Erste, was nach der Ankunft geschah, wenn es irgend die Zeit gestattete, war, dass wir die heilige Messe feierten und der heiligen Mutter die heilige Kommunion reichten. In der Herberge selbst verschloß man den Eingang zu den Räumen, die die Heilige mit den Schwestern bewohnte, und stellte eine Person vor dem Eingang auf, die Pfortendienste zu verrichten und darauf zu achten hatte, dass niemand jene Räume betrete… Sowohl in den Herbergen, die man auf den weiten Reisen beziehen musste, wie auf dem Wege, hatte die heilige Mutter immer ein Glöckchen bei sich, um damit das Zeichen zu geben zum Beginn entweder der Betrachtung oder des Offiziums oder des Stillschweigens, je nach der Tageszeit, da überall die Tagesordnung eingehalten wurde, als ob sie daheim im Kloster wäre. Immer konnte man sehen, wie besorgt die Mutter um alles war, was ihre Begleiter bzw. die Maultiertreiber benötigten, als hätte sie an sonst nichts zu denken, oder als hätte sie ihr Leben lang Leute wie diese Maultiertreiber um sich gehabt. Bisweilen rief sie jene, die zu Fuß mitgingen, zum Wagen heran und unterhielt sich in liebenswürdigster Weise mit ihnen, so dass diese auf alle Müdigkeit vergaßen. Manchmal kam es auch vor, dass die heilige Mutter auf einem Maultier reitend die Reise machte (wenn eben eine Reise zu Wagen in unwegsamen Gegenden unmöglich war), und sie verstand es, so sicher sich darauf zu halten, als wäre sie in einem bequemen Wagen… Mir scheint, als habe ihr Gott aber auch zu allem und jedem eine besondere Gnade verliehen. …« (Anmerkungen des P. Gracián zum »Leben der hl. Theresia« des P. Ribera.)

Wenn wir ferner bedenken, dass solche Reisen bei den damals gänzlich unzulänglichen Verkehrsverhältnissen Spaniens durch unwegsame Landschaften, bei strömendem Regen oder durch tiefen Schnee, bei brennender Sonnenglut oder unter fürchterlichen Stürmen gemacht werden mussten; dass oft Ströme, durch plötzlich einfallenden Regen über die Ufer getreten, unter größter Lebensgefahr überquert werden mussten; dass des öfteren die Lebensmittel, die unserer Reisegesellschaft in den Herbergen geboten wurden, völlig unzulänglich waren, so kann man begreifen, dass solche Reisen auch für die Begleiter der Heiligen kein geringes Opfer bedeuteten. Doch Theresia verstand es meisterhaft, ihre Begleitung stets in froher Stimmung zu erhalten, sei es durch erbauliche Gespräche oder fromme Gesänge, sei es durch fröhliches Geplauder, so dass es allen, selbst den Maultiertreibern, ein Genuss war, wie sie wiederholt versicherten, mit Theresia zu reisen. Wohl eine der größten Überwindungen kostete es Theresia, wenn sie mit ihrer Begleitung in einer Herberge, wie sie in jener Gegend auf einsamen Landstraßen der Übernachtung dienten, nächtigen musste; wenn in solchen Herbergen, in denen oft alles mögliche landfahrende Gesindel zusammenkam, Schimpf und Fluchworte der gemeinsten Art an ihr Ohr drangen, Lärmen und Streiten vor ihren Augen sich abspielte. Und was mag sie zumal gelitten haben in solchen, meist von Schmutz und Ungeziefer starrenden Herbergen, sie, die gerade in diesem Punkte so empfindsam war!

Des öfteren macht die Heilige in ihrem Buche Andeutungen über derartige Zustände. Doch was bedeuteten für ihre hochgemute Seele all diese Hindernisse und Opfer und Schwierigkeiten! Durch einen Franziskanermissionär, der aus »Indien«, wie man damals Amerika nannte, zurückgekehrt war, hatte Theresia in dem Menschwerdungskloster von Ávila gehört, wie dort ungezählte Seelen aus Mangel an Missionären dauernd verlorengehen. Dies hatte sie erst recht bestärkt in dem Verlangen, Seelen für Gott zu retten durch ein Leben des Gebetes und der intensivsten Buße. Um für ein solches Leben Seelen heranzubilden, hatte sie ihr Reformwerk unternommen.

Was war nun der eigentliche Anstoß zur Abfassung des Berichtes über die erste Entwicklung dieses Reformwerks? Nachdem Theresia die Geschichte der Gründung des ersten Reformklosters von Ávila auf Befehl ihres Beichtvaters, P. Garcia de Toledo, O. Pr., geschrieben hatte, dachte sie vorläufig an keine weiteren Gründungen und fügte deshalb diesen Bericht ihrem »Leben« bei. Als sie dann 1567 auf Geheiß des Ordensgenerals, P. Rubeo, an die Gründung weiterer Klöster ging und so nach und nach die Reformklöster von Medina del Campo, Malagón, Valladolid, Durvelo entstanden, hatte sie über die Gründungsgeschichte dieser Klöster keinen eigentlichen Bericht geschrieben, sondern nur auf fliegenden Blättern sich gelegentlich einige Aufzeichnungen gemacht, bis sie eines Tages nach der hl. Kommunion, wie sie selbst in einem ihrer geistlichen Berichte erzählt (cf. Geistl. Berichte III. in d. neuen deutsch. Ausg. od. IX. in d. span. Ausg. des P. Silverio), von seiten Gottes die Stimme zu hören glaubte, auch die Geschichte dieser Klöster niederzuschreiben. Doch dieser inneren Anregung von seiten Gottes kam sie vorläufig nicht nach, bis diese Stimme Gottes durch den förmlichen Befehl ihres Vorgesetzten, d. i. ihres Beichtvaters, ergänzt wurde. Das war im August 1573, als sie eben in Salamanca an der Neugründung eines Klosters arbeitete. Da gab ihr nämlich ihr damaliger Beichtvater, P. Hieronymus Ripalda S. J., den ausdrücklichen Auftrag, die Geschichte der bis dahin gegründeten Klöster zu schreiben.

Die Heilige wandte diesem Auftrag gegenüber ein, dass sie nicht einsehe, welchen Nutzen diese Berichte haben könnten, und dass sie infolge ihrer anderweitigen Beschäftigungen überhaupt keine Zeit dazu finde. Doch als ihr Seelenführer auf seinem Befehl bestand, machte sich die Heilige, gehorsam wie immer, daran, die seinerzeit gemachten kurzen Notizen zu ordnen und zu ergänzen. So entstanden in Salamanca die ersten neun Hauptstücke des Buches, umfassend nur die Gründungen von Medina del Campo und Malagón. (Siehe ihre eigenen Worte im 27. Hauptstück der »Klosterstiftungen«!)

Dieser erste Teil der »Stiftungen« enthält nun nicht allein den Bericht über das Entstehen der beiden erstgenannten Klöster, sondern in diesem Bericht finden sich eine Reihe von wichtigen Ermahnungen über das geistliche Leben eingereiht, welche die Heilige an die Priorinnen der bis dahin gegründeten und in Zukunft noch entstehenden Klöster richtete. So spricht sie besonders im fünften Hauptstück ausführlich über den Gehorsam und findet dafür Worte, die zu dem Besten gehören, was je von den bedeutendsten geistlichen Schriftstellern über diesen Punkt geschrieben wurde. Nach dem neunten Hauptstück brach Theresia diese Berichte über ihre Klostergründungen wieder ab, obwohl es der bis dahin bereits gegründeten Klöster schon sieben waren; denn zahlreiche andere Arbeiten hinderten sie einerseits daran, anderseits trug sie sich auch jetzt wieder mit dem Gedanken, diese Arbeit überhaupt ruhen zu lassen, da sie, wie schon so oft, auch jetzt wieder von einem geradezu unüberwindlichen Widerwillen erfasst war gegen jede Art schriftstellerischer Betätigung.

Als sie nun im Jahre 1576 in Toledo weilte, gab ihr P. Hieronymus Gracián, damals apostolischer Kommissär und infolgedessen ihr Vorgesetzter, den strikten Auftrag, die Berichte über ihre Klostergründungen fortzusetzen. Auch diesmal fügte sich Theresia, ungeachtet alles natürlichen Widerstrebens, dem Willen des Vorgesetzten. Sofort bat sie in einem Brief (24. Juli 1576) ihren Bruder Laurentius in Ávila, er möchte ihr von Ávila aus die dort hinterlegten Aufzeichnungen über die bisherigen Gründungen sowie den bereits fertigen Bericht über die beiden ersten Gründungen (1. -9. Hauptstück) nach Toledo schicken. Im Oktober des gleichen Jahres (1576) macht sich Theresia an die Niederschrift, und bereits am 14. November hat sie die weiteren Hauptstücke 10- 27 vollendet, wie sie am Schluß des Kap. 27 schreibt.

Dieser zweite Teil ihres Werkes umfasst die Gründungen von Valladolid (15. VIII. 1568), Toledo (14. V. 1569), des ersten Reformklosters der Patres in Durvelo (28. XI. 1568), der beiden Klöster in Pastrana, eines für die Schwestern (9. VII. 1569) und eines für die Patres (13. VII. 1569), Salamanca (1. XI. 1570), Alba de Tormes (25. I. 1571), Segovia (19. III. 1574), Veas (25. II. 1575), Sevilla (29. V. 1575) und schließt mit der Gründung von Caravaca (1. I. 1576). Es ist nicht ohne Bedeutung, wenn sie am Schluß dieser letzteren Gründung (27. Hauptstück) gleichsam als Epilog hinzufügt: »Dieser Bericht wurde vollendet am 14. November des Jahres 1576«, gleich als hätte sie geahnt, dass der große Sturm der Verfolgung gegen sie und ihr Werk nun anhebt und sie auf Jahre hinaus an dessen Fortsetzung hindern werde. Zugleich mochte sie wohl glauben, mit diesem Hauptstück die Schrift endgültig abgeschlossen zu haben.

Doch der Sturm gegen die junge Reform ging vorüber, freilich nicht ohne deren beiden Trägern, Theresia und Johannes vom Kreuz, schwere Prüfungen gebracht zu haben. Und so begibt sich Theresia in den Jahren 1580-1582 neuerdings auf den dornenvollen Weg der Gründung von weiteren Klöstern. So entstanden in den drei genannten Jahren die Klöster von Villanueva de la Jara (21. II. 1580), Palencia (29. XII. 1580), Soria (3. VI. 1581) und Burgos (22. IV. 1582). Während die Heilige die Berichte über die Gründung der beiden ersten Klöster in Palencia im April 1581 niederschrieb, verfasste sie jene über die Gründung von Soria und Burgos jeweils nach Vollendung der betreffenden Gründung. Sie umfassen die letzten Hauptstücke (28-31) des uns vorliegenden Werkes. Der Bericht über die Gründung von Burgos ist geschrieben im Juli 1582, also wenige Monate vor dem Tode der Heiligen.

Als Theresia nach Vollendung dieser letzteren Gründung Burgos verließ, um bald darauf in Alba in die ewige Herrlichkeit einzugehen, übergab sie die Handschrift dieser Berichte, zusammen 31 Hauptstücke, einem gewissen Dr. Manso, der während ihres Aufenthaltes in Burgos ihr Beichtvater gewesen war. Von diesem ging das Original sowohl dieser Gründungsberichte als auch der übrigen Handschriften der heiligen Reformatorin im Jahre 1587 in den Besitz der Ehrw. Anna von Jesu über, die sie sammelte, um sie durch P. Ludwig de León O.S.Aug. Professor an der Universität Salamanca, veröffentlichen zu lassen. Als jedoch letzterer im August 1591 starb, noch bevor er zusammen mit den übrigen Schriften der heiligen Theresia die »Klosterstiftungen« veröffentlicht hatte, ging die Handschrift der letzteren an einen gewissen Dr. Sobrino, Universitätsprofessor von Valladolid, über.

Im Jahre 1592 gab König Philipp II. von Spanien seinem Beichtvater P. Didakus de Yepes, Prior des Augustinerklosters im Escorial, den Auftrag, ihm die Originalhandschriften der heiligen Theresia zu verschaffen. So kamen diese durch des Letztgenannten Vermittlung in den Besitz des Königs, der von nun an deren eifrigster Leser blieb. Nach dem Tode seines Sohnes Philipp III. wurden sie der Bibliothek des Escorial einverleibt.

Als ich vor Jahren das Glück hatte, in der Bibliothek des Escorial diese für einen Sohn der großen Ordensstifterin so unendlich kostbaren Handschriften zu sehen, konnte ich nur in stiller Verehrung und Bewunderung vor diesem wertvollen Schatz der Bibliothek stehen. Doch welch ein Unterschied, wenn man die beiden Handschriften des »Lebens« und der »Klosterstiftungen« miteinander vergleicht! Im »Leben« die Handschrift noch voll jugendlicher Kraft, in Eile auf das Papier hingeworfen; eine von augenblicklichen Eingebungen erfüllte Seele spiegelt sich darin. Hier dagegen, in den »Klosterstiftungen«, verrät sich sofort eine unsagbar große Müdigkeit. Wohl trägt auch hier die Schrift noch ihren persönlichen Charakter, eine Seele voll Energie; aber sie ist schon viel weniger regelmäßig als dort; die Schriftzüge sind feiner, die Buchstaben kleiner, die aus Unachtsamkeit gemachten Fehler sind zahlreicher. Zumal gegen Ende des Buches merkt man, wie die Hand der heiligen Verfasserin vollständig ermattet. Die letzte Schrift der Heiligen vor ihrem Tode! Welch teueres Erbe! Was erzählen nicht diese 132 Blätter! Die Geschichte von fünfzehn Jahren voll unsagbarer Opfer und Mühen, die Geschichte einer Seele, erfüllt von Heldenmut und unvergleichlichem Opfergeist!

Von den verschiedenen Abschriften, die noch vor Übergabe der Originalhandschriften an den König von einigen Freunden der Heiligen, gelehrten Männern, an Hand der Originale gemacht worden waren, existieren nur noch zwei: die eine im Besitz der Karmelitinnen von Toledo, die andere in der Akademie für Geschichte in Madrid.

In Druck erschien das »Buch der Klosterstiftungen« erstmals im Jahre 1610 zu Brüssel bei Roger Velpius & Hubert Antoine, besorgt durch die Ehrw. M. Anna von Jesu, die damals Priorin zu Brüssel war, in Verbindung mit P. Hieronymus Gracián. Jedoch fehlten in dieser Erstausgabe die Hauptstücke zehn und elf, in denen die Geschichte der außerordentlichen Berufung der kleinen Casilda de Padilla erzählt wird, die damals noch in einem Kloster der Franziskanerinnen lebte. Auch sonst enthielt diese Ausgabe viele Abweichungen vom ursprünglichen Text. - Eine zweite Sonderausgabe der »Klosterstiftungen« erschien 1623 zu Zaragoza (bei Pedro Gil), besorgt durch die Karmeliten der alten Observanz. Auch diese Ausgabe enthielt zahlreiche willkürliche Abweichungen vom Original. So z. B. erschien darin als erstes Hauptstück der Bericht der Heiligen über die Gründung des Josephsklosters in Ávila, der dem »Leben« entnommen war; die Einteilung des Buches war sehr willkürlich, die Hauptstücke zehn und elf fehlten auch hier; dazu kamen noch verschiedene Verstümmelungen von Worten und Sätzen, entspringend dem damaligen Kampfgeist der alten Observanz gegen die Reform. - In der Gesamtausgabe der Werke der heiligen Theresia erscheint das »Buch der Klosterstiftungen« zum erstenmal 1630 bei Balthasar Moretus (Plantin) in Antwerpen, gleichfalls mit allen Mängeln der editio princeps (1610). - Auch die Ausgabe von 1661 bei Jos. Ferd. Buendia in Madrid, zusammen mit den übrigen Werken der Heiligen, besorgt durch P. Antonius a Mater Dei C. D., wies noch viele Mängel auf, obwohl ihr zum erstenmal die Originalhandschriften des Escorial zugrundegelegt worden waren. In ihr erschienen zum erstenmal auch die Hauptstücke zehn und elf. - Die folgenden Ausgaben von 1675 bei Foppens in Brüssel, sowie die von 1778 und 1795 bei Doblado in Madrid machten sich nicht einmal die textkritischen Verbesserungen der vorausgehenden Ausgabe zunutzen. - Auch die beiden textkritischen Ausgaben des Don Vincente de la Fuente von 1861 und 1881 ließen an Vollständigkeit und Gründlichkeit vieles zu wünschen übrig. Sehr verdienstvoll jedoch war die photolithographische Ausgabe des »Buches der Klosterstiftungen« von 1880. Erst die durch P. Silverio de S. Teresa C. D. besorgte Ausgabe der »fundaciones«, Burgos (Tipogr. de »El Monte Carmelo«) 1918 (5. Bd. der sämtlichen Werke), gibt uns erstmals einen in jeder Hinsicht vollständigen und von allen Beimischungen und Verstümmelungen gereinigten Text der »Klosterstiftungen«.

Das »Buch der Klosterstiftungen« nimmt unter den Schriften der heiligen Theresia an literarischem Wert weitaus die erste Stelle ein. Mögen andere ihrer Werke, wie die »Seelenburg«, spekulativ viel tiefer und gehaltvoller sein oder, wie die »Rufe der Seele«, an lyrischem Schwung sie weit übertreffen, so ist doch das »Buch der Stiftungen« in literarischer Hinsicht vollkommener: der Bericht über die Gründung der einzelnen Klöster ist voll entzückender Schlichtheit, lebendig, in leichtem Plauderton dahingleitend, voll natürlicher Anmut. Darin offenbart sich so ganz die Ungezwungenheit theresianischen Stils, eine abgewogene Feinheit des Ausdrucks, eine zarte Nüchternheit im Gebrauch der Bilder, wie sie nur den Werken der großen Klassiker zu eigen sind. Zugleich ist es ein Meisterwerk der Geschichtschreibung. Die heilige Verfasserin will um jeden Preis nur die volle und ganze Wahrheit der Tatsachen wiedergeben; sie verwahrt sich von Anfang an dagegen, auch nur in kleinsten Dingen eine Unwahrheit sagen zu wollen. Sie schildert die Menschen, wie sie sind, mit all ihren Licht und Schattenseiten. Sie versteht es zudem meisterhaft, den an sich trockenen historischen Berichten Leben und Wärme einzuhauchen, indem sie ab und zu der Erzählung lustige Szenen einzuflechten weiß, z. B. wenn sie in humorvoller Weise den ruinösen Zustand des Hauses in Medina del Campo schildert, das sie beziehen sollen; oder wenn sie die Angst ihrer Begleiterin in Salamanca während der Nacht von Allerheiligen auf Allerseelen beschreibt oder von den Schwestern in Villanueva berichtet, die von den lateinischen Gebeten, die sie verrichteten, nicht das geringste verstanden; oder wenn sie so ergötzlich erzählt, wie die ersten Mönche von Durvelo in ihrem Übereifer nicht einmal etwas hatten, worauf sie sich zur Ruhe legen konnten, dafür aber fünf Sanduhren besaßen, um die Tagesordnung genau zu halten, und dergleichen mehr. Aus all dem strahlt uns das lichte, heitere Wesen der Heiligen entgegen, die alles Melancholische, Düstere aus tiefster Seele verabscheut und darum auch die sogenannten »traurigen Heiligen« nicht ausstehen kann.

Die Heilige sagte von vorliegendem Buche eines Tages zu dem Lizentiaten Aguiar: »Serán cosas de mucho gusto algún día« »Es wird die Zeit kommen, da dieses Buch mit großem Interesse gelesen wird.« Diese Prophezeiung war keine Übertreibung oder Überheblichkeit von seiten der Heiligen, sondern sie hat sich in den mehr denn dreihundert Jahren, seitdem dieses Werk der Welt übergeben ist, voll und ganz bewahrheitet und wird sich auch in den kommenden Zeiten erfüllen.

P. Ambrosius a S. Theresia O.C.D (Rom)

Vorrede

I. H. S.

1. Wenn ich von dem absehe, was ich an vielen Stellen gelesen, so weiß ich auch aus eigener Erfahrung, welch großer Nutzen der Seele dadurch erwächst, dass sie nie vom Gehorsam abweicht. Darin besteht nach meinem Dafürhalten der Fortschritt in der Tugend und der Erwerb der Demut. Hierin finden wir die Sicherheit bei der Besorgnis, den Weg zum Himmel zu verfehlen, die übrigens uns Sterblichen in diesem Leben immer heilsam ist. Hier gewinnt man jene Ruhe, die den Seelen, die Gott zu gefallen verlangen, so kostbar ist. Haben sie sich in Wahrheit diesem heiligen Gehorsam hingegeben und ihm ihren Verstand unterworfen, so dass sie keine andere Meinung mehr haben wollen, als die ihres Beichtvaters, oder wenn sie Ordensleute sind, die ihres Oberen, so hört der böse Feind auf, sie mit seinen beständigen Beunruhigungen anzufechten, weil er einsieht, dass er dabei mit mehr Verlust als Gewinn abziehen muß. Auch unsere stürmischen Gemütsbewegungen lassen nach, die immer gern dem Eigenwillen folgen und sogar die Vernunft unter ihre Botmäßigkeit bringen in Dingen, die nach unserem Geschmacke sind; der Grund daran ist die Erinnerung, dass man seinen Willen mit aller Entschiedenheit dem Willen Gottes dadurch unterworfen hat, dass man ihn dem übergab, der seine Stelle vertritt. Nachdem mir die göttliche Majestät in ihrer Güte soviel Licht gegeben hatte, den großen, in dieser Tugend verborgenen Schatz zu erkennen, habe ich mich, wenngleich schwach und unvollkommen, um dessen Erwerb bemüht. Dennoch sträubt sich die schwache Tugend, die ich in mir gewahre, noch oft; denn in einigen Dingen, die mir befohlen worden, bemerke ich, dass sie nicht ausreicht. Die göttliche Majestät wolle ersetzen, was mir zu dem vorliegenden Werke abgeht!

2. Als ich mich im Jahre 1562 im Kloster des heiligen Joseph zu Ávila befand, das im selben Jahre gegründet worden war, befahl mir der Dominikaner, Pater García de Toledo, der damals mein Beichtvater war, die Gründung dieses Klosters nebst vielen anderen Begebenheiten zu beschreiben; dies kann jeder in der Geschichte der Gründung finden, wenn sie veröffentlicht wird. Jetzt im Jahre 1573, somit elf Jahre später, befinde ich mich in Salamanca, wo ich den P. Rektor des Kollegiums der Gesellschaft Jesu, Magister Ripalda, zum Beichtvater habe. Nachdem dieser das Buch von der ersten Stiftung gelesen, meinte er, es werde zur Verherrlichung des Herrn dienen, wenn ich die anderen sieben Klöster, die durch die Güte des Herrn später gegründet wurden, sowie auch den Beginn der Klöster der unbeschuhten Väter dieser ersten Ordensregel beschreiben würde. Und so hat er mir den Auftrag dazu gegeben.

3. Da mir dies infolge vieler dringender Geschäfte, Briefe und anderer Arbeiten, die mir von meinen kirchlichen Vorgesetzten aufgetragen waren, unmöglich schien, wandte ich mich im Gebete an Gott; ich war etwas niedergedrückt, weil ich mich dazu so wenig tauglich fühlte, weil meine Gesundheit in schlechtem Zustand war und ich auch ohnedies wegen meiner geringen natürlichen Begabung diese Arbeit nicht leisten zu können glaubte. Da sprach der Herr zu mir: »Tochter, der Gehorsam gibt Kräfte.« Seine Majestät gebe, dass es so sei, und verleihe mir die Gnade, ihr zur Ehre die dem Orden bei diesen Stiftungen erwiesenen Wohltaten nach Gebühr erzählen zu können! Man darf versichert sein, dass es in aller Wahrheit, ohne den geringsten Zusatz, so gut ich es weiß, geschehen werde, genau so, wie es sich zugetragen hat; denn ich möchte selbst in unbedeutender Sache um nichts in der Welt eine Lüge sagen. Hier aber, wo geschrieben werden wird, was zum Lobpreise des Herrn dienen soll, würde ich mir ein großes Gewissen daraus machen und nicht bloß fürchten, die Zeit zu vergeuden, sondern auch Gott zu beleidigen, wenn ich in Sachen Gottes lügen sollte; denn das wäre eine schmähliche Verräterei, wenn er durch die Beschreibung dessen beleidigt würde, wodurch er verherrlicht werden sollte. Seine Majestät möge mich nie aus der Hand lassen, um so etwas zu tun!

4. Ich werde jede Stiftung für sich beschreiben und mich befleißen, kurz zu sein, wenn ich es vermag. Meine Schreibweise ist so schwerfällig, dass ich fürchte, auch gegen meinen Willen andere und mich selbst zu ermüden. Indessen werden meine Töchter, denen diese Schriften nach meinem Ableben verbleiben sollen, in ihrer Liebe zu mir es ertragen können. Ich suche hierin keinen Vorteil für mich und hab auch keinen Grund dazu; was ich beabsichtige, ist nur das Lob und die Verherrlichung des Herrn; man wird hier vieles finden, weswegen ihm solches Lob gebührt. Möge Gott verhüten, dass der Leser auch nur im Entfernten mir etwas zuschreibe! Denn dies wäre wider die Wahrheit. Vielmehr mögen alle Leser Seine Majestät bitten, mir zu verzeihen, dass ich alle bei diesen Stiftungen mir erwiesenen Gnaden so schlecht benützt habe. Meine Töchter haben sich für das, was ich getan, weit mehr zu beklagen als zu bedanken. Allen Dank, meine Töchter, wollen wir der göttlichen Güte darbringen für so viele Gaben, die sie uns gespendet. Um der Liebe Gottes willen bitte ich jeden, der dies lesen wird, um ein Ave Maria, auf dass es mir helfe zur Befreiung aus dem Fegfeuer und ich gelangen möge zur Anschauung Jesu Christi, unseres Herrn, der lebt und herrscht mit dem Vater und dem Heiligen Geiste in alle Ewigkeit. Amen.

5. Da ich ein schwaches Gedächtnis habe, glaube ich, dass manches Wichtige ausgelassen und anderes gesagt werden wird, das wegbleiben dürfte, wie es (eben) von meinem geringen Verstande, von meiner Ungeschicklichkeit und von dem Mangel an der nötigen Ruhe nicht anders zu erwarten ist. Man hat mir auch befohlen, bei gegebener Gelegenheit etwas zu sagen über das Gebet, über die Täuschungen, in die jene verfallen könnten, die das Gebet üben, und die Ursache sind, dass sie nicht vorwärts kommen. In allem unterwerfe ich mich der Lehre der heiligen römischen Kirche mit dem festen Willen, dass Gelehrte und Geistesmänner davon Einsicht nehmen sollen, ehe es, meine Schwestern und meine Töchter, in euere Hände kommen wird. Ich beginne im Namen des Herrn, unter dem Beistande seiner glorreichen Mutter, deren Kleid ich, obwohl dessen unwürdig, trage und des glorreichen heiligen Vaters Joseph, in dessen Hause ich wohne (denn seinen Namen trägt das hiesige Kloster der unbeschuhten Karmelitinnen) und durch dessen Fürbitte ich allezeit Hilfe erlangt habe.

Im Jahre 1573, am Tage des heiligen Ludwig, Königs von Frankreich, den 23. August.

Gott sei gelobt!

Beginn der Stiftung des Klosters zum heiligen Joseph vom Berge Karmel in Medina del Campo.

Erstes Hauptstück

Veranlassung zu dieser und den übrigen Stiftungen.

1. Nach der Stiftung des Klosters zum heiligen Joseph in Ávila verweilte ich dort fünf Jahre, und soviel ich jetzt beurteilen kann, scheinen mir diese wohl die ruhigsten meines Lebens gewesen zu sein; jene Ruhe und Stille vermißt meine Seele oft gar sehr. Um diese Zeit traten einige Jungfrauen von zartem Alter in dieses Kloster. Soviel man aus ihrem sorgfältig ausgesuchten Kleiderschmuck abnehmen konnte, hatte sie die Welt anscheinend schon als ihr Eigentum angesehen; allein der Herr riß sie noch frühzeitig aus diesen Eitelleiten heraus, zog sie in sein Haus und verlieh ihnen eine so hohe Vollkommenheit, dass sie mir gar sehr zur Beschämung gereichten. Als die Zahl dreizehn, die wir nie zu überschreiten uns entschlossen hatten, voll geworden war, lebte ich in seliger Wonne unter diesen so heiligen und reinen Seelen, deren einzige Sorge es war, unserem Herrn zu dienen und ihn zu lobpreisen. Die göttliche Majestät versorgte uns mit dem Notwendigen, ohne es begehren zu müssen; und wenn uns etwas mangelte, was höchst selten geschah, so war ihre Freude um so größer. Ich lobte den Herrn beim Anblick so vieler, erhabener Tugenden, vorzüglich der Sorglosigkeit um alle Dinge, die nicht den Dienst des Herrn betrafen.

2. Ich war damals ihre Oberin und erinnere mich nicht, dass der Gedanke an zeitliche Dinge mich je beschäftigt hätte: ich war fest überzeugt, dass der Herr jene, die keine andere Sorge haben, als ihm zu gefallen, keinen Mangel leiden lasse. Reichte manchmal die Speise nicht für alle Schwestern und sagte ich, sie sei für die Bedürftigen bestimmt, so hielt sich keine für bedürftig genug, und so blieb sie unberührt, bis Gott für alle hinreichend (Speise) schickte.

3. Bezüglich der Tugend des Gehorsams, zu der ich große Liebe habe, die ich aber nicht zu üben verstand, bis diese Dienerinnen Gottes mich belehrten, könnte ich vieles erzählen, was ich an ihnen beobachtete; wenn ich wirklich Tugend hätte, könnte ich nicht in Unkenntnis darüber sein.

Eines fällt mir eben ein, das sich auf folgende Weise zutrug: Als wir eines Tages im Speisezimmer waren, setzte man uns Gurken vor; ich bekam eine sehr dünne, die inwendig faul war. Ohne etwas merken zu lassen, rief ich eine Schwester, die verständigste und fähigste unter ihnen, und sagte, um ihren Gehorsam zu prüfen, sie solle hingeben und jene Gurke in ein Gärtchen einsetzen, das wir besaßen. Auf ihre Frage, ob sie diese senkrecht oder quer einsetzen müsse, antwortete ich: Quer! Sie ging hin und setzte sie so, ohne auf den Gedanken zu kommen, dass diese notwendigerweise verdorren müsse. Weil der Gehorsam es forderte, unterwarf sie blindlings ihren natürlichen Verstand und glaubte, dass es so ganz recht sei. So trug sich auch zu, dass ich einer anderen sechs bis sieben Geschäfte befahl, die sich nicht wohl miteinander vereinen ließen, und doch nahm sie diese stillschweigend auf sich in der Meinung, sie alle verrichten zu können.

4. Im Kloster war ein Brunnen, der, wie Kenner sagten, ein sehr ungesundes Wasser hatte, und es schien unmöglich, gesundes herzuleiten, weil der Brunnen sehr tief war. Als ich nun Arbeitsleute kommen ließ, um es zu versuchen, lachten sie über mich, dass ich vergeblich Geld ausgeben wolle. Da fragte ich die Schwestern um ihre Meinung. Eine antwortete: Man versuche es; der Herr werde für jemand sorgen, der uns Wasser für den Tisch verschaffe; es komme ihm wohlfeiler, wenn er uns Wasser im Hause gebe: drum werde er es auch tun. Als ich sah, mit welch großem Glauben und Vertrauen sie dies sagte, war mir die Sache schon gewiss, und ich ließ gegen das Gutachten des Brunnenmeisters weiterarbeiten. Dem Herrn gefiel es, dass wir eine Quelle trinkbaren Wassers entdeckten, das für das Kloster vollständig hinreicht; wir haben es jetzt noch. Ich erzähle dies nicht als ein Wunder; denn da könnte ich noch viele andere Dinge sagen, sondern nur, um anzudeuten, welch großen Glauben diese Schwestern hatten, da es sich so zugetragen hat, wie ich gesagt. Es ist auch nicht meine Absicht, die Nonnen dieses Klosters zu rühmen; denn durch die Güte des Herrn wandeln alle bis auf den heutigen Tag nach dieser Weise. Über dergleichen Vorkommnisse könnte ich noch vieles schreiben und gewiss nicht ohne Nutzen für die Nachkommenden, die dadurch zur Nachahmung angeeifert werden könnten. Sollte es dem Herrn gefallen, dass solche Dinge bekannt werden, so mögen die Vorgesetzten den Priorinnen befehlen, sie auszuzeichnen.

5. Ich Armselige lebte nun unter diesen guten Seelen, die mir wie Engel vorkamen. Sie verheimlichten mir nicht einen Fehler, selbst nicht, wenn er nur innerlich war. Ihre hochherzigen Bestrebungen, ihre gänzliche Losschälung von allen Dingen und überhaupt all die Gnaden, die der Herr ihnen verlieh, waren auffallend. Ihr Trost war die Einsamkeit; sie versicherten mir, dass sie nie satt würden, allein zu sein. Sie hielten es für eine Qual, Besuche zu empfangen, selbst von Geschwistern. Jene hielt sich für die glücklichste, die am längsten in einem Einsiedlerhüttchen verweilen konnte. Wenn ich die Vortrefflichkeit dieser Seelen und den hohen, ihnen von Gott zum Leiden und zu seinem Dienste verliehenen Mut betrachtete, wie er sonst Frauenspersonen nicht eigen ist, so schien es mir oft, der Herr habe irgendeine erhabene Absicht mit den ihnen verliehenen reichen Schätzen. Was dann wirklich später geschah, kam mir freilich nicht in den Sinn; denn damals schien so etwas noch unmöglich, weil nirgends ein Anhaltspunkt war, um sich Derartiges vorstellen zu können. Je mehr Zeit inzwischen verfloß, um so mehr wuchs auch mein Verlangen, irgendwie zur Förderung einer Seele beizutragen. Oft schien es mir, ich gleiche einem Menschen, der im Besitze eines großen verborgenen Schatzes ist und wünscht, alle möchten desselben teilhaftig werden, indessen man ihm die Hände bindet, so dass er ihn nicht austeilen kann. Ebenso gebunden kam mir meine Seele vor; denn die Gnaden, die der Herr ihr in jenen Jahren verlieh, waren sehr groß, und doch schien an mir alles übel angewendet. Ich diente dem Herrn immer mit meinen armen Gebeten und ermahnte auch meine Schwestern, dasselbe zu tun und sich das Heil der Seelen, die Ausbreitung der Kirche und die Erbauung aller, mit denen sie umgingen, ernstlich angelegen sein zu lassen. Dadurch befriedigte ich in etwa mein sehnliches Verlangen.

6. Vier Jahre nach der Gründung des Klosters oder, wie mir scheint, noch etwas später, besuchte mich ein Franziskanermönch, mit Namen Alfons Maldonado, ein vortrefflicher Diener Gottes, der von demselben Verlangen nach dem Heile der Seelen erfüllt war wie ich. Da er sein Verlangen verwirklichen konnte, beneidete ich ihn gar sehr. Dieser Pater war vor kurzem aus Westindien gekommen und erzählte mir, wie viele Millionen Seelen dort aus Mangel an christlichem Unterricht verlorengehen. In einer Predigt, die er uns hielt, ermahnte er uns zur Buße und zog wieder weiter. Der Verlust so vieler Seelen hatte mich mit so tiefem Schmerz erfüllt, dass ich mich nicht mehr halten konnte. Ich begab mich in eine Einsiedelei, rief mit vielen Tränen zu Gott und bat ihn, mir doch Mittel und Wege zu schaffen, um wenigstens eine Seele für seinen Dienst zu gewinnen, da doch der böse Feind so viele nach sich ziehe; ich flehte zu ihm, er möchte doch meine Gebete wirksam werden lassen, da ich sonst zu nichts tauge. Ich beneidete jene sehr, die sich aus Liebe zu unserem Herrn unter tausend Todesgefahren dem Werke der Glaubensverkündigung widmen konnten. Wenn ich daher in den Lebensgeschichten der Heiligen lese, dass sie Seelen für Gott gewonnen haben, so erweckt das in mir größere Andacht und Vorliebe zu ihnen, und ich beneide sie darum mehr als um alle Martern, die sie gelitten haben; denn gerade diese Neigung hat mir der Herr eingeflößt. Es scheint mir nämlich, dass Gott den Gewinn einer einzigen Seele, die wir mittels seiner Barmherzigkeit durch unser Gebet und unseren Opfersinn retten, weit höher schätzt, als alle übrigen Dienste, die wir ihm sonst leisten können.

7. Während ich nun in solcher Pein zur Nachtzeit dem Gebete oblag, erschien mir der Herr wie gewöhnlich, bezeigte mir große Liebe und sagte, als wollte er mich trösten: »Harre noch ein wenig, meine Tochter, so wirst du große Dinge sehen!« Diese Worte blieben meinem Herzen so tief eingeprägt, dass ich sie nicht aus dem Sinne bringen konnte. Obwohl ich trotz allen Nachdenkens ihre Bedeutung nicht zu erraten vermochte und auch kein Mittel zu ihrer Verwirklichung sah, ward ich doch sehr getröstet und hatte die feste Gewissheit, dass diese Worte wahrhaftig seien; die Art und Weise jedoch, wie sie in Erfüllung gehen sollten, konnte ich mir nicht vorstellen. Inzwischen verging, soviel ich mich erinnere, noch ein halbes Jahr, und dann ereignete sich, was ich nun erzählen will.

Zweites Hauptstück

Ankunft unseres Ordensgenerals in Ávila und was darauf folgte.

1. Unsere Generäle haben immer ihren Sitz in Rom, und noch nie war einer nach Spanien gekommen, so dass man dies auch setzt für unmöglich hielt. Weil aber nichts von dem, was der Herr will, unmöglich ist, so fügte es Seine Majestät, dass jetzt eintreten sollte, was noch nie geschehen war. Als ich dies erfuhr, fiel es mir, wie ich glaube, sehr schwer; denn aus Gründen, die in dem Berichte über die Stiftung des Klosters zum heiligen Joseph angedeutet sind, war dieser Konvent nicht dem Orden unterworfen. Deshalb fürchtete ich zunächst, er möchte über mich ungehalten werden, und dazu hätte er Grund gehabt, weil er den ganzen Hergang der Sache nicht wusste? Dann machte mir auch der Gedanke Angst, er möchte mir etwa befehlen, in das Kloster der Menschwerdung zurückzukehren, wo man die gemilderte Regel beobachtet. Dies hätte mich aus vielen, hier nicht zu erwähnenden Gründen tief betrübt, wozu schon der eine genügte, dass ich dort die Strenge unserer ersten Regel nicht hätte beobachten können. Es wohnten dort mehr als 150 Schwestern, und wo weniger sind, herrscht mehr Eintracht und Ruhe. Unser Herr fügte es besser, als ich dachte. Der General ist ein solch vortrefflicher Diener Gottes, ein so einsichtsvoller und gelehrter Mann, dass er das Unternehmen für ein gutes Werk hielt und gegen mich nicht das geringste Mißfallen zeigte. Sein Name ist Pater Johann Baptist Rubeo (eigentlich Rossi), von Ravenna gebürtig; er genießt im Orden mit vollem Rechte großes Ansehen.

2. Als er zu Ávila angekommen war, bemühte ich mich, dass er das Kloster zum heiligen Joseph besuchen möchte. Der Bischof hielt es für gut, dass ihm derselbe Empfang bereitet werde, wie seiner eigenen Person. Ich gab ihm in aller Wahrheit und Klarheit Rechenschaft; denn immer war es meine Art, mit meinen Vorgesetzten so zu verkehren, entstehe dann daraus, was da immer wolle; denn sie vertreten Gottes Stelle. Ebenso rede ich auch mit den Beichtvätern. Würde ich nicht so handeln, so hätte meine Seele keine Sicherheit mehr. Darum offenbarte ich denn auch dem Pater General meine Seele und fast mein ganzes Leben, wenngleich nicht viel Gutes daran war. Er aber tröstete mich sehr und gab mir die Versicherung, er werde mir nicht befehlen, mein gegenwärtiges Kloster zu verlassen. Er freue sich, unsere Lebensweise kennenzulernen, und sah darin ein wenn auch unvollkommenes Abbild vom Beginn unseres Ordens, in dem die erste Regel in aller Strenge gehalten wurde; denn in keinem einzigen Kloster des ganzen Ordens wurde diese beobachtet, sondern überall die gemilderte. Er wünschte sogar, dass dieser geringe Anfang sich weiter verbreiten möchte, und erteilte mir einen sehr umfassenden Vollmachtsbrief zur Errichtung noch mehrerer Klöster. Ja, er drohte darin mit Zensuren oder geistlichen Strafen, damit kein Provinzial mich daran hindere. Ich hatte diese Vollmacht nicht von ihm begehrt; er gab sie mir ungebeten, weil er aus meiner Gebetsweise entnahm, wie groß mein Verlangen war, wenigstens einige Seelen Gott näher zu bringen.

3. Nach solchen Mitteln strebte ich nicht; denn dies hätte mir töricht geschienen, weil ich gut erkannte, dass eine so schwache, armselige, weibliche Person, wie ich bin, wenig ausrichten könne. Wenn sich jedoch ein solches Verlangen der Seele bemächtigt, so liegt es nicht in ihrer Gewalt, es abzuweisen. Die Liebe, die Gott zu gefallen strebt, und das gläubige Vertrauen auf ihn ermöglichen, was sonst nach natürlichem Ermessen unmöglich ist. Da ich an unserem wohlehrwürdigen Pater General ein so großes Verlangen nach der Gründung mehrerer ähnlicher Klöster gewahrte, war es mir, als sähe ich sie schon errichtet. Und wenn ich mich der Worte erinnerte, die der Herr zu mir gesagt hatte, so sah ich schon einen Anfang von dem, was ich zuvor nicht verstehen konnte. Gar sehr schmerzte mich die Rückkehr unseres Pater Generals nach Rom, da ich große Liebe zu ihm gefasst hatte; es schien mir, als bliebe ich in großer Verlassenheit. Auch erwies er mir große Liebe und Gunst; so oft er von seinen Arbeiten abkommen konnte, besuchte er mich, um über geistliche Dinge zu reden. Seinen Gesprächen konnte man entnehmen, dass ihm der Herr große Gnaden verliehen habe; es war uns ein Trost, ihn anzuhören.

4. Noch vor seiner Abreise ersuchte ihn der Bischof von Ávila, Don Alvaro de Mendoza, ein Freund aller, die Gott in größerer Vollkommenheit dienen wollen, er möchte ihm die Erlaubnis zurücklassen, dass in seinem Bistum auch einige Männerklöster der unbeschuhten Karmeliten nach der ursprünglichen Regel gestiftet werden dürften. Andere Personen ersuchten ihn um das nämliche. Er hätte es gerne getan, aber weil er Widerspruch im Orden fand und in die Provinz keine Verwirrung bringen wollte, unterließ er es für jetzt.

5. Einige Tage nach seiner Abreise dachte ich darüber nach, wie notwendig es zur Stiftung noch mehrerer Nonnenklöster wäre, wenn auch noch Brüderkonvente nach derselben Regel beständen. Ich sah nämlich, dass die Zahl der männlichen Religiosen in der Provinz gering war und dem Aussterben nahe schien. Darum empfahl ich die Sache dem Herrn eifrigst im Gebete und schrieb unserem Pater General einen Brief, worin ich, so gut ich es eben konnte, die Gründe darlegte, weshalb das Unternehmen zur größeren Ehre Gottes gereichen würde. Dabei bemerkte ich, dass die Ungelegenheiten, die daraus entstehen könnten, nicht so bedeutend seien, um ein so gutes Werk zu unterlassen. Ferner stellte ich ihm vor Augen, welch großen Dienst er unserer Lieben Frau, zu der er eine innige Verehrung trug, erweisen werde. Ohne Zweifel hat ihn die allerseligste Jungfrau auch dazu bewogen; denn von Valentia aus, wo ihn mein Brief traf, sandte er mir die Erlaubnis, zwei solcher Klöster zu stiften; er bekundete dadurch, dass er die vollkommenste Observanz im Orden wünschte. Damit sich im Orden kein Widerspruch erhebe, machte er diese Erlaubnis abhängig von der Einwilligung des damaligen und des abgetretenen Provinzials, die sehr schwer zu erhalten war. Da jedoch die Hauptsache geschehen war, so hatte ich gute Hoffnung, der Herr werde das übrige schon recht machen, wie es auch wirklich der Fall war. Durch die Verwendung des Bischofs, der sich dieser Angelegenheit als seiner eigenen annahm, gaben endlich beide Provinziale ihre Einwilligung.

6. Einerseits getröstet durch diese Erlaubnis, wuchs andererseits meine Sorge, weil ich in der Provinz keinen Ordensmann kannte, der zur Ausführung des Werkes sich eignete, noch auch einen Weltgeistlichen, der es gewagt hätte, den Anfang zu machen. Ich konnte nichts anderes tun, als den Herrn bitten, er möge jemand dazu erwecken. Auch hatte ich weder ein Haus noch irgendwelche Mittel, eines zu bekommen. So stand ich arme, barfüßige Nonne da, ohne weitere Hilfe als die des Herrn, ausgerüstet mit Vollmachten und dem besten Verlangen, aber ohne Möglichkeit, etwas ins Werk zu setzen. Dennoch schwand mir weder der Mut noch die Hoffnung, es werde der Herr, der das eine gegeben, auch das übrige verleihen. Alles schien mir jetzt möglich zu sein, und darum legte ich auch Hand ans Werk.

7. O großer Gott! Wie offenbarst du doch deine Macht, indem du einer Ameise wie mir eine solche Kühnheit verleihst! Nicht an dir liegt es, o mein Herr, wenn jene, die dich lieben, nichts Großes zustande bringen, sondern an unserer Verzagtheit und unserem Kleinmut. Da wir uns nie fest entschließen, sondern voll tausend Ängsten und voll menschlicher Berechnung sind, so wirkst du, o mein Gott, auch nicht deine Wunderwerke und Großtaten. Oder wer hat mehr Freude am Geben als du, wenn du nur jemand findest, der deine Gaben annimmt? Wer würde sich so auf seine Kosten dienen lassen wie du? Möge es deiner Majestät gefallen, dass ich dir in etwa möge gedient haben und mich nicht eine um so schwerere Verantwortung treffe, je mehr ich Gutes empfangen habe!

Drittes Hauptstück

Vorbereitungen, die zur Stiftung des Klosters zum heiligen Joseph in Medina del Campo getroffen wurden.

1. Inmitten all dieser Anliegen kam mir der Gedanke, die Väter der Gesellschaft Jesu, die in Medina sehr beliebt waren, um ihren Beistand anzuflehen. Wie ich schon im Berichte über die erste Stiftung geschrieben, hatte ich mich mit ihnen schon viele Jahre lang über die Angelegenheiten meiner Seele beraten; seitdem trage ich gegen sie für die ihr erwiesene große Wohltat eine besondere Verehrung. Ich schrieb also dem dortigen Pater Rektor, was mir unser Pater General aufgetragen hatte. Es traf sich gerade, dass dieser Rektor derselbe war, dem ich viele Jahre lang meine Beichte abgelegt hatte. Ich habe dies schon erwähnt, ohne seinen Namen zu nennen. Er heißt Balthasar Alvarez und ist gegenwärtig Provinzial. Er und die übrigen (Religiosen) versprachen zu tun, was ihnen in dieser Hinsicht möglich wäre. Und so trugen sie viel dazu bei, mir die Erlaubnis der Stadtverwaltung und des Prälaten zu erwirken. Weil das Kloster ohne Einkünfte gegründet werden sollte, so stieß die Sache überall auf Schwierigkeiten, weshalb sich die Unterhandlungen einige Tage hinauszogen.

2. Zu diesem Zwecke begab sich ein Priester, ein großer Diener Gottes der sich von allen irdischen Dingen gänzlich losgesagt hatte und dem Gebete sehr ergeben war, nach Medina. Er war Kaplan des Klosters, in dem ich mich damals aufhielt. Der Herr erfüllte ihn mit demselben Verlangen wie mich, und er war mir, wie man später sehen wird, sehr behilflich. Sein Name ist Julian de Ávila. Die Erlaubnis hatte ich bereits, aber ich besaß weder ein Haus noch einen Heller, um es mir zu kaufen. Borgen konnte ich nichts; denn wer würde mir als einer Fremden Vertrauen geschenkt haben? Doch der Herr war mein Bürge. Seine göttliche Vorsehung fügte es, dass eine sehr tugendhafte Jungfrau, die aus Mangel an Platz im Kloster zum heiligen Joseph in Ávila nicht aufgenommen werden konnte, von der Errichtung eines anderen Klosters Kunde erhielt. Sie kam zu mir und bat mich, sie in dieses aufzunehmen. Sie hatte einiges Geld, aber ziemlich wenig, mit dem wir zwar kein Haus kaufen, sondern nur eines mieten konnten. Wir ließen daher ein solches mieten, und das übrige verwendeten wir für die Auslagen der Reise. Ohne weitere Unterstützung brachen wir von Ávila auf. Mich begleiteten noch zwei Nonnen aus dem Kloster zum heiligen Joseph und vier Nonnen aus dem Kloster der Menschwerdung. Es ist dies jenes Kloster der gemilderten Regel, in dem ich wohnte, bevor das Kloster zum heiligen Joseph gegründet wurde. Unser Kaplan, Pater Julian de Ávila, begleitete uns.

3. Sobald dies in der Stadt bekannt war, entstand ein großes Gerede. Die einen sagten, ich sei eine Närrin, die anderen wollten den Ausgang dieser törichten Handlungsweise abwarten. Auch der Bischof hielt es, wie er mir später erzählte, für ein sehr gewagtes Unternehmen, obschon er damals mir gegenüber nichts merken ließ. Da er mir sehr gewogen war, so wollte er mich nicht abhalten und auch nicht betrüben. Meine Freunde machten mir wohl viele Vorstellungen, aber ich achtete wenig darauf, weil das, was sie für unsicher hielten, mir so leicht vorkam, dass ich an einen unglücklichen Ausgang gar nicht denken konnte.

4. Bevor wir von Ávila abreisten, hatte ich an einen Pater unseres Ordens, namens Antonius de Heredia geschrieben, er möchte mir ein Haus kaufen. Dieser war damals Prior des Klosters zur heiligen Anna, das unsere Ordensbrüder in Medina besaßen. Er unterhandelte mit einer ihm sehr ergebenen Dame, die ein sehr gut gelegenes Haus hatte, das aber mit Ausnahme eines Stockes sehr baufällig war. Sie war so gütig, dass sie es an ihn zu verkaufen versprach, ohne irgendeine andere Versicherung zu begehren als die seines Wortes; sie kamen über den Kauf überein. Hätte sie eine (Versicherung) verlangt, so wären wir nicht imstande gewesen, uns zu helfen; der Herr ordnete alles. Die Mauern dieses Hauses waren so verfallen, dass wir so lange ein anderes mieteten, bis es wieder hergestellt war. Die Ausbesserung nahm wirklich viele Arbeit in Anspruch.

5. Als wir nach der ersten Tagreise bereits zur Nachtzeit infolge unserer schlechten Reiseausrüstung ermüdet in Arévalo eintrafen, kam uns ein befreundeter Priester entgegen, der uns im Hause einiger frommer Frauen eine Wohnung besorgt hatte. Er sagte mir im geheimen, wir hätten noch kein Haus, weil jenes (in das wir einziehen wollten) in der Nähe eines Klosters der Augustiner liege, die sich der Besitznahme durch uns widersetzten; es sei darum ein Prozess notwendig. Aber, o mein Gott, wie wenig vermögen alle Widersprüche, wenn du, o Herr, Mut verleihen willst! Diese Nachricht schien mich nur zu ermutigen und mir Hoffnung zu geben, dass das Kloster zur Ehre Gottes gereichen werde, weil der Teufel sich schon zu empören begann. Indessen bat ich doch (den Priester), nichts davon zu sagen, damit meine Gefährtinnen, besonders die zwei aus dem Kloster der Menschwerdung, nicht beunruhigt würden. Die anderen hätten wohl aus Liebe zu mir jegliches Leid erduldet. Die eine von den beiden war damals Subpriorin (des genannten Klosters), und man hatte ihr sehr davon abgeraten, mitzugehen. Zudem hatten beide sehr vornehme Verwandte, gegen deren Willen sie fortgingen; denn unser Unternehmen schien allen als Torheit, und später sah ich ein, dass man nicht unrecht hatte. Aber sobald ich nach dem Willen des Herrn eines dieser Klöster gründen soll, so meine ich immer, dass kein Hindernis imstande sei, mich von einem solchen Werke abzubringen. Erst nachher treten, wie sich später zeigen wird, alle Schwierigkeiten auf einmal vor mich.

6. Als wir in der Herberge ankamen, erfuhr ich, dass sich in Arevalo ein Dominikanerpater, ein großer Diener Gottes, befand, der während meines Aufenthaltes im Kloster zum heiligen Joseph mein Beichtvater war. Da ich schon bei Gelegenheit des Berichtes der ersten Gründung vieles über seine Tugend gesagt habe, so will ich hier nur seinen Namen nennen; es ist der Magister Pater Dominikus Báñez, ein sehr gelehrter und verständnisvoller Mann, durch dessen Rat ich mich leiten ließ. Ihm schien mein Vorhaben nicht so schwierig wie allen übrigen; denn je mehr einer Gott erkennt, desto leichter findet er seine Werke ausführbar. Da er von einigen Gnaden, die Seine Majestät mir verlieh, Kenntnis hatte und auch Zeuge der Ereignisse bei der Gründung des St. Jospephsklosters war, so schien ihm alles leicht möglich. Ich empfand großen Trost, als ich ihn sah, da ich überzeugt war, dass auf seinen Rat hin alles einen guten Ausgang nehmen werde. Als ich zu ihm kam, sagte ich ihm ganz im Vertrauen, was sich ereignet hatte. Er meinte, dass sich die Angelegenheit mit den Augustinern schnell erledigen lasse. Mir aber war jeder Aufschub peinlich, weil ich nicht wusste, was ich mit so vielen Nonnen anfangen sollte. Wir verbrachten diese Nacht in Angst, weil alsbald alle in der Herberge von unserem Vorhaben Kenntnis erhielten.

7. Gleich am nächsten Morgen kam Pater Antonius de Heredia, Prior unseres Klosters in Medina, zu uns und sagte, dass das Haus, dessen Kauf bereits abgeschlossen war, (zur Wohnung) hinreiche. Es habe eine Vorhalle, die man zu einer kleinen Kapelle zurichten könne, wenn man sie mit einigen Teppichen schmücke. Wir ließen uns dazu bestimmen. Mir wenigstens schien dies sehr gut. Denn uns lag ja viel daran, dass alles in möglichster Eile vor sich gehe, da wir uns außerhalb unserer Klöster befanden und ich, durch die erste Gründung gewitzigt, Widersprüche befürchtete. Darum wünschte ich, dass vom Hause Besitz genommen werde, bevor etwas davon bekannt würde. Wir beschlossen also, schnell zu handeln. So meinte auch der Pater Magister Dominikus (Báñez).

8. Wir kamen in Medina del Campo am Vorabend von Maria Himmelfahrt nachts 12 Uhr an. Um kein Geräusch zu machen, stiegen wir beim Kloster zur heiligen Anna ab und begaben uns zu Fuß in das (für uns bestimmte) Haus. Die Barmherzigkeit Gottes wachte sehr über uns, da man um dieselbe Stunde die Stiere einschloß, die am nächsten Tage zum Stiergefecht bestimmt waren. Wir begegneten keinem einzigen. In Gedanken versunken, merkten wir auf nichts anderes; aber der Herr, der immer jenen zu Hilfe kommt, die seine Ehre suchen - und wir wollten auch in der Tat nichts anderes -, behütete uns vor Gefahr. Als wir beim Hause angekommen waren, traten wir in einen Hof. Mir schienen die Mauern sehr verfallen, aber nicht in dem Maße, wie ich es dann bei Tage wahrnahm. Es scheint, der Herr habe zugelassen, dass jenem guten Pater (dieser Umstand) nicht in die Augen fiel und er nicht merkte, wie ungeziemend dieser Ort für die Einsetzung des Allerheiligsten Sakramentes sei.

9. Bei Besichtigung der Vorhalle fanden wir sie voll von Schutt, den man erst wegräumen musste. Oben trat das bloße Ziegeldach zum Vorschein, und die Mauern waren nicht angeworfen. Die Nacht war vorgeschritten, und wir hatten nur einige Maultierdecken - ich glaube, es waren drei -, die für die ganze Länge der Vorhalle so viel wie nichts bedeuteten. Ich wusste nicht, was wir anfangen sollten, da ich diesen Raum für ungeziemend hielt, einen Altar aufzurichten. Aber der Herr wollte die Sache beschleunigen; seinem Willen gemäß besaß der Verwalter der Eigentümerin des Hauses viele Teppiche und einen Bettvorhang von blauem Damast; ihm hatte die Frau, die sehr fromm war, aufgetragen, uns alles zu geben, was wir begehren würden.

10. Als ich so großen Vorrat sah, pries ich den Herrn, und die übrigen Schwestern mögen wohl ebenso gehandelt haben; wir wussten jedoch nicht woher wir Nägel bekommen könnten, da wir sie zur Nachtzeit nicht kaufen konnten. Wir suchten die Wände ab und brachten endlich nach langer Mühe die genügende Anzahl zusammen. Nun begannen die einen die Teppiche aufzuhängen, die anderen räumten das Erdreich hinweg; wir arbeiteten so emsig, dass mit Tagesanbruch der Altar vollständig aufgestellt und ein Glöckchen im Gange aufgehängt war. Gleich darauf wurde die heilige Messe gelesen. Dies genügte zur Besitznahme. Alles geschah im geheimen, und man merkte nur, dass wir das Allerheiligste einsetzten. Durch die Spalten einer (dem Altare) gegenüberliegenden Türe hörten wir die heilige Messe, weil kein anderer Ort vorhanden war. Soweit war ich nun sehr zufrieden; es bereitete mir überaus großen Trost, wieder eine Kirche mehr zu sehen, in der sich das Allerheiligste Sakrament befindet. Doch diese Freude war von kurzer Dauer; nach beendigter Messe näherte ich mich einem halbgeöffneten Fenster, um in den Hof zu schauen, und bemerkte, dass die Mauern an einigen Stellen ganz eingefallen waren und viel Zeit erforderlich sei, um sie wieder gut instand zu setzen.

11. O mein Gott, welche Angst empfand mein Herz, als ich Seine Majestät gleichsam auf die offene Straße gesetzt sah in einer Zeit, die durch diese Lutheraner damals so gefährdet war. Zudem schwebten alle Schwierigkeiten meinem Geiste vor, die von jenen vorgebracht werden konnten, die (mein Unternehmen) so arg bekrittelt hatten. Ich sah wohl ein, dass sie nicht unrecht hatten, und es schien mir unmöglich, das begonnene Werk weiter fortzuführen. Während mir vorher beim Gedanken, zur Ehre Gottes zu arbeiten, alles leicht vorkam, trieb mich jetzt die Versuchung bezüglich seiner Allmacht derart in die Enge, dass es mir schien, als hätte ich nie die geringste Gnade von ihm empfangen. Ich sah nur meine Armseligkeit und mein Unvermögen. Welch guten Ausgang konnte man wohl von einer Angelegenheit erhoffen, mit der sich eine so armselige Kreatur wie ich befasste? Wäre ich allein gewesen, so hätte ich dies leichter ertragen; aber wenn ich daran dachte, dass meine Gefährtinnen, die trotz Widerspruchs mitgezogen waren, wieder in ihr Kloster zurückkehren müssten, so berührte mich das schmerzlich. Zugleich kam mir der Gedanke, dass nach diesem ersten Mißgeschick alles, was ich in Bezug auf den zukünftigen Beistand des Herrn vernommen, sich nicht verwirklichen werde. Dazu gesellte sich noch die Furcht, es möchte alles, was ich im Gebete vernommen, Täuschung sein. Dies war für mich nicht die mindeste, sondern im Gegenteil die größte Pein, weil ich immer am meisten fürchte, der böse Feind möchte mich hintergehen.

12. O du mein Gott, in welch kläglichem Zustand befindet sich doch eine Seele, die du der Angst überlassen willst! Wahrhaftig, wenn ich dieser und anderer Bedrängnisse gedenke, die ich bei diesen Stiftungen ausgestanden habe, so kommen mir im Vergleich mit ihnen die leiblichen Mühseligkeiten - und diese waren in der Tat groß - wie nichts vor. Trotz all dieser Angst, die mir das Herz zusammenschnürte, ließ ich meinen Gefährtinnen durchaus nichts merken, um ihre Betrübnis nicht noch zu vermehren. In dieser Angst verblieb ich bis zum Abend; da sandte mir der Reiter der Gesellschaft Jesu einen seiner Patres, der mich sehr ermutigte und tröstete. Ich eröffnete ihm aber nicht alle meine Schmerzen, sondern nur jenen, dass wir uns sozusagen auf offener Straße befänden. Ich suchte nun ein Haus, soviel es auch kosten mochte, zur Miete ausfindig zu machen, in das wir übersiedeln wollten, bis jenes die notwendige Ausbesserung erhalten hätte. Ich tröstete mich damit, dass ich so viel Volk zu uns kommen sah und niemand unsere unüberlegte Handlungsweise beachtete. Die Barmherzigkeit Gottes fügte es so; denn man hätte uns mit vollem Recht das Allerheiligste Sakrament wegnehmen können. Jetzt erst sah ich meine Ungeschicklichkeit und die Unachtsamkeit aller ein, da wir nicht daran dachten, dass man es hätte genießen können. Ich meinte nämlich, es wäre das ganze Werk wieder zerstört, wenn dies geschähe.

13. Trotz aller Anstrengungen konnte man jedoch in der ganzen Stadt kein Haus zur Miete ausfindig machen; darum war ich Tag und Nacht in großen Sorgen. Obwohl ich zur beständigen Bewachung des Allerheiligsten Sakramentes Männer aufgestellt hatte, so fürchtete ich doch immer, sie möchten einschlafen. So stand ich bei Nacht auf, um sie durch ein Fenster zu beobachten. Der Mond schien sehr hell, so dass ich sie gut sehen konnte. Jeden Tag fanden sich viele Leute (in der Kapelle) ein; aber anstatt Mißfallen zu finden, wurden sie vielmehr beim Anblick des Herrn, der sich abermals wie im Stalle (zu Bethlehem) befand, zur Andacht gestimmt. Seine Majestät, die nie müde wird, sich für uns zu verdemütigen, schien ungern diesen Ort zu verlassen.

14. Acht Tage waren verflossen, als ein Kaufmann, der in einem sehr schönen Hause wohnte, auf unsere Notlage aufmerksam wurde. Er bot uns dessen ganze obere Etage an, um darin wie in unserem Eigentum zu wohnen. Dort befand sich ein sehr großer vergoldeter Saal, den er uns als Kapelle zur Verfügung stellte. Eine Dame namens Helene de Quiroga, die eine große Dienerin Gottes was und gleich neben dem Hause wohnte, das wir gekauft hatten, bot mir ihre Hilfe an, um sogleich eine Kapelle zur Aufbewahrung des Allerheiligsten Sakramentes einzurichten und Vorkehrungen zu treffen, damit wir in der Klausur leben könnten. Andere Personen gaben uns viel Almosen, aber niemand half mir so viel wie diese Dame.

15. Unter solchen Umständen begann ich wieder etwas ruhiger zu werden, da wir ganz in der Klausur lebten und die Tagzeiten beten konnten. Der gute Prior hatte große Eile mit der Reparatur des Hauses und gab sich sehr viel Mühe. Indessen verzögerte sich die Sache zwei Monate lang, bis es so hergestellt wurde, dass wir einige Jahre leidlich darin wohnen konnten. Seitdem hat Unser Herr noch eine Besserung eintreten lassen.

16. Während ich mich dort aufhielt, beschäftigte mich immer noch die Sorge betreffs der Stiftung von Männerklöstern; und da ich, wie gesagt, niemand in Aussicht hatte, so wusste ich nicht, was ich tun sollte. Ich fasste darum den Entschluss, mit dem dortigen Prior mich ganz im geheimen zu besprechen, um zu sehen, welchen Rat er mir gäbe. Und so geschah es. Er freute sich sehr, als er von diesem Plane hörte, und versprach, der erste sein zu wollen. Ich hielt diese Äußerung nur für Scherz und sagte es ihm auch. Denn wenn er auch immer ein guter, zurückgezogener Ordensmann, ein Liebhaber des Studiums und ein Freund der Zelle war - er war ja ein Gelehrter -, so schien er mir doch gleich für den Anfang nicht geeignet. Ich traute ihm nicht den Geist und die Kraft zu, eine so strenge Lebensweise auf die Dauer zu ertragen, weil seine schwächliche Natur nicht daran gewöhnt war. Er aber versicherte und beteuerte mit ernsten Worten, der Herr habe ihn schon seit langer Zeit zu einem strengeren Leben berufen, er sei schon entschlossen gewesen, bei den Kartäusern einzutreten, die ihm bereits die Aufnahme zugesagt hätten. So sehr es mich auch freute, dies zu hören, so war ich doch noch nicht ganz zufrieden. Ich bat ihn, sein Vorhaben noch einige Zeit zu verschieben und sich (inzwischen) in allem zu üben, was er geloben sollte. So geschah es, und während ein Jahr verging, kamen infolge falscher Anschuldigungen so viele Widerwärtigkeiten und Verfolgungen über ihn, dass es schien, als wolle ihn der Herr prüfen. Er ertrug alles mit so frohem Mut und wurde dadurch so im Guten gefördert, dass ich unseren Herrn pries und daraus abnahm, Seine Majestät bereite ihn allmählich zu dem beabsichtigten Werke vor.

17. Einige Zeit nachher kam ein ziemlich junger Pater, der in Salamanka den Studien oblag, mit einem anderen Gefährten hier an. Er hieß Pater Johannes vom Kreuz. Sein Gefährte erzählte mir wunderbare Dinge über sein Leben. Ich pries dafür den Herrn, und als ich mit ihm sprach, gefiel er mir sehr gut; ich erfuhr von ihm, dass er auch den Gedanken hege, bei den Karthäusern einzutreten. Ich setzte ihn von meinem Vorhaben in Kenntnis und bat ihn dringend, zuzuwarten, bis der Herr uns ein Kloster geben würde. Ich legte ihm dar, welch ein gutes Werk es wäre, wenn er bei seinem Streben, ein vollkommeneres Leben zu führen, in seinem eigenen Orden bliebe, und wie er dadurch unserem Herrn einen noch größeren Dienst erweisen könne. Er versprach, darauf einzugehen, wenn sich die Sache nicht allzusehr in die Länge ziehe. Als ich sah, dass ich zum Beginne bereits zwei Patres hatte, schien mir die Angelegenheit schon als erledigt, wiewohl ich mit dem Pater Prior nicht ganz zufrieden war. Aus diesem Grunde und weil ich auch kein Haus hatte, um die Gründung vornehmen zu können, wartete ich noch einige Zeit.

18. Unterdessen gewannen die Nonnen allmählich das Vertrauen des Volkes, und man brachte ihnen große Hochachtung entgegen, und zwar meines Erachtens mit Recht; denn jede dachte nur daran, wie sie unserem Herrn eifriger dienen könne. Sie befolgten in allem die Lebensweise wie im St. Josephskloster zu Ávila, weil sie dieselbe Regel und die gleichen Satzungen hatten. Unser Herr berief allmählich einige zur Annahme des Ordenskleides und verlieh den Nonnen so große Gnaden, dass ich darüber erstaunt war. Er sei gepriesen in Ewigkeit! Amen. Es scheint, dass er nur auf Liebe wartet, um Gegenliebe zu erweisen.

Viertes Hauptstück

Einige Gnaden, die der Herr den Nonnen dieser Klöster spendet. Unterweisung für die Priorinnen, wie sie sich bezüglich dieser Gnadenerweise zu verhalten haben.

1. Ehe ich in der Erzählung dieser Stiftung fortfahre, halte ich es für gut, den Priorinnen einige Belehrungen zu geben, damit sie ihre Untergebenen zur größeren Förderung ihrer Seelen zu leiten verstehen, wenn sie auch dadurch deren Neigungen weniger entsprechen. Ich weiß eben nicht, wie lange mir der Herr noch Zeit und Leben schenken wird; und jetzt meine ich, zum Schreiben etwas Zeit zu haben. Ich bemerke hier noch: als man mir auftrug, diese Klosterstiftungen zu beschreiben, waren außer dem ersten Kloster zum heiligen Joseph in Ávila, dessen Gründung ich sogleich niederschrieb, mit Gottes Hilfe weitere sieben Klöster gestiftet; das letzte davon ist jenes von Alba de Tormes. Der Grund, warum nicht mehr gestiftet wurden, war der, dass mich die Obern zu anderen Dingen verwendeten, wie wir in der Folge sehen werden.

2. Wenn ich mir den Fortgang des geistlichen Lebens in diesen Klöstern während der letzten Jahre vor Augen stelle, so erkenne ich, wie notwendig die nachfolgenden Unterweisungen sind. Gebe unser Herr, dass ich das recht auszudrücken vermag, was nach meiner Ansicht not tut! Und weil die Gnaden, um die es sich hier handelt, keine Täuschungen sind, sollen die Geister nicht in Verwirrung geraten. Ich habe schon an anderer Stelle hiervon gesprochen, wo ich einige kleine Belehrungen für die Schwestern schrieb. Wenn man in Reinheit des Gewissens und im Gehorsam handelt, lässt der Herr niemals zu, dass der böse Feind so die Oberhand bekommt, dass er uns zum Schaden unserer Seele täuschen kann; im Gegenteil wird der Teufel selbst betrogen. Dies weiß der Arge gar wohl, und darum glaube ich auch, dass er nicht so viel Böses verursacht als unsere eigene Einbildungskraft und die schlimmen Launen, besonders wenn Melancholie dazu kommt; denn die weibliche Natur ist schwach und die in uns herrschende Eigenliebe gar sein. Ich habe bei Personen, mit denen ich zusammentraf, bei Männern sowohl wie bei vielen Frauen, auch bei den Nonnen dieser Klöster deutlich erkannt, dass sie sich gar oft wider ihren Willen selbst täuschen. Gerne glaube ich, dass der Teufel sich einmischen mag, um uns zu hintergehen; aber bei den meisten, die ich, wie gesagt, gesehen, habe ich Gott sei Dank, nicht bemerkt, dass der Herr sie aus seiner Hand gelassen hätte. Vielleicht will er sie durch diesen Schaden klug machen, damit sie daraus Erfahrung schöpfen.

3. Wohl um unserer Sünden willen ist in der Welt die Übung des Gebetes und der Vollkommenheit so in Verfall gekommen, dass ich mich so darüber aussprechen muss. Ohne auch nur irgendeine Gefahr wahrzunehmen, scheut man vor diesem Wege zurück; wie würde es erst sein, wenn man sie auf irgendeine aufmerksam machte? In der Tat, Gefahr gibt es überall; und solange wir in dieser sterblichen Hülle wandeln, müssen wir immer in Furcht sein und den Herrn bitten, dass er uns belehre und nicht verlasse. Doch, wie ich schon gesagt zu haben glaube, gibt es Personen, für die die Gefahr weniger groß ist; das sind jene, die sich mehr mit dem Gedanken an Gott beschäftigen und nach Vervollkommnung ihres Lebens streben.

4. Sehen wir, o mein Herr, dass du uns so oft aus Gefahren befreist, in die wir uns selbst stürzen, und dazu noch, um gegen dich zu sein: wie könnten wir da glauben, dass du uns nicht befreien werdest, wenn wir nichts anderes beabsichtigen, als dir wohlzugefallen und uns in dir zu erfreuen? Dies kann ich niemals glauben. Gott kann zwar in seinen geheimen Ratschlüssen manche Dinge zulassen, die auch ohnedies geschehen würden, aber das Gute hat niemals Böses zur Folge gehabt. Das Gesagte soll dazu dienen, auf dem Wege (der Vollkommenheit) um so eifriger zu wandeln, damit wir unserem Bräutigam desto mehr gefallen und ihn um so schneller finden, aber nicht, um den Weg zu verlassen. Es soll dazu dienen, um uns zu ermutigen, auf diesem so engen und rauhen Lebenswege beherzt zu wandeln, nicht aber, um den Mut zu verlieren und zu verzagen. Denn wenn wir in Demut wandeln, werden wir durch die Barmherzigkeit Gottes zu jener Stadt Jerusalem gelangen, wo uns im Vergleich mit der Glorie, die wir dort genießen werden, alles als unbedeutend oder gar nichts erscheinen wird, was wir hienieden ausgestanden haben.

5. Sobald sich diese kleinen Taubenhäuschen Unserer Lieben Frau zu bevölkern begannen, ließ die göttliche Majestät auch ihre Wunderwerke an diesen schwachen Nönnchen erglänzen, die jedoch stark sind im Verlangen und in der Losschälung von allem Irdischen. Diese Losschälung ist, wenn damit Reinheit des Gewissens verbunden ist, mehr als alles andere geeignet, die Seele mit ihrem Schöpfer zu vereinigen. Es ist dies eigentlich eine überflüssige Bemerkung; denn wenn die Losschälung eine wahre ist, scheint sie mir unvereinbar mit einer Beleidigung Gottes; wo alle Reden und Handlungen nur auf ihn zielen, da scheint sich auch Seine Majestät den Seelen nicht entziehen zu wollen. Dies sehe ich jetzt in diesen Klöstern und kann es in Wahrheit bezeugen; jene, die nach uns kommen und dies lesen, mögen in Besorgnis sein, wenn es bei ihnen nicht mehr so steht wie jetzt, und die Ursache davon nicht auf die Zeiten schieben. Für Gott sind alle Zeiten gut, um seinen wahren Dienern große Gnaden zu spenden; sie mögen sich nur prüfen, ob es nicht an ihnen fehlt, und sich bessern.

6. Ich höre manchmal in Bezug auf die Anfangsstadien der Orden sagen, der Herr habe jenen Heiligen, die vor uns lebten, größere Gnaden verliehen, da sie die Grundsteine waren, und so ist es auch; aber sie mussten immer vor Augen haben, dass sie die Grundsteine der Nachkommenden seien. Würden wir, die wir jetzt leben, nicht abgefallen sein von dem, was unsere Vorfahren getan, und würden unsere Nachkommen ebenfalls nicht anders handeln, dann stünde das (geistige) Gebäude immer fest. Was nützt es mir, dass meine Vorfahren so heilig waren, wenn ich nachher so böse bin, dass ich durch meine schlechten Gewohnheiten das Gebäude zerstöre? Denn es ist klar, dass die Nachkommenden nicht so sehr auf jene blicken, die vor vielen Jahren gelebt haben, als auf jene, die sie vor Augen haben. Es wäre schlimm, wenn ich dem die Schuld gäbe, dass ich nicht unter den ersteren gelebt habe, anstatt den Unterschied zu betrachten, der zwischen meinem Leben und meiner Tugend und dem Leben und der Tugend jener besteht, denen Gott so große Gnaden verliehen hat.

7. O mein Gott, was sind doch das für gekünstelte Entschuldigungen und offenbare Unwahrheiten! Ich spreche nicht von den Ordensstiftern, denen Gott, weil er sie zu einem so großen Werk auserwählt hat, auch mehr Gnaden verlieh. Es schmerzt mich, o mein Gott, dass ich so böse bin und dir so wenig diene; aber ich weiß gar wohl, dass der Fehler an mir liegt, wenn du mir nicht dieselben Gnaden erweist wie meinen Vorfahren. Mein Leben ekelt mich an, o Herr, wenn ich es mit dem ihrigen vergleiche, und ich kann dies nicht ohne Tränen bekennen. Ich sehe, dass ich verdorben habe, was sie durch Mühe aufgerichtet. Ich kann mich in keiner Weise über dich beklagen, und keine (Nonne) hat das Recht, dies zu tun, sondern wenn sie ihren Orden irgendwie in Verfall geraten sieht, so soll sie Sorge tragen, ein fester Grundstein zu werden, auf dem das Gebäude sich wieder erheben kann; der Herr wird ihr dazu verhelfen.

8. Ich komme nun wieder auf das Gesagte zurück, von dem ich weit abgewichen bin. Der Herr erweist den Nonnen dieser Klöster so große Gnaden, dass, wenn er die eine oder die andere von ihnen auf dem Wege der Betrachtung führt, alle übrigen bis zur vollkommenen Beschauung gelangen; einige machen solche Fortschritte, dass ihnen sogar Verzückungen zuteil werden. Anderen verleiht der Herr Gnaden verschiedener Art und dazu Offenbarungen und Visionen, die deutlich beweisen, dass sie von Gott kommen. Es gibt jetzt kein Kloster, in dem sich nicht eine oder zwei oder drei (Nonnen) dieser Art befinden. Ich weiß wohl, dass darin nicht die Heiligkeit besteht, und es ist auch nicht meine Absicht, sie nur zu loben, sondern man soll daraus bloß abnehmen, dass ich nicht ohne irgendwelche Veranlassung die folgenden Belehrungen erteilen will.

Fünftes Hauptstück

Einige Belehrungen über das Gebet und die Offenbarungen. Es ist dies sehr nützlich für jene, die im tätigen Leben stehen.

1. ich habe nicht die Absicht, und denke auch nicht daran, im folgenden so zuverlässige Belehrungen zu geben, dass man sie als unfehlbare Regel ansehen könnte; das wäre in so schwierigen Sachen eine Torheit. Da es aber auf diesem Wege des Geistes so viele Pfade gibt, so könnte ich vielleicht doch über den einen oder anderen etwas Treffendes sagen. Wenn jene, die auf diesem Wege nicht wandeln, es nicht verstehen, so ist der Grund darin zu suchen, dass sie einen anderen gehen; sollte aber gar niemand daraus Nutzen ziehen, so möge der Herr meinen (guten) Willen annehmen. Er weiß ja, dass ich, wenn ich auch nicht alles selbst an mir erfahren habe, es doch an anderen Seelen wahrgenommen habe.

2. Zuerst will ich meiner armseligen Fassungskraft gemäß davon reden, worin das Wesen des vollkommenen Gebetes besteht; denn ich habe einige getroffen, die da glauben, diese ganze Beschäftigung bestehe im Denken. Wenn diese ihre Gedanken selbst mit großer Anstrengung auf Gott gerichtet halten können, so meinen sie gleich, sie seien schon geistig gehoben; werden sie aber gegen ihren Willen zerstreut, selbst wenn sie sich mit guten Dingen befassen, so werden sie ganz trostlos und halten sich für verloren. In dieser irrigen Meinung sind die Gelehrten nicht befangen, obwohl ich auch unter ihnen einige getroffen habe, die hierin eine Ausnahme machen, aber wir Frauenspersonen müssen über alle diese Unwissenheiten belehrt werden. Ich leugne nicht, dass es eine Gnade des Herrn ist, beständig mit der Betrachtung seiner Werke beschäftigt sein zu können - es ist ja gut, dass man darauf hinarbeite -, aber man muss bedenken, dass nicht alle von Natur aus das dazu notwendige Vorstellungsvermögen besitzen, während alle Seelen fähig sind, Gott zu lieben. Ich habe schon, wie ich meine, anderswo über einige Ursachen dieses Umherschweifens unserer Phantasie geschrieben - nicht über alle; denn das wäre unmöglich - und darum spreche ich hier nicht davon. Ich möchte hier nur zeigen, dass die Seele nicht das Denkvermögen ist, noch dass es gut ist, wenn der Wille sich von ihm beherrschen lässt, weil es ihm, wie oben erwähnt, sehr übel bekommt. Denn der Fortschritt der Seele besteht nicht im vielen Denken, sondern im vielen Lieben. Wie aber kann man sich diese Liebe erwerben? Ich sage dadurch, dass sich eine Seele entschließt, für Gott zu wirken und zu leiden, und zwar so oft sich eine Gelegenheit dazu bietet.

3. Es ist volle Wahrheit, dass die Seele, wenn sie daran denkt, was wir Gott schuldig sind, wer er ist und was wir sind, dahin gelangt, recht entschlossen zu sein; dies ist sehr verdienstlich und für Anfänger sehr vorteilhaft; aber man verstehe, solange man dabei nicht Handlungen unterlässt, die den Gehorsam und das Heil des Nächsten betreffen. In diesen Fällen verlangen solche sich darbietende Pflichten die Zeit zum Nachteil jener, die wir so gerne Gott weihen möchten. Nach unserer Meinung ist dies dann der Fall, wenn wir uns in der Einsamkeit mit Gott beschäftigen und uns an seinen Tröstungen erfreuen, die er uns gewährt. Dies aus einer dieser beiden Ursachen (aus Gehorsam und Nächstenliebe) unterlassen, heißt Gott erfreuen und für ihn arbeiten, wie er selber gesprochen: »Was ihr einem der geringsten meiner Brüder getan habt, das habt ihr mir getan.« Und was den Gehorsam betrifft, so will er nicht, dass man einen anderen Weg gehe wie er, und wer ihn in Wahrheit lieben will, der folge ihm, »der gehorsam war bis in den Tod«. Wenn dies auf Wahrheit beruht, woher dann dieser so häufig vorkommende Widerwille, dass man nicht einen großen Teil des Tages einsam und in Gott vertieft zubringen konnte, obwohl man sich mit anderen Dingen beschäftigen musste? Nach meiner Ansicht gibt es da zwei Gründe. Der erste und hauptsächlichste ist eine sehr feine Eigenliebe, die sich einmischt und uns nicht erkennen lässt, dass wir mehr uns selbst als Gott befriedigen wollen. Denn es ist klar, dass eine Seele, sobald sie zu kosten beginnt, wie süß der Herr ist, mehr Genuss findet, wenn der Leib in Ruhe und ohne Arbeit ist und die Seele sich geistig erfreut.

4. O (heilige) Liebe jener, die diesen Herrn wahrhaft lieben und seinen Geist recht kennen! Wie wenig können sie ruhen, wenn sie sehen, dass sie ein klein wenig dazu beitragen können, um einer einzigen Seele zum Fortschritt im Guten und zu größerer Liebe Gottes zu verhelfen oder um sie zu trösten oder aus einer Gefahr zu befreien! Wie sehr gereicht ihnen da ihre eigene Ruhe zur Last! Und wenn sie durch die Tat nichts ausrichten können, so bestürmen sie im Gebete den Herrn für so viele Seelen, die sie zu ihrem Leidwesen verlorengehen sehen. Sie opfern ihren eigenen Trost und halten dieses Opfer für großen Gewinn, weil sie nicht an ihre eigene Befriedigung, sondern an die vollkommenere Erfüllung des Willens Gottes denken. So ist es auch bezüglich des Gehorsams. Es wäre doch arg, wenn wir uns weigern würden, etwas sehr Wichtiges sofort zu vollbringen, wozu uns Gott in deutlicher Weise den Auftrag gegeben, sondern es vorzögen, der Beschauung zu obliegen, weil dies mehr unserem Willen entspräche. Das wäre ein schöner Fortschritt in der Liebe Gottes und hieße nichts anderes, als ihm die Hände binden in dem Wahn, er könne uns nur auf einem Wege voranbringen.

5. Ich will hier, wie schon erwähnt, meine persönliche Erfahrung beiseite lassen. Aber ich kenne einige Personen, die mich zur Erkenntnis dieser Wahrheit gebracht haben. Ich selbst war wegen des Mangels an Zeit zum innerlichen Gebete in großer Betrübnis und empfand auch Mitleid mit jenen Personen, weil ich sie immer in Arbeit stehen und mit vielen Dingen beschäftigt sah, die der Gehorsam ihnen auferlegte. Ich dachte bei mir und sprach es auch aus, dass sie bei so großer Unruhe unmöglich im geistlichen Leben zunehmen könnten; denn damals waren sie hierin noch nicht weit vorangeschritten. O Herr, wie verschieden sind doch deine Wege von unseren Vorstellungen! Du verlangst von einer Seele, die entschlossen ist, dich zu lieben und deiner Hand sich zu überlassen, nichts anderes, als dass sie gehorsam ist und sich gut in das hineinfindet, was deinem Dienste mehr entspricht! Trägt sie darnach Verlangen, so ist es nicht notwendig, dass sie die Wege suche noch auswähle, da ja ihr Wille der deinige ist. Du, o mein Herr, übernimmst die Sorge, sie zu leiten, damit sie größere Fortschritte mache. Und wenn der Obere auch für den Fortschritt der Seele nicht Sorge trägt, sondern nur, dass die Arbeiten verrichtet werden, die ihm in der Gemeinde notwendig erscheinen, so übernimmst du, o mein Gott, die Sorge und verfügst über die Seele und ihre Beschäftigungen so, dass wir, ohne es zu wissen wie, mit innerem Geiste erfüllt werden und große Fortschritte machen, über die wir nachher staunen, vorausgesetzt, dass wir diesen Anordnungen um Gottes willen treu entsprechen.

6. So erging es einem Ordensmann, mit dem ich vor einigen Tagen gesprochen. Dieser war ungefähr 15 Jahre lang durch den Gehorsam mit so vielen Geschäften und Ämtern überhäuft worden, dass er sich nicht erinnerte, während all dieser Jahre auch nur einen einzigen Tag für sich gehabt zu haben; nur einige Minuten des Tages konnte er dem innerlichen Gebete widmen. Dabei befliß er sich, stets ein reines Gewissen zu bewahren. Dieser Ordensmann ist eine Seele, die von allen, die ich kennengelernt, die größte Liebe zum Gehorsam hat, und so entflammt er alle, die mit ihm umgehen, zu dieser Tugend. Der Herr hat ihn dafür sichtlich belohnt, so dass er, ohne es zu wissen wie, in den Besitz jener Freiheit des Geistes gelangte, die so kostbar und wünschenswert und eine Eigenschaft der Vollkommenen ist. Ja dieser Freiheit besteht alle Glückseligkeit, die man im Leben nur wünschen kann; denn wer nichts mehr wünscht, besitzt alles. Solche Seelen fürchten nichts und verlangen nichts mehr auf Erden; Leiden verwirren sie nicht, Freuden regen sie nicht auf; nichts in der Welt kann ihnen den Frieden rauben, weil dieser von Gott allein abhängt, von dem sie nichts trennen kann. Nur die Furcht, Gott zu verlieren, vermag sie zu beängstigen; alles in der Welt scheint ihnen gar keine Bedeutung zu haben, weil nichts ihre Glückseligkeit vermehren noch vermindern kann. O seliger Gehorsam; selig auch die Zerstreuung aus Gehorsam, durch die so viel gewonnen werden kann!

7. Außer diesem Ordensmann habe ich auch noch andere Personen dieser Art kennengelernt, die ich viele Jahre lang nicht mehr gesehen hatte. Als ich sie fragte, womit sie sich beschäftigt hatten, gaben sie zur Antwort: Nur mit Werken des Gehorsams und der Liebe. Trotzdem bemerkte ich an ihnen einen so großen Fortschritt im geistlichen Leben, dass sie mich in Staunen setzten. Wohlan, meine Töchter, betrübet euch nicht! Wenn der Gehorsam euch zur Übernahme äußerer Beschäftigungen bestimmt, so bedenket, dass der Herr auch in der Küche inmitten der Töpfe euch nahe ist und euch sowohl innerlich als äußerlich beisteht.

8. Ich erinnere mich, dass ein Ordensmann mir erzählte, er habe den festen Entschluss und Vorsatz gefasst, nie zu widersprechen, so mühevoll auch das Werk sei, das der Obere ihm auftrage. Eines Tages nun kam er spät abends von der Arbeit sehr ermüdet heim, so dass er sich kaum aufrecht halten konnte. Er wollte eben ausruhen und sich ein wenig niedersetzen, als ihn sein Oberer traf und ihm den Auftrag gab, den Spaten zu nehmen und im Gemüsegarten zu graben. Obwohl sich seine Natur sehr dagegen sträubte, da er sich vor Mattigkeit nicht aufrecht halten konnte, sagte er doch kein Wort und nahm den Spaten. Als er eben durch einen im Garten sich befindlichen Gang gehen wollte, erschien ihm unser Herr mit dem Kreuze auf den Schultern, überaus ermüdet und ermattet und gab ihm zu verstehen, dass seine Ermüdung nicht im Verhältnis stehe zu seiner eigenen Erschöpfung. Viele Jahre, nachdem er mir dies erzählt hatte, sah ich diesen Garten, als ich an jenen Ort kam, um ein Kloster zu gründen.

9. Nach meinem Dafürhalten erregt der böse Feind unter allerlei scheinbar guten Ausflüchten solchen Widerwillen und so große Schwierigkeiten, weil er sieht, dass es keinen anderen Weg gibt, der so schnell zur höchsten Vollkommenheit führt, als den des Gehorsams. Man möge sich dies gut merken und man wird deutlich erkennen, dass ich die Wahrheit sage. Der höchste Grad der Vollkommenheit besteht offenbar nicht in innerlichen Tröstungen und erhabenen Verzückungen, auch nicht in Visionen und im Geiste der Weissagung, sondern nur in einer solchen Gleichförmigkeit unseres Willens mit dem göttlichen Willen, dass wir alles, was wir als seinen Willen erkennen, mit unserem ganzen Willen umfassen, und das Bittere und Schmerzliche ebenso freudig hinnehmen wie das Angenehme, weil wir erkennen, dass Seine Majestät es will. Dies scheint sehr schwierig zu sein, wohl nicht das Vollbringen, sondern das Zufriedensein mit dem, was unserem Willen naturgemäß so ganz und gar widerspricht. So ist es auch in Wahrheit; allein wenn die Liebe vollkommen ist, so hat sie auch die Kraft, dass wir unsere eigene Befriedigung vergessen, um den zu erfreuen, den wir lieben. In der Tat, selbst die größten Bitterkeiten werden uns süß, sobald wir erkennen, dass wir damit Gott gefallen. Auf diese Art lieben jene, die unter Verfolgungen, Schmach und Unbilden bis zu einem solchen Grade der Vollkommenheit gelangt sind.

10. Das ist so gewiss, bekannt und offenbar, dass es nicht nötig ist, mich weiter damit zu befassen. Ich möchte hier nur verständlich machen, warum der Gehorsam nach meinem Dafürhalten zu einem so glücklichen Stand führt und als das beste Mittel hiezu angesehen werden muss. Der Grund ist der: Wir sind in keiner Weise Herren unseres Willens, um ihn ganz vollkommen und frei Gott hinzugeben, bis wir ihn nicht der Vernunft unterwerfen. Zu dieser Unterwerfung aber ist der Gehorsam der rechte Weg. Doch dies erreicht man nicht mit wohlüberlegten Ausreden, deren unsere Natur und Eigenliebe so viele hat, dass wir nie zum Ziele kommen; und oft scheint uns infolge unseres Widerwillens die vernünftige Handlung töricht, eben weil wir nur wenig Lust haben, sie zu vollführen.

11. Ich würde an kein Ende kommen, wollte ich hier diesen schweren, inneren Kampf und das Ränkespiel beschreiben, das der Teufel, die Welt und unsere Sinnlichkeit in die Wege leiten, um uns der Vernunft abwendig zu machen. Welches Mittel haben wir nun dagegen? Dasselbe, das man in der Welt bei einem sehr verwickelten Rechtsstreit wählt; wie die Parteien, wenn sie des Streitens überdrüssig sind, die ganze Angelegenheit in die Hände eines Schiedsrichters legen, so übergibt auch die Seele ihre Angelegenheit einem solchen, sei es nun der Obere oder der Beichtvater, mit dem festen Entschlusse, nicht weiter zu streiten noch auch an die Streitsache ferner zu denken. Sie halte sich nur vertrauensvoll an das Wort des Herrn: »Wer euch höret, der höret mich,« und achte nicht auf ihren eigenen Willen. Der Herr schätzt diese Unterwürfigkeit sehr hoch, und mit Recht, da man ihn zum Herrn des freien Willens macht, den er uns gegeben hat. Üben wir uns hierin, indem wir uns bald Entsagung auferlegen, bald unter tausend inneren Kämpfen das für Unsinn halten, was man über unser Handeln urteilt, so kommen wir doch durch diese mühevolle Übung dahin, dass wir uns gerne in das finden, was man uns befiehlt. Wir werden es schließlich auch tun, ob wir es nun mit oder ohne Mühe vollziehen. Der Herr aber wird uns mächtig beistehen und uns zu Herren unseres Willens machen, weil wir ihm unseren Willen und unsere Vernunft unterworfen haben. Wenn wir dann einmal Herren über uns selbst sind, dann können wir uns vollkommen mit Gott beschäftigen und ihm den freien Willen über- geben, damit er ihn mit dem seinigen vereine; wir können ihn bitten, er möge das Feuer seiner Liebe vom Himmel senden, damit es dieses Opfer verzehre und alles entferne, was ihm mißfällig sein könnte. Nun haben wir das Unsrige getan und das Opfer, wenn auch mit großer Mühe, auf den Altar gelegt, so dass es, soviel an uns liegt, die Erde nicht mehr berührt.

12. Es ist klar, dass niemand geben kann, was er nicht hat; er muss es zuerst selber besitzen. Glaubet mir aber, dass es, um diesen Schatz zu gewinnen, kein besseres Mittel gibt als zu graben und zu arbeiten, um ihn aus dem Schachte des Gehorsams herauszuheben. Je mehr wir graben, desto mehr werden wir finden, und je mehr wir uns den Menschen unterwerfen und keinen anderen Willen als den unserer Oberen haben, desto mehr werden wir Herren unseres Willens, um ihn dem Willen Gottes gleichförmig zu machen. Seht, meine Schwestern, wie reichlich der Verzicht auf die Wonnen der (stillen) Einsamkeit belohnt wird. Ich sage also, dass der Mangel an Zurückgezogenheit euch keineswegs hindernd in den Weg tritt, um euch auf den Besitz dieser wahren Vereinigung vorzubereiten, ich meine jene Vereinigung, in der mein Wille eins wird mit dem Willen Gottes.

13. Das ist die Vereinigung, die ich verlange und in allen sehen möchte, und nicht jenes überaus wonnevolle Versunkensein, dem wohl auch der Name »Vereinigung« beigelegt wird. Es mag dies wohl auch Vereinigung sein, wenn es zu der oben bezeichneten hinzukommt; bleiben aber nach so einem Versunkensein mangelhafter Gehorsam und der Eigenwille zurück, so scheint mir dies eine Vereinigung mit der Eigenliebe und nicht mit dem Willen Gottes zu sein. Seine Majestät gebe, dass ich dies ebenso gut ins Werk setze, als ich es verstehe!

14. Der andere Grund dieses Widerwillens ist nach meiner Ansicht der, dass es in der Einsamkeit weniger Gelegenheit gibt, Gott zu beleidigen, und die Seele sich reiner hält; doch Gelegenheiten gibt es auch da, weil überall die bösen Geister und wir selber sind. Wenn darum die Seele fürchtet, Gott zu beleidigen, so ist es für sie ein sehr großer Trost, keinen Anstoß zum Straucheln zu haben. Aus diesem Grunde auf den Verkehr mit den Menschen verzichten zu wollen, scheint mir wirklich viel wichtiger, als um der großen Freuden und Tröstungen willen, die Gott gewährt. Hier, meine Töchter, muss sich die Liebe zeigen; nicht in verborgenen Winkeln (der Einsamkeit), sondern inmitten der Gelegenheiten. Glaubt es mir; treten auch hier mehr Fehler und einige kleine Gebrechlichkeiten zutage, so ist doch unser Gewinn unvergleichlich größer. Ich setze aber, was wohl zu beachten ist, stets voraus, dass man sich in diese Gelegenheiten aus Gehorsam und Liebe begibt. Außerdem ist, ich wiederhole es, die Einsamkeit der bessere Teil. Selbst inmitten dieser Beschäftigungen müssen wir Verlangen darnach tragen, und dieses Verlangen begleitet in der Tat stets jene Seelen, die Gott wahrhaft lieben.

15. Wenn ich sagte, dass wir aus diesen Gelegenheiten Gewinn ziehen, so meine ich mit diesem Gewinn die Erkenntnis, wer wir sind und wie weit unsere Tugend vorangeschritten ist. Denn eine Person, die immer zurückgezogen lebt, mag sie auch noch so heilig scheinen, weiß doch nicht, ob sie Geduld und Demut besitzt, und kann es auch nicht inne werden. Wie kann man wissen, ob ein Soldat tapfer ist, wenn man ihn nie in der Schlacht gesehen? St. Petrus glaubte sehr stark zu sein, aber seht ihn an, wie er sich benahm in der Gelegenheit! Doch er erhob sich wieder von jenem Falle und vertraute in keiner Weise mehr auf sich selbst; er setzte sein Vertrauen auf Gott und erlitt nachher, wie wir wissen, den Martertod.

16. O mein Gott, hilf, dass wir unsere große Armseligkeit recht erkennen! Ohne diese Erkenntnis sind wir überall in Gefahr, und nur aus diesem Grunde ist es für uns sehr vorteilhaft, wenn man uns Aufträge gibt, die uns zur Erkenntnis unseres Elends führen. Nach meinem Dafürhalten ist ein einziger Tag, den wir in demütiger Selbsterkenntnis verlebt haben, auch wenn er uns viel Betrübnis und Mühseligkeiten gekostet hat, eine weit größere Gnade als viele Tage, die wir dem Gebete gewidmet; und dies um so mehr, weil der wahrhaft Liebende überall liebt und immer an den Geliebten denkt. Es wäre schlimm, wenn man das Gebet bloß in (verborgenen) Winkeln pflegen könnte. Ich sehe wohl ein, dass man (bei Geschäften) nicht viele Stunden (auf das Gebet) verwenden kann; aber, o mein Herr, welche Kraft hat vor dir ein Seufzer, der aus dem Innersten eines betrübten Herzens zu dir emporsteigt, wenn wir die Wahrnehmung machen, dass wir nicht bloß in dieser Verbannung leben müssen, sondern darin nicht einmal ein Plätzchen finden, wo wir uns allein mit dir erfreuen können?

17. Hier zeigt es sich klar, dass wir seine Sklaven sind, freiwillig verkauft an die Tugend des Gehorsams aus Liebe zu ihm. Denn um dieser Tugend willen verzichten wir gewissermaßen auf den Genuss Gottes selbst. Allein dies ist noch nichts, wenn wir bedenken, dass der Herr selbst aus Gehorsam den Schoß des Vaters verlassen hat, um unser Diener zu werden. Wie können wir diese Gnade vergelten, wie uns dafür erkenntlich zeigen? Indessen ist doch immer Vorsicht notwendig, damit wir uns nicht derart in die Werke des Gehorsams und der Liebe verlieren, dass wir vergessen, öfters unser Inneres zu Gott zu erheben. Glaubet mir, nicht die Länge der Zeit fördert die Seele im Gebete; verwendet sie einen Teil der Zeit auch auf gute Werke, so wird sie sehr bald weit mehr von Liebe entflammt als durch viele Stunden der Betrachtung. Alles muss kommen von seiner Hand. Er sei gepriesen in Ewigkeit!

Sechstes Hauptstück

Über den Schaden, der geistlichen Personen daraus erwachsen kann, dass sie nicht wissen, wann sie dem Geiste widerstehen müssen. Verlangen der Seele nach der heiligen Kommunion und welche Täuschungen dabei vorkommen können. Wichtige Lehren für solche, die diese Klöster leiten.

1. Ich suchte mit aller Sorgfalt in Erfahrung zu bringen, woher denn dieses tiefe Versunkensein komme, das ich bei einigen Personen wahrgenommen, denen der Herr im Gebete große Süßigkeiten verleiht und die es auch ihrerseits an der Vorbereitung zum Empfang dieser Gnaden nicht fehlen lassen. Ich spreche hier nicht von dem Fall, wo eine Seele von Seiner Majestät plötzlich ergriffen und hingerissen wird; darüber habe ich anderswo ausführlich geschrieben, und von dergleichen Dingen brauche ich hier nicht zu reden. Denn wenn die Verzückung eine wahre ist, vermögen wir doch nichts dagegen, wie sehr wir auch Widerstand leisten wollten. Nur das will ich bemerken, dass der gewaltsame Einfluss, der uns die Herrschaft über uns selbst nimmt, nur von kurzer Dauer ist. Aber oft tritt ganz unvermutet ein Gebet der Ruhe ein, einem geistigen Schlafe ähnlich, der die Seele derart mit fortreißt, dass sie, wofern sie sich dabei nicht recht zu verhalten weiß, viele Zeit verlieren und die Kraft erschöpfen kann; und dies aus eigener Schuld und mit wenig Verdienst.

2. Ich möchte mich hier recht deutlich aussprechen, aber es ist so schwer, dass ich nicht weiß, ob es mir gelingen wird. Ich weiß jedoch wohl, dass die Seelen, die von dieser Täuschung befangen sind, es gut verstehen werden, wenn sie mir Glauben schenken wollen. Ich kenne einige Seelen von großer Tugend, die sieben oder acht Stunden sich in diesem Zustande befanden und alles für Verzückung hielten. Jede geistliche Übung ergriff sie derart, dass sie gleich außer sich gerieten; sie meinten, es wäre nicht gut, dem Herrn zu widerstehen. Doch so könnten sie leicht nach und nach dem Tode oder dem Wahnsinn verfallen, wenn man nicht für ein Heilmittel Sorge trägt.

3. So wie ich die Sache verstehe, verhält sie sich also: Sobald der Herr die Seele wonnevoll zu erquicken beginnt, beschäftigt sie sich, da unsere Natur eine sehr große Freundin der Wonne ist, so sehr mit jenem Genusse, dass sie sich weder bewegen noch irgendwie den Genuss verlieren will; er ist auch in der Tat wonnevoller als alle Genüsse der Welt. Trifft dies bei einer schwächlichen Person zu, deren Geist oder besser gesagt deren Einbildungskraft von Natur aus nicht unbeständig ist, dann hält sie ohne Zerstreuung an einer Sache fest, die sie einmal erfasst. So handeln viele Personen, die, sobald sie an etwas, wenn es sich auch nicht auf Gott bezieht, zu denken beginnen, ganz hingerissen werden und auf einen Gegenstand ihr Geistesauge richten, ohne zu beachten, was sie vor Augen haben. Auch gibt es träge Naturen, die in ihrer Zerstreuung zu vergessen scheinen, was sie sagen wollen. Das gleiche geschieht hier je nach der Naturanlage, Stimmung oder Schwäche. Verbindet sich damit noch Melancholie, so werden sie tausendfache trügerische Tröstungen erfahren.

4. Von dieser Gemütsstimmung will ich weiter unten etwas Weniges sagen. Doch auch bei Personen, die nicht an Melancholie leiden, trifft das Gesagte zu, besonders bei solchen, die durch Bußübungen geschwächt sind. Sobald sie eine fühlbare Süßigkeit der Liebe kosten, lassen sie sich, wie gesagt, davon hinreißen. Nach meiner Ansicht wäre die Liebe weit vollkommener, wenn man sich nicht so davon einnehmen ließe, da man aus dieser Stufe des Gebetes noch leichter widerstehen kann. Wie eine Person von schwächlicher Natur leicht in Ohnmacht fällt, bei der sie weder reden noch sich bewegen kann, so geschieht es auch hier, wenn man nicht Widerstand leistet; die Gewalt des Geistes bezwingt und unterdrückt die schwächliche Natur.

5. Man könnte mich nun fragen, worin sich dieser Zustand von der Verzückung unterscheide, da ja beides, wenigstens dem Anscheine nach, ein und dasselbe sei, und auch Gründe dafür sprächen; doch dem ist nicht so. Denn die Verzückung oder die Vereinigung aller Seelenkräfte dauert, wie gesagt, nur kurze Zeit, lässt große Wirkungen und der Seele inneres Licht zurück mit vielen anderen Vorteilen. Der Verstand wirkt dabei nichts, nur der Herr ist es, der im Willen wirkt. Hier aber ist es ganz anders; wenn auch der Leib wie gefesselt ist, so doch nicht der Wille, noch das Gedächtnis, noch der Verstand; sie behalten vielmehr ihre Wirkungsweise unveränderlich bei, und wenn sie sich auf einen besonderen Gegenstand geworfen haben, beschäftigen sie sich mit diesem.

6. In dieser leiblichen Schwäche - es ist in Wirklichkeit nichts anderes - finde ich keinen Nutzen außer den, dass der Anfang gut war, der indessen dazu führen sollte, die Zeit besser zu benützen als so lange in Träumereien zuzubringen. Weit mehr könnte man gewinnen durch einen Akt der Liebe und durch oftmalige Erweckung des Willens zur Liebe Gottes, als ihn in solcher Untätigkeit zu belassen. Daher rate ich den Priorinnen, möglichst große Sorgfalt anzuwenden, um diese so langen Ohnmachten aus dem Wege zu schaffen, die ja nach meinem Dafürhalten zu nichts anderem dienen, als dass sie die Kräfte und Sinne schwächen und sie unfähig machen, zu tun, was die Seele befiehlt. Auf diese Weise berauben sie die Seele des Verdienstes, das sie sich sonst bei sorgsamem Streben, dem Herrn zu gefallen, durch Gehorsam zu erwerben pflegen.

7. Bemerkt die Oberin (bei einer Schwester), dass dieser Zustand von der Schwäche herrührt, so sind die Fasten und Kasteiungen zu verbieten - ich meine jene, die nicht verpflichtend sind; es kann aber auch der Fall eintreten, dass man sie alle mit gutem Gewissen untersagen kann; man beschäftige sie dann mit anderen Dingen, damit sie sich zerstreue. Auch bei solchen ist (dieses Heilmittel) anzuwenden, die, ohne in diese Ohnmachten zu fallen, ihre Einbildungskraft allzusehr, selbst in die erhabensten Gegenstände des Gebetes vertiefen, da es gar oft vorkommt, dass sie nicht mehr Herren ihrer selbst sind. Dies ist besonders dann der Fall, wenn sie vom Herrn eine außerordentliche Gnade empfangen haben oder eine Vision ihnen zuteil geworden ist; da verliert sich die Seele derart, dass es ihr vorkommt, als sähe sie den Gegenstand noch immer, während dies in Wirklichkeit nicht öfter als einmal geschehen ist. Bemerkt man, dass dieses Versunkensein mehrere Tage andauert, so muss man den Stoff der Betrachtung wechseln; denn es bringt dies keinen Schaden, wenn man sich nur mit göttlichen Dingen beschäftigt, und es verschlägt nichts, ob man sich nun dem einen oder anderen Gegenstand zuwendet. Gott hat oft ebenso großes Wohlgefallen, wenn man über seine Geschöpfe und die Allmacht, womit er sie aus dem Nichts hervorrief, eine Betrachtung anstellt, als wenn man an den Schöpfer selbst denkt.

8. O wie beweinenswert ist doch das Elend, in das die Sünde den Menschen versetzt hat! Wir müssen selbst im Guten Maß und Ziel halten, damit wir nicht unsere Gesundheit zugrunderichten und uns unfähig machen für dessen Genuss. Dies zu wissen, ist in der Tat für Viele sehr wichtig und notwendig, besonders für solche, die an Kopfschwäche leiden oder eine krankhafte Einbildungskraft besitzen, damit sie unserem Herrn um so besser dienen können. Gewahrt eine aus euch, dass ihre Einbildungskraft von einem Geheimnis des Leidens, der Glorie des Himmels oder etwas Ähnlichem so eingenommen wird, dass sie mehrere Tage lang trotz besten Willens weder an andere Dinge zu denken noch sich aus diesem Versunkensein zu erheben vermag, so muss sie daraus schließen, dass es für sie ratsam sei, sich zu zerstreuen. Geschieht dies nicht, so wird sie mit der Zeit den Schaden gewahren, der, wie schon erwähnt, von großer Schwäche des Körpers oder, was noch viel schlimmer ist, von der Einbildungskraft herkommt. Denn wie ein Verrückter, der sich etwas in den Kopf setzt, seiner nicht mehr mächtig ist, sich weder zerstreuen noch an andere Dinge denken kann und auch für Gegengründe unzugänglich ist, da er seine Vernunft nicht mehr zu meistern vermag, ebenso könnte auch hier ein ähnlicher Fall eintreten, wenn dies auch eine wohltuende Verrücktheit ist.

9. O welch großer Schaden kann daraus entstehen, wenn Melancholie dazu kommt! Ich finde an dem beständigen Festhalten eines der erwähnten Gegenstände in keiner Weise etwas Gutes, da die Seele fähig ist, Gott selbst zu genießen. Warum sollte sie sich also bloß von einem einzigen seiner Wunderwerke oder Geheimnisse fesseln lassen, da es außer den erwähnten so viele gibt, womit sie sich beschäftigen kann? Gott ist ja unendlich, und je tiefer wir in die Fülle seiner Wunderwerke schauen, desto reichlicher offenbaren sie uns seine Herrlichkeiten.

10. Ich will damit nicht sagen, dass man in einer Stunde oder in einem Tage viele Gegenstände betrachten sollte; denn da würde man vielleicht aus keinem Gute Genuss ziehen. Da dies so erhabene Dinge sind, so möchte ich nicht, dass euch in den Sinn komme, wovon ich gar nicht sprechen wollte, oder dass ihr das eine mit dem anderen verwechselt. Es liegt in der Tat viel daran, dieses Hauptstück gut zu verstehen. Darum gereut es mich nicht, es zu schreiben, wenn es mir auch beschwerlich fällt. Auch ihr sollt es euch nicht verdrießen lassen, es öfters zu lesen, wenn ihr es das erstemal nicht recht versteht. Dies betrifft vor allem die Priorinnen und Novizenmeisterinnen, die die Nonnen im Gebetsleben unterweisen sollen. Sie werden, wenn sie nicht gleich anfangs mit Sorgfalt zu Werke gehen, die Erfahrung machen, wie viele Zeit sie aufwenden müssen, um dergleichen Schwächen wieder zu heilen.

11. Wollte ich alles, was mir über diesen Schaden zur Kenntnis gekommen ist, beschreiben, so würdet ihr einsehen, dass ich mit gutem Grunde so großes Gewicht darauf lege. Nur ein Vorkommnis will ich erwähnen, und von diesem kann man auf die übrigen schließen. In einem unserer Klöster befinden sich eine Chor und eine Laienschwester, die beide im Gebetsleben sehr gefördert sind, großer Abtötung sich befleißen, demütig und tugendhaft sind. Der Herr begnadigt sie reichlich mit Tröstungen und offenbarte ihnen seine Herrlichkeiten. Insbesondere sind sie so losgeschält (vom Irdischen) und beseelt von Liebe zu Gott, dass wir trotz längerer Prüfung die Überzeugung gewonnen haben, sie würden, soweit es eben unsere Schwäche vermag, den Gnaden entsprechen, die ihnen der Herr erweist. Ich habe ihre Tugend deshalb so gerühmt, damit die anderen, die darin nicht so befestigt sind, mehr in Furcht wandeln. Diese Nonnen empfanden so heftige Antriebe des Verlangens nach dem Herrn, dass sie sich nicht beherrschen konnten; sie glaubten, dieses Verlangen nur durch die Kommunion befriedigen zu können; und so baten sie ihre Beichtväter um die Erlaubnis, sie öfters empfangen zu dürfen. Diese Pein nahm derart zu, dass sie sterben zu müssen glaubten, wenn man ihnen nicht täglich die heilige Kommunion reichte. Da die Beichtväter, von denen einer ein großer Geistesmann war, diese Seelen von so inniger Sehnsucht erfüllt sahen, so schien ihnen dies als das geeignete Mittel für ihr Leiden. Allein dabei blieb es nicht; die eine von ihnen empfand ein so unerträgliches Verlangen, dass man ihr schon am frühen Morgen die heilige Kommunion reichen musste, um, wie sie meinte, am Leben bleiben zu können. Es waren dies aber keine Seelen, die sich etwa verstellten; denn um keinen Preis in der Welt hätten sie eine Lüge gesagt.

12. Ich war damals nicht an jenem Orte, aber die Priorin schrieb mir, was sich zugetragen hatte, und dass sie sich mit ihnen nicht zu helfen wisse; auch teilte sie mir mit, dass jene Männer der Ansicht seien, man könne kein anderes Mittel anwenden als dieses. Es war der Wille Gottes, dass ich die Sache sogleich erfasste; doch schwieg ich zu allem bis zu meiner Ankunft, weil ich fürchtete, mich selbst zu täuschen. Es war auch vernünftig, dem nicht zu widersprechen, der die Sache billigte, bis ich ihm meine Gründe dargelegt hatte. Dieser war so demütig, dass er mir, sobald ich dort angekommen und mit ihm gesprochen hatte, alsbald beistimmte. Den anderen aber, der kein Geistesmann und mit diesem gar nicht zu vergleichen war, konnte ich unmöglich überzeugen; daran lag mir auch wenig, weil ich ihm gegenüber keine solchen Verpflichtungen hatte (wie gegen den ersteren). Ich sprach nun mit den (beiden) Schwestern und brachte mehrere Gründe vor, die nach meiner Ansicht hinreichten, sie davon zu überzeugen, dass der Gedanke, ohne dieses Heilmittel sterben zu müssen, nur Einbildung sei. Sie beharrten aber so fest auf ihrer Meinung, dass alle meine Gründe nutzlos waren. Ich erkannte nun, dass ich mich vergeblich bemühte, und sagte ihnen, dass auch ich von jenem Verlangen erfüllt sei und dennoch die heilige Kommunion unterließe, damit sie zur Einsicht kämen, auch nicht öfters die Kommunion empfangen zu dürfen wie die anderen. Müssten wir auch alle drei sterben, so hielte ich dies doch für besser, als wenn in diesen Klöstern eine solche Gewohnheit festen Fuß fassen würde, in denen auch andere Seelen, die ebenso von Liebe zu Gott erfüllt seien, dasselbe tun wollten.

13. Das Übel, das die Gewohnheit herbeigeführt und bei dem auch der Teufel mit im Spiele war, hatte schon einen solchen Grad erreicht, dass sie wirklich sterben zu müssen glaubten, wenn sie nicht kommunizieren könnten. Ich zeigte große Strenge; je mehr ich merkte, dass sie sich in dem Wahne, sie könnten nicht anders, dem Gehorsam entziehen wollten, desto klarer wurde es mir, dass alles nur eine Versuchung sei. An diesem Tage litten sie große Pein, am folgenden etwas weniger, und so verminderte sich diese derart, dass sie es sehr gut ertragen konnten, als ich in (ihrer Gegenwart) die heilige Kommunion empfing; ich hatte freilich dazu den Auftrag, was ich sonst in Anbetracht ihrer Schwäche nicht getan hätte. Von da an erkannten sie selbst und auch die anderen die Versuchung, und wie gut es war, dass zur rechten Zeit das Heilmittel angewendet wurde. Denn bald darauf entstanden in diesem Kloster ohne Schuld der Nonnen Zwistigkeiten mit den Oberen, wovon ich vielleicht später sprechen werde; diese würden eine solche Gewohnheit übel aufgenommen und sie auch nicht geduldet haben.

14. O wie viele dergleichen Dinge könnte ich erzählen! Nur einen Vorfall will ich noch berichten, der aber nicht in einem Kloster unseres Ordens, sondern in einem der Bernardinerinnen sich ereignete. Dort befand sich eine Nonne, die ebenso tugendhaft war wie die genannten. Diese wurde infolge ihrer übermäßigen Kasteiungen und Fasten so geschwächt, dass sie jedesmal, so oft sie kommunizierte oder von inniger Andacht erfüllt wurde, zu Boden fiel; in diesem Zustand verblieb sie acht bis neun Stunden, was sie selbst und alle anderen für eine Verzückung hielten. Dies ereignete sich bei ihr so oft, dass, wie mir scheint, viel Unheil entstanden wäre, wenn man keine Abhilfe getroffen hätte. In der ganzen Stadt hatte sich das Gerücht von diesen Verzückungen verbreitet: mir war es zuwider, nur davon zu hören, da mich der Herr erkennen ließ, was an der Sache war, und ich geriet in Furcht, wie das wohl enden würde. Ihr Beichtvater, der auch mir ein guter Vater war, kam zu mir und erzählte mir davon. Ich sagte ihm, was ich davon hielt: es sei nur Zeitverlust und könne unmöglich eine Verzückung, sondern nur Schwäche sein; er möge ihr die Kasteiungen und das Fasten verbieten und ihr Zerstreuung verschaffen. Sie war gehorsam und unterwarf sich; so kam sie in kurzer Zeit wieder zu Kräften und dachte nicht mehr an Verzückungen. Wäre dies wirklich eine Verzückung gewesen, so hätte kein Mittel etwas dagegen vermocht, außer es würde Gott diesem Zustand ein Ende bereitet haben. Denn bei wirklichen Verzückungen ist die Gewalt des Geistes so groß, dass unsere Kräfte zum Widerstand nicht ausreichen. Die Verzückung lässt, wie gesagt, große Wirkungen in der Seele zurück, während jene anderen Zustände wirkungslos vorübergehen und nur Ermattung des Körpers herbeiführen.

