St. Johann im Münstertal

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Koordinaten: 46°37′47″ N 10°26′54″ E

Kloster St. Johann

Das Benediktinerinnenkloster St. Johann im Münstertal (Claustra San Jon, Müstair) ist für seine karolinigischen Fresken bekannt und seit Dezember 1983 in die Welterbe-Liste der UNESCO aufgenommen.


Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Karl der Große machte um 772-774 den Churer Bischof Constantius zum weltlichen Verwalter von Churrätien, um sich die Pässe zu sichern, die ihm zur Eroberung des Langobardenreichs nützlich waren. Constantius oder sein Nachfolger Remedius gründete um 775 am Ausgang des Oberalppasses ein Herbergskloster, um den Zugang zum Vintschgau, der ebenfalls zum Bistum Chur gehörte. Patron dieses benediktinischen Männerklosters in den Bergen wurde der hl. Johannes der Täufer, der Heilige der Wüste. Das Stiftung wurde schlicht Monasterium (Kloster) genannt, wovon sich der heutige Name Müstair ableitet. Um das Kloster näher zu bezeichnen, verwendete man den Namen der Landschaft: Monasterium Tuberis, das Kloster in Tuberis. Aus Tuberis (vorlateinisch für tob: Tobel, Korridor) wurde im 11./12. Jahrhundert die Bezeichnung des Dorfes Taufers.

806 gelangte das bischöfliche Eigenkloster unter fränkische Herrschaft, aber der Churer Bischof konnte es 881 gegen andere Kirchen wieder eintauschen. Die Stiftung wurde besonders durch Bischof Norbert, früher Domherr in Augsburg, († 1088) gefördert, der dort für sich Kapellen und eine Wohnung errichten liess.

Zu Beginn des 12. Jahrhunderts hatte das Männerkloster seine Kraft eingebüsst und Bischof Konrad I. von Biberegg (1123-1145) sorgte zusammen mit den Herren von Tarasp dafür, dass Benediktinerinnen in die Gebäude einzogen. Der hl. Bischof Adalgott gab ihnen geistlichen halt und Bischof Egino sorgte sich um die wirtschaftliche Tragfähigkeit. Der Besitz und der Einfluss der Nonnen erstreckte sich vom Ötztal übers Unterengadin ins Vintschgau und das Etschgebiet.

Im 14. und 15. Jh. erlebte das Kloster eine Blütezeit der Mystik, die sich besonders in der Verehrung einer wunderbaren Blut-Hostie ausdrückte. 1492 gestaltete die baufreudige Äbtissin Angelina Planta die Klosterkirche zur spätgotischen Hallenkirche um.

1499, im Schwabenkrieg, kämpften Österreicher und Bündner gegeneinander. Das Kloster wurde besetzt, gebrandschatzt, geplündert, die Äbtissin gefangen genommen. Nach der Schlacht an der Calven kehrte die Äbtissin ins Münstertal zurück und baute wieder auf. Unter anderem baute sie den aufs Jahr 958 zurückgehenden ausgebrannten Plantaturm als Wohnturm wieder auf.

Während der Reformationszeit übernahm das Frauenstift den Unterhalt für den Ortspfarrer, um das Tal im alten Glauben zu bewahren und später wurden italienische und tyrolische Kapuziner für die Seelsorge geholt. Im Dreissigjährigen Krieg wiederholten sich Besetzung und Plünderungen. Die Klosterbücher verzeichnen grosse Verluste an Zinn, Silber und Vieh.

Das Kriegsjahr 1799 beendete die Blütezeit. 1803 nahm die Habsburger-Regierung alle auf österreichischem Gebiet liegenden Güter in Besitz. Im 19. Jh. fiel die Stiftung an die Kastvogtei der Bündner Regierung, welche die bisherige habsburgische Vogtei ersetzte. Trotz der schwierigen Zeiten konnte sich das Kloster wieder langsam erholen.

Heute wohnen im Kloster ca. 12 Nonnen, die durch Herstellung von Engadiner- und Berner-Trachten ein einkommen haben. Das Kloster untersteht dem Bischof von Chur, der jedoch die Visitationspflicht dem Abt von Disentis übertragen hat, da die Mönche von Disentis auch den Spiritual und den Administrator stellen.

Karolingischer Freskenzyklus

St. Johann im Münstertal ist vor allem bekannt wegen seiner einzigartigen karolingischen und romanischen Wandbildern in der Klosterkirche, die aus dem 8. oder frühen 9. Jahrhundert stammen. Es handelt sich um Teile eines Bibelzyklus in fünf Streifen, der von der Südwand über die West- zur Nordwand zu lesen ist. Der oberste Streifen, welcher heute vom Kirchenraum aus nicht mehr sichtbar ist, stellt einen David-Zyklus dar. Die drei darunter anschliessenden Streifen zeigen Szenen aus Jugend, Leben und Passion Christi. Im untersten Steifen ist eine Apostel-Kreuzigung dargestellt. Der Zyklus wird an der Westwand mit einer Monumentaldarstellung des Jüngsten Gerichts abgeschlossen.

Die zwei Schweizer Kunsthistoriker Josef Zemp und Robert Durrer entdecktehn 1894 den Freskenzyklus aus karolingischer Zeit. 1947-1952 wurden die Fresken freigelegt und restauriert.


Gnadenbild

Seit 1838 befindet sich im Benediktinerinnenkloster ein Marien-Gnadenbild. Es stellt Maria Himmelfahrt dar:

Maria in jugendlicher Gestalt in rotem wallendem Kleid, blauem Mantel, mit aufgelösten Haaren, steht betend auf dem Halbmond. Zwei Engel halten mit der einen Hand den Halbmond und berühren mit der anderen den unteren Saum des Kleides der Gottesmutter. Die mittleren Engel stützen die Gottesmutter in recht kindlicher Weise. Die oberen Engel halten die Krone über das Haupt Mariens. Unter dem Halbmond befinden sich drei Engelköpfe.

Das Bild stammt aus dem Jahre 1621.

Nach der Legende soll die Gemahlin Karls des Großen bei der Rückkehr von der Kaiserkrönung in Rom am Orte, der dann Sta. Maria genannt wurde, zum Dank für die Errettung aus Lawinennot eine Votivkirche errichtet haben. In der Nähe wurde ein Hospiz für Pilger und Wanderer gebaut.

1528 wurde das Münstertal von der reformiert - nur Müstair selber blieb katholisch. Die Katholiken konnten durften Simultankirche mit dem Gnadenbild in Sta. Maria mitbenützen. Nach dem Tod der letzten katholischen Frau in Sta. Maria gingen die vollen Besitzrechte an die Reformierten über, worauf am 24. Februar 1838 das Gnadenbild feierlich nach Müstair übertragen wurde.

Die Verehrung des Gnadenbildes erfuhr bald neuen Aufschwung durch die auffallende Heilung der 23jährigen, schwerkranken Nonne Katharina Willi, die am 4. Juni 1838 an epileptischen Anfällen und heftigen rheumatischen Schmerzen erkrankt war und deren Tod man im November 1838 stündlich erwartete. Am 16. November begann die Kranke zusammen mit den anderen Nonnen eine Novene zu Ehren der lieben Gottesmutter. Am folgenden Tag, während am Gnadenaltar die Heilige Messe gelesen wurde, verlangte die Kranke ihre Kleider, eilte ans Fenster des Krankenzimmers, welches einen Blick in die Gnadenkapelle gewährt. Am Fenster angekommen, rief sie: "O chara mamma da Dieu" (O liebe Gottesmutter) und war vollständig gesund. Sie erlebte noch das 50jährige Übertragungsjubiläum.

Zahlreiche Votivgaben an der Rückwand der Kapelle zeugen von der Hilfe der Gottesmutter in Müstair.

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