15. Daraus lässt sich abnehmen, dass wir alles für verdächtig halten müssen, was uns derart gefangen hält, dass wir uns des freien Gebrauches der Vernunft beraubt sehen; auf diesen Wegen werden wir nie zur Freiheit des Geistes gelangen. Denn diese hat unter anderem die Eigenschaft, dass sie Gott in allen Dingen findet und bei allem betrachtend verweilen kann. Alles übrige ist Geistesknechtung und hindert die Seele in ihrem Wachstum, abgesehen von dem Schaden, der dem Leibe zugefügt wird. In diesem Zustand gleicht die Seele einem Wanderer, der auf dem Wege in eine Pfütze oder Sumpflache gerät, aus der er nicht mehr herauskommen kann; denn wenn sie vorwärts kommen will, muss sie nicht nur gehen, sondern fliegen.

16. Was ist aber zu tun, wenn solche Personen, wie es gar oft geschieht, behaupten oder glauben, sie seien so in die Gottheit versenkt und außer sich, dass sie weder Gewalt über sich hätten noch auch sich zu zerstreuen vermöchten? Beachtet wohl, welchen Rat ich euch da gebe! Dauert dieser Zustand nur einen Tag oder vier bis acht Tage, so ist nichts zu fürchten; denn es ist nicht zu verwundern, dass eine schwächliche Natur so lange Zeit nötig habe, um sich von ihrem Erstaunen zu erholen; wenn er aber länger andauert, muss man für ein Heilmittel Sorge tragen. Das beste dabei ist, dass man sich keiner Sünde schuldig macht und selbst Verdienste gewinnen kann; aber nichtsdestoweniger treten die genannten Mißstände und noch viele andere zutage.

17. Was die heilige Kommunion betrifft, so wäre es sehr schlimm, wenn sich eine Seele infolge ihres Verlangens darnach dem Beichtvater und der Priorin nicht unterwerfen wollte; wenn sie auch das Gefühl der Vereinsamung in sich wahrnimmt, so soll man es doch nie bis zum äußersten kommen lassen. Um dies zu vermeiden, ist es notwendig, sie ebenso wie in anderen Stücken abzutöten und zur Einsicht zu bringen, dass es besser sei, ihren eigenen Willen zu verleugnen als Trost für sich zu suchen.

18. Auch hier kann sich unsere Eigenliebe einschleichen. Mir ist es begegnet, dass ich manchmal nach dem Empfang der heiligen Kommunion, während die heilige Hostie fast noch ganz unversehrt in mir war, beim Anblick der kommunizierenden Schwestern den Wunsch hatte, nicht kommuniziert zu haben, um nochmals die heilige Kommunion empfangen zu können. Damals sah ich hierin nichts Tadelnswertes; aber da mir dies sehr oft widerfuhr, so kam mir nachher zum Bewusstsein, dass dies mehr vom Verlangen nach eigener Befriedigung als von der Liebe zu Gott herrühre. Da wir nämlich, wenn wir zur heiligen Kommunion hinzutreten, meistens eine gewisse Süßigkeit und Wonne empfinden, so bemächtigte sich meiner dieses Verlangen. Wäre nun dieses darauf gerichtet gewesen, Gott in meiner Seele zu besitzen, so besaß ich ihn ja schon; wollte ich dem Auftrag des Ordens nachkommen, mich zum Empfang der heiligen Kommunion zu begeben, so hatte ich ihn schon erfüllt; wollte ich dadurch die Gnaden in Empfang nehmen, die mit dem heiligsten Sakramente gespendet werden, so hatte ich sie schon empfangen: kurz, ich erkannte klar, dass ich nach dem wiederholten Genuss jener süßen Wonne Verlangen trug.

19. Ich erinnere mich, an einem Orte, an dem sich eines unserer Klöster befindet, eine Frau kennengelernt zu haben, die jedermann für eine sehr eifrige Dienerin Gottes hielt; sie wird es auch wohl gewesen sein. Diese kommunizierte alle Tage und ging bald in dieser, bald in einer anderen Kirche zur heiligen Kommunion; übrigens hatte sie auch keinen bestimmten Beichtvater. Ich bemerkte dies und hätte viel lieber gesehen, sie würde sich dem Gehorsame eines Beichtvaters unterworfen haben, als dass sie so häufig kommunizierte. Sie war in ihrem Hause allein und tat, wie mir schien, was ihr beliebte. Da sie fromm war, so verrichtete sie nur gute Werke. Einige Male sagte ich ihr meine Meinung, allein sie achtete nicht auf mich, und mit Recht, da sie viel besser war als ich. Indessen glaubte ich doch, in diesem Falle nicht unrecht zu haben. Als der heilige Pater Petrus de Alcántara an diesen Ort kam, bewirkte ich, dass er mit ihr sprechen konnte; allein ich war mit dem Bericht, den er mir über sie gab, nicht zufrieden. Dies dürfte jedoch nur darin seinen Grund haben, dass wir armselige Menschen nur mit denen ganz zufrieden sind, die denselben Weg wie wir wandeln. Denn ich glaube, dass sie Gott treuer gedient und in einem Jahre mehr Buße getan hat, als ich in vielen Jahren.

20. Schließlich wurde die Frau todkrank; und dies ist auch der Grund, warum ich dies erzähle. Sie war sehr darum besorgt, dass alle Tage in ihrem Hause die Messe gelesen und ihr die heilige Kommunion gereicht wurde. Da die Krankheit andauerte, so meinte ein Geistlicher, ein sehr frommer Diener Gottes, der oft daselbst die heilige Messe las, man sollte es nicht gestatten, dass sie alle Tage in ihrem Hause kommuniziere. Es dürfte dies wohl eine Versuchung des bösen Feindes gewesen sein, denn es war gerade am letzten Tage, an dem sie starb. Als sie sah, dass die Messe zu Ende war und man ihr den Heiland nicht reichte, wurde sie so unwillig und zornig über den Geistlichen, dass er Ärgernis nahm, zu mir sich begab und mir dies erzählte. Mir tat dies leid; denn wie ich meine, starb sie gleich darauf, und ich weiß nicht, ob sie sich zuvor noch mit Gott aussöhnte.

21. Daraus kann man den Schaden ersehen, der dadurch verursacht wird, dass wir auf irgendeine Weise und besonders in einer so wichtigen Sache unserem Eigenwillen folgen. Wer sich so oft dem Herrn naht, der muss billigerweise von seiner Unwürdigkeit so sehr überzeugt sein, dass er dies nicht nach seinem eigenen Gutdünken tut. Es ist notwendig, dass eine Vorschrift des Gehorsams das ersetzt, was uns mangelt, um einem so hohen Herrn zu nahen. Ist es ja schon viel, wenn es gezwungen geschieht. Dieser guten Frau hätte sich eine Gelegenheit geboten, sich tief zu verdemütigen, und sie hätte dadurch vielleicht größeres Verdienst sich erworben als durch den Empfang der heiligen Kommunion, wenn sie zur Einsicht gekommen wäre, dass der Geistliche keine Schuld trage, sondern der Herr es so zugelassen habe, der in Anbetracht ihrer Armseligkeit und Unwürdigkeit in eine so elende Herberge nicht einkehren wollte.

22. So handelte eine andere Person, der verständige Beichtväter öfters die heilige Kommunion untersagten, weil sie so häufig kommunizierte. Obgleich sie dies sehr schmerzlich empfand, so wünschte sie doch anderseits mehr die Ehre Gottes als die ihrige, und so pries sie ohne Unterlass Gott, weil er dem Beichtvater in den Sinn gegeben, zu verhindern, dass Seine Majestät in eine so schlechte Wohnung eintreten müsse. Durchdrungen von solchen Gedanken, gehorchte sie mit großer Seelenruhe, wenn auch mit zärtlicher Liebespein. Aber um keinen Preis in der Welt hätte sie gegen diese Vorschriften gehandelt.

23. Glaubet mir, dass jene Liebe Gottes - oder besser gesagt, was uns mit Unrecht als solche erscheint - offenbar nichts anderes ist als Selbstsucht, die die Leidenschaften derart erregt, dass es zu einer Beleidigung Gottes kommt, oder die den Frieden der liebenden Seele so stört, dass sie davon eingenommen, nicht mehr auf die Stimme der Vernunft achtet. Der Teufel wird nicht ruhen, um uns in dem Augenblicke anzugreifen, wo er uns am meisten schaden zu können glaubt, wie er es dieser Frau gegenüber getan. Ich empfand darüber einen wahren Schrecken. Wenn ich auch nicht annehmen will, dass er sie gänzlich um ihre Seligkeit brachte, da ja doch die Güte Gottes so groß ist, so ist die Versuchung doch zu einer gefährlichen Zeit gekommen.

24. Ich habe diesen Vorfall hier erzählt, damit die Priorinnen Vorsicht gebrauchen, die Schwestern in Furcht wandeln und sich aufmerksam prüfen, in welchem Zustand sie sich (der heiligen Kommunion) nahen, um eine so große Gnade zu empfangen. Geschieht es, um Gott zu gefallen, so wissen sie schon, dass ihm Gehorsam wohlgefälliger ist als Opfer. Ist dies so und erlange ich mehr Verdienst, wenn ich aus Gehorsam die Kommunion unterlasse, warum sollte ich mich dann beunruhigen? Ich sage nicht, dass man sich einem demütigen Schmerz nicht überlassen dürfe; denn nicht alle sind zu solcher Vollkommenheit gelangt, dass sie diesem Schmerz gegenüber unempfindlich sind; es ist genug, wenn es geschieht mit dem Bewusstsein, dass es Gott wohlgefälliger ist. Ist der Wille von allem Eigennutz ganz frei, so wird er sich offenbar nicht darüber betrüben, vielmehr sich freuen, dass er Gelegenheit hat, durch den Verzicht auf eine so kostbare Sache dem Herrn zu gefallen; die Seele wird sich demütigen und ebenso zufrieden sein mit der geistigen Kommunion.

25. Weil indessen bei Anfängen dieses Verlangen, sich dem Herrn zu nahen, eine Gnade Gottes ist, so ist es immerhin erlaubt, solch zärtliche Pein zu empfinden, wenn man auf die heilige Kommunion verzichten muss, nur soll es mit Seelenruhe geschehen und im Verein mit Akten der Demut. Ich bemerke dies auch für solche, die in der Vollkommenheit schon vorangeschritten sind; mehr jedoch gilt es für die Anfänger, weil bei diesen ein solcher Schmerz höher anzuschlagen ist und sie überhaupt die Vollkommenheit noch nicht besitzen, von der ich gesprochen! Geschähe es aber mit Entrüstung, mit Leidenschaftlichkeit und Auflehnung gegen die Priorin oder den Beichtvater, die die Kommunion untersagen, so haltet dafür, dass dieser Schmerz offenbar eine Versuchung ist. Wollte sich aber jemand unterstehen, gegen den Willen des Beichtvaters zu kommunizieren, so möchte ich an dem Verdienste, das ihm daraus erwächst, keinen Anteil haben; denn in solchen Dingen dürfen wir nicht Richter unserer eigenen Angelegenheiten sein. Das gehört dem zu, der die Schlüssel hat, um zu lösen und zu binden. Möge es dem Herrn gefallen, uns zu erleuchten, dass wir uns auf so wichtige Fragen gut verstehen! Möge er uns nie seine Gunst entziehen, damit wir ja die Gnaden, die er uns verleiht, nicht zu seiner Beleidigung mißbrauchen!

Siebentes Hauptstück

Wie man Melancholische behandeln muss. Eine wichtige Unterweisung für die Oberinnen.

1. Meine Schwestern des Klosters zum heiligen Joseph in Salamanca, wo ich mich zur Zeit, da ich dies schreibe, eben befinde, haben mich dringend gebeten, etwas davon zu sagen, wie man sich gegen jene zu verhalten habe, die von Melancholie befallen sind. So sehr wir uns auch bemühen, solchen Personen die Aufnahme zu verweigern, so ist diese Gemütsart doch so spitzfindig, dass sie sich, wenn es notwendig ist, tot stellt und wir sie nicht bemerken, bis nicht mehr zu helfen ist. Ich glaube in einem kleinen Büchlein hierüber gesprochen zu haben; aber ich erinnere mich nicht mehr; jedenfalls wird es nicht schaden, wenn ich hier etwas davon sage, wofern mir der Herr die Gnade geben wird, dass ich mich genau ausdrücke. Es kann sein, dass ich schon anderswo davon gesprochen habe; doch ich würde es gerne noch hundertmal wiederholen, wenn ich um diesen Preis einmal irgendwie Nutzen schaffen könnte. Es gibt so viele Schleichwege, die diese Gemütsart ausfindig macht, um ihren Willen durchzusehen, dass man sie genau erforschen muss, um zu wissen, wie man solche Personen ertragen und leiten muss, damit die anderen keinen Schaden nehmen.

2. Bemerken möchte ich, dass nicht alle, die diese Gemütsart besitzen, gleich lästig sind; findet sie sich bei einem demütigen Menschen von sanftem Charakter, so schadet sie, obgleich er selbst viel auszustehen hat, andern nicht, besonders wenn er ein richtiges Urteil besitzt. Auch sind die einen in höherem, die anderen in geringerem Grade von diesem Wesen beherrscht. Ich bin der festen Überzeugung, dass der Teufel sich bei einigen Personen dieser Gemütsart bedient, um sie womöglich an sich zu ziehen; und gehen sie nicht mit großer Vorsicht zu Werke, wird er auch seinen Zweck erreichen. Denn die erste Wirkung dieser melancholischen Gemütsanlage besteht darin, dass sie sich die Vernunft unterwürfig macht; ist diese verfinstert, was werden dann unter diesen Verhältnissen die Leidenschaften nicht alles zuwege bringen? Wo der Gebrauch der Vernunft fehlt, da ist allem Anscheine nach Verrücktheit; und so ist es auch. Allerdings ist es bei jenen, von denen wir hier sprechen, noch nicht so weit gekommen; dennoch wäre dies noch das geringere Übel. Wenn man aber jemand, der keinen Verstand hat, als eine vernünftige Person ansehen und als solche behandeln muss, so ist das eine unerträgliche Last. Die von diesem Übel gänzlich beherrscht sind, verdienen zwar Mitleid, aber sie schaden nicht; und wenn es irgendein Mittel gibt, sie im Zaume zu halten, so ist es die Furcht.

3. Dieses überaus schädliche Übel entsteht indessen bei jenen, in denen es erst seinen Anfang genommen und noch nicht festen Fuß gefasst hat, aus derselben Gemütsart, aus derselben Wurzel und wächst aus dem gleichen Stamm; darum ist auch bei ihnen, wenn andere Kunstgriffe unzureichend sind, dasselbe Heilmittel anzuwenden. Möchten doch die Oberinnen der vom Orden vorgeschriebenen Bußen sich bedienen und solchen Personen gegenüber ihre Autorität geltend machen, damit sie einsehen, dass sie in keiner Weise weder in allem noch in etwas ihren Willen durchsehen können. Denn wenn sie merken, dass ihr Geschrei und ihre verzweiflungsvollen Ausdrücke, die ihnen der Teufel eingibt, um sie womöglich zu verderben, öfters schon ihren Zweck erreicht haben, dann sind sie verloren, und eine einzige kann ein ganzes Kloster in Verwirrung bringen.

4. Da so eine arme Person nicht Kraft genug hat, um sich gegen die Vorspiegelungen des Teufels zu verteidigen, so muss die Oberin die größte Sorgfalt anwenden in Bezug auf ihre innere und äußere Leitung. Da die Vernunft oft in der Kranken verfinstert ist, so muss sie in der Oberin um so klarer sein, damit der böse Feind nicht mit Hilfe dieses Übels jene Seele in seine Gewalt bringt. Es ist dies ein gefährlicher Zustand, da diese Gemütsanlage manchmal eine solche Gestalt annimmt, dass sie die Vernunft überwältigt. Hier ist indessen eine Sünde ausgeschlossen, da auch die Wahnsinnigen nicht sündigen, so töricht sie auch handeln. Allein jene, bei denen dieses Übel noch nicht so weit vorangeschritten ist, deren Vernunft nur krankhaft ist, sündigen schon. Manchmal sind sie bei gesundem Sinn, und da darf man ihnen zu der Zeit, wo sie krank werden, keine Freiheit gestatten, damit sie nicht die Herrschaft über sich verlieren, wenn sie wieder gesund werden. Es ist das ein schrecklicher Kunstgriff des bösen Feindes. Wenn man acht gibt, wird man erkennen, dass sie besonders geneigt sind, ihren Willen durchzusetzen, alles zu sagen, was ihnen in den Mund kommt, auf die Fehler anderer zu sehen, um damit die eigenen zu verbergen, und daran Freude zu finden, was nach ihrem Geschmacke ist. Kurz, man findet an ihnen Leute, die sich selbst nicht bezähmen können. Was würde aus ihren ungezügelten Leidenschaften werden, die alle nur nach eigener Befriedigung streben, wenn niemand ihnen entgegenträte?

5. Da ich viele Personen, die mit diesem Übel behaftet sind, kennengelernt habe und mit ihnen umgegangen bin, so wiederhole ich, dass es kein anderes Heilmittel gibt, als sie auf allen Wegen und auf alle mögliche Weise in Unterwürfigkeit zu halten; reichen Worte nicht hin, so wende man Züchtigungen an! Genügen gelinde nicht, so verschärfe man sie! Reicht ein Monat Einkerkerung nicht hin, so verlängere man sie auf vier Monate! Denn man kann kein besseres Werk an ihren Seelen tun. Ich habe es schon einmal gesagt und ich wiederhole es noch einmal, da es für sie selbst überaus wichtig ist, dies zu wissen. Haben solche Personen auch ein oder das andere Mal keine Gewalt über sich, so ist ihr Zustand doch keine so vollkommene Verrücktheit, die sie für ihre Fehler unverantwortlich machen würde; manchmal mag es wohl der Fall sein, aber nicht immer. Ihre Seele ist darum zu der Zeit, wo sie, wie gesagt, des Gebrauches der Vernunft nicht beraubt ist, in großer Gefahr, notgedrungen zu tun und zu sagen, was sie tat und sagte, als sie nicht Widerstand leisten konnte. Es ist eine große Gnade Gottes, wenn sich Personen, die von diesem Übel befallen sind, jenen unterwerfen, die sie leiten; das ist ihre einzige Rettung in der Gefahr, von der ich gesprochen. Und wenn eine von ihnen dies lesen sollte, so bitte ich sie, um der Liebe Gottes willen zu bedenken, dass (von dieser Unterwerfung) vielleicht ihre ewige Seligkeit abhängt.

6. Ich kenne einige Personen, die fast nahe daran sind, den Verstand zu verlieren, allein sie sind so demütige Seelen und fürchten sich so sehr, Gott zu beleidigen, dass sie trotz der Ströme von Tränen, die sie im geheimen vergießen, nicht über das hinausgehen, was man ihnen befiehlt. Sie tragen ihre Krankheit, wie auch andere es tun; ihr Martyrium ist sehr groß, aber sie ernten eine um so größere Glorie; sie machen hier ihr Fegfeuer durch, um in der anderen Welt davon verschont zu bleiben.

7. Aber ich sage noch einmal: Jene, die sich nicht bereitwillig fügen, müssen von den Oberinnen gezwungen werden; und diese sollen sich nicht durch ungeeignetes Mitleid täuschen lassen, damit nicht alle miteinander durch ihre Albernheiten in Verwirrung gebracht werden. Denn außer der Gefahr, der sich so eine Nonne selbst aussetzt, entsteht noch ein anderer sehr großer Schaden, der hier besprochen werden soll. Wenn andere so eine Person sehen, scheint sie ihnen gesund zu sein - man hat nämlich von der Gewalt des Leidens, das die Seele in ihrem Inneren duldet, keinen Begriff - und so könnte sich jede, da unsere Natur so verdorben ist, für melancholisch halten, damit man sie ebenso wie jene mit Geduld ertrage. Der Teufel wird ihnen bald die Überzeugung beibringen, dass es sich in Wirklichkeit so verhält, und ein Unheil stiften, das man, wenn es einmal erkannt wird, schwer abstellen kann. Da dies so wichtig ist, so darf man ja in keiner Weise etwas dulden und nie sorglos sein. Lehnt sich eine melancholische Nonne gegen den Obern auf, so bestrafe man sie wie eine, die gesunden Geistes ist, und sehe ihr in keiner Weise etwas nach. In gleicher Weise verfahre man mit ihr, wenn sie einer Mitschwester böse Worte gibt, und so auch in allen ähnlichen Fällen.

8. Es scheint zwar ungerecht zu sein, dass man eine Kranke, die ihrer nicht mächtig ist, ebenso bestrafe wie eine Gesunde. Doch da dürfte man auch die Wahnsinnigen nicht binden und züchtigen und müsste ihnen gestatten, dass sie jeden töten. Schenkt mir hierin Glauben; ich habe davon die Probe gemacht; nachdem ich viele Versuche angestellt und auch Strafe angewendet habe, finde ich nach meiner Ansicht kein anderes Mittel. Will eine Priorin solchen Personen die Freiheit lassen, so wird sie es schließlich nicht mehr aushalten können; will sie später Abhilfe schaffen, so werden die anderen (Schwestern) schon großen Schaden genommen haben. Bindet und züchtigt man Wahnsinnige, damit sie niemand töten, und ist dies eine Wohltat, wenn sie auch, weil sie nicht anders können, Mitleid zu erregen scheinen; um wieviel mehr muss man dann verhüten, dass solche melancholische Personen durch den Mißbrauch ihrer Freiheiten den Seelen schaden?

9. Ich bin wirklich überzeugt, dass dieser Zustand, wie gesagt, gar oft von einem ausgelassenen Wesen, von Mangel an Demut und Selbstbeherrschung herkommt und die Melancholie keine so große Gewalt über sie hat wie dieses Wesen. Ich sage, dass dies bei einigen so ist; denn ich habe die Wahrnehmung gemacht, dass sie in Gegenwart einer Person, die sie fürchten, ganz gelassen werden und sich fügen können, warum sollten sie es dann nicht um Gottes willen zustande bringen? Ich fürchte, der Teufel wolle, wie gesagt, unter dem Vorwand der Melancholie viele Seelen gewinnen; denn jetzt nimmt dieses Übel mehr überhand als sonst, und zwar deshalb, weil man jeden Eigensinn und jede Ausgelassenheit schon Melancholie nennt. Ich habe mir darum gedacht, man sollte in unseren Klöstern und in allen Ordenshäusern dieses Wort (Melancholie) gar nicht mehr in den Mund nehmen, weil es allem Anscheine nach zur Ungebundenheit führt; man nenne vielmehr diesen Zustand eine schwere Krankheit, was er auch wirklich ist, und behandle ihn als solchen. Von Zeit zu Zeit ist es sehr notwendig, dieser Gemütsstimmung durch eine Arznei entgegenzuwirken, damit solche Personen wieder erträglich werden; man schicke sie ins Krankenzimmer und gebe ihnen bekannt, dass sie sich gegen alle demütig erzeigen und dem Gehorsam sich fügen müssten, wie die übrigen, wenn sie wieder zum gemeinschaftlichen Leben zugelassen werden wollten; würden sie dies nicht tun, so gelte diese Gemütsstimmung auch nicht als Entschuldigung. So muss man sie der angeführten Gründe wegen, denen man noch mehrere hinzufügen könnte, behandeln. Die Priorinnen aber müssen solchen Personen, ohne es sie merken zu lassen, als wahre Mütter großes Mitleid entgegenbringen und alle möglichen Mittel zu ihrer Heilung suchen.

10. Es scheint, dass ich mich eines Widerspruches schuldig mache: denn bisher habe ich gesagt, solche Personen seien mit Strenge zu behandeln, und darum wiederhole ich nochmals: sie dürfen nie auf die Meinung kommen, sie könnten ihren Launen folgen, und dürfen auch nie ihren Willen durchsetzen, wenn der Augenblick kommt, wo sie zu gehorchen haben, da das Bewusstsein, frei zu sein, ihnen schädlich wäre. Aber die Priorin darf ihnen nie etwas befehlen, von dem sie voraussieht, dass sie sich widersetzen werden, da sie in sich nicht die Kraft haben, sich zu beherrschen; vielmehr leite sie diese Seelen in allem mit Milde und Liebe, damit sie womöglich aus Liebe sich unterwerfen, was das beste ist. Und dies pflegt gewöhnlich zu geschehen, wenn man ihnen eine zärtliche Liebe entgegenbringt und sie ihnen durch Wort und Tat zu erkennen gibt.

11. Die Priorinnen sollen wohl beachten, dass das beste Mittel darin besteht, sie viel mit Klosterämtern zu beschäftigen, damit sie keine Zeit mehr haben, ihren Einbildungen nachzugehen; denn darin besteht ihr ganzes Übel. Verrichten sie ihre Arbeiten auch nicht ganz recht, so sehe man ihnen einige Fehler nach, um nicht andere größere ertragen zu müssen, wenn sie bösartig geworden sind; ich halte das für das zweckmäßigste Heilmittel, das es geben kann. Überdies gestatte man ihnen nicht, dass sie viel Zeit auf das innerliche Gebet verwenden, und dispensiere sie auch teilweise vom gewöhnlichen, da ihnen dies, weil die meisten eine krankhafte Einbildungskraft besitzen, großen Schaden bringen könnte. Sie haben ohnehin so vielerlei Einfälle, die sowohl ihnen als auch jenen, die sie hören, unverständlich sind. Man achte auch darauf, dass sie nicht oft Fischspeisen genießen; auch die Fasten dürfen für sie nicht so anhaltend sein wie für die übrigen (Schwestern).

12. Es mag vielleicht als Übertreibung erscheinen, über dieses Übel so ausführlich zu sprechen, während ich andere, deren es in unserem armseligen Leben, vorzüglich bei uns schwachen Frauenspersonen, so schwere gibt, mit Stillschweigen übergehe. Es geschieht dies aus zwei Gründen; erstens scheinen solche Personen gesund zu sein, weil sie nicht einsehen wollen, dass sie an diesem Übel leiden. Da sie nicht gezwungen sind, im Bette zu bleiben, weil sie kein Fieber haben und man keinen Arzt kommen lässt, so muss die Priorin selbst Arzt sein; denn dieses Übel ist für jeglichen Fortschritt in der Vollkommenheit weit schädlicher als lebensgefährliche Krankheiten, die ans Bett fesseln. Der zweite Grund ist der, dass man bei anderen Krankheiten entweder gesund wird oder stirbt; bei dieser aber wird man nur selten gesund; auch stirbt man nicht an ihr, sondern man verliert allmählich den ganzen Verstand; das heißt man sterben, um alle anderen zu Tode zu quälen.

13. Diese Personen leiden bei ihren Bedrängnissen, Einbildungen und Skrupeln in ihrem Innern einen harten Tod und werden sich, obgleich sie dies nur Versuchungen nennen, sehr große Verdienste sammeln, kämen sie aber zur Einsicht, dass dies vom selben Übel herrühre, und gäben sie nichts darauf, so würden sie in ihrer Lage große Erleichterung finden. Ich habe wirklich großes Mitleid mit Ihnen: und billigerweise sollten es auch alle haben, die mit ihnen umgehen; möchten sie bedenken, dass der Herr dasselbe (Übel) auch ihnen schicken könnte, und sie so mit Liebe ertragen, ohne es sie, wie schon erwähnt, merken zu lassen! Gebe Gott, dass ich in Bezug auf das Verhalten einer so schweren Krankheit gegenüber den rechten Rat erteilt habe!

Achtes Hauptstück

Einige Unterweisungen bezüglich der Offenbarungen und Visionen.

1. Es gibt Menschen, die schon in Schrecken zu geraten scheinen, wenn sie nur den Namen »Visionen oder Offenbarungen« hören; ich sehe den Grund nicht ein, warum man es für so gefährlich hält, wenn Gott eine Seele auf diesem Wege führt, noch woher dieser Schauder kommt. Ich will, mich jetzt nicht darüber verbreiten, welche (Offenbarungen und Visionen) echt oder welche falsch sind, noch auch über die Zeichen, an denen man, wie ich von sehr gelehrten Männern gehört habe, beide Arten erkennen kann; ich will nur davon sprechen, wie sich eine Seele zu verhalten hat, die in ähnlicher Lage sich befindet. Es wird dies gut sein, weil man wenige Beichtväter treffen wird, die darüber nicht in Angst geraten. Gewöhnlich erschrecken sie nicht so sehr, wenn man ihnen sagt, dass ihnen der böse Feind allerlei Versuchungen zur Gotteslästerung oder zu anderen widersinnigen und schändlichen Dingen einflüstere, als sie sich daran stoßen, wenn behauptet wird, man habe einen Engel gesehen oder reden hören oder es sei unser Herr Jesus Christus am Kreuze erschienen.

2. Ebensowenig will ich hier davon sprechen, wann die Offenbarungen von Gott kommen; man erkennt dies schon aus dem großen Gewinn, den sie der Seele bringen. Ich will nur von den Erscheinungen reden, wodurch der Teufel uns zu täuschen sucht, indem er sich dazu der Bilder unseres Herrn oder seiner Heiligen bedient. In diesem Punkte bin ich für meine Person der Meinung, dass Seine Majestät ihm nicht gestatten noch auch die Gewalt geben werde, mit derartigen Vorspiegelungen eine Seele zu täuschen, es sei denn, dass sie sich durch ihre eigene Schuld täuschen lässt; vielmehr wird er selbst der Betrogene sein. Wer in Demut wandelt, wird gewiss nicht betrogen werden. Darum ist kein Grund vorhanden, vor den Blendwerken des Bösen zu erschrecken; man soll vielmehr auf den Herrn vertrauen, derartige Dinge für nichts achten und daraus Anlass zu größerem Lobpreis des Herrn nehmen.

3. Ich kenne eine Person, die von den Beichtvätern wegen dieser Dinge sehr geängstigt wurde, obgleich sie von Gott kamen, wie man es nachher aus den erhabenen Wirkungen und guten Werken ersehen konnte, die daraus entsprangen. Wenn sie das Bild des Heilandes in einer Vision sah, so fiel es ihr schwer, sich zu bekreuzen und es zu verachten, wie ihr befohlen wurde. Als sie sich später mit dem großen Theologen aus dem Dominikanerorden, Magister Pater Dominikus Báñez, hierüber besprach, mißbilligte er diese Handlungsweise und sagte, dass niemand so verfahren dürfe; denn wo immer wir das Bild unseres Herrn sähen, wäre es gut, es zu verehren, selbst dann, wenn es der Teufel hervorbringe, der ein großer Maler sei. Er erweise uns, anstatt uns Böses zuzufügen, eher einen Dienst, wenn er den Gekreuzigten oder ein anderes Bild mit so lebendigen Farben zeichnet, dass es unseren Herzen eingeprägt bleibt.

4. Dieser Grund gefiel mir sehr gut; denn wenn wir ein sehr schönes Bild sehen, so halten wir es sehr in Ehren, selbst wenn wir wissen, dass es das Werk eines schlechten Menschen ist; wir kümmern uns nicht um den, der es verfertigt hat, und unterlassen es nicht, es zu verehren. Der Nutzen oder Schaden liegt (also) nicht in der Vision, sondern in dem, der sie empfängt und sich diese entweder in Demut zunutze macht oder nicht. Ist Demut vorhanden, so kann sie nicht schaden, selbst wenn sie vom Teufel wäre; fehlt aber die Demut, so wird sie keinen Nutzen bringen, selbst wenn sie von Gott käme. Denn wenn eine Seele beim Empfang einer Gnade, die dazu bestimmt ist, sie demütig zu machen, hochmütig wird, anstatt sich ihrer unwürdig zu erkennen, so gleicht sie einer Spinne, die alles, was sie verzehrt, in Gift verwandelt, während sie doch einer Biene ähnlich sein soll, die alles in Honig umsetzt.

5. Ich will mich darüber noch weiter erklären. Will unser Herr in seiner Güte einer Seele erscheinen, damit sie ihn besser erkennen und lieben lerne oder um ihr eines seiner Geheimnisse zu offenbaren oder ihr einige besondere Tröstungen und Gnaden zu verleihen, so hat sie, wie gesagt, allen Grund, beschämt zu werden und einzusehen, wie wenig ihre Armseligkeit dies verdiene. Hält sie sich aber gleich für eine Heilige und glaubt sie, diese Gnade werde ihr wegen eines Dienstes verliehen, den sie Gott erwiesen, so ist es klar, dass sie den großen Gewinn, der ihr daraus erwachsen könnte, wie die Spinne ins Böse verkehrt.

6. Sehen wir nun den Fall, der Teufel rufe solche Erscheinungen hervor, um eine Seele zum Stolze zu reizen. Wenn da die Seele sich verdemütigt in der Meinung, diese Erscheinungen kämen von Gott, und sich einer so großen Gnade für unwürdig erkennt; wenn sie sich bemüht, dem Herrn eifriger zu dienen und sich trotz ihrer großen Begnadigung verdemütigt und für unwürdig erachtet, von den Brosamen zu essen, die von dem Tische jener fallen, denen Gott, wie sie weiß, solche Gnaden erweist, oder besser gesagt, sich für die geringste Dienerin unter ihnen hält; wenn sie mit aller Kraft der Buße zu obliegen beginnt, mehr Zeit dem Gebete widmet, große Sorgfalt anwendet, den Herrn nicht zu beleidigen, der ihr, wie sie glaubt, diese Gnade erwiesen habe, und mit größerer Vollkommenheit den Gehorsam übt: so versichere ich sie, dass der böse Feind nicht wiederkommen, sondern sich beschämt sehen wird; der Seele aber erwächst in keiner Weise ein Schaden. Gibt er ihr in einer Erscheinung den Auftrag, irgend etwas zu tun, oder verkündet er ihr etwas Zukünftiges, so muss sie sich mit einem verständigen und gelehrten Beichtvater besprechen und nur tun und glauben, was jener sagt. Sie kann die Angelegenheit auch der Priorin mitteilen, damit sie ihr einen solch geeigneten Beichtvater verschaffe. Man beachte aber wohl: wenn sie den Worten des Beichtvaters nicht gehorcht und sich von ihm nicht leiten lässt, so ist das ein Beweis, dass die ganze Sache entweder vom bösen Feinde oder von schrecklicher Melancholie kommt. Gesetzt auch, dass der Beichtvater sich täusche, so würde doch sie im Gehorsam gegen seine Worte nicht irregehen, selbst wenn es ein Engel Gottes gewesen wäre, der mit ihr gesprochen. Die göttliche Majestät wird den Beichtvater erleuchten oder sonst Mittel schaffen, dass die Sache gut ausgeht; bei dieser Handlungsweise ist jede Gefahr ausgeschlossen, während sonst viele Nachteile und Gefahren daraus entstehen können.

7. Man beachte wohl, dass die natürliche Schwäche, besonders bei Frauenspersonen, sehr groß ist und auf diesem Wege des Gebetes mehr zutage tritt. Daher dürfen wir nicht gleich jede Kleinigkeit, die sich uns vor Augen stellt, für eine Vision halten. Glaubt es mir, wenn es wirklich eine ist, so gibt sie sich als solche zu erkennen; hat man aber ein melancholisches Gemüt, so ist weit mehr Vorsicht am Platze. In Bezug auf solche Vorspiegelungen sind mir Dinge zu Ohren gekommen, die mich in Schrecken versetzen; ich kann nicht begreifen, wie es möglich ist, dass solche Personen so fest überzeugt sind, etwas zu sehen, was sie nicht sehen.

8. Eines Tages kam ein Beichtvater voll Erstaunen zu mir. Eine Person (so bemerkte er) habe ihm gebeichtet und gesagt, Unsere Liebe Frau komme schon mehrere Tage lang zu ihr, setze sich auf ihr Bett, rede länger als eine Stunde und offenbare ihr zukünftige und viele andere Dinge. Da von diesen Torheiten einiges zutraf, so hielt man alles für sicher. Ich merkte sogleich, um was es sich handelte, obgleich ich es nicht zu sagen wagte. Wir befinden uns nämlich in einer Welt, wo man wohl erst überlegen muss, was andere von uns denken könnten, wenn unsere Worte überhaupt eine Wirkung haben sollen. Ich sagte deshalb nur, man möge warten, ob jene Prophezeiungen in Erfüllung gingen, man müsse auch auf andere Wirkungen sehen und sich über das Leben jener Person genau informieren. Schließlich kam man zur Einsicht, dass alles nur Unsinn war.

9. Ich könnte mehrere derartige Vorkommnisse berichten zum Beweise der Richtigkeit meiner Mahnung zur Vorsicht, dass so eine Seele nicht gleich sich selbst Glauben schenken darf, sondern die Zeit abwarten und mit sich selbst ins reine kommen muss, bevor sie anderen davon Mitteilung macht; sonst täuscht sie den Beichtvater, ohne dass sie es will. Wenn dieser in solchen Sachen keine Erfahrung besitzt, so wird all seine Gelehrsamkeit nicht hinreichen, um dies zu verstehen. Erst kurz, vor wenigen Jahren, kam es vor, dass ein Mann einige sehr gelehrte und dem geistlichen Leben ergebene Männer mit derartigen Dingen gar arg hinters Licht führte, bis er endlich mit einer Person in Verbindung trat, die in den Gnadenerweisungen des Herrn Erfahrung hatte. Sie erkannte klar, dass es lauter Torheit verbunden mit Täuschung war. Damals war die Sache noch nicht offenbar, sondern sehr verborgen; bald darauf brachte sie der Herr ans Tageslicht, aber erst nachdem jene Person, die die Sache zuerst durchschaute, viel ausgestanden hatte, weil man ihr nicht Glauben schenken wollte.

10. Aus diesen und anderen ähnlichen Fällen geht hervor, dass es für jede Schwester überaus notwendig ist, über ihre Gebetsweise sich mit der Priorin zu besprechen. Diese aber muss mit großer Sorgfalt die Gemütsart und den Grad der Vollkommenheit einer jeden Schwester prüfen und dem Beichtvater darüber Aufklärung geben, damit er ein sicheres Urteil fällen könne. Sollte der gewöhnliche Beichtvater derartigen Dingen nicht gewachsen sein, so wähle sie einen aus, der die dazu nötigen Eigenschaften besitzt. Sie sorge auch dafür, dass Personen außerhalb des Klosters von diesen Dingen keine Kenntnis bekommen, selbst wenn sie ganz gewiss von Gott kämen und offenbar wunderbare Gnadenerweisungen wären; auch Beichtvätern, die nicht soviel Klugheit besitzen, dass sie schweigen können, soll keine Mitteilung gemacht werden. Auch die Schwestern sollen untereinander nicht viel davon reden; daran ist viel gelegen und weit mehr, als man denken könnte. Die Priorin soll sie stets mit Vorsicht anhören und mehr geneigt sein, jene zu loben, die in den Übungen der Demut, der Selbstverleugnung und des Gehorsams sich hervortun, als jene, die Gott aus diesem ganz übernatürlichen Gebetswege führt, obgleich diese alle anderen Tugenden auch besitzen. Denn ist es der Geist des Herrn, so bringt er immer jene Demut hervor, in der man sich freut, verachtet zu werden. Einer solchen Schwester wird das Verhalten der Priorin keinen Schaden bringen, während die anderen daraus Nutzen ziehen. Da sie nämlich außerstande sind, diese Gunstbezeigungen zu erlangen, die Gott gibt, wem er will, so könnten sie der Mutlosigkeit anheimfallen. Die erwähnten Tugenden aber kann man sich, obgleich auch sie eine Gabe Gottes sind, doch leichter erwerben, und sie sind für das Ordensleben von großem Werte. Der Herr wolle sie uns verleihen! Er wird sie keiner Seele versagen, die sich darum mit zuversichtlichem Vertrauen auf seine Barmherzigkeit durch treue Pflichterfüllung, Wachsamkeit und Gebet bewirbt.

Neuntes Hauptstück

Reise von Medina del Campo zur Gründung des Klosters zum heiligen Joseph in Malagón.

1. Wie weit bin ich doch von meinem Gegenstande abgekommen! Indessen könnten doch einige der hier besprochenen Unterweisungen zweckmäßiger sein als die Erzählung der Stiftungen. - Als ich mich im Kloster zum heiligen Joseph in Medina del Campo aufhielt, empfand ich großen Trost bei der Wahrnehmung, dass die Schwestern dortselbst ebenso wie die im St. Josephskloster zu Ávila in vollkommener Ordenszucht, in schwesterlicher Eintracht und im (wahren) Geiste wandelten. Unser Herr trug in diesem Hause Sorge für alles, was für die Kirche und für den Unterhalt der Schwestern notwendig war. Es waren auch einige tüchtige Novizinnen eingetreten, die, wie es scheint, der Herr als Grundsteine eines solchen Gebäudes auserwählte; denn von einem guten Anfang hängt nach meiner Überzeugung all das Gute ab, das in der Zukunft geschieht, weil die Nachkommenden jenen Weg gehen, den sie vor sich sehen.

2. In Toledo befand sich eine Dame, die Schwester des Herzogs de Medinaceli, in deren Haus ich mich auf Befehl der Oberen einst aufhielt, wie ich es in dem Berichte über die Stiftung des St. Josephsklosters zu Ávila weitläufig erzählt habe. Bei jener Gelegenheit hatte sie mich besonders liebgewonnen, und die Liebe sollte der Anknüpfungspunkt werden, um in ihr das wachzurufen, was sie jetzt ausführte. So wendet Seine Majestät oft Mittel an, die uns, die wir nicht in die Zukunft sehen, oft als unzureichend erscheinen. Als diese Dame erfuhr, dass ich zur Stiftung von Klöstern Erlaubnis hätte, ließ sie mich recht dringend ersuchen, eines auf ihrem Landgute zu Malagón zu errichten. Ich wollte in keiner Weise meine Zustimmung geben, weil der Ort so klein war, dass (das Kloster) zu seinem Bestande notwendigerweise Einkünfte haben musste, und dagegen hatte ich große Abneigung.

3. Als ich mich mit gelehrten Männern und mit meinem Beichtvater besprach, sagten sie mir, dass ich nicht recht hätte; denn da das heilige Konzil (von Trient) bestimmte Einkünfte gestatte, so dürfe auf meine persönliche Meinung hin die Gründung eines Klosters nicht unterbleiben, in dem unserem Herrn so eifrig gedient werden könnte. Dazu kamen noch die dringenden Bitten dieser Dame, so dass ich um so weniger meine Zustimmung versagen konnte. Sie sorgte auch für hinreichendes Einkommen; denn ich halte immer daran fest, dass unsere Klöster entweder ganz arm oder mit Einkünften derart versehen sein sollten, dass die Schwestern sich nicht genötigt sehen, jemanden bezüglich ihres Lebensunterhaltes lästig zu fallen.

4. Man hat jedoch auf alle mögliche Weise dafür gesorgt, dass keine Schwester auch nur im geringsten ein Eigentum besitze, sondern die ganz gleichen Satzungen beobachtet werden, wie in den übrigen Klöstern, die auf Armut gegründet sind. Nachdem alle Schriftstücke in rechtlicher Form verfasst waren, ließ ich einige Schwestern für die Gründung kommen, und dann begaben wir uns mit der genannten Dame nach Malagón; allein das Haus hatte noch keine passende Einrichtung, um einziehen zu können. So mussten wir uns länger als acht Tage in einer Wohnung des Schlosses aushalten.

5. Am Palmsonntag des Jahres 1568 holten uns die Bewohner des Ortes in Prozession ab, und wir betraten verschleiert und mit weißen Mänteln angetan die Kirche. Dort wurde eine Predigt gehalten, und darauf trug man zur großen Erbauung aller Anwesenden das Allerheiligste Sakrament in unser Kloster; ich hielt mich nur kurze Zeit dort auf. Als ich mich eines Tages nach der heiligen Kommunion im Gebete befand, vernahm ich vom Herrn, dass ihm in diesem Hause sehr eifrig werde gedient werden. Soviel ich glaube, verblieb ich dort nicht ganz zwei Monate, weil ich mich innerlich angetrieben fühlte, zur Gründung eines Klosters nach Valladolid mich zu begeben; die Veranlassung dazu werde ich jetzt erzählen.

Zehntes Hauptstück

Stiftung des Klosters zu Valladolid unter dem Namen: Kloster zur Unbefleckten Empfängnis Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel.

1. Vier oder fünf Monate vor der Gründung des Klosters zum heiligen Joseph in Malagón hatte mir ein vornehmer, junger Edelmann bei einer Unterredung gesagt, dass er mir, wenn ich in Valladolid ein Kloster errichten wolle, sehr gerne ein Haus nebst einem überaus schönen und großen Garten mit einem ausgedehnten Weinberg geben und den Besitz sogleich abtreten werde, der bedeutenden Wert hatte. Ich ging darauf ein, obwohl ich nicht recht entschlossen war, dort ein Kloster zu gründen, weil der Besitz eine Viertelmeile von der Stadt entfernt war; allein ich dachte mir, leichter in die Stadt kommen zu können, wenn wir uns einmal dort niedergelassen hätten. Und da er dieses Besitztum so gutherzig anbot, so wollte ich weder sein gutes Werk zurückweisen, noch diesen Akt der Frömmigkeit verhindern.

2. Nach ungefähr zwei Monaten befiel ihn plötzlich eine so heftige Krankheit, dass er die Sprache verlor und nicht mehr gut beichten konnte, wenn er auch durch deutlich wahrnehmbare Zeichen den Herrn um Verzeihung anflehte; kurz darauf verschied er, weit entfernt von dem Orte, wo ich mich aufhielt. Da offenbarte mir der Herr, sein Seelenheil sei in großer Gefahr gewesen, aber er habe Barmherzigkeit gefunden wegen des Dienstes, den er der Mutter (des Herrn) durch jenes Haus erwiesen, das er zur Errichtung eines Klosters ihres Ordens zum Geschenk gemacht habe. Er werde aber nicht eher aus dem Fegfeuer kommen, bis die erste Messe in seinem Hause gelesen sei, erst dann werde er erlöst werden. Die großen Peinen dieser Seele standen mir so lebendig vor Augen, dass ich die Gründung in Toledo, die ich gerne noch vorher vorgenommen hätte, für jetzt aufschob und mich möglichst beeilte, die Stiftung in Valladolid, so gut es ging, zu vollziehen.

3. Indessen konnte die Sache nicht so beschleunigt werden, wie ich gewünscht hätte; denn ich sah mich gezwungen, im St. Josephskloster zu Ávila, dessen Leitung mir anvertraut war, sowie auch im St. Josephskloster zu Medina del Campo, wo ich durchreiste, einige Tage zu verweilen. Als ich mich dort eines Tages im Gebete befand, sagte mir der Herr, ich möchte mich beeilen, da jene Person große Pein leide. Obgleich ich noch nicht viele Vorbereitungen getroffen, ging ich dennoch ans Werk und kam am Feste des heiligen Laurentius nach Valladolid. Als ich das Haus sah, wurde ich sehr betrübt; ich sah ein, welche Torheit es wäre, wenn die Nonnen, um hier wohnen zu können, sich so große Kosten aufbürden wollten. Auch musste das Haus, wenn es auch wegen des schönen Gartens eine anmutige Lage hatte, ungesund sein, weil es an einem Flusse lag.

4. Trotz der Ermüdung von der Reise wollte ich doch zur heiligen Messe in ein Kloster unseres Ordens gehen, das am Eingang in die Stadt lag; infolge der weiten Entfernung vermehrte sich mein Schmerz. Ich sagte indessen meinen Gefährtinnen nichts davon, um ihnen nicht den Mut zu benehmen, und ich hatte immer noch eine, wenn auch schwache Hoffnung, der Herr werde mir, nachdem er mich zur Beschleunigung dieser Stiftung angetrieben, zu Hilfe kommen. Ich ließ also in aller Stille Arbeiter kommen und Lehmwände aufrichten, und was sonst nötig war für ein Leben in der Klausur. In unserer Begleitung befand sich ein schon genannter Geistlicher, Julian de Ávila, und einer von den zwei Ordensmännern, die den Wunsch äußerten, unbeschuhte Karmeliten zu werden; dieser wollte sehen, welche Lebensweise wir in diesen Klöstern führten. Julian de Ávila bemühte sich, die Erlaubnis des Ordinarius zur Gründung zu erwirken, der mir schon vor meiner Hinreise große Hoffnungen gemacht hatte. Diese Angelegenheit konnte jedoch nicht so schnell erledigt werden, dass wir noch vor dem Sonntag die Erlaubnis erhielten; man gestattete uns aber die Messe an dem Orte zu lesen, den wir für die Kapelle bestimmt hätten; so geschah es auch.

5. Ich dachte gar nicht daran, dass damals schon in Erfüllung gehen sollte, was ich über die Seele jenes Stifters vernommen; denn die Worte »bei der ersten heiligen Messe« fasste ich so auf, als wären sie zu verstehen von jener Messe, bei der das allerheiligste Sakrament eingesetzt würde. Als sich nun der Priester mit dem Allerheiligsten Sakramente in der Hand dem Orte näherte, wo wir kommunizierten, und ich zum Empfange der heiligen Kommunion hintrat, da erschien mir neben dem Priester jener Edelmann mit glänzendem und fröhlichem Antlitz und dankte mir mit gefalteten Händen für das, was ich für ihn getan, um ihn aus dem Fegfeuer zu befreien; darauf schwang sich seine Seele zum Himmel empor.

6. Ich konnte in Wahrheit diesen Gedanken nicht fassen, als ich zum erstenmal erfuhr, dass er auf dem Wege des Heiles sei, vielmehr war ich sehr in Angst und Sorge für ihn, weil ich nach seiner Lebensweise eine andere Todesart zur Erreichung der Seligkeit für notwendig erachtete. Wenn er auch gute Eigenschaften hatte, so war er doch sehr in die Eitelkeiten der Welt verstrickt; übrigens hatte er meinen Gefährtinnen gestanden, dass er sehr oft an den Tod denke. Es ist wunderbar, wie angenehm unserem Herrn jeder Dienst ist, den man seiner Mutter erweist, und seine Barmherzigkeit ist groß. Er, der unsere so geringen und wertlosen Werke so groß und kostbar macht und sie mit ewigem Leben und ewiger Glorie belohnt, sei für alles gelobt und gepriesen!

7. Als der 15. August des Jahres 1568, das Fest der Aufnahme Unserer Lieben Frau herankam, nahmen wir Besitz von diesem Kloster. Da wir aber fast alle sehr krank wurden, so blieben wir nicht lange an diesem Orte. Dies bemerkte eine Dame jener Stadt, namens Doña Maria de Mendoza, die Gemahlin des Komtur Cobos und die Mutter des Marquis de Camarasa; sie ist eine sehr christliche Frau und voll Nächstenliebe, wovon ihre zahlreichen und großen Almosen Zeugnis ablegen. Sie hatte mir schon, bevor ich mit ihr zusammentraf, viel Gutes erwiesen; denn sie ist die Schwester des Bischofs von Ávila und hat uns bei der Stiftung des ersten Klosters und bei allen übrigen Angelegenheiten des Ordens sehr große Dienste erwiesen. Als sie in ihrer überaus großen Liebe zu uns bemerkte, dass wir dort nur mit großen Schwierigkeiten bleiben konnten, da der Ort so ungesund war und wir zu weit entfernt waren (von der Stadt), um Almosen zu empfangen, so machte sie uns den Vorschlag, ihr dieses Haus zu überlassen, wofür sie uns dann ein anderes kaufen wollte. Dies tat sie auch, und das Haus, das sie uns dafür gab, war viel mehr wert; sie versorgt uns bis jetzt mit allem, was wir nötig haben, und will dies, solange sie lebt, auch weiterhin tun.

8. Am Feste des heiligen Blasius zogen wir in feierlicher Prozession in jenes Haus ein, wobei uns das Volk große Verehrung erwies. Diese Zuneigung des Volkes hat nie aufgehört; denn der Herr erweist diesem Kloster in vielfacher Beziehung seine große Barmherzigkeit und hat einige Seelen dorthin berufen; ihre Heiligkeit wird zu seiner Zeit offenbar werden, damit der Herr gepriesen werde, der durch solche Mittel seine Werke verherrlichen und seinen Geschöpfen Gnade erweisen will.

9. Es trat dort ein Mädchen von sehr jugendlichem Alter ein, das durch die Verachtung der Welt zu verstehen gab, was sie wert sei. Ich glaubte dies hier erzählen zu müssen, damit jene Scham empfinden, die die Welt so sehr lieben, und sich an ihr die Jungfrauen ein Beispiel nehmen, denen der Herr fromme Begierden und Eingebungen verleiht, um sie ins Werk zu setzen.

10. In Valladolid lebte eine Dame namens Doña Maria de Acuña, die Schwester des Grafen de Buendia; sie war verheiratet mit dem Statthalter von Kastilien. Nach dem Tode ihres Gatten blieb sie mit einem Sohne und zwei Töchtern Witwe, obwohl sie noch sehr jung war. Sie führte von da an ein so heiliges Leben und erzog ihre Kinder so tugendhaft, dass der Herr ihr die Gnade erwies, diese Kinder zu seinem Dienste zu berufen; doch ich habe mich geirrt, sie hatte drei Töchter. Die eine von ihnen wurde sogleich Nonne; eine andere wollte nicht heiraten, sondern führte mit ihrer Mutter ein sehr erbauliches Leben. Der noch junge Sohn lernte allmählich die Eitelkeit der Welt kennen und erhielt von Gott einen so entschiedenen Beruf zum Ordensleben, dass ihn niemand davon abbringen konnte. Seine Mutter war darüber hoch erfreut und ihm ohne Zweifel nächst dem Herrn durch ihr Gebet sehr dazu behilflich, ohne es ihre Verwandten merken zu lassen. Wenn nämlich der Herr eine Seele zu sich rufen will, so sind die Geschöpfe nicht imstande, dies zu verhindern. So geschah es auch hier; nachdem man drei Jahre lang alles aufgeboten hatte, um ihn (von seinem Berufe) abwendig zu machen, trat er in die Gesellschaft Jesu. Ein Beichtvater dieser Dame erzählte mir, sie habe ihm gesagt, dass sie nie in ihrem Leben eine so große Freude empfunden habe als am Tage, an dem ihr Sohn seine Profeß ablegte.

11. O Herr, welch große Gnade erweisest du jenen, denen du Eltern schenkst, die ihre Kinder so innig lieben, dass sie wünschen, diese möchten ihre Güter, Majorate und Reichtümer in jener Glückseligkeit besitzen, die nie ein Ende nehmen wird! Es ist zu tief zu beklagen, dass die Welt jetzt in solchem Elend und so großer Blindheit darnieder liegt, dass die Eltern meinen, ihre Ehre bestehe darin, stets an den Unrat dieser irdischen Güter zu denken, während doch ihr Ansehen nicht aus dem hervorgehen kann, was früher oder später ein Ende nehmen muss. Alles, was endlich ist, hört einmal auf, mag es auch noch so lange dauern, und ist darum für nichts zu achten. Wollen sie denn auf Kosten ihrer armen Kinder ihre Eitelkeit nähren und in ihrer großen Verwegenheit Gott Seelen entziehen, die er für sich erwählen will, und diesen Seelen selbst ein so großes Gut rauben? Abgesehen von dem ewigen Gute, zu dessen Genuss Gott die Seelen einladet, wäre es schon ein unschätzbarer Vorteil, sich frei zu wissen von der Dienstbarkeit und den Gesetzen der Welt, die um so drückender sind, je mehr man von der Welt besitzt. Öffne ihnen doch, o mein Gott, die Augen und lass sie die wahre Liebe erkennen, die sie ihren Kindern zu erweisen schuldig sind, um ihnen kein so großes Übel zuzufügen, damit diese sich nicht vor Gott am Tage des letzten Gerichtes beklagen müssen, wo man, wenn auch wider seinen Willen, den Wert aller Dinge erkennen wird!

12. Da also die Barmherzigkeit Gottes diesen Edelmann, Don Antonius de Padilla, den Sohn der genannten Frau Doña de Acuña, in einem Alter von ungefähr 17 Jahren aus der Welt herausführte, verblieben die Güter der älteren Tochter, namens Doña Luise de Padilla; denn der Graf de Buendia hatte keine Kinder, und so erbte Don Antonius diese Grafschaft und die Würde eines Statthalters in Kastilien. Da es nicht zu meinem Gegenstand gehört, so übergehe ich mit Stillschweigen, was dieser Jüngling alles von seinen Verwandten zu leiden hatte, bis er sein Vorhaben ausführen konnte. Wer es weiß, welch großen Wert die Weltleute darauf legen, einen Nachfolger in ihrem Hause zu haben, der wird dies leicht einsehen.

13. O Sohn des ewigen Vaters, Jesus Christus, unser Herr und wahrer König von allem, was ließest du in dieser Welt zurück, das wir, deine Nachkommen, erben könnten? Was anders, o mein Herr, war dein Anteil als Mühseligkeiten, Schmerz und Schmach, was anders als das Kreuzesholz, um an ihm die Qualen des Todes zu erdulden? Wollen wir, o mein Gott, deine wahren Kinder sein und auf dein Erbe nicht Verzicht leisten, so dürfen wir die Leiden nicht fliehen. Dein Wappen sind fünf Wunden. Wohlan, meine Töchter, dies muss auch unser Anteil sein, wenn wir sein Reich erben wollen; denn das, was er mit so vielem Blut erkauft hat, kann nicht erworben werden durch Ruhe und Wohlleben, auch nicht durch Ehrenstellen und Reichtümer.

14. O ihr vornehmen Erdenpilger, öffnet doch um Gottes willen die Augen! Bedenket, dass die wahren Ritter Jesu Christi und Fürsten seiner Kirche, ein heiliger Petrus und ein heiliger Paulus, nicht den Weg gingen, den ihr wandelt! Oder meint ihr etwa, es gebe einen neuen Weg für euch? Glaubet das ja nicht! Beachtet vielmehr, dass euch der Herr den rechten Weg zu zeigen sucht durch so jugendliche Personen, von denen wir setzt eben reden!

15. Ich habe diesen Don Antonius manchmal gesehen und gesprochen; er hätte noch größeren Besitz gewünscht, um alles verlassen zu können. Glücklicher Jüngling und glückliche Jungfrau, die ihr von Gott die Gnade empfangen habt, die Welt in einem Alter mit Füßen zu treten, in dem sie ihre Liebhaber zu beherrschen pflegte! Gepriesen sei der Herr, der euch so große Wohltaten erwiesen hat!

16. Nachdem die Güter (der Familie) der älteren Tochter (Doña Luise) zugefallen waren, legte diese ebenso wenig Wert auf sie, wie ihr Bruder; da sie von Kindheit an dem Gebete sehr ergeben war, durch das ja der Herr Licht zur Erkenntnis der Wahrheit verleiht, so richtete sie die irdischen Güter ebenso gering wie ihr Bruder. O mein Gott, welche Mühen, welche Beschwerden und Prozesse, ja sogar welche Gefahren des Lebens und der Ehre würden viele auf sich genommen haben, um diese Erbschaft zu machen! Sie würden von dem allem nicht wenig auf sich genommen haben, um in deren Besitz zu gelangen. So ist die Welt, deren Torheit wir leicht erkennen könnten, wenn wir nicht blind wären. Um ihre Erbschaft nicht antreten zu müssen, überließ Doña Luise diese sehr gerne ihrer zehn oder elfjährigen Schwester, da sie jetzt keine andere mehr (in der Welt) hatte. Um also den traurigen Fortbestand der Güter (ihrer Familie) zu erhalten, leiteten die Verwandten des Kindes sogleich die Verehelichung mit ihrem Onkel, dem Bruder ihres Vaters, in die Wege, suchten um Dispense beim Heiligen Vater nach und verlobten sie.

17. Aber der Herr ließ nicht zu, dass die Tochter einer so guten Mutter und die Schwester so frommer Geschwister weniger erleuchtet gewesen wäre als diese; und so geschah, was ich hier erzählen will. Als das junge Mädchen an weltlicher Kleiderpracht und weltlichem Putz, der ja für ein Kind ihres Alters verführerisch sein musste, Gefallen zu finden begann, da erleuchtete sie der Herr - sie war noch nicht zwei Monate verlobt - allmählich, wenn sie es auch damals noch nicht verstand, hatte sie im Verkehr mit ihrem Bräutigam, dem sie eine weit größere Zärtlichkeit entgegenbrachte, als es ihrem Alter zustand, einen recht angenehmen Tag zugebracht, so befiel sie eine überaus große Traurigkeit bei dem Gedanken, dass alle Tage ebenso (schnell) wie jener vorübergehen würden.

18. O wie groß ist doch die Macht Gottes! Sie schöpfte aus demselben Vergnügen, das ihr der Genuss der vergänglichen Dinge bereitete, Abscheu vor diesen. Er erfüllte sie allmählich mit solcher Traurigkeit, dass sie diese vor ihrem Bräutigam nicht verbergen konnte. Sie wusste selbst nicht, woher sie kam, und konnte auch jenem die Ursache ihrer Traurigkeit nicht sagen, als er sie zur Rede stellte. Um diese Zeit musste ihr Bräutigam eine Reise machen, die ihn nötigte, sich weit von diesem Orte zu entfernen; sie empfand darüber großen Schmerz, da sie ihn so innig liebte. Aber bald entdeckte ihr der Herr die Ursache ihres Schmerzes, die darin bestand, dass ihre Seele sich nach dem sehnte, was nie ein Ende nehmen soll. Sie fing an zu erwägen, wie ihre Geschwister den sichersten Teil erwählt und sie in den Gefahren der Welt zurückgelassen hätten. Einerseits machte ihr dies viel zu schaffen, andererseits glaubte sie, es gebe für sie keinen Ausweg mehr; sie wusste damals nicht, dass sie, obgleich verlobt, doch noch Nonne werden könnte, bis sie sich darnach erkundigte. Vor allem aber ließ sie die Liebe, die sie zu ihrem Bräutigam trug, zu keinem Entschluss kommen, und so lebte sie fortwährend in großer Qual dahin. Doch der Herr, der sie für seinen Dienst haben wollte, entzog ihr allmählich diese Liebe; und der Wunsch, alles zu verlassen, nahm immer mehr zu.

19. Was ihr damals vor allem am Herzen lag, war das Verlangen, ihre Seele zu retten und die Mittel zu wählen, die ihr dazu als die besten erschienen. Sie fürchtete, dass sie vergessen würde, nach dem Ewigen zu trachten, wenn sie sich allzusehr in weltliche Dinge einließe. Gott selbst verlieh ihr in ihrem noch jugendlichen Alter die Weisheit, die Mittel zu suchen, um zu gewinnen, was nie ein Ende nimmt. Glückliche Seele, die sich so schnell von der Blindheit losmachte, in der so viele noch im Greisenalter enden! Als sie ihr Herz frei sah, beschloß sie, es ganz Gott zu weihen; bisher hatte sie geschwiegen, und nun begann sie, die Angelegenheit mit ihrer Schwester zu besprechen. Diese hielt die Sache anfangs für kindische Einfälle und riet ihr davon ab, indem sie ihr unter anderem nahelegte, dass sie auch im Ehestande selig werden könne. Allein sie gab zur Antwort: »Warum hast du selbst (auf diesen Stand) verzichtet?« Es vergingen einige Tage, und ihr Verlangen nahm immer mehr zu; sie wagte aber nicht, ihrer Mutter etwas davon zu sagen; vielleicht aber war gerade sie es, die durch ihr frommes Gebet den Kampf veranlasst hatte.

Elftes Hauptstück

Fortsetzung der Erzählung, wie Doña Casilda de Padilla ihr heiliges Verlangen, in einen Orden zu treten, erfüllen konnte.

1. Um diese Zeit traf es sich, dass in unserem Kloster zur Empfängnis eine Schwester eingekleidet wurde, über deren Berufung ich vielleicht später berichten werde. Wenn sie auch als Mädchen vom Lande einem anderen Stande angehörte (als Casilda), so wurde sie doch durch die ihr von Gott erteilten großen Gnaden in einer Weise ausgezeichnet, dass sie zur Verherrlichung Seiner Majestät besondere Erwähnung verdient.

2. Als Doña Casilda - so hieß die obenerwähnte, vom Herrn geliebte Seele - mit ihrer Großmutter, die zugleich die Mutter ihres Bräutigams war, dieser Einkleidung beiwohnte, gewann sie eine außerordentliche Vorliebe für dieses Kloster. Sie meinte, hier könnten die Nonnen wegen ihrer geringen Zahl und wegen ihrer Armut eifriger dem Herrn dienen; aber trotzdem konnte sie sich noch nicht entschließen, mit ihrem Bräutigam zu brechen, was sie auch, wie schon erwähnt, am meisten zurückhielt. Sie dachte indessen darüber nach, wie sie vor ihrer Verlobung bestimmte Stunden dem Gebete zu widmen pflegte; es war dies eine Gewohnheit, der ihre fromme und heiligmäßige Mutter oblag und in der auch ihre Kinder aufwuchsen. Vom siebenten Jahre an schickte sie diese von Zeit zu Zeit in eine Hauskapelle, lehrte sie die Betrachtung des Leidens des Herrn und hielt sie zum oftmaligen Empfang der heiligen Beichte an. Auf diese Weise sah sie ihren Wunsch, sie ganz Gott zu weihen, verwirklicht. Sie erzählte mir selbst, dass sie ihre Kinder immer dem Herrn aufgeopfert und ihn gebeten habe, er möge ihr Herz losreißen von der Welt; denn sie war über den Wert der irdischen Dinge vollständig im klaren.

3. Manchmal denke ich darüber nach, welch innigen Dank diese Kinder, wenn sie sich im Genusse der ewigen Güter befinden, ihrer Mutter entgegenbringen werden, die ihnen dazu verholfen hat, und welch besondere Freude diese beim Anblick ihrer Kinder empfinden werde; andererseits aber bedenke ich auch, welche Flüche jene Kinder, die von ihren Eltern nicht zu Kindern Gottes erzogen werden, dem sie doch mehr als ihnen selbst angehören, einst in der Hölle ausstoßen werden, wenn sie einander erblicken, und in welcher Verzweiflung sie sich befinden werden.

4. Doch wir wollen uns wieder unserer Erzählung zuwenden. Als Casilda bemerkte, dass sie jetzt schon beim Beten des Rosenkranzes Widerwillen empfand, befiel sie große Furcht, es möchte immer schlechter mit ihr werden; es schien ihr klar vor Augen zu liegen, dass sie durch den Eintritt in dieses Kloster ihr Heil sicherstellen werde. So fasste sie denn einen entschiedenen Entschluss zum Eintritt.

5. Als sie sich eines Morgens mit ihrer Schwester und ihrer Mutter ins Kloster begab, bot sich Gelegenheit, in dessen Inneres zu gelangen; niemand dachte an das, was Casilda im Sinne hatte. Als sie sich innerhalb der Klausur sah, konnte sie niemand mehr herausbringen. Sie bat unter vielen Tränen, man möge sie bleiben lassen; und ihre Worte waren so rührend, dass alle von Staunen ergriffen wurden. Obwohl ihre Mutter im Herzen darüber hocherfreut war, so fürchtete sie sich doch vor den Verwandten und wollte nicht, dass ihre Tochter für jetzt im Kloster bleibe, damit man nicht etwa sage, sie sei von ihr dazu überredet worden. Auch die Priorin war derselben Ansicht; sie fand Casilda noch für allzu jung und hielt eine strengere Prüfung für nötig.

6. Dies geschah in der Frühe; Mutter und Schwester mussten bei Casilda im Kloster bleiben, bis man am Abend nach ihrem Beichtvater schickte und auch meinen Beichtvater, Pater Magister Dominikus, rufen ließ, den ich schon anfangs erwähnte. Ich selbst war damals nicht dort. Pater Dominikus erkannte sogleich, dass Casilda vom Geiste des Herrn geführt werde; und obwohl er von seiten ihrer Verwandten viel Ungemach ertragen musste, stand er ihr nach Kräften bei. So wie dieser Pater sollten alle handeln, die unserem Herrn dienen wollen, und sich nicht soviel von menschlichen Rücksichten leiten lassen, sobald sie erkennen, dass eine Seele von Gott berufen ist. Er gab ihr also das Versprechen, ihr behilflich zu sein, dass sie am anderen Tage wieder (ins Kloster) zurückkehren könne.

7. Auf eindringliches Zureden hin verließ Casilda diesmal wieder das Kloster, damit die Schuld nicht auf ihre Mutter falle. Da aber ihr sehnsüchtiges Verlangen immer mehr zunahm, benachrichtigte ihre Mutter im geheimen die Verwandten, aber so, dass die Kenntnis davon ihrem Bräutigam verborgen gehalten wurde. Man hielt auf seiten ihrer Verwandten die Sache für Kinderei und sagte, sie möge zuwarten, bis sie das gehörige Alter erreicht habe, denn sie war noch nicht zwölf Jahre alt. Sie aber fragte, warum man sie denn für zu jung halten könne, um sich Gott zu weihen, nachdem man sie doch für alt genug befunden, um sich zu Verehelichen und sich der Welt zu überliefern? So sprach sie, und man konnte daraus leicht ersehen, dass nicht sie es war, die so redete.

8. Diese Angelegenheit konnte indessen nicht so geheim gehalten werden, dass ihr Bräutigam nichts davon erfuhr. Als ihr dies zu Ohren kam, schien es ihr unerträglich, auf seine Rückkunft zu warten. Am Feste der Empfängnis Mariens befand sie sich im Hause ihrer Großmutter, die zugleich ihre zukünftige Schwiegermutter war und von diesem Vorfalle nichts wusste. Da bat sie diese flehentlich, man möchte sie mit ihrer Erzieherin ins Freie gehen lassen, um sich ein wenig zu erheitern. Diese ließ sie, um ihr Freude zu machen, mit ihrer Dienerschaft in einem Wagen ausfahren. Casilda gab nun einem aus der Dienerschaft Geld und bat ihn, einige Bündel Rebholz zu kaufen und sie an der Pforte unseres Klosters zu erwarten. Unterdessen ließ sie den Wagen so fahren, dass man sie auf Umwegen vor dieses Kloster führte. An der Pforte angelangt, bemerkte sie, man möge an der Winde um einen Krug Wasser bitten, aber nicht sagen für wen, und stieg eiligst vom Wagen. Man gab zur Antwort, dass man ihr Wasser bringen werde, allein sie wies es zurück. Die Rebholzbündel waren schon da, und sie bat, man möge jemand an die Pforte kommen lassen, um die Bündel in Empfang zu nehmen; dabei stellte sie sich hart an die Türe, und als man sie öffnete, drängte sie sich hinein ins Kloster, umfasste eiligst die Statue Unserer Lieben Frau und bat die Priorin unter Tränen, sie nicht mehr hinauszustoßen.

9. Die Dienerschaft erhob großes Geschrei und pochte heftig an der Pforte. Casilda begab sich nun ans Sprechgitter, um mit ihnen zu sprechen, und erklärte, dass sie auf keine Weise mehr das Kloster verlassen werde; sie möchten sich entfernen und es ihrer Mutter sagen. Die Frauenspersonen, die sie begleiteten, erhoben lautes Wehklagen, aber dies alles machte auf sie wenig Eindruck. Als man ihrer Großmutter diese Neuigkeit meldete, wollte sie sich sofort dorthin begeben. Allein weder sie, noch der Onkel Casildas, noch auch ihr Bräutigam, der nach seiner Rückkehr sie dringend am Gitter zu sprechen wünschte, erreichten etwas anderes, als dass sie ihr durch ihre Gegenwart lästig fielen; sie wurde dadurch nur um so unerschütterlicher. Als ihr Bräutigam nach vielem Wehklagen zu ihr sagte, dass sie Gott weit mehr durch Spendung von Almosen dienen könne, entgegnete sie ihm, dies möge nur er selbst tun. Auf andere Vorstellungen gab sie zur Antwort, dass sie vor allem für ihr Seelenheil zu sorgen verpflichtet sei; sie fühle sich schwach und sehe ein, dass sie inmitten der Gefahren der Welt ihr Seelenheil verscherzen werde; er habe keine Ursache, sich über sie zu beklagen, weil sie ihn nur aus Liebe zu Gott verlassen habe; sie füge ihm deshalb auch kein Unrecht zu. Als sie merkte, dass er durch nichts befriedigt werden konnte, erhob sie sich und ließ ihn allein. Er hatte sie durchaus nicht wankend gemacht, im Gegenteil, sie wurde vielmehr seiner überdrüssig. Denn wenn Gott einer Seele das Licht der Wahrheit sendet, so gereichen ihr die Versuchungen und Hindernisse, die der Teufel ihr bereitet, nur zur größeren Förderung, da Seine Majestät selbst für sie streitet. Dies trat auch hier klar an Casilda zutage; denn allem Anscheine nach war nicht sie es, die so sprach.

10. Als ihr Bräutigam und ihre Verwandten merkten, wie wenig sie imstande waren, sie auf gütlichem Wege zum Verlassen des Klosters zu bewegen, suchten sie dies mit Gewalt zu erreichen. Sie erwirkten eine königliche Vollmacht, kraft der sie Casilda aus dem Kloster entfernen und in Freiheit setzen konnten. Während der ganzen Zeit vom Feste Mariä Empfängnis bis zum Tage der unschuldigen Kinder, an dem man sie abholen ließ, verweilte sie, ohne das Ordenskleid zu tragen, im Kloster und machte mit der größten Freude alle religiösen Übungen mit, gleich als ob sie schon Nonne wäre. An diesem Tage kamen Gerichtsbeamte und brachten sie in das Haus eines Edelmannes. Sie folgte unter heftigen Tränen und fragte sie: »Warum quält man mich denn so, da es doch nichts nützen wird?« Dort suchten sie sowohl Ordensleute als auch andere Personen mit allen Mitteln zur Vernunft zu bringen; die einen hielten ihr Benehmen für Kinderei, die anderen sprachen den Wunsch aus, sie möge sich am Besitze ihrer Güter erfreuen.

11. Es würde zu weit führen, wollte ich diesen Wortwechsel und die Art und Weise berichten, wie Casilda sich allen gegenüber verteidigte. Sie waren über ihre Antworten ganz erstaunt. Als man nun sah, dass nichts zu erreichen sei, brachte man sie in das Haus ihrer Mutter, um sie dort für einige Zeit zurückzubehalten. Diese war der großen Unruhen müde und stand ihr in keiner Weise bei, sondern schien sogar wider sie zu sein. Vielleicht geschah dies nur, um sie noch mehr zu prüfen. So hat mich wenigstens nachher die Mutter versichert, und sie ist so fromm, dass man ihren Worten Glauben schenken muss. Allein das Mädchen verstand dies nicht; und auch ein Beichtvater, dem sie ihre Beichte ablegte, war so sehr dagegen, dass sie niemand hatte, der sie tröstete, als Gott und eine Dienerin ihrer Mutter.

12. So verlebte sie unter großen Leiden und vieler Betrübnis die Zeit, bis sie ihr zwölftes Lebensjahr vollendet hatte. Da vernahm sie, dass man sie als Nonne in ein Kloster bringen wolle, in dem sich ihre Schwester befand, weil dort keine so große Strenge herrschte; denn man war zur Einsicht gekommen, dass man sie von ihrem Vorhaben nicht abbringen könne. Als sie dies erfahren hatte, war sie fest entschlossen, alles aufzubieten, um ihr Vorhaben auszuführen. Eines Tages ging sie mit ihrer Mutter zur heiligen Messe; während diese, in der Kirche angekommen, in den Beichtstuhl sich begab, um zu beichten, bat Casilda ihre Erzieherin, zu einem der Patres zu gehen, damit er für sie eine heilige Messe lese. Sobald diese sich entfernt hatte, steckte sie ihre Überschuhe in den Ärmel, hob ihr Schleppkleid auf und eilte so schnell sie konnte in unser Kloster, das sehr weit entfernt lag.

13. Da die Erzieherin sie nicht mehr in der Kirche fand, eilte sie ihr nach; und als sie ihr nahe kam, bat sie einen Mann, er möge sie aufhalten. Dieser aber erzählte später, dass er sich unmöglich von der Stelle habe bewegen können, und so habe er sie forteilen lassen. Sobald Casilda durch die erste Pforte des Klosters eingetreten war, schloß sie diese und fing an zu rufen; und als ihre Erzieherin ankam, befand sie sich schon im Innern des Klosters. Man gab ihr sogleich das Ordenskleid; und so konnte sie ihr frommes Vorhaben, das Gott in ihr Herz gelegt, verwirklichen. Seine Majestät belohnte sie in kurzer Zeit mit übernatürlichen Gunstbezeigungen, und sie diente ihm mit größter Freude, in tiefster Demut und gänzlicher Losschälung von allem Irdischen. Er sei gepriesen in Ewigkeit, dass er einer Person, die vorher so große Freude hatte an zierlichem, prächtigem Kleiderschmuck, eine so große Liebe zu dem ärmlichen Gewande aus schlechtem Wollenzeug einflößte! Aber selbst diese Kleider konnten ihre einnehmende Schönheit nicht verbergen, da der Herr sie mit diesen natürlichen Gaben ebenso ausgestattet hatte, wie mit geistigen Anlagen und Verständnis von so anziehender Art, dass alle zum Lobpreis Seiner Majestät hingerissen wurden. Möchten doch recht viele ebenso wie sie dem göttlichen Gnadenruf Folge leisten!

Zwölftes Hauptstück

Leben und Tod einer Nonne, namens Beatrix von der Menschwerdung, die Unser Herr in dasselbe Kloster geführt hat. Ihr Leben und ihr Tod zeugen von so hoher Vollkommenheit, dass es billig ist, ihrer zu gedenken.

14. In dieses Kloster war auch ein junges Mädchen eingetreten namens Doña Beatrix Oñez, die mit Doña Casilda verwandt war. Ihr Eintritt erfolgte einige Jahre früher, und alle waren erstaunt beim Anblick der großen Tugenden, die der Herr dieser Seele verliehen. Die Nonnen und die Priorin bezeugen, dass sie während ihres ganzen Lebens nie an ihr etwas bemerkt hätten, was man als Unvollkommenheit ansehen könnte. Nie gewahrten sie, dass sie irgendwie ihr Äußeres veränderte; stets legte sie eine bescheidene Fröhlichkeit an den Tag, so dass man wohl mit Recht auf die innere Freude schließen konnte, die ihre Seele erfüllte. Ihr Stillschweigen fiel niemand lästig; obwohl sie es aufs genaueste beobachtete, konnte man an ihr doch keine Sonderheit wahrnehmen. Nie sprach sie ein Wort, das man an ihr hätte tadeln können; nie sah man, dass sie widersprach oder sich entschuldigte, wenn die Priorin, um sie zu prüfen, auf sie etwas schieben wollte, was sie nicht getan hatte, wie ja diese Art der Abtötung in unseren Klöstern gewöhnlich in Übung ist. Nie beklagte sie sich über irgendeine Sache oder über eine Schwester, noch zeigte sie sich in einem Amte, das ihr übertragen wurde, durch eine Miene oder ein Wort verdrießlich gegen eine Mitschwester. Nie ergab sich ein Anlass, an eine Unvollkommenheit von ihrer Seite auch nur zu denken oder ihr im Kapitel einen Vorwurf zu machen, obwohl bei dieser Gelegenheit die Zelatorinnen auch die geringsten Fehler, die sie bemerken, zur Anzeige bringen müssen. In all diesen Dingen zeigte sich an ihr sowohl innerlich als äußerlich die vollkommenste Harmonie. Dies hatte darin seinen Grund, dass sie sich beständig die Ewigkeit und das Ziel, zu dem uns Gott erschaffen, lebendig vor Augen stellte. Ohne Unterlass hatte sie das Lob Gottes und Akte innigster Dankbarkeit gegen ihn auf den Lippen; mit einem Worte, ihr ganzes Leben war ein beständiges Gebet.

15. In Bezug auf den Gehorsam begierig sie nie einen Fehler; sie verrichtete alles, was man ihr befahl, mit Pünktlichkeit, Vollkommenheit und Freude. Ihre Liebe zum Nächsten war überaus groß, so dass sie, wie sie sagte, sich für jede einzelne Seele gerne in tausend Stücke hätte zerreißen lassen, damit sie nicht verlorengehe, sondern sich bei ihrem Bruder Jesus Christus - so nannte sie unseren Herrn - er- freuen könnte. Ihre überaus großen Leiden, ihre schrecklichen Krankheiten und heftigsten Schmerzen ertrug sie, wie ich später sagen werde, so gerne und freudig, als wären sie liebliche Genüsse und Wonnen. Unser Herr hat sie ohne Zweifel mit innerer Wonne erquickt, sonst hätte sie diese Leiden nicht mit solcher Freude ertragen können.

16. Es ereignete sich einmal, dass in dieser Stadt Valladolid einige schwere Verbrecher zum Feuertode geführt wurden. Sie musste erfahren haben, dass diese nicht mit so guter Vorbereitung zum Tode gingen, als es notwendig gewesen wäre; dies erfüllte sie mit solchem Schmerze, dass sie sich ganz betrübt an unseren Herrn wandte und ihn unter heißem Flehen um die Rettung dieser Seelen bat. Sie bot sich an, zur Sühne für ihre Fehler, oder um die Erhörung ihrer Bitte zu erlangen - ich weiß nicht mehr genau, welche Worte sie gebrauchte - während ihres ganzen Lebens alle Leiden und Peinen auf sich zu nehmen, die sie ertragen könne. Noch in derselben Nacht wurde sie zum ersten Male vom Fieber ergriffen und war von da an bis zu ihrem Tode leidend. Jene Verbrecher aber starben gut, woraus man schließen kann, dass Gott ihr Gebet erhörte.

17. Bald darauf verursachte ihr ein Geschwür in den Eingeweiden so entsetzliche Schmerzen, dass ihr, um sie mit Geduld zu ertragen, die Gnaden wohl sehr notwendig waren, die der Herr ihrer Seele verlieh. Da das Geschwür innerlich war, blieb jede Medizin erfolglos, bis der Herr zuließ, dass es sich öffnete und der Eiter herausfloß; daraufhin empfand sie einige Erleichterung in diesem Übel. Doch ihrer Freude am Leiden genügte dies wenige nicht. Als sie eines Tages eine Predigt über das Kreuz hörte, wuchs ihr Verlangen nach Leiden derart, dass sie sich, wieder in die Zelle gekommen, unter heftigen Tränen auf ihr Bett warf. Auf die Frage, was vorgefallen sei, gab sie zur Antwort: »Bittet Gott, dass er mir viele Leiden schicke; damit werde ich befriedigt werden.«

18. Mit der Mutter Priorin besprach sie alle ihre Seelenangelegenheiten, und dies war für sie ein Trost. Während ihrer ganzen Krankheit fiel sie niemanden auch nur im geringsten lästig; sie tat nur, was die Krankenwärterin wollte, selbst wenn es sich nur um einen Trunk Wassers handelte. Das Verlangen nach Leiden, wenn man davon verschont ist, ist bei Seelen, die dem Gebet ergeben sind, etwas sehr Gewöhnliches; aber sich freuen, wenn man von Leiden heimgesucht wird, das ist nicht Sache vieler. Beatrix war schon so schwer krank, dass ihr Leben nicht mehr lange währen konnte; nebst diesen übergroßen Schmerzen hatte sich auch ein Geschwür am Schlunde gebildet, so dass sie nichts hinunterschlucken konnte. Als sie die Priorin eines Tages in Anwesenheit einiger Schwestern zu trösten und zur Ertragung dieser großen Schmerzen zu ermutigen suchte, antwortete sie, dass sie kein Leid empfinde und mit keiner Schwester tauschen wolle, die sich einer vollkommenen Gesundheit erfreue. Sie hatte den Herrn, für den sie litt, so vor Augen, dass sie auf alle mögliche Weise ihre großen Schmerzen zu verheimlichen suchte, damit man nichts davon merken konnte, und so kam höchst selten eine Klage über ihre Lippen, wenn nicht der Schmerz überaus heftig war. Sie war überzeugt, dass es auf Erden kein elenderes Geschöpf gebe als sie, und bewies so, wie man wahrnehmen konnte, in allem eine tiefgegründete Demut.

19. Wenn man von den Tugenden anderer sprach, empfand sie überaus große Freude; in der Übung der Abtötung war sie äußerst streng. Sie wusste so geschickt auf jede Art Annehmlichkeit Verzicht zu leisten, dass man es gar nicht merkte, wenn man nicht eigens Obacht gab. Es schien, als ob sie nicht mehr lebte und mit den Geschöpfen sich befasste, so wenig achtete sie auf alles. Wie auch immer die Verhältnisse sich gestalten mochten, sie ertrug alles mit solcher Ruhe, dass man immer denselben Gleichmut an ihr wahrnahm, auch als eines Tages eine Schwester zu ihr sagte, dass sie jenen Personen gleiche, die so sehr auf ihre Ehre versessen sind, dass sie lieber Hungers sterben, als ihr Elend nach außen hin merken lassen wollten; man konnte in der Tat nicht glauben, dass sie gewissen Dingen gegenüber unempfindlich sei, obwohl man so wenig an ihr merkte.

20. Bei all ihren Arbeiten und Beschäftigungen in den ihr übertragenen Ämtern hatte sie einen so erhabenen Zweck im Auge, dass sie nichts von dem Verdienste verlorengehen ließ; darum sagte sie zu den Schwestern: »Das unbedeutendste Werk, das man Gott zuliebe tut, ist von unschätzbarem Werte; wir sollten, meine Schwestern, nicht einmal die Augen bewegen, außer nur zu diesem Zwecke und um Gott zu gefallen.« Nie mischte sie sich in eine Sache ein, die sie nichts anging, und so gewahrte sie auch an niemand einen Fehler, außer nur an sich. Es war ihr so peinlich, wenn man über sie etwas Gutes sagte, dass sie sich sorgfältig in acht nahm, Gutes über andere in deren Gegenwart zu sagen, um sie nicht zu betrüben.

21. Nie suchte sie Trost an etwas Erschaffenem, noch auch Erholung an einem Spaziergang im Garten; denn es wäre unschön, sagte sie, Linderung in den Leiden zu suchen, die unser Herr ihr sende. Darum bat sie auch nie um etwas, sondern war zufrieden mit dem, was man ihr gab. Sie sagte auch, dass es für sie eine Qual wäre, in etwas anderem Trost zu suchen als in Gott. Kurz, ich erkundigte mich bei allen Nonnen des Klosters und fand keine einzige, die an dieser Seele etwas wahrgenommen hätte, das nicht von großer Vollkommenheit zeugte.

22. Als die Zeit herannahte, in der sie unser Herr von diesem Leben abrufen wollte, vergrößerten sich ihre Schmerzen und alle in ihr vereinten Leiden so sehr, dass die Schwestern, die sie öfters besuchten, beim Anblick der Freude, womit sie diese ertrug, unseren Herrn nur lobpreisen konnten. Der Kaplan, der ein eifriger Diener Gottes ist und Beichtvater dieses Klosters war, hatte ein besonderes Verlangen, bei ihrem Tode anwesend zu sein. Da er ihr Gewissen kannte, hielt er sie für eine Heilige. Gott ließ zu, dass dieser Wunsch in Erfüllung ging; nachdem sie die letzte Ölung empfangen hatte, ließ man ihn rufen, während sie noch vollständig bei Bewusstsein war, um ihr noch, wenn es in dieser Nacht notwendig wäre, eine kurze Beichte abzunehmen und beim Sterben beizustehen. Kurz vor neun Uhr, etwa eine Viertelstunde vor ihrem Hinscheiden, als alle Schwestern mit dem Beichtvater um sie versammelt waren, verließen sie auf einmal alle Schmerzen; voll himmlischen Friedens erhob sie ihre Augen, und es zeigte sich auf ihrem Antlitze eine so innige Freude, dass es gleichsam zu erglänzen schien. Es war, als ob sie etwas wahrnehme, das ihr Freude bereite, da sie zweimal lächelte. Alle Umstehenden und der Priester selbst empfanden darüber eine so tiefgehende Herzensfreude und Wonne, dass sie glaubten, schon im Himmel zu sein. Inmitten dieser Freude gab sie, die Augen zum Himmel erhoben, ihren Geist auf; sie war wie ein Engel anzusehen. Nach unserem Glauben und nach ihrem Wandel können wir darum zuversichtlich annehmen, dass Gott sie in die ewige Ruhe aufgenommen habe zum Lohne für ihr großes Verlangen, um seinetwillen zu leiden.

23. Der Kaplan behauptet, und er sagte es auch zu vielen Personen, dass er in dem Augenblicke, als man den Leichnam in das Grab hinabsenkte, einen durchdringenden und überaus lieblichen Wohlgeruch wahrgenommen habe. Auch die Sakristanin versichert, sie habe an all dem Wachse, das bei den kirchlichen Exequien und bei ihrer Beerdigung brannte, nicht die geringste Minderung wahrgenommen; das alles ist von der göttlichen Erbarmung wohl anzunehmen. Als ich mich hierüber mit einem Beichtvater aus der Gesellschaft Jesu, dem sie viele Jahre lang gebeichtet und ihre Seelenangelegenheiten anvertraut hatte, besprach, sagte er, es sei dies nichts Außergewöhnliches, und er wundere sich nicht, da er wisse, wie vertraulich unser Herr mit ihr verkehrte. Seine Majestät möge gewähren, meine Töchter, dass wir Nutzen zu ziehen wissen aus dem Beispiele einer so heiligen Mitschwester und vieler anderer, die der Herr uns in diese Klöster gesendet hat! Vielleicht werde ich noch einiges davon erzählen, damit jene, die etwas lau sind, zur Nachfolge angeeifert werden und wir alle den Herrn lobpreisen, der seine Großtaten an so schwachen Frauen hervorleuchten lässt.

Dreizehntes Hauptstück

Wie und durch wen das erste Kloster der unbeschuhten Karmeliten nach der ursprünglichen Regel im Jahre 1568 seinen Anfang nahm.

1. Schon ehe ich die Stiftung zu Valladolid vornahm, war ich, wie schon erwähnt, mit Pater Antonius von Jesu, dem damaligen Prior des Karmelitenklosters zur heiligen Anna in Medina, und mit Pater Johannes vom Kreuz darin übereingekommen, dass sie als die ersten eintreten sollten, wenn ein Kloster der Unbeschuhten nach der ursprünglichen Regel gestiftet werde; da ich noch keine Mittel hatte, ein Haus zu erwerben, so konnte ich nichts anderes tun, als diese Angelegenheit unserem Herrn zu empfehlen. Was die genannten beiden Patres betrifft, so war ich mit ihnen zufrieden. Den Pater Antonius von Jesu hatte der Herr das ganze Jahr hindurch, seitdem ich mich mit ihm besprochen, noch mit schweren Leiden heimgesucht, die er mit großer Geduld ertrug. Für Pater Johannes vom Kreuz war keine Prüfung notwendig; denn obwohl er unter den Vätern der gemilderten Regel lebte, so führte er doch immer ein Leben hoher Vollkommenheit und strenger Ordenszucht.

2. Unser Herr hat auch alles übrige geordnet, nachdem er mir zum Beginn (der Stiftung) die Hauptsache, nämlich die (beiden) Ordensmänner gegeben hatte. Ein Edelmann aus Ávila namens Don Raphael, mit dem ich nie gesprochen, brachte - ich weiß nicht wie, da ich mich nicht mehr erinnere - in Erfahrung, dass man damit umgehe, ein Kloster der Unbeschuhten (Karmeliten) zu gründen. Er kam zu mir und bot sich an, mir ein Haus zu geben, das er an einem Orte hatte, in dem sich nur sehr wenige Einwohner befanden - ich glaube, es waren nicht mehr als zwanzig; ich erinnere mich indessen nicht mehr genau. Dieses Haus diente einem Pächter, der die Pachtabgaben an Getreide in der Gegend einsammeln musste. Obwohl ich mir denken konnte, wie das Haus aussehen musste, so pries ich doch unsern Herrn und dankte ihm dafür von ganzem Herzen. Der Edelmann sagte mir, dieses Haus liege auf dem Wege nach Medina del Campo; da ich ja ohnehin durch diese Stadt reisen müsste, um in Valladolid eine Stiftung vorzunehmen, so könnte ich es in Augenschein nehmen; es sei dies der gerade Weg. Ich versprach ihm, es zu tun, und hielt auch Wort. Ich machte mich im Monat Juni auf den Weg, und zwar mit einer Begleiterin und mit dem schon erwähnten Priester, Pater Julian de Ávila, dem Kaplan des St.JosephsKlosters, der mir auf diesen Reisen zur Seite stand.

3. Wir reisten in aller Frühe ab, verirrten uns aber, weil wir des Weges unkundig waren; da der Ort wenig bekannt war, so konnte man uns darüber nicht viel Aufschluss geben. Die Sonne brannte sehr glühend hernieder, weshalb uns dieser Tag recht beschwerlich wurde; als wir schon am Ziele zu sein glaubten, mussten wir noch einen gleichlangen Weg zurücklegen. Ich vergesse niemals die Ermüdung und das Umherirren auf dieser Reise. Dies war die Ursache, dass wir erst kurz vor der Nacht ankamen; als wir das Haus betraten, fanden wir es in einem solchen Zustand, dass wir es nicht wagten, dort zu übernachten; es sah äußerst unreinlich aus, und überdies wohnten viele Erntearbeiter darin. Das Haus hatte eine ansehnliche Vorhalle, eine Doppelkammer mit einem Speicher und eine kleine Küche; aus diesen Räumlichkeiten bestand unser ganzes Kloster. Ich dachte mir, dass man die Vorhalle als Kapelle, den Speicher als Chor - er paßte dazu sehr gut - und das Zimmer als Schlafstätte benützen könnte. Meine Begleiterin, die viel frömmer und weit bußfertiger war als ich, konnte es gar nicht fassen, dass ich hier ein Kloster zu gründen im Sinne hatte, und sagte zu mir: »Wahrhaftig, Mutter, einen solchen Geist hat keiner, dass er es hier auszuhalten vermag, so fromm er auch sein mag; geben Sie doch den Gedanken an eine solche Stiftung auf!« Der mich begleitende Pater hatte dieselbe Ansicht wie meine Gefährtin; als ich ihm aber meinen Plan darlegte, widersprach er mir nicht mehr. Wir begaben uns nun in die Kirche, um dort zu übernachten; denn infolge unserer großen Ermüdung wollten wir die Nacht nicht durchwachen.

4. Als wir in Medina angekommen waren, besprach ich mich sogleich mit Pater Antonius. Ich schilderte ihm die Verhältnisse und fragte ihn, ob er Mut habe, eine Zeitlang an diesem Orte zu bleiben; Gott werde sicher bald helfen, da alles nur vom Anfang abhänge. Ich hatte, wie mir scheint, das, was der Herr später getan, so lebendig und so sicher vor Augen wie jetzt, wo ich es sehe; ja, es trat damals noch weit mehr vor mein Auge, was ich bis jetzt nicht gesehen habe, trotzdem bis zur Stunde, in der ich dieses schreibe, durch die Güte Gottes zehn Klöster der Unbeschuhten bestehen. Ich fügte hinzu, er möge überzeugt sein, dass uns weder der frühere noch der spätere Provinzial die Erlaubnis geben würde - und ihre Zustimmung war, wie schon anfangs erwähnt, notwendig -, wenn sie uns in einem wohleingerichteten Hause sähen; übrigens könnten wir uns jetzt nicht anders helfen, und sie würden keine Schwierigkeiten machen, wenn wir uns an diesem kleinen Orte und in diesem armseligen Hause niederließen. Gott hatte dem Pater Antonius weit mehr Mut verliehen als mir, und er erwiderte, dass er nicht nur an diesem Orte, sondern selbst in einem Schweinestalle bleiben wolle. Pater Johannes vom Kreuz hatte dieselbe Gesinnung. Jetzt war nur noch die Einwilligung der beiden genannten Provinziale notwendig, da unser Pater General unter dieser Bedingung die Erlaubnis zur Stiftung erteilte. Ich hoffte sie im Vertrauen auf die Güte unseres Herrn zu erlangen, und so gab ich dem Pater Antonius den Auftrag, alles aufzubieten, um einige Einrichtungsgegenstände für das Haus zusammenzubringen. Ich selbst begab mich mit Pater Johannes vom Kreuz zu der schon beschriebenen Stiftung nach Valladolid; da wir dort wegen der Arbeiter, die das Kloster einrichten mussten, einige Tage ohne Klausur lebten, hatte ich Gelegenheit, den Pater Johannes vom Kreuz über unsere ganze Lebensweise zu unterrichten, so dass er von allen Dingen, sowohl von der Abtötung als auch von der Art des schwesterlichen Verkehrs und der gemeinsamen Erholung, genaue Kenntnis erhielt. Bei dieser Erholung ist alles so bemessen, dass die Schwestern zur Erkenntnis ihrer Fehler kommen und ein wenig ausruhen können, um dann wieder die Regel in ihrer ganzen Strenge zu beobachten. Er war so fromm, dass ich wenigstens mehr von ihm lernen konnte, als er von mir; doch darum war es mir damals nicht zu tun; ich wollte ihn nur über die Lebensweise unserer Schwestern unterrichten.

5. Gott fügte es, dass unser Ordensprovinzial Pater Alfons González, von dem ich die Genehmigung erhalten sollte, sich eben in Valladolid befand; er war ein hochbejahrter Mann, innig fromm und ohne Arg. Als ich ihm meine Bitte vortrug, machte ich gar viele Gründe geltend und wies ihn hin auf die Rechenschaft, die er Gott geben müsse, wenn er ein so gutes Werk hintanhalte. Seine Majestät, nach deren Willen dieses Werk zustande kommen sollte, wirkte so auf sein Inneres ein, dass er sehr gerührt wurde.

6. Mittlerweile kamen die Frau Doña Maria de Mendoza und ihr Bruder, der Bischof von Ávila, der uns immer seine Gunst und seinen Schutz angedeihen ließ, hierher und brachten bei ihm und beim früheren Provinzial, Pater Angelus de Salazar, die Sache in Ordnung; von letzterem hatte ich die meisten Schwierigkeiten befürchtet. Der Umstand aber, dass er gerade damals in einer gewissen Angelegenheit auf die Gunst der Frau Doña Maria de Mendoza angewiesen war, trug nach meinem Dafürhalten viel dazu bei, dass er sich ihrem Ansuchen willfährig zeigte. Übrigens hätte unser Herr auch ohne diesen Umstand sein Herz umstimmen können, wie er es beim Pater General getan, der auch ganz anders gesinnt war.

7. O mein Gott, wie Vieles habe ich bei diesen Unternehmungen für unmöglich gehalten und wie leicht war es für Seine Majestät, diese Hindernisse zu entfernen! Wie muss ich mich schämen, dass ich beim Anblick all dessen, was ich erfahren, nicht besser geworden bin! Jetzt, da ich dies schreibe, fühle ich mich mit Staunen erfüllt und habe nur den Wunsch, Unser Herr möge aller Welt wissen lassen, dass es von nichtssagender Bedeutung ist, was wir armen Geschöpfe zu diesen Klosterstiftungen beigetragen haben. Der Herr ist es, der das ganze Gebäude, und zwar auf so unscheinbaren Grundlagen aufgeführt hat, und nur Seine Majestät konnte es zu jener Höhe emporführen, auf der es jetzt sich befindet. Er sei in Ewigkeit gepriesen! Amen.

Vierzehntes Hauptstück

Fortsetzung der Stiftung des ersten Klosters der unbeschuhten Karmeliten. Einiges über die Lebensweise, die man dort führte, sowie über den Nutzen, den unser Herr zur Ehre und Verherrlichung Gottes beim Volke jener Gegend schaffen ließ.

1. Als ich die Einwilligung dieser beiden (Provinziale) erhalten hatte, glaubte ich, dass alles in Ordnung sei. Wir bestimmten, dass Pater Johannes vom Kreuz sich in das Haus begeben sollte, um es einigermaßen bewohnbar einzurichten, was auch wirklich geschah. Mein ganzes Bestreben ging dahin, einmal den Anfang zu machen, weil ich sehr in Furcht war, es möchte ein Hindernis dazwischen kommen. Pater Antonius hatte schon einige notwendige Gegenstände herbeigeschafft, und wir halfen auch nach Kräften mit, wenn auch unsere Hilfe unbedeutend war. Er kam hocherfreut nach Valladolid, um mit mir zu sprechen, und erzählte mir, was er schon alles zusammengebracht hatte; es war aber sehr wenig, nur mit Uhren, deren er fünf besaß, war er wohl versehen, was mir großen Spaß machte. Diese habe er, wie er sagte, zu dem Zwecke, um das Stundengebet gut zu regeln, da er nichts unvorbereitet tun wolle. Er hatte aber, wie ich glaube, nicht einmal etwas, worauf er schlafen konnte.

2. Die Einrichtung des Hauses nahm wenig Zeit in Anspruch; denn sie hatten kein Geld, auch wenn sie Vieles sich hätten anschaffen wollen. Nachdem dies geschehen war, entsagte Pater Antonius freudigen Herzens seinem Amte als Prior und legte seine Gelübde nach der ursprünglichen Regel ab; man sagte ihm, er möge zuvor einen Versuch machen, allein er weigerte sich. Mit größter Freude begab er sich in sein armseliges Häuschen, wo sich Pater Johannes schon befand.

3. Pater Antonius hat mir erzählt, er habe, als er in die Nähe des unscheinbaren Ortes kam, eine überaus große Herzensfreude empfunden; es sei ihm vorgekommen, als habe er schon mit der Welt gebrochen dadurch, dass er alles verließ und sich in die Einsamkeit begab. Weder der eine noch der andere gewann vom Hause einen schlechten Eindruck; es schien ihnen vielmehr, als befänden sie sich inmitten der größten Annehmlichkeiten.

4. O mein Gott, wie wenig hängt doch die Zufriedenheit der Seele von diesen Gebäuden und äußeren Bequemlichkeiten ab! Um der Liebe Gottes willen bitte ich euch, meine Schwestern und Brüder, hütet euch immer vor großen und mit prunkendem Aufwand erbauten Häusern; haben wir immer unsere wahren Stifter, jene heiligen Väter, vor Augen, von denen wir abstammen, und seien wir überzeugt, dass sie auf jenem Wege der Armut und Demut zum Genusse Gottes gelangt sind!

5. Ich habe in der Tat gefunden, dass da mehr Geist und auch mehr innerer Friede herrscht, wo die körperlichen Bequemlichkeiten fehlen, als dort, wo man ein geräumiges und bequemes Haus besitzt. Welchen Nutzen haben wir von so einem Haus bei all seiner Größe, da uns ja doch nur eine Zelle zum beständigen Aufenthalt angewiesen ist? Was hilft es uns, wenn diese Zelle sehr geräumig und schön verziert ist? Ja, haben wir denn keine andere Beschäftigung, als die Wände zu betrachten? Wenn wir bedenken, dass wir das Haus nicht für immer, sondern nur für kurze Zeit des Lebens bewohnen, das bei aller Länge nur von kurzer Dauer ist, so werden wir alles angenehm finden; wir werden erfahren, dass wir in der Ewigkeit um so mehr Genuss finden, je weniger wir hier besessen haben; dort werden die Wohnungen der Liebe entsprechen, mit der wir hier das Leben unseres guten Jesus nachgeahmt haben. Wenn wir behaupten, dass dies der Anfang zur Erneuerung der Regel der allerseligsten Jungfrau, seiner Mutter, Unserer Frau und Patronin ist, so dürfen wir weder ihr noch unseren heiligen Vätern, die unsere Vorgänger waren, eine solche Schmach zufügen, ein Leben zu führen, das mit dem ihrigen im Widerspruch steht. Wenn es unsere Schwachheit auch nicht gestattet, ihnen in allem nachzufolgen, so sollten wir doch in jenen Stücken, von denen die Erhaltung des Lebens keineswegs abhängt, mit der größten Sorgfalt zu Werke gehen, da ja alles nach der Meinung dieser zwei Patres ein kurzes, angenehmes Leiden ist. Haben wir uns nur einmal entschlossen, es auf uns zu nehmen, so verschwindet die Schwierigkeit, weil alles nur im Anfang ein wenig Mühe kostet.

6. Am ersten oder zweiten Sonntag im Advent des Jahres 1563 - ich kann mich nicht mehr genau erinnern, welcher von diesen beiden Sonntagen es war - wurde die erste Messe in jenem kleinen Stalle zu Bethlehem gelesen; ich nenne diesen Ort so, weil er mir keineswegs besser erschien. Als ich mich in der folgenden Fastenzeit zur Stiftung nach Toledo begab, kam ich dorthin. Ich traf früh morgens ein. Pater Antonius kehrte eben vor der Kirchtüre mit heiterem Antlitz wie immer. Auf meine Frage: »Was ist denn das, mein Vater, wo ist da Ihr Ehrgefühl geblieben?«, gab er mit der ihm eigenen Zufriedenheit zur Antwort: »Ich verfluche die Zeit, in der ich auf die Ehre etwas hielt.«

Beim Eintritt in die Kapelle musste ich staunen über den Geist, den der Herr dort wehen ließ. Allein nicht bloß ich hatte dieses Gefühl, auch die zwei Kaufleute, die meine Freunde waren und mich von Medina bis nach Durvelo begleitet hatten, konnten nichts als weinen. Es waren dort so viele Kreuze und Totenköpfe.

7. Nie habe ich ein kleines Kreuz aus Holz vergessen, das über dem Weihwasserkesselchen hing und an das ein Christusbild von Papier geklebt war. Dieses schien mehr zur Andacht zu stimmen als selbst das schönste Kunstwerk. Als Chor diente der Speicher, der in der Mitte etwas erhöht war, so dass sie die Tagzeiten beten konnten; aber man musste sich sehr bücken, um eintreten und der Messe beiwohnen zu können. In zwei Winkeln nächst der Kapelle hatten sie zwei Eremitenzellen, in denen sie sich nur sitzend oder liegend aufhalten konnten; sie waren angefüllt mit Heu, da die Gegend sehr kalt ist. Das Dach berührte fast ihr Haupt, zwei Fensterchen waren dem Altar zugekehrt, und zwei Steine dienten als Kopfkissen; auch hier fehlten die Kreuze und Totenköpfe nicht. Ich erfuhr, dass sie nach der Matutin nicht zurückkehrten, sondern an demselben Orte bis zur Prim im Gebete verharrten; sie waren so ins Gebet versunken, dass manchmal ihr Habit, wenn sie die Prim beten wollten, ganz mit Schnee bedeckt war, ohne dass sie es gemerkt hatten. Sie verrichteten das Chorgebet mit noch einem anderen Pater von der gemilderten Observanz, der sich ihnen anschloß, aber wegen seiner Kränklichkeit das Ordenskleid nicht wechselte, und mit einem jungen Ordensmann, der die heiligen Weihen noch nicht empfangen hatte und auch bei ihnen bleiben wollte.

8. Sie begaben sich an viele Orte zum Predigen, da das Volk der Umgebung ganz der religiösen Belehrung entbehrte; schon aus diesem Grunde freute ich mich, dass dort ein Kloster errichtet wurde. Man sagte mir, dass in der ganzen Umgegend kein Kloster sich befinde und niemand sei, der das Volk belehrte, was ein großes Elend war. Es gereichte mir zu überaus großer Freude, als ich erfuhr, dass die beiden Patres in kurzer Zeit ein so großes Vertrauen erworben hatten. Sie gingen, wie schon erwähnt, trotz des vielen Schnees und der großen Kälte barfuß zum Predigen, da sie damals noch keine Sandalen hatten, sondern erst später den Auftrag erhielten, sich solcher zu bedienen; nachdem sie gepredigt und im Beichtstuhl gewirkt hatten, kehrten sie erst in später Stunde in ihr Kloster zurück, erfüllt von innerer Freude, die ihnen alles leicht machte. Was die Lebensmittel betrifft, so hatten sie daran Überfluss; denn die Bewohner der umliegenden Ortschaften beschenkten sie reichlicher, als es notwendig war. Es kamen auch einige Edelleute, die in der Umgegend wohnten, zum Beichten und boten Ihnen bei dieser Gelegenheit bessere Häuser mit angenehmerer Lage an. Unter ihnen befand sich Don Ludwig, der fünf Landgüter besaß. Dieser Edelmann hatte eine Kirche erbaut, um dort ein Bild Unserer Lieben Frau anbringen zu lassen, das in der Tat verdiente, zur Verehrung ausgestellt zu werden. Sein Vater hatte es durch einen Kaufmann seiner Großmutter oder seiner Mutter - ich weiß nicht mehr genau, welcher von beiden - aus Flandern gesendet. Er selbst trug eine so innige Verehrung zu dem Bilde, dass er es viele Jahre bei sich behielt, und später in der Todesstunde, ließ er es (aus der Kirche) herbeiholen. Es ist ein großes Gemälde, wie ich in meinem Leben kein schöneres gesehen, was auch viele andere behaupten.

9. Als Pater Antonius von Jesu auf Bitten dieses Edelmannes an jenen Ort kam und das Bild sah, gewann er es, und zwar mit vollem Rechte, so lieb, dass er in die Verlegung des Klosters dorthin einwilligte, obwohl daselbst kein Quellwasser vorhanden war und man auch allem Anscheine nach niemals solches bekommen konnte. Dieser Ort heißt Mancera. Jener Edelmann richtete ihnen ein Klösterlein zurecht, wie es ihrer Regel entsprach, und versah es mit den nötigen kirchlichen Geräten, mit einem Worte, er sorgte für alles.

10. Ich kann nicht umhin, hier zu erzählen, wie ihnen der Herr Wasser gab; denn man hielt dies für ein Wunder. Eines Tages nach dem Abendessen befand sich Pater Antonius, damals Prior, mit seinen Brüdern im Kreuzgang, und man sprach von der Wassersnot. Da erhob sich der Prior, nahm den Stock, den er gewöhnlich in der Hand hielt, und machte, wie ich meine, mit ihm an einer Stelle das Zeichen des Kreuzes; ich erinnere mich tatsächlich nicht mehr genau, ob er das Kreuzzeichen machte, aber auf jeden Fall bezeichnete er mit dem Stocke eine Stelle und sprach: »Jetzt grabet hier!« Nachdem sie nur ein wenig gegraben hatten, quoll Wasser in so großer Menge hervor, dass man den Brunnen, wenn man ihn reinigen will, nur mit Mühe ausschöpfen kann. Das Wasser ist vortrefflich zum Trinken. Während des ganzen Baues wurde Wasser aus diesem Brunnen genommen, und nie konnte man ihn, wie schon erwähnt, ausschöpfen. Als man später einen Garten mit einer Mauer umgab, suchte man auch hier Wasser zu bekommen; man stellte eine Maschine zum Wasserschöpfen hin und ließ es sich viel kosten, aber bis jetzt hat man nichts finden können, was diese Mühe belohnt hätte.

11. Als ich nun jenes Häuschen, in dem man vorher nicht einmal wohnen konnte, so voll Geist sah, dass ich überall, wohin ich meine Augen richtete, nur Gegenstände der Erbauung fand, und als ich ihre Lebensweise, ihre Abtötung, ihr Gebetsleben und das gute Beispiel, das sie gaben, kennenlernte, konnte ich nicht satt werden, in der größten Freude meines Herzens unserem Herrn Dank zu sagen; ich glaubte den Anfang einer großen Förderung unseres Ordens und der Ehre unseres Herrn wahrzunehmen. Es kam auch ein Edelmann mit seiner mir recht wohlbekannten Gemahlin dorthin, um mich zu besuchen; sie wohnten in der Nachbarschaft und konnten mir nicht genug erzählen von der Heiligkeit (der Ordensmänner) und dem vielen Guten, das sie dem Volke erwiesen. Möge Seine Majestät sie mich weiterhin auf dem Wege erhalten, den wir sie jetzt wandeln sehen, und so meine Erwartungen verwirklichen!

Die Kaufleute, die mich hierher begleitet hatten, sagten mir, dass sie um keinen Preis in der Welt darauf verzichten würden, hierher gekommen zu sein. Was ist es doch Erhabenes um die Tugend! Diese Armut bereitete ihnen mehr Freude als all ihre Reichtümer, und ihre Seele fand hier Erquickung und Trost.

12. Nachdem ich mich mit diesen Vätern über einige Dinge besprochen hatte, bat ich sie, schwach und elend wie ich bin, recht dringend bei ihren Bußübungen, die sie im Übermaße pflegten, doch nicht mit solcher Strenge zu Werke zu gehen. Es hatte mich nämlich vieles Bitten und Beten gekostet, um vom Herrn geeignete Personen zum Beginn dieser Lebensweise zu erhalten; und da ich jetzt einen so schönen Anfang sah, fürchtete ich, der Teufel möchte sie zu entkräften suchen, bevor meine Erwartungen sich verwirklichten. In meiner Unvollkommenheit und Kleingläubigkeit erkannte ich nicht, dass es Gottes Werk war und Seine Majestät dessen Förderung wollte. Da aber diese Männer jene Tugenden besaßen, die mir fehlten, so legten sie wenig Wert auf meine Worte und ließen von ihren Werken nicht ab. Und so reiste ich voll des größten Trostes wieder ab. Leider habe ich Gott nicht in dem Maße gepriesen, wie es ein so großes Gnadenwerk verdient hätte, obwohl ich einsah, dass diese Gnade weit größer war als jene, die mir Gott bei der Stiftung der Nonnenklöster gewährte. Möge es Seiner Majestät in seiner Güte gefallen, mich zu würdigen, dass ich ihm in etwa das viele Gute vergelte, das ich ihm schulde! Amen.

Fünfzehntes Hauptstück

Stiftung des Klosters zum glorreichen heiligen Joseph in der Stadt Toledo im Jahre 1569.

1. In der Stadt Toledo wohnte ein vornehmer Mann aus dem Kaufmannsstande, der ein großer Diener Gottes war; er wollte sich nie verehlichen, sondern führte als Mann von unverbrüchlicher Wahrhaftigkeit und Ehrbarkeit ein echt christliches Leben. Er hatte sich durch rechtschaffenen Handel sein Vermögen erworben in der Absicht, mit diesem ein gutes, Gott besonders wohlgefälliges Werk zu vollbringen. Sein Name war Martin Ramirez.

2. Als dieser in eine tödliche Krankheit fiel, erhielt ein Pater aus der Gesellschaft Jesu, namens Paul Fernández, davon Kenntnis, bei dem ich während meines Aufenthaltes dortselbst, als ich Vorbereitungen zur Stiftung von Malagón traf, meine Beichte ablegte. Dieser Pater hatte den sehnlichsten Wunsch, es möchte in Toledo ein Kloster unserer Nonnen gegründet werden. Er besuchte den Kranken und erklärte ihm, welch großen Dienst er unserem Herrn erweisen würde, wenn er die Stiftungsgelder, die er für heilige Messen und für Errichtung von Kaplaneien zu verwenden gedenke, diesem Kloster überließe, da auch hier die bestimmten Festlichkeiten und alle übrigen Seelengottesdienste abgehalten würden, die er in einer Pfarrkirche dieses Ortes habe stiften wollen. Er war schon so leidend, dass er erkannte, es sei keine Zeit mehr, diese Angelegenheit zu regeln, und so überließ er alles seinem Bruder Alfons Alvarez Ramírez; kurz darauf nahm ihn Gott zu sich. Er handelte klug; denn dieser Alfons Alvarez ist ein sehr verständiger und gottesfürchtiger Mann von großer Wahrheitsliebe und großem Wohltätigkeitssinn, der überall verständnisvoll zu Werke ging; da ich oft mit ihm verkehrte, so kann ich als Augenzeuge in aller Wahrheit so sprechen.

3. Als Martin Ramirez starb, war ich noch mit der Gründung von Valladolid beschäftigt. Dahin schrieb mir Pater Paul Fernández, aus der Gesellschaft Jesu, und auch Alfons Alvarez und gaben mir Nachricht über alle Vorgänge; sie machten mich aufmerksam, eiligst zu kommen, wenn ich diese Stiftung annehmen wolle. Ich begab mich daher auf den Weg, kurz nachdem ich das Kloster gehörig eingerichtet hatte. Ich erreichte Toledo am Vorabend des Festes Maria Verkündigung und begab mich in das Haus der Frau Doña Luise, der Stifterin des Klosters zu Malagón, bei der ich schon (früher) einige Male gewohnt hatte. Ich wurde mit großer Freude aufgenommen, da sie innige Liebe zu mir trägt. Ich hatte zwei Gefährtinnen aus dem St. Josephskloster zu Ávila bei mir, die sehr eifrige Dienerinnen Gottes waren. Man gab uns sogleich, wie auch sonst gewöhnlich, eine Wohnung, in der wir ebenso zurückgezogen wie in einem Kloster leben konnten. Ich besprach sogleich mit Alfons Alvarez und mit seinem Schwiegersohn Didakus Ortiz die Angelegenheit. Letzterer, zwar ein braver Mann und theologisch gebildet, beharrte doch weit fester bei seiner Ansicht als Alfons Alvarez; er wollte nicht so schnell Vernunft annehmen. Sie begannen eine Menge Bedingungen zu stellen, die ich aber nicht annehmen zu können glaubte.

4. Während dieser Verhandlungen suchten wir ein Haus zur Miete, das uns zur Besitznahme dienen sollte, konnten aber trotz eifrigen Suchens kein passendes finden. Ebensowenig konnte ich den Verwalter der Diözese - man hatte nämlich damals keinen Erzbischof - bestimmen, mir die Erlaubnis zu geben, obwohl sich jene Dame, bei der ich wohnte, sehr darum bemühte. Auch ein Edelmann, namens Don Petrus Manrique, ein Sohn des Statthalters (von Kastilien) und Kanonikus an der Domkirche, bemühte sich vergebens. Dieser war oder ist vielmehr, da er nämlich noch lebt, ein eifriger Diener Gottes und trat trotz seiner schwächlichen Gesundheit einige Jahre nach der Gründung dieses Klosters in die Gesellschaft Jesu ein, in der er sich jetzt noch befindet. Dieser war in Toledo wegen seines großen Wissens und seines Ansehens sehr geachtet; aber trotzdem konnte er nicht erreichen, dass man mir die Erlaubnis gab; hatte er auch den Verwalter der Diözese teilweise gewonnen, so waren die Mitglieder des Rates dagegen. Andererseits konnten auch Alfons Alvarez und ich nicht übereinkommen wegen seines Schwiegersohnes, dem gegenüber er sich sehr nachgiebig zeigte; so bat sich schließlich die Sache ganz zerschlagen.

5. Ich wusste nicht, was ich tun sollte, da ich ja nur um ein Kloster zu gründen hierher gekommen war; auch sah ich wohl ein, dass es viel Aufsehen machen werde, wenn ich unverrichteter Dinge wieder fortginge. Übrigens verursachte mir die Verweigerung der Erlaubnis mehr Schmerz als alles andere; denn ich wusste wohl, dass unser Herr ebenso wie an anderen Orten auch hier für alles übrige Sorge tragen würde, wenn wir uns einmal niedergelassen hätten. So entschloß ich mich, mit dem Verwalter der Diözese selbst zu sprechen. Ich begab mich in eine Kirche, die neben seinem Hause sich befindet, und ließ ihn bitten, mir gütigst eine Unterredung mit ihm gewähren zu wollen. Schon mehr als zwei Monate lang hatte man diese Angelegenheit betrieben, und mit jedem Tag waren die Aussichten geringer. Als wir uns trafen, sagte ich zu ihm: »Es ist doch sehr befremdend, dass es Leute gibt, die die Werke verhindern, die zur größeren Ehre unseres Herrn gereichen, und nicht dulden wollen, dass einige Frauenspersonen in äußerster Strenge, Vollkommenheit und Zurückgezogenheit leben, obwohl jene von alledem nichts tun, sondern nur in Wollüsten dahinleben.«

6. Dies und noch vieles andere sagte ich ihm mit einer Kühnheit, die mir nur der Herr eingeben konnte. Dadurch wurde er so gerührt, dass er mir, ehe ich ihn verließ, die Erlaubnis gab. Ich kehrte hocherfreut zurück, da ich schon alles zu haben glaubte; in der Tat aber hatte ich noch nichts. Denn mein ganzer Besitz konnte vielleicht drei bis vier Dukaten ausmachen, womit ich zwei Gemälde kaufte, die wir, da wir kein einziges Bild hatten, auf den Altar stellen wollten; ferner erwarb ich zwei Strohsäcke mit einer Bettdecke. An ein Haus war vorerst nicht zu denken, da die Verhandlungen mit Alfons Alvarez schon abgebrochen waren.

7. In Toledo wohnte ein Kaufmann, namens Alfons de Ávila, einer meiner Freunde, der mir sagte, ich sollte mich nicht betrüben, da er mir ein Haus suchen werde. Dieser wollte sich nie verheiraten und widmete sich nur guten Werken, die er an Gefangenen und sonst in verschiedener Weise übte; (unglücklicherweise) wurde er plötzlich krank.

8. Einige Tage vorher war ein sehr frommer Franziskanerpater, Martin vom Kreuz, nach Toledo gekommen; er hielt sich dort einige Tage auf; als er wieder abreiste, schickte er einen jungen Mann, namens Andrada, zu mir, der bei ihm beichtete. Er war keineswegs reich, sondern vielmehr sehr arm, und der Pater hatte ihn gebeten, alles zu tun, was ich ihm sagen werde. Als ich mich eines Tages in einer Kirche bei der heiligen Messe befand, kam er zu mir, um mit mir zu sprechen und mir mitzuteilen, welchen Auftrag ihm jener fromme Mann gegeben; ich könnte sicher darauf rechnen, (sagte er), dass er alles für mich tun wolle, was in seinen Kräften stehe, wenn er auch nur durch persönliche Dienste uns beistehen könne. Ich dankte ihm sehr dafür und empfand großen Spaß beim Anblick der Hilfe, die uns jener fromme Mann sandte, noch mehr aber ergötzten sich meine Gefährtinnen; denn sein ganzes Äußere schien sich keineswegs für den Verkehr mit unbeschuhten Karmelitinnen zu eignen.

9. Ich war nun zwar im Besitze der Erlaubnis, hatte aber keinen Menschen, der mir beistehen sollte; und so wusste ich nicht, was ich tun und wem ich die Sorge, mir ein Haus zur Miete zu suchen übertragen sollte. In dieser Verlegenheit dachte ich an jenen jungen Mann, den mir Pater Martin vom Kreuze zugesandt hatte, und redete darüber mit meinen Gefährtinnen. Diese lachten sehr über mich und entgegneten mir, dies nicht zu tun, da es nur dazu dienen würde, die Sache mehr in die Öffentlichkeit zu bringen. Ich wollte auf sie nicht hören; denn dieser junge Mann schien mir nicht ohne geheimnisvolle (göttliche) Zulassung von jenem Diener Gottes geschickt worden zu sein, und ich hatte Hoffnung, dass er etwas erreichen werde. Ich ließ ihn also rufen, und nachdem ich ihm vollste Verschwiegenheit, soweit ich sie ihm einschärfen konnte, ans Herz gelegt hatte, erzählte ich ihm unsere ganze Lage und bat ihn, mir zu diesem Zwecke ein Haus zu suchen, für dessen Mietgeld ich einen Bürgen stellen würde. Es war dies der gute Alfons de Ávila, von dem ich schon berichtete, dass er mir krank wurde. Andrada hielt dies für sehr leicht ausführbar und versprach mir, ein Haus zu suchen.

10. Als ich am anderen Tage frühmorgens in der Kirche der Gesellschaft Jesu der heiligen Messe beiwohnte, kam er sogleich zu mir und sagte, dass er schon ein Haus habe, das ganz in der Nähe liege; er brachte auch die Schlüssel mit der Bemerkung, dass wir es in Augenschein nehmen sollten. Wir taten dies und fanden es so gut, dass wir fast ein ganzes Jahr darin wohnten.

11. Oft, wenn ich an diese Stiftung denke, muss ich über die Fügungen Gottes staunen; fast drei oder wenigstens zwei Monate lang - ich erinnere mich nicht mehr genau - hatten so angesehene Personen sich bemüht, in Toledo ein Haus zu suchen, allein sie konnten keines ausfindig machen, gleich als ob es in der Stadt keine Häuser gäbe. Nun kam dieser junge Mann, der die Armut selber war; und der Herr ließ es zu, dass er sogleich eines fand. Hätte man sich mit Alfons Alvarez verständigen können, so wäre die Stiftung ohne Mühe zustande gekommen; allein es durfte nicht so geschehen, vielmehr sollte die Stiftung in Armut und Mühseligkeit vor sich gehen.

12. Da wir mit dem Hause zufrieden waren, traf ich sogleich Anstalten, davon Besitz zu nehmen, bevor noch etwas darin eingerichtet war, damit nicht irgendein Hindernis dazwischen treten würde. Kurz darauf kam der genannte Andrada, um mir die Nachricht zu bringen, dass das Haus noch am selben Tage geräumt werde und wir unsere Einrichtungsgegenstände dorthin bringen könnten. Ich sagte ihm, dass dies wenig Umstände mache, da wir sonst nichts hätten als zwei Strohsäcke und eine Bettdecke. Darüber musste er sich wundern; aber meine Gefährtinnen bedauerten es, dass ich ihm davon Mitteilung machte, und hielten mir vor, wie ich es ihm denn habe sagen mögen, da er uns gewiss nicht mehr helfen werde, wenn er wisse, dass wir so arm seien. Daran hatte ich gar nicht gedacht, und auch er kümmerte sich wenig darum: denn Gott, der ihm den guten Willen gegeben, konnte ihn auch weiterleiten, bis er das Werk zu Ende geführt. Ich glaube in der Tat versichern zu können, dass wir ihn in der Emsigkeit, womit er sich um die Einrichtung des Hauses und um die Bestellung der Arbeitsleute annahm, nicht übertrafen.

13. Nachdem wir nun die zum Messelesen notwendigen Paramente geliehen hatten, begaben wir uns bei Anbruch der Nacht, begleitet von einem Arbeiter (in unser Haus), um Besitz davon zu nehmen. Wir brachten nur ein Glöckchen mit, wie man es zum Zeichengeben bei der Wandlung gebraucht, da wir sonst keine andere Glocke hatten. Die ganze Nacht verbrachten wir in großer Furcht mit der Zubereitung des Hauses, fanden aber keinen Platz, den man für die Kapelle einrichten konnte, außer ein Gemach, das den Eingang zu einem damit in Verbindung stehenden Häuschen bildete, das von einigen Frauenspersonen bewohnt war; auch dieses hat uns die Hauseigentümerin zur Miete gegeben.

14. Als wir nun mit allem fertig waren und es Tag werden wollte, begannen wir die vermauerte Türe zu öffnen, die in einen kleinen Hof führte. Wir hatten es nicht gewagt, diesen Frauenspersonen etwas zu sagen, damit sie uns nicht verraten konnten. Als diese noch im Bette liegend das Klopfen hörten, standen sie voll Schrecken auf, und wir hatten große Mühe, sie zu beruhigen; es war indessen schon Zeit zur Messe, die sogleich gelesen wurde; und so ungehalten auch die Frauen waren, so fügten sie uns doch kein Leid zu. Als sie sahen, um was es sich handelte, beruhigten sie sich wieder dank der Gnade des Herrn.

15. Später erkannte ich erst, wie ungeschickt wir gehandelt hatten; aber damals merkte ich bei der inneren Freude, die Gott zur Vollführung seiner Werke verleiht, die Ungeschicklichkeiten nicht. Als nämlich die Hauseigentümerin, die Frau eines Majoratsherrn, erfuhr, dass wir eine Kapelle eingerichtet hatten, wurde unsere Lage etwas schwierig; auch regte sie sich sehr auf. Glücklicherweise kam sie auf den Gedanken, wir sollten das Haus um einen annehmbaren Preis kaufen, wenn es uns gefallen würde; so fügte es der Herr, dass sie sich wieder beruhigte.

16. Als nun die Ratsherrn erfuhren, dass das Kloster, zu dem sie nie die Erlaubnis geben wollten, errichtet sei, waren sie darüber sehr ungehalten; sie begaben sich in das Haus eines Domherrn, den ich bezüglich unserer Angelegenheiten ins Vertrauen gezogen, und sagten, dass sie ihre Drohungen verwirklichen wollten. Da sich dem Verwalter der Diözese, gleich nachdem er mir die Erlaubnis erteilt hatte, Gelegenheit zu einer Reise bot, so war er von Toledo abwesend, und so kamen sie zu dem erwähnten Domherrn voll Entsetzen über die Vermessenheit eines armen Nönnchens, das wider ihren Willen ein Kloster errichtet hatte. Dieser aber tat, als wüßte er (von allem) nichts, und beruhigte sie, soweit er konnte, mit der Bemerkung, dass ich auch an anderen Orten Stiftungen vorgenommen und sicher hinreichende Vollmachten gehabt hätte.

17. Einige Tage darauf - ich weiß nicht mehr wie lange -sandten uns diese Ratsherrn unter Androhung der Exkommunikation ein Verbot zu, Messe lesen zu lassen, bis ich die Vollmacht zur Errichtung des Klosters vorgezeigt hätte. Ich antwortete ihnen in aller Gelassenheit, dass ich ihrem Auftrage nachkommen werde, obwohl ich nicht verpflichtet sei, ihnen hierin zu gehorchen. Ich ersuchte den schon erwähnten Edelmann, Don Petrus Manrique, mit ihnen Rücksprache zu nehmen und ihnen die Vollmachten vorzuzeigen; da die Stiftung schon vollzogen war, konnte er sie beruhigen; wäre dies aber nicht der Fall gewesen, hätte ich viele Widerwärtigkeiten zu ertragen gehabt.

18. Einige Tage lang hatten wir keine anderen Einrichtungsgegenstände als nur zwei Strohsäcke und eine Bettdecke. Am Tage der Besitznahme hatten wir nicht einmal ein Stückchen Holz, um eine Sardelle zu braten. Da bewog der Herr jemanden, ich weiß nicht wen, dass er uns ein kleines Bündel Holz in die Kapelle legte, womit uns geholfen war. Während der Nacht litten wir wegen der Kälte ein wenig Frost, obwohl wir uns mit der Bettdecke und mit den Mänteln von rauhem Wollenstoff, die uns oft gute Dienste leisten, gut einhüllten.

19. Man möchte es vielleicht für unmöglich halten, dass wir uns in so ärmliche Verhältnisse begaben, da wir doch im Hause jener Dame, die mich so innig liebte, hätten wohnen können; ich weiß jedoch keinen anderen Grund, als dass es Gottes Wille war, uns die Vortrefflichkeit dieser Tugend aus eigener Erfahrung kennenlernen zu lassen. Ich habe diese Dame auch um nichts gebeten, da es mir immer widerstrebt, lästig zu fallen; und sie hat es vielleicht auch nicht wahrgenommen, dass wir in Not sein könnten; zudem schulde ich ihr schon weit mehr, als sie uns hätte geben können.

20. Diese Armut gereichte uns sehr zum Nutzen; denn der innere Trost, den wir dabei empfanden, und die Freude waren so groß, dass ich mich oft daran erinnere, welche Schätze der Herr in die Tugenden legt. Dieser Mangel hat uns, wie mir scheint, in eine Art wonnevoller Beschauung versetzt; doch dauerte er nicht lange, da alsbald der schon bekannte Alfons Alvarez und andere für uns über unsere Wünsche hinaus Fürsorge trafen. Mich befiel in der Tat eine solche Traurigkeit, dass es mir schien, als hätte ich eine Menge goldener Kleinodien besessen, die man mir weggenommen, um mich in Armut zu stoßen. Ich hätte nicht mehr Schmerz empfinden können, als ich bei der Wahrnehmung dessen fühlte, dass es mit unserer Armut vorüber war. Meine Gefährtinnen waren derselben Ansicht; und als ich beim Anblick ihrer Niedergeschlagenheit fragte, was ihnen fehle, antworteten sie: »Was sollte uns fehlen, Mutter? Wir sind ja, wie es scheint, nicht mehr arm!«

21. Von da an nahm in mir das Verlangen, recht arm zu sein, immer mehr zu, und es blieb mir eine Art Herrschaft in der Verachtung der zeitlichen Dinge, da ihr Mangel die geistigen Güter, die in Wahrheit eine ganz andere Sättigung und Ruhe mit sich bringen, nur vermehren kann. Zur Zeit, als ich noch mit Alfons Alvarez in Unterhandlung stand, gab es manche, denen es nicht gefiel und die es mir auch sagten, weil nach ihrer Meinung seine Familie nicht erlaucht genug und auch nicht von Adel sei, obwohl sie ihrem Stande nach angesehene Leute waren; auch sagten sie mir, dass es mir in einer so bedeutenden Stadt wie Toledo nicht an vornehmen Stiftern fehlen werde. Ich achtete nicht viel darauf, weil ich Gott sei Dank die Tugend immer höher geschätzt habe als die Abstammung; allein man hatte dem Verwalter (der Diözese) so viele Vorstellungen gemacht, dass er mir die Erlaubnis nur unter der Bedingung gab, dass dieses Kloster auf dieselbe Art wie an anderen Orten gestiftet werde.

22. Ich wusste nicht, was ich tun sollte; denn nach der Errichtung des Klosters fingen sie die Unterhandlungen aufs neue an; aber da es schon errichtet war, nahm ich dazu meine Zuflucht, ihnen die größere Kapelle unter der Bedingung zu überlassen, dass sie in Bezug auf das Kloster nichts zu sagen hätten; so ist es noch bis zum heutigen Tag. Diese Kapelle hatte schon vorher eine angesehene Person gewünscht; und da es sehr verschiedene Meinungen gab, wusste ich nicht, wofür ich mich entscheiden sollte. Unser Herr wollte mich über diese Angelegenheit aufklären, und darum sprach er eines Tages zu mir: »Wie wenig werden doch vor dem Gerichte Gottes diese Geburts und Standestitel gelten!« Zugleich erteilte er mir einen scharfen Verweis, weil ich auf jene gehört, die in diesem Sinne sprachen; denn derartige Dinge schickten sich nicht für solche, die die Welt schon verachtet hätten.

23. Durch diese und andere Äußerungen ward ich sehr verwirrt, und ich entschloß mich, mit Alfons Alvarez und seinen Verwandten weiter zu verhandeln und ihnen die Kapelle zu überlassen; ich habe dies nie bereut, da wir deutlich gesehen haben, welch schlechte Aussichten wir hatten ein Haus zu kaufen. Mit Gottes Hilfe haben wir später jenes Haus gekauft, in dem wir jetzt wohnen; es ist dies eines der schönsten in Toledo und hat uns zwölftausend Dukaten gekostet. Es ist für die Nonnen und auch für das Volk ein großer Trost, dass in der zum Kloster gehörigen Kirche so viele heilige Messen und Feste gefeiert werden. Hätte ich auf die eitlen Anschauungen der Welt Rücksicht genommen, so wären wir, soweit wir es beurteilen können, dieser so vorteilhaften Gelegenheit zur Stiftung beraubt gewesen, und es würde dem Unrecht geschehen sein, der uns diesen edelmütigen Liebesdienst erwiesen hat.

Sechzehntes Hauptstück

Bericht über einige Vorkommnisse im Kloster zum heiligen Joseph in Toledo, die zur Ehre und Verherrlichung Gottes gereichen.

1. Ich hielt es für gut, hier einige Tugendwerke zu erzählen, die verschiedene Nonnen des Klosters in Toledo im Dienste unseres Herrn verrichteten, damit die Neueintretenden sich bemühen, diese ersten guten Beispiele nachzuahmen. Bevor das Haus gekauft wurde, trat dort eine Nonne ein, namens Anna von der Mutter Gottes, die ungefähr vierzig Jahre zählte und ihr ganzes Leben im Dienste der göttlichen Majestät zugebracht hatte. Obwohl es ihr in ihrem Stande und in ihrem Hause gut ging, da sie als das einzige Kind ihrer Eltern wohlhabend war, so zog sie doch die Armut und Unterwürfigkeit im Orden vor; darum kam sie zu mir, um mit mir Rücksprache zu nehmen. Sie hatte eine schwächliche Gesundheit; aber da ich in ihr eine tugendhafte und entschlossene Seele erkannte, so schien sie mir geeignet für einen guten Anfang der Stiftung, und ich nahm sie auf. Gott gefiel es, ihr bei dieser strengen Lebensweise und Unterwürfigkeit eine weit bessere Gesundheit zu verleihen, als sie bei ihrer Unabhängigkeit und (aller) Bequemlichkeit besaß.

2. Ein Vorkommnis aber hat mich sehr gerührt, weswegen auch hier davon Erwähnung geschieht: Bevor sie Profeß ablegte, verschenkte sie ihren ganzen Besitz - und dieser war sehr beträchtlich - und vermachte ihn dem Kloster als Almosen. Mir war das nicht recht, und ich wollte meine Zustimmung dazu nicht geben. Ich hielt ihr vor, dass sie dies bereuen würde oder dass wir vielleicht die Ablegung der Profeß verweigerten; es sei dies eine schwierige Sache. Übrigens hätten wir sie dann in diesem Falle nie entlassen, ohne ihr wieder zu geben, was sie uns geschenkt. Ich wollte aber auf diese Sache ein großes Gewicht legen, einerseits um ihr die Gelegenheit zu irgendeiner Versuchung zu benehmen, andererseits um ihren Geist mehr zu prüfen. Sie gab mir zur Antwort, dass sie, wenn dieser Fall eintrete, aus Liebe zu Gott betteln gehen werde, und man konnte nie eine andere Antwort von ihr bekommen. Sie lebte ganz zufrieden und erfreute sich immer einer besseren Gesundheit als früher.

3. Ganz besonders übte man in diesem Kloster die Abtötung und den Gehorsam, so dass während meines Aufenthaltes dortselbst die Priorin öfters wohl überlegen musste, was sie sagte, weil die Nonnen es sogleich ins Werk setzten, wenn es auch nicht ernstlich gemeint war. Als sie eines Tages eine Wassergrube im Garten betrachteten, da sprach die Priorin zu einer neben ihr stehenden Nonne: »Was würde wohl geschehen, wenn ich sagte, Sie sollten sich hineinstürzen?« Sie hatte kaum ausgesprochen, als die Nonne schon im Wasser lag; ihre Kleider wurden so durchnäßt, dass sie sich umkleiden musste. Ein anderes Mal bereiteten sich die Nonnen, während ich anwesend war, zur Beichte vor, und eine, die auf eine andere wartete, die eben beichtete, trat zur Priorin hin, um mit ihr zu sprechen.

Diese aber erwiderte: »Was soll das sein? Das wäre mir die rechte Art, sich zu sammeln; stecken Sie ihren Kopf in den Brunnen dort und denken Sie über Ihre Sünden nach!« Die Nonne meinte wirklich, dass sie sich in den Brunnen stürzen müsse, und wollte diesen Befehl mit solcher Eile vollziehen, dass sie sich in der Tat hineingestürzt hätte, wenn man ihr nicht schnell entgegengeeilt wäre; sie glaubte eben, dadurch Gott den größten Dienst von der Welt zu erweisen. Solche und ähnliche Beispiele außerordentlicher Selbstverleugnung gab es viele.

4. So wurde es notwendig, dass gelehrte Männer ihren Eifer mäßigen und ihnen erklären mussten, in welchen Stücken sie zum Gehorsam verpflichtet seien, da sie überaus beschwerliche Dinge vollbrachten, die eher ein Mißverdienst als ein Verdienst gewesen wären, wenn sie nicht die gute Absicht entschuldigt hätte. Dies ereignete sich nicht nur in diesem Kloster, von dem ich hier gelegentlich spreche, es gibt auch in allen anderen so viele schöne Züge; ich würde wünschen, keinen Anteil daran gehabt zu haben, um einige erzählen zu können und dadurch unseren Herrn in seinen Dienerinnen zu preisen.

5. Während ich mich in Toledo aufhielt, wurde eine Schwester todkrank. Nachdem sie die Sakramente empfangen und man ihr auch die letzte Ölung gespendet hatte, war sie so heiter und zufrieden, dass wir sie, gleich als ob sie eine Reise in ein anderes Land antreten würde, beauftragen konnten, uns im Himmel Gott und unseren Lieblingsheiligen zu empfehlen. Kurz vor ihrem Hinscheiden begab ich mich zu ihr, nachdem ich vor dem Allerheiligsten Sakramente den Herrn demütig gebeten hatte, ihr eine glückselige Sterbestunde zu verleihen. Als ich bei ihr eintrat, sah ich Seine Majestät über ihrem Kopfkissen, in der Mitte des Kopfendes ihres Bettes, mit etwas ausgebreiteten Armen, gleichsam um sie zu beschützen. Seine Majestät sagte zu mir: »Sei versichert, dass ich alle Nonnen, die in diesem Kloster sterben, so beschützen werde; sie sollen in der Stunde des Todes keine Furcht haben vor den Versuchungen!« Dieser Anblick hat mich sehr getröstet und zur Andacht gestimmt. Dann trat ich etwas näher zur Sterbenden hin, und sie sprach zu mir: »O meine Mutter, welche große Dinge bekomme ich zu schauen!« Sie starb wie ein Engel.

6. Ich habe auch später noch einige hier sterben sehen und einen Frieden und eine Ruhe an ihnen wahrgenommen, als wären sie in einer Verzückung oder im Gebet der Ruhe, ohne dass ich irgendein Zeichen der Versuchung bemerkte. So hoffe ich zu der Güte Gottes, er werde uns durch die Verdienste seines Sohnes und seiner glorreichen Mutter, deren Habit wir tragen, auch fernerhin in der Stunde des Todes diese Gnaden verleihen. Bemüht euch darum, meine Töchter, wahre Karmelitinnen zu sein, da unsere Lebenszeit schnell zu Ende geht! Wenn wir die Bedrängnisse kennen würden, die viele in jener Stunde des Todes ausstehen, und die List und den Trug, womit der Teufel sie versucht, so würden wir diese Gnade überaus hochschätzen!

7. Es fällt mir eben etwas ein, was ich euch erzählen will; es handelt sich um einen Mann, den ich gut kannte, weil er mit meinen Vettern ein wenig verwandt war. Dieser war ein leidenschaftlicher Spieler und hatte auch einige Studien gemacht, wodurch der Teufel ihn zu hintergehen suchte, indem er ihm die Meinung beibrachte, dass eine Bekehrung in der Todesstunde nichts mehr nütze. Darauf bestand er so fest, dass man ihn durchaus nicht zum Beichten bewegen konnte. Es war alles umsonst. Der arme Mensch befand sich in äußerster Bedrängnis und voll Reue über sein sündhaftes Leben; allein er wiederholte immer, wozu ihm denn das Beichten nütze, da er ja ohnehin sich schon verdammt sehe. Ein Dominikanerpater, der ein guter Theologe und sein Beichtvater war, gab sich alle Mühe, ihm andere Gedanken beizubringen; allein der Teufel flüsterte dem Kranken solche Spitzfindigkeiten ein, dass er nichts ausrichten konnte. So verflossen einige Tage, und der Beichtvater wusste nicht, was er anfangen sollte; ohne Zweifel haben er und auch andere Personen den Kranken recht angelegentlich dem Herrn empfohlen, da er Barmherzigkeit bei ihm fand. Als die Krankheit heftiger auftrat - es war Seitensiechen - kam der Beichtvater wieder zu ihm, und er hatte offenbar mehr Gründe, um ihn zu widerlegen; allein er würde wenig erreicht haben, wenn nicht der Herr in sein Herz gerührt hätte. Als er zu reden und Beweise vorzubringen begann, richtete sich der Kranke, gleich als ob ihm nichts fehlte, im Bette auf und sprach: »Sie sagen also, dass mir das Beichten helfen könne; nun denn, so will ich beichten.« Jetzt ließ er einen Schreiber oder Notar kommen, -ich kann mich dessen nicht mehr genau erinnern - und gelobte unter einem feierlichen Eide, nie mehr zu spielen und sein Leben zu bessern, was vor Zeugen aufgenommen werden sollte. Dann legte er eine recht gute Beichte ab und empfing die Sakramente mit solcher Andacht, dass man unserem Glauben zufolge wohl annehmen kann, er sei gerettet worden. Uns aber, meine Schwestern, möge unser Herr die Gnade verleihen, dass wir als wahre Töchter der seligsten Jungfrau leben und unsere Gelübde beobachten, damit unser Herr auch uns die Gnade gewähre, die er uns versprochen hat. Amen.

Siebzehntes Hauptstück

Gründung des Männer und Frauenklosters zu Pastrana im selben Jahre 1570, will sagen 1569.

1. Während der vierzehn Tage, die seit der Gründung des Klosters zu Toledo bis zum Vorabend des Pfingstfestes verflossen, waren wir damit beschäftigt, die Kapelle einzurichten, die Sprechgitter einzusetzen und alles übrige herbeizuschaffen, was uns viele Arbeit kostete. Wir wohnten, wie schon erwähnt, fast ein Jahr lang in diesem Hause, und ich habe mich während dieser Zeit viel mit den Arbeitsleuten beschäftigen müssen, bis alles vollendet war. Als wir uns an diesem Morgen im Speisezimmer endlich zu Tische setzen konnten, empfand ich innigen Trost bei der Wahrnehmung, dass es jetzt nichts mehr zu tun gebe und ich mich während dieser Festzeit einige Augenblicke bei unserem Herrn erfreuen könne. Ich konnte fast nichts essen, so sehr fühlte sich mein Herz getröstet.

2. Allein dieser Trost währte nicht lange; im selben Augenblick sagte man mir, dass ein Diener der Fürstin Eboli, der Frau des Ruy Gómez de Silva, da sei. Als ich mich zu ihm begab, vernahm ich, dass er den Auftrag hatte, mich abzuholen, da schon seit langer Zeit zwischen ihr und mir Verhandlungen bezüglich einer Klosterstiftung in Pastrana gepflogen wurden; allein ich dachte nicht, dass dies so schnell vor sich gehen sollte. Mir war diese Mitteilung sehr peinlich; denn da das Kloster erst vor kurzem, und zwar mit so viel Widerspruch gestiftet wurde, so war es sehr gefährlich, es allein zu lassen. So entschloß ich mich, nicht mitzureisen, und sagte ihm dies auch. Er entgegnete mir, dass dies nicht angehe, da die Fürstin schon in Pastrana und aus keinem anderen Grunde gekommen sei, die Weigerung wäre für sie eine Beleidigung. Allein trotz alledem konnte ich mich nicht mit dem Gedanken zurechtfinden mitzureisen und legte ihm nahe, einstweilen etwas Speise zu sich zu nehmen; unterdessen würde ich an die Fürstin schreiben, worauf er dann sogleich abreisen könne. Er war ein sehr anständiger Mann, und obgleich ihm mein Bescheid schwer ankam, fügte er sich doch, nachdem ich ihm meine Gründe dargelegt hatte.

3. Es schien mir in keiner Weise statthaft, die zur Stiftung in Toledo berufenen Nonnen, die erst angekommen waren, so schnell zu verlassen. Ich begab mich deshalb vor das Allerheiligste Sakrament, um den Herrn zu bitten, den Brief so schreiben zu können, dass ich (die Fürstin) nicht beleidigte. Die Sache hätte für uns sehr schlimm ausgehen können, da damals auch mit der Stiftung der Brüderkonvente begonnen wurde; überdies waren wir gar sehr auf die Gunst des Ruy Gómez angewiesen, der beim König und bei allen sehr großen Einfluss hatte. Ich erinnere mich zwar nicht, ob dieser Gedanke meinem Geiste damals vorschwebte, allein ich weiß gewiss, dass ich ihr nicht Ursache zur Unzufriedenheit geben wollte. Als ich mich vor dem Allerheiligsten befand, sagte mir unser Herr, ›ich sollte nicht unterlassen zu gehen, da es sich um mehr als um jene Stiftung handle; ich sollte auch die Regel und die Konstitutionen mitnehmen‹.

4. Obgleich ich noch wichtige Gründe gegen meine Abreise hatte, so wagte ich nach diesen Worten doch nicht zu bleiben, sondern tat, was ich in ähnlichen Fällen immer zu tun pflegte, ich übergab die Entscheidung dem Urteil meines Beichtvaters. Ich ließ ihn rufen, sagte ihm aber nicht, was ich im Gebete vernommen hatte, weil ich so immer ruhiger bleibe; aber ich flehe immer zum Herrn, er möchte meine Beichtväter erleuchten, damit sie auf natürliche Weise das Rechte erkennen; und wenn Seine Majestät den Vollzug irgendeines Werkes will, so weiß er ihnen auch dies in den Sinn zu geben.

5. Dies ereignete sich bei mir sehr oft und war auch in diesem Falle so. Nachdem er alles genau erwogen, hielt er es für gut, dass ich abreisen sollte; so habe ich mich denn entschlossen, mich auf den Weg zu machen. Ich reiste am zweiten Pfingstfeiertage von Toledo ab; der Weg führte durch Madrid, und ich stieg mit meinen Gefährtinnen bei einem Kloster der Franziskanerinnen ab, wo wir von einer Dame, namens Doña Eleonora Maskareñas, aufgenommen wurden, die das Kloster gestiftet und dort ihre Wohnung hatte. Sie war die Erzieherin des Königs und diente unserm Herrn mit großer Treue. Ich war dort schon öfters eingekehrt, wenn ich bei verschiedenen Anlässen durch Madrid reisen musste, und immer hat sie gegen mich großes Wohlwollen gezeigt.

6. Diese Dame sagte mir, sie freue sich sehr, dass ich zu so einer geeigneten Zeit gekommen sei, da ein Einsiedler hier wohne, der sich darnach sehne, mich kennenzulernen; es scheine ihr, dass das Leben, das er und seine Gefährten führten, große Ähnlichkeit mit unserer Regel habe. Da ich bisher nur zwei Patres hatte, so dachte ich mir, dass es von großer Bedeutung wäre, wenn ich diesen für unsere Regel gewinnen könnte; deshalb ersuchte ich (diese Dame), für eine Unterredung mit ihm Sorge zu tragen, was auch geschah. Er wohnte in einem Zimmer, das diese Dame ihm überlassen hatte, mit einem noch jüngeren Bruder, namens Johannes vom Elend, der ein großer Diener Gottes war, sich aber in weltlichen Angelegenheiten sehr ungeschickt zeigte. Im Verlauf unserer Besprechung sagte dieser Einsiedler zu mir, dass er vorhabe, nach Rom zu reisen. Bevor ich aber weiter erzähle, will ich sagen, was ich über diesen Pater weiß, der jetzt Marianus vom heiligen Benedikt heißt.

7. Er war seiner Abstammung nach Italiener, hatte den Doktorgrad und war ein sehr verständiger und tüchtiger Mann. Er lebte eine Zeitlang am Hofe der Königin von Polen und hatte dort die Verwaltung ihres ganzen Hauses in Händen. Nie hatte er eine Neigung, sich zu verehelichen, und erhielt eine Pfründe vom Orden des heiligen Johannes. Da ließ unser Herr seinen Ruf an ihn ergehen, alles zu verlassen, um desto mehr für sein Seelenheil Sorge tragen zu können. Er musste in der Folge mancherlei Prüfungen erdulden, und wurde angeklagt, bei der Ermordung eines Mannes beteiligt gewesen zu sein. Man warf ihn zwei Jahre lang ins Gefängnis, wobei er aber keinen Anwalt wollte und auch jede Verteidigung seiner Person abwies, indem er allein auf Gott und seine Gerechtigkeit vertraute. Als Zeugen gegen ihn auftraten mit der Aussage, er habe sie aufgefordert, den Mord zu vollbringen, ereignete sich fast dasselbe, wie bei den (zwei) alten (Anklägern) der frommen Susanna. Auf die Frage, wo Marianus damals gewesen, antwortete der eine, er sei auf seinem Bette gesessen, während der andere behauptete, er sei an einem Fenster gestanden; schließlich bekannten sie, dass sie ihn falsch angeklagt hätten, und Marianus versicherte mir, dass es ihn viel Geld gekostet habe, sie von der Strafe loszukaufen. Jener, der die Feindseligkeit gegen ihn begonnen, sei ihm dann (bei einer Gelegenheit) in die Hände gefallen, als er eine gerichtliche Untersuchung gegen ihn hätte einleiten sollen; allein gerade aus diesem Grunde habe er aus allen Kräften dahin gearbeitet, dass ihm kein Leid widerfuhr.

8. Durch diese und andere Tugenden - P. Marianus ist nämlich eine reine und keusche Seele und ein Feind jeden vertrauten Verkehrs mit Frauenspersonen - hatte er sich wohl von unserem Herrn die Gnade verdient, dass er ihn über die Richtigkeit der Welt erleuchtete, um darnach zu trachten, sich von ihr loszutrennen. So begann er, darüber nachzudenken, welchem Orden er sich zuwenden sollte; während er bald diesen, bald jenen im Auge hatte, fand er, wie er mir sagte, keinen, der seinen Verhältnissen entsprach. Er vernahm, dass in der Nähe von Sevilla in einer einsamen Gegend, Tardón genannt, einige Eremiten unter einem Oberen, der ein sehr frommer Mann war und Pater Matthäus hieß, zusammenlebten. Ein jeder von ihnen bewohnte eine abgesonderte Zelle; die kirchlichen Tagzeiten beteten sie zwar nicht, hatten aber ein Oratorium, wo sie der heiligen Messe beiwohnten. Sie hatten keine Einkünfte, bettelten kein Almosen und nahmen auch keines an; sie nährten sich nur von der Arbeit ihrer Hände, und jeder nahm für sich allein seine ärmliche Nahrung zu sich.

9. Als ich dies hörte, glaubte ich das Einsiedlerleben unserer heiligen Väter wahrzunehmen. Diese Lebensweise beobachtete Pater Marian schon acht Jahre lang. Da nun das heilige Konzil von Trient die Anordnung traf, dass die Eremiten den Ordensgenossenschaften sich anschließen sollten, wollte er sich nach Rom begeben und die Erlaubnis erbitten, dass seine Einsiedlergenossenschaft in der bisherigen Form weiterbestehen dürfe; diesen Vorsatz hatte er noch, als ich mit ihm sprach.

10. Nachdem er mir seine ganze Lebensweise entwickelt hatte, zeigte ich ihm unsere ursprüngliche Regel und bemerkte, dass er dies alles ohne große Mühe beobachten könne, da sie die gleichen Vorschriften habe, vor allem jene, von der eigenen Handarbeit zu leben, wozu er sehr große Neigung hatte. Denn sagte er mir, die Welt sei ganz verdorben durch die Habsucht, und dies sei der Grund, warum man die Ordensleute nicht mehr achte. Da ich derselben Ansicht war, so wurden wir in diesem und in allen anderen Punkten bald einig; nachdem ich ihm gründlich dargelegt, welch großen Dienst er Gott durch Annahme unseres Ordenskleides erweisen könne, versprach er, sich in der kommenden Nacht die Sache zu überlegen. Ich sah nun, dass er schon fast entschlossen war, und erkannte den Sinn der Worte, die ich im Gebete vernommen, dass es sich bei meiner Reise um mehr handle als um die Stiftung eines Nonnenklosters. Ich empfand darüber sehr große Freude, weil mir schien, dass sein Eintritt in den Orden sehr zur Verherrlichung des Herrn gereichen werde.

11. Die göttliche Majestät aber, die dies wollte, rührte in jener Nacht sein Herz so sehr, dass er mich am anderen Tage rufen ließ. Er war schon ganz entschlossen und wunderte sich selbst über die so plötzliche Veränderung (in seinem Innern), besonders weil sie durch eine Frau hervorgerufen wurde; und auch jetzt noch sagt er öfters zu mir, ich sei die Ursache gewesen und nicht der Herr, der doch die Herzen ändern kann. Wie erhaben sind doch seine Fügungen! Schon so viele Jahre lang war dieser Mann umhergewandelt, ohne zu wissen, für welchen Stand er sich entschließen sollte; denn jener, in dem er sich zuletzt befand, war ja (im eigentlichen Sinne) kein Stand, da man weder Gelübde ablegte, noch irgendeine Verpflichtung auf sich nahm, sondern nur in Zurückgezogenheit lebte. Nun hatte Gott ihm so plötzlich diese Anregung gegeben und ihn erkennen lassen, dass er ihm in diesem Stande große Dienste leisten könne und Seine Majestät sich seiner Person zur Förderung des begonnenen Werkes unserer Ordensreform bedienen wolle. Dazu hat er auch in der Tat viel beigetragen, und es hat ihn bis jetzt schon viele Mühe gekostet, wie man aus den Widersprüchen ersehen kann, auf die jetzt die Einführung der ursprünglichen Regel stößt; er wird auch noch mehr leiden müssen, bis wieder Ruhe eingetreten ist. Wegen seiner Tüchtigkeit, seines Verständnisses und musterhaften Lebenswandels genießt er bei vielen Personen, die uns wohlgesinnt sind und uns beschützen, großes Ansehen.

12. Damals, als er mich rufen ließ, sagte er, dass Ruy Gómez ihm in Pastrana - das ist eben der Ort, wohin ich mich begab - eine Einsiedelei und einen Platz geschenkt habe, auf dem er Wohnungen für Einsiedler errichten könnte; diese wolle er dem Orden übergeben und zugleich das Ordenskleid nehmen. Ich bezeigte ihm meine dankbare Anerkennung und lobpries unseren Herrn von ganzem Herzen. Denn bis jetzt hatte ich von den zwei Vollmachten, die mir unser wohlehrwürdiger Pater General für zwei Männerklöster übersandt hatte, nur eine ausgenützt. Ich sandte also von hier aus einen Boten an die beiden schon erwähnten Väter, an den gegenwärtigen und an den früheren Provinzial und bat sie dringend um die Erlaubnis zur Errichtung eines zweiten Männerklosters, da ich ohne ihre Zustimmung nichts tun konnte; auch schrieb ich an den Bischof von Ávila, Don Alvaro de Mendoza, der uns sehr gewogen war, er möchte uns bei ihnen die Erlaubnis erwirken.

13. Es war der Wille Gottes, dass sie die Stiftung begutachteten. Wahrscheinlich waren sie der Meinung, dass eine Stiftung an einem so abgelegenen Orte ihnen keinen Eintrag tun könne. Pater Marian versprach mir, sich nach Pastrana zu begeben, sobald die Erlaubnis eingetroffen sei; ich war damit vollkommen zufriedengestellt und setzte meine Reise nach Pastrana fort. Dortselbst traf ich wirklich die Fürstin und den Fürsten Ruy Gómez, die mich sehr liebevoll aufnahmen. Sie gaben uns eine abgesonderte Wohnung, in der wir uns länger aufhielten, als ich gedacht hatte. Denn das für uns bestimmte Haus war so klein, dass die Fürstin einen großen Teil davon niederreißen und wieder von neuem aufbauen ließ, zwar nicht die Grundmauern, aber doch manches andere.

14. Ich blieb daselbst drei Monate und stieß während dieser Zeit auf viele Schwierigkeiten, weil die Fürstin verschiedenes von mir verlangte, was für den Orden unpassend war; ich hatte mich schon entschlossen, lieber ohne eine Stiftung wieder abzuziehen als hierin nachzugeben. Allein der Fürst Ruy Gómez bewog durch seine große Klugheit und sein hohes Verständnis seine Gemahlin, dass sie nachgiebiger wurde. Auch ich machte einige Zugeständnisse, weil ich weit sehnlicher wünschte, dass ein Männerkloster gestiftet werde als ein Frauenkloster; denn ich erkannte damals schon gut, von welch großer Bedeutung dies sei, wie es sich auch später wirklich bewahrheitete. Pater Marian und sein Gefährte, die schon erwähnten Einsiedler, kamen um diese Zeit hierher. Als die Erlaubnis der beiden Provinziale eingetroffen war, gestatteten die Herrschaften in Güte, dass die Einsiedelei, die sie ihnen geschenkt hatten, in ein Kloster der unbeschuhten Karmeliten umgewandelt werden dürfe. Ich ließ, um diese Klosterstiftung in Angriff zu nehmen, den Pater Antonius von Jesu, den ersten (unserer Ordensmänner), kommen, der sich in Mancera befand. Inzwischen richtete ich für die beiden Einsiedler die Ordenskleidung und die Mäntel zurecht und tat nach Kräften alles, damit sie sogleich mit dem Habit sich bekleiden konnten.

15. Alsdann ließ ich einige Nonnen aus dem Kloster von Medina del Campo kommen, da ich nur zwei in meiner Begleitung hatte. Daselbst befand sich auch schon seit längerer Zeit ein Pater, der noch nicht sehr alt, aber auch nicht mehr jung war; er hieß Pater Balthasar von Jesu und war ein guter Prediger. Als dieser hörte, dass in Pastrana ein Kloster gegründet werde, kam er mit den Nonnen in der Absicht, unbeschuhter Karmelit zu werden, was er auch nach seiner Ankunft ausführte. Als er mir diese Absicht mitteilte, lobpries ich Gott. Er gab dem Pater Marian und seinem Begleiter das Ordenskleid, die beide als Laienbrüder eintraten; denn auch Pater Marian wollte nicht Priester sein, sondern eintreten, um der geringste aus allen zu sein, und ich konnte ihn nie dazu bewegen. Später (erst) ließ er sich auf Anordnung des Paters General zum Priester weihen.

16. Als nach Gründung der beiden Klöster Pater Anton von Jesu gekommen war, traten allmählich Novizen ein, die unserem Herrn mit großer Treue dienten. Davon wird, wenn es Gottes Wille ist, einmal jemand berichten, der es besser versteht als ich, da ich hiezu nicht die Fähigkeit besitze.

17. Was die Nonnen betrifft, so stand ihr Kloster bei jenen Herrschaften überaus in Gnaden und die Fürstin war sehr bemüht, ihnen in Liebe und Güte entgegenzukommen, bis der Fürst Ruy Gómez starb. Da sie alsdann einer Einflüsterung des bösen Feindes nachgab - oder vielleicht ließ der Herr es zu aus Gründen, die Seiner Majestät bekannt sind -, trat sie infolge ihres heftigen Schmerzgefühles über den Tod ihres Gemahls allzu voreilig als Nonne ins Kloster. Bei ihrer großen Betrübnis konnte sie jedoch am Leben in der Klausur, das ihr ungewohnt war, keinen Geschmack finden, andererseits war auch die Priorin, gebunden durch das heilige Konzil, nicht imstande, ihr die gewünschten Freiheiten zu gewähren. Deshalb bekam sie allmählich Abneigung gegen die Priorin und die Nonnen, und zwar in einer Weise, dass sie auch, nachdem sie das Ordenskleid abgelegt hatte und wieder in ihrem eigenen Hause wohnte, mit Widerwillen gegen sie erfüllt war. Die armen Nonnen lebten fortan in solcher Unruhe, dass ich nach Kräften alles aufbot, um von den Obern die Aufhebung dieses Klosters zu erbitten und eines in Segovia zu gründen, wovon später berichtet werden wird. Die Nonnen begaben sich dorthin, indem sie alles zurückließen, was die Fürstin ihnen geschenkt hatte, und führten selbst einige Nonnen mit sich, die sie auf Befehl der Fürstin ohne Aussteuer aufgenommen hatten. Nur die Betten und Einrichtungsgegenstände, die sie selbst mitgebracht hatten, nahmen sie mit und verließen den Ort zur großen Betrübnis des Volkes. Ich aber hatte die größte Freude von der Welt, als ich die Nonnen wieder in Ruhe leben sah; denn ich war fest überzeugt, dass sie an dem Mißfallen der Fürstin durchaus keine Schuld hatten und ihr, während sie im Kloster lebte, ebenso unterwürfig waren als zuvor. Der Grund ihres Verdrusses muss allein den schon erwähnten Umständen zugeschrieben werden, ferner dem Schmerze (über den Tod ihres Gemahls), von dem diese Dame erfüllt war, und endlich einer Magd, die sie mit sich nahm und die allem Anscheine nach die ganze Schuld trug. Kurz, der Herr hat es so zugelassen, weil er ohne Zweifel erkannte, dass dieses Kloster nicht an jenen Platz hingehörte; seine Urteile sind erhaben und übersteigen alle unsere Begriffe. Ich für meine Person hätte es nie gewagt, diese Veränderung vorzunehmen, ich handelte nur auf den Rat gelehrter und tugendhafter Männer hin.

Achtzehntes Hauptstück

Stiftung des Klosters zum heiligen Joseph in Salamanca im Jahre 1570. Einige wichtige Unterweisungen für die Priorinnen.

1. Nach Vollendung dieser zwei Stiftungen in Pastrana kehrte ich wieder in die Stadt Toledo zurück, wo ich einige Monate verweilte, bis dort das schon erwähnte Haus gekauft war und ich alles in guter Ordnung verlassen konnte. Während ich damit beschäftigt war, schrieb mir der Rektor der Gesellschaft Jesu zu Salamanca, um mir mitzuteilen, dass ein Kloster unserer Nonnen dort sehr wohl am Platze sei, und gab mir auch hierfür einige Gründe an. Wegen der Armut der Stadt hatte ich bisher Abstand genommen, dort ein Kloster ohne Einkünfte zu gründen; aber bei dem Gedanken, dass Ávila ebenso arm war und den Nonnen nichts mangelte, dass Gott denen, die ihm dienen, nach meinem Dafürhalten nichts abgehen lasse, fasste ich den Entschluss zu dieser Gründung. Überdies war auch der Umstand maßgebend, dass die Sache so geregelt würde wie bisher, dass nämlich die Zahl der Nonnen gering sei und sie sich durch Handarbeit helfen sollten. Als ich daher von Toledo nach Ávila gekommen war, hielt ich von da aus um die Erlaubnis des damaligen Bischofs an, der so gütig war, mir diese sogleich zu erteilen; der Pater Rektor hatte ihm bereits über unseren Orden sowie auch darüber Aufklärung gegeben, dass eine Gründung zur Ehre des Herrn gereichen werde.

2. Sobald ich die Erlaubnis des Bischofs hatte, hielt ich das Kloster schon für gegründet, so leicht kam mir die Sache vor. Ich traf also gleich Anstalten, ein Haus zu mieten, was mir eine Dame aus meinem Bekanntenkreise besorgte; allein es hatte dies seine Schwierigkeiten, weil damals nicht Mietezeit war und in dem gemieteten Hause einige Studenten wohnten. Allerdings veranlasste man diese auszuziehen, sobald die künftigen Bewohner da wären. Sie wussten nicht, für wen es bestimmt sei, da ich sorgfältig darauf bedacht war, dass niemand etwas erfuhr; denn ich wusste aus Erfahrung, welche Hindernisse der böse Feind in den Weg legt, um eines dieser Klöster zu verhindern. Wenn ihm auch Gott nicht gestattete, die Stiftung des Klosters anfänglich zu hintertreiben, da sie sein Wille war, so erwachsen doch später viele Schwierigkeiten und Widersprüche, die jetzt, da ich dies schreibe, noch nicht ganz aus dem Wege geschafft sind, obwohl seit dieser Stiftung schon einige Jahre verflossen sind; darum glaube ich, dass in ihm Gott eifrig gedient werde, weil es der Teufel gar nicht ausstehen kann.

3. Nachdem ich also die Erlaubnis besaß und das Haus mir zugesichert war, begab ich mich im Vertrauen auf die Güte Gottes dorthin; denn sonst hatte ich niemand, der mir zur Einrichtung des Hauses, wozu sehr viel notwendig war, in etwa hätte behilflich sein können. Um weniger Aufsehen zu machen, nahm ich nur eine Gefährtin mit, da ich es für geeigneter fand, die übrigen Nonnen erst nach der Besitznahme kommen zu lassen; denn ich war durch die Vorkommnisse in Medina del Campo, wo ich mich in großer Verlegenheit befand, gewitzigt worden. So hätte ich, wäre irgendein Hindernis eingetreten, die Beschwerden nur allein mit dieser (Gefährtin) zu ertragen gehabt, der ich es freilich nicht hätte ersparen können. Wir kamen am Vorabend von Allerheiligen an, nachdem wir in der vorhergehenden Nacht einen großen Teil des Weges bei starker Kälte zurückgelegt und an einem Orte übernachtet hatten, wo ich mich sehr unwohl fühlte.

4. Ich übergehe bei diesen Stiftungen mit Stillschweigen die großen Beschwerden, die wir auf den Reisen infolge der Kälte, der Sonnenhitze und des Schneegestöbers auf uns nehmen mussten. Oft hörte es den ganzen Tag nicht auf zu schneien, bald verloren wir den Weg, bald war ich sehr krank und hatte Fieber, wie ich denn überhaupt, Gott sei dafür gepriesen, gewöhnlich keine gute Gesundheit hatte; allein ich erkannte alsdann klar, dass unser Herr mir Kraft verlieh. Manchmal, wenn irgendeine Stiftung in Aussicht stand, war ich so sehr von Krankheiten und Schmerzen gequält, dass ich mich sehr darüber bekümmerte, weil ich glaubte, nicht einmal in der Zelle verweilen zu können, ohne mich zu legen. In solchen Fällen wandte ich mich dann an unseren Herrn, beklagte mich bei Seiner Majestät und sagte, warum er denn von mir verlange, Unmögliches zu tun. Seine Majestät verlieh mir daraufhin Kraft, wenn mir auch die Beschwerden blieben; und bei dem Eifer und der Sorgfalt, womit er mich beseelte, schien ich mich ganz zu vergessen.

5. Niemals habe ich, soviel ich mich jetzt erinnern kann, aus Furcht vor Schwierigkeiten eine Stiftung unterlassen, obwohl ich gegen Reisen, besonders wenn sie lange dauerten, eine starke Abneigung in mir fühlte. War aber die Reise angetreten, kam sie mir leicht vor bei dem Gedanken, für wen ich sie unternahm, und bei der Erwägung, dass in dem (neuen) Kloster der Herr gepriesen und das Allerheiligste Sakrament eingesetzt werde. Das Bewusstsein, wieder eine Kirche mehr zu sehen, bereitet mir überaus großen Trost, besonders wenn ich an die vielen Kirchen denke, die von den Lutheranern weggenommen werden. Welche Mühen, mögen sie auch noch so groß sein, sollte man da scheuen, wenn man um diesen Preis der Christenheit ein so großes Gut verschaffen kann! Wenn auch viele vergessen, dass Jesus Christus als wahrer Gott und wahrer Mensch an so vielen Orten im Allerheiligsten Sakramente gegenwärtig ist, so sollten doch wir darüber großen Trost empfinden. Für mich wenigstens war dieses Bewusstsein sehr oft überaus tröstlich, wenn ich mich im Chore befand und die Wahrnehmung machte, wie diese reinen Seelen Gott lobpriesen. Dass sie reine Seelen sind, zeigt sich in vielfacher Weise, sowohl in ihrem Gehorsam und in ihrer Zufriedenheit, womit sie in der so strengen Klausur und Zurückgezogenheit leben, als auch in der Freude, die sie jedesmal empfinden, so oft sich ihnen eine Gelegenheit zur Abtötung bietet. Je mehr Gnade unser Herr einer Priorin verleiht, um sie in diesen Tugenden zu prüfen, desto zufriedener finde ich sie. Ja, eher werden die Priorinnen müde, den Schwestern Gelegenheit zur Übung des Gehorsams zu bieten, als diese, ihnen zu gehorchen; denn in dieser Beziehung sind ihre Wünsche unersättlich.

6. Bezüglich der Abtötung drängen sich mir hier einige Gedanken auf, die vielleicht für die Priorinnen sehr nützlich sein könnten und die ich, meine Töchter, um sie nicht zu vergessen, hier aufzeichnen möchte, wenn sie auch nicht zum Berichte über die Stiftungen gehören, deren Beschreibung ich hier begonnen habe. Die Priorinnen haben oft, je nach der Verschiedenheit ihrer Fähigkeiten und Tugenden, auch die Neigung, ihre Nonnen auf demselben Wege zu führen, den sie gehen. Jene, die der Abtötung sehr ergeben ist, wird alle Übungen, die sie zur Überwindung des Eigenwillens auferlegt, für die anderen ebenso leicht finden, als sie für sie selbst sind, obwohl vielleicht gerade sie es sehr ungern tun würde. Sehen wir besonders darauf, dass wir nicht etwas befehlen, was uns selber schwer fällt. Die Klugheit ist bei Leitung anderer von großer Wichtigkeit. Sie ist den Oberinnen unserer Klöster sehr notwendig, und ich darf wohl sagen, mehr als den Oberinnen anderer Klöster, weil sie mit den Untergebenen, sowohl was das Innere als auch das Äußere betrifft, mit größerer Behutsamkeit zu Werke gehen müssen. Andere Priorinnen, die dem geistlichen Leben sehr ergeben sind, werden durchwegs wünschen, dass man dem Gebete obliege; indessen führt der Herr die Seelen auf verschiedenen Wegen, und die Priorinnen müssen darauf achten, dass sie diese Schwestern nicht so führen, als wollten sie für sie einen Weg nach ihrem eigenen Gutdünken wählen; sie sollen die Untergebenen auf dem Wege der Regel und Satzungen wandeln lassen, wenn sie auch sich mehr anstrengen und noch etwas darüber tun würden.

7. Ich traf einmal in einem dieser Klöster eine Priorin, die der Buße sehr ergeben war und alle (Nonnen) dazu anleitete. Einmal kam es vor, dass der ganze Konvent sich geißelte, während die sieben Bußpsalmen und noch andere Gebete und Übungen verrichtet wurden. Ein andermal traf es sich, dass eine Priorin ins Gebet vertieft war, es war nicht zur Zeit des Gebetes, sondern nach der Matutin - und den ganzen Konvent (im Chore) zurückbehielt, während es besser gewesen wäre, wenn sie sich schlafen gelegt hätten. Ist eine Priorin, wie schon erwähnt, eine Freundin der Abtötung, so hat niemand Rast und Ruhe, und diese Schäflein der allerseligsten Jungfrau schweigen wie geduldige Lämmlein. Dies gereicht mir in Wahrheit zu großer Rührung und Beschämung; zuweilen aber bereitet mir das Verhalten solcher Oberinnen keine geringe Versuchung. Die Schwestern, die ganz in Gott versunken sind, merken zwar den Fehler nicht, den jene begehen, aber ich fürchte für ihre Gesundheit und wollte lieber, sie hielten ihre Regel, die ihnen genug zu schaffen macht, während das übrige in Liebe geschehe. Dies ist besonders bei der Abtötung von großer Bedeutung. Möchten doch um der Liebe unseres Herrn willen die Oberinnen darauf achten, dass die Klugheit in diesen Dingen überaus wichtig ist, und auf die Verschiedenheit der Fähigkeiten Rücksicht nehmen! Wenn sie in dieser Beziehung nicht recht vorsichtig zu Werke gehen, so werden sie, anstatt die Schwestern zu fördern, ihnen großen Schaden zufügen und sie in Verwirrung stürzen.

8. Die Priorinnen sollen bedenken, dass solche Abtötungen nicht verpflichtend sind; dies ist das erste, was sie zu beachten haben. Wenn die Abtötung auch der Seele sehr notwendig ist, um die Freiheit des Geistes und eine hohe Stufe der Vollkommenheit zu erlangen, so geschieht dies doch nicht so schnell, sondern allmählich, indem man einer jeden zu Hilfe kommt je nach dem Verständnis und den geistigen Anlagen, womit Gott sie befähigt. Sie meinen vielleicht, dass dazu kein Verständnis notwendig sei, aber da sind sie im Irrtum; denn es wird solche geben, denen es im Anfang sehr schwer fällt, die Vollkommenheit und auch den Geist der Regel zu erfassen, während sie nachher vielleicht eine erhabenere Stufe der Heiligkeit erreichen. Sie werden (oft lange) nicht wissen, wann sie sich entschuldigen dürfen und wann nicht, und manche unbedeutende Dinge würden sie mit Leichtigkeit verrichten, wenn sie Verständnis dafür hätten; allein sie sehen es nicht ein und, was noch schlimmer ist, sie glauben, dass sie für die Vollkommenheit belanglos sind.

9. In einem unserer Klöster befindet sich eine Nonne, die, soweit ich es beurteilen kann, zu den eifrigsten Dienerinnen Gottes zählt, die wir haben. Seine Majestät hat ihr große Geistesanlagen und viele Gnaden mitgeteilt, und sie zeichnet sich auch durch Bußfertigkeit und Demut aus; aber dennoch konnte sie einige Punkte der Satzungen nicht fassen. So scheint es ihr ein Verstoß gegen die Liebe zu sein, eine Schwester wegen ihrer Fehler im Kapitel anzuklagen, und sie sagte: »Wie kann man denn etwas von den Mitschwestern aussagen?« Ich könnte noch manche andere Eigentümlichkeiten ähnlicher Art von einigen Schwestern erwähnen, die sehr eifrige Dienerinnen Gottes sind und, wie ich sehe, in manchen Stücken jene übertreffen, die ein besseres Verständnis haben.

10. Die Priorin soll auch nicht glauben, dass sie die Seelen sogleich durchschaue; sie möge das Gott überlassen, da nur er allein dies vermag. Sie sehe nur darauf, eine jede auf dem Wege zu führen, auf dem Seine Majestät sie führt, vorausgesetzt, dass es bei ihnen weder im Gehorsam noch auch in wesentlichen Punkten der Regel und der Satzungen fehlt. Jene Jungfrau aus der Zahl der elftausend, die sich verbarg, wurde dennoch eine Heilige und Martyrin, und sie hat vielleicht mehr gelitten als die übrigen Jungfrauen, als sie sich später allein zum Martertode bereit erklärte.

11. Wir wollen nun wieder auf die Abtötung zurückkommen. Es befiehlt (zum Beispiel) die Priorin einer Nonne zur Abtötung etwas, was an und für sich geringfügiger Natur, für sie aber schwierig ist. Diese tut es zwar, wird aber so beunruhigt und gerät in solche Versuchung, dass es besser gewesen wäre, man hätte es ihr nicht befohlen. Da wird sich die Priorin bald überzeugen, dass sie sich wohl in acht nehmen muss, eine Nonne mit Gewalt zur Vollkommenheit führen zu wollen; sie muss vielmehr Nachsicht üben und mit Behutsamkeit zu Werke gehen, bis der Herr in der Seele wirkt. Denn die Versuche, die man anstellt, um sie zur Vollkommenheit zu führen, ohne die sie ja auch eine sehr gute Nonne sein kann, dürfen nicht Ursache zu innerer Unruhe und Betrübnis des Geistes werden; dies wäre etwas sehr Schreckliches. Das Beispiel der anderen Nonnen wird sie allmählich bewegen, dasselbe wie sie zu tun, wie wir dies vielfach gesehen haben; tut sie es aber nicht, so wird sie auch ohne diese Vollkommenheit in der Abtötung selig werden.

12. Ich kenne eine von unseren Nonnen, die während ihres ganzen Lebens sehr tugendhaft war und seit vielen Jahren unserem Herrn in mannigfachen Tugendübungen gedient hat. Desungeachtet hat sie sich einige Unvollkommenheiten an sich und zeigt oft eine Empfindlichkeit, die sie nicht unterdrücken kann; sie erkennt dies und beklagt sich darüber bei mir. Ich glaube aber, Gott lässt sie in diese Fehler fallen, bei denen jedoch von einer Sünde keine Rede ist, damit sie sich demütige und zur Einsicht komme, dass sie noch nicht vollkommen sei. So können manche große Abtötungen ertragen, und je schwerere Anforderungen man an sie stellt, um so lieber kommen sie ihnen nach, da der Herr ihren Seelen schon die Kraft verliehen hat, den Willen zu unterwerfen. Andere dagegen können selbst geringere Abtötungen nicht ertragen; sie ihnen auflegen, hieße ebensoviel, als wenn man einem Kinde zwei Fanegas Getreide aufladen wollte; dieses könnte eine solche Last nicht nur nicht tragen, sondern würde unter ihr zusammenbrechen und zu Boden fallen. Möget ihr, meine Töchter - ich spreche zu den Priorinnen - , mit mir Nachsicht haben, dass ich die Beobachtungen, die ich an einigen gemacht, so ausführlich erzählt habe!

13. Noch an etwas anderes, was von großer Bedeutung ist, möchte ich euch erinnern, dass ihr niemals, auch nicht um den Gehorsam zu prüfen, etwas befehlet, was auch nur eine lässliche Sünde wäre, wenn es verrichtet werden würde; denn ich habe manches in Erfahrung gebracht, was schwer sündhaft geworden wäre, wenn man es getan hätte. Die Nonnen würden wohl ohne Schuld bleiben, nicht aber die Priorin, deren Befehle diese eben sogleich ins Werk setzen. Denn wenn diese hören oder lesen, was die Heiligen der Wüste getan, so scheint ihnen alles, was man auch befehlen mag, vernünftig oder wenigstens gut ausführbar. Darum sollen auch die Untergebenen wohl bedenken, dass sie eine Handlung, die schon eine Todsünde wäre, wenn sie diese ohne Auftrag tun würden, auch dann nicht verrichten dürfen, wenn sie den Auftrag dazu haben, außer es handelt sich um die Nichtanhörung der heiligen Messe oder um Nichtbeobachtung der kirchlichen Fasttage oder um dergleichen ähnliche Dinge, weil die Priorin dafür ihre Gründe haben kann. Aber sich in einen Brunnen stürzen und ähnliches, wäre immer Sünde, weil man nie annehmen darf, Gott werde ein Wunder wirken, wie er an den Heiligen getan. Es gibt noch andere schwierige Dinge genug, in denen man den vollkommenen Gehorsam üben kann, und ich billige alles, was nicht mit solchen Gefahren verbunden ist.

14. Zu Malagón bat einmal eine Schwester, sich geißeln zu dürfen. Die Priorin, an die ohne Zweifel schon öfters diese Bitte gerichtet worden war, sagte: »Lassen Sie mich in Ruhe!« Als (die Schwester) dringend flehte, erwiderte sie: »Gehen Sie spazieren und lassen Sie mich in Ruhe!« Diese ging nun in aller Einfalt einige Stunden spazieren, bis sie eine Schwester fragte, warum sie denn solange spazieren gehe - oder etwas Ähnliches -, worauf sie entgegnete, es sei ihr befohlen worden. Unterdessen läutete es zur Matutin; und als die Priorin fragte, warum jene Schwester nicht gekommen sei, sagte ihr die andere, was sich zugetragen. So müssen denn die Priorinnen, wie ich schon anderswo erwähnt habe, mit Seelen, von denen sie bereits wissen, dass sie überaus gehorsam sind, vorsichtig zu Werke gehen und wohl beachten, was sie anordnen.

15. Eine andere Nonne kam zur Priorin, um ihr einen jener großen Würmer zu zeigen, und sagte, sie möchte ihn ansehen, wie lieblich er sei. Die Priorin erwiderte im Scherze: »Nun wohlan, essen Sie ihn!« Diese entfernte sich und röstete ihn schön und gut. Als die Küchenschwester sie fragte, warum sie den Wurm röste, gab sie zur Antwort: »Weil ich ihn esse.« Sie wollte es auch tun und würde sich großen Schaden zugefügt haben, ohne dass die Priorin eine Ahnung davon gehabt hätte. Ich freue mich indessen sehr, dass man hierin über den Gehorsam hinausgeht, weil ich eine besondere Vorliebe für diese Tugend habe; auch habe ich mit allen Kräften dahin gewirkt, dass sich die Schwestern diese Tugend erwerben. Allein es würde wenig genützt haben, wenn nicht der Herr in seiner überaus großen Barmherzigkeit allen insgesamt die Gnade erwiesen hätte, gerne zu gehorchen. Möge Seine Majestät diese Tugend immer mehr unter ihnen fördern!

Neunzehntes Hauptstück

Fortsetzung des Berichtes über die Gründung des Klosters zum heiligen Joseph in der Stadt Salamanca.

1. Ich bin von meinem Gegenstand weit abgekommen; denn so oft mir etwas in den Sinn kommt, worüber mich der Herr durch eigene Erfahrung belehren wollte, fällt es mir schwer, mit Stillschweigen darüber hinwegzugehen. Es mag ja möglich sein, dass das, was ich verurteile, lobenswert ist. Befragt euch darum, meine Töchter, immer bei gelehrten Männern, denn bei ihnen findet ihr Aufklärung, um auf sichere und kluge Weise den Weg der Vollkommenheit zu wandeln. Es ist für die Oberinnen, wenn sie ihr Amt gut verwalten wollen, überaus notwendig, bei gelehrten Männern zu beichten, sonst werden sie arge Mißgriffe machen und dies für Heiligkeit halten; ebenso sollen sie dafür Sorge tragen, dass die Nonnen gelehrte Beichtväter haben.

2. Wir kamen also am Vorabend vor Allerheiligen des obenerwähnten Jahres« zur Mittagszeit in der Stadt Salamanca an. Von einem Gasthause aus ließ ich einen frommen Mann namens Nikolaus Guitiérrez zu mir rufen, den ich schon davon verständigt hatte, Sorge zu tragen, dass das gemietete Haus bei unserer Ankunft geräumt sei. Er ist ein sehr treuer Diener Gottes, dem Seine Majestät zum Lohne für sein frommes Leben eine (seltene) Gemütsruhe und Zufriedenheit inmitten aller Widerwärtigkeiten, die ihn getroffen, verliehen hat. Früher war er sehr wohlhabend; und nachdem er ganz arm geworden, blieb er in seiner Armut ebenso fröhlich wie ehedem im Reichtum. Er hat zu dieser Stiftung sehr viel beigetragen, und zwar mit einer bewunderungswürdigen Ergebenheit und Bereitwilligkeit.

3. Als er zu mir kam, teilte er mir mit, dass das Haus noch nicht geräumt sei, da er die Studenten nicht bewegen konnte, auszuziehen. Ich machte ihm begreiflich, wieviel daran gelegen sei, dass es uns unverzüglich überlassen werde, bevor man von meiner Anwesenheit etwas erfahre; denn ich fürchtete, wie schon erwähnt, immer, es möchte irgendein Hindernis dazwischenkommen. Er begab sich also zur Eigentümerin des Hauses und legte ein so kräftiges Wort bei ihr ein, dass das Haus noch am selben Abend geräumt wurde; es war schon fast Nacht, als wir es bezogen. Dies war die erste Klostergründung, die ohne Einsetzung des Allerheiligsten vollzogen wurde. Ich hatte nämlich früher gemeint, zur Besitznahme gehöre die Einsetzung des Allerheiligsten; jetzt wusste ich bereits, dass es darauf nicht ankomme. Es war dies ein großer Trost für mich, und dies um so mehr, da die Studenten (das Haus) in einem sehr schlimmen Zustand verlassen hatten. Sie hatten eben keinen Reinlichkeitssinn, weswegen das ganze Haus so unsauber war, dass wir während jener Nacht nicht wenig zu tun hatten.

4. Am anderen Tage in der Frühe wurde die erste heilige Messe gelesen, und ich sorgte dafür, noch mehrere Nonnen von Medina del Campo kommen zu lassen. Während der Nacht des Festes Allerheiligen blieben ich und meine Gefährtin allein (im Hause). Ich versichere euch, meine Schwestern, dass ich jetzt noch lachen muss, wenn ich mich an die Furcht meiner Gefährtin, Maria vom heiligsten Sakramente, erinnere, die weit älter als ich und eine größere Dienerin Gottes war. Das Haus war sehr geräumig, in großer Unordnung und hatte viele Bodenkammern. Meine Gefährtin konnte den Gedanken an die Studenten nicht aus dem Kopfe bringen und meinte, es könnte sich leicht einer von ihnen im Hause verborgen haben, weil sie sehr ungehalten darüber waren, dass sie es verlassen mussten. Dies hätten sie auch leicht tun können, da die Gelegenheit dazu geboten war. Wir schlossen uns also in ein Zimmer ein, worin das Stroh sich befand, das ich immer an erster Stelle herbeischaffen ließ, wenn ich ein Kloster stiftete; denn wenn wir dies hatten, so fehlte es uns wenigstens nicht an einer Lagerstätte. Auf diesem Stroh schliefen wir während jener Nacht, beschützt durch ein paar Decken, die man uns zu leihen gab. Am anderen Tage liehen uns die Nonnen des benachbarten Klosters zur heiligen Elisabeth, die, wie wir meinten, (über unsere Niederlassung) angehalten wären, das nötige Gerät für die Schwestern, die wir kommen ließen, und schickten uns auch Almosen. Während der ganzen Zeit unseres Aufenthaltes in jenem Hause haben sie uns sehr viele gute Dienste und Wohltaten erwiesen.

5. Als nun meine Begleiterin sich in jenem Zimmer eingeschlossen sah, schien sie der Studenten wegen etwas ruhiger zu werden, wenn sie auch immer furchtsam von einer Seite zur anderen schaute. Ohne Zweifel hat ihr der böse Feind allerlei furchtsame Gedanken eingegeben, um auch mich in Furcht zu setzen, wozu bei der mir eigenen Schwäche des Herzens gewöhnlich wenig hinreichte. Als ich sie fragte, warum sie denn immer so umherblicke, da doch niemand hereinkommen könne, erwiderte sie: »Mutter, ich denke eben, was Sie wohl allein anfangen würden, wenn ich jetzt sterben sollte.« Wäre dies wirklich der Fall gewesen, so würde es mir schwer gefallen sein; ich dachte eine Zeitlang darüber nach und fürchtete mich auch. Wenn ich auch vor Verstorbenen nicht in Schrecken gerate, so bereitet mir doch dieser Anblick, selbst wenn ich nicht allein bin, eine gewisse Beklommenheit des Herzens. Da auch noch das Totengeläute dazu kam - es war nämlich, wie schon erwähnt, die Nacht vor Allerseelen - , so hatte der böse Feind leichtes Spiel, uns mit kindischen Gedanken zu beunruhigen; wenn er aber merkt, dass man ihn nicht fürchtet, so sucht er andere Wege einzuschlagen. Ich sagte darum zu meiner Gefährtin: »Schwester, wenn dies wirklich geschehen sollte, so werde ich schon daran denken, was ich zu tun habe; lassen Sie mich jetzt schlafen!« Da wir schon zwei schlechte Nächte gehabt hatten, so vertrieb der Schlaf bald alle Furcht. Am anderen Tage kamen mehrere Schwestern an, und die Furcht hatte ein Ende. In diesem Hause verblieb das Kloster gegen drei bis vier Jahre, ich erinnere mich nicht mehr genau, ohne dass man es viel beachtete. Mich hatte man wieder in das Kloster zur Menschwerdung nach Ávila zurückberufen; denn aus freien Stücken hätte ich ja nie ein Kloster verlassen und habe ich auch keines verlassen, bevor nicht ein eigenes, abgeschlossenes und gut eingerichtetes Haus vorhanden war. Gerade hierin hat mir der Herr große Gnade erwiesen, dass ich bei der Arbeit gerne die erste war und alles, was zur Ruhe und Bequemlichkeit der Schwestern notwendig ist, bis auf das kleinste besorgte, gleich als ob ich mein ganzes Leben in solch einem Hause zubringen wollte. War dann alles gut eingerichtet, so freute ich mich darüber herzlich.

6. Ich empfand darum großen Schmerz beim Anblick dessen, was die Schwestern an diesem Orte litten; es fehlte ihnen zwar nicht an Nahrung, da ich von meinem Aufenthaltsorte aus für sie Sorge trug - das Kloster war nämlich für jene, die Almosen geben wollten, zu weit entfernt -; aber ihre Gesundheit wurde sehr angegriffen, weil das Haus kalt und feucht war und diesem Übel wegen seiner Größe nicht gut abgeholfen werden konnte. Das Mißlichste war, dass das Allerheiligste Sakrament nicht eingesetzt war, was bei einer so strengen Klausur überaus betrübend ist. Sie wurden aber deshalb nicht trostlos, sondern ertrugen alles mit einer Zufriedenheit, dass man den Herrn dafür lobpreisen musste. Einige von ihnen sagten mir, dass das Verlangen nach einem anderen Hause ihnen als Unvollkommenheit vorkomme, da sie hier sehr zufrieden wären, wenn sie nur das Allerheiligste Sakrament besitzen würden.

7. Als der Ordensobere ihren vollkommenen Wandel und die Beschwernisse sah, die sie erdulden mussten, wurde er von Mitleid erfüllt und befahl mir, vom Kloster der Menschwerdung aus wieder nach Salamanca zurückzukehren. Die Schwestern waren bereits mit einem Edelmann daselbst wegen eines Hauses in Unterhandlung getreten; aber es befand sich in einem solchen Zustande, dass man, um einziehen zu können, mehr als tausend Dukaten aufwenden musste. Es war ein Majoratsgut, und der Eigentümer erlaubte uns, dorthin überzusiedeln und auch die baulichen Veränderungen vorzunehmen, obwohl vom König noch keine Erlaubnis gegeben war. Ich veranlasste den Pater Julian de Ávila, der bei diesen Stiftungen gewöhnlich bei mir war und mich auch nach Ávila zurückbegleitete, mit mir zu reisen. Wir besichtigten das Haus, um Anordnungen zu treffen, was zu tun sei; denn die Erfahrung hat mir für derartige Dinge ein gutes Verständnis gegeben.

8. Wir standen im Monat August; und obwohl man allen möglichen Fleiß anwendete, zogen sich doch die Arbeiten hinaus bis zum Feste des heiligen Michael, um welche Zeit gewöhnlich die Häuser vermietet werden; auch da war man mit vielem noch nicht ganz fertig. Da wir das Haus, das wir (bisher) bewohnten, für das folgende Jahr nicht gemietet hatten, so war schon ein anderer Inwohner da, der uns zu großer Eile drängte. Die Kapelle war schon beinahe ganz getüncht, allein der Edelmann, der das Haus an uns verkauft hatte, war abwesend. Einige Personen, die uns wohl geneigt waren, hielten es nicht für gut, dass wir so schnell einzogen; allein wo man in Not ist, da können die Ratschläge nichts helfen, wenn dadurch nicht auch Mittel und Wege geschaffen werden.

9. Wir zogen am Vorabend des Festes des heiligen Michael etwas vor Tagesanbruch ein. Es war schon verkündet worden, dass an diesem Feste das Allerheiligste Sakrament eingesetzt und eine Predigt gehalten werde. Nun fügte es der Herr, dass am Tage unseres Umzuges gegen Abend ein heftiges Regenwetter einfiel, so dass der Transport der notwendigen Einrichtungsgegenstände sehr schwierig vonstatten ging. Die Kapelle war ganz neu hergestellt und hatte ein so schlechtes Dach, dass der Regen fast überall eindrang. Ich muss bekennen, meine Töchter, dass ich mich an jenem Tage in meiner ganzen Unvollkommenheit erblickte. Da die Feierlichkeit schon allgemein bekannt war, so wusste ich nicht, was ich tun sollte. Ich war sehr in Verwirrung und sprach zum Herrn, fast um mich zu beklagen, er möge mir entweder keinen Auftrag mehr zu solchen Werken geben oder der gegenwärtigen Not abhelfen. Der gute Nikolaus Guitiérrez sagte in seinem Gleichmut, gleich als ob es sich um gar nichts handelte, ganz ruhig zu mir, ich sollte mich nicht betrüben, Gott werde schon helfen. Und so geschah es auch; denn am Feste des heiligen Michael fing zu der Zeit, als das Volk zusammenströmte, die Sonne zu scheinen an, was mich sehr zur Andacht stimmte. Ich erkannte, dass dieser fromme Mann durch sein Vertrauen auf Gott weit besser gehandelt hatte als ich in meinem Kummer.

10. Es fand sich viel Volk ein, und mit Musik und großer Feierlichkeit wurde das Allerheiligste Sakrament eingesetzt. Da dieses Kloster sich in einer hübschen Lage befindet, so wurde es allmählich bekannt und liebgewonnen; besonders erwiesen uns Doña Maria Pimentel, Gräfin de Monterey, und eine Frau namens Doña Mariana, deren Gemahl Bürgermeister daselbst war, sehr viel Gutes. Unsere Freude am Besitze des Allerheiligsten Sakramentes sollte aber bald in etwa herabgedrückt werden. Gleich am folgenden Tage kam der Edelmann, dem das Haus gehörte, in solchem Zorn zu uns, dass ich nicht wusste, was ich mit ihm anfangen sollte. Offenbar war der böse Feind schuld, dass ich ihn nicht zur Einsicht bringen konnte; wir hatten alles erfüllt, was mit ihm vereinbart war, allein er achtete keineswegs auf unsere Vorstellungen.

11. Auf das Zureden einiger Personen wurde er ein wenig ruhiger, aber bald darauf änderte er seine Ansicht wieder; ich war schon entschlossen, ihm das Haus wieder abzutreten, allein dies wollte er auch nicht, sondern nur, dass ihm der Preis unverzüglich ausbezahlt werde. Seine Gemahlin, die Eigentümerin des Hauses war, hatte es verkaufen wollen, um für zwei ihrer Töchter die Aussteuer beschaffen zu können, und unter diesem Vorwande hatte man um die Erlaubnis zum Verkaufe des Hauses nachgesucht. Auch war das Geld schon bei einem hinterlegt, den er bezeichnet hatte. Wie dem auch sei, der Kauf wurde schon vor mehr als drei Jahren eingeleitet und ist jetzt noch nicht vollständig abgeschlossen; ich weiß nicht, wie das enden und ob das Kloster in jenem Hause bleiben wird; aus diesem Grunde habe ich diese Bemerkung gemacht. Ich weiß nur, dass die Nonnen in keinem der Klöster, die der Herr bis jetzt nach der ursprünglichen Regel gründen ließ, so vielfache und so schwere Leiden erdulden mussten als in diesem. Durch Gottes Barmherzigkeit aber befanden sich dort so vortreffliche Nonnen, dass sie alles mit Freuden ertrugen. Möge Seine Majestät sie weiter fördern; denn daran liegt wenig, ob wir ein bequemes Haus haben oder nicht, es muss uns vielmehr große Freude bereiten, in einem Hause zu sein, aus dem man uns wieder vertreiben kann, wenn wir bedenken, dass der Herr der Welt auch keines hatte. Es ist uns, wie man aus dem Berichte dieser Stiftungen ersehen kann, mehr als einmal passiert, in einem fremden Hause wohnen zu müssen, und ich habe in der Tat nie bemerkt, dass eine Nonne sich darüber betrübte. Möge es der göttlichen Majestät in seiner unendlichen Güte und Barmherzigkeit gefallen, dass wir von den ewigen Wohnungen nicht ausgeschlossen werden! Amen, Amen.

Zwanzigstes Hauptstück

Gründung des Klosters zu Unserer Lieben Frau von der Verkündigung in Alba de Tormes im Jahre 1571.

1. Es waren seit dem Feste Allerheiligen, an dem wir von dem Hause in Salamanca Besitz genommen hatten, noch nicht zwei Monate verflossen, als ich von seiten des Schatzmeisters des Herzogs von Alba und seiner Gemahlin bestürmt wurde, in jener Stadt ein Kloster zu gründen. Ich hatte aus dem Grunde keine große Lust dazu, weil man an einem so unbedeutenden Orte (dem Kloster) notwendig Einkünfte zuweisen musste, was ganz gegen meinen Willen war. Mein Beichtvater, Pater Magister Dominikus Báñez, von dem ich bei Beginn der Stiftungen gesprochen habe und der sich damals zufällig in Salamanca befand, gab mir einen Verweis und sagte, dass es nicht recht wäre, aus diesem Grunde die Stiftung eines Klosters zu unterlassen, da ja das Konzil (von Trient) den Bezug von Einkünften erlaubt habe. Ich verstände nicht, dass die Nonnen trotzdem arm und ganz vollkommen leben könnten. Ehe ich weiter erzähle, will ich berichten, wer die Stifterin war und wie sie der Herr dazu veranlasste.

2. Die Stifterin des Klosters zur Verkündigung Unserer Lieben Frau in Alba de Tormes war Theresia de Layz, die Tochter vornehmer Eltern von hochadeliger Abkunft und reinem (echt christlichem) Geblüte. Da sie nicht so reich waren, wie es dem hohen Adel ihrer Ahnen entsprochen hätte, so wohnten sie in dem Dorfe Tordillos, zwei Meilen vom erwähnten Städtchen Alba entfernt. Es ist sehr zu bedauern, dass solche Leute aus weltlichen Rücksichten, die nur der Eitelkeit dienen, es vorziehen, in solch kleinen, abgelegenen Orten zu leben, wo man des Unterrichtes und so vieler zur Erleuchtung der Seele dienender Mittel entbehren muss, als dass sie auch nur etwas von dem fallen ließen, was nach ihrer Auffassung die Ehre erheische. Da die Eltern der Theresia de Layz bei deren Geburt schon vier Töchter hatten, so waren sie sehr betrübt bei der Wahrnehmung, dass sie nun eine Tochter mehr besaßen. Es ist in der Tat sehr beklagenswert, dass die Sterblichen sich weigern, sich dem zu überlassen, der alles weiß und alles schafft, und untröstlich sind über das, was sie erfreuen sollte; sie verstehen eben nicht, was für sie das Beste ist, weil die Ratschlüsse Gottes für sie ein Geheimnis sind, und denken weder an das viele Gute, das ihnen von seiten ihrer Töchter, noch auch an das viele Unheil, das ihnen von seiten ihrer Söhne erwachsen kann. Da der Glaube dieser Leute (gleichsam) eingeschläfert ist, so machen sie sich weiter keine Gedanken und vergessen, dass Gott es ist, der solche Anordnungen trifft, dessen Händen sie alles überlassen können. Sind sie nun einmal so blind, dass sie dies nicht tun, so zeugt es auch von großer Unwissenheit, dass sie nicht einsehen, wie wenig ihnen ihr Kummer nützt. O mein Gott, wie ganz anders werden wir über diesen Irrtum an jenem Tage urteilen, an dem die Wahrheit aller Dinge offenbar werden wird! Wie viele Väter und Mütter wird man in die Hölle stürzen sehen, weil sie Söhne hatten, und wie viele wird man im Himmel gewahren (einzig) um ihrer Töchter willen!

3. Ich kehre nun wieder zu meiner Erzählung zurück. Die Sache war schon so weit gekommen, dass die Eltern ihr Kind, gleich als ob ihnen an dessen Leben nichts gelegen wäre, am dritten Tage nach seiner Geburt vom Morgen bis zum Abend ganz allein ließen, ohne dass sich jemand desselben annahm. Nur eines vergaßen sie nicht, dass sie es gleich nach der Geburt von einem Priester taufen ließen. Als gegen Abend eine Frau, die um die Pflege des Kindes besorgt war, in das Haus kam und das Vorgefallene erfuhr, lief sie eilends zum Kinde, um zu sehen, ob es noch lebe. Mit ihr kamen auch einige Frauen, die die Mutter besuchen wollten und Zeugen des Vorfalles waren, den ich nun erzählen will.

4. Die Frau nahm das Kind unter Tränen auf ihre Arme und sagte, gleichsam um auf die ihm zugefügte Grausamkeit hinzuweisen: »Wie, mein Kind, bist du denn keine Christin?« Das Kind erhob sein Köpfchen und sprach: »Doch, ich bin es«, und es redete kein Wort mehr bis zu dem Alter, in dem alle (Kinder) gewöhnlich reden. Jene, die dies hörten, waren von Staunen ergriffen, und die Mutter begann von da an das Kind zu lieben und liebevoll zu pflegen; oft sagte sie zu mir, dass sie so lange leben möchte, bis sie sehe, was Gott aus diesem Kinde machen werde. Sie erzog ihre Töchter recht sittsam und unterwies sie in allen Tugenden.

5. Als die Zeit herankam, in der man sie verehelichen wollte, weigerte sie sich und zeigte auch kein Verlangen darnach. Als sie aber erfuhr, dass Franziskus Velásquez - er ist jetzt ihr Gemahl und auch der Stifter dieses Klosters - um ihre Hand werbe, und seinen Namen nennen hörte, entschloß sie sich, ohne ihn je im Leben gesehen zu haben, ihn zu heiraten, wenn man ihn ihr zum Manne geben wolle. Der Herr aber sah voraus, dass dies zur Vollführung eines guten Werkes notwendig war, das beide zur Verherrlichung Seiner Majestät verwirklichten. Denn er ist nicht nur ein tugendhafter und reicher Mann, er trägt auch eine solche Liebe zu seiner Gemahlin, dass er ihr in allem zu gefallen sucht. Und das mit Recht, da der Herr ihr in reichstem Maße alles verliehen hat, was man von einer Ehefrau verlangen kann. Sie führt, mit seltenem Verständnis verbunden, mit solider Tugend ihr Hauswesen, wie dies folgender Vorfall beweist. Als ihr Gemahl sie an seinen Geburtsort Alba führte und auf Anordnung der Quartiermacher des Herzogs ein junger Edelmann in ihrem Hause Wohnung nahm, wurde sie so entrüstet, dass sie diesen Ort zu verabscheuen begann. Da sie noch jung und eine anziehende Erscheinung war, hätte sie trotz ihrer soliden Tugend Gefahr laufen können, da der Teufel dem Edelmann bereits böse Begierden einzuflößen begann. Es hätte dies leicht zu einem schlimmen Ausgang führen können, wenn sie nicht so tugendhaft gewesen wäre. Sie merkte dies und, ohne ihrem Gemahl etwas zu sagen, bat sie ihn, von diesem Orte wegzuziehen. Er gab ihr Gehör und führte sie nach Salamanca, wo sie in größter Zufriedenheit lebten, reichlich gesegnet mit irdischen Gütern; denn Velásquez bekleidete ein Amt, wodurch er sich und seiner Gattin die Achtung und das Entgegenkommen aller erwarb. Nur einen Schmerz hatten sie, dass ihnen unser Herr keine Kinder schenkte; die fromme Gattin verrichtete deshalb viele Gebete und Andachtsübungen und flehte zum Herrn um nichts anderes, als dass er ihr Nachkommenschaft geben möchte, wodurch nach ihrem Tode Seine Majestät gepriesen würde. Es fiel ihr der Gedanke überaus schwer, niemanden zurücklassen zu können, der nach ihrem Ableben Seine Majestät verherrlichen würde. Sie sagte mir auch, dass sie sonst keinen anderen Wunsch habe; sie ist, wie schon erwähnt, eine Frau von unentwegter Wahrheitsliebe, von tiefer Frömmigkeit und Tugend, so dass sie mich oft zum Lobe des Herrn stimmt, wenn ich ihre Werke und ihre Seele betrachte, da sie ein so großes Verlangen trägt, ihm zu gefallen und ihre Zeit stets gut zu benützen.

6. Schon viele Jahre lang trug sie diesen Wunsch im Herzen, als sie sich eines Tages dem heiligen Andreas empfahl, der, wie man ihr sagte, in dieser Angelegenheit ein besonderer Fürsprecher sei; auch verrichtete sie viele andere Andachtsübungen. Da vernahm sie einst in der Nacht, als sie im Bette lag, die Worte: »Verlange keine Kinder, sonst wirst du verdammt!« Obwohl sie darüber sehr erschrak und in Furcht geriet, so gab sie doch dieses Verlangen nicht auf in der Meinung, dass sie doch nicht verdammt werden könne, da sie einen so guten Zweck im Auge habe. So fuhr sie fort, unseren Herrn um diese Gnade zu bitten, und verrichtete insbesondere noch eigene Gebete zum heiligen Andreas.

7. Einst war ihr Herz wieder von demselben Verlangen erfüllt. Sie weiß aber nicht, ob sie wach war oder schlief; doch wie es auch immer gewesen sein mag, man sieht aus dem Folgenden, dass sie eine gute Vision hatte. Es kam ihr vor, als sei sie in einem Hause, in dessen Hofraum sich unter einem gedeckten Gang ein Brunnen befand; an demselben Orte sah sie eine grüne Wiese, besät mit weißen Blumen von solcher Schönheit, dass sie den Anblick nicht beschreiben kann. Neben dem Brunnen erschien ihr der heilige Andreas in der Gestalt eines sehr ehrwürdigen und schönen Mannes, dessen Anblick sie überaus erfreute und der zu ihr sprach: »Das sind andere Kinder als jene, die du willst.«

8. Sie hatte nur den Wunsch, es möchte dieser große Trost, der ihr an diesem Orte zuteil wurde, nie ein Ende nehmen; allein er war nur von kurzer Dauer. Ohne dass es ihr jemand sagte, erkannte sie in jener Erscheinung den heiligen Andreas, sowie auch, dass es der Wille Unseres Herrn sei, ein Kloster zu errichten. Daraus geht hervor, dass dies sowohl eine Verstandes, als auch eine bildhafte Vision war und weder ein Phantasiegebilde noch eine Täuschung des bösen Feindes sein konnte.

9. Fürs erste war diese Vision kein Phantasiegebilde wegen der erhabenen Wirkungen, die sie hervorbrachte; denn von da an hatte sie kein Verlangen mehr nach Kindern; die Überzeugung, dass die Gründung eines Klosters der Wille Gottes sei, blieb ihrem Herzen so tief eingeprägt, dass sie nie mehr um Kinder bat noch auch solche verlangte. So begann sie denn auf Mittel und Wege zu sinnen, um ins Werk zu setzen, was der Herr von ihr wollte.

10. Dass auch der böse Feind nicht der Urheber dieser Vision sein konnte, geht ebenfalls aus der Wirkung hervor, die sie hervorbrachte. Denn Satans Werk kann etwas Gutes, wie die bereits vollzogene Gründung eines Klosters, nicht schaffen, in dem unserem Herrn sehr eifrig gedient wird. Überdies geschah dies schon mehr als sechs Jahre vor der Gründung des Klosters, und der böse Feind kann die Zukunft nicht erkennen.

11. Voll Staunen über diese Vision sagte sie zu ihrem Gemahl: »Wir wollen jetzt ein Nonnenkloster stiften, da es nicht der Wille Gottes ist, uns mit Kindern zu beschenken.« Velásquez, der ja so gut und liebevoll gegen seine Gemahlin ist, freute sich über diesen Plan, und nun berieten sie sich darüber, an welchem Orte sie ein Kloster errichten sollten. Sie wünschte es in ihrem Geburtsorte zu haben; er aber machte auf die ernsten Schwierigkeiten aufmerksam, um sie zu überzeugen, dass es dort nicht gut angebracht sei.

12. Während sie so mit sich zu Rate gingen, ließ die Herzogin von Alba Franz Velásquez rufen; als er erschienen war, bestimmte sie ihn, wieder nach Alba zurückzukehren zur Übernahme einer Stelle und eines Amtes, das sie ihm an ihrem Hofe verleihen wolle. Nachdem sie ihn über die Art und Weise dieses Auftrages aufgeklärt hatte, nahm er das Amt an, obwohl es weit weniger einträglich war als seine Stellung in Salamanca. Als seine Gemahlin dies erfuhr, war sie sehr darüber betrübt, weil sie, wie schon erwähnt, vor diesem Orte einen Abscheu hatte; erst als er sie versicherte, dass man keinen Fremden mehr ins Haus aufnehme, beruhigte sie sich ein wenig, wenn es ihr auch noch immer überaus lästig fiel, da sie lieber in Salamanca geblieben wäre. Franz Velásquez kaufte ein Haus in Alba und ließ dann auch seine Gemahlin dorthin kommen; aber sie kam sehr ungern, und als sie das Haus sah, wurde sie noch mißvergnügter; wenn es auch sehr schön gelegen und geräumig war, so hatte es doch wenig Zimmer; die erste Nacht war sie darum sehr betrübt.

13. Als sie am anderen Tage in der Frühe in den Hof hinaustrat, erblickte sie auf derselben Seite, wo sie den heiligen Andreas gesehen hatte, den Brunnen, und es erschien ihr alles ganz genau so, wie sie es wahrgenommen. Ich spreche (natürlich) nur vom Platze; denn sie sah weder den Heiligen noch die Wiese und die Blumen, wenn sie auch all dies treu im Gedächtnis behielt und noch behält. Über diesen Anblick wurde sie verwirrt und fasste den Entschluss, daselbst ein Kloster zu errichten. Sie war nun ganz getröstet und beruhigt und hatte keinen Wunsch mehr, anderswohin zu ziehen. Beide Ehegatten schickten sich nun an, mehrere aneinanderstoßende Häuser zu kaufen, bis sie einen vollkommen genügenden Platz zum Baue eines Klosters gewonnen hatten.

14. Aber jetzt beschäftigte sie sich eingehend mit der Frage, von welchem Orden das Kloster sein sollte; denn sie wünschte nur Nonnen in geringer Anzahl und mit strenger Klausur. Als sie sich mit zwei tugendhaften und gelehrten Männern aus verschiedenen Orden darüber besprach, sagten ihr beide, dass es besser sei, andere Werke der Frömmigkeit zu verrichten; denn die Nonnen seien größtenteils mit ihrem Stande unzufrieden, überdies führten sie auch noch andere wichtige Gegengründe an. Auf diese Weise wollte der böse Feind dieses Unternehmen, das ihm (offenbar) mißfiel, verhindern; und er brachte es wirklich dahin, dass ihr die Gründe, die beide Ordensmänner anführten, berechtigt erschienen. Da nun diese beiden ihr so sehr von diesem Plane abrieten und der böse Feind noch mehr Hindernisse in den Weg legte, um ihn zu zerstören, geriet Theresia de Layz in Furcht und Angst und fasste den Entschluss, die Stiftung aufzugeben, was sie auch ihrem Gemahl eröffnete. Da solche Männer sich gegen ihr Vorhaben aussprachen, wodurch sie unserem Herrn einen Dienst zu erweisen glaubten, standen sie davon ab. Sie beschlossen nun, einen Neffen, den Sohn einer Schwester der Theresia de Layz, den sie sehr lieb hatten, mit einer Nichte des Franz Velásquez zu verehelichen und ihnen einen großen Teil ihres Vermögens zu übergeben, den anderen aber für ihr Seelenheil zu verwenden; dieser Neffe war noch sehr jung und überaus tugendhaft.

15. Beide hatten sich für diese Meinung entschieden und hielten (diesen Plan) schon für ausgemacht. Allein da unser Herr die Sache anders bestimmt hatte, so nützte ihnen ihr Entschluss wenig; denn ehe vierzehn Tage vergingen, fiel der Neffe in eine so schwere Krankheit, dass ihn unser Herr in sehr kurzer Zeit zu sich nahm. Theresia war davon aufs äußerste betroffen, so dass sie in große Furcht geriet; sie meinte, der Entschluss, das von Gott gewollte Werk zu unterlassen und dem Neffen das Vermögen zu übergeben, sei die Ursache seines Todes gewesen. Sie erinnerte sich an das, was dem Propheten Jonas widerfuhr, weil er Gott nicht gehorchen wollte, und glaubte, er habe sie auch bestraft, indem er ihr den Neffen entriß, den sie so innig liebte.

16. Von diesem Tage an war sie fest entschlossen, die Gründung des Klosters um keinen Preis mehr zu unterlassen, und auch ihr Mann war derselben Ansicht; nur wussten sie nicht, wie sie diesen Entschluss ins Werk setzen sollten. Es scheint nun wirklich, Gott habe ihr in den Sinn gegeben, was jetzt geschah. Aber jene, denen sie Mitteilung machte und vorstellte, was sie für ein Kloster gründen wolle, lachten sie aus, weil sie der Ansicht waren, dass sie die Sache nicht so finden werde, wie sie wünsche. Zu diesen gehörte insbesondere auch ihr damaliger Beichtvater, ein gelehrter und angesehener Mann aus dem Orden des heiligen Franziskus; durch ihn wurde sie ganz mutlos.

17. Um dieselbe Zeit kam dieser Ordensmann an einen gewissen Ort, wo er Kenntnis erhielt von den Klöstern Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, die eben gegründet wurden. Nachdem er sich über diese genügend Aufklärung verschafft hatte, kam er wieder zu Theresia zurück und teilte ihr mit, dass er nun gefunden (was sie suche) und sie auch ein Kloster gründen könne, wie sie es wünsche. Er berichtete ihr den ganzen Sachverhalt und veranlasste sie, mit mir darüber in Unterhandlung zu treten, was auch geschah. Es hat viele Mühe gekostet, bis wir uns verständigt hatten; denn ich habe immer darauf gesehen, dass die Klöster, die ich mit Einkünften gründete, ein so ausreichendes Einkommen haben sollten, dass die Nonnen weder von ihren Verwandten noch auch von sonst jemand etwas benötigten, sondern die notwendige Nahrung und Kleidung ihnen im Kloster gereicht und auch die Kranken mit aller Sorgfalt gepflegt werden sollten; denn wo das Notwendige fehlt, da gibt es viele Ungelegenheiten. Selbst wenn es sich darum handelte, viele Klöster ohne Einkünfte und bloß auf Armut zu gründen, würde es mir nicht an Mut und Vertrauen gebrechen, weil ich zuversichtlich hoffe, Gott werde es an nichts fehlen lassen; aber um Klöster mit Einkommen, auch nur mit geringem, zu gründen, fehlt mir der Mut gänzlich, und ich halte es für besser, sie nicht zu gründen.

18. Endlich brachte man es zuwege, dass sie Vernunft annahmen und für die bei uns festgesetzte Anzahl (von Nonnen) ein hinreichendes Einkommen bestimmten. Nebstdem überließen sie uns auch, was man ihnen besonders hoch anrechnen muss, ihr eigenes Haus und bezogen ein anderes, sehr unbequemes. Es wurde das Allerheiligste Sakrament eingesetzt, und die Gründung erfolgte am Feste der Bekehrung des heiligen Paulus im Jahre 1571 zur Ehre und Verherrlichung Gottes. Nach meinem Dafürhalten wird dort Seiner Majestät sehr eifrig gedient. Möge es ihr gefallen, dieses Kloster immer mehr zu fördern!

19. Ich habe mit der Erzählung einzelner Züge aus dem Leben einiger Nonnen dieser Klöster begonnen, weil ich mir dachte, dass die jetzigen Nonnen nicht mehr am Leben sein werden, wenn man dies zu lesen bekommt, und es für die nachkommenden eine Aufmunterung sei, solch erhabene Vorbilder nachzuahmen. Nachher aber glaubte ich, dass jemand anders dies besser und mehr im einzelnen erzählen werde, ohne, wie ich fürchten zu müssen, Anteil daran gehabt zu haben. Aus diesem Grunde habe ich wichtige Dinge übergangen, die jene, die sie gesehen und erfahren haben, für Wunder ansehen müssen, da sie übernatürlich sind. Von diesen Dingen habe ich nichts erzählen wollen und auch von jenen nicht, die offenbar unser Herr auf das Gebet (der Nonnen) hin gewirkt hat.

20. Obwohl ich mir nach Kräften Mühe gab, um mir die Jahreszahlen der einzelnen Stiftungen ins Gedächtnis zurückzurufen, so habe ich etwas Furcht, ich möchte mich bei deren Angabe vielleicht geirrt haben. Indessen liegt nicht viel daran, da man es später verbessern kann; ich gebe sie so gut an, als ich es meinem Gedächtnis entsprechend vermag. Wenn ich mich auch dann und wann irre, so wird der Unterschied von geringer Bedeutung sein.

Einundzwanzigstes Hauptstück

Stiftung des Karmels zum glorreichen heiligen Joseph in Segovia, am Feste desselben heiligen Joseph im Jahre 1574.

1. Ich habe schon erwähnt, dass mir nach der Stiftung der Klöster von Salamanca und Alba, bevor noch in Salamanca ein eigenes Haus vorhanden war, der damalige apostolische Kommissär, Pater Magister Petrus Fernández, den Auftrag gab, für drei Jahre in das Kloster der Menschwerdung nach Ávila mich zu begeben, und mir in Rücksicht auf die Not im Kloster zu Salamanca wieder zurückzukehren befahl, damit die Nonnen ein eigenes Haus bekämen.

2. Als ich dortselbst eines Tages mich im Gebete befand, sagte unser Herr zu mir, ich sollte mich zu einer Gründung nach Segovia begeben. Mir schien die Sache unmöglich; denn ich durfte ohne Auftrag nicht gehen, und ich hatte vom apostolischen Kommissär, Pater Magister Petrus Fernández, vernommen, dass ihm die Stiftung mehrerer Klöster nicht angenehm sei. Auch sah ich ein, dass diese ablehnende Haltung wohl begründet war, weil die drei Jahre, während derer ich im Kloster der Menschwerdung bleiben sollte, noch nicht zu Ende waren.

3. Während ich mir darüber meine Gedanken machte, sprach der Herr wieder zu mir, ich sollte den Pater Petrus Fernández davon in Kenntnis setzen, er werde die Erlaubnis dazu geben. Ich war in Salamanca und schrieb dem Kommissär, dass ich, wie er wohl schon wisse, von unserem wohlehrwürdigen Pater General den ausdrücklichen Befehl hätte, keine Klosterstiftung zu unterlassen, wo immer sich Gelegenheit zu einer solchen bieten würde. Es sei nun in Segovia von der Stadtobrigkeit und vom Bischof die Erlaubnis zur Gründung eines Klosters (der Reform) zugestanden worden; wenn mir daher Seine Paternität den Auftrag zur Gründung gäbe, so würde ich sie vollziehen; ich wolle ihn nur davon in Kenntnis setzen, um mit meinem Gewissen ins reine zu kommen, und würde zufrieden und beruhigt sein, was er auch immer befehlen werde.

4. Ich glaube, dass dies ungefähr meine Worte waren. Und ich bemerkte (noch) dass nach meinem Dafürhalten Gott dadurch ein Dienst erwiesen werde. Offenbar wollte Seine Majestät diese Stiftung, weil mir der Kommissär sogleich zur Antwort gab, sie vorzunehmen, und mir dazu die Genehmigung übersandte, so dass ich in Anbetracht dessen, was ich von ihm über diese Angelegenheit vernommen habe, sehr erstaunt war. Ich ließ nun gleich von Salamanca aus ein Haus mieten, weil ich seit der Gründung von Toledo und Valladolid belehrt worden bin, dass es aus vielen Gründen besser sei, erst dann ein eigenes Haus zu erwerben, wenn man Besitz ergriffen habe. Der Hauptgrund aber war, weil ich keinen Heller hatte, um eines zu kaufen. Diese Sorge überließ ich dem Herrn, weil er, wo immer ich ein Kloster in dieser Weise gründete, bald für ein Haus sorgte; zudem konnten wir uns dann einen mehr geeigneten Platz auswählen.

5. In Segovia wohnte eine Dame, die Witwe eines Majoratsherrn, namens Doña Anna de Jimena. Diese hatte mich schon einmal in Ávila besucht; sie war eine eifrige Dienerin Gottes und hatte immer den Beruf in sich gefühlt, Nonne zu werden. Sobald das Kloster errichtet war, trat sie mit einer ihrer Töchter, die ein frommes Leben führte, ein, und der Herr verlieh ihr für die Widerwärtigkeiten, die sie im Ehestande und als Witwe erduldet hatte, im Ordensleben doppelte Freude. Mutter und Tochter hatten immer in strenger Zurückgezogenheit und als wahre Dienerinnen Gottes gelebt. Diese fromme Frau suchte uns ein Haus und versah uns mit allem, was sie für die Kapelle und für uns notwendig hielt, so dass wir uns darum nicht viel zu kümmern hatten. Aber damit keine dieser Stiftungen ohne Schwierigkeiten zustande kam, wurde ich, abgesehen von den inneren Leiden, an denen meine Seele infolge Trockenheit und tiefer Finsternis des Geistes litt, auch von einem schweren Fieber, von Ekel vor Speisen und vielfachen anderen Leiden heimgesucht, die drei Monate lang sehr heftig auftraten; während des ganzen halben Jahres meiner Anwesenheit dortselbst war ich immer krank.

6. Am Feste des heiligen Joseph wurde das Allerheiligste Sakrament eingesetzt, nachdem wir erst am Tage vorher nachts in Segovia angekommen waren. Obwohl wir die Erlaubnis des Bischofs und der Stadtvertretung hatten, wollte ich doch unsere Ankunft geheimhalten. Diese Erlaubnis war zwar schon lange gegeben, aber da ich im Kloster der Menschwerdung mich befand und von einem anderen Oberen als von unserem wohlehrwürdigen Vater abhängig war, so konnte ich die Klosterstiftung nicht vornehmen. Ich hatte vom Bischof, der damals in Segovia residierte, als die Stadt ein Kloster wünschte, die Erlaubnis nur mündlich erhalten, die er vor einem Edelmann, namens Andreas de Jimena ausgesprochen, der sich unser annahm. Aber dieser hatte nicht dafür Sorge getragen, sie schriftlich zu erhalten; und ich meinte auch, dass daran nichts gelegen sei. Doch ich täuschte mich. Als der Generalvikar des Bischofs von der Errichtung des Klosters Kunde erhielt, eilte er sogleich sehr erzürnt herbei und verbot, weiterhin die Messe zu lesen, während er den Unbeschuhten Karmeliten, der die Messe schon gelesen hatte, ins Gefängnis werfen wollte. Dieser Ordensmann war mit Pater Julian de Ávila und mit einem anderen Diener Gottes, der mich begleitete, namens Antonius Gaytan, hierher gekommen.

7. Dieser (Antonius Gaytan) war ein Edelmann aus Alba, den unser Herr einige Jahre vorher, als er noch sehr in die Welt verstrickt war, zu seinem Dienste berufen hatte. Seitdem aber hat er die Welt schon so überwunden, dass sein ganzes Sinnen und Denken darauf sich bezog, wie er am meisten die Ehre des Herrn fördern könne. Ich habe gleich seinen Namen angegeben, weil er gelegentlich der folgenden Stiftungen noch öfters erwähnt werden muss. Er hat mir viel geholfen und große Dienste erwiesen, und wollte ich seine Tugenden aufzählen, so käme ich nicht so bald an ein Ende. Jene Tugend, die uns sehr zustatten kam, ist seine große Selbstüberwindung; denn keiner von den Dienern, die uns begleiteten, hatten alles, was notwendig war, so bereitwillig vollzogen wie er. Er ist im Gebetsleben sehr weit vorangeschritten und hat von Gott so große Gnaden empfangen, dass er alles angenehm und leicht fand, was andere abschrecken würde. So scheinen ihm alle Mühen, die er bei diesen Stiftungen auf sich nehmen muss, gering; und man erkennt klar, dass ihn und den Pater Julian de Ávila Gott ganz besonders dazu berufen hat; übrigens war Julian de Ávila schon seit der Stiftung des ersten Klosters bei uns. Um dieser ausgezeichneten Reisebegleitung willen musste wohl unser Herr zulassen, dass mir alles gut gelang. Auf den Reisen sprachen sie nur von Gott und unterrichteten jene, die uns begleiteten oder uns begegneten; so waren sie auf jede Weise bestrebt, Seiner Majestät zu dienen.

8. Es ist gut, meine Töchter, dass ihr, die ihr den Bericht dieser Stiftungen leset, auch wisset, was wir diesen Dienern Gottes verdanken, damit ihr sie unserem Herrn empfehlet und sie einigen Nutzen aus eueren Gebeten ziehen; denn sie haben ohne jedweden Eigennutz überaus viel zu dem Glücke beigetragen, das ihr durch das Verweilen in diesen Klöstern genießet. Wenn ihr wüßtet, wie viele böse Tage und Nächte, welche Mühseligkeiten sie auf diesen Reisen erlebten, so würdet ihr dies von Herzen gerne tun.

9. Der Generalvikar wollte sich nicht entfernen, ohne einen Gerichtsdiener an der Türe unserer Kirche zurückzulassen; ich weiß aber nicht, warum. (Vielleicht) hatte es den Zweck, den Umstehenden etwas Schrecken einzujagen. Was aber mich betrifft, so konnte auf mich nichts mehr, was auch vorfallen mochte, viel Eindruck machen, nachdem wir einmal Besitz ergriffen hatten; vorher war ich voll Furcht. Ich ließ einige angesehene Personen der Stadt, Verwandte einer der Schwestern, die ich mitgebracht hatte, zu mir rufen, die mit dem Generalvikar die Angelegenheit besprechen und ihm sagen sollten, dass ich die Erlaubnis des Bischofs hätte. Er wusste dies recht gut, wie er nachher gestand; allein er hatte gewollt, dass wir ihn davon benachrichtigt hätten, was meines Erachtens noch schlimmer gewesen wäre. Endlich einigten sie sich dahin, dass er uns das Kloster überließ, aber das Allerheiligste Sakrament uns entzog, was uns keineswegs in Verwirrung brachte. So blieben wir einige Monate, bis wir uns unter vielen Streitigkeiten ein Haus verschafften. Wir waren schon mit den Franziskanern sehr in Streit geraten wegen eines anderen in ihrer Nähe gelegenen Hauses, das wir gekauft hatten; wegen des vorhergenannten, das wir behielten, mussten wir mit den Barmherzigen Brüdern und mit dem Kapitel der Domkirche gerichtlich verhandeln, weil es eine Rente von diesem Hause bezog. O Jesus, wieviel Kummer verursacht doch dieser Streit mit so vielen Meinungen! Wenn ich einen Streit für beendigt hielt, so entstand wieder ein neuer; denn sie waren nicht zufrieden, wenn wir ihnen auch gaben, was sie verlangten, so dass bald darauf wieder eine neue Schwierigkeit entstand. Erzählt man dies, so scheint es unbedeutend zu sein, aber es ertragen müssen, war nicht leicht.

10. Ein Neffe des Bischofs, der erste Kanonikus der Domkirche, und der Lizentiat Herrera, ein eifriger Diener Gottes, taten für uns alles, was in ihrer Macht lag. Als wir endlich eine schwere Summe Geldes ausbezahlt hatten, war jene Angelegenheit beendigt; mit den Barmherzigen Brüdern lagen wir indessen noch in Streit, so dass wir ganz im geheimen das Haus beziehen mussten. Als sie unsere Anwesenheit dort merkten - wir waren nämlich ein oder zwei Tage vor dem Feste des heiligen Michael eingezogen -, fanden sie es für gut, sich mit uns mittels einer Geldsumme abzufinden. Was mir noch größeren Kummer bereitete als diese Hindernisse, war der Umstand, dass die drei Jahre (meines Priorates) im Kloster der Menschwerdung in sieben oder acht Tagen zu Ende gingen und meine Anwesenheit am Schlusse dieser Jahre dortselbst unumgänglich notwendig war.

11. Durch gütige Zulassung unseres Herrn nahm alles ein so gutes Ende, dass sich jeder Streit legte und ich zwei oder drei Tage später ins Kloster der Menschwerdung reisen konnte. Sein Name sei gepriesen in Ewigkeit, da er mir immer so große Gnaden erwiesen hat; es mögen ihn lobpreisen alle Geschöpfe! Amen.

Zweiundzwanzigstes Hauptstück

Stiftung des Klosters zum glorreichen heiligen Joseph vom göttlichen Erlöser in der Stadt Veas, am Feste des heiligen Matthias im Jahre 1575.

1. Um dieselbe Zeit, als ich, wie schon erwähnt, die Weisung erhielt, vom Kloster der Menschwerdung mich nach Salamanca zu begeben, kam während meines Aufenthaltes dortselbst ein Bote aus der Stadt Veas. Er brachte mir Briefe von einer dortigen Dame, vom Pfarrer und anderen Personen, die die Bitte enthielten, dorthin zu kommen und ein Kloster zu gründen; sie hätten schon ein Haus, und es fehle weiter nichts, als die Stiftung des Klosters vorzunehmen. Ich ließ mich von diesem Manne näher unterrichten. Er erzählte mir viel Gutes von dieser Gegend und dies nicht ohne Grund; denn dieser Ort liegt sehr anmutig und hat ein ausgezeichnetes Klima. Als ich mir aber die vielen Meilen Weges bis dorthin vor Augen stellte, schien mir die Annahme des Anerbietens eine Torheit. Dazu kam noch der Umstand, dass ich die Stiftung nicht vornehmen konnte ohne Erlaubnis des apostolischen Kommissärs, der, wie schon erwähnt, ein Gegner oder wenigstens kein Freund von (neuen) Stiftungen war. Darum wollte ich, ohne ihm etwas zu sagen, eine ablehnende Antwort geben. Nachher aber, als sich der Kommissär eben in Salamanca befand, hielt ich es doch nicht für gut, dies, ohne seine Meinung vernommen zu haben, zu tun, weil mir ja unser wohlehrwürdiger Pater General den Auftrag gegeben hatte, keine Stiftung zurückzuweisen. Nachdem der Pater Kommissär von den Briefen Einsicht genommen hatte, ließ er mir sagen, dass er keinen Grund finde, diese Leute zu betrüben; ihre Frömmigkeit habe ihn erbaut, und ich sollte ihnen schreiben, dass die Stiftung vorgenommen werden würde, wenn sie von ihrem Orden die Erlaubnis erhielten. Ich sollte aber versichert sein, dass ihnen die Erlaubnis nicht gegeben werde, weil er wisse, dass man von den Komturen auch für andere Orte die Zustimmung nicht erlangen konnte, obwohl viele Jahre lang darum nachgesucht worden sei; ich sollte indessen den Bittstellern keine abschlägige Antwort geben.

2. Zuweilen denke ich darüber nach, wie unser Herr, wenn er etwas will, was wir nicht wollen, es so fügt, dass wir selbst ohne unser Wissen als Werkzeuge dazu dienen müssen. So war es auch hier mit dem Pater Magister Petrus Fernández. Als jene Personen die gewünschte Erlaubnis erhalten hatten, konnte er auch mir die seinige nicht mehr abschlagen, und so wurde das Kloster gestiftet.

3. Dieses Kloster des seligsten Joseph in der Stadt Veas wurde also am Feste des heiligen Matthias im Jahre 1575 errichtet. Ich werde zur Ehre und Verherrlichung Gottes erzählen, wie es zustande kam. In der genannten Stadt lebte ein Edelmann, namens Sancho Rodríguez de Sandoval, der aus einem vornehmen Geschlechte stammte und viele zeitliche Güter besaß. Er war mit einer Dame, namens Doña Katharina Godinez, verheiratet. Außer anderen Kindern schenkte ihnen unser Herr auch zwei Töchter, und diese wurden die Stifterinnen des genannten Klosters. Die ältere hieß Doña Katharina Godinez, die jüngere Doña Maria de Sandoval. Die ältere zählte etwa vierzehn Jahre, als der Ruf des Herrn an sie erging. Bis zu diesem Alter hatte sie sich keineswegs darum gekümmert, die Welt zu verlassen, vielmehr hatte sie eine so hohe Meinung von sich, dass ihr alle Heiratsanträge, die der Vater ihr vorstellte, viel zu minderwertig erschienen.

4. Eines Tages befand sie sich in einem Zimmer neben dem ihres Vaters, der noch im Bette lag. Zufällig las sie an einem dort sich befindlichen Kreuz die Aufschrift, als der Herr plötzlich während des Lesens eine Veränderung in ihr herbeiführte. Sie dachte eben über eine Heirat nach, die man ihr angeboten hatte und überaus vorteilhaft für sie gewesen wäre. Da sagte sie zu sich selbst: »Wie ist doch mein Vater mit so wenigem zufrieden, dass er mir einen Majoratsherrn geben will! Ich aber denke, dass mein Geschlecht mit mir beginnen muss.« Sie hatte keine Neigung zur Verehelichung, weil es ihr erniedrigend vorkam, jemanden unterworfen zu sein; aber sie wusste selbst nicht, woher dieser Hochmut kam. Der Herr aber wusste wohl, wie er ihr hierin zu Hilfe kommen sollte; seine Barmherzigkeit sei gepriesen!

5. Während sie so den Titel des Kreuzes las, schien es ihr, als hätte in ihrer Seele ein Licht ähnlich dem Strahle der Sonne, der in ein dunkles Zimmer fällt, aufgeleuchtet, um die Wahrheit zu erkennen. Erleuchtet von diesem Lichte, heftete sie ihre Augen auf den Herrn, der mit Blut übergossen am Kreuze hing, und erwog, wie sehr er mißhandelt worden. Sie dachte an seine tiefe Demut und erkannte, wie sehr sein Weg von dem ihrigen verschieden sei, da sie auf dem Wege des Hochmuts wandle. In solchen Gedanken musste sie wohl eine geraume Zeit verweilt sein, bis der Herr ihren Geist zu sich erhob. Dabei verlieh ihr Seine Majestät eine so klare Erkenntnis ihres eigenen Elends, dass sie wünschte, alle möchten dieses Elend erkennen. Zugleich verlieh ihr Gott ein so heftiges Verlangen, für ihn zu leiden, dass sie gerne alle Peinen der Märtyrer erdulden wollte. In Verbindung damit empfand sie ein so tiefes Gefühl der Niedrigkeit und des Abscheues vor sich selbst, dass sie, wenn es ohne Beleidigung Gottes möglich gewesen wäre, gewünscht hätte, das verworfenste Weib zu sein, um für alle ein Gegenstand des Abscheues zu werden. Wenigstens fing sie an, sich zu Verabscheuen und ein inniges Verlangen nach Bußübungen zu fassen, was sie auch später ins Werk setzte. Unverzüglich machte sie das Gelübde der Keuschheit und Armut und nahm in sich eine solche Sehnsucht nach Unterwürfigkeit wahr, dass sie mit Freuden sich als Sklavin ins Land der Mauren hätte führen lassen. Alle diese Tugenden bewahrte sie dauernd in sich, so dass man klar erkannte, die übernatürliche Gnade unseres Herrn habe dies bewirkt; ich werde später darüber berichten, damit alle ihn lobpreisen.

6. Gepriesen seist du, o mein Gott, in alle Ewigkeit, der du eine Seele in einem Augenblick vernichtest und wieder von neuem schaffst! Was ist doch dies, o Herr? Ich möchte hier gerne an dich eine Frage stellen wie die Apostel, die da sagten, als du den Blindgebornen sehend machtest: »Haben seine Eltern dies verschuldet (oder er selbst)?« Ich aber frage: »Wer hat eine so erhabene Gnade verdient?« Katharina wohl nicht; denn wir wissen schon, aus welcher Gesinnung du sie herausgerissen hast, als du ihr diese Gnade gewährtest. Wie erhaben sind doch deine Gerichte, o Herr! Du weißt, was du tust, und ich weiß nicht, was ich hier sage, da deine Werke und deine Gerichte unbegreiflich sind. Sei dafür in Ewigkeit gepriesen, der du Macht hast zu noch größeren Werken! Was würde aus mir geworden sein, wenn dies nicht so wäre? Aber vielleicht war ihre Mutter teilweise die Ursache der veränderten Gesinnung ihrer Tochter; denn wir dürfen annehmen, dass du in deiner Güte und Barmherzigkeit dieser so christlichen Frau den Trost gewähren wolltest, noch in ihrem Leben eine so erhabene Tugend an ihren Töchtern zu sehen. Manchmal denke ich darüber nach, wie du jene, die dich lieben, auf solche Weise begnadigst, dass du ihnen den erhabenen Vorzug gewährst, dich auch in ihren Kindern zu verherrlichen.

7. Während sich mit Katharina ereignete, was ich soeben erzählte, erhob sich über dem Zimmer ein so starkes Geräusch, als ob das ganze Gemach zusammenstürzen würde; dieses ganze Geräusch schien aus einer Ecke hervorzukommen, wo sie stand; und sie hörte ein schreckliches Gebrüll, das eine gute Weile andauerte. Ihren Vater, der, wie schon erwähnt, noch nicht aufgestanden war, befiel eine solche Furcht, dass er zu zittern begann. In seiner Erregung griff er nach seinem Rocke und Degen, begab sich zu ihr und fragte sie, blass vor Schrecken, was dies zu bedeuten habe. Sie gab ihm zur Antwort, dass sie nichts gesehen habe. Er durchsuchte noch ein anderes, mehr nach innen gelegenes Zimmer; und da er nichts bemerkte, befahl er ihr, sich zur Mutter zu begeben; dieser aber gab er den Auftrag, sie nicht allein zu lassen, und erzählte ihr, was er gehört hatte.

8. Daraus kann man erkennen, wie sehr es den bösen Feind schmerzen muss, wenn er sieht, dass eine Seele seiner Gewalt entkommt, die er schon für sein Eigentum hält. Ich wundere mich nicht, dass dieser grimmige Feind unseres Heiles, als er sah, wie der Herr in seiner Güte ihr auf einmal so große Gnaden erteilte, in solchen Schrecken geriet und seinen Zorn in so auffallender Weise kundgab; denn er erkannte wohl, dass durch den Reichtum der Gnaden, womit diese Seele ausgestattet wurde, ihm auch andere Seelen entrissen werden wurden, die er schon als sein Eigentum ansah. Ich bin fest überzeugt, dass unser Herr so große Gnaden einer Seele nie erteilt, ohne dass auch andere Nutzen davon haben.

9. Doña Katharina sagte nie etwas von diesem Vorfall, aber es blieb ihr eine außerordentliche Vorliebe für das Ordensleben; ihre Eltern wollten jedoch trotz ihrer inständigen Bitten nie die Einwilligung zum Eintritt in einen Orden geben. Nachdem sie drei Jahre lang oft dringend gebeten hatte und sah, dass ihre Eltern unbeugsam blieben, bekleidete sie sich am Feste des Heiligen Joseph mit einem (einfachen) ehrbaren Kleide. Sie teilte dies nur ihrer Mutter mit, von der sie leicht die Erlaubnis erlangt hätte, Nonne zu werden, während sie vor dem Vater etwas Scheu empfand. So bekleidet, begab sie sich in die Kirche in der Hoffnung, dass sie nicht mehr gezwungen werde, dieses Kleid abzulegen, wenn man sie so einmal in der Öffentlichkeit gesehen habe. Und wirklich durfte sie es behalten.

10. Während dieser drei Jahre widmete sie täglich bestimmte Stunden dem Gebete und übte sich nach Kräften in jeder Abtötung, wozu der Herr sie anregte. Oft begab sie sich in den Hof, benetzte ihr Angesicht mit Wasser und stellte sich in die Sonne, um so wegen ihres üblen Aussehens von Heiratsanträgen, womit sie beständig bedrängt wurde, verschont zu bleiben. Sie empfand es überaus schwer, jemanden einen Befehl erteilen zu müssen. Wenn sie daher bei der Führung des Hauswesens ihrer Eltern den Mägden etwas befehlen musste, was ja nicht ausbleiben konnte, so wartete sie, bis sie eingeschlafen waren, küßte ihnen dann die Füße und äußerte darüber ihr Bedauern, dass sie ihr dienen müssten, während sie doch weit besser wären als sie. War sie den Tag über nach dem Willen ihrer Eltern beschäftigt, so widmete sie die ganze Nacht, in der sie hätte schlafen sollen, dem Gebete; sie begnügte sich lange Zeit mit so wenig Schlaf, dass es allem Anscheine nach auf natürliche Weise nicht möglich war, dies aushalten zu können. Ihre Bußübungen und Geißelungen waren außerordentlich, da sie niemand hatte, der sie leitete, und sie sich auch mit niemanden darüber besprach. Unter anderem trug sie einst während der ganzen Fastenzeit ein Panzerhemd ihres Vaters auf bloßem Leibe. Zum Gebete zog sie sich an einen einsamen Ort zurück, wo ihr der böse Feind manch schlimmen Streich spielte. Oft begab sie sich nachts 10 Uhr zum Gebet und unterbrach es nicht, bis sie merkte, dass es Tag wurde.

11. Ungefähr vier Jahre lang hatte sie in diesen Übungen zugebracht, als der Herr von ihr andere schwere Opfer zu verlangen begann; er sandte ihr überaus schwere und schmerzliche Krankheiten, andauerndes Fieber, Wassersucht, Herzleiden und Brustkrebs, so dass sie operiert werden musste. Diese Krankheiten dauerten nahezu siebzehn Jahre, und sie fühlte sich während dieser Zeit nur wenige Tage gesund. Fünf Jahre, nachdem ihr Gott diese Gnade erwiesen hatte, starb ihr Vater. Ein Jahr nach dieser in ihr vorgegangenen Veränderung zog auch ihre vierzehnjährige Schwester, die vorher ebenso dem Putze sehr ergeben war, ein einfaches, ehrbares Kleid an und begann sich eifrig dem Gebete zu widmen. Ihre Mutter unterstützte sie bei diesen frommen Übungen und Bestrebungen und gestattete, dass sie einem, wenn auch sehr verdienstlichen, aber doch ihrem Stande weniger entsprechenden Werke sich widmeten, nämlich die kleinen Mädchen unentgeldlich in den Handarbeiten und im Lesen zu unterrichten, um sie so das Gebet und die christlichen Wahrheiten zu lehren. Dadurch schafften sie großen Nutzen; denn es kamen viele zu ihnen; und jetzt noch kann man an ihrem frommen Lebenswandel ersehen, was sie in der Jugend gelernt hatten. Indessen währte dies nicht lange, da der böse Feind, der über dieses gute Werk in Zorn geriet, es dahin brachte, dass die Eltern den unentgeldlichen Unterricht ihrer Kinder für Schande hielten. Dieses, sowie der Umstand, dass die Krankheiten der Doña Katharina sehr zuzusetzen begannen, bereiteten diesem Unternehmen ein jähes Ende.

12. Fünf Jahre nach dem Tode des Vaters verloren diese beiden Damen auch die Mutter, und da Doña Katharina immer den Beruf zum Ordensleben in sich fühlte und nur durch den Widerspruch der Eltern davon abgehalten wurde, wollte sie sogleich das Ordenskleid nehmen. Weil aber damals zu Veas noch kein Kloster sich befand, so gaben ihnen ihre Verwandten den Rat, sie sollten, da sie doch hinreichendes Vermöge besäßen, in ihrer Vaterstadt ein Kloster stiften, wodurch sie unserem Herrn einen größeren Dienst erweisen würden. Da nun dieser Ort unter dem Ritterorden des heiligen Jakobus stand, so war die Erlaubnis des Ordensrates notwendig. Doña Katharina gab sich darum alle Mühe, sie zu erbitten. Es war aber so schwierig, sie zu erlangen, dass darüber vier Jahre verflossen. Die vielen Mühen und Unkosten, die beide Schwestern zu tragen hatten, waren vergebens und hatten keinen Erfolg, bis man an den König selber eine Bittschrift richtete. Die Sache aber stieß auf solche Schwierigkeiten, dass Ihnen ihre Verwandten rieten, dieses Vorhaben aufzugeben, da es ein törichtes Beginnen sei. Dazu kam, dass Doña Katharina infolge der schon erwähnten schweren Krankheiten fast beständig bettlägerig war, weshalb sie ihr vorstellten, sie würde in keinem Kloster als Nonne aufgenommen werden. Sie aber gab zur Antwort, dass sie, wenn ihr unser Herr innerhalb eines Monats die Gesundheit schenke, daraus erkennen werde, dass ihm durch die Errichtung eines Klosters gedient werde; sie wolle dann selbst an den Hof sich begeben, um die Angelegenheit zu betreiben. Als sie diese Bemerkung machte, war sie schon mehr als ein halbes Jahr lang nicht mehr vom Bette aufgestanden und hatte sich beinahe acht Jahre lang nicht mehr weiterbewegen können.

13. Während dieser acht Jahre litt sie beständig am Fieber, an einer Art Abzehrung, Schwindsucht und Wassersucht; endlich wurde sie von einer solch brennenden Entzündung an der Leber ergriffen, dass sich diese innere Glut auch über den Kleidern fühlbar machte und das Hemd verbrannte, was unglaublich scheint. Ich habe mich selbst bei einem Arzte, der sie damals behandelte, über diese Krankheit erkundigt, und auch dieser war sehr darüber erstaunt. Dazu hatte sie auch Glieder und Hüftengicht.

14. Am Vorabend von St. Sebastian - es war ein Samstag - gab ihr unser Herr wieder eine so vollkommene Gesundheit, dass alle ihre Anstrengungen, das Wunder geheimzuhalten, vergeblich waren. In dem Augenblicke, als ihr unser Herr die Gesundheit wieder verleihen wollte, befiel sie, wie sie sagte, ein solch heftiges inneres Zittern, dass ihre Schwester meinte, es gehe mit ihrem Leben zu Ende. Was Doña Katharina betrifft, so nahm sie an sich und an ihrer Seele eine solch außerordentliche Veränderung wahr, dass sie in Bezug auf ihren geistigen Fortschritt eine ganz andere zu sein glaubte. Sie freute sich über ihre Gesundung nicht so sehr deshalb, weil sie nichts mehr zu leiden hatte, als vielmehr weil sie die Angelegenheit in betreff der Klostergründung weiterbetreiben konnte. Auf ihre Leiden achtete sie gar nicht. Denn vom ersten Augenblick an, wo Gott sie an sich zog, empfand sie solchen Abscheu vor sich, dass sie gegen alles einen heiligen Gleichmut bewahrte. Nach ihrem eigenen Geständnis blieb ihr ein so heftiges Verlangen nach Leiden, dass sie von ganzem Herzen zu Gott flehte, sie auf alle mögliche Weise darin zu prüfen. Seine Majestät erhörte diese ihre Bitte; während dieser acht Jahre ließ man ihr, ohne vom vielfachen Schröpfen zu sprechen, mehr als fünfhundertmal Ader, wovon die Narben an ihrem Leibe noch heute Zeugnis geben. Zuweilen streute man ihr Salz in die Wunden, weil dies nach der Aussage des Arztes ein gutes Mittel wäre, um das Gift von der Entzündung an der Seite zu entfernen; diesen Schmerz erduldete sie mehr als zwanzigmal. Noch mehr zu bewundern ist, dass sie, wenn der Arzt von einem solchen Mittel sprach, mit großer Sehnsucht und ohne alle Furcht die Stunde erwartete, in der man es anwendete. Sie ermutigte selbst die Ärzte, wenn sie die Instrumente zum Brennen ansetzten, was wegen ihres Brustkrebses und bei anderen Gelegenheiten gar oft geschehen musste. Nach ihrem eigenen Geständnis war der Grund, warum sie diese Qual wünschte, kein anderer, als um sich zu prüfen, ob ihr Verlangen nach dem Martertode echt sei.

15. Als sie sich plötzlich gesund sah, besprach sie sich mit ihrem Beichtvater und mit dem Arzte (und äußerte den Wunsch), man möchte sie an einen anderen Ort verbringen, damit die Leute sagen könnten, die Luftveränderung habe sie gesund gemacht. Diese aber wollten davon nichts wissen; vielmehr machten die Ärzte dieses Wunder selbst bekannt, da sie die Kranke schon für unheilbar erklärt und versichert hatten, dass das faule Blut, das sie durch den Mund auswarf, nichts anders sei, als die Lunge selbst. Drei Tage noch blieb sie im Bette und wagte nicht aufzustehen, damit man von ihrer Heilung nichts erfahren möchte; aber da man die Gesundheit ebensowenig wie die Krankheit verbergen kann, so nützte dies wenig.

16. Sie selbst erzählte mir, sie habe im vorhergehenden (Monat) August eines Tages unsern Herrn gebeten, er möge entweder jenes innige Verlangen, Nonne zu werden und ein Kloster zu gründen, von ihr nehmen oder ihr Mittel und Wege verschaffen, um dieses Vorhaben ins Werk setzen zu können; sie habe daraufhin mit voller Gewissheit die Versicherung erhalten, dass sie zur rechten Zeit in den Besitz der Gesundheit gelangen werde, um in der folgenden Fastenzeit abreisen, und die Erlaubnis zur Gründung eines Klosters erwirken zu können. Ebenso versichert sie, sie habe während jener Zeit, obwohl die Krankheiten immer gefährlicher wurden, nie die Hoffnung aufgegeben, dass ihr der Herr diese Gnade erweisen werde. Obwohl sie schon zweimal die letzte Ölung empfangen hatte - einmal war sie so schlimm daran, dass der Arzt erklärte, die Spendung der letzten Ölung sei vergebens, da sie zuvor noch sterben werde -, so verlor sie doch nie das Vertrauen auf den Herrn, dass sie als Nonne sterben werde. Ich will damit nicht sagen, dass sie die letzte Ölung vom Monat August bis zum Feste des heiligen Sebastian zweimal empfangen habe; einmal geschah es schon früher.

17. Als nun ihre Geschwister und ihre Verwandten die Gnade und das Wunder sahen, das der Herr durch die plötzliche Heilung an ihr gewirkt hatte, wagten sie es nicht mehr, die Reise zu hintertreiben, obwohl sie diese für nutzlos hielten. Sie verweilte drei Monate in Madrid und konnte schließlich doch nichts erreichen. Als sie aber ihre Bittschrift dem König selbst überreichte, befahl dieser bei der Wahrnehmung, dass es sich um die Stiftung eines Klosters der unbeschuhten Karmelitinnen handle, unverzüglich deren Ausfertigung.

18. Als man zur Stiftung des Klosters schritt, zeigte es sich klar, dass sie mit Gott die Angelegenheit betrieben hatte. Denn die Oberen gaben die Erlaubnis, obwohl der Ort sehr weit entfernt lag und die Einkünfte ganz gering waren. Denn was Seine Majestät einmal will, das muss auch zustande kommen. Die Schwestern kamen zu Beginn der Fastenzeit des Jahres 1575 in Veas an. Das Volk empfing sie voll Freude in öffentlicher Prozession und mit großer Feierlichkeit. Die Freude war allgemein sehr groß, selbst die Kinder bezeugten in ihrer Art, dass dieses Werk unserem Herrn angenehm sei. Das Kloster wurde noch in derselben Fastenzeit, am Feste des heiligen Matthias, gestiftet unter dem Titel des heiligen Joseph vom göttlichen Erlöser.

19. Am selben Tage wurden auch die beiden Schwestern unter großer Freude eingekleidet. Mit der Gesundheit der Doña Katharina ging es immer besser. Ihre Demut, ihr Gehorsam und ihr Verlangen, von anderen verachtet zu werden, beweisen zur Genüge, dass ihr Wunsch, sich dem Dienste unseres Herrn zu weihen, aufrichtig war. Er sei gepriesen in Ewigkeit!

20. Unter anderem erzählte mir diese Schwester, dass sie sich eines Abends - es war vor ungefähr zwanzig Jahren - zu Bette begab, von dem Verlangen beseelt, den vollkommensten Orden, den es auf Erden gebe, zu finden um dort eintreten zu können. Da sei es ihr im Traume vorgekommen, als gehe sie über einen sehr schmalen und engen Steg, wobei sie in großer Gefahr gewesen sei, in tiefe Abgründe zu fallen, die sich vor ihrem Auge auftaten; darauf habe sie einen unbeschuhten Karmeliten erblickt. Als dann der Bruder Johannes vom Elend ein kleiner Laienbruder unseres Ordens, während meines Aufenthaltes in Veas dorthin kam, schien er ihr derselbe zu sein, den sie (im Traume) gesehen hatte Er hatte zu ihr gesprochen: »Komm mit mir, Schwester«, und er führte sie in ein Haus, in dem sich eine große Zahl von Nonnen befand. In diesem Hause war kein anderes Licht als einige brennende Kerzen, die die Nonnen in den Händen trugen. Sie fragte, was das für ein Orden sei, worauf alle schwiegen und lächelnd und freudigen Angesichts sich entschleierten. Katharina versicherte, sie habe die Gesichtszüge derselben Schwestern wahrgenommen, die sie jetzt im Kloster sehe; die Priorin habe sie bei der Hand genommen und zu ihr gesagt: »Tochter, hier will ich dich haben«; dann habe sie ihr die Regel und die Satzungen gezeigt. Nach dem Erwachen von diesem Traume war sie von solcher Freude erfüllt, als wäre sie im Himmel gewesen; sie schrieb alles auf, was ihr von der Regel noch einfiel. Es verging eine geraume Zeit, ohne dass sie davon weder ihrem Beichtvater noch sonst jemandem gegenüber etwas verlauten ließ, und niemand wusste ihr von diesem Orden etwas zu sagen.

21. Eines Tages kam ein Pater aus der Gesellschaft Jesu, der von ihrem Vorhaben wusste, nach Veas. Sie zeigte ihm, was sie aufgeschrieben, und sagte, dass sie sehr glücklich wäre, wenn sie diesen Orden fände, und unverzüglich eintreten würde. Dieser kannte unsere Klöster und bemerkte, dass dies die Regel des Ordens Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel sei. Er sprach sich jedoch nicht so deutlich aus, dass sie eine vollständige Kenntnis davon erlangt hätte, sondern erzählte nur von den Klöstern, die ich stiftete. Daraufhin schickte sie, wie schon erwähnt, einen Boten an mich. Als sie die Antwort erhielt, war sie schon so krank, dass ihr der Beichtvater nahelegte, sich zu beruhigen, da man sie ja, wenn sie sich auch in einem Kloster befände, doch nicht behalten und noch viel weniger in diesem Zustande aufnehmen würde; darüber war sie sehr betrübt. Sie wandte sich in ihrem tiefen Schmerz an unseren Herrn und sprach: »Mein Herr und mein Gott; kraft meines Glaubens weiß ich, dass du allmächtig bist; so bewirke denn, du Leben meiner Seele, dass entweder dieses Verlangen von mir genommen wird, oder zeig mir Mittel und Wege, um es ins Werk zu setzen.«

22. Diese Worte sprach sie mit innigem Vertrauen und bat zugleich Unsere Liebe Frau bei all ihren Schmerzen, die sie erduldete, als sie den Leichnam ihres Sohnes auf ihren Armen sah, für sie eine Fürsprecherin zu sein. Da vernahm sie in ihrem Innern eine Stimme, die zu ihr sprach: »Glaube und vertraue; denn ich bin es, der alles vermag. Du wirst die Gesundheit erlangen; denn jener, der bewirken konnte, dass du an so vielen Krankheiten, die alle ihrer Natur nach tödlich waren, nicht gestorben bist, und der nicht zuließ, dass sie diese Wirkung «hervorbrachten, wird noch viel leichter sie hinwegnehmen können.« Diese Worte wurden, wie sie versichert, mit solcher Kraft und Gewissheit zu ihr gesprochen, dass sie an der Erfüllung ihrer Wünsche gar nicht mehr zweifeln konnte, obwohl die Krankheiten noch immer mehr zunahmen; endlich verlieh ihr der Herr auf die erwähnte Weise die Gesundheit wieder. Es scheint wahrhaft unglaublich, was sie ausgestanden; und wenn ich mich nicht beim Arzte, bei ihren Hausgenossen und anderen Personen erkundigt hätte, so würde ich, da ich so böse bin, gar leicht auf den Gedanken gekommen sein, es sei dabei manche Übertreibung vorgekommen.

23. Obwohl Katharina etwas schwächlich ist, so besitzt sie doch so viel Gesundheit, um die Regel beobachten zu können. Sie sieht gut aus, ist überaus freudig gestimmt und zeigt, wie schon erwähnt, durchwegs eine so tiefe Demut, dass wir alle unseren Herrn lobpreisen müssen. Alles, was die beiden (Schwestern) besaßen, schenkten sie ohne Ausnahme dem Orden. Und wenn wir sie auch nicht als Nonnen hätten aufnehmen wollen, würden sie nichts zurückgefordert haben. Doña Katharina hat sich von ihren Verwandten und ihrer Heimat vollkommen losgeschält; sie hat immer ein inniges Verlangen, weit von Veas entfernt zu sein, so dass sie sich deshalb oft dringend (um Gewährung dieser Bitte) an ihre Oberen wendet, obgleich ihr Gehorsam so vollkommen ist, dass sie auch damit zufrieden ist, in Veas zu bleiben. Nur aus Gehorsam hat sie den (schwarzen) Schleier genommen; anfänglich konnte man sie gar nicht dazu bewegen, Chorschwester zu werden; sie wollte Laienschwester sein, bis ich schrieb, ihr viele Vorstellungen machte und einen Verweis erteilte, dass sie einen anderen Wunsch habe als den des Paters Provinzial. Ich sagte ihr unter anderem, und zwar in allem Ernste, dass sie so kein größeres Verdienst haben werde. Dies bereitet ihr die größte Freude, wenn man so mit ihr spricht. Auf diese Weise konnte man sie freilich ganz gegen ihren Willen dazu bereden. Ich kann an dieser Seele nichts finden, was sie nicht vor Gott wohlgefällig machen würde, und so ist sie denn auch bei allen Schwestern sehr beliebt. Die göttliche Majestät wolle sie in seiner Hand halten und die Tugenden und Gnaden, womit er sie bereichert hat, vermehren zu seiner größeren Ehre und Verherrlichung!

Dreiundzwanzigstes Hauptstück

Stiftung des Karmels zum glorreichen heiligen Joseph in der Stadt Sevilla. Die erste heilige Messe wurde dort am Feste der allerheiligsten Dreifaltigkeit im Jahre 1575 gelesen.

1. Während ich mich in der Stadt Veas befand und auf die Erlaubnis des Ordensrates zur Stiftung des Klosters in Caravaca wartete, erhielt ich den Besuch eines unserer unbeschuhten Väter. Es war der Magister Pater Hieronymus Gracián von der Mutter Gottes, der erst vor wenigen Jahren zu Pastrana in unseren Orden eingetreten war. Er ist ein sehr gelehrter, scharfsinniger und bescheidener Mann, dessen ganzes Leben mit seltenen Tugenden geziert war, so dass es scheint, Unsere Liebe Frau habe ihn selbst zum Heile dieses Ordens nach der ursprünglichen Regel auserwählt. Als er sich noch in Alcalá befand, hatte er schon immer die Absicht, Ordensmann zu werden, wenn er auch noch nicht daran dachte, in unseren Orden einzutreten. Obwohl seine Eltern, die beim König in hohem Ansehen standen und sich von seiner großen Geschicklichkeit viel versprachen, ganz andere Absichten hatten, so wollte er doch auf ihre Pläne keineswegs eingehen.

2. Schon beim Beginn seiner Studienlaufbahn wollte sein Vater ihn für das Studium der Rechtswissenschaften bestimmen. Das fiel dem noch zarten Jüngling überaus schwer, und er konnte nur durch viele Tränen von ihm die Erlaubnis erlangen, sich dem Studium der Theologie widmen zu dürfen. Nachdem er den Grad eines Magisters sich erworben hatte, ging er mit dem Gedanken um, in die Gesellschaft Jesu einzutreten; man hatte ihm bereits die Aufnahme zugesagt, nur wurde ihm nahegelegt, aus einem gewissen Grund noch einige Tage zu warten. Er selbst sagte mir, dass alle Annehmlichkeiten, die er (in der Welt) genoß, ihm zur Qual wurden, da hierin, wie er meinte, nicht jener Weg zu finden sei, der sicher zum Himmel führe. Er widmete immer gewisse Stunden dem Gebete und strebte in besonderer Weise nach innerer Sammlung und Sittenreinheit.

3. Um dieselbe Zeit trat einer seiner besten Freunde, der ebenfalls Magister der Theologie war, zu Pastrana in unseren Orden. Er hieß Pater Johannes von Jesu. Ich weiß nun nicht, ob ein Bericht, den dieser über die Vortrefflichkeit und das hohe Alter unseres Ordens schrieb, oder etwas anderes die Ursache war, dass Hieronymus Gracián mit großer Vorliebe alles las, was diesen Orden betrifft. Er verfasste sogar selbst ein Werk, um aus gewichtigen Autoren dessen Vorzüge zu beweisen. Dieser Beschäftigung gab er sich mit solchem Interesse hin, dass er, wie er selbst bekennt, oft Gewissensskrupel empfand, weil er das Studium anderer Gegenstände vernachlässigte, um sich dieser Arbeit widmen zu können. Auch die Erholungsstunden verwendete er auf dieses Studium.

4. O Weisheit und Macht Gottes, welch vergebliche Anstrengungen machen wir doch, uns seinem Willen entziehen zu können! Unser Herr erkannte wohl, wie überaus notwendig so ein Mann für jenes Werk sei, das Seine Majestät begonnen. Ich preise ihn oft für die Gnade, die er uns in ihm erwiesen hat. Hätte ich auch Seine Majestät noch so inständig um einen Mann bitten wollen, der fähig gewesen wäre, alle Angelegenheiten in diesen ersten Zeiten des Ordens zu regeln, so würde ich durch mein Flehen doch keinen solchen erhalten haben, wie Gott uns an ihm einen gegeben hat. Er sei in Ewigkeit dafür gepriesen!

5. Als Pater Gracián noch in keiner Weise daran dachte, in unseren Orden einzutreten, ersuchte man ihn, nach Pastrana zu reisen und sich mit der Priorin unseres Nonnenklosters, das damals noch nicht verlegt war, über die Aufnahme einer Nonne zu besprechen. Wie wunderbar sind doch die Mittel, deren sich Seine Majestät bedient! Hätte sich Pater Gracián zu dieser Reise entschlossen, um das Ordenskleid zu nehmen, so würden ihm sehr viele abgeraten haben, so dass er diesen Entschluss vielleicht nie ausgeführt hätte. Aber die seligste Jungfrau, Unsere Liebe Frau, die er sehr eifrig verehrte, wollte ihn dadurch belohnen, dass sie ihm ihr Ordenskleid gab; ich denke wenigstens, dass sie die Mittlerin war, um derentwillen ihm Gott diese Gnade verlieh. Ja, die Ursache, dass er in unseren Orden trat und ihm mit inniger Liebe zugetan ist, war diese glorwürdige Jungfrau, die es dem, der ihr aufrichtig dienen will, nicht an Gelegenheit fehlen lässt, sein Verlangen ins Werk zu setzen. Sie pflegt eben jenen ihre Gunst zuzuwenden, die sich ihrem Schutze anvertrauen wollen.

6. Während Gracián noch als Knabe in Madrid lebte, begab er sich oft zu einem Bilde Unserer Lieben Frau, zu dem er eine besondere Andacht trug; ich erinnere mich nicht mehr, wo dieses sich befand. Er nannte sie seine allerliebste (Mutter) und pflegte (das Bild) sehr häufig zu besuchen. Sie hat ihm wohl auch von ihrem Sohne die Reinheit erfleht die er immer bewahrte. Es kam ihm, wie er erzählt, manchmal vor, als wären die Augen (des Bildes) vor Weinen angeschwollen wegen der vielen Beleidigungen, die man ihrem Sohne zufügte. Von da an erwachte in ihm ein heftiger Antrieb und ein inniges Verlangen nach dem Heile der Seelen, und er wurde von tiefstem Schmerz erfüllt, wenn er an die Beleidigungen Gottes dachte. Dieses Verlangen nach dem Heile der Seelen ist in ihm so lebendig, dass ihm jede Mühe gering erscheint, wenn er ihnen dadurch irgendwie nützen zu können glaubt. Ich habe dies selbst bemerkt und erfahren bei den vielem Prüfungen, die er auf sich nehmen musste.

7. Als ihn nun die allerseligste Jungfrau gleichsam wie durch List nach Pastrana geführt hatte, da er ja dorthin sich begab, um, wie er meinte, für eine Postulantin das Ordenskleid zu begehren, fügte es Gott, dass er es selbst bekam. O der Geheimnisse Gottes! Wie gut weiß er uns auch gegen unseren Willen für den Empfang seiner Gnaden vorzubereiten, und wie reichlich hat er diesem Manne die guten Werke, die er verrichtet, das treffliche Beispiel, das er immer gegeben, und das innige Verlangen, seiner glorwürdigen Mutter zu dienen, belohnt! Ja, gerade diesen Dienst belohnt Seine Majestät allem Anscheine nach allezeit mit großen Gnaden.

8. Als nun Pater Hieronymus Gracián nach Pastrana gekommen war, wollte er mit der Priorin wegen der Aufnahme jener Nonne sprechen; aber, wie es scheint, hat er mit ihr nur gesprochen, damit sie bei unserem Herrn seinen eigenen Eintritt in den Orden erflehe. Als sie ihn sah, war sie ganz entzückt; er ist eben in seinem Verkehr so liebevoll, dass jene, die mit ihm umgehen, ihn fast ausnahmslos lieben, was eine große Gnade Gottes ist; darum ist er auch bei den Brüdern und Schwestern (die ihm unterstehen) überaus beliebt. Wenn er auch keinen Fehler ungestraft lässt, da er ja äußerst besorgt ist um die Förderung des religiösen Lebens, so weiß er doch eine so anziehende Güte anzuwenden, dass sich niemand über ihn beklagen kann.

9. Der Priorin erging es wie den übrigen (die mit ihm verkehren); sie wurde von ihm so eingenommen, dass sie das sehnlichste Verlangen hegte, er möchte in unseren Orden eintreten. Wir hatten damals nur wenige Religiosen und keinen seinesgleichen, weswegen die Priorin ihren Mitschwestern vor Augen stellte, wie wichtig es für den Orden wäre, einen solchen Mann zu gewinnen; sie sollten darum zu unserem Herrn flehen, dass er ihn nicht mehr fortgehen lasse, ohne sich dem Orden anzuschließen. Diese Priorin ist eine sehr große Dienerin Gottes und ich glaube, dass die göttliche Majestät auch ihr Gebet allein erhört hätte; um wie viel mehr war dann dies von den Gebeten so vieler frommen Seelen zu erwarten, die sich dort befanden. Allen lag diese Angelegenheit sehr am Herzen, und sie flehten ohne Unterlass durch Fasten, Bußübungen und Gebet zu Seiner Majestät. Und wirklich hat Gott uns diese Gnade gewährt. Pater Gracián begab sich in das Kloster der unbeschuhten Brüder in Pastrana, wo er eine so vollkommene Observanz und so gute Gelegenheit fand, unserem Herrn zu dienen. Dies sowie der Umstand, dass der Orden der glorwürdigsten Mutter Gottes geweiht ist, nach deren Verehrung er so großes Verlangen trug, ließ allmählich in seinem Herzen den Entschluss heranreifen, nicht mehr in die Welt zurückzukehren. Obwohl ihm der böse Feind viele Hindernisse in den Weg legte, vor allem die Betrübnis der Eltern, die ihn so innig liebten und auf ihn das zuversichtliche Vertrauen setzten, für ihre übrigen Kinder eine Stütze zu sein - sie hatten nämlich viele Söhne und Töchter -, so überließ er doch diese Sorge Gott, dem zuliebe er alles verließ, und entschloß sich, ein Diener der allerseligsten Jungfrau zu werden und in ihren Orden einzutreten. Er wurde aufgenommen zur großen Freude aller, besonders der Nonnen und der Priorin, die bei dem Gedanken, Gott habe ihnen auf ihr Gebet hin diese Gnade erwiesen, unsern Herrn aus allen Kräften lobpriesen.

10. Während des Prüfungsjahres bewies Pater Gracián eine Demut wie einer der jüngsten Novizen. Seine Tugend bewährte sich ganz besonders, als einst in Abwesenheit des Priors ein ganz junger Ordensmann, der weder das nötige Wissen noch auch die Fähigkeit und Klugheit zur Leitung besaß, als Oberer aufgestellt wurde; zudem hatte dieser auch keine Erfahrung, da er erst vor kurzem in den Orden eingetreten war. Die Art und Weise, wie er die Untergebenen leitete, und die Abtötungen, die er ihnen auflegte, waren ganz übertrieben; und ich wundere mich noch immer, sooft ich daran denke, wie dies vor allem so verdienstvolle Männer wie Pater Gracián ertragen konnten. Um dies auszuhalten, war es wohl notwendig, dass Gott ihm den Geist dazu gab. Nachher sah man auch ein, dass dieser junge Mann sehr melancholisch war; überall, wo er sich als Untergebener befand, hatte man genug mit ihm auszustehen, da er dieser Gemütsstimmung so sehr unterworfen ist; wie muss es dann erst unter seiner Leitung gewesen sein? Er ist übrigens ein guter Ordensmann, und Gott lässt manchmal so einen Irrtum in der Aufstellung solcher Personen zu, um in jenen, die er lieb hat, die Tugend des Gehorsams zu vervollkommnen.

11. Dies mag wohl auch hier der Fall gewesen sein. Zum Lohne dafür verlieh Gott dem Pater Hieronymus Gracián von der Mutter Gottes hohe Einsicht bezüglich dessen, was sich auf den Gehorsam bezieht, so dass er, nachdem er selbst in der Übung dieser Tugend einen so guten Anfang gemacht hatte, seine Untergebenen hierin unterweisen konnte. Damit ihm ferner die zu allem notwendige Erfahrung nicht mangelte, wurde er drei Monate vor seiner heiligen Profeß von sehr heftigen Versuchen angefochten. Aber da er berufen war, ein mutiger Führer der Kinder der allerseligsten Jungfrau zu werden, so hielt er wacker stand. Wenn ihm der böse Feind heftiger zusetzte, den Orden zu verlassen, so widerstand er mit dem Gelöbnis, dies nicht tun zu wollen, sondern sich durch die Ordensgelübde zu binden. Er gab mir eine Abhandlung, die er während dieser schweren Versuchungen geschrieben hat. Ich wurde dadurch sehr zur Andacht gestimmt; man erkennt daraus ganz klar die Kraft, die ihm der Herr verlieh.

12. Man könnte es für ungeeignet halten, dass mir dieser Mann bezüglich seines Seelenlebens solche Einzelheiten anvertraute. Vielleicht hat es Gott zugelassen, damit ich sie hier aufzeichne und er gepriesen werde in seinen Geschöpfen; ich weiß, dass er sich weder vor seinem Beichtvater noch vor sonst jemand so deutlich ausgesprochen hat. Manchmal veranlasste ihn zu solchen Mitteilungen die Meinung, ich könnte in Anbetracht meines Alters und bezüglich dessen, was er von mir gehört, einige Erfahrung besitzen. Als wir gelegentlich andere Gegenstände besprachen, hat er mir dies und anderes anvertraut, was sich aber nicht gut aufzeichnen lässt, da ich sonst viel zu weitläufig werden würde. Ich kann ohnehin versichern, dass ich bei diesem Berichte sehr vorsichtig zu Werke gegangen bin, aus Furcht, ihm Verdruss zu bereiten, wenn er ihm einmal in die Hände kommen sollte.

13. Wenn er diesen Bericht auch zu sehen bekommt, so geschieht es doch erst nach längerer Zeit, und ich konnte nicht umhin, und es schien mir auch nicht recht, jenen mit Stillschweigen zu übergehen, der so vieles getan hat bei dieser Erneuerung der ursprünglichen Regel. Er war zwar nicht der erste, der das Werk der Reform begann, aber es kam doch eine Zeit, in der ich manchmal Reue empfand, es begonnen zu haben, wenn ich nicht ein überaus großes Vertrauen auf Gottes Barmherzigkeit gehabt hätte. Ich denke hier an die Männerklöster; denn mit den Frauenklöstern ist es dank seiner Gnade bis jetzt noch immer gut gegangen. Mit den Klöstern der Brüder stand es zwar auch nicht schlecht, aber sie trugen von Anfang an den Keim eines baldigen Verfalles in sich, weil sie keine eigene Provinz bildeten und unter der Leitung der Beschuhten standen. Es wurde nämlich jenen, die die Fähigkeit gehabt hätten, die Leitung zu übernehmen, wie dem Pater Antonius von Jesu, der die Reform in die Wege zu leiten begann, keine Gewalt zugestanden; überdies hatten (die Unbeschuhten) vom wohlehrwürdigen Pater General noch keine Satzungen erhalten. In jedem Kloster tat man, was man für gut hielt; und bis sie sich gegenseitig verständigt und eine eigene Leitung bekommen hätten, würde man viele Schwierigkeiten zu überwinden gehabt haben, da die einen diese, die anderen jene Ansicht hatten. Dies bereitete mir oft großen Kummer.

14. Unser Herr schaffte nun durch Vermittlung des Paters Hieronymus von der Mutter Gottes Abhilfe, der zum apostolischen Kommissär ernannt wurde und die Gewalt und Oberleitung über die Männer und Frauenklöster der Unbeschuhten erhielt. Er verfasste für die Brüder eine eigene Satzung, während wir sie schon von unserem wohlehrwürdigen Pater General erhalten hatten. Darum entwarf er für uns keine Satzungen, sondern nur für jene, und zwar kraft seiner apostolischen Vollmacht und vermöge seiner hervorragenden Geistesanlage, die ihm der Herr, wie schon erwähnt, verliehen hat. Als er zum ersten Male die Männerklöster visitierte, stellte er eine solche Ordnung und Harmonie her, dass offenbar die göttliche Majestät ihm beistand und man sehen konnte, Unsere Liebe Frau habe ihn erwählt, ihrem Orden zu Hilfe zu kommen. Möge sie mein inniges Gebet, das ich zu ihr emporsende erhören und es bei ihrem Sohne erwirken, dass er ihn immer beschütze und ihm die Gnade verleihe, in seinem Dienste stets größere Fortschritte zu machen! Amen.

Vierundzwanzigstes Hauptstück

Stiftung des Karmels zum heiligen Joseph in der Stadt Sevilla. Fortsetzung.

1. Als mich Pater Magister Hieronymus Gracián, wie schon erwähnt, in Veas besuchte, hatten wir uns, obwohl ich es mir lange wünschte, bis dahin noch nie gesehen, wohl aber uns einige Male gegenseitig geschrieben. Ich war überaus erfreut, als ich seine Ankunft erfuhr; denn ich hatte große Sehnsucht, ihn persönlich kennenzulernen, da man mir so viel Gutes über ihn erzählte. Meine Freude wurde aber noch erhöht, als ich mit ihm zu sprechen begann. Ich war über ihn so befriedigt, dass nach meinem Dafürhalten jene, die sich mir gegenüber so lobend über ihn ausgesprochen hatten, ihn gar nicht kannten. Da ich mich damals in großer Bedrängnis befand, so glaubte ich, der Herr wolle mir schon durch seinen Anblick das Gute zeigen, das durch seine Vermittlung uns zuteil werden sollte. Während der Tage (seines Aufenthaltes) war mein Trost und meine Freude so groß, dass ich in Wahrheit über mich selbst staunte. Damals war er bloß Kommissär in Andalusien; aber während seines Aufenthaltes in Veas ließ ihn der Nuntius zu sich rufen und gab ihm die gleiche Vollmacht auch über die Männer und Frauenklöster der Unbeschuhten in der Provinz Kastilien. Mein Herz war darüber so erfreut, dass ich in jenen Tagen unablässig unserem Herrn Dank sagte und sonst nichts anderes tun wollte.

2. In dieser Zeit traf auch die Erlaubnis zur Klostergründung in Caravaca ein; aber der Wortlaut war meinem Vorhaben nicht entsprechend, und so musste man sich nochmals an den Hof wenden. Ich hatte an die Stifterinnen geschrieben, dass die Gründung in keiner Weise stattfinden werde, wenn man nicht um eine gewisse Klausel nachsuchen würde, die noch mangelte; so musste man nochmals an den Hof schicken. Mir fiel es schwer, dort so lange Zeit zu warten, und ich wäre gern wieder nach Kastilien zurückgekehrt; da aber Pater Hieronymus, dem als Kommissär der ganzen Provinz Kastilien auch das Kloster in Veas unterstand, anwesend war, so konnte ich ohne seinen Willen nichts tun; darum nahm ich mit ihm hierüber Rücksprache. Er war nun der Ansicht, dass es einerseits durch meine Abreise um die Gründung in Caravaca geschehen sei, während andererseits durch die Stiftung in Sevilla Gott ein großer Dienst erwiesen werde. Das Zustandekommen dieser Niederlassung schien mir sehr leicht, weil einige einflussreiche Personen darum nachgesucht hatten, die ein hinreichendes Vermögen besaßen, um sogleich ein Haus in Bereitschaft zu stellen. Auch der Erzbischof von Sevilla war dem Orden so geneigt, dass Pater Gracián glaubte, ihm dadurch einen großen Gefallen zu erweisen. So beschlossen wir, dass ich mit der Priorin und den Nonnen, die ich für Caravaca bestimmt hatte, nach Sevilla abrufen sollte.

3. Ich war aus verschiedenen Gründen immer sehr dagegen, in Andalusien ein Kloster unserer Reform zu errichten; und wenn ich bei meiner Abreise nach Veas gewusst hätte, dass diese Stadt zu Andalusien gehöre, so hätte ich mich auf keine Weise dorthin begeben. Der Grund meines Irrtums war der, dass Veas in Wirklichkeit doch von der Provinz Andalusien abhängig ist, während das Land, ich glaube in einem Umkreise von vier bis fünf Meilen nicht zu Andalusien gehört. Als ich aber sah, dass mein Oberer diese Entscheidung traf, unterwarf ich mich sofort; denn unser Herr erweist mir die Gnade, dass mir immer gut scheint, was meine Vorgesetzten anordnen. Obwohl ich schon zu einer anderen Stiftung entschlossen war und auch einige sehr wichtige Gründe hatte, mich nicht nach Sevilla zu begeben, so trafen wir doch zugleich Anstalten für die Abreise, weil die Hitze zuzunehmen begann.

4. Der apostolische Kommissär Pater Gracián reiste ab, weil er vom Nuntius berufen worden war, während wir uns auf die Reise nach Sevilla begaben, begleitet von unseren guten Reisegefährten Pater Julian de Ávila, Antonius Gaytan und einem unbeschuhten Karmeliten. Wir fuhren auf ganz verdecken Wagen, wie dies immer unsere Art zu reisen war. Wenn wir in einer Herberge ankamen, bestellten wir ein Zimmer, mochte es nun gut oder schlecht sein, wie man es eben haben konnte; eine Nonne nahm an der Türe in Empfang, was wir bedurften. Selbst unsere Reisegefährten durften unser Zimmer nicht betreten. Obwohl wir uns sehr beeilten, kamen wir doch erst am Dienstag vor dem Feste der allerheiligsten Dreifaltigkeit in Sevilla an, nachdem wir unterwegs große Hitze ausgestanden hatten.

5. Wir unterbrachen wohl die Reise während der Mittagszeit, allein da die Sonne mit aller Kraft auf die Wagen herniederbrannte, so war es, ich versichere Sie, meine Schwestern, als ob wir uns in ein Fegfeuer begeben würden, wenn wir wieder ausstiegen. Indem wir bald an die Hölle dachten, bald uns erinnerten, auch für Gott etwas zu tun und zu leiden, waren die Schwestern auf der Reise recht heiter und fröhlich. Die sechs (Schwestern), die ich bei mir hatte, waren Seelen, mit denen ich es nach meinem Dafürhalten hätte wagen dürfen, mich in das Land der Türken zu begeben. Sie hätten die Kraft gehabt, oder besser gesagt, unser Herr hätte sie ihnen verliehen, für ihn zu leiden; sie waren dem Gebete und der Selbstverleugnung sehr ergeben, und so bezogen sich ihre Wünsche und ihre Gespräche nur auf diese Gegenstände. Weil sie in so weiter Ferne bleiben mussten, so wählte ich mit aller Sorgfalt jene aus, die mir als die tauglichsten erschienen. Dies war auch überaus notwendig wegen der großen Widerwärtigkeiten, die sie erdulden mussten; von diesen will ich aber einige, und zwar die bedeutenderen, mit Stillschweigen übergehen, weil manche daran Anstoß nehmen könnten.

6. Am Tage vor Pfingsten setzte sie Gott sehr in Schrecken, indem er mir ein sehr heftiges Fieber sandte. Ich glaube gewiss, dass ihr Flehen zu Gott mächtig genug war, um diesem Übel zu steuern; denn nie in meinem Leben hatte ich ein so schweres Fieber, das nur so kurze Zeit angedauert hat. Es war derartig heftig, dass man meinem bewusstlosen Zustande nach zu schließen glaubte, ich sei in Lethargie gefallen. Sie benetzten mein Angesicht mit Wasser; aber die Sonnenhitze war so groß, dass dies auch wenig Kühlung bot. Auch muss ich die schlechte Herberge erwähnen, die wir in dieser mißlichen Lage hatten. Man räumte uns ein schlecht gemauertes Kämmerchen unter dem freien Dache ein, das keine Fenster hatte; und wenn man die Türe öffnete, so schien die Sonne mit voller Kraft herein. Ihr sollt wissen, dass die Sonnenhitze im Vergleich zu Kastilien noch weit lästiger ist. Man brachte mich in ein Bett, das aber so unbequem war, dass ich mich lieber auf den Boden gelegt hätte; auf der einen Seite war es so hoch, auf der anderen so niedrig, dass ich nicht wusste, welche Lage ich einnehmen sollte; es kam mir vor, als ob es mit spitzen Steinen angefüllt wäre. Welch ein Elend ist es doch um die Krankheit, während bei gesundem Körper alles leicht zu ertragen ist! Schließlich hielt ich es für besser, wieder aufzustehen und (mit meinen Gefährtinnen) weiterzureisen, da ich die Sonnenhitze auf freiem Felde für erträglicher hielt als die Hitze jener Kammer. Wie wird es den armen Verdammten in der Hölle ergehen, die ewig unfähig sind, sich eine Veränderung zu verschaffen! Denn kann man auch nur einen Schmerz mit einem anderen vertauschen, so scheint es schon einige Linderung zu bringen. Mir ist es schon begegnet, dass mir, wenn ich auf einer Seite heftigen Schmerz empfand und mich auf die andere ebenso schmerzende Seite wendete, diese Veränderung eine Erleichterung brachte. So war es auch hier. Soviel ich mich erinnere, bereitete mir die Wahrnehmung meiner Krankheit nicht den geringsten Kummer, aber meine Schwestern litten weit mehr als ich. Gott ließ zu, dass das Fieber in seiner Heftigkeit nur jenen Tag andauerte.

7. Kurz zuvor - vielleicht zwei Tage früher -, als wir mit einer Fähre über den Guadalquivir setzen wollten, begegnete uns ein anderes Mißgeschick, das uns etwas in Verlegenheit brachte. Zur selben Zeit war es nicht möglich, die Wagen an der Stelle zu übersetzen, wo das Seil ausgespannt war, und so musste man den Fluss in etwas schiefer Richtung durchqueren, wobei jedoch das Seil, das man auch etwas schräg richtete, die Überfahrt erleichterte. Aber jene, die das Seil hielten, ließen es los, oder es geschah sonst etwas; kurz, die Fähre trieb ohne Seil und ohne Ruderer stromabwärts. Mir ging der Fährmann, den ich so in Angst sah, weit mehr zu Herzen als die Gefahr; wir fingen zu beten an, während allenthalben sich ein lautes Geschrei erhob. Ein Edelmann erblickte uns von seinem in der Nähe gelegenen Schlosse aus, und von Mitleid gerührt, sandte er uns Hilfe. Obwohl man damals das Seil noch nicht aus den Händen gelassen hatte, da auch unsere Brüder es mit aller Kraftanstrengung festhielten, so riß doch die Gewalt des Wassers alle mit sich fort, so dass einige sogar zu Boden fielen. Besonders rührte mich ein Sohn des Fährmanns, den ich nie vergessen kann. Er war, wie mir schien, etwa zehn oder elf Jahre alt und strengte sich beim Anblick des geängstigten Vaters so sehr an, dass ich dafür unsern Herrn nur lobpreisen konnte. Aber wie Seine Majestät überhaupt die Leiden immer aus väterlicher Liebe sendet, so geschah es auch hier; die Fähre blieb auf einer Sandbank stehen, und da auf einer Seite das Wasser nicht tief war, so konnte man uns zu Hilfe kommen. Wir wären, da die Nacht schon anbrach, bei der Fortsetzung unserer Reise in große Verlegenheit gekommen, wenn uns nicht die Leute, die vom Schlosse gekommen waren, den Weg gewiesen hätten. Ich hatte nicht im Sinne, von solchen Begebenheiten, an denen wenig gelegen ist, etwas zu berichten; denn müsste ich von den unangenehmen Zwischenfällen auf diesen Reisen erzählen, so hätte ich vieles zu sagen. Wenn ich mich nun hierüber ausführlicher verbreitet habe, so ist der Grund der, weil man mit dringenden Bitten auf mich eingewirkt hat.

8. Weit beschwerlicher als die erwähnten Begebenheiten war für mich, was uns am Pfingstdienstag widerfuhr. Wir eilten soviel wir konnten, um in der Frühe unbemerkt nach Córdoba zu kommen und dortselbst die heilige Messe zu hören. Man führte uns in eine Kirche, die jenseits der Brücke ist, damit wir allein sein könnten. Wir wollten schon die Brücke überschreiten, hatten aber noch keine Erlaubnis, mit den Wagen hinüberzufahren; diese musste erst vom Bürgermeister gegeben werden. Bis wir sie aber erhielten, verflossen mehr als zwei Stunden, da die Leute noch im Bette lagen. Unterdessen kam viel Volk herbei, um zu sehen, wer da angekommen sei. Daran lag uns aber wenig, weil unsere Wagen so gut bedeckt waren, dass man uns nicht sehen konnte. Als die Erlaubnis angekommen war, konnte man die Wagen nicht durch das Brückentor hindurchbringen, man musste erst etwas davon absägen oder sonst etwas daran machen, was wieder einige Zeit erforderte. Als wir endlich die Kirche erreichten, wo Pater Julian de Ávila die heilige Messe lesen sollte, fanden wir sie voll von Menschen; denn es wurde eben, was wir nicht wussten, das Titularfest der Kirche, die dem Heiligen Geiste geweiht war, mit großer Feierlichkeit und Predigt begangen.

9. Als ich dies sah, empfand ich großen Schmerz und hielt es für besser ohne eine Messe zu hören, weiterzureisen, als uns in ein solches Gedränge zu wagen. Aber Pater Julian de Ávila war anderer Meinung, und weil er ein Theologe ist, so mussten wir uns seiner Ansicht fügen, während die übrigen aus unserer Begleitung vielleicht meiner Meinung gefolgt wären; aber ich wäre dann Ursache eines größeren Übels gewesen. Doch ich weiß nicht, ob ich mich auf meine Ansicht allein verlassen kann. Wir stiegen in der Nähe der Kirche ab, und obwohl man uns nicht ins Angesicht schauen konnte, da wir unsere langen schwarzen Schleier trugen, so genügte doch der Anblick unserer Schleier, unserer groben weißen Mäntel und unserer Sandalen, um eine allgemeine Aufregung zu verursachen; und so war es auch. Dieser Schrecken, der für mich und für meine ganze Begleitung peinlich war, wird in mir wohl das Fieber ganz vertrieben haben.

10. Gleich beim Eintritt in die Kirche kam ein frommer Mann auf mich zu, um uns inmitten des Volkes Platz zu machen. Ich bat ihn dringend, uns in eine Kapelle zu führen; er tat es auch, schloß diese zu und entfernte sich nicht mehr von uns, bis er uns wieder aus der Kirche geführt hatte. Einige Tage darauf kam dieser Mann nach Sevilla und erzählte einem Pater unseres Ordens, dass ihn Gott nach seiner Ansicht wegen dieses guten Werkes, das er an uns getan, belohnt habe; es sei ihm eine große Erbschaft zugesichert oder schon zuteil geworden, an die er gar nicht gedacht hätte.

11. Ich versichere euch, meine Töchter, dass dies eine der größten Widerwärtigkeiten war, die mir widerfahren ist, wenn es euch auch vielleicht ganz unbedeutend vorkommen mag. Der Lärm des Volkes war so groß, als ob es sich um den Eintritt wilder Stiere gehandelt hätte. Ich konnte kaum erwarten, bis wir wieder weiterreisten, obwohl in der Nähe sich kein geeigneter Platz fand, um Mittagsruhe zu halten; in Ermanglung eines besseren machten wir unter einer Brücke halt.

12. Als wir in Sevilla angekommen und bei einem Hause abgestiegen waren, das Pater Mariano auf die Nachricht von unserer Ankunft hin für uns gemietet hatte, dachte ich, dass alles in Ordnung sei. Der Erzbischof war nämlich, wie schon erwähnt, den unbeschuhten Karmeliten sehr geneigt und hatte auch schon einige Male an mich sehr huldvoll geschrieben; aber trotzdem stieß ich auch hier auf viele Schwierigkeiten, weil Gott es so wollte. Er ist nämlich ein großer Gegner der auf Almosen angewiesenen Nonnenklöster und hat auch Gründe dafür. Es war ein Unglück, oder besser gesagt, ein Glück, dass man ihn von diesem Vorhaben nicht in Kenntnis setzte; denn würde man ihn vor meiner Abreise darauf aufmerksam gemacht haben, so hätte er gewiss seine Einwilligung dazu nicht gegeben. Weil aber der Pater Kommissär und Pater Mariano, der die größte Freude über meine Ankunft hatte, der sicheren Überzeugung waren, dass dem Erzbischof durch mein Kommen ein großer Dienst erwiesen werde, so sagten sie ihm vorher nichts davon; hätten sie, wie gesagt anders gehandelt, so würden sie vielleicht im guten Glauben eine große Ungeschicklichkeit begangen haben. Bei den anderen Klosterstiftungen war immer das erste, dass ich um die Erlaubnis des Bischofs nachsuchte, wie es das heilige Konzil vorschreibt. Hier nun hielten wir die Erlaubnis nicht nur für gewiss; wir glaubten vielmehr, dem Erzbischof einen großen Dienst zu erweisen, wie es auch in Wirklichkeit einer war und er es später einsah. Aber der Herr wollte, dass keine dieser Stiftungen vor sich gehen sollte, Ohne dass ich auf diese oder jene Weise große Beschwerden auf mich nehmen musste.

13. Als wir in dem Hause angekommen waren, das man, wie schon erwähnt, für uns gemietet hatte, wollte ich meiner Gewohnheit gemäß sogleich von ihm Besitz ergreifen, um das Chorgebet verrichten zu können. Allein Pater Mariano, der in Sevilla sich aufhielt, suchte die Sache zu verzögern; denn um mich nicht zu betrüben, wollte er mir den ganzen Sachverhalt nicht offenbaren. Da aber seine Gründe nicht stichhaltig waren, so merkte ich, worin die Schwierigkeit lag; man hatte nämlich keine Erlaubnis. Nun redete er mir zu, dass er es für gut finde, das Kloster mit Einkünften zu stiften oder einen anderen Ausweg zu suchen, woran ich mich nicht mehr genau erinnere. Endlich sagte er mir, dass der Erzbischof nicht gerne die Erlaubnis zur Gründung von Nonnenklöstern gebe; nie habe er sie zu einem gegeben, solange er Erzbischof gewesen - er war zuvor Bischof von Córdoba und ist seit vielen Jahren Erzbischof von Sevilla und ein großer Diener Gottes -, keineswegs aber werde er zustimmen, wenn ein Kloster ohne Einkünfte gegründet werde. Dies hieß soviel, dass überhaupt kein Kloster zustande kommen sollte. Einerseits würde ich in einer Stadt wie Sevilla nur sehr ungern ein Kloster mit bestimmten Einkommen zugelassen haben, obwohl ich es gekonnt hätte; denn jene Orte, in denen ich Klöster mit Einkünften gründete, waren kleine Städte, wo die nötigen Hilfsmittel fehlten; man musste sie notwendigerweise so gründen oder ganz auf die Gründung verzichten, da man sich keinen Unterhalt verschaffen konnte. Andererseits war uns von unserem Reisegeld nur mehr eine Blanka übriggeblieben; und wir hatten sonst nichts bei uns, als was wir am Leibe trugen, einige Tuniken und Leinwand für Kopfbedeckung, und was notwendig war, um auf dem Wagen entsprechend geschützt zu sein. Damit unsere Reisebegleiter zurückkehren konnten, musste man sogar Geld zu leihen nehmen, das ihnen ein Freund des Anton Gaytan in Sevilla gab. Pater Mariano suchte Mittel und Wege, um das Notwendige zur Einrichtung des Hauses zusammenzubringen. Endlich hatte ich auch kein eigenes Haus, weshalb eine Klostergründung unmöglich zu sein schien.

14. Wohl nur auf inständiges Bitten des genannten Paters hin erlaubte der Erzbischof, dass bei uns am Feste der allerheiligsten Dreifaltigkeit die heilige Messe gelesen werden durfte. Es war die erste (in Sevilla), und er ließ uns sagen, dass man keine Glocke läuten und aufhängen dürfe; allein letzteres war schon geschehen. In dieser Ungewissheit verflossen mehr als vierzehn Tage; ich weiß dies daher, weil ich ebensolange den Entschluss in mir trug, mit meinen Nonnen wieder nach Veas zurückzukehren, um die Stiftung in Caravaca vorzunehmen. Ich würde dies auch ohne sonderlichen Schmerz getan haben, hätte ich nicht auf den Pater Kommissär und Pater Mariano Rücksicht nehmen müssen. Während dieser Tage musste ich aber - ich glaube es dauerte mehr als einen Monat - noch viel mehr ausstehen, woran ich mich wegen meines schlechten Gedächtnisses nicht mehr genau erinnern kann. Ich sehe in der Tat wohl ein, dass unsere Abreise jetzt viel schwieriger gewesen wäre als im ersten Augenblick, da die Kunde von der Klosterstiftung schon in die Öffentlichkeit gedrungen war.

15. Pater Mariono ließ mich nie an den Erzbischof schreiben, sondern er suchte ihn selbst allmählich zu besänftigen, indem er ihm durch den Pater Kommissär aus Madrid schreiben ließ. Mich beruhigte und bewahrte vor vieler Angst nur das eine, dass die Messe mit Erlaubnis des Erzbischofs gelesen worden war und wir immer das Breviergebet im Chore verrichten konnten. Der Erzbischof unterließ übrigens nicht, mich durch andere besuchen und mir sagen zu lassen, dass er bald selbst kommen werde; er schicke auch gleich anfangs einen seiner Kapläne, der uns die erste Messe las. Daraus konnte ich klar erkennen, dass dies alles nur dazu diente, um mich zu betrüben. Der Grund dieser Betrübnis aber waren nicht ich und auch nicht meine Nonnen, sondern der Kummer des Pater Kommissärs; denn da er mich zu dieser Reise beauftragt hatte, so berührte ihn dies recht peinlich. Es hätte ihn noch mehr geschmerzt, wenn das Unternehmen unglücklich ausgefallen wäre; zu dieser Befürchtung hatte er freilich viele Gründe.

16. Um diese Zeit kamen auch die beschuhten Väter, um zu erfahren, mit welcher Vollmacht die Gründung geschehen sei. Ich zeigte ihnen die Patente unseres wohlehrwürdigen Pater Generals, und damit waren sie zufrieden. Hätten sie gewusst, wie sich der Erzbischof dazu verhielt, so wären sie wohl nicht damit einverstanden gewesen. Allein dies wusste man nicht, und sie glaubten, es sei ganz nach seinem Sinne und seiner vollen Zufriedenheit geschehen. Endlich fügte es Gott, dass er uns besuchte; ich stellte ihm vor, welches Leid er uns verursache. Nun genehmigte er alles, was und wie ich es haben wollte, und von da an hat er uns immer Gutes erwiesen und sich bei jeder Gelegenheit huldvoll gegen uns gezeigt.

Fünfundzwanzigstes Hauptstück

Fortsetzung des Berichtes über die Stiftung des Klosters zum glorwürdigen heiligen Joseph in Sevilla. Leiden, die man beim Erwerbe eines eigenen Hauses erdulden musste.

1. Niemand könnte es glauben, dass sich in einer so bevölkerten Stadt wie Sevilla, in der so viele reiche Leute wohnten, weit weniger Mittel zu einer Klosterstiftung vorfanden als in allen übrigen Orten, wo ich jemals war. Und doch gab es deren so wenige, dass ich mir manchmal dachte, es sei nicht gut, in dieser Stadt ein Kloster zu besitzen. Ich weiß nicht, ob dies mit dem Klima des Landes irgendwie im Zusammenhange stand, da ich immer sagen hörte, dass die bösen Geister dort mehr Gewalt hätten, die Leute zu versuchen, als anderswo, was aber nur mit Zulassung Gottes geschehen kann. Mir selbst haben sie dort so zugesetzt, dass ich mich nie in meinem ganzen Leben kleinmütiger und verzagter fand; dies geschah in dem Grade, dass ich mich selber nicht mehr kannte. Wohl verlor ich in keiner Weise das Vertrauen, das ich sonst immer auf den Herrn setzte, allein seitdem ich mich mit dieser Gründung befasste, war meine Gemütsart ganz anders als sonst. Ich bemerkte wohl, dass Gott teilweise seine Hand von mir zurückzog, um sich als den Unwandelbaren zu zeigen und mich zu überzeugen, dass die Entschlossenheit, die ich sonst hatte, nicht aus mir stammte.

2. Von der eben bezeichneten Zeit an bis kurz vor der Fastenzeit hatte ich mich in Sevilla aufgehalten, und noch immer hatte ich keine Hoffnung, ein Haus zu erwerben; wir besaßen kein Geld und auch niemanden, der für uns eingetreten wäre wie an anderen Orten. Jene, die dem apostolischen Visitator, Pater Gracián, fast versprochen hatten, in den Orden einzutreten, und die ihn gebeten hatten, Nonnen hierher zu bringen, ließen sich ohne Zweifel durch die allzu große Strenge abschrecken, die sie, wie sie glaubten, nicht zu ertragen vermöchten. Nur eine, von der ich später berichten werde, trat ein. Zudem war die Zeit da, wo man mich von Andalusien abrufen konnte, da auch andere derartige Geschäfte in Kastilien auf mich warteten. Den größten Schmerz bereitete mir der Gedanke, die Schwestern, ohne dass sie ein Haus besaßen, verlassen zu müssen, obgleich ich einsah, dass ein längerer Aufenthalt in Sevilla nichts nützen würde; denn der Herr verweigerte mir die Gnade, die er mir sonst gewährte, nämlich Personen zu finden, die mir bei diesen Unternehmungen behilflich gewesen wären.

3. Nun fügte es Gott dass um dieselbe Zeit einer meiner Brüder, namens Laurentius de Cepeda, aus Indien kam, wo er sich länger als vierunddreißig Jahre aufgehalten hatte. Er empfand noch größern Schmerz als ich bei der Wahrnehmung, dass die Nonnen, ohne ein eigenes Haus zu haben, in Sevilla zurückbleiben sollten. Er leistete uns große Hilfe, besonders dadurch, dass wir durch seine Bemühungen das Haus erhielten, das die Nonnen jetzt bewohnen. Ich flehte damals recht inständig zu unserem Herrn und bat ihn, mich doch nicht abreisen zu lassen, bevor die Schwestern ein eigenes Haus hätten; ich veranlasste auch sie, um dasselbe zu bitten und sich an den glorwürdigen heiligen Joseph zu wenden; auch hielten wir Prozessionen und (andere) Gebetsübungen zu Ehren Unserer Lieben Frau ab. Zudem ließ ich mich, als ich meinen Bruder so bereitwillig uns Hilfe bringen sah, betreffs des Kaufes einiger Häuser in Unterhandlungen ein; aber in dem Augenblicke, wo die Angelegenheit ins reine gekommen zu sein schien, zerschlug sich alles wieder.

4. Als ich mich eines Tages im Gebete befand und zu Gott flehte, den Schwestern ein Haus zu verschaffen, da sie ja seine Bräute und voll Verlangen seien, ihm in allem zu gefallen, sprach er zu mir: »Ich habe euch schon erhört, überlasse es nur mir.« Ich war dadurch ganz beruhigt und glaubte, das Haus schon zu besitzen. Und wirklich, der Herr sorgte für uns. Seine Majestät hat uns vor dem Kaufe eines Hauses bewahrt, das zwar wegen der guten Lage allen wohlgefiel, aber so alt und baufällig war, dass der Grund und Boden allein schon nur etwas weniger gekostet hätte als das Haus, das die Nonnen jetzt bewohnen. Dieser Kauf war bereits abgeschlossen, und es fehlte nur noch der schriftliche Kontrakt; aber ich war damit nicht zufrieden, weil es mir mit den Worten, die ich jüngst im Gebete vernommen hatte, nicht übereinzustimmen schien; denn jene Worte hatten nach meinem Dafürhalten den Sinn, dass uns der Herr ein gutes Haus geben wolle. Durch Zulassung Gottes setzte nun der Verkäufer selbst, der dadurch viel gewonnen hatte, ein Hindernis, indem er den Kontrakt nicht zur bestimmten Zeit ausfertigte. So konnten wir ohne irgendeine Schuld von unserer Seite von dem bereits abgeschlossenen Kaufe wieder zurücktreten, was eine besondere Gnade unseres Herrn war; denn die Schwestern wären während ihres ganzen Lebens mit dem Ausbau des Hauses nicht fertig geworden; sie hätten viele Mühen gehabt und wenig Unterstützung gefunden, um zum Ziele zu kommen.

5. Einen großen Anteil daran hatte ein Diener Gottes, der gleich bei unserer Ankunft in Sevilla bei der Kunde, dass wir kein Haus hätten, täglich zu uns kam, um die Messe zu lesen, obwohl seine Wohnung sehr weit entfernt lag und die Sonnenhitze ungemein groß war. Er heißt García Alvarez und ist ein sehr angesehener Mann und um seiner guten Werke willen in der ganzen Stadt hochgeachtet. Außerdem kümmerte er sich um nichts, und hätte er ein größeres Vermögen gehabt, so würde es uns an nichts gefehlt haben. Weil er das Haus gut kannte, so hielt er es für ungeschickt, so viel Geld dafür auszugeben; so sagte er alle Tage und brachte es dahin, dass man nicht mehr davon redete. Daraufhin nahm er mit meinem Bruder das Haus in Augenschein, das die Nonnen jetzt bewohnen. Sie waren sehr dafür eingenommen, und zwar mit Recht, so dass der Kontrakt über den Erwerb des Hauses durch Gottes Fügung in zwei oder drei Tagen abgeschlossen wurde.

6. Unsere Übersiedlung ging nicht ohne Schwierigkeit vor sich; denn der bisherige Bewohner wollte nicht ausziehen, und auch die nebenan wohnenden Franziskaner kamen sogleich, um uns bekannt zu machen, dass wir auf keine Weise dort einziehen dürften. Wäre der Kontrakt nicht schon formell ausgefertigt gewesen, so hätte ich Gott gepriesen, wenn man alles wieder hätte rückgängig machen können; denn wir waren jetzt in Gefahr, die sechstausend Dukaten zahlen zu müssen, die das Haus kostete, in das wir nicht einziehen durften. Die Priorin aber war nicht meiner Ansicht, sie dankte Gott, dass der Kauf nicht mehr umgestoßen werden konnte. Seine Majestät hatte ihr bezüglich dieses Hauses und wohl auch in anderen Dingen weit mehr Vertrauen und Mut verliehen als mir, weil sie viel tugendhafter ist als ich. Länger als einen Monat blieben wir in dieser Angst, endlich ließ Gott es zu, dass die Priorin und ich und noch zwei Nonnen mit großer Furcht einzogen. Die Übersiedlung geschah bei Nacht, damit die Mönche nichts merkten, bevor wir Besitz ergriffen hatten. Die uns begleiteten, hielten, wie sie sagten, jeden Schatten, den sie gewahrten, für Mönche.

7. Sogleich bei Tagesanbruch las uns der gute García Alvarez, der uns ins Haus begleitete, die heilige Messe, und von da an waren wir ohne Furcht. O Jesus, wie viel Furcht habe ich nicht ausgestanden bei der Besitzergreifung dieser Häuser! Ich denke mir oft: wenn man schon da, wo man nichts Böses vollbringt, sondern zur Ehre Gottes wirkt, solche Furcht empfindet, wie muss es dann denen ums Herz sein, die darauf ausgehen, etwas wider Gott und den Nächsten zu unternehmen? Ich weiß nicht, welchen Gewinn sie dabei haben und welche Freude sie bei einer so schweren Last (auf dem Herzen) suchen können.

8. Mein Bruder war damals nicht in Sevilla; denn er war geflüchtet, da sich infolge großer Eile ein gewisser Fehler bei der Ausfertigung des Kontraktes eingeschlichen hatte, der dem Kloster großen Schaden gebracht hätte; da er für uns als Bürge eingetreten war, so wollte man ihn gefänglich einziehen. Zudem war er fremd in Sevilla, weshalb wir seinetwegen viel zu leiden gehabt hätten. Wir hatten aber außerdem seinetwegen noch mehr als einen Kummer auszustehen, bis er durch Hinterlegung eines Pfandes hinlänglich Sicherheit geleistet hatte. Später ging alles gut vonstatten, wenn es auch eine Zeitlang zur Vermehrung unserer Leiden an Prozessen nicht fehlte.

9. Wir blieben in einigen Zimmern des Erdgeschosses eingeschlossen, während mein Bruder den ganzen Tag über bei den Arbeitern sich aufhielt und uns mit Speise versorgte, wie er schon eine Zeitlang vorher es getan hatte. Denn da wir in einem Privathause wohnten und man nicht allgemein wusste, dass es ein Kloster sei, so erhielten wir wenig Almosen, außer von einem greisen heiligen Mann, dem Prior des Kartäuserklosters de las Cuevas. Dieser war ein eifriger Diener Gottes und entstammte dem Geschlechte der Pantochas aus Ávila. Gott verlieh ihm schon gleich bei unserer Ankunft eine überaus große Liebe zu uns, und er wird auch nach meinem Dafürhalten fortfahren, uns Gutes zu erweisen, solange er lebt. Ich berichte dies, meine Schwestern, weil es sich geziemt, dass ihr jene Gott empfehlet, von denen ihr leset, dass sie uns in so liebevoller Weise zu Hilfe gekommen sind, mögen sie nun noch am Leben oder schon gestorben sein; diesem heiligen Manne sind wir zu großem Danke verpflichtet.

10. Dieser Zustand dauerte nach meinem Dafürhalten mehr als einen Monat lang. Aber ich habe in Bezug auf die Zeitbestimmung ein schlechtes Gedächtnis und kann mich daher auch irren. Nehmt also die Sache immer so ungefähr, sei es nun mehr oder weniger, weil wenig daranliegt. Während dieses Monats hat sich also mein Bruder viele Mühe gegeben, um einige Zimmer zu einer Kapelle umzugestalten und alles zurecht zu richten, ohne dass wir dabei etwas zu tun hatten. Nachdem dies alles in Ordnung war, hätte ich gerne das Allerheiligste Sakrament einsetzen lassen, und zwar ohne Aufsehen zu machen, weil es mir sehr widerstrebt, anderen lästig zu fallen, wenn es vermieden werden kann. Dies sagte ich auch dem Pater García Alvarez, der sich darüber mit dem Prior de las Cuevas besprach. Würde es sich um ihre eigene Angelegenheit gehandelt haben, sie hätten sich beide der Sache nicht besser annehmen können, und meinten, man müsse das Allerheiligste Sakrament durchaus feierlich einsetzen, damit das Kloster in Sevilla besser bekannt würde. Sie begaben sich deshalb zum Erzbischof; hier wurde allgemein beschlossen, dass das Allerheiligste Sakrament mit großer Feierlichkeit aus der Pfarrkirche (in unser Kloster) getragen werde. Auch befahl der Erzbischof den Geistlichen und einigen Bruderschaften, sich dabei einzufinden und die Straßen zu schmücken.

11. Der gute García Alvarez schmückte unsern Kreuzgang, der, wie schon erwähnt, damals als Durchgang (für die Prozession) diente, und auch die Kirche, indem er sie mit sehr schönen Altären und anderen Verzierungen versah. Unter anderem ersann seine Liebe zu uns einen Springbrunnen, aus dem Orangenblütenwasser floß, was wir aber nicht angeordnet und nicht gewünscht hatten, wenn es uns auch nachher sehr zur Andacht stimmte. Die überaus schöne Feier unseres Festes, der prachtvolle Schmuck der Straßen, die vortreffliche Musik und die vielen Sänger erfüllten uns mit übergroßem Trost, so dass der Prior de las Cuevas mir gegenüber erklärte, er habe nie so etwas in Sevilla gesehen, und man erkenne daraus, dass es offenbar ein Werk Gottes sei. Gegen seine Gewohnheit nahm er selbst an der Prozession teil, und der Erzbischof setzte das Allerheiligste Sakrament ein. So wurden, wie ihr, meine Töchter, sehet, die armen unbeschuhten Karmelitinnen von allen geehrt, nachdem es doch kurz vorher den Anschein hatte, als gäbe es für sie nicht einmal Wasser in der Stadt, obgleich ein Wasserreicher Fluss sie durchströmt.

12. Der Zulauf des Volkes war außerordentlich groß. Dabei ereignete sich etwas, was allen merkwürdig vorkam, die es sahen. Man hatte sehr viele Böllerschüsse abgegeben und Feuerwerk veranstaltet. Nach Beendigung der Prozession, als bereits die Nacht hereinbrach, hatten einige den Einfall, noch weiter zu schießen. Da fing, ich weiß nicht wie, das Pulver ein wenig Feuer, und man hielt es für ein großes Wunder, dass jener, der das Pulver trug, nicht davon getötet wurde. Eine große Flamme schlug bis an das Gewölbe des Kreuzganges empor, dessen Bogen mit Taffet bedeckt waren. Man meinte, dieser Stoff müsste in Flammen aufgegangen sein, aber dennoch bemerkte man an ihm nicht den geringsten Schaden, und er behielt seine gelbliche und dunkelrote Farbe. Am meisten musste man sich darüber wundern, dass die Steine des Gewölbes, die der Taffet bedeckte, durch den Rauch geschwärzt wurden, während der Taffet selbst unversehrt blieb, als wäre er durch das Feuer nicht berührt worden. Alle, die es sahen, wunderten sich darüber; die Schwestern aber priesen den Herrn, da sie nicht so viel Geld gehabt hätten, einen anderen Taffet zu kaufen. Der böse Feind musste offenbar über diese Festlichkeit und beim Anblick eines neuen Gotteshauses recht erzürnt gewesen sein, so dass er sich auf irgendeine Weise rächen wollte, allein Seine Majestät ließ es nicht zu. Sie sei dafür gepriesen in Ewigkeit! Amen.

Sechsundzwanzigstes Hauptstück

Fortsetzung des Berichtes über die Stiftung des Klosters zum heiligen Joseph in der Stadt Sevilla. Einige sehr merkwürdige Einzelheiten aber die erste Nonne, die dortselbst eintrat.

1. Ihr könnt euch, meine Töchter, wohl einen Begriff machen von der Freude, die wir an diesem Tage empfanden. Die meinige war, ich kann euch versichern, sehr groß; besonders tröstete mich die Wahrnehmung, dass ich die Schwestern in einem so schönen und gutgelegenen Hause zurücklassen konnte, dass das Kloster allgemein bekannt war und sich im Hause (bereits) Nonnen befanden, mit deren Vermögen es größtenteils bezahlt werden konnte. So war es möglich, dass man mit der Mitgift derer, die noch aufgenommen werden sollten, so wenig sie auch mitbringen mochten, die Schuld decken konnte. Was aber meine Freude noch erhöhte, war der Gedanke, dass ich mich, nachdem ich die Widerwärtigkeiten mitgekostet, in dem Augenblick entfernen musste, als ich mich ein wenig der Ruhe hätte überlassen können.

2. Das erwähnt Fest wurde am Sonntag vor Pfingsten des Jahres 1576 gefeiert, und gleich am folgenden Montag begab ich mich auf den Weg; die Hitze begann schon lästig zu werden, und ich wollte womöglich nicht während der Pfingstfeiertage reisen, sondern sie in Malagón zubringen, wo ich mich einige Zeit aufzuhalten wünschte; darum hatte ich so große Eile. Es war aber nicht der Wille des Herrn, dass ich auch nur ein einziges Mal der heiligen Messe in unserer Kirche beiwohnen konnte.

3. Die Freude der Nonnen zu Sevilla wurde aber durch meine Abreise gestört; sie empfanden es deshalb so schmerzlich, weil wir unter so vielen Widerwärtigkeiten, von denen ich, wie gesagt, die schwersten hier nicht erwähne, dieses ganze Jahr beisammen lebten. Wenn ich die erste Stiftung von Ávila ausnehme, die noch ungleich beschwerlicher war, so glaube ich, dass mich keine so viel Mühe gekostet hat wie diese, weil die Leiden meistens innere waren. Möge Seine Majestät gewähren, dass ihr in diesem Kloster allezeit treu gedient werde, dann erachte ich alle diese Leiden für gering! Ich hoffe, dass dies geschehen wird, weil der Herr schon einige tugendhafte Seelen in dieses Kloster geführt hat. Von jenen fünf Nonnen, die von den mit mir angekommenen zurückblieben, habe ich schon erzählt, wie tugendhaft sie waren; es ist aber dies nur ein ganz geringer Teil von dem, was man sagen könnte.

4. Von der ersten, die dort eintrat, will ich euch einiges erzählen, weil es euch gewiss Freude machen wird. Diese Jungfrau stammte von sehr christlichen Eltern; ihr Vater war im Gebirge ansässig. Als sie noch ganz jung, vielleicht sieben Jahre alt war, bat eine Tante, die keine Kinder hatte, ihre Mutter, sie zu sich nehmen zu dürfen. Als sie in ihr Haus kam, wurde sie, wie man sich wohl denken kann, mit Freundlichkeit und Liebe behandelt; aber einige in ihrem Hause bedienstete Frauen hatten sich wahrscheinlich Hoffnung gemacht, dass die Herrin ihnen ihr Erbe überlassen werde. Es kam ihnen daher schon, ehe das Kind im Hause eintraf, zum Bewusstsein, dass die Tante bei ihrer Liebe zum Kinde eher ihm ihr Erbe übergeben werde. Um dies zu verhindern, ersannen sie ein teuflisches Werk; sie klagten das Kind an, dass es ihre Tante töten wolle und zu diesem Zwecke einer von ihnen, ich weiß nicht wieviel Maravedi gegeben habe, um ihr dafür Quecksilbersublimat zu kaufen. Als man dies der Tante sagte und alle drei dasselbe bezeugten, glaubte sie es sogleich und auch die Mutter des Kindes, die sonst eine sehr tugendhafte Frau ist.

5. Diese nahm das Kind wieder zu sich, brachte es nach Hause und glaubte, dass es zu einer sehr großen Übeltäterin heranwachsen werde. Beatrix von der Mutter Gottes - so heißt dieses Mädchen jetzt - hat mir erzählt, dass ihre Mutter, um sie zum Geständnis dieses schweren Verbrechens zu bewegen, sie ein ganzes Jahr lang alle Tage mit Ruten geschlagen und gepeinigt habe; ja, sie habe sogar auf bloßer Erde schlafen müssen. Da aber das Kind immer beteuerte, dass es diese Tat nicht begangen habe und nicht einmal wüßte, was Ouecksilbersublimat sei, so schien ihr das noch schlimmer, weil sie sah, dass das Kind den Mut hatte, dies so entschieden zu verneinen. Die arme Mutter wurde ganz trostlos bei der Wahrnehmung, dass das Kind so hartnäckig leugnete, und glaubte, dass es sich nie mehr bessern werde. Es war wunderbar, dass das Kind, um dieser so großen Qual zu entgehen, nie zugab (dieses Verbrechen begangen zu haben), allein da es unschuldig war, gab ihm Gott Kraft, immer die Wahrheit zu sagen. Die göttliche Majestät aber, die sich immer der Schuldlosen annimmt, schickte zweien jener Frauen eine so schreckliche Krankheit, dass man sie für wahnsinnig hielt. Diese nun ließen insgeheim durch Vermittlung der Tante das Kind kommen und baten es um Verzeihung; und als sie sich dem Tode nahe fühlten, widerriefen sie ihre Aussage. Dasselbe tat auch die dritte, die im Kindbette starb. Schließlich starben alle drei eines qualvollen Todes zur Strafe dafür, dass sie diesem unschuldigen Kinde so viele Leiden bereitet hatten. Ich weiß dies nicht allein von Beatrix, auch ihre Mutter hat mir mit vielen anderen Einzelheiten erzählt, wie schrecklich sie ihre Tochter mißhandelt hatte; sie war ganz trostlos, als sie diese nachher als Nonne sah, weil sie ihr eine so schlechte Behandlung hat angedeihen lassen. Gott ließ zu, dass eine so christliche Mutter, die sonst keine Kinder hatte, der Henker ihres eigenen Kindes wurde, das sie so sehr liebte. Sie ist eine sehr wahrheitsliebende und tiefreligiöse Frau (so dass man ihren Worten Glauben schenken darf).

6. Als das Kind in einem Alter von zwölf Jahren in einem Buche das Leben der heiligen Anna las, erwachte in ihr eine große Verehrung für die heiligen Einsiedler vom Berge Karmel, weil darin geschrieben steht, dass die Mutter der heiligen Anna - ich glaube, sie heißt Emerentiana - oft mit ihnen verkehrte; sie gewann von da an eine so große Vorliebe für diesen Orden Unserer Lieben Frau, dass sie sogleich in diesen einzutreten versprach und das Gelübde der Keuschheit ablegte. Von da an widmete sie ihre ganze Zeit, über die sie verfügen konnte, der Zurückgezogenheit und dem Gebete. Dabei gewährten ihr Gott und Unsere Liebe Frau überaus große Gnaden und ganz besondere Gunstbezeigungen. Sie wäre gerne sogleich Nonne geworden, allein sie wagte es nicht aus Furcht vor ihren Eltern; auch wusste sie noch nicht, wo sie diesen Orden finden könnte. Merkwürdig ist, dass sie, obwohl sich ein Kloster dieses Ordens von der gemilderten Regel in Sevilla befand, nie etwas davon erfuhr, bis sie von unseren Klöstern reden hörte, was erst viele Jahre später geschah.

7. Als sie das Alter erreicht hatte, in dem sie sich verheiraten konnte, berieten sich die Eltern, wem sie ihr Kind, das noch sehr jung war, zur Ehe geben sollten. Sie hatten damals nur mehr dieses einzige Kind; denn alle ihre anderen Geschwister waren gestorben, und sie, die von den Eltern am wenigsten geliebt wurde, blieb allein übrig. Als die erwähnte Begebenheit sich abspielte, hatte sie noch einen Bruder, der für sie Partei ergriff und behauptete, man möge (dieser Anklage) keinen Glauben schenken. Schon war alles zur Verehelichung vorbereitet, und die Eltern machten ihr in der Meinung, dass sie nichts anderes im Sinne habe, davon Mitteilung; da erklärte sie, sie habe das Gelübde, sich nicht zu verehelichen, abgelegt und werde um keinen Preis in der Welt, auch wenn man sie totschlage, diesen Vorsatz brechen.

8. Sei es nun, dass der Teufel die Eltern verblendete, oder dass Gott sie zur Martyrin werden ließ, sie dachten an nichts anderes, als dass ihre Tochter sich in etwas Böses eingelassen habe, weswegen sie nicht heiraten wolle. Da sie dem für sie bestimmten Manne schon das Wort gegeben hatten und die Schmach sahen, die diesem zugefügt wurde, so mißhandelten sie ihre Tochter mit vielen Schlägen und anderen grausamen Quälereien. Zuletzt wollten sie diese gar aufhängen und erdrosselten sie fast, so dass sie nur durch Zufall vom Tode verschont blieb. Gott aber, der sie zu Höherem ausersehen hatte, erhielt sie am Leben. Sie selbst hat mir gestanden, sie habe zuletzt fast gar nichts mehr empfunden, da sie an die Martern der heiligen Agnes gedacht, woran der Herr sie erinnerte, und habe sich gefreut für den Herrn etwas leiden zu können, dem sie ohne Unterlass ihre Schmerzen aufgeopfert habe. Man meinte, sie werde sterben, da sie drei Monate lang im Bette lag, ohne sich bewegen zu können.

9. Es scheint sehr auffallend zu sein, dass ein junges Mädchen, das nie seine Mutter verließ, und dessen Vater, wie ich hörte, sehr vorsichtig war, in einen so schlimmen Verdacht fallen konnte; denn Beatrix war allezeit fromm und sittsam und gegen die Armen so wohltätig, dass sie alles, was sie bekommen konnte, zu Almosen verwendete. Doch unser Herr hat viele Mittel und Wege, wenn er jemandem die Gnade zu leiden erweisen will; übrigens hat er den Eltern nach einigen Jahren die Tugend ihrer Tochter so zu erkennen gegeben, dass sie ihr bereitwilligst alles, was sie als Almosen austeilen wollte, gaben, und die (früheren) Verfolgungen verwandelten sich in zärtliche Liebe. Indessen fiel ihr dies alles lästig; und da sie ein inniges Verlangen, Nonne zu werden, in sich fühlte, so kam ihr, wie sie mir mitteilte, das Leben geschmacklos und peinlich vor.

10. Dreizehn oder vierzehn Jahre vor der Ankunft des Paters Gracián in Sevilla, als noch niemand an die unbeschuhten Karmeliten dachte, befand sie sich eines Tages mit zwei Nachbarinnen bei ihren Eltern. Plötzlich trat ein Bruder unseres Ordens, angetan mit grobwollenem Kleide und barfuß, wie die unbeschuhten Karmeliten jetzt sich tragen, bei ihnen ein. Er hatte, so sagte man mir, ein frisches und ehrwürdiges Aussehen, obwohl er schon so alt war, dass sein langer Bart aus lauter Silberfäden zu bestehen schien; er nahm neben Beatrix Platz und redete zu ihr einige Worte in einer Sprache, die weder sie noch die Anwesenden verstanden. Nachdem er zu reden aufgehört, machte er dreimal das Kreuzzeichen über sie und sprach: »Beatrix, Gott mache dich stark!« Dann entfernte er sich wieder. Alle blieben vor Schrecken unbeweglich, solange er dort verweilte. Ihr Vater fragte sie, wer der Mann sei; sie aber meinte, dass der Vater ihn kennen würde. Sie erhoben sich eiligst, um ihn zu suchen, allein er war nirgends mehr zu sehen. Beatrix schöpfte daraus großen Trost; und alle anderen waren sehr erstaunt, als sie diesen übernatürlichen Vorfall wahrnahmen; und so begannen sie, wie schon erwähnt, ihre Tochter noch mehr zu achten.

11. Nach dieser Begebenheit verbrachte sie alle ihre Jahre - ich glaube, es waren vierzehn - im beständigen Dienste Gottes zu und flehte unablässig zum Herrn, er möge ihren Wunsch erfüllen. Sie befand sich in großer Betrübnis, als Pater Magister Hieronymus Gracián nach Sevilla kam. Eines Tages befand sie sich in einer Kirche zu Triana, dem Wohnsitz ihres Vaters, um einer Predigt beizuwohnen, ohne jedoch zu wissen, wer der Prediger sei. Es war aber der Pater Magister Gracián, den sie herausgehen sah, um den Segen zu empfangen. Sobald sie seinen Habit und seine entblößten Füße bemerkt hatte, erinnerte sie sich sogleich an den Mann, den sie gesehen und der den gleichen Habit getragen hatte; das Angesicht und Alter jedoch waren verschieden, da Pater Gracián noch nicht dreißig Jahre zählte. Sie war, wie sie mir erzählte, vor ungemein großer Freude fast außer sich. Sie hatte zwar schon gehört, dass in Triana ein Kloster errichtet worden sei, wusste aber nicht, dass es eines von unserem Orden ist.

12. Von diesem Tage an suchte sie sich Gelegenheit zu verschaffen, um bei Pater Gracián ihre Beichte ablegen zu können. Es war indes der Wille Gottes, dass ihr auch dies viele Mühe kostete; sie versuchte es wohl ungefähr zwölfmal, er aber wollte ihre Beichte nicht abnehmen. Da sie noch jung war und ein angenehmes Äußeres hatte - sie musste ungefähr 27 Jahre alt gewesen sein - , so ging er ihr aus dem Wege; denn als überaus vorsichtiger Mann hütete er sich vor dem Umgang mit derlei Personen. Beatrix, die auch sehr eingezogen war, befand sich nun eines Tages wieder in der Kirche und weinte. Da fragte sie eine Dame, was ihr denn fehle. Sie gab zur Antwort, dass sie schon lange versucht habe, mit dem Pater, der eben im Beichtstuhle beschäftigt sei, zu sprechen, aber nicht zum Ziele kommen könne. Die Dame führte sie nun zu ihm und bat ihn, die Beichte dieser Jungfrau zu hören; so konnte sie bei ihm eine Generalbeichte ablegen. Nachdem er diese begnadigte Seele kennengelernt hatte, empfand er großen Trost; er tröstete auch sie und sagte, dass wahrscheinlich unbeschuhte Karmelitinnen nach Sevilla kämen und er sich sogleich für ihre Aufnahme verwenden würde. So geschah es auch. Gleich anfangs gab er mir den Auftrag, sie als erste aufzunehmen, da er über ihr inneres Leben überaus befriedigt war; er teilte ihr dies mit, sobald wir uns auf den Weg nach Sevilla begaben, jedoch mit aller Vorsicht, damit ihre Eltern keine Kenntnis erhielten, da sie sonst ihren Eintritt nicht hätte verwirklichen können.

13. Die Sache kam nun so. Beatrix ging immer in Begleitung von einigen Frauen bei den unbeschuhten Karmeliten zur heiligen Beichte, wo sie und ihre Eltern auch viele Almosen spendeten. Ihre Mutter aber begleitete sie nicht, da der Weg zum Kloster zu weit war. Am Feste der allerheiligsten Dreifaltigkeit hatte sie sich nun mit einer anderen Frau, die eine große Dienerin Gottes war und wegen ihrer Frömmigkeit und ihrer vielen guten Werke in Sevilla sehr bekannt war, verabredet, mit ihr zu gehen. Sie entließ die Frauen, die sie gewöhnlich begleiteten, und sagte ihnen, dass die Frau bald kommen werde, und so ließen jene sie gehen. So konnte sie ihren (zukünftigen) Habit und den grobwollenen Mantel mit sich nehmen; ich weiß nicht, wie sie dies alles zu tragen vermochte, jedoch in ihrer Freude, die sie beseelte, erschien ihr alles leicht. Sie fürchtete nur, man möchte sie aufhalten und es ihr anmerken, dass sie belastet sei, da sie gewöhnlich nicht so ausging. Aber was tut nicht die Liebe zu Gott? Sie achtete nicht auf die Ehre vor der Welt, sondern fürchtete nur, es möchte die Ausführung ihres frommen Vorhabens vereitelt werden. Wir öffneten ihr unverzüglich die Pforte, und ich ließ ihrer Mutter von dem Geschehenen Nachricht geben. Diese kam ganz bestürzt herbei, gestand aber zu, dass sie die große Gnade wohl zu schätzen wisse, die Gott ihrer Tochter zuteil werden ließ. So fügte sie sich, wenn auch mit tiefer Betrübnis (in ihr Los) und ließ es nicht bis zum äußersten kommen wie andere Mütter, die mit ihren Töchtern kein Wort mehr reden; sie fuhr (im Gegenteile) fort wie bisher, uns reichlich mit Almosen zu versorgen.

14. Die Braut Christi war nun im Besitze ihrer Freude, nach der sie schon lange ein sehnliches Verlangen getragen hatte. Sie war so demütig und bereitwillig zu allem, was es zu tun gab, dass wir ihren Händen nur mit Mühe den Besen entwinden konnten. Obwohl man sie zu Hause sehr verschonte, so war doch die Arbeit ihre einzige Erholung. Da sie im Herzen so zufrieden war, so erhielt sie bald ein blühendes Aussehen. Darüber waren die Eltern so erfreut, dass sie sich glücklich schätzten, sie bei uns zu wissen.

15. Damit Beatrix ein so großes Gut nicht ohne Leiden genießen würde, musste sie zwei oder drei Monate vor ihrer Profeß große Anfechtungen erdulden; der Grund davon lag nicht darin, dass sie in dem Entschluss, sie abzulegen, wankend wurde, sondern in der Schwere der ihr dadurch erwachsenden Verpflichtung. Sie hatte auf alle jene Jahre vergessen, in denen sie für den Schatz, den sie jetzt ihr eigen nennen konnte, so vieles ausgestanden; der böse Feind quälte sie so sehr, dass sie es nicht mehr aushalten zu können glaubte. Da sie indessen alle Gewalt anwendete, so überwand sie den bösen Feind so vollständig, dass sie sich inmitten dieser Anfechtungen zur Profeß entschied. Unser Herr aber, der nur ihren Starkmut besser prüfen wollte, suchte sie drei Tage vor der Ablegung der heiligen Gelübde mit ganz außerordentlichem Troste heim und vertrieb den bösen Feind. Ihre Freude war darob so groß, dass sie während dieser drei Tage ganz außer sich war; und das mit vollem Rechte, da sie eine große Gnade empfangen hatte.

16. Nicht lange, nachdem sie ins Kloster eingetreten war, starb ihr Vater, und ihre Mutter nahm im selben Kloster das Ordenskleid und schenkte ihm ihr ganzes Vermögen als Almosen. Beide, Mutter und Tochter, sind sehr zufrieden, erbauen alle Schwestern und dienen dem Herrn, der ihnen eine so große Gnade erwiesen hat. Es war noch kein ganzes Jahr verflossen, als noch ein anderes junges Mädchen auch gegen den Willen ihrer Eltern eintrat. So bevölkert der Herr dieses Haus mit Seelen, die ein solches Verlangen haben, ihm zu dienen, dass sie sich weder vor der Strenge der Regel noch der Klausur abschrecken lassen. Er sei gelobt und gepriesen in alle Ewigkeit! Amen.

Siebenundzwanzigstes Hauptstück

Stiftung des Klosters zum glorwürdigen heiligen Joseph in der Stadt Caravaca; das Allerheiligste Sakrament wurde am Neujahrstage des Jahres 1576 eingesetzt.

1. Ich befand mich im Kloster zum heiligen Joseph in Ávila, bereit, mich zur Stiftung nach Veas zu begeben, von der ich weiter oben gesprochen habe; es fehlte nur mehr die Ausrüstung der Wagen, auf denen wir fahren sollten; da kam ein eigener Bote aus Caravaca, den eine Dame namens Doña Katharina gesandt hatte. Es waren nämlich drei junge Mädchen infolge einer Predigt, die sie von einem Pater aus der Gesellschaft Jesu gehört hatten, in ihr Haus gekommen mit dem Entschluss, es nicht mehr zu verlassen, bis in Caravaca ein Kloster gestiftet würde. Offenbar war dies eine mit jener Dame abgemachte Sache, da sie ihnen bei der Stiftung des Klosters ihre Hand bot. Diese drei Mädchen stammten von den angesehenen Adelsfamilien dieser Stadt ab. Der Vater des einen von ihnen hieß Rodrigo de Moya, der ein sehr eifriger Diener Gottes und ein Mann von seltener Klugheit war. Alle drei zusammen besaßen Vermögen genug zu einem solchen Unternehmen. Sie hatten Kenntnis von allem, was unser Herr bei Gründung unserer Klöster getan, da die Väter der Gesellschaft Jesu, die dieses Werk immer begünstigten und unterstützten, sie in die Sache eingeweiht hatten.

2. Als ich das Verlangen und den Eifer dieser Seelen sah, die, obwohl so weit entfernt, den Orden Unserer Lieben Frau ausfindig zu machen suchten, wurde ich zur Andacht gestimmt und wünschte von Herzen, ihnen bei diesem guten Unternehmen behilflich zu sein. Da ich überdies Kunde erhielt, dass Caravaca nicht weit von Veas entfernt liege, so vermehrte ich die Zahl der Nonnen, die ich sonst mitgenommen hätte. Denn meine Absicht war, nach Vollendung der Stiftung von Veas gleich nach Caravaca zu reisen, da den Briefen zufolge, die ich erhielt, die Sache bald ins reine zu kommen schien.

3. Da aber der Herr etwas anderes beschlossen hatte, so halfen mir meine Pläne wenig; es traf, wie ich bereits im Berichte über die Stiftung von Sevilla angedeutet habe, vom Ordensrat die Erlaubnis mit einem derartigen Wortlaut ein, dass meine damals schon beschlossene Abreise unterblieb. Da ich mich übrigens in Veas nach der Lage dieses Ortes erkundigt und erfahren hatte, dass er zu weit abseits liege und ein schlechter Weg hinführe, dass es sehr beschwerlich sei, die dortigen Nonnenklöster zu Visitieren und deshalb die Oberen nicht recht damit zufrieden sein würden, so hatte ich in der Tat wenig Lust, diese Stiftung vorzunehmen. Weil ich aber den Jungfrauen schon gute Hoffnung gemacht hatte, so bat ich den Pater Julian de Ávila und Anton Gaytan, sich nach Caravaca zu begeben, um alles in Augenschein zu nehmen und, falls sie den gleichen Eindruck gewinnen würden, die Sache wieder rückgängig zu machen. Sie fanden, dass die Angelegenheit mit großer Gleichgültigkeit behandelt wurde, zwar nicht von seiten der Mädchen, die Nonnen werden sollten, sondern von seiten der Doña Katharina, die die Hauptperson des ganzen Unternehmens war; sie ließ die Mädchen bei ihr in einem abgeschlossenen Zimmer wohnen, gleich als ob dort schon ein Kloster bestehen würde.

4. Die Jungfrauen, vorzüglich die beiden, die wirklich Nonnen wurden, waren so fest in ihrem Entschlusse und wussten den Pater Julian de Ávila und Anton Gaytan so für sich zu gewinnen, dass diese noch vor ihrer Abreise den Kontrakt aufsetzten und die Jungfrauen höchst erfreut verließen. Auch sie kamen überaus befriedigt über sie und die Gegend zurück und konnten nicht genug davon erzählen; aber zugleich mussten sie auch zugeben, dass die Wege schlecht seien. Als ich nun sah, dass die Sache schon abgeschlossen war und die Erlaubnis sich verzögerte, schickte ich den guten Anton Gaytan, der aus Liebe zu mir sehr gerne sich jeder Mühe unterzog, nochmals nach Caravaca, zumal ihm und dem Pater Julian diese Stiftung sehr am Herzen lag. Ihnen ist auch in Wahrheit das Verdienst dieser Stiftung zuzuschreiben; denn wären sie nicht dorthin gereist und hätten sie nicht den Kontrakt abgeschlossen, so würde ich wenig ausgerichtet haben. Ich gab daher dem Anton Gaytan, als er wieder hinreiste, den Auftrag, in dem Hause, das zur Besitznahme bestimmt sei, eine Winde und ein Sprechgitter anzubringen und die Nonnen dort zu belassen, bis man ein geeignetes Haus finden würde. Er blieb zu diesem Zwecke längere Zeit in Caravaca. Rodrigo de Moya, der Vater eines dieser Mädchen, räumte ihm aufs bereitwilligste einen Teil seines Hauses ein, wo er sich einige Tage aufhielt und alles in Ordnung brachte.

5. Als die Erlaubnis eintraf und ich schon bereit war, dorthin abzureisen, erfuhr ich, dass darin die Klausel enthalten sei, das Kloster sollte den Ordenskomturen unterworfen werden, denen die Nonnen Gehorsam geloben müssten. Das konnte ich nicht zugeben, weil es sich um ein Kloster des Ordens Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel handelte. So mussten wir aufs neue um Erlaubnis nachsuchen, da sonst aus dieser Stiftung sowie auch aus jener in Veas nichts geworden wäre. Ich schrieb selbst an den gegenwärtigen König Philipp (II.), der mir so großes Wohlwollen erwies, dass er den Befehl gab, die Erlaubnis auszufertigen. Dieser König ist ein Freund und Gönner aller Ordensleute, von denen er weiß, dass sie ihre Gelübde treu beobachten. Als er von der Lebensweise in diesen Klöstern Kenntnis erhalten und erfahren hatte, dass wir die ursprüngliche Regel beobachteten, hat er uns in allem seine Huld zugewendet. Darum bitte ich euch, meine Töchter, recht inständig, dass für Seine Majestät immer besondere Gebete dargebracht werden, so wie auch wir es zu tun pflegen.

6. Während man nochmals um die Erlaubnis anhalten musste, begab ich mich im Auftrag des Paters Magister Hieronymus Gracián von der Mutter Gottes, der, wie schon erwähnt, damals Provinzial war, und es jetzt noch ist, nach Sevilla; die armen Mädchen mussten in ihrer Zurückgezogenheit verbleiben bis zum Neujahrstage des folgenden Jahres, und als die erste Botschaft, die sie an mich nach Ávila sandten, wieder zurückkam, war es bereits Februar. Die Erlaubnis traf bald ein; allein, da ich so weit entfernt war und so viele Geschäfte hatte, konnte ich ihnen nicht anders helfen. Ich hatte indessen mit ihnen großes Mitleid, da sie mir so oft brieflich ihre große Betrübnis klagten, und so konnte ich es nicht mehr ertragen, sie noch länger hinzuhalten. Weil ich mich aber unmöglich selbst dorthin begeben konnte, sowohl wegen der weiten Entfernung, als auch weil die Klostergründung in Sevilla noch nicht beendet war, so kam, wie schon erwähnt, dem apostolischen Visitator Pater Magister Hieronymus Gracián der Gedanke, es sollten die Schwestern, die für die Gründung in Caravaca bestimmt waren und sich jetzt im St. Josephskloster zu Malagón befanden, ohne mich dorthin reisen.

7. Ich sorgte dafür, dass jene als Priorin aufgestellt wurde, die ich für dieses Amt am fähigsten hielt und die auch in der Tat weit besser ist als ich. Sie begaben sich, versehen mit allem Notwendigen und in Begleitung von zwei unbeschuhten Karmeliten, auf den Weg, da Pater Julian de Ávila und Anton Gaytan schon längst in ihre Heimat abgereist waren. Da sie nämlich in so weiter Entfernung sich befanden und das Wetter so schlecht war - es war Ende Dezember -, so wollte ich sie nicht nochmals kommen lassen. Bei ihrer Ankunft in Caravaca wurden die Nonnen vom Volke überaus freudig aufgenommen, besonders aber von den Jungfrauen, die in der Klausur lebten. Am Feste des Namens Jesu des Jahres 1576 wurde das Kloster gegründet und das Allerheiligste Sakrament eingesetzt.

8. Zwei von den erwähnten Jungfrauen traten sogleich in den Orden ein; die dritte aber, die sehr melancholisch war, fürchtete offenbar, die Klausur, noch mehr aber die so strenge Lebensweise und die Bußübungen nicht ertragen zu können; sie entschloß sich, wieder in ihr elterliches Haus zurückzukehren und bei ihrer Schwester zu bleiben. Bedenkt darum, meine Töchter, die Urteile Gottes und die Verpflichtung, die wir haben, ihm zu dienen, weil wir die Gnade empfangen haben, auszuharren bis zur heiligen Profeß und als Töchter der allerseligsten Jungfrau im Hause Gottes bleiben zu dürfen. Seine Majestät hat sich des guten Willens und des Vermögens dieser Jungfrau zur Stiftung dieses Klosters bedient; aber gerade in dem Augenblick, wo sie hätte genießen sollen, was sie so sehnlichst verlangt, fehlte ihr die Kraft und unterlag sie der Melancholie. Dieser Gemütsstimmung schreiben auch wir, meine Töchter, öfters die Schuld unserer Unvollkommenheit und unseres Wankelmutes zu.

9. Möge es Seiner Majestät gefallen, uns ihre Gnaden im reichsten Maße zu verleihen, damit uns nichts aufhalte, in ihrem Dienste voranzuschreiten! Möge der Herr uns allen seinen Schutz und seine Hilfe angedeihen lassen, damit ja der so glückliche Beginn der Reform, den er in seiner Güte durch einige ganz armselige Frauenspersonen, wie wir sind, in die Wege geleitet hat, durch unsere Schwachheit keinen Schaden nehme! In seinem Namen bitte ich euch, meine Schwestern und Töchter, dies ohne Unterlass von unserem Herrn zu erflehen; und jede von denen, die noch zu uns kommen werden, soll der Meinung sein, dass sie die Beobachtung der ursprünglichen Regel Unserer Lieben Frau ihren Anfang nehme. Duldet in keiner Weise eine Erleichterung; bedenket, dass durch die geringsten Kleinigkeiten die Türe zu sehr großen Fehlern geöffnet wird und die Welt wider Erwarten schnell sich bei euch eindrängen kann. Erinnert euch an die Armut und an die große Mühe, wodurch das zustande gekommen ist, was ihr jetzt in Ruhe genießet; und wenn ihr es recht beachtet, so werdet ihr finden, dass diese Klöster größtenteils nicht von Menschen, sondern vor allem durch die allmächtige Hand Gottes gegründet worden sind. Seine Majestät fördert ja mit besonderer Liebe die Werke, die sie vollbringen will, wenn nur von unserer Seite nichts fehlt.

10. Woher meint ihr wohl, hatte eine so armselige Frauensperson wie ich, die von ihren Vorgesetzten abhängig ist, die Kraft zu so beschwerlichen Werken? Ich hatte ja keine Blanka (Geld) und auch niemanden, der mir irgendwie beigestanden wäre; mein Bruder, der nur nachher bei der Stiftung von Sevilla zur Seite stand und einiges Vermögen besaß, der ein gutes Herz und einen guten Willen hatte, um mir in etwa behilflich zu sein, befand sich damals in Indien. Erkennet doch, meine Töchter, erkennet die Hand Gottes! Hat man mir vielleicht etwas zuliebe getan, weil ich zufällig aus adeligem Geschlechte stamme? Nein, ihr möget die Sache betrachten, wie ihr nur immer wollt, so werdet ihr erkennen, dass es sein Werk allein war. Darum ist es billig, dass wir es unversehrt erhalten, sollte es uns auch das Leben, die Ehre und die Ruhe kosten, um so mehr, da wir alle diese Güter hier vereint finden. Denn das ist wahres Leben, dass man weder den Tod noch die widrigen Vorfälle dieses Lebens fürchtet, sondern stets die gewohnte Freude kostet, wie ihr sie jetzt alle besitzt. Das ist Wohlstand, wie er nicht größer sein kann, dass man vor der Armut nicht zurückschreckt, sondern nach ihr Verlangen trägt. Gibt es denn etwas, was mit dem inneren und äußeren Frieden, den ihr allezeit genießet, verglichen werden könnte? An euch liegt es, in diesem Frieden zu leben und zu sterben, wie ihr jene sterben sahet, die in unseren Klöstern lebten. Wenn ihr Gott unablässig bittet, dass er dieses Werk weiter fördere, und auf euch selbst Mißtrauen setzet, dann wird er euch seine Barmherzigkeit nicht entziehen; und wenn ihr zuversichtlich auf ihn vertrauet und mit Mut und Beherztheit zu Werke geht, woran ja Seine Majestät so großen Gefallen findet, so dürft ihr nicht fürchten, dass euch etwas mangelt.

11. Weiset darum jene nicht ab, die euch um Aufnahme in den Orden bitten, wenn euch nur ihr Eifer und ihre natürlichen Gaben zusagen und sie nicht kommen wollen, um eine Zufluchtsstätte zu finden, sondern um Gott mit größerer Vollkommenheit zu dienen; es genügt, dass sie Tugend besitzen, wenn sie auch keine zeitlichen Güter haben. Denn Gott wird seinerseits den Nutzen doppelt ersetzen, den ihr vielleicht aus ihrer Mitgift schöpfen würdet. Ich besitze hierin viel Erfahrung. Seine Majestät weiß wohl, dass ich, soviel ich mich erinnere, nie einer Person wegen dieses Mangels die Aufnahme verweigerte, wenn sie mir nur sonst zusagte. Dies können die vielen Schwestern bezeugen, die, wie ihr wisst, rein um Gottes willen aufgenommen worden sind. Ich kann euch in Wahrheit sagen, dass meine Freude nicht so groß war, wenn ich Personen aufnahm, die ein großes Vermögen besaßen, als wenn ich Seelen einzig um Gottes willen zuließ. Die ersteren flößten mir weit mehr Furcht ein, während die Armen mein Herz erweiterten und mich mit solchem Trost erfüllten, dass ich vor Freude weinen musste; das ist reine Wahrheit. Ist uns der Herr damals so getreu beigestanden, als wir die Häuser kaufen und einrichten mussten, wie sollte er dann nicht das gleiche tun, nachdem wir jetzt in ihnen leben? Glaubet mir, meine Töchter, dass ihr gerade dadurch verlieren würdet, wodurch ihr zu gewinnen meinet.

12. Kommt eine Schwester, die Vermögen besitzt und sonst keine weitere Verpflichtung hat, so ist es gut, wenn sie euch dieses als Almosen gibt, anstatt es anderen zukommen zu lassen, die es vielleicht nicht bedürfen. Würde sie anders handeln, so schiene mir das - ich muss es bekennen - ein Mangel an Liebe zu sein. Sehet aber immer darauf, dass eine jede, die eintritt und zeitliche Güter besitzt, diese nach dem Rate gelehrter Männer zu dem verwendet, was zur größeren Ehre Gottes gereicht. Denn es wäre sehr schlimm, wenn wir von einer (Nonne), die eintritt, etwas zu einem anderen Zwecke begehren würden. Wenn sie nämlich Gott aus höheren Motiven das gibt, was sie ihm schuldet, so verschafft uns das weit mehr Gewinn als alles, was sie uns an Mitgift bringen kann. Denn unser einziges Bestreben gehe dahin - und Gott verhüte, dass wir etwas anderes suchen -, dass Seiner Majestät in allem und durch alles gedient werde.

13. Wenn ich auch armselig und böse bin, so bezeuge ich doch zur Ehre und Verherrlichung Gottes sowie auch, damit ihr über die Art und Weise der Errichtung dieser Klöster mit Freude erfüllt werdet, dass ich in keiner Weise weder bei deren Gründung noch auch in dem, was sich auf deren Stiftung bezog, etwas tun würde oder getan habe - ich sage bei diesen Stiftungen -, was mir mich nur im geringsten gegen den Willen Gottes zu sein schien; selbst da hütete ich mich davor, wo ich glaubte, etwas zu erreichen, wenn ich in etwa anderer Meinung wäre. Immer handelte ich in Übereinstimmung mit dem Rate meiner Beichtväter, die, seitdem ich mich mit diesem Werke befasse, stets sehr gelehrte Männer und eifrige Diener Gottes waren, wie ihr selbst es wisset; nie kam mir, soviel ich mich erinnere, ein anderer Gedanke in den Sinn.

14. Vielleicht täusche ich mich; vielleicht habe ich viele Fehler begangen, an die ich mich nicht erinnere, und meine Unvollkommenheiten mögen zahllos sein. Das weiß unser Herr, der wahrhaftige Richter; ich aber sage von mir nur, was ich wissen konnte. Auch sehe ich wohl ein, dass dieses Werk nicht von mir war, sondern dass Gott, der es wollte und es als das seinige betrachtete, mir dazu seine Hilfe und Gnade verlieh. Ich sage euch dieses, meine Töchter, damit ihr eure Verpflichtung gegen Gott besser erkennet und wisset, dass diese Gründungen bisher ohne Nachteil eines anderen zustande gekommen sind. Gepriesen sei der Herr, der dies alles vollbracht und den wohltätigen Sinn jener wachgerufen hat, die uns hierin unterstützten! Möge Seine Majestät uns immer beschützen und uns seine Gnade verleihen, dass wir diese großen Gnadenerweisungen nicht mit Undank vergelten! Amen.

15. Ihr habt nun gesehen, meine Töchter, dass wir gar manche Mühseligkeiten auf uns nehmen mussten, wenn ich auch nach meinem Dafürhalten nur die geringsten hier beschrieben habe; denn wollte ich alles bis auf das kleinste erzählen, was wir auf den Reisen durch Regengüsse und Schneegestöber, durch unsere Irrwege und dazu noch durch mein oftmaliges Kranksein ausgestanden haben, so würde mich das sehr ermüden. Unter anderem traf es sich einmal - ich weiß nicht mehr, ob ich es schon erzählt habe - , dass mich am ersten Tage unserer Reise von Malagón nach Veas ein heftiges Fieber und im Verein damit ein solches Unwohlsein befiel, dass mir in Anbetracht der weiten Reise und meines elenden Zustandes unser Vater Elias einfiel, als er vor Jezabel floh. Ich sprach zum Herrn: »Wie werde ich doch dies aushalten können? Sieh doch selber zu.« Als der Herr meine Schwäche sah, befreite er mich in der Tat plötzlich vom Fieber und allem Übel, so dass mir nachher, als ich hierüber nachdachte, der Gedanke kam, er habe mir diese Gnade um eines Priesters willen gewährt, der ein großer Diener Gottes war und damals zu mir kam. So mag es wohl auch gewesen sein, wenigstens haben mich meine äußeren und inneren Schmerzen plötzlich verlassen.

16. War ich gesund, so ertrug ich alle körperlichen Beschwerden mit Freuden. Aber keine geringe Beschwerde war es für mich, an jedem Orte die verschiedenen Charaktere so vieler Personen zu ertragen; dasselbe war auch der Fall, wenn ich meine Schwestern und Töchter verlassen musste, um von einem Orte zum anderen zu reisen. Ich versichere euch, dass dies nicht mein geringstes Kreuz war, da ich sie so zärtlich liebe, besonders wenn ich mir dachte, dass ich sie vielleicht nie mehr sehen würde, und ihren großen Schmerz und ihre Tränen gewahrte. Waren sie auch von jeder Anhänglichkeit an andere Dinge frei, so hat ihnen doch Gott vielleicht nur zu meiner größeren Pein in Hinsicht auf mich diese Gnade nicht verliehen, weil auch ich ihnen so sehr zugetan bin, wenngleich ich mir Gewalt antat, um ihnen dies nicht merken zu lassen, und sie deshalb sogar zurechtwies. Aber es half wenig, da sie innige Liebe zu mir tragen, die bei vielen Anlässen nur zu deutlich und klar zutage tritt.

17. Ihr werdet auch gehört haben, dass diese Gründungen nicht nur mit Erlaubnis unseres wohlehrwürdigen Paters General, sondern auf ausdrücklichem Befehl und folglich in Kraft des Gehorsams zustande kamen. Nicht bloß dieses, unser General schrieb mir auch bei jeder neuen Stiftung, dass er über deren Zustandekommen innige Freude empfinde. Mein größter Trost inmitten dieser Beschwernisse war das Bewusstsein seiner Zufriedenheit darüber; und indem ich meinen Oberen erfreut sah, glaubte ich auch unserem Herrn einen Dienst zu erweisen; übrigens trug ich auch so innige Liebe zu ihm.

18. Sei es nun, dass mir Seine Majestät einige Ruhe gewähren wollte oder dass es den Teufel verdroß, weil so viele Klöster gestiftet waren, in denen unserem Herrn so vollkommen gedient wurde, kurz, man konnte deutlich sehen, dass die (neue Verordnung) nicht auf Veranlassung des Paters General hin erfolgte. Denn als ich ihn vor wenigen Jahren ersuchte, er möge mir keinen Auftrag mehr zu neuen Stiftungen erteilen, gab er mir zur Antwort, er werde sich davor wohl hüten, vielmehr sei es sein Wunsch, dass ich so viele Klöster stiften möchte, als ich Haare auf dem Haupte habe. Bevor ich nun von Sevilla abreiste, gab man mir nach Abschluss des Generalkapitels den Erlass des Definitoriums bekannt, wonach ich weder eine neue Niederlassung gründen noch unter irgendeinem Vorwande jenes Kloster verlassen dürfte, das ich mir selbst zu meinem Aufenthalt wählen würde, während man doch hätte meinen sollen, es würde der neue Zuwachs des Ordens als eine Wohltat gutgeheißen werden. Das war eine Art Gefangenschaft; denn es gibt keine Nonne, die der Provinzial, wenn es aus wichtigen Gründen zum Wohle des Ordens erforderlich ist, nicht von einem Ort in den anderen, will sagen von einem Kloster ins andere versetzen könnte. Aber das Schlimmste war - und das bereitete mir großen Schmerz -, dass unser Pater General ohne allen Grund, bloß auf den Bericht leidenschaftlicher Personen hin, gegen mich aufgebracht wurde. Zugleich erfuhr ich, dass man zwei schwere Verleumdungen über mich ausgestreut hatte.

19. Damit ihr jedoch, meine Schwestern, die Barmherzigkeit unseres Herrn recht erkennet und einsehet, dass Seine Majestät jene nicht verlässt, die ihr dienen wollen, so will ich euch sagen, dass mich diese Anschuldigungen nicht nur nicht betrübten, sondern mir vielmehr eine so außerordentliche Freude bereiteten, dass ich ganz außer mir war. Darum wunderte ich mich nicht über die Handlungsweise des Königs David, als er vor der Arche des Herrn einherging; denn damals hätte ich auch dasselbe tun wollen, so groß war meine Freude, und ich wusste sie kaum zu verbergen. Die Ursache dieser Freude weiß ich nicht anzugeben; denn die üblen Nachreden und Widersprüche, denen ich sehr häufig bei anderen Gelegenheiten ausgesetzt war, haben in mir eine solche Wirkung nicht hervorgebracht; und doch war wenigstens eine dieser zwei erwähnten Anklagen, die man gegen mich erhob, sehr schwerer Natur. Dass ich kein Kloster mehr stiften durfte, das wäre, abgesehen von der Unzufriedenheit des wohlehrwürdigen Generals, eine große Erleichterung für mich gewesen; denn ich habe mich schon oft darnach gesehnt, mein Leben in Ruhe zu beschließen. Das dachten aber jene nicht, die zu dieser Maßregel Anlass gaben, sondern sie glaubten mir die größte Betrübnis von der Welt zu bereiten; vielleicht hatten sie aber dabei auch andere, gute Absichten.

20. Desgleichen haben mich manchmal die heftigen Widersprüche und das Gerede der Leute, das ich während dieser Stiftungen über mich ergehen lassen musste, mit Freude erfüllt; die einen von ihnen hatten dabei wohl eine gute Absicht, während die anderen gegenteilige Zwecke verfolgten. Aber ein eine so außerordentliche Freude, wie ich sie über den oben erwähnten Vorfall empfand hat mir, soweit ich mich erinnere, keine dieser Prüfungen bereitet. Auch muss ich bekennen, dass zu anderen Zeiten schon einer dieser drei hier vereinten Anlässe zur Betrübnis gereicht hätte, mich überaus schmerzlich zu berühren. Diese besondere Freude aber wie ich glaube, ihren Grund in dem Gedanken, dass der Schöpfer mit mir (um so mehr) zufrieden sein musste, weil die Menschen so wenig Dank entgegenbrachten. Ja, ich habe die Erfahrung gemacht, dass der Mensch, der um irdischer Dinge willen oder um von den Geschöpfen gelobt zu werden, etwas unternimmt, sich sehr täuscht; denn abgesehen von dem schlechten Gewinn, der darin zu finden ist, scheint den Menschen heute dies, morgen wieder etwas anderes gut; und was sie das eine Mal loben das werden sie ein andermal wieder tadeln: Gepriesen seist du, mein Gott, der du unveränderlich bist in alle Ewigkeit! Amen. Wer in deinem Dienste treu ausharrt bis ans Ende, der wird in deiner Ewigkeit leben ohne Ende.

21. Wie ich schon anfangs erwähnt habe, begann ich die Beschreibung dieser Stiftungen auf Befehl des Paters Magister Ripalda aus der Gesellschaft Jesu, der damals Rektor des Kollegiums zu Salamanca und mein Beichtvater war. Ich habe schon einige Stiftungen im Jahre 1573 beschrieben, als ich in dieser Stadt im Kloster des glorwürdigen heiligen Joseph mich befand; allein infolge die vielseitiger Beschäftigungen habe ich diese Arbeit wieder aufgegeben; ich wollte sie auch nicht mehr weiter fortsetzen, einerseits weil infolge meiner Reisen, die mich bald dahin, bald dorthin führten, dieser genannte Pater nicht mehr mein Beichtvater war, andererseits, weil dieses Schreiben mich viele Mühe und Arbeit gekostet hatte. Aber ich muss dennoch gestehen, dass ich diese Mühe für gut angewendet halte, weil ich immer unter dem Gehorsam gestanden bin. Ich hatte schon den festen Entschluss gefasst, als mir der apostolische Kommissär, Pater Magister Hieronymus Gracián von der Mutter Gottes den Auftrag gab, diesen Bericht zu vollenden. Als ich ihm, schwach im Gehorsam, wie ich bin, sagte, dass ich wenig Zeit dazu hätte und noch andere Gründe vorbrachte, die mir eben einfielen - und es war auch für mich bei meinen anderen Beschäftigungen eine große Last - , befahl er mir trotz allem, ihn nach und nach, so gut es eben gehe, zu vollenden. So habe ich mich denn mit vollkommener Unterwürfigkeit gefügt; und es mögen nun jene, die es verstehen, streichen, was davon fehlerhaft ist; denn vielleicht taugt gerade das, was mir als das Beste scheint, gar nichts. Vollendet wurde das gegenwärtige Werk heute, am 14. November 1576, am Vorabend des Festes des heiligen Eugenius, im St. Josephskloster zu Toledo, wo ich mich eben auf Befehl des apostolischen Kommissärs, Pater Magister Hieronymus Gracián von der Mutter Gottes, aufhalte, der gegenwärtig der Obere über die unbeschuhten Männer und Frauenklöster nach der ursprünglichen Regel und zugleich Visitator der beschuhten (Karmeliten) in Andalusien ist. Ehre und Verherrlichung sei unserem Herrn Jesus Christus, der da herrscht und regiert von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

22. Um der Liebe unseres Herrn willen bitte ich alle Brüder und Schwestern, die dieses lesen, mich unserem Herrn zu empfehlen, dass er mir barmherzig sei, mich befreie von den Peinen des Fegfeuers, wenn ich für würdig befunden werde, dorthin zu kommen, und mich zum Genusse seiner Gottheit führe. Solange ich lebe, werdet ihr diese Zeilen nicht zu lesen bekommen. Wenn man es aber nach meinem Tode für gut findet, dass ihr sie leset, so werde ich wohl ein wenig Nutzen ziehen aus der Mühe, die mich das Schreiben gekostet hat, sowie auch aus dem innigen Verlangen, das mich beseelte, euch etwas zu sagen, was eure Seelen mit Trost erfüllen könnte.

Achtundzwanzigstes Hauptstück

IHS.

Gründung des Klosters zu Villanueva de la Jara

1. Nachdem die Gründung von Sevilla vollendet war, unterblieben die Klosterstiftungen mehr als vier Jahre lang, da heftige Verfolgungen Schlag auf Schlag gegen die Männer- und Frauenklöster der unbeschuhten (Karmeliten) einsetzten. Wenn ich auch schon früher schwere Verfolgungen erdulden musste, so waren sie doch nicht so bedeutend, dass alles auf den gänzlichen Ruin der Reform abzielte. Man sah einerseits ganz deutlich, wie ergrimmt der böse Feind über den guten Anfang (der Reform) war, den unser Herr in die Wege geleitet hatte; anderseits erkannte man, dass sie Gottes Werk war, weil sie sich so wunderbar entfaltete. Die unbeschuhten Karmeliten, besonders die Häupter der Reform, hatten viel zu leiden, da sie schweren Verleumdungen und Widersprüchen fast aller beschuhten Väter ausgesetzt waren. Diese erstatteten unserem wohlehrwürdigen Pater General derartige Berichte und beeinflussten ihn in einer Weise, dass er jetzt alles in Bewegung setzte, um die weitere Verbreitung der Unbeschuhten zu verhindern. Er war sonst ein äußerst frommer Mann, der die Erlaubnis zur Stiftung fast aller Klöster gegeben hatte, mit Ausnahme des St. Josephsklosters in Ávila, das als das erste mit päpstlicher Erlaubnis gegründet wurde. Auch gegen (unsere) Frauenklöster zeigte er sich immer wohlwollend. Aber diese Väter flößten ihm auch eine Abneigung gegen mich ein, da ich mich um die Ausbreitung der Männerklöster angenommen hatte. Dies war für mich der größte Schmerz, der mich im Verlauf dieser Stiftungen traf, wenn ich auch sonst vieles ausgestanden habe. Einerseits widerrieten mir große Gelehrte, denen ich beichtete und die ich um Rat fragte, mich von der Mitwirkung zur Förderung eines Werkes loszusagen, von dem ich klar erkannte, dass es zur Ehre unseres Herrn und zur Verbreitung unseres Ordens diente; andererseits war es für mich ein tödlicher Schmerz, gegen den erkannten Willen meines Obern zu handeln; denn abgesehen von der Verpflichtung, die ich als Untergebene gegen ihn hatte, liebte ich ihn von ganzem Herzen und war ich ihm diese Liebe auch in der Tat schuldig. Allein so groß auch mein Verlangen war, ihn in diesem Punkte zufriedenzustellen, so war ich nicht dazu imstande, weil ich apostolische Visitatoren über mir hatte, denen ich zu gehorchen verpflichtet war.

2. Unterdessen starb der Nuntius, ein äußerst frommer Mann, der ein großer Förderer der Tugend und deshalb auch den unbeschuhten Karmeliten sehr zugetan war. Auf ihn folgte ein anderer, den, wie es scheint, Gott gesandt hatte, um uns im Leiden zu prüfen. Dieser war etwas mit dem Papste verwandt und mag auch ein Diener Gottes gewesen sein, allein er nahm sich mit zu großem Eifer der Sache der Beschuhten an; indem er sich auf Berichte stützte, die ihm diese Väter über uns erstatteten, hielt er es für ratsam, den weiteren Fortschritt der Reform zu verhindern. So fing er denn auch wirklich an, mit größter Strenge zu verfahren, indem er jene Religiosen, von denen er glaubte, dass sie ihm Widerstand leisten würden, zum Kerker oder zur Verbannung verurteilte.

3. Jene, die am meisten zu leiden hatten, waren Pater Anton von Jesu der den Grund zum ersten Kloster der Unbeschuhten legte, und Pater Hieronymus Gracián, den der vorige Nuntius zum apostolischen Visitator der Beschuhten ernannt hatte. Gegen diesen und gegen Pater Mariano vom heiligen Benedikt hatte er eine große Abneigung. Diese Väter habe ich schon erwähnt im Berichte über die früheren Stiftungen; auch andere von den bedeutenderen (Gliedern des Ordens) strafte er, wenn auch nicht in dem Maße. Diese drei, die ich mit Namen genannt, belegte er mit vielfachen kirchlichen Strafen und verbot ihnen, mit irgendeiner Angelegenheit sich zu befassen. Man konnte deutlich erkennen, dass dies alles nur auf Zulassung Gottes hin geschah und Seine Majestät das Beste des Ordens im Auge hatte, damit die Tugend dieser Väter um so mehr zutage trat, wie es auch wirklich der Fall war.

4. Der Nuntius stellte einen Oberen der Beschuhten zum Visitator unserer Männer und Frauenklöster auf, und wenn dieser bei uns gefunden hätte, was er sich einbildete, so würde er überaus strenge gegen uns vorgegangen sein; indes waren die Leiden, die er uns bereitete, trotzdem noch schwer genug, was eine andere beschreiben wird, die es besser darzustellen weiß als ich. Ich erwähne dies nur deshalb, damit die Schwestern, die nach uns kommen, erkennen, wie sehr sie verpflichtet sind, das Leben der Vollkommenheit zu fördern, da sie sich ohne Hindernis eines Gutes erfreuen können, das die jetzt Lebenden so viel gekostet hat. Einige aus diesen haben während jener Zeit vieles ausgestanden durch falsche Verdächtigungen, was mich weit mehr schmerzte als meine persönlichen Leiden, die mir in Wahrheit eher Freude bereiteten. Ich hielt mich für die einzige Ursache all dieser Unruhen und glaubte, dass der Sturm sich legen würde, wenn man mich wie den Jonas ins Wasser werfen würde. Gepriesen sei der Herr, der immer die Wahrheit in Schutz nimmt!

5. Die Sache kam nun so. Unser katholischer König, Don Philipp (II.), erhielt von diesen Vorfällen Kenntnis; da er das Leben und die klösterliche Observanz der Unbeschuhten schon kannte, nahm er unsere Angelegenheit in seine Hand. Damit unser Recht gebührend geschützt würde, ließ er nicht zu, dass der Nuntius allein Richter in unserer Angelegenheit sei; er gab ihm, um unseren Rechtshandel genau zu prüfen, vier angesehene Männer als Assessoren zur Seite, von denen drei aus dem Ordensstande waren. Einer von diesen war der Pater Magister Petrus Fernández, ein Mann von großer Heiligkeit, von hohem Wissen und großer Klugheit. Dieser war früher apostolischer Kommissär und Visitator der beschuhten Karmeliten der Provinz Kastilien, dem auch die Unbeschuhten unterstellt waren. Er kannte genau den wahren Tatbestand und die Lebensweise der einen wie der anderen sowie auch, dass wir alle nur den einen Wunsch hatten, es möge alles (wahrheitsgemäß) offenbar werden. Als ich nun erfuhr, dass der König ihn für dieses Amt erwählt habe, hielt ich die Sache schon für erledigt, wie es auch durch die Barmherzigkeit Gottes wirklich geschehen ist. Seine Majestät verleihe, dass dies zu ihrer Ehre und Verherrlichung gereiche!

6. Wenn auch damals unter den Angesehenen des Reiches und unter den Bischöfen sich viele fanden, die sich beeilten, den Nuntius über den wahren Sachverhalt aufzuklären, so würde dies doch wenig genützt haben, wenn nicht Gott sich der Person des Königs selbst bedient hätte. Wir alle, meine Schwestern, haben die strenge Verpflichtung, in unseren Gebeten beständig diesen König und alle, die sich der Sache unseres Herrn und unserer Lieben Frau angenommen haben, dem Herrn zu empfehlen, und darum lege ich euch dies recht angelegentlich ans Herz. Aus dem, was ich gesagt habe, könnt ihr, meine Schwestern, ersehen, ob ich imstande war, ein neues Kloster zu gründen. Unsere einzige Beschäftigung bestand darin, ohne Unterlass zu beten und Buße zu tun, damit Gott sich würdigte, die schon gegründeten Klöster weiter zu erhalten, wenn sie anders zu seiner Ehre gereichten.

7. Im Anfange dieser schweren Heimsuchung befand ich mich in Toledo, wohin ich mich nach der Stiftung von Sevilla zurückgezogen habe. Ich erwähnte nur kurz diese Heimsuchung, so dass sie euch vielleicht nur unbedeutend vorkommen könnte; allein es ist in dieser langen Zeit gar vieles vorgefallen, was recht peinlich war. Im Jahre 1576 brachte mir ein Priester der Stadt Villanueva de la Jara ein Schreiben vom Gemeinderat dieser Stadt. Er sollte mit mir über die Stiftung eines Klosters verhandeln, in das neun Jungfrauen einzutreten wünschten. Diese Jungfrauen wohnten schon seit einigen Jahren in einem kleinen Häuschen dieser Stadt, in der Nähe einer der glorwürdigen heiligen Anna geweihten Einsiedelei, beisammen. Sie lebten dort in so strenger Zurückgezogenheit und Frömmigkeit, dass sie den ganzen Ort veranlassten, ihnen zur Erfüllung ihres Verlangens, Nonnen zu werden, behilflich zu sein. Es schrieb mir auch der Pfarrer dieses Ortes, Doktor Augustin Ervias, ein sehr gelehrter und tugendhafter Mann, der sich angetrieben fühlte, dieses heilige Werk nach Kräften zu unterstützen.

8. Ich glaubte in keiner Weise für diesen Plan eintreten zu können, und zwar aus folgenden Gründen: Erstens war ihre Zahl zu groß, und ich hielt es für eine schwierige Aufgabe, sie mit unserer Lebensweise vertraut zu machen, nachdem sie sich schon in die ihrige gewöhnt hatten. Zweitens hatten sie nichts zu ihrem Unterhalt, und die Stadt zählte nicht viel über tausend Einwohner, so dass für ein Kloster, das vom Almosen leben sollte, wenig zu hoffen war. Wenn sich auch der Gemeinderat anbot, ihnen den Unterhalt zu geben, so schien mir doch dies Angebot für die Dauer nicht sicher zu sein. Drittens hatten sie kein eigenes Haus. Viertens war die Stadt von unseren anderen Klöstern zu weit entfernt. Wenn man mir auch diese Jungfrauen als sehr fromm schilderte, so konnte ich doch, da ich sie nicht selbst sah, nicht wissen, ob sie die für unsere Klöster notwendigen Eigenschaften hatten. Ich war also entschlossen, dieses Angebot gänzlich abzuweisen; bevor ich mich aber entschied, wollte ich noch mit meinem Beichtvater, Doktor Velásquez, sprechen, der (damals) Kanonikus und Professor zu Toledo war; er ist ein sehr gelehrter und tugendhafter Mann und hat gegenwärtig den Bischofsstuhl von Osma inne. Denn ich habe die Gewohnheit, nicht nach meiner persönlichen Ansicht, sondern nach dem Gutachten solcher Männer zu handeln.

9. Nachdem dieser von den Briefen Einsicht genommen und von der Angelegenheit Kenntnis erhalten hatte, gab er mir den Rat, dieses Bittgesuch nicht direkt abzuweisen, sondern in liebevoller Weise zu antworten; denn da Gott so vielen Herzen ein Verlangen eingeflößt habe, so könne man daraus abnehmen, dass es zu seiner Ehre gereiche. Diesen Rat befolgte ich; ich gab zwar keine ausdrückliche Zusage, aber auch keine direkt abweisende Antwort. Während der vier Jahre, die bis zum Jahre 1580 verflossen, unterließ man nicht, mich zu bitten und durch Mittelspersonen zur Annahme dieses Vorschlages zu drängen. Obwohl mir das Unternehmen als Torheit erschien, so lag es doch, so oft ich antwortete, nicht in meiner Macht, eine ganz abweisende Antwort zu geben.

10. Nun traf es sich, dass Pater Antonius von Jesu, der die Zeit seiner Verbannung im Kloster »unserer Lieben Frau del Socorro«, drei Meilen von dieser Stadt Villanueva entfernt, zubringen musste, dorthin zum Predigen kam. Auch der gegenwärtige Prior dieses Klosters, Pater Gabriel von der Himmelfahrt, ein sehr kluger Mann und großer Diener Gottes, kam öfters in diese Stadt. Beide waren Freunde des Doktor Ervias und begannen mit jenen frommen Nonnen in Unterhandlungen zu treten. Sie wurden von deren Tugend so eingenommen und durch die Bürger und den Doktor so für sie gewonnen, dass sie sich der Sache als ihrer eigenen Angelegenheit annahmen und alles aufboten, um mich für dieses Unternehmen zu begeistern. Während ich mich im St.JosephsKloster zu Malagón befand, das mehr als sechsundzwanzig Meilen von Villanueva entfernt ist, kam der Pater Prior selbst dorthin, um mit mir diese Angelegenheit zu besprechen und mir Vorschläge zu machen, wie die Sache in Angriff genommen werden könnte. Auch sagte er mir, Doktor Ervias habe sich angeboten, nach der Errichtung des Klosters von seinem Benefiziumseinkommen dreihundert Dukaten abzutreten, wozu er päpstliche Genehmigung erwirken wolle. Dies hielt ich jedoch für sehr unsicher; denn ich glaubte, dass hierin leicht Lässigkeit eintreten könnte, wenn die Stiftung einmal bestehen würde; es hätte jedoch die angebotene Rente mit dem Wenigen, was sie selbst besaßen, wohl genügt.

11. Ich stellte dem Pater Prior viele Gründe vor, die nach meinem Dafürhalten überzeugend waren, um ihm die Ansicht beizubringen, dass die Sache nicht ausführbar sei. Ich sagte ihm, er möge die Angelegenheit, die ich seinem Gewissen anheimstellte, mit Pater Antonius wohl prüfen. Dies schien mir genügend, um die geplante Stiftung verhindern. Nach seiner Abreise dachte ich mir, er könnte, da er für die Sache so eingenommen sei, unseren jetzigen Oberen, den Pater Angelus de Salazar, dazu bereden, dass er seine Zustimmung gebe. Ich beeilte mich darum, diesem zu schreiben, legte ihm meine Gründe dar und bat ihn, diese Erlaubnis nicht zu gewähren. Wie er mir nachher schrieb, hatte er wirklich nicht im Sinne, die Erlaubnis zu geben, außer ich würde die Sache gebilligt haben.

12. Es vergingen eineinhalb Monate oder etwas darüber. Ich hielt die Sache schon für abgetan, als mir der Gemeinderat von Villanueva einen Boten mit Briefen sandte, worin er sich verpflichtete, den Nonnen den notwendigen Lebensunterhalt zu gewähren; auch erhielt ich einen Brief von Doktor Ervias, in dem er den oben erwähnten Beitrag zu leisten versprach. Ebenso waren Briefe von den zwei wohlehrwürdigen Vätern dabei, die recht dringende Bitten enthielten. Ich hatte vor der Aufnahme so vieler Schwestern große Furcht, weil ich glaubte, sie könnten, wie es manchmal zu geschehen pflegt, gegen die Neuankommenden Partei ergreifen. Außerdem schien mir die Angelegenheit bezüglich des Unterhaltes nicht ganz geregelt, da die versprochene Unterstützung nicht rechtskräftig genug war; und so geriet ich in große Verwirrung. Nachher erkannte ich, dass der Teufel diese Furcht in mir erweckte, der mich damals so kleinmütig machte, dass ich fast kein Vertrauen mehr auf Gott zu haben schien, während mir doch sonst der Herr Mut genug verliehen hat. Aber die Gebete dieser frommen Seelen waren schließlich doch noch wirksamer und mächtiger.

13. Was mich früher immer bestimmt hatte, diesen Jungfrauen wohlwollend zu antworten, war die Befürchtung, ich möchte dem geistigen Fortschritt einiger Seelen ein Hindernis in den Weg legen; denn mein Verlangen zielte stets darauf hin, ein Werkzeug zur Förderung der Ehre unseres Herrn zu sein und die Zahl jener zu vermehren, die ihm dienen. Als ich nun eines Tages kommuniziert und diese Angelegenheit, wie ich es öfters zu tun pflegte, Gott empfohlen hatte, erteilte mir Seine Majestät einen strengen Verweis, indem sie sagte: »Mit welchen Schätzen sind denn die bis jetzt errichteten Klöster zustande gekommen? Gib ohne Bedenken die Errichtung dieses Klosters zu, da es zu meiner Ehre und zur Förderung der Seelen gereichen wird.« Derartige Worte Gottes sind so wirksam, dass sie nicht allein vom Verstande erfasst werden, sondern ihn auch zum besseren Verständnis der Wahrheit erleuchten und den Willen zur bereitwilligen Erfüllung des Werkes bestimmen. Dies traf bei dieser Gelegenheit auch bei mir zu. Ich nahm nicht nur mit Freuden diese Klostergründung an, ich glaubte nun auch dadurch gefehlt zu haben, dass ich so lange gezaudert und auf menschliche Bedenken allzuviel Rücksicht genommen hatte, während ich doch aus Erfahrung wusste, dass Seine Majestät Werke an diesem heiligen Orden vollbracht hatte, die unseren Verstand unendlich übersteigen.

14. Nachdem ich nun entschlossen war, diese Stiftung anzunehmen, hielt ich es aus vielen Gründen für gut, jene Schwestern, die in Villanueva bleiben sollten, selbst dorthin zu begleiten; wohl fiel es mir schwer, da ich sehr leidend nach Malagón gekommen war und mich noch immer krank fühlte. Da ich aber glaubte, es werde dies zur Ehre unseres Herrn gereichen, so schrieb ich unserem Oberen, mir zu befehlen, was er für besser halte. Dieser sandte mir die Erlaubnis zur Stiftung des Klosters und gab mir zugleich den Auftrag, mich in eigener Person dorthin zu begeben und die Nonnen, die ich für geeignet hielte, hinzuführen; dies bereitete mir große Sorge, da sie unter jenen Jungfrauen leben sollten, die dort schon beisammen wohnten. Ich empfahl die Angelegenheit recht inständig unserem Herrn und nahm zwei Nonnen aus dem Kloster zum heiligen Joseph in Toledo, von denen ich eine als Priorin aufstellte, und zwei aus dem Kloster zu Malagón mit, deren eine Subpriorin wurde. Diese Wahl war, nachdem man so innig zur göttlichen Majestät gefleht hatte, glücklich, was von nicht geringer Bedeutung war; denn bei den anderen Gründungen, die mit unseren Nonnen allein in die Wege geleitet werden, finden sich alle sehr gut zurecht.

15. Pater Antonius von Jesu und der Prior Pater Gabriel von der Himmelfahrt holten uns ab. Nachdem die Stadt Villanueva sich für alles völlig verbürgt hatte, begaben wir uns am Samstag vor der Fastenzeit, am 13. Februar des Jahres 1580, von Malagón aus auf den Weg. Es war der Wille Gottes, uns ein so gutes Wetter und mir eine so andauernde Gesundheit zu verleihen, dass ich mich nie krank fühlte. Ich musste mich wundern und zu mir selber sagen, wie viel doch daran liegt, weder auf unsere schwache Gesundheit noch auf irgendeinen Widerspruch zu achten, wenn wir sehen, dass etwas zur Ehre des Herrn gereicht! Denn dieser besitzt Macht genug, um die Schwachen stark und die Kranken gesund zu machen; würde er dies auch nicht tun, so wäre für unsere Seele nichts nützlicher, als zu leiden und uns selbst zu vergessen, indem wir unsere Augen nur auf die Ehre und Verherrlichung Gottes gerichtet halten. Wozu können wir denn unser Leben und unsere Gesundheit besser verwenden, als wenn wir sie für diesen erhabenen König und Herrn hinopfern? Glaubt es mir, meine Schwestern, dass es euch nie übel ergehen wird, wenn ihr diesen Weg betretet. Ich muss zwar bekennen, dass ich infolge meiner Armseligkeit und Schwäche oftmals in Furcht und Zweifel geriet; aber seitdem er mir das Kleid der unbeschuhten Karmelitinnen verliehen hat - und es war auch schon einige Jahre vorher - , erinnere ich mich nie, dass er mir in seiner Barmherzigkeit die Gnade verweigert hätte, solche Versuchungen zu überwinden und alles zu wagen, wovon ich erkannte, dass es zu seiner Ehre gereiche, mochte es auch noch so beschwerlich sein. Ich erkenne zwar klar, dass meine Mitwirkung nur von geringer Bedeutung war, allein Gott verlangt von uns nicht mehr als diese Entschlossenheit, um dann alles selbst zu vollbringen. Er sei gelobt und gepriesen in Ewigkeit! Amen.

16. Wir mussten am Kloster »unserer Lieben Frau del Socorro« vorbeireisen, das, wie gesagt, drei Meilen von Villanueva entfernt ist, und dort absteigen, um von da aus unsere Ankunft anzumelden; denn so hatten es die beiden Väter, die uns begleiteten, geregelt, und es war billig, dass wir ihnen in allem gehorchten. Dieses Kloster liegt einsam in einer unbewohnten Gegend inmitten einer anmutigen Einöde. Als wir uns dem Kloster näherten, kamen die Brüder in schönster Ordnung heraus, um ihren Prior zu empfangen. Der Anblick ihrer bloßen Füße und ihrer armen Mäntel aus grobem Wollenstoff stimmte uns alle zur Andacht; auf mich machte dies einen besonderen Eindruck, da ich mich in die Blütezeit der heiligen Väter (unseres Ordens) zurückversetzt glaubte. Sie erschienen mir auf diesem freien Felde wie weiße, wohlriechende Blumen, und ich glaube auch, dass sie es vor Gott sind, da ihm nach meinem Dafürhalten in jenem Kloster sehr eifrig gedient wird. Sie führten uns in die Kirche, indem sie das Te Deum sangen mit einer Stimme, die von ihrer Abtötung Zeugnis ablegte. Der Eingang in die Kirche liegt unter der Erde und gleicht einer Grotte, die mich an jene Grotte unseres heiligen Vaters Elias erinnerte. Ich machte diesen Gang in Wahrheit mit einem Gefühle so großer Herzensfreude, dass ich auch eine noch längere Reise für sehr gut belohnt gehalten hätte. Indessen empfand ich großen Schmerz, dass ich die Heilige nicht mehr am Leben traf, deren sich unser Herr zur Stiftung dieses Klosters bedient hat. Obwohl ich ein großes Verlangen hatte, sie zu sehen, wurde ich doch dieser Gnade nicht gewürdigt.

17. Es wird, wie ich glaube, nicht unnütz sein, wenn ich hier etwas von ihrem Leben und von den Mitteln erzähle, wodurch unser Herr dieses Kloster gründen wollte, das, wie ich erfahren habe, so viel beigetragen hat zum Heile der Seelen der umliegenden Ortschaften. Auch sollt ihr, meine Schwestern, aus der Betrachtung des bußfertigen Lebens dieser Heiligen erkennen, wie weit wir noch zurück sind, und sollt von neuem Anstrengungen machen, unserem Herrn zu dienen; denn wir haben keinen Grund, weniger Mut zu zeigen, da wir nicht von einem so zarten und adeligen Geschlechte stammen wie sie. Wenn auch an der Abstammung wenig liegt, so sage ich dies doch, weil sie sehr weichlich erzogen worden war, wie es bei Personen ihres Standes zu geschehen pflegt; Doña Katharina de Cardona stammte nämlich von den Herzogen von Cardona ab. Als sie mir später einigemale schrieb, unterzeichnete sie immer nur: die Sünderin. Jene, die ihr Leben beschreiben, werden schon berichten, was sich zugetragen, bevor ihr der Herr so große Gnaden mitteilte, sowie auch die vielen Einzelheiten, die man von ihr erzählen kann. Solltet ihr aber von diesem Berichte keine Kenntnis erhalten, so will ich euch hier erzählen, was ich von einigen glaubwürdigen Personen gehört habe, die mit ihr verkehrten.

18. Als die Heilige noch inmitten adeliger Damen und Herren verweilte, wachte sie schon mit großer Sorgfalt über ihre Seele und übte viele Bußwerke. Ihr Verlangen nach Buße nahm immer mehr zu sowie auch der Wunsch, sich in die Einsamkeit zu begeben, um sich dort ungestört des Genusses Gottes erfreuen und ihr Leben in strenger Buße zubringen zu können. Sie besprach sich hierüber mit ihren Beichtvätern, die sich aber ihrem Wunsche widersetzten. Kein Wunder auch, dass ihnen dieses Verlangen töricht vorkam; denn die Welt ist heute so voll menschlicher Klugheit, und die großen Gnaden, die Gott den heiligen Männern und Frauen verliehen hat, die ihm in den Einöden dienten, hat man fast ganz vergessen. Da aber Gott jedem aufrichtigen Verlangen seinen Beistand verleiht, um es ins Werk zu setzen, so fügte er es, dass Katharina bei einem Franziskanerpater, Franziskus de Torres, den ich sehr gut kannte und für einen Heiligen halte, ihre Beichte ablegte. Dieser führte schon seit vielen Jahren ein sehr eifriges Leben der Buße und des Gebetes und hat (deswegen) viele Verfolgungen erduldet. Er musste wohl die Gnade kennen, die Gott denen verleiht, die sich um deren Empfang Mühe geben; darum gab er ihr den Rat, nicht mehr länger zu zögern, sondern dem Rufe Folge zu leisten, den Seine Majestät an sie habe ergehen lassen. Ich weiß zwar nicht, ob dies gerade seine Worte waren, aber dem Sinne nach mögen sie so gelautet haben, da sie ihr Vorhaben sogleich ins Werk setzte.

19. Katharina teilte einem Einsiedler, der in Alcalá sich aufhielt, ihr Vorhaben mit und bat ihn, sie zu begleiten, ohne irgendeinem Menschen etwas davon zu sagen. Als sie an den Ort gekommen waren, wo jetzt das Kloster steht, fand Katharina eine kleine Höhle, die ihr kaum hinreichend Platz gewährte; der Einsiedler aber verließ sie wieder. Doch welch eine Liebe musste sie beseelen! Sie war weder darum besorgt, womit sie sich nähren sollte, noch kümmerte sie sich um die Gefahren, die ihr hätten zustoßen können, noch auch um den Verlust der Ehre vor den Menschen, der durch ihr plötzliches Verschwinden erfolgen musste. Wie liebestrunken musste doch diese heilige Seele gewesen sein, die ganz in dem Verlangen aufging, am Genusse ihres Bräutigams sich zu erfreuen, ohne von jemand gestört zu werden! Wie fest muss ihr Entschluss gewesen sein, mit der Welt zu brechen, da sie in so heroischer Weise all ihre Freuden floh! Fassen wir dies recht ins Auge, meine Schwestern, und bedenken wir, wie sie so mit einem Schlag einen vollständigen Sieg über sich davongetragen hat! Ihr vollbringt zwar auch kein geringes Werk, wenn ihr durch den Eintritt in diesen heiligen Orden Euren Willen Gott hinopfert und ihm versprechet, beständig in der Klausur zu leben, aber ich weiß nicht, ob sich dieser erste, glühende Eifer nicht wieder verliert und ob wir nicht in manchen Stücken wieder Sklaven unserer Eigenliebe werden. Möge Seine Majestät verleihen, dass dieser Fall nicht eintritt, dass wir vielmehr unser Inneres ganz von der Welt loslösen, nachdem wir auch dieser heiligen Frau in dem Verlangen die Welt zu fliehen, nachgefolgt sind!

20. Ich habe vieles über die große Strenge ihres Lebens erzählen hören, aber doch ist offenbar nur das wenigste davon bekannt geworden. Da sie, beseelt von innigem Verlangen nach Buße, so viele Jahre in jener Einsamkeit verlebte und niemanden hatte, der ihren Eifer in die rechten Schranken wies, so mag sie wohl ihren Leib auf schreckliche Weise behandelt haben. Ich will nur erzählen, was einige Personen, besonders die Nonnen des St.JosephsKlosters zu Toledo, die sie besuchte, aus ihrem eigenen Munde vernommen haben. Mit ihnen sprach sie wie mit ihren Schwestern ganz vertraulich, was sie auch anderen Personen gegenüber tat, da sie überaus einfältig und offenbar auch demütig war. Infolge ihres Bewusstseins, dass sie nichts aus sich habe, war sie vollkommen frei von Ruhmsucht und so erzählte sie mit Freuden die Gunstbezeigungen, womit Gott sie begnadigte, damit infolgedessen sein Name gelobt und gepriesen würde. Eine gefährliche Handlungsweise fürwahr für solche, die noch nicht zu dieser Stufe der Vollkommenheit gelangt sind, man könnte bei ihnen wenigstens Eigenlob vermuten! Aber ihre offenherzige Gutmütigkeit und heilige Einfalt bewahrten sie vor diesem Urteil; denn ich hörte nie, dass man ihr hierin einen Vorwurf gemacht hätte.

21. Sie erzählte selbst, dass sie acht Jahre lang in jener Höhle gewohnt und sich an vielen Tagen nur von Wurzeln und Kräutern genährt habe. Nachdem sie die drei Brote verzehrt hatte, die der Einsiedler, der sie dorthin begleitete, zurückließ, besaß sie nichts mehr, bis ein Hirtenjunge zu ihr kam. Dieser versah sie von diesem Tage an mit Brot und Mehl, wovon sie kleine Kuchen bereitete, die sie im Feuer röstete. Dies war fortan ihre ganze Nahrung, die sie nur alle drei Tage zu sich nahm. Es ist dies reine Wahrheit, was auch die Religiosen des dortigen Klosters bezeugen können; denn als ihre Kräfte schon erschöpft waren, nötigte man sie öfters, eine Sardine oder etwas anderes Derartiges zu essen - es war das zu der Zeit, als sie sich mit der Gründung des genannten Klosters beschäftigte -, allein sie fühlte dabei statt Wohlbefinden Unwohlsein. Wein trank sie meines Wissens nie. Ihre Geißelungen nahm sie mit einer dicken Kette vor, und sie dauerten eineinhalb Stunden, oft auch zwei Stunden. Ihr Bußgürtel war sehr scharf, und eine Frau, die auf ihrer Rückkehr von einer Wallfahrt bei ihr übernachtete und sich schlafend stellte, erzählte mir, sie habe gesehen, wie sie ihren Bußgürtel, der voll Blut war, ablegte und reinigte.

22. Noch weit mehr hatte sie, wie sie den genannten Nonnen erzählte, von den bösen Geistern zu leiden, die ihr bald in Gestalt von großen Schäferhunden erschienen und ihr auf die Schultern sprangen, bald in Gestalt von Schlangen; allein sie fürchtete sich keineswegs vor ihnen. Sogar nach Errichtung des Klosters verblieb sie noch immer in ihrer Höhle und schlief dort und verließ sie nur, um dem Gottesdienste beizuwohnen. Ehe das Kloster gegründet war, wohnte sie im Kloster der Barmherzigen Brüder, das eine Viertelmeile entfernt lag, dem heiligen Messopfer bei, und manchmal legte sie diesen Weg kniend zurück. Ihr Oberkleid war von grobem Tuch, ihr Unterkleid von rauhem Wollenstoff, und beide hatten einen solchen Schnitt, dass man sie für eine männliche Person hielt.

23. Nachdem sie einige Jahre in stiller Einsamkeit verlebt hatte, wollte Gott, dass ihr Aufenthalt bekannt wurde; man begann sie so sehr zu verehren, dass sie sich der Leute nicht mehr erwehren konnte. Sie sprach mit allen überaus liebevoll und freundlich. Indessen wurde der Zulauf des Volkes von Tag zu Tag immer größer, und wer das Glück hatte, mit ihr zu sprechen, hielt es für eine große Gnade; ihr war dies sehr lästig, und sie sagte, dass man sie dadurch ums Leben bringen werde. Manchmal war die ganze Gegend ringsum mit Wagen bedeckt; und nachdem die Religiosen sich dort niedergelassen hatten, wussten sie um sich die Leute vom Halse zu schaffen, kein anderes Mittel, als dass sie Katharina auf einem erhöhten Platze Stellung nehmen ließen, damit sie dem Volke ihren Segen geben konnte. Nachdem sie acht Jahre lang in dieser Höhle zugebracht hatte, die aber von den Besuchern schon etwas erweitert worden war, fiel sie in eine sehr schwere Krankheit, an der sie sterben zu müssen glaubte; dies alles trug sich in jener Höhle zu.

24. Allmählich erwachte in ihr das Verlangen, an diesem Orte ein Männerkloster zu errichten. Allein trotz reiflicher Überlegung konnte sie über die Wahl des Ordens nicht ins reine kommen. Als sie einst vor einem Kruzifixe, das sie immer bei sich trug, betete, zeigte ihr unser Herr einen weißen Mantel, und sie erkannte daraus, dass das Kloster für den Orden der Unbeschuhten Karmeliten bestimmt sei. Allein sie hatte bisher noch nicht gehört, dass es solche Ordensmänner in der Welt gebe. Damals waren auch nur zwei dieser Klöster gestiftet, nämlich die zu Mancera und Pastrana. Sie muss sich wohl darüber erkundigt haben, und als sie erfuhr, dass ein solches Kloster in Pastrana sich befinde, begab sie sich dorthin, um Mittel und Wege zu finden, das so sehr ersehnte Kloster errichten zu können; sie unterhielt nämlich früher mit der Fürstin Eboli, der Gemahlin des Fürsten Ruy Gómez, dem Pastrana gehörte, ein besonders freundschaftliches Verhältnis. Im Kloster zu Pastrana, in der Kirche des heiligen Petrus - so hieß dieses Gotteshaus - nahm sie das Ordenskleid unserer Lieben Frau, hatte aber keineswegs die Absicht, Nonne zu werden, noch auch Profeß abzulegen; denn sie hatte nie eine Neigung zu diesem Stande, weil der Herr sie auf einem anderen Wege führte. Sie war auch der Meinung, dass der Gehorsam sie zwingen würde, auf das strenge und einsame Leben, dem sie sich ergeben, verzichten zu müssen.

25. In Gegenwart aller Brüder empfing sie das Ordenskleid Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel. Es befand sich in diesem Kloster auch Pater Mariano, den ich im Berichte über diese Stiftungen schon erwähnt habe; dieser sagte mir persönlich, dass er während dieser Zeremonie so ergriffen und entzückt war, dass er ganz außer sich gekommen sei. In dieser Verzückung sah er viele verstorbene Brüder und Schwestern; einige von ihnen waren enthauptet, anderen waren Hände und Füße abgeschlagen je nach der Art des Martyriums, das ihm in dieser Vision zu verstehen gegeben ward. Pater Mariano ist nicht der Mann, der etwas erzählen würde, was er nicht gesehen; sein Geist ist nicht an derlei Verzückungen gewöhnt, da ihn Gott nicht auf diesem Wege führt. Bittet darum Gott, meine Schwestern, dass wir dies in unserer Zeit erfüllt sehen und wir der so großen Gnade gewürdigt werden, in der Zahl dieser Martyrer zu sein.

26. Gleich von Pastrana aus begann die heilige Cardona Anstalten zur Gründung ihres Klosters zu treffen und begab sich zu diesem Zwecke nach Madrid, das sie vorher so freudigen Herzens verlassen hatte. Es muss ihr dies keine geringe Pein bereitet haben, da ihr dort üble Nachreden und Verdrießlichkeiten nicht erspart blieben. Wenn sie die Wohnung verließ, konnte sie sich der Leute nicht erwehren, und man verfolgte sie überall, wohin sie ging; die einen schnitten ihr Stücke aus dem Kleide, die anderen aus dem Mantel. Von dort kam sie auch nach Toledo, wo sie bei unseren Schwestern wohnte. Diese alle behaupteten, dass von ihr ein überaus durchdringender Wohlgeruch, ähnlich dem Geruche der Reliquien, ausgegangen sei. Nachdem sie ihren Habit und Gürtel abgelegt hatte, - man schenkte ihr nämlich einen anderen Habit und Gürtel -, strömten selbst diese abgelegten Kleidungsstücke einen (wunderbaren) Wohlgeruch aus, so dass die Schwestern veranlasst wurden, unseren Herrn zu lobpreisen. Je näher man ihr kam, desto durchdringender war dieser Geruch, während doch ihre Kleider zumal bei der damaligen großen Hitze eher eine gegenteilige Wirkung hätten hervorbringen sollen. Die Nonnen, von denen ich überzeugt bin, dass sie nur die reine Wahrheit sagen wollten, wurden darum auch mit inniger Andacht erfüllt.

27. In Madrid und anderen Orten fand Katharina so viel Unterstützung, dass sie ihr Kloster errichten konnte, und nachdem sie die Erlaubnis erhalten hatte, wurde es auch gegründet. Die Kirche wurde an dem Orte erbaut, wo ihre Höhle war, und man errichtete ihr etwas weiter entfernt eine andere Höhle, in der man eine Darstellung unseres Herrn im Grabe anbrachte; dort hielt sie sich Tag und Nacht die meiste Zeit auf. Doch währte dies nicht mehr lange, da sie nach der Gründung des Klosters nur mehr ungefähr fünfeinhalb Jahre lebte; überhaupt scheint es wunderbar, dass bei einer so strengen Lebensweise ihr Leben so lange währen konnte. Ihr Tod fällt, wenn ich mich recht erinnere, um das Jahr 1577. Man erwies ihr mit großer Feierlichkeit die letzten Ehren auf Anordnung eines Edelmanns, Namens Frater Johannes de León, der eine große Verehrung für sie hegte und es sich viel kosten ließ. Ihr Leichnam bleibt einstweilen in einer Kapelle unserer Lieben Frau, die sie besonders innig verehrte, bis eine größere Kirche erbaut wird: in der man dann, wie es billig ist, ihre geweihten Überreste beisetzen wird.

28. Das Kloster und die ganze Umgebung stimmt um ihretwillen sehr zur Andacht, und beim Anblick der einsamen Gegend und der Höhle, in der Katharina wohnte, bevor sie sich zur Gründung des Klosters entschloß, kommt es einem vor, als ob sie an diesem Orte gegenwärtig wäre. Man versicherte mich, sie sei infolge des großen Zulaufes des Volkes, das herbeiströmte, um sie zu sehen, so müde und betrübt geworden, dass sie sich an einen anderen Ort begeben wollte, wo niemand etwas von ihr wüßte. Sie wollte auch den Einsiedler, der sie zu dieser Höhle geführt hatte, rufen lassen, damit er sie wieder hinwegführte, allein er war schon gestorben. Aber unser Herr, der die Stiftung des Klosters unserer Lieben Frau an diesem Orte wollte, ließ nicht zu, dass sie sich von dort entfernte; denn, wie ich weiß und schon erwähnt habe, wird ihm in diesem Kloster eifrig gedient. Die Ordensmänner befinden sich auch in einer sehr glücklichen Lage, und wie man sieht, bereitet ihnen die Absonderung vom Verkehr mit den Mitmenschen große Freude. Besonders ist dies beim Pater Prior der Fall, den Gott ebenso aus einem gemächlichen Weltleben herausriss und zur Annahme der Lebensweise unseres Ordens berief; zum Lohne dafür hat er ihn aufs reichlichste mit geistigen Gunstbezeigungen beschenkt. Dieser Pater hat mir großes Wohlwollen erwiesen; er und seine Brüder schenkten uns mehrere Gegenstände von ihrer Kircheneinrichtung für unser neues Kloster, das wir eben gründen wollten; denn da jene Heilige (Cardona) bei vielen Adeligen in großem Ansehen stand, so war ihr Gotteshaus mit Paramenten (und Kirchenschmuck) wohl versehen.

29. Mein dortiger Aufenthalt gereichte mir zu großem Troste, zugleich aber ward ich sehr beschämt und bin es noch bei dem Gedanken, dass jene, die ein so strenges Bußleben führte, eine Frauensperson war wie ich und infolge ihrer adeligen Abkunft noch viel schwächlicher und nicht so sündhaft war wie ich; in all diesen Punkten kann man zwischen uns beiden keinen Vergleich anstellen. Zudem habe ich in mancher Hinsicht viel größere Gnaden von unserem Herrn empfangen, und die größte davon ist jene, dass ich mich noch nicht in der Hölle befinde, wie ich es wegen meiner so großen Sünden verdient hätte. Nur das Verlangen, diese Sünden nach Möglichkeit wieder gutzumachen, tröstet mich; aber es ist dies nur ein schwacher Trost, da mein ganzes Leben nur in frommen Wünschen dahinfließt, ohne sie jemals ins Werk zu sehen. Möge mir der barmherzige Gott, auf den ich immer mein Vertrauen gesetzt habe, im Hinblick auf seinen heiligsten Sohn und die allerseligste Jungfrau, deren Habit ich durch die Güte des Herrn trage, gnädig sein!

30. Als ich eines Tages in dieser ehrwürdigen Kirche kommuniziert hatte, wurde mir eine so tiefe Sammlung des Geistes in Verbindung mit einer Verzückung zuteil, dass ich den Gebrauch der Sinne verlor. Dabei erschien mir in einer Verstandesvision diese heilige Frau im verklärten Leibe, umgeben von mehreren Engeln. Sie sagte zu mir, ich sollte den Mut nicht sinken lassen, sondern mit der Gründung dieser Klöster fortfahren. Daraus erkannte ich, dass sie, wenn sie es auch nicht ausdrücklich bemerkte, für mich bei Gott um Beistand flehen werde. Außerdem sagte sie mir noch etwas, was ich hier gar nicht niederschreiben darf. Ich ward dadurch sehr getröstet und von innigem Verlangen erfüllt, weiter zu arbeiten; und ich hoffe von der Güte des Herrn, gestützt auf den guten Beistand ihrer Fürbitte, in etwa zu seiner Ehre wirken zu können.

31. Ihr seht nun, meine Schwestern, dass die Mühseligkeiten dieser frommen Dienerin Gottes zu Ende sind; aber ihre Glorie, die sie jetzt schon genießt, wird ewig dauern. Beeifern wir uns darum jetzt um der Liebe unseres Herrn willen, dieser unserer Schwester nachzufolgen! Hassen wir uns selbst, wie sie sich gehaßt, dann werden auch wir in derselben Weise wie sie unseren Lauf vollenden; denn alles geht schnell vorüber und nimmt ein Ende.

32. Wir erreichten am ersten Fastensonntag des Jahres 1580, am Vorabend von Petri Stuhlfeier, am Feste des heiligen Barbatianus, Villanueva de la Jara. Am selben Tage wurde bei Beginn des Hochamtes in der St.AnnaKirche das Allerheiligste Sakrament eingesetzt. Der ganze Gemeinderat und mehrere andere Personen, unter denen sich auch Doktor Ervias befand, kamen uns entgegen. Wir stiegen bei der Pfarrkirche ab, die sehr weit von der St. Anna-Kirche entfernt ist.

33. Die Freude des ganzen Volkes war ungemein groß, und ich empfand innigen Trost, als ich wahrnahm, dass man den Orden der allerseligsten Jungfrau, unserer Lieben Frau, so ehrenvoll aufnahm. Schon von ferne hörten wir das festliche Geläute der Glocken, und beim Eintritt in die Kirche wurde das Te Deum angestimmt, von dem abwechslungsweise ein Vers vom Sängerchor allein, der andere mit Orgelbegleitung gesungen wurde. Nach Beendigung des Gesanges wurde das Allerheiligste Sakrament auf eine Tragbahre gestellt und die Statue unserer Lieben Frau auf eine andere. Dann setzte sich die Prozession, bei der verschiedene Kreuze und Fahnen mitgetragen wurden, mit großer Feierlichkeit in Bewegung. Wir waren verschleiert und mit unseren weißen Mänteln bekleidet in der Mitte neben dem Allerheiligsten Sakramente; in unserer Nähe schritten unsere unbeschuhten Mitbrüder, die in großer Zahl vom Kloster gekommen waren. Auch die Franziskaner, die in dieser Stadt ein Kloster haben, fanden sich ein nebst einem Dominikaner, der eben in dieser Stadt sich aufhielt. Obwohl dieser allein war, so bereitete es mir doch große Freude, bei dieser Gelegenheit jenes Ordenskleid zu sehen. Da die Prozession einen weiten Weg zu nehmen hatte, waren mehrere Altäre errichtet, bei denen man haltmachte und einige Strophen eines Hymnus, der auf unseren Orden Bezug hatte, sang. Dies gereichte uns zu großer Erbauung, zumal wir sahen, dass alle den großen Gott lobten, den wir in unserer Mitte hatten, und dass ihm zuliebe uns sieben armen, unbeschuhten Nonnen so viele Ehren erwiesen wurden. Beim Anblick dieses erhabenen Schauspieles und beim Gedanken, dass auch ich mit diesen Nonnen ging, befiel mich eine tiefe Beschämung; denn wenn man mich hätte behandeln wollen, wie ich es verdiente, so hätten sich alle gegen mich erheben sollen.

34. Ich habe euch deshalb (meine Töchter) einen so ausführlichen Bericht über diese Ehrenbezeigung, die man dem Kleide unserer Lieben Frau erwies, gegeben, damit ihr unseren Herrn preist und ihn inständig bittet, es möge diese Stiftung zu seiner Ehre gereichen; denn sonst habe ich eine größere Freude, wenn eine Stiftung unter vielen Verfolgungen und Widerwärtigkeiten vor sich geht, und ich erzähle euch von solchen (Stiftungen) viel lieber. Übrigens haben jene Schwestern, die während der sechs Jahre - wenigstens waren es fünfeinhalb Jahre -, seitdem sie in diesem Hause der glorwürdigen heiligen Anna beisammen lebten, genug ausgestanden. Ich will nichts sagen von ihrer großen Armut und den Beschwerden, die sie auf sich nehmen mussten, um sich den nötigen Lebensunterhalt zu verschaffen; denn sie wollten niemals um Almosen bitten, damit es nicht den Anschein hätte, als befänden sie sich dort, um von den Bewohnern unterhalten zu werden. Ich will auch nichts sagen von ihrem strengen Bußleben, das sie bei spärlicher Kost und vielem Fasten, auf schlechter Lagerstätte und in einer beschränkten Wohnung führten; denn dies alles war bei der strengen Klausur, die sie beobachteten, sehr beschwerlich. Den größten Schmerz aber, der sie Tag und Nacht überaus quälte, bereitete ihnen, wie sie mir sagten, das sehnsüchtige Verlangen, sich mit dem Ordenshabit bekleidet zu sehen, weil sie fürchteten, dies nie zu erleben. So zielten all ihre Gebete und ihre beständigen Tränen nur darauf hin, Gott möge ihnen diese Gnade erweisen. Wenn sie wahrnahmen, dass irgendein Hindernis sich ihnen entgegenstellte, so gerieten sie in äußerste Betrübnis und vermehrten ihre Bußwerke. Von ihrer Nahrung, die sie sich durch Handarbeit erwarben, entzogen sie sich so viel, um die Boten bezahlen zu können, die sie an mich sandten, sowie auch, um sich, soweit es ihre Armut erlaubte, jenen gefällig erzeigen zu können, die ihnen irgendwie behilflich sein konnten. Nachdem ich jetzt persönlich mit ihnen gesprochen und ihre Frömmigkeit kennengelernt habe, sehe ich wohl ein, dass ihnen ihre Gebete und ihre Tränen die Aufnahme in unseren Orden erwirkt haben. Daher hielt ich dafür, dass durch diese auserwählten Seelen dem Orden ein weit größerer Schatz zuteil geworden sei als durch reiche Einkünfte; ich hoffe, dass dieses Kloster große Fortschritte machen wird.

35. Als wir das Haus betraten, standen diese Jungfrauen alle innerhalb der Türe, jede in ihrer gewöhnlichen Kleidung, die sie bei ihrem Eintritte trugen, denn sie wollten nie die Kleidung der Beatinnen annehmen, da sie auf unser Ordenskleid warteten. Indessen war ihre Kleidung sehr ehrbar; man konnte daraus gar wohl erkennen, dass sie wenig Sorgfalt auf sich verwendeten, da man von einem Putze gar nichts wahrnahm. Sie waren alle so abgemagert, dass man auf das strenge Bußleben schließen konnte, das sie führten. Sie empfingen uns unter großen Freudentränen, und es trat klar zum Vorschein, dass diese aufrichtig waren. Ihre festgegründete Tugend zeigte sich in ihrer Freude, in ihrer Demut und in ihrem Gehorsam gegen die Priorin; sie wussten nicht, was sie jeder Nonne, die zur Stiftung gekommen war, Liebes und Gutes erweisen sollten. Ihre ganze Furcht bestand darin, wir möchten etwa beim Anblick ihrer Dürftigkeit und ihrer armseligen Wohnung wieder abziehen.

36. Keine von ihnen hatte das Amt einer Oberin inne, sondern alle arbeiteten in echt schwesterlicher Eintracht zusammen, soviel sie konnten. Die zwei ältesten hatten die notwendigen Geschäfte nach außen besorgt, die anderen sprachen nie mit einem Menschen und hatten darnach auch kein Verlangen. Für die Pforte hatten sie nie einen Schlüssel, sondern nur einen Riegel, und keine wagte, dorthin zu gehen; nur die älteste gab Rede und Antwort. Sie schliefen sehr wenig, um sich ihren Lebensunterhalt verdienen zu können und das Gebet nicht zu versäumen, wozu sie viele Stunden verwendeten; die Festtage widmeten sie ganz dem Gebete. Zu ihrer geistlichen Leitung bedienten sie sich der Schriften des Pater Ludwig de Granada und des Pater Petrus de Alcántara. Die meiste Zeit widmeten sie den kirchlichen Tagzeiten, obwohl sie nur schlecht lesen konnten; nur eine von ihnen besitzt darin eine Fertigkeit. Dazu besaßen sie auch keine gleichen Breviere; die einen nach der alten römischen Brevierausgabe hatten ihnen einige Priester geschenkt, die sie nicht mehr benützen konnten, die anderen hatten sie sich, soweit sie konnten, anderswoher verschafft. Da sie nicht gut zu lesen imstande waren, so verwendeten sie viele Zeit auf das Breviergebet; sie verrichteten es jedoch nicht an einem Orte, wo man sie von außen hören konnte. Gott wird ihre gute Meinung und ihre Mühe, die sie darauf verwendeten, gut aufgenommen haben, wenn sie auch wahrscheinlich das wenigste gut und richtig aussprachen. Als Pater Antonius von Jesu mit ihnen bekannt geworden war, gab er ihnen den Rat, nur das Offizium unserer Lieben Frau zu beten.

37. Sie hatten einen Backofen, in dem sie ihr Brot bereiteten, und alles geschah in solcher Ordnung, als hätte eine Vorsteherin sie geleitet. Alles, was ich sah, stimmte mich zum Lobe Gottes, und je mehr ich sie im Verkehr kennenlernte, um so mehr freute es mich, hierher gekommen zu sein. Wenn ich auch noch so viele Beschwerden hätte auf mich nehmen müssen, so hätte ich doch nach meinem Dafürhalten diese so guten Seelen nie ohne Trost lassen mögen. Jene von meinen Gefährtinnen, die an diesem Orte blieben, sagten mir, dass sie in den ersten Tagen etwas Widerwillen empfunden; nachdem sie aber die Jungfrauen besser kennengelernt und von ihrer Tugend sich überzeugt hatten, lebten sie sehr gerne in ihrer Mitte und zeigten große Liebe gegen sie. Es ist doch etwas Großes um die Frömmigkeit und Tugend! Doch auch meine Gefährtinnen waren Seelen, die mit Hilfe des Herrn alle Beschwerden und Mühseligkeiten ertragen hätten, da sie nur für seine Ehre zu leiden wünschten; eine Schwester aber, die dieses Verlangen nicht in sich fühlt, halte sich ja nicht für eine wahre unbeschuhte Karmelitin. Denn unser Bestreben muss auf das Leiden und nicht auf die Ruhe gerichtet sein, damit wir unsern wahren Bräutigam in etwa nachahmen. Seine Majestät möge uns dazu die Gnade verleihen! Amen.

38. Diese Einsiedelei zur heiligen Anna ist auf folgende Weise entstanden. Es lebte am genannten Orte Villanueva de la Jara ein Priester, von Zamora gebürtig, der einige Zeit dem Orden Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel angehört hatte und zur glorwürdigen heiligen Anna eine besondere Verehrung trug. Er hieß Didakus Guadalajara und hatte neben seinem Hause diese Einsiedelei erbaut, um dort der heiligen Messe beiwohnen zu können. Infolge seiner großen Andacht (zu dieser Heiligen) begab er sich nach Rom und erwirkte eine Bulle mit vielen Ablässen für dieses Kirchlein oder vielmehr für diese Einsiedelei. Er war ein sehr tugendhafter Mann und ein Freund der Zurückgezogenheit. Auf seinem Sterbebette setzte er testamentarisch fest, dass sein Haus und sein ganzes Besitztum zur Stiftung eines Klosters unserer Lieben Frau vom Berge Karmel verwendet werden sollte; würde aber dieses nicht zustande kommen, so sollte ein Kaplan sein Erbe antreten und in dieser Einsiedelei jede Woche einige Messen lesen. Diese Verpflichtung, die Messen zu lesen, sollte ein Ende nehmen, sobald ein Nonnenkloster gestiftet sei. Mehr als zwanzig Jahre lang versah dieses Kirchlein ein Kaplan, der die Einkünfte bedeutend gemindert hatte; jene Jungfrauen hatten zwar das Haus bezogen, aber sie besaßen nur das Haus, während der Kaplan in einem anderen, zum Benefizium gehörigen Hause wohnte, das er uns aber mit den übrigen spärlichen Einkünften abtreten wird. Doch die Barmherzigkeit Gottes ist so groß, dass er das Haus der glorwürdigen Mutter Mariens gewiss unter seinen Schutz nehmen wird. Seine Majestät verleihe, dass ihr darin allezeit gedient werde, und es mögen sie preisen alle Geschöpfe in alle Ewigkeit! Amen.

Neunundzwanzigstes Hauptstück

Stiftung des Klosters St. Joseph bei »unserer Lieben Frau zur Straße« in Palencia im Jahre 1580, am Feste des heiligen Königs David.

1. Nach meiner Rückkehr von der Stiftung des Klosters in Villanueva de la Jara gab mir mein Oberer den Auftrag, nach Valladolid zu reisen, da der Bischof von Palencia, Don Alvaro de Mendoza, darum gebeten hatte. Dieser Prälat hatte die Stiftung des ersten Klosters zum hl. Joseph in Ávila gestattet und immer in Schutz genommen; seitdem hat er unserem Orden nach Kräften in allem seine Gunst erwiesen. Als er von seinem Bischofssitze in Ávila entfernt und auf den in Palencia erhoben wurde, flößte ihm unser Herr das Verlangen ein, auch hier ein Kloster dieses heiligen Ordens zu stiften. Nach meiner Ankunft in Valladolid befiel mich eine so schwere Krankheit, dass man mich dem Tode nahe hielt. Ich hatte deshalb gar keine Luft und auch die Überzeugung von meiner Unfähigkeit zu allem, dass ich mich trotz der ungestümen Bitten der Priorin unseres Klosters zu Valladolid, die diese Stiftung sehr gerne gesehen hätte, nicht dafür entscheiden konnte und auch nicht wusste, wie man die Sache in die Wege leiten sollte. Denn das Kloster sollte ohne Einkünfte gestiftet werden, und man sagte mir, dass die Nonnen dort wegen der Armut des Ortes nicht bestehen könnten.

2. Fast ein ganzes Jahr lang hatte ich über diese Stiftung und über die in Burgos Unterhandlungen gepflogen; anfangs war ich nicht so sehr dagegen; jetzt aber, da ich gerade zu diesem Zwecke nach Valladolid gekommen war, fand ich viele Schwierigkeiten. Ich weiß nicht, ob meine schwere Krankheit oder meine Schwäche, die mir davon geblieben war, daran die Schuld trug, oder ob der böse Feind das Gute verhindern wollte, das nachher aus dieser Stiftung erwuchs. Ich kann in der Tat nicht ohne Staunen und Betrübnis sehen, wie sehr die arme Seele von den Krankheiten des Leibes beeinflusst wird, und darüber beklage ich mich sehr oft bei unserm Herrn. Es scheint, dass die Seele den Gesetzen des Leibes unterworfen ist in den Nöten und Leiden, die über ihn kommen, was nach meiner Ansicht eine der größten Beschwerden und Armseligkeiten ist, besonders wenn der Geist nicht die Kraft besitzt, den Leib in Unterwürfigkeit zu erhalten. Denn krank sein und große Schmerzen erdulden müssen, ist gewiss peinlich; allein solange die Seele stark bleibt, halte ich das für gar nichts, da sie dann Gott lobpreist und bedenkt, dass das Leiden von seiner Hand kommt. Wenn man aber leiden muss und dabei sich unfähig fühlt zu allem, so ist dies etwas Schreckliches, besonders wenn sich eine Seele vom heftigen Verlangen erfüllt sieht, weder innerlich noch äußerlich Ruhe zu haben und sich ganz dem Dienste ihres großen Gottes zu weihen. Da gibt es kein anderes Mittel als Geduld, Erkenntnis seiner Armseligkeit und Ergebung in den Willen Gottes, damit er sich der Seele bediene, wozu er will und wie er will.

3. In solchem Zustande befand ich mich damals. Obgleich ich mich schon auf dem Wege der Genesung befand, so war doch meine Schwäche so groß, dass ich selbst die Zuversicht verloren hatte, die mir Gott sonst zu verleihen pflegte, wenn es sich darum handelte, eine Stiftung in Angriff zu nehmen. Alles schien mir unmöglich; würde ich damals jemanden getroffen haben, der mich ermutigt hätte, so hätte ich eine große Stütze gehabt. Allein die einen vergrößerten meine Furcht, während die anderen, die mir einige Hoffnung machten, nicht imstande waren, mich in meinem Kleinmut aufzurichten.

4. Mittlerweile kam dorthin zufällig Pater Magister Ripalda aus der Gesellschaft Jesu, ein eifriger Diener Gottes, der eine Zeitlang mein Beichtvater gewesen war. Diesem vertraute ich meinen Seelenzustand an, und da ich ihn als Stellvertreter Gottes betrachtete, bat ich ihn, mir seine Ansicht über die in Frage stehende Angelegenheit sagen zu wollen. Dieser ermutigte mich allmählich sehr, indem er darauf hinwies, dass meine Verzagtheit von meinem Alter herrühre. Ich erkannte aber wohl, dass dies nicht der Grund war; denn jetzt bin ich nicht in dieser Verfassung, obwohl ich viel älter bin. Dies mag jener wohl selbst eingesehen haben, aber er wollte mich nur, wie ich glaube, abtöten, damit ich nicht auf den Gedanken komme, es rühre diese Verzagtheit von Gott her. Damals handelte es sich zugleich um die Stiftungen von Palencia und Burgos, und ich hatte für beide keine Mittel; allein dies war nicht der Grund, der mich abhielt, da ich gewöhnlich mit noch weniger anfing. Nichtsdestoweniger gab mir Pater Ripalda den Rat, diese Stiftungen nicht zu unterlassen; dasselbe sagte mir auch ein wenig früher zu Toledo ein Provinzial der Gesellschaft Jesu, Balthasar Alvarez mit Namen, aber damals war ich gesund, und ich konnte mich deshalb eher entschließen. Diesmal aber vermochte ich, obwohl mir sein Rat sehr zu statten kam, doch zu keinem festen Entschluss zu kommen, denn entweder hinderte mich der böse Feind oder meine Krankheit, mit der es indes schon besser geworden war. Die Priorin von Valladolid, der die Stiftung von Palencia sehr am Herzen lag, drängte nach Kräften in mich; allein da sie mich so mutlos sah, geriet auch sie in Furcht. Möchte doch jetzt die rechte Begeisterung mich wieder beleben, da die Menschen und selbst Diener Gottes nicht imstande waren, sie mir zu geben! Daraus kann man erkennen, dass gar oft nicht ich es bin, die bei diesen Stiftungen etwas zustande bringt, sondern der, der die Macht zu allem hat.

5. Eines Tages nun flehte ich nach der heiligen Kommunion, geängstigt von diesen Zweifeln und unentschlossen, ob ich eine Stiftung vornehmen sollte, demütig zum Herrn, mich erleuchten zu wollen, um in allem seinen Willen vollziehen zu können; meine Mutlosigkeit war aber nicht derart, dass dieses Verlangen in mir auch nur im mindesten erkaltet gewesen wäre. Da sprach der Herr in Form eines Verweises zu mir: »Was fürchtest du? Wann habe ich dich je verlassen? Ich bin noch der, der ich bisher gewesen; unterlasse es nicht, diese zwei Stiftungen vorzunehmen.« O mein großer Gott, wie verschieden sind doch deine Worte von den Worten der Menschen! Ich ward dadurch so fest in meinem Entschlusse und so beherzt, dass mich daran der Widerspruch der ganzen Welt nicht hätte abwendig machen können. Ich legte sogleich Hand ans Werk, und unser Herr verlieh mir allmählich Mittel und Wege. Ich nahm zwei Nonnen auf, um mit ihrem Vermögen ein Haus kaufen zu können. Obwohl man mir sagte, man könne in Palencia nicht vom Almosen leben, so machte dies doch auf mich den Eindruck, als ob man nichts gesagt hätte. Ich sah wohl ein, dass ich am meine Stiftung mit Einkünften nicht denken konnte; und da Gott mir den Auftrag gegeben, so sagte ich mir, dass Seine Majestät Fürsorge treffen werde. Trotzdem ich noch nicht ganz bei Kräften war und ungeachtet der schlechten Witterung, entschloß ich mich, nach Palencia abzureisen.

6. Am Feste der unschuldigen Kinder des oben bezeichneten Jahres reiste ich von Valladolid ab. Von meiner Ankunft bis zum Feste des heiligen Johannes im folgenden Jahr stellte uns ein Edelmann aus Palencia ein Haus zur Verfügung, das er für sich gemietet hatte, während er selbst anderswo Wohnung nahm. Ich schrieb auch an einen Kanonikus dieser Stadt, den ich zwar nicht kannte, den mir aber ein Freund von ihm als Diener Gottes schilderte; deshalb war ich der sicheren Überzeugung, dass er uns sehr viel behilflich sein werde. Denn der Herr trägt, wie es sich bei den übrigen Stiftungen gezeigt hatte, überall dafür Vorsorge, dass jemand Hilfe schafft, da Seine Majestät weiß, wie wenig ich dabei zuwege bringe. Diesen Kanonikus ließ ich nun bitten, so geheim wie möglich dafür sorgen zu wollen, dass der gegenwärtige Inwohner das Haus räume, ihm aber nicht zu sagen, welche Bestimmung es habe. Denn obwohl mehrere angesehene Personen sich wohlwollend gegen uns gezeigt hatten und der Bischof die Stiftung sehnlichst wünschte, so hielt ich es doch für weit sicherer, die Sache geheimzuhalten.

7. Der Kanonikus Reinoso - so hieß jener, an den ich schrieb - vollführte meinen Wunsch so vortrefflich, dass er nicht nur die Räumung des Hauses besorgte, sondern uns auch Betten und vieles andere verschaffte, was vollständig zu unserer Erquickung hinreichte. Es war das für uns alle sehr notwendig; denn es war kalt, und tags vorher wurde unsere Reise infolge eines dichten Nebels sehr beschwerlich, da wir einander kaum sehen konnten. Ich muss indessen gestehen, dass wir wenig Ruhe hatten, bis ein Ort bereitgestellt war, an dem man am folgenden Tage die heilige Messe lesen konnte; denn vorher sollte niemand etwas von unserer Anwesenheit erfahren, was ich bei diesen Stiftungen immer als das beste gefunden habe. Wenn man nämlich anfängt, auf die Ansichten der einzelnen zu hören, so bringt der böse Feind alles wieder in Unordnung; und wenn er auch nichts für sich gewinnen kann, so verursacht er wenigstens Unruhe. So war es möglich, dass gleich morgens bei Tagesanbruch ein Priester, namens Porras, ein großer Diener Gottes, die heilige Messe lesen konnte. Er hatte uns mit Augustin de Vitoria, einem anderen Freunde der Nonnen von Valladolid, begleitet. Dieser hatte mir Geld zur Einrichtung des Hauses vorgestreckt und mir auf dem Wege viel Gutes erwiesen.

8. Mich begleiteten fünf Nonnen und eine Gefährtin, die seit einiger Zeit gewöhnlich bei mir war. Sie ist zwar eine Laienschwester, aber eine sehr große Dienerin Gottes und so verständig, dass sie mir weit mehr behilflich sein kann, als manche Chorschwester. Während jener Nacht schliefen wir wenig, obwohl, wie schon erwähnt, wegen des regnerischen Wetters der Weg für uns sehr beschwerlich war. Eine große Freude war es für mich, dass das Kloster gerade am Feste des Königs David gestiftet wurde, zu dem ich eine besondere Andacht trug. Gleich am Morgen ließ ich dem hochwürdigsten Herrn Bischof Nachricht geben, der noch nicht wusste, dass ich tags vorher angekommen war. Er kam sogleich in seiner großen Liebenswürdigkeit, die er immer gegen uns zeigte, um uns zu besuchen, und versprach, uns mit dem nötigen Brot zu versorgen. Zugleich beauftragte er seinen Generalvikar, uns auch mit anderen Dingen zu versehen. Unser Orden schuldet diesem Bischof so vieles, dass alle, die diese Stiftungen lesen, die Verpflichtung haben, ihn sowohl während seines Lebens als auch nach seinem Tode unserem Herrn zu empfehlen; um das bitte ich im Namen der christlichen Liebe.

9. Die Freude über unsere Niederlassung war beim Volke so allgemein und groß, dass es ein ganz außerordentliches Erlebnis war; es fand sich niemand, der sich hierüber mißfällig geäußert hätte. Das Bewusstsein, dass der Bischof darüber erfreut war, trug vieles dazu bei, denn er ist sehr beliebt, und ich habe nirgends eine solche Gutmütigkeit und solchen Edelmut getroffen wie bei den Bewohnern von Palencia. Deshalb freut es mich von Tag zu Tag mehr, dass diese Stiftung dort zustande gekommen ist.

10. Da das Haus nicht uns gehörte, so ließen wir uns bald in Unterhandlungen ein, um ein anderes zu kaufen; das von uns bewohnte war zwar auch verkäuflich, aber es hatte doch eine recht ungünstige Lage, und mit Hilfe der Mitgift der Nonnen, die für dieses Kloster bestimmt war, konnten wir, wie es schien, schon einen Versuch machen. War auch diese Summe an und für sich gering, so war sie doch bedeutend für jenen Ort. Allein es wäre alles zwecklos gewesen, ohne die guten Freunde, die uns Gott geschickt hatte. Der fromme Kanonikus Reinoso führte uns noch einen anderen Kanonikus, namens Salinas, zu, der mit ihm befreundet und ein sehr liebenswürdiger und verständiger Mann war. Beide nahmen sich unserer Angelegenheit an, gleich als wäre sie ihre eigene gewesen, ja ich darf wohl sagen mit noch größerem Eifer, und die gleiche Aufmerksamkeit erzeigten sie beständig diesem Kloster.

11. Es befindet sich in Palencia eine unserer Lieben Frau geweihte Kapelle, die sehr zur Andacht stimmt und wie eine Einsiedelei aussieht; sie hat den Namen: »Unsere Liebe Frau zur Straße«. Die Bewohner der Stadt und der ganzen Umgebung tragen eine große Verehrung zu ihr, und es strömt sehr viel Volk dahin. Seine bischöfliche Gnaden und alle anderen waren nun der Ansicht, dass bei diesem Kirchlein für uns der rechte Platz sei. Es stand bei dieser Kapelle kein Haus, allein es befanden sich zwei in der Nähe, die zu kaufen waren und mit der Kirche für aus ausgereicht hätten. Das Kirchlein musste erst vom Domkapitel und von einer Bruderschaft bewilligt werden, weswegen darum angehalten wurde. Das Kapitel zeigte sich sogleich bereit zu diesem Gnadenerweis, allein die Bruderschaft konnte schwer dazu bestimmt werden, zeigte sich aber doch schließlich auch entgegenkommend; denn das Volk ist hier, wie gesagt, sehr tugendhaft, wie ich dergleichen in meinem ganzen Leben nie gesehen habe.

12. Als die Eigentümer der Häuser merkten, dass wir sie gerne kaufen wollten, steigerten sie, wie es ihnen nicht zu verdenken war, deren Preis. Ich wollte sie zuerst in Augenschein nehmen, und sie machten auf mich und auf meine Begleiter einen so schlechten Eindruck, dass ich sie um keinen Preis mehr erwerben wollte. Später erkannte man deutlich, dass der böse Feind bedeutend dabei im Spiele war, da es ihn verdroß, dass wir uns an diesem Orte niederlassen wollten. Den beiden Kanonikern, die sich der Sache annahmen, schienen diese Häuser zu weit von der Domkirche entlegen; es ist dies auch wahr, allein sie hatten den Vorteil, dass sie sich auf dem volkreichsten Platze der Stadt befanden. Zuletzt neigten wir alle zu der Ansicht hin, dass dies nicht der rechte Platz für eine Niederlassung sei und wir uns ein anderes Haus suchen müssten.

13. Jene zwei Kanoniker taten dies auch mit solcher Sorgfalt und solchem Eifer, dass ich mich veranlasst fühlte, Gott dafür zu preisen; denn sie besichtigten jedes Haus, das nach ihrer Ansicht für uns passen konnte. Schließlich fanden sie eines nach ihrem Geschmacke, dessen Eigentümer Tamayo hieß. Dieses hatte einige gut hergerichtete Zimmer, die für uns vorteilhaft gewesen wären; zudem war es in der Nähe des Hauses eines angesehenen Edelmannes, namens Suero de Vega, der jetzt einer unserer größten Wohltäter ist. Er und viele andere Personen der Nachbarschaft wünschten sehr, dass wir uns dort niederließen.

14. Dieses Haus war aber nicht groß genug, und man wollte uns noch ein anderes dazu geben, allein dieses hätte mit dem anderen nicht passend verbunden werden können. Da mir nun so vieles darüber berichtet worden war, so wünschte ich, dass die Sache endlich zustande komme; allein die beiden Herren wollten nichts tun, bevor ich Augenschein davon genommen hätte. Weil ich aber nicht gerne unter die Leute gehe und mich ganz auf sie verlassen wollte, so hielt ich das für unnötig. Schließlich besichtigte ich es doch, aber vorher noch die beiden Häuser bei »unserer Lieben Frau zur Straße«, doch nicht, um sie zu kaufen, sondern nur, damit der Eigentümer des anderen nicht meinen würde, wir könnten kein anderes als das seinige bekommen. Jene zwei Häuser waren, wie schon erwähnt, mir und meinen Begleiterinnen so schlecht vorgekommen, dass wir uns jetzt wundern müssen, wie sie denn einen so schlechten Eindruck auf uns machen konnten.

15. Hierauf begaben wir uns zum anderen Hause, fest entschlossen, nur dieses zu kaufen. Obgleich wir hier große Schwierigkeiten vorfanden, so wollten wir sie doch auf uns nehmen, so schwer man sie auch hätte beseitigen können; denn um auch nur eine einigermaßen geeignete Kapelle einrichten zu können, hätten wir fast alle Zimmer opfern müssen. Es ist etwas Sonderbares um einen Entschluss, den man schon im Voraus gefasst hat! Wahrlich, die Erfahrung, die ich hier gemacht, hat mich bestimmt, mich ein andermal auf mich selbst nicht zu verlassen; doch war ich damals nicht allein getäuscht. Kurz, wir kehrten zurück, fest entschlossen, kein anderes als dieses Haus zu kaufen und dem Eigentümer den verlangten Preis, wenn er auch sehr hoch war, zu zahlen und ihm zu schreiben, da er sich nicht in der Stadt, sondern in der Umgegend aufhielt.

16. Es könnte vielleicht unpassend erscheinen, dass ich mich (in meinem Berichte) so lange mit dem Kaufe des Hauses aufhalte, allein man beachte die Absicht, die der böse Feind im Auge gehabt haben muss, um zu verhindern, dass wir uns in dem Hause zu »unserer Lieben Frau« niederließen. Jedesmal, so oft ich daran denke, überfällt mich ein Schauer. Da wir nun alle, wie gesagt, entschlossen waren, kein anderes Haus zu kaufen, befiel mich am anderen Tage während der heiligen Messe eine große Besorgnis, ob ich wohl recht gehandelt, und eine solche Verwirrung, dass ich fast während der ganzen Messe nicht zur Ruhe kommen konnte. Indessen begab ich mich zur heiligen Kommunion, und alsogleich, nachdem ich sie empfangen hatte, vernahm ich die Worte: »Dieses passt für dich.« Diese Worte hatten eine solche Kraft, dass sie mich vollständig bestimmten, nicht mehr das Haus (des Tamayo), das ich im Auge hatte, zu nehmen, sondern das zu »unserer Lieben Frau«. Als mir darauf der Gedanke kam, dass ich Schwierigkeiten begegnen werde, weil die Angelegenheit schon so weit vorangeschritten war, und jene, die sich ihrer mit so großer Sorgfalt annahmen, sich so sehr darnach sehnten, antwortete mir der Herr: »Sie wissen nicht, wie sehr ich an diesem Orte beleidigt werde, und dem wird durch eure Niederlassung abgeholfen werden.«

17. Es kam mir der Gedanke, es möchte dies vielleicht eine Täuschung sein; allein ich konnte es nicht glauben, weil ich aus der Wirkung, die diese Worte in mir hervorbrachten, deutlich erkannte, dass es der Geist Gottes war. Sogleich sprach unser Herr zu mir: »Ich bin es!« Nun war ich augenblicklich beruhigt und frei von der Verwirrung, in der ich mich vorher befand. Indessen wusste ich nicht, wie das schon Geschehene wieder rückgängig zu machen sei, da ich, besonders meinen Mitschwestern, so viel Übles über dieses Haus gesagt hatte; ihnen hatte ich beigebracht, in welch schlechtem Zustand es sich befunden, so dass es mir lieber gewesen wäre, wenn ich es nicht besichtigt hätte, da es für nichts und wieder nichts gewesen sei. Dies aber beunruhigte mich noch nicht am meisten, da ich wohl wusste, dass sie alles für gut finden würden, was ich tue; aber wegen der übrigen, die den anderen Kauf wünschten, geriet ich in die Klemme. Denn ich glaubte, sie würden mich für oberflächlich und wankelmütig halten, weil ich meine Ansicht so schnell änderte, was ich doch (immer) verabscheue. Doch alle diese Gedanken vermochten mich nicht im geringsten zu bestimmen, das Haus »zu unserer Lieben Frau« aus dem Auge zu lassen, und ich dachte gar nicht mehr an das, was an ihm nicht recht in Ordnung war; denn um den Preis, dass die Nonnen durch ihre Gegenwart auch nur eine einzige lässliche Sünde verhinderten, erachtete ich alles übrige für gering. Gewiss hätte jede von ihnen diese meine Ansicht gehabt, wenn ihnen bekannt gewesen wäre was ich wusste.

18. Ich nahm nun zu folgendem Hilfsmittel meine Zuflucht. Ich beichtete damals dem Kanonikus Reinoso, dem einen von den beiden, die mich in meinem Unternehmen unterstützten. Bisher hatte ich ihm von dergleichen geistigen Mitteilungen nichts anvertraut, da keine Gelegenheit sich darbot, die mir dies notwendig erscheinen ließ. Da ich, um sicherer zu gehen, bei ähnlichen Vorfällen immer die Gewohnheit hatte, dem Rate des Beichtvaters zu folgen, so entschloß ich mich, ihm die mir gewordene Offenbarung unter dem Siegel strengster Verschwiegenheit mitzuteilen. Ich war zwar nicht willens, zu verschweigen, was mir gesagt war, da mir dies großes Widerstreben bereitet hätte. Schließlich würde ich es aber doch dem Urteile des Beichtvaters unterbreitet haben, weil ich zu unserem Herrn hoffte, Seine Majestät werde, wie auch bei anderen Gelegenheiten, den Beichtvater umstimmen, um zu tun, was ihr wohlgefällig sei.

19. Ich erzählte ihm zuerst, dass unser Herr schon öfters mich auf diese Weise zu belehren pflegte und bis jetzt bereits viele Fälle vorgekommen seien, bei denen man das Wirken seines Geistes erkennen konnte. Dann sagte ich ihm, was zuletzt geschehen, bemerkte aber, dass ich tun werde, was er für gut finde, so schwer es mich auch ankomme.

20. Dieser Kanonikus ist ein sehr kluger und frommer Mann und trotz seiner Jugend ein vortrefflicher Ratgeber in allen Angelegenheiten; darum konnte er sich auch nicht für die Unterlassung des mir zuteil gewordenen göttlichen Auftrags entscheiden, wenn er auch voraussah, dass infolgedessen ein Gerede entstehen würde. Ich legte ihm noch nahe, den Boten abwarten zu lassen, was auch seine Ansicht war; was mich betrifft, so hoffte ich zu Gott, er werde selbst einen Ausweg schaffen. So geschah es auch; obgleich wir dem Eigentümer des Hauses angeboten hatten, was er gewollt und gefordert, so verlangte er jetzt noch über das Angebot hinaus dreihundert Dukaten. Dies zu geben, schien recht unsinnig, weil er sich ohnehin schon viel zu viel zahlen ließ. Wir erkannten daraus, dass Gott es so fügte, denn der Kauf wäre für ihn sehr vorteilhaft gewesen, und da er bereits abgeschlossen war, so handelte er durch seine Mehrforderung nicht recht. Dies nützte uns sehr viel, und wir erklärten ihm, dass wir auf diese Weise nie mit ihm zum Abschluss kommen könnten. Indes war die Verlegenheit, in der ich mich befand, noch nicht ganz beseitigt; denn es war klar, dass wir wegen dreihundert Dukaten ein Haus nicht aufgegeben hätten, das zu einem Kloster so gelegen schien. Ich sagte nun meinem Beichtvater, er möge sich wegen meines guten Rufes keine Sorge machen, nachdem es auch seine Ansicht sei, dass man so handeln müsse; er möge seinem Kollegen mitteilen, dass ich den festen Entschluss gefasst hätte, das Haus zu »unserer Lieben Frau« zu kaufen, sei es nun teuer oder billig, gut oder schlecht. Auch dieser ist sehr scharfsinnig und wird sich, wie ich glaube, bei der so plötzlichen Änderung meiner Ansicht, wenngleich ich ihm von dem Vorgefallenen nichts gesagt habe, wohl so etwas gedacht haben; darum drang er auch nicht mehr weiter in mich.

21. Später sahen wir alle ein, welch großen Fehler wir durch den Kauf des anderen Hauses begangen hätten; denn jetzt müssen wir staunen beim Anblick der großen Vorzüge dieses Hauses. Aber der hauptsächlichste Vorzug besteht darin, dass es offenbar zur Verherrlichung unseres Herrn und seiner glorwürdigen Mutter gereicht und viele Gelegenheiten zur Sünde entfernt werden. Da man nämlich vielfach zur Nachtzeit dorthin Wallfahrten anstellte und nur eine Einsiedelei da war, so konnten dort viele Dinge geschehen, die der Teufel nicht gerne beendigt wissen wollte; wir aber freuten uns, unserer Lieben Frau, unserer Herrin und Patronin (unseres Ordens), in etwa dienen zu können. Wir hatten sehr unrecht gehandelt, dass wir nicht schon eher diesen Ort gewählt; wir hätten auf sonst nichts Rücksicht nehmen sollen. Es ist jetzt ganz klar, dass der böse Feind uns vielfach geblendet hatte, weil sich uns daselbst so viele Annehmlichkeiten darbieten, die wir anderswo nicht hätten finden können, und weil dadurch dem ganzen Volke, das sich nach unserer Niederlassung sehnte, eine so große Freude bereitet wurde. Selbst jene, die zuvor den Wunsch geäußert hatten, wir möchten das andere Haus beziehen, fanden nachher dies für das beste.

22. Gepriesen sei der Herr in Ewigkeit, der mich in dieser Hinsicht erleuchtet hat! Wenn mir irgendwie in anderen Dingen etwas glücklich vonstatten geht, so ist es auch er, der mich erleuchtet, so dass ich mich täglich mehr darüber wundern muss, wie ich so ungeschickt zu allem bin. Man denke nicht, dass ich dies aus Demut sage; denn jeden Tag sehe ich es besser ein, so dass es den Anschein hat, unser Herr wolle mich und alle anderen erkennen lassen, dass Seine Majestät allein es ist, die diese Werke vollbringt. Wie er einst dem Blindgeborenen mit (ein wenig) Kot das Augenlicht gegeben hat, so will er auch jetzt an einer blinden Person, wie ich es bin, handeln, damit ich nicht blind zu Werke gehe. Offenbar gab ich, wie gesagt, bei diesen Vorfällen Zeichen von großer Verblendung, und so oft ich daran denke, möchte ich unseren Herrn von neuem für die mir erwiesene Gnade lobpreisen. Aber auch dazu bin ich zu ungeschickt, und ich weiß nicht, wie er mich ertragen kann. Gepriesen sei seine Barmherzigkeit! Amen.

23. Sogleich beeilten sich diese beiden heiligen Freunde unserer Lieben Frau, den Kauf der Häuser zum Abschluss zu bringen; wie mir scheint, überließ man ihnen diese um billigen Preis. Es war jedoch für sie sehr mühsam; denn bei all diesen Stiftungen fügt es Gott, dass jene, die uns beistehen, sich Verdienste sammeln können. Ich vollbringe dabei nichts, wie ich es schon oft bekannt habe und gerne allezeit bekennen möchte, da es auf Wahrheit beruht. War schon das Opfer, das sie bei der Einrichtung des Hauses und auch, da ich nichts besaß, durch Zahlung des Kaufschillings brachten, überaus groß, so traten sie noch dazu auch als Bürgen dafür ein. An anderen Orten musste ich vieles ausstehen, bis ich auch für eine noch geringere Summe einen Bürgen bekommen konnte. Und die Leute haben, wenn sie nicht ganz auf den Herrn vertrauen, auch recht; denn ich besitze keinen Heller. Aber Seine Majestät hat mir immer die große Gnade erwiesen, dass noch keiner, der mir aushalf, etwas verlieren durfte; stets wurde alles richtig bezahlt, was ich für die größte Gnade halte. Weil die Hauseigentümer mit diesen zwei Bürgen nicht zufrieden waren, so nahmen diese ihre Zuflucht zum Generalvikar, der, wie man mir jetzt sagt, Prudencio hieß, ich weiß aber nicht, ob ich mich recht erinnere. Wir nannten ihn nur Generalvikar, und so wusste ich seinen Namen nicht. Seine Liebe gegen uns war überaus groß, so dass wir ihm zu großem Danke verpflichtet waren und noch sind. Als ihm die beiden Kanoniker begegneten - er ritt eben auf einem Maultier fort - , fragte er sie, wohin sie wollten; als sie ihm zur Antwort gaben, sie kämen zu ihm, damit er jenen Kaufbrief (als Bürge) unterzeichne, lächelte er und sprach: »Begehrt ihr wirklich auf diese Art, dass ich für eine so große Summe Geldes gut stehe?« Ohne vom Maultiere herabzusteigen, unterzeichnete er sofort, was in unseren Zeiten etwas Merkwürdiges ist.

24. Ich möchte hier die große Liebe, die wir in Palencia sowohl im allgemeinen als auch im besonderen erfahren haben, besonders rühmend hervorheben. Ich glaubte mich wirklich in die ersten Zeiten der Kirche versetzt, wenigstens ist in unseren Zeiten eine solche Liebe in der Welt nicht sehr in Übung. Obwohl die Bewohner sahen, dass wir keine Einkünfte hatten und sie uns unterhalten müssten, so legten sie uns doch kein Hindernis in den Weg; sie hielten unsere Niederlassung sogar für eine ganz besondere Gnade Gottes. Sie hatten auch recht, wenn man die Sache im richtigen Lichte betrachtet. Wäre es auch weiter nichts, als dass in der Stadt eine Kirche mehr stünde, in der das Allerheiligste Sakrament aufbewahrt wird, so hätte das allein schon großen Wert. Der Herr sei dafür gepriesen in Ewigkeit! Amen.

25. Allmählich sieht man jetzt recht gut ein, dass das Kloster an diesem Orte zur Ehre Gottes gereicht, weil dadurch einige Mißstände beseitigt worden sind, die früher dort zutage getreten sein mussten. Denn jene Leute, die bei der einsamen Einsiedelei zu wachen pflegten, gingen nicht alle aus Andacht dorthin; das ist jetzt abgeschafft. Auch das Bild unserer Lieben Frau war an einem sehr ungeziemenden Platz aufgestellt. Der Bischof Alvaro de Mendoza ließ für dieses Bild eine eigene Kapelle erbauen, und nach und nach wird noch mehr geschehen zur Ehre und Verherrlichung der allerseligsten Jungfrau und ihres Sohnes; er sei gepriesen in Ewigkeit! Amen, Amen.

26. Nachdem das Haus wohnlich eingerichtet und die Zeit des Einzuges der Nonnen gekommen war, wollte der Bischof, dass dieser mit größter Feierlichkeit vor sich gehen sollte. So geschah es auch wirklich an einem Tage der Oktav des heiligen Fronleichnamsfestes. Der Bischof selbst kam von Valladolid und beteiligte sich mit dem Domkapitel, den Ordensleuten und fast der ganzen Einwohnerschaft an der Prozession, bei der eine prächtige Musik spielte. Von dem Hause aus, in dem wir bisher gewohnt hatten, gingen wir alle prozessionsweise, verschleiert und mit unseren weißen Mänteln angetan, bis zu einer Pfarrkirche, die dem Hause unserer Lieben Frau am nächsten lag. Man kam uns auch mit dem erwähnten Bilde entgegen; aus der Pfarrkirche wurde das Allerheiligste Sakrament genommen und mit großer Feierlichkeit und in sehr schöner Ordnung in unserer Kirche eingesetzt; all das erweckte große Andacht. Auch die Nonnen, die zur Stiftung des Klosters in Soria gekommen waren, begleiteten mit brennenden Kerzen in der Hand den Zug. Ich glaube, dass der Herr an diesem Tage in der ganzen Stadt überaus gepriesen wurde; möge er von allen Geschöpfen gepriesen werden in Ewigkeit! Amen.

27. Während meines Aufenthaltes in Palencia ließ Gott die Trennung der Unbeschuhten von den Beschuhten zu, und wir bekamen eine eigene Provinz. Damit war alles erreicht, was wir zur Befestigung der Ruhe und des Friedens gewünscht hatten. Man hatte zu diesem Zwecke auf Ansuchen unseres katholischen Königs, Don Philipp, von Rom ein sehr weitgehendes Breve erwirkt, und Seine Königliche Majestät, die uns schon früher ihre Huld erwiesen, hat sich bei dieser Gelegenheit besonders gnädig gegen uns gezeigt. In Alcalá wurde auf Anordnung des damaligen Priors von Talavera, des wohlehrwürdigen Paters Johannes de las Cuevas, aus dem Orden der Dominikaner, ein Kapitel abgehalten; er war von Rom dazu ermächtigt und von Seiner Majestät dazu bestimmt worden. Pater Johannes de las Cuevas war in der Tat ein sehr heiligmäßiger und verständiger Mann, wie es eben eine solche Aufgabe erforderte. Der König trug die Kosten für dieses Kapitel, und auf seinen Befehl unterstützte auch die ganze Universität unsere Väter.

28. Dieses Kapitel wurde im Kollegium zum heiligen Cyrillus, das die unbeschuhten Karmeliten in dieser Stadt besitzen, überaus friedlich und einträchtig abgehalten. Als Provinzial wurde Pater Magister Hieronymus Gracián von der Mutter Gottes gewählt. Weil diese Väter selbst alle Ereignisse dieses Kapitels anderswo beschreiben werden, so brauche ich davon nicht weiter zu reden. Ich habe es deshalb erwähnt, weil unser Herr eben zu der Zeit, als ich mit der Stiftung in Palencia beschäftigt war, ein so großes Werk zur Ehre und Verherrlichung seiner glorwürdigen Mutter vollbracht hat; denn es ist dies ihr Orden, und sie ist unsere Frau und Beschützerin. Dieses Ereignis war für mich eine der größten Freuden und Wonnen, die ich je in diesem Leben empfangen konnte. Schon über fünfundzwanzig Jahre hatte ich so viele Mühen, Verfolgungen und Widerwärtigkeiten ausgestanden, deren Erzählung zu weit führen würde; nur unser Herr allein kann dies wissen. Welch innige Herzensfreude ich aber nun nach Beendigung all dieser Angelegenheiten empfand und welch großes Verlangen ich hatte, dass alle Welt dafür unseren Herrn lobpreisen möchte, das kann niemand begreifen, der nicht weiß, wie viel Mühe und Arbeit mich all das gekostet hat; möchten sich alle mit mir vereinigen zum Lobpreise unseres Herrn und ihm unseren frommen König, Don Philipp, empfehlen, durch den Gott dieses Werk zu einem so glücklichen Ende geführt hat! Denn wäre der König nicht gewesen, so hätte der Teufel, der all seine Arglist aufgeboten hatte, das ganze Werk unserer Ordensreform wieder zerstört, die ja schon dem Untergange nahe war.

29. Jetzt sind wir alle, sowohl die beschuhten als auch die unbeschuhten Karmeliten in Frieden, und niemand hindert uns im Dienste unseres Herrn. Weil er also, meine Brüder und Schwestern, euer Gebet so gnädig erhört hat, so beeilt euch, Seiner Majestät zu dienen. Die jetzt Lebenden, die Augenzeugen all dieser Vorgänge gewesen sind, müssen wohl bedenken, welch große Gnaden uns Gott erwiesen und von wie vielen Beschwerden und Verwirrungen er uns befreit hat. Die Nachkommenden aber, die nun alles in bester Ordnung vorfinden, sollen um der Liebe unseres Herrn willen nicht im geringsten etwas von dem aufgeben, was zur Vollkommenheit dient, damit man nicht von uns sagen kann, was man von gewissen Orden sagt: Nur ihr Anfang war lobenswert.

30. Wir fangen jetzt an; befleißet euch allezeit von neuem anzufangen, d. h. vom Guten zum Besseren voranzuschreiten. Bedenket, dass der böse Feind selbst durch die unscheinbarsten Dinge sich Eingang verschafft, wodurch dann die ärgsten Mißbräuche sich einschleichen. Saget nur nicht: daran ist wenig gelegen, das sind nur Übertreibungen. O meine Töchter, an allem, was den Fortschritt hindert, ist sehr viel gelegen. Um der Liebe Gottes willen bitte ich euch, vergesset nicht, wie bald alles ein Ende nimmt und welch große Gnade uns der Herr erwiesen hat, dass er uns in diesen Orden berief; bedenket, welch große Strafe jene aus uns treffen wird, die eine Erleichterung einführen würde. Richten wir vielmehr unser Auge stets auf das Geschlecht jener heiligen Propheten, von denen wir abstammen. Wie viele Heilige haben wir im Himmel, die unser Ordenskleid getragen haben! Hoffen wir gleichsam mit heiliger Vermessenheit, dass auch wir mit der Gnade Gottes einst zu ihnen kommen werden. Der Kampf, meine Schwestern, dauert kurze Zeit, aber das Ende ist ewig. Verachten wir die Dinge, die an sich nichts sind, und benützen wir jene, die uns zum ewigen Ziele verhelfen, damit wir den um so mehr lieben und ihm um so eifriger dienen, der da leben wird in alle Ewigkeit! Amen, Amen.

Gott sei Dank gesagt (für alles)!

Dreißigstes Hauptstück

Stiftung des Klosters zur heiligsten Dreifaltigkeit in der Stadt Soria im Jahre 1581. Die erste heilige Messe wurde am Feste unseres heiligen Vaters Elisäus gelesen.

1. Während ich in Palencia mit der genannten Stiftung beschäftigt war, erhielt ich ein Schreiben vom Bischof von Osma, namens Doktor Velásquez. Als dieser noch Professor und Kanonikus an der Domkirche zu Toledo war, zog ich ihn in gewissen Zweifeln, die mich beständig quälten, zu Rate; denn ich wusste, dass er ein sehr gelehrter und gottesfürchtiger Mann war. Ich bat ihn dringend, die Sorge für meine Seele zu übernehmen und mein Beichtvater zu sein. Als er sah, dass ich ihn um der Liebe unseres Herrn willen und infolge eines wahren Bedürfnisses bat, sagte er, obwohl er mit Arbeit sehr überladen war, so gerne zu, dass ich mich darüber verwunderte. Er hörte also meine Beichte und war mein Ratgeber während der ganzen langen Zeit, in der ich in Toledo verweilte. Ich besprach mich mit ihm in aller Offenheit über meine Seelenangelegenheiten, wie ich es meinen Beichtvater gegenüber immer zu tun gewohnt bin. Seine Leitung förderte mich so sehr, dass von da an meine vielfachen Ängstlichkeiten von mir zu weichen begannen. Dazu kam aber, um der Wahrheit die Ehre zu geben, noch eine andere Ursache, deren Erwähnung jedoch hier nicht am Platze ist. Er hat mir in der Tat großen Nutzen gebracht, da er mir durch Stellen der Heiligen Schrift wieder Mut eingeflößt hat; denn das beruhigt mich am meisten, wenn ich sicher bin, dass jene, die meiner Seele solche Gründe vorbringen, auch gelehrt sind; dies ist gerade bei ihm der Fall, und zugleich führt er auch ein frommes Leben.

2. Den erwähnten Brief schrieb er mir von Soria aus, wo er sich eben aufhielt. Er erwähnte darin, dass eine Dame, die bei ihm beichtete, über die Gründung eines Klosters unserer Nonnen mit ihm gesprochen habe; es scheine ihm dieser Plan annehmbar, und er habe ihr versprochen, es bei mir durchzusetzen, dass ich zur Vornahme der Stiftung käme. Er bat mich, ihn mit seinem Versprechen nicht im Stiche zu lassen, und ihm, wenn ich auf den Plan eingehen würde, Nachricht zu geben, damit er mich abholen lassen könne. Ich freute mich sehr darüber; denn abgesehen davon, dass mir diese Stiftung vorteilhaft erschien, hatte ich auch ein inniges Verlangen, ihn zu sehen und ihm einige Angelegenheiten meiner Seele vorzutragen. Er hatte meiner Seele schon so großen Nutzen verschafft, und so trug ich eine innige Liebe zu ihm.

3. Diese Stifterin hieß Doña Beatrix de Beamonte y Navarra und stammte von den Königen von Navarra ab. Sie ist die Tochter des Don Franziskus de Beamonte, dessen Geschlecht zu den höchsten und angesehensten Adelsfamilien zählt. Sie war einige Jahre verheiratet, hatte keine Kinder, wohl aber ein großes Vermögen. Schon seit langem hatte sie im Sinne, ein Nonnenkloster zu gründen.

4. Als sie sich mit dem Bischof besprach und dieser sie auf den Orden der unbeschuhten Nonnen unserer Lieben Frau vom Berge Karmel aufmerksam machte, hatte sie daran so großes Wohlgefallen, dass sie sogleich in ihn drang, das Werk zur Ausführung zu bringen. Sie ist eine sehr freundliche, edelmütige und bußfertige Dame, kurz eine große Dienerin Gottes. Sie hatte in Soria ein schönes, gutgebautes Haus in sehr guter Lage, das sie uns, wie sie sagte, mit allem, was zur Gründung notwendig sei, überlassen wolle. Sie übergab es uns wirklich und zugleich fünfhundert Dukaten jährliches Einkommen. Es sind dies die Zinsen eines Kapitals von 25000 Dukaten.

5. Der Bischof erbot sich, uns eine sehr schöne, ganz gewölbte Kirche zu geben, die als Pfarrkirche einer nahegelegenen Pfarrei diente. Diese konnten wir mit dem Hause (der genannten Dame) mittels eines gedeckten Ganges verbinden und so von ihr Gebrauch machen. Es machte dies dem Bischof keine Schwierigkeit, da diese Kirche arm war und es sonst in Soria sehr viele Kirchen gab; so teilte er nun diese Pfarrei einer anderen Kirche zu. In seinem Briefe gab er mir über dies alles Auskunft. Ich teilte diese Angelegenheit dem Pater Provinzial mit, der eben damals in Palencia sich befand. Dieser sowie alle unsere Freunde waren der Ansicht, ich sollte den Bischof durch einen Eilboten benachrichtigen, mich abholen zu lassen, da die Gründung in Palencia schon vollendet sei. Ich freute mich über diese Entscheidung aus den schon angeführten Gründen sehr.

6. Daraufhin begann ich die Nonnen auszuwählen, die ich dorthin mitnehmen wollte. Es waren im ganzen sieben - jene Dame wollte lieber mehr als weniger - und eine Laienschwester, sowie meine (beständige) Begleiterin und ich. Um uns abzuholen, kam in größter Eile ein sehr geeigneter Bote. Denn ich hatte geschrieben, dass auch zwei unbeschuhte Karmeliten in meiner Begleitung sein würden. Ich nahm nun den Pater Nikolaus von Jesu Maria, aus Genua gebürtig, mit, einen Mann von hoher Vollkommenheit und großem Verständnis. Als er in den Orden trat, war er, wie mir schien, schon über vierzig Jahre alt; wenigstens ist er jetzt so alt, und es ist noch nicht lange, dass er Ordensmann geworden ist. Er hat in kurzer Zeit so große Fortschritte gemacht, dass man leicht erkennen kann, der Herr habe ihn dazu erwählt, dem Orden in diesen schweren Verfolgungen beizustehen. Er hat uns auch wirklich große Dienste geleistet, als von den übrigen (Vätern), die Stützen des Ordens hätten sein können, die einen eingekerkert, die anderen verbannt waren. Da er kein Amt innehatte - er war ja, wie schon erwähnt, erst kurze Zeit im Orden -, so achtete man weniger auf ihn, und wahrscheinlich hat Gott es so gefügt, damit mir ein so mächtiger Beschützer blieb.

7. Als dieser Mann sich im Kloster der Beschuhten zu Madrid befand, um die Angelegenheiten unserer Reform zu betreiben, wusste er dies so geschickt zu verheimlichen, dass diese nicht das mindeste davon vermuteten, sondern meinten, er weile anderer Geschäfte wegen dort; deshalb ließen sie ihn auch ruhig gewähren. Während meiner Anwesenheit im St. JosephsKloster zu Ávila schrieben wir uns oft und berieten uns, was zu tun sei; es war das für ihn ein Trost. Schon daraus kann man abnehmen, in welch großer Not unser Orden sich damals befand, weil man, wie das Sprichwort sagt, mangels tüchtiger Männer auf mich so viel hielt. Während jener Zeit habe ich viele Beweise von der Vollkommenheit und Klugheit des Paters Nikolaus empfangen, und darum gehört er zu jenen Männern des Ordens, die ich im Herrn überaus liebe und hochschätze.

8. Dieser Pater also und ein Laienbruder waren unsere Reisebegleiter. Auf dieser Reise hatte ich nicht viel Ungemach auszustehen, da der Bote des Bischofs es uns an nichts fehlen ließ und uns nach Möglichkeit gute Herbergen verschaffte. Denn der Bischof von Osma ist sehr beliebt, und sobald wir seine Diözese betraten und die Leute vernahmen, dass wir auf sein Geheiß hierher kämen, nahmen sie uns überall liebevoll auf. Die Zeit war sehr günstig (für die Reise), auch machten wir keine großen Tagestouren, und so erlebten wir auf dieser Reise wenig Ungemach, aber viel Freude; die größte davon war, dass ich überall die Leute von der Frömmigkeit ihres Bischofs reden hörte.

9. Nach Burgo kamen wir am Mittwoch in der Oktav des heiligen Fronleichnamsfestes. Am folgenden Donnerstag nach unserer Ankunft, am Oktavtag des Festes selbst, kommunizierten wir und speisten auch zu Mittag, da wir erst am anderen Tag in Soria eintreffen konnten. In jener Nacht blieben wir in einer Kirche, weil man keine andere Herberge ausfindig machen konnte, was uns aber keinen Schaden brachte. Am anderen Tag hörten wir dort noch die heilige Messe und kamen dann fast um fünf Uhr abends in Soria an. Der fromme Bischof stand an einem Fenster seines Hauses, an dem wir vorüber mussten, und gab uns von da aus seinen Segen, was uns großen Trost bereitete; denn der Segen eines Bischofs und eines Heiligen ist überaus hochzuschätzen.

10. Jene Dame aber, unsere Stifterin, erwartete uns an der Türe ihres Hauses, in dem das Kloster errichtet werden sollte. Wir konnten die Zeit kaum erwarten, um dort einzutreten, da eine so große Menschenmenge anwesend war. Es war das für uns nichts Neues, da überall, wohin wir kommen, die Menschen gleich neugierig sind. Es kommt so viel Volk zusammen, dass es für uns überaus lästig wäre, wenn wir nicht unsere Schleier vor dem Angesicht hätten; so kann man es wenigstens (einigermaßen) ertragen. Jene Dame hatte schon einen sehr großen Saal, in dem die heilige Messe gelesen werden sollte, überaus geschmackvoll zubereitet, da der Gang zur Kirche, die der Bischof uns geschenkt hatte, erst gebaut werden musste. Gleich am anderen Tage, am Feste unseres heiligen Vaters Elisäus, wurde die Messe gelesen. Auch hatte die Dame in edelmütiger Weise für alle Bedürfnisse reichlichst Sorge getragen und überließ uns jenes Zimmer, in dem wir so lange zurückgezogen lebten, bis der Gang gebaut war; es dauerte bis zum Feste der Verklärung Christi.

11. Am selben Tage wurde die erste heilige Messe mit großer Feierlichkeit und unter starkem Zulauf des Volkes gelesen. Ein Pater aus der Gesellschaft Jesu hielt die Predigt, weil der Bischof nach Burgo de Osma abgereist war; denn es gibt keinen Tag und keine Stunde, die er nicht der Arbeit widmet, obwohl er sich nicht recht wohl befindet und die Sehkraft eines Auges verloren hat. Ich empfand über dieses Leiden großen Schmerz und bedauerte es sehr, dass ein Mann, der sich in so opfervoller Weise dem Dienste unseres Herrn hingab, auf einem Auge erblindete. So sind aber seine Gerichte, und er ließ dies ohne Zweifel zu, um seinem Diener, der desungeachtet nicht weniger tätig war als vorher, mehr Gelegenheit zum Verdienste zu geben und um dessen Gleichförmigkeit mit seinem Willen zu erproben. Er sagte mir, er habe darüber nicht mehr Schmerz empfunden, als wenn dies Mißgeschick seinem Nachbar zugestoßen wäre, ja, er habe öfters gedacht, dass es ihm nicht schwer fiele, wenn er auch die Sehkraft des anderen Auges verlieren würde, weil er sich dann in eine Einsiedelei verschließen und, ohne eine weitere Verpflichtung zu haben, Gott dienen könnte. Mehrmals erklärte er mir gegenüber, er habe immer diesen Beruf in sich gefühlt, schon bevor er Bischof geworden; einmal sei er schon fest entschlossen gewesen, alles zu verlassen und sich in die Einsamkeit zu begeben. Ich konnte dies nicht billigen, weil mir seine Person für die Kirche Gottes von großem Nutzen zu sein schien; deshalb wünschte ich ihm auch das Amt, das er jetzt inne hat. Trotzdem aber geriet ich an dem Tage, an dem ihm das Bistum übertragen wurde - er ließ mir nämlich sogleich davon Nachricht geben -, für den ersten Augenblick in große Bestürzung, weil ich ihn, wie mir schien, mit einer schweren Bürde beladen sah; ich konnte mich nicht fassen und nicht zur Ruhe kommen, bis ich mich in den Chor begab und ihn unserem Herrn empfahl. Seine Majestät beruhigte mich sogleich und versicherte mich, dass die Erhebung dieses Mannes zur bischöflichen Würde zu ihrer größeren Verherrlichung gereiche, wie es auch jetzt offenbar zutage tritt.

12. Ungeachtet seines Augenleidens und mancher anderer sehr schmerzlicher Krankheiten und trotz seiner beständigen Arbeiten fastet er viermal in der Woche und übt außerdem noch andere Strengheiten; seine Nahrung ist überaus spärlich. Wenn er seine Visitationsreisen macht, so geht er zu Fuß, womit seine Diener freilich nicht einverstanden sind; sie beklagten sich deshalb bei mir. Diese müssen notwendig tugendhaft sein oder sein Haus verlassen. Wichtige Angelegenheiten vertraut er seinen Stellvertretern höchst selten an; vielmehr müssen solche Geschäfte und, wie ich glaube, alle durch seine Hand gehen. Während der ersten zwei Jahre seiner Amtstätigkeit hatte er infolge falscher Anklagen so schwere Verfolgungen zu erdulden, dass ich staunen musste, weil er nämlich in Sachen der Gerechtigkeit überaus strenge und unbestechlich war. Jetzt aber hörten diese Anklagen allmählich auf; und obwohl die Ankläger sich an den Hof begaben und sich an Personen wendeten, durch die sie ihm Übles zufügen zu können glaubten, vermögen sie doch nichts mehr auszurichten, weil man im ganzen Bistum von seiner vollkommenen Rechtschaffenheit überzeugt ist. Indessen hat er alles mit solcher Vollkommenheit ertragen, dass er die Verleumder zuschanden machte, indem er jenen, die ihm Böses zugefügt, Gutes erwies. So angestrengt er auch immer tätig ist, er findet doch stets auch Zeit für das Gebet.

13. Man könnte meinen, ich hätte mich zu lange dabei aufgehalten, dass ich einige lobenswerte Eigenschaften dieses frommen Mannes aufzählte, und doch habe ich noch wenig davon gesagt. Aber für jene, die später in dieses Kloster eintreten, wird es nicht umsonst gewesen sein, wenn dadurch bekannt wird, wer der Urheber der Stiftung des Klosters zur heiligsten Dreifaltigkeit in Soria gewesen ist; sie werden daraus einigen Trost schöpfen; was jene betrifft, die sich jetzt hier befinden, so wissen sie ohnehin schon alles. Wenn er uns auch keine Einkünfte anwies, so gab er uns doch die Kirche, und er ist es, wie schon erwähnt, der jene Dame zu diesem Werke veranlasste; letztere ist, wie gesagt, überaus fromm, tugendhaft und bußfertig.

14. Als wir mit dem Gang und mit allem, was für die Klausur notwendig war, fertig geworden waren, musste ich mich wieder in das Kloster zum heiligen Joseph nach Ávila begeben; und so trat ich trotz der größten Hitze auf Wegen, die sehr schlecht zu befahren waren, die Rückreise an. Mein Begleiter war ein Benefiziat aus Palencia, namens Ribera, der mir beim Bau des erwähnten Ganges und in allen Stücken außerordentlich große Hilfe geleistet hat; denn Pater Nikolaus von Jesu Maria war sogleich wieder abgereist, nachdem die Stiftungsbriefe für die Gründung ausgefertigt waren, da seine Person anderswo notwendig war. Dieser Ribera hatte, als wir uns nach Soria begaben, dort einige Geschäfte, und so reiste er mit uns. Von jenem Augenblick an hat ihn Gott so sehr beeinflusst, uns Gutes zu erweisen, dass er unter die Wohltäter des Ordens gezählt werden kann und wir ihn mit diesen Seiner Majestät empfehlen dürfen. Ich hatte den Wunsch, dass mich außer ihm und meiner Gefährtin niemand anders begleite; denn da er um mich so besorgt ist, so genügt er mir vollkommen, und je mehr Ruhe ich auf den Reisen habe, desto glücklicher bin ich.

15. Auf dieser Rückreise musste ich jedoch büßen für das Gute, das ich auf der Hinreise genossen; denn obwohl unser Führer den Weg bis nach Segovia wusste, so kannte er doch den Fahrweg nicht und führte uns durch Stellen, wo wir oft absteigen und den Wagen fast auf den Schultern über die steilen Abhänge hinwegtragen mussten. Wenn wir auch Führer zu Hilfe nahmen, so begleiteten sie uns doch nur, solange sie einen guten Weg vor sich sahen, sobald er aber schlecht wurde, verließen sie uns mit der Bemerkung, dass sie etwas anderes zu tun hätten. Da wir des Weges unkundig waren, mussten wir große Hitze ausstehen, bevor wir in eine Herberge kamen, und oft waren wir in Gefahr, dass der Wagen umstürzte. Ich war sehr besorgt um den Geistlichen, der mit uns reiste; denn kaum hatte man uns gesagt, wir seien auf dem rechten Weg, als wir wieder dorthin zurückkehren mussten, woher wir gekommen. Aber er hatte eine so gediegene Tugend, dass ich ihn, soweit ich mich erinnere, nie ungeduldig sah. Ich war darüber sehr erstaunt und lobpries dafür unseren Herrn. Ja fürwahr, wer in der Tugend fest gegründet ist, dem vermögen die Prüfungen wenig zu schaden. Ich lobte Gott, als er sich endlich würdigte, uns aus diesem Weg herauszuführen.

16. Wir kamen am Vorabend des Festes des heiligen Bartholomäus im Kloster zum heiligen Joseph in Segovia an, wo unsere Schwestern uns mit Schmerzen erwartet hatten, weil wir so lange ausblieben; wir hatten uns nämlich wegen des schlechten Weges gar arg verspätet. Dort wurden wir wieder erquickt; denn Gott schickt mir nie eine Trübsal, ohne sie mir gleich wieder zu vergelten. Ich ruhte dortselbst acht Tage lang oder etwas länger aus. Diese Stiftung von Soria ging so ganz ohne Mühe vor sich, dass die kleinen Vorfälle kaum der Erwähnung wert sind, weil sie nur von geringer Bedeutung waren. Ich kam ganz vergnügt (nach Ávila) zurück, weil nach meinem Dafürhalten durch die Stiftung in Soria dem barmherzigen Gott, wie ich hoffe, ein besonderer Dienst erwiesen wurde; dies tritt auch jetzt schon zutage. Er sei immerdar gelobt und gepriesen von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen. Gott sei Dank!

Einunddreißigstes Hauptstück

Stiftung des Klosters zum glorreichen heiligen Joseph und zur heiligen Anna in der Stadt Burgos; die erste heilige Messe wurde am 19. April des Jahres 1582, am ersten Sonntag nach Ostern, gelesen.

1. Bereits vor mehr als sechs Jahren hatten einige ältere Väter der Gesellschaft Jesu, die sich durch Gottinnigkeit, Gelehrsamkeit, Erfahrung und Verständnis des geistlichen Lebens besonders auszeichneten, mir nahegelegt, dass es sehr zur Ehre Gottes gereichen werde, wenn in Burgos ein Kloster unseres heiligen Ordens errichtet würde. Sie gaben einige Gründe hiefür an, die mich bewogen, den gleichen Wunsch zu hegen. Wegen der vielen Widerwärtigkeiten, die unseren Orden trafen, und wegen anderer Stiftungen war aber dieser Plan bisher nicht zur Verwirklichung gekommen. Im Jahre 1580 befand ich mich gerade in Valladolid, als der neuernannte Erzbischof von Burgos durchreiste; er kam von Canaria, wo er zuvor Bischof gewesen war. Ich ersuchte den Bischof von Palencia, Don Alvaro de Mendoza, er möge mir die Erlaubnis erwirken, in Burgos ein Kloster stiften zu dürfen. Von diesem Bischof habe ich bereits berichtet, dass er unseren Orden so sehr begünstigte; er war der erste, der das Kloster zum heiligen Joseph in Ávila als dortiger Bischof unter seine Jurisdiktion nahm. Auch später hat er uns stets alles Gute erwiesen und sich der Angelegenheiten unseres Ordens so angenommen, als ob sie seine eigenen wären, besonders wenn ich ihn darum bitte. Dies war auch jetzt wieder der Fall, da er sehr gerne auf meine Bitte einging und mir versprach, um die erwünschte Erlaubnis anzuhalten. Denn er hat die Ansicht, dass in diesen Klöstern unserem Herrn eifrig gedient wird, und so freut es ihn sehr, wenn ein neues errichtet wird.

2. Der Erzbischof wollte die Stadt Valladolid nicht betreten, sondern stieg im Hieronymitenkloster ab, wo ihn der Bischof von Palencia sehr festlich empfing und ihm das Pallium gab oder eine andere mir unbekannte Zeremonie vornahm, die durch einen Bischof geschehen musste. Hierauf nahmen beide die Mahlzeit ein. Hier nun bat er den Erzbischof um die Erlaubnis zu einer Klosterstiftung. Er erwiderte, dass er sie sehr gerne geben werde, weil er schon in Canaria den Wunsch gehegt, ein solches Kloster zu haben; er wisse, wie sehr man in diesen Klöstern dem Herrn diene. Denn auch in seiner Vaterstadt befände sich ein solches, und er kenne mich sehr gut. Daher sagte mir der Bischof, dass ich in Bezug auf die Erlaubnis keine Angst haben sollte, weil der Erzbischof darüber eine große Freude geäußert habe. Da das Konzil nicht verlange, dass diese Erlaubnis schriftlich gegeben werde, sondern nur mit Zustimmung des Bischofs, so könnte man sie als gegeben erachten.

3. Im Berichte über die vorhergehende Stiftung zu Palencia erwähnte ich bereits, welch großen Widerwillen ich zu jener Zeit zum Klosterstiften hatte, weil ich damals eine schwere Krankheit durchmachen musste, bei der man mich schon fast aufgegeben hatte; überdies war ich noch nicht ganz davon genesen. Sonst pflegt so etwas bei mir nicht vorzukommen, wenn ich sehe, dass die Ehre Gottes gefördert wird; darum begreife ich nicht, was die Ursache meiner damaligen Unlust war. Wäre der Mangel an Geldmitteln daran schuld gewesen, so hatte ich bei anderen Stiftungen noch weniger; nachdem ich aber den Erfolg sah, wurde mir klar, dass der Teufel die Schuld daran trug, und so geschieht es gewöhnlich, dass unser Herr, der meine Armseligkeit kennt, mir immer durch Wort und Tat beisteht, wenn ich bei einer Stiftung besondere Beschwerden auf mich nehmen muss. Dagegen habe ich schon oft die Wahrnehmung gemacht, dass mir die göttliche Majestät bei einigen Stiftungen, die mir keine Mühe machten, auch keine Andeutung gab. Damals nun, als es sich nebst der Stiftung von Palencia auch um die zu Burgos handelte, stärkte mich der Herr alsbald, weil er wusste, wie viel wir dort auszustehen hatten. Er sei gepriesen für alles! Wie ich bei der Stiftung von Palencia angedeutet habe, sprach der Herr in zurechtweisendem Tone zu mir: »Was fürchtest du? Wann habe ich dich verlassen? Ich bin es selbst, unterlasse nicht, diese beiden Stiftungen vorzunehmen!« Mit welchem Mut mich diese Worte erfüllten, habe ich bereits oben erwähnt, und so ist es nicht nötig, dies nochmals zu wiederholen. Alsbald war alle Trägheit von mir gewichen, woraus hervorgeht, dass weder die Krankheit noch das Alter daran schuld waren. So begann ich denn, wie gesagt, wegen beider Klöster in Unterhandlung zu treten.

4. Es schien aber am besten, zuerst die Stiftung in Palencia vorzunehmen, weil es mehr in der Nähe lag, weil das Wetter rauh war und Burgos ein kaltes Klima besitzt. Auch machten wir dadurch dem guten Bischof von Palencia Freude, und so geschah denn, was ich bereits berichtet habe. Da sich nun während meines Aufenthaltes in Palencia Gelegenheit zur Stiftung in Soria bot und dort schon alles vorbereitet war, so schien es besser zu sein, zunächst dorthin und von da nach Burgos zu gehen. Der Bischof von Palencia war der Meinung - ich bat ihn auch darum -, dass es gut sei, den Erzbischof von den Vorgängen in Kenntnis zu setzen. Er sandte denn auch, nachdem ich nach Soria abgereist war, einen Kanonikus, namens Johannes Alphonsus, zu diesem Zwecke an den Erzbischof. Dieser schrieb mir in überaus freundlicher Weise, wie sehr er meine Ankunft wünsche. Er besprach sich mit dem Kanonikus und schrieb an den Bischof von Palencia, er wolle die Sache ihm anheimstellen; was er tue, geschehe, weil er die Stadt Burgos kenne, deren Zustimmung erforderlich sei. Kurz, das Ergebnis war, ich möchte nach Burgos kommen und zunächst mit der Stadtbehörde unterhandeln. Gäbe sie die Erlaubnis nicht, so könne sie doch ihm die Hände nicht binden, dass er sie mir gebe. Er sei bei der ersten Klosterstiftung in Ávila gewesen und erinnere sich (noch) sehr gut an den Tumult und Widerstand, den diese hervorgerufen habe; deshalb wolle er hier vorbeugen. Denn es sei nicht ratsam, ein Kloster ohne Einkünfte zu stiften, außer mit Zustimmung der Stadtbehörde. Anders zu handeln, wäre nicht gut für mich, weswegen er mich davon in Kenntnis setze.

5. Der Bischof hielt die Sache für abgemacht, und dies mit Recht, weil man mich nach Burgos kommen hieß, und er ließ mir sagen, wir möchten uns dorthin begeben. Mir aber schien, dass dem Erzbischof die Lust etwas vergangen sei. Ich schrieb ihm, dankte ihm für die Gnade, die er mir erwiesen, bemerkte aber, dass es meines Erachtens schlimmer sei, das Kloster wider Willen als ohne Wissen der Stadtbehörde zu gründen, weil ich dadurch Seine Gnaden in noch größere Verlegenheit bringen würde. Wie mir scheint, ahnte ich, wie wenig ich mich auf ihn verlassen konnte, falls sich, nachdem ich um Erlaubnis gebeten, irgendein Widerspruch erheben würde. Auch hielt ich die Sache für schwierig wegen der widersprechenden Meinungen, die bei derlei Gelegenheiten zutage treten. Ich schrieb auch an den Bischof von Palencia und bat ihn, die Sache für jetzt beruhen zu lassen, weil der Sommer schon zur Neige ginge und meine Kränklichkeit für einen Aufenthalt an einem so kalten Orte zu groß sei. Einen Zweifel über die Gesinnung des Erzbischofs äußerte ich jedoch nicht, weil es ihm selber sehr unangenehm war, dass der Erzbischof Schwierigkeiten machte, nachdem er zuvor sich so willfährig gegen ihn gezeigt hatte; auch wollte ich keine Uneinigkeit zwischen ihnen hervorrufen, da sie befreundet sind. Ich reiste also von Soria nach Ávila, ohne im geringsten im Sinne zu haben, dass ich so bald dahin kommen würde; gerade damals war aber mein Besuch in jenem Kloster zum heiligen Joseph in Ávila gewisser Ursachen wegen dringend notwendig.

6. Hier in der Stadt Burgos lebte eine fromme Witwe, namens Katharina de Tolosa, die aus Biscaya gebürtig war. Wenn ich von ihren Tugenden, von ihrer Bußfertigkeit und ihrem Gebetsleben, von ihrer großen Freigebigkeit und Nächstenliebe, von ihrem hohen Verständnis und ihrem Mute erzählen wollte, so müsste ich sehr weitläufig werden. Diese Dame hatte vor etwa vier Jahren zwei Töchter in das Kloster zur Empfängnis unserer Lieben Frau in Valladolid gebracht, und nach Palencia, auf dessen Stiftung sie gewartet, gab sie zwei andere, die sie dorthin führte, bevor ich von dieser Stiftung zurückkehrte. Alle vier, von einer vortrefflichen Mutter erzogen, waren so gut geraten, dass sie Engel zu sein scheinen. Sie gab ihnen eine gute Aussteuer und versah sie reichlich mit allem; denn das ist ganz ihre Art; alles, was sie tut, vollbringt sie auf vollkommene Weise, und sie vermag es auch, da sie reich ist.

7. Als ich nach Palencia kam, hielten wir die Erlaubnis des Erzbischofs zur Stiftung des Klosters in Burgos für so gewiss, dass wir meinten, es sei nicht daran zu zweifeln. Daher ersuchte ich die genannte Witwe, mir ein Haus zur Miete ausfindig zu machen, um es in Besitz zu nehmen, ebenso die Gitter und eine Winde auf meine Rechnung anfertigen zu lassen. Dabei kam mir nicht in den Sinn, dass sie selbst die Auslagen bezahlen sollte, sondern ich wollte nur, sie möchte mir das Geld hiezu borgen. Sie hatte ein solches Verlangen nach der Stiftung, dass sie es damals sehr schmerzlich empfand, als sie vorläufig unterbleiben musste. Als ich nun, wie gesagt, nach Ávila zurückgekommen war und gar nicht daran dachte, die Sache weiter zu betreiben, ließ sie dennoch nicht nach. In der Meinung, es fehle sonst nichts, als die Einwilligung der Stadtbehörde, gab sie sich Mühe, diese zu erlagen, ohne mir etwas davon zu sagen. Sie hatte zwei Nachbarinnen, Mutter und Tochter, vornehme Damen und eifrige Dienerinnen Gottes, die die Stiftung auch sehnlichst wünschten. Die Mutter hieß Doña Maria Manrique, die Tochter Doña Katharina. Ein Sohn der Doña Maria, Don Alfons vom hl. Dominikus Manrique, war Ratsherr. Beide baten diesen, er möge die erwünschte Erlaubnis beim Magistrate erwirken. Don Alfons sprach nun mit Katharina de Tolosa und fragte sie, welchen Stiftungsfonds er in unserem Namen angeben dürfe, da ohne einen solchen der Magistrat sich auf nichts einlassen würde. Sie gab ihm zur Antwort, dass sie sich - was sie wirklich tat - verpflichten würde, uns das Haus und den nötigen Unterhalt zu geben, wenn es daran fehlen sollte, und um dies zu bekräftigen, reichte sie eine mit ihrem eigenen Namen unterschriebene Bittschrift ein. Don Alfons betrieb die Angelegenheit so geschickt, dass er die Erlaubnis von allen Ratsherren erlangte. Darauf begab er sich zum Erzbischof und überbrachte ihm diese schriftlich. Gleich nachdem die Unterhandlungen begonnen hatten, teilte Doña Katharina de Tolosa mir mit, wie sehr sie sich (um die Stiftung) bemühe. Ich hielt das für Scherz; denn ich weiß, wie ungern man arme Klöster zulässt; und da ich weder wusste noch auch im geringsten daran dachte, dass sie sich zu dem, was sie tat, verpflichten würde, so meinte ich, es sei noch viel mehr erforderlich.

8. Desungeachtet empfahl ich, als ich mich an einem Tage der Oktav des heiligen Martin im Gebete befand, diese Angelegenheit unserem Herrn und überlegte, was wohl zu tun sei, wenn die Erlaubnis gegeben würde. Denn selbst nach Burgos zu gehen bei den vielen Krankheiten, die die damalige große Kälte noch verschlimmern konnte, schien mir nicht statthaft; auch hielt ich es für Verwegenheit, einen so weiten Weg zu machen, nachdem ich eben erst von der so beschwerlichen Reise von Soria, von der ich berichtet, zurückgekommen war. Auch der Pater Provinzial würde es nicht gestattet haben. Ich dachte mir, es könnte die Priorin von Palencia sich dorthin begeben; denn wenn alles in Ordnung wäre, würde es nicht viel zu tun geben. Als ich mir dies so überlegte und schon fast entschlossen war, diese Reise nicht zu unternehmen, da sprach der Herr folgende Worte zu mir, aus denen ich erkannte, dass die Erlaubnis des Stadtrates bereits gegeben sei: »Achte diese Kälte nicht, denn ich bin die wahre Wärme. Der Teufel bietet alle seine Kräfte auf, um diese Stiftung zu verhindern; setze du die deinen für mich ein, damit sie zustande komme, und unterlasse nicht, selbst hinzureisen, weil dies von großem Nutzen sein wird.«

9. Auf diese Worte hin änderte sich meine Meinung wieder; denn obschon sich die Natur manchmal gegen schwierige Dinge sträubt, so bleibt doch der feste Wille, für diesen großen Gott zu leiden. Deshalb sprach ich auch zum Herrn, er möge auf diese Empfindlichkeit meiner schwachen Natur keine Rücksicht nehmen, sondern mir nur befehlen, was ihm gefalle; denn gestützt auf seine Hilfe würde ich nicht unterlassen, es auszuführen. Es fiel damals Schnee; aber was mich am zaghaftesten machte, war meine schwache Gesundheit. Wäre ich gesund gewesen, so würde ich nach meiner Ansicht das alles für nichts geachtet haben. Dieser schlimme Gesundheitszustand hat mich bei dieser Stiftung fast immer gequält; die Kälte aber war wenigstens meiner Empfindung nach so unbedeutend, dass es mir wirklich vorkam, als hätte ich sie zu Toledo ebensosehr empfunden. In dieser Beziehung hat der Herr sein gegebenes Wort überaus getreu gehalten.

10. Wenige Tage darauf wurde mir die Genehmigung der Stadtbehörde mit Briefen der Katharina de Tolosa und ihrer Freundin, Doña Katharina (Manrique), übersandt, worin sie mich zu großer Eile mahnten, da sie fürchteten, es möchte irgend etwas dazwischen kommen. Denn um dieselbe Zeit waren auch Viktorianer dorthin gekommen, um ein Kloster zu stiften. Ebenso hatten sich die beschuhten Karmeliten lange bemüht, dort eine Stiftung in die Wege zu leiten. Nachher kamen auch noch die Basilianer. Obwohl das gleichzeitige Zusammentreffen so vieler Orden für unsere Stiftung ein Hindernis war, so hatten wir doch Grund genug, unseren Herrn für die große Liebe dieser Stadt zu lobpreisen, die da alle mit großer Freude aufnahm, obwohl sie sich nicht mehr des früheren Wohlstandes erfreute. Stets hatte ich die christliche Liebe dieser Stadt rühmen hören; allein ich glaubte nicht, dass diese so groß wäre. Die einen waren diesem, die anderen jenem Orden geneigt, allein der Erzbischof erwog alle Ungelegenheiten, die aus der Zulassung so vieler Orden entstehen könnten, und erklärte sich dagegen, weil er der Ansicht war, es geschehe dadurch den anderen armen Klöstern ein Eintrag, so dass sie sich nicht erhalten könnten. Vielleicht kamen diese selbst zu ihm, oder vielleicht war es eine Erfindung des Teufels, um die große Wohltat zu verhindern, die Gott einem Orte dadurch erweist, dass er dort viele Klöster entstehen lässt; denn er ist mächtig genug und vermag ebenso leicht viele als wenige zu erhalten.

11. Dies war die Veranlassung, weshalb diese frommen Frauen so sehr zur Eile drängten; so viel an mir lag, hätte ich mich sogleich aufgemacht, wenn nicht noch andere Geschäfte zu erledigen gewesen wären. Ich erkannte wohl, dass ich vielmehr verpflichtet war, die günstige Gelegenheit nicht zu versäumen, als jene (Frauen), die ich mit so viel Eifer sich der Sache annehmen sah. Nach den Worten, die ich (vom Herrn) vernommen, war ein heftiger Widerstand zu erwarten, allein ich konnte nicht begreifen, von wem und woher. Katharina de Tolosa hatte mir bereits geschrieben, die Besitznahme des Hauses, in dem sie wohne, sei sicher, Stadt und Erzbischof wären einverstanden. Ich konnte also nicht verstehen, von wem der Widerspruch ausgehen sollte, den die bösen Geister erregen wollten; ich zweifelte aber nicht daran, dass die Worte, die ich vernommen, von Gott seien. Doch Seine Majestät gibt den geistlichen Vorstehern mehr Licht, und so war es auch hier der Fall. Als ich dem Pater Provinzial von meiner Reise und von dem, was ich darüber vernommen, schrieb, hinderte er mich zwar nicht, aber er fragte mich, ob ich die Erlaubnis vom Erzbischof schriftlich erhalten hätte. Ich erwiderte, dass man mir von Burgos geschrieben habe, es sei mit ihm verhandelt worden, als man um die Bewilligung der Stadtbehörde nachsuchte, und er habe seine Genehmigung gegeben. Darnach und nach allen seinen bisherigen Äußerungen über diese Angelegenheit scheine es, dass man nicht mehr zweifeln dürfe.

12. Der Pater Provinzial wollte uns zu dieser Stiftung selbst begleiten, einerseits weil er damals nicht besonders beschäftigt war; die Adventspredigten waren bereits beendet, und er wollte in Soria Visitation halten, da er das Kloster seit der Stiftung nicht gesehen hatte und der Umweg auch nicht gar groß war. Andererseits aber wollte er unterwegs für meine Gesundheit Sorge tragen, weil das Wetter sehr schlecht war und ich so alt und kränklich bin; denn man meinte, es liege etwas an meinem Leben. Gewiss war es aber eine Fügung Gottes; die Wege waren wegen des vielen Regens in einem solchen Zustande, dass seine und seiner Begleiter Anwesenheit überaus nötig war, um achtzugeben, wie man durchkommen konnte, und um die Wagen aus den Sümpfen mit herausheben zu helfen, besonders zwischen Palencia und Burgos; ja, es erschien als ein großes Wagestück, uns um diese Zeit überhaupt auf die Reise zu begeben. Freilich hatte unser Herr zu mir gesagt: wir könnten gehen, ich sollte mich nicht fürchten, er würde bei uns sein; allein ich hatte dies damals dem Pater Provinzial noch nicht mitgeteilt. Ich empfand indes darin Trost bei den großen Beschwerden und Gefahren, in die wir namentlich bei einem Übergang bei Burgos, bei der sogenannten Schiffbrücke, gerieten. Der Regen war so reichlich gefallen und hatte so lange angehalten, dass die Wasser die Brücke überfluteten und man sie nicht mehr sah und auch nicht wusste, wo man fahren sollte. Alles war unter Wasser und auf beiden Seiten eine große Tiefe. Kurz, es war eine große Vermessenheit, sich dort besonders mit Fuhrwerk hinüberzuwagen. Bei der geringsten Abweichung wäre alles verloren gewesen, wie denn auch einer der Wagen in Gefahr geriet.

13. Wir hatten zwar in einem vor dieser Brücke gelegenen Wirtshaus einen Führer genommen, der diesen Übergang genau kannte, aber trotzdem war er sehr gefahrvoll. Ach und die Herbergen! … Infolge der schlechten Wege konnte man die gewohnten Tagereisen nicht machen, um zu besseren zu gelangen. Da die Karren gewöhnlich im Kote stecken blieben und die Zugtiere von dem einen an den anderen gespannt werden mussten, um sie wieder herauszuziehen, so haben die Väter, die mit uns reisten, vieles durchmachen müssen, zumal wir gerade ein paar junge Wagenführer hatten, die wenig achtgaben. Die Gegenwart des Paters Provinzial verschaffte uns große Erleichterung; er achtete auf alles und blieb dabei so ruhig, dass es schien, als ob die Beschwerden ihn gar nicht angreifen würden. So machte er alles Schwere leicht, so dass es uns gering vorkam; das war jedoch nicht der Fall an der Schiffbrücke, wo uns überaus große Furcht befiel. Denn sich gleichsam in einem Meer ohne Weg und ohne Nachen zu sehen, das war furchterregend sogar für mich, die ich von unserem Herrn doch so sehr gestärkt worden war. Wie mochte da wohl meinen Gefährtinnen zu Mute gewesen sein?

14. Auf dieser Reise waren unser acht (Nonnen): zwei sollten mit mir wieder zurückkehren und fünf in Burgos bleiben, vier Chorschwestern und eine Laienschwester. Ich glaube, den Namen des Paters Provinzial noch nicht angegeben zu haben, er heißt Pater Hieronymus Gracián von der Mutter Gottes, den ich schon anderswo erwähnt habe. Ich hatte auf der Reise ein schmerzliches Halsübel, das mich unterwegs befallen hatte, als wir in Valladolid ankamen, ohne dass mich dabei das Fieber verließ. Die Größe dieses Schmerzes war wohl Ursache, dass ich mich über die glücklichen Ereignisse dieses Tages nicht so sehr freuen konnte. Dieses Halsübel dauerte fort bis jetzt, Ende Juni, wenn auch nicht so heftig, so doch schmerzhaft genug. Alle Schwestern waren vergnügt auf der Reise; wenn wir eine Gefahr überstanden hatten, machte es uns Freude, davon zu sprechen. Es ist etwas Großes, aus Gehorsam zu leiden, wenn dieser so zur Gewohnheit geworden ist wie bei diesen Schwestern.

15. Auf solch schlechten Wegen gelangten wir also nach Burgos, mussten aber am Eingange in die Stadt durch einen breiten Fluss. Nach dem Wunsche unseres Paters Provinzial besuchten wir zuerst das heilige Kruzifix, um dem Herrn unsere Angelegenheit zu empfehlen und den Anbruch der Nacht zu erwarten, weil es noch ziemlich frühe war. Am 26. Januar, an einem Freitag, einen Tag nach dem Feste der Pauli Bekehrung, kamen wir an. Wir hatten den Entschluss gefasst, die Stiftung allsogleich vorzunehmen. Ich brachte viele Briefe vom Kanonikus Salinas mit - ich habe diesen schon bei der Stiftung von Palencia erwähnt und hier hat er sich ebenso viele Mühe kosten lassen - sowie auch von anderen vornehmen Personen an ihre Verwandten, damit diese unsere Angelegenheit begünstigten, und endlich an andere Freunde, denen sie sehr ans Herz gelegt wurde. Dies erfüllten sie denn auch, da sie alle gleich am folgenden Tage mich besuchten. Auch seitens der Stadtbehörde ließ man uns sagen, dass man die Zusage (zur Gründung) keineswegs bereue, sondern sich viel mehr freue, dass ich gekommen sei; ich sollte nur angeben, womit man mir einen Gefallen erweisen könne. Da wir nur in Hinsicht auf die Stadtbehörde einige Besorgnis gehabt hatten, so glaubten wir jetzt, es seien nun alle Wege geebnet. Zwar dachten wir daran, dem Erzbischof Anzeige zu machen, damit noch vor dem Bekanntwerden unserer Ankunft die erste Messe gelesen werde, wie es an den meisten Orten geschah; allein da wir so durchnäßt im Hause der guten Katharina de Tolosa ankamen, so unterblieb es.

16. Wir ruhten jene Nacht aus und wurden von dieser frommen Frau gut bewirtet; freilich wurde es mir sehr beschwerlich, weil man ein großes Feuer angezündet hatte, um unsere Kleider zu trocknen. Obwohl es sich unter einem Kamin befand, so bekam es mir doch so schlecht, dass ich am anderen Tage den Kopf nicht erheben konnte. Liegend musste ich mit denen, die mich besuchten, durch ein vergittertes Fenster reden, das wir mit einem Vorhange bedeckt hatten. Dieses Übel war um so peinlicher, weil ich gerade an diesem Tage notwendigerweise Geschäfte zu erledigen hatte.

17. Gleich am frühen Morgen begab sich der Pater Provinzial zum Erzbischof, um seinen Segen zu erbitten; denn wir meinten, es sei weiter nichts notwendig. Er fand ihn so unwillig und erzürnt darüber, dass ich ohne seine Erlaubnis gekommen sei, gleich als ob er mir nicht dazu den Auftrag gegeben hätte und mit ihm über die Sache gar nicht verhandelt worden wäre. Er sprach sich dem Pater Provinzial gegenüber höchst unwillig über mich aus. Wenn er auch zugab, mich selbst hierher befohlen zu haben, so habe er doch (wie er bemerkte) nur gemeint, ich sollte allein kommen, um mit ihm zu verhandeln, und nun käme ich mit so vielen Nonnen. Gott bewahre uns vor dem Verdrusse, den ich ihm bereitete!

18. Der Provinzial bemerkte nun ihm gegenüber, dass die Angelegenheit mit der Stadtbehörde, wie er es verlangte, bereits erledigt sei und es nichts mehr zu verhandeln gebe als die Gründung vorzunehmen. Auch wies er darauf hin, dass der Bischof von Palencia auf meine Anfrage, ob es gut sei, die Reise, ohne es Seiner Gnaden bekanntzugeben, zu unternehmen, bestimmt erklärt habe, es sei das nicht notwendig, denn der Erzbischof hätte bereits seinen Wunsch darüber geäußert. Aber es half wenig, obwohl alles in der erwähnten Form vor sich gegangen ist. Es war nun einmal Gottes Wille, dass das Kloster auf diese Weise gegründet werden sollte, was auch der Erzbischof später selbst bekannte. Hätten wir ihn aber vollkommen aufgeklärt, so würde er gesagt haben, wir sollten nicht kommen. Er entließ nun den Pater Provinzial mit dem Bescheide, dass er, sofern wir keine Einkünfte und kein eigenes Haus hätten, durchaus die Erlaubnis nicht erteilen werde, wir könnten dann wieder hingehen, woher wir gekommen … Nun dazu waren ja die Wege recht schön und das Wetter geeignet! …

19. Ach, mein Herr, wie wahr ist es doch, dass du jene, die dir einen Dienst erweisen, alsbald mit einer großen Trübsal belohnst! Welch unschätzbarer Lohn wäre dies für jene, die dich wahrhaft lieben, wenn sie gleich deren Wert begreifen würden! Aber damals wollten wir einen solchen Gewinn nicht, weil er alles unmöglich zu machen schien; denn es hieß sogar noch, dass das Einkommen und das Geld für den Kauf des Hauses nicht von der Mitgift der Nonnen genommen werden durfte. Da wir uns nun nicht denken konnten, woher wir sonst, besonders in der jetzigen Zeit, die Mittel nehmen sollten, so konnte man wohl einsehen, dass uns keine Hilfe zu Gebote stehe. Mir wollte dies indes nicht einleuchten, und ich war immer überzeugt, dass alles zu unserem Besten geschehe und es nur Ränke des Teufels seien, um die Stiftung des Klosters zu hintertreiben, dass aber Gott sein Werk vollenden werde. Mit dieser Antwort kam der Pater Provinzial ganz fröhlich zurück und verlor die Fassung nicht. Gott hatte es so zugelassen, damit er nicht auch über mich verdrießlich wurde, weil ich mir nicht, wie er gesagt, die Erlaubnis schriftlich hatte geben lassen.

20. Von den Freunden, die geschrieben hatten, war, wie schon erwähnt, der Kanonikus Salinas bei mir gewesen, und auch dieser und seine Verwandten kamen alsbald. Sie meinten, man sollte vom Erzbischof die Erlaubnis erbitten, im Hause, das wir bewohnten, Messe lesen zu dürfen, damit wir nicht über die Straße gehen müssten; es lag nämlich viel Kot, und für unbeschuhte (Karmelitinnen) schickt es sich auch anscheinend nicht. In diesem Hause befand sich ein passender Saal, der den Jesuiten als Kapelle gedient hatte, als sie nach Burgos kamen, und den sie mehr als zehn Jahre benutzt hatten. Wir glaubten auch, mit dieser Erlaubnis ohne Anstand hier Besitz nehmen zu können, bis wir ein Haus bekommen würden.

21. Indes konnte man beim Erzbischof nicht so viel erreichen, dass er uns hier die Messe zu hören gestattete, obwohl zwei Kanoniker sich zu ihm begeben und ihn darum gebeten hatten. Alles, was man erlangen konnte, bestand darin, dass wir, wenn wir im Besitze eines gesicherten Einkommens wären, die Stiftung an diesem Orte vornehmen könnten, bis wir ein eigenes Haus hätten. Für diesen Zweck sollten Bürgen gestellt werden sowie auch für den Kauf eines Hauses und für unseren Auszug aus der jetzigen Wohnung. Solche Bürgen fanden sich alsbald; die Freunde des Kanonikus Salinas erboten sich sogleich dazu, und Katharina de Tolosa wollte für das Einkommen Sorge tragen, damit die Stiftung vorgenommen werden könnte. Während man über das Wieviel, Wie und Woher verhandelte, verflossen mehr als drei Wochen, und wir hörten inzwischen nur an den Festtagen in aller Frühe die heilige Messe; dabei hatte ich Fieber und befand mich sehr unwohl. Katharina de Tolosa war so edelmütig, dass ich sehr gut gepflegt wurde; mit aller Bereitwilligkeit verschaffte sie uns allen, gleich als ob sie unsere Mutter gewesen wäre, einen Monat lang den Unterhalt; dabei waren wir in einem ganz abgesonderten Teile ihres Hauses. Der Pater Provinzial und seine Gefährten wohnten im Hause eines seiner Freunde, des Doktor Manso, der Kanonikus und Prediger an der Domkirche war; beide waren miteinander in einem Kollegium gewesen. Der Provinzial war tief bekümmert, dass er so lange hingehalten wurde, und wusste nicht, wie er von uns wegkommen konnte.

22. Als nun die Angelegenheit mit den Bürgen und dem Einkommen geregelt war, wies uns der Erzbischof an seinen Generalvikar, damit sie schnell erledigt würde. Der Teufel hat es nun wohl nicht unterlassen, sich an diesen heranzumachen. Nachdem nämlich alles genau erwogen worden und wir bereits der Meinung waren, es könnte nun keine Verzögerung mehr stattfinden, nachdem ferner beinahe ein Monat verstrichen war, bis wir den Erzbischof mit den Verhandlungen zufriedengestellt hatten, übersandte mir der Generalvikar ein Schreiben des Inhalts, dass die Erlaubnis nicht eher würde gegeben werden, als bis wir ein eigenes Haus hätten; der Erzbischof wolle nicht, dass wir die Gründung in dem Hause vornehmen würden, in dem wir uns jetzt befanden; es sei zu feucht, und der Lärm auf jener Straße zu groß. Dazu brachte er in Bezug auf das Vermögen und andere Dinge, ich weiß nicht was für Bedenken vor, als finge man eben erst an, über die Sache zu verhandeln. Es sei dagegen keine Widerrede zulässig und das Haus müsse zur Zufriedenheit des Erzbischofs ausfallen.

23. Bei dieser Nachricht wurden der Pater Provinzial und auch die übrigen sehr unwillig, wenn es auch leicht begreiflich ist, dass zum Erwerbe eines Platzes für ein Kloster viel Zeit vonnöten ist; dazu war er schon so gedrückt darüber, dass er uns zur heiligen Messe ausgehen sehen musste. Wenn auch die Kirche in der Nähe lag und wir die Messe in einer Kapelle hörten, wo uns niemand sah, so war es doch für ihn und uns sehr peinlich, dass das Ausgehen so lange währte. Wie ich glaube, war er damals schon der Meinung, uns zurückkehren zu lassen. Dazu konnte ich mich aber nicht entschließen, da die Worte des Herrn, ich sollte die Sache für ihn betreiben, noch in meinem Gedächtnis lagen; darum hielt ich auch das Zustandekommen für so gewiss, dass ich fast um nichts bekümmert war. Mich schmerzte nur der Kummer des Paters Provinzial, und es tat mir sehr leid, dass er mit uns gereist war, weil ich eben noch nicht wusste, wie nützlich uns seine Freunde sein sollten, von denen ich später erzählen werde. Während ich mich in dieser Betrübnis befand - meine Gefährtinnen waren noch trostloser, über die ich aber nicht so bekümmert war als der Provinzial - , sprach unser Herr, ohne dass ich mich im Gebete befand, folgende Worte zu mir: »Theresia, jetzt sei standhaft.« Hierauf redete ich dem Pater Provinzial noch mit mehr Mut zu - Seine Majestät mochte es ihm wohl auch nahegelegt haben -, sich zu entfernen und uns hier zu lassen; denn die Fastenzeit war nahe, und er musste notwendigerweise abreisen, um anderwärts zu predigen.

24. Er und seine Freunde hatten es unterdessen erwirkt, dass man uns im Hospitale zur Empfängnis einige Zimmer einräumte; hier wurde das heilige Sakrament aufbewahrt und täglich die Messe gelesen. Dies stellte ihn wieder etwas zufrieden; jedoch mussten wir nicht wenig durchmachen, bis die Übergabe der Zimmer erfolgte. Denn ein gutes Zimmer, das sich dort befand, hatte eine Witwe von hier gemietet; obwohl sie es erst nach einem halben Jahre beziehen sollte, so wollte sie es uns doch nicht übergeben. Sie war sogar sehr ungehalten darüber, dass man uns einige Kammern am Boden unter dem Dache einräumen wollte, von denen eine den Ausgang auf ihr Zimmer hatte. Sie begnügte sich nicht damit, von außen mit dem Schlüssel abzuschließen, sondern schlug auch noch von innen Nägel ein. Außerdem meinten auch die Vorstände der Bruderschaft, wir wollten uns das Spital zu eigen machen, was wir aber nicht im Sinne hatten. Gott wollte nur, dass wir uns um so mehr Verdienste sammeln sollten. Man drang darauf, dass der Pater Provinzial und ich vor einem Notar die Erklärung abgeben mussten, sogleich wieder auszuziehen, wenn man es uns befehlen würde. Dies war mir am schmerzlichsten; denn ich fürchtete, die Witwe, die reich war und Anverwandte hatte, möchte uns befehlen, wieder auszuziehen, wann es ihr in den Sinn käme. Aber der Pater Provinzial, der mehr Einsicht hatte, wünschte, wir sollten tun, was sie begehrten, damit wir sobald als möglich einziehen könnten. Man räumte uns aber nur zwei Zimmer und eine Küche ein. Der Verwalter des Hospitals, namens Ferdinand de Matanza, war aber ein eifriger Diener Gottes; er gab uns noch zwei Räume für ein Sprechzimmer und erwies uns auch sonst viel Liebe, wie er sie gegen alle an den Tag legt; besonders erweist er den Armen viel Gutes. Auch Franziskus de Cuevas, Oberpostmeister dahier, der für das Hospital große Sorge trägt, erwies uns viele Wohltaten; wo immer sich eine Gelegenheit bot, stand er uns bei.

25. Ich nenne diese anfänglichen Wohltäter, damit die gegenwärtigen und zukünftigen Nonnen ihrer, wie es sich gebührt, im Gebete eingedenk sind. Dies schuldet man noch mehr den Stiftern. Obwohl ich es anfänglich nicht beabsichtigte und auch nicht daran dachte, dass Katharina de Tolosa Stifterin sein werde, so hat sie es doch durch ihren frommen Lebenswandel bei unserem Herrn verdient, der alles so fügte, dass man ihr diesen Namen nicht verweigern kann. Denn abgesehen davon, dass sie uns das jetzige Haus bezahlte, wozu wir keine Mittel gehabt hätten, lässt es sich nicht beschreiben, was sie durch all diese abweisenden Antworten des Erzbischofs ausgestanden hat. Der Gedanke, die Sache werde nicht zustande kommen, vergrößerte ihre Betrübnis in hohem Grade; aber niemals ermüdete sie, uns Gutes zu erweisen. Das Hospital war weit entfernt von ihrem Hause, und doch besuchte sie uns mit großer Freude jeden Tag; sie schickte alles, was wir bedurften, obgleich sie beständig mit üblen Nachreden verfolgt wurde, die hinreichend gewesen wären, alles aufzugeben, wenn sie nicht so beherzt gewesen wäre. Der Anblick dessen, was sie unseretwegen ausgestanden hatte, verursachte mir tiefen Schmerz; denn obwohl sie es meistens in sich verbarg, so konnte sie es doch zuweilen nicht verhehlen, besonders in Dingen, die ihr Gewissen betrafen. Sie hat ein so reines (Gewissen), dass ich niemals ein Wort von ihr vernommen habe, das eine Beleidigung Gottes gewesen wäre, obgleich ihr von einigen Personen viel Anlass zur Erbitterung gegeben wurde. Man sagte ihr, dass sie in die Hölle käme; wie sie doch, da sie selber Kinder habe, so etwas tun könne! Sie aber tat alles mit Genehmigung gelehrter Männer. Hätte sie etwas anderes tun wollen, als was erlaubt gewesen wäre, ich würde es um nichts in der Welt zugegeben haben, wenn auch dadurch die Stiftung von tausend Klöstern, geschweige denn von einem unterblieben wäre. Weil aber unsere Verhandlungen im geheimen geschahen, so wundert es mich nicht, dass man sich noch mehr dazu dachte. Sie nahm alles in Ruhe hin und antwortete immer mit der ihr eigenen Klugheit; man merkte wohl, dass Gott sie unterwies, mit Geschick die einen zufriedenzustellen und die anderen zu ertragen, und er ihr Mut verlieh, alles zu erdulden. O wieviel mehr Mut besitzen doch die Diener Gottes zu großen Unternehmungen als die Abkömmlinge vornehmer Geschlechter, wenn sie keine (Diener Gottes) sind! Indessen vereinigte Katharina mit ihrer Frömmigkeit den Adel des Geschlechtes, da sie aus sehr vornehmer Familie stammte.

26. Ich komme nun wieder auf den Gegenstand meiner Erzählung zurück. Als der Pater Provinzial uns an einem Orte sah, wo wir die Messe hören und die Klausur beobachten konnten, fasste er wieder Mut und begab sich nach Valladolid, wo er predigen musste. Er empfand indessen tiefe Betrübnis, den Erzbischof in einer Stimmung zu sehen, die nicht erwarten ließ, dass er die Erlaubnis geben würde. Wenn ich ihm auch immer Hoffnung machte, so konnte er es doch nicht glauben, und er hatte zu dieser Annahme Gründe genug, die ich aber hier nicht anzuführen brauche. Hatte er schon geringe Hoffnung, so besaßen seine Freunde, die ihm das Herz noch mehr beschwerten, viel weniger. Durch seine Abreise fühlte ich mich etwas erleichtert, da ich, wie schon erwähnt, am meisten über ihn bekümmert war. Er verließ uns mit dem Auftrag, uns ein eigenes Haus zu verschaffen; allein das war keine leichte Aufgabe, da bisher keines ausfindig zu machen war, das man hätte kaufen können.

27. Unsere Freunde, besonders die zwei des Paters Provinzial, waren jetzt um so mehr um uns besorgt und fest entschlossen, mit dem Erzbischof (über diese Angelegenheit) kein Wort mehr zu verlieren, bis wir ein Haus hätten. Dieser sagte immer, er wünsche die Stiftung mehr als irgend jemand - und ich glaube dies auch, da er überaus fromm und gut ist -, allein seine Werke ließen dies nicht erkennen, da er von uns Dinge verlangte, die unsere Fähigkeiten und Mittel zu überschreiten schienen. Es war dies offenbar ein Ränkespiel des Teufels, um das Werk zu hintertreiben. Aber, o Herr, wie offenbar tritt hier zutage, dass du allmächtig bist! Dieselben Mittel, die der böse Feind anwendete, um das Werk zu verderben, benütztest du zu dessen größerer Förderung. Sei dafür gepriesen in Ewigkeit!

28. Vom Vorabend des Festes des heiligen Matthias, an dem wir in das Spital einzogen, bis zum Vorabend des St.JosephsFestes unterhandelten wir bald wegen dieses, bald wegen jenes Hauses; allein es fand sich in jedem so viel Unpassendes, dass wir keines von denen, die verkäuflich waren, erwerben konnten. Man hatte mit mir von dem Hause eines Edelmannes gesprochen, das schon längere Zeit verkäuflich war. Obwohl schon viele Ordensleute in Burgos für sich ein Haus gesucht hatten, so fügte es Gott, dass ihnen dieses nicht gefiel, worüber sich jetzt alle wundern; einige von ihnen bereuen es auch. Von diesem Hause hatten schon zwei Personen mit mir gesprochen; allein da andere nur Übles davon zu berichten wussten, so dachte ich nicht mehr daran in der Überzeugung, dass es für uns nicht passe. Als ich mich eines Tages mit dem Lizentiaten Aguiar besprach, der, wie schon erwähnt, ein Freund unseres Paters Provinzial war und sich sehr viele Mühe gab, für uns ein Hans zu suchen, sagte er mir, er habe schon einige Häuser besichtigt, allein es finde sich in der ganzen Stadt kein geeignetes und es scheine nach Aussage der Leute unmöglich, ein solches ausfindig zu machen. Jetzt fiel mir das Haus (jenes Edelmannes) ein, das wir, wie gesagt, aufgegeben hatten. Obwohl man so viel Übles darüber sagte, so dachte ich mir doch, wir könnten uns einstweilen im Notfalle damit behelfen und es dann wieder verkaufen.

29. Ich fragte nun den Lizentiaten Aguiar, ob er nicht die Güte haben möchte, es zu besichtigen. Mein Plan schien ihm nicht übel; er hatte es noch nicht gesehen und wollte sich sogleich dorthin begeben, obwohl ein sehr stürmischer und kalter Tag war. Dem Inwohner des Hauses war es gar nicht recht, dass es verkauft werden sollte, und er wollte es ihm nicht zeigen; indessen war Aguiar schon mit der Lage des Hauses und mit dem, was er sehen konnte, sehr zufrieden, und so entschlossen wir uns, wegen des Kaufes zu unterhandeln. Der Edelmann, dem es gehörte, befand sich nicht in der Stadt, aber er hatte einem Priester, einem eifrigen Diener Gottes, die Vollmacht gegeben, es zu verkaufen. Seine Majestät beeinflusste nun diesen in der Weise, dass er es bereitwillig an uns verkaufen wollte und in aller Offenheit mit uns verhandelte. Man kam darin überein, dass ich es selbst besichtigen sollte. Es gefiel mir so außerordentlich, dass es mir billig vorgekommen wäre, wenn man den doppelten Preis von dem verlangt hätte, was man, wie ich hörte, forderte. Es war dies auch kein hoher Preis; denn zwei Jahre zuvor hatte man dem Eigentümer schon so viel geboten, allein er wollte es nicht abgeben.

30. Gleich am anderen Tage kam der Priester mit dem Lizentiaten Aguiar zu uns, und als letzterer sah, wie wenig man für das Haus verlangte, wollte er die Angelegenheit sogleich ins reine bringen. Ich hatte schon einigen Freunden davon Mitteilung gemacht, und diese legten mir nahe, dass ich um fünfhundert Dukaten zu viel gäbe, wenn ich es so teuer kaufen würde. Ich sagte dies dem Lizentiaten, und dieser war der Ansicht, dass es im Gegenteil billig sei, selbst wenn ich geben würde, was man verlangte. Mir kam es ebenso vor, und ich hätte mich weiter gar nicht mehr besonnen, da es mir wie geschenkt erschien; allein da das Geld dem Orden gehörte, so bereitete mir das einige Skrupel. Diese Unterredung geschah am Vorabend des Festes des glorwürdigen heiligen Joseph, kurz vor der Messe. Ich sagte ihnen, dass wir gleich nach der Messe wieder zusammenkommen wollten, um die Sache zum Abschluss zu bringen. Der Lizentiat ist ein sehr verständiger Mann und erkannte wohl, dass das Haus uns viel mehr kosten würde und dass es vielleicht gar nicht mehr zu kaufen wäre, wenn es öffentlich bekannt werden würde. Darum wendete er so große Sorgfalt an, und der Priester musste ihm versprechen, gleich nach der Messe wiederzukommen.

31. Wir empfahlen unterdessen diese Angelegenheit Gott im Gebete, und er sprach zu mir: »Wegen des Geldes hast du Bedenken?« Damit gab er mir zu verstehen, dass das Haus für uns geeignet sei. Die Nonnen hatten den heiligen Joseph recht inständig gebeten, ihnen an seinem Festtage ein eigenes Haus zu verschaffen; und während sie nicht daran dachten, dass man so schnell ein solches ausfindig machen würde, ging ihr Wunsch in Erfüllung. Alle drangen in mich, den Kauf abzuschließen, und so geschah es auch. Der Lizentiat traf an der Türe einen Notar, was allem Anscheine nach der Herr so fügte; er kam mit ihm und sagte mir, es sei das beste, die Angelegenheit sogleich in Ordnung zu bringen. Er brachte Zeugen herbei und verschloß die Türe des Saales, damit man es nicht, was er befürchtete, erfahre. So wurde durch die Bemühungen und die Umsicht dieses guten Freundes der Kauf, wie schon erwähnt, am Vorabend des Festes des heiligen Joseph rechtskräftig abgeschlossen.

32. Niemand hatte gedacht, dass das Haus so billig verkauft würde, und darum kamen, sobald es bekannt war, alsbald Käufer; man sagte, der Priester, der den Kauf abgeschlossen, habe das Haus um einen Spottpreis abgegeben; der Kauf müsse rückgängig gemacht werden, da ein großer Irrtum unterlaufen sei. Der Priester musste deshalb viele Unannehmlichkeiten auf sich nehmen. Man machte sogleich dem Eigentümer des Hauses, dem genannten Edelmann und seiner Frau, die ebenfalls von vornehmer Abkunft war, davon Mitteilung, die aber sehr darüber erfreut waren, dass aus ihrem Hause ein Kloster werden sollte; sie hießen alles gut. Übrigens hätten sie die Sache ohnehin nicht mehr ändern können. Sogleich am anderen Tage wurde der Kontrakt ausgefertigt, und wir erlegten den dritten Teil der ganzen Kaufsumme für das Haus, wie es der Priester verlangt hatte. Obwohl man uns in einigen Stücken, über die man nicht übereingekommen war, etwas belastete, so erhoben wir doch ihm zuliebe nicht den geringsten Widerspruch.

33. Man könnte es für unpassend halten, dass ich mich so lange mit der Erzählung des Kaufes dieses Hauses befasste; indessen sahen jene, die den Verlauf der Angelegenheit verfolgten, hierin nichts weniger als ein Wunder, sowohl in Hinsicht auf den überaus billigen Preis, als auch deswegen, weil alle Ordensleute, die das Haus besichtigten, so blind waren und es nicht für sich erwarben. Es war gerade so, als ob es nie in Burgos gewesen wäre. Alle, die es sahen, wunderten sich, tadelten die Verblendeten und nannten sie törichte Leute. Ein Nonnenkloster, ja sogar zwei suchten ein Haus zum Kaufe; von diesen war das eine erst vor kurzem gestiftet worden; das andere hatte sich, weil sein Haus abgebrannt war, von auswärts in die Stadt zurückgezogen. Auch eine andere reiche Person, die ein Kloster stiften wollte, hatte dieses Haus kurz vorher angesehen und es verschmäht; alle diese bereuten es sehr.

34. In der Stadt entstand ein so großes Gerede, dass wir klar erkannten, wie wohlberechtigt es war, dass der Lizentiat die Sache geheimhielt und so vorsichtig zu Werke ging. Wir können deshalb in Wahrheit sagen, dass nächst Gott er uns das Haus verschafft hat. Es ist etwas Großes um ein gutes Verständnis; und weil der Lizentiat so hervorragende Einsicht besitzt und Gott ihm einen so guten Willen verlieh, so wurde durch seine Vermittlung das Werk zum Abschluss gebracht. Mehr als einen Monat lang stand er uns bei und gab uns Mittel und Wege an, damit wir das Haus gut und um billigen Preis einrichten konnten. Allem Anscheine nach hat sich unser Herr die Gründung dieses Klosters selbst vorbehalten, weil sich in diesem Hause schon fast alles wohlvorbereitet fand. Und in der Tat, als ich bald darauf das Haus besichtigte, dessen Anlage für uns gleichsam wie geschaffen war, kam es mir wie ein Traum vor, alles so schnell beendet zu sehen. Unser Herr hat uns gut belohnt für das, was wir ausgestanden, indem er uns an einen so anmutigen Ort führte; der Garten, die Aussicht und das Wasser verleihen ihm nach meinem Dafürhalten einen besonderen Reiz. Er sei gepriesen in Ewigkeit! Amen.

35. Sogleich wurde der Erzbischof davon benachrichtigt, und er freute sich sehr, dass wir es so gut getroffen hatten. Er war der Ansicht, dass sein Widerstreben dazu Anlass gegeben habe, was auch wohl begründet war. Ich schrieb ihm, dass es mir Freude bereite, ihn befriedigt zu sehen, und ich mich möglichst beeilen werde, das Haus einzurichten, damit er mir dann volle Erlaubnis geben könne. Zugleich suchte ich unsere Übersiedlung zu beschleunigen, da man mir mitteilte, man wolle uns im Spitale zurückhalten, bis, ich weiß nicht, welche Schriftstücke ausgeliefert wären. Obwohl der Inwohner unseres Hauses noch nicht ausgezogen war - wir hatten keine geringe Mühe, ihn aus dem Hause zu bringen -, so bezogen wir doch einstweilen ein Stockwerk. Man teilte mir mit, dass dies den Erzbischof sehr verdrossen habe; ich besänftigte ihn wieder, soweit es in meinen Kräften lag. Denn er ist ein guter Mann; und wenn er auch leicht unwillig wird, so ist sein Zorn doch nicht von langer Dauer. Auch nahm er es übel auf, als er erfuhr, dass wir Sprachgitter und Winde anbringen ließen, weil er glaubte, ich wollte um jeden Preis meinen Willen durchsetzen. Ich schrieb ihm, dass dies nicht meine Absicht sei, sondern dass dies in den Häusern der in Klausur lebenden Ordenspersonen so zu geschehen pflege; übrigens hätte ich noch kein Kreuz aufzustellen gewagt, damit es nicht den Anschein habe, als befinde sich hier schon ein Kloster; so war es auch wirklich. Trotz seines guten Willens, den er uns gegenüber zeigte, erreichten wir doch nicht, dass er uns die Erlaubnis gab.

36. Er kam und besichtigte das Haus, das ihm sehr gut gefiel. Er zeigte sich gegen uns sehr liebevoll, aber nicht in der Weise, dass er uns die Erlaubnis gegeben hätte, wenn er uns auch mehr Hoffnung machte. Aber da einige, ich weiß nicht welche Schriftstücke der Katharina de Tolosa noch nicht ausgefertigt waren, so fürchteten wir sehr, er werde seine Zustimmung nicht erteilen. Doch Doktor Manso, der andere bereits erwähnte Freund des Paters Provinzial, stand beim Erzbischof sehr in Gnaden. Er benutzte jede Gelegenheit, ihn an unsere Angelegenheit zu erinnern und zur Erledigung derselben zu drängen; denn es war ihm sehr peinlich, uns in dieser Lage zu sehen. Obwohl unser Haus schon eine Kapelle besaß, in der vorher für die Eigentümer die Messe abgehalten wurde, so wollte er doch nicht erlauben, dass man dort für uns die Messe las. Wir mussten an Sonn und Feiertagen zur Messe in die Kirche gehen, und es war ein Glück für uns, dass sie in der Nähe lag. Dies dauerte von unserer Übersiedlung in dieses Haus bis zur Errichtung des Klosters ungefähr einen Monat lang. Alle Gelehrten versicherten, dass der Erzbischof einen hinreichenden Grund gehabt hätte, uns die Messe (im eigenen Hause) zu erlauben; und auch er musste dies wohl einsehen, da er ein großer Theologe ist. Somit scheint die Ursache davon keine andere gewesen zu sein, als dass unser Herr uns leiden lassen wollte. Ich für meine Person ertrug dies leichter, allein ich hatte eine Nonne, die immer vor Angst zitterte, wenn sie sich auf offener Straße sah.

37. Auch die Ausfertigung der Stiftungsurkunden ging nicht ohne Schwierigkeit vor sich. Denn das eine Mal gab man sich schon mit Bürgen zufrieden, ein anderes Mal forderte man bares Geld, dann verlangte man wieder viele andere lästige Dinge. Die Schuld lag weniger am Erzbischof, sondern vielmehr am Generalvikar, der sich sehr feindselig gegen uns benahm. Hätte es Gott nicht gefügt, dass er gerade um diese Zeit verreisen musste, und hätte nicht ein anderer seine Stelle vertreten, so wäre die Angelegenheit meines Erachtens nie zum Abschluss gekommen. Was musste erst Katharina de Tolosa dabei ausstehen; man kann dies unmöglich sagen. Aber sie ertrug alles mit einer Geduld, die mich mit Bewunderung erfüllte, und sie wurde nicht müde, für unsere Bedürfnisse zu sorgen.

38. Sie gab uns alle Gegenstände, die zur Einrichtung des Hauses notwendig waren, Betten und viele andere Geräte, womit ihr Haus wohlversehen war, so dass uns von unseren Bedürfnissen nichts zu fehlen schien, wenn auch dadurch ihr Haus an diesen Gegenständen Mangel litt. Andere Gründerinnen mögen vielleicht zur Stiftung unserer Klöster mehr zeitliche Güter beigesteuert haben, aber keine von ihnen ließ es sich den zehnten Teil der Mühe kosten, deren sie sich unterzog. Wäre sie ohne Kinder gewesen, so würde sie uns alles gegeben haben, worüber sie verfügen konnte. Sie hatte nur den einen Wunsch, das Werk vollendet zu sehen, so dass ihr alles, was sie zu diesem Zwecke tat, gering erschien.

39. Als ich diese lästige Verzögerung bemerkte, benachrichtigte ich den Bischof von Palencia und bat ihn, wieder an den Erzbischof zu schreiben, obwohl er über ihn sehr ungehalten war; denn er fasste alles, was dieser uns zufügte, so auf, als würde es ihm selbst angetan. Am meisten aber waren wir darüber erstaunt, dass der Erzbischof der Meinung war, uns in keiner Weise ein Unrecht zuzufügen. Ich bat also den Bischof, ihm noch einmal zu schreiben und ihm zu sagen, er möchte die Angelegenheit endlich einmal zum Abschluss bringen, da wir ein eigenes Haus erworben und auch seinen Wunsch erfüllt hätten. Nun schickte mir dieser einen offenen Brief, und hätten wir ihn dem Erzbischof übergeben, so würden wir alles verdorben haben. Darum ließ es Doktor Manso, dem ich damals beichtete und den ich zu Rate zog, nicht zu, dass er ihm übergeben wurde. Der Brief war zwar sehr wohlwollend, allein er enthielt einige Wahrheiten, die den Erzbischof bei seiner Gemütsanlage noch mehr hätten verdrießlich machen müssen; er war es ohnehin schon wegen einiger Mitteilungen, die er ihm gemacht hatte; übrigens waren sie vorher gute Freunde. Der Erzbischof aber ließ mir sagen, dass ebenso, wie beim Tode unseres Herrn jene Freunde wurden, die es vorher nicht waren, ich die Ursache sei, warum sie jetzt feindlich gegenüberstünden. Ich antwortete ihm, dass er dann daraus abnehmen könne, wer ich sei.

40. Ich hatte mich, wie ich glaube, aufs sorgfältigste gehütet, um sie ja nicht zu entzweien; darum bat ich den Bischof unter Anführung aller möglichen Gründe aufs neue, dem Erzbischof einen weiteren, ganz wohlwollenden Brief zu schreiben; ich stellte ihm vor Augen, welchen Dienst er Gott erweise. Er erfüllte meine Bitte, was allerdings nichts Geringes für ihn war. Nur weil er erkannte, dass es zur Ehre Gottes gereiche und weil er mir einen Liebesdienst erweisen wollte - er war ja immer gegen mich überaus entgegenkommend -, ließ er sich dazu herbei. Mir schrieb er, dass alles, was er bisher für den Orden getan, nichts sei im Vergleich zu diesem Briefe. Kurz, der Brief wirkte nebst den Bemühungen des Doktors Manso so erfolgreich auf den Erzbischof ein, dass er uns die Erlaubnis gab und sie uns durch den guten Ferdinand de Matanza zusenden ließ, der sie uns hocherfreut brachte. Gerade an diesem Tage waren die Schwestern so sehr betrübt wie noch nie zuvor, und die gute Katharina de Tolosa war so traurig, dass wir sie nicht trösten konnten. Es scheint, dass uns der Herr zu der Zeit, in der wir am meisten bedrängt waren, den größten Trost zuteil werden lassen wollte. Ich hatte zwar die Hoffnung nicht sinken lassen, aber ich war doch in der vorhergehenden Nacht sehr betrübt gewesen. Der Name des Herrn sei dafür gelobt und gepriesen in Ewigkeit! Amen.

41. Dem Doktor Manso gab der Erzbischof die Erlaubnis, am anderen Tage die heilige Messe zu lesen und das Allerheiligste Sakrament einzusetzen. Dieser las nun die erste Messe; das Hochamt aber wurde mit großer Feierlichkeit unter Mitwirkung vieler Musiker, die von selbst erschienen, vom DominikanerPrior aus dem Kloster zum heiligen Paulus abgehalten. Diesen Ordensmännern sowie den Vätern der Gesellschaft Jesu ist unser Orden zu großem Danke verpflichtet. Unsere Freunde waren hocherfreut, und die ganze Stadt freute sich in gewisser Beziehung mit uns; denn man hatte sehr großes Mitleid mit uns gehabt, als man uns so herumziehen sah. Das Verfahren des Erzbischofs wurde so scharf beurteilt, dass mich oft mehr schmerzte, was ich über ihn hören musste, als was wir selbst ausstanden. Die Freude der Katharina de Tolosa und der Schwestern war so groß, dass ich dadurch in eine andächtige Stimmung versetzt wurde und zu Gott sprach: »Herr, was wollen denn diese deine Dienerinnen anderes als dir dienen und deinetwegen an einem Ort sich eingeschlossen sehen, aus dem sie nicht mehr herauskommen.«

42. Wenn man keine Erfahrung hat, so kann man die Freude nicht verstehen, die wir alle bei diesen Stiftungen empfinden, wenn wir uns in der Klausur sehen, in die keine weltliche Person mehr Zutritt hat; denn so lieb sie uns auch sind, so vermögen sie uns doch nicht jenen großen Trost zu verschaffen, den wir empfinden, wenn wir unter uns allein sind. Wie die Fische, die in großer Menge in einem Netze aus dem Wasser gezogen werden, nicht leben können, außer man versetzt sie wieder ins Wasser, so scheint es auch mit den Seelen zu sein, die an den Quellbächen ihres Bräutigams zu leben gewohnt sind; trennt man sie davon und erblicken sie die Netze der Dinge dieser Welt, so vermögen sie in der Tat nicht zu leben, bis sie sich wieder dorthin zurückziehen können. Dies bemerke ich immer an allen Schwestern, und ich weiß es aus Erfahrung; jene Nonnen aber, die in sich noch ein Verlangen haben, auszugehen und häufig mit Weltleuten zu verkehren, sollen fürchten, dass sie das lebendige Wasser noch nicht gefunden haben, von dem der Herr zur Samariterin gesprochen, und dass sich der Bräutigam vor ihnen, und zwar mit Recht, verborgen hält, da sie sich nicht damit zufrieden geben, bei ihm zu sein.

43. Dieses Übel kann, wie ich fürchte, zwei Ursachen haben; entweder sind solche Nonnen nicht einzig um des Herrn willen in diesen Stand getreten, oder sie erkennen nach ihrem Eintritt die große Gnade nicht, die ihnen Gott dadurch erwiesen hat, dass er sie für sich auserwählt und von der Unterwürfigkeit unter einen Mann befreit hat, der ihnen vielfach das Leben verkürzt und ihnen, wie es geschieht, leider auch die Seele geraubt haben würde. O mein Bräutigam, wahrer Gott und wahrer Mensch, darf man denn diese Gnade für gering achten? Lasst uns ihn lobpreisen, meine Schwestern, dass er uns diese Gnade erwiesen hat, und werden wir ja nicht müde, diesen so großen Herrn und König zu preisen, der uns ein Königreich bereitet hat, das kein Ende nimmt, und dies für eine geringe Mühe, die noch dazu mit mannigfachem Trost versüßt ist und morgen schon ihr Ende finden kann! Er sei gepriesen in Ewigkeit! Amen, Amen.

44. Einige Tage, nachdem die Stiftung vollzogen war, kam dem Pater Provinzial und mir der Gedanke, es möchte bezüglich des Einkommens, das Doña Katharina de Tolosa diesem Kloster zugesichert hatte, etwas nicht ganz in Ordnung sein, so dass infolgedessen ein Prozess entstehen und die gute Frau dadurch in Verwirrung geraten könnte. Wir wollten lieber auf Gott vertrauen, als ihr irgendwie Anlass zu einer Verdrießlichkeit geben. Aus diesem und anderen Gründen versammelten wir uns alle in Gegenwart eines Notars im Kapitel und leisteten mit Genehmigung des Pater Provinzials Verzicht auf die große Schenkung, die sie uns gemacht, und stellten ihr die Schriftstücke wieder zurück. Dies geschah ganz im geheimen, damit es der Erzbischof nicht erfahren und es nicht als eine Beleidigung seiner Person auffassen würde; die Last sollte allein auf das Kloster fallen. Ist es nämlich bekannt, dass das Kloster keine Einkünfte besitzt, so hat man keinen Mangel zu befürchten, da alles zur Hilfe bereit ist; weiß man aber, dass es ein sicheres Einkommen hat, so scheint Gefahr zu bestehen, dass es des nötigen Unterhaltes entbehrt, wenigstens für jetzt. Katharina de Tolosa aber hat Mittel und Wege gesunden, dass nach ihrem Tode die Sache sich anders verhält. Zwei ihrer Töchter, die in diesem Jahre in unserem Kloster zu Palencia Profeß ablegten, verzichteten zugunsten ihrer Mutter auf ihr Erbe. Diese aber bewirkte, dass sie ihre Verzichtleistung wieder rückgängig machten und ihre Güter dem Kloster zu Burgos überwiesen. Auch die andere Tochter, die hier das Ordenskleid nehmen sollte, überließ ihren Anteil am Erbe sowohl von väterlicher als mütterlicher Seite dem Kloster zur freien Verfügung. All das zusammengenommen macht ebensoviel aus, als das Einkommen, das sie uns geben wollte. Der einzige Missstand ist nur der, dass die Schwestern es nicht gleich jetzt schon genießen können. Doch ich war immer davon überzeugt, dass es ihnen an nichts fehlen werde; denn der Herr, der auch den anderen ohne Einkommen gestifteten Klöstern den nötigen Unterhalt zukommen lässt, wird auch hier einige anregen, dem Kloster beizuspringen, oder er wird für andere Mittel Sorge tragen, damit die Schwestern ihren Unterhalt bekommen.

45. Da aber bis jetzt kein Kloster auf diese Weise gestiftet war, so bat ich öfters den Herrn, er möchte, da dieses auf seinen Wunsch hin errichtet worden sei, Mittel und Wege zeigen, wie die Nonnen sich behelfen und das entsprechende Auskommen finden könnten. Auch hatte ich keine Lust, von hier abzureisen, bis eine Nonne eingetreten wäre. Während ich mich nun einmal nach der Kommunion mit diesem Gedanken beschäftigte, sagte der Herr zu mir: »Woran zweifelst du noch? Es ist bereits alles in Ordnung gebracht; du kannst jetzt wohl abreisen.« Dabei gab er mir zu verstehen, dass ihnen das Notwendige nicht fehlen werde. Ich legte jede Sorge ab und fasste ein solches Vertrauen, gleich als ob ich sie mit sicherem Einkommen verlassen hätte. Ohne Verzug traf ich Vorkehrungen zu meiner Abreise; denn es schien mir, als hätte ich hier nichts anderes zu tun, als mich an dem Kloster, das mir so gut gefiel, zu erfreuen, während ich doch anderswo größeren Nutzen schaffen konnte, wenn es mir auch schwer fiel.

46. Der Erzbischof und der Bischof von Palencia blieben sehr gute Freunde; der Erzbischof zeigte sich bald darauf sehr entgegenkommend, indem er in eigener Person die Tochter der Katharina de Tolosa und eine andere Nonne, die auch eintrat, mit dem Habit bekleidete. Bis jetzt erweisen uns mehrere Personen viel Gutes, und ich bin überzeugt, dass unser Herr seine Bräute nicht notleiden lassen wird, wenn sie ihm dienen, wie sie verpflichtet sind. Möge ihnen Seine Majestät durch ihre große Barmherzigkeit und Güte dazu die Gnade geben! Amen.

IHS

1. Ich glaube, hier noch erzählen zu müssen, wie die Nonnen des St. Josephs-Klosters zu Ávila, das an erster Stelle gegründet wurde, der Jurisdiktion des Ordens unterstellt wurden, nachdem sie seit der Gründung unter dem Gehorsam des Bischofs standen; die Stiftung dieses Klosters ist anderswo und nicht in diesem Buche beschrieben.

2. Don Alvaro de Mendoza, der jetzige Bischof von Palencia, war Bischof in Ávila, als das Kloster gegründet wurde; solange er in Ávila residierte, empfingen die Nonnen zahllose Beweise seines Wohlwollens. Als man das Kloster seiner Jurisdiktion unterstellte, vernahm ich von unserem Herrn, dass dies das beste sei. In der Folge ist dies auch klar zutage getreten; denn in allen Zwistigkeiten, in die der Orden verwickelt wurde, fanden wir an ihm großen Schutz, und bei vielen anderen Gelegenheiten erzeigte er uns in augenscheinlicher Weise seine Huld. Er gestattete nie, dass die Visitation der Nonnen durch einen seiner Priester vorgenommen wurde, und im ganzen Kloster traf er keine anderen Anordnungen als jene, um die ich ihn bat. Auf diese Weise verflossen ungefähr siebzehn Jahre - ich kann mich aber nicht mehr genau erinnern - , ohne dass mir der Gedanke kam, dass dieses Gehorsamsverhältnis geändert werden sollte.

3. Nach Ablauf dieser Zeit wurde dem Bischof von Ávila das Bistum Palencia übertragen. Ich befand mich damals eben im Kloster zu Toledo. Da sprach der Herr zu mir, dass es jetzt zweckmäßiger sei, die Nonnen des St.JosephsKlosters unter die Jurisdiktion des Ordens zu stellen; ich sollte dies zuwege bringen. Wenn dies nicht geschehe, so werde in diesem Kloster bald eine Erschlaffung eintreten. Weil ich früher vernommen hatte, man müsse sich dem Gehorsam des Bischofs unterwerfen, so schien mir dies ein Widerspruch. Ich wusste daher nicht, was ich tun sollte. Ich eröffnete dies meinem damaligen Beichtvater, der jetzt Bischof von Osma und ein sehr gelehrter Mann ist. Dieser gab mir zur Antwort, dass dies nichts zu bedeuten habe; damals habe dies notwendigerweise so sein müssen, jetzt aber verhalte sich die Sache anders. Es ist in der Tat schon in sehr vielen Fällen zutage getreten, wie wahr er gesprochen. Auch sagte er mir, er habe die Überzeugung, dass es für dieses Kloster vorteilhafter sei, mit den anderen vereinigt zu sein, als allein zu stehen. Darum gab er mir den Auftrag, nach Ávila zu gehen und die Unterhandlungen einzuleiten.

4. Ich fand den Bischof ganz anderer Meinung, und er war durchaus nicht für diesen Plan begeistert. Aber als ich ihm einige Gründe vortrug und ihn darauf aufmerksam machte, welch ein Schaden daraus den Nonnen, denen er sehr ergeben war, erwachsen könnte, erwog er meine Gründe. Da er ein überaus verständiger Mann ist und Gott ihm beistand, so fand er noch weit wichtigere Gründe, als die meinigen waren. So entschloß er sich, auf meinen Plan einzugehen, und obwohl einige Priester dagegen Einsprache erhoben, so konnten sie doch bei ihm nichts erreichen.

5. Nun war auch die Zustimmung der Nonnen notwendig. Einigen von ihnen fiel es sehr schwer, aber da sie mich überaus lieb hatten, so fügten sie sich um der Gründe willen, die ich ihnen vorbrachte, ganz besonders, weil sie sahen, dass der Bischof, dem der Orden so viel verdankte und den ich überaus hochschätzte, fortzog, und dass sie auch mich nicht immer bei sich haben könnten. Dieser Gedanke machte auf sie am meisten Eindruck. So wurde also diese wichtige Angelegenheit zum Abschluss gebracht. Später sah man allgemein ein, dass dieses Kloster verloren gewesen wäre, wenn man das Gegenteil getan hätte. Gepriesen sei der Herr in alle Ewigkeit, der mit großer Sorgfalt über die Angelegenheiten seiner Dienerinnen wacht! Amen.

Die Stiftung des Klosters zum hl. Joseph in Granada

1. Euer Ehrwürden haben mir befohlen, die Stiftung dieses Klosters in Granada zu beschreiben. Weil ich aber so sehr an Kopfschwäche leide, bin ich so ohne Gedächtnis, dass ich nicht weiß, ob ich mich an alles erinnern werde; deshalb kann ich nur so viel sagen, als mir einfallen wird.

2. Im Monat Oktober 1585 waren es vier Jahre, dass Pater Didakus von der Dreifaltigkeit, seligen Andenkens, nach Veas kam, um als ProvinzialVikar an Ihrer Statt das dortige Kloster zu visitieren, wo ich schon drei oder vier Jahre nicht mehr Priorin und sehr krank war. Trotz des Zustandes, in dem mich der Pater Visitator sah, sprach er doch allen Ernstes davon, dass wir zu einer Stiftung nach Granada reisen sollten, weil mehrere angesehene Personen und vornehme und reiche Jungfrauen darum gebeten und ihm zu diesem Zwecke große Almosen angeboten hätten. Mir dagegen kam es vor, nur sein allzu großes Vertrauen, das er auf diese Personen setzte, habe ihn zu dem Glauben bewogen, dass sie uns unterstützen werden; darum sagte ich zu ihm, ich halte diese Versprechungen nur für schöne Worte, die nicht erfüllt werden würden. Auch werde der Erzbischof zur Stiftung eines armen Klosters keine Erlaubnis geben, weil dort ohnehin schon so viele Nonnen lebten, die sich nicht erhalten könnten, da Granada verheert und sehr unfruchtbare Jahre eingetreten seien. Der Pater sah wohl ein, dass ich recht hatte; weil er aber die Stiftung dieses Klosters so sehr wünschte, stärkte er sich wieder in seiner Hoffnung und sagte, der Licentiat Laguna, Assessor am dortigen Gerichtshofe, habe ihm seinen treuen Beistand versprochen; ebenso auch Pater Salazar aus der Gesellschaft Jesu, der ihm im Vertrauen gesagt habe, sie beide würden bei dem Erzbischofe die Erlaubnis erwirken.

3. Ich hielt dies alles für unsicher, wie es auch wirklich war; jedoch empfahl ich die Sache angelegentlich Gott und bat auch die Schwestern, Gott um Erleuchtung zu bitten, was hier zu tun sei. Da gab uns der Herr ganz deutlich zu verstehen, dass zwar keine gute Gelegenheit und auf keine menschliche Hilfe zu rechnen sei; allein wie andere Klöster im Vertrauen auf seine göttliche Vorsehung gestiftet worden seien, so müsse es auch bei diesem geschehen; er werde sich dessen besonders annehmen, und es werde ihm darin sehr eifrig gedient werden. Dies wurde mir geoffenbart, nachdem ich kommuniziert und der Pater Visitator schon drei Wochen in Veas mit der Verhandlung dieses Unternehmens zugebracht hatte.

4. Bei all meinen Bedenken und Ausreden war ich doch nach der Kommunion sogleich entschieden und sagte zur Schwester Beatrix vom hl. Michael, die Pförtnerin war und mit mir kommuniziert hatte: »Glauben Sie mir, Gott will es, dass das Kloster in Granada errichtet werde; lassen Sie den Pater Johannes vom Kreuz zu mir kommen, damit ich ihm als meinem Beichtvater sage, was die göttliche Majestät mir geoffenbart.« Als ich nun dem Pater dies in der Beichte mitgeteilt hatte, meinte er, wir sollten den Pater Visitator, der sich noch in Veas befand, davon in Kenntnis setzen, damit sogleich an Euere Paternität um die Erlaubnis zur Vornahme der Stiftung geschrieben werde. Noch an demselben Tage wurde es beschlossen und alles erledigt, was notwendig war. Als die Patres und auch der ganze Konvent erfuhren, dass die Stiftung beschlossen sei, waren sie darüber hoch erfreut. Wir schrieben also an Euere Paternität und an unsere hl. Mutter Theresia von Jesu, begehrten aus Castilien vier Schwestern und baten unsere hl. Mutter, selbst zu kommen und die Stiftung vorzunehmen; wir hatten ein so großes Vertrauen, dass sie zustande kommen werde. Auch trafen wir Anstalten, dass Pater Johannes vom Kreuz mit noch einem Religiosen nach Castilien reisen und alles zum Abholen der Nonnen Notwendige mit sich nehmen konnte. Er begab sich also von Veas nach Ávila zu unserer hl. Mutter Theresia; und von da fertigten sie einen Boten nach Salamanca ab, wo Euere Paternität sich damals aufhielten. Sobald Sie die Briefe gelesen, billigten Sie alles, was wir begehrt hatten, und stellten es unserer hl. Mutter anheim, nach ihrem Gutdünken die Nonnen auszuwählen, die nach unserer Angabe notwendig waren. Ihre Ehrwürden gab also zwei aus dem Kloster zu Ávila her, nämlich die Mutter Maria von Christus, die dort fünf Jahre lang Priorin gewesen war, und die Schwester Antonia vom Heiligen Geiste, eine aus den vier ersten, die im St. JosephsKloster zu Ávila den Habit der unbeschuhten Nonnen unseres Ordens angenommen hatten. Aus dem Kloster zu Toledo bestimmte sie die Schwester Beatrix von Jesu, die gleichfalls eine der Älteren im Orden und eine Nichte zu ihr war. Ihre Ehrwürden aber konnte nicht kommen, weil sie zur Stiftung nach Burgos reisen sollte, die zur nämlichen Zeit vorgenommen wurde. Schon früher hatte sie mir geschrieben, sie werde zur Stiftung des Klosters in Granada nicht kommen, weil sie glaube, es sei der Wille Gottes, dass ich sie ausführe. Mir kam es unmöglich vor, mich ohne sie mit einer Stiftung zu befassen, und so fiel es mir denn sehr schwer, als am Feste der Empfängnis unserer Lieben Frau die Nonnen ohne sie in Veas ankamen. Ich las einen Brief von ihr, den jene mitgebracht hatten, und in dem sie mir schrieb, es wäre ihr Wunsch gewesen, schon allein zu meinem Troste mitkommen zu können, aber unser großer Gott habe ihr etwas anderes aufgetragen. Sie sei indessen ganz davon überzeugt, es werde in Granada alles sehr gut gehen, die göttliche Majestät werde mir großen Beistand leisten. So hat es sich auch bald gezeigt, wie aus dem Nachstehenden zu ersehen ist.

5. Der Pater ProvinzialVikar, Pater Didakus von der Dreifaltigkeit, reiste, während man die Nonnen aus Castilien abholte, nach Granada, um das in Richtigkeit zu bringen, was ihm versprochen worden war und er mit Gewissheit zu erlangen hoffte. Er wollte uns dann schreiben, dass wir kommen sollten. Der hl. Mann muss sich viel geplagt haben, um nur einiges von dem Versprochenen zu erhalten und die Erlaubnis des Erzbischofs zu erwirken; allein er konnte es nicht dahinbringen, dass man ihm wirklich etwas zugestand. Dennoch schrieb er uns in seiner guten Meinung nach Veas immer nur von den guten Aussichten, wie man sie ihm vorstellte. Ich lachte darüber und schrieb ihm zurück, er solle dergleichen nicht achten, sondern ein Haus mieten, in das wir einziehen könnten, weil die Schwestern aus Castilien schon angekommen seien. Der gute Mann ängstigte sich sehr, weil er auch dieses nicht bekommen konnte. Auch beim Erzbischof, an den er sich wandte, stieß er auf Schwierigkeiten; und obwohl zwei der ältesten Assessoren, Don Ludwig de Mercado und der Licentiat Laguna ihm zur Seite standen, so wollte es der Erzbischof doch nicht gestatten, dass wir kämen, im Gegenteile zeigte er großes Missfallen und erging sich in sehr harten Worten. Er sagte, er wolle lieber alle schon bestehenden Nonnenklöster aufheben; wie man denn in so schweren Zeiten noch mehr Nonnen herbringen möge; man sehe ja, dass sie sich bei der großen Unfruchtbarkeit dieser Jahre nicht erhalten könnten. In dieser Weise sprach er sich noch weiter sehr missliebig aus. Den beiden Herren Assessoren, die sich für uns verwendeten, war es sehr unangenehm, weil sie sahen, dass wir von Veas aus sie stets mit Briefen drängten, indem wir ihnen vorstellten, wie wenig zum Unterhalt der zehn Nonnen genüge, die nach Granada kommen würden. Indessen halfen sie doch im geheimen dem Pater und bewirkten wenigstens so viel, dass ein Ratsherr ihm ein Haus zur Miete gab. Als er dieses hatte, schrieb er uns, wir sollten kommen, wiewohl er sehr darüber bekümmert war, dass er außerdem noch gar nichts erreicht hatte.

6. In Veas waren wir voll Erwartung und fest entschlossen, abzureisen, sobald uns der Pater nur mit einem Worte die Möglichkeit andeuten würde. So hatten wir, nämlich Pater Johannes vom Kreuz, die Schwestern, die am 13. Januar angekommen waren, und ich es beschlossen. In dieser Erwartung ging ich eines Abends zum gewöhnlichen Gebete, bei dem ich über die Worte betrachtete, die Christus bei seiner Taufe zu Johannes sprach: »Es ziemt sich für uns, alle Gerechtigkeit zu erfüllen.« Während ich nun bei dieser Betrachtung innerlich ganz gesammelt war und gar nicht an die Stiftung dachte, hörte ich ein entsetzliches Geschrei von einer Menge durcheinander heulender Stimmen. Sogleich kam mir der Gedanke, es wären Teufel, die so heulten, weil wahrscheinlich der Bote angekommen sei, der uns die Nachricht überbringe, dass wir nach Granada abreisen sollten. Als ich mir dies so dachte, nahm das von mir vernommene Geschrei derart zu, dass mir die natürlichen Kräfte schwanden und ich mich an die Mutter Priorin, die neben mir war, anlehnte. Diese meinte, es wäre eine Schwäche, und gab den Auftrag, mir etwas zum Essen zu bringen. Ich gab jedoch durch Zeichen zu verstehen, man solle dies unterlassen und nachsehen, wer an der Winde rufe. Man ging hin, und wirklich war es der Bote mit dem Schreiben, das die Aufforderung zu unserer Abreise enthielt. Alsbald erhob sich ein so schrecklicher Sturm und es fiel so viel Regen und Hagel, dass man meinte, die ganze Welt gehe zugrunde; ich selbst aber wurde zum Sterben krank. Die Ärzte, die mich sahen, hielten den Antritt meiner Reise für unmöglich, da ich die heftigsten Schmerzen litt; und dazu kamen auch übernatürliche Verwirrungen. Doch dies alles machte mir nur noch größeren Mut, und ich drängte um so mehr, dass die Maultiere beschafft und alle übrigen Vorkehrungen getroffen würden, um am nächsten Wochentage abreisen zu können; denn der auf jenen Abend, an dem der Bote kam, folgende Tag war ein Sonntag, und ich war so krank, dass ich nicht einmal die Messe hören konnte, obwohl der Chor ganz nahe an der von mir bewohnten Zelle war.

7. Bei all dem machten mir uns am folgenden Montage früh um 3 Uhr auf zur großen Freude aller Schwestern, die mitgingen; sie glaubten nämlich, dass durch diese Reise dem Herrn ein großer Dienst erwiesen werde. Auf der Reise hatten wir gutes Wetter; die Wege aber waren wegen des vorhergehenden Ungewitters so schlecht, dass die Maultiere kaum durchkommen konnten. Wir gelangten bis Daifuentes. Dort berieten wir uns, nämlich unsere Begleiter, Pater Johannes vom Kreuz, Pater Petrus von den Engeln und ich, was zu tun sei, damit der Erzbischof uns die Erlaubnis gebe und unserer Aufnahme nicht mehr so hartnäckig sich widersetze. In jener Nacht unserer Ankunft in Daifuentes hörten wir einen entsetzlichen Donnerschlag; der Blitz fuhr in das Haus des Erzbischofs von Granada, nicht ferne von seinem Schlafzimmer, verbrannte ihm einen Teil seiner Bibliothek und tötete einige seiner Maultiere. Er selbst geriet so in Schrecken, dass er krank wurde; dies hat ihn, wie man sagte, milder gestimmt; denn seit Menschengedenken war um diese Zeit ein Blitzschlag in Granada unerhört.

8. Am selben Tage nahm der Mann, der an Pater Vikar das für uns bestimmte Wohnhaus vermietet hatte, sein dem Don Ludwig de Mercado und dem Lizentiaten Laguna gegebenes Wort und den schriftlichen Mietvertrag wieder zurück. Er sagte, bei Abgabe seines Jawortes nicht gewusst zu haben, dass das Haus dem Zwecke eines Klosters dienen sollte; da ihm dies jetzt bekannt sei, so werden weder er noch die vielen anderen Bewohner ausziehen. So geschah es auch. Die zwei Herren, die sich im geheimen unser annahmen, konnten ihn nicht zur Räumung des Hauses bestimmen, obwohl sie ihm 50000 Dukaten als Bürgschaft angeboten hatten. Als sie nun von unserer schon in zwei Tagen erfolgenden Ankunft erfuhren, wussten sie nicht, was zu tun sei. Da sagte zufällig Don Ludwig de Mercado zu seiner Schwester, der Frau Doña Anna de Peñalosa, vor der der Pater Vikar bisher alles geheim gehalten hatte: »Schwester, vielleicht ist es gut, nachzusehen, ob nicht die Nonnen, die schon auf dem Wege sind, in unserem Hause absteigen könnten. Wir würden ihnen einen Teil des Hauses einräumen, wo sie für sich bleiben könnten, bis sie einen Winkel zum Wohnen finden werden.« Die gute Frau, die schon seit Jahren nicht mehr aus ihrem Oratorium gekommen war, wo sie in großer Trauer über ihren Witwenstand und über den Tod ihrer einzigen Tochter ihre Tage verbrachte, begann alsbald, wie sie uns sagte, wieder aufzuleben. Eiligst richtete sie ihr Haus ein und bereitete alles zur Kirche und zu unserer Wohnung Notwendige vor; dies alles ordnete sie sehr gut, wiewohl wir uns wegen der Unansehnlichkeit ihres Hauses nur mit einem kleinen Raum begnügen mussten.

9. Wir kamen am Tage der hl. Fabian und Sebastian früh um 3 Uhr in Granada an; es musste dies um solche Zeit geschehen, damit es nicht bekannt wurde. Hier trafen wir die heiligmäßige Frau vor ihrer Haustüre, wo sie uns mit großer Ehrfurcht und mit Tränen empfing, so dass auch wir weinen mussten. Wir sangen den Psalm: »Laudate Dominum« und hatten große Freude, als wir in der Vorhalle des Hauses die schön gezierte Kirche sahen. Weil wir aber vom Erzbischof noch keine Erlaubnis hatten, so bat ich, die Kirche zu schließen, und sagte den mit Pater Vikar anwesenden Vätern, sie möchten nicht läuten lassen und weder öffentlich noch im geheimen hier Messe lesen, bis der Erzbischof seine Genehmigung erteilt hätte; denn ich hoffte zu Gott, wir würden sie sogleich erhalten.

10. Ich gab ihm also Nachricht von unserer Ankunft und bat ihn, zu kommen, uns seinen Segen zu geben und das Allerheiligste Sakrament einzusetzen. Denn trotz des Feiertages wollten wir doch keine Messe hören, bis nicht seine Herrlichkeit die Erlaubnis zum Zelebrieren gegeben hatte. Der Erzbischof antwortete mit großer Liebe, unsere Ankunft sei ihm willkommen; er freue sich sehr darüber und wünsche nur aufstehen und selbst die erste Messe lesen zu können; aber seiner Unpäßlichkeit wegen schicke er seinen Provisor, dass dieser sie lese und alles tue, was ich wünsche. Als der Provisor noch am selben Morgen um 7 Uhr kam, bat ich ihn, Messe zu lesen, uns allen die Kommunion zu reichen und selbst das Allerheiligste Sakrament einzusetzen. Dies tat er denn auch sogleich mit großer Feierlichkeit. In unserer Kirche waren die zwei Herren Assessoren und so viele Leute anwesend, dass jene sich wunderten, wie alles so bald kund geworden; denn um 8 Uhr des Tages unserer Ankunft war schon das Allerheiligste Sakrament eingesetzt, und es wurden noch mehrere Messen gelesen. Die Leute von ganz Granada kamen herbei, als wenn ein Jubiläumsablass zu gewinnen wäre, und einstimmig hieß es, wir seien Heilige und Gott habe durch uns diese Stadt heimgesucht.

11. Als am nämlichen Tage Don Ludwig de Mercado und der Lizentiat Laguna den Erzbischof besuchten, der infolge des zwei Nächte vorher durch das Einschlagen des Blitzes ausgestandenen Schreckens noch krank war, fanden sie ihn wegen unserer Ankunft sehr aufgebracht. Sie sagten ihm, warum er denn doch die Erlaubnis gegeben habe, wenn ihm dies so unangenehm sei? Das Kloster sei jetzt einmal gegründet. Darauf antwortete er: »Ich konnte nicht anders, obwohl ich meiner Natur großen Zwang antat; denn ich kann keine Nonnen sehen; aber ich habe nicht im Sinne, ihnen etwas zu geben, da ich nicht einmal die meiner Obsorge anvertrauten Nonnen ernähren kann.« So fingen wir denn an, unsere Armut nicht bloß dem Namen nach, sondern auch in der Tat zu genießen. Denn obwohl uns die Frau Doña Anna Almosen reichte, so war es doch sehr gering, und von anderen wurde uns nichts gegeben, weil man uns in ihrem Hause sah, wo so viele Arme vorsprachen, und von wo aus fast allen Klöstern und Spitälern dieser Stadt reichliche Almosen gespendet wurden. Man meinte darum, wir litten gar keine Not, obwohl diese so groß war, dass wir uns mit den Gaben dieser Frau nicht lange hätten erhalten können, wenn nicht unsere unbeschuhten Väter des Klosters zu den Märtyrern uns mit Brot und Fischen unterstützt hätten. Aber auch sie hatten nur wenig, weil im selben Jahre Andalusien von einer sehr großen Unfruchtbarkeit und Hungersnot heimgesucht war. Bezüglich der Betten waren wir schlecht bestellt; wir besaßen nur, was wir für die Reise mitgenommen hatten; dies war so wenig, dass nur zwei oder drei darauf schlafen konnten; deshalb blieben wir die meisten Nächte auf den Matten, die im Chore waren. Dies alles verursachte uns eine so große Freude, dass wir um ihres Genusses willen unsere Not nicht entdeckten, sondern sie zu verheimlichen suchten, besonders vor der heiligen Frau, um ihr ja nicht lästig zu fallen. Weil diese uns so zufrieden und vergnügt sah und uns für fromme und bußfertige Seelen hielt, so bemerkte sie es gar nicht, dass wir mehr nötig hätten, als sie uns gab. So lebten wir die meiste Zeit - es waren sieben Monate -, die wir in ihrem Hause zubrachten.

12. Schon vom ersten Tage an hatten wir während der ganzen Zeit viele Besuche von den vornehmsten Personen sowohl als auch von den Religiosen aller Orden, die nur von der Vermessenheit redeten, womit wir unsere Klöster in solcher Armut gründeten, ohne irgendeinen Fond zur Bestreitung der menschlichen Bedürfnisse zu haben. Wir antworteten ihnen: Auf solche Weise erfreuten wir uns der Hilfe Gottes um so mehr; und im Vertrauen auf die Vorsehung und Sorge Gottes, die wir in unseren Klöstern so vielfach bewährt gefunden, fürchteten wir uns gar nicht so anzufangen; wir wünschten vielmehr, es möchte kein Kloster anders gegründet werden, weil wir diese Art für die sicherste hielten. Manche aus ihnen lachten, wenn sie uns so sprechen hörten und unsere Zufriedenheit bei einer so großen Zurückgezogenheit sehen; denn um unsere Klausur zu halten, lebten wir ganz abgesondert, so dass selbst Ludwig de Mercado, der mit uns dasselbe Haus bewohnte, uns nie anders als verschleiert sah und niemand uns von Angesicht kannte. Wir taten nichts, als was wir immer und überall beobachteten; aber hierzulande hielt man das für etwas Außerordentliches.

13. Viele Personen aus allen Ständen kamen, den Habit zu begehren; aber unter mehr als zweihundert, die darum anhielten, fanden wir nicht eine einzige, die wir nach unseren Satzungen für tauglich zur Aufnahme halten konnten. Mit vielen wollten wir darum gar nicht reden. Andere wiesen wir zurück mit der Bemerkung, sie müssten zuerst unsere Lebensweise kennenlernen, indes wir ihr Verlangen prüfen wollten; auch hätten wir jetzt nur für uns selbst Raum, bis wir ein eigenes Haus erhielten.

14. Wir suchten mit großem Eifer ein Haus, aber wir konnten keines weder zur Miete noch zum Kaufe finden.

15. In dieser Zeit war ich etwas bekümmert, weil ich sah, dass uns hier die Leute so wenig unterstützten. Jedesmal aber, so oft ich dem Gedanken daran nachhing, war es mir, als hörte ich die Worte, die Christus, unser Herr, zu unseren Aposteln sprach! »Als ich euch aussandte ohne Beutel und Tasche und Schuhe, habt ihr da an etwas Mangel gelitten?« Meine Seele antwortete mit der großen Zuversicht, dass die göttliche Majestät uns mit allem, sowohl in zeitlicher als in geistlicher Hinsicht, reichlich versehen werde: »Nein, an nichts.«

16. Der Herr sorgte so gut für uns, dass wir Messen und Predigten von den angesehensten Priestern und Predigern der Stadt hatten, fast ohne sie darum zu ersuchen. Sie hörten uns sehr gerne Beicht und waren von unserer Lebensweise und von der mir von Gott verliehenen inneren Zuversicht, dass uns nichts mangeln werde, sehr erbaut. Diese Zuversicht rührte von einer Gnade her, die mir gleich bei meiner Ankunft in dieser Stadt zuteil wurde. Ich hörte nämlich in meinem Innern ganz deutlich den Vers: »Seapulis suis obumbrabit tibi, et sub pennis eius sperabis.« Dies sagte ich meinem Beichtvater, dem Pater Johannes vom Kreuz, und dem Pater Magister Johannes Baptista de Ribera von der Gesellschaft Jesu, denen ich von allem, was sich mit mir zutrug, sowohl in als außer der Beichte, Mitteilung machte. Beide hielten es für ein vom Herrn gegebenes Unterpfand, dass diese Stiftung einen sehr guten Fortgang haben werde. So ist es auch bis zur Stunde geschehen, nachdem nunmehr vier Jahre verflossen sind. Der Name des Herrn sei dafür gepriesen! Denn wie die Schwestern, die zu dieser Stiftung kamen, bezeugen, haben sie beständig die Gegenwart der göttlichen Majestät und die innere Gemeinschaft mit ihr mehr erfahren, als sonst in ihrem ganzen Leben. Man sah dies auch ganz deutlich an ihrem geistlichen Fortschritte und an dem Nutzen, den nach allgemeinem Zugeständnis die anderen Nonnenklöster der Stadt aus ihrem Beispiele schöpften. Wie ich vom Präsidenten, Don Petrus de Castro, vernommen, ging in den Nonnenklöstern der anderen Orden, deren es in Granada viele gibt, seit unserer Ankunft eine große Veränderung vor.

17. Außer den genannten, uns vom Herrn verliehenen Gnaden wurde uns auch noch das überaus große Geschenk zuteil, uns die Gesellschaft der Person unseres Herrn Jesu Christi im Allerheiligsten Sakramente des Altares in einer Weise empfinden zu lassen, dass wir seine leibliche Gegenwart sichtbar wahrzunehmen glaubten. Dies war so allgemein und gewöhnlich unter uns, dass wir darüber sprachen und uns gestanden, wir hätten eine solche Wirkung des Allerheiligsten Sakramentes an keinem anderen Orte so erfahren wie hier. Denn vom Augenblicke der Aussetzung an hat es uns diesen Trost gewährt, der in einigen bis zur Stunde noch fortdauert, wenn auch nicht mehr in solch fühlbarer Weise wie in den ersten sieben Monaten.

18. Nach Verlauf dieser Monate fanden wir endlich auch ein Haus zur Miete, in das Euere Paternität ohne Wissen des Eigentümers in aller Stille uns einführten, nachdem der bisherige Inwohner ausgezogen war. Sie waren damals von Baeza gekommen, um uns zu helfen. Ein anderes Haus konnte nicht gefunden werden, bis nach zehn Monaten unser Herr einige der vornehmsten Jungfrauen der Stadt wirksam anregte, mit Hilfe ihrer Beichtväter, ohne Einwilligung ihrer Eltern und Verwandten, von denen sie die Erlaubnis zum Eintritt in einen so strengen Orden nicht erhalten hätten, zu uns zu kommen, um das Ordenskleid zu nehmen. Innerhalb kurzer Zeit kleideten wir sechs von ihnen mit großer Feierlichkeit ein, obwohl die Verwandten sehr bestürzt waren und in der Stadt große Aufregung entstand; man hielt es für etwas Schreckliches, in unsere Genossenschaft einzutreten. Viele Eltern verwahrten darum, wie man uns sagte, ihre Töchter sehr sorgfältig; denn der Schwester Maria von Jesu, der ersten, die wir aufnahmen, starben bald nach ihrem Eintritte Vater und Mutter, und es verbreitete sich das Gerücht, sie seien vor Gram gestorben. An ihr selbst bemerkte man durchaus keine Reue, sondern im Gegenteil große Zufriedenheit und Dankbarkeit gegen unseren Herrn für die Gnade, dass er sie in unseren Orden geführt. Nicht bloß an ihr haben wir diese Erfahrung gemacht, sondern auch an den übrigen, die eingetreten waren, und an jenen, die später aufgenommen wurden.

19. Nachdem diese ihre Gelübde abgelegt hatten, dachten wir daran, uns mit ihrer Aussteuer ein Haus zu kaufen. Man verhandelte wegen mehrerer Häuser, und bezüglich einiger wurden auch schon Verträge ausgesetzt; allein nie kam ein Kauf zustande, bis wir uns zuletzt entschlossen, das Haus des Herzogs von Sesa zu kaufen. Es standen aber diesem Erwerbe so viele Schwierigkeiten im Wege, dass es uns und allen, die davon hörten, als Torheit erschien, da einziehen zu wollen, obwohl es unter allen Häusern das geeignetste und bestgelegene ist. Endlich entschloß ich mich aber doch, über den Kauf zu unterhandeln. Es hatte mir nämlich schon vor mehr als zwei Jahren die Schwester Sekretärin, die ich nicht mit Namen nenne, weil Euere Paternität sie an der Handschrift erkennen, bestimmt versichert, unser Herr habe ihr dreimal kundgetan, dass wir uns in diesem Hause des Herzogs bleibend niederlassen werden. Sie hat dies mit einer solchen Gewissheit vernommen, dass sie nichts von ihrem festen Glauben hätte abbringen können. Dass es nun wirklich so geschehen, und wir in diesem Hause wohnen, das wissen Euere Paternität. Anna von Jesu.

Anhang

1. Die Familie der hl.Theresia

Don Alfons Sánchez de Cepeda, der Vater der hl. Theresia, entsproß väterlicherseits dem alten Geschlecht der Sánchez und mütterlicherseits dem Stamme der Cepeda. Sein Vater hieß Johann Sánchez de Toledo; seine Mutter Agnes de Cepeda. Doña Beatrix Dávila de Ahumada, die Mutter der hl. Theresia, entstammte väterlicherseits aus dem Geschlechte der Blásquez Dávila, mütterlicherseits aus dem der Tapia. Ihr Vater hieß Johann Matthias Blásquez de Ahumada, ihre Mutter Johanna de Tapia. Sie selbst führte den Familiennamen von ihrer Großmutter väterlicherseits, die dem Geschlechte der Ahumada entstammte.

Nach einer Legende ward der Name de Ahumada einem der Vorahnen der hl. Theresia gegeben infolge einer Heldentat im Kriege gegen die Mauren. Dieser war nämlich mit seinen drei Söhnen in einem Turm eingeschlossen; statt sich zu ergeben, steckte er diesen in Brand, und es gelang ihm schließlich, aus dem brennenden Turm zu entkommen, der sein Familienwappen wurde.

Brüder und Schwestern der hl. Theresia

Don Alfons vermählte sich zuerst mit Doña Katharina del Peso y Enao, die ihm drei Kinder schenkte: Johann Vasquez de Cepeda und Peter de Cepeda. Johann Vasquez starb als Hauptmann der Infanterie in Afrika. Von Peter de Cepeda weiß man nichts. Endlich Maria de Cepeda, von der die hl. Theresia in ihren Schriften häufig und immer voll des Lobes spricht. Doña Maria heiratete im Jahre 1531 den Don Martin de Guzmán y Barrientos.

Aus seiner Ehe mit Doña Beatrix de Ahumada, die er im Jahre 1509 schloß, hatte Alfons neun Kinder.

Ferdinand de Ahumada

Dieser älteste Bruder der hl. Theresia, geboren 1510, begab sich wahrscheinlich um das Jahr 1532 in die Neue Welt, d. i. zu der Zeit, als seine Schwester Zögling im Kloster der Augustinerinnen zu Ávila war. Einzelheiten über die erste Zeit seiner militärischen Laufbahn fehlen. Tatsache ist, dass er um das Jahr 1545 mit seinen Brüdern den Vizekönig Núñez Vela gegen die Angriffe des Gonzalo Pizarro unterstützte.

Die jungen Cepedas brachten ihre Waffen, ihre Rasse und Geldmittel selbst mit und leisteten durch ihre Gegenwart dem unglücklichen Vizekönig Beistand, der von den Seinen verraten und von den Rebellen bedroht war. Ferdinand wurde Generalfähnrich. Er machte mit seinen Brüdern mehrere Gefechte mit und hatte Anteil an dem kleinen Siege von Chinchacara. Als Pizarro mit seinem Heere heranrückte, zog sich der Vizekönig nach Quito zurück. Die Schlacht spielte sich ab vor den Toren der Stadt, in der Ebene von Iñaquito, am 18. Januar 1546; sie war sehr erbittert. Die kleine königliche Armee musste schließlich unterliegen. Ferdinand sah zwei seiner Brüder verwundet fallen, einen anderen, Anton, tödlich getroffen. Er selbst erhielt einen Lanzenstoß, während dem Vizekönig, der vom Pferde fiel, durch einen Negersklaven das Haupt abgeschlagen wurde. Nach dieser vollständigen Niederlage fanden die jungen Cepedas Aufnahme in Quito und konnten sich dort von ihren Wunden erholen mit Ausnahme des Anton, der nach einigen Tagen seinen Verletzungen erlag. Später schlug Ferdinand seinen Wohnsitz in Pasto auf. Er starb im Januar 1565 zu Plasto in Columbien, wie sich aus dem Archiv in Pasto ergibt, wo 1907 Msgr. Polit den Totenbericht entdeckte.

Rodrigo de Cepeda

Rodrigo, geboren im Jahre 1511, also gerade vier Jahre vor Theresia, war jener auserlesene Bruder, mit dem sie in ihren Kinderjahren so heißes Verlangen nach dem Martyrium trug. Im Jahre 1535 schiffte er sich mit der Expedition ein, die von Don Peter de Mendoza geführt und für die Gegend des Rio de la Plata bestimmt war. Die Flotte verließ am 24. August 1535 Sevilla, aber durch Gegenwinde zu San Lúcar zurückgehalten, konnte sie erst gegen September in die hohe See gehen. Damals stand Theresia nahe vor ihrem Eintritt ins Kloster der Menschwerdung. Vor seiner Abreise hatte Rodrigo sie zur Erbin seines Vermögens und seiner etwaigen Erbansprüche eingesetzt. Der Abschied des Bruders von der Schwester war überaus herzlich und schmerzlich. Weit schmerzlicher jedoch war für das Herz Theresiens die Nachricht, die nach ihrer Profeß eintraf. Rodrigo war, nachdem er an der Gründung von Buenos Aires teilgenommen hatte und bis zu den Kordilleren vorgerückt war, in die Gegend von Paraguay hinabgezogen. Dort starb er in der Wüste von Chaco. Er fiel auf ungläubiger Erde und eröffnete dadurch den Missionären den Zutritt, die mit dem Lichte des Evangeliums die Augen jener Volksstämme erleuchteten. Deshalb betrachtete die junge Klosterfrau der Menschwerdung inmitten ihres Schmerzes den Tod ihres innigstgeliebten Bruders als eine Art Martyrium, erlitten für den Glauben.

Laurentius de Cepeda

Laurentius war im Jahre 1519 geboren, also vier Jahre nach Theresia. Das frühzeitige Ende seines Bruders Rodrigo entmutigte ihn nicht. Im Jahre 1540 schiffte er sich in Begleitung seiner beiden Brüder, Hieronymus und Peter, nach Peru ein. Nach ihrer Ankunft im Hafen von Nombre de Dios trennten sich die drei jungen Leute. Während Peter in der Stadt verblieb, überschritten Hieronymus und Laurentius die Landenge von Panama, und nach einer gefährlichsten Fahrt über den Stillen Ozean landeten sie schiffbrüchig im Frühling des Jahres 1541 im Hafen von Buenaventura. Sie begaben sich nach Quito und von da nach Lima. Die beiden Brüder kämpften mutig gegen die aufständischen Indianer. Nachher schlossen sie sich mit ihren anderen Brüdern dem Vizekönig Don Blasko Núñez Vela an und unterstützten seine Partei gegen jene des Gonzalo Pizarro. Laurentius war immer an der Seite des Vizekönigs, der ihm die wichtigsten Sendungen anvertraute. In der Schlacht vom 18. Januar 1546 wurde er wie seine Brüder verwundet. Wieder genesen von seiner Verwundung, erhielt er ein indianisches Lehen in der Provinz Quito. Im Jahre 1549 erwarb er sich das vollkommene Bürgerrecht dieser Stadt, die durch spanische Eroberer vor kurzem gegründet ward. Im Januar 1550 ward er zum Regidor und dann zum königlichen Schatzmeister ernannt. In der Folge hatte er die Ämter eines Gouverneurs, Generalhauptmanns und Alcalden der Stadt inne.

Am 18. Mai 1556 heiratete Laurentius de Cepeda Doña Johanna de Fuentes y Espinosa, die durch ihre Frömmigkeit und ihre hohen Eigenschaften würdig war, die Schwägerin der hl. Theresia zu werden. Aus dieser Ehe entsprossen sieben Kinder. Die Heilige liebte Laurentius und seine junge Frau zärtlich. In einer Zeugenaussage für den Seligsprechungsprozess der Heiligen bestätigte Laurentius, dass Gott um das Jahr 1560 sie eines Tages im Geiste in die Stadt Quito versetzte; dort sah sie ihren Bruder, ihre Schwägerin, ihre Kinder und ihre Dienerschaft; sie hörte die Worte, die zwischen ihnen gewechselt wurden. Lange Zeit nachher bezeugte es die Heilige selbst ihrem Bruder Laurentius.

Im November 1567 starb Doña Johanna de Fuentes, nachdem sie einem Töchterchen das Leben gegeben, das sie nicht mehr überlebte. Der Schmerz des Laurentius de Cepeda war grenzenlos, als er seine Gattin, die er ebenso innig verehrte, als er sie zärtlich liebte, in der Blüte der Jugend ins Grab hinabsinken sah. Folgende Zeilen sind von ihm aufbewahrt: »Die Selige - ich darf sie nach einem solchen Leben und Tode so nennen - war 28 Jahre 4 Monate und 20 Tage alt. Sie ist so heiligmäßig gestorben, dass ich meinen Gott bitte, er möge mir, wenn er es für gut findet, mich abzurufen, die große Gnade verleihen, eines ähnlichen Todes zu sterben. Amen. Sie gab, was nicht wenig heißt, im Sterben dieselben schönen Beispiele wie im Leben. Zweimal versicherte sie mich, dass ich ihr bald folgen würde, und dass ich, wenn ich sie dort oben wiederfinden wollte, fromm leben und treu unserem Herrn dienen müsste. Sie ist begraben im Kloster unserer Lieben Frau zum Danke, angetan mit dem Kleide dieses Ordens, in der Kapelle des hl. Johannes vom Lateran. Sie selbst hatte es so gewollt, wegen der großen Ablässe, die in diesem Heiligtum zu gewinnen sind.«

Nach einem Aufenthalt von 34 Jahren in Amerika kehrte Laurentius de Cepeda im Jahre 1575 wieder nach Spanien zurück mit den drei Kindern Franz, Laurentius und Theresita, die ihm blieben. Bei seiner Rückkehr zerschellte das Schiff bei einem Sturm; nur einige Passagiere konnten sich retten, indem sie sich an die Trümmer des Schiffes anklammerten. Die kleine Theresita blieb auf einem Stück Holz sitzen, ohne eine Träne zu vergießen oder einen Schrei auszustoßen. In ihrer Unschuld hatte sie keine Ahnung von der Gefahr, in der sie sich befand. Aber Gott beschützte sie gegen die Wogen des Meeres. Es kamen Schiffe vorüber, die die Schiffbrüchigen aufnahmen. Vater und Tochter wurden gerettet. Sie setzten ihre Reise bis Sevilla fort, wo sie gerade zu der Zeit ankamen, als sich dort Theresia zur Gründung eines Klosters befand. Don Laurentius besuchte seine Schwester, und indem er ihr seine Tochter zeigte, sprach er: »Siehe da den einzigen Schatz, den ich aus Indien gebracht habe.« Von da an bestand ein ganz heiliger Verkehr zwischen ihm und seiner Schwester, und er machte rasche Fortschritte auf dem Wege der christlichen Vollkommenheit. Am 26. Juni 1580 starb er in Ávila. Seine Schwester hatte eine Offenbarung von seinem Eingang in die Glorie. Sein Grabmal ist noch zu sehen in der Kirche des Klosters zum hl. Joseph in der Kapelle des hl. Laurentius, die er gestiftet hatte. Man liest dort folgende Inschrift: »Laurentius de Cepeda, gestorben am 26. Juni des Jahres 1580. Er ist der Stifter dieser Kapelle und der Bruder der Gründerin dieses Klosters, sowie aller unbeschuhten Karmelitinnen.«

Antonius de Ahumada

Antonius, geboren um 1520, war fünf Jahre jünger als Theresia. Nachdem er seine Schwester bei ihrem Eintritt ins Kloster der Menschwerdung begleitet hatte, zog er sich ins Kloster des hl. Thomas zurück, um das Kleid der Dominikaner zu nehmen. Man sagt, er habe dieses Kleid mit jenem der Hieronymiten vertauscht; jedoch eine Krankheit nötigte ihn, ins väterliche Hans zurückzukehren. Als er seine Gesundheit wiedererlangt hatte, schlug er, wie seine Brüder in Amerika, die vom früheren Wege ganz verschiedene Kriegslaufbahn ein, wahrscheinlich nach dem Tode seines Vaters (1544). Wie schon erwähnt, wurde er in der Schlacht bei Iñaquito 1546 von einem Büchsenschuß getroffen. In die Stadt Quito verbracht, verschied er, versehen mit den Tröstungen der Religion.

Peter de Ahumada

Peter, der fünfte Sohn des Alfons und der Beatrix, ward geboren im Jahre 1521. Wahrscheinlich verließ er in Begleitung des Laurentius und Hieronymus Spanien und landete mit seinen Brüdern in der Stadt Nombre de Dios an der Küste des Atlantischen Ozeans, wo er sich einige Zeit aufhielt. Er irrte darauf an den benachbarten Küsten umher auf der Suche nach Abenteuern und Kostbarkeiten. Man glaubt, dass er die Antillen durchquerte und nach Ferdinand von Soto die Eroberung von Florida versuchte. Im Jahre 1561 war er in Peru. 1575 begleitete er seinen Bruder Laurentius, der mit seinen Kindern ins Heimatland zurückkehrte. Da er für seine schwermütige Gemütsart keine Hilfe fand, war er der Gegenstand teilnahmsvoller Liebe der hl. Theresia und seines Bruders Laurentius, wie aus ihrem ersten Briefwechsel zu ersehen ist. Die Todesnachricht von Petrus de Ahumada traf ein am 19. Februar 1589.

Hieronymus de Cepeda

Hieronymus war geboren im Jahre 1522. Wir begegnen ihm gewöhnlich an der Seite seines Bruders Laurentius. Mit ihm schiffte er sich im Jahre 1540 ein und landete in Nombre de Dios. Mit ihm überschritt er die Landenge von Panama und nahm an der unglücklichen Schlacht von Iñaquito teil. Mit ihm kehrte er wieder zurück und machte sich in Quito seßhaft. Allein nach Spanien konnte er seinem Bruder nicht folgen, da der Tod ihn im Jahre 1575 in Nombre de Dios überraschte.

Augustin de Ahumada

Augustin, der letzte und kampflustigste der Brüder der Heiligen, war geboren 1527. Kaum in Amerika angekommen, vereinigte er sich mit dem berühmten Präsidenten La Gasca. Bald darauf schloß er sich an Don Gracia Hurtado de Mendoza, den Sohn des dritten Vizekönigs von Peru, an und begleitete ihn nach Chile. Aus 17 Schlachten soll er als Sieger hervorgegangen sein. Zwei Jahre diente er auch als Leutnant dem Gouverneur Rodriguez de Quiroga. Zehn Jahre seines Lebens verbrachte er in Chile und verschwendete 6000 Pfund Gold. Im Jahre 1570 kam er wieder nach Peru, wo der neue Vizekönig, Don Franziskus de Toledo, ihn zu sich nahm und zum Mitglied des Kriegsrates ernannte. Er nahm an mehreren Expeditionen teil und hatte wichtige Ämter inne. Unruhig über den unersättlichen Ehrgeiz ihres Bruders und besorgt um sein Seelenheil schrieb ihm die hl. Theresia mehrere Male, um ihn zu veranlassen, nach Spanien wieder zurückzukehren. Nach der Geschichte des Karmel war Augustin Gouverneur einer bedeutenden Stadt in Peru, als ihm seine Schwester schrieb, diese alsbald zu verlassen, wenn er nicht auf einmal Leben und Seele verlieren wolle. Kaum hatte er sein Amt niedergelegt und die Stadt verlassen, als die Indianer dort eindrangen und den neuen Gouverneur und alle dort befindlichen Spanier niedermetzelten. Gegen den Rat seiner Schwester nahm Augustin hernach eine andere Gouverneurstelle an, allein er fand hier nur Verdrießlichkeiten und Bitterkeiten. Im Jahre 1585 kehrte er nach Spanien zurück. 1588 wurde er durch königliches Dekret zum Gouverneur von Tucumán ernannt, und ein Jahr später erhielt er ein indianisches Lehen mit fünfzehnhundert Pfund Rente. Schon bejahrt fuhr er nochmals übers Meer und kam nach Lima. Dort wurde er gefährlich krank, wobei er auf die Eitelkeiten dieser Welt verzichtete, um nur mehr seinem Seelenheil zu leben. Er starb im Jahre 1591 unter dem Beistande des Paters Ludwig de Valdivia, aus der Gesellschaft Jesu, und, wie man sagt, auch in Gegenwart seiner hl. Schwester, die sich schon neun Jahre bei Gott erfreute.

Johanna de Ahumada

Johanna de Ahumada, wahrscheinlich im Jahre 1528 geboren, war das jüngste von allen Kindern des Don Alfons. Die hl. Theresia erzog sie selbst im Kloster der Menschwerdung und verheiratete sie an Don Johann de Ovalle, einen Edelmann in Ávila, dem sie drei Kinder gebar. Johanna und ihr Gatte standen Theresia bei der Gründung des Klosters zum hl. Joseph in Ávila bei. Sehr oft geschieht hierüber im Briefwechsel der Heiligen Erwähnung, und es ist eine schöne Zahl Briefe von ihr an ihre Schwester vorhanden. Sie starb im Jahre 1589. Die beiden Gatten hatten ihr Vermögen den Karmelitinnen zu Alba vermacht. Ihre Gruft, in die nachher auch der Leichnam ihres Sohnes Gonzalo gebracht wurde, findet sich noch in der Klosterkirche. Man liest dort folgende Inschrift: »Dies ist das Grabmal des Johannes de Ovalle y Godinez, der Doña Johanna de Ahumada, seiner Gattin, der Schwester der hl. Mutter Theresia von Jesu, und des Don Gonzalo de Ovalle, ihres Sohnes, die diesem Kloster ihr ganzes Vermögen vermachten mit der Verpflichtung, für ewige Zeiten wöchentlich zwei hl. Messen zu lesen, alljährlich zwei Jahrtage und einige Gedächtnistage zu Ehren der Heiligen zu feiern. Dieses Grabmal ward geschlossen 1594.«

Neffen und Nichten der hl. Theresia

Die Kinder Marias de Cepeda, der älteren Schwester der hl. Theresia, hießen: Johannes von Jesu, Mönch der Reform des hl. Petrus de Alcántara; Didakus de Guzmán, der die leibliche Kousine seiner Mutter heiratete. Sie gebar ihm eine Tochter, Katharina de Guzmán, die sich nachher mit Johann del Aguila verehelichte. Der Briefwechsel der Heiligen scheint anzudeuten, dass Martin de Guzmán und Maria de Cepeda folgende Töchter hatten: Doña Beatrix, die ebenso wie ihre Tochter im Jahre 1570 starb, und Doña Magdalena, die um diese Zeit noch nicht verheiratet war. Die Neffen und Nichten der Heiligen, Kinder ihres Bruders Laurentius, waren: Franz de Cepeda, der Doña Orofrisia de Castello y Mendoza heiratete; Laurentius de Cepeda, der sich mit Doña Maria de Hinojosa verehelichte; Stephan, der mit 12 Jahren starb; Theresita, die unter dem Namen Theresia von Jesu unbeschuhte Karmelitin wurde; zwei andere Söhne und eine Tochter, die im Blütenalter starben. Die Nachkommenschaft des Laurentius de Cepeda und der Maria de Hinojosa ist heute noch zahlreich in Amerika vertreten, hauptsächlich in Ecuador. Die Kinder der Johanna de Ahumada waren: Gonzalo, der als Kind von fünf Jahren verunglückte und durch die Gebete der Heiligen zum Leben erweckt wurde. Er huldigte einige Zeit den Ausschweifungen der Jugend, starb aber in einem Alter von 28 Jahren fromm im Herrn. Beatrix, die nach dem Tode ihrer Tante in den Karmel von Alba eintrat und im Karmel zu Madrid im Rufe der Heiligkeit starb; endlich der kleine Joseph, der kurz nach seiner Taufe, während ihn die Heilige auf ihren Armen hielt, in den Himmel einzog (1561).

Onkel und Tanten der hl. Theresia

Man zählt im allgemeinen vier Brüder und eine Schwester des Don Alfons: Laurentius de Cepeda, Franziskus Alvarez de Cepeda, Peter Sánchez de Cepeda, Rodrigo de Cepeda und Doña Elvira de Cepeda. Man weiß nichts von Laurentius; Rodrigo heiratete in Plasencia Doña Isabella de Carvajal. Franz war jener Onkel, der Theresia bei ihrer Flucht zu den Mauren aufhielt. Er heiratete Doña Maria de Ahumada, eine Nichte der Doña Beatrix, der Mutter unserer Heiligen, die ihm wenigstens sieben Kinder gebar. Sein Leichnam ruht in der Kirche des Klosters zum hl. Joseph in Ávila. Peter Sánchez de Cepeda hatte zur Frau Katharina del Aguila; Witwer geworden, trat er in den Ordensstand. Die Heilige spricht von ihm im dritten und vierten Hauptstück des Buches ihres »Lebens«.

Doña Elvira de Cepeda vermählte sich in Ávila mit Ferdinand Majia. Sie hatte zwei Söhne, Didakus Majia und Peter Majia. Didakus war Ordensritter von Santiago und heiratete Doña Anna de Vergara, hatte aber keine Nachkommenschaft. Peter Majia ist nach Pater Gracián der kranke Verwandte, dessen Heilung die hl. Theresia durch ihr Gebet von Gott erwirkte, wovon sie im 30. Hauptstück ihres »Lebens« spricht. Er vermählte sich mit Doña Isabella Cimbrón und hatte einen Sohn namens Ferdinand Majia. Die Aufzeichnungen über die Brüder und Schwestern der Doña Beatrix de Ahumada fehlen. Man weiß nur, dass sie eine Nichte hatte, die sich mit Franz Alvarez de Cepeda, einem Bruder des Don Alfons, verehelichte.

Vettern der hl.Theresia

Die bekanntesten Vettern der hl. Theresia sind die Kinder des Franz Alvarez de Cepeda, eines Bruders des Don Alfons aus seiner Heirat mit Doña Maria de Ahumada, einer Nichte der Doña Beatrix. Es liegt die Vermutung nahe, dass diese Verwandten der Heiligen jene sind, von denen sie im zweiten Hauptstück ihres »Lebens« spricht und mit denen sie nach ihrem eigenen Geständnisse innigen vertraulichen Umgang pflog.

Die Familienhäuser des Don Alfons und des Don Franz befanden sich einander gegenüber, so dass das Wort der Heiligen: wir trennten uns nicht, ganz natürlich sich erklärt. Auch ist anzunehmen, dass die junge Verwandte, deren Umgang für Theresia nachteilig war und der Doña Beatrix ihr Haus nicht verschließen konnte, ein wenig leichtfertig war. Denn da die Umstände für Besuche sehr günstig waren, so wohnte oder verweilte die Heilige oft im Hause des Don Franz Alvarez de Cepeda.

Man kennt auch die Namen seiner sieben Kinder: Peter Alvarez Cimbrón, der mit Johanna Brochero; Franz de Cepeda, der mit Maria de Ocampo verheiratet war. Didakus de Cepeda, der in Torrijos wohnte und zuerst sich mit Beatrix de la Cruz y Ocampo, dann mit einer Andalusierin verehelichte, deren Namen man nicht weiß; Vinzenz de Ahumada, der Priester wurde und im Jahre 1517 Pfarrer von Villanuova war; Agnes und Anna de Tapia, die zuerst Nonnen im Kloster zur Menschwerdung waren, nachher unter den Namen Agnes von Jesu und Anna von der Menschwerdung zur Reform übergingen und Priorinnen wurden, die eine in Medina del Campo, die andere in Salamanca; endlich Hieronyma de Tapia, die Didakus de Guzmán, den zweiten Sohn der Maria de Cepeda heiratete.

Die hl. Theresia hatte eine andere leibliche Base, mit Namen Maria de Tapia; man weiß aber nicht, ob sie von väterlicher oder mütterlicher Seite verwandt war.

Sie hatte auch einen Vetter, namens Ferdinand de Cepeda, den man oft mit Ferdinand de Ahumada, dem älteren Bruder der Heiligen, verwechselt hat. Beide verweilten eine Zeitlang in der Neuen Welt, beide standen im Briefwechsel mit der hl. Theresia, und darum war man der Ansicht, dass es ein und dieselbe Person sei, und hegte die Vermutung, dass der ältere Bruder der Heiligen ohne Unterschied bald den Namen de Cepeda, bald de Ahumada trug. Das ist vielleicht der Grund für die Meinungsverschiedenheit in Bezug aus die letzte Periode der Laufbahn des älteren Bruders der hl. Theresia. Die einen glauben nämlich, dass er Amerika nicht mehr verließ, die anderen versichern, dass er nach Spanien zurückkehrte, sich dort verheiratete und Nachkommen hinterließ. Man weiß nicht, wessen Sohn Ferdinand de Cepeda war; man erfährt einzig nur durch den Briefwechsel der Heiligen, dass er eine Schwester hatte. Die Geschichtschreiber nennen oft Neffen und Nichten der hl. Theresia die Söhne und Töchter ihrer leiblichen Vettern. Diese sind:

1. Ludwig de Cepeda, Isabella, Beatrix und Eleonora, Kinder des Franz de Cepeda und der Maria de Ocampo. Isabella und Beatrix traten zuerst als Ordensfrauen in das Kloster zur Menschwerdung ein und wurden später unbeschuhte Karmelitinnen unter den Namen Isabella vom hl. Paulus und Beatrix von Jesu. Eleonora heiratete Johann Pérez de Ribadeneira und hatte eine Tochter namens Maria de Ribadeneira.

2. Eleonora de Cepeda und Maria de Ocampo, Töchter des Didakus de Cepeda und der Beatrix de la Cruz y Ocampo. Die erste starb im Blütenalter als Nonne des Klosters der Menschwerdung. Die zweite wurde unbeschuhte Karmelitin und unter dem Namen Mutter Maria Baptista Priorin von Valladolid. Aus einer zweiten Ehe, die Didakus in Andalusien schloß, erwuchs ihm eine zahlreiche Nachkommenschaft. Was Maria Dávila, Tochter des Don Alfons Alvarez Dávila mit dem Beinamen »der Heilige«, betrifft, die unter dem Namen Maria vom hl. Hieronymus unbeschuhte Karmelitin und nach der hl. Theresia erste Priorin im Kloster zum hl. Joseph in Ávila wurde, so war ihr Vater wahrscheinlich ein leiblicher Vetter der Heiligen. Die älteren Schriftsteller nennen sie in der Tat eine Nichte der Heiligen, ein Name, den sie allen jenen ihren Verwandten geben, die mit ihr im selben Grade verwandt waren.

Andere Verwandte der Heiligen

Die Heilige nennt in ihrem Briefwechsel außer den erwähnten Personen ihrer Familie: 1. einen ganz nahen Verwandten, den sie, wie es scheint, einfach mit dem Namen de Cepeda bezeichnet. Vielleicht handelt es sich um einen ihrer älteren Brüder aus der ersten Ehe des Don Alfons. 2. Anna de Cepeda, eine Frau von großer Tugend und Bußfertigkeit, die aber, wie sie sagt, für den Ordensstand nicht geschaffen ist.

Im siebten Hauptstück des Buches ihres »Lebens« erwähnt sie eine Verwandte, alte Ordensfrau im Kloster der Menschwerdung.

Yepes nennt noch eine andere Verwandte: Barbara de Tapia, deren Magd die Heilige nach ihrem Tode wunderbar heilte. Es mangeln jedoch die näheren Aufzeichnungen, um die Verwandtschaftsgrade anzugeben, in denen die verschiedenen Personen zur hl. Theresia standen.

Andererseits ist man allgemein der Ansicht, dass die Mutter Antonia vom Heiligen Geist (Antonia de Enao), eine der vier ersten Novizinnen im Kloster des hl. Joseph zu Ávila, eine Verwandte (der Heiligen) war. Ihr Vater hieß Philippus de Enao, ihre Mutter Elvira Diaz. Weder der Geschlechtsname des Vaters, noch der der Mutter, erinnern an den eines mit der hl. Theresia in aufsteigender Linie Verwandten; und da die erste Frau des Don Alfons den Namen de Enao trug, so darf man mit Recht annehmen, dass Antonia de Enao eher in einem Verwandtschafts¬verhältnis mit dieser stand. Wenn sie eine Kusine von Maria de Cepeda und ihren zwei Brüdern war, so war es ganz natürlich, dass die hl. Theresia mit ihr, wie mit einer Verwandten, verkehrte. Indessen ist es nicht unmöglich, dass sie eine wirkliche Verwandtschaft mit der Heiligen verband, da ja doch, wie man weiß, Doña Beatrix de Ahumada im vierten Grade mit der ersten Frau des Don Alfons verwandt war.

2. Das Kloster der Menschwerdung, Theresiens erster Aufenthalt im Karmel

1. Im Norden von Ávila lag vor Zeiten, durch ein enges Tal von der Stadt getrennt, das Erbgut der Doña Elvira de Medina. Diese fromme Dame, so schreibt Lezana in den Annalen des Karmelitenordens, opferte in ihrem Edelmute ihr Besitztum der allerseligsten Jungfrau Maria und gründete dortselbst im Jahre 1513 ein Kloster der Karmelitinnen unter dem Namen der Menschwerdung. Einsam und stille, gegenüber dem schönsten Teile von Ávila, erhebt sich das Kloster der Menschwerdung, wie es der Pilger heute noch sehen kann; es ist so recht ein Ort für Betrachtung, Beschauung und strenge Buße, wie die hl. Theresia selbst im neunten Hauptstück ihres »Lebens« schreibt: »Für mich war es von Nutzen, wenn ich das Feld oder Wasser oder die Blumen anblickte; diese Dinge weckten mich auf und verhalfen mir zur Sammlung; sie dienten mir statt eines Buches, da ich bei ihrem Anblick des Schöpfers, sowie meiner Undankbarkeit und meiner Sünden gedachte.«

2. Das große, weitausgedehnte Gebäude besteht aus einer schönen Kirche, einem prachtvollen Kloster, einem geräumigen Gemüse und Obstgarten, versehen mit hinreichendem Wasser.

3. Die edelmütigen Bestimmungen der Doña Elvira de Medina erlaubten den Karmelitinnen, ihre Bauten rasch auszudehnen und eine große Zahl von Nonnen aufzunehmen. Nach dem Berichte des Annalisten Lezana bewohnten dieses Kloster bereits im Jahre 1550 180 Nonnen; die hl. Theresia bestätigt in ihren Briefen diese Angabe, indem sie schreibt: »Ich lebte in einem Kloster, in dem 180 Nonnen sich befanden.«

4. Zwei Jahre waren notwendig zur Herstellung dieses Gebäudes, und es ist ein merkwürdiges Zusammentreffen, dass die erste hl. Messe in dieser Kirche gerade an demselben Tage gelesen wurde, an dem Theresia die hl. Taufe empfing. In der Nähe dieses Klosters wurde auch die siebenjährige Heilige, als sie in ihrem sehnsüchtigen Verlangen nach dem Martyrium mit ihrem kleinen Bruder Roderich ins Land der Mauren fliehen wollte, aufgehalten und von ihrem Onkel Franz Alvarez de Cepeda wieder ins elterliche Haus zurückgeführt. Gewiss, ein doppeltes Zusammentreffen, das um so rührender ist, wenn man sich vergegenwärtigt, dass die Heilige nach der weisen Vorsehung Gottes gerade in den Mauern dieses Klosters ein jahrelanges Martyrium der Liebe zu Jesus erdulden musste.

5. Obwohl schon drei und ein halbes Jahrhundert verflossen sind, stellt sich das Kloster der Menschwerdung heutzutage dem Besucher noch in derselben Gestalt dar, wie zu den Zeiten der hl. Theresia. Nur um einige Kapellen und Andachtsräume, die die Schwestern aus Verehrung gegen Ehre hl. Mutter erbauen ließen, wurden die Gebäulichkeiten vermehrt.

6. In dieses Kloster nun lenkte Theresia de Ahumada in einem Alter von 21½ Jahren ihre Schritte, nachdem sie lange im Zweifel war, ob sie bei den Augustinerinnen, die sie erzogen, oder im Kloster der Menschwerdung eintreten sollte.

7. Nach dem Gebrauche jener Zeit vertauschte die Heilige noch am selben Tage das weltliche Kleid mit dem klösterlichen und nahm den letzten Platz ein unter ihren nunmehrigen Mitschwestern. Dreißig Jahre lang sollte Theresia in den Hallen dieses Klosters zubringen, wo sie so viele Gnaden vom Himmel erhielt, wo ihre Seele sich herausarbeitete aus den Eitelkeiten der Welt und emporstieg zur erhabenen Stufe der Vollkommenheit.

8. Wenn wir die Klosterpforte überschreiten, wohin Antonius de Cepeda seine Schwester begleitete, so erinnert uns alles an den Wandel der Heiligen; auf den Gängen schauen wir im Geiste die Spuren ihrer Tritte, alles spricht von ihr, zumal an den Wänden verschiedene Szenen aus ihrem Leben dargestellt sind.

9. Tritt man vom Gange aus ins untere Sprechzimmer, so wird das Auge des Besuchers auf ein tiefergreifendes Bild gelenkt. Einst erschien ihr der Herr mit strenger Miene, als sie sich mit einer weltlichen Person unterhielt, und sagte ihr im Innersten ihrer Seele, dass solche Gespräche ihm missfielen. Ein andermal gab ihr der Herr in diesem Sprechzimmer eine geheimnisvolle innere Warnung. Beide Vorgänge sind in Gemälden verewigt.

10. Im oberen Sprechzimmer war es, wo Theresia den hl. Petrus de Alcántara in Verzückung geraten sah und wo sie selbst in Verzückung fiel, als sie sich mit dem hl. Johannes vom Kreuz über das Geheimnis der allerheiligsten Dreifaltigkeit unterhielt. Da der Heilige mit so begeisterten Worten über dieses große und wunderbare Geheimnis sprach, fiel Theresia auf ihre Knie nieder, um mit tiefer Andacht diese Worte anzuhören. Entflammt vom Feuer der göttlichen Liebe fielen beide in Verzückung, und während Johannes auf dem Stuhle sitzend in die Höhe gehoben wurde, schwebte Theresia innerhalb des Gitters kniend in der Luft. So traf die beiden Heiligen eine Nonne des Klosters, Beatrix von Jesu mit Namen, die eine Botschaft an die Heilige zu überbringen hatte, und ward so Zeuge dieses Wunders.

11. Diese Verzückungen wiederholten sich in der Folge noch sehr oft, besonders während jener Jahre, in denen Theresia Priorin des Klosters der Menschwerdung und Johannes vom Kreuz Beichtvater der Nonnen dortselbst war. Zuweilen, wenn sie mit Johannes sprach, wurde sie erfasst von der Flammenglut des Heiligen Geistes, nicht bloß verzückt, sondern auch lichtstrahlend in die Luft entrückt. Die Heilige, die sich gegen diese außerordentlichen Gnaden sträubte, hielt sich sogar an den Gitterstangen des Sprechzimmers fest, um der göttlichen Gewalt zu widerstehen; allein es war vergebliche Mühe. Die Ursache dieser Verzückungen aber schiebt die Heilige in ihrer Demut auf den hl. Johannes vom Kreuz. »Mit Pater Johannes vom Kreuz«, sagt sie, »muss man sehr zurückhaltend von Gott reden; denn er gerät nicht bloß selbst in Ekstase, sondern bringt auch andere hinein.«

12. Der Ort, wo ein Seraph mit glühendem Pfeile das Herz der hl. Theresia durchbohrte, ist ein im östlichen Flügel des Klosters gelegenes Betzimmer, für das die Heilige besondere Vorliebe hatte, weil es so still und einsam war. In geringer Entfernung von diesem Betzimmer befindet sich der obere Chor, wo die Heilige so viele Gnaden beim Gebete empfing, wo sie anfangs mit so großer Trockenheit bei der Betrachtung zu kämpfen hatte, bis sie später zur wonnevollen Beschauung von Gott erhoben wurde. In diesem Chore ist auch heute noch jene Statue der Mutter Gottes, die von der hl. Theresia bei der Übernahme ihres ersten Priorates im Kloster der Menschwerdung auf den Platz der Priorin gestellt wurde; dieser Statue übergab sie auch die Schlüssel des Hauses und erklärte die Mutter Gottes zur wahren eigentlichen Priorin des Klosters. Ebendort fand auch jene wunderbare Erscheinung der Mutter Gottes im Salve Regina statt.

13. Noch größere Gnaden aber wurden der Heiligen im unteren Chore zuteil. Es war im Jahre 1572; die Heilige zählte bereits 57 Jahre, als ihr nach dem Empfange der hl. Kommunion in Gegenwart des hl. Johannes vom Kreuz und der Nonnen der Menschwerdung der Heiland erschien und, indem er ihr die Hand reichte, zu ihr sprach: »Sieh an diesen Nagel; er ist das Zeichen und das Unterpfand, dass du von heute an meine Braut sein wirst.«

14. Da diese Gunstbezeigung wohl die größte zu nennen ist, die der großen Reformatorin des Karmel im Kloster der Menschwerdung zu Ávila zuteil geworden ist, so wollten sie ihre Mitschwestern auch verewigen, um dieses Bild stets vor Augen zu haben und an die Erhebung ihrer Mutter zur Braut Jesu Christi erinnert zu werden. Zwei schöne Gemälde, unseren Herrn darstellend, wie er der Heiligen die Hand reicht, sind über dem Kommuniongitter, vor dem sie fast dreißig Jahre lang das Brot der Engel empfing, angebracht, das eine auf der inneren Seite, das andere auf der äußeren, der Kirche zugekehrt. Unter den Gemälden stehen die Worte, die der Herr zur Heiligen gesprochen, und auch die Angabe des Tages, an dem ihr diese Gnade zuteil geworden.

15. Betritt man die Kirche, so ist am bemerkenswertesten die große Seitenkapelle, die die Nonnen der Menschwerdung zu Ehren der hl. Theresia an demselben Platze erbauen ließen, an dem ihre Zelle sich befand, die sie als einfache Nonne bewohnte. Auf dem Hochaltare sind zwei Gemälde angebracht; das eine stellt die Heilige dar, wie ihr Herz von einem Seraph verwundet wird, das andere, wie Theresia ihre Werke verfasst. Auf einem anderen Altare ist jene wunderbare Szene der Verzückung des hl. Johannes vom Kreuz und der hl. Theresia verewigt. Das Gemälde zeigt den hl. Johannes auf einem Stuhle sitzend in die Luft erhoben, die hl. Theresia aber in kniender Stellung in der Höhe schwebend; ihr Antlitz ist ganz entflammt, und während ihr Auge zum Himmel emporgerichtet ist, hält sie mit den Händen die Gitterstangen, um sich gegen den mächtigen Gnadeneinfluss Gottes zu wehren.

16. Diese Seitenkapelle ist also der Ort, den Theresia während der ersten Jahre bewohnte, bevor sie ihr Werk als Reformatorin des Karmel begann. Doch besitzt das Kloster der Menschwerdung noch eine andere Zelle, die die Heilige während ihres Priorates dortselbst bewohnte. Diese Zelle ist in Bezug auf ihre Größe unverändert geblieben, wurde aber in ein Oratorium umgewandelt. Jedem, der dieses Oratorium betritt, fällt es auf, dass die Türbekleidung und die Türe selbst arg beschädigt sind; im Laufe der Zeit wurde nämlich von frommen Gläubigen aus Verehrung gegen die Heilige, die diese Zelle bewohnte, gar manches Splitterchen hinweggenommen und als kostbare Reliquie verehrt.

17. Einen Ehrfurcht gebietenden Eindruck macht auf den Besucher der Klostergarten, der einst so oft der Aufenthalt der großen Heiligen von Ávila gewesen. Er ist noch ebenso lieblich und freundlich wie zu den Zeiten der hl. Theresia, nur etwas umfangreicher. Es wurde nämlich das in der Nähe gelegene Häuschen, das einst der hl. Johannes vom Kreuz als Beichtvater der Menschwerdung bewohnte, mit dem umliegenden Boden Eigentum des Klosters und mit dem Garten verbunden. Alles im Garten erinnert noch an die hl. Theresia. Das schöne Gewässer, von dem sie in ihren Schriften spricht, hatte für sie einen besonderen Reiz. Sie konnte sich daran nicht sattsehen, weil ihr Glaube in ihm das Bild der Gnade erblickte. Jenes klar dahinfließende Wasser mag ihr auch Anlass gegeben haben zu jenen wunderbaren Abhandlungen und Vergleichen zwischen den natürlichen und den Wassern der Gnade. Die im Garten zerstreut liegenden Einsiedeleien, die so oft Zeuge ihres vertrauten Umganges mit Gott waren, scheinen noch jetzt jene weihevolle Stimmung kundzugeben wie zu den Zeiten der Heiligen.

18. Das kleine Häuschen, das einst der hl. Johannes vom Kreuz als geistlicher Leiter und Seelenführer der Nonnen der Menschwerdung bewohnte, ist in eine achteckige Kapelle umgewandelt worden und hat jetzt noch den Namen »Klause des hl. Johannes vom Kreuz«. Der Altar dieser Klause ist aus dem Holze der abgetragenen Zelle der hl. Theresia verfertigt; und aus Verehrung gegen die Heilige hat man auch diesen Altar in der natürlichen Holzfarbe belassen, ohne ihn im geringsten zu bemalen oder zu verzieren.

19. Und nun wollen wir vom Kloster der Menschwerdung scheiden mit den erhebenden Eindrücken, die die Seele in dessen Innern empfunden; von jener Stätte sage ich, die durch den Aufenthalt und die Wirksamkeit zweier zeitgenössischer Heiligen aus dem Orden der unbeschuhten Karmeliten so berühmt und verehrungswürdig geworden ist. Offenbar lebt der Geist der hl. Theresia und des hl. Johannes noch lebendig fort in ihren Töchtern, so dass auch noch jetzt von ihnen jene Worte gelten, die einst der Heiland zur hl. Theresia gesprochen: »O Tochter, Tochter, die Nonnen der Menschwerdung sind meine Schwestern.« Ebenso gerne wie einst die hl. Theresia auf ihren vielfachen Reisen bei diesen Nonnen einkehrte und einige Tage in ihrer Mitte verweilte, wird sie jetzt auch vom Himmel her dieses Haus segnen, beschützen und beschirmen. Denn sie selbst sagte ja: »Ich ehre und liebe dieses Haus, wie meine Mutter; ich komme zu euch, weil ihr meine Schwestern seid.«

3. Rede des Bürgermeisters in einer Versammlung zu Ávila, die Aufhebung des St. JosephsKlosters der unbeschuhten Karmelitinnen betreffend

Hohe Herren und hochwürdige Patres!

1. Die Angelegenheit, die uns in diesem Augenblick vereinigt, würde sicherlich nicht erfordern, die Erfahrung so vieler verdienter Männer zu Rate zu ziehen; denn sie ist so einfach, dass die Entscheidung sich von selbst ergibt. Indes hat mich die Achtung, die ich für Sie alle hege, veranlasst, zu diesem Mittel meine Zuflucht zu nehmen, damit klar zutage trete, dass sich meine Maßnahmen auf das Ansehen so hervorragender Persönlichkeiten stützen und sie weder von Übereilung noch von Willkür diktiert seien; so wird der Maßregel, die ich treffen werde, ein um so größeres Gewicht beigelegt werden.

2. Jedermann kennt die Neuerung, die soeben in unserer Stadt durch die Errichtung eines Klosters der unbeschuhten Karmelitinnen entstanden ist. Ich habe »Neuerung« gesagt; denn es genügt schon der Name dieses Wortes, um sofort zu erkennen, dass diese Niederlassung Nachteile mit sich bringt, die in hohem Grade Furcht und Misstrauen hervorrufen müssen. In der Tat, wer wüßte nichts von all den Unruhen, die die Neuerungen im Staate zeitigen, von den Spaltungen, zu denen sie Anlass geben, von den Widersprüchen und Angriffen, zu denen sie unruhigen Geistern Gelegenheit bieten, von der Aufregung, die sie allenthalben verursachen? Und das alles, weil es wirklich in der Natur einer Neuerung liegt, Unordnung und Aufruhr zu schüren, die guten Gewohnheiten zu schädigen und die Wirksamkeit der bestehenden Gesetze zu hemmen. So verhält es sich mit jeder Neuerung im allgemeinen.

3. Jene aber, die uns gegenwärtig beschäftigt, hat noch das Besondere, dass sie unter dem Schleier der Frömmigkeit und der Verbesserung auftritt; allein gerade dadurch wird sie um so gefährlicher. Abgesehen davon, dass die Vermehrung der Klöster und der Orden nicht immer ein wirksames Mittel ist, um die Gesellschaft aufs beste zu fördern, so ist es gewiss, dass es in dieser Stadt nicht nur angemessen, sondern sogar notwendig ist, Neugründungen zu verhindern. Wenn Ávila auch eine der hervorragendsten Städte Spaniens ist, so ist es doch keine der wohlhabendsten, und übrigens befinden sich hier schon so viele Männer und Frauenklöster, als man vernünftigerweise wünschen kann. Infolgedessen ist es nicht gerecht, wenn einige Personen, um sich ganz ihrer Andacht hingeben zu können, uns eine Last auferlegen wollen, die wir nicht tragen können. Selbst dann, wenn das neue Kloster über ein wohlgesichertes Stiftungskapital verfügte, würden desungeachtet die Unzukömmlichkeiten, die ich soeben angedeutet habe, wenigstens zum Teil fortbestehen, weil das, was man dem Kloster endgültig schenkt, tatsächlich der übrigen Bevölkerung weggenommen wird; es ist das ein auf ewige Zeiten für die Öffentlichkeit verlorenes und dem gemeinsamen Gebrauche für immer entzogenes Gut.

4. Was ist also von dieser Gründung zu halten, die errichtet wird ohne Einkünfte, ohne Stiftungskapital und mit der zähe festgehaltenen Absicht, niemals Einkünfte zu haben? Meine Herren, das ist ganz einfach ein erzwungener Beitrag, den man uns im voraus aufbürden will; unter diesen Verhältnissen gründen, heißt nichts anderes als uns das Geld aus der Tasche locken und das Brot vom Munde nehmen. Denn, so frage ich Sie, wer von uns wäre so herzlos, diese armen Dienerinnen Gottes Hungers sterben zu lassen, ohne sie zu unterstützen? Hätten wir da nicht die Verpflichtung, unseren Kindern einen Teil des Notwendigen zu entziehen, um jenen beizustehen?

5. Wenn es außerdem wahr ist, dass die Stadtbehörde die Obrigkeit für alle Bürger ist, wenn es feststeht, dass die religiösen Gemeinden einen Teil der Bevölkerung ausmachen, wie ist es dann zu erklären, dass sich eine neue bildet ohne unsere Zustimmung? Wo ist die Regierung, die jemals einen ähnlichen Missbrauch geduldet hätte? Und wenn es Pflicht ist, auch geringere Missbräuche nicht zu dulden, warum soll man dann vor diesem die Augen schließen, der doch von so weittragender Bedeutung ist?

6. Überdies, meine Herren, wissen wir denn, ob diese Gründung nicht eine Erfindung des Teufels oder die Wirkung einer Täuschung ist? Man sagt ja, dass diese Nonne Offenbarungen hat und auf einem außergewöhnlichen Wege wandelt. Und gerade das flößt mir Furcht ein und muss die Aufmerksamkeit denkender Menschen erwecken. Tatsächlich haben wir in jüngster Zeit solche vom Geiste der Lüge beeinflusste Frauenspersonen gesehen, und übrigens ist es schon von jeher gefährlich gewesen, Neuerungen Gehör zu schenken, zu denen ihr Geschlecht ohnehin zu große Neigung hat. Ich beabsichtige durchaus nicht, den guten Glauben und die aufrichtige Gesinnung dieser Nonne in Zweifel zu ziehen, um so weniger als ich in diesen Dingen nicht zuständig bin; aber ich möchte wenigstens das Misstrauen ernst denkender Geister erwecken, damit man den Neuerungen gegenüber auf der Hut sei und man die Klöster nicht maßlos sich vermehren lasse; ferner damit keines ohne Erlaubnis und Einwilligung der Vertreter der Obrigkeit gegründet werde; endlich damit man wisse, dass es ihnen mit Zustimmung kluger Männer zusteht zu entscheiden, ob die Errichtung eines Klosters zum Dienste Gottes gereicht oder nicht.

7. Das, meine Herren, ist meine Meinung, und ich glaube wohl, dass sie die Zustimmung von Männern finden wird, die durch ihr reifes Urteil und ihre Erfahrung ebenso hervorleuchten wie jene, die in dieser Versammlung anwesend sind.

4. Rede des Paters Dominikus Báñez zur Erhaltung der ersten Klosterstiftung in Ávila

1. Es wird in der Tat als Anmaßung von mir erscheinen, eine Entscheidung entkräften zu wollen, die von so hervorragenden und verständigen Männern gebilligt wird und sich auch auf stichhaltige Gründe stützt. Indes, wenn jeder Mensch an seinem Gewissen einen zuverlässigen Führer besitzt, wenn er sich an diese Richtschnur mehr als an die Meinung eines anderen halten muss in Beratungen, wo man wie in dieser hier mit voller Freiheit seine Meinung sagen darf, so fühle ich mich verpflichtet, im voraus zu erklären, dass mein Gewissen mich bestimmt, für das neue Kloster der unbeschuhten Karmelitinnen Partei zu ergreifen. Übrigens werden meine Worte das Gute für sich haben, dass sie jeder leidenschaftlichen Voreingenommenheit entbehren, da ich niemals mit der Stifterin sprach, ja sie nicht einmal kenne und mich auch in keiner Weise mit der Angelegenheit beschäftigt habe.

2. Diese Niederlassung ist neu, hat man gesagt. Dies ist wahr, und als solche hat sie in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckt, den gewöhnlich alles Neuartige erzeugt. Allein das ist kein Grund, dass man in einer Versammlung von so ernstdenkenden und verständigen Männern diesem nämlichen Eindruck nachgibt mit der Ausrede, dass alles, was neuartig ist, dadurch allein schon tadelnswert ist.

3. Sind etwa die übrigen religiösen Orden unter anderen Umständen entstanden? Sind nicht die Reformen, die wir tagtäglich vor Augen haben oder die schon vor uns eingeführt wurden, gerade in dem Augenblicke zutage getreten, wo man am wenigsten an sie dachte? Ist nicht die christliche Kirche selbst durch ihren göttlichen Stifter wiederholt erneuert worden? Eines ist sicher: wenn wir uns alle von der Furcht vor diesem eitlen Gespenst, Neuerung genannt, einnehmen ließen, so wäre es nie möglich, in der Kirche etwas Neues einzuführen, so nützlich und vorteilhaft es auch sein würde. Verstehen wir es wohl: jedes Werk, das zur größeren Ehre Gottes beitragen soll und auf Verbesserung der Sitten abzielt, darf man nicht mit dem Namen »Neuerung« oder »verwegene Neueinführung« brandmarken, sondern es ist dies als eine Wiederbelebung der Tugend zu bezeichnen, und diese ist immer etwas Altehrwürdiges. Wenn man es nicht als etwas Neuartiges betrachtet, dass die Bäume sich im Frühling mit neuem Laub schmücken und die Sonne an jedem Morgen am Horizont wieder erscheint, warum soll man dann, so bitte ich Sie, diese geistige Wiederbelebung, die sich in den Ordensfamilien vollzieht, als eine tadelnswerte Neuerung bezeichnen?

Was ist denn bei ihnen mehr zu tadeln, der Verlust ihres früheren Eifers oder dessen Wiedererneuerung? Und wenn ihr Verfall auf uns einen schmerzlichen Eindruck gemacht hat, warum sollten wir dann an der Rückkehr zu ihrer ursprünglichen Regeltreue Anstoß nehmen? Das jedoch, meine Herren, ist eine verdammungswürdige Neuerung, dass man der Tugend und dem Wunsche, Gott eifriger zu dienen, Hindernisse in den Weg legt. Nun aber, was ist das soeben gegründete Kloster der Karmelitinnen anderes als eine Wiederherstellung des ursprünglichen Ordensgeistes, was anders als eine Rückkehr zu den in Vergessenheit geratenen Ordensbräuchen, die zum Wohle dieses heiligen Ordens und zur Erbauung des christlichen Volkes wunderbar beitragen muss? Von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet ist also die Begünstigung dieser Gründung eine Pflicht für alle, insbesondere aber für die Machthaber der katholischen Staaten, weil es diesen zusteht, so lobenswerte Unternehmungen zu fördern. Möge es Gott gefallen, dass diese mutige Jungfrau viele Nachahmer findet! Welche Ehre für Ávila, für ganz Spanien, ja für die gesamte Kirche, wenn wir alle in ihre Fußstapfen eintreten würden!

4. Ich billige die übermäßige Vermehrung der Ordenshäuser nicht. Immerhin aber scheint es mir ziemlich schwierig zu sein, hierin eine genaue Grenze festzusetzen. Denn wenn sich niemand darüber beklagt, dass die vielen unnützen und lasterhaften Menschen, auch wenn sie sich noch so sehr vermehren, zu zahlreich werden, warum werden dann jene, die die Übung der Tugend geloben, gerade aus diesem Grunde ungern gesehen und verfolgt? Die Städte wimmeln von charakterlosen, unsittlichen Menschen; in den Straßen begegnet man auf Schritt und Tritt Vagabunden, Flegeln und Faulenzern; man sieht überall junge Wüstlinge und Personen von schlechtem Lebenswandel, und niemand erhebt die Stimme, um gegen das übermäßige Anwachsen dieser traurigen Brut Einsprache zu erheben, niemand denkt daran, Abhilfe zu schaffen.

5. Und nun sollten vier arme, schwache, in einem Winkel zusammengepferchte Nonnen eine Geißel, eine Last sein, die die Gesellschaft nicht zu ertragen vermag? Dies sollte das schreckliche Übel sein, das eine ganze Stadt empört und in Aufruhr versetzt, weswegen man Versammlungen abhält? In der Tat, meine Herren, warum sind wir denn eigentlich hier versammelt? Bestürmt vielleicht der Feind unsere Mauern? Steht etwa die Stadt in Flammen oder richtet die Pest ihre Verheerungen an? Macht sich eine Hungersnot fühlbar oder endlich, welches Unglück bedroht uns denn? Vier demütige, arme, friedliebende, tugendhafte unbeschuhte Karmelitinnen und sie allein sind also die Ursache all dieser Unruhen in Ávila? Wahrhaftig - es sei mir erlaubt, es zu sagen - in einer Stadt wie der Ihrigen würde die Obrigkeit sich selbst ein Unrecht zufügen und sich erniedrigen, wenn sie wegen solch geringfügiger Dinge so zahlreiche Versammlungen einberuft.

6. Was nun die Gründung ohne Einkünfte betrifft, so scheint mir das, ich muss es gestehen, nicht klug zu sein, zwar nicht aus dem Grunde, weil es eine Last für die Stadt ist - denn diese Last ist sehr gering - , sondern vielmehr, weil ich fürchte, es möchte daraus für die Nonnen eine Notlage entstehen, die bei einem Leben in so strenger Klausur und beim Mangel an gesichertem Einkommen in Dürftigkeit und Not geraten könnten. Ich will auch zugeben, dass die (weltlichen) Behörden das Recht und die Pflicht haben, sich allem entgegenzustellen, was dem öffentlichen Wohle Eintrag tun könnte; allein das ist nur von dem zu verstehen, was sich auf die rein bürgerliche und zeitliche Ordnung bezieht; in den Fragen der geistlichen und kirchlichen Ordnung steht das Urteil einzig dem Bischof zu; und wenn mit seiner Erlaubnis Klöster gegründet werden, so hat er auch die Pflicht, für ihre Bedürfnisse Sorge zu tragen.

7. Was nun im besonderen die soeben vollzogene Klosterstiftung betrifft, so ist sie nur mit Wissen und Willen des Bischofs erfolgt, nachdem man ihn zuerst um Rat gefragt hatte. Und was noch von größerer Bedeutung ist, es stützt sich diese Klostergründung auf ein besonderes Breve des Heiligen Stuhles. In jeder Hinsicht ist also dieses Haus der weltlichen Gerichtsbarkeit entzogen.

8. Ich bin also, hohe Herren und wohlehrwürdige Patres, keineswegs der Ansicht, dass die Unterdrückung des neuen Klosters in der Macht der städtischen Behörde liegt; hat man irgendeine Klage vorzubringen und tritt der Fall ein, dass es deswegen tatsächlich zur Unterdrückung kommt, so hat man sich mit dem Bischof zu verständigen, der allein zu entscheiden hat, was im gegebenen Falle das geeignetste zu sein scheint.

5. Die hl. Theresia im St.JosephsKloster zu Ávila vom Jahre 1562-1567 und 1577-1579

1. Es wäre eine große Freude für mich, wenn ich ein besseres Gedächtnis hätte, weil ich mich viel leichter der mir vom Gehorsam übertragenen Aufgabe entledigen könnte, nämlich zu berichten, was ich von unserer hl. Mutter Theresia von Jesu gesehen und aus ihrem Munde vernommen habe, während sie in diesem Kloster verweilte. Hätte ich ein besseres Gedächtnis, so könnte ich vieles erzählen. Auch muss ich bemerken, dass seit dieser Zeit mehr als zwanzig Jahre verflossen sind, ich meine seit Errichtung dieses Klosters, in dem sie uns, die wir neu eintraten, ein bewunderungswürdiges Beispiel gab. Ferner betrachtete man in jener Zeit die Vorgänge, wie sie sich eben ereigneten; man dachte nicht daran, sie aufzuzeichnen und ließ sie so der Vergessenheit anheimfallen. Ich kann also über diesen Zeitabschnitt bloß im allgemeinen sprechen und nur beispielsweise von ihrer Demut, Nächstenliebe und ungemein großen Liebenswürdigkeit erzählen, die die Heilige einer jeden aus uns erwies.

2. In diesen ersten Zeiten nahm man keine Laienschwestern auf, und jede Schwester musste eine Woche lang die Besorgung der Küche übernehmen. Trotz ihrer vielfachen Beschäftigungen übernahm unsere hl. Mutter, ebenso wie die anderen, ihre Woche. Es war für uns eine große Freude, sie in der Küche zu sehen; denn sie erfüllte dieses Amt mit großer Hingabe und war überaus aufmerksam, uns alle gut zu bedienen. Es scheint, dass Seine Majestät gerade in dieser ihrer Woche mehr Almosen schicken wollte, als in den anderen, was die hl. Mutter zur Äußerung veranlasste, dass unser Herr sich nach ihren Wünschen richte; gerade wie sie im Sinne hatte, uns gut zu bewirten, schickte ihr unser Herr die dazu nötigen Mittel. Manchmal konnte sie der ganzen Kommunität nicht mehr als ein oder zwei Eier oder andere Speisen von gleicher Menge vorsetzen. Sie sagte alsdann, dass dies jenen gehöre, die es am notwendigsten bedürften. Wir meinten, dass sie selbst sich in dieser Lage befände, da sie ja von so vielen Krankheiten heimgesucht war; allein niemals wollte sie es annehmen, indem sie bemerkte, nichts nötig zu haben. Wenn sie so sprach, wollte sie ihre Töchter nötigen, [die Speise] anzunehmen; denn sie war immer bereit, ihnen den Kummer zu ersparen und ihn selbst auf sich zu nehmen.

3. In der Tugend der Nächstenliebe zeichnete sie sich besonders in Bezug auf die Kranken aus und drang darauf, dass sie mit allem Notwendigen versehen waren. Wir machten in dieser Beziehung die Wahrnehmung, dass unser Herr auf ihr lebendiges Vertrauen hin für die Bedürfnisse der Schwestern Sorge trug. Deshalb sagte sie uns oft, dass der göttliche Meister, soweit es an ihm liege, es uns nie an etwas fehlen lassen werde, wenn wir nur in seinem Dienste treu blieben. Sie sprach so, da sie hierin wohl erfahren war.

4. Über das Vertrauen, womit die hl. Mutter ihre Angelegenheiten vollführte, sage ich folgendes: Kurz nach der Gründung dieses Klosters erzählte sie uns eines Tages, dass sie, um ein gewisses Werk in Ausführung zu bringen, nicht eine Blanka besaß und auch nicht wusste, woher sie sich eine solche verschaffen konnte. Da die Not drängte, entschloß sie sich das Werk in Ausführung zu bringen, das eine Ausgabe von 80 Dukaten erforderte. Nachdem der Kontrakt abgeschlossen war, erhielt sie von einer Person einen Besuch, der sie die Angelegenheit erzählte. Diese stellte an sie die Frage, wie sie denn so habe handeln können, ohne etwas zur Bezahlung zu haben. »Gott wird dafür sorgen«, sagte sie. Und in der Tat, am nächsten Morgen brachte man ihr Briefe von ihrem Bruder aus Indien, der ihr, wenn ich mich nicht irre, mehr als 200 Dukaten schickte.

5. Ein anderes Mal war es notwendig, eine Kapelle für dieses Kloster zu bauen; es war jene, die vor der jetzigen Kirche stand. Es handelte sich nicht darum, sie neu zu erbauen, aber nichtsdestoweniger war es eine Arbeit, die eine beträchtliche Summe Geldes erforderte. Die hl. Mutter besaß nicht eine Blanka und wusste nicht, was sie tun sollte. Sie rief die Schwester, die das Amt einer Prokuratorin versah, und fragte sie, ob sie ihr etwas geben könne, um die Arbeit zu beginnen. Die Schwester gab ihr zur Antwort, dass sie nur einen Cuarto besitze. Diese Antwort bereitete der Heiligen lebhafte Freude und hielt sie keineswegs ab, das Werk zu unternehmen. Sie begann es daher und vollendete es in kurzer Zeit, weil unser Herr ihr dazu genügend Almosen schickte.

6. Wollte ich nun von den Wirkungen sprechen, die ihr Gebet in den Seelen hervorbrachte, so gäbe es da wohl viel zu sagen. Ich habe von einer vornehmen Person dieses Landes gehört, dass die hl. Mutter Kenntnis von der Gefahr hatte, in der sie sich befand. Diese Person hatte den innigen Wunsch, sich der Gelegenheit zur Sünde zu entziehen, aber sie vermochte es nicht, weil die Gelegenheit immer vor ihren Augen war und sie nicht die Kraft fühlte, sich davon loszureißen. Die hl. Mutter vermochte bei unserem Herrn so viel, dass dieses Verhältnis, das schon seit langem bestand, plötzlich in sehr kurzer Zeit aufgegeben wurde. Sie fand Mittel und Wege, um mit dieser Person zu sprechen und an sie zu schreiben. Durch ihre Hilfe sowohl, wie auch durch ihre Gebete und vielen Bußübungen, die sie in der Meinung verrichtete, wurde nicht nur die Gelegenheit und das Ärgernis beseitigt, sondern die Seele gewann daraus auch großen Fortschritt und geistlichen Nutzen. Sie blieb für diese Gnade sehr dankbar, die ihr unser Herr durch die Vermittlung der hl. Mutter gewährte.

7. Ich habe sagen hören, dass sich in einem gewissen Dorfe ein Geistlicher befand, der seit zwei Jahren im Zustand der schweren Sünde lebte. Als die hl. Mutter davon hörte, schrieb sie ihm einen Brief, der einen solchen Eindruck auf ihn machte, dass er, so sagt man, die Sünde aufgab. Diesen Brief trug er sorgfältig bei sich. Die Angelegenheit erforderte ohne Zweifel viel Gebet von seiten der hl. Mutter. Wir wussten, wie viele Gebete notwendig waren und welche Angriffe sie von seiten der bösen Geister aushalten musste, wenn sie sich für eine Seele verwendete, die sich in gleicher Lage befand. Wir waren zuweilen von Mitleid gerührt, wenn wir sahen, in welchen Zustand diese ihren Körper versetzten; denn wenn auch der Kampf innerlich sich vollzog, so empfing sie doch auch äußerlich viele Schläge. Sie wusste wohl, dass die bösen Geister wütend waren über das, was sie für sündige Seelen tat. Denn sie vernahm ihre Drohungen und Versicherungen, dass sie sich rächen würden. Später erzählte sie mir dies manchmal und fügte bei, dass sie jedesmal, wenn sie eine von diesen Seelen auf dem Wege der Bekehrung und des Fortschrittes wandeln sah, wusste, dass sie es büßen müsse. Und dies traf oft zu, da ihr Eifer für das Heil der Seelen ungemein groß war.

8. Sie hatte ein großes Verlangen nach Bußübungen, so dass sie fortwährend neue Strengheiten erfand. Trotz ihrer großen Schwächen ließ sie sich nicht zurückhalten. Eines Tages kam sie mit den Schwestern überein, uns ganz mit grobem Wollstoff zu bekleiden und selben auch auf bloßem Leibe zu tragen, statt der Unterkleider aus Leinwand, wie wir sie jetzt haben. Die Bettücher und Kopfkissen mussten vom gleichen Stoffe sein. Hierauf erklärte sie sich als die Erste bereit, sich damit zu bekleiden, was sie auch tat. Sollte es schädlich sein, so wollte sie, wie sie sagte, lieber zuerst den Versuch machen, bevor sie die Schwestern die Kleidung tragen ließ. In der Tat trug sie diese auch einige Zeit und ebenso alle Schwestern, aber der Obere gab den Befehl, es zu unterlassen, weil, wie man versicherte, diese Bußübung der Gesundheit sehr nachteilig wäre.

9. Was ihr Gebet betrifft, so gab sich die hl. Mutter viel Mühe, es zu verbergen; aber je mehr sie sich in dieser Hinsicht abmühte, desto mehr machte es unser Herr, wie es scheint, offenbar. Es bereitete ihr großen Schmerz, im Rufe der Heiligkeit zu stehen. Ich habe ein von Ihrer Hand verfertigtes Schriftstück gesehen, das eine vertrauliche Mitteilung an einen ihrer Beichtväter enthielt. Da sie wohl wusste, dass man sie für eine Heilige hielt, so drückte sie den Wunsch und die Absicht aus, in ein weit entlegenes Kloster sich zu begeben und dort als Laienschwester einzutreten, um unbemerkt und unbekannt zu bleiben. Aber der Herr, der sie zu erhabeneren Werken bestimmte, ließ diesen Schritt nicht zu. Dies ereignete sich vor der Gründung unseres Klosters.

10. Ich habe von einem ihrer Beichtväter, einem durch Wissen und Geist ausgezeichneten Manne, sagen hören, dass sie in ihren Gesprächen mehr einem Engel als einem Menschen glich. Und ich wundere mich nicht, dass er so sprach; denn außer dem Gewinn, den, wie er wusste, die Seelen im Verkehr mit ihr schöpften, hatte er selbst großen geistigen Nutzen daraus gezogen. Dieser Pater war ohnehin schon ein guter Ordensmann, und in der Folge sah man an ihm einen bemerkenswerten Fortschritt in den Tugenden. Die Mutter sagte mir eines Tages, dass sie, als sie für ihn zu Gott betete, zu Seiner Majestät gesprochen habe: »Herr, dieser ist ganz geeignet, unser Freund zu sein.« In solcher Vertraulichkeit verkehrte sie mit Gott.

11. Ich komme wieder zurück auf die Anstrengungen, die sie machte, um ihr Gebet verborgen zu halten. Es begegnete ihr eines Tages, dass sie sich mit ihrem Körper von der Erde erhoben fühlte. Sie war eben im Begriff, zu kommunizieren. Wohl wissend, was vorging, ergriff sie mit beiden Händen das Gitter und klammerte sich fest daran. Es bereitete ihr großen Schmerz, so augenfällige Wirkungen zu sehen, und sie selbst sagte, es habe ihr nicht geringe Mühe gekostet, von Gott davon befreit zu werden. Die Verzückungen, die sie in unserer Gegenwart überraschten, betrübten sie ohne Zweifel; desungeachtet fügte sie sich. Aber als auch auswärtige Personen es merkten, wurde ihr Schmerz ungemein groß. Während der ganzen Zeit verbarg sie es, so gut sie konnte, und gab vor, dass sie herzleidend sei. Wenn sie vor Zeugen in Verzückung fiel, bat sie flehentlich, ihr ein wenig Speise oder Getränk zu reichen, um den Anschein zu erwecken, als sei dies eine Folge der Krankheit.

12. So widmete sie sich dem Gebete, den Bußwerken und dem Eifer für die Seelen, und gab uns ohne Unterlass die schönsten Beispiele der Demut. Da traf der wohlehrwürdige Pater General von Rom ein und erteilte ihr die Vollmacht, neue Klöster zu gründen. Als sie uns verließ, um die erste dieser Stiftungen vorzunehmen, waren es fünf Jahre, seit unser Kloster gegründet wurde. Unser Schmerz war an dem Tage, an dem wir sie von uns scheiden sahen, außerordentlich groß; denn wir trugen große Liebe zu ihr. Jede von uns würde es als ein großes Glück gehalten haben, wenn sie uns mit sich genommen hätte. Bevor sie sich entfernte, hatte sie Sorge getragen, das Haus und den Garten in bester Ordnung zurückzulassen, damit uns ihre Abwesenheit nicht schwer ankam. Da sie für diese Vorkehrungen keine Mittel besaß, so nahm sie eine Schuld von 9000 Realen auf, aber wie bei anderen Gelegenheiten mit dem festen Vertrauen, unser Herr werde alles ordnen. Und in der Tat schickte ihr der Herr Novizinnen, die das nötige Almosen mitbrachten und außerdem alle nur wünschenswerten Tugenden besaßen. Es war dies keine kleine Gunst, dass sich unter solchen Verhältnissen Personen fanden, die in diesem Kloster das Ordenskleid nahmen. Und kaum hatte man gehört, dass die Heilige dieses Kloster verlassen habe, als es wirklich alle für verloren hielten; man glaubte, das ganze Werk falle in sich zusammen. Wir, die wir im Kloster zurückblieben, waren nicht in Sorge; denn alles, was Seine Majestät zugunsten des Klosters tat, seitdem wir es bewohnten, gab uns den klarsten Beweis, dass es sein Werk war. Unser einziger Kummer war, dass wir uns unserer hl. Mutter beraubt sahen. Sie empfand es auch schwer, als sie uns verließ, aber sie gab sich Mühe, den Schmerz zu unterdrücken, aus Furcht, uns zu betrüben.

13. Als sie abreiste, begab sie sich in eine im Kloster sich befindliche Einsiedelei zum Heiland an der Geißelsäule, um diesen göttlichen Meister inständig um die Gnade zu bitten, bei ihrer Rückkehr die klösterliche Gemeinschaft im selben Zustande wiederzufinden, wie sie sie verlassen. Unser Herr erfüllte ihre Bitte, was sich in der Folge klar zeigte. Man sah ganz augenscheinlich, wie Seine Majestät dieses Kloster nicht nur in geistlicher, sondern auch in zeitlicher Hinsicht begünstigte. Es leuchtete jedem ein, dass dies die Folge des Gebetes der hl. Mutter war. So sehr sie auch übrigens mit ihren Gründungen beschäftigt war, so trug sie doch für diese Kommunität Sorge und blieb deren Priorin. Man sah es wirklich ganz offenbar, die Subpriorin hatte sehr wenig mit deren Leitung zu tun.

14. Da die hl. Mutter selbst schriftlich hinterlassen hat, was sich während des Zeitabschnittes ihrer Klosterstiftungen zutrug, so will ich bloß erwähnen, dass sie nur den geringsten Teil davon wiedergegeben hat. Wollte ich alles, was ich von der hl. Mutter über ihre Verfolgungen und Leiden erzählen hörte, berichten, es würde ein ganzes Buch ausfüllen. Ich möchte hier nur ihre Geduld hervorheben, die für mich während der zwei Jahre, die sie nach der Gründung von Sevilla in diesem Kloster verlebte, ein Gegenstand beständiger Bewunderung war.

15. Sie traf hier von Toledo aus ein, gerade als es sich darum handelte, uns unter den Gehorsam des Ordens zu stellen. Die lebhafte Freude, die ihr dieser Wechsel verursachte, sollte durch Verleumdungen und Verfolgungen, die alsbald über sie hereinbrachen, wieder sehr herabgedrückt werden. Man beschäftigte sich damals mit der Errichtung einer getrennten Provinz. Die Ränke des bösen Feindes und die Wirren, die er gegen diesen Plan heraufbeschwor, waren derart groß, dass die hl. Mutter ohne die ihr von Gott verliehene vollkommene Tugend nicht hatte standhalten können. In der Tat suchte der böse Feind nicht nur die Errichtung dieser Provinz zu vereiteln; er bot auch alles auf, die schon bestehenden Klöster zu zerstören. Zu diesem Zweck erfand er die entsprechenden Mittel, um die Ordensfrauen nebst ihrer Mutter durch Andichtung abscheulicher Verleumdungen in Misskredit zu bringen, und zwar in so schwerwiegenden und verabscheuungswürdigen Dingen, dass man sie nicht einmal anhören konnte. Über diese und noch andere Vorkommnisse wurden der hl. Mutter sehr oft briefliche Mitteilungen gemacht, um sie über die täglichen Begebenheiten auf dem Laufenden zu erhalten; denn man setzte sie von allen einzelnen Angelegenheiten in Kenntnis und pflegte nichts ohne ihr Gutachten zu tun. Aber alle diese Vorkommnisse spielten sich ab unter Mitwirkung gewichtiger Persönlichkeiten und unter den Augen des Nuntius.

16. Sehen wir nun jetzt, wie sich die hl. Mutter all dem gegenüber verhalten hat. So oft sie erfahren, was man über sie sagte, und mit wie viel Mühe und Aufwand man in so schändlicher Weise ein Werk zugrunde richten wollte, auf das sie so viel Anstrengungen verwendet hatte, da rief sie uns zusammen und las uns diese Briefe vor. Sie selbst bewahrte den Frieden und die vollkommenste Ruhe; ja, nicht selten lachte sie über das Gerede der Leute. Alle (denkbar schlimmen und unwahren) Aussagen vermochten die Heilige weder zu kränken, noch zu beunruhigen, noch auch im mindesten aufzuregen. Ja, noch mehr, sie versicherte sogar, dass sie eine große Liebe gegen ihre Widersacher trage und diese dem lieben Gott angelegentlichst empfehle. Damit gab sie sich aber noch nicht zufrieden. Ich habe wiederholt von ihr gehört, dass ihr dies alles oft eine recht innige Freude verursache. Dies trat besonders zutage in der äußerlichen Zufriedenheit und Heiterkeit, die wir an ihr bemerkten. In solchen Fällen pflegte sie zu sagen: »Man erweist mir einen großen Dienst; denn weiß ich mich auch unschuldig in diesem, so habe ich doch in anderen Punkten Gott beleidigt, und so mag das eine für das andere gelten.«

17. Zu wiederholten Malen meldete man der hl. Mutter, es sei alles verloren; und wirklich schienen die Verhältnisse sich von Tag zu Tag zu verschlimmern. Sie jedoch ertrug alles mit solchem Mut und Vertrauen, dass sie von unserer Seite durchaus keines Trostes bedurfte, sondern vielmehr uns in unserer Trostlosigkeit aufrichtete; sie gab uns die Anweisung, alles unserem Herrn zu empfehlen und uns keineswegs zu betrüben, da ja alles einen sehr guten Ausgang nehmen werde. Gerade dann, wenn jeder alles gewiss für verloren hielt, schien sie neues Vertrauen zu fassen. Jenen, die eine derartige Nachricht brachten, antwortete sie: »Sie sehen, was vorgeht; nun wohl! all dies wendet sich zum Besseren.« Und wahrlich schien es bei ihr so einzutreffen; ich hörte sie nämlich in der Folge von dem großen Vorteil, der ihrer Seele dadurch erwuchs, und von dem Nutzen sprechen, den sie aus den Prüfungen und Widersprüchen schöpfte. Jene Prüfungen, die ihr ihre Freunde bereiteten, waren keineswegs die geringeren, sondern im Gegenteil die schwersten von allen. Da diese die hl. Mutter am empfindlichsten trafen, so verschafften sie ihr Gelegenheit, um so mehr zu leiden. Und sie hatte in der Tat von seiten ihrer Freunde Schweres zu erdulden; denn da sie von ihren guten Absichten und von ihrer aufrichtigen Zuneigung zu ihr überzeugt war, so glaubte sie, dass jene im Rechte seien, sie selbst aber irre. Es waren dies außerdem Personen von erprobter Tugend, ein Umstand, der die Heilige mit äußerster Bestürzung erfüllte. Sie sagte mehr als einmal, dass nach ihrer Meinung jene richtig urteilten und nur sie sich täusche. Doch wie man sie auch ängstigen mochte, ich hörte von ihr über diese oder jene immer nur Worte von großer Erbauung. Sie versicherte, dass diese Personen heilig seien, sowie auch alle ihre Handlungen. Dies trug sich innerhalb der zwei Jahre zu, als die Verfolgungen am heftigsten wüteten.

18. Blieb ihr nach Erledigung der Geschäftskorrespondenz etwas Zeit übrig, so schrieb sie an die Nonnenklöster, um ihre Töchter zu trösten. Diese bedurften sehr des Trostes; denn sie konnten nur mit tiefer Betrübnis es sehen, wie man geradezu darauf ausging, ihre Klöster zu zerstören. Schon der Anblick ihrer Handschrift gereichte den Nonnen zum Troste. Aber nicht lange sollten sie sich dieser Gnade erfreuen; denn der böse Feind bot alles auf, ein Hindernis in den Weg zu legen. Plötzlich fiel die hl. Mutter eines Abends von oben nach unten die Treppe hinab; dieser Fall war aber so eigentümlich, dass man es für ganz gewiss hielt, niemand anders, als der böse Feind selbst habe sie von der obersten Stufe hinabgeschleudert. Sie hielt ihre Lampe in der Hand, und als sie oben auf der Treppe angekommen war und in den Chor zur Komplet sich begeben wollte, wurde sie vom Schwindel erfasst; darauf wandte sie sich, wie sie selbst erzählte, um und kam zu Falle. Sie verwundete sich derart am Arm, dass sie ihn seitdem nie mehr wie zuvor bewegen konnte. Die Schmerzen aber, die der kranke Arm verursachte, waren außerordentlich groß, und jahrelang war sie unfähig, ihn zu gebrauchen. Welch harte Prüfung für uns, die wir sie in diesem Zustande sahen, und auch für die hl. Mutter! Sie konnte sich ja von nun an weder an noch auskleiden, noch sich selbst den Schleier aufsetzen; sie war auch unfähig zum Schreiben, und doch wäre ihre Korrespondenz so überaus notwendig gewesen. Als die Klöster diesen Vorfall erfuhren, waren sie ungemein bekümmert. Doch die hl. Mutter ertrug alles mit staunenswerter Geduld und Freude. Als eine Schwester sie eines Tages fragte, ob sie nicht ein inniges Verlangen nach der hl. Kommunion habe, - denn schon einen ganzen Monat musste sie darauf verzichten, da sie außerstande war, sich aufzurichten, - da antwortete sie mit einem Nein und fügte bei, sie fühle in sich eine so vollständige Ergebung in den Willen Gottes, dass sie ebenso fröhlich sei, als wenn sie alle Tage kommuniziert hätte.

19. Vor jeder Nahrung, die man ihr während der Krankheit reichte, empfand sie einen tiefen Ekel. Eines Tages sagte sie zur Krankenwärterin: »Ich möchte gerne etwas zu essen, ich glaube, dass mir eine Melone zusagen würde, da mein Mund ganz ausgetrocknet ist; sollte aber eine solche im Kloster nicht vorhanden sein, so möge man sie ja nicht anderswoher holen.« Es fand sich auch keine im Hause; aber man wagte nicht, dem Verbote der Mutter, sie anderwoher holen zu lassen, zuwider zu handeln, so notwendig sie auch für sie gewesen wäre. Man brachte ihr daher die Speise ohne Melone; ihr Ekel jedoch war derart, dass sie unmöglich etwas davon verkosten konnte. Schon wollte man die unberührten Speisen wegtragen, als man an der Winde klopfen hörte. Und siehe, als man geantwortet und nachgesehen hatte, fand man an der Winde die Hälfte einer Melone. Die Person aber, die sie dahingelegt hatte, erschien nicht mehr und noch heute ist sie unbekannt. So darf man annehmen, dass unser Herr jemanden den guten Gedanken eingegeben habe, seiner Dienerin in ihrer Not zu Hilfe zu kommen.

20. Als die zwei Jahre dieser großen Verfolgung vorüber waren - andere weniger schwere zogen sich wohl fünfzehn und selbst zwanzig Jahre hin - , erließ der Nuntius den Befehl, dass unsere Klöster dem Provinzial der Beschuhten unterstellt werden sollten, welches Amt damals Pater Angelus de Salazar bekleidete. Dieser Pater begann sogleich die Visitation der Klöster. Als er in das von Salamanca gekommen war, hielt er die Gegenwart der Mutter für sehr notwendig; denn es handelte sich darum, gewisse Prozesse zu schlichten, die sich auf den Ankauf eines Hauses bezogen. Er sandte ihr daher die Weisung, sich dorthin zu begeben. Gleichzeitig befahl er ihr, nach Valladolid zu gehen; denn Doña Maria de Mendoza, die jetzt im Himmel ist, hatte ihn inständig gebeten, es der Mutter aufzutragen, gegen die sie stets eine große Verehrung hegte. Die hl. Mutter verließ das Kloster, um diese zwei Reisen anzutreten; sie nahm eine Schwester des Konvents mit sich, die ihre treue Gefährtin bis zu ihrem Tode bleiben sollte. Alle folgenden Aufzeichnungen verdanken wir eben dieser Schwester, die sie als Augenzeugin berichtet, da sie nie von ihrer Seite gewichen ist. Sie ist eine Person, die vollen Glauben verdient; denn sie besitzt keine gewöhnliche Tugend, und Gott hat sie mit vielen Fähigkeiten ausgestattet. Ich weiß, dass unsere hl. Mutter sie sehr hoch schätzte und sich lieber bei ihr als bei vielen Chorschwestern Rats erholte. Die Schwester, von der die Rede ist, ist Laienschwester. Ich verkehrte mit ihr viele Jahre lang und bin mit ihren Gewissensangelegenheiten sehr vertraut. Wenn ich ihr zuhöre und die Gaben betrachte, die Gott dieser Seele verliehen, so kann ich nicht umhin, sie überaus glücklich zu preisen. Ich bin überzeugt, dass zu seiner Zeit mehreres von ihr in erfreulicher Weise offenbar werden wird zur Ehre unseres Herrn.

21. Dieses sage ich zum Beweise, dass alle nachfolgenden Aufzeichnungen von einer Augenzeugin und von einer Person gemacht wurden, die unser Vertrauen verdient.

Maria vom hl. Hieronymus.

6. Das Priorat der hl. Theresia im Kloster der Menschwerdung vom Jahre 1571-1574

1. Seit der Prüfung, von der fast alle Klöster in Italien und Spanien heimgesucht wurden - es war eine allgemeine Pest, die sich im Jahre 1550 über den ganzen Erdkreis verbreitete und in allen Klöstern unzählige Ordensleute dahinraffte -, blieb nur noch ein kleiner Teil übrig, um die Observanz aufrechtzuerhalten. Infolgedessen wurden alle aufgenommen, die um das Ordenskleid baten. Dadurch vermehrten sich zwar die Mitglieder, aber die Disziplin wurde gelockert, so dass die Observanz allmählich in Verfall geriet. Trotzdem hat der Eifer der Generäle den Grund zu jener blühenden Observanz gelegt, die heutzutage Bewunderung erregt. Als meine hl. Mutter Theresia sich eines Tages sehr darüber betrübte, die Observanz ihrer Zeit nicht in der Blüte zu sehen, wie sie es wünschte, da sprach der Herr zu ihr: »Was würde die Welt ohne die Ordensleute sein, die dir so lau erscheinen?« Es ist gewiss, dass trotz der Lockerung in jeder klösterlichen Gemeinschaft mehrere Ordensleute von sehr großer Tugend sein mussten, um derentwillen der Herr die Welt verschonen konnte.

2. Unter allen Orden zeichnet sich durch vollkommene Lebensweise der Orden unserer Lieben Frau vom Berge Karmel aus. - Die Karmeliten sind durch den hl. König Ludwig nach Frankreich gekommen, der sie, erbaut von ihrer Strenge, vom Berge Karmel mit sich führte. Aus demselben Grunde ließ sie der Infant Don Ferdinand, der Enkel dieses hl. Königs, im Jahre 1304 nach Spanien kommen. Aber nachdem der Orden einmal in diesem Lande ansässig war, trat sehr bald eine Erschlaffung ein. Deshalb sandte Papst Pius V. zwei Visitatoren aus dem Dominikanerorden. Kastilien fiel dem Pater Petrus Fernández zu. Die Karmeliten waren vollständig seiner Gewalt unterstellt, und auch die Heilige befand sich unter der Jurisdiktion dieses Ordensmannes. Der Pater Kommissär kam nach Ávila, weil er sie sehr gerne kennenlernen wollte. Er traf sie im Kloster zum hl. Joseph, sah sie und sprach mit ihr. Da er die Gnadenschätze, womit unser Herr diese Seele bereichert hatte, erkannte, war er sehr erstaunt und sagte nachher, dass Theresia von Jesu eine wahrhaft große Frau sei. Darauf visitierte er das Kloster der Menschwerdung; es war dies am 27. Juni 1571. In diesem Kloster sollte in kurzer Zeit eine Priorin gewählt werden. Der Pater Visitator, Petrus Fernández, erkannte, dass die klösterliche Gemeinschaft sowohl in zeitlicher als auch in geistlicher Hinsicht der Leitung der hl. Theresia von Jesu bedurfte. Er besprach sich über diese Angelegenheit zuerst mit den Definitioren des Kapitels unserer Väter vom Karmel, und mit ihrer Zustimmung und kraft der ihm übertragenen Gewalt ernannte er die hl. Mutter zur Priorin dieses Klosters der Menschwerdung, damit durch ihre Gegenwart und ihr Beispiel sowie durch ihre große Klugheit und ihren Geist alles wieder in Ordnung gebracht würde.

3. Unser Herr wollte dieses Kloster der Menschwerdung dafür belohnen, dass es eine große Anzahl von Töchtern für die Gründungen stellte, die bis dahin durch die Heilige ins Leben gerufen waren. Alle diese Nonnen hatten einen so guten Geist, dass die hl. Mutter die Klöster in dem Zustand beließ, wie sie diese gegründet hatte, und zu neuen anderen Stiftungen schreiten konnte. Jenen, die sich beklagten, dass sie so viele von den Vollkommensten Nonnen auswählte und mit sich nahm, gab sie eines Tages zur Antwort, dass trotzdem noch vierzig blieben, von denen jede fähig wäre, einen religiösen Orden zu gründen, und dass sich unter diesen noch vierzehn von so großer Heiligkeit befänden, dass Gott um ihretwillen die Welt verschont hätte, wenn sie damals auf Erden gewesen wären, als er das Weltall durch die Sintflut untergehen ließ.

4. Wenn unser Herr durch dieses Kloster immer neue Nonnen heranbilden ließ, so geschah es deshalb, damit die hl. Mutter Hilfe für ihre Gründungen bekam, die sie nach seinem Ratschlusse ins Leben rufen sollte. Und damit nach dem Weggange der für die Gründungen notwendigen Nonnen das Kloster der Menschwerdung auch noch reich blieb an hervorragenden Seelen, kam mein hl. Vater Johannes vom Kreuz als Beichtvater hierher und blieb 5½ Jahre zum größten Segen eines Klosters, das dem göttlichen Meister so teuer war.

5. Als die Heilige den Entschluss des Pater Kommissärs erfahren hatte, widersetzte sie sich anfangs und wies darauf hin, dass sie ermüdet sei durch die vielen Gründungen. Sie brachte vor, wie viele Reisen sie unternommen, wie viele Hindernisse und Schwierigkeiten sie mit Gottes Gnade überwunden habe, und wie schwer es sei, in ein Kloster zu gehen, in dem sie eine so große Zahl von Nonnen zu leiten habe, und noch dazu, ohne von der klösterlichen Gemeinde gewählt zu sein. Während sie auf so demütige Weise erwiderte, überbrachte man ihr Briefe aus Indien, in denen einer von ihren Brüdern ihr mitteilte, dass er eine neue Statthalterschaft antreten werde. Sie empfand darüber tiefen Schmerz; denn sie wünschte ihren Bruder reicher an Tugenden als an zeitlichen Gütern zu sehen. Infolge dieses Kummers wendete sie sich flehend an unseren Herrn. Ich werde diese Begebenheit erzählen, indem ich mich der Worte der Heiligen selbst bediene. »Als ich eines Abends in einer Einsiedelei vom Berge Karmel mich befand und ihn unserem Herrn empfahl, sagte ich zu Seiner Majestät - ich erinnere mich nicht mehr, ob dies bloß in Gedanken geschah -: ›Warum muss mein Bruder an einem Ort sich befinden, wo sein Heil in Gefahr ist? O Herr, wenn ich einen deiner Brüder in gleicher Gefahr sähe, was würde ich nicht (alles) tun, ihn daraus zu befreien? Ich glaube, dass ich alle mir möglichen Mittel anwenden würde.‹ Er sagte zu mir: ›O meine Tochter, meine Tochter, die Nonnen der Menschwerdung sind meine Schwestern, und du zögerst noch? Wohlan, fasse Mut, denke, dass dies mein Wille ist. Die Sache ist auch nicht so schwer, als sie dir scheint. Was du für deine Klöster als schädlich erachtest, wird auf beiden Seiten Gewinn bringen. Widerstehe nicht mehr; denn meine Macht ist groß.«

6. O unendliche Güte, die du in dieser Weise deine Bräute begünstigt hast! Und in der Tat, unser Herr nannte sie nicht nur seine Schwestern, sondern erkannte sie auch als wirkliche Kinder an, als Töchter seiner heiligsten Mutter. Er weist sie zurecht. »Fasse Mut, denke, dass dies mein Wille ist.« Wie hätte die Heilige dem ausdrücklichen Willen Gottes widerstehen können? Unser Herr fuhr fort mit den Worten: »Die Sache ist auch nicht so schwer, als sie dir scheint.« Er selbst beseitigt vor ihr die Schwierigkeiten, da er wohl wusste, wie leicht sich die Seelen fügen würden. Die Heilige unterwarf sich alsdann dem Willen Gottes. Was die Nonnen betrifft, so waren sie befriedigt. Sie protestierten aber trotzdem, weil man ihnen das allgemeine Wahlrecht entzog und weil das Volk vermuten konnte, das Kloster habe ein sehr schweres Vergehen begangen, da man ihm ohne die gewöhnlichen Wahlen eine Priorin gab.

7. Die Nonnen berichten einen Umstand, der sich bei der Ankunft der hl. Mutter als Priorin zutrug und von der großen Nächstenliebe der Heiligen sowie von dem großen Gehorsam dieser Klostergemeinde Zeugnis ablegt. Die Sache trug sich folgendermaßen zu: Als die hl. Mutter zur Priorin des Klosters ernannt war, begab sie sich nach Medina ins Kloster zum hl. Joseph, um von dort aus alles für ihre Ankunft bei uns zu ordnen. Sie teilte vom Josephskloster aus den Nonnen der Menschwerdung mit, dass sie das Amt einer Priorin nicht antreten werde, wenn sie nicht vor ihrer Ankunft alle jungen, vornehmen Mädchen - es waren sehr viele - entlassen würden, die sich im Kloster als Pensionärinnen befanden. Sogleich gehorchten die Nonnen und entließen ohne Verzug alle Zöglinge. Unter diesen befand sich eine kleine Waise, die Nichte einer Nonne, die tief betrübt war, als sie sah, dass ihre Nichte das Kloster der Menschwerdung verlassen musste, da sie niemanden hatte, zu dem sie sich begeben konnte. Sie schrieb eine Karte an die Heilige und ließ ihr diese durch das kleine Mädchen selbst ins Kloster zum hl. Joseph bringen. Sie erklärte sich bereit, zu gehorchen, bemerkte aber, dass dieser kleine Engel nicht wüßte, wohin er sich begeben sollte. Die hl. Mutter ward von Mitleid gerührt und gab dem Kinde die schriftliche Erlaubnis, bei seiner Tante als Dienerin zu verbleiben. Das Mädchen kam voll Freude zurück und sagte: »Traigo una cédula de moza.« In der Folge fand die hl. Mutter für diese Kleine einen Aufenthaltsort, wo sie wie ein Kind des Hauses behandelt wurde; später brachte sie die nach ihrer Meinung notwendige Summe zur Aussteuer zusammen. Das Mädchen trat als Nonne in dieses Kloster und wurde eine von unseren Ehrwürdigen. Ihr Name war Maria Suárez. Sie musste schwere Krankheiten durchmachen und ward sehr begnadigt von unserm Herrn. Sie starb den Tod der Gerechten im Jahre 1638. Dies alles bezeugten, als ich in dieses Kloster kam, mehrere Schwestern, die die Nonne gekannt hatten und noch lebten.

8. Am 6. Oktober des Jahres 1571 kam also die Heilige vom Kloster zum hl. Joseph, begleitet von unserem Pater Provinzial, um das Amt einer Priorin anzutreten. Sie trug die Statue unseres glorreichen hl. Vaters Joseph auf ihren Armen. Als sie eine Türe überschritt, die von der Kirche in den unteren Chor führte, befahl der Provinzial, die Mutter aufzunehmen. Die Nonnen protestierten und verlangten ihr Recht, worauf der Pater Provinzial kurz sagte: »Meine Damen, wollen Sie die Mutter Theresia nicht?« Auf diese Frage erhob sich Doña Katharina de Castro, gleichsam um zu erklären, dass der äußere Einspruch gegen sie keineswegs einer inneren Abneigung gleichkomme, und sagte: »Wir wollen sie und lieben sie. Te Deum laudamus.« Diese Worte werden in diesem Kloster noch heute mit rührender Zärtlichkeit wiederholt. Die größte Zahl folgte, wenn auch Yepes, der schlecht berichtet war, sagt, dass es der geringere Teil war.

9. Am Vormittag des nächsten Tages stellte die hl. Mutter auf den Chorsitz der Priorin die Statue der gnadenvollen Jungfrau und gab ihr die Schlüssel in die Hände. Sie selbst ließ sich zu ihren Füßen nieder, rief das Kapitel zusammen und hielt folgende Ansprache:

10. »Meine Frauen, meine Mütter, meine Schwestern! Unser Herr hat mich kraft des Gehorsams in dieses Kloster gesendet, um das Amt zu übernehmen, das ich so wenig gesucht als ich es verdient habe.

11. Die Wahl meiner Person zu diesem Amte hat mich mit großer Betrübnis erfüllt, einerseits, weil man mich mit einer Aufgabe betraut hat, der ich nicht gewachsen bin, und andererseits weil man Ihnen die Ihnen zustehende freie Wahl entzogen und Ihnen eine Priorin gegen Ihren Willen und Geschmack gegeben hat, eine Priorin, die schon viel tun würde, wenn sie es dahin brächte, auch nur von der jüngsten Schwester, die hier ist, das viele Gute zu erlernen, das ihr eigen ist.

12. Ich komme einzig zu dem Zwecke, Ihnen zu dienen und Liebes zu erweisen, soviel ich nur kann; dazu wird mir, wie ich hoffe, der Herr getreulich helfen; im übrigen kann mich eine jede aus Ihnen belehren und verbessern. Darum wollen Sie, meine Frauen, mir nur andeuten, worin ich einer jeden dienen kann, und ich werde es sehr gerne tun, wenn ich auch mein Blut und Leben geben müsste.

13. Ich bin eine Tochter dieses Klosters, eine Schwester von Ihnen allen. Ich kenne den Charakter und die Bedürfnisse aller oder doch wenigstens der meisten aus Ihnen. Es ist also kein Grund vorhanden, warum Sie sich gegen eine Person, die Ihnen so ganz zugehört, fremd stellen sollten.

14. Fürchten Sie meine Leitung nicht; denn habe ich auch bisher unter unbeschuhten Nonnen gelebt und sie geleitet, so weiß ich doch, Gott sei es gedankt, sehr gut, wie jene zu leiten sind, die nicht zu diesen zählen. Mein Verlangen zielt dahin, dass wir alle dem Herrn in milder Weise dienen und das wenige, was unsere Regel und Satzungen vorschreiben, aus Liebe zu eben diesem Herrn, dem wir so vieles schulden, tun mögen. Ich kenne unsere Schwäche; ach, sie ist groß. Wenn wir aber auch nicht in Werken so weit gelangen, so möge es wenigstens den Begierden nach geschehen; denn der Herr ist gütig und wird geben, dass unsere Werke allmählich übereinstimmen mit unserer Absicht und unserem Verlangen.«

15. Und wirklich entsprach der Erfolg den getroffenen Vorkehrungen und der Ansprache. Die Nonnen gingen getröstet von dannen und atmeten auf von dem Schrecken, der sich ihrer bemächtigt hatte. Alles verwandelte sich in Vertrauen, und während der drei Jahre, in denen die Heilige dieses Kloster leitete, brachte sie es zu solcher Höhe, dass es nicht allein in zeitlicher Hinsicht glänzend dastand und in Bezug auf die Regel und Satzungen reformiert wurde, es folgte auch, wie der Chronist bemerkt, bald ein großer Teil der Nonnen der Heiligen in die Klöster der unbeschuhten Karmelitinnen. Was das Kloster der Menschwerdung in Ávila betrifft, so blieb es seiner Mutter und seiner Tochter - die Heilige war in der Tat beides - so sehr ergeben, dass es der Reform nicht nur die Mutter gab, sondern auch sehr viele Töchter; ja man kann beinahe sagen, dass die Reform aus dem Kloster der Menschwerdung herausgewachsen ist.

16. Während der Dauer ihres Priorates musste die Heilige oft sich auf die Reise begeben, um die Stiftungen vorzunehmen, die ihr um diese Zeit angeboten wurden. Die Leitung der klösterlichen Gemeinschaft lastete dann auf den Schultern der Mutter Subpriorin, Isabella vom Kreuz, die zur großen Erbauung aller Schwestern und zur Befriedigung der hl. Mutter ihr Amt führte. Sie selbst sagte, dass die Mutter Subpriorin sehr klug gehandelt habe.

17. Überdies nahm unsere hochgebenedeite Mutter, die gnadenreiche Jungfrau, die, wie schon erwähnt, die Heilige auf den Sitz der Priorin gestellt hatte, dieses Amt an, wie sie es unserer Mutter bei einer Gunstbezeigung kund tat, die sie ihr am Vorabend des Festes des hl. Sebastian gewährte. Die Heilige hat diese Begebenheit in den Zusätzen zu ihrem »Leben« berichtet. Als man das Salve Regina begann, das bei der Komplet gesungen wird, sah sie diese höchste Herrin, begleitet von himmlischen Geistern, herniedersteigen und im Chorstuhl der Priorin Platz nehmen. »Während des ganzen Salve Regina«, sagt die Heilige, »bemerkte ich dort nicht mehr die Statue, sondern die himmlische Jungfrau. Alle Spitzen und Lehnen der Chorstühle waren mit Engeln besetzt. Die hl. Jungfrau sagte zu mir: ›Du hast gut getan, mich hierherzu setzen. Ich will dem Lobe, das man meinem Sohne in diesem Chore singt, beiwohnen und es ihm darbringen.‹«

18. So würdigte sich die Königin der Welt, vom Himmel herabzusteigen und das Amt einer Priorin in diesem Konvent für immer anzunehmen. Die genannte Statue ist bekleidet und hat eine Höhe von 1 ¼ Ellen. Infolge dieser Gunstbezeigung fiel, wie man glaubt, durch ein besonderes Wunder kein Staub auf ihr Antlitz. Am nämlichen Tag nach diesem gnadenreichen Vorgang befand sich die hl. Mutter beim Gebet im Chore. »Ich befand mich«, sagte sie, »beim gewöhnlichen Gebet, und meine Seele erfreute sich der Gegenwart der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Es schien mir, als ob die Person des Vaters sich mir näherte und an mich Worte voll von Süßigkeit richtete. Er sagte unter anderem mit vieler Liebe zu mir: »Ich habe dir meinen Sohn gegeben, den Heiligen Geist und die allerseligste Jungfrau. Was wirst du mir dafür geben?« Man sieht hieraus den hohen Wert jener ersten Gunstbezeigung, da der Vater der Heiligen gegenüber das Geschenk hervorhebt, das er ihr in dieser Jungfrau gewährt hat. Wie hoch müssen dann wir sie ehren und achten, wir als ihre Sklavinnen und Töchter, die wir unwürdig sind, zu ihren Füßen zu sitzen.

19. Die Heilige erhielt in diesem Kloster nicht minder große Gnaden durch die Statue des hl. Joseph, die sie, wie schon erwähnt, mitgebracht hatte, als sie das Amt einer Priorin antrat. Sie stellte diese auf den Platz der Subpriorin. Es ist eine allgemeine Überlieferung bei den Nonnen, dass diese Statue der hl. Mutter alles zutrug, was sich im Kloster ereignete, und deshalb nannten sie die Nonnen (scherzweise) das »Plaudermäulchen«. Zum Beweis der Wahrheit dieser Tatsache blieb der Mund des hl. Joseph wunderbar geöffnet.

7. Bericht des Paters Julian de Ávila über die Reise der heiligen Theresia von Ávila nach Medina del Campo im Jahre 1567

1. Als die heilige Mutter sich im Besitze von Vollmachtsbriefen und eines speziellen Auftrages zur Stiftung von Klöstern sah, glaubte sie Hand ans Werk legen zu müssen. Nachdem sie die Sache reiflich überlegt und Gott anempfohlen hatte, entschloß sie sich, die Gründung von Medina del Campo, die auf die Stiftung des St. Josephsklosters zu Ávila folgte, vorzunehmen. Sie wollte diese Gründung deshalb in Angriff nehmen, weil Medina sehr viele Vorteile bietet und nicht weit von Ávila entfernt liegt. Obgleich sie kein Geld besaß, um die notwendigen Ausgaben bestreiten zu können, so sandte sie mich doch nach Medina, um die Erlaubnis des Abtes zur Niederlassung zu erwirken. Denn nach dem Wortlaute ihrer Vollmachtsbriefe war nur die Genehmigung des Ordinarius notwendig. Ich reiste dorthin ab, war aber wegen der Unterhandlungen, die in dieser Stadt stattfanden, gezwungen, in einer gerichtlichen Untersuchung über die Nützlichkeit und die Vorteile einer Klostergründung im genannten Orte entscheiden zu lassen. Gott fügte es, dass die Untersuchung sehr befriedigend ausfiel, da viele gottesfürchtige und glaubwürdige Männer als Zeugen anwesend waren. Aus dem geistlichen Stande waren auf unserer Seite die angesehensten Väter, die sich damals im Hause der Gesellschaft Jesu befanden. Da die meisten dieser Väter die heilige Mutter kannten, gaben sie sehr bereitwillig ihre Erklärungen ab. Sie erkannten die große Wohltat, die Gott der Stadt dadurch erwies, dass in ihr der Grund zu einem so ausgezeichneten Kloster gelegt wurde für Seelen, die sie selbst leiteten. Sie waren nämlich vollständig unterrichtet über die Handlungsweise der Mutter und über die Lebensweise der Nonnen, die sie in ihren Klöstern einführen wollte; es war eine Lebensweise, die in vielen Punkten - soweit es nämlich Frauenspersonen möglich ist - den Satzungen und Übungen der heiligen Gesellschaft Jesu ähnlich war. Sie sahen darum mit Vergnügen Klöster der unbeschuhten Karmelitinnen an solchen Orten entstehen, wo die Gesellschaft Jesu sich niedergelassen hatte, und sie verkehrten, soweit es ihre Regel ihnen erlaubte, besonders mit diesen Nonnen sehr gerne, da sie ebenso wie sie dem Gebete und der Abtötung sehr ergeben waren.

2. Ich komme wieder auf unsere Untersuchung zurück. Ich nahm auch weltliche Zeugen mit aus den angesehensten Persönlichkeiten der Stadt, von denen einige Ratsherren waren. Bis das Zeugenverhör beendet war und ich die Genehmigung erhalten hatte, - es verflossen darüber vierzehn Tage - mietete ich dem Auftrag der heiligen Mutter gemäß ein Haus. Es war dies das beste und geeignetste von ganz Medina. Ich schloß den Mietvertrag ab und verpflichten mich, jährlich dafür tausend und fünfzig Maravedi Pacht zu zahlen. Als die Mutter von allem Kenntnis erhalten hatte, war sie überaus erfreut sowohl über die gut verlaufene Untersuchung als auch über das vorteilhafte Haus, das ich erhalten hatte. Was den Preis betraf, so hatte sie darüber gar keine Sorge, ja ich glaube versichern zu können, dass sie zu der Zeit, als ich das Haus um den Preis von tausend und fünfzig Maravedi erhielt, nicht fünfzig Maravedi hatte und sogar das Geld für die Reise zu leihen nehmen musste. Sie verließ sich keineswegs auf das Geld und verlor auch den Mut nicht im Hinblick auf die Schwierigkeiten, die sie erwarteten. Im Gegenteil, es war ihr nach den schrecklichen Widerwärtigkeiten, die sie in Ávila zu bestehen hatte, ein solch inniges Vertrauen auf Gott und eine so kindliche Hingabe in seinen Willen geblieben, dass keine Verfolgung, welcher Art sie auch immer sein mochte, sie niederbeugte oder ihr auch nur im geringsten den Mut nahm. Da sie wohl wusste, dass ihr Unternehmen mehr Sache Gottes als ihre eigene war, vollführte sie alles, was sie für notwendig hielt, mit der zuversichtlichen Hoffnung, dass der Herr, für den sie arbeitete, alles zum besten lenken werde. Manchmal, wenn die Dinge einen anderen Ausgang zu nehmen schienen, als sie gedacht hatte, hörte ich sie zu ihm sprechen: »Herr, die Angelegenheit ist nicht die meinige, sondern die deine. Willst du, dass sie zustande kommt, so liegt es in deiner Macht; willst du es aber nicht, so geschehe dein Wille.« Daraufhin blieb sie vergnügt und zufrieden, als ob alles nach ihrem Wunsch und Willen gegangen wäre.

3. Ich reiste nun wieder ab, hocherfreut über die erhaltene Genehmigung und Erlaubnis sowie auch über das Haus, das ich gemietet hatte, und kam wieder nach Ávila zurück. Sogleich wählte die Mutter die Nonnen aus, die sie mitnehmen musste. Die meisten davon waren Schwestern aus dem Kloster der Menschwerdung; denn das St. Josephskloster hatte noch zu wenig Nonnen, um einige davon wegnehmen zu können. Da die Schriftstücke, die ich mitbrachte, gut ausgefertigt waren, so hielt man die Abreise nicht sehr geheim, so dass fast ganz Ávila davon wusste. Sieben Nonnen, sehr vorzügliche Personen und große Dienerinnen Gottes, machten sich auf den Weg. Da sie mit einer solchen Mutter reisen durften, so fühlten sie den Mut in sich, alle Schwierigkeiten zu überwinden, die ihnen etwa begegnen könnten. Auf drei oder vier Wagen waren die Nonnen, ihr Gepäck und die nötigen Hausgeräte untergebracht, während die Diener in genügender Anzahl zu Fuß folgten. Ich erinnere mich nicht, dass außer mir noch andere zu Pferde saßen.

4. Zum ersten Male machten wir in Arévalo halt. Ungefähr eine Viertelmeile vor der Ankunft dortselbst händigte man mir einen Brief von Alfons Alvarez ein; es war dies jener Mann, von dem ich das Haus gemietet hatte. Er teilte mir mit, Ávila nicht zu verlassen, bis die Angelegenheit mit den Augustinermönchen, den Nachbarn des Hauses, geregelt sei, da diese nicht dulden wollten, dass ein Kloster in unmittelbarer Nähe des ihrigen errichtet werde. Er fügte bei, dass diese Mönche seine Freunde seien, die er nicht vor den Kopf stoßen wolle, weswegen er uns nicht in das Haus einziehen lassen könne, bis sie sich damit einverstanden erklären würden. Als ich an das Gerede dachte, das unsere Abreise in Ávila verursacht hatte, sah ich wohl ein, dass unsere Rückkehr uns dem Gespötte und Gelächter einer großen Menge, besonders jener aussetzen würde, die diese Abreise missbilligt hatten. Während ich alles für gut geordnet hielt, erkannte ich vielmehr, dass ich der Mutter und den Nonnen, die sich schon auf dem Wege dorthin befanden, Schaden zugefügt hatte. Meine Verwirrung war groß. Wir zogen überaus traurig in Arévalo ein und berieten, was in einer solchen Lage zu tun sei. Als unsere Mutter sich in der Stadt befand, wurde sie von allem in Kenntnis gesetzt, was sich zugetragen hatte. So groß auch ihr Mut war, durch einen so gewaltigen Schlag musste auch sie ein wenig in Verwirrung geraten, wohl nicht in der Weise wie ich, der ich solche Prüfungen nicht so starkmütig ertragen kann. Trotz alledem mussten wohl auch ihrem Geiste diese betrübenden und unangenehmen Aussichten vorschweben.

5. Dies ereignete sich am Abend vor Mariä Himmelfahrt. Da die Mutter die Absicht hatte, das Kloster an diesem großen Festtage zu gründen, so war sie sehr bekümmert, da dies unmöglich schien. Der größte Teil der Nacht verfloß damit, dass man Pläne machte und nach Mitteln suchte, um diese unangenehme Begebenheit aus der Welt zu schaffen. Durch Gottes Zulassung befanden sich an jenem Abend in Arévalo angesehene Männer, auf die die Mutter großes Vertrauen setzte. Man kam allgemein darüber überein, dass wir trotzdem uns nach Medina begeben sollten, allein nicht mit dem zahlreichen Gefolge, das wir bei uns hatten. Am selben Abend noch schickten wir einen Teil unserer Leute nach Ávila zurück, und die Hälfte der Nonnen wurde in einen benachbarten Ort geführt, wo Vinzenz de Ahumada, ein Bruder einer der Nonnen, die bei uns sich befanden, Pfarrer war. Sie wurden von einem sehr tugendhaften Geistlichen, namens Alfons Esteban, begleitet, der aus Arévalo stammte. Was mich betrifft, so war ich bestimmt, unsere heilige Mutter und zwei andere Nonnen nach Medina zu begleiten. All dieses wurde am Morgen ausgeführt.

6. Wir kamen durch Olmedo, wo sich der hochwürdigste Herr Bischof von Ávila befand. Man sagte uns, dass auf dem Wege eine verwitwete Dame aus Medina del Campo wohne, die da ihren Landsitz hatte, während sie in Medina selbst ein sehr verfallenes Haus besaß, in dem sie einen Verwalter und eine Haushälterin gelassen hatte. Die Mutter sprach mit der Dame, und schließlich gab diese ihr, falls sie ihr Haus benötigen sollte, die Erlaubnis, dem Verwalter zu sagen, dass er es sogleich zu verlassen und uns zu übergeben habe. Sie erlaubte ihr auch einige Teppiche zu benützen, die sie dort hatte. Infolge dieser wohlmeinenden Anordnungen begaben wir uns wieder mit mehr Vertrauen auf den Weg.

7. Wir kamen an diesem Abend sehr spät in Olmedo an. Der hochwürdigste Herr Bischof hatte große Freude über unsere Ankunft. Seine bischöfliche Gnaden übergaben unserer Mutter für den Rest des Weges eine Kutsche und schickten einen seiner Kapläne, einen sehr tugendhaften Mann, namens Muñoz, als Begleiter mit. Wir brachen von dort am selben Abend auf voll der Hoffnung, dass unser Unternehmen einen glücklichen Ausgang nehmen werde. Ich reiste voraus, um zuerst anzukommen und die Karmeliten zu benachrichtigen. Um Mitternacht klopfte ich mit starken Schlägen an ihre Pforte. Sie erwachten und öffneten mir. Als ich ihnen über den Grund meines Kommens Aufschluss gegeben und ihnen mitgeteilt hatte, dass die Mutter ganz in der Nähe sei, legten sie noch in derselben Nacht Hand ans Werk, um alles vorzubereiten, damit am folgenden Tag bei der Morgendämmerung die Besitznahme des Klosters im Hause der genannten Dame erfolgen konnte. Unsere Mutter kam an, und da sie in solchen Fällen immer als entschlossene Frau handelte, nahmen wir den notwendigen Altarschmuck und die Kirchengeräte für die Darbringung des heiligen Messopfers mit und begaben uns ohne Zögern zu Fuß ins genannte Haus; mit den Nonnen gingen die Geistlichen, der Prior und zwei oder drei andere Patres. Wir nahmen den Weg außerhalb der Mauern der Stadt, da eben zur selben Stunde die Stiere eingesperrt wurden, die am nächsten Tage zum Kampfe bestimmt waren. Mit unserem Gepäck sahen wir alle aus wie Zigeuner, die von der Plünderung einer Kirche zurückkehren. Ja, wenn uns die Polizei angetroffen hätte, so würde sie uns ins Gefängnis geführt haben, um dort zu untersuchen, wohin sich um diese Stunde ein solcher Zug von Priestern, Mönchen und Nonnen begeben wolle. Selbst wenn man uns geglaubt hätte, würden dann nicht alle Anzeichen des Verdachtes gegen uns gewesen sein? Man beachte nur die Stunde, in der dies geschah, und diesen Zug durch die Straßen! In der Tat sind jene, die in ähnlichem Zustande durch die Straßen schleichen, gewöhnlich die größten Tagediebe und Vagabunden eines Ortes. Durch Zulassung Gottes waren jedoch die Leute, die uns begegneten, keine Polizeibeamten; sie ließen uns vorüberziehen, indem sie nur jene Bemerkungen machten, die solchen Leuten gegenüber und zu solcher Stunde gewöhnlich an der Tagesordnung sind. Wir wagten kein Wort des Widerspruches, beschleunigten unsere Schritte und ließen sie sprechen, was sie wollten.

8. Wir kamen also dank der Gnade Gottes und unseres Glückes zu dem Hause, in dem sich der Verwalter befand. Diese Nacht war für ihn unseretwegen sehr lästig, da wir wiederholt klopften und Einlass begehrten, damit uns kein Missgeschick mehr begegnete. Er machte endlich auf, öffnete uns und überließ uns dem Auftrage seiner Herrin gemäß das Haus. O mein Herr und Gott! Als wir uns dort befanden - es begann allmählich Tag zu werden -, da hätte man die Mutter, die Nonnen und alle übrigen sehen sollen, wie die einen von ihnen kehrten, die anderen Teppiche ausbreiteten, wieder andere den Altar zurichteten und die Glocke an ihrem Platze befestigten. Jedes arbeitete und tat sein Möglichstes mit wahrer Herzensfreude wie einer, der große Beute findet. Man hat wirklich gesagt, wir hätten irgendeinen großen Schatz entdeckt, in Wahrheit aber fand sich dort nichts vor. Nur das war ein verborgener Schatz, den man auszuheben begann, nämlich teuere, gottwohlgefällige Seelen, und dieser Schatz sollte unerschöpflich sein, da er unaufhörlich kostbare Perlen uns verschaffen wird. Bei Tagesanbruch blieb nichts anderes mehr übrig, als einen gleichen Angriff auf die Wohnung des Provisors zu machen, damit er uns durch einen Notar eine Urkunde darüber ausfertigen ließe, dass das Kloster mit Genehmigung und dem Segen des geistlichen Oberen gegründet worden sei. Trotz der frühen Morgenstunde schickte er uns zum Notar, den wir aus dem Bette rufen ließen. Er stand auf und fertigte uns eine Urkunde aus über alles, was sich zugetragen hatte, damit niemand es wagte, Widerspruch zu erheben oder Widerstand zu leisten.

9. Das Allernotwendigste war also geschehen; der Altar war errichtet und eine Notkapelle hergestellt, die mit Tapeten sehr gut versehen war. Da es übrigens Nacht war, so konnten wir uns nicht recht darüber klar werden, ob sie sich auf der Straße oder im Innern des Hauses befand. Bei der Morgendämmerung des Festes Mariä Himmelfahrt läutete man zur ersten heiligen Messe. Beim Klange des Glöckleins kamen viele Leute herbei, um zu sehen, was es gäbe. Ganz verwundert und ohne zu wissen, was sie sagen sollten, blickten sie sich gegenseitig an. Sie riefen ihre Nachbarn und Bekannten herbei, und es kamen so viele Leute zusammen, dass die Kapelle sie nicht fassen konnte. Als die heilige Messe gelesen und das Allerheiligste Sakrament eingesetzt werden sollte, sahen sich die Nonnen gezwungen, sich zurückzuziehen. Aber wohin? so fragte ich; denn der übrige Teil des Hauses war verfallen, und das Allerheiligste Sakrament befand sich so fast auf offener Straße. Hier war guter Rat teuer. Dem Tabernakel gegenüber befand sich eine Treppe, die zu einer Mauer des Korridors emporführte, die allein noch stand. Sie verschlossen die Türe der Stiege, und durch deren Spalten hörten sie wie in einem Chore die heilige Messe; sie bedienten sich dieser auch, um mit den Leuten zu sprechen, um die Beichte abzulegen, um durch sie hinauszublicken, während sie in diesem Kerker bittere Tränen vergossen. Es ist Tatsache, dass ich die Mutter, seitdem ich sie begleitete, nie so tief betrübt gesehen habe. Sie war zwar nicht deshalb betrübt, weil sie etwa über das vollzogene Werk unzufrieden gewesen wäre, sondern sie zitterte bei dem Gedanken, es könnte unvermutet ein Missgeschick über sie kommen. Denn man musste alle Nächte vor dem Allerheiligsten Sakramente Wache halten wie in der Nacht des Gründonnerstages, und die Mutter bebte vor Angst, es könnte jemand das Allerheiligste rauben.

10. Ja ich kann versichern, dass die Nonnen, solange sie sich hinter der verschlossenen Türe befanden, innigen Trost empfunden, wenn sie mich kommen sahen, um sie zu ermuntern, und wenn sie wussten, dass ich in ihrer Nähe war; und doch hätte ich eigentlich mehr Abscheu als Liebe verdient. Schließlich suchten wir in unserer äußersten Angst in der ganzen Stadt eine Herberge, um Schutz zu finden. Wir würden für einen kleinen Teil eines Hauses alles hingegeben haben, was man von uns verlangt hätte. Aber da die Stadt Medina wieder so wohlhabend war wie früher, so war alles besetzt, und wir wussten nicht, wo wir eine Zufluchtsstätte finden konnten. Endlich ließ es Gott zu, dass sich ein gewisser Kaufmann von Medina unser annahm. Er teilte sein Haus in zwei Wohnungen; in die eine zog er sich mit den Seinigen zurück, in die andere nahm er die Nonnen auf, bis das erste Haus soweit hergestellt war, dass man darin Wohnung nehmen konnte. Etwas später kauften sie es und zahlten dafür mehrere tausend Dukaten. In kurzer Zeit fanden sich Personen, die diese Summe und noch viel mehr bezahlten, sowie auch eine Pfründe für einen Kaplan stifteten.

11. Als die Nonnen ein Haus besaßen, wenn es auch nur geliehen war, konnte ich nach Ávila zurückkehren. Es war dies gewöhnlich so: sobald die Nonnen ein wenn auch gemietetes Haus besaßen, wo sie einer Messe beiwohnen konnten, bedurften sie meiner nicht mehr. Wenn sie auch in fremder Gegend sich befanden, so waren sie doch durchaus unbesorgt und gerieten keineswegs in Angst, da sie dem Herrn des Himmels dienten. Sie vertrauten auf den, der in besonderer Weise jene beschützt, die aus Liebe zu ihm und um ihm zu dienen Haus und Vaterland verlassen.

8. Bericht des Paters Julian de Ávila über die Reise der heiligen Theresia von Ávila nach Salamanca im Jahre 1573

1. Wir brachen wegen der großen Hitze, die der Mutter arg zusetzte, beim Anbruch der Nacht von Ávila auf. Gleich bei Beginn der Reise fiel Pater Antonius von Jesu, der uns diesmal begleitete, sehr heftig von seinem Reittier, bevor wir noch Martin erreichten. Gott verhütete, dass er weder bei diesem Sturz noch bei vielen anderen Vorfällen Schaden litt, die ihm auf diesen für das Wohl des Ordens unternommenen Reisen zustießen. Es war auch die Haushälterin einer Dame bei uns. Ein wenig später sah ich sie vom Maultier und mit dem Kopfe auf die Erde fallen. Ich hielt sie für tot, allein Gott behütete sie, dass sie keinen Schaden nahm. Es war bereits sehr finster und tiefe Nacht, als wir unser Lasttier verloren, auf dem sich nebst einigem Gepäck auch das Geld befand, das wir nach Salamanca bringen wollten. Da wir infolge der Unfälle, der Verfolgung des Lasttiers und der dichten Finsternis viele Zeit verloren, so war allem Anschein nach Mitternacht schon vorüber, als wir die Herberge erreichten. Ich nahm kein Abendessen zu mir, obwohl ich großes Bedürfnis darnach hatte; denn ich zog es vor, nüchtern zu bleiben, um am andern Morgen die heilige Messe zelebrieren zu können. Am nächsten Tage in der Frühe machte sich ein junger Mann auf, um das verirrte Tier zu suchen. Er fand es ein wenig abseits vom Wege schlafend; es musste das Tier niemand getroffen haben, da alles, was es trug, unberührt war.

2. An diesem Morgen hatten wir große Sehnsucht, in einer Einsiedelei zu »Unserer Lieben Frau del Parral« das heilige Messopfer darzubringen. Wir kamen zwar zu einer günstigen Zeit an, allein es fehlten in dieser Einsiedelei die zur Feier des heiligen Messopfers notwendigen Geräte und Paramente. Um diese herbeizuschaffen, musste ich mich in das Dorf begeben, das etwas abseits lag. Ich traf jedoch den Pfarrer nicht, und niemand konnte mir geben, was ich brauchte. Schließlich verging durch langes Hin und Herlaufen der ganze Morgen, und ich musste, wenn auch wider meinen Willen, auf die Zelebration der heiligen Messe verzichten. So geht es! Ich hatte kein Abendessen, kein Frühstück und noch dazu eine schöne Strecke Weges vor mir. Auch die Mutter war gezwungen, auf die heilige Kommunion Verzicht zu leisten; denn sie unterbrach eine Reise nicht, um sie zu empfangen. Ich gestehe, dass nichts anderes an dieser Beraubung der heiligen Kommunion schuld war als meine persönliche Ungeschicklichkeit; denn es ist nicht zu sagen, wie langweilig ich bin. Meine Reisebegleiter machten sich über mich lustig, und sie hatten in der Tat nicht unrecht.

3. Während der folgenden Nacht erlitten wir einen anderen, viel größeren Verlust als den des Lasttieres, wenn auch dieses, wie man sagte, fünfzehnhundert Dukaten bei sich trug. Es kam so. Als wir zur Nachtzeit bei dichter Finsternis weiterreisten, hatte sich unsere Reisegesellschaft in zwei Gruppen geteilt. Jener nun, dem das Glück zuteil wurde, mit der heiligen Mutter zu reisen - ich verschweige seinen Namen -, ließ diese allein mit Doña Quiteria, der jetzigen Priorin des Klosters der Menschwerdung, auf offener Straße eines kleinen Dorfes zurück, indem er sie bat, auf den Rest der Reisegesellschaft zu warten, um auf diese Weise wieder eine Verbindung herzustellen und sich dann nicht mehr zu trennen. Dann machte er sich auf, um die übrige Reisebegleitung zu suchen. Als er sie gefunden, wollte er wieder zurückkehren, um sich mit der Mutter und ihrer Begleiterin zu vereinigen, allein es war ihm unmöglich, den Ort wiederzufinden, wo er sie zurückgelassen. Obwohl er nach allen Seiten hin Umschau hielt, konnte er sie doch infolge der nächtlichen Dunkelheit nirgends finden. Auf den Ruf: »Vorwärts, sie sind gewiss bei den ersten«, gingen wir eine gute Strecke Weges weiter. Schließlich trafen wir zusammen, und auf unsere Frage: »Ist die Mutter bei euch?« antworteten sie: »Nein.« Wir erwiderten: »Was, sie ist nicht bei euch?« worauf sie entgegneten: »Aber sie war doch bei euerer Abteilung. Was habt ihr denn getan?«

4. Wir befanden uns in einer zweifachen tiefen Finsternis; die eine verursachte die Nacht, die wohl eine der dunkelsten war, die andere, die für uns noch weit trauriger war, entstand durch die Trennung von unserer Mutter. Wir wussten nicht, was wir anfangen sollten. Wir begannen zu schreien wie Verirrte und uns wieder zu trennen; die einen suchten nach der Mutter, die anderen erhoben lautes Geschrei, um zu sehen, ob man ihnen nicht von dieser oder jener Seite her Antwort gebe. Als wir bald darauf wieder auf unseren Weg zurückkehrten, sahen wir unsere Mutter mit ihrer Begleiterin kommen, geführt von einem Landmann, den sie aus seinem Hause riefen und baten, ihnen für fünf Realen den Weg zu zeigen. Dieser brave Mann wurde aufs beste bedacht; denn er hatte große Freude an seinem Gelde. Wir waren noch weit zufriedener, da wir unseren Schatz wieder gefunden hatten.

5. Nun fehlen wir mit der größten Freude wieder unseren Weg fort und erzählten uns gegenseitig unsere Erlebnisse. So erreichten wir eine Herberge, wo wir viele Maultiertreiber auf dem Boden liegend antrafen, so dass sich zwischen den Lasttieren und den schlafenden Leuten fast kein Platz fand, um den Fuß auf den Boden setzen zu können. Wir mussten unsere Mutter und die Nonnen in einem Raume unterbringen, der, wie ich glaube, sechs Fuß breit war, so dass sie gezwungen waren, zu stehen, wenn sie dort bleiben wollten. Dieses Wirtshaus war so schlecht, dass wir uns darnach sehnten, wieder fortzukommen.

6. Endlich erreichten wir Salamanca; ich will aber von dieser Stiftung nichts erzählen, da unsere heilige Mutter selbst davon berichtet hat.

9. Bericht der seligen Anna von Jesu über die Reise der heiligen Theresia von Ávila nach Veas im Jahre 1575

1. Wir haben die Wahrnehmung gemacht, dass unsere Mutter mit ungewöhnlichem Vertrauen die schwierigsten Werke in Angriff nahm; darum waren wir über die Sicherheit keineswegs erstaunt, womit sie diese zur Ausführung brachte, wenn auch menschliche Hilfe versagte. Wir machten zuweilen die Bemerkung: »Meine Mutter, dies wird unmöglich sein.« Sie aber gab zur Antwort: »Oh, wenn ihr doch auf Gott zu vertrauen wüßtet, wenn ihr doch begreifen würdet, dass er allem, was sich auf seinen Dienst bezieht, immer seinen Schutz angedeihen lässt, und zwar in einer Weise, wie wir es am wenigsten vermuten!« So brachte sie in der Tat glücklich zustande, was sie sowohl bei ihren Klosterstiftungen als auch bei anderen sehr verwickelten Angelegenheiten unternahm. Daher pflegte der Bischof von Ávila, Don Alvaro de Mendoza, der in dieser Stadt unser erster Oberer war, zu sagen: »Ich begreife die Mutter nicht, aber ich vertraue auf sie; denn sie bringt alles zustande, was sie beginnt.« Schien uns eine Sache unmöglich, so fragte uns der Bischof, ob wir unsere Mutter hätten sagen hören, dass sie ausführbar sei; und antworteten wir bejahend, so bemerkte er: »Dann halte ich sie für vollbracht.«

2. Es finden sich hier zahllose Beweise, sowohl hinsichtlich ihrer Klosterstiftungen als auch in Bezug auf die Personen, die der Verkehr mit ihr beruhigte. Waren die Obern, nachdem sie verschiedene Erkundigungen eingezogen, über sie ungehalten und drückten ihr manche aus ihren Schmerz hierüber aus, so antwortete sie: »Ich hoffe von der Güte Gottes, dass sie zur Ruhe kommen und uns auf jede Weise unterstützen werden.« Und wir machten die Erfahrung, dass diese Worte selbst in jenen Fällen sich verwirklichten, die Widerspruch hervorriefen.

3. Wenn wir uns auf die Reise begaben, wollte unsere Mutter nicht zulassen, dass wir ohne Vorgesetzten blieben. Wir hatten nicht immer Ordensmänner bei uns, sondern manchmal andere Geistliche oder fromme Weltleute, die sie von Zeit zu Zeit begleiteten. Bei ihrer Abreise sagte sie in liebevoller Weise: »Lasst uns einen von den Anwesenden (zum Obern) wählen, und wir alle wollen ihm Gehorsam erweisen!« War dies geschehen, so gehorchte sie und trug Sorge, dass auch wir dem Erwählten mit derselben Pünktlichkeit uns unterwarfen, als wenn er wirklich unser Oberer wäre. Den Ernst, den sie auch bei uns sehen wollte, bewahrte sie bei allen Anlässen im Verein mit Liebenswürdigkeit und Heiterkeit; diese suchte sie auch bei allen jenen zu erwecken, die mit ihr verkehrten oder in ihrer Gesellschaft reisten. Allein dies geschah immer mit großer Würde und Zurückhaltung, die sie uns allen gegenüber bewies, so dass wir leicht erkennen konnten, wie sehr sie davon erfüllt war.

4. Kaum war bei ihren Gründungen die Priorin entweder durch den Obern oder durch geheime Wahl aufgestellt, so legte unsere Mutter das Amt als Vorsteherin nieder und weigerte sich im Chore, auch nur einmal das Zeichen zu geben. War die Priorin abwesend und ersuchte man sie hiezu, so gab sie zur Antwort: »Die Mutter Subpriorin möge es tun; ich bin hier wie eine von euch.« Und sie benahm sich auch sowohl in Anbetracht ihrer Stellung als auch bei anderen Gelegenheiten wie die übrigen und beschränkte sich nur darauf, die besonderen Angelegenheiten zu ordnen, die ihr durch den Gehorsam aufgetragen waren.

5. Um in den Häusern, bei denen sie aus ihren Reisen abstieg, die Wohltat des Gehorsams genießen zu können, wählte sie mit Vorliebe die Klöster anderer Orden. Hatte sie diese betreten, so erwies sie der Oberin Gehorsam. Eines Tages kam sie auf der Reise nach Veas in einem bei Fontiberos gelegenen Kloster von Beatinnen unseres Ordens so leidend an, dass sie sich alsbald in ihr Zimmer zurückziehen musste. Wir, die wir sie aus dieser Reise begleiteten, wurden außergewöhnlich gut bewirtet. Da wir dagegen Einsprache erhoben, benachrichtigte die Priorin dieses Klosters, in dem man, wie schon erwähnt, die gemilderte Regel befolgt, unsere Mutter und ließ sie bitten, uns durch den Gehorsam dazu zu verpflichten. Als diese vernahm, dass wir einen solchen Fehler begangen und nicht gleich gehorcht hätten, war sie so ungehalten, dass sie uns sehr strenge tadelte. Wir schoben die Schuld auf unsere Jugend und bemerkten, dass es großen Nachteil bringe, uns zur Errichtung neuer Klöster zu verwenden und mit Ämtern zu betrauen. Sie aber erwiderte, dass auch der heilige Franziskus und der heilige Dominikus bei der Gründung ihrer Klöster sich Personen bedienten, die ihnen kurz zuvor von Gott geschickt waren; wir sollten uns nur bemühen, vollkommen zu handeln, was die Hauptsache sei.

6. Die Mutter empfand große Freude, wenn man ihr bei Gelegenheit ihrer Klosterstiftungen arme Personen zur Aufnahme vorstellte. Erkannte sie, dass sie Beruf und den für unseren Orden geeigneten Geist besaßen, so nahm sie diese gerne auf. Jene Personen aber, denen dieser Geist fehlte, wies sie zurück, wenn sie auch sonst Vermögen mitgebracht hätten. Wenn sie wahrnahm, dass wir eine Person aus zeitlichen Rücksichten aufnehmen wollten, so sprach sie schmerzerfüllt: »Bedenket doch, dass nicht derartige Vorteile unsere Existenz begründen, sondern allein das Vertrauen auf Gott. Daher ziehe ich jene Klöster vor, die ich ohne menschliche Hilfe gründe. Erinnert euch daran nach meinem Tode!«

7. Später sprach sie mit einigen Priorinnen und anderen Persönlichkeiten in betreff dieser Angelegenheit auf dieselbe Weise und veranlasste sie, Leute ohne Vermögen und ohne Mitgift aufzunehmen. Sie versicherte uns, dass es von großem Nutzen sei, solch tugendhafte und arme Personen in jedes Kloster aufzunehmen; man müsse aber darauf achten, dass ein solch junges Mädchen aus ehrbarer Familie und von wahrhaft christlichen Eltern stamme, weil ihm dann nach ihrer Meinung der Segen Gottes sicher sei. Sie behauptete, dass ihr jene Klosterstiftungen, bei denen man eine Novizin unter solchen Bedingungen aufnehme, sowie jene, die ihr größere Hindernisse bereiten, lieber seien. Sie liebte eben die armen Leute überaus und wollte nicht gerne mit solchen verkehren, die die Armut für keine Ehre hielten.

8. Bei jeder Gelegenheit und besonders bei unseren Krankheiten erwies sie uns unzählige Liebesdienste. Konnte sie uns infolge unserer Armut keine andere Erleichterung verschaffen, so erzählte sie uns erheiternde Dinge und brachte uns Blumen und Kräuter. Und wenn es ihr möglich war, bereitete sie uns mit eigener Hand wohlschmeckende Speisen. Konnten wir auf der Reise oder in der Herberge allein sein, so ließ sie es sich nicht nehmen, für uns alle selbst die Mahlzeit zu bereiten. In den Klöstern bediente sie uns oft im Speisesaal und im Krankenzimmer. So stillte sie ihr sehnsüchtiges Verlangen, die Nächstenliebe zu üben. Nach ihrer Äußerung beneidete sie jene, denen Gelegenheit geboten ist, beständig die Nächstenliebe zu betätigen, und empfahl uns deren Übung wenigstens durch das Gebet.

9. Unsere heilige Mutter ließ nicht zu, dass wir uns ohne Weihwasser auf den Weg machten. Weil sie manchmal sehen musste, dass wir Weihwasser zu nehmen vergaßen, ließ sie in ihrer Besorgnis zwei kleine Kürbisflaschen an unsere Gürtel befestigen. Fast immer musste man eine der beiden an ihrem eigenen (Gürtel) anbringen, indem sie sagte: »Ihr kennt nicht die Erquickung, die man bei der Besprengung mit Weihwasser empfindet. Welch ein Vorteil, auf so leichte Weise das Blut Jesu Christi sich zuwenden zu können!« Jedesmal, so oft wir auf der Reise die Tagzeiten zu beten begannen, mussten wir Weihwasser nehmen.

10. Wenn wir in eine Kirche kamen, mussten wir alle in tiefer Ehrfurcht niederknien. War die Türe verschlossen, so stieg sie dennoch zur Erfüllung dieser Ehrenbezeigung ab, indem sie sagte: »Welch ein Glück für uns, hier die Person des Sohnes Gottes zu finden! Ach, wie sind doch jene zu beklagen, die ihn zurückweisen!« Es lag ihr sehr am Herzen, dass die Priester, die sie auf ihren Reisen begleiteten, kein einziges Mal die Feier des heiligen Opfers unterließen. Eines Tages war man in Verlegenheit, weil einem aus ihrer Begleitung einige durchaus notwendige Gegenstände fehlten. »Bittet Gott«, sprach sie zu uns, »dass man das zur Feier der heiligen Messe Fehlende finde! Der Gedanke, es möchte die Kirche heute des Wertes dieses heiligen Opfers beraubt werden, macht mich untröstlich.« In diesem Augenblicke fand man wie durch ein Wunder die zur Darbringung der heiligen Messe notwendigen Gegenstände. Sie wurde von Pater Gregor von Nazianz gelesen, der gegenwärtig unbeschuhter Karmelit ist. Dies ereignete sich in einer einsam gelegenen Kirche auf dem Wege nach Veas.

11. Am legten Tage dieser Reise verirrten sich die Führer inmitten der Sierra Morena, so dass sie sich nicht mehr zurechtfanden. Unsere heilige Mutter Theresia befahl den acht Nonnen, die sie begleiteten, Gott und unseren heiligen Vater Joseph zu bitten, unser Führer zu sein. Wirklich versicherten die Wagenführer, dass wir verloren seien und unmöglich aus diesen gewaltig hohen Felsen, in die wir uns verirrt hatten, herauskommen könnten. Eben hatte uns die Heilige diese Mahnung gegeben, als aus dem Hintergrunde einer tiefen Höhle, die man vom Gipfel der Felsen aus kaum unterscheiden konnte, ein Mann, seiner Stimme nach ein Greis, kräftig zu rufen begann: »Haltet an, haltet an, ihr seid verloren! Wenn ihr weiterfahret, stürzt ihr in die Abgründe!« Auf diese Rufe hin hielten wir an. Die Priester und die Weltleute, die uns begleiteten, schenkten der Stimme Gehör und fragten: »Vater, was ist zu tun, um dieser Gefahr zu entrinnen?« Und die Stimme antwortete, man müsse sich auf eine bestimmte Seite wenden. Alle erblickten darin ein Wunder, dass die Wagen diese Stelle passieren konnten. Einige wollten beim Anblick dieses Wunders die Person suchen, die in so liebenswürdiger Weise gesprochen. Unterdessen sagte die Mutter mit großer Rührung und unter Tränen zu uns: »Ich weiß nicht, warum wir sie gehen ließen; denn es war mein heiliger Vater Joseph, und sie werden ihn nicht finden.« Wirklich kamen sie zurück mit dem Bemerken, sie könnten nichts von diesem Manne finden, obwohl sie die Höhle gefunden, aus der diese Stimme drang.

12. Von diesem Augenblicke an kamen wir so schnell und schleunig vorwärts, dass die Wagenführer zuweilen sogar fluchend versicherten, die Maultiere würden mehr fliegen als gehen und uns in Stücke zerreißen, wenn man sie nicht zurückhielte. Diese Schnelligkeit der Maultiere war derart, dass wir uns am anderen Ufer des Guadalimar befanden, ohne aus unseren Wagen steigen noch auch im geringsten uns von der Stelle bewegen zu müssen, während die Bewohner des Dorfes, aus dem wir kamen, die Wagen abspannen mussten, um Menschen und Tiere auf das andere Ufer hinüberzuschaffen. Die angesehenen Leute aus Veas, die zu unserem Empfange kamen, konnten sich nicht genug über den Marsch wundern, den wir an diesem Tage gemacht hatten. Ihre Verehrung gegen die Mutter und ihren Orden stieg infolgedessen noch höher.

10. Bericht der Schwester Maria vom heiligen Joseph über die Reise der heiligen Theresia von Veas nach Sevilla im Jahre 1575

1. Das Kloster zum glorreichen heiligen Joseph in der Stadt Sevilla wurde im Jahre 1575, am Feste der allerheiligsten Dreifaltigkeit, das in diesem Jahre auf den 29. Mai fiel, gegründet. Um die Anfänge dieser Gründung wohl zu verstehen, ist es notwendig, die Vorgänge ein wenig näher zu betrachten.

2. Unsere heilige Mutter Theresia befand sich im Kloster zum heiligen Joseph in Veas, das sie am Feste des heiligen Matthias desselben Jahres gegründet hatte, als Pater Hieronymus Gracián von der Mutter Gottes von Sevilla kam, um sie zu sehen. Sie kannten sich noch nicht, obwohl beide es sehnlichst wünschten. Damals hatte unsere heilige Mutter jene Vision, bei der Jesus Christus, unser Herr, beide bei der rechten Hand nahm und der Mutter befahl, den Pater, solange sie lebe, als Verfechter ihres Platzes zu betrachten und seinem Urteile sich zu unterwerfen, weil dies so zu seiner Ehre und zum Wohle unseres Ordens gereiche. Diesem Befehl kam die Heilige, wie wir später sehen werden, so vollkommen nach, dass sie sich dazu durch ein Gelübde verpflichtete. Sie war eben im Begriffe, zur Gründung von Caravaea abzureisen, wohin sie mich mit fünf anderen Nonnen führen wollte, allein die Ankunft dieses Paters änderte ihren Plan. Da er apostolischer Visitator der beschuhten und unbeschuhten Karmeliten von Andalusien war und das Kloster von Veas zu dieser Provinz gehörte, so befahl er unserer Mutter, diese Gründung zu unterlassen und sich nach Sevilla zu begeben, um dort mit den für Caravaca bestimmten Nonnen ein Kloster zu gründen. Er versicherte sie in Übereinstimmung mit seinem Begleiter, Pater Mariano, dass der Erzbischof von Sevilla, Don Christoph de Rojas y Sandoval, diese Gründung wünsche und dringend verlange, ebenso dass sie außer seinem Schutz und Beistand sehr wohlhabende Personen und endlich tausendfache Unterstützungen und Gefälligkeiten finden würde.

3. Unsere Mutter ließ sich überreden oder besser gesagt, sie sah sich durch den Gehorsam gezwungen; denn, wie schon erwähnt, gehörte Veas zur Provinz Andalusien. Dieser Umstand überraschte sie sehr; wäre sie vorher darüber aufgeklärt worden, so würde sie nicht dahin gegangen sein, da sie sehr wohl wusste, dass der wohlehrwürdige Pater General, Johann Baptist Rubeo von Ravenna, aus dem Grunde darüber ungehalten sein würde, weil er auf die Religiosen von Andalusien nicht besonders gut zu sprechen war. Unsere Mutter war daher bestürzt; aber schließlich unterwarf sie sich wegen der apostolischen Autorität des in Frage stehenden Paters. Sie fürchtete - oder vielleicht wusste sie es schon -, dass Satan deshalb eine heftige Erbitterung des Generals über sie heraufbeschwören würde. Und wirklich betrachtete sie der General mit schiefem Blick und bereitete ihr Schwierigkeiten, nachdem er ihr doch zuvor großes Wohlwollen entgegengebracht hatte. Die Wahrnehmung, bei ihm in Ungnade gefallen zu sein, war für sie der bitterste Schmerz, den sie zu jener Zeit erdulden musste; denn sie hing an ihm mit der Liebe und Verehrung einer wahren Tochter.

4. Als der Tag zur Abreise gekommen war - es war am Mittwoch, den 18. Mai, des obengenannten Jahres -, machten wir uns mit unserer heiligen Mutter auf den Weg voll inniger Freude, sie in unserer Mitte zu haben. Ebenso gereichte es uns zum Troste, aus dem Munde einiger Diener Gottes erfahren zu haben, dass wir im Verlaufe dieser Gründung zahllose Leiden zu erdulden hätten. Dies gab übrigens unsere heilige Mutter selbst einer Schwester zu verstehen, indem sie ihr sagte, davon im Gebete Kenntnis erhalten zu haben. »Meine Tochter«, sagte sie zu ihr, »die Leiden werden uns nicht fehlen; auch ich bin davon im Gebete in Kenntnis gesetzt worden.«

5. Es waren unser sechs Nonnen, die mit der wohlehrwürdigen Mutter reisten. Die Schwester Anna vom heiligen Albertus, Profeßschwester des Klosters zu Malagón, die später Priorin von Caravaca wurde; Schwester Maria vom Heiligen Geist und Eleonora vom heiligen Gabriel, Profeßschwester desselben Klosters; Schwester Isabella vom heiligen Hieronymus, Profeßschwester von Medina del Campo und eine der Gründerinnen von Pastrana; Schwester Isabella vom heiligen Franziskus, Profeßschwester des Klosters zu Toledo; alle diese waren ausgezeichnete Nonnen und, wie unsere heilige Mutter im Buche der Klosterstiftungen bemerkt, wohl geeignet, für Jesus Christus zu leiden, und hocherfreut darüber, an einen Ort zu kommen, wo sich ihnen dazu Gelegenheit bot. Ich, eine Sünderin und unwürdig, in ihrer Begleitung zu reisen, ging ebenso gerne dahin, aber nicht mit demselben vollkommenen Opfersinn wie meine Mitschwestern. Am ersten Tage kamen wir zur Mittagszeit in ein reizendes Gehölz. Wir konnten unsere heilige Mutter, die inmitten der Mannigfaltigkeit der Blumen und des Gesanges zahlloser kleiner Vögel ganz in Lobpreisung Gottes aufging, nur sehr schwer davon losreißen. Die Nacht brachten wir in einer Einsiedelei zu, die dem heiligen Andreas geweiht war und oberhalb der Stadt Esteban lag. Indem wir teils unsere Gebete verrichteten, teils auf den kalten und harten Steinplatten der Kirche ein wenig ausruhten, verbrachten wir die Nacht in sehr fröhlicher Stimmung, obgleich wir uns körperlich nicht erholten. Wir kamen wirklich sehr arm und fast ohne Gepäck oder besser gesagt, ohne das Notwendigste zu besitzen, an. Denn unsere Schwestern in Veas, deren Kloster erst neu gegründet war, waren nicht imstande, uns mit dem Notwendigen zu versehen, und was sie uns hätten geben können, das entzogen sie uns im Hinblick auf die vielen reichen Leute, die wir nach Aussage des Paters Mariano am Ziele unserer Reise antreffen würden. Gestützt auf diese Hoffnung, haben wir sie selbst dazu veranlasst. So wurden infolge dieser sicheren Annahme die einen geizig, die anderen verschwenderisch. Wir hatten indes keinen Grund dazu; denn unsere Schwestern von Malagón liehen uns alles Geld, das wir für die Kosten der Reise verausgabten. Da dieses Kloster an erster Stelle uns Gutes erwies, so ist es wohl am Platze, hier davon Erwähnung zu tun. Dazu habe ich auch noch einen anderen Grund, weil es nämlich mein Mutterkloster und das der Schwestern ist, die aus diesem heiligen Konvente kamen; übrigens wurden von diesem Kloster auch noch viele andere unterstützt.

6. Ich will nun wieder von unserer Reise sprechen, die eine der mühsamsten war; denn der Sommer begann, und wir betraten Andalusien, wo die Hitze unerträglich ist. Außerdem hatten wir für uns alle sehr wenig Lebensmittel. Wir waren, wie schon erwähnt, mit unserer Mutter sieben an der Zahl. Ferner war Pater Julian de Ávila bei uns, den wir den Gefährten unserer heiligen Mutter nennen können, da er sie bei so vielen Gründungen begleitete, und Anton Gaytan, ein Edelmann aus Alba; endlich Pater Gregor von Nazianz, den unser Pater Gracián auf Bitten unserer heiligen Mutter in Veas in den Orden aufnahm, während Ihre Wohlehrwürden und wir alle bei der Einkleidung mithalfen. Dieser Pater war ein in Malagón sehr bekannter und unserem Kloster sehr ergebener Priester; er kam oft, um unsere Beichten abzunehmen und Messe zu lesen. Er hatte unsere Mutter und uns bis Veas begleitet, als wir das Kloster zu Malagón verließen. Wir dachten damals noch keineswegs daran, dass er sich entschließen würde, auf seine Heimat Verzicht zu leisten; allein sein Eifer war so groß, dass er, wie ich eben erwähnte, im Kloster zu Veas das Ordenskleid nahm. Unsere Mutter liebte ihn sehr; sie nannte ihn ihren Sohn, und er zeigte sich auch in der Tat als wahrer Sohn einer solchen Mutter. Dieser Pater begleitete uns also und war uns später bei manchen Prüfungen von großem Nutzen. Da wir zur Zeit der Vigil und Quatemberfasten reisten, so hatten wir nichts zu essen; denn wir nahmen kein Fleisch zu uns, selbst nicht an den Tagen, an denen es erlaubt war, und niemals konnten wir unsere Mutter dazu bewegen, Fleisch zu genießen, so krank sie auch war. An sehr vielen Tagen hatten wir keine andere Nahrung als Bohnen, Kirschen oder ähnliche Dinge, und es war ein Wunder, wenn wir ein Ei für unsere Mutter bekamen.

7. Wir ertrugen alles mit frohem Mute und verfassten Gesänge und Lieder über alle Vorkommnisse der Reise. Unsere heilige Mutter empfand darüber große Freude und dankte uns beständig für die Fröhlichkeit und Zufriedenheit, mit der wir so viele unangenehme Zwischenfälle ertragen. Diese Beschwernisse waren aber weit größer, als ich sie zu schildern vermag. Um Weitschweifigkeit zu vermeiden, werde ich bloß einige berichten, die uns ganz besonders in Schrecken versetzten.

8. Beim Übergang über den Guadalquivir z. B. befanden wir uns in großer Gefahr; nachdem die ganze Reisegesellschaft auf das andere Ufer des Flusses gebracht war, sollten auch die Wagen hinübergeschafft werden. Vielleicht hätte man für die Wagen eine andere Fähre nehmen sollen oder es wusste der Schiffer nicht, was zu tun sei; kurz die gewaltige Wucht des Wassers riss die Fähre, die mit einem oder zwei Wagen beladen war, mit sich fort und trieb sie stromabwärts. Die Lage schien verzweifelt, und überdies war es fast Nacht. Wir befanden uns in großer Not sowohl wegen des Verlustes der Wagen, ohne die wir unsere Reise nicht fortsetzen konnten, als auch, weil uns eineinhalb Meilen von einem bewohnten Orte trennten. Daraus kann jedermann ersehen, wie die Führer und Schiffer die Sache auffassten. Man hörte sie fluchen und schimpfen, ohne dass jemand sie beruhigen konnte.

9. Unsere Mutter, die dies bemerkte, begann unter einem Felsen am Ufer des Flusses nach Möglichkeit sich klösterlich einzurichten; und in der Voraussicht, dass wir die Nacht an diesem Orte zubringen müssten, verteilten wir unsere Einrichtungsgegenstände, nämlich Bilder, Weihwasser und Bücher. Während unsere arme Begleitung die Fähre mittels eines Seiles aufzuhalten sich bemühten, verwendeten wir die Zeit zum Beten der Komplet. Doch auch unsere Hilfe wurde notwendig, und wir zogen auch an diesem Tau. Fast wären wir alle mit fortgerissen worden. Da endlich unsere Mutter herbeikam, deren Gebet viel vermag, ließ Gott es zu, dass die Fähre an eine Stelle getrieben wurde, wo sie stehen blieb. Man konnte sie wieder zurückbringen, so dass wir, wenn auch die Nacht schon weit vorgerückt war, aus dieser schlimmen Lage befreit wurden.

10. Allein es begegnete uns ein anderes Missgeschick; wir verloren unseren Weg und wussten nicht mehr, welche Richtung wir einschlagen sollten. Ein Edelmann, der von ferne unser Missgeschick an diesem Abend wahrgenommen hatte, schickte uns einen Mann, der uns auf alle mögliche Weise behilflich sein sollte. Anfangs stieß er zahllose Verwünschungen gegen die Mönche und Nonnen aus, ohne sich im geringsten um die Erfüllung seines Auftrages zu kümmern. Ich kann nicht sagen, ob er deshalb seine Gesinnung änderte, weil er uns das Breviergebet verrichten sah; sicher ist es, dass er von da an in überaus liebevoller Weise sich unser annahm. Als er bei seiner Rückkehr merkte, dass wir von neuem unseren Weg verloren hatten, zeigte er ihn uns wieder und ging so eine halbe Meile mit uns, wobei er uns wegen seiner Bemerkungen um Verzeihung bat.

11. Als wir am Pfingsttage in eine Herberge vor Córdoba kamen, wurde unsere Mutter von einem so heftigen Fieber befallen, dass sie zu phantasieren anfing. Für einen so heftigen Fieberanfall hatten wir keine andere Erquickung und gegen die glühende Hitze kein anderes Obdach als ein kleines Gemach, wo, wie ich glaube, Schweine sich aufgehalten hatten und dessen Dach so niedrig war, dass wir kaum aufrecht stehen konnten. Die Sonnenstrahlen drangen an unzähligen Stellen herein, was wir aber mit unseren Mänteln und Schleiern zu verhindern suchten. Das Bett war so, wie es unsere Mutter im Buche der Klosterstiftungen schilderte. Sie sah nur das Bett, aber nicht die vielen Spinnengewebe und das Ungeziefer, das sich dort befand. Zur Beseitigung dieser Unannehmlichkeiten taten wir alles, was in unseren Kräften stand. Wie groß aber waren während unseres Aufenthaltes dortselbst die Beschwerden, die wir infolge des Geschreies und Fluchens der Leute auf uns nehmen mussten, die sich in der Herberge aufhielten. Welche Qual bereiteten uns diese baskischen Tänze und Trommeln. Weder Bitten noch Geschenke vermochten sie zu bewegen, das über dem Haupte unserer Mutter gelegene Stockwerk zu verlassen, die, wie schon erwähnt, infolge des heftigen Fieberanfalles fast bewusstlos war. Schließlich entschlossen wir uns, sie von dort zu entfernen und uns trotz der großen Mittagshitze auf den Weg zu machen. Am selben Abend erreichten wir eine Herberge bei Córdoba. Soviel ich mich erinnere, lag sie neben der Brücke von Alcolea. Wir machten auf freiem Felde halt, ohne sie zu betreten. Es war übrigens unsere Gewohnheit, auf freiem Felde, umgeben von unserer Begleitung, zu bleiben, um das Gewirr der Wirtshäuser und Fremdenherbergen zu vermeiden. Mit einem Worte, wir stiegen höchst selten von den Wagen ab. Dieser Abend war sehr schmerzlich für unsere heilige Mutter und für uns beim Anblick ihrer Leiden. Indes ließ der Herr eine Besserung eintreten. Sie schrieb dies den Gebeten und demütigen Bitten der Schwestern zu.

12. Am folgenden Tage reisten wir über Córdoba. Wir mussten aber auf die Erlaubnis warten, um mit unseren Wagen über die Brücke fahren zu dürfen, die man uns nur unter zahllosen Schwierigkeiten gewährte. Dazu gab es noch verschiedene andere Unannehmlichkeiten und Verdrießlichkeiten, die unsere heilige Mutter im einzelnen erzählt.

13. Am Pfingstdienstag kamen wir nach Ecija. Man führte uns zu einer der glorreichen heiligen Anna geweihten Einsiedelei, die sich außerhalb der Stadt befand. Wir hörten dort die heilige Messe und kommunizierten; da der Ort für die Sammlung sehr geeignet war, wollte die Mutter dort bleiben und ließ die Türe hinter uns schließen. Sie schickte unsere Begleitung in die Fremdenherberge mit dem Auftrag, uns Speise zu bringen. Zwei Stunden verweilten wir dort, ohne einen Menschen zu sehen, bis unsere Leute kamen und uns Lattich, Rüben und Brot brachten. Wir genossen dies mit großer Zufriedenheit. Unsere Mutter versicherte uns, dass sie auf keiner Reise und bei keiner Gründung so lange habe warten müssen, bis sie ihre Nonnen mit der notwendigen Nahrung versehen konnte. Ich weiß nicht, ob dies der Ungeschicklichkeit derer zuzuschreiben ist, die dafür sorgen mussten, oder ob uns der Herr einen Vorgeschmack von den Mühseligkeiten geben wollte, die uns bei dieser Gründung erwarteten.

14. An diesem Tage ließ es unsere Mutter wegen ihrer Unpäßlichkeit nicht zu, dass wir ihr wie gewöhnlich Gesellschaft leisteten. Sie blieb den ganzen Tag allein, in eine kleine dort sich befindliche Sakristei zurückgezogen, und erlaubte uns nicht, mit ihr zu sprechen. Diese Zeit wurde gut verwendet. Sie suchte dort dem Heiligen Geiste neue Dienste zu erweisen, indem sie an diesem ihm geweihten Tage ihre glühende Liebe zu erkennen gab, die sie gegen diesen Geist Gottes im Herzen trug. Man sieht dies deutlich an einem Schriftstück, das ich von ihrer Hand geschrieben besitze, und worauf man die Verbrüderung und Vereinigung, die der Herr zwischen ihr und unserem Pater Gracián begründete, sowie auch die Vision, die sie zu Veas gehabt haben soll, verzeichnet findet. Aber da ich von diesen beiden Vorkommnissen schon anderswo berichtet habe, so gehe ich hier mit Stillschweigen darüber hinweg. Ich will nur sagen, dass sie in dieser Einsiedelei, in der wir uns an diesem Tage aufhielten, das Gelübde machte, die ganze Zeit ihres Lebens dem Pater Gracián zu gehorchen in allem, was nicht dem ihrem Obern schuldigen Gehorsam zuwider sei. In einem von ihrer eigenen Hand verfassten Schriftstück drückt sie dieses Gelübde auf folgende Weise aus:

15. »An einem der Pfingsttage erinnerte sich eine Person, die sich in Ecija befand, einer großen Gnade, womit sie der Herr an einem Vorabend dieses Festes beglückt hatte, und sie wünschte etwas ganz Besonderes für seinen Dienst zu tun. Es schien ihr als ein gutes Werk, sich durch ein Gelübde zu verpflichten, von nun an und für ihr ganzes Leben jeden Fehler und jede Sünde einem Beichtvater als dem Stellvertreter Gottes zu offenbaren, wozu man dem Oberen gegenüber nicht gehalten ist. Diese Person hatte das Gelübde des Gehorsams schon abgelegt, allein dies schien ihr als etwas Größeres. Sie wollte auch alles erfüllen, was dieser Beichtvater ihr sagen würde, vorausgesetzt, dass es nicht dem Gehorsam, den sie gelobt, zuwiderlaufe, d. h. in schwerwiegenden Dingen. Und obgleich sie zuerst Widerwillen davor empfand, so legte sie doch dieses Gelübde ab. Der erste bestimmende Beweggrund war die Überzeugung, dadurch etwas zur Ehre des Heiligen Geistes zu tun. Der zweite bestand darin, dass sie daraus Erleichterung für ihre Seele und Hilfe zu treuerem Dienste Gottes zu schöpfen hoffte, weil sie diesen Beichtvater für einen großen Diener Gottes und sehr guten Theologen hielt. Dieser Beichtvater wurde von diesem Gelübde erst eine gewisse Zeit, nachdem es abgelegt war, in Kenntnis gesetzt. Es handelte sich um den Pater Hieronymus Gracián von der Mutter Gottes.«

16. All das ist von der heiligen Mutter selbst handschriftlich aufgezeichnet, und ich habe dieses Schriftstück in Händen. Auch besitze ich eine andere Handschrift, in der sie mehr im einzelnen die Art und Weise ihres Gelübdes auseinandersetzt. Ich habe sie, wie gesagt, anderswo erwähnt.

17. Von da an setzten wir unseren Weg bis Sevilla fort. Die Prüfungen auf dieser Reise waren ebenso schwer wie die vorhergehenden. Ich werde schließen mit den Ereignissen des letzten Tages, des Quatembermittwochs nach dem Feste der allerheiligsten Dreifaltigkeit. Wir erreichten mittags eine Herberge, wo wir nur äußerst stark gesalzene Sardinen zu essen bekamen. Trinkwasser konnten wir nicht erhalten. Durch den Genuss der Sardinen wurden wir so vom Durste gequält, dass wir die Mahlzeit stehen ließen, weil wir unmöglich Wasser bekommen konnten. Die Hitze war außerordentlich groß. Unsere Mutter blieb im Wagen, der auf einem Düngerhaufen stand. Die Sonnenhitze war dort so glühend, dass sie uns zu verbrennen schien. Wir baten sie, absteigen zu dürfen, und die Schwestern auf dem anderen Wagen taten dasselbe. Wir setzten uns an die Türe des Wagens, um sie zu sehen und mit ihr vereint zu sein. So glaubten wir, die Hitze weniger zu empfinden. Um uns einigermaßen gegen die Sonne zu schützen, spannten wir einige Mäntel aus grobem Wollenstoff aus. Dieser Schutz diente uns auch, um uns vor einer Gesellschaft, die sich in der Herberge befand, sicherzustellen. Es war dies eine größere Qual als alle bisher aufgezählten. Man muss es selbst gesehen haben, um sich zu überzeugen, dass es solch abscheuliche Menschen unter Christen geben könne. Die Flüche, Verwünschungen und entsetzlichen Reden, die diese schlechte Bande aussprach, waren unerträglich zum Anhören. Nach beendigter Mahlzeit wurden diese Leute noch wütender. Vielleicht war der Wassermangel in etwa daran schuld. Schließlich griffen sie zu ihren Degen, und es entstand ein heftiger Streit, der sich über unseren Häuptern zu entladen schien. Wir verbargen unser Gesicht im Wagen unserer Mutter und suchten bei ihr Schutz. Sie, die zuvor beim Anhören der Flüche und Lästerworte tief betrübt war, fing nun an, herzlich zu lachen. Dies tröstete uns; denn wir glaubten wirklich, dass unsere letzte Stunde gekommen sei. Sie erkannte, dass die bösen Geister diesen Tumult verursachten, um uns zu quälen. Tatsächlich hörte er plötzlich auf, ohne dass jemand verwundet worden wäre. Übrigens sahen wir mehr als vierzig Degen, die Büchsen nicht mitgerechnet, blitzen, und diese Waffen befanden sich in den Händen wütender und von höllischer Leidenschaft aufgeregter Menschen. Ach, von welcher Wut waren doch die Dämonen gegen diese heilige und mutige Frau erfüllt!

18. Wie klar trat dies oft zutage, ganz besonders bei dieser Gründung, was meine weitere Erzählung bezeugen wird. Ich weiß nicht, meine innigstgeliebten Schwestern, was unsere Feinde fürchten. Gebe Gott, dass unsere und der künftigen Nonnen Tugenden die Hölle zum Kampfe herausfordern!

19. Wir betraten Sevilla am anderen Tage, am Donnerstag, den 26. Mai, nachdem wir neun Tage auf dieser Reise zugebracht hatten. Pater Mariano hatte für uns ein sehr kleines und feuchtes Haus in der Straße de las Armas gemietet. Dort wurden wir von zwei ihm befreundeten Damen empfangen, die uns an diesem Tage Gesellschaft leisteten. Sie zogen sich darauf zurück, und wir sahen sie lange Zeit nicht mehr. Weder sie noch andere schickten uns auch nur einen Krug Wasser. Nur Pater Mariano allein verschaffte uns solches, soweit es in seinen Kräften stand. Wir waren schon zufrieden, dass er uns mit Brot versah und für die Verwaltung des Hauses Sorge trug; denn wir hatten nur eine Blanka (Geld), als wir Sevilla betraten, und der gute Pater fand für das in Frage stehende Werk nicht jene Unterstützung, auf die er gehofft hatte. Es war im Plane Gottes gelegen, dass das Kloster in völliger Armut errichtet werden sollte. Deshalb entzog er uns die menschliche Hilfe, die man, wie wir später erfuhren, von dieser Stadt wegen ihres Reichtums und der großen Almosen, die man dort zu geben pflegte, mehr als von einer anderen erwarten konnte. Ich sage der göttlichen Majestät unendlichen Dank, dass der Anfang dieser Gründung sich derartig gestaltet hat. Es ist dies eine sichere Bürgschaft für ihr zukünftiges glückliches Gedeihen.

20. Zählen wir nun im einzelnen die Einrichtungsgegenstände auf, die wir in Sevilla vorfanden. Ich erwähne zuerst ein halbes Dutzend geflochtene Matten, die Pater Mariano aus seinem Kloster los Remedios herbeischaffen ließ; wir legten sie nach Art von Betten auf den Boden hin. Ferner waren zwei oder drei kleine, sehr ungeeignete Matratzen vorhanden, wie sie die unbeschuhten Karmeliten haben; diese aber waren mit sehr viel Ungeziefer behaftet. Diese Matratzen waren für unsere Mutter und die leidenden Schwestern bestimmt. An Tüchern, Decken und Kopfkissen besaßen wir nur zwei, die wir mitgebracht hatten. Auch fanden wir eine Matte aus Palmblättern vor, einen kleinen Tisch, einen Mörser mit einem Kupfereimer, einen Ofen, eine Art Kessel mit Henkel zum Wasserschöpfen. Versehen mit diesen Gegenständen, mit einigen Krügen, einigen Schüsseln und ähnlichen Dingen glaubten wir die notwendigsten Hausgeräte zu besitzen.

21. Aber allmählich ließen die Nachbarn, die wir ersucht hatten, uns für diesen Tag die genannten Gegenstände zu leihen, diese wieder abholen; der eine den Ofen, der andere den Leuchter, dieser den Kessel und jener den Tisch, so dass uns weder der Ofen noch der Mörser, ja nicht einmal das Brunnenseil verblieb. Es ist das, meine Schwestern, keine Übertreibung, sondern reine Tatsache, die sich wirklich so ereignete. Übrigens sind hier einige von euch Zeugen davon gewesen.

22. Eigentlich erhöhte all das unsere Zufriedenheit, und dieser seltsame Zwischenfall verscheuchte die Traurigkeit, die Anlass zu anderen Bedürfnissen hätte geben können. Zum Beweise dafür, dass alles, was ich eben erwähnt habe, der Wille Gottes war, will ich berichten, auf welche Weise er uns menschliche Hilfe versagte; und bei dieser Gelegenheit erwähne ich auch unsere innigstgeliebte Doña Eleonora de Valera, die Gemahlin des Portugiesen Heinrich Freyle; diese beiden sind die Eltern unserer Schwestern Blanka von Jesu und Maria vom heiligen Joseph. Diese edle Dame war nach den Schwestern von Malagón die erste Wohltäterin dieses Klosters. Ich sage dies deshalb, weil ein Zweck meines Berichtes darin besteht, unsere Wohltäter bekanntzumachen. Diese Dame, die uns sehr gewogen war, steht in der Tat an erster Stelle unter ihnen; sie hat uns geholfen, so oft es ihr möglich war. Ihre Vermögensverhältnisse waren damals günstig, wurden aber im nämlichen Jahre infolge verfehlter Bankspekulation ruiniert. Sie erfuhr die nahe Ankunft unserer heiligen Mutter; und da sie ihre Aufmerksamkeit immer den Heiligen schenkte und ihre Türe den Bedürftigen stets offen stand, so übernahm sie die Sorge für unsere Bedürfnisse. Da sie ihre Unterstützungen uns im geheimen zukommen lassen wollte, was sie auch bei anderen guten Werken tat, so betraute sie damit, ohne es uns zu sagen, eine Beatin der Stadt, eine fromme Dienerin Gottes, die sich verschiedenen Werken der Nächstenliebe hingibt, besonders der Bekehrung von Frauenspersonen, die einen schlechten Lebenswandel führen. Jene edle Doña Eleonora hat zu diesem guten Werke viel beigetragen, indem sie ihr große Summen Geldes zukommen ließ. Diese (Frau) ersuchte sie, uns auf heimliche Weise und, ohne zu sagen, dass die Gabe von ihr sei, das zu liefern, was wir nach ihrer Meinung bedurften. Auch Pater Mariano hatte diese Beatin ersucht, unser Kloster zu unterstützen, weil er überzeugt war, dass sie allein uns aus der Verlegenheit helfen könne. Doña Eleonora übergab ihr also ansehnliche Geschenke für uns; denn sie hatte ihr - ich spreche nur von dem Tage, an dem man uns erwartete -, im Bewusstsein unserer Not, in der wir uns nach einer so langen, bei größter Hitze unternommenen Reise befanden, aufgetragen, uns Tücher und Tuniken aus Leinwand und unzählige andere Gegenstände, wie Tischtücher, Porzellan und Lucaros zu kaufen; endlich übergab sie ihr Geld, um uns mit Öl und Fischen zu versorgen. All das verwendete aber die gute Person, die ohne Zweifel der Meinung war, dass die Bedürfnisse der gefährdeten Seelen dringender seien, zu anderen guten Werken. So ertragen wir unsere Entbehrungen, ohne zu wissen, was wir dieser Dame schuldeten; und als sie zu uns kam, um unsere heilige Mutter zu sprechen, bezeugten wir ihr die ihrer Nächstenliebe gebührende Zuneigung und Achtung, wussten aber nicht, dass wir in so hohem Maße ihre Schuldnerinnen seien.

23. Ich komme nun wieder auf unsere Gründung zurück. Als unsere Mutter die Erlaubnis des Ordinariates für gegeben erachtete, erklärte der Erzbischof, dass er keineswegs an die Gründung eines Klosters gedacht habe, sondern nur, dass unsere Mutter und ihre Nonnen die seiner Jurisdiktion unterstellten Klöster reformieren sollten. Die heilige Mutter geriet darüber sehr in Kummer und war fest entschlossen, wieder umzukehren. Schließlich besänftigte Pater Mariano den Erzbischof und erlangte von ihm die Erlaubnis, am folgenden Sonntag, am Feste der allerheiligsten Dreifaltigkeit, die Messe lesen zu dürfen. Der Erzbischof gewährte diese Erlaubnis unter der Bedingung, dass keine Glocke geläutet und unserer Wohnung nicht die Gestalt eines Klosters gegeben werden dürfe. Unsere Mutter war trostlos, und Pater Mariano noch mehr. Was unseren Pater Gracián betrifft, so befand er sich in Madrid, wohin er sich auf Geheiß des Nuntius von Veas aus begeben hatte. Nach und nach beruhigte endlich Pater Mariano den Erzbischof und brachte es dahin, dass er uns die Erlaubnis (zur Gründung) gewährte. Er gab sie nach Verlauf von zwanzig Tagen. Um diese Zeit war die Einrichtung des Klosters vollendet. Indes wurde, da die Kapelle nicht ganz ehrbar schien, das Allerheiligste Sakrament nicht eingesetzt. Wir mussten dasselbe ein ganzes Jahr lang entbehren, was kein kleiner Kummer für uns war, da wir das ganze Jahr dort zubringen mussten. Dies war aber nicht das einzige, und ich weiß nicht, wie wir ohne unsere Mutter soviel Armut, Verlassenheit und Verfolgungen hätten ertragen können. Die Armut war so groß, wie ich sie geschildert, und die Verzögerungen derart, wie ich berichtet habe. Wir verbrachten den ganzen Sommer ohne Decken auf den schon erwähnten Mattengeflechten. Wohl waren die Decken wegen der großen Hitze, die infolge der (ungünstigen) Lage des Hauses recht fühlbar wurde, nicht notwendig. Sehr oft bestand unser Mittagessen aus Brot und Äpfeln, die entweder gekocht oder roh gegessen wurden. Eines Tages war nur ein Brot vorhanden. Es wurde unter alle Schwestern verteilt, und so klein auch die Stückchen waren, sie genügten uns.

24. In dieser Stadt, in der unsere Mutter nicht, wie in den Städten Kastiliens, wo sie schon Klöster gegründet hatte, bekannt war, konnten wir von niemand etwas zu leihen nehmen. Pater Mariano bemühte sich vergebens; wir hatten nichts, um eine Winde, ein Sprechgitter und andere für die Klausur notwendige Dinge herzustellen. Ein Kaufmann aus Medina del Campo, den unsere Mutter kannte, schickte uns Geld, womit diese Ausgaben gedeckt wurden.

25. Die Patres hatten schon im voraus die Aufnahme eines aus ehrbarer Familie stammenden Mädchens geregelt. Da ihr unsere Patres das Wort gegeben hatten, nahm sie unsere Mutter auf. Ihr Eintritt fand am Feste der allerheiligsten Dreifaltigkeit statt; am selben Tage wurde auch die erste heilige Messe gelesen. Wie schon erwähnt, hatten wir wenig Aussicht, die Bestätigung zu erhalten, allein unsere Mutter zweifelte nicht; dies bewies sie dadurch, dass sie die erste Novizin aufnahm. Sie hielt auch ein Kapitel ab und betraute mich mit der Leitung der Schwestern, indem sie dabei von den Vollmachten Gebrauch machte, die sie von den Obern zur Aufstellung von Priorinnen in den neuen Niederlassungen besaß. Sie entschied auch bei den Wahlen. Dieser Gehorsamsakt bereitete mir keinen geringen Kummer. Freilich hatte ich mich schon in mein Schicksal ergeben; denn als wir noch in Veas waren, hatte mich unsere Mutter schon in ihre Pläne eingeweiht, und in dieser Absicht nahm sie mich auch mit. Da sie sich überzeugen wollte, ob uns die Schwestern schon im voraus Liebe und Achtung entgegenbrächten, so bestimmte sie, wenn wir zu einer Gründung uns begaben, bereits bei der Abreise die Nonne, der sie ein Amt übertragen wollte. Indes übergab sie es ihr mit allen Vollmachten erst endgültig, wenn die Gründung vollendet war.

26. Um genaueren Aufschluss zu geben, wie unsere heilige Mutter mit prophetischem Geiste die Prüfungen voraussah, die uns erwarteten, und um meinen Stolz und meine geringe Selbstüberwindung zu bekennen, erwähne ich eine Prüfung, die sie vor unserer Abreise nach Veas über mich kommen ließ. Sie hatte mich als Priorin für die Gründung in Caravaca bestimmt, und da sich jene von Sevilla zuerst verwirklichte, so fragte sie mich, welche Nonne sie als Priorin dorthin schicken sollte. Sie wollte nämlich von mir wissen, ob ich gerne dorthin gehen würde; denn sie verwendete die größte Sorgfalt darauf, keine unzufriedene und widerspenstige Nonne zu einer Gründung zu schicken, weil sie mit Recht glaubte, dass man auf eine solche Nonne niemals Hoffnung setzen könne. Da mir die Gründerinnen von Caravaca schon überaus liebevoll geschrieben und sich bereitwilligst mir zum Gehorsam verpflichtet hatten, da sie außerdem schon ein Einkommen und ein Haus besaßen, so dachte die heilige Mutter, ich würde mich lieber dorthin begeben. Daher fragte sie mich, ob ich gerne nach Sevilla gehen würde. Und ich antwortete: »Ist Euer Wohlehrwürden entschlossen, mich hier wie dort zur Priorin zu machen?« »Ja«, meine Tochter, »mangels fähiger Leute wird es so geschehen.« Ich erwiderte: »In diesem Falle ziehe ich das Priorat in Sevilla dem in Caravaca vor.« Die Heilige antwortete mir mit lautem Lachen: »Nun wohl, da Sie diese Wahl treffen, müssen Sie auf sich nehmen, was dort Ihrer wartet.« Sie wollte damit sagen, dass ich dort viel mehr zu leiden hätte, und mir zugleich zu erkennen geben, dass sie mir für den Wunsch, lieber nach Sevilla als nach Caravaca zu gehen, dankbar sei. Es war das Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit, an dem mir der Herr die unendlich große Gnade erwies, mich als seine Sklavin anzunehmen, derselbe Tag, an dem ich Profeß abgelegt und den Schleier genommen hatte.

11. Bericht der seligen Anna vom heiligen Bartholomäus über die Reise der heiligen Theresia von Malagón nach Villanueva de la Jara im Jahre 1580

1. Pater Antonius von Jesu und Pater Gabriel von der Himmelfahrt kamen vor Fastnacht nach Malagón, um die heilige Mutter zur Gründung nach Villanueva de la Jara mitzunehmen. Da diese zwei Väter sehr gut in jener Gegend bekannt waren, gab es an allen Orten, durch die wir mit unserer Mutter reisten, ein solches Gedränge, dass wir uns nicht mehr umdrehen konnten. Wir erreichten einen Flecken mit Namen Robledo. Als die heilige Mutter die Messe gehört und kommuniziert hatte, führten uns die beiden Väter in das Haus einer ihnen wohlbekannten Person, wo wir das Mittagsmahl einnehmen mussten. Sie war eine sehr ehrenwerte und tugendhafte Dame, die unsere heilige Mutter und ihre Begleitung in liebenswürdiger Weise aufnahm. Das Gedränge war derart, dass man zwei Polizeibeamte an die Türe stellen musste, damit wir unsere Mahlzeit einnehmen konnten. Ja die Leute stiegen sogar über die Mauer, ohne dass man sie hindern konnte. Um uns das Hinaustreten zu ermöglichen, war man selbst gezwungen, einige Personen zu verhaften. Man verlangte nur eines: die heilige Mutter zu sehen; denn an ein Gespräch mit ihr durfte man nicht denken.

2. Ein ähnlicher Volksauflauf entstand während dieser Reise bei unserem Eintritt in einen anderen Ort, der nur in geringer Entfernung von jenem lag. Die heilige Mutter trug Sorge, dass wir am folgenden Tage drei Stunden vor Sonnenaufgang aufbrechen konnten, um diesem Zusammenlauf zu entgehen. Am Ende des Dorfes brach etwas am Wagen, allein infolge der Dunkelheit konnte man den Unfall nicht genau feststellen. Wir legten so drei Wegstunden zurück. Als wir bei Sonnenaufgang ein anderes Dorf erreichten und den Zustand des Wagens sahen, waren wir äußerst erstaunt, dass wir unter diesen Verhältnissen so lange reisen konnten. Die Begleiter der heiligen Mutter hielten dies für ein Wunder.

3. In all diesen Dörfern trat eine außerordentlich große Frömmigkeit zutage. In einem Flecken, durch den die heilige Mutter reisen musste, wollte sie ein Landmann in besonderer Weise bewirken. Seine Söhne und Schwiegersöhne, die er aus den Nachbardörfern hatte rufen lassen, waren anwesend, um den Segen der Mutter zu empfangen. Doch die Frömmigkeit der guten Leute gab sich damit noch nicht zufrieden; auch das Vieh wurde zusammengetrieben, um es segnen zu lassen. Als aber die Mutter ankam, wollte sie weder anhalten noch absteigen, so inständig wir sie auch baten. Deshalb führte dieser Mann all die Seinen zu ihr, um mit ihr sprechen und ihren Segen empfangen zu können. Hierauf reisten wir unverzüglich weiter.

4. Bevor wir Villanueva erreichten, kamen wir an ein Kloster unserer Religiosen, an dem wir vorbei mussten. Da diese Väter die nahe Ankunft unserer heiligen Mutter vernommen hatten, kamen sie uns prozessionsweise eine schöne Strecke Weges entgegen, ehe wir das Kloster erreichten. Da wir uns in einer Ebene befanden und sie in erwartungsvoller Sehnsucht ankamen, so stimmte ihr Anblick sehr zur Andacht. Die heilige Mutter sagte, dass ihr dieser Anblick überaus große Freude bereitet habe; sie glaubte die Heiligen unseres Ordens, die alten Väter der Wüste zu sehen. Sie baten alle auf den Knien um ihren Segen und führten sie dann prozessionsweise in die Kirche. Während sie an diesem Orte verweilte, verbreitete sich das Gerücht von ihrer Anwesenheit in den umliegenden Dörfern, und es eilte eine Menge Leute herbei, um sie zu sehen.

5. Von da reisten wir nach Villanueva de la Jara. Ziemlich weit von diesem Orte entfernt erschien eine Schar andächtiger Kinder zum Empfang der heiligen Mutter. Als sie bei ihrem Wagen ankamen, knieten sie nieder und gingen dann unbedeckten Hauptes voran bis zur Kirche, wo wir absteigen sollten. Da aber die heilige Mutter diese Gründung selbst beschrieben hat, so werde ich mich darauf beschränken, zu erzählen, wie sie sich den frommen Jungfrauen gegenüber benahm, die dieses Haus schon bewohnten.

6. Nachdem das Kloster eingerichtet war, begab sich unsere heilige Mutter wie die anderen Nonnen an die Arbeit; und obwohl sie nur eine einzige Hand gebrauchen konnte, kehrte sie, bediente sie im Refektorium und half in der Küche mit, soweit es ihre Kräfte erlaubten. Als sie einst zur Mittagszeit mit einem Arbeiter eine Kurbel am Brunnen befestigen wollte, entfiel diese Kurbel von bedeutendem Gewichte den Händen des Arbeiters. Sie fiel auf die heilige Mutter und schleuderte sie zu Boden. Selbst ganz ohnmächtig, hatte er nicht die Kraft, ihr aufzuhelfen. Sie erhob sich bei ihrer großen Energie und Lebendigkeit von selbst, als ob nichts vorgefallen wäre; aber dennoch hielt man es für ein Wunder, dass sie mit dem Leben davonkam. Der Teil ihres Körpers, den die Kurbel getroffen, wurde ganz schwarz. Es ereignete sich dies am Vorabend des St. Josephsfestes. Und so schrieben wir ihm diesen Schutz zu. Von da begaben wir uns nach Toledo.

7. Auf der Reise war die Mutter so liebenswürdig, dass es jedem Freude machte, in ihrer Gesellschaft zu sein. Die Tagesordnung schrieb vor, vor allem die heilige Messe zu hören und täglich die heilige Kommunion zu empfangen. Das letzte wurde nie versäumt, so eilig wir es auch hatten. Sie trug immer Weihwasser mit sich und ein Glöckchen, um damit die Zeit des Stillschweigens anzukündigen. Sie hatte auch eine Uhr, um damit die Stunden des Gebetes zu regeln; und wenn wir mit dem Glöckchen das Zeichen zur Beendigung des Stillschweigens gaben, da hätte man die Freude der anwesenden jungen Leute sehen sollen, dass sie nun wieder sprechen durften. Die Mutter war alsdann immer besorgt, ihnen einen kleinen Imbiß zu geben, um den Tugendakt zu belohnen, den sie durch Beobachtung des Stillschweigens gesetzt.

8. Sie war äußerst freundlich gegen alle, die mit ihr verkehrten. Zuweilen fanden sich Leute, die mit ihr sprechen wollten, um irgendeinen Fehler an ihr zu entdecken, weil sie an ihren öffentlichen guten Ruf nicht glauben wollten. Die Heilige unterhielt sich mit ihnen auf ganz gewöhnliche Weise, d. h. sie lenkte die Unterhaltung auf Gegenstände, aus denen die Seelen Nutzen ziehen konnten. Dies passierte auch zwei jungen Leuten, die in der oben bezeichneten Absicht kamen; sie hatten sich noch nicht entfernt, als unser Herr ihr Herz rührte. Sie bekannten der heiligen Mutter ihren Fehler, gestanden ihre Absicht und entfernten sich schließlich ganz Verändert.

9. Gegen demütige und unterwürfige Charaktere war sie voll Güte; gegen jene aber, die bequem dahinlebten, zeigte sie sich sehr streng. Traurige Leute liebte sie nicht; sie selbst war es nicht, und darum wollte sie auch nicht, dass jemand in ihrer Begleitung sich traurig zeigte. »Gott bewahre mich vor Heiligen mit verdrießlicher Miene«, sagte sie. Auf der Reise fand sie immer Mittel und Wege, über göttliche Dinge zu sprechen, und zwar in einer Weise, dass Leute, die gewohnt waren, zu fluchen und Späße zu machen, sie lieber hören wollten, als alle Freuden der Welt zu genießen. Ich habe dies von ihnen selbst sagen hören. Bei ihren Reisen erhob sie sich immer als die erste, um jedes einzelne zu wecken, und sie war die letzte, die sich zur Ruhe begab.

12. Bericht der Schwester Maria vom hl. Joseph über die ersten durch die Reform hervorgerufenen Wirren von 1575-1576 und von 1577-1579

1. Wie, heilige Braut, du nennst den Vielgeliebten einen Myrrhenstrauß? Sei aber vorsichtig! Wir könnten uns dadurch beleidigt fühlen, weil wir wie du den Namen dieses Vielgeliebten tragen; denn er zeigt sich gegen uns voll Milde und Lieblichkeit. Und je mehr er sich unserem Herzen nähert, desto mehr wird er unsere ganze Freude und Süßigkeit, unsere ganze Wonne und all unser Trost. Er ist ganz Liebe, und deshalb folgen wir ihm nach, verlassen Vater und Mutter, Verwandte, Freunde und alles, was die Welt hochschätzt, verleugnen uns selbst, hingerissen von dem Geruche seiner Süßigkeit. Was wird es erst sein, wenn er an unserem Herzen ruht? Wie wagst du also in Gegenwart von so vielen Zeugen, die seine unaussprechliche Süßigkeit gekostet haben, zu sagen, dass er bitter sei? Nimm dich daher in acht! Denn jene, die deine Sprache nicht verstehen, könnten auf den Gedanken kommen, die Eifersucht lasse dich so sprechen, um allein seiner Gegenwart genießen zu können.

2. O Braut, würdig aus allen, diesen Namen zu tragen! Wie gut gibst du durch eine solche Sprache zu erkennen, dass du als die würdigste die Umarmungen des Bräutigams genießest und den an deinem Herzen ruhenden Vielgeliebten besitzest! Belehre uns eines Besseren, geliebte Braut, und unterweise uns; denn viele aus uns befinden sich im Irrtum.

3. O Töchter Evas, die ihr verführt seid, wie sie selbst es war! Wisset, dass euer Bräutigam nicht die Neigungen Adams hat, und ihr mit ihm nicht den Apfel der Süßigkeit zu essen bekommt! Euer Bräutigam ist Jesus Christus, der die damals gekostete Süßigkeit mit der Bitterkeit und dem Opfer des Kreuzes gebüßt hat. Wenn ihr ihm euere bräutliche Hand gebt, so wird sie ein Nagel mit der seinen verbinden. Er ist ein Blutbräutigam. Wenn ihr also wünschet, dass der König sich von euerer Schönheit einnehmen lasse, wenn ihr ihm ähnlich werden wollt, dann müsst ihr euch mit einem blutigen Kleide schmücken. Spottreden sind seine Lust, Schmähungen seine Ehren, Peitschenhiebe sein Vergnügen, Lästerungen eine angenehme Musik. Die Galle ist seine Speise; Dornen bilden seine Krone. Wenn er sich an das Herz seiner Braut neigt, kann er sie nur verwunden. Wenn ihr ihn in einem solchen Zustande sehet, wer aus euch kann dann nach Freude und Wonne Verlangen tragen? O unverständige Bräute! Ihr verlangt nach Süßigkeiten und haltet euch für besonders bevorzugt. Ach, glaubet nicht, dass ihr es im vollen Sinne des Wortes seid, wenn ihr nicht auch mit Dornen verwundet seid; denn dann ist es klar, dass der Vielgeliebte euch noch nicht zur Umarmung und zum Friedenskuss zugelassen hat. Habt ihr ihn aber empfangen, dann werdet ihr ohne Zweifel die bittere Galle fühlen, wovon seine Lippen voll sind.

4. O mein süßer Meister! Es darf uns nicht wundernehmen, dass du uns mit bitterer Myrrhe belohnst, nachdem wir dir ja die scharfe Galle gegeben haben. Indem du sie den Töchtern Evas fühlen ließest, hast du den Geschmack jenes verhängnisvollen Apfels beseitigen wollen, den unsere Mutter aß. O glückliche, ja überglückliche Braut, an deren Herzen du ein Myrrhenstrauß bist! Wer könnte die Wonnen und Süßigkeiten beschreiben, die das Wort »Bitterkeit« in sich schließt? Kann es hier auf Erden etwas geben, was mit der Freude, für dich zu leiden, vergleichbar wäre? Schöpft der Stolz, der im Besitze aller Ehren der Welt sich befindet, daraus ebensoviel Befriedigung, wie deine Liebhaber aus Schimpf und Schande? Gab es je eine erhabenere Macht oder glänzenderen Reichtum, als die freiwillige Armut aus Liebe zu dir? Können wohl alle fleischlichen Wonnen die Seele mit solchem Trost und solcher Süßigkeit erfüllen, wie die Beleidigungen, die man dir zuliebe erträgt? Und wenn du an unserem Herzen ruhst, stärkst du uns dann nicht in solcher Weise, dass eine schwache und elende Frauensperson mit dem glorreichen hl. Paulus zu sagen wagt: »Wir werden bedrängt, aber wir werden nicht mutlos; wir sind in Nöten, aber wir verzagen nicht; wir leiden Verfolgung, werden aber nicht verlassen; wir werden gedemütigt, aber nicht verwirrt; wir werden niedergeworfen, aber wir gehen nicht zugrunde!«

5. Wo findet sich also die wahre Weisheit, wenn nicht im Schmerz und im Kreuze? Wem entdeckt ihr euer liebendes Herz, wenn nicht dem betrübten Herzen, das sich euch hingibt? Die Heimsuchungen verschaffen uns den Schatz der Geduld; Prüfung und Betrübnis zeigen uns die Reichtümer der Hoffnung. Die Verfolgungen offenbaren uns die Richtigkeit der Geschöpfe, machen uns mit dem Himmel vertraut, lösen uns von der Erde los, adeln unser Herz und erheben es über diese sichtbare Welt. O wie unglücklich und arm, wie unvollkommen und unwissend sind jene, die nicht verstehen, was es heißt, für Jesus Christus zu leiden, die den Wert solcher Leiden nicht kennen! O wenn doch alle Schmerzen, die mein Meister erduldet, sich über mich ergießen würden! Dann wird er mich gewiss seine Braut nennen, wenn er sieht, dass ich ihm ein klein wenig ähnlich bin. Ja, mögen meine Freunde mich verlassen und jene mich kränken und mir die Ehre nehmen, die zu anderer Zeit mich ehrten und mir Schutz gewährten! Möge auch der, den ich immer als meinen Vater betrachtet und geliebt habe, der von Amts wegen mich verteidigen sollte, mich verlassen und betrüben! Mag man mich mit der größten Schmach erfüllen und mich als des Schatzes beraubt ansehen, den ich über alles hüte und schätze! Raubt man mir auch ganz und gar die Ehre und erklärt man mich öffentlich als verworfen und meineidig; hält man mich auch für eingebildet, und sucht man mich auf listige Weise von meinen vielgeliebten Töchtern, meinen zärtlich geliebten Schwestern zu trennen, die an meiner Betrübnis teilnehmen! Mag ich auch einer Verbannten und Fremden gleichen, und mögen alle meine Arbeiten vernichtet werden! Hält man auch das Gute für schlecht, die Unvollkommenheit und Schwäche für Schande; gibt man auch die Geduld, die durch nichts sich beugen lässt, für Heuchelei und Verstellung aus, und nennt man die Wahrheit Lüge, die Standhaftigkeit und Ergebung Hartnäckigkeit! - Was schadet mir das? Soll es mich berühren, auf solche Weise von Menschen beurteilt zu werden, die heute sind und morgen verschwunden sein werden, von Menschen sage ich, die unfähig sind, sich selbst zu ehren? Welche Ehre oder Schande können sie mir denn bereiten? Ich bin berufen, als Königin eines ewigen Reiches die Gesellschaft eines Bräutigams zu genießen, der Leben und Tod, Ehre und Schande in Händen hat. Und ich soll nun so blind sein und mich unterwegs aufhalten, um diese vergängliche Welt um Ehre anzubetteln? Was trägt mir dies ein? Soll mich denn der Herr nach dem Urteile der Menschen richten und nicht nach dem Urteile dessen, der gerecht und treu ist?

6. O mein König und mein Bräutigam! Mit weniger Beschämung, aber mit mehr Kühnheit gebe ich dir heute diesen Namen; denn die Trübsale ermutigen mich dazu. Zuweilen gerät meine sonstige ruhige und friedliche Seele in Unruhe und Traurigkeit; unvermutet umgeben sie düstere Wolken und hüllen sie in Dunkel ein. Bald ist sie infolge der Hoffnung in heiterer Stimmung, bald aufgeregt durch Furcht. Und doch weißt du es, o Herr, dass ich einzig fürchte, du möchtest dich von mir entfernen; außerdem fürchte und achte ich nichts. Ich finde meinen Trost in dem Worte deines Propheten, dass »in deinem Zorn deine Erbarmungen enthalten sind.« O mein Gott, das Schwert deiner Strenge durchbohrt mich! Gerne werde ich ertragen, dass es schneidet und peinigt, wenn mir dadurch der Weg zu deinen Erbarmungen eröffnet wird. Hast du diese einmal meiner Seele zugewendet, so bin ich sicher, dass sie dort verbleiben werden. Wenn du sie mir in deinem Zorne, verbunden mit Strenge verleihst, so geschieht dies ja nur, um meine Seele zu reinigen und sie so für den dauernden Empfang dieser göttlichen Schätze zu befähigen. O wie viele (Gnadenschätze) hat sie auf diesem Wege schon empfangen! Und wer hat mich denn gelehrt, auf dich zu hoffen? Wer treibt mich an, dich zu suchen? Wer hat mir in dem, was uns der Glaube lehrt, jene Erfahrung gegeben, die mich das, was ich vorher nur glaubte, jetzt gleichsam mit Händen greifen und mit eigenen Augen sehen lässt: nämlich, dass du die Schwachen stärkst und die Gefallenen wieder erhebst, dass du die Unwissenden belehrst und dich mit den Demütigen vereinigst, dass du dich der Betrübten annimmst und die Bitten derer, die dich anrufen, erhörst, dass du jene befreist, die auf dich hoffen, und jene belohnst, die im stillen leiden? Und überdies bringst du zustande, was für das Fleisch unglaublich erscheint: du bewirkst, dass deine Diener größere Sehnsucht nach Schmähungen tragen, als die Kinder der Welt nach den Reichtümern und Genüssen dieser Erde. Die Seele ist sogar derart von diesem Wunsche beseelt, dass sie, wenn Schmähungen sie treffen, weder überrascht, noch erschreckt wird, sondern diese immer geringer findet, als sie es erwartet und erwünscht.

7. Mein Herr und mein Gott! Verschließ doch deine Hand nicht! Sie war es ja niemals. O lass vielmehr eine Flut von Drangsalen über mich kommen, die den Durst meiner Seele stillen und das glühende Verlangen, das sie verzehrt, befriedigen kann! Aber was sage ich? Wie elend, kühn und verwegen bin ich doch! Darf ich wohl so in Gegenwart einer Majestät sprechen, die meine Fehler gezählt hat, die weiß, wie leicht ich kleinmütig werde und wie feige ich mich benehme? Ich bekenne es und wünsche in der Tat, o mein Herr, dass die ganze Welt dies weiß. Es ist mein Wunsch, dass man folgende Wahrheit glaube und kenne: ich bin das schwächste und elendeste aller Geschöpfe. Ja, ich liebe die Ehre und hasse die Verachtung, ich suche Selbstbefriedigung und Gunst. Ja, ich beklage mich wegen der geringsten Leiden. Ich bin eitel, hochmütig, anmaßend und ehrgeizig. Aber du, o Herr, reißt mich von alledem los, du lehrst mich verachten, was ich liebte, und lieben, was ich verachtete. In meinen Finsternissen habe ich dein Licht erkannt; und je mehr das Dunkel mich umhüllte, desto mehr hat sich meine Seele zum Verlangen nach deiner unnahbaren Klarheit emporgeschwungen. Meine Augen wurden durch die Schärfe und Bitterkeit der Prüfungen wie durch eine heilsame Augensalbe geöffnet.

8. O mein süßester Bräutigam, o einziges Verlangen meiner Seele! Könnte ich dich ebenso wie die hl. Braut als ein Myrrhenbündel an meinem Herzen tragen! Durch dich belehrt, verlangt und begehrt sie jemanden, dessen Umarmung sie nicht traurig macht. Sie sagt in der Tat nicht, dass sie mit Myrrhe bedeckt und umgeben ist, sondern dass sie diese selbst umfasst und an sich drückt. Und so ist es auch mit deinem Geschenk, o Herr. Unsere Schwachheit kann es fest an sich drücken und am Herzen tragen; denn es ist keine Last, die zu Boden drückt, sondern ein Strauß, der erfreut.

9. Mut also, meine vielgeliebten Schwestern! Keine unter euch fürchte die Leiden! Sehet jene, die euch von der Seligkeit, die sie verschaffen, Zeugnis gibt, hat auch die Prüfungen durchgekostet, die euch bekannt sind. Ihr kennt sie gut. Wenn daher mein ganzes Wesen ohne Furcht ist und ich andererseits kund machen soll, wie die Leiden zur Erkenntnis der Güte unseres großen Gottes führen, so sage ich: O, fliehet sie nicht! Denket ja nicht, dass ihr in euerem Stande als unbeschuhte Karmelitinnen von Schmähungen und Trübsalen verschont bleibt, die die Welt den Jüngern Jesu Christi bereitet. Was sage ich? Es ist vielmehr billig und recht, dass diesem Orden solche Schätze nicht fehlen. Die Heiligkeit besteht ja allem Anscheine nach nicht darin, dass man von der ganzen Welt Beifall erntet, sondern darin, dass man in Reinheit, frei von der Beleidigung Gottes lebt, sich der weisen Vorsehung Gottes übergibt und die Leiden erträgt, auch wenn man unschuldig ist.

10. Was mich betrifft, so weiß ich, dass ich nicht fehlerfrei bin. Meine Mängel sind im Gegenteil zahllos. Daher habe ich nicht das Recht, über mein Leiden mich zu beklagen. Ich darf nicht einmal wagen, im Gefühle meiner Unschuld meine Augen zum Herrn zu erheben. Wohl weiß jener, der mir Schutz gewährt und mich verteidigt, dass ich an dem, wessen man mich anklagt, keine Schuld trage; aber dennoch würde ich lügen, wenn ich behauptete, ohne Fehler zu sein. Ich weiß wohl, dass ich mehr als eine andere Neigung zu zahllosen Fehlern gehabt. Ehre sei Gott, der mich davon befreit hat! Dank sei ihm auch gesagt für die mir erwiesene, unendliche Barmherzigkeit, wodurch er zuließ, dass man mich in einer Sache verleumdete, in der ich mich nicht verfehlt habe. In meinen Augen ist das ein unaussprechliches Glück. Und ist es auch Vermessenheit, hierin dem großen Apostel, dem ich in allem so Unähnlich bin, und der sich nur im Kreuze seines Herrn rühmte, nachfolgen zu wollen, so will ich mich doch auch in ihm rühmen. Und dies an erster Stelle, um meine Schwestern zu ermutigen und zu trösten; dann auch, um mich selbst zur Ertragung aller Widerwärtigkeiten, die mein Herr Jesus Christus in seiner Güte mir zuschicken wird, zu nötigen und ferner, um der Verwirrung und Scham vorzubeugen, falls meine Worte meine Taten Lügen strafen würden. Endlich ist mein Zweck, die Wahrheit zu offenbaren, damit sie nicht länger durch die Lüge verdreht und verstellt wird, zum Ärgernis und zur Schande unseres Ordens, zur Schande unserer hl. Mutter Theresia, die unsere Seelen herangebildet hat und sich rühmte, uns zu Töchtern zu haben, während wir unsererseits uns bemühten, als solche zu erscheinen. Darum hat uns auch die alte Schlange einen so erbitterten Krieg erklärt. Von diesem Kriege werde ich auch erzählen, um zu zeigen, was wir gelitten haben.

11. Ich bitte unsere hl. Mutter, mir von dem, der sie mit so viel Gunstbezeigung überhäuft hat, die Gnade zu erlangen, dass ich diesen Bericht ohne Schaden eines Dritten wiedergebe. Um dies zu vermeiden, werde ich, wie vielen Zeugen bekannt ist, weniger, als es zu sagen gäbe, erwähnen. Diese (Zeugen) kann man fragen, wenn man etwa in Zweifel ziehen sollte, was ich zu meiner persönlichen Verteidigung sage, und wenn man ein unverdächtiges Zeugnis hören will, während es als parteilich angesehen werden möchte, wenn es von mir ausgeht. Aber die Zeugin meiner Unschuld, die ich anführe und vor allen anderen anführe, das ist einzig und allein die Wahrheit. Im Vertrauen auf sie fürchte ich nicht, vor der ganzen, gegen mich eingenommenen Welt zu erscheinen; denn eines der Vorrechte der Wahrheit ist, dass sie allein Berechtigung hat, für sich selbst Zeugnis zu geben. O Wahrheit! Glücklich jene, auf deren Seite du stehst und denen du gewogen bist! Möge Ansehen und Macht besitzen, wer will! Man möge dich durch Arglist und Kunstgriffe zu Falle bringen, man häufe Nachstellung auf Nachstellung, man bringe Zeugen herbei, man rechtfertige seine Absicht! Mögen deine Verfolger mehr gelten und die ganze Welt sich für sie erklären! Mag die ganze Hölle sich gegen dich bewaffnen, dich verdächtigen und mit ihrer Arglist umgeben; - o glückselige Wahrheit, du wirst ans Licht kommen und dich um so glänzender rechtfertigen, je mehr man dich verdunkelt hat! Du wirst durch deinen Glanz jene erfreuen, die man in die dunkle Nacht hinausgestoßen hat. Und da du hinreichende Kraft und Fähigkeit besitzest, um von dir selbst, ohne fremde Hilfe, Zeugnis zu geben, so führe in diesem Augenblick meine Feder, die nur auf dich vertraut, damit sie in Anbetracht des Befehles des Apostels, seinem Nächsten die Wahrheit zu sagen, bekannt mache, was sich sagen lässt, ohne jemandem zu schaden. Diesen Schaden will sie in keiner Weise, wenn es auch feststeht, dass die Wahrheit nur der Lüge zu Leibe rückt. Meine Feder wird also keinen lieblichen und friedlichen Blumenstrauß zu winden imstande sein, infolge des verwickelten Ränkespiels der Lüge und der Arglist des Teufels. Es möge aber der Leser gütigst in Erwägung ziehen, dass man die Rosen und andere Blumen, die zu lieblichen und duftenden Sträußen gewunden werden, unter diesen Dornen pflückt, und er wird geduldig Einzelheiten lesen, die notwendig zu meinem Berichte gehören. Übrigens weiß ich, dass es den Betrübten zum Troste gereicht, zu vernehmen, dass andere dieselben Prüfungen, wie sie, erduldet haben. Vielleicht wird infolgedessen mancher weniger leicht den Anklagen Glauben schenken, die er gegen den Nächsten vorbringen hört. Ich werde auf den Verlauf der Ereignisse ein wenig zurückgreifen müssen, um die Quelle jener Wasser der Trübsale und den Ursprung der Verfolgung zu finden, die wir zu Lebzeiten unserer Mutter erduldet haben, d. h. auf den Widerstand, den uns die Väter des gemilderten Karmel bereiteten. Zum besseren Verständnis des Folgenden ist es notwendig, kurz die Widerwärtigkeiten zu berichten, von denen ich einen guten Teil mit durchgemacht habe.

12. Unser Pater General, Pater Johannes Baptist Rubeo von Ravenna, gab während seines Aufenthaltes in Spanien unserer Mutter Theresia im Jahre 1567 die Erlaubnis, zwei Männerklöster zu gründen. Sie hatte schon kraft eines Breves Pius’ IV. das Kloster zum hl. Joseph in Ávila errichtet, worüber der fromme General sehr befriedigt war, obwohl dieses unter die Jurisdiktion des Bischofs gesteckt worden war. Auf die Bitte unserer Mutter hin gab er ihr, wie schon erwähnt, die notwendigen Vollmachten für zwei Männerklöster und zugleich die Erlaubnis zur Gründung aller Nonnenklöster, die man ihr anbieten würde. Als sich im Jahre 1568 ihre Töchter in Valladolid niederlassen wollten, gründete sie das erste Männerkloster mit all jenen Mühseligkeiten und Beschwerden, wie sie es im Buche der »Klosterstiftungen« erzählt. Im Jahre 1569 wurde unter Mithilfe unserer Mutter das (zweite) in Pastrana errichtet, wie aus demselben Buche ersichtlich ist. So waren also die zwei Vollmachten, die der General unserer Mutter erteilt hatte, ausgenützt. Für das Kollegium in Alcalá, das dritte der Männerklöster, erlangte Ruy Gómez de Silva vom Pater General die Erlaubnis. Diese drei, mit Genehmigung seiner Wohlehrwürden gegründeten Klöster, waren die einzigen, die die Väter von der gemilderten Regel bis zu einem gewissen Grade als rechtmäßig errichtet betrachteten. Nicht ohne Missvergnügen sahen diese die unbeschuhten Karmeliten an Zahl und Ansehen zunehmen.

13. Mittlerweile hatten Pater Hieronymus Gracián und Pater Mariano Pastrana verlassen, weil sie die Schwierigkeiten voraussahen, die dem Eintritt der Frau des Ruy Gómez bei unseren Schwestern in Pastrana folgen mussten, nämlich die Unterdrückung dieses Nonnenklosters. Diese Väter hatten sich mit Erlaubnis des Visitators, Pater Magister Peter Fernández, aus dem Orden des hl. Dominikus, der auf Befehl unseres Heiligen Vaters Pius V. den Karmelitenorden visitierte, nach Andalusien zurückbegeben. Bei ihrer Ankunft in Andalusien wurden sie vom Pater Franz de Vargas, dem Visitator dieser Provinz, der ebenfalls Dominikaner war, sehr gut aufgenommen; er erlaubte ihnen, in Sevilla ein Kloster der unbeschuhten Karmeliten zu gründen. Im Jahre 1574 gab dieser nämliche Pater dem Pater Gracián den Auftrag, die beschuhten Väter der andalusischen Provinz zu visitieren. Um diese Zeit rief ihn der Nuntius Ormaneto nach Madrid. Auf seiner Reise dorthin kam Pater Gracián durch Veas, wo unsere Mutter soeben zur Gründung eines Nonnenklosters eingetroffen war. Dort traf er zum erstenmal mit unserer Mutter zusammen, was alle beide sehnlichst wünschten. Diese Berufung des Nuntius hatte die Ernennung des Paters Gracián zum Visitator aller Unbeschuhten und Beschuhten von Andalusien zum Zwecke. Außer den genannten drei Klöstern der Unbeschuhten gab es damals noch mehrere andere; denn infolge der Erlaubnis der apostolischen Visitatoren kamen mehrere Gründungen zustande sowohl in Kastilien als auch in Andalusien. Was unsere Mutter betrifft, so wiederhole ich, dass sie vom wohlehrwürdigen General sehr weitgehende Vollmachten erhalten, um überall, wo sie wollte, für ihre Töchter Klöster zu gründen, vorausgesetzt, dass ihr auch die Visitatoren die Zustimmung gäben. Sie kam also von Veas, um in Sevilla ein Kloster zu stiften. Die Verwirklichung dieser Gründung erschwerten mancherlei Prüfungen, deren Aufzählung zu weit führen würde, und die ihren Grund in der Unzufriedenheit des wohlehrwürdigen Generals mit unserer Mutter hatten, weil sie in Andalusien ein Kloster stiften wollte. Er war nämlich auf die Väter dieser Provinz nicht gut zu sprechen infolge einer mir bekannten Verstimmung, die während seines Aufenthaltes in Spanien zwischen ihnen zutagetrat. Er nahm es übel auf, dass sie insbesondere auf Befehl des Paters Gracián zur Vornahme dieser Stiftung nach Sevilla gekommen war. Der Pater General war in der Tat wegen der beginnenden Visitation gegen ihn und alle Unbeschuhten aufgebracht. Die beschuhten Väter vermehrten noch diese Unzufriedenheit, indem sie sich beklagten, dass unsere Mutter eine Spaltung in den Orden gebracht habe, die seinen Ruin herbeiführe; so urteilten sie darüber. Sie machten den General, der zur Gründung der zwei ersten Klöster die Ermächtigung erteilt hatte, dafür verantwortlich. Daher komme es, sagten sie, dass unsere Mutter und alle anderen Anlass genommen hätten, sich gegen ihn aufzulehnen und seiner Gewalt sich zu entziehen. In Wirklichkeit aber bezog sich alles auf die Gründung einiger Männerklöster, die mit Erlaubnis der Visitatoren und des Nuntius errichtet worden waren. Diese unterstützten in Anbetracht der Vorteile, die dadurch der Ehre Gottes erwuchsen, diese Gründungen und drängten sogar zu ihrem Vollzuge. Der wohlehrwürdige Pater General war deshalb so sehr gegen unsere Mutter aufgebracht, dass sie ihn weder durch Briefe noch durch andere Mittel beruhigen konnte. Der Heiligen ging diese Prüfung tief zu Herzen. Schließlich kam es so weit, dass das damalige Generalkapitel alle unbeschuhten Karmeliten als Apostaten und Exkommunizierte erklärte und entschied, dass alle ohne Genehmigung des Generals gegründeten Klöster, nämlich die von Sevilla, Granada, Almodóvar und Da Peñuela, aufgehoben werden und nur die drei mit Erlaubnis des Generals errichteten Bestand haben sollten.

14. Man beschloß zugleich in diesem Kapitel, unserer Mutter die Patente und Vollmachten zu entziehen, die sie zu Klosterstiftungen berechtigten, und sie in ein Kloster einzusperren, das sie nicht verlassen könnte. Man verordnete außerdem, dass die Karmeliten und Karmelitinnen der Reform in Zukunft als beschuhte betrachtet werden sollten, dass ihr Gesang mit Noten geschehen solle und andere ähnliche Dinge. Man nahm ohne Zweifel Anstoß bei der Nachricht, dass ein so wirklich heiligmäßiger Mann, wie unser Pater General und so viele ernste Väter und fromme Diener Gottes so unvernünftig handelten und die Unterdrückung von Klöstern verlangten, die durch päpstliche Autorität gegründet worden waren. Aber wenn man nur eine Partei hört, die zugleich leidenschaftlich erregt ist - und dies war der Fall bei den im Kapitel anwesenden spanischen Vätern -, so fällt man gewöhnlich ein irriges Urteil und sieht dort ein Verbrechen, wo gar keines ist. Und dies um so mehr, wenn der Teufel das Feuer schürt. Nun ist es wahrscheinlich, dass er bei dieser Angelegenheit mit im Spiele war, um die Reform zu zerstören, wie es unser Herr unserer hl. Mutter zu erkennen gab. Da sie während jener Verhandlungen im Gebete sich befand, bat sie Gott, die Zerstörung der Klöster der Reform nicht zuzulassen. »Sie wollen dies zwar«, sprach der göttliche Meister zu ihr, »aber es wird ihnen nicht gelingen, und ganz das Gegenteil wird eintreten.«

15. Pater Gracián hatte, als er auf Befehl des Nuntius sich an den Hof begeben, sechs Monate sich dort aufgehalten, und die Aufregung war groß, da jeder sich fragte, ob er das neue, ihm übertragene Amt annehmen würde. Die beschuhten Väter erhoben dagegen heftigen Widerspruch und legten ein GegenBreve vor, das sie erwirkt hatten, um die Visitation zu hintertreiben, und wiesen darauf hin, dass sie sich dieser entziehen könnten. Die Freunde und Verwandten des Paters Gracián drangen darauf, dieses Amt von sich zu weisen. Sein Bruder, der Sekretär Anton Gracián, riet ihm noch mehr davon ab, und es irren einige mit der Behauptung, er habe sich für die Visitation verwendet; denn ich habe von ihm Briefe an unsere hl. Mutter gesehen, in denen er auf sie einwirkte, nicht zuzugeben, dass sein Bruder sich in einen solchen Streit einlasse. Andererseits hielten sich unsere Mutter und alle Unbeschuhten (Karmeliten) für verloren, wenn man aus einer für unsere Interessen so günstigen Wendung der Dinge, wie es das unserem Pater Gracián anvertraute Amt eines Visitators war, keinen Nutzen ziehen würde. In der Tat wussten wir sehr wohl, dass uns die beschuhten Väter, wenn wir unter ihrer Gewalt verblieben, vernichten würden. Man sah es bald aus den Entscheidungen des Generalkapitels, von dem ich soeben gesprochen habe. Dies war für uns alle der Anlass, den Pater Gracián zur Annahme (des Amtes) zu bitten, und er ließ sich auch dazu herbei.

16. Er kam also zur Vornahme der Visitation nach Sevilla, versehen mit sehr weitgehenden Vollmachten des Nuntius, der mehr als irgendeiner deren Vollzug wünschte. Aber die Väter waren darüber so ungehalten, dass Pater Gracián sie bewaffnet antraf, als er die Huldigung entgegennehmen wollte. Der Tumult war so groß, dass man zu unserer hl. Mutter, die eben mit ihren Nonnen sich beim Gebete befand, eilte, um ihr mitzuteilen, dass Pater Gracián getötet, die Türen des Klosters verschlossen und der Tumult und Lärm überaus groß seien. Die Heilige war darüber verwirrt, und der Herr sprach damals zu ihr: »O kleingläubiges Weib! Beruhige dich, alles wird sehr gut ausgehen.« Es war dies am Nachmittag des Festes Mariä Opferung. Die hl. Mutter versprach, dieses Fest im reformierten Karmel jedes Jahr zu begehen, wenn Gott den Pater befreien und ihn gesund und wohlbehalten zurückführen würde.

17. Um diese Zeit hatten wir in unser Kloster eine Beatin aufgenommen, die für sehr heilig galt. Da sie sich an unsere Lebensweise nicht gewöhnen konnte, besprach sie, ohne dass unsere Mutter noch irgendeine von uns davon etwas wusste, ihren Austritt mit einigen Geistlichen, bei denen ihr unsere Mutter zu ihrem Troste die Beichte abzulegen erlaubte. Nachdem das arme Wesen sich entfernt hatte, beschloß sie zur Beschönigung ihrer Unbeständigkeit uns bei der Inquisition der Teilnahme an den Irrtümern der Illuminaten zu beschuldigen. Einer ihrer Anklagepunkte war, dass die Schwestern, teils aus Versehen, teils aus Unwissenheit zur Kommunion gingen, ohne sich, wie es Gewohnheit sei, zu verschleiern, und wir die Schleier einander reichten, wenn wir an die Reihe kamen. Da unser Kommuniongitter sich in einem (offenen) Hofraum befand, wohin die Sonne mit voller Glut schien, wie es eben bei einem noch nicht vollständig eingerichteten Hause der Fall ist, so zog sich jede, um sich gegen die Sonnenstrahlen zu schützen und mehr gesammelt beten zu können, nach der Kommunion in irgendeinen Winkel zurück und wandte das Gesicht der Mauer zu, um dem Sonnenschein zu entgehen. Dies legte sie ebenfalls schlecht aus und fügte zahllose Lügen und Verleumdungen hinzu, um gegen unsere Mutter Anklage zu erheben. Infolgedessen kam ein Abgesandter der Inquisition, um eine Untersuchung oder ein Zeugenverhör in unserem Kloster vorzunehmen. Nachdem die Wahrheit ans Licht gekommen und die von diesem armen Mädchen erhobenen Anklagen als falsch befunden worden waren, blieb die Sache beim alten. Wir aber wurden als Fremdlinge angesehen; unser vor kurzem gegründetes Kloster bestand erst sieben Monate, und gerade zu dieser Zeit war die Sekte der Illuminaten in Llerena erschienen; außerdem war die Inquisition zu uns gekommen, und die oben berichteten Verleumdungen waren zu den Ohren der Leute gedrungen; endlich arbeiteten uns die (beschuhten) Karmeliten entgegen, so dass wir vieles leiden mussten. Unsere Mutter und Pater Gracián waren sehr betrübt. An jedem Tag brachte diesem die Visitation neue Schmerzen und neue Widersprüche.

18. Der Vorteil, der uns aus dieser Prüfung, nämlich aus der Anklage bei der Inquisition, erwuchs - und wirklich kann Gott aus jedem Übel Gutes ziehen -, war folgender: Unsere Mutter war so gehorsam und so genau in der Erfüllung der Befehle ihrer Oberen und wünschte so sehnlichst dem Pater General Freude zu bereiten, dass sie im Bewusstsein des ihr zugegangenen Auftrages, sich in eines der kastilianischen Klöster zu begeben und dort zu verbleiben, den Pater Visitator inständig bat, diesen Gehorsamsakt erfüllen zu dürfen. Der Befehl des Paters General einerseits und der Gegenbefehl des apostolischen Visitators, ruhig zu bleiben und ihre Gründung zu vollenden andrerseits, endlich das Gefühl der Einsamkeit und Verlassenheit, in die uns ihre Abreise versehen würde, all das peinigte ihre Seele. Ich erinnere mich, dass sie sich eines Tages mir gegenüber sehr bitter über die Vereinsamung beklagte, in der ich sie ließe, und sie versicherte mir, dass sie seit den Prüfungen bei der Gründung des Klosters zum hl. Joseph in Ávila nie mehr so schwere Betrübnis empfunden habe. Ich beruhigte sie mit dem Hinweis, dass ihre Entfernung unter diesen Umständen nicht am Platze sei: Da die Inquisition Erkundigungen über die von diesem Mädchen erhobenen Anklagen einziehen werde, müsste sie vielleicht vor diesem Gerichte erscheinen; was würde aber geschehen, wenn man sie suchen, aber nicht mehr finden würde? »Es ist wahr, meine Tochter«, antwortete die Heilige, »du hast recht. Ich sehe jetzt ein, dass es der Wille Gottes ist, dass ich ruhig bleibe.« Ihre ganze Pein bestand darin, dass sie nicht wusste, was der Wille ihres Meisters und ihm wohlgefällig sei. Seine Majestät ließ sie zuweilen in diesem Zweifel und in dieser Ungewissheit, um ihr Gelegenheit zum Verdienste zu geben, wie sie selbst sehr oft bezeugt.

18. Seitdem dachte sie mit Freuden an das, was ich ihr damals sagte, und sie wiederholte oft mir gegenüber: »Wie gut hast du es nicht verstanden, meine Tochter, mich in dieser großen Betrübnis wahrhaft zu trösten, indem du mir sagtest, dass man mich vor die Inquisition rufen werde.« Und in der Tat, ich erinnere mich, dass ich sie auf die (missliche) Lage hingewiesen, in der wir uns in dieser Gegend befanden, und ihr vor Augen gestellt habe, dass sie dieser Vorladung (vor Gericht) nicht würde entgehen können. Ich wusste sehr wohl, dass ich sie, um sie von ihrer Betrübnis abzubringen, auf nichts Ermutigendes hinweisen konnte, als auf die Aussicht auf eine solche Prüfung und Demütigung. . . .

19. Der Pater General war über uns so aufgebracht, dass er den Herrn Tostado als Generalvikar zu uns sandte, mit dem Auftrage, unsere Klöster aufzuheben. Ich meine die der Religiosen; denn die unsrigen waren alle kraft seiner eigenen, unserer hl. Mutter erteilten Erlaubnis gegründet worden. Diese Erlaubnisscheine habe ich in Händen gehabt; es sind im ganzen drei. Es bestand also kein Grund, sich darüber zu beunruhigen. Aber dass man uns unsere hl. und innigstgeliebte Mutter wegnahm, so dass sie in Zukunft nicht mehr mit uns verkehren und uns nicht mehr, wie bisher, leiten konnte, dies bereitete uns großen Schmerz und machte uns fast untröstlich. Und in der Tat, die Visitatoren, die ihre Verdienste erkannten und einsahen, welch große Bedeutung dies für unsere Klöster habe, wollten ihr vor allem die Leitung aller Klöster anvertrauen.

20. Inzwischen starb der päpstliche Nuntius, der uns sehr gewogen war. Ein anderer kam an seine Stelle, der sich, durch den General aufgeklärt, für die Beschuhten eingenommen zeigte, dass sie sich nicht nur der Visitation entziehen, sondern auch über uns alles mögliche Böse aussagen konnten. Man nahm dem Pater Gracián die Vollmacht und erteilte sie den beschuhten Patres, uns zu visitieren. Als sich diese der Autorität und einer so ungern ertragenen Unterwürfigkeit entzogen sahen, glaubten sie ein Recht zu haben, unsere Klöster zu visitieren; sie wollten alles beschönigen, sich rechtfertigen und zeigen, dass wir ihrer nicht wert seien, und veröffentlichten dies alles. Der eine begann in Kastilien, der andere in Andalusien die Visitation; aber der König, der die zu befürchtenden Übel verhindern wollte, erließ nach Kenntnisnahme des leidenschaftlichen Treibens dieser Patres den Bescheid, wodurch die Vornahme der Visitation untersagt wurde, bis der Nuntius, der nur die beschuhten Patres angehört hatte, besser unterrichtet wäre. Alle unsere Klöster, sowohl die der Patres als auch die der Schwestern, machten von diesem Bescheide Gebrauch, mit Ausnahme der zwei Klöster in Sevilla, des Männerklosters, in dem damals Pater Nikolaus von JesuMaria Oberer war, und des Frauenklosters, dem ich als Priorin vorstand. Wir unterwarfen uns dem Schreiben des Nuntius und wollten den königlichen Bescheid nicht, wie die anderen Klöster, uns zunutze machen. Wir hielten dafür, dass wenig daran liege, ob wir von diesen oder anderen Vätern visitiert würden; denn es fand sich bei uns nichts vor, was nicht vor der ganzen Welt offenbar werden durfte. Außerdem schien uns die Unterweisung für Sevilla als besser; denn sonst wäre noch größere Unruhe entstanden wie bei der vorhergehenden Visitation. Unsere Weigerung würde dort mehr Aufsehen als anderswo erregt haben, und wir hätten uns der Gefahr ausgesetzt, dass unsere Exkommunikation an die Kirchentüren angeschlagen worden wäre, wie es, wie ich glaube, in Granada der Fall war. Wenn unsere Klöster sich auf den königlichen Bescheid beriefen und der König ihn gab, so geschah es deshalb, weil der Nuntius sich geweigert hatte, seine Macht geltend zu machen. In einem solchen Falle haben ja die Könige vermöge der ihnen verliehenen Päpstlichen Bullen das Recht, die Ausführung der Anordnungen aufzuschieben.

21. Unser Pater Gracián hatte im Jahre 1575 sein Amt als Visitator eingetreten. Er verwaltete es bis zum Jahre 1578, wo die Wirren entstanden, von denen ich soeben gesprochen habe. Zur selben Zeit hatte der Nuntius in drei Klöstern zu Madrid unseren Pater Gracián, den Pater Antonius von Jesu und den Pater Mariano in Haft setzen lassen. Alle drei waren Opfer vieler Verleumdungen, aber besonders heftig tobte der Sturm gegen Pater Gracián, und seine Strafen waren sehr empfindlich. Der Nuntius bestrafte ihn wegen einer Menge von Erfindungen und lügenhafter Angaben.

22. Unsere Mutter war betreffs der allgemeinen Interessen der Reform sehr in Sorge. Und diese wäre in der Tat dem Ruine nahe gewesen, wenn sie länger den beschuhten Vätern unterworfen geblieben wäre, wie damals, als sie unsere Oberen waren. Zu ihrem eigenen Schmerze kamen noch die Leiden ihrer Kinder, und überdies hatte man uns den gegenseitigen Verkehr verboten. Unser Herr ließ zu, dass unser Pater Nikolaus von Jesu Maria während dieser Ereignisse in Freiheit blieb. Weil er nicht das Amt eines Visitators innehatte, verfolgte man ihn nicht wie die anderen. Er begab sich an den Hof unter dem Vorwande, zugunsten eines seiner Verwandten zu unterhandeln. Auf Bitten ebendieses Verwandten erlaubte ihm der Nuntius jene unserer Patres zu sprechen, die gefangen gehalten wurden. Die einen wie die anderen waren eines Sinnes mit unserer Mutter, die dringend bat, man möge sich nach Rom wenden und mit Hilfe seiner Majestät die Errichtung einer eigenen Provinz betreiben. Endlich entschloß man sich, ihrer Meinung und ihren Anweisungen gemäß zu handeln; ich weiß dies aus vielen ihrer Briefe, die ich in Händen hatte. Es wiederholte sich in diesen beständig die Bemerkung, die Väter sollten sich nicht sicher glauben, so lange sie nicht diese Gunst von Seiner Heiligkeit erlangt hätten. Unterdessen erfuhr sie, dass die Väter der Observanz Seine Heiligkeit und die Kardinäle falsch über die Karmelitinnen informierten. Sie veranlasste aber sofort mehrere Persönlichkeiten, die in den verschiedenen Städten, wo unsere Klöster sich befanden, mit uns verkehrten und Umgang hatten, Zeugnis abzugeben, was sie von uns dächten. Nach diesen Zeugenaussagen schrieb sie mir: »Ich bin tief beschämt und verwirrt, meine Tochter, über das, was die Herren über uns gesagt. Wir sind streng verpflichtet, zu sein, wie sie uns geschildert haben, wollen wir nicht ihre Worte Lügen strafen.«

23. Diese schriftliche Zeugenaussagen wurden nach Rom geschickt. Wie immer sprach sich der ausgezeichnete Bischof Don Alvaro de Mendoza unter allen am meisten zu unseren Gunsten aus. Ich glaube nicht, dass jemand das uns mit aller Aufrichtigkeit gespendete Lob in Zweifel ziehen konnte; es war nichts anderes als der Ausdruck der wahren Gesinnung und tatsächlichen Meinung, die man von unseren Schwestern hatte. Und warum sollte man auch gegenüber so vielen angesehenen Persönlichkeiten und Mönchen verschiedener Orden einen falschen Verdacht haben? Man kann daraus ersehen, dass uns die Verleumdungen der Patres keine Schande brachten und unseren Ruf nicht untergraben. In der Tat, wer von Leidenschaft frei ist, verliert nur bei leidenschaftlichen Menschen sein Ansehen, und gewöhnlich finden derartige Angriffe in den Augen unparteiischer Personen keinen Anklang.

24. Als man den Nuntius wegen der angestrebten Trennung zu Rate zog, zeigte er sich damit einverstanden. Da er besser als früher informiert war und erkannte, dass Seine Majestät uns sehr gewogen war, änderte er seine Ansicht. Dank der Unterstützung und des Interesses, das Seine Majestät unseren Angelegenheiten entgegenbrachte, erließ Seine Heiligkeit das Breve der Trennung. Es ist darin keineswegs von unserer Mutter die Rede, und es wird auch nicht erwähnt, dass sie zuerst ihre Nonnenklöster gründete und dann mit der Gründung von Männerklöstern begann. Man hat sich dieses Umstandes bedient, um Personen, die von der Sache nichts wussten, falsche Angaben aufzudrängen, die man jetzt in der Öffentlichkeit verbreitet. Aber Schuld an dieser Unterlassung ist die unruhige Zeit, in der man um diese Gnade gebeten. Viele verachteten in der Tat das Werk und setzten es herab, weil es von einer Frau unternommen und ausgeführt wurde. Auch die Heilige wollte nicht, dass man von ihr und ihren Töchtern Erwähnung tat. Dieses Ansuchen geschah im Namen des Königs; aber obwohl dieser seinen Gesandten beauftragte, die Angelegenheit zu ordnen, hielten unsere Mutter und alle übrigen es für geraten, dass sich zu diesem Zwecke zwei unbeschuhte Karmeliten in Rom einfinden sollten. Man schickte sie also dorthin. Es waren dies Pater Johannes von Jesu, sonst Magister Roca genannt, der bei Beginn der Gründung von Pastrana in den Orden eingetreten war, und Pater Didakus von der hl. Dreifaltigkeit, ein großer Diener Gottes, der nach seiner Rückkehr aus Rom an der Pest starb. Die beiden Patres blieben mehr als ein Jahr in Rom. Sie betrieben ihre Angelegenheit beim Gesandten in weltlicher Kleidung, obwohl dieser sie gut kannte. Bei den Kardinälen gaben sie vor, Verwandte einiger Religiosen des Ordens zu sein. Um diese Aufgabe zu lösen, mussten sie in anständiger Weise auftreten. Die Nonnenklöster bestritten hiefür alle Auslagen oder wenigstens die meisten; denn unsere Mutter hatte angeordnet, dass die Kosten auf all unsere Klöster verteilt werden sollten. Es ist nicht meine Absicht, hier im einzelnen zu berichten, was wir Nonnen von Sevilla zu diesem Zwecke spendeten. Desungeachtet kann ich beweisen, dass mein Anteil größer ist als der aller anderen. Vor der Verteilung der Kosten hatte ich gerade zur Bestreitung der in Rom gemachten Ausgaben 700 Pesos bezahlt; denn mittlerweile erhielten wir ein Legat aus Indien. Ich will die Ungerechtigkeit nicht hervorheben, mit der man mich behandelte, sondern jene, die man den Nonnenklöstern zugefügt und noch immer zufügt. Ja, wir können mit gutem Rechte sagen, dass die Patres ihnen ihre Freiheit verdanken; denn die Nonnen haben sie nicht nur durch ihre allgemeine Beliebtheit und das Ansehen unserer hl. Mutter bei den Prälaten und Standesherrn Spaniens unterstützt, sondern jedes Kloster hat auch seine letzten Pfennige aufgeboten. Das wissen die Patres sehr gut…

25. Der Nuntius, der zuvor so sehr aufgebracht war, wurde durch die Milde des Königs besänftigt. Er gab uns zum Generalvikar den beschuhten Karmeliten, Pater Angelus de Salazar, dem die ganze Reform zu großem Danke verpflichtet ist. Dieser Ordensmann setzte mich wieder in das Amt als Priorin ein, das mir der andere Visitator von Andalusien abgenommen hatte. Wenn es auch den Anschein erweckt, als wollte ich mich wegen der gegen mich erhabenen Anklagen und wegen der grundlosen Beschuldigungen von seiten der beschuhten Karmeliten rechtfertigen, so will ich doch hier die Worte anführen, deren sich Pater Angelus in seinem Schreiben bediente. Dieses Schreiben war die Ursache, dass mir wieder Stimme, Sitz und Würde einer Priorin gegeben wurde. Er habe alle gegen mich erhobenen Anklagen, so sagt er, geprüft und sei zur Einsicht gekommen, dass bei dieser Angelegenheit der Richter dort Verbrechen sehen wollte, wo sie nicht vorhanden waren. Dann fügte er noch einige Worte des Lobes bei, um zu zeigen, dass ich ohne Grund abgesetzt worden sei.

26. Zur selben Zeit setzte auch der Nuntius den Pater Gracián wieder in Freiheit und hob die Strafen auf, die ihm, wie alle wohl wussten, ohne jeglichen Grund auferlegt waren. Der Pater Generalvikar sandte ihn hierauf nach Andalusien als Vikar dieser Provinz. Er blieb dort, bis das päpstliche Breve von Rom kam, also bis Ende des Jahres 1580. Am 6. März des Jahres 1581, am Feste des glorreichen Heiligen Cyrillus, wurde ein Kapitel abgehalten, bei dem kraft eines speziellen Breves Seiner Heiligkeit Pater Johannes de las Cuevas aus dem Orden des hl. Dominikus den Vorsitz führte. Man wählte dort den Pater Hieronymus Gracián von der Mutter Gottes zum Provinzial der Unbeschuhten, und die Provinz blieb von jener der Beschuhten getrennt. So erfüllte sich das Wort des Herrn an unsere hl. Mutter Theresia: »Noch zu deinen Lebzeiten wirst du den Orden sehr blühen sehen«, und das andere: »Warte ein wenig, und du wirst sehen, was ich aus dir machen werde.« Die hl. Theresia starb überaus glücklich in dem Bewusstsein, den Orden oder vielmehr diese kleine Herde von Mönchen und Nonnen in einer so glücklichen Lage zurücklassen zu dürfen und unter der Leitung eines Provinzials, den sie achtete und schätzte, wie es ihre zahllosen Briefe bezeugen. Sie teilte uns allen in der Überzeugung, dass sie auf dieser Welt nicht mehr notwendig sei, ihre Freude mit, sowie auch ihr ungestümes Verlangen, zu ihrem Innigstgeliebten zu gehen und sich an ihm zu erfreuen. In einem Briefe an mich sagte sie: »Jetzt, meine Tochter, kann ich die Worte des hl. Greises Simeon wiederholen; denn ich sehe den Orden der allerseligsten Jungfrau in einem Zustand, wie ich es gewünscht. Ich bitte und beschwöre euch darum alle, keine Gebete und demütigen Bitten um Verlängerung meines Lebens an Gott zu richten. Lasset mich die Ruhe genießen; denn ich bin hienieden nicht mehr vonnöten.« -

13. Die hl. Theresia in Burgos 1582

Bericht des Paters Petrus von der Reinigung

1. Durch Anordnung unseres Paters General wurde ich beauftragt, zu berichten, was ich von den heroischen Werken meiner hl. Mutter Theresia von Jesu, der Begründerin und Wiederherstellerin dieser neuen Reform, weiß, deren Glieder wir sind und in der wir unbeschuhte Religiosen unserer Lieben Frau vom Berge Karmel Profeß ablegten. So will ich mich denn dieser Aufgabe in möglichster Kürze entledigen. Es gäbe freilich unendlich vieles zu sagen über die Taten, das Leben und die Heiligkeit der Mutter; allein der größte Teil davon findet sich entweder in ihren Handschriften, die sie im Gehorsam und auf Befehl ihrer Oberen und Beichtväter verfasste, oder in den Schriften anderer Personen oder endlich in den Erkundigungen, die im Auftrag des erlauchten und wohlehrwürdigen Camillus Cajetano, des Nuntius Seiner Heiligkeit, und auf Bitten und inständiges Verlangen des Ordens durch Don Hieronymus Manrique, Bischof von Salamanca, sowohl in seiner als auch in anderen Diözesen Spaniens eingezogen wurden, und die auch in Portugal auf Anordnung des Patriarchen von Jerusalem, des damaligen apostolischen Delegaten dieser Länder, stattfanden. Ich werde also hier berichten, was ich aus dem eigenen Munde der hl. Mutter gehört und bei meinem Verkehr mit ihr und als ihr Begleiter während einiger Monate erfahren habe.

2. An erster Stelle muss ich an dieser großen Dienerin unseres Herrn die Liebe zu ihrem Gott und Bräutigam rühmend hervorheben, eine Liebe, die tief in ihrer Seele wurzelte; ferner ihr heißes Verlangen, für ihn zu wirken und zu leiden. Keine ihrer Handlungen genügte ihr; sie achtete immer alles für nichts im Vergleich zu dem, was sie ihrem Meister schuldete. Sie betrachtete beständig diesen, inmitten unsäglicher Leiden ans Kreuz gehefteten Meister und glaubte, dass er diese für sie allein erdulden musste. In diesem Sinne sagte sie oft zu mir: »Wie wenig tun wir doch, mein Vater, hinsichtlich der Verpflichtungen, die wir gegen unseren Herrn haben. Wie wenig tue besonders ich, die ich von ihm mehr Gnaden empfangen habe und noch jeden Tag empfange, als alle anderen Sterblichen auf Erden. Bemühen wir uns, mittels seiner göttlichen Gnade, die er uns immer im Überfluss zu geben bereit ist, unser Inneres in Ordnung zu bringen. Machen wir uns würdiger, damit die göttliche Majestät in unseren Seelen ihre Ruhe nehmen und sich niederlassen kann.«

3. Es war die glühende Liebe, die sie so sprechen ließ und unaufhörlich antrieb. Dies tritt klar zutage in einigen, von ihrer eigenen Hand geschriebenen Stoßgebeten, die noch existieren, und in anderen, die in ihren Werken enthalten sind. Diese Gebete bringen so recht das Feuer der göttlichen Liebe zum Ausdruck, das ihre Brust, ihre Seele und ihr Herz verzehrte. So oft ich sie mit Personen, sei es Welt oder Ordensleuten, sprechen und sich unterhalten sah, merkte ich immer, dass die Seelen in der Gottesliebe zunahmen. Ihre Worte waren in der Tat so erhaben, so voll Gottesliebe und mit solcher Klugheit gewürzt, dass sie die Herzen mit sich fortriss. Ich kann sagen, bezeugen und es gewiss versichern, dass jeder, der sich mit ihr unterhielt, daraus Nutzen und Fortschritt für seine Seele schöpfte und sein Leben besserte; ich allein machte hierin eine Ausnahme. Obgleich ich sehr vertraut mit ihr verkehrte und einige Male, ja selbst öfters ihre hl. Beichte entgegennahm, so muss ich doch zu meiner Schande es bekennen, dass ich aus ihren Lehren keinen Nutzen zu ziehen wusste. Und dennoch war ich ihr besonders geliebter Sohn und bin es noch. Ich habe sogar in ganz hervorragender Weise ihre Güte erfahren.

4. Ich will hier etwas von einem Manne aus einer Stadt Kastiliens erzählen, den ich sehr gut gekannt habe. Er galt allgemein als ein Stichler und Witzbold. Da er überdies gebildet war und einen scharfen Verstand hatte, wurde er zuweilen beißend. Sobald er mit der hl. Mutter zusammenkam, änderte er sich derart, dass er beim Adel der Stadt einen ganz anderen Ruf genoß; denn er selbst war adelig und verkehrte mit der vornehmen Welt. Von da an hörte man ihn von Gott reden, von den Angelegenheiten seiner Seele, und er lebte zurückgezogener als die übrigen Mitglieder seines Standes. Schließlich sagten mir sogar die angesehensten Männer der Stadt, Würdenträger der Kathedrale, es seien die Tugenden und Eigenschaften der hl. Mutter Theresia von Jesu, ihr persönliches Verdienst und ihre Macht bei Gott offen zutage getreten, da ihre Gespräche eine solche Veränderung an jenem Herrn bewirkt und ihn in einen ganz anderen Menschen umgewandelt hätten. Der übrige Teil der Stadt hatte dieselbe Ansicht.

5. Im Verkehr mit dieser erhabenen Mutter erfüllte mich etwas mit besonderer Bewunderung: ich bemerkte es oft und richtete meine ganze Aufmerksamkeit darauf. Mochte sie auch drei oder vier aufeinander folgende Stunden lang reden - denn es war zuweilen notwendig, dass ich entweder mit ihr allein oder im Beisein von anderen über (verschiedene) Angelegenheiten verhandelte -, so war (doch) ihre Unterhaltung so angenehm, ihre Worte so erhaben, ihre Lippen bewegten sich so freudig, dass man nicht müde wurde, sie zu hören, und es überaus schmerzlich empfand, sich von ihr trennen zu müssen. Nie vernahm ich ein Wort von ihr, das man als unnütz hätte bezeichnen können; und doch - ich wiederhole es - beobachtete ich sie mit der größten Aufmerksamkeit. Niemand ging traurig von ihr hinweg. Jeder fand in ihren Worten Trost und Erleichterung seines Kummers. Sie hatte inniges Mitleid mit der Not der armen Leute und half, wenn es ihr anders nicht möglich war, mit Wort und Gebet.

6. Als sie sich zur Gründung nach Burgos begab, erhielt ich den Auftrag, sie zu begleiten und mit ihr in jener Stadt zu bleiben. Der gute Erzbischof, der indessen ihr Freund, ihr Verehrer, ihr Verwandter und außerdem ein großer Diener Gottes war, hatte sie sowohl brieflich ersucht, sich dorthin zu begeben, als auch dem Don Alvaro de Mendoza, Bischof von Palenzia, mündlich erklärt, dass sie ein Nonnenkloster in der Stadt Burgos gründen könne. Wir kamen in großem Elend an; denn es war Januar und es gab Überschwemmungen und viel Schnee. Unser Herr fügte es so zum größten Verdienst der Heiligen und zur Übung der Geduld ihrer Begleitung. Der Erzbischof verweigerte die Erlaubnis zur Gründung, bald unter dem Vorwand, dass das Kloster Einkünfte haben müsse, bald indem er andere Ausreden vorbrachte. So ließ er die hl. Mutter drei Monate lang ohne Klausur warten, ja er verbot sogar Messe in dem Hause zu lesen, das ich für die Nonnen gekauft, und aus dem das jetzige Kloster entstanden. Ich führte sie zur Messe, hörte ihre Beichte und reichte ihnen in der nicht weit entfernten Kirche eines Spitals, San Lucas mit Namen, die hl. Kommunion. Die hl. Mutter ertrug all das mit weit größerer Geduld als wir, die wir die Angelegenheit betrieben, und man verschob auch wirklich die Erlaubnis von Tag zu Tag.

7. Als ich eines Tages beim Erzbischof zu Tische war, bemerkte ich Seiner erlauchten Herrlichkeit gegenüber, dass man nicht gut von ihm rede, da er so lange die Erlaubnis verweigerte, das Allerheiligste Sakrament einzusetzen und die Messe für die Nonnen lesen zu lassen. Ich ersuchte ihn, von dieser Weigerung abzustehen, um so den Leuten nicht weiteren Anlass zum Kritisieren zu geben. Man wolle sich ja völlig dem Wunsche Seiner Herrlichkeit unterwerfen, und darum möge sie mir die Erlaubnis geben. Der gegenwärtige Hochwürdigste Bischof von Calahorra, der damals erster Domherr der Kathedrale war, unterstützte meine Bitte. Der Erzbischof antwortete uns, dass er am Abend des nächsten Tages mir gewiss die Bewilligung geben werde und ich darauf rechnen könne. Voll Freude benachrichtigte ich sogleich die hl. Mutter. Sie war nur halbwegs damit zufrieden. Ohne Zweifel hatte sie von dem, der sie von ihren Besorgnissen befreite, noch nicht volle Zusicherung erhalten.

8. Am anderen Tage begab ich mich zum Erzbischof. Er brachte neue Gründe für seine Weigerung vor. Ich sagte ihm hierüber meine Meinung und wurde vom obengenannten Bischof und einem anderen Edelmann unterstützt. Schließlich verließen wir alle drei voll Zorn die Wohnung des Erzbischofs. Ich begab mich zur hl. Mutter; ich war aber noch nicht angekommen, als sie zur Nonne, die den Türschlüssel hatte, sagte: »Öffnen Sie dem Pater Petrus, der kommt.« Sie erriet den Kummer, der mich drückte, oder sie hatte davon schon Kenntnis. Ich brachte unzählige Klagen über den Erzbischof und seine Unentschlossenheit vor und sagte, dass es mich schließlich am meisten schmerze, sie mit ihren Nonnen in solcher Lage zu sehen, allein ohne Begleiter dazustehen, - der Bischof konnte nicht immer bei mir sein - und endlich mich als Verbrecher zu fühlen, den man durch die Straßen der Stadt jagt. Ich versicherte sie, dass ich in mein Kloster zurückkehren würde, wenn nicht sie sich in Burgos befände. Sie sprach mit überaus liebevollen, wahrhaft himmlischen Worten zu mir, die wohl imstande waren, unsere betrübten Herzen zu trösten. Aber mein Herz befand sich in einem solchen Zustand, dass es wenig Trost daraus schöpfte. Schließlich sagte sie zu mir: »Gehen wir auf die andere Seite dieses Geländers, damit unsere Schwestern uns nicht hören.« Und dort eröffnete sie mir ihr Herz und richtete folgende Worte an mich: »Mein lieber Vater, ich weiß wohl, dass Sie sich überaus abgemüht haben und diese Angelegenheit Sie ganz verdrießlich macht. Ich weiß, dass meine und meiner Schwestern unangenehme Lage Sie weit schmerzlicher berührt als Ihre eigene Betrübnis. Ich weiß auch, dass der Erzbischof schrecklich ist mit all seinem Zaudern und dass infolgedessen Euer Wohlehrwürden und unsere Freunde versucht sind, das Vertrauen auf den glücklichen Ausgang dieser Gründung zu verlieren. Aber ich habe vom Herrn das Versprechen erhalten, dass sie zustande kommen werde; ich halte sie für sicherer, als wenn ich sie mit meinen Augen sähe. Und in der Tat, als Euer Wohlehrwürden von Granada kamen, um mich zur Klostergründung in jene Stadt zu führen, bat man mich zu gleicher Zeit, dieses hier zu gründen. Unentschlossen, wohin ich gehen sollte, legte ich die Angelegenheit in die Hände Gottes; denn seit zwölf Jahren fühle ich mich angetrieben, nach Burgos zu kommen, und andrerseits wusste ich, dass die Gründung von Granada großen Segen bringen werde. Ich verlegte mich auf beharrliches Gebet und bat seine Majestät inständig, mich erkennen zu lassen, was ihm das Angenehmste sei. Unser Herr erschien mir in einer bildhaften Schauung, die bestimmter war, als wenn ich ihn mit körperlichen Augen gesehen hätte, und sagte folgendes zu mir:

9. »Verwirkliche, meine Tochter Theresia, diese zwei Gründungen. Schicke irgend jemand in deinem Namen nach Granada; die Gründung wird leicht zustande kommen. Du aber reise unverzüglich nach Burgos ab. Du wirst dort Widerspruch von seiten dessen finden, der über die Niederlassung nicht erfreut ist, und viele Prüfungen antreffen; aber du wirst das Werk zu Ende führen. Der Name Theresia von Jesu ist mächtig. Was viel wert ist, muss teuer bezahlt werden. Es wird mir sehr gut in diesem Kloster gedient werden. Beeile dich, abzureisen.«

10. Und die hl. Mutter fügte hinzu: »Mein Vater, nach diesen Worten dürfen Euer Wohlehrwürden sich nicht wundern, wenn ich über die vom Teufel mir bereiteten Hindernisse lache und, ohne mich im geringsten zu beunruhigen, einzig auf den guten Willen des Erzbischofs rechne, um uns gefällig zu sein.«

11. Der Herr ist mein Zeuge, dass diese Worte jede Wolke der Traurigkeit vollständig aus meinem Herzen verscheuchten. Es scheint mir sogar, dass ich den Gleichmut inmitten noch größerer Schwierigkeiten bewahrt hätte, wenn die Verhandlungen sich auch noch zwanzig Monate hinausgeschoben hätten. Wenn (schon) diese Gespräche so viel Eindruck auf mich machten, ist es dann zu verwundern, dass die Worte und die Gegenwart Jesu Christi, unseres Herrn, die Seele dieser Heiligen mit solchem Vertrauen und solcher Festigkeit erfüllten? War sie ja doch auf so bestimmte, gewisse und beständige Weise damit begnadigt!

12. In den Verfolgungen, die sie sowohl im Verlaufe ihrer Gründungen, als auch wegen anderer wichtiger Angelegenheiten auf sich nehmen musste - man verdächtigte sie falsch und verleumdete sie bei angesehenen Persönlichkeiten -, zeigte sie eine unüberwindliche Geduld und Ausdauer. Dies geht zum Teil klar hervor aus dem von ihr selbst beschriebenen Buch ihres »Lebens«, wo sie von der Gründung des Klosters in Ávila spricht, dem ersten, das errichtet wurde; ebenso ist es ersichtlich aus den Umständen der Gründung von Medina del Campo und noch aus anderen Stellen ihrer Werke. So viel weiß ich von ihr bezüglich dieses Punktes. Wenn man ihr gegenüber die Anklagepunkte erwähnte, womit man sie fälschlich beschuldigte, antwortete sie in überaus freudiger und liebenswürdiger Weise: »Alle, die den Mund geöffnet, um Schlechtes über mich zu sagen, haben mir unzählige Vorteile verschafft.« Einmal - und vielleicht geschah es öfters - sagte sie zu mir folgendes: »Ich versichere Sie, mein Vater, dass ich für jeden, von dem ich erfahre, dass er Böses über mich aussagt, zu Gott flehe und ihn inständig bitte, er möge das Herz, den Mund und die Hände dieses Menschen vor jeder Beleidigung gegen seine Person bewahren. Dann betrachte ich ihn nicht als einen, der mir Übles will, sondern als Diener Gottes, unseres Herrn, der vom Heiligen Geiste als Werkzeug erwählt ist, mir Gutes zu tun und zu meinem Heile mir behilflich zu sein.« Und sie fügte hinzu: »Glauben Sie mir, mein Vater, die beste und stärkste Lanze zur Eroberung des Himmels ist die Geduld in Prüfungen. Sie macht den Menschen zum Besitzer und Herrn seiner Seele, wie unser Herr zu seinen Aposteln gesprochen.«

13. Weder ihre erhabenen Übungen der Tugend und Vollkommenheit, noch ihr Gebet und ihre Betrachtung, weder ihre Verzückungen, Ekstasen und Visionen, noch die glühende Nächstenliebe, die ihre Seele erfüllte, haben mich so mit Bewunderung erfüllt als diese an ihr hervorleuchtende göttliche Gabe der Geduld. Es möge niemand glauben, dass ihre Geduld nur in geringfügigen Dingen und Fragen, die ihre Ehre nicht berührten, geprüft wurde. Man erhob im Gegenteil die schwersten Verleumdungen gegen sie und berichtete nach Rom unzählige Unwahrheiten. Und so handelten Religiosen, die im Rufe von Ehrenmännern standen. Sie hatten keinen anderen Zweck, als die fortgesetzten Klosterstiftungen zu verhindern, die sie unternommen und zur großen Ehre Gottes und zum Heile der Seelen ins Werk gesetzt hatte.

14. Ich erinnere mich, dass sie, wenn ich sie an eine gewisse, wahrhaft schreckliche Verleumdung erinnerte, zu lachen anfing und sagte: »Ich würde wohl Schlimmeres getan haben, wenn mich unser Herr nicht mit seiner heiligen Hand beschützt hätte. Am meisten zu befürchten und am schmerzlichsten für mich ist der Schaden, den einer seiner Seele zufügt, der solche Dinge behauptet. Ich wollte gerne Schimpf und Schmerzen erdulden, damit er Gott nicht beleidigte und von der Sünde frei würde. Jenem aber, der falsch angeklagt wird, fügt man kein anderes Übel zu, als dass ihm Gelegenheit zum Verdienste geboten wird.«

15. Sie gestand oft ihre einstigen kleinen Fehler in überaus heiterer und anmutiger Weise. Als wir eines Tages von irgendeiner Unvollkommenheit sprachen, die man bei Personen antrifft, die anfangen, Gott zu dienen, sagte sie zu mir: »Wissen Sie, mein Vater, man hat mir in meinem Leben drei Lobsprüche erteilt. Man sagte, dass ich klug, heilig und schön sei. Von diesen drei Lobsprüchen glaubte ich zwei und meinte, sie zu verdienen. Ich glaubte, dass ich klug und schön sei; das war eine große Eitelkeit. Aber wenn man mir sagte, dass ich tugendhaft und heilig sei, erkannte ich immer die darin liegende Täuschung. Daher musste ich nie die Einwilligung in einen solchen Gedanken beichten, und kein Lob dieser Art flößte mir eitlen Ruhm ein.«

16. Sie hatte sehr große Ehrfurcht vor dem Allerheiligsten Altarsakrament und vor der Beichte. Daher kommunizierte sie sehr oft, und wenn sie dazu keine Gelegenheit hatte, beichtete sie, um nicht der Gnaden verlustig zu gehen, die ihr Gott mittels der Sakramente gewährte. Ich empfand deshalb eine besondere Freude, ihr die Kommunion reichen und ihre Beichte entgegennehmen zu können, weil ich dadurch Zeuge ihrer Liebe und ihrer Andacht zu diesen hl. Handlungen wurde. Als sie einmal nicht kommunizieren konnte, weil wir uns in einem weltlichen Hause befanden, bat sie mich, ihre Beichte abzunehmen. Ich antwortete ihr: »Jesus, meine Mutter, belästigen Sie mich nicht. Ich weiß nicht, was Sie beichten wollen; um Stoff zur Absolution zu finden, werden wir auf die Fehler Ihrer ersten Kindheit zurückkommen müssen.« Sie antwortete mir ernst und demütig: »Seien Sie, mein lieber Vater, nicht geizig mit den Reichtümern, die Ihnen gar nicht gehören. Da uns Gott ja eine besondere Gnade in seinen Sakramenten mitteilt, und zwar durch euch, Hochwürdige Herren, die ihr seine Diener seid und nichts von euerem Besitztum gebet, so verweigern Sie mir nicht einen so großen Schatz. Sie verlieren in der Tat nichts, mein Herr, Sie gewinnen im Gegenteil, indem Sie Sünden verzeihen und ein so heiliges Sakrament würdig spenden.«

17. Ich übergehe stillschweigend sehr viele andere ausgezeichnete Tugenden, weil die Nonnen, die lange mit ihr zusammenlebten, sie berichten werden und ihre Bücher und andere Abhandlungen davon überfüllt sind. Ich sagte nur, was ich wusste, um meinen Auftrag zu erfüllen, und ich unterzeichne mit meinem Namen.

Ausgefertigt am 2. Februar 1602.

Bruder Petrus von der Reinigung.

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